STRASSENBAHN MAGAZIN Als Hamburgs Tram noch Zukunft hatte (Vorschau)
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5/2013 | Mai € 8,50<br />
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Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
Große Netzausdehnung 1955:<br />
<strong>Als</strong> <strong>Hamburgs</strong> <strong>Tram</strong><br />
<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong><br />
Dresden: Mit der Linie 7<br />
quer durch den Elbtalkessel<br />
Schleifwagen von Windhoff:<br />
Technik, Funktion, Einsatz<br />
Frankfurt am Main: Erneutes<br />
Comeback der Klassiker
Exklusiv und gratis<br />
nur für Abonnenten –<br />
die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«<br />
2013 erhalten Sie als Abonnent von <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition<br />
»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –<br />
zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken<br />
– sind aus hochwertigem Chromokarton,<br />
12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.<br />
In<br />
6/2013<br />
Sie sind <strong>noch</strong> nicht Abonnent?<br />
Dann bestellen Sie am besten heute <strong>noch</strong> Ihr Vorteilspaket unter:<br />
www.strassenbahn-magazin.de/abo Telefon 0180-532 16 17 *<br />
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* (14 ct/min.)
Einsteigen, bitte …<br />
Reicht die Lobbyarbeit für <strong>Tram</strong>s?<br />
Stimmen Sie ab<br />
Was kennzeichnet eine gut funktionierende<br />
Demokratie? Wenn die Bevölkerung in die<br />
Entscheidung zur Verwendung von öffentlichen<br />
Geldern einbezogen wird. Besonders<br />
vorbildlich ist hier vor allem die Schweiz –<br />
aber auch in Aachen gab es jüngst für den<br />
„kleinen Mann“ die Möglichkeit, eine Entscheidung<br />
zu treffen:<br />
Am 10. März galt es abzustimmen, ob<br />
Aachen eine neue Straßenbahn ins Campus<br />
gelände erhalten soll oder nicht. Das<br />
Ergebnis fiel mit zwei Drittel Nein-Stimmen<br />
eindeutig aus: In der westlichsten<br />
deutschen Großstadt werden bis auf Weiteres<br />
also keine <strong>Tram</strong>gleise verlegt …<br />
Bei den Befürwortern des verkehrlich<br />
überaus sinnvollen Projektes ist nun Wunden<br />
lecken angesagt. Wie konnte es dazu<br />
Wird die Öffentlichkeit von den Vorteilen eines Straßenbahnbetriebes<br />
ausreichend informiert?<br />
• Ja, nach meinen Beobachtungen werden dafür alle Möglichkeiten<br />
genutzt<br />
• Nein, da sehe ich große Reserven! Dieses Verkehrsmittel könnte <strong>noch</strong><br />
viel mehr und deutlicher beworben werden<br />
• Teils teils – mir sind einerseits sehr gute, aber andererseits auch sehr<br />
schlechte Beispiele bekannt<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
kommen, dass die Bürger Aachens lieber<br />
weiterhin in proppevollen Bussen oder mit<br />
dem Pkw im Stau stehen wollen?<br />
In diesem Zusammenhang wird nun<br />
auch in der Kommunalpolitik ein Schuldiger<br />
ausgemacht. Hat die Stadtverwaltung<br />
der Bevölkerung wirklich die ökologischen<br />
und verkehrlichen Vorteile der geplanten<br />
Campusbahn ausreichend und transparent<br />
genug angepriesen?<br />
Das Abstimmungsergebnis von Aachen<br />
sorgte aber auch unter Straßenbahnfreunden<br />
in ganz Deutschland und den<br />
angrenzenden Ländern für Enttäuschung.<br />
Es stellt sich die Frage, welche Lobby haben<br />
Straßen- und/oder Stadtbahnen eigentlich<br />
in den Städten? Darauf gibt es unterschiedliche<br />
Antworten. Karlsruhes neu<br />
gewählter Oberbürgermeister Frank Mentrup<br />
(SPD) setzte Anfang März beispielsweise<br />
ein Zeichen: Er ließ sich an seinem<br />
ersten Arbeitstag in neuer<br />
Funktion in einem Museumsstraßenbahnwagen<br />
in die Innenstadt<br />
bringen.<br />
Auch anderswo steht die<br />
Politik fest hinter ihren Straßenbahnen.<br />
Und welche Beobachtungen<br />
haben Sie, liebe<br />
Leser, gemacht?<br />
Großer Bahnhof für<br />
eine Straßenbahn?<br />
Nicht nur – der „Spiegelwagen“<br />
genannte<br />
Tw 100 war für Karlsruhes<br />
neuen Oberbürgermeister<br />
am 1. März<br />
eine bewusste Kulisse<br />
– und damit ein klares<br />
Bekenntnis zu diesem<br />
Nahverkehrsmittel<br />
D. STOBER<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
3
Inhalt<br />
Inhalt<br />
TITEL<br />
<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />
Betriebe<br />
Einmal quer durch den Elbtalkessel . . . . . . . 16<br />
Dresdens Linie 7 im Porträt – Mit 23 km ist sie die zweitlängste<br />
<strong>Tram</strong>linie der DVB und verbindet den höchsten Punkt des Netzes mit<br />
dem Dresdner Norden. Dabei führt die »7« von den west lichen Wohngebieten<br />
über den Hauptbahnhof, durch das Stadtzentrum und das<br />
Szeneviertel Neustadt bis an den Rand der Dresdner Heide<br />
TITEL<br />
TITEL<br />
Wieder müssen die Oldies ran! . . . . . . . . . . . . . 24<br />
Wagenmangel in Frankfurt<br />
(Main) – Museumswagen helfen<br />
aus – Aufgrund der Untauglichkeit<br />
moderner Niederflurwagen im harten<br />
Winterbetrieb sowie allgemeinen Fahrzeugmangels<br />
hat die Frankfurter VGF<br />
erneut Düwags aus dem Museums -<br />
bestand für den regulären Dienst<br />
reaktiviert<br />
»Meterspur-U-Bahn« ins Geisterdorf . . . . . . 28<br />
Straßenbahnreste in Duisburg-<strong>Als</strong>um vor Abriss – Die Gleis -<br />
reste auf der Matenastraße gehören zu den wohl spannendsten Fundstücken<br />
in Deutschland: Sie führen in ein überschüttetes Dorf, durch<br />
typische Ruhrpott-Industriekulisse und den schaurigen Matena-Tunnel<br />
»Bim« muss U-Bahn weichen . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />
U-Bahn verdrängt östliches Endstück der Wiener Linie 67 –<br />
Den stark frequentierten Abschnitt Reumann platz – Oberlaa der<br />
Wiener Straßenbahnlinie 67 soll die Verlängerung der U-Bahn-Linie 1<br />
ersetzen – ein Foto- oder Filmtipp für Freunde der Wiener »Bim«<br />
Aus für erste andalusische <strong>Tram</strong> . . . . . . . . . . . . 34<br />
Straßenbahnbetrieb in Vélez-Málaga weiterhin eingestellt –<br />
Der 2006 eröffnete Betrieb Vélez-Málaga – Torre del Mar sollte<br />
wieder Teil einer Küstenbahn zwischen Málaga und Vélez werden.<br />
Doch das Projekt ist gescheitert – vorhandene Fahrzeuge werden<br />
womöglich nach Sydney veräußert<br />
RUBRIKEN<br />
»Einsteigen, bitte ...«. . . . . 3<br />
Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />
Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt. . . . . . . . . . . 23<br />
Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 50<br />
Fundstück des Monats . . . . 71<br />
»Forum«, Impressum . . . . . 78<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild . . . . . . 83<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 5<br />
12 Postkarten<br />
gratis auch für alle<br />
neuen Abonnenten<br />
Vélez-Málaga: Moderne <strong>Tram</strong> wieder stillgelegt 34<br />
Berlins Maximum-Tw 5303 im Sommer 1967 an der Endstelle der<br />
Linie 71 in Heinersdorf<br />
W. SCHREINER, SLG. DVN<br />
Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />
Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />
Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />
historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />
Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />
und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />
Augsburg: Die Wagenhalle Lechhausen 64<br />
Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />
erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und<br />
spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />
Fahrzeuge<br />
TITEL<br />
Tausendsassa aus Rheine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38<br />
Die Schleifwagen der Fa. Windhoff – <strong>Als</strong> Arbeitswagen werden<br />
oftmals dafür umgebaute Linienwagen genutzt, Spezialanfertigungen<br />
ab Werk sind die Ausnahme. Mit dem Bau eines Schleifwagens für<br />
die Metro Ankara trat 1994 die Firma Windhoff in diesen überschaubaren<br />
Markt ein<br />
Alte Schätze unter neuem Dach . . . . . . . . . . . . 45<br />
Oldtimer im neuen Depot der HEAG mobilo – Darmstadts<br />
Museumsstraßenbahnwagen stehen unter einem neuen Dach. Pünktlich<br />
zum 100. Firmenjubiläum der HEAG zogen die historischen Fahrzeuge<br />
2012 in ein neues Depot. Doch das ist nur ein Etappenziel …<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
Kleine und große Überraschungen. . 72<br />
Auf den Modellstraßenbahner warten im Jahr 2013 <strong>noch</strong><br />
viele interessante Neuheiten, die auf der Spielwarenmesse in<br />
Nürnberg gar nicht öffentlich präsentiert wurden!<br />
Geschichte<br />
<strong>Als</strong> die »<strong>Als</strong>ter-<strong>Tram</strong>«<br />
<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />
<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren – Nach 1945<br />
erholte sich die Straßenbahn in der Hansestadt <strong>noch</strong> einmal. Bis Mitte<br />
der 1950er- Jahre gab es mehrere positive Entwicklungen – doch<br />
damit <strong>hatte</strong> der Betrieb in der Nachkriegszeit seinen Zenit erreicht<br />
TITEL<br />
»Ohne allen architektonischen Zierrat« . . 64<br />
Die Wagenhalle in Augsburg-Lechhausen – Noch beherbergt<br />
das Depot viele historische Straßen bahnfahrzeuge. Doch diese sollen<br />
in den „Bahnpark Augsburg“, ins ehemalige Bahnbetriebswerk,<br />
gebracht werden. Dann steht die 1930/31 gebaute Halle zum Abriss –<br />
ein Blick in ihre Geschichte<br />
Titelmotiv<br />
In den 1950er-Jahren<br />
herrschte in Hamburg <strong>noch</strong><br />
Aufbaustimmung, als<br />
ein V6-Straßenbahnzug<br />
den neu verglasten Hauptbahnhof<br />
passierte<br />
B. BARESCH, SLG. VVM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
5
Bild des Monats<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Bild des Monats<br />
Bild des Monats<br />
Bereits seit dem Jahr 1900 rollen Straßenbahnen durch die nordostrumänische Stadt Iasi nahe<br />
der moldawischen Grenze. Das meterspurige Netz ist recht ausgedehnt und bietet einen abwechslungsreichen<br />
Wagenpark, der inzwischen nur <strong>noch</strong> aus deutschen und schweizerischen<br />
Wagen besteht, die gebraucht gekauft oder nach Iasi verschenkt wurden. Vor dem Golia-Kloster<br />
durchfährt ein aus Stuttgart stammender GT4 die Schleife Targu Cucu. Während dieser wie viele<br />
Wagen im deutschen Originalanstrich unterwegs ist, folgt ihm ein bereits in den Farben der<br />
Verkehrsbetriebe lackierter GT4. Die Szene hielt Bernhard Kußmagk am 16. Juni 2012 fest.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie und aus aller Welt<br />
Während die Torstraße für die „Stadtbahn Halle“ umgestaltet wird, sollen die letzten Tatra-Züge im Laufe des<br />
Jahres durch die neuen MGT-K2 ersetzt werden M. PIETSCHMANN (3)<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
Tunnelbahnhöfe<br />
optisch aufwerten!<br />
Im letzten Heft fragten wir Sie, ob<br />
die Verkehrsbetriebe ihre Tunnelbahnhöfe<br />
mit speziellen regionsbezogenen<br />
Gestaltungen aufwerten sollten. Aufhänger<br />
für die Umfrage war die Neugestaltung<br />
einer Gleisebene des U-<br />
Bahnhofes Willy-Brandt-Platz in Frankfurt<br />
am Main mit Plakaten legendärer<br />
Fußballer des Clubs Eintracht Frankfurt.<br />
79,2 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden<br />
Leser finden dies eine gute<br />
Idee. Die Stationen würden auf diesem<br />
Wege attraktiver und Fahrgäste erhalten<br />
eine willkommene Ablenkung. Exakt<br />
ein Fünftel der Votierenden ist hingegen<br />
der Meinung, Tunnelstationen müssten<br />
insgesamt attraktiver gestaltet und aufgewertet<br />
werden – einfach nur Plakate<br />
genügen ihnen nicht. Nicht einmal<br />
einem Prozent der Leser ist es egal, wie<br />
sich die Tunnelbahnhöfe präsentieren –<br />
für sie sei es ausreichend, wenn die<br />
Bahnen pünktlich fahren.<br />
SM<br />
Halle an der Saale: Drei Streckensperrungen erfordern Umleitungsnetz – erster MGT-K2 eingetroffen<br />
Neue Gleise und Bahnen für die »Stadtbahn Halle«<br />
Unter dem Projekttitel „Stadtbahn<br />
Halle“ soll die Straßenbahnlinie 1 (Frohe<br />
<strong>Zukunft</strong> – Marktplatz – Böllberg –<br />
Beesen) zur Stadtbahn adaptiert werden.<br />
Dazu wird in den nächsten Jahren<br />
vielerorts die Streckeninfrastruktur aufgewertet.<br />
<strong>Als</strong> erste Maßnahme startete<br />
am 11. März der Ausbau der Torstraße,<br />
der die Linien 1 und 6 ab dem Rannischen<br />
Platz auf etwa 650 m stadtauswärts<br />
folgen. Ursprünglich zeitgleich<br />
sollte die Maßnahme im Zuge der Großen<br />
Ulrichstraße / Geiststraße (auf der<br />
Achse Marktplatz – Reileck gelegen)<br />
starten. Der dortige Baubeginn hat<br />
sich aber kurzfristig auf den 8. April<br />
verschoben. Bei beiden Bauprojekten<br />
werden die Gleise erneuert, der Stra-<br />
ßenraum neu gestaltet sowie die betroffenen<br />
Haltestellen (Kurt-Tucholsky-<br />
Straße und Moritzburgring) barrierefrei<br />
ausgebaut. Einen eigenen Gleiskörper<br />
wird die Straßenbahn aber in beiden<br />
Abschnitten nicht erhalten. Auch in<br />
Merseburg wird gebaut. Dort wird die<br />
Erneuerung der Straße Weiße Mauer<br />
samt Straßenbahntrasse, die auf einen<br />
Zeitraum von 2012 bis 2015 anvisiert<br />
ist, dieses Jahr am 11. März fortgesetzt.<br />
Unterbrochene, gekürzte<br />
und eingestellte Linien<br />
Anlässlich der damit verbundenen<br />
Streckensperrungen zwischen Böllberg<br />
und Rannischer Platz, zwischen Moritzburgring<br />
und Marktplatz sowie<br />
zwischen Merseburg Stadtstadion und<br />
Wie im Vorjahr wird auch 2013 der<br />
alte Betriebshof in Merseburg wieder<br />
für den Inselbetrieb der Linien<br />
5 und 15 genutzt. Fünf MGT6D<br />
sind von hier aus im Einsatz<br />
8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Deutschland<br />
Je eine Doppeltraktion<br />
des MGT-K<br />
(links) und des<br />
Nachfolgemodells<br />
MGT-K2<br />
(rechts) beim<br />
Zusammentreffen<br />
in der<br />
Schleife Ammendorf<br />
Merseburg Zentrum gab es am<br />
11. März einen Fahrplanwechsel. Während<br />
die Durchmesser-Linien 1 (Frohe<br />
<strong>Zukunft</strong> – Beesen) und 7 (Kröllwitz –<br />
Büschdorf) im recht engmaschigen<br />
halleschen Netz über parallele Strecken<br />
um die Baustellenbereiche (Linie<br />
1 via Veszpremer Straße, Linie 7 via<br />
Steintor) geleitet werden können,<br />
mussten die Linien 6 (Reileck – Marktplatz<br />
– Südstadt) und 11 (Damaschkestraße<br />
– Marktplatz – Göttinger Bogen)<br />
eingestellt werden. Die Linie 12,<br />
die normalerweise an der Damaschkestraße<br />
umlaufmäßig mit der Linie 11<br />
verknüpft ist, wird dagegen zur Vogelweide<br />
verlängert. Ebenso verlängert<br />
wird die Linie 3, und zwar von der<br />
Südstadt nach Böllberg, sodass dieser<br />
Stadtteil zwar nicht von der Innenstadt,<br />
aber immerhin von Süden her<br />
per Straßenbahn erreichbar ist. Am<br />
Moritzburgring, nördlich der Baumaßnahme<br />
in der Großen Ulrichstraße,<br />
wird eine provisorische Endstelle eingerichtet,<br />
die von der von Norden her<br />
verkürzten Linie 8 (Trotha – Moritzburgring)<br />
und der Baustellenlinie 17<br />
(Reileck – Moritzburg), auf deren Weg<br />
nur drei Haltestellen liegen, angefahren<br />
wird. Der südliche Teil der Linie 8<br />
von der Elsa-Brändström-Straße kommend<br />
endet dagegen als Linie 18 am<br />
Marktplatz, von wo sie montags bis<br />
freitags als Ersatz der Linie 11 zum<br />
Göttinger Bogen weitergeführt wird.<br />
»Gnadenfrist« für die<br />
Große Ulrichstraße<br />
Wie im vergangenen Jahr endet die<br />
Überlandlinie 5 in Merseburg von Norden<br />
kommend am Stadtstadion und<br />
von Süden am Zentrum, im Früh- und<br />
Spätverkehr wird sogar nur bis Leunaweg<br />
gefahren. Dazwischen fahren Ersatzbusse.<br />
Für den Inselbetrieb der Linien<br />
5 (Süd) und 15 wurde wie im<br />
vergangenen Jahr der Betriebshof<br />
Merseburg, der seit 2003 eigentlich<br />
nicht mehr genutzt wird, reaktiviert.<br />
Dort sind derzeit fünf MGT6D (602,<br />
605, 640, 646 und 659) beheimatet.<br />
Kleine Reparaturen und Durchsichten<br />
können vor Ort durchgeführt werden;<br />
bei größeren Schäden müssten die<br />
Wagen per Tieflader ausgetauscht<br />
werden. Auch wenn das Umleitungsnetz<br />
prinzipiell ab dem 11. März gilt,<br />
werden bis zum Baubeginn in der Großen<br />
Ulrichstraße einige Modifikationen<br />
vorgenommen, wodurch dort<br />
<strong>noch</strong> etwas länger Straßenbahnen<br />
fahren können. Das Umleitungsnetz<br />
wird voraussichtlich bis Ende des Jahres<br />
in Kraft bleiben.<br />
Erster MGT-K2 in Halle<br />
Am 28. Februar 2013 wurde das erste<br />
von zwölf Fahrzeugen des neuen Straßenbahntyps<br />
MGT-K2 per Tieflader zur<br />
Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) geliefert.<br />
Der MGT-K2 gehört zu Bombardiers<br />
Flexity Classic-Serie und unterscheidet<br />
sich optisch durch die<br />
neue Anordnung der Scheinwerfer und<br />
den überarbeiteten Innenraum von<br />
seinem Vorgänger, dem MGT-K. Bis<br />
zum 19. März waren bereits sechs der<br />
zweiteiligen Fahrzeuge ausgeliefert.<br />
Die Neuwagen sollen an der Saale die<br />
Nummern 691 bis 702 erhalten und<br />
die letzten modernisierten Tatra-Züge<br />
ersetzen. Bevor die MGT-K2 im Fahrgastverkehr<br />
eingesetzt werden kann,<br />
müssen <strong>noch</strong> einige Tests absolviert<br />
werden.<br />
PKR/MPI<br />
Dortmund<br />
Baubeginn für<br />
B1-Unterquerung<br />
In Dortmund haben Anfang März<br />
die ersten Bauarbeiten für die B1-Unterquerung<br />
der U47 begonnen. Ab<br />
2015 wird sich die Stadtbahn in Höhe<br />
der Haltestelle Vahleweg durch einen<br />
kurzen Tunnelabschnitt auf ihren eigenen<br />
Bahnkörper inmitten der Bundesstraße<br />
ein- und ausfädeln.<br />
Die ebenerdige Kreuzung mit der<br />
viel befahrenen B1 wird dann der Vergangenheit<br />
angehören. Der Umbau<br />
wird durch den geplanten sechsspurigen<br />
Ausbau der Bundesstraße zwischen<br />
den Autobahnen A40 und A44<br />
notwendig. Eine niveaugleiche Kreuzung<br />
mit der Stadtbahn wäre nach<br />
dem Ausbau nicht mehr zulässig. Die<br />
Kosten von rund 27,5 Mio. Euro für die<br />
neue Ausfädelung teilen sich die Stadt<br />
Dortmund, das Land und der Bund.<br />
Die eher schwach frequentierte Haltestelle<br />
Vahleweg wird zugunsten der<br />
Tunneleinfahrt entfallen.<br />
CLÜ<br />
Hamburg S-Bahn<br />
Neuer S-Bahn-Vertrag<br />
unter Dach und Fach<br />
Die Hansestadt Hamburg hat den<br />
2018 endenden Verkehrsvertrag zum<br />
Betrieb der Hamburger S-Bahn-Linien<br />
mit der S-Bahn Hamburg verlängert.<br />
Auch ab 2018 werden die sechs S-<br />
Bahn-Linien durch die DB-Tochtergesellschaft<br />
betrieben. Die Laufzeit des<br />
Vertrags endet 2033. Im Gegenzug<br />
wird das Bahnunternehmen 400 Mio.<br />
Euro investieren. Ein Großteil davon<br />
fließt in die Beschaffung von zunächst<br />
60 neuen klimatisierten S-Bahn-Zügen.<br />
Diese Fahrzeuge dienen, neben<br />
der Erhöhung der Fahrzeugreserve,<br />
auch dem Ersatz der 52 alten störan-<br />
Dortmund: Autos und Stadtbahnen werden sich auf der B1 ab 2015 nicht<br />
mehr kreuzen, die Arbeiten für die Unterquerung haben begonnen C. LÜCKER<br />
Mainz<br />
Die Mainzer Verkehrsgesellschaft<br />
(MVG) hat die Modernisierung<br />
ihrer sechs M8C-Tw von<br />
1984 ausgeschrieben. Nach der<br />
Modernisierung sollen die Hochflurfahrzeuge<br />
für weitere 15<br />
Jahre im Einsatz bleiben. Neben<br />
dem Ersatz der Elektronik soll<br />
auch das Innenraum- und das<br />
Außendesign den aktuellen<br />
MVG-Standards angepasst werden.<br />
In Abhängigkeit der Kosten<br />
sollen gegebenenfalls auch weitere<br />
Fahrzeugkomponenten modernisiert<br />
werden. Die M8S-Tw<br />
(ex Bielefeld) spielen in den <strong>Zukunft</strong>splanungen<br />
dagegen keine<br />
Rolle mehr.<br />
PKR<br />
Bochum<br />
Am 27. Februar fand der Spatenstich<br />
für die neue Station Gesundheitscampus<br />
im Zuge der<br />
Stadtbahnlinie U35 statt. Die<br />
14,6 Mio. Euro teure Station soll<br />
2015 im Mittelsteifen der stadtautobahnähnlichen<br />
Universitätsstraße<br />
zwischen den Stationen<br />
Markstraße und Ruhr-Universität<br />
eröffnet werden. Aus der Bochumer<br />
Stadtverwaltung wurden<br />
derweil Überlegungen laut,<br />
die U35 von Hustadt entlang der<br />
Universitätsstraße bis zur Haltestelle<br />
Unterstraße, wo zu den<br />
Straßenbahnen Richtung Langendreer<br />
S-Bhf und Witten umgestiegen<br />
werden könnte, zu<br />
verlängern.<br />
PKR<br />
Mülheim<br />
Die Düsseldorfer Bezirksregierung<br />
hat die Anträge der Mülheimer<br />
Verkehrsgesellschaft (MVG)<br />
auf dauerhafte Stilllegung der<br />
Straßenbahnstrecke vom Hauptfriedhof<br />
zum Flughafen und Genehmigung<br />
einer Buslinie auf<br />
dieser Relation abgelehnt. Die<br />
MVG will Widerspruch einlegen.<br />
Bereits im August <strong>hatte</strong> die Behörde<br />
angewiesen, die überraschend<br />
am 2. April 2012 „vorübergehend”<br />
eingestellte Strecke<br />
umgehend wieder in Betrieb zu<br />
setzen, woraufhin die MVG die<br />
dauerhafte Stilllegung beantragte.<br />
Zuletzt fuhr hier die Linie 104<br />
im 20-Minuten-Takt. PKR<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
9
Aktuell<br />
2017/18 soll der Karlsruher U-Straßenbahntunnel eröffnet werden. Bereits ab Ende 2013 werden aber wegen des Baus keine Straßen- und Stadtbahnen<br />
mehr an der „Pyramide“, wie die Halteposition mitten auf dem Karlsruher Marktplatz genannt wird, abfahren<br />
P. KRAMMER<br />
Karlsruhe<br />
Bald keine Bahnen mehr »an der Pyramide«<br />
Seit Ende Januar 2013 werden<br />
auf der Rathausseite des Karlsruher<br />
Marktplatzes vorbereitende Arbeiten<br />
für den U-Strab-Tunnel ausgeführt.<br />
Ende 2013 soll nach den derzeitigen<br />
Planungen der oberirdische Straßenbahnbetrieb<br />
über den Marktplatz<br />
(Haltestelle Marktplatz Pyramide)<br />
und weiter entlang der Ettlinger<br />
Straße zum Kongresszentrum nach<br />
über 135 Jahren eingestellt werden.<br />
Damit sind alle unterirdischen Haltestellen,<br />
die im Rahmen des Projektes<br />
„Kombilösung“ entstehen sollen, im<br />
Bau. Bisher auf dem Marktplatz unter<br />
Straßenbahnbetrieb abgehaltene Festivitäten<br />
entfallen bis zur Fertigstellung<br />
des U-Straßenbahn-Tunnels 2017/18.<br />
Danach wird es lediglich auf der Kaiserstraße,<br />
also auf der Nordseite des<br />
Marktplatzes, <strong>noch</strong> einen reduzierten<br />
Straßenbahnbetrieb bis zur endgültigen<br />
Fertigstellung der Kombilösung<br />
geben. 2012 war damit die letzte<br />
Weihnachts-Saison, in der historische<br />
Straßenbahnen über den auf dem<br />
Karlsruher Marktplatz abgehaltenen<br />
„Christkindlesmarkt“ fahren durften.<br />
<strong>Als</strong> zweiter Teil der Kombilösung ist<br />
vorgesehen, dass ab 2015 der Autoverkehr<br />
auf der parallel zur Kaiserstraße<br />
befindlichen Kriegsstraße in einen weiteren<br />
Tunnel verlegt wird. Ein Teil des<br />
Straßenbahnverkehrs, der heute durch<br />
die zentrale Kaiserstraße rollt, soll ab<br />
dann auf einer neuen oberirdischen-<br />
Trasse entlang der Kriegsstraße abgewickelt<br />
werden. Vor Weihnachten 2012<br />
kam aus dem Bundesverkehrsministerium<br />
die endgültige Zusage zur Finanzierung<br />
dieses Teils der Kombi -<br />
lösung. Ob die Landeszuschüsse bei<br />
der momentan erkennbaren Kostensteigerung<br />
weiter gedeckelt bleiben,<br />
ist dagegen <strong>noch</strong> nicht geklärt.<br />
Die gesamte Kombilösung, also<br />
die Tunnelanlagen für Stadt- und<br />
Straßenbahn, der Straßentunnel und<br />
die neue oberirdische Ost-West-Straßenbahnachse<br />
entlang der Kriegsstraße,<br />
sollen 2019 fertig gestellt<br />
sein.<br />
ULM<br />
fälligen Triebwagen der Baureihe<br />
472/473. Diese Fahrzeugreihe wurde<br />
in den Jahren 1974 bis 1984 in Dienst<br />
gestellt und hat aufgrund des Alters<br />
eine überdurchschnittliche Schadenshäufigkeit.<br />
Aber auch für eine Taktverdichtung<br />
auf den vorhandenen S-<br />
Bahn-Linien benötigt man neue<br />
Fahrzeugkapazitäten. Die Fahrzeugausschreibung<br />
beinhaltet eine Option<br />
über 85 weitere Fahrzeuge, die für<br />
spätere Streckenerweiterungen, wie<br />
die geplante S4 nach Bad Oldesloe, erforderlich<br />
wären. Aber auch die vorhandenen<br />
dreiteiligen Triebwagen der<br />
Baureihe 474 sollen grundlegend modernisiert<br />
werden. Dabei erhalten sie<br />
ein modernes Fahrgastinformationssystem<br />
und werden durchgängig begehbar<br />
gemacht. Um die Kapazitäten<br />
für die Instandhaltung der zusätzlichen<br />
Züge zu schaffen, werden auch<br />
die Werkstätten Ohlsdorf und Elbgaustraße<br />
modernisiert.<br />
JEP<br />
Hamburg: Die Triebwagen der Reihe 472/473 sollen in den nächsten Jahren<br />
durch neue Fahrzeuge ersetzt werden<br />
J. PERBANDT<br />
Aachen<br />
Bürger entscheiden gegen<br />
Campusbahn<br />
Das in Aachen geplante Projekt<br />
„Campusbahn“ wird nicht realisiert.<br />
Am 10. März lehnten 66 Prozent der<br />
stimmberechtigten Bürger der Kaiserstadt<br />
den Bau einer Stadtbahnlinie<br />
vom TH-Campus über die City zum<br />
südlichen Stadtteil Brand ab. Nach einem<br />
Ratsentscheid pro Bahn im Dezember<br />
<strong>hatte</strong>n die Kommunalpolitiker<br />
gleichzeitig beschlossen, den endgültigen<br />
Bau von einem positiven Bürgerentscheid<br />
abhängig zu machen.<br />
Die Stadtbahngegner <strong>hatte</strong>n vor allem<br />
die hohen Baukosten der Stadtbahn<br />
ins Feld geführt. Andererseits waren<br />
für das Projekt bereits 115 Mio.<br />
Euro Fördermittel zugesagt worden.<br />
Um die Verkehrs- und Emissionsprobleme<br />
in den Griff zu bekommen, könnte<br />
nun ein E-Bus-Konzept umgesetzt werden,<br />
wie am Abend des Bürgervotums<br />
zu hören war. Auch flankierend zur<br />
Campusbahn hätten in Aachen E-Busse<br />
eingeführt werden sollen. Auf zwei<br />
Strecken wären Busse mit Akkus, die<br />
unter der Nutzung der Oberleitung der<br />
Campusbahn aufgeladen werden sollten,<br />
gefahren.<br />
L. SCHIEFFER<br />
Dresden<br />
15 Tatras verschrottet<br />
Zwischen dem 11. und 14. März<br />
ließen die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />
(DVB) insgesamt 15 Tw verschrotten,<br />
womit sich der Tatra-Bestand auf nunmehr<br />
<strong>noch</strong> 19 Wagen des Linienverkehrs<br />
(z.T. abgestellt ohne Frist), zehn<br />
Arbeits-/Sonderdienstwagen sowie<br />
den historischen Großzug des Straßenbahnmuseums<br />
reduziert hat. Im Einzelnen<br />
wurden zerlegt: Zehn T4D-MT<br />
mit den Nummern 224 230, 233, 240,<br />
242, 250, 271, 272, 278, 289, 294,<br />
zwei TB4D – neben 244 003 der im<br />
Vorjahr verunfallte 244 049 – sowie<br />
drei als Arbeitswagen geführte Tatras.<br />
Bei diesen handelte es sich um den<br />
TB4D 201 017 (ex 244 038) des früheren<br />
Schleppzuges vom Betriebshof<br />
Reick, den zeitweiligen Rangierwagen<br />
T4D-MT 201 018 (ex 224 273) vom<br />
10 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Deutschland<br />
Betriebshof Gorbitz sowie den nach<br />
seinem Ausscheiden aus dem Linienverkehr<br />
2010 als Erprobungswagen<br />
für das digitalfunkbasierte Betriebsleitsystem<br />
genutzten T4D-MT 201 280<br />
(ex 224 280), der ursprünglich als 222<br />
642 bezeichnet schon als Probewagen<br />
zur Einführung des analogen RBL Anfang<br />
der 1990er Jahre fungiert <strong>hatte</strong>.<br />
Die Verschrottung fand auf dem Gelände<br />
des stillgelegten Betriebshofs<br />
Tolkewitz an der Wehlener Straße<br />
statt, dessen eigentlich gesperrte Gleise<br />
eigens für diese Aktion kurzzeitig<br />
reaktiviert und wohl nun zum allerletzten<br />
Mal befahren wurden. Das Objekt,<br />
auf dessen Gelände künftig ein<br />
Schulneubau entstehen soll, ist nunmehr<br />
komplett von Straßenbahnwagen<br />
geräumt. Die drei hier zusammen<br />
mit den nun verschrotteten Wagen<br />
<strong>noch</strong> hinterstellten T4D-MT 224 201,<br />
249 und 263 wurden für eine mögliche<br />
Weiterverwendung zum Betriebshof<br />
Trachenberge überstellt. MSP<br />
Duisburg<br />
GT10NC-DU werden<br />
saniert<br />
Das Verkehrsunternehmen Via hat<br />
am 9. März die Sanierung von 45 Straßenbahnen<br />
vom Typ GT10NC-DU europaweit<br />
ausgeschrieben. Der Auftrag<br />
um fasst die Sanierung des mechanischen<br />
Teils der 45 Zweirichtungswagen,<br />
die zwischen 1986 und 1993 von<br />
Düwag gebaut und 1996 durch den<br />
Einbau 7 m langer Niederflurmittelteile<br />
zu Zehnachsern verlängert wurden.<br />
Die Sanierung soll 2018 abgeschlossen<br />
sein. Die Einsatzdauer soll sich bis<br />
2024 verlängern. Vorgesehen sind<br />
Korrosionssanierungen am Wagenkasten,<br />
Untergestell und im Einstiegsbereich<br />
(Trittkästen), eine Aufarbeitung<br />
und Risskontrolle der Drehgestelle, die<br />
Erneuerung von Batteriekästen und<br />
Dresden: Wie 14 andere Tatra-Tw wurde auch der T4D-MT 224 242 Mitte März vor den Hallen des stillgelegten<br />
Betriebshofs Tolkewitz verschrottet<br />
M. SPERL<br />
des Fußbodenbelags, der Ersatz bzw.<br />
Teilersatz der Faltenbälge, der Türblätter<br />
und der Verkabelung im Dach -<br />
bereich sowie eine komplette Neu -<br />
lackierung. Damit sind für Duisburg<br />
mittelfristig keine Neufahrzeuge zu erwarten.<br />
MBE<br />
München<br />
Streckensperrungen bei<br />
<strong>Tram</strong> und U-Bahn<br />
Wegen Bauarbeiten im <strong>Tram</strong>- und<br />
U-Bahnnetz stehen derzeit viele Umlei<br />
tungen an: Vom 15. März bis einschließlich<br />
2. Juni werden die Stra -<br />
ßenbahngleise im Kreuzungsbereich<br />
Müller-/Fraunhoferstraße erneuert.<br />
Während der Bauzeit enden die Linien<br />
16 und 18 aus Richtung Effnerplatz /<br />
St. Emmeram bereits am Isartor und<br />
aus Richtung Gondrellplatz / Romanplatz<br />
am Hauptbahnhof, wo sie jeweils<br />
umlaufmäßig verknüpft werden.<br />
Die Linie 17 fährt von der Amalienburgstraße<br />
nur bis Sendlinger Tor, wo<br />
Anschluss an Ersatzbusse zur Schwanseestraße<br />
besteht. Durch zeitlich überlappende<br />
Bauarbeiten im Bereich<br />
Hauptbahnhof und Sonnenstraße waren<br />
