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CLAUSEWITZ 1864 Triumph im Norden: Krieg gegen Dänemark (Vorschau)

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2/2014 März | April €5,50 A: € 6,30 CH: sFr 11,00 BeNeLux: € 6,50 SK, I: € 7,45 S: SKR 75 N: NOK 79 FIN: € 8,10<br />

Clausewitz<br />

Das Magazin für Militärgeschichte<br />

Militärtechnik<br />

<strong>im</strong> Detail:<br />

Heinkel He 111<br />

Israels Sieg 1973<br />

Der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong><br />

Dieppe 1942<br />

Blutiger „Probelauf“<br />

für den D-Day<br />

Augustus<br />

<strong>1864</strong>: <strong>Triumph</strong> <strong>im</strong> <strong>Norden</strong><br />

Cäsars<br />

Erbe und<br />

Roms<br />

erster<br />

Kaiser<br />

<strong>Krieg</strong> <strong>gegen</strong><br />

<strong>Dänemark</strong><br />

Gewiefter Stratege:<br />

General Helmuth<br />

von Moltke, Chefplaner<br />

des Feldzuges <strong>gegen</strong><br />

<strong>Dänemark</strong><br />

MILITÄR & TECHNIK<br />

Tempo ist ihre<br />

Stärke: Schnellboote<br />

von<br />

Bundes- und<br />

Volksmarine<br />

Gepard-Klasse<br />

der Bundesmarine<br />

Projekt 205/Osa-Klasse<br />

der Volksmarine


Legenden<br />

der Lüfte<br />

Jeden Monat<br />

neu am Kiosk!


Editorial<br />

Liebe Leserin,<br />

lieber Leser,<br />

auch 150 Jahre nach Beendigung des<br />

„Deutsch-Dänischen <strong>Krieg</strong>es“ finden<br />

auf den Schauplätzen der Kämpfe jedes<br />

Jahr zwei unterschiedliche Großveranstaltungen<br />

in Erinnerung an den<br />

militärischen Konflikt des Jahres<br />

<strong>1864</strong> statt.<br />

Südlich der Grenze zu <strong>Dänemark</strong> erinnern<br />

jährlich am 6. Februar mehrere<br />

Hundert Personen mit ihrer Teilnahme<br />

am „Oeversee-<br />

Marsch“ an<br />

das Gefecht<br />

nahe der kleinen<br />

Gemeinde<br />

Oeversee unweit<br />

von Flensburg.<br />

Hier<br />

standen sich<br />

Anfang Februar<br />

<strong>1864</strong> österreichische<br />

und dänische Truppen in<br />

erbittertem Kampf <strong>gegen</strong>über.<br />

Einwohner der Stadt Flensburg, aus<br />

vielen anderen Gemeinden Schleswig-<br />

Holsteins sowie Menschen aus <strong>Dänemark</strong><br />

und dem fernen Österreich gedenken<br />

der Toten und erinnern an die<br />

Humanität der Zivilisten vor Ort, die<br />

sich damals um die Verwundeten und<br />

Gefallenen beider Seiten – ohne Anschauung<br />

der Nationalität – gekümmert<br />

haben.<br />

Nördlich der deutsch-dänischen<br />

Grenze kommen vor den Toren Sonderburgs<br />

(dän.: Sønderborg) in jedem Jahr<br />

am 18. April dänische und deutsche<br />

Vertreter aus Politik, Militär und öffentlichem<br />

Leben zusammen. Für sie ist<br />

die mahnende Erinnerung an die<br />

Schlacht um die „Düppeler Schanzen“<br />

besonders wichtig, stellte sie mit ihren<br />

vielen Opfern doch den traurigen „Höhepunkt“<br />

des <strong>Krieg</strong>es von <strong>1864</strong> dar.<br />

Noch heute spielt die Schlacht von<br />

Düppel vor allem in der kollektiven Erinnerung<br />

der dänischen Öffentlichkeit<br />

eine bedeutende Rolle. Die Niederlage<br />

<strong>gegen</strong> die preußischen Truppen beendete<br />

die Träume von einem dänischen<br />

Gesamtstaat, einschließlich<br />

des gesamten Herzogtums Schleswig,<br />

dessen nördlicher Teil nach dem Ersten<br />

Weltkrieg infolge einer nicht unumstrittenen<br />

Volksabst<strong>im</strong>mung <strong>im</strong><br />

Jahr 1920 wieder an <strong>Dänemark</strong> fiel.<br />

Eine kurzweilige Lektüre wünscht Ihnen<br />

Dr. Tammo Luther<br />

Verantwortlicher Redakteur<br />

7. Folge<br />

<strong>Krieg</strong>er, Söldner & Soldaten<br />

Berserker – Der Rausch der Schlacht<br />

Bis heute steht der Begriff<br />

„Berserker-Wut“ für einen<br />

unkontrollierbaren und<br />

ekstatischen Wutausbruch.<br />

Bei den Berserkern (altnordisch<br />

berserkir (pl.), „Bärenhemdige“)<br />

handelt es sich um <strong>Krieg</strong>er aus der<br />

germanisch-nordischen Welt, deren<br />

Merkmal eine besondere Kampfeswut<br />

ist. Sie sind auch unter dem<br />

Begriff ulfhednar, „die mit Wolfsfellen<br />

Bekleideten“, bekannt. Berserker<br />

treten besonders während<br />

der Zeit der Wikinger als Elitekrieger<br />

hervor und werden in zahlreichen<br />

altnordischen Quellen<br />

als solche erwähnt. Auch in<br />

der frühmittelalterlichen nordischen<br />

Kunst existieren einige<br />

Darstellungen von mit Tierfellen<br />

bekleideten bewaffneten<br />

Männern, die als Berserker zu<br />

deuten sind. Die besondere<br />

Stellung dieser <strong>Krieg</strong>er spiegelt<br />

sich nicht zuletzt darin wider,<br />

dass sie bei jedem Kampf<br />

an der Spitze in die Schlacht<br />

ziehen und dort unter wolfsähnlichem<br />

Geheul zu rasenden<br />

Angriffen übergehen. Dabei nehmen<br />

sie nicht die geringste<br />

Rücksicht auf ihr eigenes Leben.<br />

Wegen ihrer gefürchteten Kampfkraft<br />

werden sie auch gerne von<br />

den großen Wikingerfürsten als Teil<br />

von deren Leibgarde in Dienst genommen, wo<br />

sie den Quellen nach jeweils Einheiten von<br />

zwölf Mann bilden. Die Wurzeln der Berserker<br />

liegen vielleicht in alten schamanistischen Vorstellungen,<br />

nach denen sich Menschen in die<br />

Gestalt von best<strong>im</strong>mten, als Schutzgeister<br />

fungierenden Tieren verwandeln und deren Eigenschaften<br />

annehmen können. Die Berserker<br />

fühlen sich vor allem mit dem nordischen<br />

Götterkönig Odin, dem Herrn der Schlachten,<br />

verbunden, und dessen Name, der sich von<br />

dem Begriff „Wut“ ableitet, weist ebenfalls auf<br />

FAKTEN<br />

Zeit: Unbekanntes Ursprungsdatum bis<br />

12. Jahrhundert n. Chr.<br />

Uniform: Hose, Lederschuhe, Umhang aus<br />

Wolfs- oder Bärenfell, eventuell Kettenhemd,<br />

Rundschild, Langschwert, Speer, Streitaxt<br />

Hauptwaffe: Schwert, Streitaxt<br />

Kampftaktik: Rasende Kampfeswut<br />

Wichtige Schlachten: Seeschlacht von Svöldr<br />

(Svolder) 1000<br />

Stamford Bridge 1066<br />

Berserker <strong>im</strong> Film: Berserker (2004)<br />

Berserker (soll 2014 erscheinen)<br />

WAHNWITZIGER TODESMUT: Dieser in ein<br />

Wolfsfell gehüllte Berserker stürmt unerschrocken<br />

auf den Gegner zu. Den wilden <strong>Krieg</strong>ern<br />

wird nachgesagt, dass sie in ihrer „Berserker-<br />

Wut“ wie Tiere brüllen, übermenschliche<br />

Kräfte entfalten und allein durch Blicke die<br />

Waffen ihrer Feinde stumpf machen können.<br />

Abb.: Johnny Shumate<br />

das Verhalten dieser <strong>Krieg</strong>er hin. Die Entstehung<br />

der Berserker reicht vermutlich weit in<br />

vorchristliche Zeit zurück, und sie steht möglicherweise<br />

auch in Zusammenhang mit der Bildung<br />

von germanischen <strong>Krieg</strong>erbünden, deren<br />

Schutztier der Wolf oder der Bär ist. Dabei<br />

kommt es unter Umständen <strong>im</strong> Verlauf spezieller<br />

und gehe<strong>im</strong>er Riten zur Einnahme von<br />

pflanzlichen Drogen, durch die Rauschzustände<br />

ausgelöst werden. Andere Erklärungsversuche<br />

für dieses „berserkerhafte“ Verhalten<br />

verweisen auf die Möglichkeit besonderer psychischer<br />

Veranlagungen bzw. Krankheiten oder<br />

der Durchführung von Ekstasetechniken. Mit<br />

der Christianisierung der Wikinger findet das<br />

Berserkertum ein Ende. Dies wird auch in den<br />

isländischen Sagas deutlich. Hier ist der Berserker<br />

zu einem Unhold herabgesunken.<br />

Clausewitz 2/2014


Inhalt<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Abb.: ullstein bild – Archiv Gerstenberg<br />

Titelthema<br />

Entscheidung <strong>im</strong> <strong>Norden</strong>. ...................................................................................................10<br />

Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong>.<br />

Gefangen <strong>im</strong> Geschosshagel. ...................................................................................24<br />

Das Leid der Soldaten bei Düppel.<br />

Tödliche Evolution. .............................................................................................................................28<br />

Entwicklung der Waffentechnik.<br />

Titelgeschichte<br />

Vor 150 Jahren: Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Entscheidung<br />

<strong>im</strong> <strong>Norden</strong><br />

November 1863: König Christian IX. unterzeichnet die „eiderdänische Verfassung“. Mit<br />

ihr soll eine stärkere Anbindung des Herzogtums Schleswig an den dänischen<br />

Gesamtstaat erreicht werden. Doch Preußen und Österreich sind nicht gewillt, tatenlos<br />

zuzusehen und entsenden Truppen in den hohen <strong>Norden</strong>.<br />

Von Tammo Luther<br />

Xxxxx<br />

GEN NORDEN:<br />

Preußen und Österreicher dringen nach dem<br />

Verstreichen des Ult<strong>im</strong>atums an <strong>Dänemark</strong><br />

schnell nach Schleswig vor. Bei Oeversee<br />

liefern sich Österreicher und Dänen am 6. Februar<br />

<strong>1864</strong> ein schweres und verlustreiches<br />

Gefecht, das die österreichischen Einheiten<br />

für sich entscheiden können, zeitgenössische<br />

Lithographie.<br />

10<br />

11<br />

Im Pulverdampf: Dänische Infanterie<br />

wehrt einen Angriff österreichischer<br />

Kavallerie ab.<br />

Abb.: picture-alliance/IBL Schweden<br />

Magazin<br />

Neues zur Militärgeschichte, Ausstellungen und Bücher. .....................6<br />

Schlachten der Weltgeschichte<br />

Fehlschlag in Frankreich. .....................................................................................32<br />

Operation „Jubilee“ – Raid <strong>gegen</strong> Dieppe 1942.<br />

Das historische Dokument<br />

Aufruf des Kaisers. ...............................................................................................................38<br />

<strong>Krieg</strong>serklärung Österreich-Ungarns an Serbien 1914.<br />

Militärtechnik <strong>im</strong> Detail<br />

Mittlerer Bomber Heinkel He 111. ..................................................40<br />

Standardbomber der Luftwaffe.<br />

Schlachten der Weltgeschichte<br />

Angriff am Feiertag. ..........................................................................................................42<br />

Der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> 1973.<br />

Militär und Technik<br />

Stoßkräfte der Marine. ................................................................................................48<br />

Schnellboote aus Ost und West <strong>im</strong> Einsatz.<br />

Der Zeitzeuge<br />

Überleben <strong>im</strong> Gulag. ...........................................................................................................54<br />

Als <strong>Krieg</strong>sgefangener in der Sowjetunion 1943–1949.<br />

Titelfotos: Weider History Group; picture-alliance/dpa; Library and Archives Canada/<br />

C-014160; picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages/Erich Lessing; Historischer Bilderdienst;<br />

picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages; Archiv J.-M. Hormann<br />

4


Foto: picture-alliance/ZB/(ca)dpa-Report<br />

Foto: NVA/Sammlung<br />

Mehl<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Foto: picture-alliance/ZB©dpa<br />

Foto: ullstein bild – Mathaes<br />

Foto: Volksmarine/ Sammlung Mehl<br />

Israel<br />

Gegner Israels<br />

Truppenstärke 310.000 mehr als 800.000<br />

Panzer 2.000 mehr als 6.000<br />

Schützenpanzer 4.000 mehr als 6.000<br />

Artillerie 575 mehr als 3.000<br />

Flugzeuge 360 mehr als 1.500<br />

Tote 2.500-2.800 zwischen 7.000 und 18.500<br />

Verwundete etwa 7.000 zwischen 8.500 und 15.000<br />

(35.000 geraten in israelische<br />

<strong>Krieg</strong>sgefangenschaft)<br />

Panzer (zerstört<br />

etwa 1.000 zwischen 2.000 und 2.500<br />

oder beschädigt)<br />

Flugzeug-Verluste etwa 100 über 400<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Clausewitz 2/2014<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

Gestaltung: KGS Kartographie und Grafik Schlaich<br />

Foto: NARA<br />

Fotos: NARA (2x)<br />

Foto: picture alliance/CHROMORANGE<br />

Schlachten der Weltgeschichte | Dieppe<br />

„Operation Jubilee“ – Raid <strong>gegen</strong> Dieppe 1942<br />

Fehlschlag in<br />

Frankreich<br />

19. August 1942: Kanadische und britische Einheiten landen nahe der französischen<br />

Hafenstadt Dieppe, um Küstenbatterien, Kraftwerke und Flugplätze des<br />

Gegners zu zerstören. Die Alliierten rechnen nicht mit großem Widerstand, doch<br />

die Deutschen sind vorbereitet.<br />

Von Lukas Grawe<br />

D<br />

a den Westalliierten für eine großangelegte<br />

Invasion <strong>im</strong> Jahr 1942 noch die<br />

Kräfte fehlen, sollen kleine Kommandounternehmen<br />

an der deutschbesetzten Atlantikküste,<br />

sogenannte Raids, die Sowjetunion<br />

<strong>im</strong> Kampf <strong>gegen</strong> die Wehrmacht entlasten.<br />

Diese Raids sollen Verwirrung stiften,<br />

Industrieanlagen und Infrastruktur zerstören<br />

und somit deutsche Truppen binden. Darüber<br />

hinaus verfolgt das gemeinsame alliierte<br />

Oberkommando, der Stab der „Combined<br />

Chiefs of Staff“, mit den Landungsunternehmen<br />

das Ziel, die Stärke der deutschen<br />

Küstenverteidigung zu testen.<br />

Auf diese Weise sollen wichtige Informationen<br />

für eine kommende<br />

großangelegte Invasion <strong>im</strong> Westen<br />

gesammelt werden. Nicht zuletzt sollen die<br />

Raids auch die öffentliche Meinung zufriedenstellen,<br />

die zu einem energischeren Vorgehen<br />

drängt.<br />

Nachdem bereits Kommandounternehmen<br />

<strong>gegen</strong> die norwegische Insel<br />

Spitzbergen und an der französischen<br />

Küste Erfolge brachten, plant die alliierte sowie die Dock- und Eisenbahnanlagen zerstört<br />

oder unbrauchbar gemacht werden.<br />

Führung <strong>im</strong> April 1942 ein ehrgeizigeres Vorhaben.<br />

Schnell gerät dabei die Stadt Dieppe Anschließend sollen die Kommandotruppen<br />

in den Blick der Planer. Eine dortige Landung<br />

hält man auf alliierter Seite für leicht nommen und vom Strand evakuiert werden.<br />

von Landungsbooten wieder an Bord ge-<br />

möglich. Der allgemeine Operationsplan Für dieses Vorhaben sieht der alliierte Plan<br />

vermerkt: „Feindnachrichten lassen erkennen,<br />

dass Dieppe nicht schwer verteidigt schnitten vor. Während die beiden Haupt-<br />

Landungen an acht verschiedenen Strandab-<br />

und der Strand in der Nähe zur Landung landungen <strong>im</strong> Stadtgebiet von Dieppe geplant<br />

sind, sollen jeweils drei Flankenlan-<br />

von Infanterie und Panzerfahrzeugen geeignet<br />

ist.“ In und um Dieppe sollen alle Verteidigungsanlagen,<br />

die Flugplätze, die Radar-<br />

Hauptangriff unterstützen. Letztere sollen<br />

dungen westlich und östlich der Stadt den<br />

station, die Kraftwerke, die Petroleumtanks bereits eine halbe Stunde vor den Hauptlan-<br />

Schlachten der Weltgeschichte<br />

Der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> 1973<br />

Angriff am<br />

Feiertag<br />

1973: Jom Kippur, der heiligste Feiertag <strong>im</strong> jüdischen Kalender, scheint der perfekt<br />

gewählte Augenblick für einen Angriff auf Israel. Die arabischen Armeen wollen die<br />

Schmach des Sechstagekrieges 1967 tilgen.<br />

Von Frederick Feulner<br />

W<br />

ährend des Sechstagekrieges 1967<br />

(vergl. Clausewitz 5/2013) verlieren<br />

Syrien, Jordanien und Ägypten große<br />

Gebiete. Das bis dato kleine Israel kann<br />

sich hin<strong>gegen</strong> mit dem Sinai, dem Westjordanland<br />

und den Golanhöhen eine wichtige<br />

strategische Tiefe erarbeiten – jedoch bringt<br />

dies in der Folge keine wirkliche Sicherheit.<br />

Von 1968 bis zum Waffenstillstandsabkommen<br />

1970 kommt es <strong>im</strong> „Abnutzungskrieg“<br />

zu regelmäßigen Kampfhandlungen, Artillerieduellen<br />

und Kommandoangriffen. Frühe<br />

Versuche von ägyptischer Seite, einen Frieden<br />

zu vermitteln, werden durch die israelische<br />

Ministerpräsidentin Golda Meir zurückgewiesen.<br />

Ende August 1973 beschließen die Präsidenten<br />

Ägyptens und Syriens, Sadat und Assad,<br />

mit einem neuen <strong>Krieg</strong> die verlorenen<br />

Gebiete zurückzuerobern, nachdem diplomatische<br />

Bestrebungen gescheitert sind. Dabei<br />

soll Israel durch massive Verluste gezwungen<br />

werden, die besetzten Länder zu<br />

räumen und anschließend einem ehrbaren<br />

Frieden zust<strong>im</strong>men.<br />

Obgleich Israel nichts von den Besprechungen<br />

Sadats und Assads weiß, bemerkt Kanal täuschen eine trügerische Ruhe vor -<br />

gekommen ist. Badende Soldaten <strong>im</strong> Suezes<br />

<strong>im</strong> September eine Zunahme von Boden- es ist der Fastenmonat Ramadan. Als am<br />

Luft-Raketenstellungen auf dem Golan und 4. und 5. Oktober die sowjetischen Militärberater<br />

mit ihren Familien abreisen, ist die<br />

in Ägypten sowie Truppenbewegungen in<br />

Richtung Grenze. Allerdings gab es schon „Marschrichtung“ allerdings klar. Der israelische<br />

Generalstabschef Generalleutnant Da-<br />

früher Manöver und Drohungen, bei denen<br />

es aber nicht zu größeren Kampfhandlungen vid Elazar bietet Golda Meir einen Erst-<br />

KARTE Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong>: Halbinsel Sinai<br />

32<br />

S.32<br />

MISSERFOLG: Verwundete alliierte Soldaten am Strand<br />

der Hafenstadt Dieppe nach dem gescheiterten<br />

Landungsversuch. Im Rahmen eines Kommandounternehmens<br />

sollten die deutschen Verteidigungsanlagen<br />

„geprüft“ und zerstört werden.<br />

33<br />

42<br />

FEUERKRAFT: Israelische Artillerie n<strong>im</strong>mt<br />

syrische Stellungen unter Beschuss. Nach<br />

anfänglichen Fehlern – so werden die arabischen<br />

Armeen unterschätzt – kann die<br />

IDF den Angriff abwehren.<br />

S.42<br />

43<br />

Militär und Technik | Schnellboote<br />

VORFÜHRUNG: Kampfschw<strong>im</strong>mer präsentieren<br />

anlässlich einer Flottenparade der<br />

Volksmarine ihr Können und werden von Torpedoschnellbooten<br />

ins Wasser abgesetzt.<br />

AUF ÜBUNGSFAHRT: Flugkörper-<br />

Schnellboot P6122 PUMA der Bundesmarine<br />

vom Typ 143A („Gepard“-<br />

Klasse).<br />

Militär und Technik | Panzerjäger<br />

DURCHSCHLAGSKRÄFTIG: Äußerlich kaum<br />

zu unterscheiden von der Pak 38 ist die<br />

7,5-cm-PaK 97/38. Das Rohr eines Beutegeschützes<br />

französischer Herkunft wird ab<br />

1942 auf die Lafette der deutschen Pak gesetzt.<br />

Schnellboote aus Ost und West <strong>im</strong> Einsatz<br />

Stoßkräfte der Marine<br />

Oktober 1967: Der israelische Zerstörer EILAT wird längs der Sinai-Küste von Seezielflugkörpern<br />

getroffen und sinkt. Sie wurden von „Osa I“-Schnellbooten der ägyptischen Marisiert<br />

und damit reduziert werden, dass Ab Oktober 1972 ersetzen in der Bundesnutzte<br />

„Exocet“-Flugkörper nicht der israeli-<br />

rer, Landungsboot etc.) und Zielzuweisung da ein moderner Torpedo noch nicht einsatzbereit<br />

ist.<br />

der von den deutschen Schnellbooten ge-<br />

sechs Fahrzeuge versenken. Zwar entspricht<br />

bis zum Lösen der Waffe soweit automatine<br />

abgeschossen, die auch bei der Volksmarine <strong>im</strong> Einsatz sind. Von Eberhard Kliem<br />

durch den Zeitgewinn der eigene Flugkörper<br />

den Gegner trifft, bevor dieser selbst innerhalb der nächsten drei Jahre die 20 alten dest etliche Einsatzparameter sind vergleichmarine<br />

die neuen Boote „S41“ bis „S60“ nun schen „Gabriel“-Entwicklung, aber zumin-<br />

zum Schuss kommen kann.<br />

„Jaguar“-Boote des 3. und 5. Schnellbootgeschwaders.<br />

Der Einsatz von Verfahren und Mitteln<br />

bar.<br />

m Führungsstab der Bundesmarine <strong>im</strong><br />

EIGENE ENT-<br />

Bonner Verteidigungsministerium wird<br />

WICKLUNG:<br />

Zwischenlösung<br />

Im Oktober des Jahres 1973 bricht die der elektronischen Kampfführung entspricht<br />

Idie Versenkung der EILAT <strong>im</strong> fernen Mittelmeer<br />

während der Zeit des Kalten <strong>Krieg</strong>es<br />

„Iltis" der Volkspässe,<br />

ungeklärte Zuständigkeiten und in-<br />

der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> – zwischen Israel und Führungsstab der westdeutschen Marine<br />

Boote des Typ<br />

Technische Schwierigkeiten, finanzielle Eng-<br />

nächste kriegerische Auseinandersetzung – ebenfalls den deutschen Vorstellungen. Der<br />

mit höchster Aufmerksamkeit registriert,<br />

marine <strong>im</strong> Päckchen<br />

an ihrem<br />

dringend notwendige Modernisierung <strong>im</strong>-<br />

kommt es dabei zu Seegefechten vor der sy-<br />

Schnellbootflottille auf einem guten Weg.<br />

nerbehördliche Streitigkeiten verzögern die seinen Nachbarn aus. Am 7. und 10. Oktober sieht die Modernisierung der eigenen<br />

denn die „Osa“-Raketenschnellboote befinden<br />

sich auch in der Volksmarine der DDR<br />

„schw<strong>im</strong>menden<br />

mer weiter. Den Schnellbooten der Bundesmarine<br />

und der dänischen Marine stehen vor der ägyptischen Küste bei Balt<strong>im</strong> zwi-<br />

Überraschende Entscheidung<br />

rischen Küste auf der Höhe von Latakia und<br />

schon seit einigen Jahren <strong>im</strong> Dienst und wären<br />

damit <strong>im</strong> Falle eines „Ernstfalls“ direkte<br />

1969 auf der anderen Seite über 60 mit „Styx“ schen syrischen bzw. ägyptischen „Osa II“- Die Führung der Volksmarine setzt bei der<br />

Stützpunkt”.<br />

Gegner der Schnellboote der Bundesmarine<br />

ausgerüstete Schnellboote <strong>gegen</strong>über – eine Booten und israelischen Schnellbooten des Modernisierung ihrer Stoßkräfte etwas überraschend<br />

neben der Einführung von Schnell-<br />

– und diese sind damals von einer Bewaffnung<br />

mit Flugkörpern noch weit entfernt.<br />

genheit.<br />

In beiden Gefechten werden die „Osa“- booten mit Flugkörper-Bewaffnung auf ei-<br />

für die westliche Seite erhebliche Unterle-<br />

leicht veränderten „Combattante II“-Typs.<br />

Schon <strong>im</strong> Herbst des Jahres 1962 waren<br />

Schließlich wird eine Zwischenlösung gefunden.<br />

In Frankreich werden 20 Schnellbooten<br />

„Styx“-Raketen trifft, während die israe-<br />

Schon 1958 erhielten insgesamt drei Ent-<br />

Boote schwer geschlagen. Keine der gestartenen<br />

eigentlich bereits veralteten Schiffstyp.<br />

die ersten zwei Einheiten des sowjetischen<br />

Schnellboottyps Projekt 205 „Osa“ in Peenemünde<br />

eingetroffen und nach einer intensi-<br />

als Klasse 148 „Tiger“ mit geringen Abweite<br />

des Typs „La Combattante II“ bestellt und lischen „Gabriel“-Flugkörper insgesamt wicklungsstellen den Auftrag, ein „Leichtes<br />

ven Ausbildung an die Volksmarine übergeben<br />

worden.<br />

schwindigkeit von bis zu 40 Knoten (kn) er-<br />

die Versenkung des Zerstörers EILAT hinrei-<br />

Die französischen Boote beruhen auf einer<br />

chungen in die Bundesmarine eingeführt.<br />

reichen, sind jedoch nur bis Seegang 4–5 einsatzbereit.<br />

Ihre Hauptbewaffnung besteht Die Modernisierung der Schnellboote der<br />

Ähnliche Boote sind auch in der israelischen<br />

chend bewiesen.<br />

Entwicklung der deutschen Lürssen-Werft.<br />

Neue Boote<br />

Bis 1965 werden insgesamt zwölf Boote an aus vier Seezielraketen des sowjetischen Volksmarine bleibt <strong>im</strong> Führungsstab der<br />

Marine in leicht abgewandelter Form in<br />

die Volksmarine ausgeliefert. Sie sind als 1., Typs P 15, die aus vier einzelnen Hangars an Bundesmarine nicht unbemerkt. 1963 beginnen<br />

Schießversuche mit amerikanischen und<br />

Neben einer hinreichenden artilleristi-<br />

Dienst.<br />

3. und 5. Raketenschnellbootabteilung in Backbord und Steuerbord gestartet werden.<br />

Dranske/Bug auf Rügen bei der 6. Flottille Die Flugkörper haben bei einer Geschwindigkeit<br />

von 0,9 Mach (Unterschallgeschwinkörper<br />

werden erprobt, neue Maschinenan-<br />

Seezielflugkörper des französischen Typs<br />

britischen Seezielflugkörpern. Neue Bootsschen<br />

Bewaffnung verfügen sie über vier<br />

S.48<br />

als „Stoßkräfte“ zusammengefasst. 1971<br />

werden nochmals drei Boote geliefert. Sie ersetzten<br />

die ältesten Boote, die fortan für Auslen<br />

(sm) und werden bei Zielannäherung tisiertes Gefechts- und Informationssystem<br />

circa 18 Seemeilen. Damit ist eine akzeptable<br />

digkeit) eine Reichweite von circa 25 Seemeilagen<br />

in Auftrag gegeben und ein „Automa-<br />

MM 38 „Exocet“ mit einer Reichweite von<br />

bildungszwecke genutzt werden.<br />

durch einen aktiven Ziel-Suchkopf gesteuert.<br />

Der Gefechtskopf hat ein Gewicht von fe dieses Systems soll die Zeitspanne für Orüber<br />

herstellt. Gezwungenermaßen wird<br />

für Schnellboote“ (AGIS) entwickelt. Mithil-<br />

Waffengleichheit mit dem östlichen Gegen-<br />

Die neuen Boote sind als Verdrängungs-<br />

Gleitboote konstruiert: Sie können bei sehr circa 400 Kilogramm TNT. Dass ein Treffer tung (Erfassen des Gegners), Identifizierung<br />

auf eine Torpedobewaffnung – der klassischen<br />

Waffe der Schnellboote – verzichtet, Rakete (P-15).<br />

SCHARFER SCHUSS: Ein Boot des Typs OSA der Volksmarine be<strong>im</strong> Abfeuern einer „Styx“-<br />

ruhiger See mit ihren drei Wellen eine Ge- einer solchen Rakete „tödlich“ sein kann, hat (Freund oder Feind), Klassifizierung (Zerstö-<br />

48<br />

49<br />

Panzerjäger der Wehrmacht, (1939–1942)<br />

„Retter der Infanterie“<br />

1939: Die Panzerjägertruppe der Wehrmacht wird <strong>im</strong> Feldzug <strong>gegen</strong> Polen eingesetzt.<br />

Sie soll Feindpanzer sicher ausschalten – <strong>im</strong> Angriff und in der Verteidigung.<br />

Von Thomas Anderson<br />

ie deutschen Truppen an der Front waren<br />

bereits <strong>im</strong> Polenfeldzug gezwunterial.<br />

Ein Ausweg schien das Verlasten der fahrlafette. Die Realitäten erforderten je-<br />

sel häufig zum Verlust von Mensch und Ma-<br />

das Wehramt die Montage auf einer Selbstgen,<br />

sich der Bedrohung durch Panzerfahrzeuge<br />

zu stellen. Zunächst waren die Rückblende: Im Jahr 1917 begann die Ent-<br />

– und wesentlich weniger effektiv – be-<br />

leichten Feldkanonen auf Lkw zu sein. doch, das Geschütz deutlich konventioneller<br />

Männer in vorderster Front gefordert. Unentwegtes<br />

konzentriertes MG-Feuer sollte die Zunächst wurde das Tankgewehr einge-<br />

Das Rheinmetall-Geschütz wurde ab 1930<br />

wicklung spezieller Panzerabwehrwaffen. spannt oder <strong>im</strong> Kraftzug einzusetzen.<br />

recht schwache Panzerung der Kampfwagen führt, eigentlich ein Karabiner mit dem enormen<br />

Kaliber von 13 mm. Diese Waffe durchte<br />

und war mit einem Schutzschild versehen.<br />

eingeführt. Die Waffe zeigte eine Spreizlafet-<br />

durchschlagen können – oft blieb dies ein<br />

„frommer Wunsch“. Mehr Aussicht auf Erfolg<br />

brachte der Einsatz der leichten Feldarrung<br />

eines jeden Feindpanzers, die Wirkung Traktor.<br />

schlug auf kurze Entfernungen die Panze-<br />

Der Transport erfolgte durch Pferdezug oder<br />

tillerie. Diese bespannten Geschütze vom Kaliber<br />

7,5 cm und 7,7 cm wurden in Alarmbat-<br />

bessere Wirkung versprachen kleinkalibrige Umbenennung in Pak<br />

<strong>im</strong> Ziel war jedoch selten zerstörend. Eine<br />

terien zusammengefasst und oft in fast Kanonen. Unter den ersten Konzepten sind Seit der Machtergreifung Hitlers wurden in<br />

selbstmörderischem Einsatz an die Front gebrachtnen).<br />

Bei beiden handelte es sich aber eher Vertrages <strong>im</strong>mer offener unterlaufen, der<br />

2-cm- und 3,7-cm-Tak (Tankabwehrkano-<br />

Deutschland die Restriktionen des Versailler<br />

Wohl ließen sich die Panzer mit Explosivgeschossen<br />

bekämpfen, doch erwies sich der In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre macht wurde vorangetrieben. Ab 1934 be-<br />

um <strong>im</strong>provisierte Waffen.<br />

Aufbau der Reichwehr und später der Wehr-<br />

Einsatz der Geschütze als unzweckmäßig. stand die Rheinmetall 3,7-cm-Tak vor der gann der Umbau aller vorhandenen 3,7-cm-<br />

Selbst wenn die Geschütze unter dem heftigen<br />

Feindfeuer in Stellung gebracht werden derten ballistischen Werte und war leicht wurden dem Zeitgeist folgend in Pak (Pan-<br />

Einführung. Diese Waffe erfüllte die gefor-<br />

Tak auf modernen Kraftzug. Die Geschütze<br />

konnten, führte jeder weitere Stellungswech- und beweglich. Bereits zu dieser Zeit erwog zerabwehrkanone) umbenannt.<br />

D<br />

58<br />

IM MANÖVER: Achtung – Panzerangriff!<br />

Während einer Übung in der<br />

Vorkriegszeit sichert eine 3,7-cm-Pak<br />

<strong>gegen</strong> angreifende „Feindpanzer“,<br />

hier Pz.Kpfw. II.<br />

Zum Zeitpunkt des Angriffs auf Polen <strong>im</strong> Zahl der verfügbaren Protzkraftwagen ist jedoch<br />

nur unzureichend. Handelsübliche wicht der 3,7-cm-Pak zugute. Die Leistun-<br />

kommt den Bedienungen das geringe Ge-<br />

September 1939 wird der Bestand an 3,7-cm-<br />

Pak <strong>im</strong> „Überblick über den Rüstungsstand Pkw oder Lkw müssen in großer Zahl herangezogen<br />

werden, um die geforderte Beweg-<br />

feindliche Fahrzeug erfolgreich zu bekämpgen<br />

des Geschützes reichen aus, um jedes<br />

des Heeres“ mit 11.200 angegeben. Auch der<br />

Hauptkampfpanzer, der Pz.Kpfw. III, wird lichkeit sicher zu stellen.<br />

fen und das <strong>im</strong>merhin fast zehn Jahre nach<br />

mit einem Geschütz desselben Kalibers ausgerüstet.<br />

Erster „scharfer Einsatz“<br />

Nach Abschluss der militärischen Aktio-<br />

seiner Einführung.<br />

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges<br />

wird jeder Division eine Panzerabwehr- Polen <strong>im</strong> September 1939 stellt die Truppe zerabwehr-Abteilungen in Panzerjäger-Ab-<br />

Der erste scharfe Einsatz be<strong>im</strong> Angriff auf nen in Polen wird die Bezeichnung der Pan-<br />

Abteilung (PzJgAbt) zugeteilt. Diese besteht vor „lösbare Aufgaben“. Die polnischen teilung geändert. Der nächste Waffengang,<br />

aus drei Kompanien zu je zwölf Panzerabwehrgeschützen.<br />

Als spezialisiertes Zugmitzerte<br />

Kampfwagen. Im Angriff kann der Vor-<br />

sich für die Wehrmacht als weitaus größere<br />

Streitkräfte verfügen nur über leicht gepan-<br />

der geplante Feldzug <strong>gegen</strong> Frankreich, soll<br />

tel steht der Krupp Protzkraftwagen zur Verfügung.<br />

Die Besatzung sitzt in einem offenen begleitet werden. Die Panzerabwehr-Abtei-<br />

Die Auslandsaufklärung hatte <strong>im</strong> Vorfeld<br />

marsch der eigenen Verbände zuverlässig Herausforderung herausstellen.<br />

Aufbau, dadurch können die Soldaten das lungen werden zur Sicherung der Flanken von „Fall Gelb“ die Existenz schwerer und<br />

Geschütz schnell in Stellung bringen. Die sowie der Gefechtsstäbe eingesetzt. Dabei schwerster französischer Panzer gemeldet.<br />

TANKABWEHRKANONE: Die Rheinmetall 3,7-cm-Tak gehört zur<br />

Erstausstattung der Reichswehr. Im Idealfall durch einen Krupp<br />

Protzkraftwagen gezogen, ist das Geschütz ausreichend beweglich.<br />

S.58<br />

ZUR DEMONSTRATION: Zu sehen ist eine noch mit Holz-Speichenrädern<br />

ausgerüstete 3,7-cm-Tak. Dieses Bild entsteht 1942 während<br />

einer Vorführung einer SS-Einheit vor H<strong>im</strong>mler.<br />

59<br />

Spurensuche<br />

Feldherren<br />

Als der <strong>Krieg</strong> ins Paradies kam<br />

Der Angriff auf<br />

Pearl Harbor<br />

7. Dezember 1941: In Pearl Harbor auf<br />

der Hawaii-Insel Oahu schaut um 7 Uhr<br />

alles nach einem friedlichen Sonntag<br />

aus. Keine Stunde später bricht ein<br />

Inferno über das Inselparadies <strong>im</strong> Pazifik<br />

herein. Der japanische Angriff<br />

kostet Tausende Menschenleben und<br />

hat den <strong>Krieg</strong>seintritt der USA zur<br />

Folge.<br />

Von Walter Kreuzer<br />

HINTERGRUND Der Weg in die Katastrophe<br />

Was US-Präsident Franklin D. Roosevelt<br />

am Tag danach vor dem Kon-<br />

Deutschland und Italien an, und in<br />

Kaiserreich den Achsenmächten<br />

gress als „a date which will live in infamy“<br />

– als „ein Datum, das mit den Vereinigten Staaten verstärkte<br />

Europa bricht ein <strong>Krieg</strong> aus. Der von<br />

Niederträchtigkeit verbunden bleiben<br />

wird“ – bezeichnet, ist tatsäch-<br />

wird von den Japanern als Gefahr<br />

politische und wirtschaftliche Druck<br />

lich der Höhepunkt einer sich über für ihre nationale Sicherheit ausgelegt.<br />

Es wird zwar weiter verhandelt,<br />

zehn Jahre hinweg zuspitzenden<br />

Entwicklung: Der japanische Angriff doch <strong>im</strong> Sommer 1941 hat sich die<br />

am 7. Dezember 1941 auf Pearl japanische Führung bereits für einen<br />

<strong>Krieg</strong> <strong>gegen</strong> Amerika entschie-<br />

Harbor, den US-Marinestützpunkt<br />

auf der Hawaii-Insel Oahu. den. Der Angriff auf Pearl Harbor ist<br />

Der Zerfall der Beziehungen zwischen<br />

beiden Ländern beginnt zur Eroberung des westlichen Pazifik.<br />

Teil einer großangelegten Strategie<br />

1931, als japanische Truppen in die Ziel ist es, die Pazifikflotte der USA<br />

nordchinesische Provinz Mandschurei<br />

einmarschieren. Die Regierung genen Invasionspläne umsetzen zu<br />

lahmzulegen, um ungestört die ei-<br />

ignoriert amerikanische Proteste, können. Die Folge sind <strong>Krieg</strong>serklärungen<br />

der USA an Japan sowie der<br />

startet 1937 einen Angriff auf das<br />

restliche China und besetzt das Achsenmächte Deutschland und<br />

Land. Die USA wie auch andere Italien an die USA. Innerhalb weniger<br />

Tage greift das Kaiserreich un-<br />

Mächte mit Interessen in Südostasien<br />

schrecken dennoch vor militärischer<br />

Gewalt <strong>gegen</strong> Japan zurück. herrschte Malaysia, die Philippinen<br />

ter anderem auch das britisch be-<br />

In den Folgejahren schließt sich das und Neuguinea an.<br />

FAKTEN Das römische Militär unter Augustus<br />

Während seiner Herrschaft führt Octavius-Augustus eine<br />

Reihe von militärischen Reformen durch. Die Dauer überfordern. Um diese Truppenreduzierung zu<br />

alten Truppenstärke würde die Finanzkraft Roms auf<br />

schlagkräftige römische Berufsarmee umfasst Mitte kompensieren, siedelt Octavius in mehreren Teilen des<br />

des 1. Jahrhunderts v. Chr. 60 Legionen. Eine Legion Reiches Veteranen an. Dies sind ausgediente Soldaten,<br />

die eine Parzelle mit Ackerland zugewiesen bekom-<br />

hat damals eine durchschnittliche Stärke von rund<br />

5.000 Soldaten (großteils schwere Infanterie sowie eine<br />

kleine Abteilung Legionsreiterei, Hilfstruppen nicht werden können. Überdies richtet Octavius eine Militärmen<br />

haben und <strong>im</strong> militärischen Bedarfsfall eingesetzt<br />

eingerechnet). Nach der Schlacht bei Actium 31 v. Chr. kasse ein, um die Veteranen angemessen zu entlohnen.<br />

