rhw management Lebensmittelrecht: Wer trägt die Verantwortung? (Vorschau)
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hw<br />
rationelle hauswirtschaft<br />
<strong>management</strong><br />
B 3437 E<br />
4<br />
April 2013<br />
50. Jahrgang<br />
www.<strong>rhw</strong>-<strong>management</strong>.de<br />
Das Fachmagazin für Führungskräfte in der Hauswirtschaft<br />
c<br />
<strong>Lebensmittelrecht</strong><br />
<strong>Wer</strong> <strong>trägt</strong> <strong>die</strong><br />
<strong>Verantwortung</strong>?<br />
Wäsche im Altenheim<br />
Chemothermische<br />
Desinfektion<br />
Leistungswettbewerb<br />
Ein Mann gewinnt<br />
in Göppingen
[Die aktuelle CD]<br />
Schulen ohne Schranken<br />
Schulungen zur Weitergabe hauswirtschaftlichen Wissens erfordern bei Menschen mit geistigen Behinderungen<br />
und vergleichbarem Unterstützungsbedarf eine besondere Vorbereitung und didaktische Methoden.<br />
Diese CD-ROM beinhaltet ein Schulungskonzept, das in der Praxis bereits mehrfach erfolgreich<br />
erprobt worden ist.<br />
Die Autorin Dipl. oec. troh. (FH) Sabine Ebert, Jahrgang 1978, leitet <strong>die</strong> Abteilung Raumpflege im Fachbereich Hauswirtschaft<br />
der Johannes-Diakonie Mosbach. Sabine Ebert entwickelte für <strong>die</strong> Weitergabe von Wissen zu Reinigungs-, Hygiene-<br />
und Küchenfragen ein Schulungskonzept für Menschen mit Behinderungen in ihrer Einrichtung. Dieses Konzept<br />
fand in der Fachwelt bei Vorträgen auf diversen Tagungen bereits großen Anklang. Das Praktische an <strong>die</strong>ser CD-ROM-<br />
Veröffentlichung: Der Nutzer braucht nur das auszudrucken, was wirklich für <strong>die</strong> Schulung benötigt wird.<br />
Ergänzend sind <strong>die</strong> 50 wichtigsten Folien im Powerpoint-Format abgespeichert und somit sofort einsetzbar und aktualisierbar<br />
für <strong>die</strong> Schulung! Zusätzliche Anregung für Themen und Diskussionen bieten darüber hinaus<br />
<strong>die</strong> über 80 Fragen von <strong>rhw</strong>-Lesern aus allen Bereichen der Hauswirtschaft (wie Wäsche, Reinigung,<br />
Ernährung, Hygiene), <strong>die</strong> von einem kompetenten Expertenteam beantwortet wurden.<br />
Verlag Neuer Merkur · 22,90 Euro SBN 978-3-937346-76-2<br />
119 Seiten als PDF-Dokument, 50 Folien, 80 Fragen mit Antworten<br />
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Telefon (0 79 53) 7 18 90 08 • E-Mail buchbestellung@fachbuchdirekt.de<br />
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Editorial<br />
Mann traut sich …<br />
Im Moment muss sich <strong>die</strong> traditionell<br />
weiblich geprägte Hauswirtschafts-Branche<br />
um eine Männerquote wohl keine<br />
Gedanken machen. Denn so deutlich wie<br />
in <strong>die</strong>sem Jahr sind <strong>die</strong> Männer in der Hauswirtschaft<br />
noch nicht in Erscheinung getreten.<br />
Ein paar Beispiele gefällig?<br />
u der zweite Vorsitzende des Berufsverbandes<br />
Hauswirtschaft ist Wolfgang<br />
Neises<br />
u der stellvertretende Vorsitzende des<br />
MdH ist Fachlehrer Martin Hartmann<br />
aus Göppingen<br />
u der stellvertretende Vorsitzende der<br />
BAG-HW ist Daniel Fuchs vom Volkssolidarität<br />
Bundesverband e.V.<br />
u der stellvertretende Vorsitzende im<br />
IVHW-Beirat ist Stefan Wahlen aus Koblenz.<br />
Als beim Bundesleistungswettbewerb<br />
vor wenigen Tagen in Göppingen ein Vertreter<br />
der Politik fast schon automatisch<br />
nur den Teilnehmerinnen für ihre Leistung<br />
dankte, da brandete von den 18 Landessiegerinnen<br />
eine Art beschützender Protestjubel<br />
auf, schließlich war ja mit David<br />
Rummeney auch ein Mann in ihren Reihen.<br />
Er sollte später am Abend dann sogar den<br />
Bundesleistungswettbewerb der Hauswirtschaft<br />
gewinnen – ein Novum in der<br />
fast 25-jährigen Geschichte des Wettbewerbes,<br />
der 2014 übrigens in Leipzig ausgerichtet<br />
wird. Wir berichten ab Seite 32.<br />
Ist <strong>die</strong> Zeit also reif für Männer in erster<br />
Reihe in der Hauswirtschaft? Es bleibt<br />
zu wünschen, dass <strong>die</strong> Herren mit ihren<br />
Ideen sich auch in <strong>die</strong> erste Reihe trauen,<br />
aber Stellvertreter zu sein ist ja schon mal<br />
ein Anfang.<br />
Jürgen Lewerenz von der Bildungswerkstatt<br />
Schwerin, der bei mancher Tagung<br />
mit seiner ruhigen Art, aber knallharten<br />
Fakten zur deutschen Ausbildung<br />
das Publikum fast schon schockierte, ist<br />
so ein Typ „für <strong>die</strong> erste Reihe“. Es ist schade,<br />
dass das Hauswirtschaft-Projekt „Jobstarter“,<br />
das er mit Leidenschaft verfolgt<br />
hat, nun nach sechs Jahren in Mecklenburg-<br />
Vorpommern ausgelaufen ist.<br />
Herzliche Grüße<br />
Für Sie durchgeblättert: <strong>rhw</strong> praxis 1/2013: „Textilien und Hygiene“<br />
Viele warten schon<br />
gespannt auf <strong>die</strong> neue<br />
Wäscheleitlinie, <strong>die</strong> im<br />
Mai 2013 erscheinen<br />
soll – wir durften in <strong>rhw</strong><br />
praxis einen Auszug<br />
veröffentlichen.<br />
<strong>rhw</strong> praxis feiert in <strong>die</strong>sem<br />
Jahr 10. Jubiläum.<br />
Infos zum Abo Seite 43.<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013 3
Inhalt<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013<br />
Editorial 3<br />
Inhalt 4<br />
Wissen<br />
Thema des Monats 5<br />
Aktuelles 6<br />
Expertenforum<br />
Was hinter Trainee-Programmen<br />
für HWL’s steckt<br />
Ab Seite 14<br />
Die <strong>rhw</strong>-Experten 8<br />
Fachthema<br />
a<br />
a<br />
a<br />
„Generation S“ 10<br />
HWL-Trainees: fit für<br />
Führungsaufgaben 14<br />
Keine Chance für<br />
unangenehme Gerüche 18<br />
Chemothermische<br />
Wäschedesinfektion 26<br />
<strong>Lebensmittelrecht</strong>: <strong>Wer</strong> <strong>trägt</strong><br />
<strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong>? 30<br />
Berufsbildung<br />
Was man über Brandschutz<br />
wissen muss 21<br />
Report<br />
David Rummeney gewinnt! 32<br />
a<br />
So tagen wir in Zukunft! 36<br />
100 Jahre Hauswirtschaft:<br />
Wäscherei als Geschenk 39<br />
Marktplatz 34<br />
Service<br />
Impressum 41<br />
Stellenangebote/<strong>Vorschau</strong> 41<br />
Fortbildung 42<br />
Titelfotos: Quant GmbH, Robert Baumann<br />
Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegen Beilagen bei<br />
zum 15. <strong>rhw</strong>-Symposium, zum 7. <strong>rhw</strong>-Erfolgstag und<br />
zum Buchprogramm des Verlags Neuer Merkur.<br />
Tabuthema Gerüche in Heimen:<br />
einfache Dinge beachten<br />
Ab Seite 18<br />
Desinfizierend Waschen – welche<br />
Stellschrauben sind wichtig?<br />
Ab Seite 26<br />
100 Jahre Fachakademie Triesdorf – und<br />
als Geschenk gab es eine neue Wäscherei<br />
Ab Seite 39<br />
Fotos Inhalt: GDA, Reinhard Wylegalla, Robert Baumann, Fachakademie Triesdorf<br />
4 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Thema des Monats<br />
Claudia Forster-Bard<br />
Die neue MdH-Vorsitzende<br />
im Steckbrief<br />
DR.SCHNELL für<br />
Ihre Gesundheit und<br />
unsere Umwelt.<br />
Claudia Forster-Bard wurde Ende<br />
Februar 2013 zur neuen Vorsitzenden<br />
des Bundesverbands hauswirtschaftlicher<br />
Berufe MdH e.V. für 2013<br />
bis 2016 gewählt. Wir trafen sie beim<br />
Bundesleistungswettbewerb der Hauswirtschaft<br />
in Göppingen (mehr ab Seite<br />
32) und stellen <strong>die</strong> Saarländerin im<br />
Steckbrief näher vor.<br />
c So sah meine Ausbildung/Studium<br />
und Fortbildung aus…<br />
d 1988 Abschluss zur Hauswirtschafterin,<br />
Ausbildung im Ökoweingut Sander/Rheinhessen<br />
1990 Abschluss zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin an der<br />
Fachschule für Hauswirtschaft, Boppard<br />
2007 – 2009 sonderpädagogische Zusatzausbildung berufsbegleitend<br />
2009 – 2011 Ausbildung zur HOT-Trainerin, Zertifikatskurs des<br />
deutschen Caritasverbandes, befähigt zum Einsatz in Familien in<br />
schwierigen Lebenssituationen, ebenfalls berufsbegleitend.<br />
c Beruflich habe ich Erfahrung in folgenden Einrichtungen gesammelt…<br />
d Nach der Familienphase habe ich zunächst in einem Stadtteilprojekt<br />
zur Qualifizierung von Frauen gearbeitet. In einem Café mit<br />
Mittagstisch konnten soziale und hauswirtschaftliche Kompetenzen<br />
erworben werden. Dann habe ich im SOS-Ausbildungs- und Beschäftigungszentrum<br />
Saarbrücken Hauswirtschafterinnen ausgebildet<br />
und in der Qualifizierung von AGH-Teilnehmern gearbeitet.<br />
c Heute arbeite ich hier…<br />
d Seit 2007 arbeite ich als Hauswirtschaftsleitung im Theresienheim.<br />
Das ist eine Einrichtung der Caritas: ein Zentrum der heilpädagogischen<br />
Kinder,- Jugend- und Familienhilfe in Saarbrücken. Dort bin<br />
ich für den Personaleinsatz und Personalentwicklung der hauswirtschaftlichen<br />
Mitarbeiter verantwortlich. Außerdem übe ich <strong>die</strong> Funktion<br />
der Hygienebeauftragten und der Sicherheitsbeauftragten aus.<br />
Besonders viel Freude macht mir der Einsatz im Bereich der Familienhilfe.<br />
Mit 15 Wochenstunden gebe ich Kurse im Haushaltstraining<br />
und Kochkurse für alleinerziehende Mütter und Väter.<br />
c Meine bisherigen Aufgaben beim MdH waren…<br />
d Seit 2007 stellvertretende Vorsitzende im Bundesverband hauswirtschaftlicher<br />
Berufe. Seit <strong>die</strong>ser Zeit vertrete ich den Bundesverband<br />
im Arbeitskreis Verbände des vzbv und im Fachausschuss hauswirtschaftliche<br />
Dienstleistungsbetriebe der dgh. Natürlich habe ich<br />
als Mitglied des Vorstandes an allen Delegiertenversammlungen und<br />
an den jährlich stattfindenden Bundesleistungswettbewerben teilgenommen.<br />
Seit 2012 leite ich den Vorstand kommissarisch als Vorsitzende,<br />
<strong>die</strong>se Aufgabe habe ich als große Herausforderung wahrgenommen<br />
und mich konsequenterweise zur Wahl der ersten Vorsitzenden zur<br />
Verfügung gestellt.<br />
Wir stellen aus: Halle 3, Stand 411<br />
Nürnberg, 09.-11.04.2013<br />
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!<br />
Maßgeschneiderte Hygienelösungen<br />
und exzellenter Service<br />
www.dr-schnell.com<br />
Tel. +49/(0)89/35 06 08 0<br />
c Hauswirtschaft heißt für mich…<br />
d Mit fünf Bällen gleichzeitig jonglieren. t<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 5
Aktuelles<br />
Zuckerersatzstoff<br />
Stevia nicht gesünder als andere Süßungsalternativen<br />
Seit Dezember 2011 ist Steviolglycoside,<br />
umgangssprachlich Stevia abgekürzt,<br />
in der Europäischen Union als<br />
Süßungsmittel zugelassen. Gewonnen wird<br />
Stevia aus der Pflanze „Stevia rebaudiana“,<br />
dem sogenannten „Süß- oder Honigkraut“.<br />
Zweihundert- bis dreihundertfach süßer als<br />
Zucker und dabei praktisch energiefrei gilt<br />
es als gesunde, risikofreie Alternative zu Zucker:<br />
Es ist weder kariesfördernd, noch<br />
krebserregend oder erbgutschädigend und<br />
ohne Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit<br />
oder der Entwicklung des Ungeborenen.<br />
Doch das gilt nicht für Stevia allein, betont<br />
Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher<br />
der Deutschen Diabetes Gesellschaft<br />
(DDG). Auch andere Süßungsmittel,<br />
<strong>die</strong> statt Zucker verwendet werden, wie Acesulfam,<br />
Aspartam, Saccharin, Sucralose und<br />
Neotam, wurden von der amerikanischen<br />
Diabetesgesellschaft für unbedenklich<br />
erklärt. Somit ist Stevia<br />
für Diabetespatienten nicht besser<br />
oder schlechter als andere Zuckerersatzstoffe<br />
geeignet. Das hartnäckige Gerücht,<br />
dass Süßungsmittel oder Zucker<br />
süchtig machen können, entbehrt laut Fritsche<br />
jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.<br />
Nichtsdestotrotz gilt für alle Süßstoffe gleichermaßen,<br />
<strong>die</strong> empfohlene Tagesdosis<br />
nicht zu überschreiten. Lediglich in einem<br />
besonderen Fall sticht Stevia manch anderen<br />
Süßstoff aus: <strong>Wer</strong> an der sehr seltenen<br />
Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie<br />
leidet und zugleich aufgrund von Diabetes<br />
Süßstoffe benötigt, ver<strong>trägt</strong> <strong>die</strong> Aminosäure<br />
Phenylalanin nicht. Da aber etwa das Süßungsmittel<br />
Aspartam <strong>die</strong>se enthält, stellen<br />
phenylalanin-freie Zucker alternativen<br />
wie Stevia hier eine gute Wahl dar. t<br />
Fachhochschule Münster<br />
Prof. Dr. Anja<br />
Markant berufen<br />
Prävention<br />
Kampagne zur Reduzierung<br />
der Rückenbelastung<br />
an mich. Dein Rücken“, so<br />
steht es auf dem Notizzettel, der<br />
„Denk<br />
im Rahmen der gleichnamigen<br />
Präventionskampagne an <strong>die</strong> hohe Zahl der<br />
Rückenerkrankungen erinnern soll. Ziel der<br />
Mitte Januar 2013 gestarteten Initiative, <strong>die</strong><br />
von den Berufsgenossenschaften, Unfallkassen,<br />
der Sozialversicherung für Landwirtschaft,<br />
Forsten und Gartenbau sowie<br />
der Knappschaft getragen wird, ist es, <strong>die</strong><br />
Aufmerksamkeit auf übermäßige Rückenbelastung<br />
zu lenken. Schließlich gelten<br />
Muskel- und Skelett-Erkrankungen laut dem<br />
Bundesverband der Betriebskrankenkassen<br />
und ihrer fünf Landesverbände (BKK) als<br />
häufigste Ursache für Fehltage unter den<br />
Arbeitnehmern. Hiervon besonders stark<br />
betroffen sind Raum- und Hausratsreiniger,<br />
also auch Mitarbeiter des Reinigungs<strong>die</strong>nstes,<br />
sowie Helfer in der Krankenpflege<br />
und hauswirtschaftliche Betreuer. Die<br />
damit verbundenen Krankheitskosten und<br />
Produktionsausfälle gilt es zu vermeiden,<br />
indem durch Prävention und Gefährdungsbeurteilungen<br />
<strong>die</strong> Belastungen des Rückens<br />
im Arbeitsalltag verringert werden. Umfangreiche<br />
Broschüren, <strong>die</strong> speziell auf <strong>die</strong><br />
diversen Zielgruppen abgestimmt wurden,<br />
können auf der Homepage www.deinruecken.de<br />
heruntergeladen werden. t<br />
Mit ihrer Berufung an <strong>die</strong> Fachhochschule<br />
Münster im Februar 2013 erfüllt<br />
sich für Prof. Dr. Anja Markant<br />
der Wunsch, Lehre und Forschung zu verbinden.<br />
„Schon als Kind wollte ich Lehrerin<br />
werden, und während der Zeit an der Universität<br />
haben mich wissenschaftliche Fragen<br />
begeistert", berichtet <strong>die</strong> 45-Jährige.<br />
Nun lehrt sie am Fachbereich Oecotrophologie<br />
– Facility Management Ernährungsphysiologie<br />
und Ernährung des gesunden<br />
Menschen.<br />
Bevor Markant an <strong>die</strong> Fachhochschule<br />
Münster berufen wurde, arbeitete sie als internationale<br />
Produktmanagerin in der Fresenius<br />
Kabi Deutschland GmbH in Bad Homburg<br />
und war mehrere Jahre Lehrbeauftragte<br />
an der Fachhochschule Fulda. t<br />
Ernährungsbildung in der Schule<br />
aid-Ernährungsführerschein<br />
Mehr als 580.000 Kinder in Deutschland<br />
haben einen Führerschein –<br />
den Ernährungsführerschein. Dahinter<br />
verbirgt sich ein innovatives Unterrichtskonzept<br />
zur Ernährungsbildung. Genau<br />
fünf Jahre nach dem Start des bundesweiten<br />
Projekts hat sich der aid-Ernährungsführerschein<br />
als wichtiger Baustein<br />
zur Ernährungsbildung an deutschen<br />
Grundschulen etabliert. Unter dem Titel<br />
„Prüfung bestanden!“ hatten der aid info<strong>die</strong>nst<br />
e. V. und der Deutsche Landfrauenverband<br />
e.V. alle Akteure zur Konferenz am<br />
13. März 2013 ins Berliner Umweltforum<br />
eingeladen. Infos unter www.in-form.de/<br />
profiportal<br />
t<br />
Foto: M&S Fotodesign/Fotolia.com<br />
6 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
hw-Newsticker<br />
S+F Förderpreis: Die Bewerbungsphase<br />
für den Förderpreis für Innovatives<br />
Verpflegungs<strong>management</strong> 2013,<br />
mit dem besondere betriebliche oder<br />
wissenschaftliche Leistungen zur<br />
nachhaltigen und zukunftsfähigen Verpflegung<br />
ausgezeichnet werden, ist<br />
eröffnet. Teilnahmeberechtigt sind<br />
Personen aus der Verpflegungsbranche<br />
ebenso wie Schüler und Stu<strong>die</strong>rende.<br />
Mehr unter www.sundf-consulting.de.<br />
80 Jahre: Prof. Dr. Claus Leitzmann feierte<br />
am 6. Februar 2013 seinen runden<br />
Geburtstag. Leitzmann ist Wegbereiter<br />
der Ernährungsökologie und<br />
Vollwerternährung.<br />
Housekeeping 1: Am 29. April 2013 findet<br />
im Hotelkompetenzzentrum bei<br />
München <strong>die</strong> Tagung „Housekeeping<br />
Professional“ statt (Eintritt 199 Euro<br />
zzgl. MwSt, inkl. Abendgala). Es wird<br />
auch der „Housekeeping Manager<br />
2013“ gekürt. Anmeldung unter<br />
www.hotelkompetenzzentrum.de<br />
Housekeeping 2: Am 4. Juni 2013 richtet<br />
Gabriele Perklitsch in Salzburg den<br />
7. Housekeeping Fachtag aus (Eintritt<br />
332 Euro inkl. MwSt). Infos unter<br />
www.housekeepingkongress.at.<br />
Housekeeping 3: Die nächste „Housekeeping<br />
Convention“ mit über 300<br />
erwarteten Teilnehmern und 50 Ausstellern<br />
findet zweitägig am 22. und<br />
23. August 2013 in Ulm statt (Eintritt<br />
159 Euro zzgl. MwSt.). Infos unter<br />
www.housekeeping-office.de.<br />
Umzug: Das Reinigungsunternehmen<br />
Ecolab hat einen neuen Firmensitz für<br />
seine rund 500 Mitarbeiter: <strong>die</strong> Ecolab-Allee<br />
1 in Mohnheim (Nähe Leverkusen).<br />
Damit werden <strong>die</strong> Standorte<br />
in Düsseldorf, Düsseldorf-Flughafen<br />
und <strong>die</strong> frührer Firmenzentrale Hanau<br />
zusammengelegt.<br />
Douwe Egberts Professional nahm<br />
am 1. Februar 2013 seine Arbeit auf im<br />
Bereich Kaffeespezialitäten. Es tritt damit<br />
<strong>die</strong> Rechtsnachfolge der ehemaligen<br />
Firma Sara Lee Deutschland<br />
GmbH an.<br />
Demenz im Krankenhaus: Eine praxisnahe<br />
116-seitige Handreichung zum<br />
Thema „Menschen mit Demenz im<br />
Krankenhaus“ hat <strong>die</strong> DiAG entwickelt.<br />
Zu finden unter www.dip.de<br />
Neue Chefredakteure: Sowohl <strong>die</strong><br />
Zeitschrift GV-kompakt (mit Matthias<br />
Zschunke) als auch das Magazin Verpflegungs<strong>management</strong><br />
(mit Ralf Lang)<br />
haben jeweils seit Februar/März neue<br />
Leitungen der Redaktionen.<br />
Bundesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH e.V.<br />
Claudia Forster-Bard<br />
neue Vorsitzende<br />
Nürnberg<br />
Aktuelles<br />
Vom 22. bis 24. Februar 2013 wurde im<br />
Rahmen der Delegiertenversammlung<br />
der neue Vorstand des Bundesverbands<br />
hauswirtschaftlicher Berufe MdH e.V.<br />
ermittelt. Für <strong>die</strong> Amtszeit 2013-2016 wurde<br />
Claudia Forster-Bard (LV Saarland) als<br />
Vorsitzende in den Bundesvorstand gewählt<br />
(siehe auch Interview Seite 5). Ihre<br />
Stellvertretung übernimmt künftig Martin<br />
Hartmann vom LV Baden-Württemberg. Helga<br />
Zerb (ZV Hessen) ist fortan Schatzmeisterin.<br />
Des Weiteren wurden durch Nachwahl<br />
noch Inga Bohnenkamp (LV Schleswig-Holstein),<br />
Andrea Jenkel (LV Hessen) sowie Brigitte<br />
Weniger (LV Sachsen) aufgenommen.<br />
Darüber hinaus gehören kraft ihres Amtes<br />
<strong>die</strong> Vorsitzende des AK Berufliche Bildung,<br />
Anita Groh-Allgaier, <strong>die</strong> Vorsitzende des AK<br />
Junges Forum MdH, Nicole Rietz, und Ruth<br />
Waizenegger, Redaktionsleitung fundus,<br />
dem Vorstand an. Im Fokus des neu gewählten<br />
Vorstands wird <strong>die</strong> Kontaktpflege<br />
zu anderen hauswirtschaftlichen Berufsverbänden<br />
sowie <strong>die</strong> aktive Mitarbeit in der<br />
Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft<br />
(BAG HW) stehen.<br />
t<br />
Pflegebranche trifft sich im April<br />
auf der Messe ALTENPFLEGE<br />
Vom 9. bis 11. April 2013 steht Nürnberg<br />
ganz im Zeichen der professionellen<br />
Pflege und Hauswirtschaft: Die Fachmesse<br />
ALTENPFLEGE gibt einen Einblick in<br />
<strong>die</strong> neuesten Trends und Innovationen in<br />
Pflege, Therapie, Ernährung, Raumeinrichtung<br />
sowie IT. 600 Aussteller bieten einen<br />
umfassenden Marktüberblick und den erwarteten<br />
34.000 Besuchern ein Forum für<br />
fachliche Diskussion und Austausch. In<br />
sechs Hallen werden verschiedenste Produkte<br />
und Dienstleistungen vorgestellt.<br />
Das Forum Küche und Hauswirtschaft<br />
bietet an jedem Tag ein abwechslungsreiches<br />
Vortragsprogramm. Den Auftakt macht<br />
am ersten Messetag das Smooth Food Taste<br />
Festival, ein Live-Koch-Event mit Heimkoch<br />
Herbert Thill, auch Referent beim <strong>rhw</strong>-<br />
Erfolgstag am 16. Mai 2013 am Bodensee.<br />
Küchenmeister Herbert Thill zeigt mit anderen<br />
erfahrenen Heimköchen wie hochwertige<br />
Lebensmittel durch Schneiden, Mixen<br />
und Pürieren, Passieren oder Aufschäumen<br />
in eine geschmeidige Konsistenz<br />
gebracht und dekorativ angerichtet werden<br />
können. Messebesucher können am 9. April<br />
Kochshows der besonderen Art live im Forum<br />
Küche und Hauswirtschaft in Halle 5<br />
miterleben.<br />
Am zweiten Messetag, dem 10. April,<br />
dreht sich auf dem Forum alles um das Thema<br />
„Hauswirtschaft und Pflege – eine Kompetenzpartnerschaft“.<br />
„Ein gutes Zusammenspiel<br />
von Hauswirtschaft und Pflege<br />
kann wesentlich zur Optimierung der Qualität<br />
in der Versorgung, Betreuung und Pflege<br />
älterer Menschen beitragen“, weiß Judith<br />
Regler-Keitel vom Fortbildungszentrum<br />
Hauswirtschaft, Triesdorf, <strong>die</strong> das Programm<br />
in Zusammenarbeit mit den bayerischen Ministerien<br />
für Soziales und Landwirtschaft<br />
organisiert. Fachvorträge von Ausstellern<br />
zu Küche, Ernährung und Hauswirtschaft erwarten<br />
<strong>die</strong> Besucher im Forum am dritten<br />
Messetag. Weitere Informationen zum Forum<br />
Küche und Hauswirtschaft unter: www.<br />
altenpflege-messe.de/expertenforum t<br />
Weitere tagesaktuelle Meldungen finden Sie<br />
unter http://twitter.com/<strong>rhw</strong><strong>management</strong><br />
Auch der Verlag Neuer Merkur wird mit <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> in Nürnberg vertreten sein:<br />
Wir freuen uns, Sie in Halle 5 am Stand 156 begrüßen zu dürfen!<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013 7
Expertenforum<br />
Die <strong>rhw</strong>-Experten<br />
Antwort von Peter Hützen<br />
Bei Schulungen<br />
höhere Bezahlung?<br />
c Ich arbeite als Hauswirtschaftsmeisterin<br />
in einer <strong>Wer</strong>kstatt für Behinderte. Dort<br />
bin ich für <strong>die</strong> Ausgabeküche und <strong>die</strong> Reinigung<br />
der Küche und der <strong>Wer</strong>kstatt verantwortlich.<br />
Leider werde ich nur als Reinigungskraft<br />
geführt und bezahlt. Dagegen<br />
möchte ich jetzt angehen. Ich erstelle alle<br />
Pläne und halte Schulungen für unsere Behinderten<br />
in der Küche und für ausgewählte<br />
Personengruppen. Nun soll ich auch Schulungen<br />
für das gesamte Personal halten.<br />
Die Begründungen sind immer <strong>die</strong>selben:<br />
Der Betrieb darf jemanden mit <strong>die</strong>ser Aufgabe<br />
beauftragen. Muss ich <strong>die</strong>se Aufgaben<br />
übernehmen? Ich habe keine Stellenbeschreibung<br />
(und werde wohl auch so<br />