bis zum 2. April <strong>noch</strong> weitreichendere<br />
Umleitungen notwendig.<br />
Vom 21. Mai bis voraussichtlich 25.<br />
August wird die U-Bahnlinie U6 zwischen<br />
Freimann und Kieferngarten wegen<br />
Sanierungsarbeiten gesperrt. Es<br />
wird eine „normale“ Ersatzbuslinie von<br />
Studentenstadt nach Kieferngarten mit<br />
Halt in Freimann (Ost und West) angeboten,<br />
aber auch eine Express linie, die<br />
die U-Bahnhöfe Alte Heide und Fröttmaning<br />
ohne Halt verbindet<br />
Wegen der Bauarbeiten zur Verlängerung<br />
der <strong>Tram</strong> zum Pasinger Bahnhof<br />
ist nach wie vor auch die Linie 19<br />
zwischen Willibaldplatz und Pasing<br />
Marienplatz gesperrt. Die Strecke wird<br />
bereits seit dem 9. Dezember 2012 mit<br />
Ersatzbussen bedient und soll im Dezember<br />
2013, zeitgleich mit der Eröffnung<br />
der Neubaustrecke, wieder freigegeben<br />
werden.<br />
PKR<br />
Schwerin<br />
Auch 2013<br />
Einschränkungen<br />
Nachdem Ende 2012 die Arbeiten<br />
am Marienplatz weitestgehend abgeschlossen<br />
wurden, beginnt auch das<br />
Jahr 2013 für die Fahrgäste der<br />
Schweriner Straßenbahn mit Fahrplaneinschränkungen.<br />
Dieses Jahr stehen<br />
Bauarbeiten an den Versorgungsleitungen<br />
im Bereich Wismarer Straße,<br />
die auch zum Austausch von Schienen<br />
und Weichen genutzt werden, an.<br />
Bis zum 9. Mai verkehren die Straßenbahnlinien<br />
1 und 4 nicht durch<br />
die Innenstadt. Während dieses Zeitraumes<br />
bedient die Linie 1 nur den<br />
Abschnitt zwischen Hegelstraße und<br />
Bertha-Klingenberg-Platz, wo Anschluss<br />
zu den Ersatzbussen zur eigentlichen<br />
Straßenbahnendstelle Kliniken<br />
besteht. Auch die Linie 4 fährt<br />
nur zwischen Neu Pampow und dem<br />
Bertha-Klingenberg-Platz, von wo aus<br />
Fahrgäste zum Platz der Freiheit in<br />
Bereits seit Dezember 2012 ist die Linie 19 von Pasing zum Willibaldplatz<br />
verkürzt; weitere Linien werden seit dem 15. März umgeleitet P. KRAMMER<br />
Duisburg: Die 45 GT10NC-DU sollen eine Frischekur erhalten und damit<br />
das Bild der Duisburger Straßenbahn bis etwa 2024 prägen M. BEITELSMANN<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
11
Aktuell<br />
Schwerin: Die<br />
Linien 1 und 4<br />
enden an der<br />
Schleife am<br />
Bertha-Klingen -<br />
berg-Platz, die<br />
normalerweise<br />
nicht im Linienverkehr<br />
bedient<br />
wird<br />
J. PERBANDT<br />
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die Straßenbahnlinie 2 umsteigen<br />
müssen. Lediglich die Linie 2 verkehrt<br />
damit <strong>noch</strong> über den Marienplatz<br />
durch die Innenstadt, wobei der eingleisige<br />
Abschnitt durch die Wittenburger<br />
Straße in beiden Richtungen,<br />
statt planmäßig nur stadteinwärts,<br />
durchfahren wird.<br />
JEP<br />
Erfurt<br />
Innenstadtsperrung<br />
begonnen<br />
Seit dem 11. März und mindestens<br />
bis Oktober ist die Strecke vom Anger<br />
zum Domplatz, Erfurts zweitwich tigs ter<br />
Straßenbahnabschnitt, voll ge sperrt.<br />
Der Grund dafür ist die ei gent lich<br />
schon für 2012 geplante Sanie rung der<br />
Schlösserbrücke. Unter Verwendung<br />
von Bundesfördermitteln muss diese<br />
Baumaßnahme letztlich mit einem<br />
straf fen Zeitplan im aktuellen Jahr<br />
durchgeführt werden.<br />
Gleichzeitig wird auch der Fischmarkt<br />
saniert und dabei so ausgebaut,<br />
dass künftig ein barrierefreier Zugang<br />
zu den Straßenbahnen besteht. Während<br />
der Bauzeit erhalten alle Straßenbahnlinien<br />
eine geänderte Linienführung.<br />
Die einzige Ausnahme ist die<br />
Linie 1, die durch die neue Führung<br />
der Linien 3 und 5 gänzlich ersetzt<br />
wird. Fahrgäste zur Steigerstraße müssen<br />
auf Ersatzbusse umsteigen, die<br />
stadtseitig am Hauptbahnhof enden.<br />
Interessant ist vor allem die Führung<br />
der Linie 6, die vom Anger kommend<br />
in Form eines umgedrehten „U“ über<br />
das Rieth zum Domplatz fährt.<br />
<strong>Als</strong> Ersatzverkehr wurde eine Bus -<br />
linie R eingerichtet, die als Ringlinie<br />
vom Anger zum Domplatz verkehrt.<br />
Auch wenn die Straßenbahnen schon<br />
Ende Oktober 2013 wieder zwischen<br />
Domplatz und Anger fahren sollen,<br />
wird die Baumaßnahme erst im November<br />
2013 komplett abgeschlossen<br />
sein.<br />
ROG<br />
Berlin<br />
Bahnhof Schöne weide<br />
wird umgestaltet<br />
Im Frühjahr beginnt der Umbau<br />
des Bahnhofs Schöneweide. Zunächst<br />
werden im Zeitraum bis Mai 2016 die<br />
Eisenbahnbrücken über den Sterndamm<br />
erneuert. Um dafür die nötige<br />
Baufreiheit zu schaffen, werden die<br />
darunter verkehrenden Straßenbahnen<br />
ab Juni 2013 für drei Jahre ein-<br />
gleisig durch den Baustellenbereich<br />
fahren. Das nicht genutzte Gleis dient<br />
als Baustraße. Nur zum Ein- und Ausbau<br />
der erforderlichen Bauweichen<br />
sowie an den Wochenenden für den<br />
Ein- und Ausbau der Brücken muss<br />
der Straßenbahnverkehr unterbrochen<br />
werden.<br />
Auch der Gehweg im Brückenbereich<br />
wird gesperrt. <strong>Als</strong> Ersatz wird ein<br />
provisorischer Zugang von der Bahnhofshalle<br />
in Richtung Straßenbahnwendeschleife<br />
geschaffen. Insgesamt<br />
investiert die Deutsche Bahn in den<br />
Bahnhofsumbau und die Erneuerung<br />
der Bahnbrücken 45 Mio. Euro.<br />
Nach dem Abschluss der Brückenerneuerungen<br />
entsteht im Zeitraum von<br />
2016 bis 2019 für die Straßenbahn<br />
und Linienbusse im Zuge der Brückenstraße<br />
ein separater Straßenbahntunnel<br />
durch den Bahndamm. Die Straßenbahn<br />
verkehrt dann ab 2019 von<br />
der Brückenstraße kommend geradlinig<br />
am 1886 gebauten Empfangsgebäude<br />
des Bahnhofs vorbei und dann<br />
weiter durch den neuen Tunnel in<br />
Richtung Johannisthal. Zwischen Empfangsgebäude<br />
und Einkaufszentrum<br />
entsteht eine neue Haltestelle. Die<br />
Straßenbahnwendeschleife und der<br />
Busbahnhof werden im Zuge dessen<br />
komplett umgebaut. Im Sterndamm<br />
wird die Straßenbahn zukünftig zwischen<br />
Bahnbrücken und Südostallee in<br />
Mittellage verkehren.<br />
CMU<br />
Industrie<br />
CAF<br />
Zwölf Urbos für<br />
Freiburg<br />
Mit der Freiburger Verkehrs AG<br />
(VAG) hat erstmals ein deutscher Betrieb<br />
Straßenbahnen beim nordspanischen<br />
Hersteller CAF bestellt. 12 Straßenbahnen<br />
vom Typ Urbos 100, die<br />
mit den Betriebsnummern 301 bis 312<br />
in den Bestand eingereiht werden, sollen<br />
bis 2017 im Breisgau eintreffen.<br />
Die neuen Fahrzeuge werden unter<br />
anderem für die geplante Neubaustrecke<br />
zur Messe benötigt.<br />
Die 43 m langen 100%-Niederflur-<br />
Fahrzeuge in Zwei-Richtungs-Ausführung<br />
bestehen aus sieben Modulen,<br />
welche sich auf vier Fahrwerke (davon<br />
drei angetrieben) abstützen. Die bei<br />
den Combinos recht klobig wirkenden<br />
Außenspiegel werden beim Urbos<br />
durch Kamerasysteme ersetzt. SM<br />
Erfurt: Wegen der Sanierung der Schlösserbrücke endet die Linie 6 (im<br />
Bild: Hst. Webergasse/Andreaskirche) derzeit am Domplatz R. GLEMBOTZKY<br />
Berlin: Die Tage der 1905 gebauten Bahnbrücken über den Sterndamm sind<br />
gezählt. Auch die Straßenbahn verkehrt hier nur <strong>noch</strong> bis 2019 C. MUCH<br />
12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Deutschland · Industrie · Weltweit<br />
Stadler<br />
Bogestra empfängt<br />
weitere Variobahnen<br />
Am 8. März ist mit Wagen 531 die<br />
erste Variobahn der zweiten Lieferserie<br />
bei den Bochum-Gelsenkirchner<br />
Straßenbahnen (Bogestra) in Bochum<br />
eingetroffen. Bis Ende 2015 liefert<br />
Stadler Pankow 15 dieser Fahrzeuge.<br />
Nach dem Ausbau der Linie 310 in Bochum-Langendreer<br />
werden die Variobahnen<br />
dort voraussichtlich 2017 die<br />
letzten M-Wagen ablösen. Vorher sind<br />
auch <strong>noch</strong> einige Anpassungsarbeiten<br />
in Witten nötig. Zwischen 2008 und<br />
2011 <strong>hatte</strong> Stadler bereits 30 Variobahnen<br />
für die Bogestra, die auf den<br />
Linien 301 und 306 sowie im Stadionverkehr<br />
auf der Linie 302 eingesetzt<br />
werden, geliefert.<br />
CLÜ<br />
Bombardier<br />
Erster Flexity in<br />
Strausberg vorgestellt<br />
Tw 0041, der erste Flexity Berlin für<br />
die Strausberger Eisenbahn (STE),<br />
wurde am 21. März offiziell im hiesigen<br />
Betriebshof vorgestellt. Nachdem<br />
er am 22. Februar 2013 in Bautzen<br />
von Vertretern der STE abgenommen<br />
worden war, traf er per Tieflader in der<br />
Nacht vom 26. zum 27. Februar in<br />
Strausberg ein. Kurz nach 2 Uhr erfolgte<br />
die erste „Berührung“ zwischen<br />
dem Fahrzeug und den Gleisen der<br />
Strausberger Eisenbahn am Lustgarten<br />
im Zuge der Entladungsaktion. Trotz<br />
der nächtlichen Stunde <strong>hatte</strong>n sich einige<br />
Strausberger Bürger eingefunden,<br />
um dem Spektakel beizuwohnen. Tw<br />
0041 wird bereits im regulären Personenverkehr<br />
eingesetzt. Der zweite Flexity<br />
(Tw 0042), der seit Ende März im<br />
Probebetrieb ist, wird im April folgen.<br />
Von den derzeit vorhandenen drei<br />
KT8 (ex Košice) soll langfristig einer<br />
als Reserve in Strausberg bleiben, für<br />
Bremen<br />
Wegmann-Abschied und neue Strecke<br />
Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und die Freunde<br />
der Bremer Straßenbahn (FdBS) schickten am 10. März<br />
2013 aus Anlass des nahenden Einsatzendes der Wegmann-Stadtbahnwagen<br />
im Personenverkehr mit dem<br />
dreiach sigen Gelenk-Triebwagen 917 und dem Hansa-<br />
Kurzgelenkwagen 446 zwei „echte“ und mit den Wegmann-Triebwagen<br />
3524 und 3530 zwei „Fast“-Museumswagen<br />
in den Einsatz zwischen Sebaldsbrück und<br />
Innenstadt. Im Wesentlichen galt der Tag aber den letzten<br />
beiden <strong>noch</strong> einsatzbereiten Wegmann-Zügen. Die zwei<br />
zum Schluss nur <strong>noch</strong> zu Heimspielen des SV Werder Bremen<br />
eingesetzten Einheiten stehen inzwischen nicht mehr<br />
die anderen beiden interessiert sich<br />
die Prager Straßenbahn. Einen Zeitplan<br />
für die Wagenabgabe gibt es derzeit<br />
<strong>noch</strong> nicht.<br />
BEKUS<br />
Weltweit<br />
Ukraine: Kiew<br />
Schlechter Start für<br />
Neubaustrecke<br />
Die zwischen Januar 2009 und Oktober<br />
2012 stillgelegte und nun nach<br />
Modernisierung wieder in Betrieb genommene<br />
Schnellstraßenbahnstrecke<br />
am östlichen Ufer des Dnepr wird gerade<br />
außerhalb des Berufsverkehrs nur<br />
mäßig in Anspruch genommen. Im Zuge<br />
der Modernisierung wurde die Strecke<br />
im Süden um 1,3 km zur neuen<br />
Bahnstation Troješcyna-2 verlängert,<br />
von wo aus Fahrgäste (auch dank eines<br />
neuen Gemeinschaftstarifs zwischen<br />
Staatsbahn und kommunalen<br />
Verkehrsmitteln) von der S-Bahn aus<br />
Richtung Westufer umsteigen sollten.<br />
Da die Staatsbahn zuletzt aber ihren<br />
S-Bahn-Verkehr stark reduziert und in<br />
Bremen: Im<br />
März bzw. April<br />
ging mit der<br />
Ausmusterung<br />
der letzten beiden<br />
Wegman-<br />
Stadtbahnwagen<br />
eine Ära<br />
zu Ende<br />
A. MAUSOLF<br />
im Personenverkehr. Allerdings wird es einen Wegmann-<br />
Museumszug geben und auch als Fahrschule der BSAG<br />
werden weiterhin zwei Vertreter dieses Typs auf Bremens<br />
Straßen zu sehen sein. Der sechsachsige Partywagen der<br />
BSAG wird natürlich ebenfalls weiter im Einsatz stehen.<br />
Wenn auch der erneute Wintereinbruch die Restarbeiten<br />
behinderte, so konnte der letzte Bauabschnitt der<br />
Linie 1 von Nußhorn bis zum Bahnhof Mahndorf am<br />
2. April dem Betrieb übergeben werden. Aufgrund wit te -<br />
rungs bedingter Bauverzögerungen bestand zum Eröff -<br />
nungs zeitpunkt <strong>noch</strong> ein bauliches Provisorium bei den<br />
Nebenanlagen. Mehr dazu in Heft 7/2013!<br />
AMF<br />
diesem Bereich von 9 bis 16 Uhr komplett<br />
eingestellt hat, wird die neue Linie<br />
4 mangels Zubringerzügen tagsüber<br />
den<strong>noch</strong> kaum genutzt. Deshalb<br />
wurde bereits der Fahrplan der Linie 4,<br />
von der die Schnellstraßenbahnstrecke<br />
bedient wird, vom anfänglichen Vier-<br />
Minutentakt mittlerweile auf eine Frequenz<br />
zwischen sechs und zehn Minuten<br />
gedehnt. Für die Strecke, die<br />
langfristig weiter verlängert und ggf.<br />
sogar ins Metronetz eingegliedert<br />
werden sollte, sind demnächst weitere<br />
Fahrplaneinschränkungen zu erwar-<br />
CAF: In den Freiburger Hausfarben rot, weiß und schwarz werden bis 2017<br />
zwölf Urbos-Straßenbahnen durch die Breisgau-Metropole rollen VAG<br />
Bombardier: Etwa einen Monat nach der Auslieferung begann für Tw 0041,<br />
dem ersten der beiden Strausberger Flexitys, der Plan-Einsatz B. KUSSMAGK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
13
Aktuell<br />
Kiew: Die neue Linie 4 ist mangels Anschlusszügen bislang ein eher missglücktes Projekt. Vierachsige Solo-Tw<br />
reichen zu den meisten Tageszeiten aus<br />
W. WENDELIN<br />
ten. Damit der Bahnhof Troješcyna-2<br />
während der Fahrplanlücken bei der S-<br />
Bahn nicht mehr angefahren werden<br />
muss, ist derzeit eine neuerliche Anbindung<br />
der alten südlichen Wendeschleife<br />
Prosp. H. Vatutina in Arbeit.<br />
Zwischenzeitlich wurde von einzelnen<br />
Politikern sogar die abermalige Einstellung<br />
der Strecke gefordert.<br />
Die 6,5 km lange Schnellstraßenbahnstrecke<br />
wird zu den meisten Tageszeiten<br />
im Inselbetrieb, also ohne<br />
Anschluss an das restliche Straßenbahnnetz,<br />
betrieben. Es besteht zwar<br />
eine 400 m lange Verbindungsstrecke,<br />
auf dieser verkehrt aber nur die Berufsverkehrs-Linie<br />
5.<br />
WWE<br />
Schweiz: Neuchâtel<br />
Arbeitswagen auf<br />
Oldtimerfahrt<br />
Zu einer außergewöhnlichen Foto-<br />
Sonderfahrt lud der <strong>Tram</strong>club ANAT<br />
(Association Neuchâteloise des Amis<br />
du <strong>Tram</strong>way) für den 10. März ein. Im<br />
Zentrum stand der 1911 gelieferte<br />
Dienstwagen Xe 2/2 601, der mit dem<br />
einstigen Pferdebahnanhänger B2 1<br />
von 1894 behängt war. Eine seltene<br />
Kombination, bei der eine Übergangskupplung<br />
nötig ist. Weil der einstige<br />
Wassersprengwagen einseitig mit<br />
Schneepflug ausgerüstet ist, war diese<br />
Fahrt nur in einer Richtung möglich, so<br />
dass für die Rückführung des Anhängers<br />
der Be 2/2 73 von 1922 nachreiste.<br />
Das so für die Rückfahrt gebildete<br />
Gespann entsprach den verstärkten<br />
Kursen der 1964 auf Trolleybus umgestellten<br />
städtischen Linie 7.<br />
Letzter Vertreter des einstigen Meterspurnetzes<br />
der Stadt Neuchâtel ist<br />
die neun km lange Überlandlinie 5<br />
entlang des Neuenburger Sees nach<br />
Boudry, deren Züge zwar nicht auf den<br />
Neuchâtel: Der Arbeitswagen Xe 2/2 601 bildete mit dem Pferdebahnwagen<br />
B2 1 ein seltenes aber fotogenes Gespann<br />
T. KELLER<br />
übrigen Linien des Stadtnetzes fahren<br />
konnten; die Fahrzeuge des Stadtnetzes<br />
kamen aber sehr wohl auf der Linie<br />
5 zum Einsatz.<br />
TKE<br />
Spanien: Palma de Mallorca<br />
Metro auf regionaler<br />
Bahnstrecke<br />
Am 13. März wurde in Palma neben<br />
der 2007 eröffneten Uni-Linie<br />
(jetzt M1) eine zweite Metrolinie eingerichtet.<br />
Die Linie M2 fährt unter der<br />
Woche alle 20 Minuten auf dem 8,2<br />
km langen städtischen Abschnitt der<br />
kürzlich elektrifizierten Regionalbahnstrecke<br />
Richtung Inca, wobei die Züge<br />
zwischen Plaça d’Espanya (Estació Intermodal)<br />
und Marratxí an allen acht<br />
Zwischenstationen halten. Die bisher<br />
hier haltenden Regionalzüge können<br />
damit als Express durchfahren und<br />
sparen somit sechs Minuten Fahrzeit.<br />
Wie bei den spanischen Metros heute<br />
generell üblich, fährt auch die M2 im<br />
Oberleitungsbetrieb, was den Mischbetrieb<br />
mit der Regionalbahn nach Inca<br />
ermöglicht.<br />
RSC<br />
Spanien: Zaragoza<br />
Nord-Süd-Linie<br />
verlängert<br />
Rechtzeitig zur Semana Santa, in<br />
der in zahlreichen spanischen Städten<br />
Osterumzüge stattfinden, wurde in Zaragoza<br />
am 23. März 2013 der 5,5 km<br />
lange nördliche Abschnitt der bislang<br />
einzigen Straßenbahnlinie in Betrieb<br />
genommen, nachdem im Laufe des<br />
letzten Jahres bereits zwei kürzere<br />
oberleitungslose Teilstücke durch die<br />
Innenstadt eröffnet worden waren, wo<br />
die Urbos 3-Fahrzeuge von CAF im<br />
Schnelllade-Batteriemodus fahren. Die<br />
erst im April 2011 eröffnete Nord-Süd-<br />
Linie hat nun eine Gesamtlänge von<br />
12,8 km und 25 Haltestellen. RSC<br />
Italien: Brescia<br />
Metro eröffnet<br />
In der norditalienischen Stadt Brescia<br />
(200.000 Einwohner) wurde am 2.<br />
März 2013 eine 13 km lange fahrerlose<br />
Metrolinie mit 17 Stationen in Betrieb<br />
genommen. Dabei wurde das<br />
von AnsaldoBreda für Kopenhagen<br />
entwickelte System weitgehend übernommen,<br />
bei dem 2,65 m breite und<br />
39 m lange, dreiteilige Züge zum Einsatz<br />
kommen. Die Strecke verläuft von<br />
der nördlichen Endstation Prealpino<br />
erst in einem in offener Bauweise entstandenen<br />
Tunnel bis Europa, taucht<br />
dann ab Ospedale in einen tiefen<br />
zweigleisigen Röhrentunnel unter der<br />
Innenstadt ab und kommt schließlich<br />
hinter der Station Volta an die Ober -<br />
fläche. Bis auf die Station San Polo liegen<br />
die restlichen Bahnhöfe oberirdisch,<br />
davon die letzten beiden in<br />
Hochlage. Die Betriebswerkstatt befindet<br />
sich hinter der südlichen Endstation<br />
Sant’Eufemia-Buffalora.<br />
Trotz des Schildvortriebs im Stadtzentrum<br />
wurden auch hier alle ohnehin<br />
nur knapp 40 m langen Stationen<br />
in offener Bauweise errichtet, wodurch<br />
in den meisten Fällen imposante<br />
offene Räume mit Tageslicht -<br />
öffnungen entstanden. Anders als in<br />
Kopenhagen sind auch die oberirdischen<br />
Stationen mit Bahnsteigtüren<br />
ausgestattet. Fast zeitgleich, nämlich<br />
am 10. Februar 2013, ging im 80 km<br />
entfernten Mailand der erste Abschnitt<br />
der Linie M5 (Zara – Bignami) in Betrieb,<br />
die bis auf den Einsatz von vier-<br />
Brescia: Nur an ihrem südlichen<br />
Ende fährt Italiens jüngste Metro<br />
oberirdisch, hier nahe der Station<br />
San Polo Parco<br />
R. SCHWANDL<br />
14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Weltweit<br />
Oranjestad: Die neuen <strong>Tram</strong>s wurden<br />
bewusst in einem nostalgischen<br />
Outfit als offene Wagen gestaltet<br />
NOBLE KOMMUNIKATION<br />
teiligen Zügen ebenfalls mit dem Kopenhagener<br />
System identisch ist. RSC<br />
Niederlande: Oranjestad<br />
Neue Touristen-<strong>Tram</strong><br />
In Oranjestad, der Hauptstadt der<br />
niederländischen Antillen-Insel Aruba,<br />
wurde am 22. Dezember offiziell ein<br />
neuer Straßenbahn-Betrieb eingeweiht.<br />
Der Fahrgastverkehr startete allerdings<br />
erst am 19. Februar. Es handelt<br />
sich um eine Touristen-<strong>Tram</strong>, die<br />
auf ihrer knapp drei km langen Strecke<br />
den Kreuzfahrt-Terminal mit der<br />
Innenstadt verbindet. Für die kleine<br />
Bahn genügen drei Triebwagen. Nach<br />
offiziellen Angaben werden die Bahnen<br />
mit Solar-Energie betrieben; eine<br />
Oberleitung gibt es nicht. Die Bahn<br />
hält an acht Stationen. Montags bis<br />
samstags wird im Zwölf-Minuten-Takt<br />
gefahren, sonntags herrscht Betriebsruhe.<br />
SM<br />
Schweiz: Zürich Uetlibergbahn<br />
Bergstation verschoben<br />
Etwa 370 Strecken- und 23 Höhenmeter<br />
von der eigentlichen Bergstation<br />
entfernt halten die Züge der Uetlibergbahn<br />
seit dem 4. März und<br />
voraussichtlich bis Mitte Juli an einer<br />
provisorischen Endstelle. In dieser Zeit<br />
wird die Station Uetliberg auf dem<br />
gleichnamigen Zürcher Hausberg modernisiert<br />
und barrierefrei ausgebaut.<br />
Der Ausbau am bergseitigen Ende der<br />
Strecke ist Bestandteil einer generellen<br />
Ertüchtigung der Bahnhöfe, die anlässlich<br />
des zum Jahresende anstehenden<br />
Einsatzes sechs neuer Niederflur-<br />
Triebzüge von Stadler durchgeführt<br />
wird. Durch die bevorstehende Ergän-<br />
Utrecht: Die von SIG gebauten Sneltram-Fahrzeuge erhielten seit der Eröffnung des Stadtbahnbetriebs 1983<br />
bereits ihre dritte Hauslackierung<br />
M. BEITELSMANN<br />
Niederlande: Utrecht<br />
»Relaunch« für die Sneltrams,<br />
Abstellgleis für die Wiener<br />
zung der Flotte sollen künftig auch<br />
Doppeltraktionen zum Einsatz kommen,<br />
wofür an einigen Stationen die<br />
Bahnsteige verlängert werden mussten<br />
bzw. müssen.<br />
Die Uetlibergbahn überwindet auf<br />
ihrer Strecke vom Hauptbahnhof zum<br />
Uetliberg gut 400 Meter im Adhäsionsbetrieb.<br />
Auf ihrem städtischen Abschnitt<br />
zwischen Hauptbahnhof und<br />
Triemli fährt sie als moderne Stadtschnellbahn<br />
mit beschrankten Bahnübergängen,<br />
während sie auf dem<br />
steigungsreichen Abschnitt auf den<br />
Uetliberg primär dem Ausflugsverkehr<br />
dient.<br />
PKR<br />
Zürich: Die Uetlibergbahn wird<br />
<strong>noch</strong> bis Mitte Juli an einer idyllisch<br />
gelegenen provisorischen<br />
Bergstation enden P. KRAMMER<br />
Seit der Stadtbahnbetrieb 1983 eröffnet wurde, bewältigen<br />
insgesamt 27 sechsachsige Hochflur-Gelenktriebwagen<br />
(Sneltrams) der Schweizer Firma SIG aus Neuhausen<br />
den Verkehr auf den beiden Linien. Waren sie zunächst in<br />
einem gelb-orangenen Lack unterwegs, wurden sie von<br />
2000 bis 2001 bei PFA in Weiden erstmals vollständig modernisiert<br />
und erhielten dort die grüne Farbgebung des damaligen<br />
Betreibers Connexxion. Da kurzfristig kein Ersatz<br />
für die Bahnen in Sicht ist, wurden sie nun ein weiteres<br />
Mal saniert und erhielten erneut eine hellgelbe Lackierung,<br />
dieses Mal aber mit in Dunkelgrau gehaltenen seitlichen<br />
Kontrastflächen. Mittlerweile sind alle Züge erneuert, so<br />
dass die angespannte Fahrzeugsituation zunächst überwunden<br />
ist. Damit kann auch auf den Einsatz der 2008 aus<br />
Wien übernommenen Stadtbahnzüge, die dort zuvor auf<br />
der Linie U6 im Einsatz waren, verzichtet werden. Mit diesen<br />
Bahnen <strong>hatte</strong> man in Utrecht kein Glück: Dauerte es<br />
zunächst fast zwei Jahre, bis alle technischen Probleme behoben<br />
waren und die rot-weißen Bahnen in der Hauptverkehrszeit<br />
zum Einsatz kamen, endete der Einsatz 2011 wieder<br />
weitestgehend. Da es erhöhte Verschleißerscheinungen<br />
an manchen Stellen im Gleisnetz gab, wurden die Bahnen<br />
nur <strong>noch</strong> zaghaft eingesetzt. Sollte der geplante Verkauf<br />
scheitern, müssten die Gebrauchtwagen verschrottet werden.<br />
Die polnische Stadt Krakau hat allerdings bereits Interesse<br />
an den Fahrzeugen bekundet.<br />
MBE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
15
Betriebe<br />
Einmal quer durch<br />
den Elbtalkessel<br />
Dresdens Linie 7 im Porträt Mit 23 km ist sie die zweitlängste <strong>Tram</strong>linie der DVB und<br />
verbindet den höchsten Punkt des Netzes mit dem Dresdner Norden. Dabei führt die »7«<br />
von den west lichen Wohngebieten über den Hauptbahnhof, durch das Stadtzentrum und<br />
das Szeneviertel Neustadt bis an den Rand der Dresdner Heide<br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Dresden<br />
Neben der Pferdekoppel am Endpunkt Pennrich stehen am 15. April 2009 ein Niederflurwagen<br />
der Linie 7 und ein Tatrazug als Werkstattfahrt einträchtig nebeneinander<br />
Am 14. März 2013 <strong>hatte</strong> der Winter<br />
Dresden <strong>noch</strong> fest im Griff, als ein Zug<br />
der Linie 7 die Carolabrücke passierte<br />
Ihrem heutigen Verlauf folgt die Linie 7<br />
seit 29. November 2008, als die Verlängerung<br />
Gorbitz – Pennrich in Betrieb<br />
genommen wurde (siehe SM 3/2009).<br />
Damit sind wir bereits am Ausgangspunkt<br />
unserer Reise: Dem sich via Autobahn aus<br />
Westen Dresden näherndem Besucher sei<br />
empfohlen, nach wenigen Metern auf der<br />
A17 über die Abfahrt Dresden-Gorbitz den<br />
P& R-Platz direkt an der Endhaltestelle anzusteuern,<br />
wo das gummibereifte Vehikel<br />
geparkt werden und die Reise mit der Straßenbahn<br />
beginnen kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />
wird sich der Gast nun in<br />
einem der 43 je 45 m langen NGT D12 DD<br />
wiederfinden, dem auf dieser Linie am häufigsten<br />
eingesetzten Wagentyp. Die Automaten<br />
in den Fahrzeugen bieten ein ausgewähltes<br />
Fahrkartensortiment, für eine<br />
entspannte Streckenerkundung empfiehlt<br />
sich die Tageskarte.<br />
Im Abendlicht des 12. April 2012 passiert Tw 2815 das Verwaltungsgebäude des früheren<br />
Straßenbahnhofs Naußlitz<br />
Vorbei an den Löbtauer „Kaffeemühlenhäusern“ führt die Fahrt der Linie 7 über die Kesselsdorfer<br />
Straße<br />
BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: M. SPERL<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
17
Betriebe<br />
Vor der imposanten Halle des 1898 eingeweihten Dresdner Hauptbahnhofs biegt die Linie 7 auf die das Zentrum der Landeshauptstadt durchquerende<br />
Nord-Süd-Verbindung ein. Von Süden münden die Linien 3 und 8 und von Osten die Linien 9 und 11 ein<br />
Nur mit wenigen Kursen auf Linie 7 anzutreffen sind die 42 Meter langen NGT 8 DD, wie hier<br />
Triebwagen 2711 unweit des Hauptbahnhofs<br />
Schon mit dem ersten Anrollen geht es im<br />
Folgenden nur <strong>noch</strong> abwärts, da die Gleisschleife<br />
Pennrich mit 298,4 m zugleich den<br />
höchsten Punkt des Dresdner Straßenbahnnetzes<br />
markiert. Der erste Teil der Fahrt führt<br />
nun vorbei am Bus-Verknüpfungspunkt und<br />
zweiten P + R-Platz „Gompitzer Höhe“ (hier<br />
steht ein Fahrkartenautomat), an der vierspurig<br />
als Autobahnzubringer ausgebauten<br />
Bundesstraße 173 und diversen Gewerbeansiedlungen<br />
und Autohäusern in flotter<br />
Fahrt talwärts. Die Bremskraft der Wagen<br />
ist dabei zur Einhaltung der zulässigen<br />
Höchstgeschwindigkeit voll gefordert. Kurzzeitig<br />
öffnet sich hier vorwärts der Blick auf<br />
den Elbtalkessel, die Stadt liegt dem Betrachter<br />
buchstäblich zu Füßen. Nach durchqueren<br />
eines kurzen brachliegenden Geländeabschnittes<br />
– immer <strong>noch</strong> parallel zur<br />
B173, die in einem kurzen Tunnel unter der<br />
Haltestelle Altnossener Straße auf die andere<br />
Gleisseite geführt wird – ist das Plattenbau-Wohngebiet<br />
Gorbitz erreicht. Zur Rechten<br />
sehen wir die Gleisschleife Gorbitz mit<br />
dem dahinter liegenden Betriebshof einschließlich<br />
der Hauptwerkstatt der Verkehrsbetriebe,<br />
die 1996 eröffnet wurden und<br />
11.000 m² Fläche umfassen.<br />
Mitten durch die »Platte«<br />
Die Linie 2 begleitet nun den Lauf der „7“<br />
für die nächsten vier Haltestellen durch die<br />
in den 1980er Jahren angelegte Plattenbausiedlung.<br />
Rechts der Fahrtrichtung ist zu<br />
erkennen, wie auf die in den vergangenen<br />
Jahren schwindende Einwohnerschaft dieses<br />
Viertels sowohl mit Abbruch ganzer<br />
Wohnblocks als auch mit der kreativen ar-<br />
chitektonischen Aufwertung durch Abbau<br />
einzelner Stockwerke – sogenannte „Kräutersiedlung“<br />
– reagiert wurde.<br />
Beim Merianplatz schließt das Erlebnisbad<br />
Elbamare unmittelbar an den Haltestellenbereich<br />
an und am Gleisdreieck J.-<br />
Vahlteich-Straße trennen sich die Wege der<br />
„2“ und „7“: Wir fahren nach rechts ein kurzes<br />
Stück bis zur Kesselsdorfer Straße und<br />
nach einem 90°-Linksbogen auf selbiger weiter<br />
stadteinwärts.<br />
Rechterhand belebt ein Einkaufsmarkt<br />
den denkmalgeschützten einstigen Straßenbahn-<br />
und Bushof Naußlitz (1902–1996 in<br />
Betrieb), von dem aus 1969 übrigens der Linieneinsatz<br />
von Tatrawagen in Dresden begann.<br />
Diesem gegenüber liegt auf der anderen<br />
Straßenseite die Gleisschleife Wölfnitz,<br />
die von einer Kleingartensparte tangiert als<br />
Endpunkt der Linie 6 fungiert, mit der unsere<br />
Linie 7 wiederum die folgenden vier<br />
Halte gemeinsam bedient.<br />
»Kaffeemühlen« und ein Friedhof<br />
Nun befinden wir uns inmitten des Stadtteils<br />
Löbtau, der von weitgehend erhaltener Vorkriegsarchitektur<br />
geprägt ist. Viele Gebäude<br />
erinnern mit ihrem würfelartigen Aussehen<br />
an die Form klassischer Kaffeemühlen, was<br />
ihnen den entsprechenden Spitznamen einbrachte.<br />
Links mündet von der Rudolf-Renner-Straße<br />
die Linie 12 ein, rechts der Kesselsdorfer<br />
Straße befindet sich der Neue<br />
Annenfriedhof. Dieser war bei seiner Einweihung<br />
1875 mit einer nach Vorbild der italienischen<br />
Camposanto-Architektur errichteten,<br />
monumentalen Kuppelhalle versehen,<br />
an die jedoch nur die erhaltenen Säulengänge<br />
der Seitenflügel erinnern. Augenblicke später<br />
ist der Knoten Tharandter Straße erreicht.<br />
Hier tummeln sich neben den Straßenbahnlinien<br />
6, 7 und 12 die Busse der 61/E61,<br />
63, 90 sowie die Linien A und 333 des Re-<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Dresden<br />
Einen guten Ausblick bieten die NGT D12 DD auf Stadt und Strecke. Dresdens Straßenbahn einschließlich der Linie 7 fährt<br />
rund um die Uhr. Ob bei Tag oder bei Nacht, wie die rechte Aufnahme an der Haltestelle Hauptbahnhof Nord zeigt<br />
Blick von der<br />
Brühlschen<br />
Terrasse auf die<br />
Carolabrücke und<br />
die sächsische<br />
Staatskanzlei<br />
gionalverkehr Dresden (RVD). Leider konnte<br />
das „liberale“ politische Lager lange nicht<br />
überzeugt werden, dass werktags 36 stündliche<br />
Straßenbahnabfahrten, über 30 Busabfahrten<br />
bzw. -ankünfte sowie zusätzliche<br />
Verstärkerkurse einen autofreien Haltestellenbereich<br />
rechtfertigen, so dass sich zwischen<br />
Bahnen, Bussen und Umsteigern <strong>noch</strong><br />
immer die Pkw hindurchzwängen.<br />
Über die Weißeritz<br />
Die Reise führt weiter über die 1837 errichtete<br />
Weißeritzbrücke auf die Freiberger Straße<br />
und wenig später am einstigen Kohlenbahnhof<br />
vorbei – heute residiert hier ein<br />
Schrotthändler. Es folgt der nach dieser Straße<br />
benannte S-Bahnhof. Nach dem Unterqueren<br />
der Eisenbahngleise biegt die Linie<br />
7 im Tagesverkehr nach rechts ab<br />