Be<strong>im</strong> Tod des Herrschers 14 n. Chr. gibt es nur<br />

verringert Octavius diese Zahl auf<br />

28 Legionen, denn eine<br />

Beibehal-<br />

der Varusschlacht sterben, werden nicht mehr<br />

noch 25 Legionen: Die drei Legionen, die 9 n. Chr. in<br />

tung der<br />

ersetzt. Als Berufsoffiziere beschäftigt Octavius<br />

Zenturionen. Damit er sich der uneingeschränkten<br />

Loyalität seiner Truppen<br />

sicher sein kann, muss jeder<br />

Legionär einen persönlichen Eid<br />

auf den Herrscher schwören.<br />

Zur Stabilisierung seiner<br />

Macht stationiert Octavius<br />

seit Beginn seines Prinzipats<br />

27 v. Chr. auch in Rom Truppen:<br />

eine Leibgarde sowie<br />

drei städtische Kohorten zu<br />

je 1.000 Mann. Dies ist eine<br />

unerhörte Neuerung, denn in<br />

Zeiten der Republik war es<br />

verboten, dass ein römischer<br />

Bürger über bewaffnete Soldaten<br />

innerhalb der Stadtgrenze<br />

von Rom verfügt.<br />

66<br />

FOLGENREICHER AN-<br />

GRIFF: Dieses Bild aus<br />

dem Pacific Aviation Museum<br />

zeigt die Anordnung der auf der<br />

West- und Ostseite von Ford Island<br />

vertauten <strong>Krieg</strong>sschiffe<br />

der US Navy – während des japanischen<br />

Angriffs. Die Spuren<br />

dieser Attacke sind<br />

bis heute deutlich<br />

sichtbar.<br />

Fotos: Autor<br />

U<br />

S-Präsident Franklin D. Roosevelt sollte<br />

Recht behalten. Am Tag nach dem<br />

Angriff spricht er <strong>im</strong> fernen Washington<br />

vor dem Kongress von „a date which will<br />

live in infamy“. Es ist also von Schande,<br />

He<strong>im</strong>tücke und Niedertracht die Rede, wie<br />

sich das englische Wort „infamy“ übersetzen<br />

lässt. Der junge Hawaiianer Robert Lee hört<br />

die Worte <strong>im</strong> Radio. Der 20-Jährige hat bis tief<br />

in die Nacht hinein mit einem <strong>im</strong>provisierten<br />

Krankenwagen Verwundete transportiert.<br />

Nun hat ihn der Vorsteher des Bahnhofs der<br />

Marinebasis von Pearl Harbor in die Wohnung<br />

gerufen, um dem Präsidenten zu lauschen.<br />

„Während dieser Rede schaute ich zum<br />

Fenster hinaus auf den Hafen. Dort sah ich<br />

die noch <strong>im</strong>mer brennende USS Arizona vor<br />

mir“, erzählt Lee. Bei den Amerikanern hat<br />

sich dieses Datum wie kaum ein zweites in<br />

der Geschichte ihres Landes in das kollektive<br />

Gedächtnis eingebrannt.<br />

GESCHICHTSTRÄCHTIG: Neben dem USS Arizona<br />

Memorial erinnern Plattformen an die anderen beschädigten<br />

Schlachtschiffe (rechts). Links ist die<br />

USS Missouri zu sehen, auf deren Deck die japanische<br />

Kapitulation unterzeichnet wurde, mit der<br />

der Zweite Weltkrieg offiziell zu Ende ging.<br />

Nach Jahrzehnten beantwortet Robert Gedenkstätte. Diese wurde 1962 errichtet<br />

Lee Fragen, von denen ihm die meisten wohl und besteht aus einem offenen weißen Gebäude<br />

auf einer Plattform. Sie liegt quer über<br />

schon tausendmal gestellt wurden. Er ist einer<br />

der Augenzeugen, die bei Vorträgen und dem Mittelteil des Wracks, das <strong>im</strong> flachen<br />

Führungen oder am USS Arizona Memorial Wasser belassen wurde. Der Ablauf ist <strong>im</strong>mer<br />

der Gleiche: Zunächst wird ein aufwüh-<br />

ihre Erinnerungen mit vielen der jährlich 1,5<br />

Millionen Besucher teilen. Wir treffen Lee in lender, 23 Minuten dauernder Dokumentarfilm<br />

über den Angriff gezeigt. Darin wird<br />

einem Besprechungsz<strong>im</strong>mer des „World<br />

War II Valor in the Pacific National Monuments“.<br />

An der Wand zeigt ein Bild japaniben.<br />

Gemeint sind jene jahrelangen Ausei-<br />

auch „the road to war“ anschaulich beschriesche<br />

Kampfflugzeuge, die am 7. Dezember nandersetzungen zwischen Japan und den<br />

von amerikanischen Fliegern abgeschossen USA auf der diplomatischen Bühne, die den<br />

wurden – handsigniert von den beteiligten <strong>Krieg</strong>sausbruch schon<br />

S.66<br />

lange als wahrscheinlich<br />

erscheinen ließen. Lediglich Zeitpunkt<br />

US-Piloten. Von der Betriebsamkeit, die <strong>im</strong><br />

Besucherzentrum und auf dem weitläufigen und Ort lagen <strong>im</strong> Nebel, der sich in den Morgenstunden<br />

des 7. Dezember über Oahu in<br />

Freigelände zu beobachten ist, ist hier nichts<br />

zu spüren.<br />

tragischer Weise lichten sollte.<br />

Vom Kinosaal geht es direkt auf das Marineboot.<br />

Die Fahrt durch den von <strong>Krieg</strong>s-<br />

Nasses Grab<br />

Wir absolvieren zunächst das straff durchorganisierte<br />

Programm mit dem Besuch der morial dauert nur wenige Minuten. Etwas<br />

schiffen gesäumten Hafen hinüber zum Me-<br />

67<br />

Augustus<br />

Roms erster Kaiser<br />

14 n. Chr.: Vor zweitausend Jahren stirbt Octavius, besser bekannt unter seinem Ehrentitel<br />

„Augustus“. Noch heute gehört er zu den berühmtesten Personen der Antike, nicht<br />

zuletzt wegen seiner Erfolge als Feldherr.<br />

Von Daniel Carlo Pangerl<br />

W<br />

ir schreiben das erste Jahrhundert langsam zugrunde. Das alte römische Militärwesen<br />

besteht weitgehend aus einer Bür-<br />

Machtbereiche zu vergrößern. Eine herauspen<br />

ohne Skrupel ein, um die eigenen<br />

v. Chr.: Ein großer Teil Europas wird<br />

von den Römern beherrscht. Das germiliz, die sich selbst ausrüstet. Diese reicht ragende Stellung nehmen dabei Gaius Iulius<br />

Römische Reich erstreckt sich von der Iberischen<br />

Halbinsel über Italien und Griechenstände<br />

<strong>im</strong> Reichsinneren niederzuschlagen Pompeius Magnus ein. Diese schließen 60 v.<br />

aber mittlerweile nicht mehr aus, um Auf-<br />

Caesar, Marcus Licinius Crassus und Gnaeus<br />

land bis nach Kleinasien und Nordafrika. Es und die Grenzen <strong>gegen</strong> Feinde von außen zu Chr. ein inoffizielles Bündnis: Das „Erste Triumvirat“.<br />

Elf Jahre später kommt es zu ei-<br />

umfasst somit beinahe den gesamten Mittelmeerraum.<br />

Im Gegensatz zu seiner beeindru-<br />

Vermögende ambitionierte Politiker ernem<br />

blutigen Bürgerkrieg, aus dem schließ-<br />

schützen.<br />

ckenden flächenmäßigen Ausdehnung ist die kennen die Gunst der Stunde, indem sie Soldaten<br />

mit ihren eigenen finanziellen Mitteln Sieger hervorgeht. Er wird vom Senat zum<br />

lich der brillante Militärstratege Caesar als<br />

politische und juristische Organisation aber<br />

geradezu provinziell: Die Verfassung dieses ausbilden, bezahlen und mit Waffen und Diktator auf Lebenszeit ernannt. Dabei steht<br />

Reiches ist <strong>im</strong>mer noch auf eine einzige Stadt Rüstungen ausstatten. Sie agieren oftmals er jedoch unter dem Verdacht, den Königstitel<br />

anzustreben und eine erbliche ausgerichtet, nämlich auf Rom, und geht selbst als Feldherren und setzen ihre Trup-<br />

Monarchie<br />

72<br />

LEISTUNGSFÄHIGE LEGIONEN:<br />

Die Militärmaschinerie des Reiches<br />

ist effizient und auf dem Feld<br />

jedem Gegner überlegen. Die Rekonstruktionszeichnung<br />

zeigt Soldaten<br />

des Imperiums zur Zeit des Augustus<br />

in Angriffsformation – die<br />

gut ausgerüsteten und trainierten<br />

Truppen verbreiten oft allein durch<br />

ihr Auftreten Panik be<strong>im</strong> Gegner.<br />

RÖMER MIT REPUTATION: Der<br />

Großneffe und Erbe Caesars gehört<br />

zu den populärsten Gestalten<br />

der Antike. Augustus ist Politiker,<br />

erster Kaiser, Kunstförderer und<br />

nicht zuletzt ein erfolgreicher Feldherr.<br />

Unser Bild zeigt einen Teil<br />

der bekannten „Augustusstatue<br />

von Pr<strong>im</strong>aporta“.<br />

S.72<br />

Militär und Technik<br />

„Retter der Infanterie“. ................................................................................................58<br />

Panzerjäger der Wehrmacht, (1939–1942).<br />

Buchvorstellung<br />

Flieger-Asse und Kanonenfutter. ...........................................................64<br />

Sechs Jagdflieger erinnern sich.<br />

Spurensuche<br />

Pearl Harbor damals und heute. .........................................................66<br />

Als der <strong>Krieg</strong> ins Paradies kam.<br />

Feldherren<br />

Augustus – Roms erster Kaiser. .............................................................72<br />

Leben und Wirken des mächtigen Herrschers.<br />

Museen & Militärakademien<br />

„Luftfahrtgeschichte hautnah!“. .............................................................78<br />

Das Aeronauticum in Nordholz.<br />

Ein Bild erzählt Geschichte<br />

Zur See mit Pinsel und Palette.................................................................80<br />

Willy Stöwer zum 150. Geburtstag.<br />

Titelbild: Erstürmung der Düppeler Schanzen durch preußische<br />

Truppen am 18. April <strong>1864</strong>.<br />

<strong>Vorschau</strong>/Impressum ............................................................................................................................82<br />

Clausewitz 2/2014<br />

5


Magazin<br />

MUSEUMSTIPP<br />

Deutsches Burgenmuseum<br />

Veste Heldburg in Thüringen beherbergt neues Museum<br />

Das Deutsche Burgenmuseum veranschaulicht<br />

die Bedeutung und Funktion<br />

von Burgen, ihre bauliche Entwicklung<br />

und das Leben auf ihnen sowohl in Friedensals<br />

auch in <strong>Krieg</strong>szeiten. Auf Grundlage neuester<br />

wissenschaftlicher Erkenntnisse zeichnet<br />

das Deutsche Burgenmuseum ein Bild von<br />

der Burg und ihrer Geschichte und erklärt,<br />

wie wir zu diesem Wissen gekommen sind<br />

und was wir noch nicht wissen. Das Deutsche<br />

Symbolische Präsentation der<br />

Namenstafel.<br />

Foto: picturealliance/dpa©dpa-Report<br />

Burgenmuseum ist damit die erste Adresse<br />

für jeden Burgenfreund, ob nun begeisterter<br />

Laie oder Wissenschaftler.<br />

Während der Baumaßnahmen <strong>im</strong> Zuge der<br />

Einrichtung des Museums Veste Heldburg, die<br />

sich voraussichtlich bis 2015 hinziehen werden,<br />

können bereits folgende Teilbereiche besichtigt<br />

werden:<br />

Außenanlagen der Veste Heldburg<br />

• Hof mit der Renaissancefassade des<br />

Französischen Baus<br />

• Kommandantenbau<br />

• Freifraukemenate <strong>im</strong> Kommandantenbau<br />

• Ausstellung über die Burg <strong>im</strong><br />

19./20. Jahrhundert <strong>im</strong><br />

Kommandantenbau<br />

• Hausmannsturm des Kommandantenbaus<br />

Außenansicht der Veste Heldburg in<br />

Thüringen. Foto: picture-alliance/dpa<br />

• Brunnenhaus<br />

• seit April 2012 der „Heidenbau“ mit einer<br />

ersten Ausstellungseinheit<br />

Kontakt:<br />

Trägerverein Deutsches Burgenmuseum Veste<br />

Heldburg e. V.<br />

Burgstr. 215, 98663 Bad Colberg-Heldburg<br />

Telefon: 03 68 71/3 03 30<br />

E-Mail: info@deutschesburgenmuseum.de<br />

Internet: www.deutschesburgenmuseum.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

April bis Oktober<br />

Di.–So. 10.00–18.00 Uhr, Montag Ruhetag<br />

November bis März<br />

Di.–So. 10.00–16.00 Uhr, Montag Ruhetag<br />

NEUERSCHEINUNG<br />

Bewegendes Gesamtbild von 1914–1918<br />

Ehrgeiziges Buchprojekte zum Ersten Weltkrieg erscheint <strong>im</strong> März<br />

Den Autoren standen mehr als<br />

1.000 Tagebücher und Briefsammlungen<br />

zur Auswertung zur<br />

Verfügung. Aus diesem umfangreichen<br />

Dokumentenmaterial<br />

wählten die Autoren besonders<br />

aussagekräftige und zugleich sehr<br />

bewegende Aufzeichnungen aus:<br />

Diese stammen unter anderem<br />

von Krankenschwestern, von Offizieren<br />

– darunter Manfred von<br />

Richthofen – und einfachen Frontsoldaten,<br />

aber auch von bekannten<br />

Persönlichkeiten wie den<br />

Schriftstellern Stefan Zweig und<br />

Kurt Tucholsky.<br />

Darüber hinaus zeigen rund<br />

300 verschollen geglaubte Farbfotografien<br />

aus dem Archiv von August<br />

Fuhrmann den Ersten Weltkrieg,<br />

wie ihn bisher noch keiner<br />

gesehen hat. Sie ergeben ein bewegendes<br />

Gesamtbild des <strong>Krieg</strong>es<br />

von 1914–1918. Das Material ist u.<br />

a. Grundlage für ein achtteiliges<br />

TV-Doku-Drama mit dem Titel „14<br />

– Tagebücher des Ersten<br />

Weltkriegs“, dessen<br />

erste zwei Folgen am<br />

29.4. auf arte anlaufen.<br />

Gunnar Dedio, Florian<br />

Dedio: 14 –Tagebücher des Ersten<br />

Weltkriegs;<br />

Farbfotografien und Aufzeichnungen<br />

aus einer Welt <strong>im</strong> Untergang;<br />

320 Seiten, ca. 300 Abbildungen,<br />

Format 24,1 x 24,1 cm, Hardcover<br />

mit Schutzumschlag;<br />

Tagebücher<br />

des Ersten Weltkriegs<br />

14Gunnar Dedio / Florian Dedio<br />

Farbfotografien und Aufzeichnungen aus einer Welt <strong>im</strong> Untergang<br />

ISBN-13: 978-3-7658-2041-0<br />

Preis: 36,99 €<br />

Das Buch wird voraussichtlich <strong>im</strong><br />

März 2014 erscheinen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.bucher-verlag.de<br />

6


Von Achill bis Attila<br />

Detaillierte Studie über den <strong>Krieg</strong> in der Antike<br />

Aufklärend: Die<br />

athenische<br />

Demokratie war<br />

aggressiver als<br />

das „kriegerische“<br />

Sparta.<br />

Abb.: Klett-Cotta<br />

Für die Menschen der Antike<br />

war <strong>Krieg</strong> ein nahezu all<strong>gegen</strong>wärtiges<br />

Phänomen und Geschichte<br />

ohne die Kenntnis der<br />

bewaffneten Konflikte nicht zu<br />

verstehen. Deshalb mutet es ein<br />

wenig seltsam an, dass bis heute<br />

„eine integrierende, epochenübergreifende<br />

Verknüpfung von<br />

militärischer Pragmatik, also der<br />

Analyse der Schlachten, Kampftaktiken<br />

und Waffentechnik, mit<br />

der innen- und außenpolitischen<br />

Makroentwicklung […]“ fehlt.<br />

Diese Lücke schließt nun das<br />

aktuelle Werk des Althistorikers<br />

Ra<strong>im</strong>und Schulz. Vorbild für die<br />

Analyse von eintausend Jahren<br />

<strong>Krieg</strong>sgeschichte – „von Achill<br />

bis Attila“ – ist der nüchterne,<br />

pragmatische und unverkrampfte<br />

Umgang mit dem Thema „Militärhistorie“<br />

britisch-amerikanische<br />

Forscher. Ziel des Buches ist<br />

es, die Militäraktionen der Antike<br />

(weit gefasst von den Helden<br />

Homers bis in die Völkerwanderungszeit)<br />

mit den damaligen sozialen,<br />

politischen und wirtschaftlichen<br />

Entwicklungen zu<br />

verknüpfen und dadurch zu einem<br />

umfassenderen Verständnis<br />

des <strong>Krieg</strong>es zu kommen. Zum<br />

durchweg positiven Gesamteindruck<br />

trägt auch die klare und<br />

verständliche Sprache bei, in der<br />

Schulz sein neuestes Buch verfasst<br />

hat. Man könnte sagen:<br />

Auch hier standen die Angloamerikaner<br />

Pate – kein „Professorenjargon“,<br />

aber auch nicht<br />

fahrlässig vereinfachend, um sich<br />

einem möglichst breiten Publikum<br />

anzubiedern. Eine zahlreiche<br />

Leserschaft hat das Buch aber<br />

mehr als verdient – jeder an gut<br />

analysierter Militärhistorie Interessierte<br />

sollte zugreifen.<br />

Ra<strong>im</strong>und Schulz: Feldherren, <strong>Krieg</strong>er<br />

und Strategen. <strong>Krieg</strong> in der Antike<br />

von Achill bis Attila. Stuttgart 2012.<br />

„Nach dem Sieg verdienst du ihn,<br />

nach der Niederlage brauchst du ihn.“<br />

Napoleon Bonaparte über Champagner<br />

Rebel Yell Whiskey<br />

Der Geschmack des Südens<br />

Das zu den „Südstaaten“ zählende<br />

Kentucky ist das Zentrum<br />

der amerikanischen Whiskey-Industrie.<br />

Da liegt es fast nahe,<br />

dass es <strong>im</strong> „Bluegrass State“<br />

einen Bourbon gibt, der nach dem<br />

legendären Schlachtruf der konföderierten<br />

Soldaten benannt ist:<br />

Rebel Yell!<br />

Ursprünglich wurde dieser<br />

Kentucky Straight Bourbon, der<br />

einen vergleichsweise hohen Weizenanteil<br />

von circa 20 % enthält,<br />

1936 eingeführt. Das auf dem Label<br />

stehende Datum „1849“ reflektiert<br />

auf die Gründung der<br />

BUCHTIPP<br />

Die Schlafwandler<br />

Neue Erkenntnisse über den <strong>Krieg</strong>sausbruch 1914<br />

Traditionsmarke<br />

„Stitzel Weller“,<br />

aus deren Säbelschwingend: Das<br />

Destillerie in Label zeigt einen martialischen<br />

„Southener“.<br />

Louisville er ursprünglich<br />

stammte.<br />

Neu vermarktet wurde der<br />

Rebel Yell 1961 zum 100. Jahrestag<br />

des <strong>Krieg</strong>sausbruches zwischen<br />

dem Süden und dem <strong>Norden</strong>.<br />

Der mit 40% vol. abgefüllte<br />

Whiskey weist die typische Süße<br />

und Vanillenoten der meisten<br />

Bourbons auf. Ein geradliniger,<br />

ehrlicher Vertreter seiner Zunft.<br />

Über Jahrzehnte hinweg galt es<br />

als ausgemacht, dass das wilhelminische<br />

Deutschland wegen<br />

seiner Großmachtträume die<br />

Hauptverantwortung am Ausbruch<br />

des Ersten Weltkriegs trug.<br />

In seinem bahnbrechenden Werk<br />

„Die Schlafwandler“ kommt der<br />

renommierte Historiker und Experte<br />

für Preußen Christopher<br />

Clark zu einer gänzlich anderen<br />

Einschätzung.<br />

Das Buch ist bereits jetzt eine<br />

der wichtigsten Neuerscheinungen<br />

zum 100. Jahrestag des Ausbruchs<br />

des Ersten<br />

Weltkriegs<br />

und führt zahlreiche<br />

Bestsellerlisten<br />

an.<br />

Christopher<br />

Clark: Die Schlafwandler.<br />

Wie Europa in den Ersten Weltkrieg<br />

zog. Aus d. Engl. v. Norbert<br />

Juraschitz, gebunden mit Schutzumschlag,<br />

896 Seiten, mit Abbildungen;<br />

ISBN: 978-3-421-04359-7<br />

Preis: 39,99 EUR<br />

Foto: DVA Sachbuch Foto: Archiv <strong>CLAUSEWITZ</strong><br />

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Clausewitz<br />

Magazin<br />

Schwierige Aufgabe: Hauptmann von<br />

Bruck verschanzt sich mit seiner kleinen<br />

Truppe in einer Mühle und soll die<br />

Franzosen möglichst lange aufhalten.<br />

Cover der vor kurzem erschienen DVD-<br />

Edition des mittlerweile 47 Jahre alten<br />

Films.<br />

Abb.: Filmverlag Fernsehjuwelen<br />

DVD-TIPP<br />

„Eine Handvoll Helden“<br />

13 Preußen <strong>gegen</strong> eine französische Armee<br />

Napoleon besiegt die Preußen<br />

1806 in der Schlacht bei Jena.<br />

Um den Rückzug der preußischen<br />

Rest-Streitmacht zu sichern, erhält<br />

Hauptmann von Bruck (gespielt<br />

von Horst Frank) ein H<strong>im</strong>melfahrtskommando:<br />

Er soll eine<br />

Mühle, die den einzigen Übergang<br />

über die Saale blockiert, <strong>gegen</strong> die<br />

französische Armee verteidigen –<br />

so lange, bis alle Preußen in Sicherheit<br />

sind. Für die Erfüllung<br />

dieser Aufgabe bekommt er ein<br />

Truppenkontingent von nur zwölf<br />

Mann: sechs Soldaten seiner eigenen<br />

Jägerkompanie, fünf Versprengte<br />

anderer Einheiten (darunter<br />

ein Husar, der wohl nicht<br />

nur zufällig optisch eine große<br />

Ähnlichkeit mit Blücher aufweist)<br />

sowie einen Häftling. Mehr Männer<br />

lassen sich auf dem Schlachtfeld<br />

von Jena nicht auftreiben.<br />

Was folgt ist ein von Regisseur<br />

Fritz Umgelter rasant und schnörkellos<br />

inszenierter Actionfilm vor<br />

historischer Kulisse (und mit historischen<br />

Ungenauigkeiten). Genaugenommen<br />

handelt es sich um<br />

ein Remake des Filmes „Die letzte<br />

Kompagnie“ von 1930. Das Produktionsjahr<br />

– 1966 kam „Django“<br />

in die Kinos – und der italienische<br />

Co-Produzent sind vermutlich verantwortlich<br />

für den rustikalen „Italowestern-Look“,<br />

der allerdings<br />

hervorragend zu der Geschichte<br />

passt, die <strong>im</strong> wahrsten Sinne des<br />

Wortes „keine Gefangenen macht“.<br />

Das Institut für Medieninformation<br />

der katholischen Kirche urteilt:<br />

„Mischung aus Western und<br />

<strong>Krieg</strong>sfilm, in der <strong>Krieg</strong> als eher<br />

fröhliches Abenteuer erscheint.“<br />

Dem ist mit Vorbehalt zuzust<strong>im</strong>men,<br />

denn man findet eingestreut<br />

auch <strong>im</strong>mer wieder kritische Anmerkungen<br />

zum <strong>Krieg</strong>. Der Film<br />

verkommt somit nicht zu einem<br />

verlogenen Heldenepos. Fazit:<br />

Umgelters preußische Djangos reichen<br />

zwar nicht an Bondartschucks<br />

„Waterloo“ (1970) heran,<br />

bieten aber mehr als lediglich nur<br />

eine Handvoll Unterhaltung.<br />

Eine Handvoll Helden. Die letzte<br />

Kompanie. 1967, circa 90 min. FSK<br />

16, inkl. Booklet mit Hintergrundinformationen.<br />

Mehr unter: www.filmjuwelen.de<br />

ZEITSCHICHTEN<br />

Die Fotocollage des russischen Fotografen<br />

Sergey Larenkov stellt eindrucksvoll<br />

visualisiert einen Brückenschlag zwischen<br />

Vergangenheit und Gegenwart her.<br />

www.sergey-larenkov.livejournal.com<br />

Damals: Die <strong>im</strong> Nordwesten Russlands gelegene<br />

Stadt Wyborg wechselte seit ihrer Gründung<br />

mehrmals den Besitzer: Schweden, Finnen und<br />

Russen kämpften Jahrhunderte lang um den<br />

Ort. Unser Bild zeigt einen finnischen Beobachtungsposten<br />

auf einem Turm während des<br />

Winterkrieges mit der Sowjetunion 1939/1940.<br />

Heute: Nach dem „Fortsetzungskrieg“ 1944<br />

fällt Wyborg an die Sowjetunion und gehört<br />

heute zu Russland. Viele der Gebäude von<br />

einst sind durch den Winterkrieg (zum Teil<br />

bereits durch einen Großbrand 1856) zerstört<br />

worden. Heute beherbergt die alte Hafenstadt<br />

vor allem Werften und lebt vom Tourismus.<br />

www.sergey-larenkov.livejournal.com<br />

8


Grenztruppen<br />

der DDR<br />

Bundesgrenzschutz<br />

sdaf qgsdf<br />

adfads gsdfg asdf<br />

Foto: picture-alliance/blickwinkel/McPHOTO<br />

34,3<br />

Meter misst die Höhe des Bismarck-Denkmals in<br />

Hamburg mitsamt Sockel und Statue. Es ist damit<br />

das größte Standbild zu Ehren des ersten deutschen<br />

Reichskanzlers Otto von Bismarck weltweit. Das nach<br />

Entwürfen des Architekten Johann Emil Schaudt und<br />

des Bildhauers Hugo Lederer gefertigte Monument<br />

wurde 1906 feierlich enthüllt.<br />

„Blutsuppe“: Die Hauptmahlzeit<br />

spartanischer <strong>Krieg</strong>er<br />

S<br />

partaner<br />

sind eher als tapfere Kämpfer<br />

denn als raffinierte Gourmets bekannt.<br />

Dementsprechend ist der kulinarische „Leckerbissen“<br />

des peloponnesischen Stadtstaats<br />

ein recht s<strong>im</strong>ples aber nahrhaftes Soldatengericht.<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> präsentiert <strong>im</strong><br />

Folgenden das Rezept:<br />

Man hacke die besonders weichen Teile<br />

des Fleisches (bevorzugt wird in Sparta<br />

scharf gewürztes oder gesalzenes Schweinefleisch)<br />

in kleine Stücke und gebe so lange<br />

Schweineblut, Essig und Innereien hinzu<br />

bis eine „schwarze Suppe“ entsteht. Diese<br />

wird dann langsam auf dem Herd erhitzt.<br />

Zum Verfeinern und Abschmecken sollte der<br />

Koch noch ordentlich nachsalzen sowie<br />

Kräuter und Gewürze (z.B. Koriander, Thymian<br />

oder Kümmel) einmischen.<br />

Die anderen Griechen sind von dem peloponnesischen<br />

„Schlemmertopf“ allerdings<br />

nicht sonderlich angetan. Es wird sogar eine<br />

Verbindung zwischen der Blutsuppe und<br />

der spartanischen Kampfmoral hergestellt:<br />

Wer jeden Tag diese „Delikatesse“ verzehren<br />

müsse – so wurde<br />

gern gespöttelt – habe<br />

selbstverständlich<br />

keine Angst mehr vor<br />

dem Tod! Man sollte<br />

allerdings bedenken,<br />

dass regelmäßiger<br />

Fleischverzehr zu jener<br />

Zeit eine Ausnahme<br />

war und Geschmack<br />

zu großen Teilen anerzogen ist: Wer<br />

von Kindesbeinen an Blutsuppe isst, wird –<br />

abgesehen von der gastronomischen Monotonie<br />

– daran geschmacklich wenig auszusetzen<br />

haben.<br />

Wer selber einmal die „Ha<strong>im</strong>atia“ probieren<br />

will, kann das Rezept nun nachkochen.<br />

Es empfiehlt sich, am Anfang mit eher<br />

kleineren Mengen zu exper<strong>im</strong>entieren. Senden<br />

Sie eigene Geschmacksnotizen und ein<br />

Foto Ihrer Blutsuppe an:<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong>, Infanteriestr. 11a, 80797<br />

München oder an redaktion@clausewitzmagazin.de<br />

<strong>Krieg</strong>erische Köche: Spartaner<br />

wie König Leonidas sind<br />

berühmte Kämpfer – doch wie<br />

steht es mit der Kochkunst?<br />

Foto: picture-alliance/akg<br />

Briefe an die Redaktion<br />

Zu „Das Imperial War Museum“ in<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> 6/2013:<br />

Da ich zur Zeit teilweise in London wohne,<br />

fand ich Ihren Bericht über das Imperial<br />

War Museum sehr interessant. Ich<br />

kann nur zust<strong>im</strong>men, dass es sich lohnt,<br />

das Museum zu besuchen.<br />

Es ist mir aber leider ein (Druck?-)<br />

Fehler aufgefallen. Sie behaupteten,<br />

dass der T-34/85 2.600-mal gebaut<br />

wurde. Tatsächlich waren es mehr als<br />

das Zehnfache.<br />

Den Kreuzer „Belfast“ haben Sie als<br />

„leicht“ beschrieben, obwohl er in 1939<br />

schon als schlagkräftigster Kreuzer in der<br />

Royal Navy galt. Das ist aber kein Fehler,<br />

denn die Bezeichnung „leicht“ oder<br />

„schwer“ hatte nichts mit der Verdrängung<br />

zu tun, aber eher die Bewaffnung<br />

(12 x 152-mm-Kanonen). Sie [die „Belfast“]<br />

wurde in der Werft Harland & Wolff<br />

gebaut, die Titanic stammt auch von hier.<br />

Wolff wanderte aus Hamburg nach England<br />

aus und wurde später Abgeordneter.<br />

Mike Pieke (London), per E-Mail<br />

Zum „Magazinteil“ in<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> 1/2014:<br />

Ich lese mit Begeisterung Ihr Magazin,<br />

weil es nicht nur informativ, sondern auch<br />

<strong>im</strong>mer mit viel Hintergrundinformation<br />

gefüllt<br />

ist. Leider ist Ihnen aber<br />

trotzdem auf Seite 7 ein<br />

Fehler unterlaufen: Die<br />

Befreiungshalle, ein<br />

Prachtbau zum Gedenken<br />

Vietnam<br />

an die Befreiungskriege steht in der Niederbayerischen<br />

Stadt „Kelhe<strong>im</strong>“ und<br />

nicht Kehlhe<strong>im</strong>. Infos unter<br />

http://www.kelhe<strong>im</strong>.de/poi/befreiungshalle_kelhe<strong>im</strong>-1610<br />

Armin Hohmann, per E-Mail<br />

Zu „Teilkapitulation Nordwest“ in<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> 1/2014:<br />

Zunächst möchte ich Ihnen bestätigen,<br />

dass mit Ihrem neuen Heft wieder eine<br />

gelungene Mischung militärhistorischer<br />

Themen gelungen ist.<br />

Eine Anmerkung zum Detail. Auf dem<br />

Bild auf Seite 52 ist meines Erachtens<br />

nicht Hans-Georg von Friedeburg zu sehen.<br />

Auf anderen Bildern <strong>im</strong> Internet<br />

sieht man, dass der Generaladmiral am<br />

4. Mai 1945 einen Ledermantel und seine<br />

Admiralsmütze trug (mit Mützenschirmstickerei).<br />

Das Bild könnte den<br />

Mitunterzeichner, General Eberhard Kinzel,<br />

zeigen. Bernd Hoffmann, per E-Mail<br />

Clausewitz<br />

1/2014 Januar | Februar €5,50 A: € 6,30 CH: sFr 11,00 BeNeLux: € 6,50 SK, I: € 7,45 S: SKR 75 N: NOK 79 FIN: € 8,10<br />

<strong>Krieg</strong> unter der Erde<br />

Vicksburg 1863<br />

Wendepunkt <strong>im</strong><br />

US-Bürgerkrieg<br />

Pyrrhus I.<br />

Er lehrte Rom<br />

das Fürchten<br />

Clausewitz<br />

Militärtechnik<br />

<strong>im</strong> Detail<br />

T-34/76<br />

Das Magazin für Militärgeschichte<br />

Belagerung von<br />

Leningrad<br />

MILITÄR & TECHNIK<br />

900 Tage Blockade<br />

An der Innerdeutschen Grenze<br />

Anm. d. Red.: Der Leser hat<br />

Recht. Generaladmiral<br />

Hans-Georg von Friedeburg<br />

war zwar zu<strong>gegen</strong> und unterzeichnete<br />

die Teilkapitulation,<br />

unser Bild zeigt aber<br />

General der Infanterie Eberhard<br />

Kinzel be<strong>im</strong> Signieren (Mitunterzeichner)<br />

der Urkunde. Kinzel beging wie von<br />

Friedeburg am 23. Mai 1945 Selbstmord.<br />

Zu „Belagerung statt ,Blitzkrieg’“ in<br />

CAUSEWITZ 1/2014:<br />

Im Bericht über die Belagerung von Leningrad<br />

in der Ausgabe 1/2014 wird auf<br />

Seite 30 über den Transport von Geschützen<br />

in der ehemaligen k.u.k. Armee darüber<br />

berichtet, dass damals der Straßentransport<br />

der Kanonen mit Elektrofahrgestellen<br />

durchgeführt worden war.<br />

Diese mittels E-Motoren angetriebenen<br />

Fahrgestelle wurden von keinem geringeren<br />

als Ferdinand Porsche (er baute den<br />

Schreiben Sie an:<br />

redaktion@clausewitz-magazin.de oder<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong>, Postfach 40 02 09, 80702 München<br />

VW Käfer) entwickelt. Der Strom dazu<br />

wurde von einem Benzin angetriebenen<br />

Generator geliefert und in jeder Radnabe<br />

befand sich ein E-Motor für den Radantrieb.<br />

Im Fachjargon heißt das:<br />

Benzin/elektrischer Antrieb.<br />

Dieses Prinzip hat auch Porsche dann<br />

als Konkurrenzprodukt zum „Tiger I“ (Porsche<br />

Tiger) entwickelt, dass sich aber<br />

dann aufgrund der technischen Unausgereiftheit<br />

nicht durchsetzen konnte. Danach<br />

wurde dieses Prinzip wieder bei der<br />

Entwicklung zum Panzer „Maus“ (Gesamtgewicht<br />

zirka 188 Tonnen) aufgegriffen<br />

und umgesetzt. Nach dem <strong>Krieg</strong> ist<br />

aber dieser „gemischte Antrieb“ nicht in<br />

der Schublade verschwunden, sondern<br />

wurde aufgrund der neuen technischen<br />

Möglichkeiten weiterentwickelt und fand<br />

in den diesel/elektrisch angetriebenen<br />

Lokomotiven seine weitere Verwendung<br />

und wird heute noch verwendet.<br />

Thomas Pelzl (Wien), per E-Mail<br />

Leserbriefe spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Die Redaktion behält sich vor,<br />

Leserbriefe aus Gründen der Darstellung eines möglichst umfassenden Meinungsspektrums<br />

sinnwahrend zu kürzen.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

9


Titelgeschichte<br />

Vor 150 Jahren: Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Entscheidung<br />

<strong>im</strong> <strong>Norden</strong><br />

November 1863: König Christian IX. unterzeichnet die „eiderdänische Verfassung“. Mit<br />

ihr soll eine stärkere Anbindung des Herzogtums Schleswig an den dänischen<br />

Gesamtstaat erreicht werden. Doch Preußen und Österreich sind nicht gewillt, tatenlos<br />

zuzusehen und entsenden Truppen in den hohen <strong>Norden</strong>.<br />

Von Tammo Luther<br />

Xxxxx<br />

10


GEN NORDEN:<br />

Preußen und Österreicher dringen nach dem<br />

Verstreichen des Ult<strong>im</strong>atums an <strong>Dänemark</strong><br />

schnell nach Schleswig vor. Bei Oeversee<br />

liefern sich Österreicher und Dänen am 6. Februar<br />

<strong>1864</strong> ein schweres und verlustreiches<br />

Gefecht, das die österreichischen Einheiten<br />

für sich entscheiden können, zeitgenössische<br />

Lithographie. Abb.: ullstein bild – Archiv Gerstenberg<br />

Clausewitz 2/2014<br />

11


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

RUHE VOR DEM STURM:<br />

Die dänische Seite ist von Beginn an militärisch unterlegen.<br />

Ein System stark ausgebauter Feldbefestigungen,<br />

darunter das Danewerk und die Düppeler Schanzen, sollen<br />

die Heere der Gegner <strong>im</strong> Herzogtum Schleswig aufhalten.<br />

Auch die Festung Fredericia in Jütland (dän.: Jylland)<br />

verfügt – wie auf diesem Foto zu sehen – über eine<br />

schwere Bewaffnung.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

12


In der Defensive<br />

FAKTEN<br />

Zielsetzung<br />

<strong>Dänemark</strong><br />

Versuch des dänischen Königreichs, mithilfe<br />

einer neuen Verfassung das Herzogtum<br />

Schleswig enger an <strong>Dänemark</strong> zu binden;<br />

<strong>gegen</strong> einen militärisch überlegenen Gegner<br />

geht das skandinavische Land ein großes<br />

Risiko ein;<br />

am 1. Februar <strong>1864</strong> mündet der Konflikt mit<br />

den ersten Kampfhandlungen in den Deutsch-<br />

Dänischen <strong>Krieg</strong><br />

Truppenstärke bei circa 40.000 Mann Feldheer<br />

<strong>Krieg</strong>sbeginn<br />

Oberbefehlshaber Christian Julius de Meza; seit 29. Februar<br />

<strong>1864</strong> (bis 5. Juli <strong>1864</strong>) Georg Daniel Gerlach<br />

Clausewitz 2/2014<br />

13


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

FAKTEN<br />

Zielsetzung<br />

Truppenstärke<br />

der Verbündeten<br />

bei <strong>Krieg</strong>sbeginn<br />

Oberbefehlshaber<br />

Preußen und Österreich<br />

Aufhebung der dänischen „Novemberverfassung“<br />

und Abzug des gegnerischen Militärs aus Schleswig;<br />

andernfalls Entsendung von Truppen zur militärischen<br />

Lösung des Konfliktes<br />

circa 60.000–65.000, hinzu kommen <strong>im</strong> weiteren<br />

<strong>Krieg</strong>sverlauf etwa 20.000 weitere Soldaten<br />

Friedrich von Wrangel; seit<br />

18. Mai <strong>1864</strong> Prinz Friedrich Karl von Preußen<br />

14


In der Offensive<br />

ENTSCHLOSSEN:<br />

Um die stark befestigte „Düppel-Stellung“ in Nordschleswig<br />

entbrennt nach mehrwöchiger Belagerung<br />

am 18. April <strong>1864</strong> ein kurzer aber heftiger<br />

Kampf. Die preußischen Truppen wollen die Düppeler<br />

Schanzen, die den Übergang zur Insel Alsen,<br />

blockieren, unbedingt nehmen. Der Ausgang der<br />

Schlacht ist von großer Bedeutung für den weiteren<br />

<strong>Krieg</strong>sverlauf. Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

Clausewitz 2/2014<br />

15


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Die Unterzeichnung der „eiderdänischen<br />

Verfassung“ Ende 1863 durch König<br />

Christian IX. stand <strong>im</strong> Widerspruch<br />

zum 1852 ratifizierten „Londoner Protokoll“.<br />

Mit diesem sollte ursprünglich ein Schlusspunkt<br />

unter den seit Jahrzehnten schwelenden<br />

Konflikt der „Schleswigschen Frage“ und<br />

den Ersten Schleswig-Holsteinischen <strong>Krieg</strong><br />

von 1848–1850/51 gesetzt werden.<br />

Faktisch bedeutete die neue Verfassung<br />

vom 18. November 1863 eine Annexion des<br />

Herzogtums Schleswig und eine Trennung<br />

von Holstein, das dem Deutschen Bund angehörte<br />

und mit dem es seit dem Vertrag von<br />

Ripen aus dem Jahr 1460 „auf ewig ungeteilt“<br />

zusammengehören sollte. Das kleine<br />

„Wir haben nur diese eine Armee für die<br />

Verteidigung des Landes, und Eure kriegskundigen<br />

Führer haben gemeint, dass wir nicht länger<br />

eine Armee besitzen würden, wenn wir Euch nicht<br />

zurückzögen.“<br />

König Christian IX. in einem Armeebefehl vom 8. Februar <strong>1864</strong><br />

zur Räumung des Danewerkes<br />

Herzogtum gehörte ebenso wie Lauenburg<br />

seit 1815 zum Deutschen Bund und war wie<br />

Schleswig in Personalunion mit dem dänischen<br />

Königreich verbunden.<br />

Als Reaktion auf die neue Gesamtstaatsverfassung<br />

beschließt der Bundestag des<br />

Deutschen Bundes Ende 1863 die Durchführung<br />

der mehrfach aufgeschobenen Exekution<br />

der Bundesrechte und die Entsendung preußischer<br />

und österreichischer Truppenkontingente,<br />

die zunächst von Verbänden aus Hannover<br />

und Sachsen unterstützt werden. Im Dezember<br />

1863 marschieren schließlich Bundestruppen<br />

in die Herzogtümer Holstein und Lauenburg<br />

ein und besetzen diese kampflos.<br />

ZERSTÖRT: Teil der „Düppel-Stellung“ nach der Erstürmung durch preußische Truppen am<br />

18. April <strong>1864</strong>. Foto: picture-alliance/AKG<br />

Ult<strong>im</strong>atum an <strong>Dänemark</strong><br />

Am 16. Januar <strong>1864</strong> verlangen Preußen und<br />

Österreich schließlich ult<strong>im</strong>ativ die Aufhebung<br />

der „eiderdänischen Verfassung“. Infolge<br />

der dänischen Ablehnung ihrer Forderung<br />

überschreiten preußische und österreichische<br />

Truppen am 1. Februar <strong>1864</strong> den<br />

Fluss Eider, der die Grenze zwischen Schleswig<br />

und Holstein markiert. Sie besetzen den<br />

südlichen Teil Schleswigs, während sich<br />

Sachsen und Hannover weigern, an der Besetzung<br />

des Landes teilzunehmen, da es<br />

nicht dem Deutschen Bund angehört.<br />

16


BEREIT ZUM ANGRIFF:<br />

Angehörige des Brandenburgischen<br />

Jäger-Bataillons Nr. 3<br />

<strong>im</strong> Gefecht bei Rackebüll-<br />

Düppel unweit von Sonderburg<br />

am 17. März <strong>1864</strong>.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