schnell keine entsprechende erhalten), Entgeltgruppe<br />
und Tätigkeitsschlüssel entsprechen<br />
dem einer Reinigungskraft, <strong>die</strong><br />
angelernt werden muss. Ich wäre sehr froh,<br />
wenn Sie mir weiterhelfen könnten, da ich<br />
bislang bei meinen Recherchen keine Anhaltspunkte<br />
über <strong>die</strong> Rechtslage gefunden<br />
habe.<br />
d Welche Aufgaben und Tätigkeiten eine<br />
Arbeitnehmerin verpflichtet ist, auszuüben,<br />
richtet sich in erster Linie nach den im Arbeitsvertrag<br />
getroffenen Vereinbarungen.<br />
Grundsätzlich kann der Arbeitgeber Inhalt,<br />
Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach<br />
billigem Ermessen bestimmen. Durch <strong>die</strong> Tätigkeits-<br />
bzw. Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag<br />
wird das Direktionsrecht jedoch<br />
eingeschränkt. Je konkreter <strong>die</strong> Tätigkeit im<br />
Arbeitsvertrag beschrieben ist, desto geringer<br />
ist <strong>die</strong> Möglichkeit, der Arbeitnehmerin<br />
auch andere Aufgaben zu übertragen.<br />
Wird beispielsweise im Arbeitsvertrag<br />
als Tätigkeit Reinigungskraft vereinbart, ist<br />
<strong>die</strong> Arbeitnehmerin verpflichtet, sämtliche<br />
im Zusammenhang mit der Gebäude- und<br />
Objektreinigung stehenden Tätigkeiten am<br />
Arbeitsort auszuüben. Von der Reinigungskraft<br />
kann jedoch nicht verlangt werden, als<br />
Hauswirtschaftsmeisterin zu arbeiten. Die<br />
Übertragung einer solchen höherwertigen,<br />
Tätigkeit müsste vereinbart und entsprechend<br />
vergütet werden.<br />
Antwort von Andreas Carl<br />
Ist gemeinsames<br />
Waschen ok?<br />
c Grüne Mikrofasertücher aus der Lehrküche<br />
und rote aus dem Sanitärbereich werden<br />
bei uns täglich zusammen bei 60 °C mit<br />
Desinfektionswaschmittel gewaschen. Ist<br />
das Desinfektionswaschmittel ausreichend,<br />
um <strong>die</strong> Tücher gemeinsam zu waschen oder<br />
müssen <strong>die</strong> Tücher getrennt gewaschen<br />
werden? In der Großküche wird <strong>die</strong> Küchenwäsche<br />
getrennt von anderen Reinigungstüchern<br />
gewaschen.<br />
d Das gemeinsame Waschen stellt kein<br />
Problem dar. Da <strong>die</strong> Tücher bei 60 °C mit Desinfektionswaschmittel<br />
gewaschen werden,<br />
sind <strong>die</strong>se im Ergebnis dann einwandfrei.<br />
Sie müssen „nur“ darauf achten, dass<br />
es in der Wäscherei nicht zu Kreuzkontaminationen<br />
kommt. Was nichts anders bedeutet,<br />
als dass Sie darauf achten müssen, dass<br />
<strong>die</strong> Tücher nach dem Waschprozess nicht<br />
mit den schmutzigen in irgendeiner Form in<br />
Verbindung kommen können. Das könnten<br />
unter anderem <strong>die</strong> Behälter, <strong>die</strong> Handschuhe,<br />
<strong>die</strong> Kleidung, das Bullauge usw. sein.<br />
Antwort von Dr. Dieter Bödeker<br />
Ohne Einmalhandschuhe<br />
– ist das zu<br />
verantworten?<br />
c Als Hauswirtschaftsleitung in einem<br />
ambulanten (privaten) Pflege<strong>die</strong>nst mit zirka<br />
500 Klienten, davon 160 mit hauswirtschaftlicher<br />
Versorgung, stehe ich momentan<br />
vor dem Problem, dass <strong>die</strong> Geschäftsführung<br />
– entgegen meinen hygienischen<br />
Bedenken – beschlossen hat, dass<br />
<strong>die</strong> Haushaltshilfen, <strong>die</strong> bei unseren Klienten<br />
zu Hause <strong>die</strong> Reinigung und Wäscheversorgung<br />
durchführen, in Zukunft keine<br />
Einmalhandschuhe mehr verwenden dürfen,<br />
sondern Haushaltshandschuhe gestellt<br />
bekommen. Da aber sehr viele Klienten<br />
auch inkontinent sind, hatte ich im Vorfeld<br />
meine Bedenken geäußert. Konkret habe<br />
ich mich gegen <strong>die</strong> Haushaltshandschuhe<br />
ausgesprochen, da ich der Meinung bin,<br />
<strong>die</strong>se können nicht hygienisch sauber gehalten<br />
werden mit den Reinigungsmitteln,<br />
<strong>die</strong> bei den Klienten vorhanden sind, wenn<br />
denn überhaupt welche vorhanden sind!<br />
Gleichzeitig darf ich den Haushaltshilfen<br />
nur noch alle drei Monate (!) Hautpflegemittel<br />
(100 ml) und Desinfektionsmittel (150<br />
ml) aushändigen.<br />
Das <strong>rhw</strong>-Expertenteam für Ihre Fragen<br />
Karin Beuting-Lampe<br />
Organisationsberaterin<br />
und Fortbildungsreferentin<br />
Dr. Dieter Bödeker<br />
Andreas Carl<br />
Berater für<br />
Hauswirtschaft<br />
und Reinigung<br />
Peter Hützen<br />
M. Christine Klöber<br />
Beraterin zu Wäsche-<br />
Management und<br />
Wirtschaft<br />
Ralf Klöber<br />
Sascha Kühnau<br />
Berater für Ernährung,<br />
Hygiene und Qualitäts<strong>management</strong><br />
Hygieneberater,<br />
Wedemark<br />
Fachanwalt für<br />
Arbeitsrecht,<br />
Bird&Bird, Düsseldorf<br />
Berater für<br />
Groß küchen und<br />
Kundenorientierung<br />
Sie erreichen das <strong>rhw</strong>-Expertenteam unter: <strong>rhw</strong>.redaktion@vnmonline.de<br />
Bitte beachten Sie: Unsere <strong>rhw</strong>-Experten helfen Ihnen bei der Interpretation der aktuellen Gesetzesvorschriften, geben damit aber keine rechtliche Beratung.<br />
8 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Expertenforum<br />
Ist das mit den Hygienerichtlinien vereinbar?<br />
Stimmt es, dass bei mindestens 50<br />
Prozent inkontinenten Klienten <strong>die</strong> Krankenhaushygienerichtlinien<br />
anzusetzen<br />
sind? Wo finde ich <strong>die</strong> entsprechenden Verordnungen?<br />
d Es ist allgemein üblich, dass bei Tätigkeiten,<br />
bei denen mit einer Kontamination<br />
durch Fäkalkeime zu rechnen ist, Schutzkleidung<br />
zu tragen ist. Zur Schutzkleidung<br />
gehören in <strong>die</strong>sem Fall Schutzkittel und geeignete<br />
Handschuhe.<br />
Die von Ihnen beschriebenen Tätigkeiten<br />
sind gemäß der für den genannten Arbeitsbereich<br />
verbindlichen Biostoffverordnung<br />
und der TRBA 250 (zuletzt geändert im<br />
April 2012) der Schutzstufe 2 zuzuordnen.<br />
Für <strong>die</strong>se Schutzstufe gilt: Der Arbeitgeber<br />
hat <strong>die</strong> erforderliche Schutzkleidung und<br />
sonstige persönliche Schutzausrüstungen,<br />
insbesondere dünnwandige, flüssigkeitsdichte,<br />
allergenarme Handschuhe in ausreichender<br />
Stückzahl zur Verfügung zu stellen.<br />
<strong>Wer</strong>den sogenannte Haushaltshandschuhe<br />
eingesetzt, muss sichergestellt sein, dass<br />
<strong>die</strong>se beständig gegenüber den eingesetzten<br />
Desinfektionsmitteln sind. Bei der Wäscheentsorgung<br />
müssen in jedem Fall Desinfektionsmittel<br />
eingesetzt werden. Händedesinfektionsmittel<br />
müssen immer (!) in ausreichender<br />
Menge zur Verfügung gestellt werden.<br />
150 ml für einen Zeitraum von drei Monaten<br />
sind auf keinen Fall ausreichend. Die<br />
von Ihnen angesprochene „50-Prozent-Regelung“<br />
kenne ich persönlich nicht.<br />
Antwort von Sascha Kühnau<br />
Risiko-Analyse<br />
im Küchenbereich<br />
c Zum Aufbau einer Risiko-Analyse für<br />
den Küchenbereich benötige ich dringend<br />
Informationen. Gibt es speziell zu <strong>die</strong>sem<br />
Thema Fortbildungen oder gute Literatur?<br />
d Grundsätzlich muss zwischen Risikoanalyse<br />
und Prozessanalyse unterschieden<br />
werden. In Anlehnung an den Artikel 1 der<br />
Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene<br />
ist ein integriertes Lebensmittelhygienekonzept<br />
vom Lebensmittelunternehmer<br />
gefordert, das sich aus<br />
HACCP und guter Herstellungspraxis zusammen<br />
setzt.<br />
Um für <strong>die</strong>ses Lebensmittelhygienekonzept<br />
einen begründeten Maßstab zu haben,<br />
sollte eine Risikoanalyse durchgeführt werden.<br />
Als Ergebnis kann benannt werden, wie<br />
streng <strong>die</strong> Anforderungen an das Lebensmittelhygienekonzept<br />
sein müssen.<br />
Einige Kriterien sind:<br />
u Portionszahl<br />
u Zeit zwischen Zubereitung und Verzehr<br />
u eingesetzte Lebensmittel<br />
u vorhandene Geräte<br />
u bauliche Ausstattung<br />
u Breite des Angebots<br />
u<br />
Immunstärke der versorgten Personen.<br />
Daraus kann dann selbstbestimmt entschieden<br />
werden, wie streng <strong>die</strong> Regelungen<br />
der Lebensmittelhygiene ausgelegt werden.<br />
Als Orientierung können dabei <strong>die</strong> jeweiligen<br />
Branchenleitlinien <strong>die</strong>nen. Das sind im Küchenbereich:<br />
u Leitlinie „Wenn in sozialen Einrichtungen<br />
gekocht wird“<br />
u DEHOGA-Leitlinie<br />
u DIN 10508 über Temperaturen im Lebensmittelhygienebereich<br />
und 10506 zur Lebensmittelhygiene<br />
Gemeinschaftsverpflegung.<br />
Wenn das Risiko erfasst ist, kann auf <strong>die</strong>ser<br />
Grundlage <strong>die</strong> Prozessanalyse gemacht<br />
werden, um <strong>die</strong> Kontrollpunkte und kritischen<br />
Kontrollpunkte festzulegen. Für <strong>die</strong>se werden<br />
verbindliche Handlungsvorgaben für <strong>die</strong> berufliche<br />
Praxis selbstbestimmt erarbeitet.<br />
Als Literatur kann ich besonders <strong>die</strong> Leitlinie<br />
„Wenn in sozialen Einrichtungen gekocht<br />
wird“ empfehlen, mit der auch ich in<br />
meiner Beratungspraxis meist arbeite.<br />
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Fachthema<br />
„Generation S“<br />
Der Anteil an übergewichtigen und adipösen Kindern in Deutschland<br />
ist nach wie vor sehr hoch. Dafür ist eine ganze Reihe von<br />
Einflussfaktoren verantwortlich – der letztendlich das Übergewicht<br />
auslösende Mechanismus aber ist das Ungleichgewicht von<br />
Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch. Hierbei spielt <strong>die</strong> sitzende<br />
Lebensweise eine bedeutende Rolle, denn sie hat erheblichen<br />
Einfluss auf <strong>die</strong> Entstehung des kindlichen Übergewichts.<br />
Sehr lange und relativ einseitig wurde<br />
für das Ungleichgewicht von Kalorienaufnahme<br />
und -verbrauch <strong>die</strong> Kalorienaufnahme<br />
verantwortlich gemacht.<br />
Es finden sich aber keine belastbaren Daten,<br />
<strong>die</strong> <strong>die</strong>s rechtfertigen. Im Gegensatz<br />
dazu gibt es aber viele Belege für den Rückgang<br />
der körperlichen Aktivität – besonders<br />
bei Kindern und Jugendlichen. Eine<br />
bedeutende Rolle spielt dabei <strong>die</strong> Verdrängung<br />
aktiver Zeit durch Sitzzeit. Dies<br />
hat erhebliche Auswirkungen auf <strong>die</strong> Gesundheit<br />
und auf <strong>die</strong> Energiebilanz. Verschärft<br />
wird <strong>die</strong> Situation durch den Anstieg<br />
der Zeit, <strong>die</strong> vor TV- und Computerbildschirmen<br />
zugebracht wird. Der sitzende<br />
Lebensstil stellt einen wichtigen Ansatzpunkt<br />
dar, wenn es darum geht, den<br />
Anteil der übergewichtigen und adipösen<br />
Kinder zu reduzieren.<br />
Ausgangssituation und<br />
Rahmenbedingungen<br />
Es sind nur etwa 200 Kinder und Jugendliche<br />
pro Jahr, bei denen <strong>die</strong> Diagnose<br />
neu gestellt wird. Doch <strong>die</strong> Krankheit,<br />
an der sie leiden, ist ungewöhnlich und<br />
deshalb alarmierend. Sie leiden an Diabetes<br />
Mellitus Typ 2, dem sogenannten Altersdiabetes,<br />
also einer Krankheit, von der<br />
über acht Prozent aller Bundesbürger betroffen<br />
sind, <strong>die</strong> in der Regel aber erst im<br />
hohen Alter auftritt. Diese ungewöhnliche<br />
Entwicklung ist <strong>die</strong> Konsequenz eines<br />
nach wie vor steigenden Anteils an übergewichtigen<br />
und adipösen Kindern in<br />
Deutschland.<br />
Es sieht auch nicht danach aus, dass<br />
sich <strong>die</strong> Befunde der im Jahr 2006 erstmalig<br />
durchgeführten KIGGS-Stu<strong>die</strong> grundlegend<br />
verändert haben. Auch <strong>die</strong> letzten<br />
bundesdeutschen Einschulungsdaten zeigen<br />
allenfalls ein Abflachen der Kurve. So<br />
sind in Deutschland zwischen zehn und 15<br />
Prozent der Schulkinder übergewichtig,<br />
vier bis acht Prozent sind adipös. Der Anstieg<br />
der Adipositashäufigkeit fällt zeitlich<br />
mit der Einschulung zusammen und gibt<br />
damit erste Hinweise auf mögliche Ursachen.<br />
In der weltweit angelegten Stu<strong>die</strong> „Health<br />
Behaviour in School-aged Children“<br />
(HBSC) der Weltgesundheitsorganisation<br />
(WHO) findet sich für <strong>die</strong> Schulkinder in<br />
den beteiligten Industrieländern keine Entwarnung.<br />
Die Autoren stellen fest, dass <strong>die</strong><br />
Prävalenz von Übergewicht bei der Jugend<br />
Foto: iStockphoto.com/lisafx<br />
10 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
in allen untersuchten Ländern hoch blieb.<br />
Für <strong>die</strong>se Entwicklung wird eine Fülle von<br />
möglichen Einflussfaktoren beschrieben.<br />
Dabei reicht das Spektrum von spezifischen<br />
Variablen, wie zum Beispiel dem<br />
Schlafverhalten über <strong>die</strong> Ernährung im frühen<br />
Kindesalter bis hin zum Geburtsgewicht.<br />
Für <strong>die</strong> weiteren Überlegungen soll<br />
aber der Fokus auf den letztendlich <strong>die</strong><br />
Übergewichtsentstehung auslösenden Mechanismus<br />
gerichtet werden. Die gemeinsame<br />
Endstrecke aller Faktoren ist das Ungleichgewicht<br />
zwischen der Kalorienaufnahme<br />
und dem Kalorienverbrauch. Neben<br />
den genannten Aspekten wird <strong>die</strong>ses Verhältnis<br />
beeinflusst von:<br />
u sozioökonomischen Faktoren (zum Beispiel<br />
Schichtzugehörigkeit, Bildung<br />
und Einkommen der Eltern)<br />
u Adipositas fördernden Umgebungen<br />
(Wohnsituation, Me<strong>die</strong>nkonsum, ständige<br />
Verfügbarkeit von energiedichter<br />
Nahrung)<br />
u psychosozialen und kognitiven Einflussfaktoren.<br />
Auch das Übergewicht bei Kindern und<br />
Jugendlichen ist immer <strong>die</strong> Folge eines Ungleichgewichts<br />
von Kalorienaufnahme und<br />
Kalorienverbrauch, wobei hier noch <strong>die</strong> für<br />
Wachstum und Reifung notwendige „Energie“<br />
berücksichtigt werden muss. Vor <strong>die</strong>sem<br />
Hintergrund ist zu klären, ob <strong>die</strong>ses<br />
Missverhältnis durch <strong>die</strong> verstärkte Energieaufnahme,<br />
den reduzierten Energieverbrauch<br />
oder eine Kombination aus beiden<br />
Möglichkeiten erzeugt wird.<br />
Zur Entstehung des Übergewichts<br />
Berücksichtigt man <strong>die</strong> Zahl der Interventionen<br />
und den Stellenwert innerhalb<br />
der öffentlichen Diskussion, so scheint in<br />
der Gesellschaft mehrheitlich <strong>die</strong> erhöhte<br />
Energieaufnahme („Super Size Me“) verantwortlich<br />
gemacht zu werden. Es fehlen<br />
zwar belastbare und valide Daten sowohl<br />
zur Energieaufnahme als auch zum Energieverbrauch,<br />
aber es finden sich zahlreiche<br />
Indizien, <strong>die</strong> für einen deutlichen Rückgang<br />
des Energieverbrauchs, insbesondere<br />
durch den Rückgang der körperlichen<br />
Aktivität sprechen.<br />
In einer Übersichtsarbeit zu den Ursachen<br />
der Adipositas stellen Weinsier et al.<br />
fest, dass <strong>die</strong> gegenläufigen Trends von<br />
sinkender Energiezufuhr und ansteigendem<br />
Körpergewicht nahelegen, dass <strong>die</strong><br />
körperliche Bewegung der wichtigste Faktor<br />
sein kann, durch den sich der Prävalenzanstieg<br />
von Übergewicht erklärt. Auch<br />
in der Nationalen Verzehrsstu<strong>die</strong> II (NVS II)<br />
liegen <strong>die</strong> <strong>Wer</strong>te für „<strong>die</strong> Energiezufuhr im<br />
Normbereich für geringe körperliche Aktivität“.<br />
Aus in Australien erhobenen Daten<br />
schlussfolgerten <strong>die</strong> Autoren, dass der<br />
Hauptfaktor, der zur Übergewichts-/Adipositasepidemie<br />
bei<strong>trägt</strong>, das zunehmende<br />
Sitzen in der Bevölkerung sein muss, da<br />
ein genereller Anstieg bei der Energiezufuhr<br />
nicht ermittelt werden konnte. Erstmalig<br />
wird hier das „zu lange Sitzen“ als<br />
ein wichtiger Faktor erwähnt.<br />
Der Rückgang der körperlichen Aktivität<br />
trifft nach US-amerikanischen Daten besonders<br />
für Kinder und Jugendliche zu: Die<br />
National Health and Nutrition Examination<br />
Survey (NHANES) ermittelte in den Jahren<br />
von 1971 bis 1994 einen geringen Unterschied<br />
bei der mittleren, dem Alter angepassten<br />
Energiezufuhr bei Jungen, während<br />
in <strong>die</strong>sem Zeitraum von rund 20 Jahren<br />
eine starke Zunahme bei kindlichem<br />
Übergewicht zu verzeichnen war. Dagegen<br />
zeigen insbesondere <strong>die</strong> verfügbaren Daten<br />
zur körperlichen Aktivität, dass <strong>die</strong>se<br />
rückläufig ist. Das trifft beispielsweise auch<br />
auf <strong>die</strong> australische Bevölkerung zu, weshalb<br />
Wissenschaftler fordern, dass im Bereich<br />
Public Health viel mehr getan werden<br />
müsse.<br />
Körperliche Aktivität sinkt,<br />
Bildschirmzeiten steigen<br />
Eine besondere Rolle für <strong>die</strong> Energiebilanz<br />
spielt der Schulweg. Ein immer geringerer<br />
Anteil der Schüler hat einen „aktiven<br />
Schulweg“, das heißt, legt ihn zu Fuß<br />
oder mit dem Fahrrad zurück. Daten aus<br />
den USA zeigen, dass <strong>die</strong> rückläufige Zahl<br />
der Schüler mit einem aktiven Schulweg<br />
zu einem besorgniserregenden Verlust an<br />
körperlicher Bewegung führt. Auch in anderen<br />
Ländern wie zum Beispiel Australien<br />
findet sich ein signifikanter Rückgang körperlicher<br />
Aktivität. Die entscheidende Frage<br />
ist deshalb, ob wir auf dem Schulweg<br />
Kalorien verbrennen oder <strong>die</strong> letzten fossilen<br />
Brennstoffe verheizen. Auch aus<br />
Großbritannien liegen vergleichbare Daten<br />
vor. Aus Deutschland finden sich dazu weder<br />
Stu<strong>die</strong>n noch gibt es eine umfassende<br />
Gesundheitsberichterstattung. Insgesamt<br />
zeigen sich jedoch ausreichende Befunde<br />
für einen deutlichen Rückgang des Gesamtumfangs<br />
der körperlichen Aktivität bei<br />
einer zumindest stabilen bis leicht reduzierten<br />
Energieaufnahme.<br />
Im gleichen Maße wie sich <strong>die</strong> Bewegungszeiten<br />
mit moderater bis starker körperlicher<br />
Aktivität reduzieren, erhöhen sich<br />
gegenläufig <strong>die</strong> Bildschirmzeiten, das<br />
heißt, <strong>die</strong> Freizeit, <strong>die</strong> sitzend vor dem TV-<br />
Gerät oder dem Computer zugebracht wird.<br />
Die Rolle von TV und Computer im Leben<br />
der Kinder und Jugendlichen wird immer<br />
bedeutsamer. Im Kontext mit der steigenden<br />
Prävalenz von Übergewicht und Adipositas<br />
ergibt sich daher das folgende Bild:<br />
u Der Energieverbrauch durch körperliche<br />
Bewegung geht zurück.<br />
u Dies kommt auch in einer reduzierten<br />
körperlichen Leistungsfähigkeit zum<br />
Ausdruck.<br />
u Sitzen, <strong>die</strong> „Aktivität“, <strong>die</strong> nach dem<br />
Schlaf den geringsten Energieverbrauch<br />
aufweist, nimmt einen immer<br />
größeren Teil des Tages ein.<br />
u Die nahrungsinduzierte Energieaufnahme<br />
ist eher rückläufig und liegt keinesfalls<br />
über den jeweiligen Empfehlungen<br />
der Fachgesellschaften.<br />
Förderung von sportlichen<br />
Aktivitäten reicht nicht<br />
Ein wesentlicher Schlüssel zur Bewältigung<br />
des Übergewichtsproblems liegt<br />
deshalb in der Umkehr des immer geringeren<br />
Energieverbrauchs durch körperliche<br />
Aktivität. Bisherige Strategien konzentrierten<br />
sich vorwiegend auf <strong>die</strong> Förderung<br />
von sportlichen Aktivitäten, was allerdings<br />
wenig Erfolg hat:<br />
u Die Erhöhung der körperlichen Aktivität<br />
allein über den Bereich des Sports<br />
scheint nicht ausreichend zu sein.<br />
u Sportunterricht kann <strong>die</strong>sen Bewegungsmangel<br />
nicht kompensieren, da<br />
es sowohl zu wenig Sportstunden gibt<br />
als auch <strong>die</strong> Bewegungsumfänge innerhalb<br />
der Sportstunden zu gering<br />
sind.<br />
u Im System der Gesundheitsförderung<br />
sind keine Strukturen zu finden, <strong>die</strong><br />
Kinder und Jugendliche langfristig an<br />
körperliche Aktivitäten „binden“.<br />
Zur Kompensation scheint es deshalb<br />
notwendig, nicht nur <strong>die</strong> Aktivitätszeit zu<br />
erhöhen, sondern auch <strong>die</strong> langen Phasen<br />
der hohen Inaktivität, nämlich des Sitzens,<br />
zu reduzieren. Daraus ergeben sich folgende<br />
Ziele:<br />
1 Erhöhung des Umfangs der körperlichen<br />
Aktivität im Alltag von Kindern<br />
und Jugendlichen.<br />
2 Reduzierung der Zeit, <strong>die</strong> sitzend mit<br />
extrem geringem Energieverbrauch zugebracht<br />
wird.<br />
Sitzender Lebensstil bei<br />
Kindern und Jugendlichen<br />
Die gesellschaftlich bedingten Veränderungen<br />
des Lebensstils in den letzten<br />
Jahren brachten eine dramatische Erhöhung<br />
der Sitzzeiten mit sich. Der Mensch<br />
sitzt auf dem Wege zu und von der Arbeit<br />
sowie zu und vom Kindergarten und der<br />
Schule, am Arbeitsplatz und in der Schule,<br />
während der Mahlzeiten, in der Freizeit<br />
vor dem Bildschirm von TV und Computer.<br />
Das „Biosystem“ Mensch ist orthopädisch<br />
keineswegs für das Sitzen konstru-<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 11
Fachthema<br />
iert. Da Sitzen aber durch einen sehr niedrigen<br />
Energieverbrauch gekennzeichnet ist,<br />
wird es deshalb vom aufrecht gehenden<br />
Homo Erectus gerne genutzt. Die energetischen<br />
Kosten liegen bei etwa dem einfachen<br />
Grundumsatz (siehe auch Erläuterungen<br />
im folgenden Kasten).<br />
MET: Die Verrechnungseinheit<br />
des Energieverbrauchs<br />
durch körperliche Aktivität<br />
Ein MET (Metabolic Equivalent of<br />
Task) entspricht einem Kalorienverbrauch<br />
von 1 kcal je Kilogramm Körpergewicht<br />
pro Stunde und damit in<br />
etwa dem Ruheumsatz des Körpers<br />
beim Sitzen. Mit Hilfe <strong>die</strong>ser individuellen<br />
Verrrechnungsäquivalente<br />
lassen sich alle Arten von körperlicher<br />
Aktivität einordnen. Während <strong>die</strong><br />
(Nicht-)Aktivität Schlaf bei 0,9 MET<br />
liegt, verdoppelt sich der Grundumsatz<br />
schon durch Stehen auf 2 MET.<br />
Forciertes Gehen – „Walking“ – liegt<br />
bereits bei vier bis fünf MET, Jogging<br />
mit 15 km/h bei zwölf MET. Allein<br />
schon durch den Wechsel ins Stehen<br />
verdoppelt sich im Vergleich zum Sitzen<br />
der Kalorienverbrauch. Es liegen<br />
zu allen möglichen Arten von körperlicher<br />
Aktivität genaue Angaben zur<br />
Berechnung der metabolischen Einheiten<br />
vor.<br />
Abbildung 1 rechts zeigt verbreitete Aktivitäten<br />
und <strong>die</strong> dazugehörigen METs. Ein<br />
MET entspricht dem Umsatz von 3,5 ml<br />
Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht<br />
pro Minute bei Männern und 3,15 ml pro<br />
Kilogramm Körpergewicht pro Minute bei<br />
Frauen. Eine andere Definition bezeichnet<br />
als ein MET einen Kalorienverbrauch von<br />
4,2 kJ (1 kcal) je Kilogramm Körpergewicht<br />
pro Stunde, beides entspricht in etwa dem<br />
Ruheumsatz des Körpers.<br />
Die unter anderem auch von der WHO<br />
geforderten 30 Minuten körperlicher Aktivität<br />
pro Tag beziehen sich auf sogenannte<br />
moderate körperliche Aktivität (moderate<br />
activities), <strong>die</strong>se haben einen Energieverbrauch<br />
