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STRASSENBAHN MAGAZIN Als Hamburgs Tram noch Zukunft hatte (Vorschau)

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Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

Große Netzausdehnung 1955:<br />

<strong>Als</strong> <strong>Hamburgs</strong> <strong>Tram</strong><br />

<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong><br />

Dresden: Mit der Linie 7<br />

quer durch den Elbtalkessel<br />

Schleifwagen von Windhoff:<br />

Technik, Funktion, Einsatz<br />

Frankfurt am Main: Erneutes<br />

Comeback der Klassiker


Exklusiv und gratis<br />

nur für Abonnenten –<br />

die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«<br />

2013 erhalten Sie als Abonnent von <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition<br />

»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –<br />

zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken<br />

– sind aus hochwertigem Chromokarton,<br />

12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.<br />

In<br />

6/2013<br />

Sie sind <strong>noch</strong> nicht Abonnent?<br />

Dann bestellen Sie am besten heute <strong>noch</strong> Ihr Vorteilspaket unter:<br />

www.strassenbahn-magazin.de/abo Telefon 0180-532 16 17 *<br />

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* (14 ct/min.)


Einsteigen, bitte …<br />

Reicht die Lobbyarbeit für <strong>Tram</strong>s?<br />

Stimmen Sie ab<br />

Was kennzeichnet eine gut funktionierende<br />

Demokratie? Wenn die Bevölkerung in die<br />

Entscheidung zur Verwendung von öffentlichen<br />

Geldern einbezogen wird. Besonders<br />

vorbildlich ist hier vor allem die Schweiz –<br />

aber auch in Aachen gab es jüngst für den<br />

„kleinen Mann“ die Möglichkeit, eine Entscheidung<br />

zu treffen:<br />

Am 10. März galt es abzustimmen, ob<br />

Aachen eine neue Straßenbahn ins Campus<br />

gelände erhalten soll oder nicht. Das<br />

Ergebnis fiel mit zwei Drittel Nein-Stimmen<br />

eindeutig aus: In der westlichsten<br />

deutschen Großstadt werden bis auf Weiteres<br />

also keine <strong>Tram</strong>gleise verlegt …<br />

Bei den Befürwortern des verkehrlich<br />

überaus sinnvollen Projektes ist nun Wunden<br />

lecken angesagt. Wie konnte es dazu<br />

Wird die Öffentlichkeit von den Vorteilen eines Straßenbahnbetriebes<br />

ausreichend informiert?<br />

• Ja, nach meinen Beobachtungen werden dafür alle Möglichkeiten<br />

genutzt<br />

• Nein, da sehe ich große Reserven! Dieses Verkehrsmittel könnte <strong>noch</strong><br />

viel mehr und deutlicher beworben werden<br />

• Teils teils – mir sind einerseits sehr gute, aber andererseits auch sehr<br />

schlechte Beispiele bekannt<br />

Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />

kommen, dass die Bürger Aachens lieber<br />

weiterhin in proppevollen Bussen oder mit<br />

dem Pkw im Stau stehen wollen?<br />

In diesem Zusammenhang wird nun<br />

auch in der Kommunalpolitik ein Schuldiger<br />

ausgemacht. Hat die Stadtverwaltung<br />

der Bevölkerung wirklich die ökologischen<br />

und verkehrlichen Vorteile der geplanten<br />

Campusbahn ausreichend und transparent<br />

genug angepriesen?<br />

Das Abstimmungsergebnis von Aachen<br />

sorgte aber auch unter Straßenbahnfreunden<br />

in ganz Deutschland und den<br />

angrenzenden Ländern für Enttäuschung.<br />

Es stellt sich die Frage, welche Lobby haben<br />

Straßen- und/oder Stadtbahnen eigentlich<br />

in den Städten? Darauf gibt es unterschiedliche<br />

Antworten. Karlsruhes neu<br />

gewählter Oberbürgermeister Frank Mentrup<br />

(SPD) setzte Anfang März beispielsweise<br />

ein Zeichen: Er ließ sich an seinem<br />

ersten Arbeitstag in neuer<br />

Funktion in einem Museumsstraßenbahnwagen<br />

in die Innenstadt<br />

bringen.<br />

Auch anderswo steht die<br />

Politik fest hinter ihren Straßenbahnen.<br />

Und welche Beobachtungen<br />

haben Sie, liebe<br />

Leser, gemacht?<br />

Großer Bahnhof für<br />

eine Straßenbahn?<br />

Nicht nur – der „Spiegelwagen“<br />

genannte<br />

Tw 100 war für Karlsruhes<br />

neuen Oberbürgermeister<br />

am 1. März<br />

eine bewusste Kulisse<br />

– und damit ein klares<br />

Bekenntnis zu diesem<br />

Nahverkehrsmittel<br />

D. STOBER<br />

André<br />

Marks<br />

Verantwortlicher<br />

Redakteur<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

3


Inhalt<br />

Inhalt<br />

TITEL<br />

<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />

Betriebe<br />

Einmal quer durch den Elbtalkessel . . . . . . . 16<br />

Dresdens Linie 7 im Porträt – Mit 23 km ist sie die zweitlängste<br />

<strong>Tram</strong>linie der DVB und verbindet den höchsten Punkt des Netzes mit<br />

dem Dresdner Norden. Dabei führt die »7« von den west lichen Wohngebieten<br />

über den Hauptbahnhof, durch das Stadtzentrum und das<br />

Szeneviertel Neustadt bis an den Rand der Dresdner Heide<br />

TITEL<br />

TITEL<br />

Wieder müssen die Oldies ran! . . . . . . . . . . . . . 24<br />

Wagenmangel in Frankfurt<br />

(Main) – Museumswagen helfen<br />

aus – Aufgrund der Untauglichkeit<br />

moderner Niederflurwagen im harten<br />

Winterbetrieb sowie allgemeinen Fahrzeugmangels<br />

hat die Frankfurter VGF<br />

erneut Düwags aus dem Museums -<br />

bestand für den regulären Dienst<br />

reaktiviert<br />

»Meterspur-U-Bahn« ins Geisterdorf . . . . . . 28<br />

Straßenbahnreste in Duisburg-<strong>Als</strong>um vor Abriss – Die Gleis -<br />

reste auf der Matenastraße gehören zu den wohl spannendsten Fundstücken<br />

in Deutschland: Sie führen in ein überschüttetes Dorf, durch<br />

typische Ruhrpott-Industriekulisse und den schaurigen Matena-Tunnel<br />

»Bim« muss U-Bahn weichen . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />

U-Bahn verdrängt östliches Endstück der Wiener Linie 67 –<br />

Den stark frequentierten Abschnitt Reumann platz – Oberlaa der<br />

Wiener Straßenbahnlinie 67 soll die Verlängerung der U-Bahn-Linie 1<br />

ersetzen – ein Foto- oder Filmtipp für Freunde der Wiener »Bim«<br />

Aus für erste andalusische <strong>Tram</strong> . . . . . . . . . . . . 34<br />

Straßenbahnbetrieb in Vélez-Málaga weiterhin eingestellt –<br />

Der 2006 eröffnete Betrieb Vélez-Málaga – Torre del Mar sollte<br />

wieder Teil einer Küstenbahn zwischen Málaga und Vélez werden.<br />

Doch das Projekt ist gescheitert – vorhandene Fahrzeuge werden<br />

womöglich nach Sydney veräußert<br />

RUBRIKEN<br />

»Einsteigen, bitte ...«. . . . . 3<br />

Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />

Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

Nächster Halt. . . . . . . . . . . 23<br />

Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 50<br />

Fundstück des Monats . . . . 71<br />

»Forum«, Impressum . . . . . 78<br />

<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />

»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />

Das besondere Bild . . . . . . 83<br />

4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 5<br />

12 Postkarten<br />

gratis auch für alle<br />

neuen Abonnenten<br />

Vélez-Málaga: Moderne <strong>Tram</strong> wieder stillgelegt 34<br />

Berlins Maximum-Tw 5303 im Sommer 1967 an der Endstelle der<br />

Linie 71 in Heinersdorf<br />

W. SCHREINER, SLG. DVN<br />

Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />

Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />

Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />

historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />

Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />

und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />

Augsburg: Die Wagenhalle Lechhausen 64<br />

Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />

erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und<br />

spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />

Fahrzeuge<br />

TITEL<br />

Tausendsassa aus Rheine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38<br />

Die Schleifwagen der Fa. Windhoff – <strong>Als</strong> Arbeitswagen werden<br />

oftmals dafür umgebaute Linienwagen genutzt, Spezialanfertigungen<br />

ab Werk sind die Ausnahme. Mit dem Bau eines Schleifwagens für<br />

die Metro Ankara trat 1994 die Firma Windhoff in diesen überschaubaren<br />

Markt ein<br />

Alte Schätze unter neuem Dach . . . . . . . . . . . . 45<br />

Oldtimer im neuen Depot der HEAG mobilo – Darmstadts<br />

Museumsstraßenbahnwagen stehen unter einem neuen Dach. Pünktlich<br />

zum 100. Firmenjubiläum der HEAG zogen die historischen Fahrzeuge<br />

2012 in ein neues Depot. Doch das ist nur ein Etappenziel …<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />

Kleine und große Überraschungen. . 72<br />

Auf den Modellstraßenbahner warten im Jahr 2013 <strong>noch</strong><br />

viele interessante Neuheiten, die auf der Spielwarenmesse in<br />

Nürnberg gar nicht öffentlich präsentiert wurden!<br />

Geschichte<br />

<strong>Als</strong> die »<strong>Als</strong>ter-<strong>Tram</strong>«<br />

<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />

<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren – Nach 1945<br />

erholte sich die Straßenbahn in der Hansestadt <strong>noch</strong> einmal. Bis Mitte<br />

der 1950er- Jahre gab es mehrere positive Entwicklungen – doch<br />

damit <strong>hatte</strong> der Betrieb in der Nachkriegszeit seinen Zenit erreicht<br />

TITEL<br />

»Ohne allen architektonischen Zierrat« . . 64<br />

Die Wagenhalle in Augsburg-Lechhausen – Noch beherbergt<br />

das Depot viele historische Straßen bahnfahrzeuge. Doch diese sollen<br />

in den „Bahnpark Augsburg“, ins ehemalige Bahnbetriebswerk,<br />

gebracht werden. Dann steht die 1930/31 gebaute Halle zum Abriss –<br />

ein Blick in ihre Geschichte<br />

Titelmotiv<br />

In den 1950er-Jahren<br />

herrschte in Hamburg <strong>noch</strong><br />

Aufbaustimmung, als<br />

ein V6-Straßenbahnzug<br />

den neu verglasten Hauptbahnhof<br />

passierte<br />

B. BARESCH, SLG. VVM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

5


Bild des Monats<br />

6<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Bild des Monats<br />

Bild des Monats<br />

Bereits seit dem Jahr 1900 rollen Straßenbahnen durch die nordostrumänische Stadt Iasi nahe<br />

der moldawischen Grenze. Das meterspurige Netz ist recht ausgedehnt und bietet einen abwechslungsreichen<br />

Wagenpark, der inzwischen nur <strong>noch</strong> aus deutschen und schweizerischen<br />

Wagen besteht, die gebraucht gekauft oder nach Iasi verschenkt wurden. Vor dem Golia-Kloster<br />

durchfährt ein aus Stuttgart stammender GT4 die Schleife Targu Cucu. Während dieser wie viele<br />

Wagen im deutschen Originalanstrich unterwegs ist, folgt ihm ein bereits in den Farben der<br />

Verkehrsbetriebe lackierter GT4. Die Szene hielt Bernhard Kußmagk am 16. Juni 2012 fest.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

7


Meldungen aus Deutschland,<br />

aus der Industrie und aus aller Welt<br />

Während die Torstraße für die „Stadtbahn Halle“ umgestaltet wird, sollen die letzten Tatra-Züge im Laufe des<br />

Jahres durch die neuen MGT-K2 ersetzt werden M. PIETSCHMANN (3)<br />

ONLINE-UMFRAGE<br />

Tunnelbahnhöfe<br />

optisch aufwerten!<br />

Im letzten Heft fragten wir Sie, ob<br />

die Verkehrsbetriebe ihre Tunnelbahnhöfe<br />

mit speziellen regionsbezogenen<br />

Gestaltungen aufwerten sollten. Aufhänger<br />

für die Umfrage war die Neugestaltung<br />

einer Gleisebene des U-<br />

Bahnhofes Willy-Brandt-Platz in Frankfurt<br />

am Main mit Plakaten legendärer<br />

Fußballer des Clubs Eintracht Frankfurt.<br />

79,2 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden<br />

Leser finden dies eine gute<br />

Idee. Die Stationen würden auf diesem<br />

Wege attraktiver und Fahrgäste erhalten<br />

eine willkommene Ablenkung. Exakt<br />

ein Fünftel der Votierenden ist hingegen<br />

der Meinung, Tunnelstationen müssten<br />

insgesamt attraktiver gestaltet und aufgewertet<br />

werden – einfach nur Plakate<br />

genügen ihnen nicht. Nicht einmal<br />

einem Prozent der Leser ist es egal, wie<br />

sich die Tunnelbahnhöfe präsentieren –<br />

für sie sei es ausreichend, wenn die<br />

Bahnen pünktlich fahren.<br />

SM<br />

Halle an der Saale: Drei Streckensperrungen erfordern Umleitungsnetz – erster MGT-K2 eingetroffen<br />

Neue Gleise und Bahnen für die »Stadtbahn Halle«<br />

Unter dem Projekttitel „Stadtbahn<br />

Halle“ soll die Straßenbahnlinie 1 (Frohe<br />

<strong>Zukunft</strong> – Marktplatz – Böllberg –<br />

Beesen) zur Stadtbahn adaptiert werden.<br />

Dazu wird in den nächsten Jahren<br />

vielerorts die Streckeninfrastruktur aufgewertet.<br />

<strong>Als</strong> erste Maßnahme startete<br />

am 11. März der Ausbau der Torstraße,<br />

der die Linien 1 und 6 ab dem Rannischen<br />

Platz auf etwa 650 m stadtauswärts<br />

folgen. Ursprünglich zeitgleich<br />

sollte die Maßnahme im Zuge der Großen<br />

Ulrichstraße / Geiststraße (auf der<br />

Achse Marktplatz – Reileck gelegen)<br />

starten. Der dortige Baubeginn hat<br />

sich aber kurzfristig auf den 8. April<br />

verschoben. Bei beiden Bauprojekten<br />

werden die Gleise erneuert, der Stra-<br />

ßenraum neu gestaltet sowie die betroffenen<br />

Haltestellen (Kurt-Tucholsky-<br />

Straße und Moritzburgring) barrierefrei<br />

ausgebaut. Einen eigenen Gleiskörper<br />

wird die Straßenbahn aber in beiden<br />

Abschnitten nicht erhalten. Auch in<br />

Merseburg wird gebaut. Dort wird die<br />

Erneuerung der Straße Weiße Mauer<br />

samt Straßenbahntrasse, die auf einen<br />

Zeitraum von 2012 bis 2015 anvisiert<br />

ist, dieses Jahr am 11. März fortgesetzt.<br />

Unterbrochene, gekürzte<br />

und eingestellte Linien<br />

Anlässlich der damit verbundenen<br />

Streckensperrungen zwischen Böllberg<br />

und Rannischer Platz, zwischen Moritzburgring<br />

und Marktplatz sowie<br />

zwischen Merseburg Stadtstadion und<br />

Wie im Vorjahr wird auch 2013 der<br />

alte Betriebshof in Merseburg wieder<br />

für den Inselbetrieb der Linien<br />

5 und 15 genutzt. Fünf MGT6D<br />

sind von hier aus im Einsatz<br />

8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Deutschland<br />

Je eine Doppeltraktion<br />

des MGT-K<br />

(links) und des<br />

Nachfolgemodells<br />

MGT-K2<br />

(rechts) beim<br />

Zusammentreffen<br />

in der<br />

Schleife Ammendorf<br />

Merseburg Zentrum gab es am<br />

11. März einen Fahrplanwechsel. Während<br />

die Durchmesser-Linien 1 (Frohe<br />

<strong>Zukunft</strong> – Beesen) und 7 (Kröllwitz –<br />

Büschdorf) im recht engmaschigen<br />

halleschen Netz über parallele Strecken<br />

um die Baustellenbereiche (Linie<br />

1 via Veszpremer Straße, Linie 7 via<br />

Steintor) geleitet werden können,<br />

mussten die Linien 6 (Reileck – Marktplatz<br />

– Südstadt) und 11 (Damaschkestraße<br />

– Marktplatz – Göttinger Bogen)<br />

eingestellt werden. Die Linie 12,<br />

die normalerweise an der Damaschkestraße<br />

umlaufmäßig mit der Linie 11<br />

verknüpft ist, wird dagegen zur Vogelweide<br />

verlängert. Ebenso verlängert<br />

wird die Linie 3, und zwar von der<br />

Südstadt nach Böllberg, sodass dieser<br />

Stadtteil zwar nicht von der Innenstadt,<br />

aber immerhin von Süden her<br />

per Straßenbahn erreichbar ist. Am<br />

Moritzburgring, nördlich der Baumaßnahme<br />

in der Großen Ulrichstraße,<br />

wird eine provisorische Endstelle eingerichtet,<br />

die von der von Norden her<br />

verkürzten Linie 8 (Trotha – Moritzburgring)<br />

und der Baustellenlinie 17<br />

(Reileck – Moritzburg), auf deren Weg<br />

nur drei Haltestellen liegen, angefahren<br />

wird. Der südliche Teil der Linie 8<br />

von der Elsa-Brändström-Straße kommend<br />

endet dagegen als Linie 18 am<br />

Marktplatz, von wo sie montags bis<br />

freitags als Ersatz der Linie 11 zum<br />

Göttinger Bogen weitergeführt wird.<br />

»Gnadenfrist« für die<br />

Große Ulrichstraße<br />

Wie im vergangenen Jahr endet die<br />

Überlandlinie 5 in Merseburg von Norden<br />

kommend am Stadtstadion und<br />

von Süden am Zentrum, im Früh- und<br />

Spätverkehr wird sogar nur bis Leunaweg<br />

gefahren. Dazwischen fahren Ersatzbusse.<br />

Für den Inselbetrieb der Linien<br />

5 (Süd) und 15 wurde wie im<br />

vergangenen Jahr der Betriebshof<br />

Merseburg, der seit 2003 eigentlich<br />

nicht mehr genutzt wird, reaktiviert.<br />

Dort sind derzeit fünf MGT6D (602,<br />

605, 640, 646 und 659) beheimatet.<br />

Kleine Reparaturen und Durchsichten<br />

können vor Ort durchgeführt werden;<br />

bei größeren Schäden müssten die<br />

Wagen per Tieflader ausgetauscht<br />

werden. Auch wenn das Umleitungsnetz<br />

prinzipiell ab dem 11. März gilt,<br />

werden bis zum Baubeginn in der Großen<br />

Ulrichstraße einige Modifikationen<br />

vorgenommen, wodurch dort<br />

<strong>noch</strong> etwas länger Straßenbahnen<br />

fahren können. Das Umleitungsnetz<br />

wird voraussichtlich bis Ende des Jahres<br />

in Kraft bleiben.<br />

Erster MGT-K2 in Halle<br />

Am 28. Februar 2013 wurde das erste<br />

von zwölf Fahrzeugen des neuen Straßenbahntyps<br />

MGT-K2 per Tieflader zur<br />

Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) geliefert.<br />

Der MGT-K2 gehört zu Bombardiers<br />

Flexity Classic-Serie und unterscheidet<br />

sich optisch durch die<br />

neue Anordnung der Scheinwerfer und<br />

den überarbeiteten Innenraum von<br />

seinem Vorgänger, dem MGT-K. Bis<br />

zum 19. März waren bereits sechs der<br />

zweiteiligen Fahrzeuge ausgeliefert.<br />

Die Neuwagen sollen an der Saale die<br />

Nummern 691 bis 702 erhalten und<br />

die letzten modernisierten Tatra-Züge<br />

ersetzen. Bevor die MGT-K2 im Fahrgastverkehr<br />

eingesetzt werden kann,<br />

müssen <strong>noch</strong> einige Tests absolviert<br />

werden.<br />

PKR/MPI<br />

Dortmund<br />

Baubeginn für<br />

B1-Unterquerung<br />

In Dortmund haben Anfang März<br />

die ersten Bauarbeiten für die B1-Unterquerung<br />

der U47 begonnen. Ab<br />

2015 wird sich die Stadtbahn in Höhe<br />

der Haltestelle Vahleweg durch einen<br />

kurzen Tunnelabschnitt auf ihren eigenen<br />

Bahnkörper inmitten der Bundesstraße<br />

ein- und ausfädeln.<br />

Die ebenerdige Kreuzung mit der<br />

viel befahrenen B1 wird dann der Vergangenheit<br />

angehören. Der Umbau<br />

wird durch den geplanten sechsspurigen<br />

Ausbau der Bundesstraße zwischen<br />

den Autobahnen A40 und A44<br />

notwendig. Eine niveaugleiche Kreuzung<br />

mit der Stadtbahn wäre nach<br />

dem Ausbau nicht mehr zulässig. Die<br />

Kosten von rund 27,5 Mio. Euro für die<br />

neue Ausfädelung teilen sich die Stadt<br />

Dortmund, das Land und der Bund.<br />

Die eher schwach frequentierte Haltestelle<br />

Vahleweg wird zugunsten der<br />

Tunneleinfahrt entfallen.<br />

CLÜ<br />

Hamburg S-Bahn<br />

Neuer S-Bahn-Vertrag<br />

unter Dach und Fach<br />

Die Hansestadt Hamburg hat den<br />

2018 endenden Verkehrsvertrag zum<br />

Betrieb der Hamburger S-Bahn-Linien<br />

mit der S-Bahn Hamburg verlängert.<br />

Auch ab 2018 werden die sechs S-<br />

Bahn-Linien durch die DB-Tochtergesellschaft<br />

betrieben. Die Laufzeit des<br />

Vertrags endet 2033. Im Gegenzug<br />

wird das Bahnunternehmen 400 Mio.<br />

Euro investieren. Ein Großteil davon<br />

fließt in die Beschaffung von zunächst<br />

60 neuen klimatisierten S-Bahn-Zügen.<br />

Diese Fahrzeuge dienen, neben<br />

der Erhöhung der Fahrzeugreserve,<br />

auch dem Ersatz der 52 alten störan-<br />

Dortmund: Autos und Stadtbahnen werden sich auf der B1 ab 2015 nicht<br />

mehr kreuzen, die Arbeiten für die Unterquerung haben begonnen C. LÜCKER<br />

Mainz<br />

Die Mainzer Verkehrsgesellschaft<br />

(MVG) hat die Modernisierung<br />

ihrer sechs M8C-Tw von<br />

1984 ausgeschrieben. Nach der<br />

Modernisierung sollen die Hochflurfahrzeuge<br />

für weitere 15<br />

Jahre im Einsatz bleiben. Neben<br />

dem Ersatz der Elektronik soll<br />

auch das Innenraum- und das<br />

Außendesign den aktuellen<br />

MVG-Standards angepasst werden.<br />

In Abhängigkeit der Kosten<br />

sollen gegebenenfalls auch weitere<br />

Fahrzeugkomponenten modernisiert<br />

werden. Die M8S-Tw<br />

(ex Bielefeld) spielen in den <strong>Zukunft</strong>splanungen<br />

dagegen keine<br />

Rolle mehr.<br />

PKR<br />

Bochum<br />

Am 27. Februar fand der Spatenstich<br />

für die neue Station Gesundheitscampus<br />

im Zuge der<br />

Stadtbahnlinie U35 statt. Die<br />

14,6 Mio. Euro teure Station soll<br />

2015 im Mittelsteifen der stadtautobahnähnlichen<br />

Universitätsstraße<br />

zwischen den Stationen<br />

Markstraße und Ruhr-Universität<br />

eröffnet werden. Aus der Bochumer<br />

Stadtverwaltung wurden<br />

derweil Überlegungen laut,<br />

die U35 von Hustadt entlang der<br />

Universitätsstraße bis zur Haltestelle<br />

Unterstraße, wo zu den<br />

Straßenbahnen Richtung Langendreer<br />

S-Bhf und Witten umgestiegen<br />

werden könnte, zu<br />

verlängern.<br />

PKR<br />

Mülheim<br />

Die Düsseldorfer Bezirksregierung<br />

hat die Anträge der Mülheimer<br />

Verkehrsgesellschaft (MVG)<br />

auf dauerhafte Stilllegung der<br />

Straßenbahnstrecke vom Hauptfriedhof<br />

zum Flughafen und Genehmigung<br />

einer Buslinie auf<br />

dieser Relation abgelehnt. Die<br />

MVG will Widerspruch einlegen.<br />

Bereits im August <strong>hatte</strong> die Behörde<br />

angewiesen, die überraschend<br />

am 2. April 2012 „vorübergehend”<br />

eingestellte Strecke<br />

umgehend wieder in Betrieb zu<br />

setzen, woraufhin die MVG die<br />

dauerhafte Stilllegung beantragte.<br />

Zuletzt fuhr hier die Linie 104<br />

im 20-Minuten-Takt. PKR<br />

rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

9


Aktuell<br />

2017/18 soll der Karlsruher U-Straßenbahntunnel eröffnet werden. Bereits ab Ende 2013 werden aber wegen des Baus keine Straßen- und Stadtbahnen<br />

mehr an der „Pyramide“, wie die Halteposition mitten auf dem Karlsruher Marktplatz genannt wird, abfahren<br />

P. KRAMMER<br />

Karlsruhe<br />

Bald keine Bahnen mehr »an der Pyramide«<br />

Seit Ende Januar 2013 werden<br />

auf der Rathausseite des Karlsruher<br />

Marktplatzes vorbereitende Arbeiten<br />

für den U-Strab-Tunnel ausgeführt.<br />

Ende 2013 soll nach den derzeitigen<br />

Planungen der oberirdische Straßenbahnbetrieb<br />

über den Marktplatz<br />

(Haltestelle Marktplatz Pyramide)<br />

und weiter entlang der Ettlinger<br />

Straße zum Kongresszentrum nach<br />

über 135 Jahren eingestellt werden.<br />

Damit sind alle unterirdischen Haltestellen,<br />

die im Rahmen des Projektes<br />

„Kombilösung“ entstehen sollen, im<br />

Bau. Bisher auf dem Marktplatz unter<br />

Straßenbahnbetrieb abgehaltene Festivitäten<br />

entfallen bis zur Fertigstellung<br />

des U-Straßenbahn-Tunnels 2017/18.<br />

Danach wird es lediglich auf der Kaiserstraße,<br />

also auf der Nordseite des<br />

Marktplatzes, <strong>noch</strong> einen reduzierten<br />

Straßenbahnbetrieb bis zur endgültigen<br />

Fertigstellung der Kombilösung<br />

geben. 2012 war damit die letzte<br />

Weihnachts-Saison, in der historische<br />

Straßenbahnen über den auf dem<br />

Karlsruher Marktplatz abgehaltenen<br />

„Christkindlesmarkt“ fahren durften.<br />

<strong>Als</strong> zweiter Teil der Kombilösung ist<br />

vorgesehen, dass ab 2015 der Autoverkehr<br />

auf der parallel zur Kaiserstraße<br />

befindlichen Kriegsstraße in einen weiteren<br />

Tunnel verlegt wird. Ein Teil des<br />

Straßenbahnverkehrs, der heute durch<br />

die zentrale Kaiserstraße rollt, soll ab<br />

dann auf einer neuen oberirdischen-<br />

Trasse entlang der Kriegsstraße abgewickelt<br />

werden. Vor Weihnachten 2012<br />

kam aus dem Bundesverkehrsministerium<br />

die endgültige Zusage zur Finanzierung<br />

dieses Teils der Kombi -<br />

lösung. Ob die Landeszuschüsse bei<br />

der momentan erkennbaren Kostensteigerung<br />

weiter gedeckelt bleiben,<br />

ist dagegen <strong>noch</strong> nicht geklärt.<br />

Die gesamte Kombilösung, also<br />

die Tunnelanlagen für Stadt- und<br />

Straßenbahn, der Straßentunnel und<br />

die neue oberirdische Ost-West-Straßenbahnachse<br />

entlang der Kriegsstraße,<br />

sollen 2019 fertig gestellt<br />

sein.<br />

ULM<br />

fälligen Triebwagen der Baureihe<br />

472/473. Diese Fahrzeugreihe wurde<br />

in den Jahren 1974 bis 1984 in Dienst<br />

gestellt und hat aufgrund des Alters<br />

eine überdurchschnittliche Schadenshäufigkeit.<br />

Aber auch für eine Taktverdichtung<br />

auf den vorhandenen S-<br />

Bahn-Linien benötigt man neue<br />

Fahrzeugkapazitäten. Die Fahrzeugausschreibung<br />

beinhaltet eine Option<br />

über 85 weitere Fahrzeuge, die für<br />

spätere Streckenerweiterungen, wie<br />

die geplante S4 nach Bad Oldesloe, erforderlich<br />

wären. Aber auch die vorhandenen<br />

dreiteiligen Triebwagen der<br />

Baureihe 474 sollen grundlegend modernisiert<br />

werden. Dabei erhalten sie<br />

ein modernes Fahrgastinformationssystem<br />

und werden durchgängig begehbar<br />

gemacht. Um die Kapazitäten<br />

für die Instandhaltung der zusätzlichen<br />

Züge zu schaffen, werden auch<br />

die Werkstätten Ohlsdorf und Elbgaustraße<br />

modernisiert.<br />

JEP<br />

Hamburg: Die Triebwagen der Reihe 472/473 sollen in den nächsten Jahren<br />

durch neue Fahrzeuge ersetzt werden<br />

J. PERBANDT<br />

Aachen<br />

Bürger entscheiden gegen<br />

Campusbahn<br />

Das in Aachen geplante Projekt<br />

„Campusbahn“ wird nicht realisiert.<br />

Am 10. März lehnten 66 Prozent der<br />

stimmberechtigten Bürger der Kaiserstadt<br />

den Bau einer Stadtbahnlinie<br />

vom TH-Campus über die City zum<br />

südlichen Stadtteil Brand ab. Nach einem<br />

Ratsentscheid pro Bahn im Dezember<br />

<strong>hatte</strong>n die Kommunalpolitiker<br />

gleichzeitig beschlossen, den endgültigen<br />

Bau von einem positiven Bürgerentscheid<br />

abhängig zu machen.<br />

Die Stadtbahngegner <strong>hatte</strong>n vor allem<br />

die hohen Baukosten der Stadtbahn<br />

ins Feld geführt. Andererseits waren<br />

für das Projekt bereits 115 Mio.<br />

Euro Fördermittel zugesagt worden.<br />

Um die Verkehrs- und Emissionsprobleme<br />

in den Griff zu bekommen, könnte<br />

nun ein E-Bus-Konzept umgesetzt werden,<br />

wie am Abend des Bürgervotums<br />

zu hören war. Auch flankierend zur<br />

Campusbahn hätten in Aachen E-Busse<br />

eingeführt werden sollen. Auf zwei<br />

Strecken wären Busse mit Akkus, die<br />

unter der Nutzung der Oberleitung der<br />

Campusbahn aufgeladen werden sollten,<br />

gefahren.<br />

L. SCHIEFFER<br />

Dresden<br />

15 Tatras verschrottet<br />

Zwischen dem 11. und 14. März<br />

ließen die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />

(DVB) insgesamt 15 Tw verschrotten,<br />

womit sich der Tatra-Bestand auf nunmehr<br />

<strong>noch</strong> 19 Wagen des Linienverkehrs<br />

(z.T. abgestellt ohne Frist), zehn<br />

Arbeits-/Sonderdienstwagen sowie<br />

den historischen Großzug des Straßenbahnmuseums<br />

reduziert hat. Im Einzelnen<br />

wurden zerlegt: Zehn T4D-MT<br />

mit den Nummern 224 230, 233, 240,<br />

242, 250, 271, 272, 278, 289, 294,<br />

zwei TB4D – neben 244 003 der im<br />

Vorjahr verunfallte 244 049 – sowie<br />

drei als Arbeitswagen geführte Tatras.<br />

Bei diesen handelte es sich um den<br />

TB4D 201 017 (ex 244 038) des früheren<br />

Schleppzuges vom Betriebshof<br />

Reick, den zeitweiligen Rangierwagen<br />

T4D-MT 201 018 (ex 224 273) vom<br />

10 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Deutschland<br />

Betriebshof Gorbitz sowie den nach<br />

seinem Ausscheiden aus dem Linienverkehr<br />

2010 als Erprobungswagen<br />

für das digitalfunkbasierte Betriebsleitsystem<br />

genutzten T4D-MT 201 280<br />

(ex 224 280), der ursprünglich als 222<br />

642 bezeichnet schon als Probewagen<br />

zur Einführung des analogen RBL Anfang<br />

der 1990er Jahre fungiert <strong>hatte</strong>.<br />

Die Verschrottung fand auf dem Gelände<br />

des stillgelegten Betriebshofs<br />

Tolkewitz an der Wehlener Straße<br />

statt, dessen eigentlich gesperrte Gleise<br />

eigens für diese Aktion kurzzeitig<br />

reaktiviert und wohl nun zum allerletzten<br />

Mal befahren wurden. Das Objekt,<br />

auf dessen Gelände künftig ein<br />

Schulneubau entstehen soll, ist nunmehr<br />

komplett von Straßenbahnwagen<br />

geräumt. Die drei hier zusammen<br />

mit den nun verschrotteten Wagen<br />

<strong>noch</strong> hinterstellten T4D-MT 224 201,<br />

249 und 263 wurden für eine mögliche<br />

Weiterverwendung zum Betriebshof<br />

Trachenberge überstellt. MSP<br />

Duisburg<br />

GT10NC-DU werden<br />

saniert<br />

Das Verkehrsunternehmen Via hat<br />

am 9. März die Sanierung von 45 Straßenbahnen<br />

vom Typ GT10NC-DU europaweit<br />

ausgeschrieben. Der Auftrag<br />

um fasst die Sanierung des mechanischen<br />

Teils der 45 Zweirichtungswagen,<br />

die zwischen 1986 und 1993 von<br />

Düwag gebaut und 1996 durch den<br />

Einbau 7 m langer Niederflurmittelteile<br />

zu Zehnachsern verlängert wurden.<br />

Die Sanierung soll 2018 abgeschlossen<br />

sein. Die Einsatzdauer soll sich bis<br />

2024 verlängern. Vorgesehen sind<br />

Korrosionssanierungen am Wagenkasten,<br />

Untergestell und im Einstiegsbereich<br />

(Trittkästen), eine Aufarbeitung<br />

und Risskontrolle der Drehgestelle, die<br />

Erneuerung von Batteriekästen und<br />

Dresden: Wie 14 andere Tatra-Tw wurde auch der T4D-MT 224 242 Mitte März vor den Hallen des stillgelegten<br />

Betriebshofs Tolkewitz verschrottet<br />

M. SPERL<br />

des Fußbodenbelags, der Ersatz bzw.<br />

Teilersatz der Faltenbälge, der Türblätter<br />

und der Verkabelung im Dach -<br />

bereich sowie eine komplette Neu -<br />

lackierung. Damit sind für Duisburg<br />

mittelfristig keine Neufahrzeuge zu erwarten.<br />

MBE<br />

München<br />

Streckensperrungen bei<br />

<strong>Tram</strong> und U-Bahn<br />

Wegen Bauarbeiten im <strong>Tram</strong>- und<br />

U-Bahnnetz stehen derzeit viele Umlei<br />

tungen an: Vom 15. März bis einschließlich<br />

2. Juni werden die Stra -<br />

ßenbahngleise im Kreuzungsbereich<br />

Müller-/Fraunhoferstraße erneuert.<br />

Während der Bauzeit enden die Linien<br />

16 und 18 aus Richtung Effnerplatz /<br />

St. Emmeram bereits am Isartor und<br />

aus Richtung Gondrellplatz / Romanplatz<br />

am Hauptbahnhof, wo sie jeweils<br />

umlaufmäßig verknüpft werden.<br />

Die Linie 17 fährt von der Amalienburgstraße<br />

nur bis Sendlinger Tor, wo<br />

Anschluss an Ersatzbusse zur Schwanseestraße<br />

besteht. Durch zeitlich überlappende<br />

Bauarbeiten im Bereich<br />

Hauptbahnhof und Sonnenstraße waren<br />

bis zum 2. April <strong>noch</strong> weitreichendere<br />

Umleitungen notwendig.<br />

Vom 21. Mai bis voraussichtlich 25.<br />

August wird die U-Bahnlinie U6 zwischen<br />

Freimann und Kieferngarten wegen<br />

Sanierungsarbeiten gesperrt. Es<br />

wird eine „normale“ Ersatzbuslinie von<br />

Studentenstadt nach Kieferngarten mit<br />

Halt in Freimann (Ost und West) angeboten,<br />

aber auch eine Express linie, die<br />

die U-Bahnhöfe Alte Heide und Fröttmaning<br />

ohne Halt verbindet<br />

Wegen der Bauarbeiten zur Verlängerung<br />

der <strong>Tram</strong> zum Pasinger Bahnhof<br />

ist nach wie vor auch die Linie 19<br />

zwischen Willibaldplatz und Pasing<br />

Marienplatz gesperrt. Die Strecke wird<br />

bereits seit dem 9. Dezember 2012 mit<br />

Ersatzbussen bedient und soll im Dezember<br />

2013, zeitgleich mit der Eröffnung<br />

der Neubaustrecke, wieder freigegeben<br />

werden.<br />

PKR<br />

Schwerin<br />

Auch 2013<br />

Einschränkungen<br />

Nachdem Ende 2012 die Arbeiten<br />

am Marienplatz weitestgehend abgeschlossen<br />

wurden, beginnt auch das<br />

Jahr 2013 für die Fahrgäste der<br />

Schweriner Straßenbahn mit Fahrplaneinschränkungen.<br />

Dieses Jahr stehen<br />

Bauarbeiten an den Versorgungsleitungen<br />

im Bereich Wismarer Straße,<br />

die auch zum Austausch von Schienen<br />

und Weichen genutzt werden, an.<br />

Bis zum 9. Mai verkehren die Straßenbahnlinien<br />

1 und 4 nicht durch<br />

die Innenstadt. Während dieses Zeitraumes<br />

bedient die Linie 1 nur den<br />

Abschnitt zwischen Hegelstraße und<br />

Bertha-Klingenberg-Platz, wo Anschluss<br />

zu den Ersatzbussen zur eigentlichen<br />

Straßenbahnendstelle Kliniken<br />

besteht. Auch die Linie 4 fährt<br />

nur zwischen Neu Pampow und dem<br />

Bertha-Klingenberg-Platz, von wo aus<br />

Fahrgäste zum Platz der Freiheit in<br />

Bereits seit Dezember 2012 ist die Linie 19 von Pasing zum Willibaldplatz<br />

verkürzt; weitere Linien werden seit dem 15. März umgeleitet P. KRAMMER<br />

Duisburg: Die 45 GT10NC-DU sollen eine Frischekur erhalten und damit<br />

das Bild der Duisburger Straßenbahn bis etwa 2024 prägen M. BEITELSMANN<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