und folgt dem Bahndamm bis zum<br />
Dresdner Hbf, während nachts zwischen<br />
1 und 4 Uhr direkt Kurs auf das<br />
Herz des Dresdner <strong>Tram</strong>netzes, den<br />
Postplatz, genommen wird.<br />
Wir bleiben auf dem Tageslinienweg<br />
und erreichen nach der Fahrt<br />
unter der Brücke Budapester Straße<br />
und Vorbeifahrt am Bushof des<br />
GRAFIK: M. SPERL<br />
Daten & Fakten: Linie 7<br />
Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . 23 km<br />
Spurweite . . . . . . . . . . . . . . 1.450 mm<br />
Fahrzeugeinsatz. . . . . . . NGT D12 DD,<br />
Bj. 2003-10<br />
NGT 8 DD, Bj. 2001/02<br />
Takt der Linie 7. . . . . . Mo–Fr: 10 Min.<br />
Sa: 10/15 Min.<br />
So: 15 Min.<br />
Tarif . . . . VVO-Tarifzone 10 (Dresden)<br />
Gesamtstrecke . Einzelfahrt 1h: 2,00 €<br />
Tageskarte: 5,50 €<br />
19
Betriebe<br />
Den Albertplatz in der Dresdner Neustadt überragt das einst als Verwaltungsgebäude der Verkehrsbetriebe genutzte Hochhaus, vor dem am<br />
25. Januar 2008 der Triebwagen 2826 in die in die nicht nur tagsüber stark frequentierte Haltestelle einfährt<br />
Der Triebwagen 2813 rollt am Abzweig nach<br />
Hellerau (Haltestelle Infineon Süd) in den<br />
Dresdner Elbtalkessel hinab. Im Bereich der<br />
Station befinden sich zahlreiche Unternehmen<br />
der Halbleiterindustrie<br />
RVD den seit über 20 Jahren in Generalsanierung<br />
befindlichen Dresdner Hauptbahnhof.<br />
Dessen Besonderheit sind die außen auf Brückenkonstruktionen<br />
gelagerten Durchgangsgleise<br />
in Kombination mit dem in der Mitte<br />
ebenerdig angelegten Kopfbahnhofteil, an den<br />
sich die Kuppelhalle anschließt. Die 1897 fertiggestellte,<br />
dreischiffige Stahlbogenkonstruktion<br />
über den Bahnsteigen wurde bis 2006 mit<br />
einem lichtdurchlässigen Teflon-Dach nach<br />
Entwürfen von Sir Norman Foster überspannt<br />
und wirkt seither heller und einladender.<br />
Der vorgelagerte Haltestellenbereich für<br />
die <strong>Tram</strong> auf dem Wiener Platz ist zugleich<br />
das Tor zur „Shoppingmeile“ Prager Straße<br />
und seit knapp einem Jahrzehnt mit viel Glas<br />
komplett umgestaltet, die umliegende Bebauung<br />
mit dem „Kugelhaus“ stammt aus<br />
derselben Zeit.<br />
Über die »Nord-Süd-Verbindung«<br />
Wir biegen nun wiederum 90 Grad nach<br />
links in die St. Petersburger Straße ein, wo<br />
sich unsere „7“ mit den Linien 3, 8, 9 und<br />
11 die Gleise bis zum Georgplatz teilt – dies<br />
ist zugleich der am stärksten frequentierte<br />
Streckenabschnitt der Dresdner Straßenbahn.<br />
Vorbei am Kino „Kristallpalast“ und<br />
am Rathaus ist schnell der Pirnaische Platz<br />
erreicht, wo die Linien 1, 2 und 4 der Ost-<br />
West-Richtung kreuzen. Nächster Stopp ist<br />
dann schon auf der Rampe zur Carolabrücke<br />
vor der 2001 fertiggestellten neuen Synagoge.<br />
Das benachbarte Albertinum bietet mit<br />
Skulpturensammlung und Galerie Neue<br />
Meister Sehenswertes für alle Kulturinteressierten.<br />
Hier empfiehlt sich der Ausstieg zudem<br />
für all jene, die zum barocken Herz<br />
Dresdens rund um Neumarkt, Frauenkirche,<br />
Schloss und Brühlsche Terrasse flanieren<br />
wollen.<br />
20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Dresden<br />
Blick durch den Fahrgastraum von einem 45 m<br />
langen NGT D12 DD.<br />
Via Carolabrücke wechselt die Linie 7<br />
über die Elbe auf die Neustädter Seite, wo<br />
als erstes im Regierungsviertel zwischen<br />
Staatskanzlei, Wirtschafts- und Finanzministerium<br />
am Carolaplatz gehalten wird.<br />
Nur wenige Schritte von hier entfernt bieten<br />
die alljährlich im Sommer stattfindenden<br />
Filmnächte am Elbufer ein abwechslungsreiches<br />
Unterhaltungsprogramm mit Konzerten<br />
und Filmen vor der Dresdner „Skyline“<br />
aus Hofkirche, Schlossturm und der<br />
großen Steinkuppel der Frauenkirche.<br />
Die Linie 7 erreicht nun eingebettet in einer<br />
Grünanlage zwischen den imposanten<br />
Zwillingsbrunnen „Stille Wasser“ und „Stürmische<br />
Wogen“ die Haltestelle Albertplatz,<br />
nördlich der Kreuzung steht das während<br />
der DDR-Zeit als Verwaltung der Verkehrsbetriebe<br />
dienende, denkmalgeschützte Hochhaus<br />
von 1929.<br />
Überlandbahnflair in Weixdorf, wo die Linie 7 zwischen Gleisschleife und Haltepunkt Weixdorf<br />
Bad auf eigenem Bahnkörper zwischen den Gärten der Anwohner hindurch fährt<br />
Nordwärts auf der »Königsbrücker«<br />
Hier oder am nächsten Halt Louisenstraße<br />
geht es per pedes in wenigen Minuten mitten<br />
hinein ins Szeneviertel Neustadt mit<br />
seinen unzähligen Bars und Kneipen auf engen<br />
Straßen mit der Gründerzeitbebauung.<br />
Diese sind auch von der nachfolgenden Haltestelle<br />
Bischofsweg gut erreichbar. Hier<br />
steigt zudem aus, wer zur Linie 13 wechseln<br />
oder ins Kultkino „Schauburg“ möchte.<br />
Nach queren des Bischofsweges steigt die<br />
Königsbrücker Straße bergan, vorbei am<br />
Goethe-Institut und dem MDR-Landesfunkhaus<br />
wird die Stauffenbergallee gekreuzt.<br />
Von der gleichnamigen Haltestelle in<br />
wenigen Minuten erreichbar ist das auch architektonisch<br />
herausragende Militärhistorische<br />
Museum der Bundeswehr am Olbrichtplatz,<br />
dass seinen Schwerpunkt heute<br />
weniger in technikgeschichtlicher, sondern<br />
vielmehr in kulturhistorischer Dokumentation<br />
sieht und zur kritischen Auseinandersetzung<br />
mit der (Militär-)Geschichte anregen<br />
will.<br />
Nach Verschwenkung der Gleistrasse nach<br />
links in Straßenseitenlage macht die Linie 7<br />
auf ihrer stetig bergan führenden Fahrt an<br />
der früheren Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei<br />
den nächsten Stopp, wo das Stadtarchiv<br />
seinen Sitz hat. Am folgenden Halt<br />
„Industriegelände“ ist zwar von rauchenden<br />
Schloten und Arbeitern nicht mehr viel zu<br />
sehen, jedoch spielt sich in den alten Hallen<br />
am Wochenende mittlerweile buntes Partyleben<br />
ab, auf dem früheren Fabrikareal haben<br />
sich mehrere Lokale etabliert.<br />
Zwischen Heide und High-Tech<br />
Nun kreuzt die Straßenbahn gemeinsam mit<br />
der Königsbrücker Straße die Eisenbahnstrecke<br />
Dresden – Görlitz, wenig später zweigen<br />
nach links zwischen vielen Bäumen die Glei-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
21
Betriebe<br />
Meist eingleisig geht es durch Dresden-Klotzsche, hier Triebwagen 2823 kurz nach dem Käthe-Kollwitz-Platz<br />
se zur gemeinhin als „Diebsteig“ bezeichneten<br />
Zwischenwendeschleife ab, die einst als<br />
Endpunkt für die Verstärkerfahrten des Berufsverkehrs<br />
zum Industriegelände fungierte.<br />
Links der Gleise erstreckt sich auf den nächsten<br />
1,3 km ein Waldgebiet als Ausläufer der<br />
Dresdner Heide, rechterhand finden sich jenseits<br />
der hier vierspurigen Straße verschiedene<br />
Ansiedlungen der Halbleiterindustrie.<br />
Die Linie 8, vom Carolaplatz treuer Begleiter<br />
des Weges unserer „7“, biegt etwa in<br />
der Mitte des Waldes in diesen ein, um ihren<br />
Endpunkt in Hellerau zu erreichen. Die Trasse<br />
Richtung Weixdorf, der wir weiter folgen,<br />
schwenkt nach einem kurzen, relativ steilen<br />
Abschnitt nach rechts zurück in das Straßenplanum,<br />
an dieser Stelle markiert ein Unterwerk<br />
links der Fahrtrichtung die frühere<br />
Einfahrt des seit einigen Jahren abgerissenen<br />
Straßenbahnhofs Klotzsche (1916–1994 in<br />
Betrieb).<br />
Eingleisig durch Klotzsche<br />
An der folgenden Haltestelle Karl-Marx-<br />
Straße wird die Strecke eingleisig und führt<br />
im Gefälle vorbei an Villen und kleineren<br />
Häusern bis an die Ausweiche „Zur neuen<br />
Brücke“. Das Kurhaus Klotzsche dominiert<br />
den anschließenden Kreuzungsbereich, die<br />
Strecke verläuft weiter eingleisig auf der hier<br />
verhältnismäßig schmalen Königsbrücker<br />
Landstraße zum Käthe-Kollwitz-Platz, wo<br />
wieder ein zweites Streckengleis liegt und<br />
überdies ein Wendedreieck in die Selliner<br />
Straße hinein führt. Beim folgenden Halt Arkonastraße<br />
– rechts der Haltestelle sind in<br />
letzter Zeit zahlreiche Neubauten entstanden<br />
– beginnt wieder ein Abschnitt auf eigenem<br />
Bahnkörper. Dieser ist weichenlos als<br />
Gleisverschlingung bis zur Eisenbahnbrücke<br />
ausgeführt, mittels der die Flughafen-S-Bahn<br />
Straße und Straßenbahn überquert.<br />
Ländlich auf dem letzten Abschnitt<br />
Am Rand der Dresdner Heide entlang wird<br />
nun die Ausweiche Fuchsberg erreicht, hier<br />
hat die Bebauung mit vorwiegend Einfamilienhäusern<br />
schon fast ländlichen Charakter.<br />
Vorbei an einem sächsischen Bahnwärterhaus<br />
– einst wurde ein Teil der heutigen<br />
Straßenbahntrasse von der Schmalspurbahn<br />
nach Königsbrück genutzt – und am inzwischen<br />
geschlossenen „Gasthaus zur Kurve“<br />
biegt die Linie 7 in die Brühler Straße ein,<br />
wo nach zahlreichen kleinen Häuschen und<br />
• „KITZO Alpenstüberl“ – Haltestelle Gompitzer<br />
Höhe: Rustikal deftige Speisen in einem einmaligen<br />
gemütlichen Ambiente.<br />
• „Treppchen“ – Haltestelle Malterstraße: Einer<br />
der gemütlichsten Dresdner Treffs mit liebevoll<br />
ausgebauten, urgemütlichen Kellergewölbe, im<br />
Sommer Biergarten im Hof.<br />
• „Schwerelos – das Raumschiffrestaurant“ – Haltestelle<br />
Hauptbahnhof: Im Dachgeschoss des<br />
Kugelhaus am Wiener Platz mit Aussicht auf den<br />
Vorgärten die letzte Ausweiche der Strecke<br />
am Bahnhaltepunkt Weixdorf Bad erreicht<br />
wird.<br />
Das rechterhand an einen kleinen Park anschließende<br />
Stationsgebäude der Bahnstrecke<br />
Dresden – Königsbrück konnte durch<br />
die Umnutzung als „Dixiebahnhof“ vor dem<br />
Verfall bewahrt werden, hier werden statt<br />
Fahrscheinen nun Musik und Kulturveranstaltungen<br />
feilgeboten.<br />
Das letzte Stück unserer ab Pennrich einstündigen<br />
Fahrt verläuft <strong>noch</strong>mals eingleisig<br />
in einem langgezogenen Bogen zur Kreuzung<br />
mit der Rathenaustraße, an die sich unmittelbar<br />
die Endhaltestelle mit Gleisschleife anschließt.<br />
Mit einem kleinen Fußweg sind von<br />
hier die Bahnhaltepunkte Weixdorf oder<br />
Weixdorf Bad erreichbar, von denen ein- bis<br />
zweistündlich die „Städtebahn“ zum Bahnhof<br />
Dresden Neustadt fährt. MICHAEL SPERL<br />
Kulinarisches von Pennrich bis Klotzsche<br />
Hauptbahnhof, hier kommt das Essen auf einer<br />
Achterbahn!<br />
• „WQ-Bar“ – Haltestelle Albertplatz: Bar mit bester<br />
Aussicht auf den Albertplatz.<br />
• „Mythos Palace“ – Haltestelle Heeresbäckerei:<br />
Gutes, preiswertes griechisches Restaurant mit<br />
Garten im Hof der alten Heeresbäckerei.<br />
• „fellini Ristorante & Pizzeria“ – Haltestelle<br />
Käthe-Kollwitz-Platz: Pizza nach italienischer Tradizione<br />
auf Stein gebacken.<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Nächster Halt: …<br />
Im Bereich der Düsseldorfer Haltestelle „Dreieck“ bilden nicht nur die hier aufeinandertreffenden Straßen ein Dreieck, sondern auch die<br />
Linie 701, die abzweigende 715 und die sich hier teilende 707. Dadurch entsteht aber kein klassisches Gleisdreieck<br />
M. BEITELSMANN<br />
Nächster Halt:<br />
Dreieck<br />
Der Düsseldorfer liebt – wie es scheint – die<br />
Formensprache. Denn nicht umsonst lassen<br />
sich schließlich auf dem Stadtplan Ortsbezeichnungen<br />
wie „Seestern“, Mörsenbroicher<br />
Ei“ oder „Kniebrücke“ finden. Und so<br />
existiert eben im Stadtteil Derendorf eine<br />
Haltstelle namens „Dreieck“. Doch sie trägt<br />
diesen Namen nicht etwa, weil der dazu gehörige<br />
Platz eine solche Form hätte – nein.<br />
Vielmehr beschreiben die hier zulaufenden,<br />
meist in der Gründerzeit angelegten Straßen<br />
in etwa diese geometrische Figur – und auch<br />
in den Gleisanlagen vor der Haltestelle ist<br />
ein Dreieck zu finden.<br />
Ab 1898 befand sich in diesem Bereich<br />
eine Gaststätte, die sich entsprechend den<br />
treffenden Namen „Dreieck“ zugelegt <strong>hatte</strong>.<br />
Das war für die praktisch denkenden Düsseldorfer<br />
Grund genug, der Straßenbahn-<br />
Haltestelle diesen Namen zu verpassen –<br />
kreuzen sich doch hier seit 1896 bzw. 1898<br />
zwei Linien der damaligen Düsseldorfer Pferdebahn-Gesellschaft.<br />
Die Gegend um die Nordstraße ist aktuell<br />
ein wichtiges Stadtteilzentrum – und so ist<br />
auch die Haltestelle damals wie heute recht<br />
belebt. Neben Umsteigern zieht es viele Fahrgäste<br />
auch in die zahlreichen Läden, Cafés<br />
oder Banken entlang der „Kö von Derendorf“,<br />
wie die Nordstraße manchmal scherzhaft<br />
genannt wird.<br />
Heute wird der Verkehrsknotenpunkt von<br />
den Linien 701, 707 und 715 angefahren,<br />
die die Düsseldorfer Innenstadt mit den weiter<br />
nördlich gelegenen Stadtteile Mörsenbroich,<br />
Rath und Unterrath verbinden. Und<br />
wie früher schon steigen viele Düsseldorfer<br />
hier aus, wenn die Stimme der Ansage säuselt:<br />
„Nächster Halt – Dreieck“.<br />
MICHAEL BEITELSMANN<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
23
Betriebe<br />
Wieder müssen<br />
die Oldies ran!<br />
Wagenmangel in Frankfurt (Main) – Museumswagen helfen<br />
aus Aufgrund der Untauglichkeit moderner Niederflurwagen im<br />
harten Winterbetrieb sowie allgemeinen Fahrzeugmangels hat die<br />
Frankfurter VGF erneut Düwags aus dem Museumsbestand für den<br />
regulären Dienst reaktiviert<br />
Südlich des Mains verkehrt die Linie 14 im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen<br />
durch die Brückenstraße<br />
J. SCHRAMM<br />
Während der Enteisungsfahrten im Januar 2013 passierten die Museumswagen<br />
auch die Haltestelle Römer/Paulskirche F. BUCHLEITNER<br />
24<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Frankfurt am Main<br />
Aktuelle Fahrplantabellen der Kurse:<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Im Januar 2013 diente die Museumswagen mit ihren stabilen Scherenstromabnehmern<br />
zum Enteisen der Ober leitungen<br />
Auf der Ignaz-Bubis-<br />
Brücke begegnen<br />
sich am 13. März<br />
2013 die beiden<br />
Museumswagen<br />
112 und 102/1804.<br />
Im Hintergrund die<br />
Baustelle an der<br />
neuen Europäischen<br />
Zentralbank<br />
F. BUCHLEITNER (2)<br />
Auf dem Weg nach Bornheim hat der im Plandienst eingesetzte Museumswagen 102 am<br />
20. März 2013 den Frankfurter Südbahnhof erreicht J. SCHRAMM<br />
Der letzte Hochflurwagen in Frankfurt<br />
(Main) wurde im Jahr 2007 offiziell<br />
außer Dienst gestellt, seitdem<br />
sind auf den zehn Straßenbahnlinien<br />
der Mainmetropole regulär ausschließlich<br />
die insgesamt etwas über 100 Düwagund<br />
Bombardier-Niederflurwagen unterwegs.<br />
Seit Eröffnung der Linie 18 zum Gravensteiner<br />
Platz im Dezember 2011 ist der<br />
Wagenbestand jedoch äußerst knapp bemessen.<br />
Zwei an Stockholm verliehene Niederflurwagen<br />
senkten den Wagenpark zusätzlich.<br />
Im Frühjahr 2012 wurden deshalb<br />
zwei Düwag-Museumswagen und der Pt-<br />
Museumswagen 190 aus dem Betriebshof<br />
geholt und bis April 2012 auf den Linien 14<br />
und 17 eingesetzt.<br />
Seit Ende 2012 ist durch einige Defekte und<br />
Unfallschäden der Bestand an Niederflurwagen<br />
erneut gesunken. Deshalb dürfen die eigentlich<br />
längst in den Ruhestand versetzten<br />
Achtachser aktuell erneut aushelfen. Pt-Wagen<br />
190, der im Jahr zuvor <strong>noch</strong> im Liniendienst<br />
einsprang, wurde ins türkische Gaizantep<br />
verkauft und fährt – inzwischen deutlich<br />
umgebaut – im dortigen Stadtbahnetz.<br />
Mitte Januar 2013 stellte der Winter einige<br />
westliche Straßenbahnbetriebe vor größere<br />
Probleme, besonders Frankfurt (Main)<br />
<strong>hatte</strong> mit so einem Winterwetter nicht gerechnet.<br />
Die Niederflurwagen mit ihrer modernen<br />
Technik versagten an den vereisten<br />
Oberleitungen und blieben im Netz stecken.<br />
Wie helfen die »Alten«?<br />
Die Museumswagen der Typen L, M, N und<br />
O und auch der Ebbelwei-Express schleppten<br />
die Linienwagen zurück in die Betriebshöfe<br />
und versuchten danach, die Oberleitungen<br />
zu enteisen. Erst nach einigen Tagen<br />
stabilisierte sich die Lage wieder und der Regelbetrieb<br />
konnte aufgenommen werden.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
25
Betriebe<br />
Nachts im Stadtwald:<br />
M-Wagen 102 auf dem<br />
Weg von Neu-Isenburg ins<br />
Frankfurter Zentrum an<br />
der Oberschweinstiege<br />
F. BUCHLEITNER (3)<br />
Ein Auffahrunfall zweier S-Wagen am Universitätsklinikum<br />
im März 2013 brachte den<br />
planmäßigen Fahrbetrieb erneut an seine<br />
Grenzen, die Schadwagen rissen ein weiteres<br />
Loch in den sowieso knapp bemessenen Fahrzeugbestand.<br />
Am 11. März wurde deshalb ein<br />
weiterer Museumswagen wieder für den Fahrgastbetrieb<br />
hergerichtet, der sechsachsige M-<br />
Wagen 102. Zusammen mit dem vierachsigen<br />
Beiwagen 1804 fährt er auf der Linie 14.<br />
Derzeit werden Museumswagen auf den Linien 14 und 17 eingesetzt. Unter www.strassenbahnmagazin.de<br />
finden Sie die Fahrplantabellen der entsprechenden Kurse zum ausdrucken!<br />
Planeinsatz bis in den Sommer? Vom Betriebshof Heilbronner Straße rückt der Wagen 112 aus<br />
Planeinsatz bis in den Sommer?<br />
Der N-Wagen 112 wird als zweiter Hochflur-Gelenkwagen<br />
auf der Linie 14 eingesetzt.<br />
Die beiden möglichen Kurse sind 02<br />
und 05. Auch auf den Fahrplanaushängen<br />
der traffiQ werden die Hochflur-Abfahrten<br />
gekennzeichnet, besonders interessant daran,<br />
auch Kurs 07 könnte im Notfall durch<br />
einen Museumswagen gefahren werden.Ein<br />
Einsatz des Vierachser-Zuges 124/1242 vom<br />
Typ L scheint damit nicht ausgeschlossen. Auf<br />
der Linie 17 verkehrt auf dem Kurs 02 weiterhin<br />
der Zweirichtungs-Düwag 110.<br />
Die Renaissance der Düwag-Klassiker<br />
könnte <strong>noch</strong> bis in den Sommer andauern,<br />
erst ab Herbst sollen zehn weitere Niederflurwagen<br />
vom Typ S dem Wagenpark die<br />
lange nötigen Reserven schaffen. Spätestens<br />
dann sollte die kurzzeitige Rückkehr der Museumswagen<br />
in den Fahrgastbetrieb der Vergangenheit<br />
angehören.<br />
FREDERIK BUCHLEITNER<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Frankfurt am Main<br />
Bevor der N-Wagen 112 Neu-Isenburg, den südlichen Endpunkt der Linie 14 erreicht, passiert er die alte Wagenhalle der Waldbahn. Sie dient<br />
heute zum Abstellen ausgemusterter Wagen<br />
F. BUCHLEITNER<br />
Die beiden seit Anfang 2013 auf der Linie 14 im Regelbetrieb genutzten Museums-Triebwagen 102 und 112 begegnen sich am 20. März 2013<br />
am Allerheiligentor<br />
J. SCHRAMM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
27
Betriebe<br />
»Meterspur-U-Bahn«<br />
ins Geisterdorf<br />
Straßenbahnreste in Duisburg-<strong>Als</strong>um vor Abriss Die Gleisreste auf der Matenastraße<br />
gehören zu den wohl spannendsten Fundstücken in Deutschland: Sie führen in ein überschüttetes<br />
Dorf, durch typische Ruhrpott-Industriekulisse und den schaurigen Matena-Tunnel<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Duisburg<br />
Grüner ist es an dieser Stelle geworden, aber nicht gemütlicher! Am linken Straßenrand lugt<br />
das Gleis hervor. Direkt neben dem Kühlturm befand sich die Endhaltestelle in <strong>Als</strong>um C. LÜCKER<br />
Am 14. April 1965 hält Wagen 512 an der<br />
Endstelle „Thyssen Tor 6“ – das Reststück<br />
nach <strong>Als</strong>um war schon einige Wochen stillgelegt.<br />
Hinter dem Fotografen geht es in<br />
den Matenatunnel<br />
G. HAPPEL, SLG. BERND OEHLERT<br />
Duisburg, Matenastraße im Jahr<br />
2013: Ein mächtiger Kühlturm<br />
speit Dampf in die Luft, Hochöfen<br />
qualmen und quietschen, Ratten<br />
huschen über das holprige Kopfsteinpflaster,<br />
es müffelt nach Industrie. Und mittendrin:<br />
Ein langer Strang Meterspurgleise in<br />
der Straße!<br />
Er ist das letzte Indiz dafür, dass es an diesem<br />
unwirklichen Ort einmal richtiges Leben<br />
gab. Denn hier, wo heute die Industrie<br />
tobt, befand sich bis in die 1960er-Jahre der<br />
Fischerort <strong>Als</strong>um am Rhein.<br />
Schon Ende des 19. Jahrhunderts war <strong>Als</strong>um<br />
durch die sich immer weiter ausbreitende<br />
Schwerindustrie regelrecht von Duisburg-Bruckhausen<br />
abgeschnitten. Eine der<br />
wichtigsten Verbindungen dorthin war die<br />
Meterspurstraßenbahn auf der Matenastraße,<br />
deren Gleise hier bis heute stellenweise<br />
„überlebt“ haben.<br />
Bis zum Zweiten Weltkrieg waren über<br />
3.000 Menschen in <strong>Als</strong>um zuhause. Nach<br />
dem Krieg war der Ort aber im wahrsten Sinne<br />
dem Untergang geweiht: Zwischen 1950<br />
und 1954 sank <strong>Als</strong>um durch den Bergbau<br />
um über einen Meter ab! Deshalb beschloss<br />
die Stadt Duisburg 1954, alle Bewohner umzusiedeln.<br />
Im Jahr 1965 verließen die letzten<br />
<strong>Als</strong>umer ihre Heimat.<br />
Wohnhäuser heute abgerissen<br />
Zum 31. März 1965 wurde schließlich auch<br />
der Straßenbahnbetrieb der Linie 10 am<br />
Ortseingang, also auf der Matenastraße, eingestellt<br />
und zum nicht weit entfernten Thyssen-Tor<br />
6 zurück gezogen. Wenige Monate<br />
später war auch hier Schicht und die Linie 10<br />
wurde zum Hamborner Altmarkt verkürzt,<br />
ehe sie 1966 als eine der letzten Duisburger<br />
Meterspurlinien komplett außer Betrieb ging.<br />
Zwischenzeitlich begann auch die völlige<br />
Auslöschung <strong>Als</strong>ums: Der an den Rhein<br />
grenzende Teil wurde komplett abgerissen<br />
und mit Trümmern und dem restlichen<br />
Kriegsschutt überschüttet. So konnte die Absenkung<br />
verfüllt werden und es entstand der<br />
<strong>Als</strong>umer Berg. Schließlich wurden die restlichen<br />
Arbeiterhäuser im Bereich der ehemaligen<br />
Endstelle abgerissen – die Industrie<br />
<strong>hatte</strong> <strong>noch</strong> mehr Platz sich auszubreiten. Und<br />
das sieht man heute <strong>noch</strong>: Die Gleise sind<br />
umringt von den Thyssen-Stahlwerken und<br />
Industrieanlagen, sie erstrecken sich kilometerlang<br />
nach rechts und links. Aber der<br />
kurvige Straßenverlauf lässt <strong>noch</strong> erahnen,<br />
dass es hier vor vielen Jahrzehnten mal idyllisch<br />
gewesen sein muss.<br />
Wir folgen vom <strong>Als</strong>umer Berg dem Meterspurgleis<br />
inmitten der kaum befahrenen,<br />
holprigen Matenastraße nach Osten. Nach<br />
etwa 150 Metern verschwindet es unter dem<br />
Asphalt. Unter einigen Brücken hindurch<br />
windet sich die Straße bis zum damaligen Tor<br />
6 von Thyssen. Immer wieder zeichnet sich<br />
das Gleis unter der Asphaltdecke ab. Jetzt ist<br />
er direkt vor uns, der spannendste Teil dieser<br />
ehemaligen Strecke: der schaurige Matenatunnel!<br />
Hier schlängelt sich die Straße unter<br />
den Industrieanlagen von Thyssen<br />
hindurch.<br />
Tunnel verfällt immer mehr<br />
Der Tunneleingang ist ein bizarrer Ort. Staub<br />
liegt in der Luft. Drumherum quietscht, tutet<br />
und rumort es. So laut ist es hier – und<br />
trotzdem so einsam. Aber es nützt nichts:<br />
Wer auf direktem Weg nach Bruckhausen<br />
will, der muss da durch!<br />
Es scheint, als hätte man seit Eröffnung<br />
des Tunnels im Jahre 1912 nicht viel in seine<br />
Instandhaltung investiert. Zwischen abgefahrenem<br />
Asphalt und uraltem Kopfsteinpflaster<br />
zeigen sich neben der rechten<br />
Tunnelwand an vielen Stellen die seit fast 50<br />
Jahren stillgelegten Schienen. <strong>Als</strong> hier <strong>noch</strong><br />
Straßenbahnen entlang fuhren, war der Tunnel<br />
<strong>noch</strong> ein Schmuckstück.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
29
Betriebe<br />
Hinweise zur Örtlichkeit<br />
Den Matenatunnel erreicht man direkt mit der<br />
Straßenbahnlinie 901 an der Haltestelle Matena -<br />
straße. Bis zu den Gleisresten im ehemaligen<br />
<strong>Als</strong>um sind es von hier aus etwa zehn Minuten<br />
Fußweg. Direkt dahinter befindet sich der <strong>Als</strong>umer<br />
Berg – Industriefotografen verirren sich gerne<br />
hierher. Denn von der Anhöhe aus hat man<br />
im wahrsten Sinne so weit das Auge reicht einen<br />
fantastischen Blick auf die ausgedehnten Industrieflächen<br />
– besonders bei Nacht empfehlenswert.<br />
Wer bei Nacht auch <strong>noch</strong> das morbide<br />
Bruckhausen erkunden möchte, der sollte<br />
allerdings vorsichtshalber Pfefferspray einstecken.<br />
CHL<br />
Direkt hinter dem Matena-Tunnel hält die Linie<br />
901 an der Matenastraße. Nach dem Groß -<br />
flächenabriss wird die Bahn hier in einigen Jahren<br />
am Rande eines Parks halten C. LÜCKER<br />
Heute sind die Wände verschmutzt, da wo<br />
überhaupt <strong>noch</strong> Fliesen hängen, kann man<br />
das besonders gut sehen. Es tropft von der<br />
Decke, der Putz bröckelt. Plötzlich beginnen<br />
die maroden Wände des Tunnels zu vibrieren.<br />
Ein lautes Dröhnen setzt ein. Ein mulmiges<br />
Gefühl macht sich breit, aber es ist nur<br />
Schaurig und verschlungen<br />
ist der<br />
Matenatunnel unter<br />
dem Thyssengelände.<br />
Aber keine<br />
Angst … die Meterspurgleise<br />
sind ja<br />
bei uns!<br />
C. LÜCKER<br />
ein Zug, der irgendwo über dem Tunnel hinweg<br />
fährt … Schnell raus da! Nach etwa 500<br />
Metern Geschlängel ist das Ende des Tunnels<br />
erreicht. Die Gleisreste von Duisburgs<br />
„Meterspur-U-Bahn“ enden direkt an der<br />
Ausfahrt des Tunnels. Auf der querenden<br />
Kaiser-Wilhelm-Straße hält heute die normalspurige<br />
Linie 901 an der Station Matenastraße<br />
auf der Fahrt nach Mülheim oder<br />
Obermarxloh. Hier beginnt also die Zivilisation.<br />
Wenn man das so nennen mag! Denn<br />
Teile Bruckhausens werden das gleiche<br />
Schicksal ereilen wie <strong>Als</strong>um. Ganze Häuserreihen<br />
entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße<br />
werden in den nächsten Jahren abgerissen<br />
und die Flächen in einen Park umgewandelt.<br />
Viele Straßenzüge stehen heute schon komplett<br />
leer, teilweise werden die Bauten unter<br />
katastrophalen Bedingungen von Illegalen<br />
behaust. Aber die meisten der einst stolzen<br />
Vorkriegsbauten sind nur <strong>noch</strong> verlassene<br />
und verrammelte Ruinen.<br />
Sperrung des Tunnels geplant!<br />
Nachts ist es hier besonders gespenstisch:<br />
Wenn die Thyssen-Kamine Feuer speien und<br />
sich der Hochofen zum Stahlabstich öffnet,<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Duisburg<br />
Idyllisch mutet die<br />
Endstelle <strong>Als</strong>um an,<br />
als Wagen 426 am<br />
23. Juli 1961 seine<br />
Pause abwartet<br />
E. J. BOUWMAN,<br />
SLG. R. BIMMERMANN<br />
färbt sich der ganze Himmel orange und<br />
hüllt die einsamen Straßen in ein mysteriöses<br />
Licht.<br />
Wer diese faszinierende Ruhrpottkulisse<br />
<strong>noch</strong> erleben will, der sollte sich beeilen.<br />
Denn auch dem Matena-Tunnel geht es an<br />
den Kragen: Spätestens im Sommer 2013 soll<br />
er wegen Baufälligkeit endgültig geschlossen<br />
werden. Die Gleisreste auf der Matenastraße<br />
sind dann nur <strong>noch</strong> mit einem großen<br />
Umweg durch die Industriegebiete über die<br />
<strong>Als</strong>umer Straße zu erreichen.<br />
Einige Duisburger wünschen sich, dass der<br />
Matenatunnel als Denkmal erhalten bleibt,<br />
weil hier sogar schon die legendären Schimanski-Tatorte<br />
drin gedreht wurden. Ein Erhalt<br />
bedeutet aber auch, dass der Tunnel instand<br />
gesetzt wird. Und das dürfte das Ende<br />
des morbiden Charmes und der Gleisreste<br />
bedeuten …<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
Heute ist die Stelle wie ausgelöscht – nur das Gleis erinnert <strong>noch</strong> an alte Zeiten. Im Hintergrund<br />
erhebt sich der <strong>Als</strong>umer Berg, der aus den Trümmern <strong>Als</strong>ums entstanden ist C. LÜCKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
31
Betriebe<br />
»Bim« muss U-Bahn weichen<br />
Wien: U-Bahn verdrängt östliches Endstück der <strong>Tram</strong>linie Linie 67 Den stark frequentierten<br />
Abschnitt Reumann platz – Oberlaa der Wiener Straßenbahnlinie 67 soll die Verlängerung der<br />
U-Bahn-Linie 1 ersetzen – ein Foto- oder Filmtipp für Freunde der Wiener »Bim«!<br />
In Wien steht – wie schon so oft in den<br />
vergangenen 35 Jahren – der Ersatz einer<br />
Straßenbahn durch die U-Bahn bevor.<br />
Es handelt sich dabei um die Linie<br />
67, deren östlicher Streckenast Reumannplatz<br />
– Oberlaa durch die Verlängerung der<br />
U-Bahn-Linie U1 (derzeit Leopoldau – Reumannplatz)<br />
ersetzt werden soll. Die 4,6 km<br />
lange und bis 2017 fertig zu stellende Strecke<br />
wird dabei genau der Linienführung der<br />
Straßenbahn folgen und im südlichsten Streckenabschnitt<br />
in Niveaulage verlaufen. Aus<br />
diesem Grund muss der 2,5 km lange Abschnitt<br />
Alaudagasse – Oberlaa spätestens<br />
Anfang 2014 stillgelegt werden. Im Bereich<br />
Alaudagasse ist für die zweite Jahreshälfte<br />
2013 der Bau einer provisorischen Wendeschleife<br />
geplant und ab hier müssen die Fahrgäste<br />
bis 2017 in einen Schienenersatzverkehr<br />
umsteigen.<br />
Ein genaues Datum für den Rückzug der<br />
Straßenbahn wurde <strong>noch</strong> nicht bekannt gegeben,<br />
da sich die Wiener Linien bereits im<br />
Vorfeld mit massiven Protesten der Anwohner<br />
einer großen Plattenbausiedlung (Per-Albin-Hansson-Siedlung<br />
Ost) konfrontiert sehen.<br />
Beklagt wird aber nicht nur der jahrelange<br />
Umsteigezwang während der Bauarbeiten,<br />
Widerstand regt sich auch gegen die<br />
längeren Wegzeiten nach Fertigstellung der<br />
U-Bahn. Zwischen der Alaudagasse und der<br />
Endstelle Oberlaa wird die U1 im Gegensatz<br />
zur Straßenbahn (vier Haltestellen) nämlich<br />
nur eine einzige Haltestelle besitzen und es<br />
ist kein parallel führender Oberflächenverkehr<br />
geplant.<br />
Zu allem Überdruss muss auch ein Wald<br />
gefällt werden, den die Linie 67 heute durchfährt<br />
und der den Bewohnern der angren-<br />
32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Österreich: Wien<br />
OBEN Im Februar 2013 waren womöglich letztmalig Winterbilder der Linie 67 im Bereich der Per-Albin-Hansson-Siedlung<br />