Blutiger Auftakt<br />

Oberbefehlshaber der zum Feldzug entschlossenen<br />

verbündeten Preußen und<br />

Österreicher ist der 80 Jahre alte Generalfeldmarschall<br />

Friedrich von Wrangel, der bereits<br />

in den „Befreiungskriegen“ <strong>gegen</strong> Napoleon<br />

kämpfte.<br />

Bei Missunde an der Schlei liefern sich<br />

Preußen und Dänen bei eisigen Temperaturen<br />

bereits am 2. Februar ein heftiges Gefecht,<br />

bei dem es den preußischen Truppen<br />

zwar gelingt, den dänischen Brückenkopf<br />

südlich der Schlei zu nehmen. Doch der<br />

Übergang nach <strong>Norden</strong> über den lang gezogenen<br />

Meeresarm bei Missunde missglückt.<br />

Unterdessen können die Österreicher bis<br />

auf eine Entfernung von etwa zehn Kilometern<br />

an das Danewerk – einem von den Dänen<br />

erheblich verstärkten historischen Verteidigungswall<br />

– vorrücken. Die hier stehenden<br />

dänischen Truppen beschließen am<br />

5. Februar <strong>1864</strong> angesichts des ungünstigen<br />

<strong>Krieg</strong>sverlaufs der vergangenen Tage in den<br />

Gefechten bei Oberselk und Jagel den Rückzug.<br />

Mit diesem Schritt wollen sie vor allem<br />

verhindern, <strong>im</strong> Falle eines Durchbruchserfolgs<br />

des Gegners, an einem nötigem Rückzug<br />

gehindert zu werden. Mit ihrer Entscheidung<br />

sollten sie recht behalten, denn am<br />

6. Februar gelingt preußischen Truppen unter<br />

General der Kavallerie Prinz Friedrich<br />

Karl bei Arnis der Übergang über die Schlei<br />

und damit die Umgehung der dänischen<br />

„Danewerk-Stellung“.<br />

Etwas weiter nördlich, bei dem kleinen<br />

Ort Oeversee in der Nähe von Flensburg,<br />

liefern sich die nach <strong>Norden</strong> vorstoßenden<br />

Österreicher und eine Nachhut der zurückweichenden<br />

Dänen am 6. Februar <strong>1864</strong> bei<br />

ERFOLGREICH<br />

Prinz Friedrich Karl von Preußen (1828–<br />

1885) befehligt zunächst die preußischen<br />

Truppen in Schleswig-Holstein und übern<strong>im</strong>mt<br />

<strong>im</strong> Mai von Wrangel den Oberbefehl<br />

über die verbündeten Truppen.<br />

kaltem Winterwetter ein kurzes, aber heftiges<br />

Gefecht, bei dem mehr als hundert österreichische<br />

und dänische Soldaten den Tod<br />

finden.<br />

Siegreiche Österreicher<br />

Den Kampf können das Grazer Infanterie-<br />

Reg<strong>im</strong>ent Nr. 27 „König der Belgier“ und<br />

Angehörige des steirischen Feldjäger-Bataillons<br />

Nr. 9 schließlich für sich entscheiden.<br />

An ihre Erstürmung der Anhöhe am Sankelmarker<br />

See erinnert noch heute ein Denkmal,<br />

an dem jährlich jeweils am 6. Februar<br />

<strong>im</strong> Rahmen der Gedenkveranstaltung „Oeversee-Marsch“<br />

eine Kranzniederlegung<br />

Abb.: picture-alliance/dpa<br />

HINTERGRUND<br />

Die „Schleswigsche Frage“ führt um die Mitte<br />

des 19. Jahrhunderts mehrfach zu<br />

deutsch-dänischen Konflikten. Wiederholt versuchen<br />

die Dänen, das Herzogtum Schleswig,<br />

das laut den Best<strong>im</strong>mungen des Vertrages<br />

von Ripen aus dem Jahr 1460 mit dem<br />

Herzogtum Holstein „auf ewig ungeteilt“ zusammengehören<br />

sollte, in den dänischen Gesamtstaat<br />

zu integrieren.<br />

Ende 1863 untern<strong>im</strong>mt <strong>Dänemark</strong> unter<br />

seinem neuen König Christian IX. mit der Unterzeichnung<br />

der „eiderdänischen Verfassung“<br />

einen weiteren Vorstoß, Schleswig fest an<br />

das Königreich <strong>Dänemark</strong> zu binden und damit<br />

von Holstein zu trennen.<br />

Die „Schleswigsche Frage“<br />

Das Herzogtum Holstein gehörte ebenso<br />

wie Lauenburg seit 1815 zum Deutschen<br />

Bund und war wie Schleswig in Personalunion<br />

mit dem dänischen Königreich verbunden.<br />

Dies bestätigten die europäischen Großmächte<br />

<strong>im</strong> „Londoner Protokoll“ vom 8. Mai<br />

1852 <strong>im</strong> Anschluss an den Ersten Schleswig-<br />

Holsteinischen <strong>Krieg</strong> von 1848–1850/51.<br />

Zugleich erkannten sie damals die Erbberechtigung<br />

Christians IX. von Sonderburg-<br />

Glücksburg in der dänischen Thronfolge an.<br />

Vor allem die Klein- und Mittelstaaten des<br />

Deutschen Bundes, die in der Mehrzahl den<br />

Londoner Vertrag und seine Erbfolgeordnung<br />

ablehnten, werten den mit der „Novemberverfassung“<br />

von 1863 verbundenen Anspruch<br />

Königs Christian IX. auf die Herrschaft<br />

in den schleswig-holsteinischen Herzogtümern<br />

als Aggression.<br />

Ihrer Ansicht nach waren beide Herzogtümer<br />

mit dem Tod von Christians Vorgänger,<br />

Friedrich VII., nicht länger in Personalunion<br />

mit der dänischen Krone verbunden. Für sie<br />

stand damit die Sukzessionsfrage <strong>im</strong> Vordergrund.<br />

Ende 1863 beschließt der Bundestag die<br />

Bundesexekution und die Entsendung hannoverscher<br />

und sächsischer Truppenverbände,<br />

die anschließend Holstein und Lauenburg<br />

kampflos besetzen.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

17


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

unter Beteiligung von Vertretern des Österreichischen<br />

Bundesheeres stattfindet.<br />

Die bei Oeversee geschlagenen Dänen<br />

können sich schließlich von ihrem durch die<br />

vorangegangenen Kämpfe und Märsche erschöpften<br />

Gegner lösen und sich wie die in<br />

Flensburg stehenden Truppenkontingente<br />

geordnet in den nördlichen Teil des Herzogtums<br />

Schleswig zurückziehen.<br />

Der aus dänischer Sicht bisher unglückliche<br />

<strong>Krieg</strong>sverlauf und die kampflose Räumung<br />

des „Danewerkes“, die in der dänischen<br />

Öffentlichkeit einen wahren Sturm der<br />

Entrüstung entfacht, führt Ende Februar<br />

<strong>1864</strong> schließlich zur Entlassung des dänischen<br />

Oberbefehlshabers Christian Julius de<br />

Meza. Zu seinem Nachfolger wird Georg Daniel<br />

Gerlach berufen, der die dänischen<br />

Truppen reorganisieren soll.<br />

Bollwerk vor Alsen<br />

Bei der Ortschaft Düppel (dän.: Dybbøl) nahe<br />

der Stadt Sonderburg (dän. Sønderborg)<br />

verfügen die Dänen über eine auf einer Hügelkette<br />

gelegene Verteidigungsstellung.<br />

„Düppel war ein Stück<br />

Sewastopol.“<br />

Prinz Friedrich Karl über die<br />

Belagerung von Düppel<br />

VERSCHNAUFPAUSE: Preußische Truppen werden auf ihrem Weg zur dänischen Insel Alsen<br />

von Bürgern auf dem Südermarkt der Stadt Flensburg empfangen und bewirtet, Holzstich<br />

nach einer Zeichnung von August Beck.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

Prinz Friedrich Karl von Preußen, Befehlshaber<br />

des I. Korps, über die „Düppel-Stellung“:<br />

„Düppel war ein Stück Sewastopol. Eine von<br />

Natur starke Stellung von der Art, dass sie in<br />

der Feldschlacht nur ungern von einem weit<br />

überlegenen Gegner angegriffen werden<br />

VERWÜSTET: Blick in die von den preußischen<br />

Truppen <strong>im</strong> Sturm eroberte Schanze<br />

V, aufgenommen von einem Flensburger<br />

Fotografen wenige Tage nach der<br />

Schlacht.<br />

Foto: BArch, Bild 146-1972-055-50 / Friedrich Brandt<br />

18


Unglücklicher <strong>Krieg</strong>sverlauf<br />

KARTE<br />

Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

VORMARSCH GEN NORDEN: Die preußischen und österreichischen Truppen stoßen<br />

seit Februar <strong>1864</strong> nach <strong>Norden</strong> in das Herzogtum Schleswig und den Süden <strong>Dänemark</strong>s<br />

vor. Dabei kommt es unter anderem bei Missunde, Oberselk und Oeversee zu<br />

schweren Gefechten, bei Düppel schließlich nach langer Belagerung am 18. April<br />

<strong>1864</strong> zur Schlacht, die den Ausgang des <strong>Krieg</strong>es erheblich beeinflussen sollte.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

HOHE WÜRDIGUNG<br />

Feldmarschall-Leutnant Ludwig von Gablenz<br />

(1814–1874) befehligt das VI. Armeekorps<br />

und erringt mit seinen Österreichern<br />

wichtige Erfolge <strong>im</strong> Kampf <strong>gegen</strong><br />

<strong>Dänemark</strong>. Er wird <strong>1864</strong> von König Wilhelm<br />

mit dem preußischen Orden „Pour<br />

le Mérite“ ausgezeichnet.<br />

würde, in beiden Flanken durch das Meer<br />

und die <strong>Krieg</strong>sschiffe und durch Batterien<br />

auf Alsen geschützt, war sie durch zehn<br />

Schanzen befestigt.“<br />

Die „Düppeler Schanzen“ auf der Halbinsel<br />

Sundewitt (dän.: Sundeved) sollen den<br />

Übergang zur Insel Alsen (dän.: Als) sichern<br />

und bilden nach Durchführung entsprechender<br />

Maßnahmen ein gut ausgebautes Bollwerk,<br />

das für jeden Angreifer ein großes<br />

Hindernis darstellen muss.<br />

Die mit mehr als 100 Geschützen bewehrten<br />

Verteidigungsanlagen umfassen die<br />

Schanzen I bis X, die vorrangig nach Westen<br />

und gen <strong>Norden</strong> ausgerichtet und durch ein<br />

Graben- und Wallsystem miteinander verbunden<br />

sind. Nach Süden und Osten hin<br />

sind die Stellungen durch den Wennigbund<br />

(dän.: Vemmingbund) und den Alsensund<br />

auf natürliche Weise gut geschützt.<br />

Mächtige Verteidigungsstellung<br />

Mit dem Panzerschiff „Rolf Krake“ verfügen<br />

die Dänen dort zudem über ein modernes<br />

<strong>Krieg</strong>sschiff, das insbesondere die offene linke<br />

Flanke der „Düppel-Stellung“ sichern soll.<br />

Bereits Mitte Februar erteilte der preußische<br />

Oberbefehlshaber Feldmarschall von<br />

Wrangel den Befehl, das I. Korps des Prinzen<br />

Friedrich Karl von Preußen aus dem Raum<br />

Glücksburg <strong>gegen</strong> die „Düppel-Stellung“<br />

vorzuschieben, um diese zu belagern und<br />

bei guter Ausgangslage anzugreifen. Nach<br />

dem vergeblichen Versuch der Preußen, die<br />

Gestaltung: KGS Kartographie und Grafik Schlaich<br />

mächtige Verteidigungsstellung durch ein<br />

Übersetzen auf die östlich gelegene Insel Alsen<br />

zu umgehen und zahlreichen kleineren,<br />

aber für beide Seiten durchaus verlustreichen<br />

Vorposten- und Erkundungsgefechten<br />

beginnen die Belagerer Ende März mit dem<br />

Bau sogenannter Angriffsparallelen, die den<br />

eigenen Soldaten Schutz bei der Annäherung<br />

an die vom Gegner verteidigten Schanzen<br />

bieten sollen.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

19


Titelgeschichte<br />

SCHLICHT: Gedenkstein zur Erinnerung an während<br />

der Schlacht bei Düppel gefallene preußische<br />

Soldaten. Die Gedenksteine befinden sich<br />

heute in einem gepflegten Zustand. Foto: Autor<br />

In den frühen Morgenstunden des 18.<br />

April beziehen die preußischen Soldaten<br />

dann <strong>im</strong> gedeckten Vorfeld der Schanzen<br />

Stellung, ehe etwa zwei Stunden später ein<br />

gewaltiges Geschützfeuer einsetzt. Es soll<br />

die dänischen Befestigungsanlagen zerstören<br />

und den Gegner demoralisieren. Ein gewaltiger<br />

Geschosshagel prasselt auf die Dänen<br />

nieder. Modernste Belagerungsgeschütze<br />

sollen den Widerstand der circa 11.000<br />

Dänen in den Schanzen, in deren Rücken auf<br />

der Insel Alsen weitere 15.000 Mann als Reserve<br />

bereitstehen, brechen.<br />

Sturm auf Düppel<br />

Erst nach mehreren Stunden verstummt die<br />

preußische Artillerie, um den in den Paralle-<br />

DOKUMENT<br />

Armeebefehl vom<br />

7. Dezember <strong>1864</strong> (Auszug)<br />

„Der glorreiche Sieg <strong>gegen</strong> <strong>Dänemark</strong> ist<br />

beendigt. Ein ehrenvoller Friede ist ihm<br />

gefolgt. Seit fast einem halben Jahrhundert<br />

haben mit kurzer, aber ehrenvoller<br />

Unterbrechung Preußens Waffen geruht.<br />

Ihr, Soldaten meines Heeres, die Ihr bevorzugt<br />

wart, die Taten des letzten <strong>Krieg</strong>es<br />

zu vollbringen, habet den preußischen<br />

Waffenruhm erneut. Die Tage von Düppel<br />

und Alsen sind durch Euren Heldenmut<br />

auf ewige Zeiten in der <strong>Krieg</strong>sgeschichte<br />

verzeichnet.“ gez. Wilhelm [Kg. Wilh. I.]


<strong>Dänemark</strong> unter Druck<br />

... Jahrhundert.<br />

Von Wilhelmshaven nach Scapa Flow<br />

168 Seiten · ca. 180 Abb. · 22,3 x 26,5 cm<br />

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ISBN 978-3-7658-2031-1<br />

FREUDIGE BEGRÜßUNG: Dänische Reservisten<br />

kehren nach ihrer Freilassung <strong>im</strong> Rahmen<br />

eines Gefangenenaustausches nach Jütland<br />

zurück.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

len ausharrenden Sturmtruppen, vor allem<br />

Schützen und Pioniere, den Angriff auf die<br />

Schanzen zu ermöglichen. Während sich die<br />

Vorbereitungen zur Eroberung der „Düppel-<br />

Stellung“ durch die preußischen Truppen –<br />

mehr als 35.000 Mann – unter dem örtlichen<br />

Oberbefehlshaber Prinz Friedrich Karl über<br />

mehrere Wochen hinziehen sollten, gelingt<br />

die Erstürmung der ersten Schanzen am 18.<br />

April überraschend schnell.<br />

Die auf den südlichen Teil der Festungswerke<br />

konzentrierten Angriffstruppen sind<br />

in sechs Sturmkolonnen untergliedert, die jeweils<br />

die Nummer des zu erstürmenden<br />

Werkes erhielten. Und obwohl der zu überwindende<br />

Abstand von der Ausgangsstellung<br />

bis zu den Schanzen zwischen zirka 300<br />

und 550 Metern beträgt, fallen die Schanzen<br />

I bis VI der ersten Verteidigungslinie noch<br />

vor 10.15 Uhr in die Hände der Preußen.<br />

Preußischer <strong>Triumph</strong><br />

Bereits wenige Minuten nach der Einnahme<br />

der zur vorderen Linie zählenden Schanzenwerke<br />

erhält die Reserve-Brigade Canstein<br />

den Befehl, die hintere Schanzenlinie zu nehmen.<br />

Ein von den Dänen unternommener<br />

Gegenstoß kann von den Preußen erfolgreich<br />

abgewehrt werden und endet in einem<br />

fluchtartigen Rückzug der Verteidiger. Diese<br />

leisten nur noch auf vereinzelten Schanzen<br />

<strong>im</strong> rechten Teil der dänischen Stellung, darunter<br />

die Schanzen IX und X, Widerstand.<br />

Die Versuche des <strong>im</strong> Wenningbund operierenden<br />

Panzerschiffs „Rolf Krake“, die<br />

GLÜCKLOS<br />

König Christian IX. (1818–1906) unterzeichnet<br />

wenige Tage nach seiner Thronbesteigung<br />

<strong>im</strong> November 1863 die umstrittene<br />

„eiderdänische Verfassung“. Er<br />

muss sich mit <strong>Dänemark</strong> <strong>im</strong> Deutsch-Dänischen<br />

<strong>Krieg</strong> von <strong>1864</strong> schließlich Preußen<br />

und Österreich geschlagen geben.<br />

preußischen Truppen unter starkes Feuer zu<br />

nehmen, schlagen unterdessen fehl. Stattdessen<br />

gerät das Schiff selbst unter massiven Artilleriebeschuss,<br />

der es schließlich <strong>gegen</strong><br />

11.30 Uhr zum Abdrehen zwingt.<br />

Die Dänen haben nicht damit gerechnet,<br />

dass die Preußen mit den neuen gezogenen<br />

Geschützen von Gammelmark jenseits des<br />

Wenningbundes aus direkt in die Schanzen<br />

hineinwirken und auch das Panzerschiff vertreiben<br />

können.<br />

Eine Stunde später, <strong>gegen</strong> 12.30 Uhr, weht<br />

auch über der letzten Schanze der „Düppel-<br />

Abb.: picture-alliance/Mary Evans Picture Library<br />

Zeitzeugenberichte aus der letzten<br />

Schlacht des Dritten Reichs<br />

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Erlebnis Geschichte<br />

Auch als eBook erhältlich<br />

Clausewitz 2/2014<br />

21


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Dennoch ist zu diesem Zeitpunkt noch<br />

keine endgültige Entscheidung gefallen, da<br />

die dänische Armee trotz der Niederlage bei<br />

Düppel weiterhin kampffähig ist und über<br />

den Seeweg mit Nachschub versorgt werden<br />

kann. Die Möglichkeit, auf dem Festland offensiv<br />

<strong>gegen</strong> die Verbündeten vorzugehen,<br />

besteht allerdings nicht mehr.<br />

NACHGESTELLT: Eine Gruppe von Männern<br />

in traditionellen dänischen Uniformen aus<br />

dem <strong>Krieg</strong> von <strong>1864</strong> während des jährlichen<br />

„Oeversee-Marschs“. Foto: picture-alliance/dpa<br />

Stellung“ die Fahne der Preußen, die mit<br />

großer Entschlossenheit für die „Befreiung<br />

Schleswig-Holsteins“ gekämpft hatten, wie<br />

es ein am Kampf beteiligter Soldat in einem<br />

überlieferten Feldpostbrief formuliert.<br />

Wenngleich sich die Dänen nun auf die<br />

Verteidigung der beiden verbliebenen, die<br />

Brücken nach Sonderburg deckenden Schanzen<br />

konzentrieren, ist die Schlacht um die<br />

„Düppeler Schanzen“ am frühen Nachmittag<br />

des 18. April <strong>1864</strong> entschieden.<br />

Dänischer Rückzug<br />

Als auch die Brückenkopfstellungen vom<br />

Gegner erobert werden können, ziehen sich<br />

die dänischen Streitkräfte vollständig auf die<br />

Insel Alsen zurück.<br />

NAHAUFNAHME: Pforte zum Denkmal für<br />

gefallene preußische Soldaten auf dem ehemaligen<br />

<strong>Krieg</strong>sschauplatz der „Düppler<br />

Schanzen“<br />

Foto: Autor<br />

Mit der Erstürmung der „Düppeler<br />

Schanzen“ können die Preußen einen wichtigen<br />

Etappensieg auf dem Weg zum militärischen<br />

Erfolg <strong>im</strong> Deutsch-Dänischen <strong>Krieg</strong>,<br />

der auch Zweiter Schleswig-Holsteinischer<br />

<strong>Krieg</strong> genannt wird, erringen.<br />

Aussichtslose Lage<br />

Nun geht es für die dänische Seite vor allem<br />

darum, die Insel Fünen (dän.: Fyn) vor dem<br />

Zugriff des Gegners zu schützen. Das dänische<br />

Hauptquartier wird dorthin verlegt.<br />

Selbst nach der kampflosen österreichischen<br />

Besetzung der Festung Fredericia <strong>im</strong> Anschluss<br />

an die Räumung durch die Dänen<br />

Ende April <strong>1864</strong> gehen die Kämpfe an Land<br />

und auf dem Meer weiter.<br />

Am 9. Mai liefern sich Seestreitkräfte der<br />

Verbündeten vor Helgoland ein Seegefecht,<br />

bei dem das Flaggschiff des österreichischen<br />

Befehlshabers Wilhelm von Tegetthoff, die<br />

„Eine etwaige Erstürmung der Verschanzung<br />

darf jedoch nicht stattfinden, bevor nicht<br />

das feindliche Geschütz vorher zum Schweigen<br />

gebracht ist und überhaupt das Gelingen des<br />

Sturmes sicher vorauszusehen ist.“<br />

Feldmarschall von Wrangel in einem Befehl zur Belagerung von Düppel<br />

vom 11. Februar <strong>1864</strong><br />

KRIEG ZUR SEE: Vor Helgoland liefern sich ein österreichischpreußisches<br />

und ein dänisches Geschwader am 9. Mai <strong>1864</strong><br />

ein Seegefecht, das auf den Ausgang des <strong>Krieg</strong>es jedoch<br />

keinen Einfluss hat.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

22


Chancenlose Dänen<br />

ANSCHAULICH: Die Karte zeigt die Lage der Schanzen I bis X der „Düppel-Stellung“. Im Vorfeld der Verteidigungsanlagen sind die von den preußischen<br />

Pionieren gegrabenen Angriffsparallelen zu erkennen, am unteren Bildrand das dänische Panzerschiff „Rolf Krake“. Abb.: Archiv <strong>CLAUSEWITZ</strong><br />

Fregatte „Schwarzenberg“, in Brand gerät<br />

und dieser sich zurückzieht. Doch auch dieser<br />

Teilerfolg der Dänen kann die sich <strong>im</strong>mer<br />

deutlicher abzeichnende Niederlage <strong>gegen</strong><br />

überlegene Gegner nicht verhindern.<br />

Drei Tage später, am 12. Mai <strong>1864</strong>, tritt ein<br />

unter Beteiligung von nicht an den Kampfhandlungen<br />

beteiligten Mächten, darunter<br />

Großbritannien, Frankreich und Russland,<br />

ausgehandelter Waffenstillstand in Kraft.<br />

Dieser ist zunächst bis zum 25. Juni befristet.<br />

Doch die dänische Seite weigert sich, auf der<br />

Literaturtipps<br />

Tom Buk-Swienty: Schlachtbank Düppel. 18.<br />

April <strong>1864</strong> – Geschichte einer Schlacht, Berlin<br />

2011.<br />

Gerd Stolz: Das deutsch-dänische Schicksalsjahr<br />

<strong>1864</strong> – Ereignisse und Entwicklungen, Husum/Apenrade<br />

2010.<br />

Winfried Vogel: Entscheidung <strong>1864</strong>. Das Gefecht<br />

bei Düppel <strong>im</strong> Deutsch-Dänischen <strong>Krieg</strong><br />

und seine Bedeutung für die Lösung der deutschen<br />

Frage, Koblenz 1987.<br />

seit der zweiten Aprilhälfte in London tagenden<br />

Konferenz der Signatarmächte des<br />

„Londoner Protokolls“, ihre Entscheidungen<br />

hinsichtlich der Herzogtümer Schleswig und<br />

Holstein zurückzunehmen. Die Hoffnung<br />

der Dänen auf eine Hilfe aus dem Ausland,<br />

vor allem aus England, erfüllt sich allerdings<br />

nicht.<br />

Ende Juni erzielen die Gegner der Dänen<br />

weitere militärische Erfolge. So gelingt es<br />

preußischen Truppen am 29. Juni, auf der Insel<br />

Alsen zu landen und die anfangs starken<br />

Widerstand leistenden Dänen zurückzuschlagen.<br />

Diese weichen mit circa 10.000<br />

Mann zurück und setzen nach Fünen über.<br />

Die militärische Lage für das Königreich <strong>Dänemark</strong><br />

ist jedoch mittlerweile aussichtslos.<br />

Auch in Jütland dringen vor allem die österreichischen<br />

Truppen <strong>im</strong>mer weiter nach<br />

<strong>Norden</strong> vor.<br />

Friede von Wien<br />

In der zweiten Julihälfte <strong>1864</strong> ist Kopenhagen<br />

schließlich zur Aufnahme neuer Waffenstillstandsverhandlungen<br />

mit den inzwischen<br />

unter dem Oberbefehl von Prinz<br />

Friedrich Karl stehenden Verbündeten bereit.<br />

Ein am 1. August unterzeichneter Vorfriede<br />

bildet den Auftakt zur politischen Klärung<br />

des Konfliktes um Schleswig und Holstein,<br />

der auf einer Konferenz in Wien vorgenommen<br />

werden soll.<br />

Mit der Unterzeichnung des Friedens von<br />

Wien am 30. Oktober <strong>1864</strong> verzichtet der dänische<br />

König schließlich zugunsten Preußens<br />

und Österreichs auf die drei Herzogtümer<br />

Schleswig, Holstein und Lauenburg.<br />

Anfang 1867, nach dem für Preußen ebenfalls<br />

erfolgreichen Ausgang des „Deutschen<br />

<strong>Krieg</strong>es“ <strong>im</strong> Jahr 1866 <strong>gegen</strong> Österreich, wird<br />

Schleswig wie auch das von Österreich verwaltete<br />

Holstein als Provinz Schleswig-Holstein<br />

Teil des preußischen Königreiches.<br />

Der Deutsch-Dänische <strong>Krieg</strong> von <strong>1864</strong> bildet<br />

somit rückblickend betrachtet den Auftakt<br />

zu den „Einigungskriegen“ Otto von<br />

Bismarcks in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.<br />

Dr. Tammo Luther, Jg. 1972, verantwortlicher Redakteur<br />

von <strong>CLAUSEWITZ</strong>, freier Autor und Lektor in<br />

Schwerin mit Schwerpunkt „Deutsche Militärgeschichte<br />

des 19. und 20. Jahrhunderts“.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

23


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Das Leid der Soldaten bei Düppel<br />

Gefangen <strong>im</strong> Geschosshagel<br />

18. April <strong>1864</strong>: Bevor der Sturm auf die „Düppeler Schanzen“ beginnt, explodieren Tausende<br />

von Granaten zwischen Schützenlöchern und Laufgräben. Ein wahres Inferno, aus<br />

dem es kaum ein Entrinnen gibt, beginnt.<br />

Von Tammo Luther<br />

An jenem Tag des 18. April wird die idyllische<br />

Landschaft unweit der Stadt<br />

Sonderburg zur „Hölle auf Erden“. Das<br />

Artilleriefeuer, das auf die Schanzen von Düppel<br />

niederregnet, ist eines der bis dahin größten<br />

und intensivsten der <strong>Krieg</strong>sgeschichte.<br />

Bevor die preußischen Truppen mit ihrem<br />

Sturm auf die stark befestigten Düppeler<br />

Schanzen (dän.: Dybbøl Banke), die von Zeitgenossen<br />

auch als „Sewastopol des <strong>Norden</strong>s“<br />

bezeichnet werden, beginnen, sollen<br />

die dänischen Verteidiger <strong>im</strong> wahrsten Sinne<br />

des Wortes „sturmreif“ geschossen werden.<br />

Das preußische Vorbereitungsfeuer und die<br />

anschließenden Kämpfe sind so heftig, dass<br />

auf dänischer Seite schnell der Begriff<br />

„Schlachtbank“ für die Anhöhe bei Düppel<br />

die Runde macht.<br />

Kampf ums nackte Überleben<br />

Die Kanonade auf diese Stellung bedeutete<br />

den Anfang vom Ende des herbeigesehnten<br />

dänischen Gesamtstaates einschließlich des<br />

alten Herzogtums Schleswig. Der 18. April<br />

<strong>1864</strong> „verwandelte“ das Königreich <strong>Dänemark</strong><br />

in einen machtpolitischen Kleinstaat.<br />

Für die an den Kämpfen beteiligten Soldaten<br />

spielen indes andere Aspekte eine besondere<br />

Rolle. Hier geht es nicht um Macht<br />

und Politik, sondern um das nackte Überleben,<br />

um die Furcht vor dem Tod, der Verwundung<br />

oder Verstümmelung. Hieb- und<br />

Stichwaffen, Gewehrmunition aber vor allem<br />

die Granaten der Artillerie sind in der<br />

Lage, dem menschlichen Körper entsetzliche<br />

Wunden zuzufügen. Glieder werden abge-<br />

Literaturtipp<br />

Tom Buk-Swienty: Schlachtbank Düppel.<br />

Geschichte einer Schlacht, Berlin 2011.<br />

24


MÖRDERISCH: Der Erstürmung der Düppeler<br />

Schanzen geht ein heftiges Vorbereitungsfeuer<br />

der Preußen voraus.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

IN GEDENKEN: Sammelgräber von bei Düppel <strong>im</strong> Frühjahr <strong>1864</strong> Gefallenen zwischen<br />

Schanze IV und V.<br />

Foto: ullstein bild – ullstein bild<br />

Die Schlacht <strong>im</strong> beschaulichen nördlichen<br />

Teil des alten Herzogtums Schleswig weist<br />

einige Besonderheiten auf. Eine davon ist die<br />

Tatsache, dass hier weltweit zum ersten Mal<br />

Rotzkreuzdelegierte in einem kriegerischen<br />

Konflikt bzw. einer Schlacht zum Einsatz<br />

kommen – vier Monate vor der Unterzeichnung<br />

der ersten Genfer Konvention am 22.<br />

August <strong>1864</strong>. Bei den Abgesandten handelt<br />

es sich um den Schweizer Dr. Louis Appia<br />

und den Niederländer Charles van de Velde,<br />

die sich beide auf den <strong>Krieg</strong>sschauplätzen<br />

des Deutsch-Dänischen <strong>Krieg</strong>es um die Einhaltung<br />

humanitärer Grundsätze <strong>im</strong> Sinne<br />

der später verabschiedeten Genfer Konvention<br />

einsetzen. Seit 1989 erinnert ein Gedenkstein<br />

vor dem „Düppel-Museum“ an diese<br />

Begebenheit. Er trägt die Inschrift in dänischer<br />

und deutscher Sprache: „Den ersten<br />

Rotkreuzdelegierten der Geschichte zur Erinnerung.“<br />

Starke Befestigungen<br />

Auch 150 Jahre nach Beendigung des <strong>Krieg</strong>es<br />

lässt sich die Lage der ausgedehnten Befestigungsanlage<br />

der Schanzen erstaunlich<br />

gut <strong>im</strong> malerisch zwischen Wenningbund<br />

und Alsensund gelegenen Gelände nachvollziehen.<br />

Mehrere Werke aus dem 19. Jahrhundert<br />

sind zudem erhalten geblieben, wenngleich<br />

es sich dabei vorrangig um nach dem<br />

Ende des Deutsch-Dänischen <strong>Krieg</strong>es von<br />

den Preußen errichtete, größere Verteidigungsanlagen<br />

handelt.<br />

trennt, viele Soldaten auf beiden Seiten regelrecht<br />

zerfetzt. In überfüllten Lazaretten<br />

hört man das qualvolle Leiden der Schwerverwundeten<br />

und Sterbenden – sowohl bei<br />

den Besiegten als auch bei den Siegern.<br />

An jenem Frühjahrstag des 18. April bei<br />

Sonderburg steht die tödliche Wirkung der<br />

Geschütze <strong>im</strong> Vordergrund. Ihr mörderisches<br />

Feuer reißt große Lücken und Breschen<br />

in die gut ausgebauten Schanzen der<br />

Düppeler Verteidigungsstellung, die nach<br />

langer und intensiver Belagerung schließlich<br />

von den preußischen Truppen <strong>im</strong> Sturm<br />

erobert wird.<br />

ERNEUERT: Denkmal für die preußischen Pioniere und Carl Klinke. Die Inschrift auf der<br />

Tafel lautet: „Zum Gedächtnis der am 18. April <strong>1864</strong> gefallenen Königlich Preußischen<br />

Pioniere. Hier fiel der Pionier Klinke.“<br />

Foto: Autor<br />

Clausewitz 2/2014<br />

25


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

GEPFLEGT: Der Gedenkstein für gefallene<br />

Dänen befindet sich unweit der dänischen<br />

Schanzen V und VI auf dem ehemaligen<br />

Schlachtfeld bei Düppel.<br />

Foto: Autor<br />

Der Umriss des Schanzeninneren der ursprünglich<br />

von den Dänen errichteten<br />

Schanze V ist mit Steinen gekennzeichnet.<br />

Dies gilt auch für andere, der insgesamt zehn<br />

Schanzen der Hauptverteidigungslinie <strong>im</strong><br />

Vorfeld von Sonderburg.<br />

Denkmäler und Gedenksteine<br />

Das Denkmal zu Ehren des aus der Niederlausitz<br />

stammenden preußischen Pioniers<br />

Carl Klinke, der sich an jenem 18. April <strong>1864</strong><br />

mit einem schweren Pulversack bepackt<br />

dem Gegner ent<strong>gegen</strong>geworfen und sich<br />

selbst in die Luft gesprengt haben soll, befindet<br />

sich in einem guten Zustand. Klinke soll<br />

auf diese Weise eine Bresche in die Palisadenwand<br />

der Schanze II gesprengt haben<br />

und damit entscheidend zur Erstürmung<br />

dieses hart umkämpften Bollwerkes beigetragen<br />

haben.<br />

Über den gesamten <strong>Krieg</strong>sschauplatz verstreut<br />

finden sich <strong>im</strong>mer wieder Gedenksteine<br />

mit den Namen der dort <strong>im</strong> tödlichen Geschosshagel<br />

gefallenen Soldaten. Sie sind<br />

sichtbarer Beleg für die Schwere der Kämpfe.<br />

Es sind in den Schanzen zahlreiche Infor-<br />

ZUR ERINNERUNG: Standbild des preußischen<br />

Pioniers Klinke in Berlin Spandau, der<br />

bei den Schanzen sein Leben verlor.<br />

Foto: SZ Photo/Süddeutsche Zeitung Photo<br />

MUSEUM: Das Historiecenter Dybbøl Banke<br />

vor den Toren Sonderburgs erinnert an die<br />

Ereignisse von <strong>1864</strong>.<br />

Foto: picture-alliance/Bildagentur-Online/Diederich<br />

mationstafeln aufgestellt, die in dänischer<br />

und deutscher Sprache über die jeweiligen<br />

Befestigungsanlagen informieren und anhand<br />

eines Kartenausschnitts einen guten<br />

„Die Landschaft ist vollkommen durchpflügt von<br />

Granateinschlägen. Hier liegen alle Arten von<br />

Granaten, Spitzgranaten, Kugeln, Kartätschen, und<br />

es gibt Kugeln von der Größe meines Kopfes.“<br />

Der Schweizer Rotkreuzgesandte Dr. Louis Appia nach Besichtigung<br />

des Schlachtfeldes am 18. April <strong>1864</strong><br />

KONTAKT<br />

Historiecenter Dybbøl Banke<br />

Dyybøl Banke 16<br />

DK-6400 Sønderborg<br />

Internet: www.museum-sonderjylland.dk<br />

E-Mail: historiecenter@museumsonderjylland.dk<br />

Überblick über die Lage innerhalb der Düppeler<br />

Verteidigungsstellung geben.<br />

Schanze IV wurde von den Preußen nach<br />

ihrem Sieg vollständig eingeebnet, um dort<br />

ein weithin sichtbares Denkmal zur Erinnerung<br />

an die Kämpfe von <strong>1864</strong> zu errichten.<br />

Das 1872 errichtete Monument, das auch<br />

nach der Abtretung Nordschleswigs an <strong>Dänemark</strong><br />

<strong>im</strong> Jahr 1920 stehen blieb, wurde am<br />

13. Mai 1945 von Dänen gesprengt und die<br />

Trümmer in einer Kiesgrube vergraben.<br />

Gemeinsames Gedenken<br />

Die Schlacht bei Düppel zählt zu den wichtigsten<br />

Ereignissen der jüngeren dänischen<br />

Geschichte. Noch heute hat der 18. April für<br />

viele Dänen – vor allem <strong>im</strong> Süden des Landes<br />

– eine besondere Bedeutung.<br />

Das in Sichtweite der restaurierten Mühle<br />

von Düppel errichtete Museum Historiecenter<br />

Dybbøl Banke versucht die Ereignisse<br />

<strong>im</strong> Frühjahr <strong>1864</strong> auf lebendige Art zu rekonstruieren<br />

und an das große Leid der Soldaten<br />

beider Seiten zu erinnern. Es bietet seinen<br />

Besuchern neben zahlreichen Informationstafeln<br />

und Exponaten auch Vorführungen<br />

mit Geschützdonner und Pulverdampf.<br />

Mit einer Gedenkveranstaltung und<br />

Kranzniederlegungen wird von dänischer<br />

und deutscher Seite mittlerweile gemeinsam<br />

jährlich am 18. April der Toten der Schlacht<br />

um die Düppeler Schanzen gedacht.<br />

Dr. Tammo Luther, Jg. 1972, verantwortlicher Redakteur<br />

von <strong>CLAUSEWITZ</strong>, freier Autor und Lektor in<br />

Schwerin mit Schwerpunkt „Deutsche Militärgeschichte<br />

des 19. und 20. Jahrhunderts“.<br />

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Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

Entwicklung der Waffentechnik<br />

Tödliche Evolution<br />

Mitte des 19. Jahrhunderts: Der technische Fortschritt verändert auch das Militärwesen.<br />

Die Waffen – vor allem die der Artillerie – werden <strong>im</strong>mer „effektiver“. Das bekommen<br />

auch Verteidiger und Angreifer bei Düppel leidvoll zu spüren. Von Hans-Reinhard Meißner<br />

ZU BESICHTIGEN: Kanonen<br />

auf der Anhöhe vor der nach<br />

ihrer Zerstörung <strong>im</strong> Deutsch-<br />

Dänischen <strong>Krieg</strong> wiederaufgebauten<br />

Düppel-Mühle erinnern<br />

an die Kämpfe von<br />

<strong>1864</strong>. Foto: Autor<br />

Einen ersten Fortschritt <strong>gegen</strong>über den<br />

Steinschlossgewehren stellt das Perkussionsgewehr<br />

dar. Die Steinschlosszündung<br />

wird durch das Zündhütchen ersetzt<br />

(Perkussionszündung). Die Läufe werden<br />

mit Zügen (Rillen) versehen, sind also nicht<br />

mehr glatt. Die Nutzungsparameter des Perkussionsgewehrs<br />

müssen <strong>gegen</strong>über dem<br />

Steinschlossgewehr positiv beurteilt werden.<br />

Aber: Es ist <strong>im</strong>mer noch ein Vorderlader. Das<br />

Problem: Ein solches Gewehr kann nur <strong>im</strong><br />

Stehen geladen werden. Diese Tatsache stellt<br />

<strong>im</strong> feindlichen Feuer eine Herausforderung<br />

dar und ist verlustreich.<br />

Auch führt der Ladevorgang zu Momenten,<br />

in denen der Schütze faktisch wehrlos<br />

ist. Zwar wird auch diese Zeit bei den Vorderladern<br />

des 19. Jahrhunderts nach und<br />

nach verkürzt, bei dem Miniégewehr sogar<br />

erheblich.<br />

SCHUSSGEWALTIG: Die schweren Artilleriewaffen<br />

spielten besonders bei der Schlacht<br />

um die Düppeler Schanzen eine große Rolle.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

28


WAFFENSCHMIEDE: Die Firma Krupp wird ein wichtiger Hersteller<br />

von Kanonen. Die Hinterlader aus Gussstahl weisen verbesserte<br />

Flugeigenschaften der Geschosse auf. Dies wirkt sich günstig auf<br />

Treffgenauigkeit und Reichweite aus.<br />

Foto: picture-alliance/ZB©dpa<br />

GROßES KALIBER: Blick auf den Teil einer Batterie auf Bastion Oldenburg<br />

der Festung Fredericia, die die Dänen am 28. April <strong>1864</strong><br />

kampflos räumen. Die Festung wird einen Tag später von österreichischen<br />

Truppen besetzt.<br />

Foto: ullstein bild – ullstein bild<br />

Doch den wirklichen Durchbruch schafft<br />

erst der Erfinder, Konstrukteur und Unternehmer<br />

Nicolaus Dreyse aus Sömmerda in<br />

Thüringen. Auf ihn geht das „Dreyse-Zündnadelgewehr“<br />

zurück. Nun verfügt der Soldat<br />

über einen gezogenen Hinterlader.<br />

Dieses Gewehr ist die Waffe der Zukunft,<br />

aber noch keineswegs das Opt<strong>im</strong>um. Noch<br />

leistet mancher Vorderlader von Reichweite<br />

und Treffsicherheit her besseres. Aber: Das<br />

Gewehr kann durch den Soldaten in jeder<br />

Körperhaltung, also auch <strong>im</strong> Liegen, <strong>im</strong><br />

Knien oder hinter Deckungen geladen werden<br />

– ein enormer Vorteil.<br />

Bedeutende Erfindung<br />

Zur überlegenen Waffe wird das Zündnadelgewehr<br />

<strong>1864</strong> <strong>gegen</strong> <strong>Dänemark</strong> und 1866 <strong>gegen</strong><br />