11


Aktuell<br />

Schwerin: Die<br />

Linien 1 und 4<br />

enden an der<br />

Schleife am<br />

Bertha-Klingen -<br />

berg-Platz, die<br />

normalerweise<br />

nicht im Linienverkehr<br />

bedient<br />

wird<br />

J. PERBANDT<br />

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die Straßenbahnlinie 2 umsteigen<br />

müssen. Lediglich die Linie 2 verkehrt<br />

damit <strong>noch</strong> über den Marienplatz<br />

durch die Innenstadt, wobei der eingleisige<br />

Abschnitt durch die Wittenburger<br />

Straße in beiden Richtungen,<br />

statt planmäßig nur stadteinwärts,<br />

durchfahren wird.<br />

JEP<br />

Erfurt<br />

Innenstadtsperrung<br />

begonnen<br />

Seit dem 11. März und mindestens<br />

bis Oktober ist die Strecke vom Anger<br />

zum Domplatz, Erfurts zweitwich tigs ter<br />

Straßenbahnabschnitt, voll ge sperrt.<br />

Der Grund dafür ist die ei gent lich<br />

schon für 2012 geplante Sanie rung der<br />

Schlösserbrücke. Unter Verwendung<br />

von Bundesfördermitteln muss diese<br />

Baumaßnahme letztlich mit einem<br />

straf fen Zeitplan im aktuellen Jahr<br />

durchgeführt werden.<br />

Gleichzeitig wird auch der Fischmarkt<br />

saniert und dabei so ausgebaut,<br />

dass künftig ein barrierefreier Zugang<br />

zu den Straßenbahnen besteht. Während<br />

der Bauzeit erhalten alle Straßenbahnlinien<br />

eine geänderte Linienführung.<br />

Die einzige Ausnahme ist die<br />

Linie 1, die durch die neue Führung<br />

der Linien 3 und 5 gänzlich ersetzt<br />

wird. Fahrgäste zur Steigerstraße müssen<br />

auf Ersatzbusse umsteigen, die<br />

stadtseitig am Hauptbahnhof enden.<br />

Interessant ist vor allem die Führung<br />

der Linie 6, die vom Anger kommend<br />

in Form eines umgedrehten „U“ über<br />

das Rieth zum Domplatz fährt.<br />

<strong>Als</strong> Ersatzverkehr wurde eine Bus -<br />

linie R eingerichtet, die als Ringlinie<br />

vom Anger zum Domplatz verkehrt.<br />

Auch wenn die Straßenbahnen schon<br />

Ende Oktober 2013 wieder zwischen<br />

Domplatz und Anger fahren sollen,<br />

wird die Baumaßnahme erst im November<br />

2013 komplett abgeschlossen<br />

sein.<br />

ROG<br />

Berlin<br />

Bahnhof Schöne weide<br />

wird umgestaltet<br />

Im Frühjahr beginnt der Umbau<br />

des Bahnhofs Schöneweide. Zunächst<br />

werden im Zeitraum bis Mai 2016 die<br />

Eisenbahnbrücken über den Sterndamm<br />

erneuert. Um dafür die nötige<br />

Baufreiheit zu schaffen, werden die<br />

darunter verkehrenden Straßenbahnen<br />

ab Juni 2013 für drei Jahre ein-<br />

gleisig durch den Baustellenbereich<br />

fahren. Das nicht genutzte Gleis dient<br />

als Baustraße. Nur zum Ein- und Ausbau<br />

der erforderlichen Bauweichen<br />

sowie an den Wochenenden für den<br />

Ein- und Ausbau der Brücken muss<br />

der Straßenbahnverkehr unterbrochen<br />

werden.<br />

Auch der Gehweg im Brückenbereich<br />

wird gesperrt. <strong>Als</strong> Ersatz wird ein<br />

provisorischer Zugang von der Bahnhofshalle<br />

in Richtung Straßenbahnwendeschleife<br />

geschaffen. Insgesamt<br />

investiert die Deutsche Bahn in den<br />

Bahnhofsumbau und die Erneuerung<br />

der Bahnbrücken 45 Mio. Euro.<br />

Nach dem Abschluss der Brückenerneuerungen<br />

entsteht im Zeitraum von<br />

2016 bis 2019 für die Straßenbahn<br />

und Linienbusse im Zuge der Brückenstraße<br />

ein separater Straßenbahntunnel<br />

durch den Bahndamm. Die Straßenbahn<br />

verkehrt dann ab 2019 von<br />

der Brückenstraße kommend geradlinig<br />

am 1886 gebauten Empfangsgebäude<br />

des Bahnhofs vorbei und dann<br />

weiter durch den neuen Tunnel in<br />

Richtung Johannisthal. Zwischen Empfangsgebäude<br />

und Einkaufszentrum<br />

entsteht eine neue Haltestelle. Die<br />

Straßenbahnwendeschleife und der<br />

Busbahnhof werden im Zuge dessen<br />

komplett umgebaut. Im Sterndamm<br />

wird die Straßenbahn zukünftig zwischen<br />

Bahnbrücken und Südostallee in<br />

Mittellage verkehren.<br />

CMU<br />

Industrie<br />

CAF<br />

Zwölf Urbos für<br />

Freiburg<br />

Mit der Freiburger Verkehrs AG<br />

(VAG) hat erstmals ein deutscher Betrieb<br />

Straßenbahnen beim nordspanischen<br />

Hersteller CAF bestellt. 12 Straßenbahnen<br />

vom Typ Urbos 100, die<br />

mit den Betriebsnummern 301 bis 312<br />

in den Bestand eingereiht werden, sollen<br />

bis 2017 im Breisgau eintreffen.<br />

Die neuen Fahrzeuge werden unter<br />

anderem für die geplante Neubaustrecke<br />

zur Messe benötigt.<br />

Die 43 m langen 100%-Niederflur-<br />

Fahrzeuge in Zwei-Richtungs-Ausführung<br />

bestehen aus sieben Modulen,<br />

welche sich auf vier Fahrwerke (davon<br />

drei angetrieben) abstützen. Die bei<br />

den Combinos recht klobig wirkenden<br />

Außenspiegel werden beim Urbos<br />

durch Kamerasysteme ersetzt. SM<br />

Erfurt: Wegen der Sanierung der Schlösserbrücke endet die Linie 6 (im<br />

Bild: Hst. Webergasse/Andreaskirche) derzeit am Domplatz R. GLEMBOTZKY<br />

Berlin: Die Tage der 1905 gebauten Bahnbrücken über den Sterndamm sind<br />

gezählt. Auch die Straßenbahn verkehrt hier nur <strong>noch</strong> bis 2019 C. MUCH<br />

12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Deutschland · Industrie · Weltweit<br />

Stadler<br />

Bogestra empfängt<br />

weitere Variobahnen<br />

Am 8. März ist mit Wagen 531 die<br />

erste Variobahn der zweiten Lieferserie<br />

bei den Bochum-Gelsenkirchner<br />

Straßenbahnen (Bogestra) in Bochum<br />

eingetroffen. Bis Ende 2015 liefert<br />

Stadler Pankow 15 dieser Fahrzeuge.<br />

Nach dem Ausbau der Linie 310 in Bochum-Langendreer<br />

werden die Variobahnen<br />

dort voraussichtlich 2017 die<br />

letzten M-Wagen ablösen. Vorher sind<br />

auch <strong>noch</strong> einige Anpassungsarbeiten<br />

in Witten nötig. Zwischen 2008 und<br />

2011 <strong>hatte</strong> Stadler bereits 30 Variobahnen<br />

für die Bogestra, die auf den<br />

Linien 301 und 306 sowie im Stadionverkehr<br />

auf der Linie 302 eingesetzt<br />

werden, geliefert.<br />

CLÜ<br />

Bombardier<br />

Erster Flexity in<br />

Strausberg vorgestellt<br />

Tw 0041, der erste Flexity Berlin für<br />

die Strausberger Eisenbahn (STE),<br />

wurde am 21. März offiziell im hiesigen<br />

Betriebshof vorgestellt. Nachdem<br />

er am 22. Februar 2013 in Bautzen<br />

von Vertretern der STE abgenommen<br />

worden war, traf er per Tieflader in der<br />

Nacht vom 26. zum 27. Februar in<br />

Strausberg ein. Kurz nach 2 Uhr erfolgte<br />

die erste „Berührung“ zwischen<br />

dem Fahrzeug und den Gleisen der<br />

Strausberger Eisenbahn am Lustgarten<br />

im Zuge der Entladungsaktion. Trotz<br />

der nächtlichen Stunde <strong>hatte</strong>n sich einige<br />

Strausberger Bürger eingefunden,<br />

um dem Spektakel beizuwohnen. Tw<br />

0041 wird bereits im regulären Personenverkehr<br />

eingesetzt. Der zweite Flexity<br />

(Tw 0042), der seit Ende März im<br />

Probebetrieb ist, wird im April folgen.<br />

Von den derzeit vorhandenen drei<br />

KT8 (ex Košice) soll langfristig einer<br />

als Reserve in Strausberg bleiben, für<br />

Bremen<br />

Wegmann-Abschied und neue Strecke<br />

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und die Freunde<br />

der Bremer Straßenbahn (FdBS) schickten am 10. März<br />

2013 aus Anlass des nahenden Einsatzendes der Wegmann-Stadtbahnwagen<br />

im Personenverkehr mit dem<br />

dreiach sigen Gelenk-Triebwagen 917 und dem Hansa-<br />

Kurzgelenkwagen 446 zwei „echte“ und mit den Wegmann-Triebwagen<br />

3524 und 3530 zwei „Fast“-Museumswagen<br />

in den Einsatz zwischen Sebaldsbrück und<br />

Innenstadt. Im Wesentlichen galt der Tag aber den letzten<br />

beiden <strong>noch</strong> einsatzbereiten Wegmann-Zügen. Die zwei<br />

zum Schluss nur <strong>noch</strong> zu Heimspielen des SV Werder Bremen<br />

eingesetzten Einheiten stehen inzwischen nicht mehr<br />

die anderen beiden interessiert sich<br />

die Prager Straßenbahn. Einen Zeitplan<br />

für die Wagenabgabe gibt es derzeit<br />

<strong>noch</strong> nicht.<br />

BEKUS<br />

Weltweit<br />

Ukraine: Kiew<br />

Schlechter Start für<br />

Neubaustrecke<br />

Die zwischen Januar 2009 und Oktober<br />

2012 stillgelegte und nun nach<br />

Modernisierung wieder in Betrieb genommene<br />

Schnellstraßenbahnstrecke<br />

am östlichen Ufer des Dnepr wird gerade<br />

außerhalb des Berufsverkehrs nur<br />

mäßig in Anspruch genommen. Im Zuge<br />

der Modernisierung wurde die Strecke<br />

im Süden um 1,3 km zur neuen<br />

Bahnstation Troješcyna-2 verlängert,<br />

von wo aus Fahrgäste (auch dank eines<br />

neuen Gemeinschaftstarifs zwischen<br />

Staatsbahn und kommunalen<br />

Verkehrsmitteln) von der S-Bahn aus<br />

Richtung Westufer umsteigen sollten.<br />

Da die Staatsbahn zuletzt aber ihren<br />

S-Bahn-Verkehr stark reduziert und in<br />

Bremen: Im<br />

März bzw. April<br />

ging mit der<br />

Ausmusterung<br />

der letzten beiden<br />

Wegman-<br />

Stadtbahnwagen<br />

eine Ära<br />

zu Ende<br />

A. MAUSOLF<br />

im Personenverkehr. Allerdings wird es einen Wegmann-<br />

Museumszug geben und auch als Fahrschule der BSAG<br />

werden weiterhin zwei Vertreter dieses Typs auf Bremens<br />

Straßen zu sehen sein. Der sechsachsige Partywagen der<br />

BSAG wird natürlich ebenfalls weiter im Einsatz stehen.<br />

Wenn auch der erneute Wintereinbruch die Restarbeiten<br />

behinderte, so konnte der letzte Bauabschnitt der<br />

Linie 1 von Nußhorn bis zum Bahnhof Mahndorf am<br />

2. April dem Betrieb übergeben werden. Aufgrund wit te -<br />

rungs bedingter Bauverzögerungen bestand zum Eröff -<br />

nungs zeitpunkt <strong>noch</strong> ein bauliches Provisorium bei den<br />

Nebenanlagen. Mehr dazu in Heft 7/2013!<br />

AMF<br />

diesem Bereich von 9 bis 16 Uhr komplett<br />

eingestellt hat, wird die neue Linie<br />

4 mangels Zubringerzügen tagsüber<br />

den<strong>noch</strong> kaum genutzt. Deshalb<br />

wurde bereits der Fahrplan der Linie 4,<br />

von der die Schnellstraßenbahnstrecke<br />

bedient wird, vom anfänglichen Vier-<br />

Minutentakt mittlerweile auf eine Frequenz<br />

zwischen sechs und zehn Minuten<br />

gedehnt. Für die Strecke, die<br />

langfristig weiter verlängert und ggf.<br />

sogar ins Metronetz eingegliedert<br />

werden sollte, sind demnächst weitere<br />

Fahrplaneinschränkungen zu erwar-<br />

CAF: In den Freiburger Hausfarben rot, weiß und schwarz werden bis 2017<br />

zwölf Urbos-Straßenbahnen durch die Breisgau-Metropole rollen VAG<br />

Bombardier: Etwa einen Monat nach der Auslieferung begann für Tw 0041,<br />

dem ersten der beiden Strausberger Flexitys, der Plan-Einsatz B. KUSSMAGK<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

13


Aktuell<br />

Kiew: Die neue Linie 4 ist mangels Anschlusszügen bislang ein eher missglücktes Projekt. Vierachsige Solo-Tw<br />

reichen zu den meisten Tageszeiten aus<br />

W. WENDELIN<br />

ten. Damit der Bahnhof Troješcyna-2<br />

während der Fahrplanlücken bei der S-<br />

Bahn nicht mehr angefahren werden<br />

muss, ist derzeit eine neuerliche Anbindung<br />

der alten südlichen Wendeschleife<br />

Prosp. H. Vatutina in Arbeit.<br />

Zwischenzeitlich wurde von einzelnen<br />

Politikern sogar die abermalige Einstellung<br />

der Strecke gefordert.<br />

Die 6,5 km lange Schnellstraßenbahnstrecke<br />

wird zu den meisten Tageszeiten<br />

im Inselbetrieb, also ohne<br />

Anschluss an das restliche Straßenbahnnetz,<br />

betrieben. Es besteht zwar<br />

eine 400 m lange Verbindungsstrecke,<br />

auf dieser verkehrt aber nur die Berufsverkehrs-Linie<br />

5.<br />

WWE<br />

Schweiz: Neuchâtel<br />

Arbeitswagen auf<br />

Oldtimerfahrt<br />

Zu einer außergewöhnlichen Foto-<br />

Sonderfahrt lud der <strong>Tram</strong>club ANAT<br />

(Association Neuchâteloise des Amis<br />

du <strong>Tram</strong>way) für den 10. März ein. Im<br />

Zentrum stand der 1911 gelieferte<br />

Dienstwagen Xe 2/2 601, der mit dem<br />

einstigen Pferdebahnanhänger B2 1<br />

von 1894 behängt war. Eine seltene<br />

Kombination, bei der eine Übergangskupplung<br />

nötig ist. Weil der einstige<br />

Wassersprengwagen einseitig mit<br />

Schneepflug ausgerüstet ist, war diese<br />

Fahrt nur in einer Richtung möglich, so<br />

dass für die Rückführung des Anhängers<br />

der Be 2/2 73 von 1922 nachreiste.<br />

Das so für die Rückfahrt gebildete<br />

Gespann entsprach den verstärkten<br />

Kursen der 1964 auf Trolleybus umgestellten<br />

städtischen Linie 7.<br />

Letzter Vertreter des einstigen Meterspurnetzes<br />

der Stadt Neuchâtel ist<br />

die neun km lange Überlandlinie 5<br />

entlang des Neuenburger Sees nach<br />

Boudry, deren Züge zwar nicht auf den<br />

Neuchâtel: Der Arbeitswagen Xe 2/2 601 bildete mit dem Pferdebahnwagen<br />

B2 1 ein seltenes aber fotogenes Gespann<br />

T. KELLER<br />

übrigen Linien des Stadtnetzes fahren<br />

konnten; die Fahrzeuge des Stadtnetzes<br />

kamen aber sehr wohl auf der Linie<br />

5 zum Einsatz.<br />

TKE<br />

Spanien: Palma de Mallorca<br />

Metro auf regionaler<br />

Bahnstrecke<br />

Am 13. März wurde in Palma neben<br />

der 2007 eröffneten Uni-Linie<br />

(jetzt M1) eine zweite Metrolinie eingerichtet.<br />

Die Linie M2 fährt unter der<br />

Woche alle 20 Minuten auf dem 8,2<br />

km langen städtischen Abschnitt der<br />

kürzlich elektrifizierten Regionalbahnstrecke<br />

Richtung Inca, wobei die Züge<br />

zwischen Plaça d’Espanya (Estació Intermodal)<br />

und Marratxí an allen acht<br />

Zwischenstationen halten. Die bisher<br />

hier haltenden Regionalzüge können<br />

damit als Express durchfahren und<br />

sparen somit sechs Minuten Fahrzeit.<br />

Wie bei den spanischen Metros heute<br />

generell üblich, fährt auch die M2 im<br />

Oberleitungsbetrieb, was den Mischbetrieb<br />

mit der Regionalbahn nach Inca<br />

ermöglicht.<br />

RSC<br />

Spanien: Zaragoza<br />

Nord-Süd-Linie<br />

verlängert<br />

Rechtzeitig zur Semana Santa, in<br />

der in zahlreichen spanischen Städten<br />

Osterumzüge stattfinden, wurde in Zaragoza<br />

am 23. März 2013 der 5,5 km<br />

lange nördliche Abschnitt der bislang<br />

einzigen Straßenbahnlinie in Betrieb<br />

genommen, nachdem im Laufe des<br />

letzten Jahres bereits zwei kürzere<br />

oberleitungslose Teilstücke durch die<br />

Innenstadt eröffnet worden waren, wo<br />

die Urbos 3-Fahrzeuge von CAF im<br />

Schnelllade-Batteriemodus fahren. Die<br />

erst im April 2011 eröffnete Nord-Süd-<br />

Linie hat nun eine Gesamtlänge von<br />

12,8 km und 25 Haltestellen. RSC<br />

Italien: Brescia<br />

Metro eröffnet<br />

In der norditalienischen Stadt Brescia<br />

(200.000 Einwohner) wurde am 2.<br />

März 2013 eine 13 km lange fahrerlose<br />

Metrolinie mit 17 Stationen in Betrieb<br />

genommen. Dabei wurde das<br />

von AnsaldoBreda für Kopenhagen<br />

entwickelte System weitgehend übernommen,<br />

bei dem 2,65 m breite und<br />

39 m lange, dreiteilige Züge zum Einsatz<br />

kommen. Die Strecke verläuft von<br />

der nördlichen Endstation Prealpino<br />

erst in einem in offener Bauweise entstandenen<br />

Tunnel bis Europa, taucht<br />

dann ab Ospedale in einen tiefen<br />

zweigleisigen Röhrentunnel unter der<br />

Innenstadt ab und kommt schließlich<br />

hinter der Station Volta an die Ober -<br />

fläche. Bis auf die Station San Polo liegen<br />

die restlichen Bahnhöfe oberirdisch,<br />

davon die letzten beiden in<br />

Hochlage. Die Betriebswerkstatt befindet<br />

sich hinter der südlichen Endstation<br />

Sant’Eufemia-Buffalora.<br />

Trotz des Schildvortriebs im Stadtzentrum<br />

wurden auch hier alle ohnehin<br />

nur knapp 40 m langen Stationen<br />

in offener Bauweise errichtet, wodurch<br />

in den meisten Fällen imposante<br />

offene Räume mit Tageslicht -<br />

öffnungen entstanden. Anders als in<br />

Kopenhagen sind auch die oberirdischen<br />

Stationen mit Bahnsteigtüren<br />

ausgestattet. Fast zeitgleich, nämlich<br />

am 10. Februar 2013, ging im 80 km<br />

entfernten Mailand der erste Abschnitt<br />

der Linie M5 (Zara – Bignami) in Betrieb,<br />

die bis auf den Einsatz von vier-<br />

Brescia: Nur an ihrem südlichen<br />

Ende fährt Italiens jüngste Metro<br />

oberirdisch, hier nahe der Station<br />

San Polo Parco<br />

R. SCHWANDL<br />

14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Weltweit<br />

Oranjestad: Die neuen <strong>Tram</strong>s wurden<br />

bewusst in einem nostalgischen<br />

Outfit als offene Wagen gestaltet<br />

NOBLE KOMMUNIKATION<br />

teiligen Zügen ebenfalls mit dem Kopenhagener<br />

System identisch ist. RSC<br />

Niederlande: Oranjestad<br />

Neue Touristen-<strong>Tram</strong><br />

In Oranjestad, der Hauptstadt der<br />

niederländischen Antillen-Insel Aruba,<br />

wurde am 22. Dezember offiziell ein<br />

neuer Straßenbahn-Betrieb eingeweiht.<br />

Der Fahrgastverkehr startete allerdings<br />

erst am 19. Februar. Es handelt<br />

sich um eine Touristen-<strong>Tram</strong>, die<br />

auf ihrer knapp drei km langen Strecke<br />

den Kreuzfahrt-Terminal mit der<br />

Innenstadt verbindet. Für die kleine<br />

Bahn genügen drei Triebwagen. Nach<br />

offiziellen Angaben werden die Bahnen<br />

mit Solar-Energie betrieben; eine<br />

Oberleitung gibt es nicht. Die Bahn<br />

hält an acht Stationen. Montags bis<br />

samstags wird im Zwölf-Minuten-Takt<br />

gefahren, sonntags herrscht Betriebsruhe.<br />

SM<br />

Schweiz: Zürich Uetlibergbahn<br />

Bergstation verschoben<br />

Etwa 370 Strecken- und 23 Höhenmeter<br />

von der eigentlichen Bergstation<br />

entfernt halten die Züge der Uetlibergbahn<br />

seit dem 4. März und<br />

voraussichtlich bis Mitte Juli an einer<br />

provisorischen Endstelle. In dieser Zeit<br />

wird die Station Uetliberg auf dem<br />

gleichnamigen Zürcher Hausberg modernisiert<br />

und barrierefrei ausgebaut.<br />

Der Ausbau am bergseitigen Ende der<br />

Strecke ist Bestandteil einer generellen<br />

Ertüchtigung der Bahnhöfe, die anlässlich<br />

des zum Jahresende anstehenden<br />

Einsatzes sechs neuer Niederflur-<br />

Triebzüge von Stadler durchgeführt<br />

wird. Durch die bevorstehende Ergän-<br />

Utrecht: Die von SIG gebauten Sneltram-Fahrzeuge erhielten seit der Eröffnung des Stadtbahnbetriebs 1983<br />

bereits ihre dritte Hauslackierung<br />

M. BEITELSMANN<br />

Niederlande: Utrecht<br />

»Relaunch« für die Sneltrams,<br />

Abstellgleis für die Wiener<br />

zung der Flotte sollen künftig auch<br />

Doppeltraktionen zum Einsatz kommen,<br />

wofür an einigen Stationen die<br />

Bahnsteige verlängert werden mussten<br />

bzw. müssen.<br />

Die Uetlibergbahn überwindet auf<br />

ihrer Strecke vom Hauptbahnhof zum<br />

Uetliberg gut 400 Meter im Adhäsionsbetrieb.<br />

Auf ihrem städtischen Abschnitt<br />

zwischen Hauptbahnhof und<br />

Triemli fährt sie als moderne Stadtschnellbahn<br />

mit beschrankten Bahnübergängen,<br />

während sie auf dem<br />

steigungsreichen Abschnitt auf den<br />

Uetliberg primär dem Ausflugsverkehr<br />

dient.<br />

PKR<br />

Zürich: Die Uetlibergbahn wird<br />

<strong>noch</strong> bis Mitte Juli an einer idyllisch<br />

gelegenen provisorischen<br />

Bergstation enden P. KRAMMER<br />

Seit der Stadtbahnbetrieb 1983 eröffnet wurde, bewältigen<br />

insgesamt 27 sechsachsige Hochflur-Gelenktriebwagen<br />

(Sneltrams) der Schweizer Firma SIG aus Neuhausen<br />

den Verkehr auf den beiden Linien. Waren sie zunächst in<br />

einem gelb-orangenen Lack unterwegs, wurden sie von<br />

2000 bis 2001 bei PFA in Weiden erstmals vollständig modernisiert<br />

und erhielten dort die grüne Farbgebung des damaligen<br />

Betreibers Connexxion. Da kurzfristig kein Ersatz<br />

für die Bahnen in Sicht ist, wurden sie nun ein weiteres<br />

Mal saniert und erhielten erneut eine hellgelbe Lackierung,<br />

dieses Mal aber mit in Dunkelgrau gehaltenen seitlichen<br />

Kontrastflächen. Mittlerweile sind alle Züge erneuert, so<br />

dass die angespannte Fahrzeugsituation zunächst überwunden<br />

ist. Damit kann auch auf den Einsatz der 2008 aus<br />

Wien übernommenen Stadtbahnzüge, die dort zuvor auf<br />

der Linie U6 im Einsatz waren, verzichtet werden. Mit diesen<br />

Bahnen <strong>hatte</strong> man in Utrecht kein Glück: Dauerte es<br />

zunächst fast zwei Jahre, bis alle technischen Probleme behoben<br />

waren und die rot-weißen Bahnen in der Hauptverkehrszeit<br />

zum Einsatz kamen, endete der Einsatz 2011 wieder<br />

weitestgehend. Da es erhöhte Verschleißerscheinungen<br />

an manchen Stellen im Gleisnetz gab, wurden die Bahnen<br />

nur <strong>noch</strong> zaghaft eingesetzt. Sollte der geplante Verkauf<br />

scheitern, müssten die Gebrauchtwagen verschrottet werden.<br />

Die polnische Stadt Krakau hat allerdings bereits Interesse<br />

an den Fahrzeugen bekundet.<br />

MBE<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

15


Betriebe<br />

Einmal quer durch<br />

den Elbtalkessel<br />

Dresdens Linie 7 im Porträt Mit 23 km ist sie die zweitlängste <strong>Tram</strong>linie der DVB und<br />

verbindet den höchsten Punkt des Netzes mit dem Dresdner Norden. Dabei führt die »7«<br />

von den west lichen Wohngebieten über den Hauptbahnhof, durch das Stadtzentrum und<br />

das Szeneviertel Neustadt bis an den Rand der Dresdner Heide<br />

16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Dresden<br />

Neben der Pferdekoppel am Endpunkt Pennrich stehen am 15. April 2009 ein Niederflurwagen<br />

der Linie 7 und ein Tatrazug als Werkstattfahrt einträchtig nebeneinander<br />

Am 14. März 2013 <strong>hatte</strong> der Winter<br />

Dresden <strong>noch</strong> fest im Griff, als ein Zug<br />

der Linie 7 die Carolabrücke passierte<br />

Ihrem heutigen Verlauf folgt die Linie 7<br />

seit 29. November 2008, als die Verlängerung<br />

Gorbitz – Pennrich in Betrieb<br />

genommen wurde (siehe SM 3/2009).<br />

Damit sind wir bereits am Ausgangspunkt<br />

unserer Reise: Dem sich via Autobahn aus<br />

Westen Dresden näherndem Besucher sei<br />

empfohlen, nach wenigen Metern auf der<br />

A17 über die Abfahrt Dresden-Gorbitz den<br />

P& R-Platz direkt an der Endhaltestelle anzusteuern,<br />

wo das gummibereifte Vehikel<br />

geparkt werden und die Reise mit der Straßenbahn<br />

beginnen kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />

wird sich der Gast nun in<br />

einem der 43 je 45 m langen NGT D12 DD<br />

wiederfinden, dem auf dieser Linie am häufigsten<br />

eingesetzten Wagentyp. Die Automaten<br />

in den Fahrzeugen bieten ein ausgewähltes<br />

Fahrkartensortiment, für eine<br />

entspannte Streckenerkundung empfiehlt<br />

sich die Tageskarte.<br />

Im Abendlicht des 12. April 2012 passiert Tw 2815 das Verwaltungsgebäude des früheren<br />

Straßenbahnhofs Naußlitz<br />

Vorbei an den Löbtauer „Kaffeemühlenhäusern“ führt die Fahrt der Linie 7 über die Kesselsdorfer<br />

Straße<br />

BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: M. SPERL<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

17


Betriebe<br />

Vor der imposanten Halle des 1898 eingeweihten Dresdner Hauptbahnhofs biegt die Linie 7 auf die das Zentrum der Landeshauptstadt durchquerende<br />

Nord-Süd-Verbindung ein. Von Süden münden die Linien 3 und 8 und von Osten die Linien 9 und 11 ein<br />

Nur mit wenigen Kursen auf Linie 7 anzutreffen sind die 42 Meter langen NGT 8 DD, wie hier<br />

Triebwagen 2711 unweit des Hauptbahnhofs<br />

Schon mit dem ersten Anrollen geht es im<br />

Folgenden nur <strong>noch</strong> abwärts, da die Gleisschleife<br />

Pennrich mit 298,4 m zugleich den<br />

höchsten Punkt des Dresdner Straßenbahnnetzes<br />

markiert. Der erste Teil der Fahrt führt<br />

nun vorbei am Bus-Verknüpfungspunkt und<br />

zweiten P + R-Platz „Gompitzer Höhe“ (hier<br />

steht ein Fahrkartenautomat), an der vierspurig<br />

als Autobahnzubringer ausgebauten<br />

Bundesstraße 173 und diversen Gewerbeansiedlungen<br />

und Autohäusern in flotter<br />

Fahrt talwärts. Die Bremskraft der Wagen<br />

ist dabei zur Einhaltung der zulässigen<br />

Höchstgeschwindigkeit voll gefordert. Kurzzeitig<br />

öffnet sich hier vorwärts der Blick auf<br />

den Elbtalkessel, die Stadt liegt dem Betrachter<br />

buchstäblich zu Füßen. Nach durchqueren<br />

eines kurzen brachliegenden Geländeabschnittes<br />

– immer <strong>noch</strong> parallel zur<br />

B173, die in einem kurzen Tunnel unter der<br />

Haltestelle Altnossener Straße auf die andere<br />

Gleisseite geführt wird – ist das Plattenbau-Wohngebiet<br />

Gorbitz erreicht. Zur Rechten<br />

sehen wir die Gleisschleife Gorbitz mit<br />

dem dahinter liegenden Betriebshof einschließlich<br />

der Hauptwerkstatt der Verkehrsbetriebe,<br />

die 1996 eröffnet wurden und<br />

11.000 m² Fläche umfassen.<br />

Mitten durch die »Platte«<br />

Die Linie 2 begleitet nun den Lauf der „7“<br />

für die nächsten vier Haltestellen durch die<br />

in den 1980er Jahren angelegte Plattenbausiedlung.<br />

Rechts der Fahrtrichtung ist zu<br />

erkennen, wie auf die in den vergangenen<br />

Jahren schwindende Einwohnerschaft dieses<br />

Viertels sowohl mit Abbruch ganzer<br />

Wohnblocks als auch mit der kreativen ar-<br />

chitektonischen Aufwertung durch Abbau<br />

einzelner Stockwerke – sogenannte „Kräutersiedlung“<br />

– reagiert wurde.<br />

Beim Merianplatz schließt das Erlebnisbad<br />

Elbamare unmittelbar an den Haltestellenbereich<br />

an und am Gleisdreieck J.-<br />

Vahlteich-Straße trennen sich die Wege der<br />

„2“ und „7“: Wir fahren nach rechts ein kurzes<br />

Stück bis zur Kesselsdorfer Straße und<br />

nach einem 90°-Linksbogen auf selbiger weiter<br />

stadteinwärts.<br />

Rechterhand belebt ein Einkaufsmarkt<br />

den denkmalgeschützten einstigen Straßenbahn-<br />

und Bushof Naußlitz (1902–1996 in<br />

Betrieb), von dem aus 1969 übrigens der Linieneinsatz<br />

von Tatrawagen in Dresden begann.<br />

Diesem gegenüber liegt auf der anderen<br />

Straßenseite die Gleisschleife Wölfnitz,<br />

die von einer Kleingartensparte tangiert als<br />

Endpunkt der Linie 6 fungiert, mit der unsere<br />

Linie 7 wiederum die folgenden vier<br />

Halte gemeinsam bedient.<br />

»Kaffeemühlen« und ein Friedhof<br />

Nun befinden wir uns inmitten des Stadtteils<br />

Löbtau, der von weitgehend erhaltener Vorkriegsarchitektur<br />

geprägt ist. Viele Gebäude<br />

erinnern mit ihrem würfelartigen Aussehen<br />

an die Form klassischer Kaffeemühlen, was<br />

ihnen den entsprechenden Spitznamen einbrachte.<br />

Links mündet von der Rudolf-Renner-Straße<br />

die Linie 12 ein, rechts der Kesselsdorfer<br />

Straße befindet sich der Neue<br />

Annenfriedhof. Dieser war bei seiner Einweihung<br />

1875 mit einer nach Vorbild der italienischen<br />

Camposanto-Architektur errichteten,<br />

monumentalen Kuppelhalle versehen,<br />

an die jedoch nur die erhaltenen Säulengänge<br />

der Seitenflügel erinnern. Augenblicke später<br />

ist der Knoten Tharandter Straße erreicht.<br />

Hier tummeln sich neben den Straßenbahnlinien<br />

6, 7 und 12 die Busse der 61/E61,<br />

63, 90 sowie die Linien A und 333 des Re-<br />

18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Dresden<br />

Einen guten Ausblick bieten die NGT D12 DD auf Stadt und Strecke. Dresdens Straßenbahn einschließlich der Linie 7 fährt<br />

rund um die Uhr. Ob bei Tag oder bei Nacht, wie die rechte Aufnahme an der Haltestelle Hauptbahnhof Nord zeigt<br />