Ost möglich. Hier ist die Trasse von dichten Baumreihen gesäumt, die den U-Bahn-Bauarbeiten zum Opfer fallen sollen<br />
LINKS Die Endstelle „Oberlaa, Therme Wien“ besitzt<br />
ein Vorfahrgleis. Für Hotelgäste wird der<br />
Anschluss an den ÖPNV in <strong>Zukunft</strong> nicht mehr<br />
so komfortabel sein, denn die U-Bahn-Endstelle<br />
entsteht ca. 300 m weiter westlich. Im August<br />
2012 ersetzte die Linie 66 zwischen Reumannplatz<br />
und Karlsplatz die U1 und ermöglichte eine<br />
umsteigefreie Fahrt ins Stadtzentrum<br />
UNTEN Der Ausschnitt aus dem Wiener Straßenbahnnetz zeigt die ausschließlich<br />
im 10. Bezirk (Favoriten) verkehrende Linie 67 und die in<br />
Bau befindliche U1-Verlängerung<br />
ALLE ABBILDUNGEN & GRAFIK: W. KAISER<br />
UNTEN Der mit Totalwerbung versehene B 609<br />
befährt am 3. Oktober 2012 den Abschnitt Per-<br />
Albin-Hansson-Siedlung Ost – Laaerbergstraße.<br />
In diesem Bereich wird eine Abstellanlage<br />
für neun U-Bahn-Langzüge entstehen<br />
zenden Plattenbauten heute ein hohes Maß<br />
an Lebensqualität bietet.<br />
Der in Kürze stillzulegende Streckenabschnitt<br />
wurde in mehreren Etappen eröffnet.<br />
Die Strecke (Lehmgasse/heute: Altes Landgut<br />
–) Alaudagasse – Rothneusiedl entstand<br />
im Dezember 1914 und diente der Anbindung<br />
einer kriegswichtigen Munitionsfabrik.<br />
1959 wurde die stumpfe Endstelle in Rothneusiedl<br />
durch eine Wendeschleife ersetzt<br />
und 1960 erfolgte der zweigleisige Ausbau<br />
der Strecke. Am 20. Dezember 1972 konnte<br />
die Verlängerung bis zur eben fertig gestellten<br />
„Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost“<br />
in Betrieb genommen werden und seit 18.<br />
Februar 1974 reicht die Strecke bis zum damals<br />
neu eröffneten „Kurzentrum Oberlaa“<br />
(seit September 2010: „Oberlaa, Therme<br />
Wien“). Zunächst bot hier die Linie 167 eine<br />
direkte Verbindung ins Stadtzentrum<br />
(„Kärntner Ring, Oper“), seit der Eröffnung<br />
des ersten U1-Abschnittes am 25. Februar<br />
1978 dient aber die neu eingerichtete Linie<br />
67 als U-Bahn-Anschluss. Sie bedient seither<br />
auch den Streckenast Quellenplatz – Raxstraße<br />
der ebenfalls anlässlich der U1-Eröffnung<br />
eingestellten Linie 66. Im Zusammenhang<br />
mit der Errichtung neuer Wohnsiedlungen<br />
wurde diese Strecke in den Jahren<br />
1980 und 1989 verlängert und endet heute<br />
am Otto-Probst-Platz. Die Linie 67 entwickelte<br />
sich zu einer der fahrgaststärksten<br />
Straßenbahnlinien Wiens (ca. 20.000 Fahrgäste<br />
pro Tag) und verkehrt in Spitzenzeiten<br />
mit bis zu 25 Kursen in Intervallen von drei<br />
Minuten. Nach der Eröffnung der U1 nach<br />
Oberlaa im Jahre 2017 wird die Linie 67 nur<br />
<strong>noch</strong> den Abschnitt Otto-Probst-Platz – Reumannplatz<br />
befahren. WOLFGANG KAISER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
33
Betriebe<br />
Aus für erste andalusische <strong>Tram</strong><br />
Straßenbahnbetrieb in Vélez-Málaga weiterhin eingestellt Der 2006 eröffnete Betrieb Vélez-<br />
Málaga – Torre del Mar sollte wieder Teil einer Küstenbahn zwischen Málaga und Vélez werden.<br />
Doch das Projekt ist gescheitert – vorhandene Fahrzeuge werden womöglich nach Sydney veräußert<br />
Einzige ausgebaute und in Betrieb genommene Endstation der Tranvía de Vélez; Wagen 002 im<br />
Zentrum von Torre del Mar (Mai 2012)<br />
ALLE AUFNAHMEN: P. HOLLBACH<br />
Bereits seit 4. Juni 2012 ersetzen Busse<br />
den Straßenbahnbetrieb zwischen<br />
der spanischen Kreisstadt Vélez-Málaga<br />
und ihrem Vorort Torre del Mar<br />
an der Mittelmeerküste. Nach knapp sechs<br />
Einsatzjahren erscheint ein Weiterbetrieb der<br />
<strong>Tram</strong> aus Kostengründen derzeit unwahrscheinlich.<br />
Torre del Mar in der Region Axarquía der<br />
andalusischen Provinz Málaga, etwa 28 km<br />
östlich von der Provinz-Hauptstadt Málaga<br />
entfernt, mag vielen Deutschen ein vertrauter<br />
Begriff sein. Die örtliche Straßenbahn<br />
bot zwischen Vélez-Málaga und dem<br />
Küstenortsteil eine bequeme und schnelle<br />
Verbindung – allerdings war von den Haltestellen<br />
in Torre del Mar bis zur Strandpromenade<br />
stets <strong>noch</strong> ein Fußweg von 150<br />
bis 300 m erforderlich. Doch es war die erste<br />
moderne Straßenbahnlinie Andalusiens<br />
nach dem großen Straßenbahnsterben in den<br />
1960er- und 1970er-Jahren.<br />
34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Spanien: Vélez-Málaga<br />
LINKS Die Fahrbahn der Tranvía de Vélez war an vielen Stellen mit blau und weiß lackierten, Haifischflossen genannten<br />
Steinen von der Straße abgetrennt. Diese Steine wurden inzwischen entfernt<br />
GRAFIK: P. HOLLBACH/S. PASCHINSKY<br />
Bei ca. 77.000 Einwohnern in Vélez-Málaga<br />
(2011) – davon ca. 22.000 im Stadtteil<br />
Torre del Mar – soll dieser Inselbetrieb von<br />
Anfang an defizitär gewesen sein. Doch es<br />
gab große Pläne: So war eine Ergänzung bzw.<br />
Erweiterung im Osten nach Nerja mit seinen<br />
Stalaktitenhöhlen und eine Verbindung im<br />
Westen zur Provinzhauptstadt Málaga mit<br />
Anschluss an die spanische Eisenbahngesellschaft<br />
RENFE vorgesehen. Immerhin gab<br />
es von 1908 bis 1968 bereits eine 67 km lange<br />
meterspurige Eisenbahnverbindung vom<br />
Hafen von Málaga über Torre del Mar bis<br />
Vélez-Málaga und darüber hinaus bis Ventas<br />
de Zafarraya in den Bergen in Richtung<br />
Granada gab, zuerst mit Dampfbetrieb, später<br />
mit Dieseltriebwagen.<br />
Von dieser Eisenbahn existieren einige Stationsgebäude<br />
bis heute. So wird beispielsweise<br />
das Empfangsgebäude in Torre del<br />
Mar von den regionalen Überlandbussen,<br />
ehemals der Busgesellschaft <strong>Als</strong>ina Graells,<br />
heute von ALSA (Automóviles Luarca, S.A.),<br />
dem spanischen Zweig des britischen Unternehmen<br />
National Express Group, für das<br />
Personal benutzt.<br />
Der Straßenbahnbau<br />
Die Straßenbahn wurde 2003 auf Initiative<br />
des damaligen Bürgermeisters von Vélez-<br />
Málaga projektiert. Den Bau finanzierten<br />
Gelder vom Europäischen Fond für regio-<br />
Technische Daten der Tranvía de Vélez-Málaga<br />
Streckenbau:<br />
Außerhalb der Stadtmitten zweigleisige Schienenverbindung auf eigenem Schienenbett. Innerhalb der<br />
Städte teilweise eingleisige Strecken. Abtrennung der Fahrbahn vom Straßenverkehr durch Grenzsteine,<br />
wegen ihrer Form Haifischflossen genannt. Nach Einstellung des Verkehrs wurden sie 2012 beseitigt. Es<br />
gibt keine Kehrschleifen.<br />
Verkehrsfrequenz zu den Hauptverkehrszeiten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 min.<br />
Fahrzeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 min.<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />
Höchstgeschwindigkeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überland 70 km/h<br />
Fahrstrom: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 750 V (wegen Gleichstrom doppelter Schleifer-Fahrdraht)<br />
Fahrzeuge<br />
Drei Zweirichtungsfahrzeuge als fünfgliedrige Züge, davon waren jeweils zwei im Einsatz. Die beiden äußeren<br />
Steuerwagenteile ruhen in Wagenmitte auf je einem zweiachsigen Antriebsgestell mit vier gefedert<br />
gelagerten Antriebsmotoren in Längsrichtung. Der Mittelteil läuft auf einem antriebslosen zweiachsigen<br />
Fahrgestell, dazwischen hängt der zweite und vierte Fahrzeugteil frei über den Schienen. Die Räder<br />
werden über Gummielemente und Schraubenfedern abgestützt. Die Wagen haben Klimaanlagen sowie<br />
innen optische und akustische Anzeigen der nächsten Haltestelle.<br />
Hersteller: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles)<br />
Länge über alles: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31.260 mm<br />
Breite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.650 mm<br />
Höhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.390 mm<br />
Einstiegshöhe über SO:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300 mm<br />
Motorenleistung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 x 70 kW<br />
Anfahrbeschleunigung:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,2 m/s²<br />
Höchstgeschwindigkeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 km/h<br />
Anzahl Sitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54<br />
Stehplätze:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
35
Betriebe<br />
Wagen 001 hat Anfang Mai<br />
2012 aus Vélez kommend<br />
das Stadtgebiet von Torre<br />
del Mar erreicht<br />
Quellen<br />
• Hemeroteca (Archiv) der Tageszeitung SUR, diverse<br />
Beiträge 2006 bis 2013<br />
• Publicación de la Associació d’amics del ferrocarril<br />
de Barcelona CARRIL 71 junio 2012<br />
• Internet www.docutren.com/archivos/malaga.<br />
Lourdes Royo Naranjo, IV Congreso Historia<br />
Ferroviaria<br />
• www.tranviadevelez.com<br />
• <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 1/2008, S. 56–60:<br />
„Unter südlicher Sonne – Neue Straßenbahnen<br />
in Südspanien“<br />
nale Entwicklung und der Autonomieregierung,<br />
der Junta de Andalucía.<br />
Die Errichtung der 4,7 km langen Strecke<br />
zwischen den Zentren von Torre del Mar<br />
und Vélez-Málaga hat einschließlich Elektrifizierung,<br />
Depotgebäuden und Werkstattausrüstung<br />
25 Mio. Euro gekostet. Eine<br />
Verlängerung um 1,3 km innerhalb der Stadt<br />
Vélez zum ehemaligen Bahnhof der Schmalspurbahn<br />
Málaga kostete weitere 8 bis<br />
10 Mio. Euro, wurde aber „aus Kostengründen“<br />
nie in Betrieb genommen. Im Juli<br />
2011 <strong>hatte</strong> ein Lkw mit Laderkran die Oberleitung<br />
auf einer Länge von ca. 1 km heruntergerissen.<br />
Für die Reparatur dieses Schadens<br />
fehlten die Finanzen.<br />
Die Planung der 17 km langen Verbindung<br />
von Torre del Mar nach Rincón de la Victoria<br />
als Anschluss zur zukünftigen Metro von<br />
Málaga wurde 2006/07 offiziell in Auftrag<br />
gegeben. Doch dieses Streckenstück wurde<br />
besonders von den Bürgermeistern der Endstationen<br />
Vélez-Málaga und Rincón de la<br />
Victoria heftig bekämpft, da man für die<br />
Küste eine vollwertige Eisenbahnverbindung<br />
verlangt, ähnlich der Strecke zwischen Málaga<br />
Centro und Fuengirola. Rincón de la<br />
Victoria besteht auf der Priorität für den Bau<br />
des Metroanschlusses mit Málaga.<br />
Der Betrieb der Straßenbahn<br />
Der Betrieb der Straßenbahn wurde 2006 der<br />
Gesellschaft Tranvía de Vélez S.A. (TRA-<br />
VELSA) für 25 Jahre übertragen. In der Konzession<br />
garantierte die Stadtverwaltung der<br />
TRAVELSA Einnahmen von jährlich mindestens<br />
1,1 Mio. Fahrgästen sowie zusätzlich<br />
die Vergütung von 25 Prozent der tatsächlichen<br />
Kosten pro Fahrgast (tarifa técnica genannt).<br />
Diese tarifa técnica war 2006 mit<br />
Das Innere eines der Zweirichtungs-Gelenktriebwagen.<br />
Hergestellt wurden die drei<br />
Wagen vom nordspanischen Unternehmen<br />
CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferro -<br />
carriles mit Sitz im baskischen Beasain)<br />
1,42 Euro bestimmt und der Fahrpreis wurde<br />
mit 1,30 Euro festgelegt, was eine entsprechende<br />
Subvention der Stadtverwaltung<br />
erforderte. Doch die projektierte Mindestfahrgastzahl<br />
wurde niemals erreicht. Waren<br />
es im ersten Betriebsjahr wenigstens <strong>noch</strong><br />
900.000, so fiel diese Zahl bis 2011 auf ca.<br />
676.000. Das erhöhte die tatsächlichen Kosten<br />
pro Fahrgast auf 1,82 Euro, womit der<br />
Zuschuss der Stadtverwaltung pro Fahrschein<br />
auf 0,52 Euro stieg. Die Außenstände<br />
der Stadtverwaltung gegenüber der TRA-<br />
VELSA haben sich bis Ende vorigen Jahres<br />
auf insgesamt 2,1 Mio. Euro summiert.<br />
Die Inbetriebnahme der Verlängerung hätte<br />
die tarifa técnica auf 2,70 Euro und bei<br />
Einsatz des dritten Zuges auf 3,20 Euro erhöht,<br />
weshalb man von einer Eröffnung der<br />
Verlängerung Abstand genommen <strong>hatte</strong>.<br />
Ganz unabhängig davon, ob die Straßen-<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Spanien: Vélez-Málaga<br />
Von Vélez Málaga kommend<br />
biegt die Trasse der Tranvia<br />
in die Hauptstraße Avenida<br />
de Andalucia zur Endstation<br />
Torre del Mar ein. Zwischen<br />
Torre del Mar und Vélez<br />
Málaga benutzt sie ein eigenes<br />
zweigleisiges Gleisbett<br />
bahn überhaupt einen Meter fährt, hat die<br />
Stadtverwaltung seit 2006 jährlich 540.000<br />
Euro für die drei Straßenbahnwagen abzuzahlen.<br />
Warum aufgrund der Kostensteigerung<br />
der Fahrpreis niemals erhöht wurde,<br />
dazu nahm der aktuelle Bürgermeister von<br />
Vélez-Málaga nicht Stellung.<br />
Die Einstellung<br />
Nachdem die TRAVELSA bereits im Jahr<br />
2011 aufgrund von der Stadtverwaltung<br />
nicht beglichenen Forderungen den Vertrag<br />
zum Betrieb aufheben wollte, verkehrte die<br />
Straßenbahn am 3. Juni 2012 bisher zum<br />
letzten Mal. Seitdem übernehmen „vorläufig“<br />
Busse die Leistungen.<br />
Die inzwischen von einem neuen Bürgermeister<br />
geführte Stadtverwaltung übt nun<br />
auf die Junta de Andalucía und damit indirekt<br />
auch auf die spanische Regierung aus,<br />
sich an der Betriebskostenfinanzierung zu<br />
beteiligen. Immerhin <strong>hatte</strong> die Autonomieregierung<br />
gemeinsam mit dem abgewählten<br />
alten Bürgermeister 2005/06 ganz maßgeblich<br />
den Bau der Straßenbahn durchgesetzt.<br />
Um den Druck auf die Junta de Andalucía<br />
zu erhöhen, wurde inzwischen auch die<br />
Weggabe der Straßenbahnwagen ins Gespräch<br />
gebracht. Die Stadtverwaltung prüfe<br />
derzeit, die drei Fahrzeuge nach Australien<br />
zu vermieten oder zu verkaufen. Die Stadt<br />
Sydney habe diesbezügliches Interesse an den<br />
Im Bereich der Haltestelle Azucarera (im Osten von Torre del Mar an der Avenida de Andalucia)<br />
dienten auch in Spanien übliche Pfosten zur Abtrennung von Schienen- und Straßenverkehr<br />
Wagen geäußert. Juristisch sprechen hingegen<br />
mehrere Argumente gegen dieses Vorhaben<br />
– es bleibt spannend!<br />
Was mit den seit 2005 verlegten Gleisanlagen<br />
wird, bleibt somit offen. Ob darauf jemals<br />
wieder Straßenbahnen verkehren, ist<br />
demnach unklar. Der aktuelle Ersatzbusbetrieb<br />
führte übrigens zu einem weiteren dramatischen<br />
Fahrgastrückgang …<br />
PETER HOLLBACH<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
37
Fahrzeuge<br />
Tausendsassa<br />
aus Rheine<br />
Die Schleifwagen der Fa. Windhoff <strong>Als</strong> Arbeitswagen<br />
werden oftmals dafür umgebaute Linienwagen genutzt,<br />
Spezialanfertigungen ab Werk sind die Ausnahme. Mit dem<br />
Bau eines Schleifwagens für die Metro Ankara trat 1994 die<br />
Firma Windhoff in diesen überschaubaren Markt ein<br />
Triebdrehgestell des Freiburger Schleifwagens; gut zu erkennen die Elastomer-Primärfederung<br />
und die Magnetschienenbremse<br />
ALLE AUFNAHMEN, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: W. WOLFF<br />
Flotte Sprüche zieren die Schleif -<br />
wagen verschiedener Betreiber, hier<br />
den 1997 gebauten der Dresdner<br />
Verkehrsbetriebe<br />
M. SPERL<br />
Mit der Lieferung eines Schleifwagens<br />
für die Metro Ankara an<br />
den Generalunternehmer Siemens<br />
trat die Firma Windhoff<br />
aus Rheine im Jahr 1994 in einen Markt ein,<br />
der Jahrzehnte von der Firma Schörling Waggonbau<br />
in Hannover beherrscht wurde (siehe<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 11/2012);<br />
diese beendete Anfang der 1970er-Jahre die<br />
Fertigung von Straßenbahn-Schienenschleifwagen.<br />
Das Fahrzeug von Windhoff<br />
für Ankara wies einige Besonderheiten, wie<br />
zum Beispiel einen Antrieb durch Hydraulikmotoren,<br />
auf und wurde in dieser Form<br />
nicht weiter gebaut.<br />
Schleifwagen-Serie ab 1995<br />
Im folgenden Jahr produzierte Windhoff für<br />
die Verkehrsbetriebe Basel ein Schienenschleif-<br />
und -reinigungsfahrzeug; dieses stellte<br />
den Beginn einer erfolgreichen Serie von<br />
mittlerweile zwölf Fahrzeugen dar. Während<br />
sich die Schmutzabsaugeinrichtung (die auch<br />
das Fahrzeug der ViP Potsdam aufwies) nicht<br />
bewährte und außer Betrieb genommen wurde,<br />
erwies sich das Konzept der in einem separaten<br />
Schleifdrehgestell eingebauten<br />
Schleifeinrichtung als erfolgreich. Die neuesten<br />
Fahrzeuge wurden 2012 für die VAG<br />
Freiburg und die HKL Helsinki gebaut; die<br />
nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf<br />
diese Wagen; frühere Ausführungen weichen<br />
in Details davon ab.<br />
Technik der neuesten Wagen<br />
Die Fahrzeuge sind als Zweirichtungsfahrzeug<br />
ausgeführt; der Rohbau besteht aus Baustahl<br />
S355J2+N (frühere Bezeichnung St52-3N).<br />
Die beiden klimatisierten Fahrerstände weisen<br />
standardmäßig beidseitig Türen auf, die<br />
Frontscheiben und vorderen Seitenscheiben<br />
sind beheizbar. Jeder Fahrerstand ist mit einem<br />
Fahrersitz und für Begleiter mit zwei<br />
Klappsitzen ausgestattet. Im Fahrerpult sind<br />
alle notwendigen Instrumente und Bedienelemente<br />
angeordnet, als zentrales Element ist<br />
ein Display eingebaut, das bis zum neuen<br />
Fahrzeug für Helsinki mo<strong>noch</strong>rom ausgeführt<br />
ist, die Ausführung für die VAG Freiburg weist<br />
erstmals ein Farbdisplay auf. Neben einer<br />
Funkanlage ist auch eine Radio- und Musikanlage<br />
integrierbar, Raum für weitere kundenspezifische<br />
Einbauten ist vorgesehen. Der<br />
Maschinenraum ist über einen Mittelgang<br />
durchgängig begehbar. Das Maschinenraumdach<br />
ist abnehmbar, dies stellt gegenüber den<br />
ausbaubaren Seitenwandfeldern der Schörling-Fahrzeuge<br />
eine deutlich bessere Lösung<br />
dar, die sich jedoch erst mit den heute verfügbaren<br />
Methoden zur Festigkeitsberechnung<br />
der Wagenkastenstruktur umsetzen ließ.<br />
Im Maschinenraum angeordnet sind u. a.<br />
vier Wassertanks, Wasserversorgungs-, Hy-<br />
38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Windhoff-Schleifwagen<br />
draulik- und Pneumatikaggregate sowie<br />
Umrichter für Fahrmotoren und<br />
Bordnetz 400 V (dreiphasig) und<br />
230 V. Die vier Wassertanks aus Edelstahl<br />
mit einem Fassungsvermögen<br />
von je 750 l weisen ein Mannloch für Instandhaltungsarbeiten<br />
und eine Beheizung<br />
zum Schutz gegen Frost auf. Eine Füllstandanzeige<br />
ist an den Befüllstutzen und am Fahrerpult<br />
vorhanden. Die weiteren Geräte im<br />
Maschinenraum sind in Schränken angeordnet.<br />
Antrieb und elektrische Ausrüstung<br />
Das Fahrzeug kann für eine Fahrdrahtspannung<br />
von 600 oder 750 V konfiguriert werden,<br />
bei den neueren Exemplaren ist dies<br />
auch nachträglich möglich. Der Stromabnehmertyp<br />
kann vom Kunden gewählt werden.<br />
Zur Vorbeugung gegen Vereisung der<br />
Fahrleitungen kann eine Stemmann-Fahrdrahtenteisungsvorrichtung<br />
eingebaut werden;<br />
auch eine Fahrdrahtmesseinrichtung ist<br />
integrierbar. Der Fahrdraht lässt sich dabei<br />
über eine Kamera beobachten. Angetrieben<br />
werden die Wagen von vier wassergekühlten<br />
Asynchronmotoren mit 100 kW Leistung<br />
vom Hersteller SSB, die durch jeweils einen<br />
separaten Umrichter der Firma Breuer angesteuert<br />
werden. Die Motoren sind im Fehlerfall<br />
einzeln ausgruppierbar. Jeder Motor<br />
verfügt über einen eigenen Kühlkreislauf mit<br />
Wasserpumpe und Wasser-Luft-Wärmetauscher<br />
und überträgt sein Antriebsmoment<br />
über ein Stirnradgetriebe auf den Radsatz.<br />
Der Antrieb wird drehzahlgesteuert, das bedeutet,<br />
dass auch in Steigungen und Gefällen<br />
eine konstante Fahrgeschwindigkeit<br />
erzielt wird – ohne über den Fahrhebel<br />
nachregeln zu müssen.<br />
Generatorisches Bremsen bis zum<br />
Stillstand stellt die Standard-Betriebsbremsart<br />
dar. Eine Begrenzung von Netzaufnahme-<br />
bzw. Rückspeisestrom ist möglich,<br />
ebenso ein Betrieb mit reduzierter<br />
Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit kann<br />
über einen veränderbaren Parameter in der<br />
Antriebssteuerung begrenzt werden. Bei<br />
Steuerungsausfall ist Räumfahrt möglich.<br />
Waschhallenfahrt erfolgt mit reduzierter<br />
Fahrspannung. Die mechanische Federspeicherbremse<br />
wird elektrisch gelöst, ein<br />
hydraulisches Notlösen ist möglich. Die<br />
Triebdrehgestelle sind darüber hinaus mit<br />
Magnetschienenbremsen ausgerüstet.<br />
Die vier in den beiden Fahrerräumen angeordneten<br />
Sandungsanlagen mit je 20 l<br />
Sandbehältervolumen haben einen eigenen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
39
Fahrzeuge<br />
Maßzeichnung der Windhoff-<br />
Schleifwagen; in der Draufsicht<br />
ist eine Schublade für Ersatz-Schleifsteine<br />
ausgezogen<br />
dargestellt<br />
ZEICHNUNG: WINDHOFF,<br />
BEARBEITUNG W. WOLFF<br />
Technische Daten<br />
Länge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12.500 mm<br />
Breite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.200 mm<br />
Höhe über abgesenkten<br />
Stromabnehmer . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.550 mm<br />
Spurweiten . . . . . . . . 1.000 mm oder 1.435 mm<br />
Drehzapfenabstand . . . . . . . . . . . . . . 6.400 mm<br />
Radsatzabstand Triebdrehgestelle . . . 1.800 mm<br />
Radsatzabstand Arbeitsdrehgestell . . 1.860 mm<br />
Treibraddurchmesser<br />
neu/verschlissen . . . . . . . . . . . 700 mm/640 mm<br />
Laufraddurchmesser Arbeitsdrehgestell 400 mm<br />
Gewicht betriebsbereit ohne Wasser . . . . < 31 t<br />
Wasservorrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.000 l<br />
Gesamtgewicht (ohne Schneebürste) . . . . < 34 t<br />
Höchstgeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . 50 km/h<br />
max. Schleifgeschwindigkeit . . . . . . . . . 30 km/h<br />
min. befahrbarer Gleisbogenradius . . . . . . 15 m<br />
min. Gleisbogenradius für Schleifbetrieb . . 25 m<br />
Antriebsleistung. . . . . . . . . . . . . . bis zu 480 kW<br />
Motorleistung . . . . . . . . . . . . 90 kW bis 120 kW<br />
Fahrdrahtspannung . . . . . . . . . . 600 V bis 750V<br />
Steuerungstyp . . . . . . . . . . . . . SPS (Lütze) nach<br />
CAN-OPEN-Standard<br />
Kleinkompressor integriert, der Sandauslauf<br />
ist beheizbar. Das Fabrikat der Sandungsanlage<br />
ist vom Kunden wählbar. Das Fahrzeug<br />
hat Halogenabblend- und -fernscheinwerfer,<br />
Rundumleuchten, Blink- und Rücklichter<br />
sind in LED-Technik ausgeführt. Es weist ei-<br />
Detail der Schleifsteinaufhängung mit Hubzylinder und Wasserzuführung<br />
nen Fahrzeugbus auf; IBIS, IRIS, SIFA, IMU<br />
(Induktives Meldungsübertragungssystem<br />
zur Weichensteuerung) und KWR (Kurzwellenregistriergerät)<br />
sind hierzu kompatibel.<br />
Aufgrund geringer Schallemission ist das<br />
Fahrzeug auch im Nachtbetrieb einsetzbar.<br />
Tauschbares Arbeitsdrehgestell<br />
Das Schleifdrehgestell ist über ein Scherenelement<br />
und Lenker an den Wagenkasten<br />
angebunden; es kann gegen ein Arbeitsdrehgestell<br />
für andere Aufgaben ausgewechselt<br />
werden, dazu muss das Fahrzeug<br />
angehoben werden. Für diesen Fall sind alle<br />
Verbindungen zwischen Arbeitsdrehgestell<br />
und Wagenkasten mit Schnellkupplungen<br />
ausgestattet, was einen Drehgestelltausch in<br />
kurzer Zeit erlaubt. Das Arbeitsdrehgestell<br />
weist einen Achsstand von 1860 mm auf<br />
und ist seitlich um 350 mm verschiebbar.<br />
Ein Radsatz des Arbeitsdrehdrehgestells ist<br />
als „Pendelachse“ gelagert, um auch Gleisverwindungen<br />
befahren zu können – zur Gewährleistung<br />
eines konstanten Abstands<br />
zwischen Werkzeugen (z. B. Schleifbänken)<br />
und Schiene ist nämlich keine Federung zwischen<br />
Radsatz und Drehgestellrahmen vorhanden.<br />
40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Windhoff-Schleifwagen<br />
Windhoff<br />
Rudolf Windhoff gründete im Jahr 1889 in Rheine<br />
eine Textilmaschinenfabrik. Sehr bald aber<br />
schon konzentrierte die Firma ihr Produktangebot<br />
mit Rangierwinden, Drehscheiben, Schiebebühnen<br />
und Spillanlagen auf den Eisenbahnbereich,<br />
später wurden unter anderem auch<br />
Lokomotiven gebaut.<br />
Nach völliger Zerstörung der Fabrikanlagen<br />
im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion<br />
wieder aufgebaut und stetig auf neue Geschäftsfelder,<br />
beispielsweise der Ausrüstung von<br />
Klärwerken, erweitert. Nach Insolvenz der zwischenzeitlich<br />
börsennotierten Windhoff AG übernahm<br />
2002 die Georgsmarienhütte Holding<br />
GmbH das Unternehmen und führt es seitdem<br />
weiter als Windhoff Bahn- und Anlagentechnik<br />
GmbH. Heute produziert Windhoff Fahrzeuge für<br />
den Bau und die Instandhaltung von Gleisen und<br />
Fahrleitungen, zum Frachttransport und für<br />
Lösch- und Rettungszwecke; diese können schienengebunden<br />
oder als Zweiwegefahrzeuge ausgeführt<br />
sein. Darüber hinaus liefert die Firma<br />
Werkstättenausrüstungen bis hin zur Ausstattung<br />
kompletter Schienenfahrzeugdepots für<br />
Straßenbahnen, Metros und Vollbahnen. Der Bereich<br />
Industrietechnik liefert Anlagen zum Transport<br />
schwerer Lasten, überwiegend für die Stahlund<br />
Aluminiumindustrie.<br />
Das Arbeitsdrehgestell kann bei Überführungsfahrten<br />
oder zu anderen Arbeiten wie<br />
beispielsweise Schneeräumen hydraulisch<br />
angehoben werden; ein Hydraulikaggregat<br />
stellt die dafür nötige Energie zur Verfügung.<br />
Das Abheben des Arbeitsdrehgestells erhöht<br />
die Adhäsion der Treibradsätze und damit<br />
das auf die Schienen übertragbare Antriebsmoment.<br />
Für manuelle Reinigungsarbeiten<br />
mittels einer Handlanze (besonders an<br />
Weichen) wird auf Kundenwunsch eine<br />
Hochdruckpumpe eingebaut. Hochdruck-<br />
Sprühleisten zur Fahrwegreinigung und<br />
-bewässerung sind montierbar, auch das<br />
Ausbringen von Herbiziden ist möglich. Einrichtungen<br />
zur Schienen- und Schienenflankenschmierung<br />
sind integrierbar.<br />
Schienenschleifeinrichtung<br />
Die Schleifeinrichtung im Schleifdrehgestell<br />
besteht aus vier Schleifbänken mit jeweils drei<br />
Rutschersteinen, welche mit maximal 8,4 kN<br />
(entspricht max. 840 kg Gewichtskraft) je<br />
Schleifbank hydraulisch auf die Schiene gepresst<br />
werden. Diese Anpresskraft ist über<br />
die SPS-Steuerung variabel einstellbar, der<br />
übliche Wert liegt bei etwa 5 kN je Schleifbank.<br />
Die optimale Anpresskraft ist abhängig<br />
vom verwendetem Schleifmaterial sowie<br />
Art, Härte und Verschleißzustand der Schiene.<br />
Der Schleifvorgang kann über eine Kamera<br />
und einen Monitor im Fahrerstand<br />
Der Freiburger Tw 406 im Werk Rheine in bereits fortgeschrittenem Montagezustand (Mai 2012)<br />
überwacht werden. Das Schleifen erfolgt mit<br />
Wasserkühlung, eine hinter den Schleifsteinen<br />
angeordnete Düse spült das abgeschliffene<br />
Gemenge aus Schienenstahl und Schleifmittel<br />
weg. Die Wassermenge ist über<br />
Handventile einstellbar. Die Schleifsteine<br />
werden durch Schwalbenschwanzführungen<br />
gehalten; ein Satz Schleifsteine ist nach etwa<br />
einer Personal-Fahrschicht abgenutzt.<br />
Das Erreichen der Verschleißgrenze der<br />
Rutschersteine wird dem Fahrer am Fahrpult<br />
angezeigt. Die Schleifkörper können unterwegs<br />
getauscht werden mithilfe des an Bord<br />
befindlichen Druckluftschraubers. Ersatz-<br />
Schleifsteine werden in Schubladen mitgeführt,<br />
die im Untergestellbereich angeordnet<br />
sind. Bei Frostgefahr ist ein Freiblasen der<br />
Wasserleitungen über die Pneumatikanlage<br />
erforderlich.<br />
Technologien zum Schleifen ...<br />
Es ist zu unterscheiden zwischen „Pflegeschleifen“<br />
als kontinuierlichem Schleifen und<br />
dem intensiven Schleifen zur Beseitigung von<br />
Riffeln, Wellen oder „Girlanden“ mit sehr<br />
häufigem Überfahren der betroffenen Gleisabschnitte.<br />
Auch beim Pflegeschleifen ist ein<br />
häufigeres Überfahren einzelner Strecken-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
41
Fahrzeuge<br />
An ein Triebdrehgestell montierbare Fräseinheit zur Entfernung von Eis<br />
aus der Schienenrille<br />
Hochdruck-Sprühleiste zur Fahrwegreinigung und -bewässerung,<br />
unterhalb des Fahrerstands angeordnet<br />
abschnitte in kürzeren Abständen mit anschließend<br />
längerer Pause effektiver als ein<br />
gleichmäßiges Befahren des Gesamtnetzes.<br />
Verschiedene Schleifmittel mit unterschiedlichen<br />
Korngrößen und Bindemitteln<br />
stehen zur Verfügung für den Pflegeschliff<br />
und zur Riffelbeseitigung (bei höherem Anpressdruck)<br />
sowie zum Schleifen vor Inbetriebnahme<br />
einer neuen Strecke. Die Firma<br />
Wirthl aus Niederzirking in Oberösterreich<br />
– deren Werksgelände der ehemalige Essener<br />
Schörling-Schleifwagen 612 ziert – liefert<br />
die werksseitig verbauten Schleifsteine.<br />
Dieser Lieferant hat sich dadurch hervorgetan,<br />
dass er auf Kundenwunsch die Schleifmittel<br />
auf den jeweiligen Betrieb mittels aufwändiger<br />
Untersuchungen abstimmt.<br />
... und zur Spurrillenreinigung<br />
Unterhalb des Gefrierpunkts ist Schienenschleifen<br />
wegen der Vereisung der Schleifsteine<br />
nicht möglich. Unter diesen Bedingungen<br />
kann anstelle des Schleifdrehgestells<br />
ein Arbeitsdrehgestell mit Rillenkratzern zur<br />
Beseitigung kleinerer Schneemengen, aber<br />
auch von Verschmutzungen der Schienenrille<br />
eingebaut werden.<br />
Diese Kratzer – je einer pro Schiene – muss<br />
im Bereich von Weichen, Kreuzungen etc.<br />
vom Fahrer per Knopfdruck angehoben werden,<br />
um Schäden zu vermeiden. Zur Sicherheit<br />
ist jedoch auch ein Kollisionsschutzsystem<br />
eingebaut. Hinter dem Kratzer sind zwei<br />
42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Windhoff-Schleifwagen<br />
Das Fahrerpult ist mit allen erforderlichen Bedienelementen ausgestattet und lässt sich kundenspezifisch ergänzen<br />
OBEN Der Schleif -<br />
wagen für Helsinki<br />
war Ausstellungs -<br />
objekt auf der<br />
Innotrans im September<br />
2012<br />
Übersicht Windhoff-Schleifwagen<br />
Betreiber Spurweite Wagen-Nr. Baujahr Typ<br />
BVB Basel 1000 2330 1995 SRF 60EH<br />