von drei bis sechs MET, <strong>die</strong><br />
genannten intensiven Aktivitäten (vigorous<br />
activities) liegen über sechs MET. Dabei<br />
stellt ein wöchentlicher Umfang von etwa<br />
zehn Stunden Walking oder drei Stunden<br />
Jogging bereits das Wirkungsoptimum dar.<br />
Hierbei handelt es sich um Durchschnittswerte<br />
mit einer hohen individuellen und sicherlich<br />
auch einer krankheitsspezifischen<br />
Varianz.<br />
Epidemiologie des Sitzens<br />
In der Geschichte der Menschheit gab<br />
es noch keine Phase, in der <strong>die</strong> Menschen<br />
so viel Zeit sitzend zubrachten. Es gibt zwar<br />
erhebliche individuelle Unterschiede, aber<br />
durchschnittlich findet sich <strong>die</strong> folgende<br />
Verteilung während der Wachzeiten (siehe<br />
Abbildung 2 Seite 13):<br />
Im Jahr 2010 zeigte eine Untersuchung<br />
erstmalig <strong>die</strong> Relation zwischen Sitzzeit,<br />
körperlicher Aktivität und erhöhtem Versterberisiko.<br />
Dies führte in der „New York<br />
Times“ zu der Schlagzeile „Is Sitting a Lethal<br />
Activity?“ („Ist Sitzen eine tödliche Aktivität?“).<br />
In der Tat zeigen <strong>die</strong> Befunde für<br />
<strong>die</strong> Menschen, <strong>die</strong> mehr als sechs Stunden<br />
am Tag sitzen, eine um 40 Prozent erhöhte<br />
Todesrate für Frauen und eine um 20 Prozent<br />
erhöhte Todesrate für Männer.<br />
Die gesundheitlichen Folgen des sitzenden<br />
Lebensstils sind mit denen der körperlichen<br />
Inaktivität vergleichbar:<br />
u Sitzen ist nach dem Schlaf <strong>die</strong> Aktivität<br />
mit dem geringsten Energieverbrauch.<br />
Die unmittelbare Folge eines<br />
sitzenden Lebensstils ist <strong>die</strong> ungünstige<br />
Veränderung der Energiebilanz, <strong>die</strong><br />
bei gleichbleibender Energieaufnahme<br />
zu einem Energieüberschuss führt, der<br />
als Fett abgespeichert wird.<br />
u „Use it or lose it“, <strong>die</strong>s gilt für nahezu<br />
alle Körperfunktionen. Im Sitzen wird<br />
besonders unsere posturale Muskulatur<br />
– also <strong>die</strong> für <strong>die</strong> aufrechte Körperhaltung<br />
zuständige – nicht genutzt; Abbau<br />
und muskuläre Dysbalancen sind<br />
<strong>die</strong> Folge.<br />
u Ebenfalls gestört wird <strong>die</strong> durch muskuläre<br />
Aktion ausgelöste Entzündungshemmung.<br />
u Sitzen führt zur Entgleisung<br />
einer Reihe<br />
von metabolischen<br />
Vorgängen, <strong>die</strong> zum<br />
Beispiel für den Glukosetransport<br />
in <strong>die</strong><br />
Muskelzelle sorgen.<br />
u Besonders sensibel<br />
reagiert der Knochenstoffwechsel<br />
auf zu langes Sitzen,<br />
da <strong>die</strong>ser auf den<br />
beständigen Reiz<br />
des aufrechten Ganges<br />
angewiesen ist.<br />
u Dadurch werden Bewegungsmangeler-<br />
krankungen begünstigt,<br />
zu denen<br />
kardiovaskuläre Erkrankungen,<br />
Diabetes<br />
Typ 2 und Krebserkrankungen<br />
zählen.<br />
Sitzen und Übergewicht<br />
Die Kinder- und Jugendzeit wird im Allgemeinen<br />
als <strong>die</strong> körperlich aktivste Lebensphase<br />
angesehen. Veränderungen in<br />
<strong>die</strong>sem Zeitabschnitt können nicht ohne<br />
Folgen bleiben. So zeigt eine aktuelle Untersuchung<br />
von 20.000 Kindern und Jugendlichen<br />
im Alter von 4 bis 18 Jahren aus<br />
fünf Ländern, bei denen Bewegungsmessungen<br />
mit Accelerometern erfasst wurden,<br />
dass <strong>die</strong> durchschnittliche Bewegungszeit<br />
bei zirka 30 Minuten pro Tag moderater<br />
bis anstrengender Aktivität lag und<br />
<strong>die</strong> Zeit, <strong>die</strong> sitzend verbracht wurde, 354<br />
Minuten, also nahezu sechs Stunden, betrug.<br />
Für <strong>die</strong> Altersgruppe der Vorschulkinder<br />
(drei bis fünf Jahre) zeigte <strong>die</strong> Untersuchung<br />
von Dolinsky et al. eine durchschnittliche<br />
Aktivitätszeit von 14,9 Minuten<br />
pro Tag, <strong>die</strong> durchschnittliche tägliche<br />
Sitzzeit lag bei mehr als sechs Stunden.<br />
Bereits in der Vorschule sind <strong>die</strong> Sitzzeiten<br />
mindestens ebenso lang wie bei älteren<br />
Kindern. Doch gravierender ist, dass das<br />
Verhältnis von „Aktivzeit zu Sitzzeit“ bei<br />
<strong>die</strong>ser Altersgruppe bei eins zu 24 liegt,<br />
während es bei den älteren Kindern eins<br />
zu sechs be<strong>trägt</strong>!<br />
Eine aktuell noch laufende Stu<strong>die</strong> ist<br />
das auf europäischer Ebene durchgeführte<br />
HELENA Projekt (Healthy Lifestyle in<br />
Europe by Nutrition in Adolescence). Erste<br />
Befunde zeigen:<br />
u Die durchschnittliche Sitzzeit be<strong>trägt</strong><br />
9,1 Stunden pro Tag und entspricht damit<br />
71 Prozent der aufgezeichneten Zeit<br />
(Wachzeit).<br />
u Es findet sich eine signifikant schlech-<br />
Abbildung 1: Verschiedene Arten von körperlicher<br />
Aktivität und <strong>die</strong> entsprechenden METs<br />
12 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
tere kardiorespiratorische Fitness,<br />
wenn Kinder und Jugendliche mehr als<br />
70 Prozent ihrer Wachzeit sitzend zubringen.<br />
u Die durchschnittliche Aktivitätszeit be<strong>trägt</strong><br />
65 Minuten pro Tag (moderat über<br />
drei MET und anstrengend über sechs<br />
MET).<br />
u Mehr als ein Drittel der Stichprobe sitzt<br />
jeden Tag länger als zwei Stunden vor<br />
dem TV-Gerät, an Wochenenden steigt<br />
<strong>die</strong>ser Anteil auf zwei Drittel.<br />
Obwohl noch keine längsschnittlichen<br />
Vergleichsdaten vorliegen, gibt der Zusammenhang<br />
zwischen dem Rückgang der<br />
körperlichen Aktivität und dem Fitnesszustand<br />
einerseits und verlängerten Sitzzeiten<br />
anderseits berechtigten Anlass zu Sorge.<br />
Allein durch <strong>die</strong> Erhöhung der Sitzzeiten<br />
verändert sich <strong>die</strong> Energiebilanz gravierend.<br />
Sitzen, ein Kollateralschaden<br />
des Me<strong>die</strong>nkonsums?<br />
Abbildung 2: Durchschnittliche<br />
Verteilung der Wachzeiten<br />
Einer der wichtigsten Einflussfaktoren<br />
auf <strong>die</strong> Sitzzeiten ist <strong>die</strong> „Bildschirmzeit“<br />
vor dem Fernsehgerät und dem Computer.<br />
In einer umfangreichen Metaanalyse von<br />
173 relevanten Stu<strong>die</strong>n fanden Nunez et al.<br />
in 83 Prozent der Arbeiten negative gesundheitliche<br />
Auswirkungen. Bereits im<br />
Jahr 1996 konnte gezeigt werden, dass mit<br />
jeder zusätzlichen wöchentlichen Stunde<br />
TV-Konsum <strong>die</strong> Adipositasprävalenz um<br />
zwei Prozent ansteigt. Auch Mendoza et al.<br />
zeigen mit ihren Untersuchungen, in welch<br />
hohem Maße Me<strong>die</strong>nnutzung bereits das<br />
Leben von Kindern im Alter von zwei bis<br />
fünf Jahren bestimmt und das Risiko, übergewichtig<br />
zu werden, erhöht. Es liegen<br />
zwar aus Deutschland keine Zahlen vor, jedoch<br />
gibt es wenig Anlass, an der Übertragbarkeit<br />
der US-Daten auf deutsche Verhältnisse<br />
zu zweifeln. Mit dem Vordringen<br />
von Smartphones und Tablet-Computern<br />
ist mit einer weiteren Verschärfung <strong>die</strong>ser<br />
Situation zu rechnen.<br />
Lösungsansätze<br />
Zahlreiche westliche Nationen haben<br />
zur Förderung der Bewegungsaktivitäten in<br />
der Bevölkerung entsprechende Leitlinien<br />
formuliert. Diese sind auch dazu geeignet,<br />
dass Thema des sitzenden Lebensstils zu<br />
adressieren. So fordern <strong>die</strong> offiziellen Leitlinien<br />
in den USA ein Minimum von 150 Minuten<br />
moderater bis anstrengender körperlicher<br />
Aktivität pro Woche. Für Kinder<br />
wird <strong>die</strong>se Empfehlung auf 60 Minuten Aktivität<br />
pro Tag erweitert. Der sitzende Lebensstil<br />
stellt einen wichtigen Ansatzpunkt<br />
dar, wenn es darum geht, den Anteil der<br />
übergewichtigen und adipösen Kinder zu<br />
reduzieren. Als erste Schritte sind sinnvoll:<br />
Mehr Aufklärung über <strong>die</strong> negativen Folgen<br />
Wichtige Adressaten sind hierfür <strong>die</strong><br />
Eltern, <strong>die</strong> Erzieher und Lehrer. Die Bedeutung<br />
des Bewegungsmangels muss auch<br />
über <strong>die</strong> Kinderärzte kommuniziert werden<br />
und zum Beispiel zum Gegenstand der Vorsorgeuntersuchungen<br />
gemacht werden.<br />
Weiterhin sind <strong>die</strong> kommunikative Expertise<br />
und Macht der Me<strong>die</strong>n vonnöten, <strong>die</strong><br />
sowohl ein Bewusstsein für <strong>die</strong> Problematik<br />
schaffen als auch praktikable Lösungswege<br />
aufzeigen sollten.<br />
Veränderung der Infrastruktur<br />
Angesichts der beschriebenen Befunde<br />
müssen auch <strong>die</strong> Rahmenbedingungen<br />
in Schulen und Kindergärten auf den Prüfstand<br />
gestellt werden. Schule muss nicht<br />
immer im Sitzen stattfinden, auch der<br />
„Stuhlkreis“ im Kindergarten sollte überdacht<br />
werden. Das Konzept der bewegten<br />
Schule muss überarbeitet und belebt werden.<br />
Reduzierung der Bildschirmzeiten<br />
Es ist schwierig, Bildschirmzeiten zu reduzieren,<br />
solange das, was auf dem Bildschirm<br />
passiert, viel spannender ist, als<br />
das, was „draußen“ stattfindet. Einfacher<br />
ist es noch bei den Vorschulkindern. Eltern<br />
müssen den Zugang zu TV und Computer limitieren.<br />
Einfache Regel: Kein Kind unter zehn<br />
Jahren hat ein TV-Gerät im Kinderzimmer.<br />
Ferner müssen Lebenswelten bewegungsfreundlicher<br />
gestaltet und entsprechende<br />
Angebote geschaffen werden. <strong>Wer</strong> hat<br />
schon Lust, Fahrrad zu fahren, wenn er aus<br />
Sicht der Verkehrsplaner an letzter Stelle<br />
rangiert.<br />
„Aktive“ Wege zum Kindergarten und zur<br />
Schule<br />
Es gibt bereits bewährte Ansätze, <strong>die</strong><br />
einen sicheren und aktiven Weg zum Kindergarten<br />
und zur Schule gewährleisten.<br />
Ein Beispiel ist der „Walking Bus“ für<br />
Grundschüler. Hier mangelt es vor allem<br />
noch an der Umsetzung, wofür Anreize geschaffen<br />
werden müssen.<br />
Sitzunterbrechungen in der Schule<br />
Wenn sich Sitzen nicht vermeiden lässt,<br />
so ist es notwendig, für entsprechende Unterbrechungen<br />
zu sorgen: Jede Unterrichtsstunde<br />
sollte durch mindestens ein<br />
Bewegungselement unterbrochen werden.<br />
Die Bedeutung der Thematik liegt auf der<br />
Hand. Interventionen sind dringend zu<br />
empfehlen.<br />
t Prof. Dr. Gerhard Huber<br />
Kontakt<br />
Hinweise zu Materialien und weiterführender<br />
Literatur beim Verfasser<br />
Prof. Dr. Gerhard Huber, Institut für<br />
Sport und Sportwissenschaft der Universität<br />
Heidelberg.<br />
Prof. Dr. Gerhard Huber<br />
Institut für Sport und Sportwissenschaft<br />
der Universität Heidelberg<br />
Im Neuenheimer Feld 700<br />
69120 Heidelberg<br />
E-Mail: gerhard.huber@issw.uni-heidelberg.de<br />
Quelle: „LCI Moderne Ernährung heute“<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 13
Fachthema<br />
HWL-Trainees: fit für<br />
Führungsaufgaben<br />
Stephanie Beneke (links) und<br />
Anne Westfehling durchlaufen<br />
gerade das Trainee-Programm<br />
zur Hauswirtschaftsleitung<br />
Trainee-Programme zum Berufseinstieg gibt es bei großen Unternehmen<br />
schon lange. Relativ neu sind <strong>die</strong>se Programme jedoch<br />
in der Altenhilfe und auch im Berufsfeld Hauswirtschaftsleitung.<br />
Seit rund 30 Jahren ist in Deutschland<br />
der Berufseinstieg über ein Trainee-<br />
Programm möglich. Waren <strong>die</strong> Programme<br />
zunächst auf Banken beschränkt,<br />
gibt es sie heute in fast allen Berufsbereichen.<br />
Und waren ursprünglich nur Hochschulabsolventen<br />
<strong>die</strong> Zielgruppe, kann man<br />
heute in einigen Branchen auch nach einer<br />
Erstausbildung in ein Trainee-Programm einsteigen.<br />
Vor allem größere Firmen bilden mit<br />
dem sogenannten Management-Traineeship<br />
ihre späteren Führungskräfte aus. Als Trainee<br />
durchläuft man hier verschiedene Abteilungen<br />
und wird in Rhetorik, Führungskompetenz<br />
etc. geschult. Es gibt jedoch<br />
auch Programme für Fach-Trainees. Diese<br />
bilden spezialisierter aus. Durch <strong>die</strong> Fixierung<br />
auf einen bestimmten Bereich oder<br />
eine Abteilung im Unternehmen erhält der<br />
Trainee eine fachlich fun<strong>die</strong>rte Ausbildung.<br />
Eine dritte Möglichkeit sind projektbezogene<br />
Trainee-Programme, bei der an verschiedenen<br />
Projekten mitgearbeitet wird<br />
und auch unterschiedliche Abteilungen<br />
durchlaufen werden.<br />
Investition in spätere Führungskräfte<br />
Ein Trainee-Programm dauert üblicherweise<br />
zwischen einem und drei Jahren – je<br />
nach Ausrichtung – und kann generell in drei<br />
Antje Schulz, ebenfalls Trainee, hat in<br />
ihrer Projektarbeit <strong>die</strong> Wäschever -<br />
sorgung genauer unersucht<br />
Phasen eingeteilt werden: <strong>die</strong> Einführungs-,<br />
<strong>die</strong> Qualifizierungs- und <strong>die</strong> Spezialisierungsphase.<br />
Das Programm lässt dem Trainee<br />
Zeit, seine Stärken und Schwächen aus-<br />
Fotos: GDA, Hannover<br />
14 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
Zur Info<br />
Die Gemeinschaft Deutsche Altenhilfe (GDA) betreibt acht Wohnstifte in Deutschland<br />
mit angeschlossenen Wohnpflegebereichen (Pflegestationen), eine Seniorenwohnanlage<br />
für betreutes Wohnen und ein Pflegeheim. Die Hauptverwaltung<br />
sitzt in Hannover, Gesellschafter sind der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband<br />
Gesamtverband, der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen, der Paritätische<br />
Wohlfahrtsverband Landesverband Hessen und der paritätische Landesverband<br />
Rheinland-Pfalz/Saarland.<br />
Rund 2.600 Bewohner werden von 1.500 Mitarbeitern betreut. Geboten werden soll<br />
seniorengerechtes Wohnen auf hohem Niveau mit Hotelcharakter. In den Wohnstiften<br />
leben <strong>die</strong> Senioren in eigenen Appartements, <strong>die</strong> individuell eingerichtet<br />
sind. Die Bewohner können unter einer Reihe von Service- und Veranstaltungsangeboten<br />
wählen.<br />
Das Unternehmen engagiert sich bei der Nachwuchsförderung und bildet zurzeit 80<br />
Frauen und Männer in folgenden Berufen aus: Altenpfleger/-in, Koch/Köchin, Hauswirtschafter/in,<br />
Restaurantfachmann/-frau bzw. Fachkraft im Gastgewerbe, Kauffrau/-mann<br />
im Gesundheitswesen, Anlagemechaniker/in für Sanitär-, Heizungsund<br />
Klimatechnik bzw. Elektroniker/in für Gebäude- und Infrastruktursysteme.<br />
Weitere Infos: www.gda.de<br />
zuloten und sich auszuprobieren. Es gibt zwar<br />
oft das Vorurteil, dass es sich eigentlich nur<br />
um ein langes Praktikum handelt, auch ist<br />
eine Übernahme nach Abschluss des Programms<br />
nicht garantiert. Aber <strong>die</strong> Unternehmen<br />
investieren oft viel Geld in <strong>die</strong> Ausbildung<br />
ihrer Trainees und grundsätzlich ist es<br />
das Ziel, <strong>die</strong>se zu gewinnbringenden Mitarbeitern<br />
des Unternehmens auszubilden.<br />
Auch in der Altenhilfe finden sich mittlerweile<br />
einige Trainee-Programme für angehende<br />
Führungskräfte. Die Kursana Residenzen<br />
GmbH bietet beispielsweise eine<br />
18-monatige Ausbildung zur Heimleitung<br />
an. „Der Weg zur Heimleitung ist mit unserem<br />
Trainee-Programm kurz und attraktiv.<br />
Kreative und engagierte Trainees der Altenpflege<br />
finden bei Kursana vielseitige Einsatzmöglichkeiten<br />
und können dabei schnell<br />
<strong>Verantwortung</strong> übernehmen“, heißt es in<br />
der Programm-Beschreibung. Voraussetzung<br />
für <strong>die</strong> Teilnahme ist ein abgeschlossenes<br />
Studium sowie eine Berufsausbildung<br />
mit Berufserfahrung.<br />
In Zeiten von Fachkräftemangel wird es<br />
auch immer wichtiger, Führungskräfte aus<br />
den eigenen Reihen heranzuziehen. Neue<br />
Wege geht dazu das Pflegeteam Wendtland<br />
aus Rheinbach bei Bonn. Hier wurde ein Trainee-Programm<br />
für das mittlere Management<br />
entwickelt. Das selbst entwickelte Förderprogramm<br />
ist auf zwölf bis 18 Monate ausgerichtet.<br />
Ziel ist, Pflegefachkräfte aus den<br />
eigenen Reihen an ihrem Arbeitsplatz fit zu<br />
machen für neue Aufgaben als PDL.<br />
Neu: Trainees in der Altenhilfe<br />
Qualifizierte Nachwuchskräfte praxisnah<br />
auf <strong>die</strong> Übernahme von Führungsaufgaben<br />
vorzubereiten, ist auch Ziel der ver-<br />
„Einarbeiten in Leitungspositionen“<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> sprach über <strong>die</strong> Ausrichtung und Ziele <strong>die</strong>ses<br />
Programms mit Christian Pinkert, dem Leiter Servicebereiche<br />
bei der GDA.<br />
c Herr Pinkert, welche verschiedenen<br />
Trainee-Programme gibt es bei der GDA<br />
und wie viele Trainees sind derzeit im<br />
Einsatz?<br />
d Es gibt bei der GDA Trainee-Programme<br />
für Einrichtungsleiter, Hauswirtschaftsleiter<br />
und Pflege<strong>die</strong>nstleiter.<br />
Geplant ist auch ein Programm für Küchenleiter,<br />
das ist aber bisher noch nicht<br />
gestartet. Insgesamt sechs Trainees sind<br />
derzeit im Einsatz.<br />
c Seit wann gibt es das Trainee-Programm<br />
Hauswirtschaftsleitung?<br />
d Seit zwei Jahren, da hat unsere erste<br />
Trainee-Teilnehmerin mit ihrem Programm<br />
angefangen. Im November letzten<br />
Jahres haben wir dann zwei neue<br />
HWL-Trainees eingestellt.<br />
c Warum haben Sie sich dafür entschieden,<br />
ein solches Programm zu starten?<br />
d Die GDA hat sich dafür entschieden,<br />
weil man Personen mit einer entsprechenden<br />
Qualifikation auf dem Markt<br />
nicht findet. Außerdem kann mit <strong>die</strong>sem<br />
Programm eine sichere Einarbeitung in<br />
Leitungspositionen gewährleistet werden.<br />
c Aber es gibt doch den Beruf Hauswirtschaftsleiterin<br />
mit entsprechender<br />
Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt?<br />
d Bei den Häusern der GDA befinden<br />
wir uns in einem Spagat zwischen einem<br />
ziemlich anspruchsvollen Hotel und einem<br />
Zuhause für unsere Bewohner. Wir<br />
wollen einen qualitativ hochwertigen<br />
Service bieten, wollen <strong>die</strong> Unterhaltsreinigung<br />
vernünftig umsetzen und haben<br />
umfangreiche Qualitäts<strong>management</strong>und<br />
Hygiene-Vorgaben. Für <strong>die</strong>se anspruchsvollen<br />
Aufgaben im Bereich<br />
Hauswirtschaftsleitung haben wir auf<br />
dem Markt niemanden gefunden. Entweder<br />
sind <strong>die</strong> Personen mit entsprechender<br />
Qualifikation schon alle irgendwo<br />
unter Vertrag oder sie haben Schwellenängste.<br />
Vielleicht sind HWL eher an<br />
kleine Häuser gewöhnt und haben Probleme<br />
mit unseren relativ großen Einheiten.<br />
Die meisten, <strong>die</strong> wir in <strong>die</strong>sen Positionen<br />
haben, waren vorher im Hotelbereich.<br />
Außerdem gestaltet sich mit Hilfe des<br />
Trainee-Programms <strong>die</strong> Einarbeitung<br />
leichter, als wenn man <strong>die</strong> Leute von heute<br />
auf morgen einfach ins kalte Wasser<br />
wirft.<br />
c Konnten Sie sich an ähnlichen Programmen<br />
für HWL orientieren?<br />
d Nein, das Trainee-Programm haben<br />
wir komplett neu zusammengestellt und<br />
uns daran orientiert, was <strong>die</strong> Leute bei uns<br />
lernen sollen. Entsprechende Programmbestandteile<br />
haben wir aus der Aufgabenbeschreibung<br />
für HWL abgeleitet.<br />
c Welche Qualifikationen/Voraussetzungen<br />
brauchen <strong>die</strong> Trainee-Teilnehmerinnen?<br />
d Hier gibt es keine festen Vorgaben,<br />
das ist unterschiedlich. Zwei Trainees,<br />
<strong>die</strong> bei uns angefangen haben, haben<br />
Ökotrophologie stu<strong>die</strong>rt, eine andere<br />
kommt aus dem Restaurantfach. In der<br />
Stellenanzeige für das Trainee-Programm<br />
wurde <strong>die</strong>s folgendermaßen formuliert:<br />
16 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
schiedenen Trainee-Programme der Gemeinschaft<br />
Deutsche Altenhilfe GmbH (GDA)<br />
mit Hauptsitz in Hannover (Infos siehe Kasten<br />
Seite 16). Eine Besonderheit ist hier das<br />
bisher einzigartige zweijährige Trainee-Programm<br />
Hauswirtschaftsleitung. Wir begleiteten<br />
Antje Schultz.<br />
HWL statt Labor<br />
Seit knapp zwei Jahren ist Antje Schulz<br />
<strong>die</strong> erste Teilnehmerin des Trainee-Programms<br />
Hauswirtschaftsleitung bei der<br />
GDA. Zuvor hatte sie an der Martin-Luther-<br />
Universität Halle-Wittenberg Ernährungswissenschaften<br />
stu<strong>die</strong>rt und nach dem Studium<br />
einige Zeit in der Forschung zum Thema<br />
Pflanzenschutz gearbeitet. „Da ich während<br />
des Studiums im Verkauf gearbeitet<br />
habe und <strong>die</strong>s nach dem Studium wegfiel,<br />
wurde mir der Job im Labor irgendwann zu<br />
‚einsam‘. Mir fehlte der Austausch mit anderen.<br />
So schaute ich mich nach Alternativen<br />
um und bin zur GDA gekommen.“ Sie<br />
hatte sich auf eine Stelle in einem anderen<br />
Bereich beworben und wurde dann gefragt,<br />
ob sie sich auch ein Trainee-Programm im<br />
Bereich Hauswirtschaft vorstellen könnte.<br />
Dieses Programm besteht aus einem<br />
operativen und einem administrativen Teil.<br />
Das heißt, dass sie sowohl „an der Front“<br />
mitarbeitet als auch in <strong>die</strong> Verwaltungs- und<br />
Organisationsaufgaben eingearbeitet wird.<br />
„Daher habe ich am Anfang des Programms<br />
zum Beispiel einige Wochen selbst<br />
in der Reinigung gearbeitet. So bekommt<br />
man ein viel besseres Gefühl für seine Mitarbeiter<br />
und weiß sehr wohl zu schätzen,<br />
was sie tagtäglich leisten“, erzählt Antje<br />
Schulz. Weitere Bereiche, in denen sie operativ<br />
tätig war, sind zum Beispiel <strong>die</strong> Küche,<br />
das Café, der Kiosk, <strong>die</strong> Wäscherei und auch<br />
an <strong>die</strong> Hauswirtschaft angrenzende Bereiche<br />
wie Kultur und Pflege wurden ihr eröffnet.<br />
Wäscheversorgung mit neuer Struktur<br />
Zum Trainee-Programm gehört weiterhin<br />
eine Projektarbeit. „Und da das Thema<br />
Wäsche im Allgemeinen eher stiefmütterlich<br />
behandelt wird, war es ein Anliegen, in<br />
unseren Häusern das Ganze einmal aufzurollen,<br />
zu analysieren sowie Optimierungen<br />
zu finden und umzusetzen“, erklärt Antje<br />
Schulz. Sie fand es schwierig, im Bereich<br />
Wäsche überhaupt an Informationen zu<br />
kommen, selbst in der Fachliteratur fand sie<br />
nur wenig dazu. „Der Stellenwert <strong>die</strong>ses Bereichs<br />
ist häufig gering.“<br />
Bleibt noch an Antje Schulz <strong>die</strong> Frage,<br />
wie es bei ihr persönlich weitergeht nach<br />
Ende ihrer Trainee-Zeit? „Nach Beendigung<br />
meiner Trainee-Zeit werde ich mit der Geschäftsführung<br />
der GDA das Gespräch suchen,<br />
um meine weiteren Einsatzmöglichkeiten<br />
zu eruieren. Soweit gegebenenfalls<br />
nicht sofort der Einsatz als HWL in einem<br />
Wohnstift oder Pflegehaus meines Trägers<br />
möglich ist, so ist <strong>die</strong>s aber mittelfristig mein<br />
Ziel, aber auch das der GDA.“ Schließlich<br />
sei <strong>die</strong> GDA ein expan<strong>die</strong>rendes Unternehmen<br />