Blick von der<br />

Brühlschen<br />

Terrasse auf die<br />

Carolabrücke und<br />

die sächsische<br />

Staatskanzlei<br />

gionalverkehr Dresden (RVD). Leider konnte<br />

das „liberale“ politische Lager lange nicht<br />

überzeugt werden, dass werktags 36 stündliche<br />

Straßenbahnabfahrten, über 30 Busabfahrten<br />

bzw. -ankünfte sowie zusätzliche<br />

Verstärkerkurse einen autofreien Haltestellenbereich<br />

rechtfertigen, so dass sich zwischen<br />

Bahnen, Bussen und Umsteigern <strong>noch</strong><br />

immer die Pkw hindurchzwängen.<br />

Über die Weißeritz<br />

Die Reise führt weiter über die 1837 errichtete<br />

Weißeritzbrücke auf die Freiberger Straße<br />

und wenig später am einstigen Kohlenbahnhof<br />

vorbei – heute residiert hier ein<br />

Schrotthändler. Es folgt der nach dieser Straße<br />

benannte S-Bahnhof. Nach dem Unterqueren<br />

der Eisenbahngleise biegt die Linie<br />

7 im Tagesverkehr nach rechts ab<br />

und folgt dem Bahndamm bis zum<br />

Dresdner Hbf, während nachts zwischen<br />

1 und 4 Uhr direkt Kurs auf das<br />

Herz des Dresdner <strong>Tram</strong>netzes, den<br />

Postplatz, genommen wird.<br />

Wir bleiben auf dem Tageslinienweg<br />

und erreichen nach der Fahrt<br />

unter der Brücke Budapester Straße<br />

und Vorbeifahrt am Bushof des<br />

GRAFIK: M. SPERL<br />

Daten & Fakten: Linie 7<br />

Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . 23 km<br />

Spurweite . . . . . . . . . . . . . . 1.450 mm<br />

Fahrzeugeinsatz. . . . . . . NGT D12 DD,<br />

Bj. 2003-10<br />

NGT 8 DD, Bj. 2001/02<br />

Takt der Linie 7. . . . . . Mo–Fr: 10 Min.<br />

Sa: 10/15 Min.<br />

So: 15 Min.<br />

Tarif . . . . VVO-Tarifzone 10 (Dresden)<br />

Gesamtstrecke . Einzelfahrt 1h: 2,00 €<br />

Tageskarte: 5,50 €<br />

19


Betriebe<br />

Den Albertplatz in der Dresdner Neustadt überragt das einst als Verwaltungsgebäude der Verkehrsbetriebe genutzte Hochhaus, vor dem am<br />

25. Januar 2008 der Triebwagen 2826 in die in die nicht nur tagsüber stark frequentierte Haltestelle einfährt<br />

Der Triebwagen 2813 rollt am Abzweig nach<br />

Hellerau (Haltestelle Infineon Süd) in den<br />

Dresdner Elbtalkessel hinab. Im Bereich der<br />

Station befinden sich zahlreiche Unternehmen<br />

der Halbleiterindustrie<br />

RVD den seit über 20 Jahren in Generalsanierung<br />

befindlichen Dresdner Hauptbahnhof.<br />

Dessen Besonderheit sind die außen auf Brückenkonstruktionen<br />

gelagerten Durchgangsgleise<br />

in Kombination mit dem in der Mitte<br />

ebenerdig angelegten Kopfbahnhofteil, an den<br />

sich die Kuppelhalle anschließt. Die 1897 fertiggestellte,<br />

dreischiffige Stahlbogenkonstruktion<br />

über den Bahnsteigen wurde bis 2006 mit<br />

einem lichtdurchlässigen Teflon-Dach nach<br />

Entwürfen von Sir Norman Foster überspannt<br />

und wirkt seither heller und einladender.<br />

Der vorgelagerte Haltestellenbereich für<br />

die <strong>Tram</strong> auf dem Wiener Platz ist zugleich<br />

das Tor zur „Shoppingmeile“ Prager Straße<br />

und seit knapp einem Jahrzehnt mit viel Glas<br />

komplett umgestaltet, die umliegende Bebauung<br />

mit dem „Kugelhaus“ stammt aus<br />

derselben Zeit.<br />

Über die »Nord-Süd-Verbindung«<br />

Wir biegen nun wiederum 90 Grad nach<br />

links in die St. Petersburger Straße ein, wo<br />

sich unsere „7“ mit den Linien 3, 8, 9 und<br />

11 die Gleise bis zum Georgplatz teilt – dies<br />

ist zugleich der am stärksten frequentierte<br />

Streckenabschnitt der Dresdner Straßenbahn.<br />

Vorbei am Kino „Kristallpalast“ und<br />

am Rathaus ist schnell der Pirnaische Platz<br />

erreicht, wo die Linien 1, 2 und 4 der Ost-<br />

West-Richtung kreuzen. Nächster Stopp ist<br />

dann schon auf der Rampe zur Carolabrücke<br />

vor der 2001 fertiggestellten neuen Synagoge.<br />

Das benachbarte Albertinum bietet mit<br />

Skulpturensammlung und Galerie Neue<br />

Meister Sehenswertes für alle Kulturinteressierten.<br />

Hier empfiehlt sich der Ausstieg zudem<br />

für all jene, die zum barocken Herz<br />

Dresdens rund um Neumarkt, Frauenkirche,<br />

Schloss und Brühlsche Terrasse flanieren<br />

wollen.<br />

20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Dresden<br />

Blick durch den Fahrgastraum von einem 45 m<br />

langen NGT D12 DD.<br />

Via Carolabrücke wechselt die Linie 7<br />

über die Elbe auf die Neustädter Seite, wo<br />

als erstes im Regierungsviertel zwischen<br />

Staatskanzlei, Wirtschafts- und Finanzministerium<br />

am Carolaplatz gehalten wird.<br />

Nur wenige Schritte von hier entfernt bieten<br />

die alljährlich im Sommer stattfindenden<br />

Filmnächte am Elbufer ein abwechslungsreiches<br />

Unterhaltungsprogramm mit Konzerten<br />

und Filmen vor der Dresdner „Skyline“<br />

aus Hofkirche, Schlossturm und der<br />

großen Steinkuppel der Frauenkirche.<br />

Die Linie 7 erreicht nun eingebettet in einer<br />

Grünanlage zwischen den imposanten<br />

Zwillingsbrunnen „Stille Wasser“ und „Stürmische<br />

Wogen“ die Haltestelle Albertplatz,<br />

nördlich der Kreuzung steht das während<br />

der DDR-Zeit als Verwaltung der Verkehrsbetriebe<br />

dienende, denkmalgeschützte Hochhaus<br />

von 1929.<br />

Überlandbahnflair in Weixdorf, wo die Linie 7 zwischen Gleisschleife und Haltepunkt Weixdorf<br />

Bad auf eigenem Bahnkörper zwischen den Gärten der Anwohner hindurch fährt<br />

Nordwärts auf der »Königsbrücker«<br />

Hier oder am nächsten Halt Louisenstraße<br />

geht es per pedes in wenigen Minuten mitten<br />

hinein ins Szeneviertel Neustadt mit<br />

seinen unzähligen Bars und Kneipen auf engen<br />

Straßen mit der Gründerzeitbebauung.<br />

Diese sind auch von der nachfolgenden Haltestelle<br />

Bischofsweg gut erreichbar. Hier<br />

steigt zudem aus, wer zur Linie 13 wechseln<br />

oder ins Kultkino „Schauburg“ möchte.<br />

Nach queren des Bischofsweges steigt die<br />

Königsbrücker Straße bergan, vorbei am<br />

Goethe-Institut und dem MDR-Landesfunkhaus<br />

wird die Stauffenbergallee gekreuzt.<br />

Von der gleichnamigen Haltestelle in<br />

wenigen Minuten erreichbar ist das auch architektonisch<br />

herausragende Militärhistorische<br />

Museum der Bundeswehr am Olbrichtplatz,<br />

dass seinen Schwerpunkt heute<br />

weniger in technikgeschichtlicher, sondern<br />

vielmehr in kulturhistorischer Dokumentation<br />

sieht und zur kritischen Auseinandersetzung<br />

mit der (Militär-)Geschichte anregen<br />

will.<br />

Nach Verschwenkung der Gleistrasse nach<br />

links in Straßenseitenlage macht die Linie 7<br />

auf ihrer stetig bergan führenden Fahrt an<br />

der früheren Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei<br />

den nächsten Stopp, wo das Stadtarchiv<br />

seinen Sitz hat. Am folgenden Halt<br />

„Industriegelände“ ist zwar von rauchenden<br />

Schloten und Arbeitern nicht mehr viel zu<br />

sehen, jedoch spielt sich in den alten Hallen<br />

am Wochenende mittlerweile buntes Partyleben<br />

ab, auf dem früheren Fabrikareal haben<br />

sich mehrere Lokale etabliert.<br />

Zwischen Heide und High-Tech<br />

Nun kreuzt die Straßenbahn gemeinsam mit<br />

der Königsbrücker Straße die Eisenbahnstrecke<br />

Dresden – Görlitz, wenig später zweigen<br />

nach links zwischen vielen Bäumen die Glei-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

21


Betriebe<br />

Meist eingleisig geht es durch Dresden-Klotzsche, hier Triebwagen 2823 kurz nach dem Käthe-Kollwitz-Platz<br />

se zur gemeinhin als „Diebsteig“ bezeichneten<br />

Zwischenwendeschleife ab, die einst als<br />

Endpunkt für die Verstärkerfahrten des Berufsverkehrs<br />

zum Industriegelände fungierte.<br />

Links der Gleise erstreckt sich auf den nächsten<br />

1,3 km ein Waldgebiet als Ausläufer der<br />

Dresdner Heide, rechterhand finden sich jenseits<br />

der hier vierspurigen Straße verschiedene<br />

Ansiedlungen der Halbleiterindustrie.<br />

Die Linie 8, vom Carolaplatz treuer Begleiter<br />

des Weges unserer „7“, biegt etwa in<br />

der Mitte des Waldes in diesen ein, um ihren<br />

Endpunkt in Hellerau zu erreichen. Die Trasse<br />

Richtung Weixdorf, der wir weiter folgen,<br />

schwenkt nach einem kurzen, relativ steilen<br />

Abschnitt nach rechts zurück in das Straßenplanum,<br />

an dieser Stelle markiert ein Unterwerk<br />

links der Fahrtrichtung die frühere<br />

Einfahrt des seit einigen Jahren abgerissenen<br />

Straßenbahnhofs Klotzsche (1916–1994 in<br />

Betrieb).<br />

Eingleisig durch Klotzsche<br />

An der folgenden Haltestelle Karl-Marx-<br />

Straße wird die Strecke eingleisig und führt<br />

im Gefälle vorbei an Villen und kleineren<br />

Häusern bis an die Ausweiche „Zur neuen<br />

Brücke“. Das Kurhaus Klotzsche dominiert<br />

den anschließenden Kreuzungsbereich, die<br />

Strecke verläuft weiter eingleisig auf der hier<br />

verhältnismäßig schmalen Königsbrücker<br />

Landstraße zum Käthe-Kollwitz-Platz, wo<br />

wieder ein zweites Streckengleis liegt und<br />

überdies ein Wendedreieck in die Selliner<br />

Straße hinein führt. Beim folgenden Halt Arkonastraße<br />

– rechts der Haltestelle sind in<br />

letzter Zeit zahlreiche Neubauten entstanden<br />

– beginnt wieder ein Abschnitt auf eigenem<br />

Bahnkörper. Dieser ist weichenlos als<br />

Gleisverschlingung bis zur Eisenbahnbrücke<br />

ausgeführt, mittels der die Flughafen-S-Bahn<br />

Straße und Straßenbahn überquert.<br />

Ländlich auf dem letzten Abschnitt<br />

Am Rand der Dresdner Heide entlang wird<br />

nun die Ausweiche Fuchsberg erreicht, hier<br />

hat die Bebauung mit vorwiegend Einfamilienhäusern<br />

schon fast ländlichen Charakter.<br />

Vorbei an einem sächsischen Bahnwärterhaus<br />

– einst wurde ein Teil der heutigen<br />

Straßenbahntrasse von der Schmalspurbahn<br />

nach Königsbrück genutzt – und am inzwischen<br />

geschlossenen „Gasthaus zur Kurve“<br />

biegt die Linie 7 in die Brühler Straße ein,<br />

wo nach zahlreichen kleinen Häuschen und<br />

• „KITZO Alpenstüberl“ – Haltestelle Gompitzer<br />

Höhe: Rustikal deftige Speisen in einem einmaligen<br />

gemütlichen Ambiente.<br />

• „Treppchen“ – Haltestelle Malterstraße: Einer<br />

der gemütlichsten Dresdner Treffs mit liebevoll<br />

ausgebauten, urgemütlichen Kellergewölbe, im<br />

Sommer Biergarten im Hof.<br />

• „Schwerelos – das Raumschiffrestaurant“ – Haltestelle<br />

Hauptbahnhof: Im Dachgeschoss des<br />

Kugelhaus am Wiener Platz mit Aussicht auf den<br />

Vorgärten die letzte Ausweiche der Strecke<br />

am Bahnhaltepunkt Weixdorf Bad erreicht<br />

wird.<br />

Das rechterhand an einen kleinen Park anschließende<br />

Stationsgebäude der Bahnstrecke<br />

Dresden – Königsbrück konnte durch<br />

die Umnutzung als „Dixiebahnhof“ vor dem<br />

Verfall bewahrt werden, hier werden statt<br />

Fahrscheinen nun Musik und Kulturveranstaltungen<br />

feilgeboten.<br />

Das letzte Stück unserer ab Pennrich einstündigen<br />

Fahrt verläuft <strong>noch</strong>mals eingleisig<br />

in einem langgezogenen Bogen zur Kreuzung<br />

mit der Rathenaustraße, an die sich unmittelbar<br />

die Endhaltestelle mit Gleisschleife anschließt.<br />

Mit einem kleinen Fußweg sind von<br />

hier die Bahnhaltepunkte Weixdorf oder<br />

Weixdorf Bad erreichbar, von denen ein- bis<br />

zweistündlich die „Städtebahn“ zum Bahnhof<br />

Dresden Neustadt fährt. MICHAEL SPERL<br />

Kulinarisches von Pennrich bis Klotzsche<br />

Hauptbahnhof, hier kommt das Essen auf einer<br />

Achterbahn!<br />

• „WQ-Bar“ – Haltestelle Albertplatz: Bar mit bester<br />

Aussicht auf den Albertplatz.<br />

• „Mythos Palace“ – Haltestelle Heeresbäckerei:<br />

Gutes, preiswertes griechisches Restaurant mit<br />

Garten im Hof der alten Heeresbäckerei.<br />

• „fellini Ristorante & Pizzeria“ – Haltestelle<br />

Käthe-Kollwitz-Platz: Pizza nach italienischer Tradizione<br />

auf Stein gebacken.<br />

22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Nächster Halt: …<br />

Im Bereich der Düsseldorfer Haltestelle „Dreieck“ bilden nicht nur die hier aufeinandertreffenden Straßen ein Dreieck, sondern auch die<br />

Linie 701, die abzweigende 715 und die sich hier teilende 707. Dadurch entsteht aber kein klassisches Gleisdreieck<br />

M. BEITELSMANN<br />

Nächster Halt:<br />

Dreieck<br />

Der Düsseldorfer liebt – wie es scheint – die<br />

Formensprache. Denn nicht umsonst lassen<br />

sich schließlich auf dem Stadtplan Ortsbezeichnungen<br />

wie „Seestern“, Mörsenbroicher<br />

Ei“ oder „Kniebrücke“ finden. Und so<br />

existiert eben im Stadtteil Derendorf eine<br />

Haltstelle namens „Dreieck“. Doch sie trägt<br />

diesen Namen nicht etwa, weil der dazu gehörige<br />

Platz eine solche Form hätte – nein.<br />

Vielmehr beschreiben die hier zulaufenden,<br />

meist in der Gründerzeit angelegten Straßen<br />

in etwa diese geometrische Figur – und auch<br />

in den Gleisanlagen vor der Haltestelle ist<br />

ein Dreieck zu finden.<br />

Ab 1898 befand sich in diesem Bereich<br />

eine Gaststätte, die sich entsprechend den<br />

treffenden Namen „Dreieck“ zugelegt <strong>hatte</strong>.<br />

Das war für die praktisch denkenden Düsseldorfer<br />

Grund genug, der Straßenbahn-<br />

Haltestelle diesen Namen zu verpassen –<br />

kreuzen sich doch hier seit 1896 bzw. 1898<br />

zwei Linien der damaligen Düsseldorfer Pferdebahn-Gesellschaft.<br />

Die Gegend um die Nordstraße ist aktuell<br />

ein wichtiges Stadtteilzentrum – und so ist<br />

auch die Haltestelle damals wie heute recht<br />

belebt. Neben Umsteigern zieht es viele Fahrgäste<br />

auch in die zahlreichen Läden, Cafés<br />

oder Banken entlang der „Kö von Derendorf“,<br />

wie die Nordstraße manchmal scherzhaft<br />

genannt wird.<br />

Heute wird der Verkehrsknotenpunkt von<br />

den Linien 701, 707 und 715 angefahren,<br />

die die Düsseldorfer Innenstadt mit den weiter<br />

nördlich gelegenen Stadtteile Mörsenbroich,<br />

Rath und Unterrath verbinden. Und<br />

wie früher schon steigen viele Düsseldorfer<br />

hier aus, wenn die Stimme der Ansage säuselt:<br />

„Nächster Halt – Dreieck“.<br />

MICHAEL BEITELSMANN<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

23


Betriebe<br />

Wieder müssen<br />

die Oldies ran!<br />

Wagenmangel in Frankfurt (Main) – Museumswagen helfen<br />

aus Aufgrund der Untauglichkeit moderner Niederflurwagen im<br />

harten Winterbetrieb sowie allgemeinen Fahrzeugmangels hat die<br />

Frankfurter VGF erneut Düwags aus dem Museumsbestand für den<br />

regulären Dienst reaktiviert<br />

Südlich des Mains verkehrt die Linie 14 im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen<br />

durch die Brückenstraße<br />

J. SCHRAMM<br />

Während der Enteisungsfahrten im Januar 2013 passierten die Museumswagen<br />

auch die Haltestelle Römer/Paulskirche F. BUCHLEITNER<br />

24<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Frankfurt am Main<br />

Aktuelle Fahrplantabellen der Kurse:<br />

www.strassenbahn-magazin.de<br />

Im Januar 2013 diente die Museumswagen mit ihren stabilen Scherenstromabnehmern<br />

zum Enteisen der Ober leitungen<br />

Auf der Ignaz-Bubis-<br />

Brücke begegnen<br />

sich am 13. März<br />

2013 die beiden<br />

Museumswagen<br />

112 und 102/1804.<br />

Im Hintergrund die<br />

Baustelle an der<br />

neuen Europäischen<br />

Zentralbank<br />

F. BUCHLEITNER (2)<br />

Auf dem Weg nach Bornheim hat der im Plandienst eingesetzte Museumswagen 102 am<br />

20. März 2013 den Frankfurter Südbahnhof erreicht J. SCHRAMM<br />

Der letzte Hochflurwagen in Frankfurt<br />

(Main) wurde im Jahr 2007 offiziell<br />

außer Dienst gestellt, seitdem<br />

sind auf den zehn Straßenbahnlinien<br />

der Mainmetropole regulär ausschließlich<br />

die insgesamt etwas über 100 Düwagund<br />

Bombardier-Niederflurwagen unterwegs.<br />

Seit Eröffnung der Linie 18 zum Gravensteiner<br />

Platz im Dezember 2011 ist der<br />

Wagenbestand jedoch äußerst knapp bemessen.<br />

Zwei an Stockholm verliehene Niederflurwagen<br />

senkten den Wagenpark zusätzlich.<br />

Im Frühjahr 2012 wurden deshalb<br />

zwei Düwag-Museumswagen und der Pt-<br />

Museumswagen 190 aus dem Betriebshof<br />

geholt und bis April 2012 auf den Linien 14<br />

und 17 eingesetzt.<br />

Seit Ende 2012 ist durch einige Defekte und<br />

Unfallschäden der Bestand an Niederflurwagen<br />

erneut gesunken. Deshalb dürfen die eigentlich<br />

längst in den Ruhestand versetzten<br />

Achtachser aktuell erneut aushelfen. Pt-Wagen<br />

190, der im Jahr zuvor <strong>noch</strong> im Liniendienst<br />

einsprang, wurde ins türkische Gaizantep<br />

verkauft und fährt – inzwischen deutlich<br />

umgebaut – im dortigen Stadtbahnetz.<br />

Mitte Januar 2013 stellte der Winter einige<br />

westliche Straßenbahnbetriebe vor größere<br />

Probleme, besonders Frankfurt (Main)<br />

<strong>hatte</strong> mit so einem Winterwetter nicht gerechnet.<br />

Die Niederflurwagen mit ihrer modernen<br />

Technik versagten an den vereisten<br />

Oberleitungen und blieben im Netz stecken.<br />

Wie helfen die »Alten«?<br />

Die Museumswagen der Typen L, M, N und<br />

O und auch der Ebbelwei-Express schleppten<br />

die Linienwagen zurück in die Betriebshöfe<br />

und versuchten danach, die Oberleitungen<br />

zu enteisen. Erst nach einigen Tagen<br />

stabilisierte sich die Lage wieder und der Regelbetrieb<br />

konnte aufgenommen werden.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

25


Betriebe<br />

Nachts im Stadtwald:<br />

M-Wagen 102 auf dem<br />

Weg von Neu-Isenburg ins<br />

Frankfurter Zentrum an<br />

der Oberschweinstiege<br />

F. BUCHLEITNER (3)<br />

Ein Auffahrunfall zweier S-Wagen am Universitätsklinikum<br />

im März 2013 brachte den<br />

planmäßigen Fahrbetrieb erneut an seine<br />

Grenzen, die Schadwagen rissen ein weiteres<br />

Loch in den sowieso knapp bemessenen Fahrzeugbestand.<br />

Am 11. März wurde deshalb ein<br />

weiterer Museumswagen wieder für den Fahrgastbetrieb<br />

hergerichtet, der sechsachsige M-<br />

Wagen 102. Zusammen mit dem vierachsigen<br />

Beiwagen 1804 fährt er auf der Linie 14.<br />

Derzeit werden Museumswagen auf den Linien 14 und 17 eingesetzt. Unter www.strassenbahnmagazin.de<br />

finden Sie die Fahrplantabellen der entsprechenden Kurse zum ausdrucken!<br />

Planeinsatz bis in den Sommer? Vom Betriebshof Heilbronner Straße rückt der Wagen 112 aus<br />

Planeinsatz bis in den Sommer?<br />

Der N-Wagen 112 wird als zweiter Hochflur-Gelenkwagen<br />

auf der Linie 14 eingesetzt.<br />

Die beiden möglichen Kurse sind 02<br />

und 05. Auch auf den Fahrplanaushängen<br />

der traffiQ werden die Hochflur-Abfahrten<br />

gekennzeichnet, besonders interessant daran,<br />

auch Kurs 07 könnte im Notfall durch<br />

einen Museumswagen gefahren werden.Ein<br />

Einsatz des Vierachser-Zuges 124/1242 vom<br />

Typ L scheint damit nicht ausgeschlossen. Auf<br />

der Linie 17 verkehrt auf dem Kurs 02 weiterhin<br />

der Zweirichtungs-Düwag 110.<br />

Die Renaissance der Düwag-Klassiker<br />

könnte <strong>noch</strong> bis in den Sommer andauern,<br />

erst ab Herbst sollen zehn weitere Niederflurwagen<br />

vom Typ S dem Wagenpark die<br />

lange nötigen Reserven schaffen. Spätestens<br />

dann sollte die kurzzeitige Rückkehr der Museumswagen<br />

in den Fahrgastbetrieb der Vergangenheit<br />

angehören.<br />

FREDERIK BUCHLEITNER<br />

26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Frankfurt am Main<br />

Bevor der N-Wagen 112 Neu-Isenburg, den südlichen Endpunkt der Linie 14 erreicht, passiert er die alte Wagenhalle der Waldbahn. Sie dient<br />

heute zum Abstellen ausgemusterter Wagen<br />

F. BUCHLEITNER<br />

Die beiden seit Anfang 2013 auf der Linie 14 im Regelbetrieb genutzten Museums-Triebwagen 102 und 112 begegnen sich am 20. März 2013<br />

am Allerheiligentor<br />

J. SCHRAMM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

27


Betriebe<br />

»Meterspur-U-Bahn«<br />

ins Geisterdorf<br />

Straßenbahnreste in Duisburg-<strong>Als</strong>um vor Abriss Die Gleisreste auf der Matenastraße<br />

gehören zu den wohl spannendsten Fundstücken in Deutschland: Sie führen in ein überschüttetes<br />

Dorf, durch typische Ruhrpott-Industriekulisse und den schaurigen Matena-Tunnel<br />

28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Duisburg<br />

Grüner ist es an dieser Stelle geworden, aber nicht gemütlicher! Am linken Straßenrand lugt<br />

das Gleis hervor. Direkt neben dem Kühlturm befand sich die Endhaltestelle in <strong>Als</strong>um C. LÜCKER<br />

Am 14. April 1965 hält Wagen 512 an der<br />

Endstelle „Thyssen Tor 6“ – das Reststück<br />

nach <strong>Als</strong>um war schon einige Wochen stillgelegt.<br />

Hinter dem Fotografen geht es in<br />

den Matenatunnel<br />

G. HAPPEL, SLG. BERND OEHLERT<br />

Duisburg, Matenastraße im Jahr<br />

2013: Ein mächtiger Kühlturm<br />

speit Dampf in die Luft, Hochöfen<br />

qualmen und quietschen, Ratten<br />

huschen über das holprige Kopfsteinpflaster,<br />

es müffelt nach Industrie. Und mittendrin:<br />

Ein langer Strang Meterspurgleise in<br />

der Straße!<br />

Er ist das letzte Indiz dafür, dass es an diesem<br />

unwirklichen Ort einmal richtiges Leben<br />

gab. Denn hier, wo heute die Industrie<br />

tobt, befand sich bis in die 1960er-Jahre der<br />

Fischerort <strong>Als</strong>um am Rhein.<br />

Schon Ende des 19. Jahrhunderts war <strong>Als</strong>um<br />

durch die sich immer weiter ausbreitende<br />

Schwerindustrie regelrecht von Duisburg-Bruckhausen<br />

abgeschnitten. Eine der<br />

wichtigsten Verbindungen dorthin war die<br />

Meterspurstraßenbahn auf der Matenastraße,<br />

deren Gleise hier bis heute stellenweise<br />

„überlebt“ haben.<br />

Bis zum Zweiten Weltkrieg waren über<br />

3.000 Menschen in <strong>Als</strong>um zuhause. Nach<br />

dem Krieg war der Ort aber im wahrsten Sinne<br />

dem Untergang geweiht: Zwischen 1950<br />

und 1954 sank <strong>Als</strong>um durch den Bergbau<br />

um über einen Meter ab! Deshalb beschloss<br />

die Stadt Duisburg 1954, alle Bewohner umzusiedeln.<br />

Im Jahr 1965 verließen die letzten<br />

<strong>Als</strong>umer ihre Heimat.<br />

Wohnhäuser heute abgerissen<br />

Zum 31. März 1965 wurde schließlich auch<br />

der Straßenbahnbetrieb der Linie 10 am<br />

Ortseingang, also auf der Matenastraße, eingestellt<br />

und zum nicht weit entfernten Thyssen-Tor<br />

6 zurück gezogen. Wenige Monate<br />

später war auch hier Schicht und die Linie 10<br />

wurde zum Hamborner Altmarkt verkürzt,<br />

ehe sie 1966 als eine der letzten Duisburger<br />

Meterspurlinien komplett außer Betrieb ging.<br />

Zwischenzeitlich begann auch die völlige<br />

Auslöschung <strong>Als</strong>ums: Der an den Rhein<br />

grenzende Teil wurde komplett abgerissen<br />

und mit Trümmern und dem restlichen<br />

Kriegsschutt überschüttet. So konnte die Absenkung<br />

verfüllt werden und es entstand der<br />

<strong>Als</strong>umer Berg. Schließlich wurden die restlichen<br />

Arbeiterhäuser im Bereich der ehemaligen<br />

Endstelle abgerissen – die Industrie<br />

<strong>hatte</strong> <strong>noch</strong> mehr Platz sich auszubreiten. Und<br />

das sieht man heute <strong>noch</strong>: Die Gleise sind<br />

umringt von den Thyssen-Stahlwerken und<br />

Industrieanlagen, sie erstrecken sich kilometerlang<br />

nach rechts und links. Aber der<br />

kurvige Straßenverlauf lässt <strong>noch</strong> erahnen,<br />

dass es hier vor vielen Jahrzehnten mal idyllisch<br />

gewesen sein muss.<br />

Wir folgen vom <strong>Als</strong>umer Berg dem Meterspurgleis<br />

inmitten der kaum befahrenen,<br />

holprigen Matenastraße nach Osten. Nach<br />

etwa 150 Metern verschwindet es unter dem<br />

Asphalt. Unter einigen Brücken hindurch<br />

windet sich die Straße bis zum damaligen Tor<br />

6 von Thyssen. Immer wieder zeichnet sich<br />

das Gleis unter der Asphaltdecke ab. Jetzt ist<br />

er direkt vor uns, der spannendste Teil dieser<br />

ehemaligen Strecke: der schaurige Matenatunnel!<br />

Hier schlängelt sich die Straße unter<br />

den Industrieanlagen von Thyssen<br />

hindurch.<br />

Tunnel verfällt immer mehr<br />

Der Tunneleingang ist ein bizarrer Ort. Staub<br />

liegt in der Luft. Drumherum quietscht, tutet<br />

und rumort es. So laut ist es hier – und<br />

trotzdem so einsam. Aber es nützt nichts:<br />

Wer auf direktem Weg nach Bruckhausen<br />

will, der muss da durch!<br />

Es scheint, als hätte man seit Eröffnung<br />

des Tunnels im Jahre 1912 nicht viel in seine<br />

Instandhaltung investiert. Zwischen abgefahrenem<br />

Asphalt und uraltem Kopfsteinpflaster<br />

zeigen sich neben der rechten<br />

Tunnelwand an vielen Stellen die seit fast 50<br />

Jahren stillgelegten Schienen. <strong>Als</strong> hier <strong>noch</strong><br />

Straßenbahnen entlang fuhren, war der Tunnel<br />

<strong>noch</strong> ein Schmuckstück.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

29


Betriebe<br />

Hinweise zur Örtlichkeit<br />

Den Matenatunnel erreicht man direkt mit der<br />

Straßenbahnlinie 901 an der Haltestelle Matena -<br />

straße. Bis zu den Gleisresten im ehemaligen<br />

<strong>Als</strong>um sind es von hier aus etwa zehn Minuten<br />

Fußweg. Direkt dahinter befindet sich der <strong>Als</strong>umer<br />

Berg – Industriefotografen verirren sich gerne<br />

hierher. Denn von der Anhöhe aus hat man<br />

im wahrsten Sinne so weit das Auge reicht einen<br />

fantastischen Blick auf die ausgedehnten Industrieflächen<br />

– besonders bei Nacht empfehlenswert.<br />

Wer bei Nacht auch <strong>noch</strong> das morbide<br />

Bruckhausen erkunden möchte, der sollte<br />

allerdings vorsichtshalber Pfefferspray einstecken.<br />

CHL<br />

Direkt hinter dem Matena-Tunnel hält die Linie<br />

901 an der Matenastraße. Nach dem Groß -<br />

flächenabriss wird die Bahn hier in einigen Jahren<br />

am Rande eines Parks halten C. LÜCKER<br />

Heute sind die Wände verschmutzt, da wo<br />

überhaupt <strong>noch</strong> Fliesen hängen, kann man<br />

das besonders gut sehen. Es tropft von der<br />

Decke, der Putz bröckelt. Plötzlich beginnen<br />

die maroden Wände des Tunnels zu vibrieren.<br />

Ein lautes Dröhnen setzt ein. Ein mulmiges<br />

Gefühl macht sich breit, aber es ist nur<br />

Schaurig und verschlungen<br />

ist der<br />

Matenatunnel unter<br />

dem Thyssengelände.<br />

Aber keine<br />

Angst … die Meterspurgleise<br />

sind ja<br />

bei uns!<br />

C. LÜCKER<br />

ein Zug, der irgendwo über dem Tunnel hinweg<br />

fährt … Schnell raus da! Nach etwa 500<br />

Metern Geschlängel ist das Ende des Tunnels<br />

erreicht. Die Gleisreste von Duisburgs<br />

„Meterspur-U-Bahn“ enden direkt an der<br />

Ausfahrt des Tunnels. Auf der querenden<br />

Kaiser-Wilhelm-Straße hält heute die normalspurige<br />

Linie 901 an der Station Matenastraße<br />

auf der Fahrt nach Mülheim oder<br />

Obermarxloh. Hier beginnt also die Zivilisation.<br />

Wenn man das so nennen mag! Denn<br />

Teile Bruckhausens werden das gleiche<br />

Schicksal ereilen wie <strong>Als</strong>um. Ganze Häuserreihen<br />

entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße<br />

werden in den nächsten Jahren abgerissen<br />

und die Flächen in einen Park umgewandelt.<br />

Viele Straßenzüge stehen heute schon komplett<br />

leer, teilweise werden die Bauten unter<br />

katastrophalen Bedingungen von Illegalen<br />

behaust. Aber die meisten der einst stolzen<br />

Vorkriegsbauten sind nur <strong>noch</strong> verlassene<br />

und verrammelte Ruinen.<br />

Sperrung des Tunnels geplant!<br />

Nachts ist es hier besonders gespenstisch:<br />

Wenn die Thyssen-Kamine Feuer speien und<br />

sich der Hochofen zum Stahlabstich öffnet,<br />

30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Duisburg<br />

Idyllisch mutet die<br />

Endstelle <strong>Als</strong>um an,<br />

als Wagen 426 am<br />

23. Juli 1961 seine<br />

Pause abwartet<br />

E. J. BOUWMAN,<br />

SLG. R. BIMMERMANN<br />

färbt sich der ganze Himmel orange und<br />

hüllt die einsamen Straßen in ein mysteriöses<br />

Licht.<br />

Wer diese faszinierende Ruhrpottkulisse<br />

<strong>noch</strong> erleben will, der sollte sich beeilen.<br />

Denn auch dem Matena-Tunnel geht es an<br />

den Kragen: Spätestens im Sommer 2013 soll<br />

er wegen Baufälligkeit endgültig geschlossen<br />

werden. Die Gleisreste auf der Matenastraße<br />

sind dann nur <strong>noch</strong> mit einem großen<br />

Umweg durch die Industriegebiete über die<br />

<strong>Als</strong>umer Straße zu erreichen.<br />

Einige Duisburger wünschen sich, dass der<br />

Matenatunnel als Denkmal erhalten bleibt,<br />

weil hier sogar schon die legendären Schimanski-Tatorte<br />

drin gedreht wurden. Ein Erhalt<br />

bedeutet aber auch, dass der Tunnel instand<br />

gesetzt wird. Und das dürfte das Ende<br />

des morbiden Charmes und der Gleisreste<br />

bedeuten …<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

Heute ist die Stelle wie ausgelöscht – nur das Gleis erinnert <strong>noch</strong> an alte Zeiten. Im Hintergrund<br />

erhebt sich der <strong>Als</strong>umer Berg, der aus den Trümmern <strong>Als</strong>ums entstanden ist C. LÜCKER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

31


Betriebe<br />

»Bim« muss U-Bahn weichen<br />

Wien: U-Bahn verdrängt östliches Endstück der <strong>Tram</strong>linie Linie 67 Den stark frequentierten<br />

Abschnitt Reumann platz – Oberlaa der Wiener Straßenbahnlinie 67 soll die Verlängerung der<br />

U-Bahn-Linie 1 ersetzen – ein Foto- oder Filmtipp für Freunde der Wiener »Bim«!<br />

In Wien steht – wie schon so oft in den<br />

vergangenen 35 Jahren – der Ersatz einer<br />

Straßenbahn durch die U-Bahn bevor.<br />

Es handelt sich dabei um die Linie<br />

67, deren östlicher Streckenast Reumannplatz<br />

– Oberlaa durch die Verlängerung der<br />

U-Bahn-Linie U1 (derzeit Leopoldau – Reumannplatz)<br />

ersetzt werden soll. Die 4,6 km<br />

lange und bis 2017 fertig zu stellende Strecke<br />

wird dabei genau der Linienführung der<br />

Straßenbahn folgen und im südlichsten Streckenabschnitt<br />

in Niveaulage verlaufen. Aus<br />

diesem Grund muss der 2,5 km lange Abschnitt<br />

Alaudagasse – Oberlaa spätestens<br />

Anfang 2014 stillgelegt werden. Im Bereich<br />

Alaudagasse ist für die zweite Jahreshälfte<br />

2013 der Bau einer provisorischen Wendeschleife<br />

geplant und ab hier müssen die Fahrgäste<br />

bis 2017 in einen Schienenersatzverkehr<br />

umsteigen.<br />

Ein genaues Datum für den Rückzug der<br />

Straßenbahn wurde <strong>noch</strong> nicht bekannt gegeben,<br />

da sich die Wiener Linien bereits im<br />

Vorfeld mit massiven Protesten der Anwohner<br />

einer großen Plattenbausiedlung (Per-Albin-Hansson-Siedlung<br />

Ost) konfrontiert sehen.<br />

Beklagt wird aber nicht nur der jahrelange<br />

Umsteigezwang während der Bauarbeiten,<br />

Widerstand regt sich auch gegen die<br />

längeren Wegzeiten nach Fertigstellung der<br />

U-Bahn. Zwischen der Alaudagasse und der<br />

Endstelle Oberlaa wird die U1 im Gegensatz<br />

zur Straßenbahn (vier Haltestellen) nämlich<br />

nur eine einzige Haltestelle besitzen und es<br />

ist kein parallel führender Oberflächenverkehr<br />

geplant.<br />

Zu allem Überdruss muss auch ein Wald<br />

gefällt werden, den die Linie 67 heute durchfährt<br />

und der den Bewohnern der angren-<br />

32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Österreich: Wien<br />

OBEN Im Februar 2013 waren womöglich letztmalig Winterbilder der Linie 67 im Bereich der Per-Albin-Hansson-Siedlung<br />