SWA Augsburg 1000 41 1996 SF 40<br />
ViP Potsdam 1435 303 1997 SPF 60<br />
DVB Dresden 1435 201 001 1997 SF 50<br />
EVAG Essen 1000 641 1999 SF 60<br />
EVAG Essen 1435 653 1999 SF 60<br />
BVG Berlin 1435 4556 2000 SF 60<br />
VAG Nürnberg 1435 A16 2004 SF 50<br />
TW Warschau 1435 S1 2006 SF 50<br />
HKL Helsinki 1000 2010 2010 SF 50<br />
VAG Freiburg 1000 406 2012 SF 50<br />
HKL Helsinki 1000 2012 2012 SF 50<br />
mit variabel einstellbarer Drehzahl rotierende<br />
Bürsten von im Neuzustand 400 mm<br />
Durchmesser angeordnet. Diese können angehoben<br />
und auch seitlich herausgeschwenkt<br />
werden. Nur eine Arbeitsfahrtrichtung ist<br />
hierbei möglich.<br />
Geplante Arbeitsgestellbauart<br />
Ein weiteres projektiertes Reinigungsdrehgestell<br />
mit rotierenden Stahlbürsten dient der<br />
Schienenkopfreinigung; das Prinzip ähnelt<br />
demjenigen des früheren, in Göteborg umgebauten<br />
Schörling-Wagens der HKL Helsinki.<br />
Diese Arbeitsdrehgestell variante wurde<br />
jedoch bislang <strong>noch</strong> nicht realisiert. Das<br />
jeweils eingebaute Arbeitsdrehgestell wird<br />
von der speicherprogrammierbaren Steuerung<br />
erkannt, diese stellt dem Fahrer dadurch<br />
die entsprechenden Einstellmöglichkeiten<br />
(Schleifdruck, Bürstendrehzahl etc.)<br />
zur Verfügung.<br />
Auch für Winterdienst geeignet<br />
Zur Entfernung größerer Schneemengen aus<br />
dem Gleisbereich kann der Wagen front seitig<br />
mit einem Schneepflug (wie beispielsweise<br />
beim Fahrzeug für Warschau vorhanden)<br />
oder mit einer rotierenden Schneebürste des<br />
Herstellers Zaugg aus Eggiwil in der Schweiz<br />
ausgerüstet werden, dazu ist die Albert-<br />
Kupp lung abzubauen. Eine Breite der<br />
Bürsten walze von 2.300 mm und ein Bürstendurch<br />
messer bis zu 900 mm kann vorgesehen<br />
werden. Die Schneebürste wird über<br />
ein Summiergetriebe von zwei Elektromotoren<br />
zu je 30 kW Leistung in Rotation versetzt,<br />
die von einem separaten, im Maschinenraum<br />
angeordneten Wechselrichter<br />
Der Maschinenraum ist mit Wassertanks, Steuer-<br />
und Leistungselektronik, Hydraulikaggregaten<br />
usw. ausgefüllt<br />
gespeist werden. Die Bürste ist durch vom<br />
Fahrerpult aus gesteuerte Hydraulikzylinder<br />
vertikal und seitlich (zum vollständigen Bearbeiten<br />
auch des erweiterten Lichtraums in<br />
Gleisbögen) beweglich. Der Winkel zum Abführen<br />
des Schnees ist einstellbar. Wenn sich<br />
der Bürstenwalzendurchmesser durch Verschleiß<br />
um etwa 270 mm verringert hat,<br />
muss die Bürste erneuert werden. An der<br />
Front eines Triebdrehgestells lässt sich anstelle<br />
des Bahnräumers eine Rillenfräse mit<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
43
Fahrzeuge<br />
In skandinavischen<br />
Wintern hat sich das<br />
Arbeitsdrehgestell<br />
mit Rillenkratzern<br />
und Bürstenwalzen<br />
am Wagen 2010 in<br />
Helsinki bewährt<br />
WINDHOFF<br />
Im September 2012<br />
stellte Windhoff<br />
anlässlich der Innotrans<br />
in Berlin ein<br />
solches Drehgestell<br />
einzeln vor<br />
Literatur<br />
• Beschreibungen und Dokumente der Firma<br />
Windhoff, Rheine<br />
• Bröckers, Ulrich: Schienenschleiffahrzeug<br />
Windhoff SF 50 an die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft<br />
Nürnberg ausgeliefert, in: Verkehr<br />
und Technik 2004, Heft 9<br />
• Kübler, Thomas: Der neue Schienenschleif -<br />
wagen A16, in: Die Straßaboh 2/2004, Nürnberg<br />
2004<br />
• Otto, Kurt: Ökonomisches Schienenschleifen,<br />
in: Der Nahverkehr 2011 Heft 3<br />
rotierendem Schneidwerkzeug montieren.<br />
Dieses selbst entwickelte, effektiv arbeitende<br />
System bietet weltweit nur die Firma<br />
Windhoff an. Es dient der Entfernung von<br />
hart gefrorenem Eis aus Rillenschienen, das<br />
sich dort – insbesondere in skandinavischen<br />
Breiten – aus untertags gesammeltem Tauwasser<br />
nach abendlicher Abkühlung bilden<br />
und eine akute Entgleisungsgefahr verursachen<br />
kann. Die Räumung der Schienenrille<br />
erfolgt dabei mit einer maximalen Arbeitsfahrgeschwindigkeit<br />
von 3 km/h soweit, wie<br />
es für den Fahrbetrieb erforderlich ist. Die<br />
Schienenrille kann nicht bis zu ihrem Grund<br />
frei gefräst werden, da ihre Tiefe abhängig<br />
vom Verschleißzustand der Fahrschiene ist<br />
und ein Kontakt der Fräsmesser mit dem<br />
Schienenstahl ausgeschlossen werden muss.<br />
In Gleisbögen wird die seitliche Position der<br />
Fräswerkzeuge sicher nachgeführt.<br />
Fahrdraht-Enteisungsanlage<br />
von Stemmann<br />
Die Arbeitswagen der Firma Windhoff können<br />
optional mit einer sogenannten Fahrdraht-Enteisungsanlage<br />
ausgerüstet werden,<br />
wobei der Begriff „Enteisung“ in die Irre<br />
führt, da das System eine Vereisung vorbeugend<br />
verhindert. Auf einer gebräuchlichen<br />
Einholm-Dachstromabnehmerkinematik ist<br />
dabei anstelle der Schleifleiste eine Filzrolle<br />
angeordnet. Diese wird von innen mit Glycerin<br />
getränkt, welches über Rohr- und<br />
Schlauchleitungen aus einer im Fahrerraum<br />
angeordneten Anlage druckluftbasiert gespeist<br />
wird. Die Filzrolle rollt während der<br />
Fahrt am Fahrdraht ab und benetzt diesen<br />
mit dem Glycerin, das eine Eisbildung wirksam<br />
verhindert. Überschüssig von der Filzrolle<br />
tropfende Flüssigkeit gelangt in eine<br />
Auffangwanne, von wo aus sie zur Entsorgung<br />
in die Basisanlage zurück geleitet wird.<br />
Pro 100 km werden etwa 20 l Glycerin verbraucht.<br />
Eine Fahrdrahtvereisung kann<br />
durch den Glycerin-Auftrag für zwei bis drei<br />
Tage wirksam unterbunden werden. Die maximale<br />
Betriebsgeschwindigkeit des Fahrzeuges<br />
beim Einsatz der Anlage beträgt circa<br />
30 km/h.<br />
Weitere Einsatzfelder<br />
Neben all den geschilderten Einsatzmöglichkeiten<br />
stellt die ebenso zulässige Verwendung<br />
des Fahrzeugs als Schleppwagen<br />
demnach schon gleichsam eine Unterforderung<br />
dar. Das neue Fahrzeug der VAG Freiburg<br />
weist als Sonderbauform nur jeweils<br />
rechts eine Fahrerstandstür auf; zusätzlich<br />
ist die Wasserdruckanlage über zwei Seitenwanddeckel<br />
auch von außen zugänglich.<br />
Eine Fahrdraht-Messeinrichtung ist eingebaut.<br />
Der 2012 gebaute zweite Wagen der<br />
HKL Helsinki hat in der Wasserversorgung<br />
Hoch- und Niederdruckpumpen eingebaut.<br />
<strong>Als</strong> Besonderheit haben die Wagen in Helsinki<br />
eine bevorzugte Fahrtrichtung, der<br />
zweite Fahrerstand hat nur eine Basisausstattung.<br />
Frontschneebürste und ein Arbeitsdrehgestell<br />
mit Rillenkratzern gehören<br />
zum Lieferumfang.<br />
Ältere Fahrzeuge weisen Ausstattungen<br />
anderer Hersteller auf, beispielsweise hat der<br />
Nürnberger Schleifwagen eine elektrische<br />
Ausrüstung der Firma Refo. Die Schleif- und<br />
Arbeitswagen aus Rheine wurden über viele<br />
Jahre konsequent weiterentwickelt und<br />
haben inzwischen einen sehr stabilen Entwicklungsstand<br />
erreicht, so dass damit den<br />
Betreibern ein zuverlässiges und äußerst flexibel<br />
einsetzbares Arbeitsmittel zur Verfügung<br />
steht.<br />
WINFRIED WOLFF<br />
44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Museumswagen Darmstadt<br />
Seit 2012 sind die Darmstädter Museumswagen in einem neuen Depot an der Wendeschleife am Bahnhof Kranichstein hinterstellt, hier (v.l.n.r.)<br />
Tw 37 (ST2, Bj. 1913), Tw 57 (ST3, Bj. 1925), Tw 31 (ST7, Bj. 1961), Tw 8210 (ST11, Bj. 1982) und Tw 7608 (ST10, Bj. 1977)<br />
HEAG MOBILO<br />
Alte Schätze<br />
unter neuem Dach<br />
Oldtimer im neuen Depot der HEAG mobilo Darmstadts Museumsstraßenbahnwagen stehen<br />
unter einem neuen Dach. Pünktlich zum 100. Firmenjubiläum der HEAG zogen die historischen<br />
Fahrzeuge 2012 in ein neues Depot. Doch das ist nur ein Etappenziel …<br />
Irgendwann in den 1990er-Jahren fiel bei<br />
der damaligen HEAG (Hessische Elektrizitäts-AG)<br />
die Entscheidung, von jedem<br />
ausscheidenden Straßenbahnwagentyp<br />
ein Exemplar zu erhalten. Für den<br />
letzten ST4 im Bestand, Wagen 76, kam diese<br />
Entscheidung zu spät, so dass der Wagen<br />
1990 verschrottet wurde. Zwei ST2 und ein<br />
Beiwagen SB3 sowie ein ST3 waren aber<br />
<strong>noch</strong> vorhanden, und einige Straßenbahnfreunde<br />
<strong>hatte</strong>n bereits den Wagen 37 (ST2)<br />
in einen historischen Zustand zurückverwandelt;<br />
der zweite ST2 Nr. 49 mit dem Beiwagen<br />
132 fuhr als „Kinderstraßenbahn“<br />
viele Jahre an etlichen Wochenenden durch<br />
Darmstadt, um Eltern ein ungestörtes Einkaufen<br />
zu ermöglichen.<br />
Situation nach 1990<br />
Die KSW (ST5) waren bereits früh und unrühmlich<br />
ausgeschieden. Von den ST6 – den<br />
letzten beschafften Zweiachsern vom Verbandstyp,<br />
welche bis Anfang der 1990er-Jahre<br />
im regulären Einsatz standen – waren aber<br />
bereits drei Wagen auf der Erhaltungsliste:<br />
12, 15 und 17 (letzterer für den Partyzug<br />
„Datterich-Express“), zusätzlich Wagen 11<br />
als Schleifwagen. Wagen 12 ersetzte dann<br />
den 17er im Datterich-Express, nachdem<br />
dieser bei einem Brand im Depot Böllenfalltor<br />
irreparabel beschädigt worden war. Ernst<br />
wurde es dann 1998: Die Niederflurtriebwagen<br />
vom Typ ST13 traten auf den Plan<br />
und lösten die hochflurigen Sechsachser der<br />
Typen ST7 und ST8 (Düwag-ähnlich, gebaut<br />
bei Waggon-Union) ab. Drei dieser Wagen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
45
Fahrzeuge<br />
Der Tw 67 gehört zum 1925 gelieferten Typ ST3. Nach der Ausmusterung gelangte er zum OEG-Museum nach Viernheim und danach zu den<br />
Stadtwerken Worms. Da er dort nicht witterungsgeschützt aufgestellt werden konnte, kam er als Leihgabe zur AG Historische HEAG-Fahrzeuge<br />
mit den Nummern 25, 26 und 31 verblieben<br />
in Darmstadt, die restlichen fanden eine neue<br />
Bleibe im rumänischen Iasi.<br />
Auch die aus Remscheid stammenden ST9<br />
<strong>hatte</strong>n inzwischen im Linienbetrieb ausgedient;<br />
mangels Bezug zu Darmstadt blieb jedoch<br />
vor Ort keiner dieser Triebwagen er-<br />
halten. 2007 schließlich folgte mit den ST14<br />
eine zweite Serie Niederflurwagen, welche<br />
dann auch die <strong>noch</strong> verhältnismäßig jungen<br />
Hochflurwagen der Typen ST10 und ST11<br />
ersetzte. Auch von diesen war je ein Wagen<br />
zur Erhaltung vorgesehen, während die Übrigen<br />
nach Rumänien gingen.<br />
Nicht nur der Bestand an Linienfahrzeugen<br />
wurde größer, auch die Oldtimer-Sammlung<br />
nahm zu. So langsam wurde jetzt der<br />
Platz knapp. Mehrere Stände des Depots<br />
Frankenstein waren inzwischen ausschließlich<br />
mit historischen Fahrzeugen belegt, während<br />
die modernen ST13 und ST14 draußen<br />
Das Fahrpult eines ST3 von 1925, hier im Tw 66: solide, robust und auf das Allernotwendigste<br />
beschränkt. Den Fahrschalter lieferten natürlich die Siemens-Schuckertwerke<br />
UNTEN Die Inneneinrichtung von Wagen 67 ist<br />
<strong>noch</strong> vollständig vorhanden<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Museumswagen Darmstadt<br />
bleiben mussten. Ein auf Dauer kaum haltbarer<br />
Zustand!<br />
Längst war aus der HEAG die HEAG Verkehrs-GmbH<br />
geworden. 2004 erfolgte in<br />
Hinblick auf Wettbewerbsvorgaben der Europäischen<br />
Union die Umfirmierung und<br />
Aufgliederung in einen Teilkonzern unter<br />
dem Dach der HEAG Holding AG. Die Verkehrssparte<br />
war nun unter dem Namen<br />
„HEAG mobilo“ unterwegs mit den Tochterfirmen<br />
„HEAG mobi<strong>Tram</strong>“ und „HEAG<br />
mobiBus“ (sowie „HEAG mobiServ“ für<br />
den Teil der Buswerkstatt). Seit einigen Jahren<br />
ist auch die Nahverkehrs-Service GmbH<br />
(NVS) eine Tochter der HEAG mobilo. Ihr<br />
Aufgabenfeld sind ebenfalls Busverkehre.<br />
<strong>Tram</strong> im Eisenbahnmuseum<br />
Parallel wurden die Straßenbahnfreunde<br />
rührig, die sich zu einem wesentlichen Teil<br />
aus HEAG-Mitarbeitern rekrutieren, darunter<br />
zahlreiche Straßenbahnfahrer. In Zusammenarbeit<br />
mit dem Eisenbahnmuseum<br />
in Darmstadt-Kranichstein kam 1997 der<br />
ST4-Triebwagen 71, der fast 20 Jahre auf einem<br />
Spielplatz gestanden <strong>hatte</strong>, in das Eisenbahnmuseum.<br />
Zur 100. Betriebsjubiläum der Darmstädter<br />
Straßenbahn im gleichen Jahr gelangte<br />
in Zusammenarbeit mit dem Kranichsteiner<br />
Museum erstmals ein historischer<br />
Dampfzug wieder auf die Gleise der HEAG.<br />
Der „Feurige Elias“ war ein solcher Erfolg,<br />
dass sich im Jahr darauf die „Arbeitsgemeinschaft<br />
Historische HEAG-Fahrzeuge“<br />
gründete. Dieser Verein betreibt seitdem<br />
nicht nur den Dampfzug, sondern kümmert<br />
sich auch um die Erhaltung der historischen<br />
Fahrzeuge. Neben diesen Aufgaben bemühten<br />
sich die Vereinsmitglieder umgehend<br />
RECHTS „Klassische“ Technik im Wagen 67, einem<br />
der ST3-Triebwagen aus dem Jahr 1925<br />
Die Museumsfahrzeuge<br />
Nicht alle Oldtimer-Fahrzeuge der HEAG mobilo sind in Kranichstein untergebracht. Warum nicht? Nun,<br />
einige der Fahrzeuge werden betriebsfähig erhalten und müssen sich in der Hauptwerkstatt auf dem Betriebshof<br />
Böllenfalltor den notwendigen Untersuchungen unterziehen. Außerdem sind <strong>noch</strong> Fahrzeuge<br />
im Zustand der Aufarbeitung, also in einem Zustand, der sich (<strong>noch</strong>) nicht vorzeigen lässt. Eine aktuelle<br />
Bestandsübersicht (nach Baujahren geordnet):<br />
Typ Nummer Baujahr Bemerkungen<br />
ST2 37 1913 In den Originalzustand zurückversetzt<br />
ST2 49 1913 Kinder-Straßenbahn<br />
ST3 57 1925 immer in Darmstadt verblieben, betriebsfähig<br />
ST3 66 1925 Ex-Hilfsgerätewagen, 1977 Schönau, 1994 Naumburg, 2002 zurück<br />
ST3 67 1925 1977 DGEG Viernheim, 1991 Stadtwerke Worms, 2004 zurück<br />
SB3 132 1927 Ex-Kinder-Straßenbahn, seit 2006 im Originalzustand, betriebsfähig<br />
ST4 71 1929 1979 Kindergarten Wixhausen, 1997 Eisenbahnmuseum Kranichstein (1)<br />
ST4 74 1929 1977 Museum Wehmingen (Hannover), 2005 zurück (2)<br />
ST5 507 1948 KSW-Triebwagen, Ex-Augsburg (3)<br />
SB5 171 1948 KSW-Beiwagen, 1977 Schönau, 1995 Naumburg, 2002 zurück (4)<br />
SB6 182 1951 Beiwagen Verbandstyp, immer in Darmstadt<br />
ST6 15 1954 Verbandstyp, immer in Darmstadt<br />
SB6 202 1956 Beiwagen Verbandstyp, 1964 Ex-Regensburg<br />
ST7 25 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />
ST7 26 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />
ST7 31 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />
SB7 154 1965 Beiwagen zu ST7, ST8, ST10, ST11; immer in Darmstadt<br />
ST10 7608 1977 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />
ST11 8210 1982 erster Achtachser, immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />
(1) Wegen starker Schäden auf Grund langer Abstellung im Freien konnte das Fahrzeug nicht erhalten werden. Nach<br />
Rückkehr von Wagen 74 wurde Wagen 71 im Jahr 2005 abgebrochen. Alle <strong>noch</strong> verwendbaren Teile wurden sicher<br />
gestellt, um sie für den Aufbau von Wagen 74 zu verwenden.<br />
(2) Auch Wagen 74 befindet sich in einem schlechten Gesamtzustand, da er in Wehmingen im Freien gestanden hat.<br />
Eine Überführung nach Kranichstein war in diesem Zustand ein zu großes Risiko, so dass der Wagen nach wie vor<br />
geschützt am Frankenstein steht. Sponsoren für einen Wiederaufbau sind willkommen!<br />
(3) Darmstadt besaß fünf KSW-Triebwagen mit den Nummern 81 bis 85. Keiner ist erhalten geblieben. Daher wurde aus<br />
Augsburg Wagen 507 angekauft. Mit der Aufarbeitung wurde begonnen. Die zukünftige Darmstädter Wagennummer<br />
ist <strong>noch</strong> nicht fest gelegt, frei (<strong>noch</strong> nie belegt) wäre in der einschlägigen Nummerngruppe lediglich die 80.<br />
(4) Wagen 171 befindet sich derzeit in der betriebsfähigen Aufarbeitung in der HW Böllenfalltor. Zusammen mit<br />
Tw 507 würde er einen klassischen KSW-Zug repräsentieren.<br />
Auch der Dampfzug „Feuriger Elias“ verbleibt am Frankenstein. Dort gibt es die zu seiner Unterhaltung notwendige Infrastruktur,<br />
außerdem findet er dort seine Einsatzstrecke „vor der Depot-Tür“.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
47
Fahrzeuge<br />
Fast fertig präsentiert sich der KSW-Beiwagen 171. Darmstadt <strong>hatte</strong> 1948/49 neun dieser Beiwagen erhalten, die unter der Typenbezeichnung<br />
SB5 geführt wurden. Nach der Ausmusterung gelangte der Bw 1977 nach Schönau, 1995 nach Naumburg. 2002 kehrte er nach Darmstadt zurück<br />
Blick durch die neue Halle: rechts der zum Arbeits-Tw<br />
umgebaute ST3 66. Das große „H“<br />
steht für „Hilfsgerätewagen“. Er wurde 1977<br />
an einen Privatmann verkauft, gelangte über<br />
Schönau und Naumburg 2002 zur HEAG zurück<br />
auch darum, weitere <strong>noch</strong> erhaltene Fahrzeuge<br />
aus früheren Darmstädter Zeiten nach<br />
Hause zu holen, wobei es einige bemerkenswerte<br />
Erfolge gab (s. Kasten). Aber wohin<br />
damit?<br />
Ein Depot zum 100. Jubiläum<br />
der HEAG Darmstadt<br />
Das für 2012 anstehende 100. Jubiläum der<br />
HEAG gab den Anstoß: Die HEAG mobilo<br />
baut ein neues Depot für ihre historischen<br />
Fahrzeuge! Und die Lokation wurde nicht<br />
ohne Grund gewählt: Innerhalb der Wendeschleife<br />
am Bahnhof Kranichstein, schräg<br />
gegenüber vom Eisenbahnmuseum! Warum<br />
„Depot“ und nicht „Museum“? Der Hintergrund<br />
ist einfach: Ein Museum müsste einen<br />
Platz erhalten, wo auch ein reger Besucherstrom<br />
zu verkraften wäre, ohne die<br />
benachbarten Anwohner zu stören. Solche<br />
Orte, die auch <strong>noch</strong> einen Anschluss an das<br />
Streckennetz der HEAG mobilo haben, sind<br />
in Darmstadt schwer zu finden.<br />
Daher gibt es strenge Restriktionen bezüglich<br />
der Öffnungszeiten: Nur an vier Tagen<br />
im Jahr darf das Depot für die All gemeinheit<br />
geöffnet sein. Es gibt in der Nachbarschaft<br />
so gut wie keine Parkplätze, und<br />
so sind Probleme mit den Anwohnern vorhersehbar,<br />
die man auf ein Minimum begrenzen<br />
möchte. Soweit möglich, wird man<br />
diese Öffnungszeiten mit dem benachbarten<br />
Eisenbahnmuseum abstimmen. Allerdings<br />
sind nach vorheriger Terminvereinbarung<br />
jederzeit Sonderveranstaltungen und<br />
Führungen für begrenzte Teilnehmergruppen<br />
möglich.<br />
Im Juni 2012 wurden die nicht betriebsfähigen<br />
Fahrzeuge vom Betriebshof Fran-<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Museumswagen Darmstadt<br />
Der Führerplatz von Wagen 15. Im Vergleich zu Wagen 66 sind 30 Jahre technischen Fortschritts deutlich erkennbar: Alles wirkt etwas einladender,<br />
ergonomischer mit Holz und Kunststoff statt Gusseisen. Und in den letzten Betriebsjahren ist sogar etwas Elektronik eingezogen<br />
ST6-Triebwagen 15 gehört zu einer Serie von<br />
neun Fahrzeugen, die 1954 in Dienst gingen.<br />
Er war bis zum Ende des Zweiachser-Einsatzes<br />
im Dienst. Er wird im Zustand des dahinter<br />
sichtbaren Beiwagens restauriert<br />
Termine 2013<br />
Kranichsteiner Eisenbahntage: 9./11./12. Mai<br />
Shuttlebetrieb Hauptbahnhof – Kranichstein<br />
von 11–18 Uhr im Stundentakt mit historischer<br />
Straßenbahn<br />
„Tage der offenen Tür“ im Depot Kranichstein<br />
(gemeinsamer Auftritt unter „Bahnwelt Kranichstein“)<br />
Do, 9. Mai, und So, 12. Mai, von 11–17<br />
Uhr<br />
Dampfstraßenbahn Eberstadt – <strong>Als</strong>bach<br />
19./20./26./30. Mai, 2./9. Juni<br />
Dampfstraßenbahn Darmstadt – Griesheim<br />
1. /8./15./22./28./29. September; am 8. September<br />
zusätzlich mit „historischer Grenzkontrolle“<br />
kenstein nach Kranichstein überführt. Die<br />
„Selbstfahrer“ folgten in den Wochen danach.<br />
Anlagen des Depots<br />
Am 1. September 2012 wurde das neue Depot<br />
anlässlich des konzerneigenen Tags der<br />
offenen Tür eröffnet. Die lichtdurchflutete<br />
Halle bietet auf 5 Gleisen jetzt schon einen<br />
abwechslungsreichen Überblick über die Geschichte<br />
der HEAG-Fahrzeuge. Zahlreiche<br />
historische Fotos, faszinierende Bilder des<br />
Kunstmalers Rainer Ohl sowie eine Modellstraßenbahnanlage<br />
für die Kinder runden<br />
die Ausstellung ab. Eine kleine Küche<br />
ermöglicht die Bewirtung von Gästen und<br />
auch Video-Vorführungen sind möglich.<br />
Der Autor dankt Volker Feick und Peter<br />
Bickelhaupt für ihre wertvolle Unterstützung<br />
beim Erstellen dieses Artikels.<br />
JÖRN SCHRAMM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
49
Geschichte<br />
50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Einst & Jetzt<br />
Einst<br />
& Jetzt<br />
In der Innenstadt der westrumänischen<br />
Stadt Timisoara setzt am 30. August<br />
1982 der Zweiachser-Doppeltriebwagen<br />
154 + 153 auf einem Stumpfgleis für<br />
seine Rückfahrt nach Ronat um. Er<br />
stammt aus den 1950er-Jahren und ist in<br />
Ermangelung ausreichender Pflege auch<br />
optisch deutlich in die Jahre gekommen.<br />
Die Gleisanlagen im Zentrum wurden<br />
später vereinfacht und eine durch die<br />
Altstadt führende Strecke stillgelegt, so<br />
dass an dieser Stelle das auf dem Bild<br />
hinten rechts nicht mehr erkennbare<br />
Gleisdreieck entfallen ist. Das Stumpfgleis<br />
ist auch heute <strong>noch</strong> vorhanden,<br />
jedoch endet hier keine Linie mehr<br />
regelmäßig. Am 9. Juni 2012 fährt ein<br />
ex-Münchner Zug in die Haltestelle an<br />
der Piata Libertatii ein. Er wird von<br />
Trieb wagen 2013 vom Typ P3.16 (1967<br />
bei Rathgeber gebaut) geführt, der im<br />
Jahr 2001 aus Deutschland übernommen<br />
wurde.<br />
TEXT/FOTOS: BERNHARD KUSSMAGK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
51
Geschichte<br />
Alltagsbetrieb 1951/52: Rechts nimmt ein<br />
Verstärker der Linie 31 (Bahrenfeld, Trabrennbahn<br />
– Billstedt) mit dem betagten<br />
Tw 2250 (Z1P, Baujahr 1895) am Hauptbahnhof<br />
den Bogen vom Steintorwall in<br />
den Steintordamm. Der V5-Zug im Hintergrund<br />
wartet auf Weiterfahrt in Richtung<br />
Lombardsbrücke<br />
ALLE SCHWARZWEISS-AUFNAHMEN: K. LINDOW, SLG. R. SCHULZ<br />
<strong>Als</strong> die »<strong>Als</strong>ter-<strong>Tram</strong>«<br />
<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong><br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Hamburg<br />
<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren<br />
Nach 1945 erholte sich die Straßenbahn in der<br />
Hansestadt <strong>noch</strong> einmal. Bis Mitte der 1950er-<br />
Jahre gab es mehrere positive Entwicklungen –<br />
doch damit <strong>hatte</strong> der Betrieb in der Nachkriegszeit<br />
seinen Zenit erreicht. Fortan ging es bergab – bis<br />
schließlich 1978 die letzte <strong>Tram</strong> an der <strong>Als</strong>ter fuhr<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
53
Geschichte<br />
Die bereits auf der vorigen Doppelseite vorgestellte Ecke Steintorwall/Steintordamm aus einem anderen Blickwinkel: Tw 2358 macht sich<br />
etwa 1952 auf der 17,9 Kilometer langen Linie 2 mit einem passenden Beiwagen auf den Weg zur Horner Rennbahn. Im Hintergrund ist das<br />
Hauptpostamt sichtbar, das in den 1920er-Jahren an den hanseatischen Stil angepasst worden war<br />
Seit 1978 gibt es in Hamburg keine<br />
Straßenbahn mehr – eine folgenreiche<br />
Fehlentscheidung der seinerzeit<br />
zuständigen politischen Kräfte, die<br />
bedauerlicherweise trotz warnender Hinweise<br />
von Fachleuten unbeirrt durchgezogen<br />
wurde, obwohl <strong>noch</strong> bis zu Beginn der<br />
1970er-Jahre sinnvolle Korrekturmöglichkeiten<br />
auf der Grundlage des damaligen<br />
Restnetzes bestanden.<br />
Fakt ist, dass die vollmundigen Ankündigungen<br />
und Versprechungen des Hamburger<br />
Senats zur langfristigen Schaffung eines<br />
höherwertigen Ersatzes für die entfallenden<br />
Straßenbahnstrecken durch einen entsprechend<br />
systematischen und großzügigen<br />
Schnellbahnbau weitgehend unerfüllt blieben.<br />
Das Gros der Mitte der 1950er-Jahre<br />
bestehenden Straßenbahnstrecken wurde<br />
nachweislich nicht durch neue U- und<br />
S-Bahnstrecken ersetzt, sondern durch<br />
Omni busse, deren Qualität in puncto Bequemlichkeit<br />
(für den Fahrgast nicht unerheblich…)<br />
und Leistungsfähigkeit deutlich<br />
unter dem Niveau moderner Straßenbahnen<br />
lag und liegt.<br />
Die Hintergründe<br />
Die Hintergründe dieser Fehlentwicklung sind<br />
bekannt: Der hohe Kapitalbedarf für den Bau<br />
neuer U- und S-Bahnstrecken ließ schlussendlich<br />
nur die Realisierung weniger Strecken<br />
zu. Die entstandenen Lücken wurden mit dem<br />
vordergründig „billigen“ Bus gefüllt. Die <strong>noch</strong><br />
lange Zeit mögliche sinnvolle Anpassung des<br />
verbleibenden und durchaus leistungsfähigen<br />
In der Schleife am Bahnhof Harburg haben sich ein Obus und der V3-Tw 3041 (Baujahr 1937) eine<br />
Flankenfahrt geliefert. Wegen Straßenausbaues wurde die Linie 44 am 30. August 1954 eingestellt;<br />
es war nebenbei die höchste Liniennummer, die in Hamburg jemals in Gebrauch war<br />
Diese Tafel am Hbf zeigte mahnend die wöchentlichen<br />
Unfallzahlen. Die Straßenbahn<br />
schneidet dabei um 1952 gut ab!<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Hamburg<br />
Der frisch revidierte Z1S-Tw 2373 auf einem Verstärkerkurs der Linie 13 (Langenfelde – Bf. Harburg) mit Zielschild „Veddel“ ist am Glockengießerwall<br />
abgelichtet worden. Die Lesbarkeit der kleinen Zielschilder der Verstärker ist recht dürftig; offenbar war man damals der Ansicht,<br />
dass die meisten Fahrgäste sowieso „Stammkunden“ sind und wissen, wohin die Reise geht …<br />
„Straßenbahn-Restnetzes“, teilweise mit erst<br />
wenige Jahre zuvor aufwendig geschaffenem<br />
eigenem Gleiskörper an den Baufortschritt der<br />
U- und S-Bahn-Neubaustrecken (wie z.B. in<br />
München) wurde von den damals zustän digen<br />
Stellen offensichtlich keiner näheren Betrachtung<br />
unterzogen. Das hätte eine Revision des<br />
seinerzeit gefassten Umstellungsbeschlusses<br />
bedeutet, wozu man aus vermutlich internen<br />
Gründen nicht willens war ...<br />
Die Beschränkung auf zwei Verkehrsträger<br />
in Form von Schnellbahn und Omnibus<br />
wurde daher unverdrossen als „fortschrittlich“<br />
und für Hamburg zugleich als „alternativlos“<br />
(wie man heute sagen würde) propagiert<br />
und so nahm die Umstellung der<br />
Straßenbahn ihren Lauf.<br />
Der Neubeginn nach 1945<br />
Dabei <strong>hatte</strong> es nach dem beschwerlichen Neubeginn<br />
im Mai 1945 bis etwa Mitte der 1950er-<br />
Jahre für die Straßenbahn in Hamburg durchaus<br />
verheißungsvoll ausgesehen. Das<br />
Straßenbahnnetz besaß seit Anfang der 1950er-<br />
Jahre wieder eine klare Struktur. Natürlich waren<br />
nach den schweren Zerstörungen im Stadtgebiet<br />
vom Sommer 1943 hauptsächlich in den<br />
Bezirken Altona, Eimsbüttel, Barmbek, Hamm<br />
und Hammerbrook (letzterer seitdem praktisch<br />
unbewohnt, aber inzwischen wenigstens wieder<br />
ein Geschäftsviertel) einige Straßenbahnstrecken<br />
nicht mehr in Betrieb genommen worden,<br />
da dort die Verkehrsströme nun anders<br />
liefen, aber ansonsten war das Vorkriegsnetz<br />
nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar<br />
punktuell erweitert worden.<br />
Manche zweiachsige Trieb- und Beiwagen trugen 1951 <strong>noch</strong> ihren Ursprungslack,<br />
hier Tw 2246. Ab 1946 wurde der elfenbeinfarbene Anstrich<br />
bei Hauptrevisionen durch einen in Rot/Créme ersetzt<br />
Wie hier Tw 2422 am Rathausmarkt so <strong>hatte</strong>n viele Tw die Nummernwürfel<br />
und drehbaren Fahrtzielanzeiger auf dem Dach verloren und<br />
eine nicht unbedingt besser lesbare Rollbandanzeige erhalten<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
55
Geschichte<br />
In der Schleife in Billstedt entstand am 18. August 1958 diese Aufnahme von Straßenbahnwagen der V7-Familie und zeitgenössischen Bussen.<br />
Stolz prangt am Heck des Bw 4211 die Zielanzeige Lurup. Das war die 1955 als letzte Hamburger Neubaustrecke in Betrieb gegangene Verlängerung<br />
von Bahrenfeld nach Westen<br />
R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />
<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahnen unterschieden sich …<br />
... von den anderen deutschen Straßenbahnbetrieben – zumindest in den letzten Jahren ihres Bestehens.<br />
Das fing an mit den kantigen, aber durchaus eleganten<br />
Vierachsern der Serien V6 und V7, die seit<br />
1969 die Alleinherrschaft auf <strong>Hamburgs</strong> Schienen<br />
übernommen <strong>hatte</strong>n. Straßenbahnwagen mit den<br />
zeittypischen Rundungen, wie sie in Deutschland<br />
vereinzelt schon in den 1930er Jahren und dann<br />
„in Massen“ seit Anfang der 1950er Jahre flächendeckend<br />
beschafft wurden, <strong>hatte</strong>n in Hamburg<br />
keine Chance. Der einsame PCC-Tw 3060<br />
stand somit nicht nur technisch, sondern auch optisch<br />
auf verlorenem Posten.<br />
Auch die fahrtechnisch nicht sehr überzeugenden<br />
Gelenktriebwagen des Typs VG – Neukarossierungen<br />
auf alten Untergestellen ausgemusterter<br />
Zweiachser – übernahmen <strong>noch</strong> Mitte der<br />
1950er Jahre entgegen dem damals vorherrschenden<br />
Design-Zeitgeist die kantige Formgebung<br />
der V6/V7-Familie – wenn auch in etwas<br />
pausbäckiger Form …<br />
Verjüngende Wagenenden Pflicht<br />
Letztlich war der zulässige Wagenkastenausschlag<br />
in den Gleisbögen – z.B. in der allbekannte „Hüllkurve“<br />
– der Grund für die sich stark verjüngenden<br />
Fahrzeugenden.<br />
Gewiss hätte man die Wagenenden im Stile der<br />
damaligen Zeit etwas „gefälliger“ abrunden können,<br />
wie es auch bei den Probewagen der Serie V4<br />
gemacht wurde, aber das war bei der nachfolgenden<br />
Serie V5 bereits kein Thema mehr gewesen<br />
und möglicherweise auch aufgrund kriegsbedingter<br />
„Entfeinerung“ als betrieblich nicht<br />
notwendig verworfen worden.<br />
Die Optik der 1941/43 beschafften Serie V5<br />
prägte daher weitgehend die Formgebung der Serien<br />
V6 und V7. Viele Betrachter fanden sie damals<br />
wie heute ausgesprochen formschön, elegant und<br />
irgendwie „kernig“ – im Gegensatz zu den „rundgelutschten“<br />
Düwag-Großraum- und Gelenkwagen<br />