Österreich jedoch erst durch die intensive<br />

Schießausbildung des preußischen Soldaten.<br />

Dessen Ladevorgang ist kürzer. Er ist<br />

schneller feuerbereit. Revolutionär ist die Erfindung<br />

Dreyses deswegen, weil bei dem<br />

neuen Gewehr die Zündung von „außen“<br />

(Steinschloss, Perkussionsschloss stets außen<br />

rechts am Gewehr) nach „innen“ verlagert<br />

ist. Im Moment des Abdrückens durchschlägt<br />

die Zündnadel den Pappdeckel der<br />

<strong>im</strong> Lauf befindlichen Patrone. Die Zündung<br />

geht also <strong>im</strong> Lauf selbst vonstatten.<br />

Das erste feldtaugliche Modell von Dreyses<br />

Zündnadelgewehr ist das M 1841. Es hat<br />

noch ein Kaliber von 15,43 mm. Das Kaliber<br />

verringert sich in der Folgezeit auf 11 mm.<br />

Verschossen wird zunächst noch die Kugel.<br />

1855 wird die Kugel endgültig durch „Langblei“<br />

ersetzt. Der Großteil der preußischen<br />

Infanterie führt <strong>im</strong> Feldzug von <strong>1864</strong> das<br />

Zündnadelgewehr Modell 1841. Aber nur<br />

das Füsilier-Reg<strong>im</strong>ent 35 ist bereits komplett<br />

mit dem neueren Zündnadelgewehr „Füsiliergewehr“<br />

Mod. 60 ausgerüstet, die Jägerbataillone<br />

verfügen über die Zündnadelbüchse<br />

Mod. 54 .<br />

Hinterlader aus Gussstahl<br />

Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Gewehren<br />

ist auch bei dem Geschützmaterial<br />

zu verzeichnen. Hier wird die glatte Vorderladerkanone<br />

aus Bronze, die die Schlachtfelder<br />

von Mollwitz 1741 über Valmy 1792 bis<br />

hin zu Waterloo 1815 beherrscht hat, durch<br />

eine technische Neuentwicklung abgelöst:<br />

Hinterlader aus Gussstahl. Man sieht, dass<br />

sich nicht nur die Konstruktion der Geschütze<br />

grundlegend verändert, sondern auch moderne<br />

Werkstoffe Eingang in die Produktion<br />

finden. Die Firma Krupp aus Essen erarbeitet<br />

sich schnell den Ruf einer „Waffenschmiede“<br />

und der Patriarch der Familie Krupp steigt<br />

bald zum „Kanonenkönig“ auf. Die neuartigen<br />

Hinterlader aus Gussstahl weisen verbesserte<br />

Flugeigenschaften der Geschosse<br />

auf, was sich günstig auf Treffgenauigkeit<br />

und Reichweite auswirkt. Die Vollkugel verschwindet<br />

aus der Artillerie. An ihre Stelle<br />

tritt moderne Granatmunition.<br />

ERFINDER<br />

Nikolaus von Dreyse<br />

Standard: Das von Johann Nikolaus von<br />

Dreyse (1787–1867) in der ersten Hälfte<br />

des 19. Jahrhunderts entwickelte Gewehr,<br />

das mit vorschnellender Nadel die Zündung<br />

der Patrone auslöste, wurde in verschiedenen<br />

Ausführungen, darunter die Modelle<br />

M/41 und M/62, weiterentwickelt und von<br />

der preußischen Armee eingeführt.<br />

Abb.: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages (2x)<br />

Clausewitz 2/2014<br />

29


Titelgeschichte | Deutsch-Dänischer <strong>Krieg</strong> <strong>1864</strong><br />

NEU BESETZT: Blick ins Innere einer der am 18. April von preußischen Truppen eroberten<br />

Schanzen bei Düppel mit 24-Pfündern.<br />

Foto: BArch, Bild 146-1972-055-56 / Friedrich Brandt<br />

sie nicht vom Seewind zerstreut worden<br />

sind.<br />

Nach Curt Jany „erhielten die preußischen<br />

gezogenen Geschütze ihre Feuertaufe“<br />

<strong>im</strong> Jahr <strong>1864</strong> (Curt Jany, Geschichte der Preußischen<br />

Armee, Vierter Band, 2. Aufl., Biblio-<br />

Verlag Osnabrück 1967, S. 235).<br />

Vor den Düppeler Schanzen versammeln<br />

die Preußen 25 Batterien mit 102 Geschützen<br />

als Belagerungsartillerie. Bedrohlich ragen<br />

les steht auf Anfang. Niemand hat Erfahrung<br />

mit großen Truppentransporten. Um sechs<br />

Züge täglich von Altona nach Bordesholm zu<br />

bringen, sei ein „Wirrwarr“ ohnegleichen entstanden,<br />

konstatiert Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen<br />

für den 29. Januar <strong>1864</strong>.<br />

Technische Neuerungen<br />

Das 19. Jahrhundert wird sich der Wirkungsweise<br />

der Elektrizität bewusst. Eine der ersten<br />

AUF MEIN KOMMANDO: Gustav Eduard Hindersin<br />

führt <strong>1864</strong> den Artillerieangriff auf die<br />

Düppeler Schanzen. Als Generalinspekteur<br />

versucht der 1865 in den Adelsstand erhobene<br />

Hindersin, die Einführung neuer Artilleriewaffen<br />

in das preußische Heer voranzutreiben.<br />

Abb.: ullstein bild – <strong>im</strong>agebroker.net/bilwissedition.com<br />

„Wir lagen müßig herum und warteten auf den Tod;<br />

die neu erfundenen Granaten zerreißen und<br />

zerstückeln ihre Opfer, zerfetzen sie in Stücke,<br />

sodass es bisweilen unmöglich ist, ein Körperteil<br />

wiederzuerkennen.“<br />

J.P. Hansen, einfacher Soldat, 16. (dän.) Reg<strong>im</strong>ent, über die Zeit<br />

der Belagerung der Düppeler Schanzen<br />

Preußen setzt artilleristisch – selbst <strong>gegen</strong><br />

den Widerstand konservativer Militärs –<br />

ganz konsequent auf den Hinterlader aus<br />

Gusstahl. Ein Probeschießen am 2. Mai 1859<br />

auf der Berliner Jungfernheide bringt den<br />

Durchbruch zugunsten der neuen Waffe.<br />

Überragenden Anteil an der Konstruktion<br />

der neuen Geschütze hat der spätere General<br />

von Neumann. Die Einführung der Waffe in<br />

der Truppe geht zunächst auf General Encke,<br />

dann auf General von Hindersin zurück.<br />

Hindersin führt <strong>1864</strong> den Artillerieangriff<br />

auf die Düppeler Schanzen.<br />

Doch als Sprengstoff muss noch weiter<br />

das klassische Schwarzpulver herhalten. Dynamit<br />

und rauchschwaches Pulver stehen<br />

<strong>1864</strong> noch nicht zur Verfügung. Also müssen<br />

auch vor Düppel noch dicke Pulverschwaden<br />

durchs Gelände gestrichen sein, soweit<br />

die Mündungen der 12- und 24- pfündigen<br />

gezogenen Kanonen auf hoher Lafette richtung<br />

Befestigung.<br />

Transport per Eisenbahn<br />

Wenn auch noch in den „Kinderschuhen“ steckend,<br />

wird <strong>1864</strong> die Eisenbahn als Transportmittel<br />

für militärische Zwecke eingesetzt. Al-<br />

Literaturtipps<br />

Kraft Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen: Aus<br />

meinem Leben, Dritter Band, Berlin 1906.<br />

Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee,<br />

Vierter Band, 2.Aufl., Biblio-Verlag Osnabrück<br />

1967.<br />

August Trinius: Geschichte des <strong>Krieg</strong>es <strong>gegen</strong><br />

<strong>Dänemark</strong> <strong>1864</strong>, Berlin 1885.<br />

praktischen Anwendungen führt zur Entwicklung<br />

der Drahttelegrafie. Für das Jahr<br />

<strong>1864</strong> ist eine Telegrafenverbindung zwischen<br />

den Belagerern der Düppeler Schanzen und<br />

dem Hauptquartier des Prinzen Friedrich<br />

Karl in Gravenstein (dän.: Gråsten) bezeugt.<br />

Über das schon umfangreich ausgebaute<br />

zivile Telegrafennetz entlang der Eisenbahnlinien<br />

wird der König in Berlin durch Telegramme<br />

über die Ereignisse des 18. April<br />

<strong>1864</strong> nahezu in „Echtzeit“ unterrichtet.<br />

Die dänische Seite ist von Anfang an unterlegen.<br />

Ihre Strategie zielt darauf ab, den<br />

Konflikt zu „internationalisieren“ und Großbritannien<br />

und Russland auf seine Seite zu<br />

ziehen. Bis zu deren Eingreifen soll ein System<br />

von Feldbefestigungen (Danewerk,<br />

Düppel) feindliche Heere von den Hauptinseln<br />

fernhalten.<br />

30


Vernichtende Wirkung der Artillerie<br />

Das dänische Heer ist zahlenmäßig eher<br />

schwach und besitzt „milizartigen Charakter“.<br />

Die dänische Infanterie führt gezogene<br />

Vorderlader, hauptsächlich das sogenannte<br />

Miniégewehr, welches als vorzüglich bezeichnet<br />

wird. Die Stammbataillone des Friedenheeres<br />

sind noch mit dem Dorngewehr<br />

nach dem System des französischen Oberst<br />

Thouvenin ausgerüstet, ebenfalls ein Vorderlader<br />

mit gezogenem Lauf, der aber <strong>gegen</strong>über<br />

dem Miniégewehr weniger günstig beurteilt<br />

wird.<br />

Die Feldartillerie steht <strong>1864</strong> <strong>im</strong> Begriff, gezogene<br />

Geschütze einzuführen. Als zahlenmäßig<br />

stark wird die Festungsartillerie beschrieben.<br />

Ein Faktor von durchaus strategischer<br />

Bedeutung: <strong>Dänemark</strong> verfügt über<br />

eine einsatzbereite Flotte von 26 Dampfschiffen<br />

mit 363 Kanonen.<br />

Dänen in der Defensive<br />

Zur Sperrung des Zugangs über den Alsensund<br />

nach Sonderburg errichtet <strong>Dänemark</strong><br />

eine Kette von Feldbefestigungen. Eine zeitgenössische<br />

Beschreibung zeichnet ein überaus<br />

plastisches Bild:<br />

„Sämtliche Schanzen, aus Erde hergestellt<br />

und miteinander durch höchst zweckmäßige<br />

und vorteilhafte Verteidigungslinien verbunden,<br />

besaßen eine Höhe von 20 Fuß, die<br />

Gräben eine Tiefe von 12 Fuß und eine Breite<br />

von 20 Fuß. Die Stärke der Brustwehren<br />

war für den Anprall schwerer Geschosse berechnet.<br />

Jede Schanze zählte ungefähr 6 Geschütze<br />

und war für zwei Kompagnien Besatzung<br />

eingerichtet, besaß <strong>im</strong> Innern ein<br />

sturm- und bombensicheres Blockhaus und<br />

ein Pulvermagazin. Auch sonst boten sich innerhalb<br />

der Verteidigungslinien und Brustwehren<br />

gesicherte Schlupfwinkel. Ebenso<br />

war durch hohe Palisaden, Wolfsgruben,<br />

VERWÜSTET: Teilansicht einer Schanze auf der linken Flanke der „Düppel-Stellung“. Deutlich<br />

ist hier die verheerende Wirkung der preußischen Artillerie erkennbar.<br />

Foto: ullstein bild/Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl<br />

Höllenmaschinen, Eggen, Drahtnetze, Glasscherben<br />

und andere Hindernisse dem Vordringen<br />

geschlossener Infanteriekolonnen<br />

ein wirksamer Damm ent<strong>gegen</strong> gesetzt. Eine<br />

Umgehung der Schanzenwerke war unmöglich,<br />

weil sie sich überall an das Meer anlehnten<br />

und letzteres durch die weitaus stärkere<br />

dänische Flotte beherrscht wurde.“<br />

Die Dänen verfolgen als Verteidiger das<br />

Ziel, den feindlichen Truppen den Zugang<br />

nach Sonderburg zu verwehren. Dieser Plan<br />

geht solange auf, bis die Preußen zu der<br />

Überzeugung kommen, dass es sich um eine<br />

wirkliche Festung handelt. Sie schreiten daraufhin<br />

zur förmlichen Belagerung. Erkannt<br />

wird auf preußischer Seite auch, dass man<br />

Sturmtruppen erst nach intensiver Artillerievorbereitung<br />

losschicken kann.<br />

Fortdauernder Beschuss<br />

Die Zermürbungstaktik der preußischen Heeresführung,<br />

die Verteidiger ab dem 5. April<br />

durch fortdauernde Bombardements zu erschüttern,<br />

zahlt sich aus. Das zeigt sich bereits<br />

darin, dass die Schanzen des linken dänischen<br />

Flügels am 18. April nach kurzer Zeit<br />

erobert sind. Am Nachmittag fällt auch der<br />

Brückenkopf vor Sonderburg. Das befürchtete<br />

Eingreifen der dänischen Flotte bleibt aus.<br />

Selbst das legendäre Panzerschiff „Rolf<br />

Krake“ wird durch die preußischen Batterien<br />

auf der Halbinsel Broacker (dän.: Broager)<br />

schnell vertrieben. Die Positionierung<br />

schwerer Artillerie bei Gammelmark auf<br />

Broacker ist auch aus anderer Sicht ein bedeutsamer<br />

taktischer Schachzug der Preußen:<br />

Von dort ist die linke dänische Flanke –<br />

die Schanzen I bis IV – wegen des ansteigenden<br />

Geländes nicht nur einsehbar, sondern<br />

sie kann mit Feuer belegt werden. Diese<br />

Schanzen geraten also nicht nur frontal, sondern<br />

auch von der Flanke her unter preußischen<br />

Beschuss. Den Vorwurf, einen solchen<br />

Schwachpunkt der „Düppel-Stellung“ nicht<br />

erkannt zu haben, müssen sich die dänischen<br />

Generale gefallen lassen.<br />

OBEN AUF: Preußische Soldaten am Eingang zu Schanze IV nach der Erstürmung am 18.<br />

April <strong>1864</strong>. Die stark befestigten Anlagen können erst nach langem und heftigem Artilleriefeuer<br />

eingenommen werden.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

Hans-Reinhard Meißner, Jg. 1950, gilt als Experte für<br />

die preußisch-deutsche Armee. Er ist Autor der Bücher<br />

„Preußen und seine Armee – von Valmy bis Waterloo“<br />

(2011) und „Preußen und seine Armee – von Waterloo<br />

bis Paris“, Bd. 2 (2012).<br />

Clausewitz 2/2014<br />

31


Schlachten der Weltgeschichte | Dieppe<br />

Operation „Jubilee“ – Raid <strong>gegen</strong> Dieppe 1942<br />

Fehlschlag in<br />

Frankreich<br />

19. August 1942: Kanadische und britische Einheiten landen nahe der französischen<br />

Hafenstadt Dieppe, um Küstenbatterien, Kraftwerke und Flugplätze des<br />

Gegners zu zerstören. Die Alliierten rechnen nicht mit großem Widerstand, doch<br />

die Deutschen sind vorbereitet.<br />

Von Lukas Grawe<br />

32


Da den Westalliierten für eine großangelegte<br />

Invasion <strong>im</strong> Jahr 1942 noch die<br />

Kräfte fehlen, sollen kleine Kommandounternehmen<br />

an der deutschbesetzten Atlantikküste,<br />

sogenannte Raids, die Sowjetunion<br />

<strong>im</strong> Kampf <strong>gegen</strong> die Wehrmacht entlasten.<br />

Diese Raids sollen Verwirrung stiften,<br />

Industrieanlagen und Infrastruktur zerstören<br />

und somit deutsche Truppen binden. Darüber<br />

hinaus verfolgt das gemeinsame alliierte<br />

Oberkommando, der Stab der „Combined<br />

Chiefs of Staff“, mit den Landungsunternehmen<br />

das Ziel, die Stärke der deutschen<br />

Küstenverteidigung zu testen.<br />

Auf diese Weise sollen wichtige Informationen<br />

für eine kommende<br />

großangelegte Invasion <strong>im</strong> Westen<br />

gesammelt werden. Nicht zuletzt sollen die<br />

Raids auch die öffentliche Meinung zufriedenstellen,<br />

die zu einem energischeren Vorgehen<br />

drängt.<br />

Nachdem bereits Kommandounternehmen<br />

<strong>gegen</strong> die norwegische Insel<br />

Spitzbergen und an der französischen<br />

Küste Erfolge brachten, plant die alliierte<br />

Führung <strong>im</strong> April 1942 ein ehrgeizigeres Vorhaben.<br />

Schnell gerät dabei die Stadt Dieppe<br />

in den Blick der Planer. Eine dortige Landung<br />

hält man auf alliierter Seite für leicht<br />

möglich. Der allgemeine Operationsplan<br />

vermerkt: „Feindnachrichten lassen erkennen,<br />

dass Dieppe nicht schwer verteidigt<br />

und der Strand in der Nähe zur Landung<br />

von Infanterie und Panzerfahrzeugen geeignet<br />

ist.“ In und um Dieppe sollen alle Verteidigungsanlagen,<br />

die Flugplätze, die Radarstation,<br />

die Kraftwerke, die Petroleumtanks<br />

sowie die Dock- und Eisenbahnanlagen zerstört<br />

oder unbrauchbar gemacht werden.<br />

Anschließend sollen die Kommandotruppen<br />

von Landungsbooten wieder an Bord genommen<br />

und vom Strand evakuiert werden.<br />

Für dieses Vorhaben sieht der alliierte Plan<br />

Landungen an acht verschiedenen Strandabschnitten<br />

vor. Während die beiden Hauptlandungen<br />

<strong>im</strong> Stadtgebiet von Dieppe geplant<br />

sind, sollen jeweils drei Flankenlandungen<br />

westlich und östlich der Stadt den<br />

Hauptangriff unterstützen. Letztere sollen<br />

bereits eine halbe Stunde vor den Hauptlan-<br />

MISSERFOLG: Verwundete alliierte Soldaten am Strand<br />

der Hafenstadt Dieppe nach dem gescheiterten<br />

Landungsversuch. Im Rahmen eines Kommandounternehmens<br />

sollten die deutschen Verteidigungsanlagen<br />

„geprüft“ und zerstört werden. Foto: picture-alliance/ZB©dpa<br />

Clausewitz 2/2014<br />

33


Schlachten der Weltgeschichte | Dieppe<br />

NACH DEM KAMPF: Tote und verwundete alliierte<br />

Soldaten liegen neben dem Wrack eines<br />

abgeschossenen Panzers vom Typ „Churchill“.<br />

Foto: picture-alliance/UnitedArchives/TopFoto<br />

FAKTEN<br />

Ziel<br />

Oberbefehl<br />

Einsatzverbände<br />

Truppenstärke<br />

Die <strong>Krieg</strong>sparteien <strong>im</strong> Überblick<br />

Alliierte Landungstruppen<br />

Entlastung des sowjetischen Verbündeten;<br />

Verwirrung der deutschen<br />

Verteidiger und Zerstörung wichtiger<br />

Infrastruktur; „Testangriff“ auf die<br />

deutsche Küstenverteidigung<br />

Louis Mountbatten (Chief of Combined<br />

Operations Headquarters)<br />

Teile der 2. kanadischen<br />

Infanteriedivision<br />

(Generalmajor Roberts),<br />

3. und 4. britisches Kommando<br />

4.900 Kanadier, 1.100 Briten,<br />

dazu einige U.S. Marines,<br />

Polen und Franzosen<br />

dungen erfolgen. Ursprünglich für Anfang<br />

Juli in Aussicht genommen, muss der Raid<br />

aufgrund des wechselhaften Wetters mehrmals<br />

verschoben werden.<br />

Auf alliierter Seite fürchtet man bereits,<br />

dass die Deutschen über das Vorhaben informiert<br />

sind und denkt über eine Aufgabe des<br />

Unternehmens nach. Doch besonders der<br />

britische Premierminister Churchill macht<br />

sich nach den Rückschlägen auf dem <strong>Krieg</strong>sschauplatz<br />

in Nordafrika für eine Umsetzung<br />

stark. Er will einen dringend benötigten<br />

Erfolg vorweisen und damit auch Stalin<br />

beschwichtigen.<br />

Erster Zwischenfall<br />

Am 15. August werden daher sechs Reg<strong>im</strong>enter<br />

der 2. kanadischen Division, ein Panzerreg<strong>im</strong>ent<br />

und zwei britische Kommandoverbände<br />

eingeschifft. Rund 240 Landungsund<br />

Sicherungsschiffe sollen die alliierte<br />

Streitmacht an Land bringen.<br />

Deutsche Wehrmacht<br />

Abwehr des alliierten<br />

Kommandounternehmens<br />

Gerd von Rundstedt<br />

(Oberbefehlshaber West)<br />

Teile der 302. Infanteriedivision<br />

(Generalleutnant Haase),<br />

darunter Infanteriereg<strong>im</strong>ent 571,<br />

Artilleriereg<strong>im</strong>ent 302<br />

circa 1.500 Soldaten in und<br />

um Dieppe<br />

Verluste etwa 1.200 Tote, 2.200 Gefangene insgesamt etwa 600 Tote und<br />

Verwundete<br />

Drei Tage später legt der Verband ab.<br />

Schon bei der Überfahrt kommt es zu einem<br />

ersten Zwischenfall. Die alliierten Schiffe<br />

werden von einem kleinen deutschen Küstengeschwader<br />

angegriffen. Zwar sind die<br />

Verluste gering und den deutschen Schiffen<br />

gelingt es nicht, eine Funkmeldung abzusetzen,<br />

doch stiftet der Angriff große Verwirrung.<br />

Ohnehin sind die deutschen Küsteneinheiten<br />

in erhöhter Alarmbereitschaft,<br />

denn die wiederholten britischen Presseberichte<br />

über die Errichtung einer zweiten<br />

Front und die zuvor durchgeführten alliierten<br />

Kommandounternehmen haben die<br />

deutsche Militärführung alarmiert. Hitler<br />

lässt eigens neuaufgestellte Verbände nach<br />

Frankreich verlegen, um mögliche feindliche<br />

Raids zu vereiteln.<br />

In den frühen Morgenstunden des 19. August<br />

erreichen die alliierten Schiffe ihr Zielgebiet.<br />

Um nicht die Aufmerksamkeit der<br />

deutschen Verteidiger zu erregen, verzichten<br />

die Alliierten auf eine Bombardierung der<br />

Küste. Doch diese Entscheidung erweist sich<br />

bereits zu Beginn der Operation als schwerer<br />

Fehler. Sämtliche deutschen Geschütz- und<br />

Maschinengewehrstellungen sind dadurch<br />

intakt.<br />

Zudem haben sich in und um Dieppe das<br />

deutsche Infanteriereg<strong>im</strong>ent 571 und das Ar-<br />

34


Alliierte unter Druck<br />

KARTE<br />

Verlauf der Kämpfe bei Dieppe (August 1942)<br />

Gestaltung: KGS Kartographie und Grafik Schlaich<br />

OBERKOMMANDIERENDER: Generalfeldmarschall<br />

Gerd von Rundstedt (1875–1953) befehligt<br />

1942 als OB West auch die deutschen Verbände<br />

<strong>im</strong> besetzten Frankreich.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

ENTWAFFNET: Britische<br />

Gefangene werden<br />

nach dem misslungenen<br />

Landungsunternehmen<br />

am<br />

19. August 1942<br />

durch Dieppe abgeführt.<br />

Viele Alliierte<br />

geraten in deutsche<br />

Gefangenschaft.<br />

Foto: picture-alliance/<br />

UnitedArchives/TopFoto<br />

tilleriereg<strong>im</strong>ent 302 als Teile der 302. Infanteriedivision<br />

zur Verteidigung eingerichtet.<br />

Die alliierten Landungen verlaufen von<br />

Anfang an alles andere als planmäßig, da<br />

nach dem Angriff der deutschen Schiffe die<br />

ursprüngliche Ordnung verlorengegangen<br />

ist. Um 5.10 Uhr – zwanzig Minuten später<br />

als vorgesehen – landen die ersten britischen<br />

Kommandoeinheiten am östlichen Flankenabschnitt,<br />

der den Decknamen „Yellow I und<br />

II“ (Gelb I und II) trägt, in der Nähe des Ortes<br />

Berneval. Die entstandene Unordnung<br />

führt nicht nur zu Verspätungen, sondern<br />

verhindert auch die Anlandung des kompletten<br />

Truppenkontingents. Die Angreifer<br />

gehen somit bereits unvollständig und deutlich<br />

geschwächt an Land.<br />

Das Ziel der Kommandos ist die Zerstörung<br />

der ortsansässigen deutschen Geschützbatterie,<br />

die gleichzeitig von Osten<br />

und Westen angegriffen und genommen<br />

werden soll. Doch die britischen Einheiten<br />

kommen nicht weit und werden von deutschen<br />

Truppen schon am Strand unter Feuer<br />

genommen. Zwar gelingt es Truppen vom<br />

Strandabschnitt „Yellow II“, bis auf 200 Meter<br />

an die Batterie heranzukommen. Doch<br />

die deutschen Verteidiger halten nicht nur<br />

da<strong>gegen</strong>, sondern sie drängen die Briten sogar<br />

zurück. Nach nur fünf Stunden haben<br />

die Verteidiger den Bereich wieder unter<br />

Kontrolle. Während die britischen Truppen<br />

von „Yellow II“ zurückgenommen werden<br />

können, werden die Truppen des Abschnitts<br />

„Yellow I“ vollkommen außer Gefecht gesetzt.<br />

80 britische Kommandosoldaten geraten<br />

in Gefangenschaft. Auch an der westlichen<br />

Außenflanke in der Nähe des Ortes Varengeville<br />

sollen britische Kommandoeinheiten<br />

eine deutsche Batterie zerstören. Obwohl<br />

der „Orange I und II“ benannte Abschnitt<br />

verbissen verteidigt wird, kämpfen<br />

sich die Soldaten mit Granatwerfern und Gewehrfeuer<br />

den Weg frei, sodass den britischen<br />

Einheiten die Zerstörung der deutschen<br />

Artilleriestellung gelingt. Nach erfolgreicher<br />

Ausführung ziehen sich die<br />

britischen Kommandos <strong>gegen</strong> 7.30 Uhr planmäßig<br />

wieder zurück. Am Ende des Tages<br />

wird die Zerstörung der Batterie am westlichen<br />

Flankenabschnitt der einzige Erfolg des<br />

Unternehmens sein.<br />

Kanadier unter Beschuss<br />

Die dichter an Dieppe gelegenen Flankenangriffe<br />

in den Abschnitten „Blue“ (Blau) und<br />

„Green“ (Grün) werden durch die kanadischen<br />

Truppen durchgeführt. Während die<br />

Truppen von „Blue“ das Hochland ostwärts<br />

der Stadt besetzen und dabei das Gas- und<br />

Elektrizitätswerk zerstören sollen, erhalten<br />

die Soldaten von „Green“ den Auftrag, das<br />

Hinterland der Stadt <strong>im</strong> Westen zu sichern<br />

und die deutsche Radarstation funktionsunfähig<br />

zu machen. Doch auch in diesen<br />

Strandabschnitten kommt es bereits bei der<br />

Landung zu Verzögerungen und Zwischenfällen.<br />

Die Einheiten von „Blue“, die Soldaten<br />

des „Royal Reg<strong>im</strong>ent of Canada“, landen<br />

bei Tageslicht und treffen auf eine alarmierte<br />

deutsche Verteidigung.<br />

Deutsche Maschinengewehrstellungen<br />

und eine Haubitzenbatterie nehmen die Kanadier<br />

schon während der Landung unter<br />

Beschuss und fügen den Angreifern schwere<br />

Verluste zu. Auch die nachfolgenden Wellen<br />

Clausewitz 2/2014<br />

35


Schlachten der Weltgeschichte | Dieppe<br />

BILD DER VERWÜSTUNG: Blick ins Innere eines der Landungsboote, die be<strong>im</strong> Raid auf<br />

Dieppe von den Deutschen zerstört wurden. Die Gefallenen sind zugedeckt.<br />

Foto: ullstein bild - ullstein bild<br />

können die kritische Situation nicht verbessern.<br />

Nur zwei Stunden nach der Landung<br />

fordern die kanadischen Truppen die Besatzungen<br />

der Schiffe zur Evakuierung des Abschnitts<br />

auf. Aufgrund unzureichender<br />

Nachrichtenübermittlung gelingt diese Rettungsaktion<br />

jedoch nicht rechtzeitig. Die<br />

Deutschen können den Großteil der Angreifer<br />

gefangen nehmen. Von den ursprünglich<br />

554 Mann des „Royal Reg<strong>im</strong>ent“ kehren nur<br />

67 Soldaten nach England zurück.<br />

Der westlich von Dieppe angesetzte Flankenangriff<br />

<strong>im</strong> Abschnitt „Green“ kann einige<br />

geringe Erfolge erzielen. Die Soldaten des<br />

GEZEICHNET: Der<br />

Führer eines alliierten<br />

Sturmbootes blickt<br />

mit starrer Miene<br />

in die Kamera. Er<br />

wird wie viele andere<br />

alliierte Soldaten<br />

auch von<br />

den Deutschen<br />

gefangen genommen.<br />

Foto: ullstein bild – ullstein bild<br />

„South Saskatchewan Reg<strong>im</strong>ent“ und des<br />

„The Cameron Highlanders Reg<strong>im</strong>ent of Canada“<br />

können eine deutsche Panzerabwehrkanone<br />

außer Gefecht setzen und in die Nähe<br />

der Radarstation vordringen. An die Zerstörung<br />

der Anlage ist ohne Unterstützung<br />

jedoch nicht zu denken, auch wenn die Kanadier<br />

die Stellung für einige Stunden halten<br />

können. Ab 10.00 Uhr beginnt auch hier die<br />

Evakuierung des Strandabschnitts. Das<br />

Hauptziel der Aktion, die Zerstörung des<br />

deutschen Radars, wird nicht erreicht.<br />

Die größte Bedeutung des Unternehmens<br />

kommt den Hauptlandungen in den Abschnitten<br />

„Red“ (Rot) und „White“ (Weiß)<br />

zu. Das „Royal Hamilton Light Infantry Reg<strong>im</strong>ent<br />

of Canada“ und das „Essex Scottish<br />

Reg<strong>im</strong>ent of Canada“ sollen die Stadt und<br />

den Hafen besetzen und alle Hafen- und<br />

Dockanlagen sowie den deutschen Flugplatz<br />

in der Nähe von St. Aubin zerstören.<br />

HINTERGRUND<br />

Da den beiden kanadischen Reg<strong>im</strong>entern<br />

die Hauptlast der Kämpfe zufällt, erhalten<br />

sie Unterstützung durch ein kanadisches<br />

Panzerreg<strong>im</strong>ent, das über 30 „Churchill“-<br />

Panzer verfügt und in drei Wellen angelandet<br />

werden soll. Unmittelbar vor der Landung<br />

nehmen britische Jagdflieger den<br />

Strand unter Beschuss und bombardieren<br />

gezielt Stellungen. Dennoch wird die kanadische<br />

Invasionstruppe auch <strong>im</strong> Hauptabschnitt<br />

bereits bei der Landung unter schweres<br />

deutsches Abwehrfeuer genommen, weil<br />

es der „Royal Air Force“ nicht gelingt, die<br />

Lufthoheit über Dieppe zu erkämpfen.<br />

Um die eigenen Soldaten nicht zu gefährden,<br />

wird das Bombardement nach Durchführung<br />

der Landung eingestellt. Da die erste<br />

Welle der Panzer zudem zu spät an Land<br />

gebracht wird, fehlt es während der wichtigen<br />

Anfangsphase der Kämpfe an Unterstützung<br />

durch schwere Waffen. Als die ersten<br />

neun Panzer endlich am Strand ankommen,<br />

hat die Infanterie bereits den nötigen Angriffsschwung<br />

eingebüßt.<br />

Erbitterte Kämpfe<br />

An Land erschwert die Promenadenmauer<br />

der Stadt das Vorankommen der Kanadier<br />

zusätzlich. In erbitterten Kämpfen gelingt es<br />

einzelnen Soldaten der „Royal Hamiltons“,<br />

ein <strong>im</strong> Vorfeld der Stadt liegendes Casino zu<br />

besetzen, das die Deutschen als Verteidigungsstellung<br />

ausgebaut haben. Die Versuche,<br />

von dort aus in die Stadt selbst vorzudringen,<br />

scheitern jedoch am gegnerischen<br />

Abwehrfeuer.<br />

Anders als die „Royal Hamiltons“ werden<br />

die Männer des „Essex Scottish Reg<strong>im</strong>ent“<br />

bereits am Strand stark dez<strong>im</strong>iert. Das<br />

konzentrische deutsche Feuer von den Steilhängen<br />

und den hohen Gebäuden der Stadt<br />

herab führt dazu, dass das Reg<strong>im</strong>ent eine<br />

halbe Stunde nach der Landung bereits 30<br />

bis 40 Prozent seines Bestandes eingebüßt<br />

hat. Auch die Panzer, die nach und nach angelandet<br />

werden, kommen nur mühsam vo-<br />

Britische Kommandoeinheiten<br />

Nach der Evakuierung der britischen Expeditionsstreitkräfte<br />

aus Dünkirchen und der<br />

französischen Kapitulation <strong>im</strong> Juli 1940<br />

setzt sich der britische Premierminister<br />

Winston Churchill für die Gründung von<br />

speziellen Kommandoeinheiten ein, die innerhalb<br />

des deutschen Machtbereichs in<br />

Europa und – nach dem japanischen<br />

<strong>Krieg</strong>seintritt – in Asien an Material und<br />

Truppen begrenzte Unternehmungen ausführen<br />

sollen.<br />

Diese als „Raids“ bezeichneten Aktionen<br />

sollen die feindlichen Truppen verwirren, verunsichern<br />

und zudem dafür sorgen, dass<br />

die betreffenden Gebiete mit dauernden Besatzungen<br />

ausgestattet werden müssen.<br />

Zudem steht die Schädigung der gegnerischen<br />

Industrie und Infrastruktur auf der<br />

Agenda der Kommandos. Ihre Mitglieder rekrutieren<br />

sich überwiegend aus der regulären<br />

britischen Armee, aber auch aus Freiwilligen<br />

der deutschbesetzten Länder Europas.<br />

Insgesamt führen die britischen Einheiten<br />

mehr als 100 größere und kleinere Unternehmen<br />

<strong>gegen</strong> die Achsenmächte und ihre<br />

Verbündeten aus.<br />

36


Dramatische Evakuierung<br />

ZUM GEDENKEN: Grabstein des kanadischen<br />

Soldaten Robert Boulanger auf dem Kanadischen<br />

Soldatenfriedhof nahe Dieppe. Vor allem<br />

die Kanadier mussten einen hohen „Blutzoll“<br />

zahlen.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

AUSGESCHALTET: Eine in Brand geschossene alliierte Landungsfähre liegt zerstört an einem<br />

Strandabschnitt bei Dieppe. Die Boote geraten während der Kämpfe in schweres<br />

deutsches Abwehrfeuer.<br />

Foto: ullstein bild – ullstein bild<br />

ran. Viele fallen bereits bei der Ausschiffung<br />

aus oder versinken <strong>im</strong> Meer. Andere werden<br />

von den intakten deutschen Batterien beschossen.<br />

Nur 15 der ausgeschifften Panzer<br />

gelangen in den Bereich oberhalb der Seemauer,<br />

wo ihnen der Weg durch Panzerhindernisse<br />

versperrt wird. Der größte Teil der<br />

Panzer kann der Infanterie somit keine Unterstützung<br />

geben und bleibt später zerstört<br />

am Strand liegen.<br />

„Feindnachrichten lassen erkennen, dass<br />

Dieppe nicht schwer verteidigt und der<br />

Strand in der Nähe zur Landung von Infanterie und<br />

Panzerfahrzeugen geeignet ist.“<br />

Stellungnahme <strong>im</strong> alliierten Allgemeinen Operationsplan vom 25. April 1942.<br />

Literaturtipps<br />

Christopher Buckley: Norway, the Commandos,<br />

Dieppe, London 1977.<br />

Hermann Lorenz: Operation „Jubilee“. Der Raid<br />

<strong>gegen</strong> Dieppe. In: Marine-Rundschau 64<br />

(1967), S. 228-237, 300-303, 352-363.<br />

John Parker: Commandos. The Inside Story of<br />

Britain’s Most Elite Fighting Force, London 2000.<br />

Hohe alliierte Verluste<br />

Der Kommandeur der alliierten Landungstruppen,<br />

Generalmajor John Hamilton Roberts,<br />

ist über den Stand der Fortschritte am<br />

Strand schlecht unterrichtet. Sein Lagebild<br />

ist nicht nur lückenhaft, sondern teilweise<br />

sogar falsch und zu opt<strong>im</strong>istisch. Um die<br />

scheinbar günstige Lage ausnutzen zu können,<br />

befiehlt Roberts nun auch den Einsatz<br />

der zurückgehaltenen Reserveverbände.<br />

Zwei Stunden nach der ersten Landung beginnt<br />

daher die Ausschiffung des „Reg<strong>im</strong>ent<br />

Les Fusiliers Mont-Royal“, das ebenfalls bereits<br />

am Strand beträchtliche Verluste hinnehmen<br />

muss. Ent<strong>gegen</strong> dem Befehl wird<br />

das Reg<strong>im</strong>ent über den gesamten Hauptabschnitt<br />

verteilt, sodass es seine Kräfte an keiner<br />

Stelle wirkungsvoll entfalten kann. „Die<br />

Lage an Land wurde von den deutschen<br />

Truppen beherrscht. Ihr Abwehrfeuer, ihr<br />

Einsatz und die herangeführten Verstärkungen<br />

sicherten ihnen das Gesetz des Handelns“,<br />

urteilt der Historiker Hermann Lorenz.<br />

Auch die Luftwaffe trägt ihren Teil zur<br />

deutschen Überlegenheit bei.<br />

Nunmehr erkennt auch das alliierte Oberkommando<br />

die verzweifelte Lage und ordnet<br />

einen raschen Rückzug der Invasionstruppen<br />

an. Die kritische Situation an Land<br />

erschwert auch die Evakuierung der Truppen,<br />

die ab 11.00 Uhr an allen Abschnitten<br />

beginnt. Den deutschen Verteidigern gelingt<br />

dabei die Zerstörung etlicher Landungsboote.<br />

Die wenigen einsatzbereiten kanadischen<br />

Panzer, die mittlerweile zum Strand zurückgekehrt<br />

sind, unterstützen die Einschiffung<br />

und halten bis zum Ende aus.<br />

Am frühen Nachmittag sind die Kämpfe<br />

vorüber. Von den eingesetzten fast 5.000 Kanadiern<br />

und den mehr als 1.000 britischen<br />

Kommandosoldaten fallen fast 1.200 Mann,<br />

während etwa 2.200 Mann in Gefangenschaft<br />

geraten. Der alliierte Raid endet in einem<br />

Desaster.<br />

Neben der falschen Lageeinschätzung<br />

und der Unterschätzung der deutschen Verteidiger<br />

gilt als Ursache des Fehlschlags vor<br />

allem die mangelhafte Kommunikation der<br />

verschiedenen Waffengattungen untereinander.<br />

Die Anforderung von Luftunterstützung<br />

dauert oftmals viel zu lange, um überhaupt<br />

noch Wirkung erzielen zu können.<br />

Die Ereignisse von Dieppe haben aber auch<br />

für die deutsche Seite verhängnisvolle Auswirkungen.<br />

Die erfolgreiche Abwehr des alliierten<br />

Raids scheint die Konzeption des<br />

„Atlantikwalls“ vorerst zu bestätigen. Der<br />

Dieppe-Raid führt in der Folge zu einer massiven<br />

deutschen Fehleinschätzung des Gegners<br />

und zur Überbewertung der eigenen<br />

Fähigkeiten.<br />

Knapp zwei Jahre später können die Alliierten<br />

aus dem Desaster ihre Lehren ziehen,<br />

die sie am „D-Day“, dem Tag der Invasion in<br />

der Normandie, erfolgreich umzusetzen<br />

wissen.<br />

Lukas Grawe, M.A., Jahrgang 1985, Historiker aus<br />

Münster.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

37


Das historische Dokument<br />

SEINE MAJESTÄT:<br />

Fast sieben Jahrzehnte<br />

beträgt die „Amtszeit“<br />

von Franz Joseph<br />

I. als Kaiser von<br />

Österreich. Er erlebt<br />

den Ausgang des Ersten<br />

Weltkriegs nicht,<br />

stirbt am 21. November<br />

1916 in Wien.Foto:<br />

picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

<strong>Krieg</strong>serklärung an Serbien 1914<br />

Aufruf des Kaisers<br />

28. Juli 1914: Vier Wochen nach dem Mord an Erzherzog Franz Ferdinand erklärt die<br />

Donaumonarchie dem Königreich Serbien den <strong>Krieg</strong>. In seinem Manifest ruft<br />