Ost möglich. Hier ist die Trasse von dichten Baumreihen gesäumt, die den U-Bahn-Bauarbeiten zum Opfer fallen sollen<br />

LINKS Die Endstelle „Oberlaa, Therme Wien“ besitzt<br />

ein Vorfahrgleis. Für Hotelgäste wird der<br />

Anschluss an den ÖPNV in <strong>Zukunft</strong> nicht mehr<br />

so komfortabel sein, denn die U-Bahn-Endstelle<br />

entsteht ca. 300 m weiter westlich. Im August<br />

2012 ersetzte die Linie 66 zwischen Reumannplatz<br />

und Karlsplatz die U1 und ermöglichte eine<br />

umsteigefreie Fahrt ins Stadtzentrum<br />

UNTEN Der Ausschnitt aus dem Wiener Straßenbahnnetz zeigt die ausschließlich<br />

im 10. Bezirk (Favoriten) verkehrende Linie 67 und die in<br />

Bau befindliche U1-Verlängerung<br />

ALLE ABBILDUNGEN & GRAFIK: W. KAISER<br />

UNTEN Der mit Totalwerbung versehene B 609<br />

befährt am 3. Oktober 2012 den Abschnitt Per-<br />

Albin-Hansson-Siedlung Ost – Laaerbergstraße.<br />

In diesem Bereich wird eine Abstellanlage<br />

für neun U-Bahn-Langzüge entstehen<br />

zenden Plattenbauten heute ein hohes Maß<br />

an Lebensqualität bietet.<br />

Der in Kürze stillzulegende Streckenabschnitt<br />

wurde in mehreren Etappen eröffnet.<br />

Die Strecke (Lehmgasse/heute: Altes Landgut<br />

–) Alaudagasse – Rothneusiedl entstand<br />

im Dezember 1914 und diente der Anbindung<br />

einer kriegswichtigen Munitionsfabrik.<br />

1959 wurde die stumpfe Endstelle in Rothneusiedl<br />

durch eine Wendeschleife ersetzt<br />

und 1960 erfolgte der zweigleisige Ausbau<br />

der Strecke. Am 20. Dezember 1972 konnte<br />

die Verlängerung bis zur eben fertig gestellten<br />

„Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost“<br />

in Betrieb genommen werden und seit 18.<br />

Februar 1974 reicht die Strecke bis zum damals<br />

neu eröffneten „Kurzentrum Oberlaa“<br />

(seit September 2010: „Oberlaa, Therme<br />

Wien“). Zunächst bot hier die Linie 167 eine<br />

direkte Verbindung ins Stadtzentrum<br />

(„Kärntner Ring, Oper“), seit der Eröffnung<br />

des ersten U1-Abschnittes am 25. Februar<br />

1978 dient aber die neu eingerichtete Linie<br />

67 als U-Bahn-Anschluss. Sie bedient seither<br />

auch den Streckenast Quellenplatz – Raxstraße<br />

der ebenfalls anlässlich der U1-Eröffnung<br />

eingestellten Linie 66. Im Zusammenhang<br />

mit der Errichtung neuer Wohnsiedlungen<br />

wurde diese Strecke in den Jahren<br />

1980 und 1989 verlängert und endet heute<br />

am Otto-Probst-Platz. Die Linie 67 entwickelte<br />

sich zu einer der fahrgaststärksten<br />

Straßenbahnlinien Wiens (ca. 20.000 Fahrgäste<br />

pro Tag) und verkehrt in Spitzenzeiten<br />

mit bis zu 25 Kursen in Intervallen von drei<br />

Minuten. Nach der Eröffnung der U1 nach<br />

Oberlaa im Jahre 2017 wird die Linie 67 nur<br />

<strong>noch</strong> den Abschnitt Otto-Probst-Platz – Reumannplatz<br />

befahren. WOLFGANG KAISER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

33


Betriebe<br />

Aus für erste andalusische <strong>Tram</strong><br />

Straßenbahnbetrieb in Vélez-Málaga weiterhin eingestellt Der 2006 eröffnete Betrieb Vélez-<br />

Málaga – Torre del Mar sollte wieder Teil einer Küstenbahn zwischen Málaga und Vélez werden.<br />

Doch das Projekt ist gescheitert – vorhandene Fahrzeuge werden womöglich nach Sydney veräußert<br />

Einzige ausgebaute und in Betrieb genommene Endstation der Tranvía de Vélez; Wagen 002 im<br />

Zentrum von Torre del Mar (Mai 2012)<br />

ALLE AUFNAHMEN: P. HOLLBACH<br />

Bereits seit 4. Juni 2012 ersetzen Busse<br />

den Straßenbahnbetrieb zwischen<br />

der spanischen Kreisstadt Vélez-Málaga<br />

und ihrem Vorort Torre del Mar<br />

an der Mittelmeerküste. Nach knapp sechs<br />

Einsatzjahren erscheint ein Weiterbetrieb der<br />

<strong>Tram</strong> aus Kostengründen derzeit unwahrscheinlich.<br />

Torre del Mar in der Region Axarquía der<br />

andalusischen Provinz Málaga, etwa 28 km<br />

östlich von der Provinz-Hauptstadt Málaga<br />

entfernt, mag vielen Deutschen ein vertrauter<br />

Begriff sein. Die örtliche Straßenbahn<br />

bot zwischen Vélez-Málaga und dem<br />

Küstenortsteil eine bequeme und schnelle<br />

Verbindung – allerdings war von den Haltestellen<br />

in Torre del Mar bis zur Strandpromenade<br />

stets <strong>noch</strong> ein Fußweg von 150<br />

bis 300 m erforderlich. Doch es war die erste<br />

moderne Straßenbahnlinie Andalusiens<br />

nach dem großen Straßenbahnsterben in den<br />

1960er- und 1970er-Jahren.<br />

34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Spanien: Vélez-Málaga<br />

LINKS Die Fahrbahn der Tranvía de Vélez war an vielen Stellen mit blau und weiß lackierten, Haifischflossen genannten<br />

Steinen von der Straße abgetrennt. Diese Steine wurden inzwischen entfernt<br />

GRAFIK: P. HOLLBACH/S. PASCHINSKY<br />

Bei ca. 77.000 Einwohnern in Vélez-Málaga<br />

(2011) – davon ca. 22.000 im Stadtteil<br />

Torre del Mar – soll dieser Inselbetrieb von<br />

Anfang an defizitär gewesen sein. Doch es<br />

gab große Pläne: So war eine Ergänzung bzw.<br />

Erweiterung im Osten nach Nerja mit seinen<br />

Stalaktitenhöhlen und eine Verbindung im<br />

Westen zur Provinzhauptstadt Málaga mit<br />

Anschluss an die spanische Eisenbahngesellschaft<br />

RENFE vorgesehen. Immerhin gab<br />

es von 1908 bis 1968 bereits eine 67 km lange<br />

meterspurige Eisenbahnverbindung vom<br />

Hafen von Málaga über Torre del Mar bis<br />

Vélez-Málaga und darüber hinaus bis Ventas<br />

de Zafarraya in den Bergen in Richtung<br />

Granada gab, zuerst mit Dampfbetrieb, später<br />

mit Dieseltriebwagen.<br />

Von dieser Eisenbahn existieren einige Stationsgebäude<br />

bis heute. So wird beispielsweise<br />

das Empfangsgebäude in Torre del<br />

Mar von den regionalen Überlandbussen,<br />

ehemals der Busgesellschaft <strong>Als</strong>ina Graells,<br />

heute von ALSA (Automóviles Luarca, S.A.),<br />

dem spanischen Zweig des britischen Unternehmen<br />

National Express Group, für das<br />

Personal benutzt.<br />

Der Straßenbahnbau<br />

Die Straßenbahn wurde 2003 auf Initiative<br />

des damaligen Bürgermeisters von Vélez-<br />

Málaga projektiert. Den Bau finanzierten<br />

Gelder vom Europäischen Fond für regio-<br />

Technische Daten der Tranvía de Vélez-Málaga<br />

Streckenbau:<br />

Außerhalb der Stadtmitten zweigleisige Schienenverbindung auf eigenem Schienenbett. Innerhalb der<br />

Städte teilweise eingleisige Strecken. Abtrennung der Fahrbahn vom Straßenverkehr durch Grenzsteine,<br />

wegen ihrer Form Haifischflossen genannt. Nach Einstellung des Verkehrs wurden sie 2012 beseitigt. Es<br />

gibt keine Kehrschleifen.<br />

Verkehrsfrequenz zu den Hauptverkehrszeiten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 min.<br />

Fahrzeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 min.<br />

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />

Höchstgeschwindigkeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überland 70 km/h<br />

Fahrstrom: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 750 V (wegen Gleichstrom doppelter Schleifer-Fahrdraht)<br />

Fahrzeuge<br />

Drei Zweirichtungsfahrzeuge als fünfgliedrige Züge, davon waren jeweils zwei im Einsatz. Die beiden äußeren<br />

Steuerwagenteile ruhen in Wagenmitte auf je einem zweiachsigen Antriebsgestell mit vier gefedert<br />

gelagerten Antriebsmotoren in Längsrichtung. Der Mittelteil läuft auf einem antriebslosen zweiachsigen<br />

Fahrgestell, dazwischen hängt der zweite und vierte Fahrzeugteil frei über den Schienen. Die Räder<br />

werden über Gummielemente und Schraubenfedern abgestützt. Die Wagen haben Klimaanlagen sowie<br />

innen optische und akustische Anzeigen der nächsten Haltestelle.<br />

Hersteller: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles)<br />

Länge über alles: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31.260 mm<br />

Breite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.650 mm<br />

Höhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.390 mm<br />

Einstiegshöhe über SO:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300 mm<br />

Motorenleistung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 x 70 kW<br />

Anfahrbeschleunigung:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,2 m/s²<br />

Höchstgeschwindigkeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 km/h<br />

Anzahl Sitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54<br />

Stehplätze:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

35


Betriebe<br />

Wagen 001 hat Anfang Mai<br />

2012 aus Vélez kommend<br />

das Stadtgebiet von Torre<br />

del Mar erreicht<br />

Quellen<br />

• Hemeroteca (Archiv) der Tageszeitung SUR, diverse<br />

Beiträge 2006 bis 2013<br />

• Publicación de la Associació d’amics del ferrocarril<br />

de Barcelona CARRIL 71 junio 2012<br />

• Internet www.docutren.com/archivos/malaga.<br />

Lourdes Royo Naranjo, IV Congreso Historia<br />

Ferroviaria<br />

• www.tranviadevelez.com<br />

• <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 1/2008, S. 56–60:<br />

„Unter südlicher Sonne – Neue Straßenbahnen<br />

in Südspanien“<br />

nale Entwicklung und der Autonomieregierung,<br />

der Junta de Andalucía.<br />

Die Errichtung der 4,7 km langen Strecke<br />

zwischen den Zentren von Torre del Mar<br />

und Vélez-Málaga hat einschließlich Elektrifizierung,<br />

Depotgebäuden und Werkstattausrüstung<br />

25 Mio. Euro gekostet. Eine<br />

Verlängerung um 1,3 km innerhalb der Stadt<br />

Vélez zum ehemaligen Bahnhof der Schmalspurbahn<br />

Málaga kostete weitere 8 bis<br />

10 Mio. Euro, wurde aber „aus Kostengründen“<br />

nie in Betrieb genommen. Im Juli<br />

2011 <strong>hatte</strong> ein Lkw mit Laderkran die Oberleitung<br />

auf einer Länge von ca. 1 km heruntergerissen.<br />

Für die Reparatur dieses Schadens<br />

fehlten die Finanzen.<br />

Die Planung der 17 km langen Verbindung<br />

von Torre del Mar nach Rincón de la Victoria<br />

als Anschluss zur zukünftigen Metro von<br />

Málaga wurde 2006/07 offiziell in Auftrag<br />

gegeben. Doch dieses Streckenstück wurde<br />

besonders von den Bürgermeistern der Endstationen<br />

Vélez-Málaga und Rincón de la<br />

Victoria heftig bekämpft, da man für die<br />

Küste eine vollwertige Eisenbahnverbindung<br />

verlangt, ähnlich der Strecke zwischen Málaga<br />

Centro und Fuengirola. Rincón de la<br />

Victoria besteht auf der Priorität für den Bau<br />

des Metroanschlusses mit Málaga.<br />

Der Betrieb der Straßenbahn<br />

Der Betrieb der Straßenbahn wurde 2006 der<br />

Gesellschaft Tranvía de Vélez S.A. (TRA-<br />

VELSA) für 25 Jahre übertragen. In der Konzession<br />

garantierte die Stadtverwaltung der<br />

TRAVELSA Einnahmen von jährlich mindestens<br />

1,1 Mio. Fahrgästen sowie zusätzlich<br />

die Vergütung von 25 Prozent der tatsächlichen<br />

Kosten pro Fahrgast (tarifa técnica genannt).<br />

Diese tarifa técnica war 2006 mit<br />

Das Innere eines der Zweirichtungs-Gelenktriebwagen.<br />

Hergestellt wurden die drei<br />

Wagen vom nordspanischen Unternehmen<br />

CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferro -<br />

carriles mit Sitz im baskischen Beasain)<br />

1,42 Euro bestimmt und der Fahrpreis wurde<br />

mit 1,30 Euro festgelegt, was eine entsprechende<br />

Subvention der Stadtverwaltung<br />

erforderte. Doch die projektierte Mindestfahrgastzahl<br />

wurde niemals erreicht. Waren<br />

es im ersten Betriebsjahr wenigstens <strong>noch</strong><br />

900.000, so fiel diese Zahl bis 2011 auf ca.<br />

676.000. Das erhöhte die tatsächlichen Kosten<br />

pro Fahrgast auf 1,82 Euro, womit der<br />

Zuschuss der Stadtverwaltung pro Fahrschein<br />

auf 0,52 Euro stieg. Die Außenstände<br />

der Stadtverwaltung gegenüber der TRA-<br />

VELSA haben sich bis Ende vorigen Jahres<br />

auf insgesamt 2,1 Mio. Euro summiert.<br />

Die Inbetriebnahme der Verlängerung hätte<br />

die tarifa técnica auf 2,70 Euro und bei<br />

Einsatz des dritten Zuges auf 3,20 Euro erhöht,<br />

weshalb man von einer Eröffnung der<br />

Verlängerung Abstand genommen <strong>hatte</strong>.<br />

Ganz unabhängig davon, ob die Straßen-<br />

36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Spanien: Vélez-Málaga<br />

Von Vélez Málaga kommend<br />

biegt die Trasse der Tranvia<br />

in die Hauptstraße Avenida<br />

de Andalucia zur Endstation<br />

Torre del Mar ein. Zwischen<br />

Torre del Mar und Vélez<br />

Málaga benutzt sie ein eigenes<br />

zweigleisiges Gleisbett<br />

bahn überhaupt einen Meter fährt, hat die<br />

Stadtverwaltung seit 2006 jährlich 540.000<br />

Euro für die drei Straßenbahnwagen abzuzahlen.<br />

Warum aufgrund der Kostensteigerung<br />

der Fahrpreis niemals erhöht wurde,<br />

dazu nahm der aktuelle Bürgermeister von<br />

Vélez-Málaga nicht Stellung.<br />

Die Einstellung<br />

Nachdem die TRAVELSA bereits im Jahr<br />

2011 aufgrund von der Stadtverwaltung<br />

nicht beglichenen Forderungen den Vertrag<br />

zum Betrieb aufheben wollte, verkehrte die<br />

Straßenbahn am 3. Juni 2012 bisher zum<br />

letzten Mal. Seitdem übernehmen „vorläufig“<br />

Busse die Leistungen.<br />

Die inzwischen von einem neuen Bürgermeister<br />

geführte Stadtverwaltung übt nun<br />

auf die Junta de Andalucía und damit indirekt<br />

auch auf die spanische Regierung aus,<br />

sich an der Betriebskostenfinanzierung zu<br />

beteiligen. Immerhin <strong>hatte</strong> die Autonomieregierung<br />

gemeinsam mit dem abgewählten<br />

alten Bürgermeister 2005/06 ganz maßgeblich<br />

den Bau der Straßenbahn durchgesetzt.<br />

Um den Druck auf die Junta de Andalucía<br />

zu erhöhen, wurde inzwischen auch die<br />

Weggabe der Straßenbahnwagen ins Gespräch<br />

gebracht. Die Stadtverwaltung prüfe<br />

derzeit, die drei Fahrzeuge nach Australien<br />

zu vermieten oder zu verkaufen. Die Stadt<br />

Sydney habe diesbezügliches Interesse an den<br />

Im Bereich der Haltestelle Azucarera (im Osten von Torre del Mar an der Avenida de Andalucia)<br />

dienten auch in Spanien übliche Pfosten zur Abtrennung von Schienen- und Straßenverkehr<br />

Wagen geäußert. Juristisch sprechen hingegen<br />

mehrere Argumente gegen dieses Vorhaben<br />

– es bleibt spannend!<br />

Was mit den seit 2005 verlegten Gleisanlagen<br />

wird, bleibt somit offen. Ob darauf jemals<br />

wieder Straßenbahnen verkehren, ist<br />

demnach unklar. Der aktuelle Ersatzbusbetrieb<br />

führte übrigens zu einem weiteren dramatischen<br />

Fahrgastrückgang …<br />

PETER HOLLBACH<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

37


Fahrzeuge<br />

Tausendsassa<br />

aus Rheine<br />

Die Schleifwagen der Fa. Windhoff <strong>Als</strong> Arbeitswagen<br />

werden oftmals dafür umgebaute Linienwagen genutzt,<br />

Spezialanfertigungen ab Werk sind die Ausnahme. Mit dem<br />

Bau eines Schleifwagens für die Metro Ankara trat 1994 die<br />

Firma Windhoff in diesen überschaubaren Markt ein<br />

Triebdrehgestell des Freiburger Schleifwagens; gut zu erkennen die Elastomer-Primärfederung<br />

und die Magnetschienenbremse<br />

ALLE AUFNAHMEN, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: W. WOLFF<br />

Flotte Sprüche zieren die Schleif -<br />

wagen verschiedener Betreiber, hier<br />

den 1997 gebauten der Dresdner<br />

Verkehrsbetriebe<br />

M. SPERL<br />

Mit der Lieferung eines Schleifwagens<br />

für die Metro Ankara an<br />

den Generalunternehmer Siemens<br />

trat die Firma Windhoff<br />

aus Rheine im Jahr 1994 in einen Markt ein,<br />

der Jahrzehnte von der Firma Schörling Waggonbau<br />

in Hannover beherrscht wurde (siehe<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 11/2012);<br />

diese beendete Anfang der 1970er-Jahre die<br />

Fertigung von Straßenbahn-Schienenschleifwagen.<br />

Das Fahrzeug von Windhoff<br />

für Ankara wies einige Besonderheiten, wie<br />

zum Beispiel einen Antrieb durch Hydraulikmotoren,<br />

auf und wurde in dieser Form<br />

nicht weiter gebaut.<br />

Schleifwagen-Serie ab 1995<br />

Im folgenden Jahr produzierte Windhoff für<br />

die Verkehrsbetriebe Basel ein Schienenschleif-<br />

und -reinigungsfahrzeug; dieses stellte<br />

den Beginn einer erfolgreichen Serie von<br />

mittlerweile zwölf Fahrzeugen dar. Während<br />

sich die Schmutzabsaugeinrichtung (die auch<br />

das Fahrzeug der ViP Potsdam aufwies) nicht<br />

bewährte und außer Betrieb genommen wurde,<br />

erwies sich das Konzept der in einem separaten<br />

Schleifdrehgestell eingebauten<br />

Schleifeinrichtung als erfolgreich. Die neuesten<br />

Fahrzeuge wurden 2012 für die VAG<br />

Freiburg und die HKL Helsinki gebaut; die<br />

nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf<br />

diese Wagen; frühere Ausführungen weichen<br />

in Details davon ab.<br />

Technik der neuesten Wagen<br />

Die Fahrzeuge sind als Zweirichtungsfahrzeug<br />

ausgeführt; der Rohbau besteht aus Baustahl<br />

S355J2+N (frühere Bezeichnung St52-3N).<br />

Die beiden klimatisierten Fahrerstände weisen<br />

standardmäßig beidseitig Türen auf, die<br />

Frontscheiben und vorderen Seitenscheiben<br />

sind beheizbar. Jeder Fahrerstand ist mit einem<br />

Fahrersitz und für Begleiter mit zwei<br />

Klappsitzen ausgestattet. Im Fahrerpult sind<br />

alle notwendigen Instrumente und Bedienelemente<br />

angeordnet, als zentrales Element ist<br />

ein Display eingebaut, das bis zum neuen<br />

Fahrzeug für Helsinki mo<strong>noch</strong>rom ausgeführt<br />

ist, die Ausführung für die VAG Freiburg weist<br />

erstmals ein Farbdisplay auf. Neben einer<br />

Funkanlage ist auch eine Radio- und Musikanlage<br />

integrierbar, Raum für weitere kundenspezifische<br />

Einbauten ist vorgesehen. Der<br />

Maschinenraum ist über einen Mittelgang<br />

durchgängig begehbar. Das Maschinenraumdach<br />

ist abnehmbar, dies stellt gegenüber den<br />

ausbaubaren Seitenwandfeldern der Schörling-Fahrzeuge<br />

eine deutlich bessere Lösung<br />

dar, die sich jedoch erst mit den heute verfügbaren<br />

Methoden zur Festigkeitsberechnung<br />

der Wagenkastenstruktur umsetzen ließ.<br />

Im Maschinenraum angeordnet sind u. a.<br />

vier Wassertanks, Wasserversorgungs-, Hy-<br />

38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Windhoff-Schleifwagen<br />

draulik- und Pneumatikaggregate sowie<br />

Umrichter für Fahrmotoren und<br />

Bordnetz 400 V (dreiphasig) und<br />

230 V. Die vier Wassertanks aus Edelstahl<br />

mit einem Fassungsvermögen<br />

von je 750 l weisen ein Mannloch für Instandhaltungsarbeiten<br />

und eine Beheizung<br />

zum Schutz gegen Frost auf. Eine Füllstandanzeige<br />

ist an den Befüllstutzen und am Fahrerpult<br />

vorhanden. Die weiteren Geräte im<br />

Maschinenraum sind in Schränken angeordnet.<br />

Antrieb und elektrische Ausrüstung<br />

Das Fahrzeug kann für eine Fahrdrahtspannung<br />

von 600 oder 750 V konfiguriert werden,<br />

bei den neueren Exemplaren ist dies<br />

auch nachträglich möglich. Der Stromabnehmertyp<br />

kann vom Kunden gewählt werden.<br />

Zur Vorbeugung gegen Vereisung der<br />

Fahrleitungen kann eine Stemmann-Fahrdrahtenteisungsvorrichtung<br />

eingebaut werden;<br />

auch eine Fahrdrahtmesseinrichtung ist<br />

integrierbar. Der Fahrdraht lässt sich dabei<br />

über eine Kamera beobachten. Angetrieben<br />

werden die Wagen von vier wassergekühlten<br />

Asynchronmotoren mit 100 kW Leistung<br />

vom Hersteller SSB, die durch jeweils einen<br />

separaten Umrichter der Firma Breuer angesteuert<br />

werden. Die Motoren sind im Fehlerfall<br />

einzeln ausgruppierbar. Jeder Motor<br />

verfügt über einen eigenen Kühlkreislauf mit<br />

Wasserpumpe und Wasser-Luft-Wärmetauscher<br />

und überträgt sein Antriebsmoment<br />

über ein Stirnradgetriebe auf den Radsatz.<br />

Der Antrieb wird drehzahlgesteuert, das bedeutet,<br />

dass auch in Steigungen und Gefällen<br />

eine konstante Fahrgeschwindigkeit<br />

erzielt wird – ohne über den Fahrhebel<br />

nachregeln zu müssen.<br />

Generatorisches Bremsen bis zum<br />

Stillstand stellt die Standard-Betriebsbremsart<br />

dar. Eine Begrenzung von Netzaufnahme-<br />

bzw. Rückspeisestrom ist möglich,<br />

ebenso ein Betrieb mit reduzierter<br />

Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit kann<br />

über einen veränderbaren Parameter in der<br />

Antriebssteuerung begrenzt werden. Bei<br />

Steuerungsausfall ist Räumfahrt möglich.<br />

Waschhallenfahrt erfolgt mit reduzierter<br />

Fahrspannung. Die mechanische Federspeicherbremse<br />

wird elektrisch gelöst, ein<br />

hydraulisches Notlösen ist möglich. Die<br />

Triebdrehgestelle sind darüber hinaus mit<br />

Magnetschienenbremsen ausgerüstet.<br />

Die vier in den beiden Fahrerräumen angeordneten<br />

Sandungsanlagen mit je 20 l<br />

Sandbehältervolumen haben einen eigenen<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

39


Fahrzeuge<br />

Maßzeichnung der Windhoff-<br />

Schleifwagen; in der Draufsicht<br />

ist eine Schublade für Ersatz-Schleifsteine<br />

ausgezogen<br />

dargestellt<br />

ZEICHNUNG: WINDHOFF,<br />

BEARBEITUNG W. WOLFF<br />

Technische Daten<br />

Länge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12.500 mm<br />

Breite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.200 mm<br />

Höhe über abgesenkten<br />

Stromabnehmer . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.550 mm<br />

Spurweiten . . . . . . . . 1.000 mm oder 1.435 mm<br />

Drehzapfenabstand . . . . . . . . . . . . . . 6.400 mm<br />

Radsatzabstand Triebdrehgestelle . . . 1.800 mm<br />

Radsatzabstand Arbeitsdrehgestell . . 1.860 mm<br />

Treibraddurchmesser<br />

neu/verschlissen . . . . . . . . . . . 700 mm/640 mm<br />

Laufraddurchmesser Arbeitsdrehgestell 400 mm<br />

Gewicht betriebsbereit ohne Wasser . . . . < 31 t<br />

Wasservorrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.000 l<br />

Gesamtgewicht (ohne Schneebürste) . . . . < 34 t<br />

Höchstgeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . 50 km/h<br />

max. Schleifgeschwindigkeit . . . . . . . . . 30 km/h<br />

min. befahrbarer Gleisbogenradius . . . . . . 15 m<br />

min. Gleisbogenradius für Schleifbetrieb . . 25 m<br />

Antriebsleistung. . . . . . . . . . . . . . bis zu 480 kW<br />

Motorleistung . . . . . . . . . . . . 90 kW bis 120 kW<br />

Fahrdrahtspannung . . . . . . . . . . 600 V bis 750V<br />

Steuerungstyp . . . . . . . . . . . . . SPS (Lütze) nach<br />

CAN-OPEN-Standard<br />

Kleinkompressor integriert, der Sandauslauf<br />

ist beheizbar. Das Fabrikat der Sandungsanlage<br />

ist vom Kunden wählbar. Das Fahrzeug<br />

hat Halogenabblend- und -fernscheinwerfer,<br />

Rundumleuchten, Blink- und Rücklichter<br />

sind in LED-Technik ausgeführt. Es weist ei-<br />

Detail der Schleifsteinaufhängung mit Hubzylinder und Wasserzuführung<br />

nen Fahrzeugbus auf; IBIS, IRIS, SIFA, IMU<br />

(Induktives Meldungsübertragungssystem<br />

zur Weichensteuerung) und KWR (Kurzwellenregistriergerät)<br />

sind hierzu kompatibel.<br />

Aufgrund geringer Schallemission ist das<br />

Fahrzeug auch im Nachtbetrieb einsetzbar.<br />

Tauschbares Arbeitsdrehgestell<br />

Das Schleifdrehgestell ist über ein Scherenelement<br />

und Lenker an den Wagenkasten<br />

angebunden; es kann gegen ein Arbeitsdrehgestell<br />

für andere Aufgaben ausgewechselt<br />

werden, dazu muss das Fahrzeug<br />

angehoben werden. Für diesen Fall sind alle<br />

Verbindungen zwischen Arbeitsdrehgestell<br />

und Wagenkasten mit Schnellkupplungen<br />

ausgestattet, was einen Drehgestelltausch in<br />

kurzer Zeit erlaubt. Das Arbeitsdrehgestell<br />

weist einen Achsstand von 1860 mm auf<br />

und ist seitlich um 350 mm verschiebbar.<br />

Ein Radsatz des Arbeitsdrehdrehgestells ist<br />

als „Pendelachse“ gelagert, um auch Gleisverwindungen<br />

befahren zu können – zur Gewährleistung<br />

eines konstanten Abstands<br />

zwischen Werkzeugen (z. B. Schleifbänken)<br />

und Schiene ist nämlich keine Federung zwischen<br />

Radsatz und Drehgestellrahmen vorhanden.<br />

40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Windhoff-Schleifwagen<br />

Windhoff<br />

Rudolf Windhoff gründete im Jahr 1889 in Rheine<br />

eine Textilmaschinenfabrik. Sehr bald aber<br />

schon konzentrierte die Firma ihr Produktangebot<br />

mit Rangierwinden, Drehscheiben, Schiebebühnen<br />

und Spillanlagen auf den Eisenbahnbereich,<br />

später wurden unter anderem auch<br />

Lokomotiven gebaut.<br />

Nach völliger Zerstörung der Fabrikanlagen<br />

im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion<br />

wieder aufgebaut und stetig auf neue Geschäftsfelder,<br />

beispielsweise der Ausrüstung von<br />

Klärwerken, erweitert. Nach Insolvenz der zwischenzeitlich<br />

börsennotierten Windhoff AG übernahm<br />

2002 die Georgsmarienhütte Holding<br />

GmbH das Unternehmen und führt es seitdem<br />

weiter als Windhoff Bahn- und Anlagentechnik<br />

GmbH. Heute produziert Windhoff Fahrzeuge für<br />

den Bau und die Instandhaltung von Gleisen und<br />

Fahrleitungen, zum Frachttransport und für<br />

Lösch- und Rettungszwecke; diese können schienengebunden<br />

oder als Zweiwegefahrzeuge ausgeführt<br />

sein. Darüber hinaus liefert die Firma<br />

Werkstättenausrüstungen bis hin zur Ausstattung<br />

kompletter Schienenfahrzeugdepots für<br />

Straßenbahnen, Metros und Vollbahnen. Der Bereich<br />

Industrietechnik liefert Anlagen zum Transport<br />

schwerer Lasten, überwiegend für die Stahlund<br />

Aluminiumindustrie.<br />

Das Arbeitsdrehgestell kann bei Überführungsfahrten<br />

oder zu anderen Arbeiten wie<br />

beispielsweise Schneeräumen hydraulisch<br />

angehoben werden; ein Hydraulikaggregat<br />

stellt die dafür nötige Energie zur Verfügung.<br />

Das Abheben des Arbeitsdrehgestells erhöht<br />

die Adhäsion der Treibradsätze und damit<br />

das auf die Schienen übertragbare Antriebsmoment.<br />

Für manuelle Reinigungsarbeiten<br />

mittels einer Handlanze (besonders an<br />

Weichen) wird auf Kundenwunsch eine<br />

Hochdruckpumpe eingebaut. Hochdruck-<br />

Sprühleisten zur Fahrwegreinigung und<br />

-bewässerung sind montierbar, auch das<br />

Ausbringen von Herbiziden ist möglich. Einrichtungen<br />

zur Schienen- und Schienenflankenschmierung<br />

sind integrierbar.<br />

Schienenschleifeinrichtung<br />

Die Schleifeinrichtung im Schleifdrehgestell<br />

besteht aus vier Schleifbänken mit jeweils drei<br />

Rutschersteinen, welche mit maximal 8,4 kN<br />

(entspricht max. 840 kg Gewichtskraft) je<br />

Schleifbank hydraulisch auf die Schiene gepresst<br />

werden. Diese Anpresskraft ist über<br />

die SPS-Steuerung variabel einstellbar, der<br />

übliche Wert liegt bei etwa 5 kN je Schleifbank.<br />

Die optimale Anpresskraft ist abhängig<br />

vom verwendetem Schleifmaterial sowie<br />

Art, Härte und Verschleißzustand der Schiene.<br />

Der Schleifvorgang kann über eine Kamera<br />

und einen Monitor im Fahrerstand<br />

Der Freiburger Tw 406 im Werk Rheine in bereits fortgeschrittenem Montagezustand (Mai 2012)<br />

überwacht werden. Das Schleifen erfolgt mit<br />

Wasserkühlung, eine hinter den Schleifsteinen<br />

angeordnete Düse spült das abgeschliffene<br />

Gemenge aus Schienenstahl und Schleifmittel<br />

weg. Die Wassermenge ist über<br />

Handventile einstellbar. Die Schleifsteine<br />

werden durch Schwalbenschwanzführungen<br />

gehalten; ein Satz Schleifsteine ist nach etwa<br />

einer Personal-Fahrschicht abgenutzt.<br />

Das Erreichen der Verschleißgrenze der<br />

Rutschersteine wird dem Fahrer am Fahrpult<br />

angezeigt. Die Schleifkörper können unterwegs<br />

getauscht werden mithilfe des an Bord<br />

befindlichen Druckluftschraubers. Ersatz-<br />

Schleifsteine werden in Schubladen mitgeführt,<br />

die im Untergestellbereich angeordnet<br />

sind. Bei Frostgefahr ist ein Freiblasen der<br />

Wasserleitungen über die Pneumatikanlage<br />

erforderlich.<br />

Technologien zum Schleifen ...<br />

Es ist zu unterscheiden zwischen „Pflegeschleifen“<br />

als kontinuierlichem Schleifen und<br />

dem intensiven Schleifen zur Beseitigung von<br />

Riffeln, Wellen oder „Girlanden“ mit sehr<br />

häufigem Überfahren der betroffenen Gleisabschnitte.<br />

Auch beim Pflegeschleifen ist ein<br />

häufigeres Überfahren einzelner Strecken-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

41


Fahrzeuge<br />

An ein Triebdrehgestell montierbare Fräseinheit zur Entfernung von Eis<br />

aus der Schienenrille<br />

Hochdruck-Sprühleiste zur Fahrwegreinigung und -bewässerung,<br />

unterhalb des Fahrerstands angeordnet<br />

abschnitte in kürzeren Abständen mit anschließend<br />

längerer Pause effektiver als ein<br />

gleichmäßiges Befahren des Gesamtnetzes.<br />

Verschiedene Schleifmittel mit unterschiedlichen<br />

Korngrößen und Bindemitteln<br />

stehen zur Verfügung für den Pflegeschliff<br />

und zur Riffelbeseitigung (bei höherem Anpressdruck)<br />

sowie zum Schleifen vor Inbetriebnahme<br />

einer neuen Strecke. Die Firma<br />

Wirthl aus Niederzirking in Oberösterreich<br />

– deren Werksgelände der ehemalige Essener<br />

Schörling-Schleifwagen 612 ziert – liefert<br />

die werksseitig verbauten Schleifsteine.<br />

Dieser Lieferant hat sich dadurch hervorgetan,<br />

dass er auf Kundenwunsch die Schleifmittel<br />

auf den jeweiligen Betrieb mittels aufwändiger<br />

Untersuchungen abstimmt.<br />

... und zur Spurrillenreinigung<br />

Unterhalb des Gefrierpunkts ist Schienenschleifen<br />

wegen der Vereisung der Schleifsteine<br />

nicht möglich. Unter diesen Bedingungen<br />

kann anstelle des Schleifdrehgestells<br />

ein Arbeitsdrehgestell mit Rillenkratzern zur<br />

Beseitigung kleinerer Schneemengen, aber<br />

auch von Verschmutzungen der Schienenrille<br />

eingebaut werden.<br />

Diese Kratzer – je einer pro Schiene – muss<br />

im Bereich von Weichen, Kreuzungen etc.<br />

vom Fahrer per Knopfdruck angehoben werden,<br />

um Schäden zu vermeiden. Zur Sicherheit<br />

ist jedoch auch ein Kollisionsschutzsystem<br />

eingebaut. Hinter dem Kratzer sind zwei<br />

42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Windhoff-Schleifwagen<br />

Das Fahrerpult ist mit allen erforderlichen Bedienelementen ausgestattet und lässt sich kundenspezifisch ergänzen<br />