und den diversen Konkurrenzprodukten im In- und<br />
Ausland …<br />
Selbstverständlich gab es auch davon Ausnahmen:<br />
der bemerkenswert gut gestaltete Kölner Großraumwagen<br />
von Westwaggon (Serie 1300) aus dem<br />
Jahre 1956 oder die Triebwagentypen N, S und SO<br />
der belgischen SNCV/NMVB aus der gleichen Epoche<br />
– um nur einige zu nennen.<br />
Der Stangenbetrieb bleibt!<br />
Noch ein Alleinstellungsmerkmal war natürlich der<br />
Betrieb mit dem Stangenstromabnehmer – spätestens<br />
seit Ende der 1960er-Jahre in Deutschland ziemlich<br />
abseitig. Aber es funktionierte erstaunlich gut!<br />
Stangenentgleisungen waren eher die Ausnahme.<br />
Der Stangenbetrieb funktionierte weitestgehend problemlos<br />
– natürlich auch dank gut unterhaltener<br />
Fahrleitung.<br />
Die Kontaktrolle klapperte in der Regel bei etwas<br />
reduzierter Geschwindigkeit über Luftweichen und<br />
Luftkreuzungen, dann nahm der Wagen Fahrt auf<br />
und die Rolle gab alsbald ein zischendes Geräusch<br />
von sich, das bei jeder Fahrdrahtklemme kurz unterbrochen<br />
wurde. Hören konnte man dieses zischende<br />
Geräusch recht lange – das muss an der<br />
Frequenz gelegen haben. Bei Obussen fehlt dieses<br />
zischende Geräusch bei der Fahrt, da hier Kontaktschuhe<br />
verwendet werden.<br />
Es wurde trotz Stange übrigens durchweg zügig<br />
und auf manchen Abschnitten regelrecht „rasant“<br />
gefahren! Der Verfasser erinnert sich an eine Tour<br />
mit der Linie 11 von Bahrenfeld nach Harburg, wo<br />
speziell im Abschnitt Veddel – Wilhelmsburg – Harburg<br />
ein bemerkenswertes Tempo angeschlagen<br />
wurde. Da kam Freude auf!<br />
Das Festhalten der Hamburger Straßenbahn am<br />
Stangenbetrieb ist insoweit etwas merkwürdig, als<br />
zum einen bereits gegen Ende der 1930er-Jahre<br />
die Umstellung auf Bügelbetrieb ins Auge gefasst<br />
wurde und zum anderen im Zuge des Wiederaufbaues<br />
des Straßenbahnnetzes nach dem Zweiten<br />
Weltkrieg eine gute Gelegenheit bestand, gleichzeitig<br />
auch zum Bügelbetrieb überzugehen, zumal<br />
am Fortbestand des Straßenbahnbetriebs damals<br />
<strong>noch</strong> kein Zweifel bestand – im Gegenteil! Berlin<br />
– und mit etwas Verzögerung dann München und<br />
Stuttgart sowie Braunschweig und Augsburg nahmen<br />
diese Gelegenheit wahr und stellten auf Bügelbetrieb<br />
um, wobei allerdings in Berlin kurz nach<br />
Abschluss der Umstellung der fatale Stilllegungsbeschluss<br />
fiel …<br />
Hohe Kosten befürchtet<br />
Da die Umstellung der Fahrleitung auf Bügelbetrieb<br />
trotz höherer Störungsfreiheit bei gleichzeitig<br />
geringerem Wartungsaufwand den<strong>noch</strong> zunächst<br />
nicht unbeträchtliche Kosten verursacht<br />
hätte, war man in Hamburg möglicherweise etwas<br />
zögerlicher und zurückhaltender. <strong>Als</strong> Ende der<br />
1950er-Jahre klar wurde, dass die „Restlaufzeit“<br />
der Straßenbahn wohl nur <strong>noch</strong> 20 bis 25 Jahre<br />
betragen dürfte, beließ man es beim Stangenbetrieb,<br />
der ja trotz seiner technischen Rückständigkeit<br />
dem Alltagsbetrieb vollauf gewachsen war.<br />
Die meisten Straßenbahnfreunde nahmen es<br />
mit Freude zur Kenntnis, denn das war ein weiterer<br />
Aspekt, an dem sich <strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn<br />
von anderen Betrieben unterschied.<br />
REINHARD SCHULZ<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Hamburg<br />
Z1b-Tw 2445 – bereits<br />
mit Rollbandanzeige<br />
– liefert<br />
sich 1952 in der<br />
Mönckebergstraße<br />
ein kleines Wettrennen<br />
mit einem Opel-<br />
Blitz. Im Hintergrund<br />
drängen sich<br />
die Passanten vor<br />
den zahlreichen Geschäften<br />
und Kaufhäusern,<br />
die die<br />
Mönckebergstraße<br />
säumen<br />
Den Anfang machte die größtenteils mit<br />
altbrauchbarem Schienenmaterial aus stillliegenden<br />
Stadtstrecken erbaute Neubaustrecke<br />
von Barmbek, Neuer Schützenhof<br />
nach Bramfeld, die die völlig überlastete Omnibuslinie<br />
D ersetzte und am 16. Mai 1948<br />
eröffnet wurde. In Bramfeld <strong>hatte</strong>n sich nach<br />
Ausdehnung des Hamburger Straßenbahnnetzes<br />
in den 1950er-Jahren mit den Einstellungen<br />
bis zum Jahr 1962<br />
J. PERBANDT<br />
den Zerstörungen im inneren Stadtgebiet<br />
zahlreiche Bewohner angesiedelt, so dass ein<br />
Anschluss an das Straßenbahnnetz erforderlich<br />
wurde.<br />
Im Jahre 1951 gingen weitere seit Kriegsende<br />
nicht mehr genutzte Strecken wieder in<br />
Betrieb: Am 1. Mai wurde die Strecke vom<br />
Rödingsmarkt über Kaiser-Wilhelm-Straße<br />
zum Sievekingsplatz (Linie 6) und die Verbindung<br />
vom Neuen Pferdemarkt über<br />
Schulterblatt und Lappenbergsallee nach<br />
Langenfelde (Linie 33) wieder dauerhaft in<br />
Betrieb genommen.<br />
Weitere Wiederaufbauten<br />
Kurz darauf folgten am 24. Juni 1951 die<br />
Strecken von der Borgfelder Straße über Sievekingsdamm,<br />
Sievekingsallee zur Horner<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
57
Geschichte<br />
Ein Zug der Linie 1 passiert auf der Fahrt nach Billstedt die St.-Pauli-Landungsbrücken, den Haupt-Umsteigepunkt zu den damals stark genutzten<br />
Hafenfähren. Bei der Betrachtung der Aufnahme aus der Mitte der 1950er Jahre mag man kaum glauben, dass <strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn das<br />
viel zitierte Verkehrshindernis darstellte<br />
B. BARESCH, SLG. VVM<br />
Der Ende 1951 von der belgischen Firma La Brugeoise et Nivelles in die deutsche Hansestadt gelieferte PCC-Probewagen 3060, hier am 7. September<br />
1954 an der Haltestelle Fr.-Ebert-Damm, Holzmühlenstr. Nach der Entscheidung gegen den Weiterbestand der Straßenbahn blieb er in<br />
Hamburg ein Einzelgänger und kam 1958 nach Kopenhagen<br />
E. IHDE, SLG. HOV<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Hamburg<br />
1951/52 wurden in rascher Folge 101 Trieb- und 101 Beiwagen des neu entwickelten Großraumtyps V6 ausgeliefert. Sie übernahmen alsbald<br />
den Grundauslauf auf den damaligen Linien 3, 6, 9, 12, 16, 18, 22, und 27. Der Tw 3086 wurde am 11. August 1951 in Dienst gestellt und zeigt<br />
sich ein Jahr danach in der Mönckebergstraße im Auslieferungszustand auf der Linie 18, die damals <strong>noch</strong> als „<strong>Als</strong>terring“ verkehrte<br />
Auch auf der Linie 6 prägen 1952/53 die neuen V6-Züge das Erscheinungsbild. Tw 3159, seit dem 28. März 1952 im Einsatz, wartet einen Fahrgast<br />
am Sievekingsplatz ab und wird sich gleich in Richtung Innenstadt und weiter nach Ohlsdorf in Bewegung setzen. Das damals überall anzutreffende<br />
„Tempo“-Dreirad hält sich in respektvollem Abstand<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
59
Geschichte<br />
LINKS Schienen -<br />
reiniger 1735 dreht<br />
um 1951/52 eine<br />
Runde am Rathausmarkt.<br />
Originell die<br />
angedeutete Fensterteilung<br />
RECHTS Ein vom 1904<br />
gebauten Tw 2492 geführter<br />
Verstärkerzug<br />
der Linie 9 überquert<br />
auf dem Weg in die<br />
Innenstadt ca. 1952/<br />
53 die Kreuzung<br />
Stein tordamm/Steintorwall.<br />
Das Zielschild<br />
„Doro theenstraße“<br />
lässt auf eine Aus setz -<br />
fahrt zum Betriebshof<br />
K (Krohns kamp)<br />
schließen<br />
Hamburger Straßenbahnlinien – Stand Mai 1953<br />
1 Bramfeld (Hellbrook) – Wandsbeker Marktstraße – Jüthorn 5,9 km<br />
2 Schnelsen – Niendorf – Lokstedt – Hoheluft – Grindelallee – Rathausmarkt –<br />
Hauptbahnhof – Horner Rennbahn<br />
17,9 km<br />
3 Eidelstedt – Langenfelde – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Eilbek –<br />
Wandsbek – Tonndorf<br />
18,4 km<br />
6 Othmarschen – Ottensen – Bf. Altona – St. Pauli – Rödingsmarkt – Rathausmarkt –<br />
Hauptbahnhof – Baembek – Ohlsdorf<br />
19,1 km<br />
7 Ottensen (Bleickenallee) – Bf. Altona – St. Pauli – Sievekingplatz – Rödingsmarkt –<br />
Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Horn – Billstedt<br />
14,0 km<br />
8 Dehnhaide (U-Bahn) – Straßburger Straße – Farmsen (Trabrennbahn) 4,9 km<br />
9 Flughafen – <strong>Als</strong>terdorf – Winterhude – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Bramfeld 21,9 km<br />
12 Bahrenfeld (Volkspark) – Neuer Pferdemarkt – Lombardsbrücke – Hauptbahnhof 10,5 km<br />
13 Langenfelde – Schulterblatt – Neuer Pferdemarkt – Sievekingplatz – Lombardsbrücke –<br />
Hauptbahnhof – Veddel – Wilhelmsburg (Mengestraße)<br />
21,9 km<br />
14 Gr. Borstel – Krhs. Eppendorf – Hoheluftbrücke – Bf. Sternschanze –<br />
St. Pauli Landungsbrücken<br />
9,9 km<br />
16 Hagenbecks Tierpark – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Eilbek – Wandsbek – Tonndorf 15,9 km<br />
18 (<strong>Als</strong>terring) Winterhude – Eppendorf – Rathausmarkt – Hauptbahnhof –<br />
Uhlenhorst – Winterhude<br />
12,6 km<br />
19 Berliner Tor – Hammerbrook – Billbrook (HVZ bis Mundsburg) 8,2 km<br />
23 Billhorner Brückenstraße – Rothenburgsort 1,6 km<br />
27 Elbchaussee (Hohenzollernring) – Bf. Altona – Bf. Sternschanze – <strong>Als</strong>terchaussee 6,7 km<br />
30 Bf. Altona – Holstenstraße – Langenfelde 4,5 km<br />
31 Bahrenfeld (Trabrennbahn) – Bf. Altona – Landungsbrücken – Rathausmarkt –<br />
Hauptbahnhof – Horn – Billstedt<br />
17,0 km<br />
33 Sievekingplatz – Lombardsbrücke – Hauptbahnhof – Veddel – Wilhelmsburg –<br />
Harburg – Rönneburg<br />
19,6 km<br />
35 Goldbekplatz – Mundsburg – Berliner Tor – Hammerbrook – Veddel – Freihafen 7,9 km<br />
41* (Obus) Bf. Harburg – Bostelbek 4,9 km<br />
42 Bf. Harburg – Heimfeld 4,5 km<br />
43* (Obus) Eißendorf – Bf. Harburg – Wilstorf – Sinstorf – Fleestedt 9,2 km<br />
44 Bf. Harburg – Appelbüttel 4,5 km<br />
* Diese beiden Obuslinien waren im Fahrplan dem Straßenbahnbetrieb zugeordnet.<br />
Bemerkenswert sind die langen Durchmesserlinien 2, 3, 6, 7, 9, 13, 16, 31 und 33, ergänzt durch die Linien 12,<br />
14, 18, 27, 30 und 35, die den gesamten inneren Stadtbereich und die nahen Vororte mit einem Minimum an<br />
lästigen Umsteigebeziehungen erschließen. Lediglich die Linien 1, 8, 19 und die kurze Pendellinie 23 (bald darauf<br />
durch die verlängerte Linie 12 ersetzt) besitzen Anschlusscharakter. Das Harburger Netz war lagebedingt<br />
weitgehend eigenständig (ähnlich wie Spandau und Köpenick in Berlin).<br />
Rennbahn (Linie 16) und von Barmbek,<br />
Dehnhaide über Straßburger Straße und<br />
Friedrich-Ebert-Damm bis zur Kreuzung<br />
Holzmühlenstraße (Linie 8). Hierbei handelte<br />
es sich um echte Wiederaufbauten, da<br />
die Gleisanlagen dieser Strecken nach Kriegsende<br />
zur Schienengewinnung für andere Streckenabschnitte<br />
teilweise demontiert worden<br />
waren.<br />
Am 28. Oktober 1952 wurde der Linienbetrieb<br />
auf der alten Direktverbindung vom<br />
Rödingsmarkt zum Millerntor (Reeperbahn)<br />
über den Alten und Neuen Steinweg wieder<br />
aufgenommen; die Linie 6 befuhr diesen Abschnitt,<br />
dafür übernahm die neu eingerichtete<br />
Linie 7 die Strecke durch die Kaiser-Wilhelm-Straße<br />
(s. o.).<br />
Letzte Streckenneubauten<br />
Ihren Abschluss fand die Wiederinbetriebnahme<br />
still liegender Strecken am 4. Mai<br />
1954 mit der Herstellung der Verbindung<br />
vom U-Bahnhof Mundsburg im Zuge der<br />
Straßen Lerchenfeld – Wartenau – Landwehr<br />
und Burgstraße zur Hammer Landstraße, die<br />
von der neu eingerichteten Linie 15 befahren<br />
wurde. Diese Strecke lag seit dem 25. Juli<br />
1943 aufgrund der großflächigen Zerstörungen<br />
der Stadtteile Borgfelde, Eilbek und<br />
Hamm still und wurde erst im Zuge der Neubebauung<br />
dieser Gebiete nach elf Jahren wieder<br />
reaktiviert.<br />
Die beiden letzten Streckenneubauten im<br />
Hamburger Straßenbahnnetz wurden am<br />
4. Juli 1954 und am 29. Oktober 1955 in<br />
Betrieb genommen: zuerst die Verlängerung<br />
von Jüthorn nach Jenfeld im Zuge der Rodigallee<br />
und als letzte Neubaustrecke die Verlängerung<br />
von Bahrenfeld (Abzweig Volkspark)<br />
über die Luruper Hauptstraße nach<br />
Lurup, wobei die Endstelle bereits außerhalb<br />
der Hamburger Stadt- (und Staatsgrenze) auf<br />
60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Hamburg<br />
dem Gebiet von Schleswig-Holstein lag und<br />
eigentlich die „richtige“ Ortsbezeichnung<br />
„Schenefeld“ hätte tragen müssen. Diese<br />
kleine Unstimmigkeit störte offenbar aber<br />
niemanden, und so blieb es bis zur Stilllegung<br />
dieser Strecke am 3. Juni 1973.<br />
Der Zenit ist überschritten<br />
Ab 1955 ging es dann mit der Hamburger<br />
Straßenbahn zuerst in kleinen Schritten, ab<br />
1959 immer spürbarer „bergab“. Hintergrund<br />
und zentraler Auslöser: die „Verkehrsnot“,<br />
wie damals die zweifellos problematischen<br />
Verkehrsverhältnisse in<br />
Hamburg gerne genannt wurden.<br />
1955 war eine im Stil der damaligen Zeit<br />
aufgemachte Denkschrift des Senats der Freien<br />
und Hansestadt Hamburg mit dem Titel<br />
„Neuordnung des Hamburger Stadtverkehrs“<br />
erschienen, die neben der zentralen<br />
Forderung des großzügigen Ausbaues von<br />
Straßenraum für den Individualverkehr auch<br />
die Weiterführung des Schnellbahnbaues beinhaltete<br />
und ein ambitioniertes U-Bahn-<br />
Zielnetz vorschlug.<br />
Interessanterweise wurde in dieser Denkschrift<br />
gleichzeitig die Kapazität und der<br />
Raumbedarf eines Großraumzuges vom Typ<br />
V6/V7 (Trieb- und Beiwagen) mit dem<br />
Raumbedarf der seinerzeit gängigen Omnibustypen<br />
verglichen und festgestellt, dass<br />
drei Omnibusse benötigt werden, um einen<br />
Großraumzug zu ersetzen. Der daraus abgeleitete<br />
Leitsatz lautete richtigerweise: „Keine<br />
Entlastung des Straßenverkehrs bei Ersatz<br />
der Straßenbahn durch Omnibusse“ (!)<br />
Trotz dieser eindeutigen Erkenntnis erfolgte<br />
jedoch leider keine klare Aufgabenzuweisung<br />
an die einzelnen Verkehrsträger.<br />
Das Hauptziel lautete: Entlastung der Straßen<br />
für den übrigen Verkehr – sprich: Individualverkehr<br />
– und Verlagerung des bishe-<br />
Die Linie 42 gehörte zu den Harburger Ortslinien und verkehrte vom Bahnhof Harburg nach<br />
Heimfeld. Tw 2518 (Bj. 1911) wartet mit seinem Beiwagen die nächste Tour ab<br />
Der Gelenk-Tw 3825 (DWM 1955) unterquert auf der Fahrt nach Lurup am 10. August 1958 mit<br />
Bw 4825 an den Landungsbrücken die Hochbahnstrecke<br />
R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
61
Geschichte<br />
Der Tw 2316 vom Typ Z1a am 7. September 1954 auf der Linie 23. Durch das schrumpfende Straßenbahnnetz waren viele Linienänderungen nur<br />
von kurzer Dauer. Nachdem die Leistungen der Linie 23 nach Rothenburgsort 1955 von der Linie 12 übernommen wurden, stellte man den<br />
Streckenast 1959 komplett ein<br />
E. IHDE, SLG. HOV<br />
Quellen<br />
Höltge, D., Kochems, M.: Straßen- und Stadtbahnen<br />
in Deutschland, Band 11, Hamburg –<br />
Freiburg 2008<br />
Buchholz, H.: Die Hamburger Straßenbahn –<br />
Entwicklung des Liniennetzes 1866–1978 –<br />
Hamburg 2008<br />
NN.: Neuordnung des Hamburger Stadtverkehrs<br />
– Denkschrift des Senats der Freien und Hansestadt<br />
Hamburg, Hamburg, o. Dat.<br />
Sohns, P.: Linienchronik der Hamburger Straßenbahn<br />
1866–1978, 3. Auflage, Berlin 2003<br />
persönliche Unterlagen, Fahrpläne, Netzpläne<br />
des Autors<br />
Der 1955 von der DWM gebaute Tw 3360 war am 21. August 1958 neben den U- und Eisenbahngleisen<br />
am Berliner Tor auf der Linie 14 unterwegs. Die kurzen Gelenktriebwagen waren<br />
bei den Fahrgästen sehr beliebt<br />
R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />
rigen Oberflächenverkehrs in die bekannte<br />
„Zweite Ebene“, also unter oder über die<br />
Erde.<br />
Wider der Vernunft<br />
Die weitere Entwicklung ist bekannt: 1958<br />
wurde vom Hamburger Senat der Beschluss<br />
gefasst, den Straßenbahnbetrieb mittelfristig<br />
zugunsten des Konzeptes „Schnellbahn<br />
und Omnibus“ einzustellen.<br />
Die bis zu diesem Zeitpunkt von der HHA<br />
aktiv betriebene Modernisierung des Straßenbahnwagenparks<br />
lief Ende der 1950er-<br />
Jahre aus, und der Betrieb lebte in den folgenden<br />
20 Jahren zunehmend nur <strong>noch</strong> von<br />
der Substanz. Zuletzt sahen viele Triebwagen<br />
ungepflegt aus – vom technischen und<br />
betriebsmäßigen Rückstand gegenüber anderen<br />
Betrieben in Deutschland und im Ausland<br />
ganz abgesehen.<br />
Am 1. Oktober 1978 endete mit der Einstellung<br />
der bis zuletzt hoch belasteten Linie<br />
2 (zuletzt Rathausmarkt – Schnelsen) der<br />
Straßenbahnbetrieb in Hamburg. Seitdem<br />
wurden mehrere Chancen verpasst oder aus<br />
nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt,<br />
in Hamburg ein modernes und leistungsfähiges<br />
neues Straßenbahnnetz als sinnvolle<br />
Ergänzung zu den bestehenden Schnellbahnen<br />
zu schaffen.<br />
Zeit des Umbruchs<br />
Die 1950er-Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs<br />
und des Umbruchs – wie man am Beispiel<br />
des Hamburger Nahverkehrs gut feststellen<br />
kann.<br />
Die hier im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
gezeigten Aufnahmen aus diesem Jahrzehnt<br />
sollen die Hamburger Straßenbahn <strong>noch</strong> einmal<br />
so zeigen, wie man sie sie damals wahrnahm:<br />
leistungsstark – trotz vieler Altfahrzeuge<br />
– und mit positiver Ausstrahlung in der<br />
Form der damals neuen und modernen Großraumwagen<br />
– und auch mit beginnenden Verkehrsproblemen.<br />
REINHARD SCHULZ<br />
62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
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Historischer Nahverkehr in Berlin: Diese DVD zeigt klassische S-Bahnen und U-Bahn-<br />
Züge ebenso wie nostalgische Straßenbahnen und Omnibusse im Einsatz.<br />
2013 DVD: Best.-Nr. 45932<br />
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Fernverkehr.<br />
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Geschichte<br />
»Ohne allen<br />
architektonischen<br />
Zierrat«<br />
Die Wagenhalle in Augsburg-Lechhausen Noch beherbergt das Depot viele<br />
historische Straßen bahnfahrzeuge. Doch diese sollen in den »Bahnpark Augsburg«,<br />
ins ehemalige Bahnbetriebswerk, gebracht werden. Dann steht die 1930/31 gebaute<br />
Halle zum Abriss – ein Blick in ihre Geschichte<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Augsburg<br />
Tw 182 steht mit Bw 224 am 15. April 1957 abfahrbereit<br />
in Richtung Innenstadt/Stadtbergen<br />
bereit. Bw 224 ist der einzige in Augsburg heute<br />
<strong>noch</strong> erhaltene Beiwagen<br />
SLG. FREUNDE DER AUGSBURGER <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
Am 6. Mai 1927 wurde die doppelgleisige<br />
Verlängerung der Augsburger<br />
Straßenbahnlinie 1 bis zur Stätzlinger<br />
Straße „vom Marktplatz her“<br />
(heutige Haltestelle „Schlößle“) beschlossen.<br />
Die Strecke wurde am 14. September 1927 in<br />
Betrieb genommen. Ein auf Höhe des Anwesens<br />
Blücherstraße 58 endendes Stumpfgleis<br />
nahm tagsüber nicht benötigte Beiwagen auf.<br />
An Viehmarkttagen wurde die Endhaltestelle<br />
in der Zeit von 7 bis 13 Uhr zum Marktplatz<br />
zurückgenommen. Vom „Katholischen<br />
Bürgerverein“ wurde mit einer Unterschriftenliste<br />
bald darauf eine weitere Verlängerung<br />
bis zur Schillerschule (heute Seniorenheim St.<br />
Anna) oder sogar bis zur Weizenbierbrauerei<br />
Krauss (gegenüber der heutigen Kirche „Unsere<br />
Liebe Frau“) beantragt; eine Entscheidung<br />
wurde vom Stadtrat zurückgestellt, da<br />
man erst die Festlegung der Lage des Bahnhofes<br />
der (nie realisierten) Bahnstrecke Augsburg<br />
– Aindling – Pöttmes der Augsburger<br />
Localbahn abwarten wollte, der an die Straßenbahn<br />
angebunden werden sollte. Tatsächlich<br />
umgesetzt wurde eine nennenswerte<br />
Die Wagenhalle Lechhausen<br />
Wenn tagsüber die Wagen der Augsburger<br />
Straßenbahn in der Stadt unterwegs<br />
waren, dann wirkte die Wagenhalle<br />
in Lechhausen leer, aber<br />
aufgeräumt. Lediglich die Rangier-<br />
Tw 45 und 51 traf der Fotograf am<br />
4. September 1944 hier an SLG. A. HIEHLER<br />
Maße: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33,3 m x 19,8 m<br />
Anzahl Gleise in Halle: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6<br />
Baupolizeiliche Genehmigung:. 26. August 1930<br />
Inbetriebnahme: . . . . . . . . . . . . . 23. März 1931<br />
Ausführung:. . . . . . . . . Bauhütte Schwaben und<br />
Neuburg Eisenkonstruktion von<br />
Eisenwerk Gebr. Frisch KG<br />
Veranschlagte Gesamtkosten:. . . . . 120.000 RM<br />
Tatsächliche Gesamtkosten:. . . . 100.630,90 RM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
65
Der vom Städtischen Hochbauamt der Stadt Augsburg am 16. Juli 1930 genehmigte Bauplan der Wagenhalle zeigt zahlreiche Details des Gebäudes.<br />
Die Sozialräume waren im Vergleich zur Hallengröße eher klein bemessen<br />
STADTARCHIV AUGSBURG, BESTAND 49, NR. 1381, PLAN 426 B/C<br />
Die ursprüngliche Gleislage vor der Wagenhalle Lechhausen gibt diese Grafik wieder. 1964 wurde<br />
das Streckengleis (unterer Bildrand) zweigleisig<br />
GRAFIK: W. WOLFF<br />
Verlängerung – dann deutlich weiter, bis zum<br />
Neuen Ostfriedhof – erst im September 1994.<br />
Einige Hintergründe<br />
In den 1920er-Jahren konnte mit einer Straßenbahnlinie<br />
<strong>noch</strong> Gewinn erwirtschaftet<br />
werden, einem Zeitungsbericht aus dieser<br />
Zeit zufolge war der Streckenast nach Lechhausen<br />
der rentabelste in Augsburg. Den<strong>noch</strong><br />
war die Städtische Straßenbahn be-<br />
strebt, weitere Optimierungspotentiale zu<br />
heben. So wurde in einem Antrag an den<br />
Stadtrat am 26. Mai 1930 vermerkt: „Die<br />
Errichtung einer Straßenbahnwagenhalle in<br />
Lechhausen wurde schon vor mehreren Jahren<br />
von der Straßenbahn-Direktion angeregt,<br />
um etwa 22.000 km Leerlauf beim Ein- und<br />
Ausrücken der Wagen in die Halle an der<br />
Baumgartnerstraße bezw. Senkelbachzentrale<br />
zu sparen.“<br />
Die Kosten für einen Wagenkilometer<br />
wurden mit 0,80 RM kalkuliert, so dass mit<br />
dem Bau einer Halle eine jährliche Einsparung<br />
von 17.600 RM erwartet werden konnte.<br />
Eine Reichsmark entsprach einer heutigen<br />
Kaufkraft von etwas über vier Euro.<br />
Unter dem damaligen Straßenbahndirektor<br />
namens Mörder war eine solche Halle<br />
mit sechs Gleisen für die Aufnahme von 12<br />
Wagen konzipiert worden; die Fläche der<br />
Halle war mit 630 m², die der Nebenräume<br />
mit 75 m² geplant. <strong>Als</strong> Nebenräume vorgesehen<br />
waren<br />
• eine Werkstätte<br />
• „Sitzklosett und Pissoir“<br />
• ein „Aufenthaltsraum für Wagenwäscher“<br />
• ein Aufenthaltsraum für Fahrpersonal<br />
• ein Kohlenlager<br />
• ein Holzlager<br />
<strong>Als</strong> Bauweise stellten die Planer zwei mög -<br />
liche Varianten zur Diskussion, entweder mit<br />
Holzbindern der Siemens Bauunion auf<br />
Pfeilern aus Eisenbeton, mit Fenstern und<br />
Verbretterung aus „mit Carbolineum geschütztem<br />
Holzwerk“, oder „in Eisenfachwerk<br />
der Gebrüder Frisch“, „halbsteinstark<br />
mit Backsteinen ausgeriegelt und verfugt“.<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Augsburg<br />
Schon bald war die Wagenhalle In Lechhausen für den Straßenbahnbetrieb in Augsburg unverzichtbar. Hier eine Parade mit Tw 54 und den<br />
Bw 225, 224, 228, 216 sowie 211 in der Abendsonne des 18. August 1939. Rechts der nagelneue Anbau<br />
SLG. A. HIEHLER<br />
Eine halbsteinstarke Mauer hat eine Stärke<br />
von 11,5 cm.<br />
Für die erste Variante wurden Kosten von<br />
79.000 RM veranschlagt, für die zweite<br />
74.000 RM. Hinzuzurechnen waren jeweils<br />
Aufwendungen für Gleisanlage und Fahrdraht<br />
von ca. 26.000 RM sowie die Kosten<br />
für den Erwerb des Grundstücks, die mit<br />
20.000 RM angesetzt wurden. Aufgrund dieser<br />
Kostensituation wurde die Variante „Eisenfachwerk“<br />
favorisiert, versehen mit einem<br />
„Doppelpappdach mit Ulmerit“.<br />
Wartungsgruben wurden in Gleis 2 und 5<br />
eingeplant. In einer Vorlage für den Werkausschuss<br />
des Stadtrats wurde seitens der<br />
Städtischen Straßenbahn vermerkt, „Die<br />
Gleisanlage wird zum größten Teil mit Altmaterial<br />
durch unser eigenes Personal erstellt<br />
werden.“ Dies galt ebenso für den Betonboden<br />
der Halle, währenddessen die Nebenräume<br />
von den mit dem Bau zu beauftragenden<br />
Firmen komplett fertigzustellen<br />
waren; deren Böden beispielsweise sollten<br />
mit dem damals üblichen „Glattstrich“ ausgeführt<br />
werden.<br />
Lange konnte vom städtischen Grundstücksreferat<br />
kein geeigneter Baugrund gefunden<br />
werden, dann aber standen Verhandlungen<br />
vor dem Abschluss: Am 5. Juni<br />
1930 wurde der Kauf des Grundstückes Blücherstraße<br />
65a, Plan-Nr. 426b/c, als „verbrieft“<br />
gemeldet. Dieses Grundstück für die<br />
Errichtung der 33,3 m x 19,8 m großen Halle,<br />
weniger als 200 m vom bisherigen Gleisende<br />
entfernt, wurde vom Landwirt Engelbert<br />
Dafler zu einem Preis von 16.600 RM<br />
erworben. Ob der Grundbesitzer, in derlei<br />
Angelegenheiten sicherlich weniger erfahren<br />
als die städtischen Beamten, „über den Tisch<br />
gezogen wurde“, lässt sich nicht mehr rekonstruieren<br />
– ein Indiz hierfür ist aber, dass<br />
zuvor ein deutlich höherer Kaufpreis veranschlagt<br />
wurde.<br />
Bauausführung der Halle<br />
Bei einer Verzinsung von fünf Prozent und<br />
zehn Prozent jährlicher Tilgung amortisierte<br />
sich der Aufwand für die Errichtung der Halle<br />
innerhalb von etwa zehn Jahren. Mit diesen<br />
Zahlen empfahl der Werkausschuss am<br />
30. Juni 1930 dem Gesamtstadtrat die Errichtung<br />
der Wagenhalle, die von diesem am<br />
4. Juli 1930 beschlossen wurde. Die baupolizeiliche<br />
Genehmigung erfolgte am 26. August<br />
1930. <strong>Als</strong> Unternehmer für Erd-, Maurer-<br />
und Betonarbeiten gab die „Bauhütte<br />
Schwaben und Neuburg“ das günstigste Angebot<br />
ab; die „Eisenkonstruktion“ lieferte<br />
entsprechend der Vorauswahl die ortsansässige<br />
Firma Eisenwerk Gebr. Frisch KG.<br />
Diese Firma stellte damals neben derartigen<br />
Hallen unter anderem auch Eisenbahnweichen<br />
her, später wurden hauptsächlich<br />
Baumaschinen gefertigt.<br />
Am 3. Oktober 1930 vermerkte die Städtische<br />
Straßenbahn in einem Brief an das<br />
städtische Tiefbauamt, dass neue und gebrauchte<br />
Rillenschienen der Form 102 und<br />
Ph. 25 D Verwendung fänden. <strong>Als</strong> Fahrleitung<br />
wurde Hartkupferprofildraht mit<br />
80 mm 2 Querschnitt vorgesehen. Zusätzlich<br />
wurde angemerkt: „Die Gleisanlage kommt<br />
durch unsere Arbeiter nur soweit zur Verlegung,<br />
als das Geld reicht.“<br />
Bereits im April 1929 war von der technischen<br />
Abteilung der Straßenbahnverwaltung<br />
festgestellt worden, „…der Spannungsabfall<br />
im Oberleitungs- und Schienen-Rückleitungs-<br />
Netz bis Endhaltestelle Blücherstraße überschreitet<br />
schon heute etwas die zulässigen<br />
Grenzen. …“. Im Falle einer Linienverlän-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
67
Geschichte<br />
Quellen<br />
Stadtarchiv Augsburg – Bestand 49, Nr. 1381.<br />
„Augsburger Neueste Nachrichten“ vom<br />
24. März 1931<br />
Amtlicher Stadtplan Augsburg von 1948<br />
Im Februar 1984 stand der Tw 803 in der Nachmittagsonne zum Wenden in Lechhausen. Die Tore<br />
der Wagenhalle trugen zu diesem Zeitpunkt einen hellen Anstrich W. WOLFF (2)<br />
Im April 1994 waren bereits zahlreiche Gleise der Wagenhalle nicht mehr angebunden. In der<br />
Halle verstieß der Gleisabstand gegen die heutigen gesetzlichen Vorgaben<br />
gerung wäre ein weiteres Unterwerk erforderlich<br />
geworden. Daher wurde nur eine eingleisige<br />
Betriebsstrecke von der Endhaltestelle<br />
in Höhe der Stätzlinger Straße zur Wagenhalle<br />
geplant; die auf dem etwas zurückgesetzten<br />
Grundstück liegende Gleisharfe vor<br />
der sechsgleisigen Halle wurde mit der in<br />
Straßenmitte gelegene Betriebsstrecke über<br />
ein Gleisdreieck verbunden.<br />
Es geht nicht schnell genug!<br />
Es sollte dann <strong>noch</strong> bis nach dem Krieg dauern,<br />
bis auf der nur gut 200 m langen Strecke<br />
von der Endhaltestelle an der Stätzlinger<br />
Straße bis zum Wendedreieck der Linienverkehr<br />
aufgenommen wurde. Der Unmut<br />
der Bevölkerung über diesen „Schildbürgerstreich“<br />
war entsprechend groß.<br />
In einem Schreiben an die Regierung von<br />
Schwaben und Neuburg vom 8. Oktober<br />
1930 beantragte der Augsburger Stadtrat die<br />
Genehmigung zur Verlegung von 126 m<br />
Gleis vom Ende des bisherigen Stumpfgleises<br />
bis zum neuen Gleisdreieck auf Höhe der<br />
Wagenhalle. Darin wurde nicht mit der Kosteneinsparung<br />
argumentiert – vermutlich<br />
wurde diese Begründung als nicht hinreichend<br />
erachtet. Vielmehr wurde angeführt:<br />
„Die Hinterstellung von Anhängewagen der<br />
Linie 1 musste bisher am Ende des Gleisstranges<br />
in der Blücherstrasse auf offener<br />
Straße erfolgen. Hierdurch wurde der öffentliche<br />
Verkehr erheblich behindert.“ Zur<br />
Ausführung der Gleisanlage wurde erläutert:<br />
„Das Gleis wird wie allgemein auf einem<br />
Packlageunterbau verlegt.“<br />
Am 5. Januar 1931 wurde die Verlegung<br />
der Gleise durch das bayerische Staatsministerium<br />
des Innern in München genehmigt,<br />
und schon am 24. März 1931 konnte die Direktion<br />
der Straßenbahn vermelden: „Obige<br />
Halle ist soweit hergestellt, dass wir dieselbe<br />
für unseren Betrieb ab 23. ds. Mts. in<br />
Benützung nehmen konnten.“<br />
Die Abnahmeprozedur<br />
In der Lokalzeitung „Augsburger Neueste<br />
Nachrichten“ vom 24. März 1931 wurde<br />
berichtet: „Einem immer dringlicher werdenden<br />
Bedürfnis ist durch die Erstellung der<br />
neuen Straßenbahnhalle an der Blücherstrasse<br />
in Lechhausen abgeholfen worden.“<br />
Die Ausführung der Halle wurde treffend beschrieben<br />
als „…ohne allen architektonischen<br />
Zierrat…“ und auf die den Verhältnissen<br />
der damaligen Zeit geschuldeten<br />
Sparmaßnahmen hingewiesen: „Im übrigen<br />
ist die Ausstattung der Halle in Anbetracht<br />
der kleinen räumlichen Verhältnisse, nur auf<br />