Franz Joseph I. die Völker Österreich-Ungarns zur Einigkeit auf.<br />

Von Lukas Grawe<br />

Seit seiner Thronbesteigung als Achtzehnjähriger<br />

<strong>im</strong> Jahre 1848 herrscht Kaiser<br />

Franz Joseph I. über ein Vielvölkerreich<br />

mit verschiedenen Ethnien, darunter<br />

vor allem Deutsch-Österreicher, Ungarn,<br />

Tschechen, Polen, Ruthenen, Rumänen, Slowaken,<br />

Kroaten, Serben, Slowenen und Italiener.<br />

Deren Bestrebungen nach mehr Autonomie<br />

oder sogar nach eigenen Nationalstaaten<br />

seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts haben<br />

das Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits<br />

stark geschwächt, sodass Österreich-<br />

Ungarn nur noch mit Mühe seinen Großmachtstatus<br />

nach außen wahren kann.<br />

Vor allem die slawischen Völker arbeiten<br />

auf ihre Unabhängigkeit hin, wobei sie in ihren<br />

Bemühungen von der slawischen Vormacht<br />

Russland unterstützt werden.<br />

Nach der Niederlage Österreichs <strong>gegen</strong><br />

Preußen <strong>im</strong> „Deutschen <strong>Krieg</strong>“ von 1866<br />

wendet sich das Reich Franz Josephs verstärkt<br />

dem Balkanraum zu und strebt dort<br />

fortan Macht- und Gebietsgewinne an. Hier<br />

kollidieren die Interessen der k.u.k. Doppelmonarchie<br />

(seit 1867) mit denen des Zarenreichs.<br />

Im Jahr 1908 führt die Annexion Bosnien-<br />

Herzegowinas durch die Donaumonarchie<br />

das russische Reich und Österreich-Ungarn<br />

an den Rand eines <strong>Krieg</strong>es.<br />

Konflikte mit Serbien<br />

Durch die Annexion wird jedoch nicht nur<br />

Russland verärgert, sondern auch Serbien,<br />

das sich als Vorkämpfer der slawischen Sache<br />

und als Vormacht auf dem Balkan versteht.<br />

Selbst seit 1878 unabhängig, setzt es<br />

sich für die Autonomiebewegungen der slawischen<br />

Ethnien der Donaumonarchie und<br />

des Osmanischen Reichs ein und plant die<br />

Errichtung eines Staates aller südslawischen<br />

Völker. Dies hätte die Zerschlagung Österreich-Ungarns<br />

zur Folge.<br />

Die Eingliederung weiterer slawischer<br />

Gebiete in das Reichsgebiet Franz Josephs<br />

empfindet Serbien daher als Affront. Als<br />

1912 Serbien, Bulgarien, Griechenland und<br />

Literaturtipp<br />

John Keegan: Der Erste Weltkrieg – Eine europäische<br />

Tragödie, 5. Aufl., Hamburg 2010.<br />

Montenegro dem Osmanischen Reich den<br />

<strong>Krieg</strong> erklären, führen die folgenden Auseinandersetzungen<br />

zu einer bedeutenden Verschiebung<br />

der Machtverhältnisse auf dem<br />

Balkan. Serbien gelingen große Gebietsgewinne<br />

auf Kosten des „kranken Manns am<br />

Bosporus“. Als das serbische Königreich auf<br />

albanische Gebiete vordringen will, um sich<br />

auf diese Weise einen Zugang zur Adria zu<br />

verschaffen, verhindert Österreich-Ungarn<br />

mit deutscher Unterstützung eine weitere<br />

Machtausdehnung seines unliebsamen<br />

Nachbarn.<br />

In der Folge führen die diplomatischen<br />

Auseinandersetzungen, in die sich auch<br />

Russland einschaltet, an den Rand eines<br />

„Großmächtekrieges“. Zwar endet der Konflikt<br />

friedlich, doch bedroht das gestärkte<br />

Balkanland die „österreichische Sphäre” fortan<br />

mehr denn je.<br />

Als am 28. Juni 1914 der österreichische<br />

Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau<br />

in Sarajewo das Opfer eines Attentats werden,<br />

steht für die k.u.k. Staatsführung fest,<br />

dass die Attentäter von Serbien gesteuert<br />

worden sein müssen. Tatsächlich wurde der<br />

Anschlag von bosnischen Nationalisten ver-<br />

38


EIN HOCH AUF DEN KAISER:<br />

Eine Menschenmenge in Wien<br />

bejubelt die Bekanntgabe der<br />

<strong>Krieg</strong>serklärung an Serbien.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

nen. Nach Sicherstellung der deutschen Unterstützung<br />

richtet die österreichisch-ungarische<br />

Führung am 23. Juli ein Ult<strong>im</strong>atum an<br />

das Königreich Serbien, das harte Forderungen<br />

enthält. Vor allem der Anspruch der Donaumonarchie,<br />

an der Unterdrückung der<br />

subversiven Gruppen innerhalb Serbiens direkt<br />

mitzuwirken, greift in die staatliche<br />

Souveränität des Königreichs ein.<br />

OFFIZIELL: Franz Joseph I. begründet die am 28. Juli 1914 ausgesprochene <strong>Krieg</strong>serklärung<br />

Österreich-Ungarns an Serbien <strong>gegen</strong>über der Bevölkerung seines Vielvölkerstaates.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

übt, jedoch vom serbischen Gehe<strong>im</strong>dienst<br />

unterstützt.<br />

Für die österreichische Regierung und<br />

Außenminister Leopold Graf Berchtold ist<br />

nunmehr die Zeit gekommen, um mit den<br />

unbequemen Serben, die keinen Willen zur<br />

Aufklärung des Anschlags zeigen, abzurech-<br />

<strong>Krieg</strong>serklärung<br />

Als Serbien am 25. Juli den österreichischen<br />

Forderungen zwar unerwartet weit ent<strong>gegen</strong>kommt,<br />

jedoch gewisse Vorbehalte <strong>gegen</strong><br />

die Untergrabung der eigenen Selbstbest<strong>im</strong>mung<br />

geltend macht, weist die Regierung<br />

der Donaumonarchie die Erklärung als „ungenügend“<br />

und „vom Geist der Unaufrichtigkeit<br />

erfüllt“ zurück. Daraufhin legt Berchtold<br />

Kaiser Franz Joseph am 27. Juli die vorbereitete<br />

<strong>Krieg</strong>serklärung an das serbische<br />

Königreich vor. Einen Tag später erklärt<br />

Österreich-Ungarn Serbien den <strong>Krieg</strong>.<br />

Das den <strong>Krieg</strong>sausbruch verkündende<br />

Manifest, das Franz Joseph am 28. Juli verliest<br />

und das mittels Plakaten in elf verschiedenen<br />

Sprachen in allen Teilen Österreich-Ungarns<br />

proklamiert wird, weist auf die vergeblichen<br />

Versuche des Kaisers hin, die „feindlichen serbischen<br />

Bestrebungen“ <strong>gegen</strong> die Donaumonarchie<br />

friedlich zu beenden.<br />

Der um Verständnis für den <strong>Krieg</strong>sbeschluss<br />

werbende Aufruf richtet sich an „alle<br />

Völker“ des Reichs und verdeutlicht somit<br />

seinen multiethnischen Charakter.<br />

Das Manifest wird bereits zusammen mit<br />

dem Ult<strong>im</strong>atum an Serbien verfasst – ein<br />

Umstand, der auf die <strong>Krieg</strong>sbereitschaft der<br />

Regierung in Wien hindeutet. Dass auch Serbiens<br />

Schutzmacht Russland nicht abseits<br />

stehen wird, n<strong>im</strong>mt die Führung in Kauf.<br />

Noch einmal beschwört der Kaiser daher die<br />

Einigkeit seiner Völker in einem Konflikt, der<br />

mit dem „ungeliebten Nachbarn” abrechnen<br />

soll und der schließlich in der Folge von einer<br />

lokalen Auseinandersetzung in einen<br />

„Weltenbrand“ mündet.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

39


Militärtechnik <strong>im</strong> Detail<br />

Der „Gewächshaus-Effekt“<br />

Ernst Heinkels Entwurf feierte seinen Einstand<br />

<strong>im</strong> Jahre 1936 als Passagierflugzeug<br />

<strong>im</strong> Dienst der Lufthansa. Mit diesen zivilen<br />

Maschinen und mit Kameras <strong>im</strong> Bauch<br />

spionierte man über Europa und Russland.<br />

1937 flogen Luftwaffenbesatzungen mit den<br />

charakteristischen „Gewächshaus-Nasen“,<br />

die in der vertikalen Ebene ein 360-Grad-<br />

Blickfeld erlaubten. Heinkel He 111 bombardierten<br />

Guernica, was bereits einen Vorgeschmack<br />

geben sollte auf die Angriffe beginnend<br />

mit Rotterdam über Coventry bis hin<br />

zu Stalingrad. Die H-6-Variante, die hier abgebildet<br />

ist, flog in der „Luftschlacht um<br />

England“, wo sie ihre eingeschränkte Wendigkeit<br />

zur leichten Beute der Jäger der Royal<br />

Air Force machte. Bereits ab 1942 galt dieser<br />

Typ als veraltet. Aber ihre Stabilität, eine<br />

Reichweite von 2.400 Kilometern sowie eine<br />

verhältnismäßig große Bombenlast von max<strong>im</strong>al<br />

drei Tonnen sorgten dafür, dass sie bis<br />

Illustration: J<strong>im</strong> Laurier<br />

Deutschlands Mittlerer Bomber<br />

Heinkel He 111<br />

1944 weiter die Produktionsstätten verließ.<br />

Dabei rollten insgesamt mehr als 7.000 Maschinen<br />

vom Band. Der vielseitige mittlere<br />

Fünf-Mann-Bomber warf Torpedos wie auch<br />

Flugblätter ab, transportierte Truppen und<br />

hochgestellte Persönlichkeiten. Er wurde<br />

zur Wetterbeobachtung eingesetzt, und<br />

schließlich war <strong>im</strong> Januar 1945 eine He 111<br />

das letztes Flugzeug, das eine V-1-Bombe an<br />

die englische Küste trug, um sie von dort auf<br />

London abzufeuern.<br />

„Glänzende Aussichten“<br />

Bombenschützen, die ihre Bombenzielgeräte<br />

ausrichten wollten, hatten<br />

bisweilen mit den Reflexionen in der<br />

„verglasten“ Flugzeugnase zu kämpfen.<br />

Alles eine Sache der<br />

Flügel<br />

Die fast schon wahnhafte<br />

Besessenheit der Luftwaffe von<br />

der Sturzkampffähigkeit ihrer<br />

Maschinen – sogar die Flügel<br />

der He 111 waren diesen<br />

Belastungen gewachsen –<br />

verzögerte die Nutzung von<br />

viermotorigen Bombern, die<br />

dafür bei vertretbarem Konstruktionsaufwand<br />

strukturell nicht<br />

verwendbar waren. So blieb die<br />

He 111 nahezu bis zum<br />

<strong>Krieg</strong>sende <strong>im</strong> aktiven Dienst.<br />

Schnauze mit Stachel<br />

Leere Patronenhülsen in der Frontkuppel wurden durch eine Luke<br />

nach außen befördert. Die Flugzeugbesatzungen konnten die aus<br />

einem 13-Mill<strong>im</strong>eter-Maschinengewehr bestehende Frontalabwehrbewaffnung<br />

um eine 20-Mill<strong>im</strong>eter-Kanone ergänzen.<br />

In die Bombenmagazine der Heinkel He 111<br />

wurden die Abwurfwaffen senkrecht, also<br />

mit der Nase nach oben, geladen, so dass<br />

sie be<strong>im</strong> Abwurf mit Linksdrall fielen. Die Maschine<br />

waren ebenfalls Waffenplattform für<br />

Raketen und Minen. Auch gehörte in das<br />

von ihnen beförderte Arsenal die 1.002 Kilogramm<br />

schwere SC-1000-Bombe, die in<br />

Anspielung auf den korpulenten Hermann<br />

Göring „Hermann“ genannt wurde.<br />

Foto: picture-alliance/Judaica-Sammlung Richter<br />

DIE KONKURRENTEN:<br />

Die amerikanische North American<br />

B-25 J Mitchell<br />

Reichweite: 2.173 Kilometer · Höchstgeschwindigkeit:<br />

455 km/h · Bombenzuladung: 1.800 kg · Besatzung:<br />

6 Mann · Bekannt für den „Doolittle Raid“ und<br />

zahlreiche Bodenangriffe auf Stützpunkte und Schiffe.<br />

· Produktion: 9.984 Stück<br />

Die britische Bristol Blenhe<strong>im</strong> IV<br />

Reichweite: 2.351 Kilometer · Höchstgeschwindigkeit:<br />

428 km/h · Bombenzuladung:<br />

600 kg · Besatzung: 3 Mann ·<br />

Enttäuschte als Tagbomber, zeigte aber<br />

Qualitäten als Nachtjäger. · Produktion:<br />

4.422 Stück<br />

40


Die untere Gondel bzw. der Bauchwaffenstand<br />

beherbergte ursprünglich nur ein<br />

nach hinten gerichtetes bewegliches Abwehr-MG.<br />

Spätere Versionen erhielten<br />

fixierte nach vorn und hinten<br />

ausgerichtete Waffen.<br />

Foto: picture alliance/Sueddeutsche Zeitung Photo<br />

Nichts für den Komfort<br />

Bei den meisten Varianten waren die<br />

Schützen auf dem oberen Heckstand den<br />

Elementen relativ schutzlos ausgeliefert,<br />

andererseits konnten sie somit in Notsituationen<br />

besonders leicht ausbooten.<br />

Spitzname<br />

Die Form des Seitenleitwerks<br />

inspirierte Zeitgenossen zum<br />

Spitznamen der He 111: der<br />

„Spaten“.<br />

Fliegender Stoff<br />

Der Rumpf der Heinkel<br />

He 111 ist in Schalenbauweise<br />

aus Duralglattblech hergestellt.<br />

Doch waren Querruder,<br />

Querruderausgleichsflächen<br />

sowie Höhen- und Seitenleitwerksruder<br />

stoffbespannt.<br />

He<strong>im</strong>atbasis<br />

Diese Maschine trägt den Wappenschild<br />

der Stadt Gießen, ihrer Vorkriegsbasis.<br />

Abwehrwaffen en masse<br />

Die He 111 verfügten über bis zu sieben<br />

7,92-Mill<strong>im</strong>eter-Maschinengewehre plus ein<br />

13-Mill<strong>im</strong>eter-Maschinengewehr und eine<br />

20-Mill<strong>im</strong>eter-Kanone, die <strong>im</strong> Rumpf, der Nase,<br />

in Rücken- sowie Bauchwaffenständen und<br />

ferngelenkt <strong>im</strong> Heckkonus platziert waren.<br />

Motorenfortschritt<br />

Immer stärkere Motoren von BMW,<br />

Da<strong>im</strong>ler Benz und Junkers Jumo<br />

trieben die 111er bis zu ihrer<br />

Spitzengeschwindigkeit von rund<br />

400 Stundenkilometern an. Späteren<br />

Besatzungen von sehr schwer beladenen<br />

Maschinen standen sogar unterstützende<br />

Startraketenpakete zur<br />

Verfügung, um die Heinkel in die Luft<br />

zu bekommen.<br />

In dieser Serie bereits erschienen:<br />

Kampfpanzer Sherman M4 (2/2013)<br />

Flugzeugträger Independent-Klasse (3/2013)<br />

Deutsches Schnellboot Typ S-100 (3/2013)<br />

Maschinengewehr (MG)42 (4/2013)<br />

Amerikanische Haubitze M2A1 (5/2013)<br />

Fairey Swordfish (6/2013)<br />

Russischer T-34/76 Kampfpanzer (1/2014)<br />

Japanischer A6M Zero Jäger (1/2014)<br />

Demnächst:<br />

Amerikanischer GMC 6x6 Lastwagen (3/2014)<br />

Die italienische Savoia-Marchetti<br />

SM.79-II Sparviero (Sperber)<br />

Reichweite: 1.990 Kilometer · Höchstgeschwindigkeit:<br />

434 km/h · Bombenzuladung:<br />

1.300 kg · Besatzung: 6 Mann · Die<br />

Rumpfform sorgte für den Spitznamen „der<br />

Bucklige“. · Produktion: 1.350 Stück<br />

Die japanische Mitsubishi G4M „Betty“<br />

Reichweite: 5.040 Kilometer · Höchstgeschwindigkeit: 455<br />

km/h · Bombenzuladung: 2.200 kg · Besatzung: 7 Mann ·<br />

Beweglich, dennoch eine leichte Beute für alliierte Jäger.<br />

Auch die „Betty“ mit Admiral Isoroku Yamamoto an Bord<br />

wurde am 18. April 1943 von amerikanischen Abfangjägern<br />

über Bougainville abgeschossen. · Produktion: 2.435 Stück<br />

Die russische Ilyushin Il-4<br />

Reichweite: 3.800 Kilometer · Höchstgeschwindigkeit:<br />

410 km/h · Bombenzuladung:<br />

2.500 kg · Besatzung: 4 Mann ·<br />

Bei Bombenangriffen <strong>gegen</strong> Berlin sowie<br />

auf andere Ziele mit max<strong>im</strong>aler Bombenlast<br />

eingesetzt. · Produktion: 5.256 Stück<br />

Clausewitz 2/2014<br />

41


Schlachten der Weltgeschichte<br />

Der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> 1973<br />

Angriff am<br />

Feiertag<br />

1973: Jom Kippur, der heiligste Feiertag <strong>im</strong> jüdischen Kalender, scheint der perfekt<br />

gewählte Augenblick für einen Schlag <strong>gegen</strong> Israel. Die arabischen Armeen wollen<br />

damit die Schmach des Sechstagekrieges 1967 tilgen. Von Frederick Feulner<br />

Israel<br />

Gegner Israels<br />

Truppenstärke 310.000 mehr als 800.000<br />

Panzer 2.000 mehr als 6.000<br />

Schützenpanzer 4.000 mehr als 6.000<br />

Artillerie 575 mehr als 3.000<br />

Flugzeuge 360 mehr als 1.500<br />

Tote 2.500–2.800 zwischen 7.000 und 18.500<br />

Verwundete etwa 7.000 zwischen 8.500 und 15.000<br />

(35.000 geraten in israelische<br />

<strong>Krieg</strong>sgefangenschaft)<br />

Panzer (zerstört<br />

oder beschädigt)<br />

etwa 1.000 zwischen 2.000 und 2.500<br />

Flugzeug-Verluste etwa 100 über 400<br />

42


Während des Sechstagekrieges 1967<br />

(vergl. Clausewitz 5/2013) verlieren<br />

Syrien, Jordanien und Ägypten große<br />

Gebiete. Das bis dato kleine Israel kann<br />

sich hin<strong>gegen</strong> mit dem Sinai, dem Westjordanland<br />

und den Golanhöhen eine wichtige<br />

strategische Tiefe erarbeiten – jedoch bringt<br />

dies in der Folge keine wirkliche Sicherheit.<br />

Von 1968 bis zum Waffenstillstandsabkommen<br />

1970 kommt es <strong>im</strong> „Abnutzungskrieg“<br />

zu regelmäßigen Kampfhandlungen, Artillerieduellen<br />

und Kommandoangriffen. Frühe<br />

Versuche von ägyptischer Seite, einen Frieden<br />

zu vermitteln, werden durch die israelische<br />

Ministerpräsidentin Golda Meir zurückgewiesen.<br />

Ende August 1973 beschließen die Präsidenten<br />

Ägyptens und Syriens, Sadat und Assad,<br />

mit einem neuen <strong>Krieg</strong> die verlorenen<br />

Gebiete zurückzuerobern, nachdem diplomatische<br />

Bestrebungen gescheitert sind. Dabei<br />

soll Israel durch massive Verluste gezwungen<br />

werden, die besetzten Länder zu<br />

räumen und anschließend einem ehrbaren<br />

Frieden zust<strong>im</strong>men.<br />

KARTE<br />

Obgleich Israel nichts von den Besprechungen<br />

Sadats und Assads weiß, bemerkt<br />

es <strong>im</strong> September eine Zunahme von Boden-<br />

Luft-Raketenstellungen auf dem Golan und<br />

in Ägypten sowie Truppenbewegungen in<br />

Richtung Grenze. Allerdings gab es schon<br />

früher Manöver und Drohungen, bei denen<br />

es aber nicht zu größeren Kampfhandlungen<br />

gekommen ist. Badende Soldaten <strong>im</strong><br />

Suez-Kanal täuschen eine trügerische Ruhe<br />

vor – es ist der Fastenmonat Ramadan. Als<br />

am 4. und 5. Oktober die sowjetischen Militärberater<br />

mit ihren Familien abreisen, ist<br />

die „Marschrichtung“ allerdings klar. Der<br />

israelische Generalstabschef Generalleutnant<br />

David Elazar bietet Golda Meir einen<br />

Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong>: Halbinsel Sinai<br />

FEUERKRAFT: Israelische Artillerie n<strong>im</strong>mt<br />

syrische Stellungen unter Beschuss. Nach<br />

anfänglichen Fehlern – so werden die<br />

arabischen Armeen unterschätzt – kann<br />

die Israel Defence Force (IDF) den Angriff<br />

abwehren.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

Gestaltung: KGS Kartographie und Grafik Schlaich<br />

Clausewitz 2/2014<br />

43


Schlachten der Weltgeschichte | Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> 1973<br />

GENERAL SA’AD AL SHAZLI<br />

Der 1922 geborene Shazli sammelt Erfahrung in der<br />

Luftlandetruppe, als UN-Offizier <strong>im</strong> Kongo und später<br />

<strong>im</strong> Sechstagekrieg, wo er sich bewährt. Als Stabschef<br />

ist er für die Überquerung des Suezkanals verantwortlich,<br />

sieht auch das Debakel durch eine israelische<br />

Gegenoffensive kommen, wird aber durch Sadat überst<strong>im</strong>mt<br />

und abgelöst. Er beendet seine Karriere als<br />

Botschafter in Großbritannien und Portugal.<br />

PRÄSIDENT ANWAR AS-SADAT<br />

Der <strong>im</strong> Schatten von Präsident Nasser stehende<br />

Sadat wird 1918 geboren. Er besetzt viele Positionen<br />

<strong>im</strong> Militär mit verdienten Soldaten. Sadat wird 1981<br />

während einer Parade von Islamisten ermordet.<br />

Parallel dazu werden in der ersten Minute<br />

des <strong>Krieg</strong>es die teilweise unterbesetzte Bar-<br />

Lew-Linie, Minenfelder und wichtige Punkte<br />

mit über 10.000 Geschossen unter Feuer genommen.<br />

Gleichzeitig setzen Pioniere und Infanterie<br />

außerhalb der Schussreichweite der<br />

israelischen Befestigungen in 720 Schlauchbooten<br />

über, stürmen die Sandwälle und beginnen,<br />

ostwärts zu strömen. Amphibische<br />

PT-76-Panzer sowie Mi-8-Hubschrauber setzen<br />

weitere Soldaten ab und errichten Brückenköpfe.<br />

Unter dem Einsatz von Nebeltöpfen<br />

werden auf der gesamten Länge des Kanals<br />

zehn Ponton-Brücken installiert und 50<br />

Fähren aus sowjetischer Produktion zu Wasser<br />

gelassen. Die massiven Sandwälle auf<br />

dem nördlichen Ostufer werden durch einen<br />

KARTE<br />

Jom Kippur <strong>Krieg</strong>: Golanhöhen<br />

SIEGESFEIER: Anwar as-Sadat <strong>im</strong> Nadelstreifenanzug<br />

vor einer Pyramide in Gizeh<br />

(bei Kairo). Bis heute betrachten die Ägypter<br />

den „Oktoberkrieg“ als einen eigenen Erfolg.<br />

Undatierte Aufnahme.<br />

Foto: picture-alliance / dpa<br />

Erstschlag durch die Luftwaffe an. Um diesesmal<br />

vor der Weltöffentlichkeit als Angegriffener<br />

da zu stehen, wird jedoch nur eine Teilmobilmachung<br />

der Streitkräfte genehmigt.<br />

SINAI: Operation Badr<br />

Der Zeitpunkt für „Operation Badr“ wird<br />

sorgfältig gewählt. Die Strömung <strong>im</strong> Kanal<br />

muss st<strong>im</strong>men, man braucht Licht für die<br />

erste Angriffswelle und Mondschein für den<br />

Bau von Pontonbrücken und das Übersetzen<br />

der Panzertruppen. Yom Kippur, den höchsten<br />

jüdischen Feiertag, verbringen viele Israelis<br />

bei ihren Familien. Der Rundfunk arbeitet<br />

nicht, öffentliches Leben liegt brach.<br />

Am 6. Oktober um 14 Uhr, vier Stunden früher<br />

als von der IDF (Israel Defence Forces)<br />

erwartet, beginnt der vierte arabisch-israelische<br />

<strong>Krieg</strong> mit dem Angriff von 220 ägyptischen<br />

Flugzeugen auf Flugfelder, Radarund<br />

Flugabwehrstellungen sowie Kommandozentren<br />

auf dem Sinai.<br />

Gestaltung: KGS Kartographie und Grafik Schlaich<br />

44


Militärische Misserfolge für Israel<br />

HINTERGRUND<br />

MAGINOT-LINIE IM WÜSTEN-<br />

SAND: Während des Baus wird<br />

kritisiert, dass ein starrer „Grabenkrieg“<br />

dem mobilen Gefechtskonzept<br />

Israels eher hinderlich<br />

ist. Ausschnitt mit Bunker und<br />

verlassenem Panzer.<br />

Foto: picture alliance/Photoshot<br />

Die Bar-Lew-Linie“ am Suezkanal<br />

Entlang des Suezkanals zieht sich eine 160 Kilometer<br />

lange Befestigungslinie, die aus am<br />

Ufer aufgeschütteten Sandwällen besteht, teilweise<br />

versehen mit befestigten Kampfstellungen.<br />

In Abständen werden zur Überwachung<br />

der Verkehrswege aus Sandsäcken, Wellblechbunkern<br />

und Stacheldraht 30 Befestigungsanlagen<br />

(Maoz<strong>im</strong>) errichtet, in denen Infanteriezüge<br />

mit Mörsern und MG stationiert sind. Zudem<br />

sollen Öltanks <strong>im</strong> Notfall den Kanal in<br />

Brand setzen, um etwaige Überquerungen zu<br />

verhinden. Etwa acht Kilometer hinter dem Kanal<br />

befinden sich elf Taoz<strong>im</strong> – Befestigungen<br />

mit Besatzung in Kompaniestärke. Die Ägypter<br />

errichten als Sichtschutz 39 Meter hohe Sandwälle<br />

auf dem Westufer, die Israelis planen hin<strong>gegen</strong><br />

78 Meter hohe Beobachtungstürme, um<br />

weit nach Afrika sehen zu können. Für Artillerie<br />

und Truppenaufmärsche werden mehrere Straßen<br />

und Feuerstellungen angelegt, für Kanalüberquerungen<br />

Gerätedepots und Schwachstellen<br />

in den Sandwällen errichtet. Mit 300<br />

Millionen US-Dollar war die Bar-Lew-Linie 1973<br />

eine teure Investition <strong>im</strong> Wüstensand.<br />

genialen Einfall eines ägyptischen Pioniers<br />

schnell überwunden: Im Vorfeld des <strong>Krieg</strong>es<br />

sind aus Deutschland und England mit dem<br />

Vorwand, die Kairoer Feuerwehr brauche sie,<br />

Hochdruckpumpen und Schläuche beschafft<br />

worden, mit denen effektiv 60 Breschen in die<br />

Sandwälle gespült werden können. Die Brückenköpfe<br />

sollen sich in der ersten Welle zwei,<br />

in der zweiten Welle sechs und be<strong>im</strong> Eintreffen<br />

von Panzern und Artillerie acht Kilometer<br />

weit in israelisch besetztes Gebiet reichen.<br />

Nach vier Stunden sind bereits 25.000 Mann<br />

in fünf Brückenköpfen stationiert, um 21 Uhr<br />

haben bereits 40.000 Soldaten den Sinai erreicht.<br />

Die rückwärtig gehaltenen drei Panzerbrigaden<br />

der IDF, 290 Panzer, 52 Geschütze,<br />

sowie einige Flugabwehreinheiten, werden<br />

be<strong>im</strong> Anmarsch in ihre Feuerstellungen<br />

durch gut ausgebildete ägyptische Panzerabwehrteams<br />

mit Lenkraketen vom Typ AT-3<br />

Sagger aufgerieben.<br />

Am nächsten Tag versucht die IAF (Israeli<br />

Air Force), die Pontonbrücken zu zerstören,<br />

verliert aber zahlreiche F-4 „Phantom“<br />

und A-4 „Skyhawks“, als diese in die dichtgestaffelte<br />

Flugabwehrzone fliegen. Die SA-<br />

6- Raketen sind den Israelis bisher nicht begegnet<br />

und erhalten bald den Spitznamen<br />

„Die drei Finger des Todes“; auch <strong>gegen</strong> die<br />

hitzesuchenden SA-7-Raketen können elektronische<br />

Störgeräte nichts ausrichten.<br />

Am Ende kehren 60 % der Flugzeuge<br />

nicht nach Hause zurück; bis zum 11. Oktober<br />

verlieren die Israelis 85 Maschinen, darunter<br />

50 vom Typ „Phantom“.<br />

Ein israelischer Gegenangriff mit Panzern<br />

ohne ausreichende Infanterie-, Luft- und Artillerieunterstützung<br />

von 8. bis 10. Oktober<br />

Richtung Ismailia und Suez endet in einem<br />

Fiasko. Schließlich ergeht der Befehl, mit den<br />

restlichen Truppen an den strategischen<br />

Passstraßen Stellung zu beziehen. Die Ägypter<br />

konsolidieren sich gemäß übernommener<br />

sowjetischer Doktrin zunächst – doch<br />

jetzt hätte ein schneller Vorstoß in Richtung<br />

der Verkehrsknotenpunkte eine Vernichtung<br />

der IDF auf dem Sinai zur Folge haben können.<br />

Allerdings bemüht sich die 3. Ägyptische<br />

Armee, in Richtung der Pässe bei Mitla<br />

und Giddi vorzustoßen. Eine weitere Schlappe<br />

erleben die Israelis, als am 13. Oktober<br />

das letzte Fort der Bar-Lew-Linie unter den<br />

Augen der Weltpresse kapituliert.<br />

GOLAN: Panzerschlacht<br />

Gleichzeitig startet Syrien mit 150 Flugzeugen<br />

einen massiven Luftangriff auf israelische<br />

Stellungen auf den Golanhöhen. Minuten<br />

später holen die Syrer die Tarnnetze von 1.000<br />

Geschützen und beginnen ein vorbereitendes<br />

Trommelfeuer. Drei Infanteriedivisionen,<br />

40.000 Soldaten und über 600 Panzer, überschreiten<br />

die Waffenstillstandslinie von 1967<br />

und überrennen zehn Vorposten der IDF, die<br />

„Wir werden gewinnen weil wir leben müssen. Unsere<br />

Nachbarn kämpfen nicht um ihr Leben, nicht für ihre<br />

Souveränität, sie kämpfen, um uns zu zerstören.“<br />

ERFAHRENER SOLDAT:<br />

Ariel Sharon (rechts<br />

mit Kopfverband) kann<br />

auf viel praktisches<br />

Wissen als Frontkämpfer<br />

zurückgreifen.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

Golda Meir, Ministerpräsidentin Israel am 13. Oktober 1973<br />

von lediglich 200 Soldaten und 100 Panzern<br />

verteidigt werden. S<strong>im</strong>ultan wird das „Auge<br />

Israels“, ein strategisch wichtiger Spähposten<br />

auf dem Mount Hermon, durch Fallschirmjä-<br />

GENERALMAJOR ARIEL „ARIK“ SHARON<br />

Geboren 1928 in Palästina tritt er bereits mit 14 Jahren in die Untergrundarmee „Hagana“ ein, kämpft <strong>im</strong><br />

Unabhängigkeitskrieg und gründet 1953 die Spezialeinheit 101. 1956 führt er eine Fallschirmjägereinheit<br />

auf dem Sinai, <strong>im</strong> Sechstagekrieg befehligt er eine Panzerdivision. Getreu seiner Devise „Angriff ist die<br />

beste Verteidigung“, überquert er 1973 mit seinen Panzern den Suezkanal und hat trotz einiger Kontroversen<br />

einen großen Anteil am Sieg. Danach geht Sharon in die Politik und übern<strong>im</strong>mt 2001 bis 2006<br />

den Posten des Premierministers. Er stirbt Anfang 2014.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

45


Schlachten der Weltgeschichte | Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> 1973<br />

Divisionen stoßen am 11. Oktober entlang der<br />

Straße nach Damaskus vor. Die Front stabilisiert<br />

sich, als die IDF auf irakische Panzer<br />

stößt, die von Bagdad nach Damaskus verlegt<br />

worden sind und so den Vorwärtsdrang stoppen.<br />

Die Israelis hatten ebenfalls an beiden<br />

<strong>Krieg</strong>sschauplätzen schwere Verluste hinnehmen<br />

müssen. Am 13. Oktober wird Sadat<br />

durch den britischen Botschafter ein Waffenstillstandsabkommen<br />

auf den aktuellen Grenzen<br />

angeboten, das aber aus einer vermeintlichen<br />

Position der Stärke abgelehnt wird: Eine<br />

Akzeptierung käme nur in Frage, wenn Israel<br />

sich aus dem Sinai zurückzöge.<br />

GEGENSCHLAG: Israelische Truppenkontingente überqueren auf einer Pontonbrücke den<br />

Suezkanal und dringen in Ägypten ein. Seit 1967 ist diese wichtige Seestraße gesperrt,<br />

erst 1975 wird sie wieder eröffnet.<br />

Foto: picture alliance/landov<br />

ger erobert. Am ersten Nachmittag verliert<br />

die IAF 34 Flugzeuge, bis sie schließlich die<br />

syrischen Radarstellungen ausschalten kann.<br />

Bis Mitternacht können die Syrer enorme Geländegewinne<br />

verzeichnen und setzen die<br />

IDF stark unter Druck. Präsident Assad, der<br />

keine Abweichung vom Plan und keine taktische<br />

Flexibilität zulässt, befiehlt der Truppe,<br />

zu halten, sich neu zu formieren und sich auf<br />

einen Angriff auf ein Kommandozentrum bei<br />

Naffakh vorzubereiten. Das gibt den Israelis<br />

wichtigen Raum zur Aktivierung von 250.000<br />

Reservisten, die zunächst an die syrische<br />

Front geworfen werden. Das israelische Training<br />

und die Dringlichkeit der Situation ermöglichen<br />

die Einsatzbereitschaft der Reserveeinheiten<br />

innerhalb von nur 15 Stunden –<br />

neun wertvolle Stunden weniger als ursprünglich<br />

angenommen. Assad hat es versäumt,<br />

seine Truppen bis zum Rande des Golan-Plateaus<br />

bzw. den nur 15 Kilometer entfernten<br />

strategisch wichtigen Brücken über<br />

den Jordan vorrücken zu lassen. Am 7. Oktober<br />

stehen die Israelis bereits mit ihren mobilisierten<br />

Reservetruppen auf dem Golan und<br />

verwickeln die Syrer, die ihre eigenen Panzerreserven<br />

herbeigebracht haben, in schwere<br />

Gefechte. Am Morgen des 9. Oktober startet<br />

die israelische Gegenoffensive, die Dank guten<br />

Schießtrainings auf lange Reichweite, besserer<br />

Technik und weitreichender 105-mm-<br />

Geschütze Erfolge erzielen kann. Am nächsten<br />

Tag sind zwei Drittel der syrischen Panzer<br />

ausgeschaltet, der Rest befindet sich auf dem<br />

Rückzug. In Tel Aviv wird entschieden, dass<br />

man die Initiative übernehmen und den <strong>Krieg</strong><br />

weiter auf feindliches Gebiet tragen sollte.<br />

Luftangriffe auf wichtige Einrichtungen,<br />

Kommandozentren und Flugfelder gehen<br />

dem israelischen Bodenangriff voraus. Zwei<br />

SINAI: Operation „Gazelle“<br />

Der rasche Sieg über die syrischen Truppen<br />

auf dem Golan bis zum 10. Oktober gibt der<br />

IDF neue taktische Möglichkeiten. Die<br />

Ägypter haben sich unter dem Schutz eines<br />

massiven SAM-Schirms und der Panzerabwehrraketen<br />

auf dem Ostufer des Suezkanals<br />

eingegraben und sich bisher nicht siginifikant<br />

ostwärts bewegt. Sadat befiehlt am<br />

14. Oktober einen Vormarsch in Richtung<br />

der Passstraßen, um <strong>gegen</strong> den Rat seiner<br />

Generäle aus politischen Gründen seinen<br />

Verbündeten Assad zu unterstützen.<br />

IDF-Truppen werden nun an die Sinai-<br />

Front verlegt, jedoch geht den Israelis langsam<br />

die Munition aus. US-Präsident Nixon<br />

ordnet – nicht ohne Druck einflussreicher jüdischer<br />

US-Bürger – mit der Operation „Nickel<br />

Grass“ die Lieferung dringend benötigten<br />

Nachschubs an. 33.000 Tonnen Munition,<br />

aber auch ECM-Störsender und „Shrike“-<br />

Raketen, werden nach Israel geliefert. 40 F-4<br />

„Phantom“, 36 A-4 „Skyhawks“ und 12 C-<br />

130 „Hercules“ aus US-Beständen werden<br />

direkt nach Israel geflogen. Die UdSSR verschifft<br />

gleichzeitig 63.000 Tonnen <strong>Krieg</strong>sma-<br />

FAKTEN<br />

Die „ägyptische Mauer“ – eine gute Flugabwehr<br />

Die Ägypter werden in der Folge des Sechstagekrieges<br />

durch die UdSSR massiv aufgerüstet.<br />

Sie erhalten unter anderem moderne Flugabwehrsysteme,<br />

um sich vor der überlegenen israelischen<br />

Luftwaffe zu schützen. Ab 1970 bekommen<br />

sie verbesserte Raketenkomplexe der<br />

Typen SA-2 „Guideline“ und SA-3 „Goa“, die<br />

durch mobile SA-6 „Gainful“ Fla-Raketen, aber<br />

auch durch ZSU-23-4 „Shilka“ Selbstfahrlafetten<br />

für den Nahbereich unterstützt werden. Zudem<br />

werden durch die Infanterie schultergestützte<br />

SA-7 „Grail“ Raketenwerfer mitgeführt,<br />

die bereits <strong>im</strong> Abnutzungskrieg beträchtlichen<br />

Schaden angerichtet haben. Damit sind in Ägypten<br />

mehr Flugabwehrraketen stationiert als die<br />

NATO in Europa besitzt. Mit diesem Mix aus stationären<br />

und mobilen Waffen, die auf verschiedenen<br />

Radarfrequenzen arbeiten, können der<br />

IAF anfangs schwere Verluste zugefügt werden.<br />

System<br />

S-75 „Dwina“<br />

NATO-Bezeichnung SA-2 „Guideline“<br />

Indienststellung 1957<br />

Gefechtsgewicht<br />

2.391 kg<br />

Reichweite<br />

7–43 km<br />

Flughöhe<br />

1.000–30.000 m<br />

Lenkung<br />

Trägheitsnav./Radar<br />

Gefechtskopf<br />

190 kg Splitter<br />

System<br />

S-125 „Newa“<br />

NATO-Bezeichnung SA-3 „Goa“<br />

Indienststellung 1961<br />

Gefechtsgewicht<br />

400 kg<br />

Reichweite<br />

3,5–25 km<br />

Flughöhe<br />

18.000 m<br />

Lenkung<br />

Funk/Radar<br />

Gefechtskopf<br />

60 kg Splitter<br />

System<br />

ZSU-23-4 „Shilka“<br />

Siehe <strong>CLAUSEWITZ</strong> Ausgabe 6/2013<br />

Indienststellung 1962<br />

Schussweite<br />

bis 2.500 m<br />

System<br />

Strela-2<br />

NATO-Bezeichnung SA-7 „Grail“<br />

Indienststellung 1968<br />

Gefechtsgewicht<br />

9,6 kg<br />

Reichweite<br />

ca. 4 km<br />

Flughöhe<br />

50–1.500 m<br />

Lenkung<br />

IR<br />

Gefechtskopf<br />

1,2 kg Splitter<br />

System<br />

2K12 „Kub“<br />

NATO-Bezeichnung SA-6 „Gainful“<br />

Indienststellung 1967<br />

Gefechtsgewicht<br />

630 kg<br />

Reichweite<br />

6–22 km<br />

Flughöhe<br />

100–7.000 m<br />

Lenkung<br />

Semi-aktives Radar<br />

Gefechtskopf<br />

57 kg Splitter<br />

Schusshöhe<br />

bis 1.500 m<br />

Lenkung<br />

Radar/optisch<br />

Feuergeschwindigkeit 3.200–3.600 Schuss/min<br />

46


Israel schlägt zurück<br />

FRONTBESUCH: General und Verteidigungsminister<br />

Mosche Dayan<br />

(mit Augenklappe) besucht israelische<br />

Truppen in einer Stellung auf<br />

den Golanhöhen.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

terial nach Syrien und Ägypten, darunter etwa<br />

1.200 Panzer und 300 MiG-21.<br />

Die 100.000 Ägypter mit ihren 500 Panzern<br />

in Deckung frontal anzugreifen, ist kostspielig<br />

bis unmöglich. Daher versuchen die Israelis<br />

ihre Taktik der mobilen <strong>Krieg</strong>führung, um die<br />

Pattsituation zu überkommen. Frische israelische<br />

Panzertruppen kontern <strong>im</strong> Verbund mit<br />

Artillerie und Infanterie zunächst einen ägyptischen<br />

Vormarsch. Zwischen der 2. und 3.<br />

Ägyptischen Armee wird eine 40 Kilometer<br />

große Lücke gefunden, die für den geplanten<br />

Gegenschlag ideal erscheint. Die IDF schickt<br />

am 16. Oktober mehrere amphibische Fähren<br />

zu einer Position nördlich des Großen Bittersees.<br />

Fallschirmjäger in APCs (armoured personnel<br />

carrier) und einige Panzer setzen über<br />

und errichten einen Brückenkopf auf dem afrikanischen<br />

Kontinent.<br />

General Shazlia will die 3. Ägyptische Armee<br />

auf das Westufer zurücknehmen, wird<br />

aber durch Sadat an diesem Manöver gehindert.<br />

Da<strong>gegen</strong> befiehlt er den Angriff entlang<br />

des Ostufers auf die versammelten Israelis, die<br />

wiederum versuchen, die Ägypter in ihren ursprünglichen<br />

Stellungen zu binden und von<br />

einer Zangenbewegung abzuhalten.<br />

„Unsere Streitkräfte werden fortfahren, den Feind zu<br />

verfolgen und ihn schlagen […] bis wir unsere Positionen<br />

in unserem besetzten Land wiedererlangt haben.“<br />

Hafiz al-Assad, Präsident Syriens am 16. Oktober 1973<br />

Am 17. Oktober kommt es bei „Chinese<br />

Farm“ zu schweren Gefechten, in denen die<br />

Ägypter unter beidseitig großen Verlusten zurückgeschlagen<br />

werden. Einen Tag später<br />

wird eine 180 Meter lange und 400 Tonnen<br />

schwere „Rollbrücke“ durch 16 Panzer zum<br />

Kanal geschleppt, über die insgesamt drei Brigaden,<br />

200 Panzer und 8.000 Mann, übersetzen.<br />

Richtung <strong>Norden</strong> stoßen die israelischen<br />

Truppen auf Widerstand, aber nach Süden<br />

gibt es kaum Probleme, und die IDF geht systematisch<br />

daran, alle militärischen Anlagen,<br />

die sie finden kann, zu zerstören. Dadurch zerfällt<br />

auch der gefährliche SAM-Schirm und sichert<br />

der IAF letztendlich die Lufthoheit. Die<br />

Ägypter haben alle Aufklärungseinheiten auf<br />

der Ostseite des Kanals und keine Reserven<br />

auf der Westseite, auch ihre Versorgungslinien<br />

sind nach dem Fall der Stadt Suez komplett<br />

abgeschnitten, und bis zum 24. Oktober ist die<br />

3. Ägyptische Armee vollständig eingeschlossen.<br />

Unter dem Druck beider Supermächte,<br />

der USA und der UdSSR (die beide eine weitere<br />

Eskalation fürchten), wird ein Waffenstillstand<br />

ausgehandelt. Die Israelis haben <strong>im</strong> Angesicht<br />

enormer Verluste einen bemerkenswerten<br />

Sieg errungen und ihr Können in<br />

mobiler innovativer <strong>Krieg</strong>führung erneut unter<br />

Beweis gestellt.<br />

Die Auseinandersetzung hat aber auch<br />

gezeigt, dass Israel nach drei gewonnenen<br />

<strong>Krieg</strong>en hochmütig geworden ist. Der <strong>Krieg</strong><br />

beginnt früher als erwartet und dauert länger<br />

als gedacht. Die Doktrinen, Taktiken und<br />

Moral der Araber haben sich geändert – sie<br />

zeigen, dass sie militärisch planen und<br />

kämpfen können. Problematisch sind die unterschiedlichen<br />

<strong>Krieg</strong>sziele. Sadat geht es lediglich<br />

um eine Signalwirkung (um einen<br />

Friedensprozess anzustoßen). Assad hin<strong>gegen</strong><br />

will aus strategischen Gründen den<br />

kompletten Golan. Zu erwähnen ist auch die<br />

Unterstützung zahlreicher anderer Staaten<br />

für die Angreifer. Irak, Libyen, Jordanien, Sudan,<br />

Kuwait, Saudi-Arabien, Algerien, Marokko<br />

und selbst Kuba schicken Truppen,<br />

Flugzeuge und Panzer, um sich aktiv an den<br />

Gefechten zu beteiligen oder um sich als Reservetruppe<br />

anzubieten.<br />

Im Folgejahr muss Ministerpräsidentin<br />

Meir wegen der anfänglichen arabischen Erfolge<br />

ihr Amt abgeben, Sadat hin<strong>gegen</strong> kann<br />

politisch punkten und gibt der arabischen<br />

Welt trotz der militärischen Niederlage<br />

Selbstvertrauen wieder. Das Friedensabkommen<br />

von Camp David 1979 wird ein<br />

paar Jahre später ein Meilenstein der Normalisierung<br />

der Lage in der Region.<br />

Dr. Frederick Feulner, Jg. 1975, ist Research Fellow<br />

an der University of York, England. Einer seiner Schwerpunkte<br />

ist die israelische Armee.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

47


Militär und Technik | Schnellboote<br />

VORFÜHRUNG: Kampfschw<strong>im</strong>mer präsentieren<br />

anlässlich einer Flottenparade der<br />

Volksmarine ihr Können und werden von Torpedoschnellbooten<br />

ins Wasser abgesetzt.<br />

Foto: picture-alliance/ZB/(ca)dpa-Report<br />

Schnellboote aus Ost und West <strong>im</strong> Einsatz<br />

Stoßkräfte der<br />

Oktober 1967: Der israelische Zerstörer EILAT wird längs der Sinai-Küste von Seezielflugkörpern<br />

getroffen und sinkt. Sie wurden von „Osa I“-Schnellbooten der ägyptischen Marine<br />

abgefeuert, die auch bei der Volksmarine <strong>im</strong> Einsatz sind.<br />

Von Eberhard Kliem<br />

Der Führungsstab der Bundesmarine <strong>im</strong><br />

Bonner Verteidigungsministerium registriert<br />

die Versenkung der EILAT <strong>im</strong><br />

fernen Mittelmeer während der Zeit des Kalten<br />

<strong>Krieg</strong>es mit höchster Aufmerksamkeit,<br />

denn die „Osa“-Raketenschnellboote befinden<br />

sich auch in der DDR Volksmarine schon seit<br />

einigen Jahren <strong>im</strong> Dienst und wären damit <strong>im</strong><br />