OBEN Der Schleif -<br />

wagen für Helsinki<br />

war Ausstellungs -<br />

objekt auf der<br />

Innotrans im September<br />

2012<br />

Übersicht Windhoff-Schleifwagen<br />

Betreiber Spurweite Wagen-Nr. Baujahr Typ<br />

BVB Basel 1000 2330 1995 SRF 60EH<br />

SWA Augsburg 1000 41 1996 SF 40<br />

ViP Potsdam 1435 303 1997 SPF 60<br />

DVB Dresden 1435 201 001 1997 SF 50<br />

EVAG Essen 1000 641 1999 SF 60<br />

EVAG Essen 1435 653 1999 SF 60<br />

BVG Berlin 1435 4556 2000 SF 60<br />

VAG Nürnberg 1435 A16 2004 SF 50<br />

TW Warschau 1435 S1 2006 SF 50<br />

HKL Helsinki 1000 2010 2010 SF 50<br />

VAG Freiburg 1000 406 2012 SF 50<br />

HKL Helsinki 1000 2012 2012 SF 50<br />

mit variabel einstellbarer Drehzahl rotierende<br />

Bürsten von im Neuzustand 400 mm<br />

Durchmesser angeordnet. Diese können angehoben<br />

und auch seitlich herausgeschwenkt<br />

werden. Nur eine Arbeitsfahrtrichtung ist<br />

hierbei möglich.<br />

Geplante Arbeitsgestellbauart<br />

Ein weiteres projektiertes Reinigungsdrehgestell<br />

mit rotierenden Stahlbürsten dient der<br />

Schienenkopfreinigung; das Prinzip ähnelt<br />

demjenigen des früheren, in Göteborg umgebauten<br />

Schörling-Wagens der HKL Helsinki.<br />

Diese Arbeitsdrehgestell variante wurde<br />

jedoch bislang <strong>noch</strong> nicht realisiert. Das<br />

jeweils eingebaute Arbeitsdrehgestell wird<br />

von der speicherprogrammierbaren Steuerung<br />

erkannt, diese stellt dem Fahrer dadurch<br />

die entsprechenden Einstellmöglichkeiten<br />

(Schleifdruck, Bürstendrehzahl etc.)<br />

zur Verfügung.<br />

Auch für Winterdienst geeignet<br />

Zur Entfernung größerer Schneemengen aus<br />

dem Gleisbereich kann der Wagen front seitig<br />

mit einem Schneepflug (wie beispielsweise<br />

beim Fahrzeug für Warschau vorhanden)<br />

oder mit einer rotierenden Schneebürste des<br />

Herstellers Zaugg aus Eggiwil in der Schweiz<br />

ausgerüstet werden, dazu ist die Albert-<br />

Kupp lung abzubauen. Eine Breite der<br />

Bürsten walze von 2.300 mm und ein Bürstendurch<br />

messer bis zu 900 mm kann vorgesehen<br />

werden. Die Schneebürste wird über<br />

ein Summiergetriebe von zwei Elektromotoren<br />

zu je 30 kW Leistung in Rotation versetzt,<br />

die von einem separaten, im Maschinenraum<br />

angeordneten Wechselrichter<br />

Der Maschinenraum ist mit Wassertanks, Steuer-<br />

und Leistungselektronik, Hydraulikaggregaten<br />

usw. ausgefüllt<br />

gespeist werden. Die Bürste ist durch vom<br />

Fahrerpult aus gesteuerte Hydraulikzylinder<br />

vertikal und seitlich (zum vollständigen Bearbeiten<br />

auch des erweiterten Lichtraums in<br />

Gleisbögen) beweglich. Der Winkel zum Abführen<br />

des Schnees ist einstellbar. Wenn sich<br />

der Bürstenwalzendurchmesser durch Verschleiß<br />

um etwa 270 mm verringert hat,<br />

muss die Bürste erneuert werden. An der<br />

Front eines Triebdrehgestells lässt sich anstelle<br />

des Bahnräumers eine Rillenfräse mit<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

43


Fahrzeuge<br />

In skandinavischen<br />

Wintern hat sich das<br />

Arbeitsdrehgestell<br />

mit Rillenkratzern<br />

und Bürstenwalzen<br />

am Wagen 2010 in<br />

Helsinki bewährt<br />

WINDHOFF<br />

Im September 2012<br />

stellte Windhoff<br />

anlässlich der Innotrans<br />

in Berlin ein<br />

solches Drehgestell<br />

einzeln vor<br />

Literatur<br />

• Beschreibungen und Dokumente der Firma<br />

Windhoff, Rheine<br />

• Bröckers, Ulrich: Schienenschleiffahrzeug<br />

Windhoff SF 50 an die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft<br />

Nürnberg ausgeliefert, in: Verkehr<br />

und Technik 2004, Heft 9<br />

• Kübler, Thomas: Der neue Schienenschleif -<br />

wagen A16, in: Die Straßaboh 2/2004, Nürnberg<br />

2004<br />

• Otto, Kurt: Ökonomisches Schienenschleifen,<br />

in: Der Nahverkehr 2011 Heft 3<br />

rotierendem Schneidwerkzeug montieren.<br />

Dieses selbst entwickelte, effektiv arbeitende<br />

System bietet weltweit nur die Firma<br />

Windhoff an. Es dient der Entfernung von<br />

hart gefrorenem Eis aus Rillenschienen, das<br />

sich dort – insbesondere in skandinavischen<br />

Breiten – aus untertags gesammeltem Tauwasser<br />

nach abendlicher Abkühlung bilden<br />

und eine akute Entgleisungsgefahr verursachen<br />

kann. Die Räumung der Schienenrille<br />

erfolgt dabei mit einer maximalen Arbeitsfahrgeschwindigkeit<br />

von 3 km/h soweit, wie<br />

es für den Fahrbetrieb erforderlich ist. Die<br />

Schienenrille kann nicht bis zu ihrem Grund<br />

frei gefräst werden, da ihre Tiefe abhängig<br />

vom Verschleißzustand der Fahrschiene ist<br />

und ein Kontakt der Fräsmesser mit dem<br />

Schienenstahl ausgeschlossen werden muss.<br />

In Gleisbögen wird die seitliche Position der<br />

Fräswerkzeuge sicher nachgeführt.<br />

Fahrdraht-Enteisungsanlage<br />

von Stemmann<br />

Die Arbeitswagen der Firma Windhoff können<br />

optional mit einer sogenannten Fahrdraht-Enteisungsanlage<br />

ausgerüstet werden,<br />

wobei der Begriff „Enteisung“ in die Irre<br />

führt, da das System eine Vereisung vorbeugend<br />

verhindert. Auf einer gebräuchlichen<br />

Einholm-Dachstromabnehmerkinematik ist<br />

dabei anstelle der Schleifleiste eine Filzrolle<br />

angeordnet. Diese wird von innen mit Glycerin<br />

getränkt, welches über Rohr- und<br />

Schlauchleitungen aus einer im Fahrerraum<br />

angeordneten Anlage druckluftbasiert gespeist<br />

wird. Die Filzrolle rollt während der<br />

Fahrt am Fahrdraht ab und benetzt diesen<br />

mit dem Glycerin, das eine Eisbildung wirksam<br />

verhindert. Überschüssig von der Filzrolle<br />

tropfende Flüssigkeit gelangt in eine<br />

Auffangwanne, von wo aus sie zur Entsorgung<br />

in die Basisanlage zurück geleitet wird.<br />

Pro 100 km werden etwa 20 l Glycerin verbraucht.<br />

Eine Fahrdrahtvereisung kann<br />

durch den Glycerin-Auftrag für zwei bis drei<br />

Tage wirksam unterbunden werden. Die maximale<br />

Betriebsgeschwindigkeit des Fahrzeuges<br />

beim Einsatz der Anlage beträgt circa<br />

30 km/h.<br />

Weitere Einsatzfelder<br />

Neben all den geschilderten Einsatzmöglichkeiten<br />

stellt die ebenso zulässige Verwendung<br />

des Fahrzeugs als Schleppwagen<br />

demnach schon gleichsam eine Unterforderung<br />

dar. Das neue Fahrzeug der VAG Freiburg<br />

weist als Sonderbauform nur jeweils<br />

rechts eine Fahrerstandstür auf; zusätzlich<br />

ist die Wasserdruckanlage über zwei Seitenwanddeckel<br />

auch von außen zugänglich.<br />

Eine Fahrdraht-Messeinrichtung ist eingebaut.<br />

Der 2012 gebaute zweite Wagen der<br />

HKL Helsinki hat in der Wasserversorgung<br />

Hoch- und Niederdruckpumpen eingebaut.<br />

<strong>Als</strong> Besonderheit haben die Wagen in Helsinki<br />

eine bevorzugte Fahrtrichtung, der<br />

zweite Fahrerstand hat nur eine Basisausstattung.<br />

Frontschneebürste und ein Arbeitsdrehgestell<br />

mit Rillenkratzern gehören<br />

zum Lieferumfang.<br />

Ältere Fahrzeuge weisen Ausstattungen<br />

anderer Hersteller auf, beispielsweise hat der<br />

Nürnberger Schleifwagen eine elektrische<br />

Ausrüstung der Firma Refo. Die Schleif- und<br />

Arbeitswagen aus Rheine wurden über viele<br />

Jahre konsequent weiterentwickelt und<br />

haben inzwischen einen sehr stabilen Entwicklungsstand<br />

erreicht, so dass damit den<br />

Betreibern ein zuverlässiges und äußerst flexibel<br />

einsetzbares Arbeitsmittel zur Verfügung<br />

steht.<br />

WINFRIED WOLFF<br />

44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Museumswagen Darmstadt<br />

Seit 2012 sind die Darmstädter Museumswagen in einem neuen Depot an der Wendeschleife am Bahnhof Kranichstein hinterstellt, hier (v.l.n.r.)<br />

Tw 37 (ST2, Bj. 1913), Tw 57 (ST3, Bj. 1925), Tw 31 (ST7, Bj. 1961), Tw 8210 (ST11, Bj. 1982) und Tw 7608 (ST10, Bj. 1977)<br />

HEAG MOBILO<br />

Alte Schätze<br />

unter neuem Dach<br />

Oldtimer im neuen Depot der HEAG mobilo Darmstadts Museumsstraßenbahnwagen stehen<br />

unter einem neuen Dach. Pünktlich zum 100. Firmenjubiläum der HEAG zogen die historischen<br />

Fahrzeuge 2012 in ein neues Depot. Doch das ist nur ein Etappenziel …<br />

Irgendwann in den 1990er-Jahren fiel bei<br />

der damaligen HEAG (Hessische Elektrizitäts-AG)<br />

die Entscheidung, von jedem<br />

ausscheidenden Straßenbahnwagentyp<br />

ein Exemplar zu erhalten. Für den<br />

letzten ST4 im Bestand, Wagen 76, kam diese<br />

Entscheidung zu spät, so dass der Wagen<br />

1990 verschrottet wurde. Zwei ST2 und ein<br />

Beiwagen SB3 sowie ein ST3 waren aber<br />

<strong>noch</strong> vorhanden, und einige Straßenbahnfreunde<br />

<strong>hatte</strong>n bereits den Wagen 37 (ST2)<br />

in einen historischen Zustand zurückverwandelt;<br />

der zweite ST2 Nr. 49 mit dem Beiwagen<br />

132 fuhr als „Kinderstraßenbahn“<br />

viele Jahre an etlichen Wochenenden durch<br />

Darmstadt, um Eltern ein ungestörtes Einkaufen<br />

zu ermöglichen.<br />

Situation nach 1990<br />

Die KSW (ST5) waren bereits früh und unrühmlich<br />

ausgeschieden. Von den ST6 – den<br />

letzten beschafften Zweiachsern vom Verbandstyp,<br />

welche bis Anfang der 1990er-Jahre<br />

im regulären Einsatz standen – waren aber<br />

bereits drei Wagen auf der Erhaltungsliste:<br />

12, 15 und 17 (letzterer für den Partyzug<br />

„Datterich-Express“), zusätzlich Wagen 11<br />

als Schleifwagen. Wagen 12 ersetzte dann<br />

den 17er im Datterich-Express, nachdem<br />

dieser bei einem Brand im Depot Böllenfalltor<br />

irreparabel beschädigt worden war. Ernst<br />

wurde es dann 1998: Die Niederflurtriebwagen<br />

vom Typ ST13 traten auf den Plan<br />

und lösten die hochflurigen Sechsachser der<br />

Typen ST7 und ST8 (Düwag-ähnlich, gebaut<br />

bei Waggon-Union) ab. Drei dieser Wagen<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

45


Fahrzeuge<br />

Der Tw 67 gehört zum 1925 gelieferten Typ ST3. Nach der Ausmusterung gelangte er zum OEG-Museum nach Viernheim und danach zu den<br />

Stadtwerken Worms. Da er dort nicht witterungsgeschützt aufgestellt werden konnte, kam er als Leihgabe zur AG Historische HEAG-Fahrzeuge<br />

mit den Nummern 25, 26 und 31 verblieben<br />

in Darmstadt, die restlichen fanden eine neue<br />

Bleibe im rumänischen Iasi.<br />

Auch die aus Remscheid stammenden ST9<br />

<strong>hatte</strong>n inzwischen im Linienbetrieb ausgedient;<br />

mangels Bezug zu Darmstadt blieb jedoch<br />

vor Ort keiner dieser Triebwagen er-<br />

halten. 2007 schließlich folgte mit den ST14<br />

eine zweite Serie Niederflurwagen, welche<br />

dann auch die <strong>noch</strong> verhältnismäßig jungen<br />

Hochflurwagen der Typen ST10 und ST11<br />

ersetzte. Auch von diesen war je ein Wagen<br />

zur Erhaltung vorgesehen, während die Übrigen<br />

nach Rumänien gingen.<br />

Nicht nur der Bestand an Linienfahrzeugen<br />

wurde größer, auch die Oldtimer-Sammlung<br />

nahm zu. So langsam wurde jetzt der<br />

Platz knapp. Mehrere Stände des Depots<br />

Frankenstein waren inzwischen ausschließlich<br />

mit historischen Fahrzeugen belegt, während<br />

die modernen ST13 und ST14 draußen<br />

Das Fahrpult eines ST3 von 1925, hier im Tw 66: solide, robust und auf das Allernotwendigste<br />

beschränkt. Den Fahrschalter lieferten natürlich die Siemens-Schuckertwerke<br />

UNTEN Die Inneneinrichtung von Wagen 67 ist<br />

<strong>noch</strong> vollständig vorhanden<br />

46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Museumswagen Darmstadt<br />

bleiben mussten. Ein auf Dauer kaum haltbarer<br />

Zustand!<br />

Längst war aus der HEAG die HEAG Verkehrs-GmbH<br />

geworden. 2004 erfolgte in<br />

Hinblick auf Wettbewerbsvorgaben der Europäischen<br />

Union die Umfirmierung und<br />

Aufgliederung in einen Teilkonzern unter<br />

dem Dach der HEAG Holding AG. Die Verkehrssparte<br />

war nun unter dem Namen<br />

„HEAG mobilo“ unterwegs mit den Tochterfirmen<br />

„HEAG mobi<strong>Tram</strong>“ und „HEAG<br />

mobiBus“ (sowie „HEAG mobiServ“ für<br />

den Teil der Buswerkstatt). Seit einigen Jahren<br />

ist auch die Nahverkehrs-Service GmbH<br />

(NVS) eine Tochter der HEAG mobilo. Ihr<br />

Aufgabenfeld sind ebenfalls Busverkehre.<br />

<strong>Tram</strong> im Eisenbahnmuseum<br />

Parallel wurden die Straßenbahnfreunde<br />

rührig, die sich zu einem wesentlichen Teil<br />

aus HEAG-Mitarbeitern rekrutieren, darunter<br />

zahlreiche Straßenbahnfahrer. In Zusammenarbeit<br />

mit dem Eisenbahnmuseum<br />

in Darmstadt-Kranichstein kam 1997 der<br />

ST4-Triebwagen 71, der fast 20 Jahre auf einem<br />

Spielplatz gestanden <strong>hatte</strong>, in das Eisenbahnmuseum.<br />

Zur 100. Betriebsjubiläum der Darmstädter<br />

Straßenbahn im gleichen Jahr gelangte<br />

in Zusammenarbeit mit dem Kranichsteiner<br />

Museum erstmals ein historischer<br />

Dampfzug wieder auf die Gleise der HEAG.<br />

Der „Feurige Elias“ war ein solcher Erfolg,<br />

dass sich im Jahr darauf die „Arbeitsgemeinschaft<br />

Historische HEAG-Fahrzeuge“<br />

gründete. Dieser Verein betreibt seitdem<br />

nicht nur den Dampfzug, sondern kümmert<br />

sich auch um die Erhaltung der historischen<br />

Fahrzeuge. Neben diesen Aufgaben bemühten<br />

sich die Vereinsmitglieder umgehend<br />

RECHTS „Klassische“ Technik im Wagen 67, einem<br />

der ST3-Triebwagen aus dem Jahr 1925<br />

Die Museumsfahrzeuge<br />

Nicht alle Oldtimer-Fahrzeuge der HEAG mobilo sind in Kranichstein untergebracht. Warum nicht? Nun,<br />

einige der Fahrzeuge werden betriebsfähig erhalten und müssen sich in der Hauptwerkstatt auf dem Betriebshof<br />

Böllenfalltor den notwendigen Untersuchungen unterziehen. Außerdem sind <strong>noch</strong> Fahrzeuge<br />

im Zustand der Aufarbeitung, also in einem Zustand, der sich (<strong>noch</strong>) nicht vorzeigen lässt. Eine aktuelle<br />

Bestandsübersicht (nach Baujahren geordnet):<br />

Typ Nummer Baujahr Bemerkungen<br />

ST2 37 1913 In den Originalzustand zurückversetzt<br />

ST2 49 1913 Kinder-Straßenbahn<br />

ST3 57 1925 immer in Darmstadt verblieben, betriebsfähig<br />

ST3 66 1925 Ex-Hilfsgerätewagen, 1977 Schönau, 1994 Naumburg, 2002 zurück<br />

ST3 67 1925 1977 DGEG Viernheim, 1991 Stadtwerke Worms, 2004 zurück<br />

SB3 132 1927 Ex-Kinder-Straßenbahn, seit 2006 im Originalzustand, betriebsfähig<br />

ST4 71 1929 1979 Kindergarten Wixhausen, 1997 Eisenbahnmuseum Kranichstein (1)<br />

ST4 74 1929 1977 Museum Wehmingen (Hannover), 2005 zurück (2)<br />

ST5 507 1948 KSW-Triebwagen, Ex-Augsburg (3)<br />

SB5 171 1948 KSW-Beiwagen, 1977 Schönau, 1995 Naumburg, 2002 zurück (4)<br />

SB6 182 1951 Beiwagen Verbandstyp, immer in Darmstadt<br />

ST6 15 1954 Verbandstyp, immer in Darmstadt<br />

SB6 202 1956 Beiwagen Verbandstyp, 1964 Ex-Regensburg<br />

ST7 25 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />

ST7 26 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />

ST7 31 1961 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />

SB7 154 1965 Beiwagen zu ST7, ST8, ST10, ST11; immer in Darmstadt<br />

ST10 7608 1977 immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />

ST11 8210 1982 erster Achtachser, immer in Darmstadt, betriebsfähig<br />

(1) Wegen starker Schäden auf Grund langer Abstellung im Freien konnte das Fahrzeug nicht erhalten werden. Nach<br />

Rückkehr von Wagen 74 wurde Wagen 71 im Jahr 2005 abgebrochen. Alle <strong>noch</strong> verwendbaren Teile wurden sicher<br />

gestellt, um sie für den Aufbau von Wagen 74 zu verwenden.<br />

(2) Auch Wagen 74 befindet sich in einem schlechten Gesamtzustand, da er in Wehmingen im Freien gestanden hat.<br />

Eine Überführung nach Kranichstein war in diesem Zustand ein zu großes Risiko, so dass der Wagen nach wie vor<br />

geschützt am Frankenstein steht. Sponsoren für einen Wiederaufbau sind willkommen!<br />

(3) Darmstadt besaß fünf KSW-Triebwagen mit den Nummern 81 bis 85. Keiner ist erhalten geblieben. Daher wurde aus<br />

Augsburg Wagen 507 angekauft. Mit der Aufarbeitung wurde begonnen. Die zukünftige Darmstädter Wagennummer<br />

ist <strong>noch</strong> nicht fest gelegt, frei (<strong>noch</strong> nie belegt) wäre in der einschlägigen Nummerngruppe lediglich die 80.<br />

(4) Wagen 171 befindet sich derzeit in der betriebsfähigen Aufarbeitung in der HW Böllenfalltor. Zusammen mit<br />

Tw 507 würde er einen klassischen KSW-Zug repräsentieren.<br />

Auch der Dampfzug „Feuriger Elias“ verbleibt am Frankenstein. Dort gibt es die zu seiner Unterhaltung notwendige Infrastruktur,<br />

außerdem findet er dort seine Einsatzstrecke „vor der Depot-Tür“.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

47


Fahrzeuge<br />

Fast fertig präsentiert sich der KSW-Beiwagen 171. Darmstadt <strong>hatte</strong> 1948/49 neun dieser Beiwagen erhalten, die unter der Typenbezeichnung<br />

SB5 geführt wurden. Nach der Ausmusterung gelangte der Bw 1977 nach Schönau, 1995 nach Naumburg. 2002 kehrte er nach Darmstadt zurück<br />

Blick durch die neue Halle: rechts der zum Arbeits-Tw<br />

umgebaute ST3 66. Das große „H“<br />

steht für „Hilfsgerätewagen“. Er wurde 1977<br />

an einen Privatmann verkauft, gelangte über<br />

Schönau und Naumburg 2002 zur HEAG zurück<br />

auch darum, weitere <strong>noch</strong> erhaltene Fahrzeuge<br />

aus früheren Darmstädter Zeiten nach<br />

Hause zu holen, wobei es einige bemerkenswerte<br />

Erfolge gab (s. Kasten). Aber wohin<br />

damit?<br />

Ein Depot zum 100. Jubiläum<br />

der HEAG Darmstadt<br />

Das für 2012 anstehende 100. Jubiläum der<br />

HEAG gab den Anstoß: Die HEAG mobilo<br />

baut ein neues Depot für ihre historischen<br />

Fahrzeuge! Und die Lokation wurde nicht<br />

ohne Grund gewählt: Innerhalb der Wendeschleife<br />

am Bahnhof Kranichstein, schräg<br />

gegenüber vom Eisenbahnmuseum! Warum<br />

„Depot“ und nicht „Museum“? Der Hintergrund<br />

ist einfach: Ein Museum müsste einen<br />

Platz erhalten, wo auch ein reger Besucherstrom<br />

zu verkraften wäre, ohne die<br />

benachbarten Anwohner zu stören. Solche<br />

Orte, die auch <strong>noch</strong> einen Anschluss an das<br />

Streckennetz der HEAG mobilo haben, sind<br />

in Darmstadt schwer zu finden.<br />

Daher gibt es strenge Restriktionen bezüglich<br />

der Öffnungszeiten: Nur an vier Tagen<br />

im Jahr darf das Depot für die All gemeinheit<br />

geöffnet sein. Es gibt in der Nachbarschaft<br />

so gut wie keine Parkplätze, und<br />

so sind Probleme mit den Anwohnern vorhersehbar,<br />

die man auf ein Minimum begrenzen<br />

möchte. Soweit möglich, wird man<br />

diese Öffnungszeiten mit dem benachbarten<br />

Eisenbahnmuseum abstimmen. Allerdings<br />

sind nach vorheriger Terminvereinbarung<br />

jederzeit Sonderveranstaltungen und<br />

Führungen für begrenzte Teilnehmergruppen<br />

möglich.<br />

Im Juni 2012 wurden die nicht betriebsfähigen<br />

Fahrzeuge vom Betriebshof Fran-<br />

48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Museumswagen Darmstadt<br />

Der Führerplatz von Wagen 15. Im Vergleich zu Wagen 66 sind 30 Jahre technischen Fortschritts deutlich erkennbar: Alles wirkt etwas einladender,<br />

ergonomischer mit Holz und Kunststoff statt Gusseisen. Und in den letzten Betriebsjahren ist sogar etwas Elektronik eingezogen<br />

ST6-Triebwagen 15 gehört zu einer Serie von<br />

neun Fahrzeugen, die 1954 in Dienst gingen.<br />

Er war bis zum Ende des Zweiachser-Einsatzes<br />

im Dienst. Er wird im Zustand des dahinter<br />

sichtbaren Beiwagens restauriert<br />

Termine 2013<br />

Kranichsteiner Eisenbahntage: 9./11./12. Mai<br />

Shuttlebetrieb Hauptbahnhof – Kranichstein<br />

von 11–18 Uhr im Stundentakt mit historischer<br />

Straßenbahn<br />

„Tage der offenen Tür“ im Depot Kranichstein<br />

(gemeinsamer Auftritt unter „Bahnwelt Kranichstein“)<br />

Do, 9. Mai, und So, 12. Mai, von 11–17<br />

Uhr<br />

Dampfstraßenbahn Eberstadt – <strong>Als</strong>bach<br />

19./20./26./30. Mai, 2./9. Juni<br />

Dampfstraßenbahn Darmstadt – Griesheim<br />

1. /8./15./22./28./29. September; am 8. September<br />

zusätzlich mit „historischer Grenzkontrolle“<br />

kenstein nach Kranichstein überführt. Die<br />

„Selbstfahrer“ folgten in den Wochen danach.<br />

Anlagen des Depots<br />

Am 1. September 2012 wurde das neue Depot<br />

anlässlich des konzerneigenen Tags der<br />

offenen Tür eröffnet. Die lichtdurchflutete<br />

Halle bietet auf 5 Gleisen jetzt schon einen<br />

abwechslungsreichen Überblick über die Geschichte<br />

der HEAG-Fahrzeuge. Zahlreiche<br />

historische Fotos, faszinierende Bilder des<br />

Kunstmalers Rainer Ohl sowie eine Modellstraßenbahnanlage<br />

für die Kinder runden<br />

die Ausstellung ab. Eine kleine Küche<br />

ermöglicht die Bewirtung von Gästen und<br />

auch Video-Vorführungen sind möglich.<br />

Der Autor dankt Volker Feick und Peter<br />

Bickelhaupt für ihre wertvolle Unterstützung<br />

beim Erstellen dieses Artikels.<br />

JÖRN SCHRAMM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

49


Geschichte<br />

50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Einst & Jetzt<br />

Einst<br />

& Jetzt<br />

In der Innenstadt der westrumänischen<br />

Stadt Timisoara setzt am 30. August<br />

1982 der Zweiachser-Doppeltriebwagen<br />

154 + 153 auf einem Stumpfgleis für<br />

seine Rückfahrt nach Ronat um. Er<br />

stammt aus den 1950er-Jahren und ist in<br />

Ermangelung ausreichender Pflege auch<br />

optisch deutlich in die Jahre gekommen.<br />

Die Gleisanlagen im Zentrum wurden<br />

später vereinfacht und eine durch die<br />

Altstadt führende Strecke stillgelegt, so<br />

dass an dieser Stelle das auf dem Bild<br />

hinten rechts nicht mehr erkennbare<br />

Gleisdreieck entfallen ist. Das Stumpfgleis<br />

ist auch heute <strong>noch</strong> vorhanden,<br />

jedoch endet hier keine Linie mehr<br />

regelmäßig. Am 9. Juni 2012 fährt ein<br />

ex-Münchner Zug in die Haltestelle an<br />

der Piata Libertatii ein. Er wird von<br />

Trieb wagen 2013 vom Typ P3.16 (1967<br />

bei Rathgeber gebaut) geführt, der im<br />

Jahr 2001 aus Deutschland übernommen<br />

wurde.<br />

TEXT/FOTOS: BERNHARD KUSSMAGK<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

51


Geschichte<br />

Alltagsbetrieb 1951/52: Rechts nimmt ein<br />

Verstärker der Linie 31 (Bahrenfeld, Trabrennbahn<br />

– Billstedt) mit dem betagten<br />

Tw 2250 (Z1P, Baujahr 1895) am Hauptbahnhof<br />

den Bogen vom Steintorwall in<br />

den Steintordamm. Der V5-Zug im Hintergrund<br />

wartet auf Weiterfahrt in Richtung<br />

Lombardsbrücke<br />

ALLE SCHWARZWEISS-AUFNAHMEN: K. LINDOW, SLG. R. SCHULZ<br />

<strong>Als</strong> die »<strong>Als</strong>ter-<strong>Tram</strong>«<br />

<strong>noch</strong> <strong>Zukunft</strong> <strong>hatte</strong><br />

52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Hamburg<br />

<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn in den 1950er-Jahren<br />

Nach 1945 erholte sich die Straßenbahn in der<br />

Hansestadt <strong>noch</strong> einmal. Bis Mitte der 1950er-<br />

Jahre gab es mehrere positive Entwicklungen –<br />

doch damit <strong>hatte</strong> der Betrieb in der Nachkriegszeit<br />

seinen Zenit erreicht. Fortan ging es bergab – bis<br />

schließlich 1978 die letzte <strong>Tram</strong> an der <strong>Als</strong>ter fuhr<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

53


Geschichte<br />

Die bereits auf der vorigen Doppelseite vorgestellte Ecke Steintorwall/Steintordamm aus einem anderen Blickwinkel: Tw 2358 macht sich<br />

etwa 1952 auf der 17,9 Kilometer langen Linie 2 mit einem passenden Beiwagen auf den Weg zur Horner Rennbahn. Im Hintergrund ist das<br />

Hauptpostamt sichtbar, das in den 1920er-Jahren an den hanseatischen Stil angepasst worden war<br />

Seit 1978 gibt es in Hamburg keine<br />

Straßenbahn mehr – eine folgenreiche<br />

Fehlentscheidung der seinerzeit<br />

zuständigen politischen Kräfte, die<br />

bedauerlicherweise trotz warnender Hinweise<br />

von Fachleuten unbeirrt durchgezogen<br />

wurde, obwohl <strong>noch</strong> bis zu Beginn der<br />

1970er-Jahre sinnvolle Korrekturmöglichkeiten<br />

auf der Grundlage des damaligen<br />

Restnetzes bestanden.<br />

Fakt ist, dass die vollmundigen Ankündigungen<br />

und Versprechungen des Hamburger<br />

Senats zur langfristigen Schaffung eines<br />

höherwertigen Ersatzes für die entfallenden<br />

Straßenbahnstrecken durch einen entsprechend<br />

systematischen und großzügigen<br />

Schnellbahnbau weitgehend unerfüllt blieben.<br />

Das Gros der Mitte der 1950er-Jahre<br />

bestehenden Straßenbahnstrecken wurde<br />

nachweislich nicht durch neue U- und<br />

S-Bahnstrecken ersetzt, sondern durch<br />

Omni busse, deren Qualität in puncto Bequemlichkeit<br />

(für den Fahrgast nicht unerheblich…)<br />

und Leistungsfähigkeit deutlich<br />

unter dem Niveau moderner Straßenbahnen<br />

lag und liegt.<br />

Die Hintergründe<br />

Die Hintergründe dieser Fehlentwicklung sind<br />

bekannt: Der hohe Kapitalbedarf für den Bau<br />

neuer U- und S-Bahnstrecken ließ schlussendlich<br />

nur die Realisierung weniger Strecken<br />

zu. Die entstandenen Lücken wurden mit dem<br />

vordergründig „billigen“ Bus gefüllt. Die <strong>noch</strong><br />

lange Zeit mögliche sinnvolle Anpassung des<br />

verbleibenden und durchaus leistungsfähigen<br />

In der Schleife am Bahnhof Harburg haben sich ein Obus und der V3-Tw 3041 (Baujahr 1937) eine<br />

Flankenfahrt geliefert. Wegen Straßenausbaues wurde die Linie 44 am 30. August 1954 eingestellt;<br />

es war nebenbei die höchste Liniennummer, die in Hamburg jemals in Gebrauch war<br />

Diese Tafel am Hbf zeigte mahnend die wöchentlichen<br />

Unfallzahlen. Die Straßenbahn<br />

schneidet dabei um 1952 gut ab!<br />

54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Hamburg<br />

Der frisch revidierte Z1S-Tw 2373 auf einem Verstärkerkurs der Linie 13 (Langenfelde – Bf. Harburg) mit Zielschild „Veddel“ ist am Glockengießerwall<br />

abgelichtet worden. Die Lesbarkeit der kleinen Zielschilder der Verstärker ist recht dürftig; offenbar war man damals der Ansicht,<br />

dass die meisten Fahrgäste sowieso „Stammkunden“ sind und wissen, wohin die Reise geht …<br />

„Straßenbahn-Restnetzes“, teilweise mit erst<br />

wenige Jahre zuvor aufwendig geschaffenem<br />

eigenem Gleiskörper an den Baufortschritt der<br />

U- und S-Bahn-Neubaustrecken (wie z.B. in<br />

München) wurde von den damals zustän digen<br />

Stellen offensichtlich keiner näheren Betrachtung<br />

unterzogen. Das hätte eine Revision des<br />

seinerzeit gefassten Umstellungsbeschlusses<br />

bedeutet, wozu man aus vermutlich internen<br />

Gründen nicht willens war ...<br />

Die Beschränkung auf zwei Verkehrsträger<br />

in Form von Schnellbahn und Omnibus<br />

wurde daher unverdrossen als „fortschrittlich“<br />

und für Hamburg zugleich als „alternativlos“<br />

(wie man heute sagen würde) propagiert<br />

und so nahm die Umstellung der<br />

Straßenbahn ihren Lauf.<br />

Der Neubeginn nach 1945<br />

Dabei <strong>hatte</strong> es nach dem beschwerlichen Neubeginn<br />

im Mai 1945 bis etwa Mitte der 1950er-<br />

Jahre für die Straßenbahn in Hamburg durchaus<br />

verheißungsvoll ausgesehen. Das<br />

Straßenbahnnetz besaß seit Anfang der 1950er-<br />

Jahre wieder eine klare Struktur. Natürlich waren<br />

nach den schweren Zerstörungen im Stadtgebiet<br />

vom Sommer 1943 hauptsächlich in den<br />

Bezirken Altona, Eimsbüttel, Barmbek, Hamm<br />

und Hammerbrook (letzterer seitdem praktisch<br />

unbewohnt, aber inzwischen wenigstens wieder<br />

ein Geschäftsviertel) einige Straßenbahnstrecken<br />

nicht mehr in Betrieb genommen worden,<br />

da dort die Verkehrsströme nun anders<br />

liefen, aber ansonsten war das Vorkriegsnetz<br />

nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar<br />

punktuell erweitert worden.<br />

Manche zweiachsige Trieb- und Beiwagen trugen 1951 <strong>noch</strong> ihren Ursprungslack,<br />

hier Tw 2246. Ab 1946 wurde der elfenbeinfarbene Anstrich<br />

bei Hauptrevisionen durch einen in Rot/Créme ersetzt<br />

Wie hier Tw 2422 am Rathausmarkt so <strong>hatte</strong>n viele Tw die Nummernwürfel<br />

und drehbaren Fahrtzielanzeiger auf dem Dach verloren und<br />

eine nicht unbedingt besser lesbare Rollbandanzeige erhalten<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

55


Geschichte<br />

In der Schleife in Billstedt entstand am 18. August 1958 diese Aufnahme von Straßenbahnwagen der V7-Familie und zeitgenössischen Bussen.<br />

Stolz prangt am Heck des Bw 4211 die Zielanzeige Lurup. Das war die 1955 als letzte Hamburger Neubaustrecke in Betrieb gegangene Verlängerung<br />

von Bahrenfeld nach Westen<br />

R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />

<strong>Hamburgs</strong> Straßenbahnen unterschieden sich …<br />

... von den anderen deutschen Straßenbahnbetrieben – zumindest in den letzten Jahren ihres Bestehens.<br />