das Allernötigste beschränkt. …“<br />
Bei der 20 Jahre früher gebauten Wagenhalle<br />
in Kriegshaber (siehe SM 4/2011) mit<br />
ihrer neubarocken Fassade konnte im Gegensatz<br />
dazu <strong>noch</strong> sehr viel aufwändiger gebaut<br />
werden.<br />
Die Regierung von Schwaben und Neuburg<br />
setzte den Termin zur Abnahmeprüfung der<br />
Gleisanlagen (das Gebäude wurde vom städtischen<br />
Hochbauamt abgenommen) an: „...<br />
8.7.31, Vorm. 9 Uhr. Zusammenkunft: Hinterstellungsgleis<br />
am Stadttheater, Rückseite.<br />
Das weitere wolle veranlasst werden. ...“<br />
Zur Abnahme erschienen die Oberregierungsräte<br />
Freiherr von Andrian-Werberg<br />
und Dürst für die Regierung, Kanzleiassistent<br />
Gamboch als „Niederschriftführer“,<br />
Reichsbahnoberrat Weber als Vertreter der<br />
RBD Augsburg, Oberbaurat Weber für die<br />
Stadt Augsburg sowie Baurat Klingler für<br />
Stadt und Straßenbahn.<br />
Keine Beanstandungen<br />
Mit einer Sonderfahrt wurden sie vom Stadttheater<br />
nach Lechhausen gebracht. Die Veranstaltung<br />
dort scheint ohne nennenswerte<br />
Vorkommnisse verlaufen zu sein, denn in der<br />
Niederschrift wurde lediglich festgehalten:<br />
„Die Besichtigung hat einen Anlaß zu irgend<br />
welchen Beanstandungen nicht ergeben. …“.<br />
Es darf davon ausgegangen werden, dass die<br />
Abnahme ihren Abschluss in einem gemeinsamen<br />
Besuch eines der damals zahlreichen<br />
umliegenden Wirtshäuser genommen hat ...<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Augsburg<br />
Tw 404 (Esslingen 1960, ex Stuttgart) und M8C-Tw 8004 standen im April 1994 friedlich vereint vor der Wagenhalle. Wenige Monate später waren<br />
Endstation und Gleisdreieck an dieser Stelle Geschichte – danach blieben auch die Fahrradständer leer W. WOLFF (2)<br />
Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen<br />
beliefen sich schließlich auf 100.630,90 RM.<br />
Das war deutlich weniger als ursprünglich<br />
veranschlagt – bei heutigen Baumaßnahmen<br />
undenkbar. Der Beschluss des Gesamtstadtrates<br />
vom 4. März 1932 lautete entsprechend:<br />
„Der nicht in Anspruch genommene<br />
Kreditrest in Höhe von 19.369,10 RM wird<br />
eingezogen.“<br />
Am 15. Oktober 1938 wurde die Genehmigung<br />
zu einem offenen Anbau an die<br />
Wagenhalle in Holzbauweise, „bis zur Behebung<br />
der z. Zt. einem Neubau entgegenstehenden<br />
Umstände in stets widerruflicher<br />
Weise erteilt.“ Die Fertigstellung der Arbeiten<br />
wurde am 12. Juni 1939 vermeldet. Dieser<br />
Holzanbau wurde nach hinten 3,5 m länger<br />
als die Wagenhalle ausgeführt und mit<br />
einem Abstellgleis versehen.<br />
<strong>Als</strong> Tw 8006 im April 1994 aus der Wagenhallenzufahrt auf das Streckengleis bog, setzte Tw 8004<br />
sogleich „im fliegenden Wechsel“ nach<br />
Aufwertung zur Endstation<br />
Während des Zweiten Weltkriegs wurden alle<br />
betriebsfähigen Beiwagen dringend benötigt;<br />
daher war keine Zeit für eine Überführung<br />
der Fahrzeuge in den Betriebshof II am Roten<br />
Tor, um dort Betriebsuntersuchungen<br />
durchzuführen. Diese Überprüfungen mussten<br />
deshalb von den Hallenmeistern der beiden<br />
Beiwagenbetriebshöfe Lechhausen und<br />
Kriegshaber vor Ort unter Nutzung der mit<br />
Arbeitsgruben versehenen Gleise durchgeführt<br />
werden.<br />
Die Halle überstand den Krieg ohne größere<br />
Schäden, lediglich einige von Bombeneinschlägen<br />
in der Umgebung zersplitterte<br />
Fensterscheiben mussten zunächst notdürftig<br />
verbrettert und später ersetzt werden.<br />
Nicht ermittelt werden konnte bislang der<br />
genaue Zeitpunkt, zu dem der Endpunkt der<br />
Linie 1 von der Stätzlinger Straße zur Scharnhorststraße<br />
auf Höhe der Wagenhalle verlegt<br />
wurde. Angaben von Zeitzeugen dif -<br />
ferieren zwischen 1946, als der Einsatz von<br />
Einrichtungswagen aus Genua (die das Wendedreieck<br />
benutzen mussten) begann, und<br />
dem Jahr 1948. Dies ist der späteste Zeitpunkt,<br />
denn im amtlichen Stadtplan von<br />
1948 ist die Endhaltestelle dort dargestellt.<br />
In jedem Fall erfolgte der Linienbetrieb zunächst<br />
auf der weiterhin eingleisigen Strecke;<br />
erst im Sommer 1964 wurde der letzte<br />
Abschnitt ab der Stätzlinger Straße zweigleisig<br />
ausgebaut und am 3. September 1964<br />
in Betrieb genommen.<br />
Mit dem Ende des Beiwagenbetriebes im<br />
Jahre 1971 wurde die Halle ihrer ursprüng-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
69
Geschichte<br />
Die Wagenhalle<br />
dient derzeit nur als<br />
Depot für museal zu<br />
erhaltende Wagen.<br />
Im November 1994<br />
waren u.a. der GT4<br />
403 (Talbot, ex<br />
Aachen), Schneepflug<br />
14 (Bj. 1898)<br />
sowie KSW 503<br />
(Fuchs 1948) in<br />
Lechhausen abgestellt<br />
W. WOLFF (2)<br />
Im Depot Lechhausen<br />
hinterstellte Fahrzeuge<br />
Aktuell wird die Wagenhalle nur <strong>noch</strong> von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. genutzt.<br />
Der Anschluss zum Straßenbahnnetz ist aber gekappt …<br />
lichen Funktion beraubt; seitdem diente sie<br />
der Unterstellung ausgemusterter Fahrzeuge.<br />
Das Wendedreieck wurde weiterhin von<br />
den Wagen der Linie 1 benutzt.<br />
Die Gleise sind zu kurz!<br />
Die Gleisharfe vor der Wagenhalle war für<br />
die Aufnahme zweier wendender, 1991 aus<br />
Stuttgart übernommenen GT4-Doppeltraktionen<br />
zu kurz. Daher wurden in dieser Zeit<br />
die Hallentore der Gleise 3 und 5 entfernt<br />
und ein etwa 4m langes Stück dieser Gleise<br />
in die Halle hinein durch Maschendrahtzaun<br />
abgesichert, die Halle jeweils durch einen<br />
Mittenpuffer-Prellbock gegen Einfahrt abgesichert.<br />
Damit war bei im Fünf-Minuten-<br />
Takt verkehrenden Linienwagen den Fahrern<br />
das Aufsuchen der in der Halle befindlichen<br />
Sanitäranlagen möglich, während der<br />
Folgewagen ebenfalls rückwärts bis zur Halle<br />
nachrücken konnte.<br />
Im Rahmen der Verlegung der Endhaltestelle<br />
1994 zum Neuen Ostfriedhof wurde<br />
das Gleisdreieck und damit die Zufahrt zur<br />
Wagenhalle entfernt. Die seitdem von den<br />
„Freunden der Augsburger Straßenbahn“<br />
darin untergestellten Fahrzeuge müssen daher<br />
bei Bedarf aufwändig per Tieflader anund<br />
abtransportiert werden.<br />
Beim jährlich im Frühjahr stattfindenden<br />
„Depotfest“ dieses Vereins können diese ansonsten<br />
nur nach Vereinbarung zugänglichen<br />
historischen Fahrzeuge besichtigt werden.<br />
Gegenwärtig ist ein Umzug der Wagen in den<br />
Tw 165 Tonnendachwagen, MAN 1926<br />
Tw 179 Schwendwagen, MAN 1938<br />
Tw 403 ex Aachen 7104, Talbot 1952<br />
Tw 503 KSW, Fuchs, 1948<br />
Tw 520 MAN 1956<br />
Tw 535 GT 5, MAN 1968<br />
Tw 22 Schleifwagen, Schörling 1952<br />
Tw 15 Schneepflug, Bj. 1898 bzw. 1912<br />
Tw 16 Schneepflug, Bj. 1983, auf Fahrgestell<br />
des Tw KS 502<br />
Lkw:<br />
Schleppwagen, MAN Bj. 1976<br />
Turmwagen, MAN Bj. 1979<br />
Busse:<br />
MAN 750 HO-M11A, Bj. 1967<br />
(Aufarbeitung 2014)<br />
MAN KOM 151, Bj. 1974 (Museumsbus)<br />
MAN SL 200 KOM 2204, Bj. 1985<br />
MAN SG 242 KOM 3451, Bj. 1988<br />
(im Betriebshof Rotes Tor, Baumgärtnerstraße<br />
sind hingegen z.B. folgende Museumswagen<br />
hinterstellt: Tw 501 und 506 KS, Bj. 1948;<br />
Bw 224, MAN 1938; Tw 101, Bj. 1913; Tw 14,<br />
Bj. 1898; Tw 411/461, GT 4, ex Stuttgart, und<br />
Tw 806 sowie 807, GT8, Bj. 1976)<br />
„Bahnpark Augsburg“ in Diskussion. Anschließend<br />
wollen die Augsburger Stadtwerke<br />
die Halle abreißen und das Grundstück<br />
verkaufen. WINFRIED WOLFF<br />
Für die Unterstützung bei der Recherche zu<br />
diesem Beitrag dankt der Autor besonders<br />
den Herren Albert Hiehler, Heinz Landherr,<br />
Karl Pfob, Dr. Helmut Selder, Robert Treffer<br />
und Herbert Waßner.<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Fundstück des Monats<br />
FOLGE 3<br />
Zerbst<br />
Innenstadt<br />
Auf dem Marktplatz in Zerbst befinden sich Gleise der vor 85 Jahren eingestellten Pferdebahn. Die von 1891 bis<br />
1928 befahrenen Schienen stehen unter Denkmalschutz R. HEYM<br />
Gleisrest auf Marktplatz<br />
Die Geburtsstadt von Katharina der Großen, Zerbst in Sachsen-Anhalt, bringen heute nur Geschichtskenner<br />
mit einer Straßen bahn in Verbindung. Und doch gibt es hier auf dem Marktplatz<br />
das älteste <strong>noch</strong> eingepflasterte Stück Pferdebahngleis Deutschlands<br />
Es war einer der kleinsten Straßenbahnbetriebe der Welt – die<br />
2,3 km lange Pferdebahn in der anhaltischen Stadt Zerbst. Die am<br />
2. November 1891 eröffnete Meterspurbahn verband die Innenstadt<br />
mit dem Zerbster Bahnhof, stadtseitiger Endpunkt war der Markt.<br />
Errichtet auf Antrag eines Spediteurs aus Dessau, wechselte das<br />
kleine Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Standen anfangs lediglich<br />
zwei Wagen, zwei Pferde und zwei Fahrer zur Verfügung, so<br />
entstanden um 1900 drei Ausweichstellen. Gleichzeitig wuchs der<br />
„Betriebsmittelbestand“ auf vier Wagen und sechs Pferde an.<br />
Aufgrund des defizitären Betriebes im und nach dem Ersten Weltkrieg<br />
gab der letzte Privateigentümer jedoch auf – er stellte den Betrieb<br />
im Oktober 1920 ein und verkaufte die Fahrzeuge an einen Altmaterialhändler.<br />
Daraufhin rief die Stadt eine Genossenschaft ins<br />
Leben, welche die Gleisanlagen erwarb und zwei Wagen zurückkaufte.<br />
Damit nahm die Pferdebahn 1921 den Verkehr wieder auf.<br />
Mitte der 1920er-Jahre erwarb die Genossenschaft einen zweispännigen<br />
Wagen aus Jüterbog, 1926 zwei weitere Wagen aus Stendal,<br />
so dass nunmehr fünf Wagen zur Verfügung standen. Doch der<br />
Zustand der Gleise verschlechterte sich immer mehr. Anstatt diese<br />
zu erneuern, beschloss die Genossenschaft 1927, den Betrieb auf<br />
Omnibusse umzustellen.<br />
Am 1. August 1928 stellte die Zerbster Straßenbahn ihren Betrieb<br />
als viertletzte Pferdestraßenbahn Deutschlands ein (vor der bis 1930<br />
betriebenen Straßenbahn Stadthagen, vor der Pferdebahn auf Langeoog,<br />
die am 15. Juli 1937 letztmalig fuhr, sowie vor der bis 1949<br />
pferdebetriebenen Spiekerooger Inselbahn).<br />
Was in Zerbst blieb, das waren verschiedene Gleisreste. Nach 1990<br />
wichen diese meist neuem Straßenbelag. Die letzten, in Summe ca.<br />
50 Meter langen Originalschienen der Pferdebahn ließ die Stadtverwaltung<br />
schließlich im Zug der Sanierung des Marktes im Jahr<br />
2009 neu einpflastern. Dieser kurze Gleisabschnitt steht unter Denkmalschutz<br />
und erinnert damit an die 37-jährige Pferdebahnzeit in<br />
Zerbst, die vor 85 Jahren endete. Bei den Relikten soll es sich um die<br />
ältesten erhaltenen Gleisreste eines deutschen Straßenbahnbetriebs<br />
an ihrem originalen Platz handeln.<br />
ANDRÉ MARKS<br />
Aufnahmen der Pferdebahn Zerbst gibt es im Internet unter<br />
www.alt-zerbst.de/galerie/die-zerbster-pferdebahn/index.php<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
71
■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />
Die Nürnberger<br />
Modelltram-<br />
Neuheiten. Teil 3<br />
Wie schön wäre es, wenn die von „Stadt im Modell“<br />
angebotenen Modelle des Hamburger V6E-Triebwagens<br />
auch fahren könnten. Zu sehen waren sie auf dem eindrucksvollen<br />
N-Diorama der Firma Trix<br />
Noch mehr Neues ...<br />
Spielwarenmesse 2013 ■ Früher reichte meist ein Blick nach Nürnberg, um alle aktuellen<br />
<strong>Tram</strong>modelle zu kennen, heute muss man oft nach vielen Novitäten erst mühsam suchen<br />
Entgegen dem Nürnberger<br />
Eindruck ist das diesjährige<br />
Neuheitenangebot nun doch<br />
weniger ärmlich ausgefallen,<br />
als uns der Messerundgang anfangs<br />
glauben ließ. Allerdings wurden die<br />
meisten Neuheiten wie schon in den<br />
letzten Jahren nicht mehr an Messeständen<br />
gezeigt. Vieles gab‘s wieder<br />
„aus dem Koffer“ von als Messebesuchern<br />
auftretenden Kleinanbietern<br />
zu sehen, und manche Miniproduzenten<br />
scheinen ohnehin die Öffentlichkeit<br />
zu scheuen und ihre Novitäten<br />
lieber im Internet zu verstecken<br />
– in der Hoffnung, der Kunde wird<br />
schon irgendwie den Weg zu den<br />
neuen Modellen finden. Für uns bedeutet<br />
das aufwendige Nachrecherche<br />
und gelegentlich kleine bis große<br />
Überraschungen.<br />
Nach den Wiener Gelenkwagen vom<br />
Typ E bzw. E 1 und dem deutschen<br />
„Original“ des Düwag GT6 in Bielefelder<br />
und Innsbrucker Ausführung<br />
sind bei Halling nun Modelle des<br />
Siemens Avenio in der Münchner<br />
und Den Haager Ausführung ebenso<br />
wie die Version für die Stadtbahn<br />
im arabischen Doha geplant. Herpa<br />
zeigte wieder eine große Zahl aktueller<br />
Pkw-Modelle der Marken Audi,<br />
BMW und Mercedes ebenso wie<br />
neue Laster von MAN und Mercedes-<br />
Benz. Hervorheben wollen wir bei<br />
den Oldtimer-Fahrzeugen den urigen<br />
72 strassenbahn magazin 5|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Zur Behebung des großen Wagenmangels nach dem Zweiten Weltkrieg beschaffte die Den Haager Straßenbahn 1948 bei Werkspoor 16 Triebwagen<br />
mit elektropneumatischem Schaltwerk schweizerischer Herkunft. Leider waren die eleganten Fahrzeuge recht störanfällig. Das H0-Modell wird von<br />
Paul Sassen in Resin-Technik hergestellt und mit einem modifizierten Halling-Antrieb versehen. So läuft wenigstens das Modell störungsfrei<br />
Zündapp Janus mit Mittelmotor,<br />
bei dem der Einstieg von vorne und<br />
hinten erfolgte. Die Gestaltung der<br />
Front und des Hecks unterschied sich<br />
nur durch die Lampen. Die Insassen<br />
saßen dabei Rücken an Rücken! Der<br />
bekannten BMW Isetta äußerlich<br />
recht ähnlich war der Kabinenroller<br />
Heinkel Typ 153. Auch die Oldtimerfans<br />
nach DDR-Vorbild werden<br />
bedacht und zwar mit dem von 1957<br />
bis 1961 gebauten Pritschenwagen<br />
Framo 901/2.<br />
hin im Angebot bleiben die Modelle<br />
des T6A2 in Spur II. Raphael Hummel<br />
von Hustra plant neben dem schon<br />
weit fortgeschrittenen H0-Modell des<br />
Stuttgarter KSW in der modernisierten<br />
Ausführung auch ein Modell des<br />
1938 durch Umbau des 1913 gebauten<br />
Triebwagens 550 entstandenen<br />
gläser-<br />
nen Wagens<br />
TT-Tatra als Bausatz<br />
Wie bereits im ersten Teil des Messeberichts<br />
erwähnt, ist bei Herrmann<br />
& Partner der Verbandswagenzug<br />
Typ II in Kasseler Credé-Einrichtungs-<br />
Ausführung die Hauptneuheit. Erhältlich<br />
sind die H0-Modelle im ursprünglichen<br />
Beige und in späterer rot-weißer<br />
Ausführung. Daneben wird es<br />
zwei Versionen als Arbeitswagen geben.<br />
Auch die Bochumer Verbandszüge<br />
wurden von Credé in Kassel<br />
gebaut, allerdings als Zweirichtungswagen<br />
und mit weiter heruntergezogenen<br />
Seitenschürzen. Weitere Arbeitswagenvarianten<br />
betreffen den<br />
bekannten Tatra-T4D-Triebwagen.<br />
Es sind insgesamt acht verschiedene<br />
Fahrzeuge nach Vorbildern aus<br />
Dresden, Gera und Halle geplant. Der<br />
Tatra T6A2 für die TT-Spur wird jetzt<br />
auch als Bausatz angeboten. Weiter-<br />
Dem <strong>noch</strong>mals geänderten Vorbilddesign entsprechen Navemos aktualisierte H0-Nachbildungen der Züricher<br />
<strong>Tram</strong> 2000, die daher nun auch erst mit einjähriger Verzögerung in den Verkauf kommen<br />
Nach dem im letzten Heft bereits vorgestellten Henschel-Trolleybus HS 160 OSL hier jetzt die Gelenkbusvariante<br />
HS 160 OSL-G des tschechischen Herstellers NB. Auch dieses H0-Modell wird in Resin-Technik hergestellt<br />
strassenbahn magazin 5|2013
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sind die OcCre-Bausätze etwas ganz Besonderes:<br />
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jetzt der Stuttgarter Tw 222 neu hinzu. Die<br />
Holzbausätze im Maßstab 1:24 von OcCre sind<br />
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Wenn er nicht das typische Bärenwappen tragen würde, wäre dieser Mitteleinstiegs-Triebwagen nicht unbedingt<br />
als Berliner erkennbar. Das Tin-Plate-Modell (Spur 0) stammt von Dr. Lehnhardt OLGA BANDELOWA (11)<br />
502. Dieser Aussichtstriebwagen der<br />
Stuttgarter Straßenbahn war bis zu<br />
seiner Kriegszerstörung im Jahre<br />
1944 für Sonderfahrten eingesetzt –<br />
anfangs zur Reichsgartenschau 1939.<br />
Das Modell wird wie ein geplanter<br />
Verbandswagen II nach Bochumer<br />
Vorbild, der mit feinen Messingbauteilen<br />
wie Rammschutz, Scheinwerfer<br />
und Rückspiegel ausgestattet sein<br />
wird, nur bei genügender Vorbestellzahl<br />
produziert.<br />
Lasercut auf dem Vormarsch<br />
Neues kommt von Andreas Heyden<br />
in Form des Nürnberger Museumswagens<br />
701, der nur in einem<br />
Nürnberger Museum direkt erhältlich<br />
sein wird. Das H0-Modell soll es in<br />
olivgrün-elfenbeinfarbener Lackierung<br />
im Stil der 1930er-Jahre, in limitierter<br />
Jugendstillackierung und als<br />
unlackierten Bausatz geben.<br />
Immer umfangreicher wird das<br />
Angebot an Gebäuden, die in Lasercut-Technik<br />
hergestellt werden.<br />
Joswood ergänzt sein Angebot an<br />
lasergeschnittenen Architekturgebäuden<br />
mit zahlreichen Neuheiten.<br />
Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend<br />
ist dabei die Halle des<br />
Leipziger Hauptbahnhofes. Für Modellstraßenbahner<br />
eher interessant<br />
sind wohl die Bausätze eines Kesselhauses<br />
nach Düsseldorfer Vorbild<br />
oder die Tankstelle aus den 1950er-<br />
Jahren. Erstmals mit zeitgemäßen<br />
Abziehbildern als Beschriftung erscheinen<br />
die bereits seit 1985 erhältlichen<br />
Kleinserienmodelle der Ybbser<br />
Straßenbahn in H0e von Jürgensen.<br />
Die entsprechende Variante in<br />
0e, die im letzten Jahr angekündigt<br />
wurde, kann Dank genügender Vorbestellungen<br />
tatsächlich produziert<br />
werden, die Konstruktionsarbeiten<br />
Vom Rathgeber-Verbandswagen, den THS als H0-Modell in verschiedenen<br />
Ausführungen plant, gibt es bisher nur diese Zeichnung<br />
Wie klein die kleinste <strong>Tram</strong> der Welt wirklich ist, zeigt eindrucksvoll der<br />
Größenvergleich mit der 2-Euro-Münze. Das 1:350-Modell von Eishindo<br />
aus Japan fuhr zuverlässig und ruckfrei während der ganzen Messe<br />
74 strassenbahn magazin 5|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Neueste Variante des Salzburger Stadtbahnwagens von<br />
Miroslav Barnet ist dieser Wagen mit der Nummer 58<br />
und der Beschriftung „Partnerstadt Dresden“. Das H0-<br />
Modell ist bei der Salzburger Lokalbahn erhältlich<br />
wurden bereits begonnen. Bestens<br />
zur Gestaltung von gepflasterten<br />
Straßen geeignet sind die neuen Silikonformen<br />
zum Selbstgießen entsprechender<br />
Gipsteile für Kurven,<br />
Geraden und Kreuzungen von Langmesser<br />
Modellwelt.<br />
Ein Berliner aus Danzig?<br />
Die neueste Tinplate-<strong>Tram</strong> von Dr.<br />
Lehnhardt ist das allerdings nur grob<br />
dem Vorbild nachempfundene Spur-<br />
0-Modell eines Berliner Mitteleinstiegs-Tw.<br />
Das Fahrzeug ähnelt in der<br />
Seitenansicht eher einem Danziger<br />
Wagen, der allerdings ein Vierachser<br />
und deutlich größer war. Kato ermöglicht<br />
den N-Straßenbahnern nun<br />
endlich Dank der neuen Abzweigweichen<br />
den Bau richtiger Anlagen, wie<br />
man am Messediorama der Japaner<br />
eindrucksvoll erleben konnte. Daneben<br />
erscheinen weitere Varianten der<br />
bereits bekannten Unitram.<br />
Sowohl die Halbnuller wie auch die<br />
N-Bahner können sich über Modelle<br />
der bekannten Anderthalbdeckerbusse<br />
freuen. Über die H0-Modelle<br />
werden wir später berichten, die N-<br />
Variante nach Büssing-Vorbild mit<br />
einfacher Vordertüre kommt in der<br />
Reihe der so genannten „Minis“ von<br />
Lemke-Collection. Neben Dekor-<br />
Varianten des bereits im letzten<br />
Jahr angekündigten Überlandbusses<br />
MAN SÜ 240 erscheint heuer das<br />
Mercedes-Benz-Pendant MB O 307<br />
zunächst in vier verschiedenen Ausführungen<br />
als Postbus, Fahrzeug des<br />
RVO München und in zwei neutralen<br />
Varianten. Auch der Kurzhauber<br />
Mercedes L322 als Pritschen- oder<br />
Kofferlaster bekommt Zuwachs.<br />
Ganz neu sind Lastzüge mit Krupp-<br />
Titan- oder Büssing-LU-11-16-Zugmaschine<br />
in verschiedenen attraktiven<br />
Dekors als Pritschen- und<br />
VK-Modelle bringt die H0-Modelle des Anderthalbdecker-Busses (hier<br />
die Bonner Ausführung), der im Original von der Essener Firma Ludewig<br />
auf Büssing-Fahrgestellen für verschiedene Städte gebaut wurde<br />
Planenzüge. Neu sind auch weitere<br />
Versionen des Reisebusses Mercedes<br />
O 6600H und der VW-Bus mit<br />
Hochdach. Miroslav Barnet zeigte<br />
weitere Varianten des fünffenstrigen<br />
Prager Ringhoffer-Triebwagens<br />
und des dazu passenden kleinen Beiwagens<br />
„Plechá“. Neu ist auch der<br />
Salzburger Stadtbahnwagen ET40NF<br />
mit Niederflur-Mittelteil. Zur Ausstattung<br />
der Anlage gibt es eine moderne<br />
Telefonzelle und ein Wartehaus,<br />
das den auch bei uns verbreiteten<br />
Vorbildern der französischen Firma<br />
JC Decaux entspricht.<br />
Neu bei MKB in N und H0 sind eine<br />
moderne Stadtbrücke, zwei Stadthäuser<br />
der 1950er-Jahre und ein<br />
klassisches Haus mit Tordurchfahrt.<br />
Interessant ist auch das Modell der<br />
Hamburger Gustav-Adolf-Kirche,<br />
das sich in die Häuserzeile einreiht.<br />
Alle diese Neuheiten entstehen in<br />
Lasercut-Technik, ebenso wie das<br />
große Eisenbahnerwohnhaus nach<br />
Mannheimer Vorbild von Moebo,<br />
das ebenfalls in N und H0 gefertigt<br />
wird. Neues gibt‘s auch mal wieder<br />
von Modellbahntechnik Hof. Das<br />
Pflasterstraßensystem wird um 49<br />
und 61 Millimeter breite Straßenteile<br />
mit nur <strong>noch</strong> jeweils einem Gully und<br />
Kanaldeckel erweitert. Auch der neue<br />
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strassenbahn magazin 5|2013 75
aßenbahn im Modell<br />
Von Ingenieur Miroslav Barnet aus Prag stammt diese<br />
Variante des Tatra KT8D5 der Brünner Straßenbahn. Es<br />
ist eine von zahlreichen H0-Versionen dieses Typs im Programm<br />
des rührigen tschechischen Modellproduzenten<br />
Randstreifen verfügt nur <strong>noch</strong> über<br />
einen Gully, wodurch diese Teile wesentlich<br />
vorbildgetreuer werden. Navemo<br />
bringt in einer überarbeiteten<br />
Ausführung die sechs- und achtachsige<br />
Version des Zürcher <strong>Tram</strong> 2000 in<br />
der aktuellen Lackierung heraus, die<br />
bereits im letzten Jahr angekündigt<br />
wurde. Die Verzögerung entstand<br />
durch eine zwischenzeitliche Änderung<br />
der Gestaltung der Beschriftung<br />
beim Original. Die diesjährigen Neuheiten<br />
bei Noch stehen zwar unter<br />
dem Motto „In der Stadt“, betreffen<br />
aber vor allem Bahnhofszubehör, wie<br />
eine filigrane in Lasertechnik hergestellte<br />
Fußgängerbrücke, die beliebig<br />
erweitert werden kann. Einen für<br />
Bahnhofsviertel typischen Gewerbebetrieb<br />
stellt die Table-Dance-<br />
Bar dar, bei der Dank großzügiger<br />
Verglasung eines Teilbereichs das<br />
Innenleben mit sich um die Stangen<br />
drehenden Damen betrachtet werden<br />
kann. Untermalt wird das Ganze<br />
mit Flackerlicht-Effekten. Eher bieder<br />
und für H0 etwas verniedlicht wirken<br />
die vier neuen Fachwerkhäuser, wobei<br />
eines der Häuser aber mit einer<br />
roten Laterne und weiterer einschlägiger<br />
Dekoration „verziert“ ist. Ansonsten<br />
sind vor allem neue Figurensets<br />
und Utensilien wie Pflanzkübel<br />
für die Gestaltung städtischer Szenerien<br />
erwähnenswert.<br />
Neben verschiedenen Traktoren und<br />
Borgward-Lastwagen waren bei NPE<br />
vor allem der Bus Neoplan Do-Lux<br />
Bei der Karlsruher Albtalbahn lief dieser Überlandbus Mercedes-Benz<br />
O307, den Brekina als H0-Modell neu in sein Programm aufnimmt<br />
und der sich deutlich vom Werksaufbau<br />
unterscheidende Mercedes<br />
O312H mit Drögmöller-Karosserie<br />
sowie der Haubenbus Borgward<br />
B4500 erwähnenswert. Die Busse<br />
verfügen über Panoramafenster<br />
im Dachrand. <strong>Als</strong> Auftragsarbeit in<br />
Kooperation mit VK-Modelle wird<br />
als Resin-Kleinserienmodell der<br />
<strong>noch</strong> heute vorhandene Marburger<br />
Schlossbus von 1969 gefertigt, ein<br />
Mercedes-Benz L 608D mit Aufbau<br />
der Firma Vetter. N-<strong>Tram</strong> plant für<br />
6,5-mm-Spurweite Modelle der ersten<br />
Baseler <strong>Tram</strong>serien Be2/2 1-26<br />
und 27-40 sowie der pfälzischen<br />
Schmalspurbahnen. Die Zuglok Reihe<br />
L1 war in der typischen Dampfstraßenbahn-Bauart<br />
gehalten und<br />
später als 99 081-092 eingereiht.<br />
Neben verschiedenen Figurengruppen,<br />
die unter anderem Reisende<br />
und Radfahrer darstellen, erscheinen<br />
heuer bei Preiser auch die drei ehemaligen<br />
Bundeskanzler Willy Brandt,<br />
Helmut Schmidt und Helmut Kohl<br />
Harmonisch passen der Düwag-GT6-Triebwagen und der schon länger<br />
erhältliche Düwag-Vierachsbeiwagen zusammen. Dank Halling-<br />
Technik verfügt der Triebwagen über hervorragende Fahreigenschaften.<br />
Beide Modelle werden von „Bus und Bahn und mehr“ angeboten<br />
76 strassenbahn magazin 5|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Durchaus auch auf westeuropäischen Anlagen denkbar wären die U-Bahn-Modelle für N-Spur von Kato, wenn<br />
man einige kleinere Änderungen am Design vornähme. Im Vordergrund sehen wir das neue Modell der Tokioter<br />
„Marunouchi Line“, dessen Vorbild eine Nebenrolle im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ spielte<br />
für H0 und in 1:24. Mit den neuen<br />
Zimmereinrichtungen kann ein ganzes<br />
Haus von der Küche über das<br />
Wohnzimmer bis zum Bad ausgestattet<br />
werden. Dies bietet sich vor<br />
allem für Modellhäuser mit großen<br />
Fensterflächen an, ansonsten sollte<br />
man die Dächer dieser Gebäude abnehmbar<br />
gestalten, damit das Ganze<br />
nicht „für die Katz“ ist. Die ebenfalls<br />
neuen Feuerwehrspinde eignen sich<br />
auch bestens zur Gestaltung eines<br />
Straßenbahn- oder Busbetriebshofes.<br />
Wichtigste Neuheit ist aus unserer<br />
Sicht die Ergänzung der im letzten<br />
Jahr vorge- stellten Bruchsteinmauern<br />
mit ver- schiedenen<br />
Benz-Gelenkbusse O405G aus den<br />
1980er-Jahren und die niederflurigen<br />
Nachfolger O405GN. Zum Jubiläum<br />
erscheint ein Feuerwehrmodell,<br />
dessen Vorbild ebenfalls 30 Jahre<br />
alt wird, nämlich das Löschfahrzeug<br />
Iveco-Magirus MK 120-19 TLF und<br />
MK 120-23 LF. Aktuellen Vorbildern<br />
nachempfunden und für den städtischen<br />
Nahverkehr interessant sind<br />
die Modelle des MAN-Hybridbusses<br />
Lion’s City, der unter anderem im<br />
Dekor der VAG Nürnberg und der<br />
Wiener Linien erscheinen wird.<br />
Außerdem sind weitere Varianten<br />
des Mercedes-Benz Citaro als Solo-<br />
und Gelenkbus und im Rahmen<br />
Die Preisträger: Jan Ruppert (l.) und<br />
Johannes Keller-Harmsen (Platz 2<br />
mit einem Stuttgarter Partywagen)<br />
Neuheiten &<br />
Neuigkeiten<br />
Kleine Bahn<br />
wieder groß<br />
■ Europas größte Modelltram-<br />
Ausstellung »Kleine Bahn ganz<br />
groß« ruft in diesem Jahr am 25.<br />
und 26. Mai nach Chemnitz. Im<br />
Omnibusbetriebshof an der Werner-Seelenbinder-Straße<br />
13 zeigen<br />
Hobbyfreunde und Hersteller ihre<br />
Anlagen und Produkte. Ausführliche<br />
Informationen unter www.<br />
kleinebahnganzgross.de und bei<br />
kleinestrassenbahn2013@web.de<br />
Seine erste<br />
Messingtram<br />
■ „Mein Modell – meine Geschichte“<br />
war das Thema der stets<br />
während der Spielwarenmesse<br />
stattfindenden Veranstaltung der<br />
„<strong>Tram</strong>way and Light Railway Society“<br />
(TLRS). Diesmal gab es einen<br />
gleichnamigen Modellwettbewerb.<br />
Den ersten Platz belegte Jan Ruppert,<br />
Straßenbahner aus Berlin,<br />
mit einem dreiteiligen<br />
Münchner<br />
M5-Großzug aus<br />
Messing.<br />
H. GIERAMM, OLGA BANDELOWA<br />
Mit einem Münchner Zug M5+M5+m5 hat Jan Ruppert aus Berlin<br />
den ersten Preis errungen. Es sind seine ersten H0m-Messingmodelle<br />
Ein erster CAD-Entwurf zeigt, wie das H0-Modell des Stuttgarter Aussichtstriebwagens<br />
502 aussehen könnte, das Hustra in Bochum plant<br />
Torelementen und Abdeckungen aus<br />
Natursteinplatten und Dachziegeln.<br />
Dank der Verzahnung der einzelnen<br />
Elemente lassen sich diese ohne<br />
sichtbare Fugen verbinden.<br />
Die Firma Rietze feiert heuer ihr<br />
30-jähriges Bestehen, wozu wir<br />
herzlich gratulieren. Aus diesem Anlass<br />
waren die Sammler im letzten<br />
Jahr dazu aufgerufen, Vorschläge<br />
zu einem Wunschmodell zu äußern.<br />
Sieger wurden die Mercedes-<br />
der „Collectors-Edition“ der Göppel<br />
Maxitrain, ein Buszug im Dekor der<br />
DB-Tochter „Saar-Pfalz-Bus, Saarbrücken“<br />
angekündigt. Weitere Modelle<br />
stellen der VW Golf 7 und eine<br />
große Zahl an Einsatzfahrzeugen dar,<br />
auf die wir aber nicht näher eingehen<br />
können.<br />
Noch mehr Neuheiten zeigen wir<br />
Ihnen im vierten und letzten Teil<br />
unseres Messerundganges.<br />
BERTHOLD DIETRICH-VANDONINCK<br />
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HANS-JOACHIM SPIETH<br />
Postfach 300137<br />
70771 Leinfelden-Echterdingen<br />
strassenbahn magazin 5|2013 77
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />
0 89 – 13 06 99-720<br />
ö 0 89 – 13 06 99-700<br />
: redaktion@geramond.de<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Zu »Die letzten Zweiachser«<br />
(SM 3/2013)<br />
Mehr Darmstädter Wagen<br />
erhalten geblieben<br />
In diesem Beitrag ist der Verbleib der<br />
Darmstädter Zweiachser nicht ganz korrekt<br />
dargestellt. „Normal“ ausgeschieden<br />
sind lediglich die Wagen 14, 16 und<br />
19. Wagen 18 fiel vorzeitig einem Unfall<br />
zum Opfer. Vom Restbestand wurde Wagen<br />
11 zu einem Schleifwagen umgebaut<br />
(<strong>noch</strong> im Bestand). Wagen 13 wurde –<br />
wie korrekt berichtet – nach Würzburg<br />
abgegeben. 12 und 15 sollten erhalten<br />
bleiben, und 17 wurde Triebfahrzeug des<br />
Party-Zugs „Datterich-Express“.<br />
Da Wagen 17 bei einem Brand im Depot<br />