und somit sieht Antje Schulz dort gute<br />
Möglichkeiten für Mitarbeiter, <strong>die</strong> entsprechende<br />
Trainee-Programme durchlaufen haben.<br />
t Alexandra Höß<br />
Mehr zum Thema<br />
Wie Antje Schulz Verbesserungen<br />
im Wäschebereich<br />
konkret angegangen ist, das<br />
ist in der aktuellen <strong>rhw</strong> praxis<br />
1/2013 nachzulesen.<br />
„Sie haben Ökotrophologie stu<strong>die</strong>rt, sind<br />
Hotelbetriebswirt, HWL, Hauswirtschafter<br />
oder haben erste Erfahrungen mit Hotel-/<br />
Gastronomie oder vergleichbaren<br />
Dienstleistungen gesammelt. Das Trainee-Programm<br />
wird auf Ihre Vorkenntnisse<br />
individuell abgestimmt.“<br />
Meine eigene Philosophie ist, <strong>die</strong> Trainees<br />
müssen mit Menschen klar kommen,<br />
müssen Interesse an ihrem Job haben,<br />
müssen lernen, Probleme zu erkennen<br />
und zu lösen. Außerdem ist das Thema<br />
Hygiene bei uns sehr wichtig und es<br />
gibt ein umfangreiches administratives<br />
System.<br />
c Hauswirtschaftsleiterinnen haben<br />
Sie auf dem Markt nicht gefunden, aber<br />
für das Trainee-Programm Hauswirtschaftsleitung<br />
gab es dann genügend<br />
Bewerber?<br />
d Wir haben für das Trainee-Programm<br />
Stellenanzeigen über das Internet, zum<br />
Beispiel über StepStone, geschaltet und<br />
da kamen relativ viele Bewerbungen.<br />
c Wie ist das Trainee-Programm aufgebaut?<br />
d Das erste Jahr ist sehr praktisch angelegt,<br />
<strong>die</strong> Trainees arbeiten in allen Bereichen<br />
mit wie zum Beispiel Service, Unterhaltsreinigung,<br />
Küche, Wohnbereichsküche,<br />
Veranstaltungsservice oder auch<br />
im Kulturbereich. Im zweiten Jahr werden<br />
sie dann stückweise an <strong>die</strong> administrativen<br />
Tätigkeiten herangeführt. Dazu gehören<br />
zum Beispiel Einsatzplanung, Kalkulation,<br />
Wäschekontrolle, Personalplanung,<br />
Schnittstellen<strong>management</strong> zu anderen<br />
Abteilungen, Durchführung von<br />
Schulungen, Reklamationsbearbeitung,<br />
Führen von Personalgesprächen und<br />
Teamsitzungen. Die Trainees gehen dabei<br />
durch alle Häuser der GDA, lernen also<br />
alle Einrichtungen kennen. Ihre fachliche<br />
Anleiterin ist dabei <strong>die</strong> Hauswirtschaftsleiterin,<br />
<strong>die</strong> es in allen Häusern gibt.<br />
c Und was ist das Ziel des Programms?<br />
d Fachkräftemangel gibt es mittlerweile<br />
in allen Bereichen, mit <strong>die</strong>sen Programmen<br />
wollen wir unseren eigenen<br />
Nachwuchs heranziehen.<br />
Das Ziel ist ganz klar, dass <strong>die</strong> Trainees<br />
als HWL oder als stellvertretende HWL<br />
bei uns einsteigen können. Und das<br />
klappt bisher auch so wie wir uns das vorgestellt<br />
haben.<br />
Christian-Pinkert, Leiter Servicebereiche<br />
bei der GDA<br />
c Gibt es eine Abschlussprüfung?<br />
d Nein, eine Prüfung gibt es nicht. Die<br />
Trainees sollen am Schluss eine Projektarbeit<br />
schreiben. Wir suchen dazu gemeinsam<br />
ein Thema aus, wie zum Beispiel<br />
<strong>die</strong> Optimierung der Wäscheversorgung,<br />
mit der sich unsere erste Trainee<br />
HWL beschäftigt hat. Ein weiteres<br />
Projekt ist zum Beispiel, das Schulungssystem<br />
für Servicemitarbeiter zu überarbeiten.<br />
Die Ergebnisse <strong>die</strong>ser Projektarbeiten<br />
sollen dann für alle Häuser genutzt<br />
werden können – das ist zumindest<br />
der Plan. Die Projektarbeit wird also nicht<br />
bewertet, sondern soll als eine Art Nachschlagewerk<br />
<strong>die</strong>nen.<br />
c<br />
Vielen Dank für das Interview!<br />
t Interview: Alexandra Höß<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 17
Fachthema<br />
Keine Chance für<br />
unangenehme Gerüche<br />
Unangenehme Gerüche können das Wohlbefinden von Bewohnern,<br />
aber auch <strong>die</strong> Motivation des Pflegeteams empfindlich<br />
beeinträchtigen. Kennt und vermeidet man ihre Ursachen,<br />
muss es gar nicht so weit kommen. Deshalb ziehen im Kursana<br />
Domizil Markkleeberg bei Leipzig das Pflege- und das Hauswirtschaftsteam<br />
am gleichen Strang.<br />
Zwölf Uhr mittags im Speiseraum: Die<br />
Bewohner sitzen erwartungsvoll an<br />
den Tischen, nur der Platz von Frau<br />
Lehmann (Name durch <strong>die</strong> Redaktion geändert)<br />
ist noch leer. Eine Pflegekraft geht<br />
in das Zimmer der Bewohnerin, um sie zur<br />
Mittagsmahlzeit abzuholen. Die 82-jährige<br />
Dame steht gerade im Bad und wäscht<br />
eine Bluse. „Frau Lehmann ist dement. Weil<br />
ihr Kurzzeitgedächtnis stark eingeschränkt<br />
ist, kann sie <strong>die</strong> Gegenwart nicht mehr<br />
wahrnehmen. Im Langzeitgedächtnis sind<br />
aber ähnlich wie auf einer Festplatte viele<br />
ihrer Lebensgewohnheiten gespeichert“,<br />
erklärt Pflege<strong>die</strong>nstleiterin Heidrun Schneider.<br />
Deshalb lässt <strong>die</strong> Pflegekraft <strong>die</strong> Seniorin<br />
gewähren.<br />
Am besten gleich reagieren<br />
Erst nachdem <strong>die</strong>se <strong>die</strong> tropfnasse Bluse<br />
auf den Heizkörper gehängt hat, wird<br />
sie in den Speisesaal geführt. Die Pflegekraft<br />
informiert nun Manuela Liebert, dass<br />
Frau Lehmanns Bluse gewaschen werden<br />
muss. Die Hauswirtschaftsleiterin von<br />
Dussmann Service geht diskret in das Zimmer,<br />
nimmt <strong>die</strong> Bluse von der Heizung ab<br />
und bringt sie in einem verschlossenen<br />
Plastikbeutel in <strong>die</strong> Hauswäscherei. „Wenn<br />
Frau Lehmann nach der Mahlzeit wieder ihr<br />
Zimmer betritt, hat sie längst vergessen,<br />
dass sie zuvor gewaschen hatte“, so Heidrun<br />
Schneider. Die Bluse wird indessen<br />
noch am gleichen Nachmittag zusammen<br />
mit Textilien mit gleichen Pflegeansprüchen<br />
gewaschen. „Auf <strong>die</strong>se Weise verhindern<br />
wir, dass sich hässliche Stockflecke und<br />
unangenehme Gerüche bilden“, unterstreicht<br />
Manuela Liebert.<br />
Viele Menschen – viele Gerüche<br />
Wo viele Menschen zusammenleben,<br />
gibt es auch viele Faktoren, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Verbreitung<br />
unangenehmer Gerüche begünstigen<br />
können. Im Kursana Domizil Markkleeberg<br />
wurde <strong>die</strong>ser Gefahr durch <strong>die</strong><br />
Entwicklung einfacher, aber wirksamer Präventionsmaßnahmen<br />
von Anfang an der<br />
Kampf angesagt. Das Haus vor den Toren<br />
Leipzigs erfüllt <strong>die</strong> Anforderungen der Pflegestufen<br />
0 bis III und will seit vier Jahren<br />
114 betagten Menschen einen angenehmen<br />
und erlebnisreichen Lebensabend bieten.<br />
Neben behaglich eingerichteten Bewohnerzimmern<br />
gibt es eine „gute Stube“<br />
mit historischem Inventar, ein Restaurant,<br />
Tagesräume sowie viele weitere Einrichtungen<br />
für Geselligkeit und Therapie. Die<br />
pflegerische Betreuung wird durch examinierte<br />
Fachkräfte von Kursana wahrgenommen,<br />
für <strong>die</strong> Hauswirtschaft einschließlich<br />
Speisenzubereitung sowie Reinigung<br />
und Hausmeisterservice sind<br />
Stamm-Mitarbeiter der Dussmann Service<br />
Deutschland GmbH verantwortlich<br />
Verzahnung der Hauswirtschaft<br />
mit der Pflege<br />
Im Laufe des Tages verschmutzte Bewohnerkleidung<br />
bringt Manuela Liebert sofort<br />
in einem verschlossenen Beutel in<br />
<strong>die</strong> Hauswäscherei. Dort wird sie mit der<br />
nächstmöglichen Charge gewaschen.<br />
„Durch <strong>die</strong> enge Verzahnung beider<br />
Teams ist eine exzellente Kommunikation<br />
gewährleistet“, versichern Uwe Ebert, Direktor<br />
des Kursana Domizil Markkleeberg,<br />
und Tilo Krause, Gebäudereinigermeister<br />
und Bereichsleiter Gebäudereinigung der<br />
Dussmann Service Deutschland GmbH. Einmal<br />
im Monat treffen sich alle Dienstleister<br />
und Wohnbereichsleiter zu Teambesprechungen,<br />
Dann werden auf gleicher<br />
Augenhöhe Dokumentationen ausgewertet,<br />
Fehlerquellen analysiert und Verbesserungsvorschläge<br />
diskutiert. „Durch <strong>die</strong><br />
gute interdisziplinäre Zusammenarbeit ist<br />
es uns unter anderem gelungen, <strong>die</strong> Entwicklung<br />
unangenehmer Gerüche zu vermeiden“,<br />
unterstreicht Heidrun Schneider.<br />
Dabei nimmt <strong>die</strong> professionelle Wäschepflege<br />
einen wichtigen Stellenwert ein:<br />
„Wenn getragene Textilien längere Zeit liegen<br />
bleiben, verursachen darin verbliebene<br />
Körperflüssigkeiten und Bakterien Gerüche“,<br />
bringt es Heidrun Schneider auf<br />
den Punkt. Die Kunst der Vermeidung liegt<br />
darin, <strong>die</strong> Garderobe jeden Morgen einzusammeln<br />
und sofort in <strong>die</strong> Wäscherei zu<br />
bringen. Ganz so einfach ist das in der Praxis<br />
allerdings nicht. Die Pflege<strong>die</strong>nstleiterin:<br />
„Jeder Bewohner darf bestimmen, welches<br />
Kleidungsstück er wie lange tragen<br />
möchte.“ Da aber manche Senioren in ihrer<br />
Wahrnehmung eingeschränkt sind und<br />
das individuelle Sauberkeitsbedürfnis nicht<br />
immer objektiven Kriterien entspricht, leisten<br />
<strong>die</strong> Pflegenden gegebenenfalls mit Fingerspitzengefühl<br />
und Diplomatie Orientierungshilfe.<br />
„Im Rahmen der personenorientierten<br />
Bezugspflege entsteht ein Vertrauensverhältnis,<br />
das für betagte, in ihrer<br />
Alltagskompetenz eingeschränkte Menschen<br />
sehr hilfreich ist“, erklärt <strong>die</strong> Pflege<strong>die</strong>nstleiterin.<br />
Fotos: Reinhard Wylegalla<br />
18 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
B 40 Schnelldesinfektion<br />
FLÄCHEN-<br />
DESINFEKTION<br />
Granulat-Hochkonzentrate<br />
für <strong>die</strong> Dosierung<br />
Nach Pflegeetiketten vorsortiert, werden<br />
<strong>die</strong> Teile in verschließbare Wäschesäcke gelegt,<br />
<strong>die</strong> sich je nach Wohnbereich farblich voneinander<br />
unterscheiden. Wird im Laufe des Tages<br />
aufgrund eines Malheurs ein Garderobenteil<br />
besonders stark verschmutzt, bringen es<br />
<strong>die</strong> Pflegenden sofort in <strong>die</strong> Wäscherei und versäumen<br />
nicht, <strong>die</strong> Mitarbeiterinnen zu informieren.<br />
Ähnlich werden <strong>die</strong> hauseigenen Inkontinenzunterlagen<br />
und Flachwäsche behandelt,<br />
<strong>die</strong> ebenfalls in der im Zwei-Schicht-Betrieb<br />
besetzten Hauswäscherei gepflegt werden.<br />
„Je nach individuellem Bedarf der Bewohner<br />
wird <strong>die</strong> Bettwäsche in zweiwöchigen<br />
Abständen bis täglich gewechselt“, so Heidrun<br />
Schneider.<br />
In der Wäscherei wurden mit der Einführung<br />
innovativer Granulat-Hochkonzentrate<br />
auch <strong>die</strong> Prozesse neu programmiert. „Um den<br />
CO2-Footprint zu reduzieren, ließen wir ein neues<br />
Dosiersystem installieren“, berichtet Tilo<br />
Krause. Dieses System stimmt <strong>die</strong> Dosierung<br />
der Waschchemie exakt auf das zertifizierte<br />
Waschprogramm ab. Die Hauswirtschafterinnen<br />
sind zufrieden: „Sogar bei der Bewohnergarderobe<br />
erreichen wir mit desinfizierenden<br />
Waschprogrammen sehr gute Ergebnisse“, so<br />
Der Plastiksack mit Klemmverschluss lässt<br />
keine Gerüche entweichen und ist deshalb<br />
gut geeignet für <strong>die</strong> Entsorgung stark<br />
riechender Abfälle wie zum Beispiel<br />
Inkontinenzhilfsmittel<br />
Hübsche Dekorationen in den allgemein zugänglichen<br />
Bereichen verbreiten eine heitere<br />
Atmosphäre und tragen somit zum Wohlbefinden<br />
der Bewohner bei<br />
Manuela Liebert. Auch sind sie und ihre Kolleginnen<br />
froh, dass das Befüllen der Dosieranlage<br />
nun kinderleicht ist, weil <strong>die</strong> Gebinde mit<br />
den Granulat-Hochkonzentraten nur noch einen<br />
Bruchteil der früher verwendeten Flaschen<br />
mit flüssiger Waschchemie wiegen.<br />
Nasszellen und Pflegebäder<br />
Ein nicht minder sensibler Bereich sind <strong>die</strong><br />
Nasszellen der Bewohner, <strong>die</strong> Pflegebäder sowie<br />
<strong>die</strong> Toiletten in den allgemein zugänglichen<br />
Bereichen. Deshalb werden jeden Morgen <strong>die</strong><br />
Böden, Wandfliesen und Sanitärobjekte durch<br />
das Reinigungsteam desinfizierend gereinigt.<br />
Ab mittags kontrolliert das Pflegeteam engmaschig<br />
sowohl <strong>die</strong> Bäder der Bewohner als<br />
auch <strong>die</strong> Besuchertoiletten.<br />
„Durch <strong>die</strong> Bezugspflege bedingt kennen<br />
unsere Pflegekräfte gut <strong>die</strong> individuellen Gewohnheiten<br />
der Senioren“, erklärt <strong>die</strong> Pflege<strong>die</strong>nstleiterin.<br />
Bei mobilen älteren Menschen<br />
sei <strong>die</strong> Verschmutzungsgefahr natürlich höher<br />
als bei bettlägerigen Bewohnern, <strong>die</strong> ihr Bad in<br />
der Regel gar nicht mehr benutzen. Im Fall des<br />
Falles erfolge umgehend eine Nachreinigung.<br />
Bei hoher Besucherfrequenz wie zum Beispiel<br />
auf Hausfesten ist indessen das Reinigungsteam<br />
von Dussmann Service über <strong>die</strong> sonst übliche<br />
Arbeitszeit hinaus präsent.<br />
Engmaschige Kontrolle in<br />
den Bewohnerzimmern<br />
Manche Senioren, insbesondere demente<br />
Bewohner, entwickeln zuweilen eine ausgesprochene<br />
Sammelleidenschaft. Eigentlich eine<br />
ganz harmlose „Marotte“, sofern es nicht um<br />
Lebensmittel oder gar gefährliche Gegenstän-<br />
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stets Etikett und Produktinformationen lesen.<br />
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<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 19<br />
Perfekter Schutz mit System<br />
Hygienesystem
Fachthema<br />
de geht. Heidrun Schneider erinnert sich<br />
an eine alte Dame, <strong>die</strong> für ihr Leben gern<br />
saure Gurken aß. „Jedes Mal, wenn der<br />
Sohn sie besuchte, brachte er ein Glas mit<br />
den begehrten Köstlichkeiten mit“, berichtet<br />
<strong>die</strong> Pflege<strong>die</strong>nstleiterin. Mehr als<br />
<strong>die</strong> Bewohnerin verzehren konnte. Die angebrochenen<br />
Gläser stellte sie in den<br />
Schrank und vergaß sie. „Wir baten den<br />
Sohn, künftig keine Lebensmittel mehr mitzubringen“,<br />
so Heidrun Schneider. Zum<br />
Glück sei er einsichtig gewesen.<br />
Gute gemeinte Geschenke<br />
mit Folgen …<br />
Tilo Krause: „Dank professioneller Pflege<br />
können textile Bodenbeläge auch trotz<br />
starker Belastung eine lange Lebensdauer<br />
haben“<br />
Leider seien aber nicht alle Angehörigen<br />
so verständnisvoll. Viele würden aus<br />
gut gemeinter Absicht ein süßes Präsent<br />
mitbringen, das der Bewohner dann im<br />
Schrank verwahre und vergesse. „Unsere<br />
Schwestern und Pfleger kennen ihre ‚Pappenheimer‘<br />
und wissen, welche Zimmer regelmäßig<br />
auf Lebensmittel kontrolliert werden<br />
müssen“, sagt <strong>die</strong> Pflege<strong>die</strong>nstleiterin.<br />
Ein schmaler Grat zwischen dem Respekt<br />
vor persönlichem Eigentum und hygienischen<br />
Notwendigkeiten: „Die Kontrollen<br />
erfolgen nur in Abwesenheit der Bewohner,<br />
damit sie nicht den Eindruck haben,<br />
ihnen solle etwas weggenommen werden.<br />
Das Einbehalten von Lebensmitteln<br />
oder gefährlichen Gegenständen wird aber<br />
dokumentiert und im Team besprochen“,<br />
unterstreicht Heidrun Schneider.<br />
Abfallentsorgung<br />
Ein weiteres wichtiges Thema ist <strong>die</strong><br />
Abfallentsorgung. Die allermeisten Bewohner<br />
benötigen bei der Morgentoilette<br />
Assistenz. Deswegen ist hier <strong>die</strong> Gefahr,<br />
dass Abfälle Gerüche verbreiten können,<br />
denkbar gering, zumal ja Kosmetika und<br />
ihre Verpackungen eher angenehm duften.<br />
Anders <strong>die</strong> Inkontinenzhilfsmittel der vergangenen<br />
Nacht. Um Geruchsentwicklungen<br />
zu vermeiden, werden sie während der<br />
morgendlichen Grundpflege sofort in Plastiksäcke<br />
mit Klemmverschluss entsorgt.<br />
Wird im Laufe des Tages eine frische Inkontinenzversorgung<br />
notwendig, entsorgen<br />
<strong>die</strong> Pflegenden <strong>die</strong> benutzte Windel<br />
oder Vorlage im geschlossenen Beutel in<br />
den dafür vorgesehenen Container.<br />
Auch <strong>die</strong> Abfallbehälter in den Bewohnerzimmern<br />
müssen engmaschig überprüft<br />
werden. „Eine Abfalltrennung ist leider<br />
nicht möglich. Entsorgt ein Bewohner den<br />
Rest einer saftigen Birne in seinen Abfalleimer<br />
– und das vielleicht noch bei sommerlicher<br />
Hitze –, dauert es nicht lange, bis<br />
es zu riechen beginnt“, beschreibt Heidrun<br />
Schneider eine ganz typische Situation.<br />
Nehmen <strong>die</strong> Pflegenden beim Betreten eines<br />
Zimmers einen unangenehmen Geruch<br />
wahr, informieren sie eine Hauswirtschafterin,<br />
damit sie <strong>die</strong> „Corpora Delicti“ umgehend<br />
entsorgt. Der Speiseraum wird<br />
zweimal täglich nach den Mahlzeiten gereinigt.<br />
Küchenabfälle und Speisereste entsorgt<br />
das Küchenteam umgehend in eine<br />
ReFood-Tonne, wo <strong>die</strong> Reste dann zu Düngemitteln<br />
oder zur Stromgewinnung verarbeitet<br />
werden.<br />
Hauskontrolle mit<br />
„unbefangener Spürnase“<br />
Pflege<strong>die</strong>nstleiterin Heidrun Schneider<br />
kontrolliert jeden Morgen mit „unbefangener<br />
Spürnase“ das Haus auf Gerüche<br />
Die Ausstattung von Senioreneinrichtungen<br />
mit Teppichboden wird kontrovers<br />
diskutiert. Kursana macht damit indessen<br />
beste Erfahrungen. „Die Ware wird zweifelsohne<br />
durch Rollstühle, Speisentransportwagen<br />
und viele andere Einflüsse stark<br />
strapaziert“, räumt Tilo Krause ein. Bei regelmäßiger<br />
professioneller Pflege habe sie<br />
aber trotz starker Belastungen eine lange<br />
Lebensdauer. „Unbestritten ist, dass textile<br />
Bodenbeläge wohnlicher wirken und<br />
<strong>die</strong> Räumlichkeiten erheblich aufwerten“,<br />
unterstreicht der Gebäudereinigermeister.<br />
Im Kursana Domizil Markkleeberg sind<br />
selbst nach vier Jahren keinerlei Verschleißspuren<br />
zu erkennen.<br />
Möglich macht <strong>die</strong>s der tägliche Einsatz<br />
eines Teppichreinigungsautomaten,<br />
der auch durch Frauen relativ leicht zu handeln<br />
ist. „Mit <strong>die</strong>ser Maschine können wir<br />
ohne Detachur aus Teppichen und Polstern<br />
durch verschüttete Getränke oder Soßen<br />
verursachte Flecke schnell entfernen“, so<br />
Tilo Krause. Wenn auch eher selten, so<br />
<strong>trägt</strong> schließlich auch das stets einsatzbereite<br />
Hausmeisterteam zur Geruchsvermeidung<br />
bei. Etwa falls ein Bewohner sich<br />
übergeben muss und dabei <strong>die</strong> Tapete in<br />
Mitleidenschaft gezogen wird. Dann reguliert<br />
ein Mitarbeiter mit handwerklichem<br />
Know-how sofort den Schaden und lässt<br />
unangenehmen Gerüchen keine Chance.<br />
Bewohner essen –<br />
Wohnbereiche quergelüftet<br />
Weil aber auch <strong>die</strong> regelmäßige Zufuhr<br />
von frischer Luft das Klima im Haus verbessert,<br />
werden <strong>die</strong> Wohnbereiche während<br />
jeder Mahlzeit quergelüftet. Allen Mitarbeitern<br />
ist indessen bewusst, dass auf<br />
Dauer ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten<br />
kann, der <strong>die</strong> Wahrnehmung von<br />
Auffälligkeiten trübt. „Niemand ist gegen<br />
<strong>die</strong> berühmt-berüchtigte Betriebsblindheit<br />
immun“, weiß Heidrun Schneider. Deshalb<br />
geht <strong>die</strong> Pflege<strong>die</strong>nstleiterin jeden Morgen<br />
vor Dienstantritt durch das ganze Haus, um<br />
mit „unbefangener Spürnase“ sämtliche<br />
Bereiche auf Gerüche zu überprüfen und<br />
gegebenenfalls <strong>die</strong> Ursachen dafür beseitigen<br />
zu lassen.<br />
Ein Tipp der <strong>rhw</strong>-Redaktion: Das Thema<br />
„Markteinblick: Gerüche und deren Beseitigung“<br />
wird auch beim <strong>die</strong>sjährigen <strong>rhw</strong>-<br />
Hygieneforum Thema sein; in Essen am<br />
11.Oktober 2013 und in Stuttgart am 25. Oktober<br />
2013. t Reinhard Wylegalla<br />
20 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Berufsbildung<br />
Was man über Brandschutz<br />
wissen muss<br />
Jährlich kommen in Deutschland zirka 800 Menschen bei Bränden<br />
ums Leben, <strong>die</strong> Mehrheit davon in Privathaushalten. Die<br />
gesetzlichen Vorschriften zur Installation von Rauchmeldern bestehen<br />
in vielen Ländern schon lange, während sie in Deutschland<br />
erst in den letzten Jahren Gestalt angenommen haben.<br />
Noch ist vielen Menschen <strong>die</strong> große Gefahr nicht bewusst, <strong>die</strong><br />
von Bränden ausgeht.<br />
In vielen Einrichtungen gehört das Thema<br />
Brandschutz zumindest teilweise in den<br />
Wirkungsbereich der Hauswirtschaft. So<br />
ist das auch bei Birgit Ernst, Diplom-Betriebswirtin<br />
(FH), Leitung Hauswirtschaft &<br />
Technik in den Südbayerischen Wohn- und<br />
<strong>Wer</strong>kstätten gGmbH, München (siehe Interview<br />
auf Seite 23).<br />
Rund 200.000 Brände gibt es in<br />
Deutschland pro Jahr. Die meisten Menschen<br />
sind der Meinung, dass <strong>die</strong>s aus Fahrlässigkeit<br />
geschieht. Doch sehr oft sind unvorhersehbare<br />
technische Defekte <strong>die</strong> Auslöser.<br />
Der Großteil der Brände entwickelt<br />
sich zwischen 19.00 Uhr und 7.00 Uhr. Und<br />
<strong>die</strong> meisten Menschen, <strong>die</strong> in Bränden umgekommen<br />
sind, starben zwischen 23.00<br />
Uhr und 7.00 Uhr.<br />
Im Schlaf überrascht<br />
Mit dem Thema „Brand“ mag sich niemand<br />
gern beschäftigen. Zu furchtbar ist<br />
der Gedanke, das eigene Haus, <strong>die</strong> eigene<br />
Wohnung oder <strong>die</strong> Einrichtung, in der man<br />
arbeitet, stünde in Flammen. Also vertrauen<br />
<strong>die</strong> meisten Menschen darauf, dass sie<br />
verschont bleiben oder im Unglücksfall<br />
rechtzeitig flüchten bzw. um Hilfe rufen können.<br />
Viele haben <strong>die</strong> Vorstellung, mindestens<br />
zehn Minuten Zeit zu haben, um ein<br />
paar Sachen packen und das Haus verlassen<br />
zu können. Die Wahrheit ist: Erfahrungsgemäß<br />
bleiben zur Flucht aus der<br />
Wohnung gerade vier Minuten. Eine Rauchvergiftung<br />
kann sogar schon nach zwei Minuten<br />
tödlich sein, warnt <strong>die</strong> Feuerwehr. Au-<br />
Brand in<br />
Behindertenwerkstatt<br />
Ende November des vergangenen<br />
Jahres sind bei einem Feuer in einer<br />
badischen Behindertenwerkstatt 14<br />
Menschen ums Leben gekommen.<br />
Als Brandursache muss von menschlichem<br />
Versagen ausgegangen werden:<br />
Eine Betreuerin soll den Knopf<br />
eines Gasofens auf- statt zugedreht<br />
haben. Sie wollte <strong>die</strong>sen Ofen lediglich<br />
für einen Einsatz auf einem Weihnachtsmarkt<br />
testen. So ein Fehler<br />
könne immer wieder passieren, so<br />
<strong>die</strong> Einschätzung von Experten, weil<br />
<strong>die</strong> Gewinde an Gasöfen genau entgegengesetzt<br />
funktionieren wie beispielsweise<br />
an Wasserhähnen. Gasflasche<br />
und Ofen seien in <strong>die</strong>sem<br />
speziellen Fall nicht mehr verbunden<br />
gewesen, so dass ungehindert Propangas<br />