Das fing an mit den kantigen, aber durchaus eleganten<br />

Vierachsern der Serien V6 und V7, die seit<br />

1969 die Alleinherrschaft auf <strong>Hamburgs</strong> Schienen<br />

übernommen <strong>hatte</strong>n. Straßenbahnwagen mit den<br />

zeittypischen Rundungen, wie sie in Deutschland<br />

vereinzelt schon in den 1930er Jahren und dann<br />

„in Massen“ seit Anfang der 1950er Jahre flächendeckend<br />

beschafft wurden, <strong>hatte</strong>n in Hamburg<br />

keine Chance. Der einsame PCC-Tw 3060<br />

stand somit nicht nur technisch, sondern auch optisch<br />

auf verlorenem Posten.<br />

Auch die fahrtechnisch nicht sehr überzeugenden<br />

Gelenktriebwagen des Typs VG – Neukarossierungen<br />

auf alten Untergestellen ausgemusterter<br />

Zweiachser – übernahmen <strong>noch</strong> Mitte der<br />

1950er Jahre entgegen dem damals vorherrschenden<br />

Design-Zeitgeist die kantige Formgebung<br />

der V6/V7-Familie – wenn auch in etwas<br />

pausbäckiger Form …<br />

Verjüngende Wagenenden Pflicht<br />

Letztlich war der zulässige Wagenkastenausschlag<br />

in den Gleisbögen – z.B. in der allbekannte „Hüllkurve“<br />

– der Grund für die sich stark verjüngenden<br />

Fahrzeugenden.<br />

Gewiss hätte man die Wagenenden im Stile der<br />

damaligen Zeit etwas „gefälliger“ abrunden können,<br />

wie es auch bei den Probewagen der Serie V4<br />

gemacht wurde, aber das war bei der nachfolgenden<br />

Serie V5 bereits kein Thema mehr gewesen<br />

und möglicherweise auch aufgrund kriegsbedingter<br />

„Entfeinerung“ als betrieblich nicht<br />

notwendig verworfen worden.<br />

Die Optik der 1941/43 beschafften Serie V5<br />

prägte daher weitgehend die Formgebung der Serien<br />

V6 und V7. Viele Betrachter fanden sie damals<br />

wie heute ausgesprochen formschön, elegant und<br />

irgendwie „kernig“ – im Gegensatz zu den „rundgelutschten“<br />

Düwag-Großraum- und Gelenkwagen<br />

und den diversen Konkurrenzprodukten im In- und<br />

Ausland …<br />

Selbstverständlich gab es auch davon Ausnahmen:<br />

der bemerkenswert gut gestaltete Kölner Großraumwagen<br />

von Westwaggon (Serie 1300) aus dem<br />

Jahre 1956 oder die Triebwagentypen N, S und SO<br />

der belgischen SNCV/NMVB aus der gleichen Epoche<br />

– um nur einige zu nennen.<br />

Der Stangenbetrieb bleibt!<br />

Noch ein Alleinstellungsmerkmal war natürlich der<br />

Betrieb mit dem Stangenstromabnehmer – spätestens<br />

seit Ende der 1960er-Jahre in Deutschland ziemlich<br />

abseitig. Aber es funktionierte erstaunlich gut!<br />

Stangenentgleisungen waren eher die Ausnahme.<br />

Der Stangenbetrieb funktionierte weitestgehend problemlos<br />

– natürlich auch dank gut unterhaltener<br />

Fahrleitung.<br />

Die Kontaktrolle klapperte in der Regel bei etwas<br />

reduzierter Geschwindigkeit über Luftweichen und<br />

Luftkreuzungen, dann nahm der Wagen Fahrt auf<br />

und die Rolle gab alsbald ein zischendes Geräusch<br />

von sich, das bei jeder Fahrdrahtklemme kurz unterbrochen<br />

wurde. Hören konnte man dieses zischende<br />

Geräusch recht lange – das muss an der<br />

Frequenz gelegen haben. Bei Obussen fehlt dieses<br />

zischende Geräusch bei der Fahrt, da hier Kontaktschuhe<br />

verwendet werden.<br />

Es wurde trotz Stange übrigens durchweg zügig<br />

und auf manchen Abschnitten regelrecht „rasant“<br />

gefahren! Der Verfasser erinnert sich an eine Tour<br />

mit der Linie 11 von Bahrenfeld nach Harburg, wo<br />

speziell im Abschnitt Veddel – Wilhelmsburg – Harburg<br />

ein bemerkenswertes Tempo angeschlagen<br />

wurde. Da kam Freude auf!<br />

Das Festhalten der Hamburger Straßenbahn am<br />

Stangenbetrieb ist insoweit etwas merkwürdig, als<br />

zum einen bereits gegen Ende der 1930er-Jahre<br />

die Umstellung auf Bügelbetrieb ins Auge gefasst<br />

wurde und zum anderen im Zuge des Wiederaufbaues<br />

des Straßenbahnnetzes nach dem Zweiten<br />

Weltkrieg eine gute Gelegenheit bestand, gleichzeitig<br />

auch zum Bügelbetrieb überzugehen, zumal<br />

am Fortbestand des Straßenbahnbetriebs damals<br />

<strong>noch</strong> kein Zweifel bestand – im Gegenteil! Berlin<br />

– und mit etwas Verzögerung dann München und<br />

Stuttgart sowie Braunschweig und Augsburg nahmen<br />

diese Gelegenheit wahr und stellten auf Bügelbetrieb<br />

um, wobei allerdings in Berlin kurz nach<br />

Abschluss der Umstellung der fatale Stilllegungsbeschluss<br />

fiel …<br />

Hohe Kosten befürchtet<br />

Da die Umstellung der Fahrleitung auf Bügelbetrieb<br />

trotz höherer Störungsfreiheit bei gleichzeitig<br />

geringerem Wartungsaufwand den<strong>noch</strong> zunächst<br />

nicht unbeträchtliche Kosten verursacht<br />

hätte, war man in Hamburg möglicherweise etwas<br />

zögerlicher und zurückhaltender. <strong>Als</strong> Ende der<br />

1950er-Jahre klar wurde, dass die „Restlaufzeit“<br />

der Straßenbahn wohl nur <strong>noch</strong> 20 bis 25 Jahre<br />

betragen dürfte, beließ man es beim Stangenbetrieb,<br />

der ja trotz seiner technischen Rückständigkeit<br />

dem Alltagsbetrieb vollauf gewachsen war.<br />

Die meisten Straßenbahnfreunde nahmen es<br />

mit Freude zur Kenntnis, denn das war ein weiterer<br />

Aspekt, an dem sich <strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn<br />

von anderen Betrieben unterschied.<br />

REINHARD SCHULZ<br />

56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Hamburg<br />

Z1b-Tw 2445 – bereits<br />

mit Rollbandanzeige<br />

– liefert<br />

sich 1952 in der<br />

Mönckebergstraße<br />

ein kleines Wettrennen<br />

mit einem Opel-<br />

Blitz. Im Hintergrund<br />

drängen sich<br />

die Passanten vor<br />

den zahlreichen Geschäften<br />

und Kaufhäusern,<br />

die die<br />

Mönckebergstraße<br />

säumen<br />

Den Anfang machte die größtenteils mit<br />

altbrauchbarem Schienenmaterial aus stillliegenden<br />

Stadtstrecken erbaute Neubaustrecke<br />

von Barmbek, Neuer Schützenhof<br />

nach Bramfeld, die die völlig überlastete Omnibuslinie<br />

D ersetzte und am 16. Mai 1948<br />

eröffnet wurde. In Bramfeld <strong>hatte</strong>n sich nach<br />

Ausdehnung des Hamburger Straßenbahnnetzes<br />

in den 1950er-Jahren mit den Einstellungen<br />

bis zum Jahr 1962<br />

J. PERBANDT<br />

den Zerstörungen im inneren Stadtgebiet<br />

zahlreiche Bewohner angesiedelt, so dass ein<br />

Anschluss an das Straßenbahnnetz erforderlich<br />

wurde.<br />

Im Jahre 1951 gingen weitere seit Kriegsende<br />

nicht mehr genutzte Strecken wieder in<br />

Betrieb: Am 1. Mai wurde die Strecke vom<br />

Rödingsmarkt über Kaiser-Wilhelm-Straße<br />

zum Sievekingsplatz (Linie 6) und die Verbindung<br />

vom Neuen Pferdemarkt über<br />

Schulterblatt und Lappenbergsallee nach<br />

Langenfelde (Linie 33) wieder dauerhaft in<br />

Betrieb genommen.<br />

Weitere Wiederaufbauten<br />

Kurz darauf folgten am 24. Juni 1951 die<br />

Strecken von der Borgfelder Straße über Sievekingsdamm,<br />

Sievekingsallee zur Horner<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

57


Geschichte<br />

Ein Zug der Linie 1 passiert auf der Fahrt nach Billstedt die St.-Pauli-Landungsbrücken, den Haupt-Umsteigepunkt zu den damals stark genutzten<br />

Hafenfähren. Bei der Betrachtung der Aufnahme aus der Mitte der 1950er Jahre mag man kaum glauben, dass <strong>Hamburgs</strong> Straßenbahn das<br />

viel zitierte Verkehrshindernis darstellte<br />

B. BARESCH, SLG. VVM<br />

Der Ende 1951 von der belgischen Firma La Brugeoise et Nivelles in die deutsche Hansestadt gelieferte PCC-Probewagen 3060, hier am 7. September<br />

1954 an der Haltestelle Fr.-Ebert-Damm, Holzmühlenstr. Nach der Entscheidung gegen den Weiterbestand der Straßenbahn blieb er in<br />

Hamburg ein Einzelgänger und kam 1958 nach Kopenhagen<br />

E. IHDE, SLG. HOV<br />

58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Hamburg<br />

1951/52 wurden in rascher Folge 101 Trieb- und 101 Beiwagen des neu entwickelten Großraumtyps V6 ausgeliefert. Sie übernahmen alsbald<br />

den Grundauslauf auf den damaligen Linien 3, 6, 9, 12, 16, 18, 22, und 27. Der Tw 3086 wurde am 11. August 1951 in Dienst gestellt und zeigt<br />

sich ein Jahr danach in der Mönckebergstraße im Auslieferungszustand auf der Linie 18, die damals <strong>noch</strong> als „<strong>Als</strong>terring“ verkehrte<br />

Auch auf der Linie 6 prägen 1952/53 die neuen V6-Züge das Erscheinungsbild. Tw 3159, seit dem 28. März 1952 im Einsatz, wartet einen Fahrgast<br />

am Sievekingsplatz ab und wird sich gleich in Richtung Innenstadt und weiter nach Ohlsdorf in Bewegung setzen. Das damals überall anzutreffende<br />

„Tempo“-Dreirad hält sich in respektvollem Abstand<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

59


Geschichte<br />

LINKS Schienen -<br />

reiniger 1735 dreht<br />

um 1951/52 eine<br />

Runde am Rathausmarkt.<br />

Originell die<br />

angedeutete Fensterteilung<br />

RECHTS Ein vom 1904<br />

gebauten Tw 2492 geführter<br />

Verstärkerzug<br />

der Linie 9 überquert<br />

auf dem Weg in die<br />

Innenstadt ca. 1952/<br />

53 die Kreuzung<br />

Stein tordamm/Steintorwall.<br />

Das Zielschild<br />

„Doro theenstraße“<br />

lässt auf eine Aus setz -<br />

fahrt zum Betriebshof<br />

K (Krohns kamp)<br />

schließen<br />

Hamburger Straßenbahnlinien – Stand Mai 1953<br />

1 Bramfeld (Hellbrook) – Wandsbeker Marktstraße – Jüthorn 5,9 km<br />

2 Schnelsen – Niendorf – Lokstedt – Hoheluft – Grindelallee – Rathausmarkt –<br />

Hauptbahnhof – Horner Rennbahn<br />

17,9 km<br />

3 Eidelstedt – Langenfelde – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Eilbek –<br />

Wandsbek – Tonndorf<br />

18,4 km<br />

6 Othmarschen – Ottensen – Bf. Altona – St. Pauli – Rödingsmarkt – Rathausmarkt –<br />

Hauptbahnhof – Baembek – Ohlsdorf<br />

19,1 km<br />

7 Ottensen (Bleickenallee) – Bf. Altona – St. Pauli – Sievekingplatz – Rödingsmarkt –<br />

Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Horn – Billstedt<br />

14,0 km<br />

8 Dehnhaide (U-Bahn) – Straßburger Straße – Farmsen (Trabrennbahn) 4,9 km<br />

9 Flughafen – <strong>Als</strong>terdorf – Winterhude – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Bramfeld 21,9 km<br />

12 Bahrenfeld (Volkspark) – Neuer Pferdemarkt – Lombardsbrücke – Hauptbahnhof 10,5 km<br />

13 Langenfelde – Schulterblatt – Neuer Pferdemarkt – Sievekingplatz – Lombardsbrücke –<br />

Hauptbahnhof – Veddel – Wilhelmsburg (Mengestraße)<br />

21,9 km<br />

14 Gr. Borstel – Krhs. Eppendorf – Hoheluftbrücke – Bf. Sternschanze –<br />

St. Pauli Landungsbrücken<br />

9,9 km<br />

16 Hagenbecks Tierpark – Rathausmarkt – Hauptbahnhof – Eilbek – Wandsbek – Tonndorf 15,9 km<br />

18 (<strong>Als</strong>terring) Winterhude – Eppendorf – Rathausmarkt – Hauptbahnhof –<br />

Uhlenhorst – Winterhude<br />

12,6 km<br />

19 Berliner Tor – Hammerbrook – Billbrook (HVZ bis Mundsburg) 8,2 km<br />

23 Billhorner Brückenstraße – Rothenburgsort 1,6 km<br />

27 Elbchaussee (Hohenzollernring) – Bf. Altona – Bf. Sternschanze – <strong>Als</strong>terchaussee 6,7 km<br />

30 Bf. Altona – Holstenstraße – Langenfelde 4,5 km<br />

31 Bahrenfeld (Trabrennbahn) – Bf. Altona – Landungsbrücken – Rathausmarkt –<br />

Hauptbahnhof – Horn – Billstedt<br />

17,0 km<br />

33 Sievekingplatz – Lombardsbrücke – Hauptbahnhof – Veddel – Wilhelmsburg –<br />

Harburg – Rönneburg<br />

19,6 km<br />

35 Goldbekplatz – Mundsburg – Berliner Tor – Hammerbrook – Veddel – Freihafen 7,9 km<br />

41* (Obus) Bf. Harburg – Bostelbek 4,9 km<br />

42 Bf. Harburg – Heimfeld 4,5 km<br />

43* (Obus) Eißendorf – Bf. Harburg – Wilstorf – Sinstorf – Fleestedt 9,2 km<br />

44 Bf. Harburg – Appelbüttel 4,5 km<br />

* Diese beiden Obuslinien waren im Fahrplan dem Straßenbahnbetrieb zugeordnet.<br />

Bemerkenswert sind die langen Durchmesserlinien 2, 3, 6, 7, 9, 13, 16, 31 und 33, ergänzt durch die Linien 12,<br />

14, 18, 27, 30 und 35, die den gesamten inneren Stadtbereich und die nahen Vororte mit einem Minimum an<br />

lästigen Umsteigebeziehungen erschließen. Lediglich die Linien 1, 8, 19 und die kurze Pendellinie 23 (bald darauf<br />

durch die verlängerte Linie 12 ersetzt) besitzen Anschlusscharakter. Das Harburger Netz war lagebedingt<br />

weitgehend eigenständig (ähnlich wie Spandau und Köpenick in Berlin).<br />

Rennbahn (Linie 16) und von Barmbek,<br />

Dehnhaide über Straßburger Straße und<br />

Friedrich-Ebert-Damm bis zur Kreuzung<br />

Holzmühlenstraße (Linie 8). Hierbei handelte<br />

es sich um echte Wiederaufbauten, da<br />

die Gleisanlagen dieser Strecken nach Kriegsende<br />

zur Schienengewinnung für andere Streckenabschnitte<br />

teilweise demontiert worden<br />

waren.<br />

Am 28. Oktober 1952 wurde der Linienbetrieb<br />

auf der alten Direktverbindung vom<br />

Rödingsmarkt zum Millerntor (Reeperbahn)<br />

über den Alten und Neuen Steinweg wieder<br />

aufgenommen; die Linie 6 befuhr diesen Abschnitt,<br />

dafür übernahm die neu eingerichtete<br />

Linie 7 die Strecke durch die Kaiser-Wilhelm-Straße<br />

(s. o.).<br />

Letzte Streckenneubauten<br />

Ihren Abschluss fand die Wiederinbetriebnahme<br />

still liegender Strecken am 4. Mai<br />

1954 mit der Herstellung der Verbindung<br />

vom U-Bahnhof Mundsburg im Zuge der<br />

Straßen Lerchenfeld – Wartenau – Landwehr<br />

und Burgstraße zur Hammer Landstraße, die<br />

von der neu eingerichteten Linie 15 befahren<br />

wurde. Diese Strecke lag seit dem 25. Juli<br />

1943 aufgrund der großflächigen Zerstörungen<br />

der Stadtteile Borgfelde, Eilbek und<br />

Hamm still und wurde erst im Zuge der Neubebauung<br />

dieser Gebiete nach elf Jahren wieder<br />

reaktiviert.<br />

Die beiden letzten Streckenneubauten im<br />

Hamburger Straßenbahnnetz wurden am<br />

4. Juli 1954 und am 29. Oktober 1955 in<br />

Betrieb genommen: zuerst die Verlängerung<br />

von Jüthorn nach Jenfeld im Zuge der Rodigallee<br />

und als letzte Neubaustrecke die Verlängerung<br />

von Bahrenfeld (Abzweig Volkspark)<br />

über die Luruper Hauptstraße nach<br />

Lurup, wobei die Endstelle bereits außerhalb<br />

der Hamburger Stadt- (und Staatsgrenze) auf<br />

60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Hamburg<br />

dem Gebiet von Schleswig-Holstein lag und<br />

eigentlich die „richtige“ Ortsbezeichnung<br />

„Schenefeld“ hätte tragen müssen. Diese<br />

kleine Unstimmigkeit störte offenbar aber<br />

niemanden, und so blieb es bis zur Stilllegung<br />

dieser Strecke am 3. Juni 1973.<br />

Der Zenit ist überschritten<br />

Ab 1955 ging es dann mit der Hamburger<br />

Straßenbahn zuerst in kleinen Schritten, ab<br />

1959 immer spürbarer „bergab“. Hintergrund<br />

und zentraler Auslöser: die „Verkehrsnot“,<br />

wie damals die zweifellos problematischen<br />

Verkehrsverhältnisse in<br />

Hamburg gerne genannt wurden.<br />

1955 war eine im Stil der damaligen Zeit<br />

aufgemachte Denkschrift des Senats der Freien<br />

und Hansestadt Hamburg mit dem Titel<br />

„Neuordnung des Hamburger Stadtverkehrs“<br />

erschienen, die neben der zentralen<br />

Forderung des großzügigen Ausbaues von<br />

Straßenraum für den Individualverkehr auch<br />

die Weiterführung des Schnellbahnbaues beinhaltete<br />

und ein ambitioniertes U-Bahn-<br />

Zielnetz vorschlug.<br />

Interessanterweise wurde in dieser Denkschrift<br />

gleichzeitig die Kapazität und der<br />

Raumbedarf eines Großraumzuges vom Typ<br />

V6/V7 (Trieb- und Beiwagen) mit dem<br />

Raumbedarf der seinerzeit gängigen Omnibustypen<br />

verglichen und festgestellt, dass<br />

drei Omnibusse benötigt werden, um einen<br />

Großraumzug zu ersetzen. Der daraus abgeleitete<br />

Leitsatz lautete richtigerweise: „Keine<br />

Entlastung des Straßenverkehrs bei Ersatz<br />

der Straßenbahn durch Omnibusse“ (!)<br />

Trotz dieser eindeutigen Erkenntnis erfolgte<br />

jedoch leider keine klare Aufgabenzuweisung<br />

an die einzelnen Verkehrsträger.<br />

Das Hauptziel lautete: Entlastung der Straßen<br />

für den übrigen Verkehr – sprich: Individualverkehr<br />

– und Verlagerung des bishe-<br />

Die Linie 42 gehörte zu den Harburger Ortslinien und verkehrte vom Bahnhof Harburg nach<br />

Heimfeld. Tw 2518 (Bj. 1911) wartet mit seinem Beiwagen die nächste Tour ab<br />

Der Gelenk-Tw 3825 (DWM 1955) unterquert auf der Fahrt nach Lurup am 10. August 1958 mit<br />

Bw 4825 an den Landungsbrücken die Hochbahnstrecke<br />

R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

61


Geschichte<br />

Der Tw 2316 vom Typ Z1a am 7. September 1954 auf der Linie 23. Durch das schrumpfende Straßenbahnnetz waren viele Linienänderungen nur<br />

von kurzer Dauer. Nachdem die Leistungen der Linie 23 nach Rothenburgsort 1955 von der Linie 12 übernommen wurden, stellte man den<br />

Streckenast 1959 komplett ein<br />

E. IHDE, SLG. HOV<br />

Quellen<br />

Höltge, D., Kochems, M.: Straßen- und Stadtbahnen<br />

in Deutschland, Band 11, Hamburg –<br />

Freiburg 2008<br />

Buchholz, H.: Die Hamburger Straßenbahn –<br />

Entwicklung des Liniennetzes 1866–1978 –<br />

Hamburg 2008<br />

NN.: Neuordnung des Hamburger Stadtverkehrs<br />

– Denkschrift des Senats der Freien und Hansestadt<br />

Hamburg, Hamburg, o. Dat.<br />

Sohns, P.: Linienchronik der Hamburger Straßenbahn<br />

1866–1978, 3. Auflage, Berlin 2003<br />

persönliche Unterlagen, Fahrpläne, Netzpläne<br />

des Autors<br />

Der 1955 von der DWM gebaute Tw 3360 war am 21. August 1958 neben den U- und Eisenbahngleisen<br />

am Berliner Tor auf der Linie 14 unterwegs. Die kurzen Gelenktriebwagen waren<br />

bei den Fahrgästen sehr beliebt<br />

R. COPSON, SLG. LARS F. RICHTER<br />

rigen Oberflächenverkehrs in die bekannte<br />

„Zweite Ebene“, also unter oder über die<br />

Erde.<br />

Wider der Vernunft<br />

Die weitere Entwicklung ist bekannt: 1958<br />

wurde vom Hamburger Senat der Beschluss<br />

gefasst, den Straßenbahnbetrieb mittelfristig<br />

zugunsten des Konzeptes „Schnellbahn<br />

und Omnibus“ einzustellen.<br />

Die bis zu diesem Zeitpunkt von der HHA<br />

aktiv betriebene Modernisierung des Straßenbahnwagenparks<br />

lief Ende der 1950er-<br />

Jahre aus, und der Betrieb lebte in den folgenden<br />

20 Jahren zunehmend nur <strong>noch</strong> von<br />

der Substanz. Zuletzt sahen viele Triebwagen<br />

ungepflegt aus – vom technischen und<br />

betriebsmäßigen Rückstand gegenüber anderen<br />

Betrieben in Deutschland und im Ausland<br />

ganz abgesehen.<br />

Am 1. Oktober 1978 endete mit der Einstellung<br />

der bis zuletzt hoch belasteten Linie<br />

2 (zuletzt Rathausmarkt – Schnelsen) der<br />

Straßenbahnbetrieb in Hamburg. Seitdem<br />

wurden mehrere Chancen verpasst oder aus<br />

nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt,<br />

in Hamburg ein modernes und leistungsfähiges<br />

neues Straßenbahnnetz als sinnvolle<br />

Ergänzung zu den bestehenden Schnellbahnen<br />

zu schaffen.<br />

Zeit des Umbruchs<br />

Die 1950er-Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs<br />

und des Umbruchs – wie man am Beispiel<br />

des Hamburger Nahverkehrs gut feststellen<br />

kann.<br />

Die hier im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

gezeigten Aufnahmen aus diesem Jahrzehnt<br />

sollen die Hamburger Straßenbahn <strong>noch</strong> einmal<br />

so zeigen, wie man sie sie damals wahrnahm:<br />

leistungsstark – trotz vieler Altfahrzeuge<br />

– und mit positiver Ausstrahlung in der<br />

Form der damals neuen und modernen Großraumwagen<br />

– und auch mit beginnenden Verkehrsproblemen.<br />

REINHARD SCHULZ<br />

62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


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Die ganze Vielfalt des Schienenverkehrs<br />

in Berlin: Straßen-, U- und<br />

S-Bahnen prägen das Bild der Großstadt<br />

ebenso wie der Regional- und<br />

Fernverkehr.<br />

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Einmal mitten durch die Hansestadt<br />

Hamburg: Eine Führerstandsmitfahrt<br />

von Wedel über Blankenese, den<br />

Hauptbahnhof und Ohlsdorf nach<br />

Poppenbüttel.<br />

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Eisenbahn-Vielfalt in Hamburg: Moderne<br />

ICE-Züge, die Nord-Ostsee-Bahn mit ihren<br />

Diesel-Giganten und die S-Bahn sorgen<br />

für abwechslungsreichen Bahnbetrieb.<br />

2008 · ca. 55 Min.<br />

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Mitfahrten von Potsdam nach Erkner,<br />

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und 2011, verdeutlichen alle Veränderungen.<br />

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Fahrzeugtypen sind ebenso zu sehen wie<br />

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2010 · ca. 60 Min.<br />

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Das Beste von der Berliner S-Bahn:<br />

Auf dem Führerstand unterwegs<br />

zwischen Wartenberg und Berlin-<br />

Spandau – mit Fahrt über die<br />

berühmte Stadtbahn!<br />

2005 · ca. 70 Min.<br />

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Geschichte<br />

»Ohne allen<br />

architektonischen<br />

Zierrat«<br />

Die Wagenhalle in Augsburg-Lechhausen Noch beherbergt das Depot viele<br />

historische Straßen bahnfahrzeuge. Doch diese sollen in den »Bahnpark Augsburg«,<br />

ins ehemalige Bahnbetriebswerk, gebracht werden. Dann steht die 1930/31 gebaute<br />

Halle zum Abriss – ein Blick in ihre Geschichte<br />

64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Augsburg<br />

Tw 182 steht mit Bw 224 am 15. April 1957 abfahrbereit<br />

in Richtung Innenstadt/Stadtbergen<br />

bereit. Bw 224 ist der einzige in Augsburg heute<br />

<strong>noch</strong> erhaltene Beiwagen<br />

SLG. FREUNDE DER AUGSBURGER <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

Am 6. Mai 1927 wurde die doppelgleisige<br />

Verlängerung der Augsburger<br />

Straßenbahnlinie 1 bis zur Stätzlinger<br />

Straße „vom Marktplatz her“<br />

(heutige Haltestelle „Schlößle“) beschlossen.<br />

Die Strecke wurde am 14. September 1927 in<br />

Betrieb genommen. Ein auf Höhe des Anwesens<br />

Blücherstraße 58 endendes Stumpfgleis<br />

nahm tagsüber nicht benötigte Beiwagen auf.<br />

An Viehmarkttagen wurde die Endhaltestelle<br />

in der Zeit von 7 bis 13 Uhr zum Marktplatz<br />

zurückgenommen. Vom „Katholischen<br />

Bürgerverein“ wurde mit einer Unterschriftenliste<br />

bald darauf eine weitere Verlängerung<br />

bis zur Schillerschule (heute Seniorenheim St.<br />

Anna) oder sogar bis zur Weizenbierbrauerei<br />

Krauss (gegenüber der heutigen Kirche „Unsere<br />

Liebe Frau“) beantragt; eine Entscheidung<br />

wurde vom Stadtrat zurückgestellt, da<br />

man erst die Festlegung der Lage des Bahnhofes<br />

der (nie realisierten) Bahnstrecke Augsburg<br />

– Aindling – Pöttmes der Augsburger<br />

Localbahn abwarten wollte, der an die Straßenbahn<br />

angebunden werden sollte. Tatsächlich<br />

umgesetzt wurde eine nennenswerte<br />

Die Wagenhalle Lechhausen<br />

Wenn tagsüber die Wagen der Augsburger<br />

Straßenbahn in der Stadt unterwegs<br />

waren, dann wirkte die Wagenhalle<br />

in Lechhausen leer, aber<br />

aufgeräumt. Lediglich die Rangier-<br />

Tw 45 und 51 traf der Fotograf am<br />

4. September 1944 hier an SLG. A. HIEHLER<br />

Maße: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33,3 m x 19,8 m<br />

Anzahl Gleise in Halle: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6<br />

Baupolizeiliche Genehmigung:. 26. August 1930<br />

Inbetriebnahme: . . . . . . . . . . . . . 23. März 1931<br />

Ausführung:. . . . . . . . . Bauhütte Schwaben und<br />

Neuburg Eisenkonstruktion von<br />

Eisenwerk Gebr. Frisch KG<br />

Veranschlagte Gesamtkosten:. . . . . 120.000 RM<br />

Tatsächliche Gesamtkosten:. . . . 100.630,90 RM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

65


Der vom Städtischen Hochbauamt der Stadt Augsburg am 16. Juli 1930 genehmigte Bauplan der Wagenhalle zeigt zahlreiche Details des Gebäudes.<br />

Die Sozialräume waren im Vergleich zur Hallengröße eher klein bemessen<br />

STADTARCHIV AUGSBURG, BESTAND 49, NR. 1381, PLAN 426 B/C<br />

Die ursprüngliche Gleislage vor der Wagenhalle Lechhausen gibt diese Grafik wieder. 1964 wurde<br />

das Streckengleis (unterer Bildrand) zweigleisig<br />

GRAFIK: W. WOLFF<br />

Verlängerung – dann deutlich weiter, bis zum<br />

Neuen Ostfriedhof – erst im September 1994.<br />

Einige Hintergründe<br />

In den 1920er-Jahren konnte mit einer Straßenbahnlinie<br />

<strong>noch</strong> Gewinn erwirtschaftet<br />

werden, einem Zeitungsbericht aus dieser<br />

Zeit zufolge war der Streckenast nach Lechhausen<br />

der rentabelste in Augsburg. Den<strong>noch</strong><br />

war die Städtische Straßenbahn be-<br />

strebt, weitere Optimierungspotentiale zu<br />

heben. So wurde in einem Antrag an den<br />

Stadtrat am 26. Mai 1930 vermerkt: „Die<br />

Errichtung einer Straßenbahnwagenhalle in<br />

Lechhausen wurde schon vor mehreren Jahren<br />

von der Straßenbahn-Direktion angeregt,<br />

um etwa 22.000 km Leerlauf beim Ein- und<br />

Ausrücken der Wagen in die Halle an der<br />

Baumgartnerstraße bezw. Senkelbachzentrale<br />

zu sparen.“<br />

Die Kosten für einen Wagenkilometer<br />

wurden mit 0,80 RM kalkuliert, so dass mit<br />

dem Bau einer Halle eine jährliche Einsparung<br />

von 17.600 RM erwartet werden konnte.<br />

Eine Reichsmark entsprach einer heutigen<br />

Kaufkraft von etwas über vier Euro.<br />

Unter dem damaligen Straßenbahndirektor<br />

namens Mörder war eine solche Halle<br />

mit sechs Gleisen für die Aufnahme von 12<br />

Wagen konzipiert worden; die Fläche der<br />

Halle war mit 630 m², die der Nebenräume<br />

mit 75 m² geplant. <strong>Als</strong> Nebenräume vorgesehen<br />

waren<br />

• eine Werkstätte<br />

• „Sitzklosett und Pissoir“<br />

• ein „Aufenthaltsraum für Wagenwäscher“<br />

• ein Aufenthaltsraum für Fahrpersonal<br />

• ein Kohlenlager<br />

• ein Holzlager<br />

<strong>Als</strong> Bauweise stellten die Planer zwei mög -<br />

liche Varianten zur Diskussion, entweder mit<br />

Holzbindern der Siemens Bauunion auf<br />

Pfeilern aus Eisenbeton, mit Fenstern und<br />

Verbretterung aus „mit Carbolineum geschütztem<br />

Holzwerk“, oder „in Eisenfachwerk<br />

der Gebrüder Frisch“, „halbsteinstark<br />

mit Backsteinen ausgeriegelt und verfugt“.<br />

66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Augsburg<br />

Schon bald war die Wagenhalle In Lechhausen für den Straßenbahnbetrieb in Augsburg unverzichtbar. Hier eine Parade mit Tw 54 und den<br />

Bw 225, 224, 228, 216 sowie 211 in der Abendsonne des 18. August 1939. Rechts der nagelneue Anbau<br />

SLG. A. HIEHLER<br />

Eine halbsteinstarke Mauer hat eine Stärke<br />

von 11,5 cm.<br />

Für die erste Variante wurden Kosten von<br />

79.000 RM veranschlagt, für die zweite<br />

74.000 RM. Hinzuzurechnen waren jeweils<br />

Aufwendungen für Gleisanlage und Fahrdraht<br />

von ca. 26.000 RM sowie die Kosten<br />

für den Erwerb des Grundstücks, die mit<br />

20.000 RM angesetzt wurden. Aufgrund dieser<br />

Kostensituation wurde die Variante „Eisenfachwerk“<br />

favorisiert, versehen mit einem<br />

„Doppelpappdach mit Ulmerit“.<br />

Wartungsgruben wurden in Gleis 2 und 5<br />

eingeplant. In einer Vorlage für den Werkausschuss<br />

des Stadtrats wurde seitens der<br />

Städtischen Straßenbahn vermerkt, „Die<br />

Gleisanlage wird zum größten Teil mit Altmaterial<br />

durch unser eigenes Personal erstellt<br />

werden.“ Dies galt ebenso für den Betonboden<br />

der Halle, währenddessen die Nebenräume<br />

von den mit dem Bau zu beauftragenden<br />

Firmen komplett fertigzustellen<br />

waren; deren Böden beispielsweise sollten<br />

mit dem damals üblichen „Glattstrich“ ausgeführt<br />

werden.<br />

Lange konnte vom städtischen Grundstücksreferat<br />

kein geeigneter Baugrund gefunden<br />

werden, dann aber standen Verhandlungen<br />

vor dem Abschluss: Am 5. Juni<br />

1930 wurde der Kauf des Grundstückes Blücherstraße<br />

65a, Plan-Nr. 426b/c, als „verbrieft“<br />

gemeldet. Dieses Grundstück für die<br />

Errichtung der 33,3 m x 19,8 m großen Halle,<br />

weniger als 200 m vom bisherigen Gleisende<br />

entfernt, wurde vom Landwirt Engelbert<br />

Dafler zu einem Preis von 16.600 RM<br />

erworben. Ob der Grundbesitzer, in derlei<br />

Angelegenheiten sicherlich weniger erfahren<br />

als die städtischen Beamten, „über den Tisch<br />

gezogen wurde“, lässt sich nicht mehr rekonstruieren<br />

– ein Indiz hierfür ist aber, dass<br />

zuvor ein deutlich höherer Kaufpreis veranschlagt<br />

wurde.<br />

Bauausführung der Halle<br />

Bei einer Verzinsung von fünf Prozent und<br />

zehn Prozent jährlicher Tilgung amortisierte<br />

sich der Aufwand für die Errichtung der Halle<br />

innerhalb von etwa zehn Jahren. Mit diesen<br />

Zahlen empfahl der Werkausschuss am<br />

30. Juni 1930 dem Gesamtstadtrat die Errichtung<br />

der Wagenhalle, die von diesem am<br />

4. Juli 1930 beschlossen wurde. Die baupolizeiliche<br />

Genehmigung erfolgte am 26. August<br />

1930. <strong>Als</strong> Unternehmer für Erd-, Maurer-<br />

und Betonarbeiten gab die „Bauhütte<br />

Schwaben und Neuburg“ das günstigste Angebot<br />

ab; die „Eisenkonstruktion“ lieferte<br />

entsprechend der Vorauswahl die ortsansässige<br />

Firma Eisenwerk Gebr. Frisch KG.<br />

Diese Firma stellte damals neben derartigen<br />

Hallen unter anderem auch Eisenbahnweichen<br />

her, später wurden hauptsächlich<br />

Baumaschinen gefertigt.<br />

Am 3. Oktober 1930 vermerkte die Städtische<br />

Straßenbahn in einem Brief an das<br />

städtische Tiefbauamt, dass neue und gebrauchte<br />

Rillenschienen der Form 102 und<br />

Ph. 25 D Verwendung fänden. <strong>Als</strong> Fahrleitung<br />

wurde Hartkupferprofildraht mit<br />

80 mm 2 Querschnitt vorgesehen. Zusätzlich<br />

wurde angemerkt: „Die Gleisanlage kommt<br />

durch unsere Arbeiter nur soweit zur Verlegung,<br />

als das Geld reicht.“<br />

Bereits im April 1929 war von der technischen<br />

Abteilung der Straßenbahnverwaltung<br />

festgestellt worden, „…der Spannungsabfall<br />

im Oberleitungs- und Schienen-Rückleitungs-<br />

Netz bis Endhaltestelle Blücherstraße überschreitet<br />

schon heute etwas die zulässigen<br />

Grenzen. …“. Im Falle einer Linienverlän-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

67


Geschichte<br />

Quellen<br />

Stadtarchiv Augsburg – Bestand 49, Nr. 1381.<br />

„Augsburger Neueste Nachrichten“ vom<br />

24. März 1931<br />

Amtlicher Stadtplan Augsburg von 1948<br />

Im Februar 1984 stand der Tw 803 in der Nachmittagsonne zum Wenden in Lechhausen. Die Tore<br />

der Wagenhalle trugen zu diesem Zeitpunkt einen hellen Anstrich W. WOLFF (2)<br />

Im April 1994 waren bereits zahlreiche Gleise der Wagenhalle nicht mehr angebunden. In der<br />