Falle eines „Ernstfalls“ direkte Gegner der<br />

Schnellboote der bundesdeutschen Seestreitkräfte<br />

– und diese sind damals von einer Bewaffnung<br />

mit Flugkörpern noch weit entfernt.<br />

Schon <strong>im</strong> Herbst des Jahres 1962 waren<br />

die ersten zwei Einheiten des sowjetischen<br />

Schnellboottyps Projekt 205 „Osa“ in Peenemünde<br />

eingetroffen und nach einer intensiven<br />

Ausbildung an die Volksmarine übergeben<br />

worden.<br />

Neue Boote<br />

Bis 1965 werden insgesamt zwölf Boote an<br />

die DDR ausgeliefert. Sie sind als 1., 3. und<br />

5. Raketenschnellbootabteilung in Dranske/Bug<br />

auf Rügen bei der 6. Flottille als<br />

„Stoßkräfte“ zusammengefasst. 1971 werden<br />

nochmals drei Boote geliefert. Sie ersetzten<br />

die ältesten Boote, die fortan für Ausbildungszwecke<br />

genutzt werden.<br />

Die neuen Fahrzeuge sind als Verdrängungs-Gleitboote<br />

konstruiert: Sie können bei<br />

sehr ruhiger See mit ihren drei Wellen eine<br />

Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten (kn)<br />

erreichen, sind jedoch nur bis Seegang 4–5<br />

einsatzbereit. Ihre Hauptbewaffnung besteht<br />

aus vier Seezielraketen des sowjetischen<br />

Typs P 15, die aus vier einzelnen Hangars an<br />

Backbord und Steuerbord gestartet werden.<br />

Die Flugkörper haben bei einer Geschwindigkeit<br />

von 0,9 Mach (Unterschallgeschwindigkeit)<br />

eine Reichweite von circa 25 Seemeilen<br />

(sm) und werden bei Zielannäherung<br />

durch einen aktiven Ziel-Suchkopf gesteuert.<br />

Der Gefechtskopf hat ein Gewicht von<br />

circa 400 Kilogramm TNT. Dass ein Treffer<br />

einer solchen Rakete „tödlich“ sein kann, hat<br />

EIGENE<br />

ENTWICKLUNG:<br />

Boote des Typ<br />

„Iltis" der Volksmarine<br />

<strong>im</strong> Päckchen<br />

an ihrem<br />

„schw<strong>im</strong>menden<br />

Stützpunkt”.<br />

Foto: NVA/Sammlung<br />

Mehl<br />

die Versenkung des Zerstörers EILAT hinreichend<br />

bewiesen.<br />

Die Modernisierung diese Waffengattung<br />

der Volksmarine bleibt in der BRD nicht unbemerkt.<br />

1963 beginnen Schießversuche mit<br />

amerikanischen und britischen Seezielflugkörpern.<br />

Neue Bootskörper werden erprobt,<br />

neue Maschinenanlagen in Auftrag gegeben<br />

und ein „Automatisiertes Gefechts- und Informationssystem<br />

für Schnellboote“ (AGIS)<br />

entwickelt. Mithilfe dieses Systems soll die<br />

Zeitspanne für Ortung (Erfassen des Gegners),<br />

Identifizierung (Freund oder Feind),<br />

Klassifizierung (Zerstörer, Landungsboot<br />

48


AUF ÜBUNGSFAHRT: Flugkörper-<br />

Schnellboot P6122 PUMA der Bundesmarine<br />

vom Typ 143A („Gepard“-<br />

Klasse). Foto: ullstein bild – Mathaes<br />

Marine<br />

etc.) und Zielzuweisung bis zum Lösen der<br />

Waffe soweit automatisiert und damit reduziert<br />

werden, dass durch den Zeitgewinn der<br />

eigene Flugkörper den Gegner trifft, bevor<br />

dieser selbst zum Schuss kommen kann.<br />

Zwischenlösung<br />

Technische Schwierigkeiten, finanzielle Engpässe,<br />

ungeklärte Zuständigkeiten und innerbehördliche<br />

Streitigkeiten verzögern die<br />

dringend notwendige Modernisierung <strong>im</strong>mer<br />

weiter. Den Schnellbooten der Bundesmarine<br />

und der dänischen Marine stehen<br />

1969 auf der anderen Seite über 60 mit<br />

„Styx“-Rakete ausgerüstete Schnellboote <strong>gegen</strong>über<br />

– eine für die westliche Seite erhebliche<br />

Unterlegenheit.<br />

Schließlich wird eine Zwischenlösung gefunden.<br />

In Frankreich werden 20 Schnellboote<br />

des Typs „La Combattante II“ bestellt und<br />

als Klasse 148 „Tiger“ mit geringen Abweichungen<br />

in die Bundesmarine eingeführt.<br />

Die französischen Boote beruhen auf einer<br />

Entwicklung der deutschen Lürssen-Werft.<br />

Ähnliche Fahrzeuge sind auch in Israel,<br />

leicht abgewandelt, <strong>im</strong> Dienst.<br />

Neben einer hinreichenden artilleristischen<br />

Bewaffnung verfügen sie über vier<br />

Seezielflugkörper des französischen Typs<br />

MM 38 „Exocet“ mit einer Reichweite von<br />

zirka 18 Seemeilen. Damit ist eine akzeptable<br />

Waffengleichheit mit dem östlichen Gegenüber<br />

herstellt. Gezwungenermaßen wird<br />

auf eine Torpedobewaffnung – der klassischen<br />

Waffe der Schnellboote – verzichtet,<br />

da ein moderner „Aal“ noch nicht einsatzbereit<br />

ist.<br />

Ab Oktober 1972 ersetzen in der Bundesmarine<br />

die neuen Boote „S41“ bis „S60“ nun<br />

innerhalb der nächsten drei Jahre die 20 alten<br />

„Jaguar“-Boote des 3. und 5. Schnellbootgeschwaders.<br />

Im Oktober des Jahres 1973 bricht die<br />

nächste kriegerische Auseinandersetzung –<br />

der Jom-Kippur-<strong>Krieg</strong> – zwischen Israel und<br />

seinen Nachbarn aus. Am 7. und 10. Oktober<br />

kommt es dabei zu Seegefechten vor der syrischen<br />

Küste auf der Höhe von Latakia und<br />

vor der ägyptischen Küste bei Balt<strong>im</strong> zwischen<br />

syrischen bzw. ägyptischen „Osa II“-<br />

Booten und israelischen Schnellbooten des<br />

leicht veränderten „Combattante II“-Typs.<br />

In beiden Gefechten werden die „Osa“-<br />

Boote geschlagen. Keine der gestarteten<br />

„Styx“-Raketen trifft, während die israelischen<br />

„Gabriel“-Flugkörper insgesamt sechs<br />

Fahrzeuge versenken. Zwar entspricht der<br />

von den deutschen Schnellbooten genutzte<br />

„Exocet“-Flugkörper nicht der israelischen<br />

„Gabriel“-Entwicklung, aber zumindest etliche<br />

Einsatzparameter sind vergleichbar.<br />

Der Einsatz von Verfahren und Mitteln<br />

der elektronischen Kampfführung entspricht<br />

ebenfalls den deutschen Vorstellungen. Der<br />

Führungsstab der westdeutschen Marine<br />

sieht die Modernisierung der eigenen<br />

Schnellbootflottille auf einem guten Weg.<br />

Überraschende Entscheidung<br />

Die Strategen der Volksmarine setzen bei der<br />

Modernisierung ihrer Stoßkräfte etwas überraschend<br />

neben der Einführung von Schnellbooten<br />

mit Flugkörper-Bewaffnung auf einen<br />

eigentlich bereits veralteten Schiffstyp.<br />

Schon <strong>im</strong> Jahr 1958 erhielten insgesamt<br />

drei Entwicklungsstellen den Auftrag, ein<br />

„Leichtes Torpedoschnellboot“ (LTS) zu konstruieren.<br />

Derartige Überlegungen hatte es<br />

bereits <strong>gegen</strong> <strong>Krieg</strong>sende in der <strong>Krieg</strong>smarine<br />

SCHARFER SCHUSS: Ein Boot des Typs OSA der Volksmarine feuert einer „Styx“-Rakete<br />

(P-15) ab.<br />

Foto: Volksmarine/ Sammlung Mehl<br />

Clausewitz 2/2014<br />

49


Militär und Technik | Schnellboote<br />

MIT DEN AUGEN EINES<br />

MALERS: Boote vom<br />

Typ 143 der Deutschen<br />

Marine wie sie der Marinemaler<br />

Olaf Rahardt<br />

sieht. Abb.: Olaf Rahardt<br />

gegeben. Man wollte in einem Massenangriff<br />

von vielen kleinen Torpedoträgern <strong>im</strong> Küstenvorfeld<br />

<strong>gegen</strong> feindliche Schiffsansammlungen<br />

bei Lande- oder Konvoioperationen<br />

zum Erfolg kommen. Diesem Grundgedanken<br />

folgten nun auch die Konstrukteure in<br />

der DDR, zumal sich die technischen Möglichen<br />

be<strong>im</strong> Bau derartiger Fahrzeuge verbessert<br />

hatten.<br />

Torpedoschnellboote<br />

In den folgenden Jahren wird das Projekt 63<br />

mit dem Typnamen „Iltis“ entwickelt. Ab<br />

1964 werden insgesamt 30 Boote – organisiert<br />

in drei Abteilungen mit je zehn Booten<br />

– bei der 6. Flottille in Dienst gestellt. Zwei<br />

Motoren geben dem Zwei-Wellenboot eine<br />

Höchstgeschwindigkeit von fast 50 kn. Als<br />

Bewaffnung sind zwei Torpedorohre mit einem<br />

nach achtern auszustoßenden Torpedo<br />

vorgesehen. Offensichtlich sind die operativen<br />

Erfahrungen so gut, dass fast zeitgleich<br />

INFO<br />

Technische Daten<br />

Typ Projekt 63 „Iltis“* Projekt 68 „Hydra“* Projekt 131 „Libelle“*<br />

Länge 14,8 m 15,7 m 28,0 m<br />

Breite 3,4 m 3,6 m 4,4 m<br />

Tiefgang 1,05 m 0,9 m 1,7 m<br />

Verdrängung 6,8 t 15,7 t 28,0 t<br />

Höchstfahrt 52 kn 50 kn 48 kn<br />

Bewaffnung 2 x TR 53,3 cm 3x TR 53,3 cm<br />

3 x TR 53,3 cm<br />

Minen<br />

2 x 23-cm-Flak, Minen<br />

Besatzung 3 3 5<br />

*Alle Angaben nach Mehl/Schäfer: Die andere Deutsche Marine, Berlin 1992.<br />

SPÄTE ENTWICKLUNG: Ein Raketenschiff Typ „Tarantul” der Volksmarine <strong>im</strong> Stützpunkt<br />

Dranske.<br />

Foto: Volksmarine/Sammlung Mehl<br />

ein zweites sehr ähnliches Projekt 68 mit<br />

dem Typnamen „Hydra“ als Holzkonstruktion<br />

entwickelt wird und ab 1962 mit insgesamt<br />

24 Booten in den Dienst kommt. Die<br />

„Hydra“-Boote können neben ihrer Bewaffnung<br />

von nun drei Torpedorohren schnell in<br />

eine Minenlegevariante und in eine Transportvariante<br />

für Kommandotruppen umgerüstet<br />

werden.<br />

Ab 1973 beginnt die planmäßige Außerdienststellung<br />

beider Bootsklassen. Doch die<br />

Führung der Volksmarine hält an der Einsatzkonzeption<br />

leichter Torpedoschnellboote<br />

fest. Mit dem Projekt 131 – Typname „Libelle“<br />

– wird ab 1974 ein etwas größeres Boot<br />

mit insgesamt 30 Einheiten als Kleines Torpedoschnellboot<br />

(KTS) in Dienst gestellt.<br />

Eine grundsätzliche Bewertung der Einsatzeffektivität<br />

ergibt, dass alle beschriebenen<br />

Boote wegen ihrer geringen Abmessungen<br />

nur bis max<strong>im</strong>al Windstärke „fünf“ und<br />

Seegang „vier“ Erfolg versprechend eingesetzt<br />

werden können. Eine einheitliche Führung<br />

in See von einem Führerboot aus ist na-<br />

50


Notwendige Modernisierung<br />

INFO<br />

Technische Daten<br />

Typ Projekt 205 „Osa“-Klasse* „Tiger“-Klasse**<br />

Länge 39,30 m 47,00 m<br />

Breite 7,60 m 7,02 m<br />

Tiefgang 1,80 m 2,15 m<br />

Verdrängung 210 t 263 t<br />

Höchstfahrt 40,0 kn 38,5 kn<br />

Bewaffnung<br />

4 x 30 mm<br />

4 x SS-N-2A „Styx“ (Einzelhangar)<br />

1 x 76 mm, 1x 40 mm<br />

2 x 2 x MM 38 „Exocet“<br />

Besatzung 30 37<br />

* Alle Angaben nach Mehl/Schäfer: Die andere Deutsche Marine, Berlin 1992.<br />

** Alle Angaben nach Koop/Breyer: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine 1956 bis heute,<br />

Bonn 1996.<br />

hezu unmöglich, da die Fernmeldemittel an<br />

Bord unzureichend sind. Zwischenzeitlich<br />

wird deshalb auch mit einer Führungsstelle<br />

an Land exper<strong>im</strong>entiert.<br />

Indienststellung neuer Boote<br />

Der Einsatz der drei bis fünf Mann starken<br />

Besatzung erfordert erhebliche psychische<br />

und physische Durchhaltekräfte und stellt<br />

damit einen einschränkenden Operationsfaktor<br />

dar. Dennoch können – allerdings nur<br />

unter best<strong>im</strong>mten Umständen – mögliche<br />

massierte Angriffe von „Leichten Torpedoschnellbooten“<br />

der Volksmarine eine Bedrohung<br />

der NATO-Seestreitkräfte in der Ostsee<br />

bedeuten.<br />

Mit der Indienststellung der „Tiger“-Klasse<br />

ist die notwendige Modernisierung der<br />

Schnellbootflottille der Bundesmarine keineswegs<br />

abgeschlossen. Auch die insgesamt<br />

20 Boote der alten „Jaguar“-Klasse und der<br />

nur wenig moderneren „Zobel“-Klasse müssen<br />

ersetzt werden.<br />

Mittlerweile hat auch die deutsche<br />

Schiffbauindustrie den Anschluss an die<br />

fortschrittliche Entwicklung von Schnellbooten<br />

hergestellt und kann der Marine einen<br />

modernen Typ „Klasse 143“ anbieten.<br />

AUF SEE: Das<br />

1971 in Dienst<br />

gestellte Raketenschnellboot<br />

OTTO<br />

TOST (Projekt<br />

205, „Osa I“-Klasse)<br />

der Volksmarine,<br />

Aufnahme aus<br />

dem Jahr 1985.<br />

Foto: ullstein bild –<br />

ADN-Bildarchiv<br />

ANSCHAULICH: Seitenund<br />

Aufriss eines Raketenschnellbootes<br />

„Osa“<br />

der Volksmarine.<br />

Abb.: Volksmarine/Sammlung Mehl<br />

Zehn Boote werden bestellt und <strong>im</strong> Zeitraum<br />

April 1976 bis Dezember 1977 als „Albatros“-Klasse<br />

in Dienst gestellt. Sie ersetzen<br />

zehn alte „Jaguar“-Boote. Nun ist auch<br />

das „Automatisierte Gefechts- und Informationssystem<br />

für Schnellboote“ (AGIS)<br />

fertig entwickelt und einsatzbereit. Zusammen<br />

mit dem Datenübertragungssystem<br />

„Link 11“ besitzen diese Schnellboote nun<br />

ein Gefechtsführungssystem, das für Einheiten<br />

dieser Größe unübertroffen ist und<br />

für längere Zeit auch bleibt.<br />

Hochmoderne Torpedos<br />

Hauptbewaffnung bleiben die bewährten<br />

MM-38-Seezielflugkörper. Dazu kommen<br />

zwei 76-mm-Geschütze und eine respektable<br />

Torpedobewaffnung mit zwei Rohren, aus<br />

denen der hochmoderne drahtgelenkte Torpedo<br />

DM2A1 verschossen werden kann.<br />

Da die lange Zeit intensiv betriebene Entwicklung<br />

eines Tragflächenschnellbootes<br />

der „Klasse 162“ zusammen mit den USA<br />

und Italien letztlich an den ausufernden<br />

Kosten scheitert, erhält die Marine als Ersatz<br />

für die letzten Boote der „Zobel“-Klasse<br />

zehn weiterentwickelte Boote der „Klasse<br />

143“, nun „Klasse 143A“ genannt. Schiffskörper<br />

und auch das Gefechtsführungssystem<br />

AGIS bleiben grundsätzlich unverändert.<br />

An Stelle des achteren Geschützturms<br />

wird jedoch, wenn auch mit erheblicher<br />

Verzögerung, ein Flugabwehrraketensystem<br />

RAM (Rolling Airframe Missile) eingebaut,<br />

das bis zu 21 Kurzstreckenflugkörper <strong>gegen</strong><br />

angreifende Flugzeuge und Flugkörper verschießen<br />

kann.<br />

Die beiden Torpedorohre werden <strong>gegen</strong><br />

Minenschienen ausgetauscht, sodass nun<br />

auch wieder eine Minenlegekomponente zur<br />

defensiven Seekriegführung zur Verfügung<br />

steht. Beginnend mit dem Dezember 1982<br />

werden bis zum November 1984 zehn der<br />

nun „Gepard“-Klasse genannten Boote in<br />

Clausewitz 2/2014<br />

51


Militär und Technik | Schnellboote<br />

ABGEWRACKT: Das Kleine Raketenschiff OSTSEEBAD SELLIN (Projekt 151; NATO-Code Balcom-10-Klasse)<br />

wird infolge der deutschen Wiedervereinigung 1990 nicht mehr regulär in den<br />

Dienst der Marine aufgenommen und schließlich verschrottet. Foto: picture-alliance/dpa/©dpa-Bildarchiv<br />

ÜBERGABE AN DIE MARINE: Die fast 90 Meter<br />

lange Korvette BRAUNSCHWEIG wird als<br />

Typschiff von insgesamt fünf Korvetten der<br />

neuen „Braunschweig“-Klasse (K 130) <strong>im</strong> Jahr<br />

2008 in Rostock-Warnemünde feierlich in<br />

Dienst gestellt. Foto: picture-alliance/dpa/©dpa-Report<br />

Dienst gestellt. Im Laufe der Zeit werden zusätzliche<br />

Düppelausstoßanlagen und Infrarottäuschkörper<br />

eingebaut. Nachrüstungen<br />

<strong>im</strong> Bereich des Datenaustausches ermöglichen<br />

schließlich den Booten einen verzugslosen<br />

Informationsaustausch mit dem ebenfalls<br />

rechnergestützten Marinehauptquartier<br />

in Glücksburg.<br />

Kleine Raketenschiffe<br />

Alle Boote führen neben den „S“-Nummern<br />

ihre alten Traditionsnamen weiter. Die Zuordnung<br />

zu den bisherigen Geschwadern<br />

ändert sich jedoch von Fall zu Fall.<br />

Mitte der 1980er-Jahre ist die Schnellbootflottille<br />

der Bundesmarine umfassend modernisiert.<br />

Ihre Fahrzeuge gehören zu den<br />

modernsten und Dank des AGIS-Systems zu<br />

den kampfkräftigsten ihrer Klasse. Ihr Einsatzgebiet<br />

sind die westliche und mittlere<br />

Ostsee und die Ostseezugänge Kattegatt und<br />

Skagerrak.<br />

Die Führung der Volksmarine ist in der<br />

Endphase des Kalten <strong>Krieg</strong>es ebenfalls nicht<br />

untätig geblieben. Die einsetzende Modernisierung<br />

der Schnellboote der Bundesmarie<br />

zwingt auch sie zur Planung und Konstruktion<br />

neuer und modernerer Boote. In Verbindung<br />

mit der Sowjetunion soll ein Gemeinschaftsprojekt<br />

für beide Flotten entwickelt<br />

werden, das schließlich Mitte der 1980er-Jahre<br />

als Projekt 151 verwirklicht wird.<br />

Als Zwischenlösung und Ersatz für die<br />

veralteten „Osa II“-Raketenschnellboote hat<br />

die DDR fünf sowjetische Korvetten „Tarantul“<br />

gekauft. Sie werden als Kleine Raketenschiffe<br />

(KRS) klassifiziert. Die ALBIN KÖBIS<br />

wird als erstes Schiff <strong>im</strong> Oktober 1984 in<br />

Dienst gestellt. Bis 1986 ist eine neue Raketenschiffabteilung<br />

bei der 6. Flottille einsatzbereit.<br />

Wegen des schwierigen Fahrwassers<br />

INFO<br />

Technische Daten<br />

werden die Boote be<strong>im</strong> Ein- und Auslaufen in<br />

Dranske jeweils von Schleppern gezogen –<br />

eine erhebliche operative Einschränkung, die<br />

ab 1988 zur Verlegung nach Sassnitz führt.<br />

Typ Klasse 143 „Albatros“* Klasse 143A „Gepard“*<br />

Länge 57,40 m 57,20 m<br />

Breite 8,08 m 7,76 m<br />

Tiefgang 2,57 m 2,19 m<br />

Verdrängung 393 t 397 t<br />

Höchstfahrt 38,0 kn 38,0 kn<br />

Bewaffnung 2 x 76 mm, 2 x 2 MM 38 „Exocet“,<br />

2 x Torpedo<br />

1 x 76 mm, 2 x 2 MM 38 „Exocet“<br />

DM2A1, 1 x RAM Starter, Minenbeladung<br />

Besatzung 40 44<br />

*Alle Angaben nach Frank, Hans: Die deutschen Schnellboote <strong>im</strong> Einsatz – 1956 bis heute, Hamburg 2007.<br />

SEITEN- UND AUFRISS: Schnellboot der Klasse 143 der Deutschen Marine nach einer<br />

Zeichnung von Olaf Rahardt. Links das Wappen des 2., rechts das Wappen des 7.<br />

Schnellbootgeschwaders.<br />

Foto: Olaf Rahardt<br />

52


Ende der Schnellboote<br />

ZÄSUR: Mit dem<br />

Einholen der Flaggen<br />

werden die beiden<br />

letzten Schnellboote<br />

der „Albatros“-Klasse<br />

(Klasse<br />

143) von der Bundesmarine<br />

<strong>im</strong> Jahr<br />

2005 außer Dienst<br />

gestellt und an<br />

Tunesien verkauft.<br />

Foto: picturealliance/dpa/dpaweb<br />

Als Hauptbewaffnung erhalten die „Tarantul“-Boote<br />

das Raketensystem P 20 – eine<br />

Weiterentwicklung des bewährten P 15<br />

„Styx“-Systems – mit einer Reichweite von<br />

nun fast 80 Kilometern. Hinzu kommt eine<br />

ausreichende artilleristische Ausstattung mit<br />

einem 76-mm-Geschütz und zwei 30-mm-<br />

Kanonen. Für den Nahbereich wird ein<br />

Raketenabwehrsystem „Strela“ eingebaut.<br />

Nachteilig ist das Fehlen eines Gefechtsführungssystems<br />

vergleichbar dem AGIS-System<br />

der „Klasse 143“ der Bundesmarine.<br />

Literaturtipps<br />

Hans Frank: Die deutschen Schnellboote <strong>im</strong><br />

Einsatz – 1956 bis heute, Hamburg 2007<br />

Hans Mehl/Knut Schäfer: Die andere Deutsche<br />

Marine, Berlin 1992<br />

Olaf Rahardt: Schiffprofile. Schnellboote Klasse<br />

143/143A, Stengelhe<strong>im</strong> 2007<br />

ZU BESICHTIGEN: Die Raketenkorvette<br />

HANS BEIMLER (Projekt 1241; NATO-Klassifizierung<br />

„Tarantul“) der Volksmarine dient<br />

heute als Museumsschiff des Historisch-<br />

Technischen-Museums <strong>im</strong> Hafen von Peenemünde.<br />

Foto: ullstein bild – Jens Köhler<br />

Neue Aufgaben<br />

Von der BALCOM-10-Klasse – dem Projekt<br />

151 – ist inzwischen das Serienboot gebaut<br />

und in Fahrt gekommen. Doch die politischen<br />

Ereignisse beenden das Vorhaben abrupt. Die<br />

SASSNITZ, die OSTSEEBAD SELLIN und die<br />

SEEBAD BINZ gehen zwar noch in den Dienst<br />

bei der Volksmarine, aber die von der Sowjetunion<br />

nicht mehr gelieferte Raketenbewaffnung<br />

macht eine Umklassifizierung zu Patrouillenfahrzeugen<br />

notwendig.<br />

Als solche gehen sie später in den Dienst<br />

des Bundesgrenzschutzes über. Alle anderen<br />

Boote werden abgebrochen und verschrottet.<br />

Auch vier Boote der „Tarantul“-Klasse<br />

werden außer Dienst gestellt.<br />

Die RUDOLF EGELHOFER wird jedoch<br />

kurzfristig als HIDDENSEE mit der „P“-<br />

Nummer 6166 in den Dienst der Deutschen<br />

Marine genommen und anschließend zu Erprobungszwecken<br />

an die USA abgegeben.<br />

Die restlichen Boote der Stoßkräfte fristen<br />

noch einige Zeit in Peenemünde als<br />

Auflieger ein tristes Dasein und werden<br />

schließlich zumeist abgebrochen oder als<br />

Museumsboote an verschiedene historische<br />

Institute abgegeben.<br />

An der Schnellbootflottille der Deutschen<br />

Marine nach Ende des Kalten <strong>Krieg</strong>es gehen<br />

die veränderten weltpolitischen Rahmenbedingungen<br />

nicht spurlos vorbei. Nicht mehr<br />

die europäischen Randmeere sind die Einsatzgebiete<br />

ihrer Boote. Sie werden nun <strong>im</strong><br />

Mittelmeer, vor der libanesischen Küste und<br />

vor Somalia – zumeist <strong>im</strong> Rahmen von UNO<br />

und NATO angeordneten Einsätzen – gebraucht.<br />

Dafür sind sie nicht geplant und gebaut<br />

worden. Daher ist es nur zwangsläufig,<br />

dass ihre Ersatzbauten nicht mehr als<br />

Schnellboot herkömmlicher Art konzipiert<br />

werden.<br />

Einsatz und neue Aufgaben werden nun<br />

nach und nach von den wesentlich größeren<br />

Korvetten der „Braunschweig“-Klasse (K 130)<br />

übernommen. Einige Boote der „Klasse 143A“<br />

werden zwar noch für einen schon festgelegten<br />

Zeitraum bei der Einsatzflottille 1 in Rostock-Warnemünde<br />

in Dienst sein, aber<br />

deutsche Schnellboote wird es bald nur noch<br />

in Schifffahrtsmuseen zu sehen geben.<br />

Eberhard Kliem, Jg. 1941, Fregattenkapitän a.D., zuletzt<br />

tätig <strong>im</strong> NATO-Hauptquartier Brüssel, anschließend<br />

drei Jahre Geschäftsführer des Deutschen Marinemuseums<br />

in Wilhelmshaven.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

53


Der Zeitzeuge<br />

Als <strong>Krieg</strong>sgefangener in der Sowjetunion<br />

Überleben <strong>im</strong> Gulag<br />

18. Januar 1943: Stabsapotheker Dr. Friedrich Kliem harrt in einem notdürftig beleuchteten<br />

Erdbunker nördlich von Stalingrad aus. Zu Lebzeiten sprach er nie über seine Erlebnisse –<br />

erst der Sohn liefert einen Einblick in das Grauen der Gefangenschaft. Von Eberhard Kliem<br />

Friedrich Kliem ist Korpsapotheker des<br />

XI. deutschen Armeekorps, das sich seit<br />

der Einschließung der 6. Armee langsam<br />

mit den unterstellten Einheiten in die<br />

Stadt Stalingrad zurückziehen muss. Die Angehörigen<br />

des Korpsstabes wissen zu diesem<br />

Zeitpunkt, dass die Schlacht in kurzer Zeit<br />

zu Ende gehen wird. Die deutschen Truppen<br />

haben keine Munition und ausreichend Verpflegung<br />

mehr. Kälte, Nässe, Hunger, Krankheiten<br />

und die aussichtslose Situation haben<br />

den Widerstandsgeist und die letzte Kampfkraft<br />

zum Erliegen gebracht.<br />

An jenem Abend des 18. Januar 1943<br />

schreibt Kliem einen – wie er weiß – für lan-<br />

ge Zeit letzten Brief an seine Frau Marianne<br />

in das ferne Hirschberg <strong>im</strong> Riesengebirge.<br />

Ein Kamerad ist zu dem einzigen noch von<br />

deutschen Truppen gehaltenen Flugplatz gefahren,<br />

und Kliem hofft, seinen Brief einem<br />

Flugzeugführer auf dessen Rückflug mitgeben<br />

zu können.<br />

Letzte Mitteilung<br />

Nach kurzer Schilderung der Lage schreibt<br />

er an seine Frau: „...<strong>im</strong>merhin ist die Lage<br />

ernst und ich muss Dich bitten, Dich auf<br />

ernste Möglichkeiten vorzubereiten. Ich<br />

schrieb Dir schon einmal, dass meine letzten<br />

Gedanken Dir, den Kindern und Mutter gelten<br />

werden und dass ich <strong>im</strong> Übrigen entschlossen<br />

bin, <strong>im</strong> Rahmen der bestehenden<br />

Möglichkeiten mein Leben für Euch zu erhalten.<br />

Ich bin entschlossen, gefasst alle Leiden<br />

der Gefangenschaft auf mich zu nehmen,<br />

um die Chance einer Rückkehr zu haben.<br />

Sei also getrost, liebstes Herz, ich bin<br />

vorsichtig und kämpfe auch nicht in der<br />

Kampflinie. Mein Schutzengel wird mich<br />

schon nicht verlassen...“<br />

Das XI. Armeekorps zieht sich in den folgenden<br />

Tagen <strong>im</strong>mer weiter in das Stadtinnere<br />

zurück und am 2. Februar 1943 kapituliert<br />

der Kommandierende General Karl<br />

Strecker in dem völlig zerstörten Traktoren-<br />

54


LETZTE ZEILEN: Der Brief, den Friedrich<br />

Kliem am 18. Januar 1943 aus dem<br />

Kessel von Stalingrad an seine Ehefrau<br />

Marianne geschickt hat. Foto: Eberhard Kliem<br />

ÜBERLEBT: Stabsapotheker<br />

Dr. Kliem kehrt Ende 1949 aus<br />

russischer <strong>Krieg</strong>sgefangenschaft<br />

zurück. Foto: Eberhard Kliem<br />

MIT ERHOBENEN<br />

HÄNDEN: Deutsche<br />

Soldaten ergeben<br />

sich am 2. Februar<br />

1943 einer sowjetischen<br />

Einheit nach<br />

Beendigung der<br />

Kämpfe um Stalingrad.<br />

Ein langer Leidensweg<br />

liegt vor<br />

den <strong>Krieg</strong>sgefangenen,<br />

von denen Jahre<br />

später nur wenige<br />

Überlebende in die<br />

He<strong>im</strong>at zurückkehren<br />

werden.<br />

Foto: picture-alliance/dpa<br />

werk in Stalingrad Nord. Die Zustände in<br />

den mit verwundeten und sterbenden, erfrierenden,<br />

verhungernden und seelisch zusammengebrochenen<br />

Soldaten völlig überfüllten<br />

Kellerräumen entziehen sich jeglicher<br />

Vorstellungskraft.<br />

Qualvolle Todesmärsche<br />

Nie hat Kliem in späteren Jahren über diese<br />

Tage gesprochen. In einem offiziellen Bericht<br />

für eine Befragungskommission schreibt er<br />

später sachlich „ ...die fechtende Truppe der<br />

Russen, die uns gefangen nahm, verhielt sich<br />

ziemlich korrekt und nahm uns nur unsere<br />

Waffen, Uhren und Wertsachen ab. Niemand<br />

wurde misshandelt oder gar getötet. Nach<br />

zwei Tagen rückte jedoch die Kampftruppe ab<br />

und wir gerieten in die Hände der Trosse. Da<br />

begann das große Plündern, Bedrohen und<br />

Misshandeln. Verpflegung bekamen wir von<br />

den Russen erstmals am zehnten Tag nach<br />

der Gefangennahme. Wir waren vor Hunger<br />

schon sehr entkräftet. Die Fußmärsche in die<br />

Auffanglager bei Schneesturm und bitterer<br />

Kälte nahm einem großen Teil unserer Männer<br />

den letzten Rest ihrer Kräfte. Das große Sterben<br />

in der Gefangenschaft begann.“<br />

Zum Zeitpunkt seiner Gefangennahme<br />

ist Stabsapotheker Kliem gesund und einigermaßen<br />

bei Kräften. Eine leichte Verwundung<br />

am Fuß ist erträglich. Nach einigen Tagen<br />

in den Kellerräumen des Traktorenwerkes<br />

beginnen die Märsche der Gefangenen<br />

durch Schnee und Kälte bei eisigen Temperaturen<br />

zu ihnen unbekannten Gefangenenlagern.<br />

Drei Tage und Nächte marschiert die<br />

Gruppe, zu der Kliem gehört, durch die<br />

Schneewüste. Übernachtet wird <strong>im</strong> Freien,<br />

ausreichende Verpflegung gibt es nicht. Wer<br />

liegen bleibt, wird umgehend durch die<br />

Wachsoldaten erschossen. Be<strong>im</strong> Morgengrauen<br />

eines jeden Tages bleiben unzählige<br />

Erfrorene <strong>im</strong> Schnee zurück. Niemand registriert<br />

die Toten oder schreibt ihre Namen auf.<br />

Irgendwann werden die Gefangenen zu einer<br />

der zahlreichen Balkas (Schluchten) geführt<br />

und müssen sich Mann neben Mann<br />

mit dem Gesicht in die Tiefe aufstellen. Hinter<br />

ihnen klicken die Gewehrverschlüsse.<br />

Die Männer fassen sich intuitiv an den Händen,<br />

bilden eine Menschenkette, beten gemeinsam<br />

ein letztes Vaterunser in die Totenstille....dann<br />

plötzlich Rufe „Dawai... Dawai...<br />

weiter... weiter“.<br />

Kliem übersteht die ersten schl<strong>im</strong>men<br />

Monate in einem Lager nördlich von Stalingrad.<br />

Im April 1943 erkrankt er an Fleckfieber,<br />

das er mit Müh und Not übersteht, weil<br />

Clausewitz 2/2014<br />

55


Der Zeitzeuge<br />

LANGERSEHNT: „Nachricht von<br />

Deinem Mann durch Russlandhe<strong>im</strong>kehrer.<br />

Brief folgt“, Telegramm einer<br />

Freundin von Kliems Ehefrau<br />

von 1946.<br />

Foto: Eberhard Kliem<br />

WENIG HOFFNUNG AUF RÜCKKEHR: Gefangene deutsche<br />

Soldaten der 6. Armee auf ihrem langen Marsch in die<br />

sowjetischen Lager.<br />

Foto: ullstein bild – ullstein bild<br />

er sich noch in den letzten Tagen des Kessels<br />

<strong>gegen</strong> diese Krankheit <strong>im</strong>pfen ließ. Unzählige<br />

Kameraden, die dies aus verschiedenen<br />

Gründen abgelehnt hatten, sterben, da Hunger,<br />

Kälte und das Fehlen jeglicher medizinischer<br />

Versorgung ihre Widerstandsfähigkeit<br />

entscheidend schwächt.<br />

Kaum einigermaßen genesen, wird Kliem<br />

von der Ruhr gepackt, die ihn nun bei seiner<br />

monatelangen Odyssee durch die Gefangenenlager<br />

Ilmjen, Oranki und Wetluschkaja<br />

nicht mehr los lässt.<br />

Mit dem Leben abgeschlossen<br />

In einer seiner wenigen persönlichen Aufzeichnungen<br />

schildert Kliem das Weihnachtsfest<br />

1943 in Wetluschkaja, wo ein „Häuflein<br />

schwerkranker und halbverhungerter deutscher<br />

Offiziere der Stalingradarmee am 24.<br />

abends, gehüllt in dünnen Decken in tiefer<br />

Dunkelheit bei eisiger Kälte auf dem Boden<br />

sitzend, das Lied ,Stille Nacht, Heilige Nacht’<br />

anst<strong>im</strong>men und (...) von brüllenden und fluchenden<br />

russischen Offizieren deswegen verprügelt<br />

werden. Der winzige Sch<strong>im</strong>mer der<br />

deutschen Weihnacht, den wir uns selbst her-<br />

DOKUMENT<br />

Nachricht von der Ehefrau<br />

Am 4. März 1947 erhält der <strong>Krieg</strong>sgefangene<br />

Friedrich Kliem <strong>im</strong> Lager 2851 (Usta) über das<br />

Rote Kreuz ein erste Nachricht von seiner Frau.<br />

Umgehend schreibt er zurück. Nur dreißig Worte<br />

sind auf der normierten Antwortkarte erlaubt.<br />

Foto: Sammlung Eberhard Kliem<br />

bei gezaubert hatten, war wieder erloschen.“<br />

Friedrich Kliem magert bei einer Größe von<br />

189 Zent<strong>im</strong>etern auf 52 Kilogramm ab, kann<br />

nur noch liegend transportiert werden und<br />

landet schließlich in hoffnungslosem Zustand<br />

<strong>im</strong> März 1944 <strong>im</strong> Lazarett des <strong>Krieg</strong>sgefangenenlagers<br />