ausströmen konnte. Ein technischer<br />
Defekt könne Zeitungsberichten<br />
zufolge ausgeschlossen werden.<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013 21
Dossier: Haustechnik<br />
ßerdem sei bei starkem Rauch <strong>die</strong> Sicht behindert,<br />
so dass man sich selbst in der vertrauten<br />
Umgebung nicht mehr zurechtfindet.<br />
Auch <strong>die</strong> Überzeugung, dass Nachbarn<br />
oder gar <strong>die</strong> eigenen Haustiere rechtzeitig<br />
vor den Flammen warnen würden, hat schon<br />
manchen Menschen in höchste Gefahr gebracht.<br />
Das gilt vor allem nachts, wenn auch<br />
der Nachbar schläft und das Haustier sich<br />
nicht mit im Schlafzimmer aufhält, sondern<br />
im Körbchen im Flur schläft oder im Käfig<br />
oder Zwinger sitzt.<br />
Rauchmelder: lebensrettendes<br />
Frühwarnsystem<br />
Brandgefahren bestehen in jedem Haushalt,<br />
ausgehend von elektrischen Geräten,<br />
Zigaretten, Kerzen usw. Feuerwehren empfehlen<br />
<strong>die</strong> Installation von Rauchmeldern,<br />
vor allem in Kinder- und Schlafzimmern.<br />
Warum Rauch- und nicht Flammenmelder?<br />
Weil fast alle Menschen, nämlich 95<br />
Prozent, <strong>die</strong> in einem Brand umgekommen<br />
sind, nicht verbrannt, sondern<br />
durch den Rauch, der<br />
sich während der<br />
Schwelbrandphase<br />
entwickelt, vergiftet<br />
worden sind. Eine<br />
Rauchvergiftung entsteht<br />
durch <strong>die</strong> geruchlosen<br />
Gase Kohlenmonoxid<br />
und Kohlendioxid.<br />
Schon wenige<br />
Atemzüge, <strong>die</strong> Kohlenmonoxid<br />
in <strong>die</strong> Lunge holen, sind tödlich.<br />
Während ein Mensch schläft, nimmt er<br />
keine Gerüche wahr. Zwar stört unangenehmer<br />
oder intensiver Geruch (wie zum<br />
Beispiel der von Maiglöckchen) den Tiefschlaf,<br />
aber er weckt nicht auf.<br />
Rauchmelder senden ein unüberhörbares<br />
Signal aus und können so Menschenleben<br />
retten. Der Alarmton erreicht 85 Dezibel.<br />
Zur Orientierung: Gemäß Lärmschutzverordnung<br />
ist ab 85 Dezibel das Tragen eines<br />
Gehörschutzes zwingend erforderlich.<br />
„Aufzug im Brandfall nicht benutzen“ – wirklich?<br />
Die fast überall an Aufzügen<br />
angebrachte Warnung<br />
„Aufzug im Brandfall<br />
nicht benutzen“ müsse<br />
infrage gestellt werden,<br />
so Thomas Lipphardt,<br />
Manager für technische<br />
Regelwerke bei<br />
der deutschen Tochterfirma<br />
des finnischen Unternehmens<br />
Kone (Kassel)<br />
auf dem „Baurecht &<br />
Brandschutz Symposium“<br />
von Bureau Veritas<br />
im März 2012. Denn nach<br />
heutigem Verständnis<br />
könnten Aufzüge so konstruiert<br />
oder nachgerüstet<br />
werden, dass sie „mit Betriebsverlängerung im Brandfall“ eingestuft werden oder<br />
sogar als „Evakuierungsaufzug“ genutzt und letztlich als Feuerwehraufzug <strong>die</strong>nen<br />
können. Allerdings, so der Experte, seien <strong>die</strong> Brandschutzvorschriften Aufzüge betreffend<br />
bedauerlicherweise „von Land zu Land, von Stadt zu Stadt und sogar in Abhängigkeit<br />
von der Art des Gebäudes“ unterschiedlich.<br />
Für eine „Betriebsverlängerung im Brandfall“ müssen <strong>die</strong> Aufzugsschächte „möglichst<br />
mit Überdruck beaufschlagt“ werden, damit das Feuer nicht eindringen kann.<br />
Alle Be<strong>die</strong>nungsknöpfe müssen auch für Kinder erreichbar sein, <strong>die</strong> „Evakuierungsaufzüge“<br />
müssen so steuerbar sein, dass sie „eine Brandfläche durchfahren“ können<br />
und müssen so konstruiert sein, dass sie auch Rollstuhlfahrer sowie Menschen mit<br />
eingeschränkter Bewegung aufnehmen können.<br />
Es gäbe noch viele weitere Anforderungen, doch – so bemängelte der Referent – bei<br />
Infrastruktur-Veränderungen an und in Gebäuden kämen „in 70 Prozent der Fälle“<br />
<strong>die</strong> Betreiber den Anforderungen nach einer Modernisierung ihrer Aufzüge nicht nach.<br />
Quelle: I.G.T. Informationsgesellschaft Technik mbH, München, Online-Portal: www.sicherheit.info<br />
In Häusern mit mehreren<br />
Stockwerken sollten <strong>die</strong><br />
Rauchmelder im Flur auf<br />
den Etagen montiert<br />
werden. Wichtig sind<br />
auch Rauchmelder im<br />
Keller. In Küche und<br />
Bad macht es wenig<br />
Sinn, <strong>die</strong> Geräte zu installieren,<br />
weil dort durch<br />
Koch- und Wasserdämpfe<br />
Fehlalarme ausgelöst werden<br />
könnten.<br />
Man unterscheidet zwischen Rauchmeldern<br />
mit Batterie und solchen mit Netzanschluss.<br />
Zum nachträglichen Einbau sind<br />
Rauchmelder mit Batterie gut geeignet.<br />
Lässt <strong>die</strong> Stärke der Batterie nach, sendet<br />
der Rauchmelder 30 Tage lang alle 60 Sekunden<br />
ein Warnsignal in Form eines kurzen<br />
Tons. So bleibt genug Zeit für den Ersatz<br />
der Batterie. Im Allgemeinen hält <strong>die</strong><br />
Batterie zwischen ein und drei Jahren, je<br />
nach Batterietyp und Häufigkeit der Probealarme,<br />
<strong>die</strong> man regelmäßig durchführen<br />
sollte.<br />
Auch Rauchmelder mit Netzanschluss<br />
melden eine schwache Notstrombatterie<br />
rechtzeitig. Eine nachträgliche Montage in<br />
Gebäuden ist schwierig, da der Anschluss<br />
an <strong>die</strong> Stromversorgung Voraussetzung für<br />
den Betrieb ist. Bei Neubauten und Renovierungen<br />
sollte jedoch bereits in der Planung<br />
an derartige Rauchmelder gedacht<br />
werden. Gerade in größeren Häusern ist es<br />
sinnvoll, <strong>die</strong> Rauchmelder miteinander zu<br />
vernetzen, so dass ein Kellerbrand auch<br />
von den in den Wohnbereichen installierten<br />
Geräten gemeldet wird.<br />
Für hörgeschädigte Personen gibt es<br />
spezielle Rauchmelder, <strong>die</strong> beispielsweise<br />
durch Blitz-Lampen oder vibrierende Funkempfänger<br />
auf <strong>die</strong> Gefahr aufmerksam machen.<br />
Rauchmelder unter der Lupe<br />
Die Prüfer der Stiftung Warentest haben<br />
vergangenes Jahr 16 Rauchmelder hinsichtlich<br />
Zuverlässigkeit, Lautstärke, Handhabung<br />
und einiger weiterer Kriterien beurteilt<br />
(Ergebnisse in Heft 1/2013). Nur jedes<br />
zweite Gerät erhielt ein „Gut“. Ein Melder<br />
erwies sich als zu leise und bekam ein<br />
„Mangelhaft“.<br />
Testsieger waren Rauchmelder mit<br />
Langzeitbatterie. Sie enthalten eine Lithiumzelle,<br />
<strong>die</strong> im Normalfall so viel Kapazität<br />
besitzt, um den Melder für zehn Jahre funktionsbereit<br />
zu halten. Nach <strong>die</strong>sem Zeitraum<br />
haben <strong>die</strong> Geräte ohnehin ausge<strong>die</strong>nt<br />
und müssen durch neue ersetzt werden.<br />
Die guten Rauchmelder mit Langzeitbatterie,<br />
<strong>die</strong> in den Test einbezogen wor-<br />
Fotos: Vladislav Gajic/Fotolia.com, fotodrachene/Fotolia.com, sasel77/Fotolia.com<br />
22 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Dossier: Haustechnik<br />
den sind, kosten zwischen 27 und 35 Euro.<br />
Rauchmelder mit einfachen Alkalinebatterien<br />
sind für zehn bis 13 Euro zu haben. Hier<br />
muss man natürlich einen Batteriewechsel<br />
einkalkulieren. Auch solche Geräte schnitten<br />
nicht schlecht ab im Test. Fünf Exemplare<br />
wurden geprüft, zwei bekamen <strong>die</strong><br />
Note „gut“, drei gingen mit „befriedigend“<br />
aus dem Rennen.<br />
Stiftung Warentest nahm sich aber<br />
auch <strong>die</strong> über Funk vernetzbaren Rauchmelder<br />
vor und schickte schon mal ein Lob<br />
voraus: „Je größer das Haus und je mehr<br />
Zwischentüren das Alarmsignal dämpfen,<br />
desto sinnvoller sind Funkmelder. Deren<br />
Prinzip: Registriert ein Melder verdächtigen<br />
Rauch, funkt er <strong>die</strong>s an <strong>die</strong> anderen<br />
Melder und alle alarmieren gemeinsam. Im<br />
Praxistest konnte selbst eine Stahlbetondecke<br />
<strong>die</strong> Kommunikation nicht blockieren.“<br />
Ein exemplarisch geprüftes Funkmeldersystem<br />
schnitt mit der Note „gut“ ab.<br />
Ein anderes Gerät war allerdings „mangelhaft“,<br />
weil <strong>die</strong> Lautstärke des Alarmtons<br />
zu schwach war.<br />
Rauchmelder in vielen<br />
Bundesländern Pflicht<br />
Inzwischen fordern viele Landesbauordnungen<br />
„Rauchwarnmelder“ in Wohnungen,<br />
und zwar in der Regel in Schlaf- und<br />
Kinderzimmern sowie in Fluren, <strong>die</strong> als<br />
Fluchtweg <strong>die</strong>nen. Für <strong>die</strong> Pflicht des Nachrüstens<br />
gelten zum Teil noch Übergangsfristen.<br />
Und so ist <strong>die</strong> Einbaupflicht derzeit in<br />
den Bundesländern geregelt:<br />
t Berlin, Sachsen und Brandenburg:<br />
noch keine Rauchwarnmelderpflicht für private<br />
Wohnungen.<br />
t Baden-Württemberg und Nordrhein-<br />
Westfalen: Gesetzgebung zur Einführung<br />
der Rauchmelderpflicht ist in Vorbereitung.<br />
t Saarland: Die Rauchmelderpflicht gilt<br />
für alle Neubauten und Umbauten, <strong>die</strong> nach<br />
dem 18. Februar 2004 erstellt wurden.<br />
t Thüringen: Die Rauchmelderpflicht gilt<br />
für Neubauten und genehmigungspflichtige<br />
Umbauten seit 2008.<br />
t Bayern: Die Rauchmelderpflicht gilt für<br />
Neubauten, genehmigungspflichtige Umbauten<br />
sowie Bestandsbauten ab 1.1.2013,<br />
und zwar in Schlaf- und Kinderzimmern sowie<br />
Fluren, <strong>die</strong> als Rettungswege <strong>die</strong>nen.<br />
Die Frist für <strong>die</strong> Nachrüstung von Bestandsbauten<br />
endet im Dezember 2017.<br />
Ähnliche Vorschriften haben <strong>die</strong> übrigen<br />
Bundesländer, sie unterscheiden sich allerdings<br />
hinsichtlich der gesetzten Fristen für<br />
<strong>die</strong> Nachrüstung. Die Frist für <strong>die</strong> Nachrüstung<br />
von Bestandsbauten endet(e) im<br />
t Bremen: Dezember 2015<br />
t Hamburg: Dezember 2010<br />
t Hessen: Dezember 2014<br />
t<br />
Mecklenburg-Vorpommern:<br />
Dezember 2009<br />
t Niedersachsen: Dezember 2015<br />
t Rheinland-Pfalz: Juli 2012<br />
t Sachsen-Anhalt: Dezember 2015<br />
t Schleswig-Holstein: Dezember 2010<br />
Die meisten Bundesländer haben sich<br />
für folgenden Zusatz entschieden: „Der aktuelle<br />
Bewohner/Mieter des Hauses oder<br />
der Wohnung ist zuständig für <strong>die</strong> Wartung<br />
der installierten Rauchmelder, es sei denn,<br />
der Eigentümer übernimmt <strong>die</strong>se Verpflichtung<br />
selbst.“ t Dorothea Kammerer<br />
Interview<br />
„Es gibt immer wieder<br />
Besprechungsbedarf“<br />
Auch Hauswirtschafter/innen müssen über<br />
technische Fakten der Haussicherheit Bescheid<br />
wissen. Noch mehr Kenntnisse hat Birgit Ernst,<br />
Diplom-Betriebswirtin (FH), Leitung Hauswirtschaft<br />
& Technik in den Südbayerischen Wohnund<br />
<strong>Wer</strong>kstätten gGmbH, München. Sie machte<br />
eine Ausbildung zur hauswirtschaftlichen<br />
Betriebsleiterin, hat dann ein Studium der Betriebswirtschaft<br />
an einer Fachhochschule absolviert<br />
und anschließend noch den Master in<br />
Facility Management abgelegt. Sie hat Berufserfahrung<br />
in einem Tagungshaus in Stuttgart<br />
gesammelt, aber auch als Nanny für zwei kleine<br />
Mädchen einer kanadischen Familie, und sie<br />
war in einer Einrichtung für Suchtkranke im<br />
Schwarzwald, wo sie sich im Bereich Arbeitstherapie<br />
um <strong>die</strong> hauswirtschaftlichen Belange<br />
gekümmert hat. Seit neun Jahren ist Birgit Ernst<br />
nun bei den Wohn- und <strong>Wer</strong>kstätten in München.<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> hat mit ihr gesprochen.<br />
c Sie sind auch für <strong>die</strong> Sicherheit in Ihrer<br />
Einrichtung zuständig. Wie sehen Sie<br />
<strong>die</strong> Katastrophe, <strong>die</strong> sich vergangenen<br />
November in Titisee-Neustadt ereignet<br />
hat? Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt<br />
waren 14 Menschen ums Leben<br />
gekommen.<br />
d Ich habe <strong>die</strong> Nachrichten verfolgt,<br />
kann aber nichts zu den Ursachen sagen.<br />
Als Einrichtung muss man <strong>die</strong> Brandschutz-Maßnahmen<br />
mit der örtlichen<br />
Brand- und Baudirektion abstimmen. Die<br />
gibt vor, was man einbauen muss. Es gibt<br />
Melder, <strong>die</strong> direkt mit der Feuerwehr verbunden<br />
sind.<br />
c Wie haben Sie das in Ihrer Einrichtung<br />
geregelt?<br />
d Wir haben nur eine Brandmeldezentrale,<br />
aber noch keine Rauchmelder. Das<br />
ändert sich jetzt aber in einem Stockwerk,<br />
weil es umgebaut wird. Hier wurden<br />
Rauchmelder installiert, <strong>die</strong> an <strong>die</strong> Brandmeldezentrale<br />
angeschlossen sind.<br />
c Was macht man in den Stockwerken,<br />
in denen es keine Rauchmelder gibt?<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013 23
Berufsbildung<br />
d Das kommt immer auf das Haus an und<br />
auf das Verhalten der Bewohner, ob sie beispielsweise<br />
Kerzen anzünden. Natürlich<br />
gibt es auch <strong>die</strong> Möglichkeit, dass <strong>die</strong><br />
Hausleitung so etwas untersagt. Für Kerzen<br />
gibt es Alternativen wie etwa LED-betriebene<br />
Leuchten, <strong>die</strong> den Kerzenkörper<br />
erleuchten und sogar naturgetreues Flackern<br />
imitieren können.<br />
c Was geschieht, wenn ein Kurzschluss<br />
einen Brand auslöst?<br />
d Da sind wir über <strong>die</strong> elektrischen Fehlerstromschutzschalter,<br />
also <strong>die</strong> FI-Schalter,<br />
abgesichert. Bei einem Kurzschluss<br />
wird <strong>die</strong> Sicherung ausgelöst und der<br />
Strom unterbrochen. Die Rauchschutztüren<br />
schließen sich automatisch. Das Auslösen<br />
der Feuermelder muss per Hand gemacht<br />
werden. Die Feuerwehr wird über<br />
<strong>die</strong> Brandmeldezentrale alarmiert bzw.<br />
durch <strong>die</strong> Wahl des Notrufs 112.<br />
c Wie steht es um <strong>die</strong> Sicherheit der Aufzüge?<br />
d Es gibt eindeutige Regelungen für <strong>die</strong><br />
Sicherheit bei Aufzügen, unter anderem<br />
durch <strong>die</strong> Richtlinie 95/16/EG der Europäischen<br />
Union. Sie ist in Deutschland<br />
durch <strong>die</strong> Aufzugsverordnung in das nationale<br />
Recht umgesetzt worden. Es existieren<br />
strenge Auflagen hinsichtlich Wartung<br />
und Pflege von Aufzügen. Nicht nur<br />
bei einer Renovierung, sondern regelmäßig<br />
spätestens alle zwei Jahre muss ein Aufzug<br />
durch eine zugelassene Überwachungsstelle<br />
überprüft werden. Weil zwischen<br />
zwei Hauptprüfungen immer auch<br />
noch eine Zwischenprüfung erforderlich ist,<br />
kann man in der Praxis von einem jährlichen<br />
Prüfzyklus ausgehen. Viele Menschen<br />
fürchten den Absturz eines Aufzuges. Doch<br />
er wird auf jeden Fall verhindert, selbst<br />
wenn alle Tragseile einmal reißen sollten.<br />
Jeder Aufzug hat eine Absturzsicherung,<br />
<strong>die</strong> unabhängig von der gesamten anderen<br />
Technik wirkt.<br />
c Kommen wir zu einem anderen Ihrer<br />
Einsatzgebiete, zur Küche. Welche Aufgaben<br />
haben Sie hier?<br />
d Natürlich gibt es immer wieder Besprechungsbedarf<br />
rund um den Speiseplan<br />
oder auch mal um personelle Fragen oder<br />
Veränderungen. Und selbstverständlich bestehen<br />
auch ab und zu Fragen zu baulichen<br />
Themen. Auch wenn nicht neu gebaut wird,<br />
ist <strong>die</strong>s ja wichtig, denn es geht um den<br />
Unterhalt. Die Geräte, <strong>die</strong> verwendet werden,<br />
müssen in Stand gehalten, gewartet<br />
oder repariert werden. Wenn ein Gerät so<br />
defekt ist, dass es wirtschaftlich keinen<br />
Sinn macht, es zu reparieren, muss über<br />
eine Neuanschaffung nachgedacht werden.<br />
In den südbayerischen Wohn- und <strong>Wer</strong>kstätten in München werden Menschen mit<br />
Sehbehinderungen betreut. Haustechnik und Brandschutz spielen deshalb eine besondere<br />
Rolle.<br />
Bei all <strong>die</strong>sen Themen ist es wichtig, dass<br />
man <strong>die</strong> gesetzlichen Vorschriften einhält.<br />
Zum Beispiel, dass Waschbecken mit Sensoren<br />
eingebaut werden.<br />
c Können Sie ein aktuelles Beispiel aus<br />
dem Bereich Küche nennen?<br />
d Wir haben vor zwei oder drei Jahren einen<br />
neuen, zusätzlichen Konvektomat gebraucht,<br />
weil sich <strong>die</strong> Anzahl der Essen, <strong>die</strong><br />
zubereitet werden sollten, verändert hat.<br />
Wir hatten mehr Bewohner bekommen. Ein<br />
weiterer Grund war aber auch der, dass wir<br />
ein etwas anderes Essensangebot erstellen<br />
wollten. Wir können jetzt viel mehr<br />
selbst machen und mehr auf Regionalität<br />
und Saisonalität achten. Also weniger Convenience-Produkte!<br />
c Was war der Auslöser, um <strong>die</strong>se neuen<br />
Wege einzuschlagen? Einer der zahlreichen<br />
Lebensmittel-Skandale?<br />
d Nein, wir hatten in der gesamten Einrichtung<br />
den Wunsch, mehr Speisen selbst<br />
zuzubereiten und mehr auf <strong>die</strong> Bedürfnisse<br />
der Bewohner eingehen zu können. Wir<br />
hatten im Haus einen Arbeitskreis, der sich<br />
mit dem Thema Essen beschäftigt hat. Und<br />
daraus haben sich <strong>die</strong> Gedanken dann so<br />
langsam entwickelt. Unsere 115 Bewohner<br />
nehmen ihre Mittags-Mahlzeiten von Montag<br />
bis Freitag im Casino ein. Frühstück und<br />
Abendessen werden in den Wohngruppen<br />
zubereitet. Am Wochenende versorgen sich<br />
<strong>die</strong> Wohngruppen selbst.<br />
c Welche aktuellen Entscheidungen haben<br />
Sie im Bereich Reinigung zu treffen?<br />
d Derzeit geht es um <strong>die</strong> Anschaffung einer<br />
Reinigungsmaschine. Letzte Woche<br />
hatten wir jemanden hier zur Beratung. Es<br />
wurden <strong>die</strong> Flächen und Böden begutachtet.<br />
Besonderheiten in unserer Einrichtung:<br />
Wir haben sehr viel Linoleumboden. Unter<br />
unseren mehrfach Behinderten sind viele<br />
Rollstuhlfahrer und Leute, <strong>die</strong> mit einem<br />
Gehwagen unterwegs sind, was <strong>die</strong> Böden<br />
sehr stark beansprucht. Eine weitere Besonderheit<br />
in unserem Haus: Da wir sehbehinderte<br />
und blinde Bewohner haben,<br />
gibt es verschiedene Dinge, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Orientierung<br />
erleichtern. Dazu gehören beispielsweise<br />
Leitlinien, <strong>die</strong> an der Wand angebracht<br />
sind. Und wir arbeiten viel mit Farben<br />
und starken Kontrasten, so dass Bewohner,<br />
<strong>die</strong> noch einen Rest ihrer Sehkraft<br />
haben, sich orientieren können.<br />
c Ist auch <strong>die</strong> Beschichtung des Bodens<br />
wichtig?<br />
d Auf jeden Fall! Wir dürfen keine Hochglanz-Beschichtungen<br />
machen, weil <strong>die</strong><br />
spiegeln und dann können sich unsere Bewohner<br />
nicht mehr orientieren.<br />
c Wie handhaben Sie <strong>die</strong> Wäsche? Haben<br />
Sie eine Wäscherei im Haus?<br />
d Flachwäsche und Handtücher sind outgesourct.<br />
Die Privatwäsche wird im Haus<br />
gewaschen. Die Bewohner, <strong>die</strong> dazu in der<br />
Lage sind, kümmern sich in den einzelnen<br />
Gruppen selbst um ihre Wäsche. Jede<br />
Wohngruppe hat eine Waschmaschine und<br />
einen Trockner. In unserer Einrichtung leben<br />
Menschen mit einem sehr breiten Spektrum<br />
an Behinderungen. Manche sind recht<br />
fit, andere brauchen ein wenig Unterstützung<br />
und wieder andere sind in fast allen<br />
Bereichen auf Hilfe angewiesen. So weit<br />
wie möglich soll aber jeder Bewohner angeleitet<br />
werden, selbstbestimmt zu leben.<br />
Dazu kommen LPF-Trainer ins Haus. LPF<br />
steht für „Lebenspraktische Fertigkeiten“.<br />
c Frau Ernst, wir bedanken uns für das<br />
interessante Gespräch!<br />
t Interview: Dorothea Kammerer<br />
Foto: Südbayerischen Wohn- und <strong>Wer</strong>kstätten gGmbH, München<br />
24 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013
A K A D E M I E<br />
S E M I N A R E • S Y M POSI E N • M E S S E N<br />
Kompetenzzentrum für hauswirtschaftliche Weiterbildung<br />
„Gemeinschaftsverpflegung nach DIN“ – Die neue DIN 10506 umsetzen<br />
Zielgruppe:<br />
Küchenleitungen, Hauswirtschaftsleitungen, Köch/innen aus Einrichtungen<br />
der Gemeinschaftsverpflegung<br />
Inhalte:<br />
Im Frühjahr 2012 wurde <strong>die</strong> überarbeitete DIN 10506 Lebensmittel<br />
– Gemeinschaftsverpflegung veröffentlicht. Sie wurde auf <strong>die</strong> Vorgaben<br />
der EU-Hygieneverordnungen und ihrer deutschen Umsetzungen<br />
angepasst und hat zum Ziel, <strong>die</strong> Einhaltung von hygienisch<br />
einwandfreien Bedingungen beim Umgang mit Lebensmitteln in der<br />
Gemeinschaftsverpflegung zu erleichtern. Gleichzeitig kann sie als<br />
Hygiene-Richtschnur beim Lebensmittelangebot bei Kirchen- oder<br />
Vereinsfesten herangezogen werden.<br />
In <strong>die</strong>sem Tagesseminar wird geklärt, ob <strong>die</strong> neue DIN <strong>die</strong>sem<br />
selbstgestellten Anspruch gerecht wird oder ob sie eine weitere<br />
„lästige Vorgabe“ im Reigen der lebensmittelhygienerechtlichen<br />
Vorschriften, Normen und Richtlinien darstellt.<br />
Die Teilnehmer/innen erhalten einen Überblick über das aktuelle<br />
deutsche und europäische Lebensmittelhygienerecht und erarbeiten<br />
sich anhand einer Checkliste <strong>die</strong> wichtigsten Inhalte der neuen DIN.<br />
Dabei können sie überprüfen, ob ihr Verpflegungskonzept den DIN-<br />
Vorgaben entspricht und Ansatzpunkte zur Veränderung finden.<br />
Termine, Orte und Zeiten:<br />
09. April 2013 in Reutlingen<br />
11. April 2013 in München<br />
19. April 2013 in Würzburg<br />
03. Mai 2013 in Burgdorf/Hannover<br />
28. Juni 2013 in Köln<br />
04. Juli 2013 in Freiberg (Sachsen)<br />
jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr<br />
Gebühr:<br />
Vorzugspreis für Abonnenten von <strong>rhw</strong> <strong>management</strong><br />
oder <strong>rhw</strong> praxis sowie Mitglieder im Berufsverband<br />
Hauswirtschaft e. V.: 159,– Euro,<br />
sonst 179,– Euro. Alle Preise zzgl. MwSt.<br />
Referentin:<br />
Carola Reiner<br />
Anmeldecoupon per Fax (0 89) 318905-38 oder online unter www.vnm-akademie.de<br />
Foto: Lucky Dragon/Fotolia.com<br />
Anmeldung/Rücktritt: Nach Erhalt Ihrer Anmeldung senden wir Ihnen eine Eingangsbestätigung<br />
mit allen nötigen Informationen. Zur Begleichung der Seminargebühr<br />
erhalten Sie spätestens zum Anmeldeschlusstermin eine Rechnung, <strong>die</strong><br />
gleichzeitig als An melde- bestätigung <strong>die</strong>nt. Wenn Sie nach dem Anmeldeschluss<br />
Ihre Teilnahme stornieren, müssen wir <strong>die</strong> gesamte Gebühr in Rechnung<br />
stellen. Stornieren Sie Ihre Teilnahme vor dem Anmeldeschluss, müssen wir<br />
30,– Euro Bearbeitungsgebühr erheben.<br />
Ihr Vorteil: Sie können in beiden Fällen eine Ersatzperson als Vertretung schicken.<br />
Alle Preise zzgl. gesetzlicher MwSt., Tagungsunterlagen, -getränken, Kaffeepausen<br />
und Mittagessen, sofern nicht anders angegeben.<br />
Anmeldung<br />
Hiermit melde ich mich ver bindlich<br />
zum Seminar „Gemeinschaftsverpflegung<br />
nach DIN“ an<br />
■ Ich bin <strong>rhw</strong>-Abonnent/-in.<br />
Meine Mitgliedsnummer:<br />
■ Ich bin <strong>rhw</strong>-Abonnent/-in.<br />
Meine Abonummer<br />
Rechnungsadresse:<br />
Anmeldeschluss: jeweils 14 Tage vorher, sofern nicht anders angegeben.<br />