Halle verstieß der Gleisabstand gegen die heutigen gesetzlichen Vorgaben<br />

gerung wäre ein weiteres Unterwerk erforderlich<br />

geworden. Daher wurde nur eine eingleisige<br />

Betriebsstrecke von der Endhaltestelle<br />

in Höhe der Stätzlinger Straße zur Wagenhalle<br />

geplant; die auf dem etwas zurückgesetzten<br />

Grundstück liegende Gleisharfe vor<br />

der sechsgleisigen Halle wurde mit der in<br />

Straßenmitte gelegene Betriebsstrecke über<br />

ein Gleisdreieck verbunden.<br />

Es geht nicht schnell genug!<br />

Es sollte dann <strong>noch</strong> bis nach dem Krieg dauern,<br />

bis auf der nur gut 200 m langen Strecke<br />

von der Endhaltestelle an der Stätzlinger<br />

Straße bis zum Wendedreieck der Linienverkehr<br />

aufgenommen wurde. Der Unmut<br />

der Bevölkerung über diesen „Schildbürgerstreich“<br />

war entsprechend groß.<br />

In einem Schreiben an die Regierung von<br />

Schwaben und Neuburg vom 8. Oktober<br />

1930 beantragte der Augsburger Stadtrat die<br />

Genehmigung zur Verlegung von 126 m<br />

Gleis vom Ende des bisherigen Stumpfgleises<br />

bis zum neuen Gleisdreieck auf Höhe der<br />

Wagenhalle. Darin wurde nicht mit der Kosteneinsparung<br />

argumentiert – vermutlich<br />

wurde diese Begründung als nicht hinreichend<br />

erachtet. Vielmehr wurde angeführt:<br />

„Die Hinterstellung von Anhängewagen der<br />

Linie 1 musste bisher am Ende des Gleisstranges<br />

in der Blücherstrasse auf offener<br />

Straße erfolgen. Hierdurch wurde der öffentliche<br />

Verkehr erheblich behindert.“ Zur<br />

Ausführung der Gleisanlage wurde erläutert:<br />

„Das Gleis wird wie allgemein auf einem<br />

Packlageunterbau verlegt.“<br />

Am 5. Januar 1931 wurde die Verlegung<br />

der Gleise durch das bayerische Staatsministerium<br />

des Innern in München genehmigt,<br />

und schon am 24. März 1931 konnte die Direktion<br />

der Straßenbahn vermelden: „Obige<br />

Halle ist soweit hergestellt, dass wir dieselbe<br />

für unseren Betrieb ab 23. ds. Mts. in<br />

Benützung nehmen konnten.“<br />

Die Abnahmeprozedur<br />

In der Lokalzeitung „Augsburger Neueste<br />

Nachrichten“ vom 24. März 1931 wurde<br />

berichtet: „Einem immer dringlicher werdenden<br />

Bedürfnis ist durch die Erstellung der<br />

neuen Straßenbahnhalle an der Blücherstrasse<br />

in Lechhausen abgeholfen worden.“<br />

Die Ausführung der Halle wurde treffend beschrieben<br />

als „…ohne allen architektonischen<br />

Zierrat…“ und auf die den Verhältnissen<br />

der damaligen Zeit geschuldeten<br />

Sparmaßnahmen hingewiesen: „Im übrigen<br />

ist die Ausstattung der Halle in Anbetracht<br />

der kleinen räumlichen Verhältnisse, nur auf<br />

das Allernötigste beschränkt. …“<br />

Bei der 20 Jahre früher gebauten Wagenhalle<br />

in Kriegshaber (siehe SM 4/2011) mit<br />

ihrer neubarocken Fassade konnte im Gegensatz<br />

dazu <strong>noch</strong> sehr viel aufwändiger gebaut<br />

werden.<br />

Die Regierung von Schwaben und Neuburg<br />

setzte den Termin zur Abnahmeprüfung der<br />

Gleisanlagen (das Gebäude wurde vom städtischen<br />

Hochbauamt abgenommen) an: „...<br />

8.7.31, Vorm. 9 Uhr. Zusammenkunft: Hinterstellungsgleis<br />

am Stadttheater, Rückseite.<br />

Das weitere wolle veranlasst werden. ...“<br />

Zur Abnahme erschienen die Oberregierungsräte<br />

Freiherr von Andrian-Werberg<br />

und Dürst für die Regierung, Kanzleiassistent<br />

Gamboch als „Niederschriftführer“,<br />

Reichsbahnoberrat Weber als Vertreter der<br />

RBD Augsburg, Oberbaurat Weber für die<br />

Stadt Augsburg sowie Baurat Klingler für<br />

Stadt und Straßenbahn.<br />

Keine Beanstandungen<br />

Mit einer Sonderfahrt wurden sie vom Stadttheater<br />

nach Lechhausen gebracht. Die Veranstaltung<br />

dort scheint ohne nennenswerte<br />

Vorkommnisse verlaufen zu sein, denn in der<br />

Niederschrift wurde lediglich festgehalten:<br />

„Die Besichtigung hat einen Anlaß zu irgend<br />

welchen Beanstandungen nicht ergeben. …“.<br />

Es darf davon ausgegangen werden, dass die<br />

Abnahme ihren Abschluss in einem gemeinsamen<br />

Besuch eines der damals zahlreichen<br />

umliegenden Wirtshäuser genommen hat ...<br />

68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Augsburg<br />

Tw 404 (Esslingen 1960, ex Stuttgart) und M8C-Tw 8004 standen im April 1994 friedlich vereint vor der Wagenhalle. Wenige Monate später waren<br />

Endstation und Gleisdreieck an dieser Stelle Geschichte – danach blieben auch die Fahrradständer leer W. WOLFF (2)<br />

Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen<br />

beliefen sich schließlich auf 100.630,90 RM.<br />

Das war deutlich weniger als ursprünglich<br />

veranschlagt – bei heutigen Baumaßnahmen<br />

undenkbar. Der Beschluss des Gesamtstadtrates<br />

vom 4. März 1932 lautete entsprechend:<br />

„Der nicht in Anspruch genommene<br />

Kreditrest in Höhe von 19.369,10 RM wird<br />

eingezogen.“<br />

Am 15. Oktober 1938 wurde die Genehmigung<br />

zu einem offenen Anbau an die<br />

Wagenhalle in Holzbauweise, „bis zur Behebung<br />

der z. Zt. einem Neubau entgegenstehenden<br />

Umstände in stets widerruflicher<br />

Weise erteilt.“ Die Fertigstellung der Arbeiten<br />

wurde am 12. Juni 1939 vermeldet. Dieser<br />

Holzanbau wurde nach hinten 3,5 m länger<br />

als die Wagenhalle ausgeführt und mit<br />

einem Abstellgleis versehen.<br />

<strong>Als</strong> Tw 8006 im April 1994 aus der Wagenhallenzufahrt auf das Streckengleis bog, setzte Tw 8004<br />

sogleich „im fliegenden Wechsel“ nach<br />

Aufwertung zur Endstation<br />

Während des Zweiten Weltkriegs wurden alle<br />

betriebsfähigen Beiwagen dringend benötigt;<br />

daher war keine Zeit für eine Überführung<br />

der Fahrzeuge in den Betriebshof II am Roten<br />

Tor, um dort Betriebsuntersuchungen<br />

durchzuführen. Diese Überprüfungen mussten<br />

deshalb von den Hallenmeistern der beiden<br />

Beiwagenbetriebshöfe Lechhausen und<br />

Kriegshaber vor Ort unter Nutzung der mit<br />

Arbeitsgruben versehenen Gleise durchgeführt<br />

werden.<br />

Die Halle überstand den Krieg ohne größere<br />

Schäden, lediglich einige von Bombeneinschlägen<br />

in der Umgebung zersplitterte<br />

Fensterscheiben mussten zunächst notdürftig<br />

verbrettert und später ersetzt werden.<br />

Nicht ermittelt werden konnte bislang der<br />

genaue Zeitpunkt, zu dem der Endpunkt der<br />

Linie 1 von der Stätzlinger Straße zur Scharnhorststraße<br />

auf Höhe der Wagenhalle verlegt<br />

wurde. Angaben von Zeitzeugen dif -<br />

ferieren zwischen 1946, als der Einsatz von<br />

Einrichtungswagen aus Genua (die das Wendedreieck<br />

benutzen mussten) begann, und<br />

dem Jahr 1948. Dies ist der späteste Zeitpunkt,<br />

denn im amtlichen Stadtplan von<br />

1948 ist die Endhaltestelle dort dargestellt.<br />

In jedem Fall erfolgte der Linienbetrieb zunächst<br />

auf der weiterhin eingleisigen Strecke;<br />

erst im Sommer 1964 wurde der letzte<br />

Abschnitt ab der Stätzlinger Straße zweigleisig<br />

ausgebaut und am 3. September 1964<br />

in Betrieb genommen.<br />

Mit dem Ende des Beiwagenbetriebes im<br />

Jahre 1971 wurde die Halle ihrer ursprüng-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

69


Geschichte<br />

Die Wagenhalle<br />

dient derzeit nur als<br />

Depot für museal zu<br />

erhaltende Wagen.<br />

Im November 1994<br />

waren u.a. der GT4<br />

403 (Talbot, ex<br />

Aachen), Schneepflug<br />

14 (Bj. 1898)<br />

sowie KSW 503<br />

(Fuchs 1948) in<br />

Lechhausen abgestellt<br />

W. WOLFF (2)<br />

Im Depot Lechhausen<br />

hinterstellte Fahrzeuge<br />

Aktuell wird die Wagenhalle nur <strong>noch</strong> von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. genutzt.<br />

Der Anschluss zum Straßenbahnnetz ist aber gekappt …<br />

lichen Funktion beraubt; seitdem diente sie<br />

der Unterstellung ausgemusterter Fahrzeuge.<br />

Das Wendedreieck wurde weiterhin von<br />

den Wagen der Linie 1 benutzt.<br />

Die Gleise sind zu kurz!<br />

Die Gleisharfe vor der Wagenhalle war für<br />

die Aufnahme zweier wendender, 1991 aus<br />

Stuttgart übernommenen GT4-Doppeltraktionen<br />

zu kurz. Daher wurden in dieser Zeit<br />

die Hallentore der Gleise 3 und 5 entfernt<br />

und ein etwa 4m langes Stück dieser Gleise<br />

in die Halle hinein durch Maschendrahtzaun<br />

abgesichert, die Halle jeweils durch einen<br />

Mittenpuffer-Prellbock gegen Einfahrt abgesichert.<br />

Damit war bei im Fünf-Minuten-<br />

Takt verkehrenden Linienwagen den Fahrern<br />

das Aufsuchen der in der Halle befindlichen<br />

Sanitäranlagen möglich, während der<br />

Folgewagen ebenfalls rückwärts bis zur Halle<br />

nachrücken konnte.<br />

Im Rahmen der Verlegung der Endhaltestelle<br />

1994 zum Neuen Ostfriedhof wurde<br />

das Gleisdreieck und damit die Zufahrt zur<br />

Wagenhalle entfernt. Die seitdem von den<br />

„Freunden der Augsburger Straßenbahn“<br />

darin untergestellten Fahrzeuge müssen daher<br />

bei Bedarf aufwändig per Tieflader anund<br />

abtransportiert werden.<br />

Beim jährlich im Frühjahr stattfindenden<br />

„Depotfest“ dieses Vereins können diese ansonsten<br />

nur nach Vereinbarung zugänglichen<br />

historischen Fahrzeuge besichtigt werden.<br />

Gegenwärtig ist ein Umzug der Wagen in den<br />

Tw 165 Tonnendachwagen, MAN 1926<br />

Tw 179 Schwendwagen, MAN 1938<br />

Tw 403 ex Aachen 7104, Talbot 1952<br />

Tw 503 KSW, Fuchs, 1948<br />

Tw 520 MAN 1956<br />

Tw 535 GT 5, MAN 1968<br />

Tw 22 Schleifwagen, Schörling 1952<br />

Tw 15 Schneepflug, Bj. 1898 bzw. 1912<br />

Tw 16 Schneepflug, Bj. 1983, auf Fahrgestell<br />

des Tw KS 502<br />

Lkw:<br />

Schleppwagen, MAN Bj. 1976<br />

Turmwagen, MAN Bj. 1979<br />

Busse:<br />

MAN 750 HO-M11A, Bj. 1967<br />

(Aufarbeitung 2014)<br />

MAN KOM 151, Bj. 1974 (Museumsbus)<br />

MAN SL 200 KOM 2204, Bj. 1985<br />

MAN SG 242 KOM 3451, Bj. 1988<br />

(im Betriebshof Rotes Tor, Baumgärtnerstraße<br />

sind hingegen z.B. folgende Museumswagen<br />

hinterstellt: Tw 501 und 506 KS, Bj. 1948;<br />

Bw 224, MAN 1938; Tw 101, Bj. 1913; Tw 14,<br />

Bj. 1898; Tw 411/461, GT 4, ex Stuttgart, und<br />

Tw 806 sowie 807, GT8, Bj. 1976)<br />

„Bahnpark Augsburg“ in Diskussion. Anschließend<br />

wollen die Augsburger Stadtwerke<br />

die Halle abreißen und das Grundstück<br />

verkaufen. WINFRIED WOLFF<br />

Für die Unterstützung bei der Recherche zu<br />

diesem Beitrag dankt der Autor besonders<br />

den Herren Albert Hiehler, Heinz Landherr,<br />

Karl Pfob, Dr. Helmut Selder, Robert Treffer<br />

und Herbert Waßner.<br />

70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Fundstück des Monats<br />

FOLGE 3<br />

Zerbst<br />

Innenstadt<br />

Auf dem Marktplatz in Zerbst befinden sich Gleise der vor 85 Jahren eingestellten Pferdebahn. Die von 1891 bis<br />

1928 befahrenen Schienen stehen unter Denkmalschutz R. HEYM<br />

Gleisrest auf Marktplatz<br />

Die Geburtsstadt von Katharina der Großen, Zerbst in Sachsen-Anhalt, bringen heute nur Geschichtskenner<br />

mit einer Straßen bahn in Verbindung. Und doch gibt es hier auf dem Marktplatz<br />

das älteste <strong>noch</strong> eingepflasterte Stück Pferdebahngleis Deutschlands<br />

Es war einer der kleinsten Straßenbahnbetriebe der Welt – die<br />

2,3 km lange Pferdebahn in der anhaltischen Stadt Zerbst. Die am<br />

2. November 1891 eröffnete Meterspurbahn verband die Innenstadt<br />

mit dem Zerbster Bahnhof, stadtseitiger Endpunkt war der Markt.<br />

Errichtet auf Antrag eines Spediteurs aus Dessau, wechselte das<br />

kleine Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Standen anfangs lediglich<br />

zwei Wagen, zwei Pferde und zwei Fahrer zur Verfügung, so<br />

entstanden um 1900 drei Ausweichstellen. Gleichzeitig wuchs der<br />

„Betriebsmittelbestand“ auf vier Wagen und sechs Pferde an.<br />

Aufgrund des defizitären Betriebes im und nach dem Ersten Weltkrieg<br />

gab der letzte Privateigentümer jedoch auf – er stellte den Betrieb<br />

im Oktober 1920 ein und verkaufte die Fahrzeuge an einen Altmaterialhändler.<br />

Daraufhin rief die Stadt eine Genossenschaft ins<br />

Leben, welche die Gleisanlagen erwarb und zwei Wagen zurückkaufte.<br />

Damit nahm die Pferdebahn 1921 den Verkehr wieder auf.<br />

Mitte der 1920er-Jahre erwarb die Genossenschaft einen zweispännigen<br />

Wagen aus Jüterbog, 1926 zwei weitere Wagen aus Stendal,<br />

so dass nunmehr fünf Wagen zur Verfügung standen. Doch der<br />

Zustand der Gleise verschlechterte sich immer mehr. Anstatt diese<br />

zu erneuern, beschloss die Genossenschaft 1927, den Betrieb auf<br />

Omnibusse umzustellen.<br />

Am 1. August 1928 stellte die Zerbster Straßenbahn ihren Betrieb<br />

als viertletzte Pferdestraßenbahn Deutschlands ein (vor der bis 1930<br />

betriebenen Straßenbahn Stadthagen, vor der Pferdebahn auf Langeoog,<br />

die am 15. Juli 1937 letztmalig fuhr, sowie vor der bis 1949<br />

pferdebetriebenen Spiekerooger Inselbahn).<br />

Was in Zerbst blieb, das waren verschiedene Gleisreste. Nach 1990<br />

wichen diese meist neuem Straßenbelag. Die letzten, in Summe ca.<br />

50 Meter langen Originalschienen der Pferdebahn ließ die Stadtverwaltung<br />

schließlich im Zug der Sanierung des Marktes im Jahr<br />

2009 neu einpflastern. Dieser kurze Gleisabschnitt steht unter Denkmalschutz<br />

und erinnert damit an die 37-jährige Pferdebahnzeit in<br />

Zerbst, die vor 85 Jahren endete. Bei den Relikten soll es sich um die<br />

ältesten erhaltenen Gleisreste eines deutschen Straßenbahnbetriebs<br />

an ihrem originalen Platz handeln.<br />

ANDRÉ MARKS<br />

Aufnahmen der Pferdebahn Zerbst gibt es im Internet unter<br />

www.alt-zerbst.de/galerie/die-zerbster-pferdebahn/index.php<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

71


■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />

Die Nürnberger<br />

Modelltram-<br />

Neuheiten. Teil 3<br />

Wie schön wäre es, wenn die von „Stadt im Modell“<br />

angebotenen Modelle des Hamburger V6E-Triebwagens<br />

auch fahren könnten. Zu sehen waren sie auf dem eindrucksvollen<br />

N-Diorama der Firma Trix<br />

Noch mehr Neues ...<br />

Spielwarenmesse 2013 ■ Früher reichte meist ein Blick nach Nürnberg, um alle aktuellen<br />

<strong>Tram</strong>modelle zu kennen, heute muss man oft nach vielen Novitäten erst mühsam suchen<br />

Entgegen dem Nürnberger<br />

Eindruck ist das diesjährige<br />

Neuheitenangebot nun doch<br />

weniger ärmlich ausgefallen,<br />

als uns der Messerundgang anfangs<br />

glauben ließ. Allerdings wurden die<br />

meisten Neuheiten wie schon in den<br />

letzten Jahren nicht mehr an Messeständen<br />

gezeigt. Vieles gab‘s wieder<br />

„aus dem Koffer“ von als Messebesuchern<br />

auftretenden Kleinanbietern<br />

zu sehen, und manche Miniproduzenten<br />

scheinen ohnehin die Öffentlichkeit<br />

zu scheuen und ihre Novitäten<br />

lieber im Internet zu verstecken<br />

– in der Hoffnung, der Kunde wird<br />

schon irgendwie den Weg zu den<br />

neuen Modellen finden. Für uns bedeutet<br />

das aufwendige Nachrecherche<br />

und gelegentlich kleine bis große<br />

Überraschungen.<br />

Nach den Wiener Gelenkwagen vom<br />

Typ E bzw. E 1 und dem deutschen<br />

„Original“ des Düwag GT6 in Bielefelder<br />

und Innsbrucker Ausführung<br />

sind bei Halling nun Modelle des<br />

Siemens Avenio in der Münchner<br />

und Den Haager Ausführung ebenso<br />

wie die Version für die Stadtbahn<br />

im arabischen Doha geplant. Herpa<br />

zeigte wieder eine große Zahl aktueller<br />

Pkw-Modelle der Marken Audi,<br />

BMW und Mercedes ebenso wie<br />

neue Laster von MAN und Mercedes-<br />

Benz. Hervorheben wollen wir bei<br />

den Oldtimer-Fahrzeugen den urigen<br />

72 strassenbahn magazin 5|2013


Spielwarenmesse 2013<br />

Zur Behebung des großen Wagenmangels nach dem Zweiten Weltkrieg beschaffte die Den Haager Straßenbahn 1948 bei Werkspoor 16 Triebwagen<br />

mit elektropneumatischem Schaltwerk schweizerischer Herkunft. Leider waren die eleganten Fahrzeuge recht störanfällig. Das H0-Modell wird von<br />

Paul Sassen in Resin-Technik hergestellt und mit einem modifizierten Halling-Antrieb versehen. So läuft wenigstens das Modell störungsfrei<br />

Zündapp Janus mit Mittelmotor,<br />

bei dem der Einstieg von vorne und<br />

hinten erfolgte. Die Gestaltung der<br />

Front und des Hecks unterschied sich<br />

nur durch die Lampen. Die Insassen<br />

saßen dabei Rücken an Rücken! Der<br />

bekannten BMW Isetta äußerlich<br />

recht ähnlich war der Kabinenroller<br />

Heinkel Typ 153. Auch die Oldtimerfans<br />

nach DDR-Vorbild werden<br />

bedacht und zwar mit dem von 1957<br />

bis 1961 gebauten Pritschenwagen<br />

Framo 901/2.<br />

hin im Angebot bleiben die Modelle<br />

des T6A2 in Spur II. Raphael Hummel<br />

von Hustra plant neben dem schon<br />

weit fortgeschrittenen H0-Modell des<br />

Stuttgarter KSW in der modernisierten<br />

Ausführung auch ein Modell des<br />

1938 durch Umbau des 1913 gebauten<br />

Triebwagens 550 entstandenen<br />

gläser-<br />

nen Wagens<br />

TT-Tatra als Bausatz<br />

Wie bereits im ersten Teil des Messeberichts<br />

erwähnt, ist bei Herrmann<br />

& Partner der Verbandswagenzug<br />

Typ II in Kasseler Credé-Einrichtungs-<br />

Ausführung die Hauptneuheit. Erhältlich<br />

sind die H0-Modelle im ursprünglichen<br />

Beige und in späterer rot-weißer<br />

Ausführung. Daneben wird es<br />

zwei Versionen als Arbeitswagen geben.<br />

Auch die Bochumer Verbandszüge<br />

wurden von Credé in Kassel<br />

gebaut, allerdings als Zweirichtungswagen<br />

und mit weiter heruntergezogenen<br />

Seitenschürzen. Weitere Arbeitswagenvarianten<br />

betreffen den<br />

bekannten Tatra-T4D-Triebwagen.<br />

Es sind insgesamt acht verschiedene<br />

Fahrzeuge nach Vorbildern aus<br />

Dresden, Gera und Halle geplant. Der<br />

Tatra T6A2 für die TT-Spur wird jetzt<br />

auch als Bausatz angeboten. Weiter-<br />

Dem <strong>noch</strong>mals geänderten Vorbilddesign entsprechen Navemos aktualisierte H0-Nachbildungen der Züricher<br />

<strong>Tram</strong> 2000, die daher nun auch erst mit einjähriger Verzögerung in den Verkauf kommen<br />

Nach dem im letzten Heft bereits vorgestellten Henschel-Trolleybus HS 160 OSL hier jetzt die Gelenkbusvariante<br />

HS 160 OSL-G des tschechischen Herstellers NB. Auch dieses H0-Modell wird in Resin-Technik hergestellt<br />

strassenbahn magazin 5|2013


aßenbahn im Modell<br />

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Für Liebhaber großer Straßenbahnen (Spur IIm)<br />

sind die OcCre-Bausätze etwas ganz Besonderes:<br />

Zu den beliebten sieben <strong>Tram</strong>-Modellen kommt<br />

jetzt der Stuttgarter Tw 222 neu hinzu. Die<br />

Holzbausätze im Maßstab 1:24 von OcCre sind<br />

perfekt durchdacht und lasergenau gefertigt!<br />

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Wenn er nicht das typische Bärenwappen tragen würde, wäre dieser Mitteleinstiegs-Triebwagen nicht unbedingt<br />

als Berliner erkennbar. Das Tin-Plate-Modell (Spur 0) stammt von Dr. Lehnhardt OLGA BANDELOWA (11)<br />

502. Dieser Aussichtstriebwagen der<br />

Stuttgarter Straßenbahn war bis zu<br />

seiner Kriegszerstörung im Jahre<br />

1944 für Sonderfahrten eingesetzt –<br />

anfangs zur Reichsgartenschau 1939.<br />

Das Modell wird wie ein geplanter<br />

Verbandswagen II nach Bochumer<br />

Vorbild, der mit feinen Messingbauteilen<br />

wie Rammschutz, Scheinwerfer<br />

und Rückspiegel ausgestattet sein<br />

wird, nur bei genügender Vorbestellzahl<br />

produziert.<br />

Lasercut auf dem Vormarsch<br />

Neues kommt von Andreas Heyden<br />

in Form des Nürnberger Museumswagens<br />

701, der nur in einem<br />

Nürnberger Museum direkt erhältlich<br />

sein wird. Das H0-Modell soll es in<br />

olivgrün-elfenbeinfarbener Lackierung<br />

im Stil der 1930er-Jahre, in limitierter<br />

Jugendstillackierung und als<br />

unlackierten Bausatz geben.<br />

Immer umfangreicher wird das<br />

Angebot an Gebäuden, die in Lasercut-Technik<br />

hergestellt werden.<br />

Joswood ergänzt sein Angebot an<br />

lasergeschnittenen Architekturgebäuden<br />

mit zahlreichen Neuheiten.<br />

Im wahrsten Sinne des Wortes herausragend<br />

ist dabei die Halle des<br />

Leipziger Hauptbahnhofes. Für Modellstraßenbahner<br />

eher interessant<br />

sind wohl die Bausätze eines Kesselhauses<br />

nach Düsseldorfer Vorbild<br />

oder die Tankstelle aus den 1950er-<br />

Jahren. Erstmals mit zeitgemäßen<br />

Abziehbildern als Beschriftung erscheinen<br />

die bereits seit 1985 erhältlichen<br />

Kleinserienmodelle der Ybbser<br />

Straßenbahn in H0e von Jürgensen.<br />

Die entsprechende Variante in<br />

0e, die im letzten Jahr angekündigt<br />

wurde, kann Dank genügender Vorbestellungen<br />

tatsächlich produziert<br />

werden, die Konstruktionsarbeiten<br />

Vom Rathgeber-Verbandswagen, den THS als H0-Modell in verschiedenen<br />

Ausführungen plant, gibt es bisher nur diese Zeichnung<br />

Wie klein die kleinste <strong>Tram</strong> der Welt wirklich ist, zeigt eindrucksvoll der<br />

Größenvergleich mit der 2-Euro-Münze. Das 1:350-Modell von Eishindo<br />

aus Japan fuhr zuverlässig und ruckfrei während der ganzen Messe<br />

74 strassenbahn magazin 5|2013


Spielwarenmesse 2013<br />

Neueste Variante des Salzburger Stadtbahnwagens von<br />

Miroslav Barnet ist dieser Wagen mit der Nummer 58<br />

und der Beschriftung „Partnerstadt Dresden“. Das H0-<br />

Modell ist bei der Salzburger Lokalbahn erhältlich<br />

wurden bereits begonnen. Bestens<br />

zur Gestaltung von gepflasterten<br />

Straßen geeignet sind die neuen Silikonformen<br />

zum Selbstgießen entsprechender<br />

Gipsteile für Kurven,<br />

Geraden und Kreuzungen von Langmesser<br />

Modellwelt.<br />

Ein Berliner aus Danzig?<br />

Die neueste Tinplate-<strong>Tram</strong> von Dr.<br />

Lehnhardt ist das allerdings nur grob<br />

dem Vorbild nachempfundene Spur-<br />

0-Modell eines Berliner Mitteleinstiegs-Tw.<br />

Das Fahrzeug ähnelt in der<br />

Seitenansicht eher einem Danziger<br />

Wagen, der allerdings ein Vierachser<br />

und deutlich größer war. Kato ermöglicht<br />

den N-Straßenbahnern nun<br />

endlich Dank der neuen Abzweigweichen<br />

den Bau richtiger Anlagen, wie<br />

man am Messediorama der Japaner<br />

eindrucksvoll erleben konnte. Daneben<br />

erscheinen weitere Varianten der<br />

bereits bekannten Unitram.<br />

Sowohl die Halbnuller wie auch die<br />

N-Bahner können sich über Modelle<br />

der bekannten Anderthalbdeckerbusse<br />

freuen. Über die H0-Modelle<br />

werden wir später berichten, die N-<br />

Variante nach Büssing-Vorbild mit<br />

einfacher Vordertüre kommt in der<br />

Reihe der so genannten „Minis“ von<br />

Lemke-Collection. Neben Dekor-<br />

Varianten des bereits im letzten<br />

Jahr angekündigten Überlandbusses<br />

MAN SÜ 240 erscheint heuer das<br />

Mercedes-Benz-Pendant MB O 307<br />

zunächst in vier verschiedenen Ausführungen<br />

als Postbus, Fahrzeug des<br />

RVO München und in zwei neutralen<br />

Varianten. Auch der Kurzhauber<br />

Mercedes L322 als Pritschen- oder<br />

Kofferlaster bekommt Zuwachs.<br />

Ganz neu sind Lastzüge mit Krupp-<br />

Titan- oder Büssing-LU-11-16-Zugmaschine<br />

in verschiedenen attraktiven<br />

Dekors als Pritschen- und<br />

VK-Modelle bringt die H0-Modelle des Anderthalbdecker-Busses (hier<br />

die Bonner Ausführung), der im Original von der Essener Firma Ludewig<br />

auf Büssing-Fahrgestellen für verschiedene Städte gebaut wurde<br />

Planenzüge. Neu sind auch weitere<br />

Versionen des Reisebusses Mercedes<br />

O 6600H und der VW-Bus mit<br />

Hochdach. Miroslav Barnet zeigte<br />

weitere Varianten des fünffenstrigen<br />

Prager Ringhoffer-Triebwagens<br />

und des dazu passenden kleinen Beiwagens<br />

„Plechá“. Neu ist auch der<br />

Salzburger Stadtbahnwagen ET40NF<br />

mit Niederflur-Mittelteil. Zur Ausstattung<br />

der Anlage gibt es eine moderne<br />

Telefonzelle und ein Wartehaus,<br />

das den auch bei uns verbreiteten<br />

Vorbildern der französischen Firma<br />

JC Decaux entspricht.<br />

Neu bei MKB in N und H0 sind eine<br />

moderne Stadtbrücke, zwei Stadthäuser<br />

der 1950er-Jahre und ein<br />

klassisches Haus mit Tordurchfahrt.<br />

Interessant ist auch das Modell der<br />

Hamburger Gustav-Adolf-Kirche,<br />

das sich in die Häuserzeile einreiht.<br />

Alle diese Neuheiten entstehen in<br />

Lasercut-Technik, ebenso wie das<br />

große Eisenbahnerwohnhaus nach<br />

Mannheimer Vorbild von Moebo,<br />

das ebenfalls in N und H0 gefertigt<br />

wird. Neues gibt‘s auch mal wieder<br />

von Modellbahntechnik Hof. Das<br />

Pflasterstraßensystem wird um 49<br />

und 61 Millimeter breite Straßenteile<br />

mit nur <strong>noch</strong> jeweils einem Gully und<br />

Kanaldeckel erweitert. Auch der neue<br />

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strassenbahn magazin 5|2013 75


aßenbahn im Modell<br />

Von Ingenieur Miroslav Barnet aus Prag stammt diese<br />

Variante des Tatra KT8D5 der Brünner Straßenbahn. Es<br />

ist eine von zahlreichen H0-Versionen dieses Typs im Programm<br />

des rührigen tschechischen Modellproduzenten<br />

Randstreifen verfügt nur <strong>noch</strong> über<br />

einen Gully, wodurch diese Teile wesentlich<br />

vorbildgetreuer werden. Navemo<br />

bringt in einer überarbeiteten<br />

Ausführung die sechs- und achtachsige<br />

Version des Zürcher <strong>Tram</strong> 2000 in<br />

der aktuellen Lackierung heraus, die<br />

bereits im letzten Jahr angekündigt<br />

wurde. Die Verzögerung entstand<br />

durch eine zwischenzeitliche Änderung<br />

der Gestaltung der Beschriftung<br />

beim Original. Die diesjährigen Neuheiten<br />

bei Noch stehen zwar unter<br />

dem Motto „In der Stadt“, betreffen<br />

aber vor allem Bahnhofszubehör, wie<br />

eine filigrane in Lasertechnik hergestellte<br />

Fußgängerbrücke, die beliebig<br />

erweitert werden kann. Einen für<br />

Bahnhofsviertel typischen Gewerbebetrieb<br />

stellt die Table-Dance-<br />

Bar dar, bei der Dank großzügiger<br />

Verglasung eines Teilbereichs das<br />

Innenleben mit sich um die Stangen<br />

drehenden Damen betrachtet werden<br />

kann. Untermalt wird das Ganze<br />

mit Flackerlicht-Effekten. Eher bieder<br />

und für H0 etwas verniedlicht wirken<br />

die vier neuen Fachwerkhäuser, wobei<br />

eines der Häuser aber mit einer<br />

roten Laterne und weiterer einschlägiger<br />

Dekoration „verziert“ ist. Ansonsten<br />

sind vor allem neue Figurensets<br />

und Utensilien wie Pflanzkübel<br />

für die Gestaltung städtischer Szenerien<br />

erwähnenswert.<br />

Neben verschiedenen Traktoren und<br />

Borgward-Lastwagen waren bei NPE<br />

vor allem der Bus Neoplan Do-Lux<br />

Bei der Karlsruher Albtalbahn lief dieser Überlandbus Mercedes-Benz<br />

O307, den Brekina als H0-Modell neu in sein Programm aufnimmt<br />

und der sich deutlich vom Werksaufbau<br />

unterscheidende Mercedes<br />

O312H mit Drögmöller-Karosserie<br />

sowie der Haubenbus Borgward<br />

B4500 erwähnenswert. Die Busse<br />

verfügen über Panoramafenster<br />

im Dachrand. <strong>Als</strong> Auftragsarbeit in<br />

Kooperation mit VK-Modelle wird<br />

als Resin-Kleinserienmodell der<br />

<strong>noch</strong> heute vorhandene Marburger<br />

Schlossbus von 1969 gefertigt, ein<br />

Mercedes-Benz L 608D mit Aufbau<br />

der Firma Vetter. N-<strong>Tram</strong> plant für<br />

6,5-mm-Spurweite Modelle der ersten<br />

Baseler <strong>Tram</strong>serien Be2/2 1-26<br />

und 27-40 sowie der pfälzischen<br />

Schmalspurbahnen. Die Zuglok Reihe<br />

L1 war in der typischen Dampfstraßenbahn-Bauart<br />

gehalten und<br />

später als 99 081-092 eingereiht.<br />

Neben verschiedenen Figurengruppen,<br />

die unter anderem Reisende<br />

und Radfahrer darstellen, erscheinen<br />

heuer bei Preiser auch die drei ehemaligen<br />

Bundeskanzler Willy Brandt,<br />

Helmut Schmidt und Helmut Kohl<br />

Harmonisch passen der Düwag-GT6-Triebwagen und der schon länger<br />

erhältliche Düwag-Vierachsbeiwagen zusammen. Dank Halling-<br />

Technik verfügt der Triebwagen über hervorragende Fahreigenschaften.<br />

Beide Modelle werden von „Bus und Bahn und mehr“ angeboten<br />

76 strassenbahn magazin 5|2013


Spielwarenmesse 2013<br />

Durchaus auch auf westeuropäischen Anlagen denkbar wären die U-Bahn-Modelle für N-Spur von Kato, wenn<br />

man einige kleinere Änderungen am Design vornähme. Im Vordergrund sehen wir das neue Modell der Tokioter<br />

„Marunouchi Line“, dessen Vorbild eine Nebenrolle im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ spielte<br />

für H0 und in 1:24. Mit den neuen<br />

Zimmereinrichtungen kann ein ganzes<br />

Haus von der Küche über das<br />

Wohnzimmer bis zum Bad ausgestattet<br />

werden. Dies bietet sich vor<br />

allem für Modellhäuser mit großen<br />

Fensterflächen an, ansonsten sollte<br />

man die Dächer dieser Gebäude abnehmbar<br />

gestalten, damit das Ganze<br />

nicht „für die Katz“ ist. Die ebenfalls<br />

neuen Feuerwehrspinde eignen sich<br />

auch bestens zur Gestaltung eines<br />

Straßenbahn- oder Busbetriebshofes.<br />

Wichtigste Neuheit ist aus unserer<br />

Sicht die Ergänzung der im letzten<br />

Jahr vorge- stellten Bruchsteinmauern<br />

mit ver- schiedenen<br />

Benz-Gelenkbusse O405G aus den<br />

1980er-Jahren und die niederflurigen<br />

Nachfolger O405GN. Zum Jubiläum<br />

erscheint ein Feuerwehrmodell,<br />

dessen Vorbild ebenfalls 30 Jahre<br />

alt wird, nämlich das Löschfahrzeug<br />

Iveco-Magirus MK 120-19 TLF und<br />

MK 120-23 LF. Aktuellen Vorbildern<br />

nachempfunden und für den städtischen<br />

Nahverkehr interessant sind<br />

die Modelle des MAN-Hybridbusses<br />

Lion’s City, der unter anderem im<br />

Dekor der VAG Nürnberg und der<br />

Wiener Linien erscheinen wird.<br />

Außerdem sind weitere Varianten<br />

des Mercedes-Benz Citaro als Solo-<br />

und Gelenkbus und im Rahmen<br />

Die Preisträger: Jan Ruppert (l.) und<br />

Johannes Keller-Harmsen (Platz 2<br />

mit einem Stuttgarter Partywagen)<br />

Neuheiten &<br />

Neuigkeiten<br />

Kleine Bahn<br />

wieder groß<br />

■ Europas größte Modelltram-<br />

Ausstellung »Kleine Bahn ganz<br />

groß« ruft in diesem Jahr am 25.<br />

und 26. Mai nach Chemnitz. Im<br />

Omnibusbetriebshof an der Werner-Seelenbinder-Straße<br />

13 zeigen<br />

Hobbyfreunde und Hersteller ihre<br />

Anlagen und Produkte. Ausführliche<br />

Informationen unter www.<br />

kleinebahnganzgross.de und bei<br />

kleinestrassenbahn2013@web.de<br />

Seine erste<br />

Messingtram<br />

■ „Mein Modell – meine Geschichte“<br />

war das Thema der stets<br />

während der Spielwarenmesse<br />

stattfindenden Veranstaltung der<br />

„<strong>Tram</strong>way and Light Railway Society“<br />

(TLRS). Diesmal gab es einen<br />

gleichnamigen Modellwettbewerb.<br />

Den ersten Platz belegte Jan Ruppert,<br />

Straßenbahner aus Berlin,<br />

mit einem dreiteiligen<br />

Münchner<br />

M5-Großzug aus<br />

Messing.<br />

H. GIERAMM, OLGA BANDELOWA<br />

Mit einem Münchner Zug M5+M5+m5 hat Jan Ruppert aus Berlin<br />

den ersten Preis errungen. Es sind seine ersten H0m-Messingmodelle<br />

Ein erster CAD-Entwurf zeigt, wie das H0-Modell des Stuttgarter Aussichtstriebwagens<br />