Usta bei Gorki. Mit dem<br />

Leben hat er abgeschlossen. Im April diagnostizieren<br />

die deutschen Lagerärzte, die<br />

den völlig überforderten, teils auch unwilligen<br />

russischen Ärzten zugeteilt sind, eine<br />

schwere tuberkulöse Rippenfellentzündung.<br />

Die russischen Ärzte notieren Kliem bereits<br />

auf der Verlustliste des nächsten Tages, doch<br />

der behandelnde deutsche Arzt Dr. Erich<br />

Brackmann setzt eine letzte Medikamentengabe<br />

eines Herzmittels durch, das anschlägt<br />

und Kliem vorerst das Leben rettet.<br />

Von der mit 23 Mann belegten Krankenstube<br />

überlebt er als einziger Patient. Allein<br />

in der geschlossenen Tuberkuloseabteilung<br />

dieses Lagers sterben 1943/1944 monatlich<br />

bis zu 15 Gefangene. Nach der lebensbedrohenden<br />

Erkrankung stellt sich bei Kliem eine<br />

leichte Besserung des Gesundheitszustandes<br />

ein und mit dem Ende des <strong>Krieg</strong>es <strong>im</strong><br />

Mai 1945 regen sich erste zaghafte Hoffnungen<br />

auf Entlassung. Doch wohin wird es die<br />

Familie verschlagen haben und hat sie das<br />

Inferno der Flucht aus Schlesien überhaupt<br />

überstanden?<br />

Quälende Ungewissheit<br />

Auch die Ehefrau von Kliem lebt in völliger<br />

Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes.<br />

Den letzten Brief vom 18. Januar hat sie<br />

tatsächlich erhalten, aber danach gibt es kein<br />

Lebenszeichen mehr. In einer offiziellen<br />

Nachricht des „Arbeitsstabes Tunis und Stalingrad“<br />

in Hannover vom 17. September<br />

1943 erhält sie die Mitteilung, dass ihr Mann<br />

vermisst sei.<br />

Im Januar 1945 flieht Marianne<br />

Kliem mit ihren zwei<br />

Kindern und ihrer Mutter<br />

über Dresden nach Schleswig-Holstein<br />

und findet mit<br />

Hunderten anderen Flüchtlingen<br />

Unterkunft auf einem<br />

Dorf in der Nähe von Kiel.<br />

Die Familie hat nichts gerettet<br />

als ihr nacktes Leben.<br />

Gleich nach <strong>Krieg</strong>sende<br />

wendet sie sich an das Dänische<br />

Generalkonsulat, an<br />

das Central Information<br />

56


Dem Tod entronnen<br />

Office der britischen Besatzungsmacht und<br />

an die Deutsche Wehrmachtsauskunftsstelle<br />

in Berlin, um Auskunft über das Schicksal ihres<br />

Mannes zu erhalten – ohne jeden Erfolg.<br />

Täglich sitzen die Angehörigen abends<br />

vor dem Rundfunkempfänger, wo <strong>gegen</strong><br />

18.00 Uhr die Namen der <strong>im</strong> He<strong>im</strong>kehrerlager<br />

Friedland eingetroffenen <strong>Krieg</strong>sgefangenen<br />

verlesen werden. Der Apotheker Dr.<br />

Friedrich Kliem wird nicht genannt.<br />

Kliem kämpfte <strong>im</strong> fernen Usta erneut um<br />

sein Leben. Die eigentlich überstanden geglaubte<br />

Tuberkulose meldete sich <strong>im</strong> Herbst<br />

1945 in Form einer Entzündung <strong>im</strong> linken<br />

Knie zurück. Alle Bemühungen, einen erneuten<br />

Ausbruch der Krankheit zu verhindern,<br />

bleiben erfolglos. Nur die Amputation des<br />

linken Oberschenkels bleibt als letzte lebensrettende<br />

Chance. Die Situation ist dramatisch,<br />

da Kliem <strong>im</strong> Juli 1946 auf die Liste der<br />

He<strong>im</strong>transporte gesetzt wird. Was „normalerweise“<br />

Entlassung aus der Gefangenschaft<br />

bedeutet, wird nun – fast – zum Todesurteil.<br />

Lebenszeichen an die Familie<br />

Ohne Amputation würde Kliem auf der dreiwöchigen<br />

Transportreise nach Deutschland<br />

sterben. Mit Amputation wird ihn – da ohne<br />

jegliche medizinische Betreuung – das gleiche<br />

Schicksal ereilen. Diesmal bedeutet die –<br />

wie bereits fünf Mal zuvor – aus politischen<br />

Gründen erfolgte Streichung von der Liste<br />

die Lebensrettung. Kliem wird der linke<br />

Oberschenkel amputiert, die Tuberkulose erfolgreich<br />

eingedämmt. Seitdem erholt er sich<br />

und gewinnt seine Vitalität zurück.<br />

Als ob sich sein Schicksal nun zum Guten<br />

wendet, gelingt es ihm, ein Lebenszeichen<br />

nach Deutschland zu senden. Da schriftliche<br />

Aufzeichnungen nicht erlaubt sind, lernt<br />

ein zur Entlassung anstehender Kamerad<br />

mehr als 100 Adressen von in Westdeutschland<br />

lebenden Angehörigen seiner Mitgefangenen<br />

auswendig, um ihnen ein Lebenszeichen<br />

zukommen lassen zu können. So erhält<br />

eine in Hamburg lebende Freundin von<br />

Marianne Kliem die erste Nachricht, dass<br />

Fritz Kliem am Leben ist: „Nachricht von<br />

Deinem Mann durch Russlandhe<strong>im</strong>kehrer.<br />

Brief folgt“, telegraphiert sie am 26. November<br />

1946.<br />

Literaturtipps<br />

Andreas Hilger: Deutsche <strong>Krieg</strong>sgefangene in<br />

der Sowjetunion 1941–1955: <strong>Krieg</strong>sgefangenschaft,<br />

Lageralltag und Erinnerung, Essen 2000<br />

Alexander E. Epifanow und Hein Mayer: Die<br />

Tragödie der deutschen <strong>Krieg</strong>sgefangenen in<br />

Stalingrad von 1942 bis 1956 nach russischen<br />

Archivunterlagen, Osnabrück 1996<br />

AUSGEMERGELT: <strong>Krieg</strong>she<strong>im</strong>kehrer, die die sowjetische Gefangenschaft überlebt haben,<br />

warten auf ihre medizinische Untersuchung. Die Männer sind stark abgemagert und in<br />

schlechter körperlicher Verfassung.<br />

Foto: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages<br />

Ganz langsam beginnt sich das Leben der<br />

<strong>Krieg</strong>sgefangenen erträglich zu gestalten.<br />

Die Verpflegung ist mittlerweile ausreichend,<br />

die aufopfernde ärztliche Betreuung<br />

durch deutsche Ärzte reduziert die Sterblichkeitsrate.<br />

Vorträge, Lesungen, Theater- und Konzertaufführungen<br />

werden mit einfachsten<br />

Mitteln in die Wege geleitet, um die geistige<br />

Regsamkeit zu erhalten. Außer der<br />

russischen Parteizeitung „Prawda“ und indoktrinierender<br />

Vorträge deutscher Kommunisten<br />

gibt es keine Informationen.<br />

Zwei lange Jahre werden noch vergehen,<br />

ehe auch der <strong>Krieg</strong>sgefangene Kliem „kommissioniert“<br />

wird – wie der sowjetische Ausdruck<br />

für den Rücktransport heißt. Vorher<br />

wird er <strong>im</strong>mer wieder Verhören der Politoffiziere<br />

unterzogen, die ihn persönlich oder<br />

Kameraden mit angeblichen <strong>Krieg</strong>sverbrechen<br />

belasten wollen. Er bleibt standhaft.<br />

Am 16. Dezember 1949 trifft er bei seiner<br />

Familie in Marutendorf in der Nähe von Kiel<br />

ein. Über sieben Jahre hat er seine Angehörigen<br />

nicht gesehen. Nun beginnt die mühselige<br />

Eingewöhnung in ein normales Leben<br />

und die Rückkehr in den erlernten Apothekerberuf.<br />

Auch diese Herausforderung bewältigt<br />

er mit Erfolg.<br />

Über die Jahre in der Gefangenschaft hat<br />

er wenig gesprochen, vielleicht mehr in seinem<br />

Freundeskreis aus russischer Lagerzeit.<br />

Dieser Kreis hielt unverbrüchlich bis zum<br />

Tod des letzten Mitgliedes <strong>im</strong> Jahr 2011 zusammen.<br />

Aufschreiben wollte Kliem nichts.<br />

Zu belastend seien die Erinnerungen. Zudem<br />

hätten Millionen anderer Gefangener<br />

durchaus Ähnliches erlebt.<br />

Das mag so sein, aber außergewöhnlich<br />

ist es doch, wenn man zu den wenigen Tausend<br />

<strong>Krieg</strong>sgefangenen von ursprünglich<br />

circa 230.000 Mann einer Armee zählt, die<br />

die He<strong>im</strong>at je wiedergesehen haben.<br />

Eberhard Kliem, Jg. 1941, Fregattenkapitän a.D., zuletzt<br />

tätig <strong>im</strong> NATO-Hauptquartier Brüssel. Anschließend<br />

drei Jahre Geschäftsführer des Deutschen Marinemuseums<br />

in Wilhelmshaven. Der Autor ist der Sohn<br />

des <strong>im</strong> Text erwähnten Zeitzeugen Dr. F. Kliem.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

57


Militär und Technik | Panzerjäger<br />

DURCHSCHLAGSKRÄFTIG: Äußerlich kaum<br />

zu unterscheiden von der Pak 38 ist die<br />

7,5-cm-PaK 97/38. Das Rohr eines Beutegeschützes<br />

französischer Herkunft wird ab<br />

1942 auf die Lafette der deutschen Pak<br />

montiert.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

Panzerjäger der Wehrmacht (1939–1942)<br />

„Retter der Infanterie“<br />

1939: Die deutsche Panzerjägertruppe der Wehrmacht wird <strong>im</strong> Feldzug <strong>gegen</strong> Polen<br />

eingesetzt. Sie soll gepanzerte Fahrzeuge sicher ausschalten – <strong>im</strong> Angriff und in der<br />

Verteidigung.<br />

Von Thomas Anderson<br />

Die deutschen Truppen an der Front waren<br />

bereits <strong>im</strong> Polenfeldzug gezwungen,<br />

sich der Bedrohung durch Panzerfahrzeuge<br />

zu stellen. Zunächst waren die<br />

Männer in vorderster Linie gefordert. Unentwegtes<br />

konzentriertes MG-Feuer sollte die<br />

recht schwache Panzerung der Kampfwagen<br />

durchschlagen können – oft blieb dies ein<br />

„frommer Wunsch“. Mehr Aussicht auf Erfolg<br />

brachte der Einsatz der leichten Feldartillerie.<br />

Diese bespannten Geschütze vom Kaliber<br />

7,5 cm und 7,7 cm wurden in Alarmbatterien<br />

zusammengefasst und oft in fast<br />

selbstmörderischem Einsatz an die Front gebracht.<br />

Wohl ließen sich die Panzer mit Explosivgeschossen<br />

bekämpfen, doch erwies sich der<br />

Einsatz der Geschütze als unzweckmäßig.<br />

Selbst wenn die Kanonen unter dem heftigen<br />

Feindfeuer in Stellung gebracht werden<br />

konnten, führte jeder weitere Stellungswech-<br />

sel häufig zum Verlust von Mensch und Material.<br />

Ein Ausweg schien das Verlasten der<br />

leichten Feldkanonen auf Lkw zu sein.<br />

Rückblende: Im Jahr 1917 begann die Entwicklung<br />

spezieller Panzerabwehrwaffen.<br />

Zunächst wurde das Tankgewehr eingeführt,<br />

eigentlich ein Karabiner mit dem enormen<br />

Kaliber von 13 mm. Diese Waffe durchschlug<br />

auf kurze Entfernungen die Platten<br />

eines jeden Feindpanzers, die Wirkung <strong>im</strong><br />

Ziel war jedoch selten zerstörend. Eine bessere<br />

Wirkung versprachen kleinkalibrige Kanonen.<br />

Unter den ersten Konzepten sind 2-<br />

cm- und 3,7-cm-Tak (Tankabwehrkanonen).<br />

Bei beiden handelte es sich aber eher um <strong>im</strong>provisierte<br />

Waffen.<br />

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre<br />

stand die Rheinmetall 3,7-cm-Tak vor der<br />

Einführung. Diese Waffe erfüllte die geforderten<br />

ballistischen Werte und war leicht<br />

und beweglich. Bereits zu dieser Zeit erwog<br />

das Wehramt die Montage auf einer Selbstfahrlafette.<br />

Die Realitäten erforderten jedoch,<br />

das Geschütz deutlich konventioneller<br />

– und wesentlich weniger effektiv – bespannt<br />

oder <strong>im</strong> Kraftzug einzusetzen.<br />

Das Rheinmetall-Geschütz wurde ab 1930<br />

eingeführt. Die Waffe verfügte über eine<br />

Spreizlafette und war mit einem Schutzschild<br />

versehen. Der Transport erfolgte<br />

durch Pferdezug oder Traktor.<br />

Umbenennung in Pak<br />

Seit der „Machtergreifung“ Hitlers wurden<br />

in Deutschland die Restriktionen des Versailler<br />

Vertrages <strong>im</strong>mer offener unterlaufen,<br />

der Aufbau der Reichwehr und später der<br />

Wehrmacht vorangetrieben. Ab 1934 begann<br />

der Umbau aller vorhandenen 3,7-cm-Tak<br />

auf modernen Kraftzug. Die Geschütze wurden<br />

dem Zeitgeist folgend in Pak (Panzerabwehrkanone)<br />

umbenannt.<br />

58


IM MANÖVER: „Achtung – Panzerangriff!“<br />

Während einer Übung in der<br />

Vorkriegszeit sichert eine 3,7-cm-Pak<br />

<strong>gegen</strong> angreifende „Feindpanzer“,<br />

hier Pz.Kpfw. II.<br />

Foto: NARA<br />

Zum Zeitpunkt des Angriffs auf Polen <strong>im</strong><br />

September 1939 wird der Bestand an 3,7-cm-<br />

Pak <strong>im</strong> „Überblick über den Rüstungsstand<br />

des Heeres“ mit 11.200 angegeben. Auch der<br />

Hauptkampfpanzer, der Pz.Kpfw. III, wird<br />

mit einem Geschütz desselben Kalibers ausgerüstet.<br />

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges<br />

wird jeder Division eine Panzerabwehr-<br />

Abteilung zugeteilt. Diese besteht aus drei<br />

Kompanien zu je zwölf Panzerabwehrgeschützen.<br />

Als spezialisiertes Zugmittel steht<br />

der Krupp-Protzkraftwagen zur Verfügung.<br />

Die Besatzung sitzt in einem offenen Aufbau,<br />

dadurch können die Soldaten das Geschütz<br />

schnell in Stellung bringen. Die Zahl<br />

der verfügbaren Protzkraftwagen ist jedoch<br />

nur unzureichend. Handelsübliche Pkw<br />

oder Lkw müssen in großer Zahl herangezogen<br />

werden, um die geforderte Beweglichkeit<br />

sicher zu stellen.<br />

Erster „scharfer Einsatz“<br />

Der erste scharfe Einsatz be<strong>im</strong> Angriff auf<br />

Polen <strong>im</strong> September 1939 stellt die Truppe<br />

vor „lösbare Aufgaben“. Die polnischen<br />

Streitkräfte verfügen nur über leicht gepanzerte<br />

Kampfwagen. Im Angriff kann der Vormarsch<br />

der eigenen Verbände zuverlässig<br />

begleitet werden. Die Panzerabwehr-Abteilungen<br />

werden zur Sicherung der Flanken<br />

sowie der Gefechtsstäbe eingesetzt. Dabei<br />

kommt den Bedienungen das geringe Gewicht<br />

der 3,7-cm-Pak zugute. Die Leistungen<br />

des Geschützes reichen aus, um jedes<br />

feindliche Fahrzeug erfolgreich zu bekämpfen<br />

und das <strong>im</strong>merhin fast zehn Jahre nach<br />

seiner Einführung.<br />

Nach Abschluss der militärischen Aktionen<br />

in Polen wird die Bezeichnung der Panzerabwehr-Abteilungen<br />

in Panzerjäger-Abteilung<br />

geändert. Der nächste Waffengang,<br />

der geplante Feldzug <strong>gegen</strong> Frankreich, soll<br />

sich für die Wehrmacht als weitaus größere<br />

Herausforderung herausstellen.<br />

Die Auslandsaufklärung hatte <strong>im</strong> Vorfeld<br />

von „Fall Rot“ die Existenz schwerer und<br />

schwerster französischer Panzer gemeldet.<br />

TANKABWEHRKANONE: Die Rheinmetall 3,7-cm-Tak gehört zur<br />

Erstausstattung der Reichswehr. Im Idealfall durch einen Krupp-<br />

Protzkraftwagen gezogen, ist das Geschütz ausreichend beweglich.<br />

ZUR DEMONSTRATION: Zu sehen ist eine noch mit Holz-Speichenrädern<br />

ausgerüstete 3,7-cm-Tak. Dieses Bild entsteht 1942 während<br />

einer Vorführung einer SS-Einheit vor H<strong>im</strong>mler.<br />

Fotos: NARA (2x)<br />

Clausewitz 2/2014<br />

59


Militär und Technik | Panzerjäger<br />

BEIM APPELL: Teile einer Infanteriedivision.<br />

Vorne sind Fahrzeuge der Aufklärungseinheit<br />

aufgefahren, während hinten 3,7-cm-Pak hinter<br />

Krupp-Protzen erkennbar sind. Foto: Kadari<br />

Den Verantwortlichen auf deutscher Seite ist<br />

klar, dass die erfolgreiche Bekämpfung dieser<br />

Kampffahrzeuge mit einer Panzerung<br />

von bis zu 60 mm mit der 3,7-cm-Pak nicht<br />

mehr möglich sein würde. Die Arbeit an einem<br />

Nachfolger war bereits angelaufen, die<br />

neue 5-cm-Pak soll den Panzerjägern jedoch<br />

erst Ende 1940 in größeren Mengen zugeführt<br />

werden.<br />

Die Besetzung Böhmens und Mährens<br />

<strong>im</strong> Frühjahr 1939 verschafft dem Deutschen<br />

Reich Zugriff auf wesentliche Teile des<br />

tschechischen Militärs und der dort ansässigen<br />

<strong>Krieg</strong>sindustrie. So ist mit der 4,7-cm-<br />

Pak (t) ein leistungsfähiges Panzerabwehrgeschütz<br />

verfügbar. Im Juni 1940 werden<br />

127 Stück gezählt.Unter Nutzung dieser<br />

Waffe entsteht noch vor dem Angriff auf<br />

Frankreich <strong>im</strong> Frühjahr 1940 die erste Vollketten-Selbstfahrlafette<br />

der Panzerjäger.<br />

GEFÜRCHTET: Auch <strong>im</strong> Wüstenkrieg muss die 8,8-cm-Flak <strong>im</strong> Erdeinsatz eingesetzt werden<br />

und begründet so den „legendären“ Ruf dieses Geschützes. Links neben dem Fahrgestell ist<br />

eine Panzerbüchse 39 erkennbar.<br />

Foto: Kadari<br />

Pak auf Selbstfahrlafette<br />

Die 4,7-cm-Pak (t) wird auf das <strong>im</strong> Wesentlichen<br />

unveränderte Fahrgestell des Pz.Kpfw. I<br />

Ausf. B montiert. Zwar bietet diese Selbstfahrlafette<br />

der Besatzung nur geringen Schutz <strong>gegen</strong><br />

Beschuss, die Waffe an sich gewinnt jedoch<br />

enorm an Beweglichkeit.<br />

Da die deutsche Führung <strong>im</strong> Westen einen<br />

Stillstand der Fronten befürchtet – die<br />

Maginot-Linie erscheint zunächst durchaus<br />

als ernst zu nehmendes Hindernis – werden<br />

zur Bekämpfung der Panzerwerke dieses<br />

Bunkersystems auf deutscher Seite Sonderkonstruktionen<br />

in kleinen Stückzahlen entwickelt.<br />

So stehen bereits 1939 zehn gepanzerte<br />

Selbstfahrlafetten zur Verfügung. Es<br />

handelt sich um leistungsstarke Flakgeschütze<br />

(8,8-cm-Flak) auf s 12 t Zugkraftwagen.<br />

Berichte aus dem Polen-Feldzug schildern<br />

die überlegene Beweglichkeit <strong>im</strong> Vergleich<br />

mit den gezogenen Geschützen der<br />

Heeres-Flak. Ebenfalls für den Erdeinsatz<br />

werden weitere gezogene 8,8-cm-Flak mit einem<br />

Panzerschild versehen. Auch die 8 t<br />

ZugKw sind leicht gepanzert, um einem Beschuss<br />

aus leichten Waffen standhalten zu<br />

können. Da die Feuerkraft dieser Waffen<br />

hoch ist, liegt die Möglichkeit nahe, sie auch<br />

<strong>gegen</strong> Panzer einzusetzen. Mit drei Panzerjäger-Abteilungen<br />

(PzJgAbt 525, 560 und<br />

605) sind 1940 während des Frankreichfeldzugs<br />

33 dieser umgebauten Flak-Geschütze<br />

an der Front. Hier gelingen mehrere Abschüsse<br />

von schweren B1- Panzern.<br />

Der „Westfeldzug“ selbst wird 1940 in<br />

überraschend kurzer Zeit entschieden, da<br />

die Deutschen das Konzept des Gefechts der<br />

verbundenen Waffen effektiv einsetzen. Der<br />

Gegner kann die Vorteile seiner schweren<br />

60


Panzerjäger vor schwieriger Aufgabe<br />

LEGENDE<br />

Pak - Panzerabwehrkanone<br />

FK - Feldkanone<br />

le - leicht<br />

m - mittlere<br />

s - schwer<br />

Sfl. - Selbstfahrlafette, schwach gepanzerter<br />

Geschützträger auf Ketten<br />

Fgst - Fahrgestell<br />

PzJgAbt - Panzerjägerabteilung<br />

Pz.Kpfw. - Panzerkampfwagen<br />

ZgKw - Zugkraftwagen,<br />

Halbketten-Zugmaschine<br />

Panzer nicht ausnutzen. Deutsche Kampfwagen<br />

und Panzerjäger können die einzeln<br />

auftretenden Modelle auf französischer Seite<br />

relativ leicht ausschalten.<br />

Sonderkonstruktionen<br />

Bereits <strong>im</strong> Jahr 1939 haben Entwicklungsarbeiten<br />

an noch schwereren Waffen auf Selbstfahrlafetten<br />

begonnen. Unter der Bezeichnung<br />

Pz.Sfl. IV A („Dicker Max“) werden<br />

zwei schwere 10-cm-Kanonen auf umgebaute<br />

Pz.Kpfw.-IV-Fahrgestelle montiert. Auch<br />

die weit stärkere 12,8-cm-K 40 wird zu Schaffung<br />

von zwei weiteren Selbstfahrlafetten<br />

(Pz.Sfl. V, „Sturer Emil“) verwendet. Als Trägerfahrzeuge<br />

dienen zwei Versuchsfahrgestelle<br />

aus der Entwicklungslinie, die später<br />

zum schweren Panzer „Tiger“ führen wird.<br />

Diese Fahrzeuge wurden zur Zerstörung<br />

schwerer Befestigungen geschaffen.<br />

Zu diesem Zweck werden sie allerdings<br />

nie eingesetzt, denn nach der schnellen militärischen<br />

Niederwerfung Frankreichs <strong>im</strong> Juni<br />

1940 dienen sie während des „Russlandfeldzuges“<br />

bei der PzJgAbt 521 zur Bekämpfung<br />

von Panzern. Beide Entwicklungen<br />

können trotz der leistungsstarken Geschütze<br />

nicht als gelungene Typen gelten. Die Fahrgestelle<br />

sind überfordert, die Motoren sind<br />

zu schwach. Wichtige Komponenten des Antriebs<br />

fallen regelmäßig aus. Trotzdem sind<br />

die gewonnenen Erfahrungen wichtig und<br />

fließen in die weiteren Entwicklungen deutscher<br />

Selbstfahrlafetten ein.<br />

Mit Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion<br />

<strong>im</strong> Sommer 1941 stellt sich heraus,<br />

dass die Planungen des Heereswaffenamtes<br />

unzureichend waren. Die überraschend modernen<br />

russischen Kampfpanzer T-34 und<br />

der noch schwerer gepanzerte KW-1 stellen<br />

die Panzerjäger vor schwierige Aufgaben.<br />

Die 3,7-cm-Pak, das Standardgeschütz des<br />

Heeres, ist überfordert. Und auch die neue<br />

5-cm-Pak 38 erweist sich als weitgehend<br />

wirkungslos. Zeitgenössische Fotos zeigen<br />

KW-Panzer mit 30 und mehr eindeutigen<br />

Treffern beider Kaliber, die wirkungslos abprallten.<br />

BEWÄHRT: Die 7,5-cm-Feldkanone 16 neuer Art ist eine recht moderne Entwicklung und<br />

steht den Infanterie-Reg<strong>im</strong>entern <strong>im</strong> Ersten Weltkrieg in großer Zahl zur Verfügung. Mit diesen<br />

Geschützen ist die Abwehr feindlicher Tanks möglich. Hier eine Aufnahme aus Reichswehrzeiten,<br />

zirka 1934.<br />

Foto: NARA<br />

UNZUVERLÄSSIG: Verfügbare französische<br />

Beutepanzer werden ebenfalls als Sfl. verwendet.<br />

Diese 4,7-cm-Pak (t) auf Pz.Kpfw.<br />

35 R soll sich nicht bewähren, zu anfällig ist<br />

die Technik des französichen Modells.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

AUSGESCHALTET: Dieser französische B1<br />

wird <strong>im</strong> Juni 1940 von 8,8-cm-Flak-Geschützen<br />

der PzJgAbt 525 vernichtet.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

Zum Jahresende 1941 werden Bestrebungen<br />

intensiviert, wirkungsvollere Geschütze<br />

an die Front zu bringen. Parallel zur Entwicklung<br />

neuer Panzerkanonen läuft das<br />

„s Pak“-Programm an. In einer großen Kraftanstrengung<br />

sollen bis Ende Mai 1942 1.000<br />

neue leistungsfähige Panzerabwehrkanonen<br />

an die Truppe geliefert werden:<br />

• 300 Stück 4,2-cm-Pak 41<br />

• 300 Stück 7,5-cm-Pak 40 und 41 sowie<br />

SONDERMODELL: Bereits während des Polenfeldzuges<br />

ist die 8,8-cm-Flak auf 12 to<br />

ZgKw bei der PzJgAbt 8 verfügbar. Diese<br />

Konstruktion verhilft der 8,8-cm-Flak zu ausreichender<br />

Beweglichkeit.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

SCHNAPPSCHUSS: Spätere Selbstfahrlafetten<br />

verwenden die deutsche 7,5-cm-Pak 40.<br />

Dieser „Marder II“ wurde auf ein Pz.Kpfw.-II-<br />

Fahrgestell aufgebaut. Foto: Sammlung Anderson<br />

Clausewitz 2/2014<br />

61


Militär und Technik | Panzerjäger<br />

Sitze für<br />

Richtschütze und<br />

Kommandant<br />

Nur schwach<br />

gepanzerter<br />

Aufbau<br />

7,62 cm Pak (r) auf Pz.Kpfw. 38 (t)<br />

Panzerschutz für Geschütz<br />

Bedienung sitzt <strong>im</strong> Freien<br />

7,62 cm PaK (r) aus<br />

russischen Beständen<br />

Fahrersitz in<br />

Wanne rechts<br />

In den Jahren 1941 und 1942 werden große<br />

Mengen russischer Geschütze erbeutet.<br />

Die 7,62-cm-Pak ist aufgrund ihrer Leistungsdaten<br />

geeignet, übernommen zu werden.<br />

Nach Umbau des Ladungsraumes kann<br />

die deutsche Munition der Pak<br />

40 verschossen werden. Die<br />

Zahl der Beutewaffen geht in<br />

die Tausende. Es ist zweifelhaft, ob<br />

die militärischen Erfolge des Jahres 1942 ohne<br />

diese Waffen möglich gewesen wären. Im<br />

Oktober 1943 werden bei den 151 Infanteriedivisionen<br />

1.450 s Pak gemeldet, die <strong>im</strong> Osten<br />

eingesetzten Einheiten hatten durchschnittlich<br />

neun s Pak, nicht viel für eine Division.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

Gepäckkorb, da wenig<br />

Platz <strong>im</strong> Inneren<br />

125 PS Praga-Motor<br />

in Wanne hinten<br />

• 400 Stück 7,62-cm-Pak 36 (r)<br />

Danach soll ab Herbst eine monatliche<br />

Produktion von 150 Stück 7,5-cm-Pak 40 erreicht<br />

werden – die neue Standardwaffe der<br />

deutschen Panzerjäger.<br />

Einsatz von Beutewaffen<br />

Zwei dieser Geschütze waren von unkonventioneller<br />

Bauart. Sowohl die 4,2-cm-Pak<br />

41 als auch die 7,5-cm-Pak 41 erreichen dank<br />

ihrer Hochgeschwindigkeits-Hartkerngeschosse<br />

(Wolfram) enorme Durchschlagswerte.<br />

Dieses Schwermetall ist jedoch ein<br />

„Mangelstoff“ <strong>im</strong> Deutschen Reich. Wegen<br />

gravierender Engpässe wird die Fertigung<br />

der 4,2-cm-Pak 41 sowie der entsprechenden<br />

Munition bereits Anfang 1943 eingestellt.<br />

Bewährtes Fahrgestell<br />

des Pz.Kpfw. 38 (t)<br />

Die wenigen verfügbaren 7,5-cm-Pak 41<br />

werden mit entsprechenden Einschränkungen<br />

bis <strong>Krieg</strong>sende verwendet.<br />

Zusätzlich werden auf deutscher Seite<br />

große Bestände erbeuteter französischer<br />

Feldkanonen (Canon de 75 mle 1897) zur<br />

Schaffung einer Panzerabwehrwaffe herangezogen.<br />

Dazu wird das Geschützrohr auf<br />

die Lafette der 5-cm-Pak 38 montiert. Nach<br />

leichten Änderungen kann das nun 7,5-cm-<br />

Pak 97/38 genannte Geschütz die deutsche<br />

Hohlladungspatrone 7,5-cm-GrPatr 38 Hl<br />

sowie französische Sprenggeschosse verschießen.<br />

Mit vertretbarem Aufwand wird<br />

auf diese Weise eine Waffe mit ausreichender<br />

Wirkung <strong>im</strong> Ziel entwickelt. Mehr als 1.000<br />

Stück erreichen ab Mai 1942 die Truppe.<br />

Praktikable „Notlösung”<br />

Die Entwicklung und Einführung leistungsfähiger<br />

Panzerabwehrgeschütze geht einher<br />

mit einem kontinuierlichen Gewichtsanstieg.<br />

Während die 3,7-cm-Pak auf festem<br />

Boden noch einigermaßen leicht von der Besatzung<br />

bewegt werden kann, ist das <strong>im</strong><br />

Schlamm oder Schnee kaum mehr möglich.<br />

Die schwereren 5-cm- und 7,5-cm-Geschütze<br />

können nur noch von Zugmaschinen bewegt<br />

werden. Einmal in Stellung gebracht, ist ein<br />

schnelles Herausziehen der Geschütze <strong>im</strong><br />

Notfall illusorisch.<br />

Die Panzerjäger benötigen neue Waffen.<br />

Sturmgeschütze, jene legendäre Unterstützungswaffe<br />

der Infanterie, können der Truppe<br />

1942 nicht zur Verfügung gestellt werden.<br />

Ihre Produktionszahlen sind zu gering.<br />

In dieser Notlage greift das Heereswaffenamt<br />

auf die ersten Erfahrungen mit<br />

Selbstfahrlafetten zurück. Die 4,7-cm-Pak (t)<br />

auf Pz.Kpfw. I haben sich bisher recht gut<br />

geschlagen. Unter Nutzung von Fahrgestellen<br />

veralteter Kampfpanzer gelingt es, die<br />

Panzerabwehr <strong>im</strong> Gelände beweglich zu ma-<br />

UNTERMOTORISIERT: Der „Dicke Max“ ist mit einer 10,5-cm-Kanone<br />

bestückt und scheint den Wünschen der Panzerjägertruppe nach<br />

einer beweglichen schweren Waffe zu entsprechen. Zu schwach motorisiert<br />

soll sich die Pz.Sfl. IVa nicht bewähren. Foto: Sammlung Anderson<br />

HOHE BEWEGLICHKEIT: Die ehemals tschechische 4,7-cm-Pak (t)<br />

soll als erstes Panzerabwehrgeschütz auf eine Selbstfahrlafette<br />

montiert werden. Hier ist ein Fahrzeug der PzJgAbt 605 auf dem<br />

Transport nach Nordafrika abgebildet.<br />

Foto: Hoppe<br />

62


Entwicklung neuer Waffen<br />

GROßES KALIBER: Die<br />

Pz.Sfl. V wird nur in zwei<br />

Exemplaren gebaut. Wie<br />

der „Dicke Max“ soll<br />

auch der „Sture Emil“<br />

eigentlich der Bekämpfung<br />

starker Befestigungen<br />

dienen. Mit einer<br />

12,8- cm-Kanone steht<br />

eine außergewöhnliche<br />

Feuerkraft bereit, auch zur<br />

Bekämpfung von Panzern<br />

auf weite Entfernungen.<br />

Foto: Sammlung Anderson<br />

INFO<br />

Entwicklung der deutschen Panzerabwehrgeschütze 1934 bis 1942<br />

Gebrauchsschussweite<br />

max. Durchschlag auf<br />

Gewicht Schussfolge<br />

100 m 500 m 1.000 m 1.500 m 2.000 m Bemerkungen<br />

3,7-cm-Pak 450 kg k. A. k. A. 34 mm 22,5 mm keine Wirkung keine Wirkung keine Wirkung PzGr 39<br />

4,7-cm-Pak (t) k. A. k. A. k. A. 52 mm 47 mm 40 mm k. A. k. A. Daten unsicher<br />

5-cm-Pak 38 900 kg 15/min 2.000 m 69 mm 59 mm 48 mm 37 mm k. A. PzGr 39<br />

7,5-cm-Pak 97/38 1.190 kg k. A. k. a. 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm k. A. Hohlladung<br />

4,2-cm-Pak 41 560 kg 12/min 1.000 m 100 mm k. A. 40 mm k.A. k. A. konischer Lauf<br />

7,5-cm-Pak 41 1.390 kg k. A. k. A. 198 mm 172 mm 142 mm k. A. k. A. konischer Lauf<br />

7,5-cm-Pak 40 1.425 kg 12-15/min 2.500 m 99 mm 91 mm 81 mm 72 mm 63 mm PzGr 39<br />

7,62-cm-Pak-36 1.620 kg 12-14/min 2.000 m 135 mm 111 mm 94 mm 75 mm 58 mm PzGr 40<br />

chen. Diese Notlösung ist mit vertretbarem<br />

Aufwand verfügbar.<br />

Im Jahr 1942 stehen eine Reihe ausgemusterte<br />

Fahrzeuge für die Schaffung neuer<br />

Selbstfahrlafetten zur Verfügung (Pz.Kpfw.<br />

II und 38 t). Als Bewaffnung kommt nur das<br />

leistungsstarke Kaliber 7,5 cm in Frage. Somit<br />

steht die 7,5-cm-Pak 40 zur Verfügung<br />

und die aufgebohrte russische 7,62-cm-Beutewaffe.<br />

Beide Geschütze werden auf verschiedene<br />

Panzerfahrgestelle lafettiert. Die<br />

folgenden Lösungen werden teils in großen<br />

Stückzahlen produziert:<br />

• 7,62-cm-Pak (r) auf Fahrgestell Pz.Kpfw. II<br />

Ausf. D<br />

• 7,62-cm-Pak (r) auf Fahrgestell Pz.Kpfw. 38 (t)<br />

• 7,5-cm-Pak 40 auf Fahrgestell Pz.Kpfw. II<br />

Ausf. F<br />

Um in dieser kritischen Lage alle Optionen<br />

zu nutzen, werden auch ungewöhnliche Lösungen,<br />

zum Teil in kleinster Stückzahl, gebaut.<br />

Dazu zählen:<br />

• 7,62-cm-FK (r) auf gepanzerte Sfl.<br />

(m ZgKw 5 t, Sd.Kfz. 6)<br />

• 7,5-cm-Pak 40 auf Lorraine-Schlepper<br />

• 4,7-cm-Pak (t) auf Pz.Kpfw. 35 R<br />

Während sich die mit deutschen Panzerfahrgestellen<br />

produzierten Selbstfahrlafetten recht<br />

gut bewähren, leiden die auf französischen<br />

Fahrzeugen basierenden Lösungen an großer<br />

technischer Anfälligkeit und Ersatzteilmangel.<br />

Panzerjäger mit Handicaps<br />

Dem Einsatz dieser Panzerjäger sind naturgemäß<br />

enge Grenzen gesetzt. Verantwortungsvoll<br />

durch einen fähigen Führer in der<br />

Abwehr eingesetzt, können sie die eigenen<br />

Truppen oft sicher schützen. Ihre Geländegängigkeit<br />

ist besser als bei gezogenen Geschützen,<br />

Stellungswechsel können sicher<br />

durchgeführt, Gegenangriffe können begleitet<br />

werden. Die modernen Waffen können jeden<br />

Feindpanzer sicher bekämpfen. In den<br />

Fällen, in denen Panzerjäger-Sfl. jedoch wie<br />

Panzer oder Sturmgeschütze eingesetzt werden,<br />

muss der Einsatz beinahe zwangsläufig<br />

in einer Katastrophe enden. Die Besatzungen<br />

sind nur frontal und seitlich von einer dünnen<br />

Panzerung umgeben und diese hilft nur <strong>gegen</strong><br />

Gewehrschüsse und Splitter.<br />

Auch die Tatsache, dass die Soldaten nicht<br />

ausreichend <strong>gegen</strong> Witterungseinflüsse geschützt<br />

sind, mindert den Kampfwert. Der<br />

weitere Verlauf des <strong>Krieg</strong>es soll die Verantwortlichen<br />

vor die Aufgabe stellen, die Panzerjäger<br />

der Infanterie mit spezialisierten und<br />

leistungsstärkeren Waffen auszurüsten – angesichts<br />

des für das Deutsche Reich ungünstigen<br />

<strong>Krieg</strong>sverlaufes in den Jahren 1943 bis<br />

1945 ein schwieriges Unterfangen.<br />

Thomas Anderson, Jg. 1958, ist als freier Autor tätig<br />

und arbeitet für verschiedene Zeitschriften und Verlage<br />

<strong>im</strong> In- und Ausland. Außerdem unterstützt er namhafte<br />

Modellbau-Hersteller als Fachberater.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

63


Buchvorstellung<br />

Flieger-Asse und Kanonenfutter<br />

Sechs Jagdflieger<br />

erinnern sich<br />

1939–1945: Der Weltkrieg reißt Millionen von Menschen<br />

in seinen zerstörerischen Strudel und hinterlässt prägende<br />

Erinnerungen und Erfahrungen bei denen, die ihn überleben.<br />

Dazu gehören auch sechs deutsche Piloten, die alle<br />

in der zweiten Hälfte des <strong>Krieg</strong>es Kampfeinsätze flogen…<br />

SPEKTAKULÄR: Diese Bildserie zeigt den<br />

Angriff auf eine „Liberator“.<br />

Der Autor und Experte für Luftfahrtgeschichte<br />

Peter Cronauer gibt in seinem<br />

aktuellen Buch „Flieger-Asse und Kanonenfutter.<br />

Deutsche Jagdflieger <strong>im</strong> Zweiten<br />

Weltkrieg“ sechs ehemaligen Piloten den<br />

Raum, ihre Geschichten zu erzählen. Bei diesen<br />

Veteranen handelt es sich um Willi Reschke,<br />

Manfred Leisebein, Karl Friedrich<br />

Schlossstein, Peter Spoden, Gerhard Hanf<br />

und Walter Wolfrum – die letzten beiden sind<br />

inzwischen verstorben und hatten hier das<br />

letzte Mal die Gelegenheit, andere an ihren<br />

Erinnerungen teilhaben zu lassen.<br />

Gemeinsames Merkmal: Überlebt<br />

Dabei geht es nicht nur um Kampfeinsätze<br />

als Jagdflieger, sondern auch darum, wie der<br />

„Fliegervirus“ die sechs späteren Kampfpiloten<br />

packte und wie die fliegerische Ausbildung<br />

bei der Luftwaffe damals ablief. Es ist<br />

somit auch eine Reise zurück in eine andere<br />

Welt. Cronauer schreibt in seinem Vorwort<br />

dazu: „Sechzehnjährigen von heute ist die<br />

Welt der Sechzehnjährigen vor 75 Jahren vermutlich<br />

nur schwer vorstellbar: Keine Handys,<br />

kein Fernsehen, kein Internet … Zeitungen<br />

und Radio best<strong>im</strong>mten die öffentliche<br />

Meinung, ab 1931 konnte man <strong>im</strong> Kino ‚Die<br />

Wochenschau’ sehen, und das ,Reichsministerium<br />

für Volksaufklärung und Propaganda’<br />

leistete ganze Arbeit: Nach<br />

ihrer Machtübernahme perfektionierten<br />

die Nationalsozialisten die ,Gleichschaltung<br />

der Presse’, was nichts anderes<br />

bedeutete als Zensur. Offiziell war<br />

jedenfalls nur das zu erfahren, was man<br />

offiziell erfahren sollte.“<br />

Die jungen Piloten kommen dann ab<br />

der zweiten <strong>Krieg</strong>shälfte zum Einsatz,<br />

„[…] der sie am H<strong>im</strong>mel über Europa<br />

auf oftmals verschlungenen Wegen von<br />

Nordafrika bis ins Polarmeer führte, von der<br />

Kaukasus-Region bis in die Normandie. Am<br />

Tag und bei Nacht, vom Boden bis hinauf in<br />

viele Tausend Meter Höhe. Bis in den Mai<br />

1945. Dabei erlebte jeder von ihnen Extreme<br />

und Situationen, die unser heutiges Vorstellungsvermögen<br />

oftmals übersteigen, und<br />

nach beinahe sechs Jahren <strong>Krieg</strong> hatten sie in<br />

erster Linie eines gemeinsam: überlebt.“<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> druckt <strong>im</strong> Folgenden einen<br />

kleinen Auszug aus dem Buch ab, um<br />

damit den Lesern einen Einblick in die Lebendigkeit<br />

der dort gesammelten Erinnerungen<br />

zu ermöglichen.<br />

Das Eismeergeschwader<br />

Speziell für den Einsatz <strong>im</strong> hohen <strong>Norden</strong><br />

wurde <strong>im</strong> Januar 1942 ein neues Geschwader<br />

aufgestellt. Das JG 5 entstand nicht aus der<br />

leeren Luft heraus, es wurde aus vorhandenen<br />

Verbänden anderer Geschwader neu formiert,<br />

die bisherige 1. (Z)/JG 77 wurde ihm<br />

als Zerstörerstaffel unterstellt. Anfang Februar<br />

kehrte deren Staffelkapitän, Oberleutnant<br />

Felix Maria Brandis, nach längerer Abwesenheit<br />

zur Front zurück. Der erste Einsatz, den<br />

er von Rovaniemi aus zu führen hatte, galt<br />

der Murmanbahn. Acht einsatzbereite Zerstö-<br />

Peter Cronauer:<br />

Flieger-Asse und Kanonenfutter.<br />

Deutsche<br />

Jagdflieger <strong>im</strong> Zweiten<br />

Weltkrieg. 224 Seiten,<br />

München 2013.<br />

Preis: 22,99 EUR<br />

Alle Fotos: Sammlung Peter Cronauer<br />

64


ANGESPANNTE ATMOSPHÄRE: Das Foto fängt das geschäftige Treiben der Jägerleitoffiziere in einem Divisionsgefechtsstand der deutschen<br />