Absage: Der Veranstalter Verlag Neuer Merkur GmbH behält sich das Recht vor,<br />
<strong>die</strong> Seminare aus wichtigem Grund abzusagen. Änderungen und Irrtümer sowie<br />
Preisänderungen vorbehalten.<br />
Ansprechpartner:<br />
Ulrich Bartel, Telefon: (0 89) 31 89 05-54, Fax: (0 89) 31 89 05-38<br />
Coupon ausschneiden, ggf. kopieren und einsenden an:<br />
Verlag Neuer Merkur GmbH, vnm-Akademie,<br />
Postfach 60 06 62, 81206 München<br />
■ Ich bin Mitglied im Berufsverband Hauswirtschaft.Meine Kundennummer:<br />
■ Ich bin Mitglied im Berufsverband Hauswirtschaft.<br />
Meine Mitgliedsnummer<br />
✃<br />
❍ 09. April 2013<br />
in Reutlingen<br />
❍ 11. April 2013<br />
in München<br />
❍ 19. April 2013<br />
in Würzburg<br />
❍ 03. Mai 2013<br />
in Burgdorf/Hannover<br />
❍ 28. Juni 2013<br />
in Köln<br />
❍ 04. Juli 2013<br />
in Freiberg (Sachsen)<br />
Name/Vorname<br />
Berufliche Funktion<br />
Straße/Nr.<br />
E-Mail<br />
Telefon/Fax<br />
PLZ/Ort<br />
Datum/Unterschrift<br />
Mit meiner Unterschrift erkenne ich <strong>die</strong> genannten Bedingungen zu Anmeldung und Rücktritt an.<br />
■ Ja, ich bin damit einverstanden, dass Sie mich ggf. per E-Mail oder Telefon über weitere Verlagsangebote informieren.<br />
<strong>rhw</strong><br />
rationelle hauswirtschaft<br />
<strong>management</strong>
Fachthema<br />
Chemothermische<br />
Wäschedesinfektion<br />
Wie im Artikel „Zwischen Normalität und Hygienesicherheit“<br />
in <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 1/2013 detailliert ausgeführt wurde, muss<br />
vor der Wäscheversorgung in einer Risikoanalyse erfasst werden,<br />
welches Hygienerisiko bei dem jeweils gegebenen Kundenklientel<br />
gegeben ist. Die Gefährdung der Infektionsübertragung<br />
ist vor allem von der Immunstärke der Kunden abhängig.<br />
Wenn <strong>die</strong> Entkeimung der Textilien durch das normale<br />
Wäschewaschen nicht mehr ausreicht, gilt es <strong>die</strong> Wäsche desinfizierend<br />
aufzubereiten. Die ist ein hoher Anspruch, der nur bei<br />
Einhaltung aller Parameter erfüllt werden kann.<br />
Infektiöse Wäsche liegt nach der BGR<br />
500 nur aus Seuchenstationen von Krankenhäusern<br />
vor. Wäsche aus solchen<br />
Spezialstationen kann dann höchst infektiöse,<br />
extrem tödliche Keime beinhalten,<br />
so dass wesentlich strengere Anforderungen<br />
im Wäschekreislauf erfüllt werden müssen,<br />
um eine Gefährdung der Mitarbeiterinnen<br />
zu verhindern. Es gibt nur eine kleine<br />
Anzahl von Krankenhauswäschereien,<br />
<strong>die</strong> solche Wäsche aufbereiten müssen. Die<br />
dann notwendigen Hygieneregelungen sollen<br />
an <strong>die</strong>ser Stelle nicht behandelt werden.<br />
Aus der Sicht des Arbeitsschutzes definiert<br />
<strong>die</strong> BGR 500 Wäsche von Pflegeund<br />
Krankenbereichen von Heimen als<br />
Krankenhauswäsche. Sie ist als infektionsverdächtig<br />
definiert. Das gilt auch,<br />
wenn in einer Einrichtung gerade eine Grippe-<br />
oder Durchfallwelle herrscht oder Bewohner<br />
mit multiresistenten Keimen besiedelt<br />
sind. Heimwäsche aus Bereichen,<br />
wo Menschen gepflegt oder versorgt werden,<br />
ist desinfizierend zu waschen.<br />
Es heißt unter 3.9 der BGR 500: „…Für<br />
<strong>die</strong> Behandlung von infektionsverdächtiger<br />
Wäsche wird <strong>die</strong>s zum Beispiel erreicht,<br />
wenn Durchlaufwaschmaschinen<br />
verwendet werden und der Desinfektionsvorgang<br />
bereits vor Beginn der Spülphase<br />
beendet ist. Das für <strong>die</strong> Wäscherei<br />
jeweils zweckmäßigste Anwendungsverfahren,<br />
zum Beispiel thermische Desinfektion,<br />
chemothermische Desinfektion,<br />
ist unter Berücksichtigung der örtlichen<br />
Verhältnisse in Zusammenarbeit mit dem<br />
Krankenhaushygieniker festzulegen.“ Damit<br />
sind schon <strong>die</strong> wesentlichen Parameter<br />
benannt.<br />
Ziel des desinfizierenden Waschens<br />
Ziel des desinfizierenden Waschens ist,<br />
dass keine Infektionen durch <strong>die</strong> Wäsche<br />
weiterverbreitet werden. Um <strong>die</strong>s zu erreichen,<br />
müssen <strong>die</strong> eingesetzten Verfahren<br />
nachweislich wirksam sein. Um <strong>die</strong>s nachzuweisen,<br />
ist es möglich, sich vom Hersteller<br />
zwei unabhängige Gutachten über <strong>die</strong><br />
Wirksamkeit des jeweiligen Verfahrens mit<br />
den Rahmenbedingungen in Kopie geben zu<br />
lassen.<br />
Alternativ kann belegt werden, dass <strong>die</strong><br />
Verfahren nach einer Europäischen Norm<br />
(EN) erfolgreich geprüft wurden. Verfügt das<br />
Waschverfahren über eine VAH-Listung (Verbund<br />
angewandter Hygiene, früher DGHM<br />
Liste – Deutsche Gesellschaft für Hygiene<br />
und Mikrobiologie), so ist <strong>die</strong> Wirksamkeit<br />
in Prävention und Bekämpfung nachgewiesen<br />
worden. Dabei ist zu beachten, dass der<br />
Listungsprozess teilweise längere Zeit in Anspruch<br />
nimmt und mit wesentlichen Kosten<br />
für <strong>die</strong> Hersteller verbunden ist. Das ist bei<br />
neuen Produkten zu erkennen, wenn sie als<br />
„zur Listung nach VAH angemeldet“ deklariert<br />
sind.<br />
Gelistete Verfahren<br />
nicht vorgeschrieben<br />
Gesetzlich ist es nicht verpflichtend vorgeschrieben,<br />
gelistete oder geprüfte Verfahren<br />
zu nutzen. Im Rahmen der Sorgfalts-<br />
Fotos: Christeyns GmbH, Ecolab Deutschland GmbH, Kreussler & Co GmbH, Dr. Schnell Chemie GmbH, Sascha Kühnau, Robert Baumann<br />
26 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Fachthema<br />
pflicht ist es jedoch empfehlenswert, um im<br />
Haftungsfall nachzuweisen, dass ein wirksames<br />
Verfahren zur Wäschedesinfektion<br />
benutzt wurde.<br />
Herrscht im hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieb<br />
eine epidemisch verlaufende<br />
Infektion, so kann das jeweils zuständige<br />
Gesundheitsamt eine Entseuchung<br />
anordnen. Nur in <strong>die</strong>sem Fall dürfen ausschließlich<br />
RKI-gelistete Verfahren eingesetzt<br />
werden. Diese Liste ist mit ihren Nachträgen<br />
unter der Internetseite des Robert<br />
Koch-Instituts (www.RKI.de) jederzeit einsehbar.<br />
Diese Verfahren sind für extreme<br />
Desinfektionsbedarfe geprüft. Die Dosiervorschriften<br />
liegen teilweise um das Dreifache<br />
höher als <strong>die</strong> Dosiervorschriften für <strong>die</strong><br />
VAH-Listung. Für <strong>die</strong> standardmäßige prophylaktische<br />
Desinfektion sind sie unnötig<br />
faserbeanspruchend und kostenintensiv. In<br />
der Praxis gibt es immer wieder Waschmittelvertreter,<br />
<strong>die</strong> aus Gründen der Umsatzsteigerung<br />
behaupten, dass <strong>die</strong> meist wesentlich<br />
höheren Dosiervorschriften nach<br />
RKI-Listung für den normalen Arbeitsalltag<br />
notwendig wären.<br />
Welche Art der Desinfektion?<br />
Soll desinfizierend gewaschen werden,<br />
muss grundsätzlich zwischen thermischer<br />
und chemothermischer Wäschedesinfektion<br />
unterschieden werden.<br />
Bei der thermischen Desinfektion muss<br />
ein Flottenverhältnis von 1:4 bis 1:5 gegeben<br />
sein. Das heißt, auf ein Kilogramm Wäsche<br />
kommen vier bis fünf kg Waschwasser während<br />
der Arbeitsphase. Die Desinfektionstemperatur<br />
von 85 Grad Celsius muss 15 Minuten<br />
oder <strong>die</strong> von 90 Grad Celsius muss<br />
zehn Minuten gehalten werden. In <strong>die</strong>sem<br />
Fall wird der Wirkungsbereich von AB abgedeckt.<br />
A steht für <strong>die</strong> Abtötung von Bakterien<br />
und Pilzen, der Wirkungsbereich B inaktiviert<br />
auch Viren.<br />
Die Einhaltung der Parameter der thermischen<br />
Desinfektion ist in Haushaltswaschmaschinen<br />
üblicherweise nicht möglich.<br />
Denn meist wird weder das Flottenverhältnis<br />
noch <strong>die</strong> Einwirkzeit durch <strong>die</strong> Programme<br />
ermöglicht. Selbst bei gewerblichen<br />
Waschmaschinen sind <strong>die</strong> Desinfektionswaschprogramme<br />
oft bei Auslieferung nicht<br />
eingerichtet und/oder freigeschaltet. Das<br />
gilt es zu prüfen und gegebenenfalls durch<br />
<strong>die</strong> Servicetechniker einrichten zu lassen.<br />
Bei Neuanschaffungen sollte <strong>die</strong>s unbedingt<br />
schon im Kaufvertrag vereinbart sein, um<br />
nachträgliche Zusatzkosten zu vermeiden.<br />
Thermisch ist am sichersten, aber…<br />
Die thermische Wäschedesinfektion ist<br />
aus hygienischer Sicht das sicherste und wirkungsvollste<br />
Verfahren. Nachteilig ist jedoch<br />
<strong>die</strong> große thermische Belastung der Fasern.<br />
Gerade aktuelle Fasermischungen halten selten<br />
einer solchen Belastung stand. Gleichzeitig<br />
sind der Energiebedarf und der Zeitverbrauch<br />
wesentlich höher.<br />
Aus <strong>die</strong>sem Grund ist <strong>die</strong> chemothermische<br />
Desinfektion von Wäsche berechtigter<br />
Weise das vorherrschende Verfahren. Die<br />
chemothermische Desinfektion hat jedoch<br />
noch mehr Parameter, <strong>die</strong> es einzuhalten gilt.<br />
Einerseits sind es das Flottenverhältnis, <strong>die</strong><br />
Wirktemperatur und <strong>die</strong> Einwirkzeit, andererseits<br />
muss zusätzlich <strong>die</strong> Dosierung der<br />
desinfizierenden Waschmittel eingehalten<br />
werden.<br />
Alle Verfahrensparameter sind auf den<br />
Verpackungen enthalten. Oft sind sie jedoch<br />
schwer zu finden, denn <strong>die</strong> Dosiervorschrift<br />
für das desinfizierende Waschen<br />
ist oft anders als <strong>die</strong> Vorschrift für das optisch<br />
saubere Waschen. Außerdem bezieht<br />
sich <strong>die</strong> Dosiervorschrift für das desinfizierende<br />
Waschen meist auf Gramm Waschmittel<br />
pro Liter Waschflotte. Denn nur so<br />
kann <strong>die</strong> Konzentration des Wirkstoffs an<br />
der Faser unabhängig von Wasserhärte und<br />
Verschmutzungsgrad sichergestellt werden.<br />
Maschinenbezogene<br />
Dosierbecher nutzen<br />
Die Dosiervorschrift für das optisch saubere<br />
Waschen ist meist angegeben in Milliliter<br />
Waschmittel pro Kilogramm Waschgut.<br />
Dabei hängt <strong>die</strong> Dosierung haushaltsüblich<br />
ab von der Wasserhärte und dem<br />
Verschmutzungsgrad der Wäsche. In der<br />
Praxis bedeutet <strong>die</strong>s, dass pro Maschine<br />
zwei Dosierungen berechnet werden müssen.<br />
Die jeweils höhere Dosierung muss<br />
dann verwendet werden. Aus <strong>die</strong>sem Grund<br />
ist es <strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong> der hauswirtschaftlichen<br />
Fachkräfte, <strong>die</strong> manuellen Dosiervorschriften<br />
für <strong>die</strong> oft ungelernten Wäscherei-Mitarbeiterinnen<br />
zu erarbeiten. Verfügt<br />
<strong>die</strong> Wäscherei über Maschinen verschiedener<br />
Größe, sollten unbedingt maschinenbezogene,<br />
klar gekennzeichnete<br />
Dosierbecher verwendet werden.<br />
Dosieranlagen haben viele Vorteile<br />
Um <strong>die</strong>ser Dosier-Unsicherheit zu entgehen<br />
und den Umgang mit den hoch konzentrierten<br />
Gefahrstoffen in den Wasch-<br />
Bei den meisten der heute angebotenen Waschmitteln ist längst auch eine Desinfektion bei 40 Grad Celsius möglich<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 27
Fachthema<br />
mitteln zu vermeiden, sollten soweit möglich<br />
Dosieranlagen verwendet werden. Diese<br />
werden vom Servicetechniker auf <strong>die</strong> jeweiligen<br />
Waschprogramme genau abgestimmt.<br />
Meist laufen <strong>die</strong>se Dosieranlagen<br />
dann mit einem Sortiment an Flüssigwaschmitteln.<br />
Einige namhafte Waschmittelhersteller<br />
offerieren, <strong>die</strong> Dosieranlagen<br />
kostenfrei bereitzustellen und einzurichten,<br />
wenn eine kontinuierliche Waschmittelmenge<br />
abgenommen wird. Daneben gibt<br />
es auch Miet-, Leasing- oder Kaufoptionen<br />
bei den Pumpen. Grundsätzlich sollte <strong>die</strong><br />
Einstellung der Pumpen durch <strong>die</strong> Techniker<br />
des Waschmittellieferanten erfolgen,<br />
um Fehler bei der Einstellung der Dosiermengen<br />
je Waschverfahren und Maschine<br />
zu vermeiden und Diskussionen über <strong>die</strong><br />
Ursache zwischen Waschmittel- und Waschmaschinen<strong>die</strong>nstleister<br />
bei Fehlfunktionen<br />
zu vermeiden. Auch sollte grundsätzlich mit<br />
detaillierten Einstellungs- und Wartungsprotokollen<br />
<strong>die</strong> korrekte Dosierung durch<br />
<strong>die</strong> Techniker mit den eingestellten Parametern<br />
belegt werden.<br />
Zwei Arten von Pumpen<br />
Bei den Pumpen gibt es grundsätzlich<br />
zwei wesentliche Arten: Schlauchquetschpumpen<br />
und Membranpumpen. Membranpumpen<br />
sind selbst in Laborbereichen im<br />
Einsatz und sehr dosiergenau, dabei jedoch<br />
noch preisintensiver. Schlauchquetschpumpen<br />
sind sehr einfach im Aufbau. Sie<br />
müssen kontinuierlich gewartet werden,<br />
damit <strong>die</strong> mechanisch belasteten Schläuche<br />
rechtzeitig ausgetauscht werden,<br />
bevor es zu Undichtheiten kommt. In den<br />
letzten zehn Jahren kam es bei Schlauchquetschpumpen<br />
zu wesentlichen Qualitätsverbesserungen<br />
bei den Materialien, so<br />
dass <strong>die</strong> Fehlerhäufigkeiten wesentlich abnahmen.<br />
Schlauchquetschpumpen sind zumeist<br />
preisgünstiger.<br />
Manchmal braucht man eine Lupe<br />
Die Waschtemperaturen sind ein weiterer<br />
Aspekt, der besonders beachtet werden<br />
muss. Viele desinfizierende Waschmittel<br />
können ein optisch sauberes Waschergebnis<br />
in allen Temperaturbereichen von<br />
20 bis 95 Grad Celsius erreichen. Die geprüfte<br />
Desinfektion ist jedoch bei den meisten<br />
Waschmitteln erst bei eingehaltener<br />
Einwirkzeit bei 60 Grad Celsius erreicht. Das<br />
heißt, wenn mit einem solchen Waschmittel<br />
bei 40 Grad Celsius gewaschen wird, ist<br />
<strong>die</strong> Wäsche zwar sauber, aber nicht sicher<br />
desinfiziert.<br />
Bei notwendiger Wäschedesinfektion<br />
gilt es zu beachten, bei welcher Temperatur<br />
und Einwirkzeit <strong>die</strong> Desinfektion gesichert<br />
ist. Dies ist auf den Verpackungen oft<br />
im Lupenformat deklariert.<br />
Desinfektion bei 40 Grad<br />
immer öfter möglich<br />
Dosieranlagen haben verschiedene Vorteile, wie Arbeitssicherheit,<br />
Dosiersicherheit und einen geringeren Verbrauch<br />
Inzwischen verfügen immer mehr<br />
Waschmittelhersteller auch über wirksame<br />
desinfizierende Waschverfahren im Temperaturbereich<br />
von 40 Grad Celsius. Die Firmen<br />
Ecolab und Kreussler haben sogar geprüfte<br />
Desinfektionswaschverfahren für den<br />
20- bzw. 30-Grad-Celsius-Bereich, so dass<br />
selbst Wollwäsche desinfizierend aufbereitet<br />
werden kann.<br />
Der desinfizierende Wascherfolg hängt<br />
von der Einhaltung der Einwirkzeit ab. Denn<br />
nur bei eingehaltener kontinuierlicher Wirktemperatur,<br />
kann <strong>die</strong> Waschchemie <strong>die</strong><br />
Krankheitserreger sicher abtöten. Das ist<br />
ein Parameter, der in Haushaltswaschmaschinen<br />
auch nicht realisiert werden kann.<br />
Bei gewerblichen Waschmaschinen<br />
ist genau zu<br />
prüfen, ob beim Waschverfahren<br />
<strong>die</strong> Wirktemperatur<br />
kontinuierlich<br />
gewährleistet wird.<br />
Neben den Waschmaschinenherstellern<br />
haben sich auch einige<br />
Waschmittelhersteller<br />
als Dienstleister im<br />
Markt positioniert. Sie<br />
unterstützen <strong>die</strong> hauswirtschaftlichen<br />
Dienstleistungsbetriebe<br />
bei der<br />
fachlich korrekten Verfahrensführung.<br />
Sie sollten<br />
jedoch spüren, dass<br />
ein Know-how in Sachen<br />
Fehler in der Praxis<br />
In der Praxis konnten unter anderem<br />
folgende Fehleinstellungen gefunden<br />
werden:<br />
u Deklaration als „desinfizierendes<br />
Waschverfahren“ bei 40 Grad Celsius<br />
trotz nachgewiesener Wirksamkeit<br />
des Mittels erst ab 60<br />
Grad Celsius.<br />
u Einsatz der Dosierung nach RKI-Listung<br />
für <strong>die</strong> Alltagswäsche, ohne<br />
dass eine Entseuchung durch das<br />
Gesundheitsamt angeordnet war.<br />
u Einsatz preisintensiverer desinfizierender<br />
Waschmittel für den 40<br />
Grad-Celsius-Bereich bei Waschprogrammen<br />
mit einer Waschtemperatur<br />
von 60 Grad Celsius.<br />
u Auslieferung der neuen Waschmaschine<br />
mit Desinfektionsprogramm,<br />
das nicht <strong>die</strong> Parameter des eingesetzten<br />
Waschmittels erfüllt.<br />
Wäschepflege im Hause<br />
vorhanden ist, um umsatzsteigernde<br />
Fehleinstellungen<br />
zu vermeiden (siehe Kasten<br />
oben).<br />
Und <strong>die</strong> Kosten?<br />
Ohne fun<strong>die</strong>rtes hauswirtschaftliches<br />
Wissen im Wäschereibereich ist eine sichere<br />
Wäschedesinfektion nur zufällig leistbar.<br />
Neben den Anforderungen an <strong>die</strong> chemothermische<br />
Desinfektion sind unbedingt<br />
auch Parameter wie der klassisch optische<br />
Wascherfolg, Faserschonung und geringe<br />
Dosiermenge je kg Wäsche wichtige Entscheidungskriterien.<br />
Oft sind Produkte pro<br />
Kilogramm Waschmittel billig, im Vergleich<br />
Kilogramm Waschmittel je Kilogramm Wäsche<br />
jedoch wesentlich teurer als preisintensivere<br />
Markenprodukte.<br />
t Sascha Kühnau<br />
Einige Hersteller von desinfizierenden<br />
Waschmitteln<br />
u BÜFA Reinigungssysteme,<br />
www.buefa.de<br />
u BurnusHychem GmbH,<br />
www.burnushychem.com<br />
u Christeyns GmbH,<br />
www.christeyns.com<br />
u Dr. Schnell Chemie GmbH,<br />
www.dr-schnell.de<br />
u Ecolab Deutschland GmbH,<br />
www.ecolab.com<br />
u Johannes Kiehl KG,<br />
www.kiehl-group.com<br />
u Kreussler & Co GmbH,<br />
www.kreussler.com<br />
28 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Arbeitsrecht 4<br />
a Durchführung von Bewerbungsverfahren und Einstellung von<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach dem Allgemeinen<br />
Gleichbehandlungsgesetz (AGG)<br />
Worauf muss bei Stellenanzeigen geachtet werden? Wie wird eine Annonce<br />
diskriminierungsfrei formuliert? Müssen Bewerbungen anonymisiert<br />
werden? Welche Fragen sind im Bewerbungsgespräch erlaubt?<br />
Welche verboten? Wie sollten Absagen formuliert werden? Worauf<br />
muss datenschutzrechtlich beim Umgang mit Bewerberunterlagen geachtet<br />
werden?<br />
a Befristung von Dienst- und Arbeitsverhältnissen<br />
Die Grundsätze und gesetzlichen Voraussetzungen für eine wirksame<br />
Befristung von Dienst- und Arbeitsverhältnissen werden anhand praktischer<br />
Fälle und Beispiele erläutert. Die Zulässigkeit von Befristungen<br />
nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz werden ebenso erörtert wie<br />
<strong>die</strong> einzuhaltenden Formalien. Lernen Sie Tipps und Kniffe zur Vertragsgestaltung<br />
kennen und <strong>die</strong> Fallstricke in der Praxis vermeiden.<br />
a Arbeitszeit- und Urlaubsrecht<br />
Der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit wird für Mitarbeiter immer<br />
wichtiger. Dies erfordert eine flexible Handhabung von Arbeits- und Einsatzzeiten<br />
durch den Arbeitgeber. Für eine optimale Handhabung des<br />
Zeit<strong>management</strong>s im Unternehmen wird der rechtliche Rahmen anhand<br />
von Praxisbeispielen und neuer Rechtsprechung dargestellt und erläutert.<br />
n 4 Themen n 4 Workshops n 1 Anwalt n 1 Tag<br />
a Kündigung von Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen<br />
Rechtssicher kündigen und kostenträchtige Fehler vermeiden. Betriebsbedingte<br />
Personalanpassungen müssen ebenso gründlich vorbereitet<br />
und rechtlich abgesichert werden wie krankheits- oder ver haltensbedingte<br />
Kündigungen. Anhand praktischer Fälle werden <strong>die</strong> Grundlagen<br />
des Kündigungsschutzrechts und <strong>die</strong> zu beachtenden formalen und<br />
inhaltlichen Anforderungen an rechtswirksame Kündigungen erläutert<br />
und Alternativen zur Kündigung aufgezeigt.<br />
Termin:<br />
14. Mai 2013, im Maternushaus in Köln, 10 bis 16 Uhr.<br />
Gebühr:<br />
Vorzugspreis für Abonnenten von <strong>rhw</strong> <strong>management</strong><br />
oder <strong>rhw</strong> praxis sowie Mitglieder im Berufsverband<br />
Hauswirtschaft e. V.: 159,– Euro, sonst<br />
179,– Euro. Preise zuzüglich MwSt., inkl. Tagungsunterlagen<br />
und -verpflegung<br />
Referent:<br />
RA Peter Hützen, Fachanwalt für Arbeitsrecht,<br />
Kanzlei Bird & Bird, Düsseldorf<br />
„Wäsche- und Garderobenpflege für den gehobenen Privathaushalt“ in München<br />
Jeder anspruchsvolle Privathaushalt verfügt über eine große Zahl<br />
hochwertiger Sommer- und Winterkleidung. Durch <strong>die</strong> korrekte Reinigung<br />
und Pflege sowie das Instandhalten der Garderobe kann<br />
<strong>die</strong>se geschont werden. Trageeigenschaften, Langlebigkeit und<br />
Aussehen können damit positiv beeinflusst werden. Schuhpflege<br />
ist ein weiterer Punkt zur perfekten Garderobe.<br />
Falt- und Legetechniken sowie <strong>die</strong> dazugehörige Schrankordnung<br />
runden das Thema ab. Dieses Seminar zeigt Ihnen letztlich, wie Sie<br />
mit modernster Technik in einem anspruchsvollen Privathaushalt Wäsche<br />
und Garderobe richtig pflegen und aufbewahren.<br />
Inhalte:<br />
1 Pflege von Oberbekleidung<br />
• Materialkunde: Wolle, Schurwolle, Kaschmir<br />
• Gerätekunde: Waschmaschine, Trockner, Dampfbügeleisen<br />
• Aufdämpfen/Auffrischen u. Kontrolle: Anzüge, Kostüme, Pullover<br />
& Co, Hüte<br />
2 Schrank- und Schubladenordnung<br />
• Was gehört wohin?<br />
• Legetechniken<br />
Anmeldung<br />
Hiermit melde ich mich<br />
verbindlich an zum Seminar:<br />
■ Ich bin <strong>rhw</strong>-Abonnent/-in.<br />
Meine Mitgliedsnummer:<br />
■ Ich bin <strong>rhw</strong>-Abonnent/-in.<br />
Meine Abonummer<br />
Rechnungsadresse:<br />
3 Kleiderbügel<br />
• Arten und Verwendung<br />
4 Koffer packen<br />
5 Fleckentfernung<br />
6 Mottenschutz<br />
7 Ausbesserungsarbeiten<br />
8 Schuhpflege<br />
• Materialkunde, Pflege, Reinigung, Putzutensilien, Aufbewahrung<br />
und Lagerung<br />
Termin: 17. Mai 2013 in München, 9 bis 17 Uhr.<br />
Gebühr: Vorzugspreis für Abonnenten von <strong>rhw</strong><br />
<strong>management</strong> oder <strong>rhw</strong> praxis sowie Mitglieder im<br />
Berufsverband Hauswirtschaft e.V. 159,– Euro,<br />
sonst sonst 179,– Euro. Preise zuzüglich MwSt.,<br />
inkl. Tagungsunterlagen und -verpflegung<br />
Referentin: Ursula Bolhuis, Hauswirtschaftliche<br />
Betriebsleiterin, Diplom-Ökotrophologin<br />
■ Ich bin Mitglied im Berufsverband Hauswirtschaft.Meine Kundennummer:<br />
■ Ich bin Mitglied im Berufsverband Hauswirtschaft.<br />
Meine Mitgliedsnummer<br />
✃<br />
y Arbeitsrecht hoch 4<br />
y Wäsche- und<br />
Garderobenpflege<br />
Name/Vorname<br />
Berufliche Funktion<br />
E-Mail<br />
Telefon/Fax<br />
Straße/Nr.<br />
PLZ/Ort<br />
Datum/Unterschrift<br />
Mit meiner Unterschrift erkenne ich <strong>die</strong> genannten Bedingungen zu Anmeldung und Rücktritt an.<br />
<strong>rhw</strong><br />
rationelle hauswirtschaft<br />
<strong>management</strong><br />
■ Ja, ich bin damit einverstanden, dass Sie mich ggf. per E-Mail oder Telefon über weitere Verlagsangebote informieren.