502 aussehen könnte, das Hustra in Bochum plant<br />

Torelementen und Abdeckungen aus<br />

Natursteinplatten und Dachziegeln.<br />

Dank der Verzahnung der einzelnen<br />

Elemente lassen sich diese ohne<br />

sichtbare Fugen verbinden.<br />

Die Firma Rietze feiert heuer ihr<br />

30-jähriges Bestehen, wozu wir<br />

herzlich gratulieren. Aus diesem Anlass<br />

waren die Sammler im letzten<br />

Jahr dazu aufgerufen, Vorschläge<br />

zu einem Wunschmodell zu äußern.<br />

Sieger wurden die Mercedes-<br />

der „Collectors-Edition“ der Göppel<br />

Maxitrain, ein Buszug im Dekor der<br />

DB-Tochter „Saar-Pfalz-Bus, Saarbrücken“<br />

angekündigt. Weitere Modelle<br />

stellen der VW Golf 7 und eine<br />

große Zahl an Einsatzfahrzeugen dar,<br />

auf die wir aber nicht näher eingehen<br />

können.<br />

Noch mehr Neuheiten zeigen wir<br />

Ihnen im vierten und letzten Teil<br />

unseres Messerundganges.<br />

BERTHOLD DIETRICH-VANDONINCK<br />

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70771 Leinfelden-Echterdingen<br />

strassenbahn magazin 5|2013 77


Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />

0 89 – 13 06 99-720<br />

ö 0 89 – 13 06 99-700<br />

: redaktion@geramond.de<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />

Zu »Die letzten Zweiachser«<br />

(SM 3/2013)<br />

Mehr Darmstädter Wagen<br />

erhalten geblieben<br />

In diesem Beitrag ist der Verbleib der<br />

Darmstädter Zweiachser nicht ganz korrekt<br />

dargestellt. „Normal“ ausgeschieden<br />

sind lediglich die Wagen 14, 16 und<br />

19. Wagen 18 fiel vorzeitig einem Unfall<br />

zum Opfer. Vom Restbestand wurde Wagen<br />

11 zu einem Schleifwagen umgebaut<br />

(<strong>noch</strong> im Bestand). Wagen 13 wurde –<br />

wie korrekt berichtet – nach Würzburg<br />

abgegeben. 12 und 15 sollten erhalten<br />

bleiben, und 17 wurde Triebfahrzeug des<br />

Party-Zugs „Datterich-Express“.<br />

Da Wagen 17 bei einem Brand im Depot<br />

Böllenfalltor irreparabel beschädigt<br />

wurde, trat Wagen 12 an seine Stelle. Wagen<br />

15 gehört zum Bestand der von der<br />

HEAG erhaltenen historischen Fahrzeuge,<br />

ist aber derzeit nicht betriebsfähig. Von<br />

den ehemals Regensburger Wagen ging<br />

88 mit Beiwagen 201 zurück nach Regensburg<br />

und wurde dort als Denkmal im<br />

Bereich der Verkehrsbetriebe aufgestellt.<br />

Die Wagen 86, 87 und 89 wurden verschrottet.<br />

Jörn Schramm, Aulendorf<br />

Zu »Porträt Linie 7 in Halle<br />

(Saale)« (SM 3/2013)<br />

Kulturlinie auch<br />

während Bauarbeiten<br />

Der Beitrag war informativ und lesenswert.<br />

Den<strong>noch</strong> möchte ich ein paar<br />

Anmerkungen machen: Die Wendeschleife<br />

in Kröllwitz ist in der Tat keine Fehlplanung.<br />

Erwähnenswert ist auch der (gut<br />

genutzte) zugehörige P + R-Platz mit seinen<br />

flexiblen Anzeigetafeln, die Autofahrer<br />

nicht nur über die nächsten Abfahrten<br />

der Straßenbahn, sondern auch über die<br />

Verkehrsbelastung in der Dölauer Straße<br />

informieren. Das Projekt ist Teil der MO-<br />

SAIQUE-Initiative des Mitteldeutschen<br />

Verkehrsverbundes. Kröllwitz wurde vom<br />

ADAC als benutzerfreundlichster P + R-<br />

Platz ausgezeichnet und verfügt über<br />

eine Ladesäule für Elektroautos.<br />

Ein Fehler befindet sich in der Bildunterschrift<br />

auf S. 28. Die Aufnahme stammt<br />

nicht aus der Großen Ulrichstraße, sondern<br />

aus der Geiststraße. Der auf dem<br />

Foto abgebildete Abschnitt wird nicht saniert.<br />

Davon ist der Bereich zwischen dem<br />

Neuen Theater und dem Moritzburgring<br />

betroffen. Die Moritzburg ist jedoch auch<br />

während der Bauarbeiten mit der Straßenbahn<br />

erreichbar, jedoch nur aus nördlicher<br />

Richtung. Dazu werden die Linie 8<br />

und die neue Baustellenlinie 17 (Moritzburgring<br />

– Reileck/Adolfstraße mit nur<br />

vier Stationen) über eine <strong>noch</strong> einzubauende<br />

Weiche wenden. Zwischen Moritzburgring<br />

und Marktplatz fahren Busse im<br />

Schienenersatzverkehr (Linie 68). Die Linie<br />

7 wird in dieser Zeit, wie im Beitrag richtig<br />

erwähnt (ebenso wie Linie 3), über das<br />

Steintor umgeleitet. Da somit Opernhaus<br />

und Steintor-Varietee erreicht werden,<br />

wird auch die umgeleitete Linie 7 dem Titel<br />

Kulturlinie gerecht.<br />

Die Bauarbeiten beginnen übrigens<br />

erst nach Ostern, da die Ausschreibung<br />

der Bauleistungen sich verzögert hat.<br />

Wegen der gleichzeitigen Sperrung der<br />

Torstraße sowie der Weißen Mauer im<br />

Überlandgebiet kommt es zu weiteren<br />

Umleitungen, neuen Wendestellen über<br />

Bauweichen (z. B. im Böllberger Weg),<br />

neuen Linienbezeichnungen (z.B. Linien<br />

18, 61, 65) an Stelle der vorübergehend<br />

eingestellten Linien 6 und 11 und einer<br />

Reaktivierung des ehemaligen Betriebshof<br />

Merseburg. Dabei fahren Straßenbahnen<br />

so nah wie nur möglich an die<br />

Baustellenbereiche heran. Ein Besuch<br />

lohnt sich für jeden Straßenbahnfreund!<br />

Der immer wieder erwähnte Marktturm<br />

trägt die Bezeichnung „Roter<br />

Turm“. Es heißt übrigens auch nicht<br />

„Haller Roland“, sondern „hallescher...“.<br />

Das Schokoladenmuseum erreicht man<br />

am besten nicht über die Haltestelle<br />

Grenzstraße, sondern günstiger über die<br />

folgende Haltestelle Fiete-Schulze-Straße.<br />

Benjamin Richter, Halle (Saale)<br />

Zu »Innenstadtstrecke vor<br />

Vollsperrung« (SM 1/2013)<br />

Schwerwiegende<br />

Auswirkungen für Erfurt<br />

In dem Bericht auf Seite 11 wird darauf<br />

hingewiesen, dass Erfurts bedeutendste<br />

Innenstadtstrecke zwischen<br />

Domplatz und Anger in diesem Jahr für<br />

den Straßenbahnverkehr komplett gesperrt<br />

wird, weil die Schlösserbrücke über<br />

die Gera saniert werden soll. Bei diesem<br />

Sachverhalt darf die Frage aufgeworfen<br />

werden, ob nicht über eine Umleitungsstrecke<br />

die Nordstadt Erfurts mit der Südstadt<br />

weiterhin hätte verbunden werden<br />

können. Hätte man nicht über eine neue<br />

Verbindungsstrecke, deren südlicher Ast<br />

über die Moritzwallstraße und die Schlüterstraße<br />

zu Johannesstraße und deren<br />

nördlicher Ast über den Rosa Luxemburgplatz,<br />

Tal- und Bergstraße zur Nordhäuserstraße<br />

führen würden, dieses Debakel<br />

verhindern können? Irgendwann sind<br />

auch auf der Johannesstraße einmal Sanierungsarbeiten<br />

fällig. Sollte das der Fall<br />

werden, könne man in umgekehrter Richtung<br />

die Linien 1 und 5 umleiten.<br />

Ganz abgesehen davon habe ich mir<br />

eine zusätzliche Linie ausgedacht, die<br />

von Stotternheim nach Niedernissa führen<br />

könnte. Der Linienweg wäre folgender:<br />

Stotternheimer Straße, Magdeburger<br />

Allee, die oben genannte Umleitungs -<br />

strecke, Gutenbergstraße, Biereyestraße,<br />

Rudolfstraße, Benaryplatz, Anger, Weimarische<br />

Straße, Jenaer Straße, Rudolfstäd-<br />

Wegen Bauarbeiten kommt es in<br />

Halle (Saale) 2013 zu Umleitungen<br />

– siehe www.havag.com SV<br />

terstraße, Dittelstedt, Ulbrich, Niedernissa.<br />

Dabei könnten Gleise der Linie 5, 4<br />

und 2 mitbenutzt werden, was die Kosten<br />

einer solchen Streckenführung senken<br />

würde. Ich besuche Erfurt häufiger,<br />

aber ich könnte mir vorstellen, dass eingesessene<br />

Erfurter Bürger <strong>noch</strong> bessere<br />

oder andere Vorschläge dazu machen<br />

könnten. Heinrich Kemper, Warendorf<br />

Zu »Stuttgarter Stadtbahnnetz<br />

wird fit gemacht« (SM 4/2013)<br />

Skandalöses Vorgehen<br />

Es wäre schön gewesen, es wäre erwähnt<br />

worden, dass nach Inbetriebnahme<br />

der neuen U12 zwischen Remseck<br />

und Dürrlewang der seitherige Streckenabschnitt<br />

zwischen den Haltestellen<br />

Milchhof und der in Stadtbibliothek umbenannten<br />

Haltestelle Türlenstraße aufgegeben<br />

wird.<br />

Damit entfällt die Haltestelle Pragfriedhof.<br />

Die direkt vor dem Haupteingang des<br />

Friedhofs gelegene Haltestelle ist für<br />

Friedhofsbesucher wie für Bewohner der<br />

naheliegenden Hochhäuser wichtig und<br />

wird entsprechend frequentiert. Wie von<br />

ihnen geschrieben ist die neue Strecke<br />

über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs<br />

nur dann wirtschaftlich, wenn<br />

das heutige Gleisvorfelds des Hauptbahnhofs<br />

komplett überbaut würde.<br />

Dies würde – wie sogar das Bundesverkehrsministerium<br />

einräumen musste –<br />

ein förmliches Stilllegungsverfahren erfordern.<br />

Eine Entwidmung der Gleisflächen<br />

wäre erst möglich, wenn sich kein Interessent<br />

für einen Weiterbetrieb finden sollte.<br />

Angesichts des bestehenden Interesses<br />

eines Weiterbetriebs durch die Stuttgarter<br />

Netz AG spricht viel dafür, dass die SSB<br />

hier ein rechtswidriges, da unwirtschaftliches<br />

Schienenprojekt verfolgt. Dass nun<br />

gezielt Fakten geschaffen werden sollen,<br />

entspricht der gewohnt skandalösen Vorgehensweise<br />

beim Projekt „Stuttgart<br />

21“, welches aus guten Gründen von<br />

Christoph Engelhardt schon als größter<br />

technisch wissenschaftlicher Betrugsfall<br />

der deutschen Industriegeschichte bezeichnet<br />

wurde.<br />

Eberhard Zedler, Stuttgart<br />

78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Termine<br />

20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage in der<br />

Sächsischen Schweiz, regulärer Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn<br />

sowie Tag der offenen Tür im Depot mit Besichtigung<br />

der Werkstatt.<br />

20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Gelände des Depots Trachenberge hat von<br />

10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung der Museumshallen,<br />

des Werkstattbereiches und der historischen Wagen; gezeigt<br />

wird u.a. der vor seiner Vollendung stehende Postwagen der<br />

Lockwitztalbahn von 1908, im Museumscafé läuft auf der<br />

Großbildleinwand eine neue Fotopräsentation; Eintritt: Erw.<br />

2 €, Kinder 1,50 €. An beiden Tagen ist außerdem der Oldtimerzug<br />

(Bj. 1913/25) sowie erstmals nach seiner HU der<br />

Gotha-Großraumzug Tw 1734/Bw 2015 im Einsatz, stündliche<br />

Rundfahrten durch Dresden<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />

Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />

Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />

Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />

Am 20./21. April wird in Dresden der Gotha-Großraumzug<br />

Tw 1734 erstmals nach seiner HU wieder<br />

im Einsatz stehen<br />

H. FRENZEL<br />

21. April, Berlin: Anlässlich „100 Jahre U2 sind zwei Dreiwagenzüge<br />

vom Typ AI auf der U2 im Einsatz; außerdem<br />

Themenfahrt mit historischem Omnibus, ab Alexanderplatz/Dircksenstraße<br />

um 10 Uhr: Rundfahrt nach Müggelheim;<br />

Dauer: ca. fünf Stunden; Fahrpreise: Erwachsene 12<br />

EUR, Kinder (6–14 Jahre) 8 EUR; eine Platzreservierung ist<br />

erforderlich unter businfo@dvn-berlin.de; weitere Informationen<br />

unter www.dvn-berlin.de<br />

21. April, Sehnde-Wehmingen: Tag des Kalibergbaus im<br />

Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser Straße<br />

16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, weitere Infos:<br />

www.tram-museum.de oder vorstand@tram-museum.de<br />

28. April, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst fahren<br />

im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />

Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, Gelegenheit,<br />

unter Anleitung eines HSM-Fahrlehrers selbst eine<br />

Straßenbahn zu fahren, Kosten: 15 EUR, s. www.tram-museum.de<br />

28. April, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />

Ständlerstraße 20, 81549 München<br />

1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten auf Kirnitzschtalbahn<br />

mit historischen Fahrzeugen. Es gilt der normale Fahrpreis<br />

zzgl. eines Obolus von 1,- € pro Fahrt, den Fahrplan<br />

gibt es unter www.ovps.de/verein<br />

4. Mai, Berlin: Führungen durch das Baudenkmal Betriebshof<br />

Niederschönhausen und die Sammlung historischer<br />

Straßenbahnen und Busse, Dietzgenstraße 100 (Haltestelle<br />

Nordend, Straßenbahnlinie M1, Buslinien 107 und<br />

124), stündlich von 10 bis 15 Uhr; Eintritt: Erwachsene 2<br />

EUR, Kinder (6–14 Jahre) 1 EUR; weitere Infos unter<br />

www.dvn-berlin.de<br />

4. Mai, Augsburg: Rundfahrt mit GT8-Tw 806, organisiert<br />

von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und<br />

den Verkehrsbetrieben. Start ist am Königsplatz (Bahnst.<br />

„H“ der Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05<br />

und 15.05 Uhr. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet<br />

3 EUR für Erwachsene und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder<br />

anderer Nahverkehrsfreunde sind frei. Bitte beim Fahrbegleiter<br />

melden<br />

4. Mai, Essen/Gelsenkirchen: Die historischen Straßenbahnen<br />

der VhAG EVAG, BOGESTRA und MVG fahren im<br />

Stundentakt zwischen Essen-Holsterhausen und Gelsenkirchen<br />

Hbf, zwischen Essen Hbf und Zeche Zollverein sogar<br />

alle 30 Minuten. Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />

Infos: www.vhag-bogestra.de<br />

5. Mai, Sehnde-Wehmingen: Treffen historischer Omnibusse<br />

im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />

Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, weitere<br />

Informationen unter www.tram-museum.de oder<br />

vorstand@tram-museum.de<br />

12. Mai, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />

Ständlerstraße 20, 81549 München<br />

19. Mai, Bochum: Zwischen 11 und 17 Uhr fährt der<br />

»Muse umsExpress« der VhAG Bogestra mit historischen<br />

Straßenbahnen als Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie<br />

308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo in den Pendel-<br />

Schienenbus zum Eisenbahnmuseum umgestiegen werden<br />

kann. Nähere Infos: www.vhag-bogestra.de<br />

19./20. Mai, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst<br />

fahren im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Sehnde,<br />

geöffnet von 11–17 Uhr, Gelegenheit, unter Anleitung eines<br />

HSM-Fahrlehrers selbst eine Straßenbahn zu fahren, Kosten:<br />

15 EUR, siehe www.tram-museum.de<br />

25./26. Mai, Chemnitz: Tage der offenen Tür und die<br />

Museumsnacht im CVAG-Omnibusbetriebshof, Werner-Seelenbinder-Str.<br />

13. Im Rahmen der 10. int. Modell-Straßenbahn-Ausstellung<br />

werden mehr als 20 Modellstraßenbahnanlagen<br />

präsentiert. Geöffnet ist am Sonnabend von 13 Uhr<br />

bis 1 Uhr nachts sowie am Sonntag von 12 bis 16 Uhr. Zeitgleich<br />

hat jeweils das Straßenbahnmuseum Chemnitz,<br />

Zwickauer Str. 164, geöffnet. Zu den Miniatur-<strong>Tram</strong>s gibt es<br />

Auskünfte über kleinestrassenbahn2013@web.de, zum<br />

Museum über das Straßenbahnmuseum Chemnitz,<br />

www.strassenbahn-chemnitz.de, claudia.mann@strassenbahn-chemnitz.de.<br />

25./26. Mai, Sehnde-Wehmingen: Modell-Truck-Treffen<br />

im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser Straße<br />

16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr, zusätzlich<br />

Straßenbahn selbst fahren, Kosten: 15 EUR, weitere Infos:<br />

www.tram-museum.de oder vorstand@tram-museum.de<br />

26. Mai, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />

Ständlerstraße 20, 81549 München<br />

1. Juni, Essen/Gelsenkirchen: Die historischen Straßenbahnen<br />

der VhAG EVAG, BOGESTRA und MVG fahren im<br />

Stundentakt zwischen Essen-Holsterhausen und Gelsenkirchen<br />

Hbf, zwischen Essen Hbf und Zeche Zollverein sogar<br />

alle 30 Minuten. Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />

Infos: www.vhag-bogestra.de<br />

1. Juni, Meißen/Döbeln: Sonderfahrt mit einem historischen<br />

Omnibus von Leipzig nach Meißen (u. a. mit Besichtigung<br />

der Güterlok der ehemaligen Meißner Straßenbahn)<br />

und zur Pferdebahn Döbeln. Details: www.diebimmel.de<br />

oder per E-Mail von g-wranik@t-online.de<br />

1. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit Gt8 Tw 806, organisiert<br />

von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und<br />

den Verkehrsbetrieben. Start: Königsplatz (Bahnst. „H“ der<br />

Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05 und 15.05<br />

Uhr. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet 3 EUR für<br />

Erwachsene und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder anderer<br />

Nahverkehrsfreunde sind frei. Bitte beim Fahrbegleiter melden<br />

6. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit KSW, organisiert von den<br />

Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und den Verkehrsbetrieben.<br />

Weitere Details siehe Ablauf am 1. Juni.<br />

9. Juni, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet,<br />

Ständlerstraße 20, 81549 München<br />

15. Juni, Cottbus: Anlässlich des Jubiläums „110 Jahre<br />

Cottbuser Straßenbahn“ findet von 11 bis 17 Uhr auf dem<br />

Betriebshof Schmellwitz ein „Hoffest“ statt. Begonnen wird<br />

der Tag mit einem Straßenbahncorso ab 10 Uhr durch die<br />

Stadt. Nähere Infos: www.cottbusverkehr.de<br />

Schlachten,<br />

Technik,<br />

Feldherren<br />

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Literatur · Händlerverzeichnis · Impressum<br />

Nummer 283 • 5/2013 • Mai • 44. Jahrgang<br />

Spazierfahrt durch Halle (Saale) in der DDR-Zeit<br />

Der Sutton-Verlag aus Erfurt ist für Straßenbahnfreunde<br />

seit vielen Jahren eine gute<br />

Adresse – einerseits, um in diesem Hause erschienene<br />

Publikationen zu kaufen, andererseits<br />

aber, um mit dessen Hilfe einmal selbst<br />

etwas zu veröffentlichen. Letztere Möglichkeit<br />

ergriffen drei Mitglieder des Vereins<br />

„Hallesche Straßenbahnfreunde e.V.“ kürzlich<br />

am Schopfe. Im Blick auf das mit Aufnahmen<br />

der Halleschen Straßenbahn aus<br />

der DDR-Zeit gut gefüllte Vereinsarchiv regten<br />

sie einen Bildband im üblichen Format<br />

von 16,5 x 23,5 cm an. Der Verlag biss an<br />

– das Ergebnis ist seit Anfang März im<br />

Handel: Eine 96-seitige Broschüre mit dem<br />

Titel „Die Hallesche Straßenbahn“.<br />

Bei solch einer Überschrift erwartet der Käufer natürlich<br />

eine Darstellung des Betriebes von den Anfängen bis zur Gegenwart.<br />

Doch diesem Anspruch wird weder der zweiseitige<br />

Einführungstext <strong>noch</strong> die Illustration gerecht. Vielmehr liegt ein<br />

sympathischer Bildband vor, der sich ausschließlich den vier<br />

Jahrzehnten zwischen 1950 und 1990 widmet. Der Schwerpunkt<br />

liegt dabei auf den 1970er- und 1980er-Jahren.<br />

Mit mehr als 150 bisher weitgehend unveröffentlichten<br />

Schwarzweißaufnahmen ganz unterschiedlicher Schärfe und<br />

Brillanz holt der Titel den Betrachter in die Höhen und Tiefen<br />

des Halleschen Straßenbahnbetriebes während der Ulbrichtund<br />

Honecker-Ära. Dabei kommen die Überlandstrecken nach<br />

Bad Dürrenberg und Mücheln ebenfalls nicht zu kurz. Und so<br />

reihen sich in dem Büchlein famose Aufnahmen von Vorkriegswagen<br />

– natürlich fast immer von Lindner gebaut – an Fotos<br />

von LOWA- und Gotha-Wagen sowie Tatras. Heute längst abgerissene<br />

Gebäude sowie ein breites Spektrum an DDR-Straßenfahrzeugen<br />

bieten dabei äußerst sehenswerte Kulissen.<br />

In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

80<br />

Postleitzahlgebiet 0<br />

Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />

Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />

Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />

Harkortstr. 7<br />

Postleitzahlgebiet 1<br />

Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />

Französische Str. 13/14 · Loko Motive<br />

Fachbuchhandlung, 10777 Berlin,<br />

Regensburger Str. 25 · Modellbahnen<br />

& Spielwaren Michael Turberg, 10789<br />

Berlin, Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />

Flügelrad, 10963 Berlin,<br />

Stresemannstr. 107 · Modellbahn-<br />

Pietsch, 12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />

Postleitzahlgebiet 2<br />

Roland Modellbahnstudio,<br />

28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />

Postleitzahlgebiet 3<br />

Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />

Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />

Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />

Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />

3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />

10, 38100 Braunschweig<br />

Postleitzahlgebiet 4<br />

Menzels Lokschuppen, 40217 Düsseldorf,<br />

Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,<br />

40549 Düsseldorf, Will -<br />

stätterstr. 15 · Modellbahnladen Hilden,<br />

Hofstr. 12, 40723 Hilden · Fach -<br />

buchhandlung Jürgen Donat, 47058<br />

Duis burg, Ottilienplatz 6<br />

Postleitzahlgebiet 5<br />

Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />

50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />

Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />

Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche<br />

Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />

Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung<br />

Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -<br />

str. 78<br />

Postleitzahlgebiet 6<br />

Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />

Solmsstr. 75<br />

Postleitzahlgebiet 7<br />

Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />

70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />

· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />

70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />

96 · Buchhandlung Albert Müller,<br />

70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -<br />

bahn-Treffpunkt Schweickhardt,<br />

71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.<br />

31 · Osiandersche Buch handlung,<br />

72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·<br />

Buch verkauf Alfred Junginger, 73312<br />

Erscheint es dem Rezensenten fragwürdig,<br />

warum einzelne Standardaufnahmen<br />

aus den 1980er Jahren unscharf<br />

sind, so wird sich jeder stolze Beirette-<br />

Fotograf damit getröstet sehen – mit seinen<br />

Aufnahmen könnte er es scheinbar<br />

ebenfalls in Bücher schaffen …<br />

<strong>Als</strong> unschön mag es ein Ortsfremder<br />

empfinden, dass in dem Buch keinerlei Linienpläne<br />

oder Streckenzeichnungen zu<br />

finden sind. Zur Lektüre der Bildtexte sind<br />

insgesamt gute Vorkenntnisse zur Geschichte<br />

der Halleschen Straßenbahn sowie<br />

ihrer Fahrzeuge und Haltestellennamen<br />

dringend erforderlich. Selbst mit der Datierung<br />

und Bildreihenfolge nahmen es die<br />

Autoren oft nicht so genau. Außenstehenden werden sich bei<br />

den kurzen Erklärungen unter den Aufnahmen häufig Fragen<br />

stellen, denen der Bildband einer Antwort schuldig bleibt. Somit<br />

ist etwas unklar, an welches Publikum sich das Büchlein<br />

eigentlich richtet. Hart formuliert: Stellt es eine Gesprächsgrundlage<br />

für Vereinsabende der Autoren dar?<br />

Wer sich jedoch an den facettenreichen Straßenbahnaufnahmen<br />

auch ohne große Erklärungen erfreuen kann – weil<br />

er die Wagen <strong>noch</strong> gut kennt – und die Umgebung sowieso –<br />

der wird von dem Bildband hellauf begeistert sein! In Verbindung<br />

mit anderen Büchern über die <strong>Tram</strong> der Saalestadt ist der<br />

Titel eine wertvolle Ergänzung und Fundgrube. Die knapp 20<br />

Euro sind dafür allemal gerechtfertigt.<br />

A. MARKS<br />

Harald Mey, Egbert Kluge und Manfred Schumann:<br />

Die Hallesche Straßenbahn, 96 Seiten, 16,5 x 23,5 cm,<br />

broschiert, 160 Schwarzweißfotos, Sutton-Verlag Erfurt<br />

2013, ISBN: 978-3-86680-967-3, Preis 18,95 EUR<br />

Geis lingen, Karlstr. 14 · Service rund<br />

ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,<br />

Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />

Mössner, 79261 Gutach, Landstr.<br />

16 A<br />

Postleitzahlgebiet 8<br />

Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />

80634 München, Schulstr. 19 ·<br />

Augsburger Lok schuppen, 86199<br />

Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />

Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />

hausen, Ingolstädter Str. 54<br />

Postleitzahlgebiet 9<br />

Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />

Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />

Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />

Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />

Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />

Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />

Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />

Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />

94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />

Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />

Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />

Österreich<br />

Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />

Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />

1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />

Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />

Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />

Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />

17 · Buchhandlung Morawa,<br />

1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />

J. Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />

Kramergasse 2-4<br />

Belgien<br />

Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />

1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />

Naeyer 423/1<br />

Tschechien<br />

Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />

Klimentska 32<br />

Dänemark<br />

Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />

husene, Brandvaenget 60<br />

Spanien<br />

Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />

de Elche 5<br />

Großbritannien<br />

ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />

4 Borderside<br />

Niederlande<br />

van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />

Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />

Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />

Kluizeweg 474<br />

www.strassenbahn-magazin.de<br />

Redaktionsanschrift:<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />

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Verantw. Redakteur:<br />

André Marks, andre.marks@geramond.de<br />

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Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl<br />

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />

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Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />

Layout: Axel Ladleif<br />

Litho: Cromika, Verona<br />

Druck: Stürtz, Würzburg<br />

Verlag:<br />

GeraMond Verlag GmbH,<br />

Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />

Geschäftsführung:<br />

Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />

Herstellungsleitung:<br />

Sandra Kho<br />

Vertrieb Zeitschriften:<br />

Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />

MZV, Unterschleißheim<br />

Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />

sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />

Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />

im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />

Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />

land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />

handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />

sowie direkt beim Verlag.<br />

© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />

enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />

geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />

der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />

Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung<br />

übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />

Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />

verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />

11a, 80797 München.<br />

ISSN 0340-7071 • 10815<br />

Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

80


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abgebildet. Die Tasse ist in limitierter Auflage erschienen.<br />

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Ich kann das Abo nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen.<br />

Bitte informieren Sie mich künftig gern per E-Mail, Telefon oder Post über interessante<br />

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oder per Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.),<br />

per E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />

www.strassenbahn-magazin.de/abo<br />

* Preise inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten<br />

** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie


<strong>Vorschau</strong><br />

Liebe Leser,<br />

Sie haben<br />

Freunde, die<br />

sich ebenso<br />

für die<br />

Straßenbahn<br />

mit all Ihren<br />

Facetten begeistern<br />

wie Sie? Dann empfehlen<br />

Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />

über jeden neuen Leser<br />

André Marks,<br />

verantwortlicher Redakteur<br />

TOPTHEMA: Der schleichende Tatra-Abschied<br />

Was im Westen der Republik die klassischen Gelenk-Düwags, das sind im Osten Deutschlands die Tatra-Wagen: Kultfahrzeuge,<br />

die das Bild vieler Betriebe und Städte prägten, aber durch moderne Niederflurwagen verdrängt wurden und<br />

werden. In einem großen Report berichten wir über die Tatra-Einsätze bei den ostdeutschen Betrieben seit der Jahrtausendwende.<br />

Dazu geben die Autoren einen Überblick, welche Typen der Wagen aus tschechischer Produktion zwischen<br />

Rostock und Plauen heute überhaupt <strong>noch</strong> eingesetzt werden und wie deren <strong>Zukunft</strong>saussichten sind.<br />

Die NGT8 in Dortmund –<br />

Geschichte und Einsatz<br />

Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />

Mit den NGT8 hielt die Niederflur-Technologie auf dem<br />

Gleisnetz der Dortmunder Stadtwerke Einzug. Im September<br />

2007 traf der erste Bautzner Wagen in der nordrhein-westfälischen<br />

Metropole ein. Bei den Testfahrten traten reichlich<br />

„Kinderkrankheiten“ zu Tage. Seit nunmehr fünf Jahren<br />

kommen die Bombardier-Wagen im Linienverkehr zum Einsatz<br />

– Zeit für ein Resümee.<br />

Großbaustelle in Erfurt –<br />

Umleiterverkehr und die Folgen<br />

Weil der Fischmarkt und eine Brücke der Schlösserstraße saniert<br />

werden, ist die für Erfurts Innenstadt elementar wichtige<br />

Straßenbahnverbindung zwischen Anger und Domplatz<br />

seit März gesperrt. Die Fahrgäste müssen mehrere Monate<br />

entweder laufen oder auf Busse umsteigen. Von den Straßenbahnen<br />

wird der Bereich aufwendig umfahren – ein Bericht<br />

über diese Umleiterstrecken und Hinweise für Fotografen<br />

und Filmer.<br />

F. TEPPE<br />

Nostalgische Straßenbahn-<br />

Atmosphäre in Kärnten<br />

Der Verein „Nostalgiebahnen in Kärnten“ hat im südlichsten<br />

Bundesland Österreichs in den vergangenen Jahrzehnten<br />

zahlreiche Attraktionen geschaffen. Der Beitrag stellt<br />

die für Straßenbahnfreunde relevanten Örtlichkeiten vor,<br />

wo heute z.B. Wagen der <strong>Tram</strong>s aus Klagenfurt, Ybbs sowie<br />

der Hallerbahn besichtigt werden können. Ebenfalls vorgestellt<br />

wird das Projekt der Seetramway, für welche der<br />

Verein aktuell zahlreiche Fahrzeuge aufarbeitet.<br />

Vor 30 Jahren in München:<br />

Der große <strong>Tram</strong>-Kahlschlag<br />

Am 28. Mai 1983 ging in München die nur 3,3 km lange<br />

U1 in Betrieb. Die Stadtwerke stellten an diesem Tag gleichzeitig<br />

drei Straßenbahnlinien mit ca. zehn Kilometern Länge<br />

ein. Doch schon einen Monat zuvor war das <strong>Tram</strong>netz in<br />

Bayerns Landeshauptstadt geschrumpft – Ziel: Gesamteinstellung!<br />

Peter Schricker stellt die Ereignisse vor 30 Jahren<br />

einschließlich der verschiedenen Hintergründe vor.<br />

U. BERGER<br />

R. SCHREMPF<br />

Ende gut …?<br />

Ärger: Variobahnen<br />

Münchens im Fokus<br />

Im März thematisierte der Münchner<br />

Merkur mehrmals den Einsatz der vielkritisierten<br />

Variobahnen. Dabei zitierte<br />

die Tageszeitung mehrere Anwohner,<br />

die sich über Erschütterungen, klirrende<br />

Gläser und vibrierende Böden durch<br />

die auf der Linie 19 fahrenden und in<br />

den Kurven laut quietschenden Bahnen<br />

beklagten. Vor Ostern holte sich schließlich<br />

ein Redakteur des Blattes auch<br />

beim <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Rat,<br />

warum die Wagen aus dem Hause Stadler<br />

solche Probleme bereiten.<br />

Daraufhin veröffentlichte der Merkur<br />

am 30. März einen Bericht, in dem auch<br />

die Sicht des Redaktionsleiters des<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> zum Abdruck<br />

kam. Michael Krische erläuterte,<br />

dass sich das Gewicht der Variobahnen<br />

bei im Vergleich zu den bewährten R3<br />

ähnlicher Masse auf lediglich drei und<br />

<strong>noch</strong> dazu festgelagerte Radsatzgruppen<br />

verteile. Beim R3 sind es hingegen<br />

vier Drehgestelle, die einen weicheren<br />

und leiseren Bogenlauf garantieren. So<br />

lautet Krisches Fazit: Variobahnen machen<br />

aufgrund ihrer Konstruktion ein<br />

bisschen den Eindruck eines Billigprodukts.<br />

Im Vergleich zum R3 seien sie<br />

eher ein „technischer Rückschritt“.<br />

Die bereits während der Recherche des<br />

Merkur-Beitrages mit diesem Urteil konfrontierte<br />

Münchner Verkehrsgesellschaft<br />

(MVG) wies die Vorwürfe zurück.<br />

Sie betonte die positive Konsequenz der<br />

starren Fahrgestelle: ein geräumiger Innenraum.<br />

Zudem würden andere Hersteller<br />

ebenfalls auf dieses Konzept setzen<br />

(Anmerkung Red.: Ja, und sie haben<br />

damit ähnliche Probleme). Davon, dass<br />

im September 2012 keine weiteren Variobahnen<br />

bestellt wurden, sondern acht<br />

Avenio von Siemens – mit vier Drehgestellen!<br />

–, schrieb die MVG nichts. AM<br />

DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 6/2013 erscheint am 17. Mai 2013<br />

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im Wirtschafts -<br />

wunderland«


Das besondere Bild<br />

Das besondere Bild<br />

Straßenbahnen in Hafennähe<br />

sind nicht unbedingt<br />

selten – aber Straßenbahnwagen<br />

voller<br />

Fahrgäste direkt im Hafen?<br />

Anlässlich „95 Jahre<br />

Dortmunder Hafen“<br />

konnte im August 1994<br />

ein womöglich weltweit<br />

einmaliges Spektakel erlebt<br />

werden: Der Einrichtungswagen<br />

431 (GT4,<br />

Hansa 1957) und der damals<br />

als Partywagen 221<br />

(ex Tw 21, Düwag 1966)<br />

eingesetzte GT8 pendelten<br />

unter riesigen Hafenkränen<br />

von einem Ladegleis<br />

ohne Oberleitung<br />

über Westerholz bis zum<br />

Hafenbahnhof.<br />

Möglich machte diesen<br />

ungewöhnlichen Einsatz<br />

der beiden Dortmunder<br />

Straßenbahnfahrzeuge<br />

ein zur Stromversorgung<br />

dazwischen gekuppelter<br />

Generatorwagen. Er<br />

übernahm die Energie -<br />

versorgung der beiden<br />

GT, deren Radsätze für<br />

diese Sonderfahrten spezielle<br />

Bandagen erhalten<br />

<strong>hatte</strong>n.<br />

Wagen 431 befindet sich<br />

<strong>noch</strong> heute im Eigentum<br />

des Vereins „Westfälische<br />

Almetalbahn e.V.“ und<br />

wurde am Bahnhof<br />

Mooskamp weitestgehend<br />

in seinen Ursprungszustand<br />

zurückversetzt<br />

(siehe SM 8/2012, Seite<br />

64: „Neues Heim für<br />

Oldies“). Der Party -<br />

wagen 221 der Dort -<br />

munder Stadtwerke AG<br />

(DSW) ist hingegen<br />

inzwischen längst verschrottet<br />

worden.<br />

Nicht mehr vorhanden<br />

ist übrigens auch der<br />

markante Drehkran im<br />

Vordergrund. An seiner<br />

Stelle befindet sich heute<br />

eine weitere Kranbrücke.<br />

Das besondere Bild<br />

TEXT/FOTO: FRED TEPPE<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013


Die schönsten<br />

Seiten der Bahn<br />

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