Böllenfalltor irreparabel beschädigt<br />
wurde, trat Wagen 12 an seine Stelle. Wagen<br />
15 gehört zum Bestand der von der<br />
HEAG erhaltenen historischen Fahrzeuge,<br />
ist aber derzeit nicht betriebsfähig. Von<br />
den ehemals Regensburger Wagen ging<br />
88 mit Beiwagen 201 zurück nach Regensburg<br />
und wurde dort als Denkmal im<br />
Bereich der Verkehrsbetriebe aufgestellt.<br />
Die Wagen 86, 87 und 89 wurden verschrottet.<br />
Jörn Schramm, Aulendorf<br />
Zu »Porträt Linie 7 in Halle<br />
(Saale)« (SM 3/2013)<br />
Kulturlinie auch<br />
während Bauarbeiten<br />
Der Beitrag war informativ und lesenswert.<br />
Den<strong>noch</strong> möchte ich ein paar<br />
Anmerkungen machen: Die Wendeschleife<br />
in Kröllwitz ist in der Tat keine Fehlplanung.<br />
Erwähnenswert ist auch der (gut<br />
genutzte) zugehörige P + R-Platz mit seinen<br />
flexiblen Anzeigetafeln, die Autofahrer<br />
nicht nur über die nächsten Abfahrten<br />
der Straßenbahn, sondern auch über die<br />
Verkehrsbelastung in der Dölauer Straße<br />
informieren. Das Projekt ist Teil der MO-<br />
SAIQUE-Initiative des Mitteldeutschen<br />
Verkehrsverbundes. Kröllwitz wurde vom<br />
ADAC als benutzerfreundlichster P + R-<br />
Platz ausgezeichnet und verfügt über<br />
eine Ladesäule für Elektroautos.<br />
Ein Fehler befindet sich in der Bildunterschrift<br />
auf S. 28. Die Aufnahme stammt<br />
nicht aus der Großen Ulrichstraße, sondern<br />
aus der Geiststraße. Der auf dem<br />
Foto abgebildete Abschnitt wird nicht saniert.<br />
Davon ist der Bereich zwischen dem<br />
Neuen Theater und dem Moritzburgring<br />
betroffen. Die Moritzburg ist jedoch auch<br />
während der Bauarbeiten mit der Straßenbahn<br />
erreichbar, jedoch nur aus nördlicher<br />
Richtung. Dazu werden die Linie 8<br />
und die neue Baustellenlinie 17 (Moritzburgring<br />
– Reileck/Adolfstraße mit nur<br />
vier Stationen) über eine <strong>noch</strong> einzubauende<br />
Weiche wenden. Zwischen Moritzburgring<br />
und Marktplatz fahren Busse im<br />
Schienenersatzverkehr (Linie 68). Die Linie<br />
7 wird in dieser Zeit, wie im Beitrag richtig<br />
erwähnt (ebenso wie Linie 3), über das<br />
Steintor umgeleitet. Da somit Opernhaus<br />
und Steintor-Varietee erreicht werden,<br />
wird auch die umgeleitete Linie 7 dem Titel<br />
Kulturlinie gerecht.<br />
Die Bauarbeiten beginnen übrigens<br />
erst nach Ostern, da die Ausschreibung<br />
der Bauleistungen sich verzögert hat.<br />
Wegen der gleichzeitigen Sperrung der<br />
Torstraße sowie der Weißen Mauer im<br />
Überlandgebiet kommt es zu weiteren<br />
Umleitungen, neuen Wendestellen über<br />
Bauweichen (z. B. im Böllberger Weg),<br />
neuen Linienbezeichnungen (z.B. Linien<br />
18, 61, 65) an Stelle der vorübergehend<br />
eingestellten Linien 6 und 11 und einer<br />
Reaktivierung des ehemaligen Betriebshof<br />
Merseburg. Dabei fahren Straßenbahnen<br />
so nah wie nur möglich an die<br />
Baustellenbereiche heran. Ein Besuch<br />
lohnt sich für jeden Straßenbahnfreund!<br />
Der immer wieder erwähnte Marktturm<br />
trägt die Bezeichnung „Roter<br />
Turm“. Es heißt übrigens auch nicht<br />
„Haller Roland“, sondern „hallescher...“.<br />
Das Schokoladenmuseum erreicht man<br />
am besten nicht über die Haltestelle<br />
Grenzstraße, sondern günstiger über die<br />
folgende Haltestelle Fiete-Schulze-Straße.<br />
Benjamin Richter, Halle (Saale)<br />
Zu »Innenstadtstrecke vor<br />
Vollsperrung« (SM 1/2013)<br />
Schwerwiegende<br />
Auswirkungen für Erfurt<br />
In dem Bericht auf Seite 11 wird darauf<br />
hingewiesen, dass Erfurts bedeutendste<br />
Innenstadtstrecke zwischen<br />
Domplatz und Anger in diesem Jahr für<br />
den Straßenbahnverkehr komplett gesperrt<br />
wird, weil die Schlösserbrücke über<br />
die Gera saniert werden soll. Bei diesem<br />
Sachverhalt darf die Frage aufgeworfen<br />
werden, ob nicht über eine Umleitungsstrecke<br />
die Nordstadt Erfurts mit der Südstadt<br />
weiterhin hätte verbunden werden<br />
können. Hätte man nicht über eine neue<br />
Verbindungsstrecke, deren südlicher Ast<br />
über die Moritzwallstraße und die Schlüterstraße<br />
zu Johannesstraße und deren<br />
nördlicher Ast über den Rosa Luxemburgplatz,<br />
Tal- und Bergstraße zur Nordhäuserstraße<br />
führen würden, dieses Debakel<br />
verhindern können? Irgendwann sind<br />
auch auf der Johannesstraße einmal Sanierungsarbeiten<br />
fällig. Sollte das der Fall<br />
werden, könne man in umgekehrter Richtung<br />
die Linien 1 und 5 umleiten.<br />
Ganz abgesehen davon habe ich mir<br />
eine zusätzliche Linie ausgedacht, die<br />
von Stotternheim nach Niedernissa führen<br />
könnte. Der Linienweg wäre folgender:<br />
Stotternheimer Straße, Magdeburger<br />
Allee, die oben genannte Umleitungs -<br />
strecke, Gutenbergstraße, Biereyestraße,<br />
Rudolfstraße, Benaryplatz, Anger, Weimarische<br />
Straße, Jenaer Straße, Rudolfstäd-<br />
Wegen Bauarbeiten kommt es in<br />
Halle (Saale) 2013 zu Umleitungen<br />
– siehe www.havag.com SV<br />
terstraße, Dittelstedt, Ulbrich, Niedernissa.<br />
Dabei könnten Gleise der Linie 5, 4<br />
und 2 mitbenutzt werden, was die Kosten<br />
einer solchen Streckenführung senken<br />
würde. Ich besuche Erfurt häufiger,<br />
aber ich könnte mir vorstellen, dass eingesessene<br />
Erfurter Bürger <strong>noch</strong> bessere<br />
oder andere Vorschläge dazu machen<br />
könnten. Heinrich Kemper, Warendorf<br />
Zu »Stuttgarter Stadtbahnnetz<br />
wird fit gemacht« (SM 4/2013)<br />
Skandalöses Vorgehen<br />
Es wäre schön gewesen, es wäre erwähnt<br />
worden, dass nach Inbetriebnahme<br />
der neuen U12 zwischen Remseck<br />
und Dürrlewang der seitherige Streckenabschnitt<br />
zwischen den Haltestellen<br />
Milchhof und der in Stadtbibliothek umbenannten<br />
Haltestelle Türlenstraße aufgegeben<br />
wird.<br />
Damit entfällt die Haltestelle Pragfriedhof.<br />
Die direkt vor dem Haupteingang des<br />
Friedhofs gelegene Haltestelle ist für<br />
Friedhofsbesucher wie für Bewohner der<br />
naheliegenden Hochhäuser wichtig und<br />
wird entsprechend frequentiert. Wie von<br />
ihnen geschrieben ist die neue Strecke<br />
über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs<br />
nur dann wirtschaftlich, wenn<br />
das heutige Gleisvorfelds des Hauptbahnhofs<br />
komplett überbaut würde.<br />
Dies würde – wie sogar das Bundesverkehrsministerium<br />
einräumen musste –<br />
ein förmliches Stilllegungsverfahren erfordern.<br />
Eine Entwidmung der Gleisflächen<br />
wäre erst möglich, wenn sich kein Interessent<br />
für einen Weiterbetrieb finden sollte.<br />
Angesichts des bestehenden Interesses<br />
eines Weiterbetriebs durch die Stuttgarter<br />
Netz AG spricht viel dafür, dass die SSB<br />
hier ein rechtswidriges, da unwirtschaftliches<br />
Schienenprojekt verfolgt. Dass nun<br />
gezielt Fakten geschaffen werden sollen,<br />
entspricht der gewohnt skandalösen Vorgehensweise<br />
beim Projekt „Stuttgart<br />
21“, welches aus guten Gründen von<br />
Christoph Engelhardt schon als größter<br />
technisch wissenschaftlicher Betrugsfall<br />
der deutschen Industriegeschichte bezeichnet<br />
wurde.<br />
Eberhard Zedler, Stuttgart<br />
78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Termine<br />
20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage in der<br />
Sächsischen Schweiz, regulärer Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn<br />
sowie Tag der offenen Tür im Depot mit Besichtigung<br />
der Werkstatt.<br />
20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Gelände des Depots Trachenberge hat von<br />
10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung der Museumshallen,<br />
des Werkstattbereiches und der historischen Wagen; gezeigt<br />
wird u.a. der vor seiner Vollendung stehende Postwagen der<br />
Lockwitztalbahn von 1908, im Museumscafé läuft auf der<br />
Großbildleinwand eine neue Fotopräsentation; Eintritt: Erw.<br />
2 €, Kinder 1,50 €. An beiden Tagen ist außerdem der Oldtimerzug<br />
(Bj. 1913/25) sowie erstmals nach seiner HU der<br />
Gotha-Großraumzug Tw 1734/Bw 2015 im Einsatz, stündliche<br />
Rundfahrten durch Dresden<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />
Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />
Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />
Am 20./21. April wird in Dresden der Gotha-Großraumzug<br />
Tw 1734 erstmals nach seiner HU wieder<br />
im Einsatz stehen<br />
H. FRENZEL<br />
21. April, Berlin: Anlässlich „100 Jahre U2 sind zwei Dreiwagenzüge<br />
vom Typ AI auf der U2 im Einsatz; außerdem<br />
Themenfahrt mit historischem Omnibus, ab Alexanderplatz/Dircksenstraße<br />
um 10 Uhr: Rundfahrt nach Müggelheim;<br />
Dauer: ca. fünf Stunden; Fahrpreise: Erwachsene 12<br />
EUR, Kinder (6–14 Jahre) 8 EUR; eine Platzreservierung ist<br />
erforderlich unter businfo@dvn-berlin.de; weitere Informationen<br />
unter www.dvn-berlin.de<br />
21. April, Sehnde-Wehmingen: Tag des Kalibergbaus im<br />
Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser Straße<br />
16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, weitere Infos:<br />
www.tram-museum.de oder vorstand@tram-museum.de<br />
28. April, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst fahren<br />
im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, Gelegenheit,<br />
unter Anleitung eines HSM-Fahrlehrers selbst eine<br />
Straßenbahn zu fahren, Kosten: 15 EUR, s. www.tram-museum.de<br />
28. April, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />
Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten auf Kirnitzschtalbahn<br />
mit historischen Fahrzeugen. Es gilt der normale Fahrpreis<br />
zzgl. eines Obolus von 1,- € pro Fahrt, den Fahrplan<br />
gibt es unter www.ovps.de/verein<br />
4. Mai, Berlin: Führungen durch das Baudenkmal Betriebshof<br />
Niederschönhausen und die Sammlung historischer<br />
Straßenbahnen und Busse, Dietzgenstraße 100 (Haltestelle<br />
Nordend, Straßenbahnlinie M1, Buslinien 107 und<br />
124), stündlich von 10 bis 15 Uhr; Eintritt: Erwachsene 2<br />
EUR, Kinder (6–14 Jahre) 1 EUR; weitere Infos unter<br />
www.dvn-berlin.de<br />
4. Mai, Augsburg: Rundfahrt mit GT8-Tw 806, organisiert<br />
von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und<br />
den Verkehrsbetrieben. Start ist am Königsplatz (Bahnst.<br />
„H“ der Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05<br />
und 15.05 Uhr. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet<br />
3 EUR für Erwachsene und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder<br />
anderer Nahverkehrsfreunde sind frei. Bitte beim Fahrbegleiter<br />
melden<br />
4. Mai, Essen/Gelsenkirchen: Die historischen Straßenbahnen<br />
der VhAG EVAG, BOGESTRA und MVG fahren im<br />
Stundentakt zwischen Essen-Holsterhausen und Gelsenkirchen<br />
Hbf, zwischen Essen Hbf und Zeche Zollverein sogar<br />
alle 30 Minuten. Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />
Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
5. Mai, Sehnde-Wehmingen: Treffen historischer Omnibusse<br />
im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, weitere<br />
Informationen unter www.tram-museum.de oder<br />
vorstand@tram-museum.de<br />
12. Mai, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />
Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
19. Mai, Bochum: Zwischen 11 und 17 Uhr fährt der<br />
»Muse umsExpress« der VhAG Bogestra mit historischen<br />
Straßenbahnen als Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie<br />
308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo in den Pendel-<br />
Schienenbus zum Eisenbahnmuseum umgestiegen werden<br />
kann. Nähere Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
19./20. Mai, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst<br />
fahren im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Sehnde,<br />
geöffnet von 11–17 Uhr, Gelegenheit, unter Anleitung eines<br />
HSM-Fahrlehrers selbst eine Straßenbahn zu fahren, Kosten:<br />
15 EUR, siehe www.tram-museum.de<br />
25./26. Mai, Chemnitz: Tage der offenen Tür und die<br />
Museumsnacht im CVAG-Omnibusbetriebshof, Werner-Seelenbinder-Str.<br />
13. Im Rahmen der 10. int. Modell-Straßenbahn-Ausstellung<br />
werden mehr als 20 Modellstraßenbahnanlagen<br />
präsentiert. Geöffnet ist am Sonnabend von 13 Uhr<br />
bis 1 Uhr nachts sowie am Sonntag von 12 bis 16 Uhr. Zeitgleich<br />
hat jeweils das Straßenbahnmuseum Chemnitz,<br />
Zwickauer Str. 164, geöffnet. Zu den Miniatur-<strong>Tram</strong>s gibt es<br />
Auskünfte über kleinestrassenbahn2013@web.de, zum<br />
Museum über das Straßenbahnmuseum Chemnitz,<br />
www.strassenbahn-chemnitz.de, claudia.mann@strassenbahn-chemnitz.de.<br />
25./26. Mai, Sehnde-Wehmingen: Modell-Truck-Treffen<br />
im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser Straße<br />
16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, zusätzlich<br />
Straßenbahn selbst fahren, Kosten: 15 EUR, weitere Infos:<br />
www.tram-museum.de oder vorstand@tram-museum.de<br />
26. Mai, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />
Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
1. Juni, Essen/Gelsenkirchen: Die historischen Straßenbahnen<br />
der VhAG EVAG, BOGESTRA und MVG fahren im<br />
Stundentakt zwischen Essen-Holsterhausen und Gelsenkirchen<br />
Hbf, zwischen Essen Hbf und Zeche Zollverein sogar<br />
alle 30 Minuten. Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />
Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
1. Juni, Meißen/Döbeln: Sonderfahrt mit einem historischen<br />
Omnibus von Leipzig nach Meißen (u. a. mit Besichtigung<br />
der Güterlok der ehemaligen Meißner Straßenbahn)<br />
und zur Pferdebahn Döbeln. Details: www.diebimmel.de<br />
oder per E-Mail von g-wranik@t-online.de<br />
1. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit Gt8 Tw 806, organisiert<br />
von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und<br />
den Verkehrsbetrieben. Start: Königsplatz (Bahnst. „H“ der<br />
Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05 und 15.05<br />
Uhr. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet 3 EUR für<br />
Erwachsene und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder anderer<br />
Nahverkehrsfreunde sind frei. Bitte beim Fahrbegleiter melden<br />
6. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit KSW, organisiert von den<br />
Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und den Verkehrsbetrieben.<br />
Weitere Details siehe Ablauf am 1. Juni.<br />
9. Juni, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />
Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
15. Juni, Cottbus: Anlässlich des Jubiläums „110 Jahre<br />
Cottbuser Straßenbahn“ findet von 11 bis 17 Uhr auf dem<br />
Betriebshof Schmellwitz ein „Hoffest“ statt. Begonnen wird<br />
der Tag mit einem Straßenbahncorso ab 10 Uhr durch die<br />
Stadt. Nähere Infos: www.cottbusverkehr.de<br />
Schlachten,<br />
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Literatur · Händlerverzeichnis · Impressum<br />
Nummer 283 • 5/2013 • Mai • 44. Jahrgang<br />
Spazierfahrt durch Halle (Saale) in der DDR-Zeit<br />
Der Sutton-Verlag aus Erfurt ist für Straßenbahnfreunde<br />
seit vielen Jahren eine gute<br />
Adresse – einerseits, um in diesem Hause erschienene<br />
Publikationen zu kaufen, andererseits<br />
aber, um mit dessen Hilfe einmal selbst<br />
etwas zu veröffentlichen. Letztere Möglichkeit<br />
ergriffen drei Mitglieder des Vereins<br />
„Hallesche Straßenbahnfreunde e.V.“ kürzlich<br />
am Schopfe. Im Blick auf das mit Aufnahmen<br />
der Halleschen Straßenbahn aus<br />
der DDR-Zeit gut gefüllte Vereinsarchiv regten<br />
sie einen Bildband im üblichen Format<br />
von 16,5 x 23,5 cm an. Der Verlag biss an<br />
– das Ergebnis ist seit Anfang März im<br />
Handel: Eine 96-seitige Broschüre mit dem<br />
Titel „Die Hallesche Straßenbahn“.<br />
Bei solch einer Überschrift erwartet der Käufer natürlich<br />
eine Darstellung des Betriebes von den Anfängen bis zur Gegenwart.<br />
Doch diesem Anspruch wird weder der zweiseitige<br />
Einführungstext <strong>noch</strong> die Illustration gerecht. Vielmehr liegt ein<br />
sympathischer Bildband vor, der sich ausschließlich den vier<br />
Jahrzehnten zwischen 1950 und 1990 widmet. Der Schwerpunkt<br />
liegt dabei auf den 1970er- und 1980er-Jahren.<br />
Mit mehr als 150 bisher weitgehend unveröffentlichten<br />
Schwarzweißaufnahmen ganz unterschiedlicher Schärfe und<br />
Brillanz holt der Titel den Betrachter in die Höhen und Tiefen<br />
des Halleschen Straßenbahnbetriebes während der Ulbrichtund<br />
Honecker-Ära. Dabei kommen die Überlandstrecken nach<br />
Bad Dürrenberg und Mücheln ebenfalls nicht zu kurz. Und so<br />
reihen sich in dem Büchlein famose Aufnahmen von Vorkriegswagen<br />
– natürlich fast immer von Lindner gebaut – an Fotos<br />
von LOWA- und Gotha-Wagen sowie Tatras. Heute längst abgerissene<br />
Gebäude sowie ein breites Spektrum an DDR-Straßenfahrzeugen<br />
bieten dabei äußerst sehenswerte Kulissen.<br />
In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
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Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />
Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />
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Harkortstr. 7<br />
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Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />
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Fachbuchhandlung, 10777 Berlin,<br />
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Pietsch, 12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />
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28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />
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Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />
Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />
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Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />
3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />
10, 38100 Braunschweig<br />
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Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,<br />
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Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />
50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />
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Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />
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70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />
· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />
70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />
96 · Buchhandlung Albert Müller,<br />
70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -<br />
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71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.<br />
31 · Osiandersche Buch handlung,<br />
72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·<br />
Buch verkauf Alfred Junginger, 73312<br />
Erscheint es dem Rezensenten fragwürdig,<br />
warum einzelne Standardaufnahmen<br />
aus den 1980er Jahren unscharf<br />
sind, so wird sich jeder stolze Beirette-<br />
Fotograf damit getröstet sehen – mit seinen<br />
Aufnahmen könnte er es scheinbar<br />
ebenfalls in Bücher schaffen …<br />
<strong>Als</strong> unschön mag es ein Ortsfremder<br />
empfinden, dass in dem Buch keinerlei Linienpläne<br />
oder Streckenzeichnungen zu<br />
finden sind. Zur Lektüre der Bildtexte sind<br />
insgesamt gute Vorkenntnisse zur Geschichte<br />
der Halleschen Straßenbahn sowie<br />
ihrer Fahrzeuge und Haltestellennamen<br />
dringend erforderlich. Selbst mit der Datierung<br />
und Bildreihenfolge nahmen es die<br />
Autoren oft nicht so genau. Außenstehenden werden sich bei<br />
den kurzen Erklärungen unter den Aufnahmen häufig Fragen<br />
stellen, denen der Bildband einer Antwort schuldig bleibt. Somit<br />
ist etwas unklar, an welches Publikum sich das Büchlein<br />
eigentlich richtet. Hart formuliert: Stellt es eine Gesprächsgrundlage<br />
für Vereinsabende der Autoren dar?<br />
Wer sich jedoch an den facettenreichen Straßenbahnaufnahmen<br />
auch ohne große Erklärungen erfreuen kann – weil<br />
er die Wagen <strong>noch</strong> gut kennt – und die Umgebung sowieso –<br />
der wird von dem Bildband hellauf begeistert sein! In Verbindung<br />
mit anderen Büchern über die <strong>Tram</strong> der Saalestadt ist der<br />
Titel eine wertvolle Ergänzung und Fundgrube. Die knapp 20<br />
Euro sind dafür allemal gerechtfertigt.<br />
A. MARKS<br />
Harald Mey, Egbert Kluge und Manfred Schumann:<br />
Die Hallesche Straßenbahn, 96 Seiten, 16,5 x 23,5 cm,<br />
broschiert, 160 Schwarzweißfotos, Sutton-Verlag Erfurt<br />
2013, ISBN: 978-3-86680-967-3, Preis 18,95 EUR<br />
Geis lingen, Karlstr. 14 · Service rund<br />
ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,<br />
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Österreich<br />
Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />
Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />
1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />
Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />
Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />
17 · Buchhandlung Morawa,<br />
1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />
J. Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />
Kramergasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1<br />
Tschechien<br />
Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />
Klimentska 32<br />
Dänemark<br />
Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />
husene, Brandvaenget 60<br />
Spanien<br />
Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />
de Elche 5<br />
Großbritannien<br />
ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />
4 Borderside<br />
Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />
Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />
Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />
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Layout: Axel Ladleif<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz, Würzburg<br />
Verlag:<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
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Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />
Herstellungsleitung:<br />
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Vertrieb Zeitschriften:<br />
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im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />
Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
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sowie direkt beim Verlag.<br />
© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />
geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />
der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />
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übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />
Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
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<strong>Vorschau</strong><br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Freunde, die<br />
sich ebenso<br />
für die<br />
Straßenbahn<br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
André Marks,<br />
verantwortlicher Redakteur<br />
TOPTHEMA: Der schleichende Tatra-Abschied<br />
Was im Westen der Republik die klassischen Gelenk-Düwags, das sind im Osten Deutschlands die Tatra-Wagen: Kultfahrzeuge,<br />
die das Bild vieler Betriebe und Städte prägten, aber durch moderne Niederflurwagen verdrängt wurden und<br />
werden. In einem großen Report berichten wir über die Tatra-Einsätze bei den ostdeutschen Betrieben seit der Jahrtausendwende.<br />
Dazu geben die Autoren einen Überblick, welche Typen der Wagen aus tschechischer Produktion zwischen<br />
Rostock und Plauen heute überhaupt <strong>noch</strong> eingesetzt werden und wie deren <strong>Zukunft</strong>saussichten sind.<br />
Die NGT8 in Dortmund –<br />
Geschichte und Einsatz<br />
Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />
Mit den NGT8 hielt die Niederflur-Technologie auf dem<br />
Gleisnetz der Dortmunder Stadtwerke Einzug. Im September<br />
2007 traf der erste Bautzner Wagen in der nordrhein-westfälischen<br />
Metropole ein. Bei den Testfahrten traten reichlich<br />
„Kinderkrankheiten“ zu Tage. Seit nunmehr fünf Jahren<br />
kommen die Bombardier-Wagen im Linienverkehr zum Einsatz<br />
– Zeit für ein Resümee.<br />
Großbaustelle in Erfurt –<br />
Umleiterverkehr und die Folgen<br />
Weil der Fischmarkt und eine Brücke der Schlösserstraße saniert<br />
werden, ist die für Erfurts Innenstadt elementar wichtige<br />
Straßenbahnverbindung zwischen Anger und Domplatz<br />
seit März gesperrt. Die Fahrgäste müssen mehrere Monate<br />
entweder laufen oder auf Busse umsteigen. Von den Straßenbahnen<br />
wird der Bereich aufwendig umfahren – ein Bericht<br />
über diese Umleiterstrecken und Hinweise für Fotografen<br />
und Filmer.<br />
F. TEPPE<br />
Nostalgische Straßenbahn-<br />
Atmosphäre in Kärnten<br />
Der Verein „Nostalgiebahnen in Kärnten“ hat im südlichsten<br />
Bundesland Österreichs in den vergangenen Jahrzehnten<br />
zahlreiche Attraktionen geschaffen. Der Beitrag stellt<br />
die für Straßenbahnfreunde relevanten Örtlichkeiten vor,<br />
wo heute z.B. Wagen der <strong>Tram</strong>s aus Klagenfurt, Ybbs sowie<br />
der Hallerbahn besichtigt werden können. Ebenfalls vorgestellt<br />
wird das Projekt der Seetramway, für welche der<br />
Verein aktuell zahlreiche Fahrzeuge aufarbeitet.<br />
Vor 30 Jahren in München:<br />
Der große <strong>Tram</strong>-Kahlschlag<br />
Am 28. Mai 1983 ging in München die nur 3,3 km lange<br />
U1 in Betrieb. Die Stadtwerke stellten an diesem Tag gleichzeitig<br />
drei Straßenbahnlinien mit ca. zehn Kilometern Länge<br />
ein. Doch schon einen Monat zuvor war das <strong>Tram</strong>netz in<br />
Bayerns Landeshauptstadt geschrumpft – Ziel: Gesamteinstellung!<br />
Peter Schricker stellt die Ereignisse vor 30 Jahren<br />
einschließlich der verschiedenen Hintergründe vor.<br />
U. BERGER<br />
R. SCHREMPF<br />
Ende gut …?<br />
Ärger: Variobahnen<br />
Münchens im Fokus<br />
Im März thematisierte der Münchner<br />
Merkur mehrmals den Einsatz der vielkritisierten<br />
Variobahnen. Dabei zitierte<br />
die Tageszeitung mehrere Anwohner,<br />
die sich über Erschütterungen, klirrende<br />
Gläser und vibrierende Böden durch<br />
die auf der Linie 19 fahrenden und in<br />
den Kurven laut quietschenden Bahnen<br />
beklagten. Vor Ostern holte sich schließlich<br />
ein Redakteur des Blattes auch<br />
beim <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Rat,<br />
warum die Wagen aus dem Hause Stadler<br />
solche Probleme bereiten.<br />
Daraufhin veröffentlichte der Merkur<br />
am 30. März einen Bericht, in dem auch<br />
die Sicht des Redaktionsleiters des<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> zum Abdruck<br />
kam. Michael Krische erläuterte,<br />
dass sich das Gewicht der Variobahnen<br />
bei im Vergleich zu den bewährten R3<br />
ähnlicher Masse auf lediglich drei und<br />
<strong>noch</strong> dazu festgelagerte Radsatzgruppen<br />
verteile. Beim R3 sind es hingegen<br />
vier Drehgestelle, die einen weicheren<br />
und leiseren Bogenlauf garantieren. So<br />
lautet Krisches Fazit: Variobahnen machen<br />
aufgrund ihrer Konstruktion ein<br />
bisschen den Eindruck eines Billigprodukts.<br />
Im Vergleich zum R3 seien sie<br />
eher ein „technischer Rückschritt“.<br />
Die bereits während der Recherche des<br />
Merkur-Beitrages mit diesem Urteil konfrontierte<br />
Münchner Verkehrsgesellschaft<br />
(MVG) wies die Vorwürfe zurück.<br />
Sie betonte die positive Konsequenz der<br />
starren Fahrgestelle: ein geräumiger Innenraum.<br />
Zudem würden andere Hersteller<br />
ebenfalls auf dieses Konzept setzen<br />
(Anmerkung Red.: Ja, und sie haben<br />
damit ähnliche Probleme). Davon, dass<br />
im September 2012 keine weiteren Variobahnen<br />
bestellt wurden, sondern acht<br />
Avenio von Siemens – mit vier Drehgestellen!<br />
–, schrieb die MVG nichts. AM<br />
DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 6/2013 erscheint am 17. Mai 2013<br />
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Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
Straßenbahnen in Hafennähe<br />
sind nicht unbedingt<br />
selten – aber Straßenbahnwagen<br />
voller<br />
Fahrgäste direkt im Hafen?<br />
Anlässlich „95 Jahre<br />
Dortmunder Hafen“<br />
konnte im August 1994<br />
ein womöglich weltweit<br />
einmaliges Spektakel erlebt<br />
werden: Der Einrichtungswagen<br />
431 (GT4,<br />
Hansa 1957) und der damals<br />
als Partywagen 221<br />
(ex Tw 21, Düwag 1966)<br />
eingesetzte GT8 pendelten<br />
unter riesigen Hafenkränen<br />
von einem Ladegleis<br />
ohne Oberleitung<br />
über Westerholz bis zum<br />
Hafenbahnhof.<br />
Möglich machte diesen<br />
ungewöhnlichen Einsatz<br />
der beiden Dortmunder<br />
Straßenbahnfahrzeuge<br />
ein zur Stromversorgung<br />
dazwischen gekuppelter<br />
Generatorwagen. Er<br />
übernahm die Energie -<br />
versorgung der beiden<br />
GT, deren Radsätze für<br />
diese Sonderfahrten spezielle<br />
Bandagen erhalten<br />
<strong>hatte</strong>n.<br />
Wagen 431 befindet sich<br />
<strong>noch</strong> heute im Eigentum<br />
des Vereins „Westfälische<br />
Almetalbahn e.V.“ und<br />
wurde am Bahnhof<br />
Mooskamp weitestgehend<br />
in seinen Ursprungszustand<br />
zurückversetzt<br />
(siehe SM 8/2012, Seite<br />
64: „Neues Heim für<br />
Oldies“). Der Party -<br />
wagen 221 der Dort -<br />
munder Stadtwerke AG<br />
(DSW) ist hingegen<br />
inzwischen längst verschrottet<br />
worden.<br />
Nicht mehr vorhanden<br />
ist übrigens auch der<br />
markante Drehkran im<br />
Vordergrund. An seiner<br />
Stelle befindet sich heute<br />
eine weitere Kranbrücke.<br />
Das besondere Bild<br />
TEXT/FOTO: FRED TEPPE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013
Die schönsten<br />
Seiten der Bahn<br />
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