Fachthema<br />
<strong>Lebensmittelrecht</strong>: <strong>Wer</strong><br />
<strong>trägt</strong> <strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong>?<br />
Kommt es in Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen zu einem<br />
lebensmittelhygienischen Ausbruchsgeschehen, ist <strong>die</strong> erste Phase<br />
der Krise oftmals von hektischer Ursachenermittlung dominiert.<br />
Die dann oft zahlreich anwesenden Experten aus Kommune,<br />
Land und Bund wollen gemeinsam mit dem Betreiber<br />
schnell <strong>die</strong> Gefahr für <strong>die</strong> Bewohner, Kunden und Mitarbeiter<br />
eingrenzen.<br />
Nachdem <strong>die</strong> Ursache eingegrenzt ist,<br />
folgt <strong>die</strong> zweite Phase. Diese ist dann<br />
oft der Frage nach der Schadensbegrenzung<br />
und der Kommunikation nach außen<br />
gewidmet. Hat man das Gefühl, das<br />
„Gröbste überstanden“ zu haben, ereilt einen<br />
in der Regel <strong>die</strong> dritte Phase mit der<br />
Feststellung, dass ein entsprechendes Ausbruchsgeschehen<br />
auch eine rechtliche bzw.<br />
haftungsrechtliche Dimension hat. Dies erfolgt<br />
oft in Form eines Schreibens der zuständigen<br />
Staatsanwaltschaft.<br />
Kommt ein Konsument aufgrund eines<br />
gesundheitsschädlichen Lebensmittels aus<br />
einer Gemeinschaftsverpflegung zu Schaden,<br />
wirft <strong>die</strong>s verschiedene Haftungsfragen<br />
auf. Auch stellt sich <strong>die</strong> wichtige Frage,<br />
wer sich in einem Ordnungswidrigkeitenoder<br />
Strafverfahren verantworten muss.<br />
<strong>Wer</strong> ist „Lebensmittelunternehmer“?<br />
Diese Konsequenzen muss der Verantwortliche<br />
stets selbst tragen. Das sind zum<br />
Beispiel Bußgelder oder Geldstrafen, Haftstrafen,<br />
aber auch Eintragungen im Strafoder<br />
Gewerbezentralregister. Es existiert<br />
eine klare gesetzliche Regelung, wonach<br />
stets der so genannte Lebensmittelunternehmer<br />
<strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong> für <strong>die</strong> Sicherheit<br />
eines Lebensmittels <strong>trägt</strong>.<br />
Lebensmittelunternehmer sind <strong>die</strong>jenigen<br />
„Personen, <strong>die</strong> dafür verantwortlich<br />
sind, dass <strong>die</strong> Anforderungen des <strong>Lebensmittelrecht</strong>s<br />
in dem ihrer Kontrolle unterstehenden<br />
Lebensmittelunternehmen erfüllt<br />
werden. Verantwortlicher Lebensmittelunternehmer<br />
ist damit regelmäßig das<br />
oberste Kontrollorgan eines Unternehmens,<br />
zum Beispiel <strong>die</strong> Heimleitung. Sind weitere<br />
Leitungsebenen vorhanden, sind <strong>die</strong>se<br />
in der Regel zumindest mitverantwortlich.<br />
Allerdings ist <strong>die</strong>s der Heimleitung und<br />
der gegebenenfalls vorhandenen weiteren<br />
Leitungsebene (der Leitung der Unternehmensgruppe)<br />
häufig nicht bewusst. Denn<br />
<strong>die</strong> Verpflegung der Gäste wird häufig als<br />
„Unterstützungsleistung“ wahrgenommen.<br />
Hier ist ein Umdenken gefordert, zumal <strong>die</strong><br />
Lebensmittelüberwachung mittlerweile<br />
auch den großen Bereich der Gemeinschaftsverpflegung<br />
entdeckt hat.<br />
Reicht das Deligieren?<br />
Sofern ein <strong>Verantwortung</strong>sbewusstsein<br />
besteht, beruhigen sich <strong>die</strong> Betroffenen<br />
dahingehend, dass <strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong> an<br />
den Küchenchef oder an eine Zwischenposition<br />
wirksam delegiert ist. Ob <strong>die</strong>s<br />
wirklich der Fall ist, hängt unter anderem<br />
vom Aufbau der Führungsstrukturen und<br />
der Organisation der fachlichen Kontrolle<br />
innerhalb des Unternehmens ab.<br />
Die negativen Wirkungen von Eintragungen<br />
im Straf- oder Gewerbezentralregister<br />
sind vielen Betroffenen unbekannt.<br />
Diese Eintragungen stellen <strong>die</strong> Geeignetheit<br />
und Zuverlässigkeit des Betroffenen<br />
zur Ausübung seiner weiteren beruflichen<br />
Tätigkeit als Lebensmittelunternehmer (im<br />
oben genannten Umfang!) grundsätzlich in<br />
Frage.<br />
Bußgelder vermeiden hilft doppelt<br />
Analog zum sogenannten Verkehrssünderregister<br />
in Flensburg werden einem<br />
lebensmittelrechtlichen „Rowdy“ im Wiederholungsfall<br />
Voreintragungen strafverschärfend<br />
zur Last gelegt. Im Einzelfall<br />
kann sogar <strong>die</strong> weitere Ausübung des Berufes<br />
untersagt werden.<br />
Aus <strong>die</strong>sem Grunde empfiehlt es sich,<br />
auch geringere, aber eintragungspflichtige<br />
Bußgelder (mehr als 200 Euro) zu vermeiden<br />
und gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen.<br />
Auch <strong>die</strong> Veröffentlichungen<br />
Der Autor, Armin Wolf, ist Referent beim<br />
<strong>die</strong>sjährigen 15. <strong>rhw</strong>-Symposium am 21.<br />
Juni 2013 auf der Festung in Würzburg<br />
zum Thema „Die gläserne Einrichtung:<br />
Qualitäts- und Kundenkontrolle von<br />
außen“<br />
nach § 40 LFGB (Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände-<br />
und Futtermittelgesetzbuch),<br />
bei der <strong>die</strong> zuständigen Behörden verpflichtet<br />
sind, Informationen zu veröffentlichen,<br />
wenn <strong>die</strong> Verhängung eines Bußgeldes<br />
von mindestens 350 Euro zu erwarten<br />
ist, sollte hier betrachtet werden.<br />
In der nahen Vergangenheit wurden <strong>die</strong><br />
Auswirkungen <strong>die</strong>ses Paragraphen – nämlich<br />
Veröffentlichungen von Verstößen im<br />
Internet – ausgiebig diskutiert.<br />
Entlastung durch Sorgfaltspflicht<br />
Jedoch kann sich der verantwortliche<br />
Lebensmittelunternehmer bei einem Zwischenfall<br />
nur entlasten, indem er nachweist,<br />
dass er seinen Sorgfaltspflichten hinreichend<br />
nachgekommen ist. Zu <strong>die</strong>sen<br />
Sorgfaltspflichten gehört eine geeignete<br />
Organisation der Mitarbeiter und Arbeitsabläufe,<br />
aber auch <strong>die</strong> regelmäßige - zumindest<br />
stichprobenartige – Kontrolle der<br />
Prozesse und Arbeitsergebnisse. Die erforderlichen<br />
Kontrollmaßnahmen betreffen<br />
den hygienischen Status der Küchenräume<br />
und -ausstattung (Umfeld), aber<br />
auch der angelieferten Rohstoffe und produzierten<br />
Lebensmittel.<br />
30 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
„Stand der Technik“ ist wichtig<br />
Auf der Grundlage einer gesetzlich geforderten<br />
(Verordnung (EU) 852/2004) Gefahrenanalyse<br />
mit Risikobewertung und einem<br />
Eigenkontrollkonzept nach HACCP-<br />
Prinzipien sollten <strong>die</strong> Prozesse mit einem<br />
Höchstmaß an Sicherheit gestaltet werden.<br />
Hier liegt oft ein Risiko für Küchenleiter,<br />
<strong>die</strong> auf teilweise veraltetes Wissen zurückgreifen.<br />
Es ist heute nicht mehr nur gesetzlich<br />
vorgeschrieben, dass HACCP-Konzepte<br />
auf Gefahrenanalysen mit Risikobewertung<br />
beruhen, sondern es ist „Stand<br />
der Technik“ und unabdingbar.<br />
Dafür ist es erforderlich, dass der Verantwortliche<br />
den Lebensmittel-Warenfluss<br />
und alle darumherum stattfindenden Prozesse<br />
im Unternehmen inklusive aller Gefahren<br />
und Risiken wirklich kennt und dementsprechend<br />
steuern/lenken kann.<br />
Erst dann bietet ein Eigenkontrollsystem<br />
nach HACCP-Prinzipien hinreichend Sicherheit.<br />
Dieses Eigenkontrollsystem kann<br />
im optimalen Zusammenwirken mit weiteren<br />
organisatorischen Maßnahmen zu einem<br />
praxisorientierten Führungswerkzeug<br />
werden.<br />
Regelmäßige Schulung<br />
Fachthema<br />
Unabdingbar ist auch in der Gemeinschaftsverpflegung<br />
<strong>die</strong> regelmäßige Schulung<br />
aller Mitarbeiter, <strong>die</strong> mit Lebensmitteln<br />
umgehen, wozu der Lebensmittelunternehmer<br />
gesetzlich verpflichtet ist. Dazu<br />
ist es wichtig, dass Schulungen auf Grundlage<br />
der VO (EU) 852/2004 nicht mit „einfachen“<br />
Reinigungs- oder Hygieneschulungen<br />
verwechselt werden. So fordert <strong>die</strong><br />
Verordnung explizit folgende Inhalte:<br />
1 Eigenschaften und Zusammensetzung<br />
des jeweiligen Lebensmittels<br />
2 Hygienische Anforderungen an <strong>die</strong> Herstellung<br />
und Verarbeitung des jeweiligen<br />
Lebensmittels<br />
3 <strong>Lebensmittelrecht</strong><br />
4 Warenkontrolle, Haltbarkeitsprüfung<br />
und Kennzeichnung<br />
5 Betriebliche Eigenkontrollen und Rückverfolgbarkeit<br />
6 Havarieplan, Krisen<strong>management</strong><br />
7 Hygienische Behandlung des jeweiligen<br />
Lebensmittels<br />
8 Anforderungen an Kühlung und Lagerung<br />
des jeweiligen Lebensmittels<br />
9 Vermeidung der nachteiligen Beeinflussung<br />
des jeweiligen Lebensmittels<br />
beim Umgang mit Lebensmittelabfällen,<br />
ungenießbaren Nebenerzeugnissen<br />
und anderen Abfällen<br />
: Reinigung und Desinfektion<br />
Nur auf der Grundlage geeigneter Maßnahmen<br />
kann der Lebensmittelunternehmer,<br />
also auch <strong>die</strong> Leitungsebene, lebensmittelrechtliche<br />
<strong>Verantwortung</strong> auf Mitarbeiter<br />
delegieren. Erfolgt <strong>die</strong>se Delegation<br />
wirksam, verlagert sich <strong>die</strong> <strong>Verantwortung</strong><br />
auf den entsprechenden untergeordneten<br />
Mitarbeiter.<br />
Wichtig ist bei der Delegation, dass der<br />
mit den Aufgaben betraute Mitarbeiter <strong>die</strong>sen<br />
Aufgaben fachlich gewachsen, also<br />
kompetent ist. Darüber hinaus muss der<br />
Mitarbeiter auch <strong>die</strong> Möglichkeit haben, in<br />
seinem Wirkungskreis <strong>die</strong> erforderlichen<br />
Entscheidungen und Maßnahmen selbst<br />
zu treffen. Auch bei wirksamer Delegation<br />
lebensmittelrechtlicher Verantwortlichkeit<br />
ist der Lebensmittelunternehmer stets dahingehend<br />
„restverantwortlich“, dass er<br />
sich im Wege geeigneter Kontrollmechanismen<br />
von der Funktionsfähigkeit seiner<br />
Organisation persönlich überzeugt.<br />
Abschließend kann dem verantwortlichen<br />
Personenkreis nur dringend geraten<br />
werden, sich mit der wichtigen Thematik<br />
eigener lebensmittelrechtlicher <strong>Verantwortung</strong><br />
auseinanderzusetzen und <strong>die</strong> erforderlichen<br />
Vorkehrungen zu treffen.<br />
t Armin Wolf, Quant GmbH<br />
Fortbildungsfrühjahr<br />
Armin Wolf ist einer von<br />
sieben Referenten<br />
beim <strong>die</strong>sjährigen <strong>rhw</strong>-<br />
Symposium am 21. Juni<br />
2013 in Würzburg. Hier<br />
werden am Nachmittag erstmals<br />
Projektinseln und moderierte Arbeitsgruppen<br />
gebildet. So wird neben<br />
dem Lernen und Vernetzen auch <strong>die</strong><br />
Motivation aller Teilnehmer gefördert.<br />
Besonders spannend sind <strong>die</strong> Ergebnisse<br />
der Bayerischen Verbleibstu<strong>die</strong>,<br />
<strong>die</strong> in wenigen Wochen vorliegen sollen.<br />
Sie bilden einen Baustein für <strong>die</strong><br />
Diskussion rund um das Thema Personal<br />
auf der Festung in Würzburg.<br />
Anmeldung mit beiligendem Flyer<br />
oder unter www.<strong>rhw</strong>-symposium.de<br />
Immer wieder: Herbert<br />
Thill. Kaum von der Altenpflege-Messe<br />
zurück<br />
(s. S. 7), wird er in<br />
kleinerem Kreis beim<br />
<strong>rhw</strong>-Erfolgstag „Smoothfood und Verpflegung<br />
im Heim“ aufkochen. Man<br />
muss es einfach erlebt haben, wie er<br />
anatomisches Fachwissen und Kochkünste<br />
zu Smoothfood verbindet. Probieren<br />
ist beim <strong>rhw</strong>-Erfolgstag am 16.<br />
Mai 2013 auf Schloss Liebenau/Friedrichshafen<br />
ausdrücklich erlaubt!<br />
Anmeldung mit beiligendem Flyer<br />
oder unter www.<strong>rhw</strong>-erfolgstag.de<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 31<br />
1303011<br />
<strong>rhw</strong><br />
eBooks<br />
Neu im Buchsortiment!<br />
Die eBook-Edition<br />
Lesen auf Tablet,<br />
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„Verlag Neuer Merkur“
Report<br />
David Rummeney gewinnt!<br />
Das gab es in dem fast seit einem Vierteljahrhundert bestehenden Wettbewerb noch nicht: Am<br />
9. März 2013 gewann in Göppingen erstmals ein Mann den Bundesleistungswettbewerb der<br />
Hauswirtschaft. David Rummeney absolviert seine Ausbildung im Johanna-Kirchner-Haus der<br />
AWO in Saarbrücken.<br />
Samstag, 9. März 2013, 18.55 Uhr: David Rummeney (Saarland) ist der<br />
erste Mann, der den Bundesleistungswettbewerb gewinnt. Neben ihm:<br />
Stu<strong>die</strong>ndirektorin Anita Groh-Allgaier, Göppingen.<br />
Der Jury entgeht<br />
nichts in<br />
den zwei Stunden<br />
Teamwettbewerb<br />
Mit dem Bundesleistungswettbewerb 2012 in Koblenz wurde eingeführt, dass eine der<br />
Aufgaben im Vierer-Team erledigt werden muss – zuvor kochte jede/r für sich<br />
Im Bild unten: Stefanie Drill aus Rheinland-Pfalz,<br />
Gewinnerin des Sonderpreises<br />
David Rommeney im Wettbewerb – das<br />
Team wurde erst am Nachmittag des Vortages<br />
ausgelost<br />
Für <strong>die</strong> Aufgabe<br />
hat jedes der fünf<br />
Teams zwei Stunden<br />
Zeit, um <strong>die</strong><br />
Waren aus einem<br />
definierten Warenkorb<br />
optimal zuzubereiten<br />
Fotos: Robert Baumann<br />
32 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Report<br />
Und so entstanden für <strong>die</strong> vorgegebene „Lesenacht“<br />
kreative Ideen wie Piratensegler, Traubentaucher oder<br />
auch ein Gurken-Krokodil (Bild)<br />
Die Verleihung der Preise fand, umrahmt von Chorgesang und sieben Reden,<br />
im Foyer der Gewerblichen Justus-von-Liebig-Schule in Göppingen<br />
statt. 2014 wird Leipzig ausrichten.<br />
Eine Fachtagung mit rund 80 Teilnehmern und dem Who is Who der Hauswirtschaftsbranche rundete den Wettbewerb ab<br />
(wir berichten über <strong>die</strong> Tagung in der kommenden <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 5/2013)<br />
von links nach rechts:<br />
2. Platz,<br />
Vanessa Schiller<br />
(Baden-Württemberg),<br />
1. Platz, David<br />
Rummeney (Saarland),<br />
3. Platz, Dorothea<br />
Kitzeder (Bayern)<br />
Die Platzierungen beim Bundesleistungswettbewerb<br />
der Hauswirtschaft<br />
2013 in Göppingen<br />
1. Platz: David Rummeney (Saarland)<br />
2. Platz: Vanessa Schiller<br />
(Baden-Württemberg)<br />
3. Platz: Dorothea Kitzeder (Bayern)<br />
Europa-Preis (mit Praktikum in der<br />
Schweiz): David Rummeney (Saarland)<br />
Sonderpreise für besondere Leistungen:<br />
Stefanie Drill und Anja Wiest<br />
Sonderpreis für das beste Team:<br />
Laura Gutjahr, Laura Bußhaus, Jennifer<br />
Günther und David Rummeney<br />
Am Rande der Tagung wurde Ruth Waizenegger<br />
nach acht Jahren als Vorsitzende<br />
der LAG Hauswirtschaft Baden-Württemberg<br />
von Beate Imhof-Gildein (Berufsverband<br />
Hauswirtschaft e.V. ) verabschiedet<br />
Mehr Fotos im Netz auf<br />
www.<strong>rhw</strong>-<strong>management</strong>.de<br />
<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 33
Marktplatz<br />
Neue Rubrik<br />
Hersteller: Miele Professional<br />
Name: H2O-Trockner<br />
Produkt: Wäschetrockner<br />
Energieeffizienz hat für viele Verbraucher mittlerweile Priorität.<br />
Auch <strong>die</strong> neuen H2O-Tockner von Miele sind darauf<br />
angelegt, <strong>die</strong> Energiekosten zu senken. Eingesetzt werden<br />
können <strong>die</strong> Trockner, deren Trommelvolumen von 325 bis<br />
800 Litern reicht, überall dort, wo Heißwasser erzeugt wird.<br />
Denn sie arbeiten nach dem Prinzip, dass heißes Wasser innerhalb<br />
des Trockners ein spezielles Heizregister durchströmt,<br />
in dem <strong>die</strong> Prozessluft zur Trocknung der Wäsche erhitzt wird.<br />
Das abgekühlte Wasser wird im Anschluss wieder in den Wasserkreislauf<br />
zurückgeführt. Das Heißwasser kann dabei beispielsweise<br />
durch Solarthermie, Fernwärme oder Restwärme<br />
aus der Wäscherei gewonnen worden sein. Handelt es sich bei<br />
der Wärmequelle um ein Blockheizkraftwerk, dann arbeiten<br />
<strong>die</strong> H2O-Trockner laut Hersteller fast zum Nulltarif.<br />
I www.miele-professional.de<br />
Hersteller: Franz Mensch GmbH<br />
Name: Hygrogrip<br />
Produkt: Einweg-Spritzbeutel<br />
Um schnell und punktgenau arbeiten zu können,<br />
sind insbesondere im Gastgewerbe präzise<br />
Arbeitshilfen unerlässlich. Eben<strong>die</strong>s verspricht<br />
der neue Einweg-Spritzbeutel Hygrogrip.<br />
Durch eine mehrschichtige Spezialfolie ist er sehr<br />
griffig, so dass der Spritzbeutel auch bei nassen<br />
oder fettigen Händen nicht entgleitet. Glatte Innenseiten<br />
machen das Befüllen einfach. Der Spritzbeutel<br />
ist mit und ohne Tülle einsetzbar und wird<br />
nach der Verwendung entsorgt.<br />
I www.franz-mensch.de<br />
Hersteller: Como Fashion<br />
Name: Como Trend Kollektion 2013<br />
Produkt: Fachbekleidungs-Katalog<br />
Um Mitarbeiter aus sämtlichen Arbeitsbereichen<br />
einkleiden zu können,<br />
sind oftmals mehrere Gänge in<br />
den entsprechenden Fachhandel nötig. Mit<br />
seinem neuen Gesamtkatalog, der im Januar<br />
2013 erschienen ist, bietet Como Fashion<br />
gebündelt <strong>die</strong> in Gastronomie und<br />
Hotellerie benötigten Sortimente und erleichtert<br />
so den Outfit-Kauf aus einer Hand.<br />
Leicht handhabbare und übersichtliche Rubriken<br />
gliedern den 260 Seiten starken Katalog,<br />
der Fachbekleidung für Gastronomie,<br />
Gesundheits- und Wellnessmarkt sowie<br />
Handel, Handwerk und Industrie führt.<br />
Durch <strong>die</strong> Zusammenführung der verschiedenen<br />
Kollektionen, <strong>die</strong> allesamt den<br />
aktuellen Modetrends verpflichtet sind, soll<br />
<strong>die</strong> Anschaffung einer einheitlichen Berufskleidung<br />
vereinfacht werden.<br />
I www.comofashion.de<br />
Hersteller: altro<br />
Name: Easyclean Maxis Pur Technologie<br />
Produkt: Sicherheitsbodenbelag<br />
Um <strong>die</strong> Rutschsicherheit eines Bodenbelags<br />
langfristig zu erhalten,<br />
hat altro einen neuen Sicherheitsbelag<br />
entwickelt, der in <strong>die</strong> 2- und 2,5-mm-<br />
Bodenbeläge direkt eingearbeitet wird. Dadurch<br />
soll <strong>die</strong> Schmutzaufnahme nachhaltig<br />
verringert, <strong>die</strong> Widerstandsfähigkeit –<br />
etwa gegen Flecken und Chemikalien – gesichert<br />
und der Reinigungsaufwand minimiert<br />
werden. Auch <strong>die</strong> langfristigen Instandhaltungskosten<br />
werden durch den<br />
geringeren Verbrauch von Wasser, Energie<br />
und Reinigungschemikalien gesenkt. Die<br />
Pur-Technologie durchwirkt <strong>die</strong> gesamte<br />
Belagsdicke, wodurch auch für Farbbeständigkeit<br />
des Belags gesorgt wird.<br />
I www.altro.de<br />
34 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013
Marktplatz<br />
Hersteller: Blanco Professional und Hilcona<br />
Name: Pasta-Point<br />
Produkt: Front-Cooking-Konzept<br />
Weniger als eine Minute für das Zaubern frischer Pasta-Gerichte? Der<br />
Pasta-Point, ein neues Front-Cooking-Konzept, für das sich <strong>die</strong> Unternehmen<br />
Blanco Professional und Hilcona zusammengeschlossen<br />
haben, soll <strong>die</strong>s Wirklichkeit werden lassen. Hinter Pasta Point verbirgt<br />
sich das Frontcooking-System Blanco Cook kombiniert mit der Pasta von<br />
Hilcona. Es bietet drei definierte Varianten, <strong>die</strong> sowohl bei Großveranstaltungen<br />
als auch à la carte umsetzbar sind. Das Augenmerk liegt bei <strong>die</strong>sem Front-<br />
Cooking-Konzept auf frischen Pasta-Gerichten als Bestandteil gesunder Ernährung<br />
und der Kommunikation zum Gast. Auch der Fokus auf definierte Prozessabläufe und Kalkulationssicherheit ist für <strong>die</strong> Hersteller ein<br />
schlagkräftiges Argument, dass Pasta Point ein verkaufsförderndes Front-Cooking-Konzept ist.<br />
I www.blanco-germany.com<br />
Hersteller: Henkel<br />
Name: Henkel Expertline<br />
Produkt: Wasch- und Reinigungsmittel<br />
Mit seiner Produktlinie Expertline nimmt Henkel seit<br />
rund einem halben Jahr auch Großverbraucher in Hotels,<br />
Restaurants, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen<br />
in den Blick. Das Sortiment von Wasch- und Reinigungsmitteln<br />
ist dabei speziell an <strong>die</strong> Anforderungen in der<br />
gewerblichen Anwendung angepasst. Die Technologien und<br />
Rezepturen, <strong>die</strong> speziell für den professionellen Gebrauch<br />
entwickelt wurden, zielen auf Ergiebigkeit und hohe Wirksamkeit.<br />
Nur so lässt sich der Produkt- und Stromverbrauch<br />
reduzieren, während gleichzeitig eine sparsame Dosierung<br />
<strong>die</strong> Lebensdauer von Anlagen und Geräten erhöht. Zur Produktlinie<br />
gehören unter anderem <strong>die</strong> Persil Universal- und<br />
Color-Waschpulver sowie das Persil Desinfektions-Vollwaschmittel,<br />
das sich durch hohe Effizienz mit bakterizider<br />
und viruzider Wirkung auszeichnet. Höchsten Glanz selbst in<br />
Kurzspülgängen verspricht dagegen der Somat Maschinen-<br />
Spülreiniger für gewerbliche Spülmaschinen.<br />
I www.henkel.de<br />
Hersteller: Verlag Neuer Merkur<br />
Name: Bodenreinigung für Profis<br />
Produkt: Interview-Lehrfilm<br />
Hersteller: Debic<br />
Name: Valess Burger<br />
Produkt: Vegetarischer Burger<br />
Der Coffee to go hat sich längst vom schnellen Getränk im stressigen<br />
Alltag zum Accessoire gemausert. Und auch der Bedarf<br />
an schnell verfügbarem Essen steigt zusehends. Angesichts<br />
der steigenden Beliebtheit vegetarischer Kost hat Debic für <strong>die</strong> Großküche<br />
<strong>die</strong> Produktlinie Valess entworfen, zu der neuerdings auch Burger<br />
zählen. Die fleischfreien Valess Produkte werden aus Milch gewonnen<br />
und dann mit Pflanzenfasern versetzt, <strong>die</strong> ihnen eine fleischartige<br />
Struktur verleihen. Als herzhafter Snack für Zwischendrin kann<br />
der Valess Burger als vegetarische Fast-Food-Alternative in verschiedensten<br />
Varianten zubereitet werden, zum Beispiel in der Variante<br />
Italia mit Ciabatta-Brot, Rucola, Zucchini, Tomaten und Mozzarella.<br />
Die Burger sind auch in Sachen Verpackungsgröße und Lagerung<br />
in der Tiefkühlung den Bedürfnissen der Gastronomie angepasst.<br />
I www.debic.com<br />
Was ist entscheidend beim Kauf eines Staubsaugers? Welcher Mopp passt zu den<br />
Anforderungen in meiner Einrichtung? Und was ist bei den Wasch- und Folgekosten<br />
oder dem <strong>Wer</strong>terhalt der Reinigungsutensilien und -geräte zu beachten?<br />
Diesen und vielen weiteren Fragen von <strong>rhw</strong>-Chefredakteur Robert Baumann stellt sich<br />
Uwe Richter, seit über 20 Jahren Schulungsleiter bei Numatic International. In Interviewform<br />
gibt er Antwort auf über 30 Fragen zum Thema Bodenreinigung, so dass <strong>die</strong><br />
Zuschauer bestens vorbereitet sind für <strong>die</strong> tägliche Arbeit. Der rund 40-minütige Film ist<br />
aber auch für anstehende Messebesuche oder für Unterweisungen des Reinigungspersonals<br />
sehr geeignet. Erscheint am 22. April 2013.<br />
I www.fachbuchdirekt.de<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 35
Report<br />
So tagen wir in Zukunft!<br />
Event-Doktor Günter Mainka: „Bitte bleiben Sie beim Vortrag in der Mitte der Bühne<br />
im Lichtkegel stehen, damit der Funke überspringt.“<br />
Die Deutschen sind nach den USA Weltmeister im Bereich Tagungen.<br />
Durchschnittlich besucht jeder Deutsche mehr als vier Tagungen<br />
oder Kongresse pro Jahr. Es gibt in Deutschland aktuell<br />
6.614 Tagungsbetriebe, <strong>die</strong> Säle für mindestens 100 Teilnehmer<br />
aufweisen. Obwohl der Markt wächst, kann in Bezug auf Nachhaltigkeit<br />
und Tagungskonzepten noch viel getan werden.<br />
Die Mobilität der Deutschen ändert<br />
sich, das Auto ist längst nicht mehr<br />
das Statussymbol, das es einmal<br />
war. Und das hat auch Auswirkungen auf<br />
den Tagungsmarkt. Matthias Schultze vom<br />
Cologne Convention Bureau zum Beispiel<br />
fährt kein Auto mehr, Dr. Peter Zimmer von<br />
Green Globe ebenfalls nicht und auch Dr.<br />
Markus Große Ophoff, Hochschule Osnabrück,<br />
schätzt <strong>die</strong> effektive Arbeitszeit, <strong>die</strong><br />
er bei Bahnfahrten hat.<br />
Alle drei waren als Referenten eingeladen<br />
auf dem „mice+business travel market“<br />
Ende Februar 2013 in München. Die<br />
drei Experten diskutierten mit Gabriele<br />
Schulze vom Deutschen Fachverlag über<br />
Nachhaltigkeit im Tagungswesen und wie<br />
sich <strong>die</strong> Tagungshäuser auf <strong>die</strong> veränderte<br />
Mobilität einstellen können.<br />
Rund 32 Milliarden Umsatz<br />
mit Tagungen<br />
Matthias Schultze vom Cologne Convention<br />
Bureau (CCB) stellte zunächst Ergebnisse<br />
einer Umfrage über den Event-<br />
Markt in Deutschland vor: „Nach den Ergebnissen<br />
des Meeting & Event-Barometers<br />
2012 hat <strong>die</strong> deutsche MICE-Branche<br />
(MICE = Meetings, Incentives, Conventions,<br />
Events) das Jahr 2011 mit einem Rekordergebnis<br />
abgeschlossen. 2,72 Millionen<br />
Veranstaltungen in Deutschland wurden<br />
von 338 Millionen Teilnehmern besucht.<br />
Im Vergleich zum Vorjahr stieg <strong>die</strong><br />
Zahl der Besucher um 4,5 Prozent“ (siehe<br />
auch Tabelle 1). 86 Prozent der befragten<br />
Veranstaltungsplaner sind davon überzeugt,<br />
dass <strong>die</strong> Bedeutung von „Green<br />
„Was glauben Sie, wieviel Spaß es bei einem<br />
Kongress-Dinner macht, mit ihrem Gegenüber<br />
durch einen 60 Zentimeter hohen<br />
Kerzenleuchter zu sprechen.“<br />
Meetings“ in den nächsten Jahren gleich<br />
bleibt oder sogar zunimmt. Doch was gehört<br />
alles dazu?<br />
Triviale Dinge werden<br />
vergessen<br />
„Früher war der eigene Führerschein<br />
für 18-Jährige ein wichtiges Ziel, doch <strong>die</strong><br />
heute 18-Jährigen wollen lieber ein iPad als<br />
ein Auto. Bei Autos ist höchstens das Teilen<br />
ein Thema und nicht kaufen“, beobachtet<br />
Dr. Peter Zimmer. Die zukünftigen<br />
Teilnehmer reisen also verstärkt mit öffentlichen<br />
Verkehrsmitteln an.<br />
„Wenn ich dann aber sehe, wie schlecht<br />
und ungenau viele Tagungsbetriebe ihre<br />
Anfahrtsbeschreibungen für den öffentlichen<br />
Nahverkehr gestalten, dann muss ich<br />
sagen: Hausaufgaben nicht gemacht“, so<br />
Dr. Markus Große Ophoff, Lehrbeauftragter<br />
an der Fachhochschule Osnabrück im<br />
Bereich Veranstaltungs<strong>management</strong>. „Dabei<br />
könnten Sie doch ganz einfach ihre eigenen<br />
Mitarbeiter bitten, den Arbeitsweg<br />
aufzuschreiben, denn der ist in der Praxis<br />
bestens erprobt. Optimal wäre es dann natürlich,<br />
wenn <strong>die</strong> Anfahrt mit den öffentlichen<br />
Verkehrsmitteln im Tagungspreis eingeschlossen<br />
ist und <strong>die</strong> Wege gut ausgeschildert<br />
sind.“<br />
Fotos: Robert Baumann<br />
36 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013
Report<br />
Mit <strong>die</strong>sem mobilen Abstimmungsgerät<br />
können <strong>die</strong> Zuschauer beteiligt werden –<br />
das Ergebnis wird nach 20 Sekunden<br />
Entscheidungszeit angezeigt<br />
Wenn nicht jetzt, wann dann?<br />
wirklich beim Besucher hängenbleibt“, so<br />
Looser.<br />
Meeting Architecture umfasst <strong>die</strong> folgenden<br />
drei Bereiche:<br />
u Motivation<br />
u Interaktion/Netzwerken<br />
u Lernen.<br />
Vegetarisch kochen muss<br />
man können<br />
Ein zweites verborgenes Potenzial für<br />
Tagungsbetriebe ist das Thema Verpflegung:<br />
„Wir haben in unserem Zentrum für<br />
Umweltkommunikation schon immer zwei<br />
Gerichte angeboten, ein klassisches mit<br />
Fleisch und ein vollwertiges, vegetarisches<br />
Gericht. Es hat zugegebenermaßen ein<br />
paar Jahre gedauert, doch heute ist der Anteil<br />
der vegetarischen Vollwertgerichte von<br />
zehn Prozent auf 50 Prozent angestiegen.<br />
Die Teilnehmer nutzen inzwischen gerne<br />
<strong>die</strong> Gelegenheit, ein leckeres und gesundes<br />
Essen zu probieren, das sie sich zu<br />
Hause wohl nicht kochen würden“, so Dr.<br />
Große Ophoff.<br />
Die Umsetzung scheitere in Deutschland<br />
aber oft daran, dass viele Köche gar<br />
nicht in der Lage sind (ohne Convenience-<br />
Produkte) vegetarisch zu kochen. „Das Thema<br />
ist längst noch nicht in den Köpfen der<br />
Köche angekommen.“ Auch dass bisher<br />
erst weniger als ein Prozent der Caterer biozertifiziert<br />
sind, lässt noch viel Spielraum<br />
für <strong>die</strong> deutschen Tagungshäuser, sich zu<br />
profilieren, bestätigte Dr. Peter Zimmer.<br />
Kongresse werden grün<br />
Alle drei Referenten gaben den etwa<br />
100 Zuhörern zum Thema Nachhaltigkeit<br />
einige praktische Anstöße, unter anderem<br />
Zimmerkarten aus Holz einzusetzen, LED-<br />
Scheinwerfer statt der klassischen Beleuchtung<br />
zu nutzen oder wieder verwertbare<br />
Teppichmosaike statt Wegwerfteppiche<br />
auf der Bühne zu verwenden.<br />
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt<br />
(www.dbu.de) bietet Seminare zum Thema<br />
Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche<br />
an. Außerdem gibt es eine Green-Meeting-Website<br />
unter www.my-green-meeting.de,<br />
<strong>die</strong> Green-Globe-Zertifizierung<br />
(www.greenglobe.com), einen Nachhaltigkeitskodex,<br />
<strong>die</strong> DIN-ISO-Norm 2012 und jedes<br />
Jahr <strong>die</strong> Green-Meeting-Konferenz<br />
(www.greenmeetings-und-events.de).<br />
„Sie kommen in den nächsten zehn bis<br />
20 Jahren ohnehin nicht drum herum, sich<br />
mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen.<br />
Es stellt sich also nur <strong>die</strong> Frage,<br />
wann Sie etwas tun müssen. Und wenn<br />
nicht jetzt, wann dann?“, fragte Dr. Große<br />
Ophoff. Hotelketten wie Klima-Hotels,<br />
Scandic, Accor oder auch Mövenpick haben<br />
längst verinnerlicht, dass Nachhaltigkeit<br />
und Zertifizierung kein Feigenblatt<br />
sind. Und laut einer aktuellen Umfrage sind<br />
70 Prozent der Kunden bereit, für ein nachhaltig<br />
wirtschaftendes Tagungshotel einen<br />
Aufpreis zu zahlen.<br />
Meeting Architecture<br />
Soviel zu den Tagungsorten, doch was<br />
ist mit den Inhalten? Wie werden wir in Zukunft<br />
tagen? Polo Looser von MCI aus der<br />
Schweiz organisiert seit vielen Jahren zum<br />
Teil sehr große Events mit über 1.500 Teilnehmern.<br />
Er folgt den Orientierungslinien<br />
der „Meeting Architecture“ und plä<strong>die</strong>rt<br />
dafür, das Publikum viel stärker einzubinden.<br />
„Es geht beim Erfolg einer Tagung<br />
nicht um den Input, sondern darum, was<br />
Kennen Sie „Pecha Kucha“?<br />
Sehr viele Veranstalter (durchaus auch<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong>) konzentrieren sich noch<br />
stark auf <strong>die</strong> Vermittlung des Wissens. Dabei<br />
werden gerne Motivation und Interaktion<br />
vernachlässigt. Looser regt an, bei<br />
Meetings andere Dinge auszutesten, <strong>die</strong><br />
er selbst schon erfolgreich umgesetzt hat:<br />
u Mal alles umdrehen: Drei Minuten Vortrag<br />
und 40 Minuten Gespräch mit dem<br />
Experten.<br />
u Eine Tagung ohne Powerpoint (hat<br />
erfolgreich funktioniert vor 1.700 Teilnehmern<br />
eines Versicherungskonzerns).<br />
u Die 2003 in Japan entwickelte Methode<br />
„Pecha Kucha“: ein Beitrag dauert<br />
genau 6:40 Minuten und alle 20 Sekunden<br />
muss eine der maximal 20 Vortragsfolien<br />
wechseln. Die Vorteile <strong>die</strong>ser<br />
Technik liegen in der kurzweiligen,<br />
prägnanten Präsentation mit rigiden<br />
Zeitvorgaben. So sollen von vornherein<br />
langatmige Vorträge und <strong>die</strong> damit verbundene<br />
Ermüdung der Zuhörenden verhindert<br />
werden (www.pechakucha.org).<br />
10 Tipps, sich bei Tagungen vom Wettbewerb<br />
abzugrenzen<br />
u Die Technik der Teilnehmer (wie Laptops, Smartphones an Ladestationen) besser<br />
vor Diebstahl schützen.<br />
u Strom und Internet-Empfang überall anbieten. Die Nutzung des mobilen Internets<br />
steht erst am Anfang.<br />
u Arbeit & Freizeit-Zonen: Aufhebung der Trennung von Arbeits- und Pausenbereichen,<br />
<strong>die</strong> Teilnehmer wollen/müssen in den Pausen auch mal in Ruhe berufliche<br />
Mails checken.<br />
u Mehr Platz für informelle Meetings geben.<br />
u Unterschiedliches Mobiliar von Lounge bis Parlament nutzen und Mischformen<br />
für <strong>die</strong> Veranstaltungsräume anbieten.<br />
u Das Tagungshotel/<strong>die</strong> Kongresshalle wird immer stärker selbst Dienstleister<br />
für Tagungsqualität (Ablauf- und Technikberatung, Referenten-Empfehlungen,<br />
Teilnehmer- und Einlass<strong>management</strong>).<br />
u Kooperation mit Dienstleistern, <strong>die</strong> hybride Veranstaltungen durchführen können,<br />
wie zum Beispiel eine digitale Schnitzeljagd durch den Tagungsort.<br />
u Ein Catering, das Gesundheit ausstrahlt.<br />
u „Grüne Produkte“, Menschlichkeit, Herz zeigen.<br />
u Tagungen werden 2013 im Schnitt 30 Minuten kürzer.<br />
(Quelle: Stu<strong>die</strong> von HSMA und Maritz aus 2012, vorgestellt auf dem Deutschen Hotelkongress in Berlin 2013,<br />
sowie Vorträge Messe „mice + business travel market“, München 2013)<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 37
Report<br />
u Kongressgericht: Das Publikum im Saal<br />
wird geteilt in Pro- und Kontra-Gruppen<br />
und ein „Gericht“ auf der Bühne<br />
entscheidet über das Ergebnis. Erfolgreich<br />
ausprobiert wurde es auf der<br />
Fresh-Conference in Kopenhagen<br />
(www.thefreshconference.com)<br />
„Meetings müssen das Herz der Besucher<br />
erreichen“, sagte Polo Looser. Und<br />
wieviel Interaktion statt Präsentation sollte<br />
nun stattfinden? Looser lächelte bei der<br />
Frage und sagte: „Bei Umfragen wünschen<br />
sich <strong>die</strong> Beteiligten oft bis zu 70 Prozent<br />
Interaktion. Doch meist pendelt es sich<br />
dann bei 50 Prozent ein, denn selbst zu<br />
denken strengt schon an, es bleibt aber<br />
viel hängen.“<br />
Tipps vom Event-Doktor …<br />
Günter Mainka, Geschäftsführer von<br />
Twilight Events, trat in einer optischen Mischung<br />
aus James Bond und Mediziner zur<br />
„OP am offenen Event“ an. Von den Me<strong>die</strong>n<br />
erhielt er den Beinamen „Event-Doktor“.<br />
Die häufigsten Fehler einer Veranstaltung<br />
standen höchst kurzweilig im Mittelpunkt<br />
seiner Inszenierung. Er empfahl unter anderem:<br />
u Ein kleines Warm-up als bewegender<br />
Auftakt für jede Tagung.<br />
u Stets einen <strong>Vorschau</strong>monitor rechts am<br />
Boden aufstellen, so dass <strong>die</strong> Referenten<br />
nicht auf <strong>die</strong> Folien, sondern ins Publikum<br />
schauen.<br />
u Kopfbügel-Mikrofone (Headsets) sind<br />
für gleichmäßigen Klang viel besser geeignet<br />
als Ansteck- oder Lavalier-Mikrofone<br />
oder gar Hand-Mikrofone. Für<br />
den möglichen Ausfall der Frequenzen<br />
aber auch noch ein kabelgebundenes<br />
Mikrofon bereithalten.<br />
u Über kleine Jingles akustisch einen Hinweis<br />
darauf geben, dass Handys ausgeschaltet<br />
werden sollten.<br />
Der Veranstaltungsmarkt in Deutschland<br />
Anzahl<br />
Veranstaltungen 2.720.000 + 1 % K<br />
Teilnehmer 338.000.000 + 4 % K<br />
Kongress- und<br />
1.588 + 2 % K<br />
Veranstaltungszentren<br />
Tagungs-Hotels 3.268 + 3 % K<br />
Event-Locations 1.758 + 4 % K<br />
u Geben Sie den Personen nach einem<br />
Vortrag mindestens zehn Sekunden<br />
Zeit, um alles „sacken zu lassen“, bevor<br />
weiter moderiert wird.<br />
u Stets einen Blumenstrauß oder eine<br />
Flasche Champagner im Hintergrund<br />
bereit halten, man weiß ja nie, wer beispielsweise<br />
Geburtstag hat.<br />
Veränderungen gegenüber<br />
dem Vorjahr<br />
Quelle: Meeting- und Event-Barometer 2012, EITW<br />
Die internationale Bedeutung der deutschen Tagungs- und<br />
Kongress-Branche<br />
Top Ten der Länder<br />
USA<br />
Deutschland<br />
Spanien<br />
Großbritannien<br />
Frankreich<br />
Italien<br />
Brasilien<br />
China<br />
Niederlande<br />
Österreich<br />
Top Ten der Städte<br />
Wien<br />
Paris<br />
Barcelona<br />
Berlin<br />
Singapur<br />
Madrid<br />
London<br />
Amsterdam<br />
Istanbul<br />
Peking<br />
Quelle: International Congress & Convention Association (ICCA), 2011, Kongresse gehören zum MICE-Sektor (Meetings,<br />
Incentives, Conventions, Events) der Tourismuswirtschaft<br />
u Bei LED-Streiflichtern an Wänden für<br />
<strong>die</strong> Abendbeleuchtung am besten <strong>die</strong><br />
Farben Orange-Rot verwenden, alles<br />
andere wirkt auf Dauer ungemütlich.<br />
u Wenn Duft, dann nur Orange verwenden.<br />
Den Duft mögen <strong>die</strong> meisten, alle<br />
anderen Düfte erinnern zu oft an Sanitärartikel.<br />
u Dramaturgie: der erste Redner sollte<br />
gut sein, der zweite ok, nach der Mittagspause<br />
einen Infotainer und am<br />
Ende einen „absoluten Reißer für <strong>die</strong><br />
Motivation“.<br />
u Für eine effektvolle Bühnenbeleuchtung<br />
sind Hazer-Geräte deutlich besser<br />
geeignet als Nebelmaschinen. Hazer<br />
(englisch für „Dunst“) unterstützen<br />
viel subtiler Lichteffekte als Nebelmaschinen,<br />
<strong>die</strong> eine Lichtinszenierung sogar<br />
zerstören können. Zudem arbeiten<br />
Hazer fast geräuschlos.<br />
Diskutierten über Nachhaltigkeit in der Kongressbranche (v.l.n.r.): Matthias Schultze<br />
vom Cologne Convention Bureau (CCB), Dr. Peter Zimmer von Green Globe und Dr. Markus<br />
Große Ophoff von der Fachhochschule Osnabrück<br />
„Egal, was Sie bei Veranstaltungen tun,<br />
haben Sie Mut und Durchhaltevermögen“,<br />
so Günter Mainka, der seine Zuhörer nach<br />
der Hälfte seines Vortrages mit einer Runde<br />
Prosecco für alle erfrischte.<br />
t Robert Baumann<br />
38 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013
100 Jahre Hauswirtschaft:<br />
Wäscherei als Geschenk<br />
Report<br />
Ein besonderes Geschenk im<br />
<strong>Wer</strong>t von über einer halben<br />
Million Euro erhielt <strong>die</strong> Fachakademie<br />
Triesdorf zu ihrem<br />
100. Geburtstag: Am 22. Februar<br />
2013 wurde das nach Entwürfen<br />
des Architekten Andreas<br />
Konopatzki umgebaute Gebäude<br />
für Wäscherei- und Reinigungstechnik<br />
an der Fachakademie<br />
Triesdorf eingeweiht.<br />
Fotos: Fachakademie Triesdorf (1), Robert Baumann (5)<br />
In dem Nebengebäude befand sich zuvor<br />
ein Wohnheim für <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong>renden.<br />
Jetzt blitzen hier nach dem 650.000 Euro<br />
teuren Umbau in zwei Stockwerken auf<br />
über 500 Quadratmetern professionelle<br />
Waschmaschinen und <strong>die</strong> neuesten Reinigungsmaschinen<br />
verschiedener Marken<br />
wie Miele, Electrolux, Veit, Kärcher, Dr.<br />
Schnell oder Numatic.<br />
Fünf Jahre Planung mit<br />
den Stu<strong>die</strong>renden<br />
Der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (l.) und Alexander Küßwetter,<br />
Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten von Mittelfranken, eröffneten <strong>die</strong> 650.000<br />
Euro teure Wäscherei im Februar 2013. Sie wurde zu zwei Dritteln vom Bezirk Mittelfranken<br />
und zu einem Drittel vom Landwirtschaftsministerium finanziert.<br />
Vorher mussten <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong>renden zum<br />
Thema Wäsche noch an Haushaltsmaschinen<br />
lernen. „Doch das war auf Dauer kein<br />
Zustand“, sagte Fachlehrerin Margit<br />
Strauß, <strong>die</strong> zusammen mit Landwirtschaftsamtsrätin<br />
Christa Fleischmann <strong>die</strong><br />
<strong>Verantwortung</strong> für das Großprojekt übernommen<br />
hat. Fünf Jahre lang haben neben<br />
den beiden Lehrerinnen auch Stu<strong>die</strong>rende<br />
bei der Planung der Wäscherei mitgeholfen.<br />
„Wir mussten beispielsweise berücksichtigen,<br />
dass <strong>die</strong> Trockner in der Wäscherei<br />
nicht für unnötige Stromspitzen<br />
sorgen, wenn parallel im Schloss zum Mittag<br />
für 120 Personen <strong>die</strong> Kombidämpfer<br />
laufen“, so Strauß. Deshalb werden <strong>die</strong><br />
neuen Wäschetrockner mit Gas betrieben.<br />
Eine Stu<strong>die</strong>renden-Gruppe besuchte<br />
sogar extra <strong>die</strong> Messe Texcare International<br />
in Frankfurt am Main, um passende Berufskleidung<br />
für <strong>die</strong> Fachakademie auszuwählen.<br />
Am Ende<br />
entschieden sich<br />
nach einem langen<br />
Messetag<br />
Über 100 Ehrengäste folgten der Einladung ins Weiße Schloss,<br />
auch Martina Schäfer (kleines Foto rechts), Vorsitzende der<br />
BAG-HW. Schäfers drei Nichten absolvierten in Triesdorf ihre HBL-<br />
Ausbildung – Hauswirtschaft liegt hier offenbar in der Familie.<br />
Diese Berufsbekleidung suchten<br />
sich <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong>renden mit den<br />
Lehrkräften persönlich auf der<br />
Messe Texcare in Frankfurt am<br />
Main aus<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 39
Report<br />
Seite als Raumtrennung einer Wäscherei<br />
gestaltet. Und so befindet sich im Raum<br />
mit der großen Durchlade-Maschine neben<br />
einer Beistellmaschine auch eine Kabine<br />
mit blauen Mänteln für <strong>die</strong> Personalschleuse.<br />
„Das ist meine eigene Wäsche“<br />
Drei Generationen, eine Familie, und alle lernten Hauswirtschaft an der Akademie in<br />
Triesdorf (v. l. n. r.): Liesl Kistner (90 Jahre, Abschluss 1947), Gudrun Dornberger (60<br />
Jahre, Abschluss 1975) und Ute Dornberger (24 Jahre, Abschluss 2010, sie arbeitet<br />
heute als HBL in einem Seniorenheim in Würzburg)<br />
alle für einen Kasack mit Hose in den Farben<br />
der Fachakademie: Rot, Anthrazit,<br />
Schwarz und Weiß (Foto Seite 39).<br />
Planspiel mit Magneten<br />
Mit einem Planspiel, bestehend aus<br />
dem Architekturplan und maßstabgetreuen<br />
Maschinen, konnten nicht nur <strong>die</strong> Raummaße,<br />
sondern auch mögliche Bewegungsund<br />
Arbeitsabläufe gut nachgestellt werden.<br />
Margit Strauß hatte <strong>die</strong>se Idee des<br />
Planspiels von ihrer Grundausbildung als<br />
Heilerziehungspflegerin noch im Kopf.<br />
Und so funktioniert es: Die kleinen Figuren<br />
und Maschinen wurden auf Magnete<br />
aufgeklebt, <strong>die</strong> sich auf einem Metallblech<br />
mit dem aufgeklebten Bauplan gut<br />
verschieben ließen.<br />
„Nun haben wir drei Gruppen gebeten,<br />
<strong>die</strong> optimale Raumaufteilung vorzuschlagen<br />
und zu präsentieren. Dann haben wir<br />
<strong>die</strong> jeweils besten Ideen aus allen Gruppen<br />
zusammen in einer vierten Variante vereint“,<br />
so Margit Strauß. Von den Stu<strong>die</strong>renden<br />
kam unter anderem der Vorschlag,<br />
konsequent eine Personalschleuse einzurichten,<br />
wenn man <strong>die</strong> reine und unreine<br />
Seit Anfang des Jahres bis zur offiziellen<br />
Eröffnung am 22. Februar 2013 wurden<br />
<strong>die</strong> Geräte und Waschprogramme auch mit<br />
privater Wäsche der Stu<strong>die</strong>renden getestet.<br />
Vielen war nicht wohl dabei, ihren Lieblingspullover<br />
den riesigen Trommeln anzuvertrauen.<br />
„Da habe ich gesagt: Behaltet<br />
euch <strong>die</strong>se Gefühl der Angst, denn das<br />
ist das, was <strong>die</strong> Bewohner denken, wenn<br />
sie euch im Heim ihre Wäsche anvertrauen!“,<br />
so Strauß.<br />
Zukünftig werden in dem neuen Wäschezentrum<br />
<strong>die</strong> Berufskleidung der Lehrund<br />
Betriebsküche, Tischwäsche, Reinigungstücher<br />
und Wischbezüge gewaschen.<br />
Neben der Handdosierung wurde auch ein<br />
Waschmittel-Dosiersystem auf einem Rollwagen<br />
eingebaut, um den jungen Nachwuchskräften<br />
von allen Seiten sichtbar <strong>die</strong><br />
Vorzüge erläutern zu können.<br />
Gutes Raumklima dank<br />
Drehschrank-Finisher<br />
Ein Stolz der Triesdorfer ist der „Drehschrank-Finisher“.<br />
Bei üblichen Bügelau-<br />
Die Geschichte von Triesdorf<br />
Tyrolfesbach, Trewesdorf, Trifesdorf, Triebsdorf, Triesesdorf<br />
und schließlich Triesdorf: Die als Tochterkirche der um 850<br />
von fränkischen Siedlern gegründeten Pfarrei Ornau entstandene<br />
Siedlung war unter vielen Namen bekannt. <strong>Wer</strong> ihren<br />
heutigen Namen – Triesdorf, ein Ortsteil der mittelfränkischen<br />
Marktgemeinde Weidenbach – hört, denkt an landund<br />
hauswirtschaftliche Bildung. Bis es soweit war, hatte<br />
Triesdorf allerdings einen weiten Weg zurückzulegen.<br />
Besonders Carl Wilhelm Friedrich, der von 1723 bis 1757 als<br />
absolutistischer Herrscher regierte, verhalf Triesdorf zu einem<br />
Aufschwung: Die gesamte Hofgesellschaft nutzte es als<br />
Refugium in den Sommermonaten; daher waren neben den<br />
Schlossgebäuden auch zahlreiche Nebengebäude für Höflinge,<br />
Dienerschaft und Gutsarbeiter sowie Einrichtungen für<br />
Militär, Gendarmerie und Post vorhanden. Da Carl Wilhelm<br />
Friedrich mit seiner Sommerresidenz seinem Vorbild, Ludwig<br />
XIV. mit Versailles, in nichts nachstehen wollte, ließ er umfassende<br />
Baumaßnahmen durchführen.<br />
Nach einem längeren preußischen und einem kürzeren französischen<br />
Intermezzo ging das Land 1806 an das Königreich<br />
Bayern über. Markgraf Carl Friedrich war überzeugt von der<br />
Lehre der Physiokraten: den Wohlstand des Landes auf der<br />
Grundlage einer produktionsfähigen Landwirtschaft aufzubauen.<br />
Daher schenkte er – und nach ihm sein Sohn – der Förderung<br />
des Agrarwesens besondere Aufmerksamkeit. Bald<br />
entstand der Plan, dem königlichen Staatsgut eine landwirtschaftliche<br />
Bildungsanstalt beizufügen.<br />
Als „Königliche Kreisackerbauschule“ wurde sie schließlich<br />
1848 im Weißen Schloss, der ehemaligen Residenz der Markgrafen<br />
von Brandenburg-Ansbach, eingerichtet. Heute ist das<br />
Weiße Schloss Sitz der Fachakademie für Ernährungs- und<br />
Versorgungs<strong>management</strong>, <strong>die</strong> vor 100 Jahren als „Landwirtschaftliche<br />
Kreishaushaltungsschule“ gegründet wurde. Damit<br />
war der Grundstein für ein Zentrum verschiedener Einrichtungen<br />
der Bereiche Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft<br />
gelegt, für das der Name Triesdorf heute deutschlandweit<br />
steht. Zum modernen Bildungszentrum zählen derzeit:<br />
u <strong>die</strong> Hochschule Weihenstephan-Triesdorf,<br />
u <strong>die</strong> Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule,<br />
u <strong>die</strong> Staatliche Fachakademie für Landwirtschaft,<br />
u <strong>die</strong> höhere Landbauschule,<br />
u <strong>die</strong> Staatliche Technikerschule für Agrarwirtschaft,<br />
u ein Fortbildungszentrum für Land- und Hauswirtschaft,<br />
u das Staatliche Berufliche Schulzentrum Ansbach,<br />
u <strong>die</strong> Tierhaltungsschule sowie<br />
u <strong>die</strong> Landmaschinenschule.<br />
(Quellen: Wikipedia, Präsentation der Hochschule Triesdorf, mit Dank an den Vizepräsidenten<br />
der Hochschule Prof. Dr. Rudolf Huth und Prodekanin Prof. Dr. Mirjam Jaquemouth)<br />
t Martina Kliem<br />
40 <strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4·2013
Das Fachmagazin für Führungs-<br />
in der Hauswirtschaft<br />
<strong>rhw</strong><br />
rationelle hauswirtschaft<br />
kräfte<br />
<strong>management</strong><br />
Impressum<br />
Report<br />
Herausgeberin: Beatrix Bierschenck<br />
Redaktionsdirektorin: Dr. Angelika Schaller<br />
Chefredaktion: Robert Baumann (verantwortlich),<br />
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ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Alle in <strong>die</strong>ser Veröffentlichung enthaltenen<br />
Angaben, Ergebnisse usw. wurden von den Autoren nach bestem Wissen erstellt<br />
und von ihnen und dem Verlag mit größtmöglicher Sorgfalt überprüft. Gleichwohl sind<br />
inhaltliche Fehler nicht vollständig auszuschließen. Daher erfolgen alle Angaben ohne<br />
jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages oder der Autoren. Sie garantieren<br />
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Postbank München 389 80-806, (BLZ 700 100 80)<br />
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HypoVereinsbank München 27 38 775, (BLZ 700 202 70)<br />
Gerichtsstand: München<br />
Per Planspiel zum Ziel: mit Hilfe von Magneten und Skizzen<br />
konnten Arbeitsabläufe für <strong>die</strong> zukünftige Wäscherei passgenau<br />
dargestellt werden<br />
Neuer Name und Lehrplan seit 2012<br />
Seit 2012/2013 werden an der Fachakademie Triesdorf erstmals<br />
„Betriebswirte für Ernährungs- und Versorgungs<strong>management</strong>“<br />
ausgebildet. Der Name Hauswirtschaft bzw. Hauswirtschaftliche/-r<br />
Betriebsleiter/-in verschwand 2012 als Berufsbezeichnung<br />
bei allen Fachakademien in Bayern.<br />
Der Lehrplan wurde überarbeit und durch weitere betriebswirtschaftliche<br />
Inhalte ergänzt. Neu hinzugekommen sind <strong>die</strong><br />
Fächer „Marketing und Kundenservice“ sowie „Existenzgründung<br />
und Diversifizierung“. Das schulintegrierte Praktikum wurde<br />
auf sechs Monate ausgedehnt. Im dritten Schuljahr werden<br />
Vertiefungsbereiche, so genannte Wahlqualifikationen, eingeführt.<br />
Angeboten werden „Gemeinschaftsverpflegung und Veranstaltungs<strong>management</strong>“<br />
sowie „Objektreinigung und Wäscheversorgung“.<br />
In der Betriebsküche werden täglich 120 Essen<br />
produziert, im dritten Schuljahr werden <strong>die</strong> erlernten Kenntnisse<br />
auch in der Mensa der Hochschule Triesdorf mit täglich<br />
800 Essen angewendet. www.fak-td.bayern.de<br />
tomaten entweicht der benötigte Dampf in den Raum, hier jedoch<br />
wird er bereits im Schrank abgesaugt und nach draußen geleitet. Ein<br />
Kleidungsstück mit Mischgewebe wird so in etwa 45 Sekunden auf<br />
der Puppe im geschlossenen Schrank dampfgebügelt.<br />
Die gesamte linke Seite des Gebäudes ist bewusst so gehalten wie<br />
es der späteren beruflichen Praxis entsprechen könnte. Gegenüber befinden<br />
sich drei Dampfstationen, an denen <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong>renden das Wäschefinish<br />
auch handwerklich lernen sollen, außerdem eine Patch-Station<br />
für <strong>die</strong> Kennzeichnung von Textilien und <strong>die</strong> neuen Reinigungsräume<br />
mit zahlreichen Arbeitsutensilien. t Robert Baumann<br />
<strong>Vorschau</strong> auf <strong>die</strong> Mai-Ausgabe 2013<br />
Fokus Bodenreinigung<br />
Wir besuchen zusammen mit zwei Reinigungsexperten den<br />
Deutschordenstift in Köln auf einer „Bodenexkursion“ und sind<br />
u. a. bei der Kristallisation des Altar-Bodens dabei. Selbst für gestandene<br />
Profis ist das eine Herausforderung.<br />
Redaktionsschluss: 4. April 2013 Anzeigenschluss: 8. April 2013<br />
<strong>rhw</strong> <strong>management</strong> 4 · 2013 41
Stellenangebote<br />
Bethel im Norden<br />
Als Referent/in für <strong>die</strong> Geschäftsführung suchen wir zum<br />
01. 07. 2013 eine/n<br />
Hauswirtschaftsmeister/in<br />
oder Ökotrophologe/in<br />
Ihre Aufgaben:<br />
• Beratung der Leitungs- und Führungskräfte,<br />
• Optimierung der Organisation und Prozesse in der<br />
Hauswirtschaft (Schwerpunkt Altenhilfe),<br />
• Konzipierung und Beratung im Hinblick auf bauliche<br />
Maßnahmen,<br />
• Mitarbeit bei Ausschreibungen von hauswirtschaftlichen<br />
Leistungen,<br />
• Aufgaben im Qualitäts<strong>management</strong> und in der Hygiene,<br />
• Dienstsitz Hannover mit wechselnden Einsatzorten im<br />
Unternehmensbereich Bethel im Norden<br />
Ihr Profil:<br />
• Langjährige Leitungserfahrung in der Hauswirtschaft,<br />
• Kommunikativ, teamfähig und verantwortungsbewusst<br />
• Analysefähigkeit für Prozesse und Strukturen<br />
• Maßnahmenplanungen und Umsetzungsstärke<br />
• Gute EDV Kenntnisse<br />
Wir bieten:<br />
• gute Entwicklungsmöglichkeiten und eine den Anforderungen<br />
entsprechende Vergütung sowie eine zusätzliche<br />
Altersversorgung<br />
• interessante Beratungs- und Steuerungsaufgaben rund<br />
um den Bereich Hauswirtschaft<br />
Für erste unverbindliche Auskünfte steht Ihnen Herr Sundermann<br />
unter der Telefonnummer 0511 5109 100 zur Verfügung.<br />
Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche wird erwartet.<br />
Wir begrüßen <strong>die</strong> Bewerbungen von Schwerbehinderten.<br />
Ihre Bewerbung richten Sie bitte mit den üblichen Unterlagen<br />
bis zum 15. 04. 2013 an <strong>die</strong> unten aufgeführte Adresse.<br />
v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel<br />
Bethel im Norden<br />
Personal & Bildung<br />
v.-Lepel-Str. 27<br />
27259 Freistatt<br />
www.bethel-im-norden.de<br />
Fortbildung<br />
k mpass<br />
Fernlehrgänge<br />
Präsenz- und<br />
Fernlernen<br />
Qualitäts<strong>management</strong> in der Hauswirtschaft<br />
Hygienebeauftragte/r für <strong>die</strong> Hauswirtschaft<br />
in sozialen Einrichtungen<br />
Kostenrechnung und Controlling für <strong>die</strong> Hauswirtschaft<br />
Hauswirtschaftliche Fachkraft für Ernährung<br />
in sozialen Einrichtungen<br />
Prüfungsorte: Wesel, Stuttgart, Leipzig, Hamburg<br />
Informationen unter: Telefon. 0281 82829<br />
www.kompass-wesel.de www.fernlehrgang-hauswirtschaft.de<br />
In Kooperation mit dem<br />
Deu<br />
Zert<br />
Deutsche Zertifizierung<br />
DIN ISO 29990:2010<br />
QUALITÄTSGEPRÜFTER<br />
BILDUNGSDIENSTLEISTER<br />
Hauswirtschafterin<br />
Interessanter großer, gepflegter Geschäftshaushalt in Ffm mit<br />
kleiner Familie sucht erfahrene Mitarbeiterin als Führungsperson<br />
mit guten Koch kennt nissen. NR. Referenzen erwünscht.<br />
mail@b-hennig.de, Mobil: 01 72/6 92 41 03<br />
Service<br />
Sie ziehen um? Beachten Sie bitte, dass der Postnachsende<br />
an trag NICHT für Zeitschriften und Zeit un gen gilt.<br />
Bitte informieren Sie also bei Umzug direkt unseren Abo-Vertrieb.<br />
Bitte wenden Sie sich an: Leserservice, Verlag Neuer Merkur,<br />
65341 Eltville, Tel.: (0 61 23) 9 23 82 30
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Nicht schlank und trotzdem glücklich? Für viele sind persönliches Wohlempfinden und soziale<br />
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