Nachtjagd gut ein.<br />

rer rollten an den Start, in einem davon saß<br />

der zwischenzeitlich zum Oberleutnant beförderte<br />

Karl Friedrich Schlossstein.<br />

„Vor dem Start bot ich Brandis an, die<br />

Staffel zu führen, weil ich, <strong>im</strong> Gegensatz zu<br />

ihm, die Gegend und das Gelände bereits<br />

recht gut kannte. Er meinte jedoch, das sei<br />

nicht nötig, er komme hier ganz gut zurecht,<br />

winkte mich dann aber in rund 1.500 Metern<br />

Höhe zu sich heran und gab mir gestikulierend<br />

zu verstehen, dass er die Orientierung<br />

verloren habe. Unsere Funkverbindung war<br />

ausgefallen, doch seinen Gesten zufolge sollte<br />

ich die Führung übernehmen. Dann tauchte<br />

er aber aus unerfindlichen Gründen plötzlich<br />

nach unten weg und war <strong>im</strong> nächsten<br />

Moment in den Wolken verschwunden.<br />

Zwei Maschinen folgten ihm, die übrigen<br />

blieben bei mir, wir gingen auf Höhe, durchstießen<br />

die Wolkendecke und führten unseren<br />

Einsatz durch. Anschließend brachte ich<br />

uns gesund und heil wieder nach Hause.<br />

Brandis und die beiden anderen Maschinen<br />

blieben jedoch vermisst, man fand sie später<br />

auf einem zugefrorenen See. Womöglich<br />

wollte sich unser Staffelkapitän <strong>im</strong> Tiefflug<br />

neu orientieren. Doch es herrschte jenes gefährlich<br />

diffuse Licht, bei dem H<strong>im</strong>mel und<br />

Erde nahtlos ineinander fließen, insbesondere<br />

<strong>im</strong> Winter über einem zugefrorenen See,<br />

und womöglich kam es so zur Bodenberührung.<br />

Brandis selbst hatte den Aufschlag<br />

nicht überlebt, sein Bordfunker hin<strong>gegen</strong><br />

FLIEGERISCHE GRUNDAUSBILDUNG: Der<br />

junge Manfred Leisebein <strong>im</strong> Februar 1944.<br />

schon, so wie die Besatzungen der beiden<br />

anderen Maschinen auch. Sie hatten eine<br />

Bauchlandung gemacht, waren auf den untergehängten<br />

Bomben dahingeschlittert; alle<br />

fünf wurden gerettet. Der Tod von Oberleutnant<br />

Felix Maria Brandis geht mir noch heute<br />

nahe. Er war nicht nur mein Kamerad und<br />

Staffelkapitän gewesen, er war auch mein<br />

Freund.“<br />

Berichte aus erster Hand<br />

Erinnerungen wie die von Karl Friedrich<br />

Schlossstein gewähren uns einen unmittelbaren<br />

Einblick in das damalige Luftkriegsgeschehen<br />

– direkt und berichtet von denen,<br />

die es mit eigenen Augen gesehen haben.<br />

Dabei entsteht, nicht zuletzt wegen der sechs<br />

individuellen Geschichten, ein vielschichtiges<br />

und durchaus ambivalentes Bild. Der<br />

geographische Bogen spannt sich vom Eismeer<br />

bis zum Mittelmeer, von der Ost- bis an<br />

die Westfront. Es werden verschiedene Einsatzarten<br />

– wie die Nachtjagd – geschildert.<br />

Und das <strong>im</strong>mer authentisch und aus erster<br />

Hand berichtet. Fazit: Die <strong>Krieg</strong>serinnerungen<br />

der Jagdflieger sind spannend zu lesen<br />

und wurden von Peter Cronauer zu einem<br />

schlüssigen Gesamtwerk komponiert.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

65


Spurensuche<br />

Als der <strong>Krieg</strong> ins Paradies kam<br />

Pearl Harbor<br />

damals und heute<br />

FOLGENREICHER<br />

AUGENBLICK: Dieses Bild<br />

aus dem Pacific Aviation Museum<br />

zeigt die Anordnung der<br />

auf der West- und Ostseite von<br />

Ford Island vertauten <strong>Krieg</strong>sschiffe<br />

der US Navy – während<br />

des japanischen Angriffs. Die<br />

Spuren sind bis heute<br />

deutlich sichtbar.<br />

66


7. Dezember 1941: In Pearl Harbor auf<br />

der Hawaii-Insel Oahu sieht um sieben<br />

Uhr alles nach einem friedlichen Sonntag<br />

aus. Keine Stunde später bricht<br />

ein Inferno über das Paradies <strong>im</strong><br />

Pazifik herein. Der japanische Angriff<br />

kostet Tausende Menschenleben und<br />

zieht die USA in den <strong>Krieg</strong> hinein.<br />

Von Walter Kreuzer<br />

HINTERGRUND<br />

Was US-Präsident Franklin D. Roosevelt<br />

am Tag danach vor dem Kongress<br />

als „a date which will live in infamy“<br />

– als „ein Datum, das mit<br />

Niederträchtigkeit verbunden bleiben<br />

wird“ – bezeichnet, ist tatsächlich<br />

der Höhepunkt einer sich über<br />

zehn Jahre hinweg zuspitzenden<br />

Entwicklung: Der japanische Angriff<br />

am 7. Dezember 1941 auf Pearl<br />

Harbor, den US-Marinestützpunkt<br />

der Pazifikflotte auf der Hawaii-Insel<br />

Oahu.<br />

Der Zerfall der Beziehungen zwischen<br />

beiden Ländern beginnt<br />

1931, als japanische Truppen in die<br />

nordchinesische Mandschurei einmarschieren.<br />

Die Regierung ignoriert<br />

amerikanische Proteste, startet<br />

1937 einen Angriff auf das restliche<br />

China und besetzt weite Teile<br />

des Landes. Die USA wie auch andere<br />

Mächte mit Interessen in Südostasien<br />

schrecken dennoch vor<br />

militärischer Gewalt <strong>gegen</strong> Japan<br />

zurück. In den Folgejahren schließt<br />

Der Weg in die Katastrophe<br />

sich das Kaiserreich den Achsenmächten<br />

Deutschland und Italien<br />

an. Der von den Vereinigten Staaten<br />

verstärkte politische und wirtschaftliche<br />

Druck wird von den Japanern<br />

als Gefahr für ihre nationale<br />

Sicherheit ausgelegt. Es wird zwar<br />

weiter verhandelt, doch <strong>im</strong> Sommer<br />

1941 hat sich die Führung „<strong>im</strong> Land<br />

der aufgehenden Sonne“ bereits<br />

für einen <strong>Krieg</strong> <strong>gegen</strong> Amerika entschieden.<br />

Der Angriff auf Pearl Harbor<br />

ist Teil einer großangelegten<br />

Strategie zur Eroberung des westlichen<br />

Pazifik. Ziel ist es, die Pazifikflotte<br />

der USA lahmzulegen, um ungestört<br />

die eigenen Expansionspläne<br />

umsetzen zu können. Die Folge<br />

sind <strong>Krieg</strong>serklärungen der USA an<br />

Japan sowie der Achsenmächte<br />

Deutschland und Italien an die<br />

USA. Innerhalb weniger Tage greift<br />

das Kaiserreich unter anderem<br />

auch das britisch beherrschte Malaysia,<br />

die Philippinen und Neuguinea<br />

an.<br />

GESCHICHTSTRÄCHTIG: Neben dem USS ARIZONA<br />

Memorial erinnern Plattformen an die anderen beschädigten<br />

Schlachtschiffe (rechts). Links ist die<br />

USS MISSOURI zu sehen, auf deren Deck die japanische<br />

Kapitulation unterzeichnet wurde, mit der der<br />

Zweite Weltkrieg offiziell zu Ende ging.<br />

Fotos: Autor<br />

US-Präsident Franklin D. Roosevelt sollte<br />

Recht behalten. Am Tag nach dem<br />

Angriff spricht er <strong>im</strong> fernen Washington<br />

vor dem Kongress von „a date which will<br />

live in infamy“. Es ist also von Schande,<br />

He<strong>im</strong>tücke und Niedertracht die Rede, wie<br />

sich das englische Wort „infamy“ übersetzen<br />

lässt. Der junge Hawaiianer Robert Lee hört<br />

die Worte <strong>im</strong> Radio. Der 20-Jährige hat bis tief<br />

in die Nacht hinein mit einem <strong>im</strong>provisierten<br />

Krankenwagen Verwundete transportiert.<br />

Nun hat ihn der Vorsteher des Bahnhofs der<br />

Marinebasis von Pearl Harbor in die Wohnung<br />

gerufen, um dem Präsidenten zu lauschen.<br />

„Während dieser Rede schaute ich zum<br />

Fenster hinaus auf den Hafen. Dort sah ich<br />

die noch <strong>im</strong>mer brennende USS ARIZONA<br />

vor mir“, erzählt Lee. Bei den Amerikanern<br />

hat sich dieses Datum, genau wie der 11. September<br />

2001, in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.<br />

Nach Jahrzehnten beantwortet Robert Lee<br />

Fragen, von denen ihm die meisten wohl<br />

schon tausendmal gestellt wurden. Er ist einer<br />

der Augenzeugen, die bei Vorträgen und Führungen<br />

oder am USS ARIZONA Memorial ihre<br />

Erinnerungen mit vielen der jährlich 1,5<br />

Millionen Besucher teilen. Wir treffen Lee in<br />

einem Besprechungsz<strong>im</strong>mer des „World War<br />

II Valor in the Pacific National Monuments“.<br />

An der Wand zeigt ein Bild japanische Flugzeuge,<br />

die am 7. Dezember von amerikanischen<br />

Fliegern abgeschossen wurden – handsigniert<br />

von den beteiligten US-Piloten. Von<br />

der Betriebsamkeit, die <strong>im</strong> Besucherzentrum<br />

und auf dem weitläufigen Freigelände zu beobachten<br />

ist, spürt man hier nichts.<br />

Nasses Grab<br />

Wir absolvieren zunächst das straff durchorganisierte<br />

Programm mit dem Besuch der<br />

Gedenkstätte. Diese wurde 1962 errichtet<br />

und besteht aus einem offenen weißen Gebäude<br />

auf einer Plattform. Sie liegt quer über<br />

dem Mittelteil des Wracks der USS ARIZONA,<br />

das <strong>im</strong> flachen Wasser belassen wurde. Der<br />

Ablauf ist <strong>im</strong>-mer der Gleiche: Zunächst<br />

wird ein aufwühlender, 23 Minuten dauernder<br />

Dokumentarfilm über den Angriff gezeigt.<br />

Darin wird auch „the road to war“ anschaulich<br />

beschrieben. Gemeint sind jene<br />

jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen<br />

Japan und den USA auf der diplomatischen<br />

Bühne, die den <strong>Krieg</strong>sausbruch<br />

schon lange als wahrscheinlich erscheinen<br />

ließen. Lediglich Zeitpunkt und Ort lagen <strong>im</strong><br />

Nebel, der sich in den Morgenstunden des 7.<br />

Dezember über Oahu in tragischer Weise<br />

lichten sollte.<br />

Vom Kinosaal geht es direkt auf das Marineboot.<br />

Die Fahrt durch den von <strong>Krieg</strong>sschiffen<br />

gesäumten Hafen hinüber zum Memorial<br />

dauert nur wenige Minuten. Etwas<br />

Clausewitz 2/2014<br />

67


Spurensuche | Pearl Harbor<br />

ORT DES GEDENKENS: Im inneren des Memorial sind die Namen der<br />

1.177 gefallenen Seeleute in eine weiße Marmorwand eingraviert.<br />

BEKLEMMEND: Blick in das Wrack der Arizona.<br />

länger Zeit haben die Besucher in der von<br />

Architekt Alfred Preis, einem gebürtigen<br />

Österreicher, entworfenen Gedenkstätte.<br />

Hinter dem Eingangsraum befindet sich eine<br />

offene Halle, in deren Mitte ein Loch <strong>im</strong> Boden<br />

den Blick auf die USS ARIZONA freigibt,<br />

in der die meisten der 1.177 Besatzungsmitglieder<br />

ihre letzte Ruhestätte gefunden<br />

haben. Durch die offenen Seiten ist das<br />

Wrack zu sehen, die verrosteten Geschütztürme<br />

liegen nur Zent<strong>im</strong>eter unter der Wasseroberfläche.<br />

Im Sonnenlicht sch<strong>im</strong>mern<br />

bunte Ölteppiche, die von einigen Überlebenden<br />

als „black tears“ – schwarze Tränen<br />

– bezeichnet werden. Als das Schlachtschiff<br />

sank, befanden sich 5,3 Millionen Liter Treibstoff<br />

in den Tanks. Davon kommen noch<br />

heute täglich etwa achteinhalb Liter an die<br />

Oberfläche. Im abgeteilten hinteren Teil der<br />

Gedenkstätte sind die Namen aller auf der<br />

USS ARIZONA Getöteten in eine Wand aus<br />

weißem Marmor eingraviert. Das in der Mitte<br />

durchhängende und zu beiden Stirnseiten<br />

wieder ansteigende Dach soll die anfängliche<br />

Niederlage und den schließlich errungenen<br />

Sieg symbolisieren. Das Memorial<br />

drückt eine gewisse Gelassenheit und Leichtigkeit<br />

aus. Dies erlaubt es, ganz persönliche<br />

Antworten zu finden und „über seine innersten<br />

Gefühle nachzudenken“ (Preis).<br />

„Hölle Hawaii“<br />

Auf der Rückfahrt <strong>im</strong> Navy-Boot ist die St<strong>im</strong>mung<br />

gedrückt. Es wird kaum gesprochen.<br />

Das ändert sich, als wir zu Robert Lee kommen.<br />

Der 92-Jährige lässt seinen Erinnerungen<br />

freien Lauf. Er weiß noch genau, wo er in<br />

Honolulu, Waikiki und an der Ostküste mit<br />

seinen Kameraden den Samstagabend verbracht<br />

hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der japanische<br />

Kampfverband aus 33 <strong>Krieg</strong>schiffen<br />

– darunter sechs Flugzeugträger – bereits<br />

elf Tage unterwegs. Unbemerkt hatte er abseits<br />

der üblichen Schifffahrtswege 6.000 Kilometer<br />

zurückgelegt. Jetzt näherte er sich<br />

seinem Ziel 350 Kilometer nördlich von Oahu.<br />

Um sechs Uhr startete die erste Welle mit<br />

183 Jagdflugzeugen und Bombern. Ihre Ziele<br />

HINTERGRUND<br />

Das USS Arizona Memorial in Pearl Harbor<br />

auf der Hawaii-Insel Oahu ist seit einigen Jahren<br />

Teil des „World War II Valor in the Pacific<br />

National Monument“. Hinter dem sperrigen<br />

Namen verbergen sich Standorte auf Hawaii,<br />

in Alaska und in Kalifornien, die sich dem<br />

Zweiten Weltkrieg <strong>im</strong> Pazifik widmen. Der Besucher<br />

betritt das Gelände am Pearl Harbor<br />

Visitor Center, dem gemeinsamen Eingang<br />

mit den benachbarten „Historic Sites“<br />

Schlachtschiff USS Missouri, U-Boot USS<br />

Boufin sowie dem Pacific Aviation Museum.<br />

Der Besuch des USS Arizona Memorials<br />

selbst ist kostenlos, allerdings benötigt man<br />

ein Ticket. Dieses wird auf eine best<strong>im</strong>mte<br />

Uhrzeit ausgestellt. Es empfiehlt sich, es vorab<br />

online zu reservieren, weil die täglich<br />

4.000 Plätze schnell ausgebucht sein können.<br />

Vor Ort kann man sich die Wartezeit mit<br />

einem Bummel durch die Ausstellungen des<br />

Museums vertreiben, ehe das auf 75 Minuten<br />

angelegte Besucherprogramm mit einem<br />

23-Minuten-Film über den Angriff vom 7. Dezember<br />

1941 beginnt. Anschließend wird<br />

waren die verschiedenen Flugplätze auf Oahu:<br />

von Wheeler, Kaneohe und Belows bis<br />

Hickam, wo die Flugzeuge (aus japanischer<br />

Sicht) praktischerweise akkurat aufgereiht<br />

auf dem Rollfeld standen. Mit anderen Worten:<br />

Innerhalb von Minuten waren fast alle<br />

Flugzeuge von Army und Navy zerstört.<br />

Fatale Verwechslung<br />

Die japanischen Maschinen erschienen zwar<br />

auf den Radarschirmen einer Überwachungsstation<br />

an der Nordspitze Oahus. Sie<br />

wurden aber fälschlich für amerikanische<br />

Flugzeuge gehalten, die von Kalifornien aus<br />

eintreffen sollten. Der Weg nach Pearl Har-<br />

Vielbesuchte Gedenkstätte<br />

man mit einer Barkasse innerhalb weniger<br />

Minuten hinüber zum USS Arizona Memorial<br />

gebracht, das über dem Wrack des Schlachtschiffes<br />

errichtet wurde. Ausführliche Infos<br />

sind <strong>im</strong> Internet zu finden: www.nps.gov/valr<br />

MUSEALES NETZWERK: Das USS Arizona<br />

Memorial ist inzwischen Teil des „World<br />

War II Valor in the Pacific National Monument“,<br />

zu dem auch Standorte in Kalifornien<br />

und Alaska zählen.<br />

68


Bomben auf Hawaii<br />

HOCH FREQUENTIERT: Das USS Arizona<br />

Memorial ist über dem Wrack des versenkten<br />

Schlachtschiffes installiert und<br />

zieht jährlich 1,5 Millionen Besucher an.<br />

bor war also frei. Nur: Das Vorhaben, die<br />

dort stationierten Flugzeugträger der US-<br />

Navy zu zerstören, gelang nicht. Sie lagen<br />

nicht <strong>im</strong> Hafen. Allerdings konnten die Angreifer<br />

die <strong>im</strong> Pazifik stationierten Schlachtschiffe<br />

stark beschädigen oder versenken.<br />

Fast alle wurden später repariert und waren<br />

<strong>im</strong> Zweiten Weltkrieg <strong>im</strong> Einsatz.<br />

„Glühende Schiffe“<br />

Wenige Minuten vor acht Uhr begann das Inferno<br />

über der Marinebasis in dem von Zuckerrohrfeldern<br />

umgebenen Nachbarstädtchen<br />

Honolulus. Nun wachte Robert Lee auf.<br />

Seine vier Jahre jüngere Schwester und deren<br />

Freundin hatten bereits einen Torpedoangriff<br />

auf die Schlachtschiffe beobachtet. Die USS<br />

UTAH lag nach einem Treffer mit dem Kiel<br />

nach oben <strong>im</strong> flachen Wasser. „Für mich hörte<br />

es sich an, wie eine Tür, die vom Wind zugeschlagen<br />

wird. Aus dem Fenster sah ich direkt<br />

auf die vielleicht zwei Kilometer entfernte<br />

Battleship Row. Es war sofort klar, dass unsere<br />

Schiffe angegriffen wurden“, erzählt Lee.<br />

Die Flugzeuge warfen die Torpedos ab<br />

und kamen dann über Ford Island auf sein<br />

Elternhaus zu: „Sie waren so tief, dass ich die<br />

Piloten erkennen konnte. Die Schiffe waren<br />

in Tandems angebunden. Die außen liegenden<br />

hatten schwere Treffer abbekommen,<br />

Feuer und dicker schwarzer Rauch waren zu<br />

sehen. Die innen liegenden Schiffe wurden<br />

durch hoch fliegende Bomber angegriffen.<br />

Nun wurde es laut, weil unsere Navy zurückschoss.“<br />

Wenig später habe sich die USS<br />

OKLAHOMA am westlichen Ende von Ford<br />

Island „auf die Seite gelegt und ist schließlich<br />

umgekippt“.<br />

Der 20-Jährige hatte inzwischen das Haus<br />

verlassen und sah vom Garten aus, dass versucht<br />

wurde, die USS NEVADA aus dem Hafen<br />

zu bringen. Fast gleichzeitig traf die USS<br />

ARIZONA eine Bombe, ihr Magazin explodierte,<br />

und „das ganze Schiff, der ganze<br />

Rumpf glühte innerhalb von Sekunden rot.<br />

Als das Schiff in die Luft flog, war ein lautes<br />

Dröhnen zu hören, Flammenzungen schossen<br />

Hunderte Fuß in die Luft. Den Druck der Explosion<br />

konnte ich noch eine Meile entfernt<br />

spüren.“<br />

„Hast Du jemals gesehen, wie ein<br />

Schmied glühendes Eisen bearbeitet?<br />

Oder ein Schweißer bei der Arbeit? Das<br />

ganze Schiff, dessen Wände aus dreißig<br />

Zent<strong>im</strong>eter dicken Stahlplatten bestanden,<br />

nahm innerhalb von Sekunden diese<br />

rote Farbe an. Wenig später flog das ganze<br />

Schiff in die Luft. Unglaublich hohe und<br />

heiße Feuersäulen schossen heraus.“<br />

Robert Lee beobachtete von seinem Elternhaus,<br />

wie die USS ARIZONA getroffen wurde und innerhalb<br />

von neun Minuten sank.<br />

Torpedotreffer und Explosionen waren<br />

jetzt überall auf der Basis zu beobachten. In<br />

ihrer Not sprangen viele Matrosen in das mit<br />

Öl und Treibstoff bedeckte Wasser. „Viele<br />

waren verletzt oder hatten schwere Verbrennungen.<br />

Die Seeleute, die herausgefischt<br />

wurden, waren mit Öl bedeckt. Sie wurden<br />

zu dem Pier in unserer Nähe gebracht. Meine<br />

Mutter, ich und die Mädchen wuschen sie<br />

mit Seife ab. Kaum war das geschehen,<br />

Clausewitz 2/2014<br />

69


Historisch, authentisch, …<br />

Spurensuche | Pearl Harbor<br />

INFORMATIV UND MAHNEND: Dieser<br />

Wegweiser am Besucherzentrum des National<br />

Monument zeigt oben die Entfernungen<br />

von Hawaii nach Asien und Amerika.<br />

Die kleinen Schilder unten weisen auf<br />

Orte – vorwiegend auf Hawaii – hin, die<br />

<strong>im</strong> Zusammenhang mit dem Angriff vom<br />

7. Dezember stehen.<br />

gingen viele zurück auf ein Boot, um weiter<br />

zu kämpfen.“<br />

Der Tiger ist einer der kampfstärksten und bekanntesten Panzer des Zweiten<br />

Weltkriegs. Dieses herausragend illustrierte Handbuch rekonstruiert<br />

anhand von Originalquellen aus dem Bundesarchiv und dem Nationalarchiv<br />

der USA die Geschichte und Bedeutung des Tigers. Es analysiert dessen<br />

Waffensystem, seine Stärken und Schwächen, wertet Erfahrungsberichte<br />

aus der <strong>Krieg</strong>szeit aus und bietet aufschlussreiche Vergleiche mit den Fahrzeugen<br />

der Gegner.<br />

160 Seiten · ca. 220 Abb. · 19,3 x 26,1 cm<br />

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sFr. 27,90 € 19,99<br />

ISBN 978-3-86245-731-1<br />

Invasion der Japaner?<br />

Der Angriff der Japaner dauerte etwa eine<br />

halbe Stunde. Nach einer Pause folgte eine<br />

zweite Welle mit etwa 150 erneut angreifenden<br />

Flugzeugen – und fünf amerikanischen,<br />

wie Lee weiß:<br />

„Sie standen auf einem kleinen Flugplatz<br />

<strong>im</strong> <strong>Norden</strong>, der nicht angegriffen worden<br />

war. Diese Flugzeuge der U.S. Army kamen<br />

direkt über Pearl Harbor geflogen. Und alles,<br />

was noch schießen konnte, feuerte auf<br />

unsere eigenen Flugzeuge. Wir hatten<br />

Glück, dass sich die Japaner nach der zweiten<br />

Welle zurückzogen. In der Nähe gab es<br />

andere potenzielle Ziele wie die Treibstofftanks<br />

der Navy, eine U-Boot-Basis oder das<br />

Trockendock.“<br />

Auch als eBook<br />

erhältlich<br />

Faszination Technik<br />

www.geramond.de<br />

oder gleich bestellen unter<br />

Tel. 0180-532 16 17 (0,14 €/Min.)<br />

Literaturtipp<br />

Das Buch „Pearl Harbor – from Fishponds to<br />

Warships, a complete illustrated History“ des<br />

Historikers Allan Seiden stellt den 7. Dezember<br />

1941 zwar in den Mittelpunkt. Die Ereignisse<br />

werden aber eingebettet in die Entwicklungen,<br />

die zu dem Angriff führten, ergänzt um die Geschichte<br />

von Pearl Harbor vor und nach dem<br />

<strong>Krieg</strong>. Geprägt wird das 115 Seiten umfassende<br />

Buch zudem von zahlreichen beeindruckenden<br />

Fotos. Es ist 2001 <strong>im</strong> Verlag Mutual Publishing,<br />

Honolulu, erschienen und erfuhr seither mehr<br />

als ein Dutzend Neuauflagen.


FAKTEN<br />

Der Zweite Weltkrieg <strong>im</strong> Pazifik beginnt<br />

Stichpunkte zum Angriff auf Pearl Harbor<br />

USS Arizona: Das über dem Wrack montierte<br />

Memorial markiert die Ruhestätte<br />

von 1.102 der 1.177 Seeleute, die be<strong>im</strong><br />

Untergang des Schlachtschiffes am 7. Dezember<br />

1941 ums Leben kamen. 337 Besatzungsmitglieder<br />

konnten sich retten.<br />

Japanische Truppenstärke: 6 Flugzeugträger;<br />

2 Schlachtschiffe; 3 Kreuzer; 9 Zerstörer;<br />

6 U-Boote; 441 Kampfflugzeuge.<br />

Amerikanische Truppenstärke:<br />

8 Schlachtschiffe; 8 Kreuzer; 29 Zerstörer;<br />

9 U-Boote; 391 Kampfflugzeuge.<br />

Japanische Verluste: 15 Sturzbomber<br />

Aichi D3A1 „Val“; 9 Jäger Mitsubishi<br />

A6M2 „Zero“, 5 Bomber Nakaj<strong>im</strong>a B5N2<br />

„Kate“; 5 gesunkene Mini-U-Boote; 55 Piloten<br />

und Flugzeugbesatzungen; 9 Seeleute<br />

in Mini-U-Booten; 1 Gefangener.<br />

Amerikanische Verluste: 5 gesunkene<br />

Schlachtschiffe; 3 Schlachtschiffe, 3 Kreuzer<br />

und 3 Zerstörer beschädigt; 188 zerstörte<br />

Kampfflugzeuge; 155 beschädigte<br />

Kampfflugzeuge; 2.403 Tote; 1.178 Verletzte.<br />

… spannend.<br />

224 Seiten · ca. 40 Abb. · 14,3 x 22,3 cm<br />

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ISBN 978-3-86245-149-4<br />

WAFFE DES GEGNERS: Im Pacific Aviation Museum ist unter anderem ein Kampfflugzeug<br />

des Typs Mitsubishi A6M2 „Zero“ ausgestellt. Von diesem Modell waren 75 am Angriff<br />

auf Pearl Harbor beteiligt.<br />

Die Befürchtung, dass eine Invasion der<br />

Japaner bevorsteht, hielt sich auf Oahu noch<br />

einige Tage. In der Zwischenzeit wurde sich<br />

um Verletzte und Schäden gekümmert. Lee<br />

schloss sich einem Freund an, der den Lieferwagen<br />

einer Apotheke als Ambulanz<br />

nutzte: „Wir fuhren nach Hickam Airfield,<br />

um Verwundete zu versorgen und einzusammeln.<br />

Als es Nacht wurde, haben wir<br />

Frauen und Kinder in einem Konvoi von der<br />

Basis weggebracht, weil man einen weiteren<br />

Angriff befürchtete. Wir waren ohne<br />

Licht unterwegs. Ich lief einen Meter vor<br />

dem Auto her, um meinem Kumpel den<br />

Weg zu zeigen. Irgendwie schafften wir es,<br />

zum Depot der Hawaii Territorial Guard –<br />

wir waren damals ja noch kein Bundesstaat<br />

– zu kommen.“ Was er dort sah, lässt<br />

den alten Mann noch Jahrzehnte später den<br />

Kopf schütteln: „Die jungen Männer bekamen<br />

Gewehre und Munition in die Hand gedrückt,<br />

aber keine Einweisung. Manche ballerten<br />

in der Halle rum.“ Die Situation rund<br />

um Pearl Harbor entspannte sich erst Tage<br />

später etwas. „Während des vierten Tages<br />

hörten wir ein lautes dröhnendes Geräusch<br />

von vielen Flugzeugen. Wir waren uns sicher,<br />

dass dies der befürchtete Angriff sei.<br />

Sie flogen alle direkt über Honolulu. Tatsächlich<br />

hatte aber die Navy alle Flugzeuge,<br />

die sie an der Westküste bekommen konnte,<br />

nach Hawaii verlegt. Da erst wurde uns klar,<br />

dass wir nicht angegriffen wurden. Wenig<br />

später wurde die Hawaiian Sea Frontier aufgebaut,<br />

die organisierte Verteidigung Oahus“,<br />

berichtet Robert Lee. Zu diesem Zeitpunkt<br />

befanden sich das Kaiserreich Japan<br />

und die USA längst offiziell <strong>im</strong> <strong>Krieg</strong> miteinander.<br />

Walter Kreuzer, Jg. 1963, ist Redakteur und Autor von<br />

Reportagen mit dem Schwerpunkt Nordamerika. Für<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong> reiste er exklusiv nach Hawaii.<br />

224 Seiten · ca. 70 Abb. · 14,3 x 22,3 cm<br />

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Clausewitz 2/2014


Feldherren<br />

Augustus<br />

Roms erster Kaiser<br />

14 n. Chr.: Vor zweitausend Jahren stirbt Octavius, besser bekannt unter seinem Ehrentitel<br />

„Augustus“. Noch heute gehört er zu den berühmtesten Personen der Antike, nicht<br />

zuletzt wegen seiner Erfolge als Feldherr.<br />

Von Daniel Carlo Pangerl<br />

Wir schreiben das erste Jahrhundert<br />

v. Chr.: Ein großer Teil Europas wird<br />

von den Römern beherrscht. Das<br />

Imperium Romanum erstreckt sich von der<br />

Iberischen Halbinsel über Italien und Griechenland<br />

bis nach Kleinasien und Nordafrika.<br />

Es umfasst somit beinahe den gesamten<br />

Mittelmeerraum. Im Gegensatz zu seiner beeindruckenden<br />

flächenmäßigen Ausdehnung<br />

ist die politische und juristische Organisation<br />

aber geradezu provinziell: Die Verfassung<br />

dieses Gebildes ist <strong>im</strong>mer noch auf eine einzige<br />

Stadt ausgerichtet, nämlich auf Rom,<br />

und geht langsam zugrunde. Das alte römische<br />

Militärwesen besteht weitgehend aus einer<br />

Bürgermiliz, die sich selbst ausrüstet. Diese<br />

reicht aber mittlerweile nicht mehr aus, um<br />

Aufstände <strong>im</strong> Reichsinneren niederzuschlagen<br />

und die Grenzen <strong>gegen</strong> Feinde von außen<br />

zu schützen.<br />

Vermögende ambitionierte Politiker erkennen<br />

die Gunst der Stunde, indem sie Soldaten<br />

mit ihren eigenen finanziellen Mitteln<br />

ausbilden, bezahlen und mit Waffen und<br />

Rüstungen ausstatten. Sie agieren oftmals<br />

selbst als Feldherren und setzen ihre Truppen<br />

ohne Skrupel ein, um die eigenen<br />

Machtbereiche zu vergrößern. Eine herausragende<br />

Stellung nehmen dabei Gaius Iulius<br />

Caesar, Marcus Licinius Crassus und Gnaeus<br />

Pompeius Magnus ein. Diese schließen 60 v.<br />

Chr. ein inoffizielles Bündnis: Das „Erste Triumvirat“.<br />

Elf Jahre später kommt es zu einem<br />

blutigen Bürgerkrieg, aus dem schließlich<br />

der brillante Militärstratege Caesar als<br />

Sieger hervorgeht. Er wird vom Senat zum<br />

Diktator auf Lebenszeit ernannt. Dabei steht<br />

er jedoch unter dem Verdacht, den Königstitel<br />

anzustreben und eine erbliche Monarchie<br />

72


FAKTEN<br />

Das römische Militär unter Augustus<br />

Während seiner Herrschaft führt Octavius-Augustus eine<br />

Reihe von militärischen Reformen durch. Die<br />

schlagkräftige römische Berufsarmee umfasst Mitte<br />

des 1. Jahrhunderts v. Chr. 60 Legionen. Eine Legion<br />

hat damals eine durchschnittliche Stärke von rund<br />

5.000 Soldaten (großteils schwere Infanterie sowie eine<br />

kleine Abteilung Legionsreiterei, Hilfstruppen nicht<br />

eingerechnet). Nach der Schlacht bei Actium 31 v. Chr.<br />

verringert Octavius diese Zahl auf<br />

28 Legionen, denn eine<br />

Beibehaltung<br />

der<br />

alten Truppenstärke würde die Finanzkraft Roms auf<br />

Dauer überfordern. Um diese Truppenreduzierung zu<br />

kompensieren, siedelt Octavius in mehreren Teilen des<br />

Reiches Veteranen an. Dies sind ausgediente Soldaten,<br />

die eine Parzelle mit Ackerland zugewiesen bekommen<br />

haben und <strong>im</strong> militärischen Bedarfsfall eingesetzt<br />

werden können. Überdies richtet Octavius eine Militärkasse<br />

ein, um die Veteranen angemessen zu entlohnen.<br />

Be<strong>im</strong> Tod des Herrschers 14 n. Chr. gibt es nur<br />

noch 25 Legionen: Die drei Legionen, die 9 n. Chr. in<br />

der Varusschlacht sterben, werden nicht mehr<br />

ersetzt. Als Berufsoffiziere beschäftigt Octavius<br />

Zenturionen. Damit er sich der uneingeschränkten<br />

Loyalität seiner Truppen<br />

sicher sein kann, muss jeder<br />

Legionär einen persönlichen Eid<br />

auf den Herrscher schwören.<br />

Zur Stabilisierung seiner Macht<br />

stationiert der erste Kaier seit<br />

Beginn seines Prinzipats 27<br />

v. Chr. auch in Rom Truppen:<br />

eine Leibgarde sowie drei<br />

städtische Kohorten zu je<br />

1.000 Mann. Dies ist eine<br />

unerhörte Neuerung, denn in<br />

Zeiten der Republik war es<br />

verboten, dass ein römischer<br />

Bürger über bewaffnete Soldaten<br />

innerhalb der Stadtgrenze<br />

von Rom verfügt.<br />

LEISTUNGSFÄHIGE LEGIONEN:<br />

Die Militärmaschinerie des Reiches<br />

ist effizient und auf dem Feld<br />

jedem Gegner überlegen. Die Rekonstruktionszeichnung<br />

zeigt Soldaten<br />

des Imperiums zur Zeit des Augustus<br />

in Angriffsformation – die<br />

gut ausgerüsteten und trainierten<br />

Truppen verbreiten oft allein durch<br />

ihr Auftreten Panik be<strong>im</strong> Gegner.<br />

RÖMER MIT REPUTATION: Der<br />

Großneffe und Erbe Caesars gehört<br />

zu den populärsten Gestalten<br />

der Antike. Augustus ist Politiker,<br />

erster Kaiser, Kunstförderer und<br />

nicht zuletzt ein erfolgreicher Feldherr.<br />

Unser Bild zeigt einen Teil<br />

der bekannten „Augustusstatue<br />

von Pr<strong>im</strong>aporta“.<br />

Foto: picture alliance/CHROMORANGE<br />

73


Feldherren<br />

MORD MIT FOLGEN: Das Attentat auf Caesar 44. v. Chr. (Ölgemälde von Friedrich Fueger) führt zu Machtkämpfen innerhalb des<br />

Imperiums – eines Reiches, dessen physische Ausdehnung nicht mehr kompatibel mit dem bisherigen politischen Konzept der Republik ist.<br />

Am Ende steht das Prinzipat des Augustus.<br />

Abb.: picture-alliance/AKG<br />

errichten zu wollen. Dies wird ihm am 15.<br />

März 44 v. Chr. („Iden des März“) zum Verhängnis:<br />

Eine Gruppe von Verschwörern erdolcht<br />

Caesar während einer Senatssitzung.<br />

Eine entscheidende Rolle bei den jetzt folgenden<br />

Machtkämpfen spielt Octavius<br />

(Octavian), der später den Ehrentitel „Augustus“<br />

erhält.<br />

Erste Karriereschritte<br />

Der am 23. September 63 v. Chr. in Rom geborene<br />

Gaius Octavius entstammt einer römischen<br />

Adelsfamilie. Seine Großmutter<br />

mütterlicherseits ist Caesars Schwester Iulia.<br />

Nachdem Octavius schon <strong>im</strong> Alter von vier<br />

Jahren seinen Vater verliert, wächst er auf<br />

dem Landgut der Iulier auf. Sein politischmilitärisches<br />

Talent wird von seinem Großonkel<br />

Caesar gefördert: 46 v. Chr. begleitet er<br />

„Eile langsam! Ein vorsichtiger Heerführer ist<br />

besser als ein waghalsiger.“<br />

Zitat des Augustus, überliefert durch den römischen Schriftsteller Sueton<br />

Caesar auf dessen Spanienfeldzug. Zwei Jahre<br />

später n<strong>im</strong>mt Octavius an den Vorbereitungen<br />

für den geplanten Kampf <strong>gegen</strong> das<br />

iranische Volk der Parther teil. Er bekleidet<br />

bereits das hohe militärische Amt eines „magister<br />

equitum“ („Reiterführer“). Im März<br />

44 v. Chr., als Octavius gerade am Balkan auf<br />

Caesar wartet, um den Partherfeldzug zu beginnen,<br />

erfährt er von Caesars Ermordung.<br />

Die besondere Wertschätzung des Toten<br />

zeigt sich eindrucksvoll in dessen Testament:<br />

Er adoptiert Octavius posthum und ernennt<br />

ihn zu seinem Haupterben.<br />

<strong>Krieg</strong> <strong>gegen</strong> Caesars Mörder<br />

Der gerade einmal 19 Jahre alte Octavius ist<br />

fest entschlossen, die Nachfolge Caesars anzutreten<br />

und dessen Mörder zur Rechenschaft<br />

zu ziehen. Wie die Ereignisse der<br />

nächsten Jahre zeigen, meistert er diese kühne<br />

Herausforderung mit Bravour. Seinen<br />

Machtanspruch unterstreicht Octavius, indem<br />

er den Namen „Gaius Iulius Caesar“<br />

ann<strong>im</strong>mt. Um Verwechslungen mit dem<br />

gleichnamigen Großonkel auszuschließen,<br />

nennen ihn die römischen Geschichtsschreiber<br />

„Octavianus“ („gewesener Octavius“).<br />

Unter dem Namen „Octavianus“ (eingedeutscht:<br />

„Octavian“) ist Octavius bis heute<br />

bekannt.<br />

Nach Caesars Tod gibt es in Rom zunächst<br />

drei große politische Gruppierungen,<br />

die sich <strong>gegen</strong>seitig bekämpfen: Die Republikaner,<br />

denen ein Großteil der Senatoren<br />

angehört, die Anhänger Caesars (Caesarianer),<br />

die sich um die Feldherren Marcus Antonius<br />

und Marcus Aemilius Lepidus gruppieren,<br />

sowie die Caesarmörder, die von<br />

Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius<br />

Longinus angeführt werden. In dieser<br />

Machtkonstellation kann Octavius sein testamentarisch<br />

festgeschriebenes Erbe noch<br />

nicht antreten, sondern muss sich erst politisch-militärisch<br />

behaupten. Seine erste Feuerprobe<br />

als Feldherr besteht er am 21. April<br />

43 v. Chr.: Octavius siegt mit Unterstützung<br />

der Republikaner in der Schlacht bei Mutina<br />

74


Gegen Marcus Antonius<br />

(heutiges Modena) in Norditalien über Antonius.<br />

Dennoch verbündet er sich aus taktischem<br />

Kalkül mit den Caesarianern, um die<br />

Caesarmörder in einem Bürgerkrieg zu beseitigen.<br />

Am 27. November desselben Jahres<br />

schließt Octavius mit seinen ehemaligen<br />

Gegnern Antonius und Lepidus ein Bündnis:<br />

Das „Zweite Triumvirat“, vergleichbar mit<br />

dem „Ersten Triumvirat“ von Caesar, Crassus<br />

und Pompeius.<br />

Kurz darauf erreicht der Bürgerkrieg <strong>gegen</strong><br />

die Caesarmörder seinen Höhepunkt:<br />

Bei Philippi, einer antiken Stadt <strong>im</strong> Osten<br />

Makedoniens, kommt es 42 v. Chr. zu zwei<br />

Schlachten. Octavius und Antonius verfügen<br />

gemeinsam über etwa 100.000 Fußsoldaten<br />

und 13.000 Reiter, die Caesarmörder über<br />

circa 80.000 Fußsoldaten und 20.000 Reiter.<br />

Die erste Schlacht findet vermutlich am 3.<br />

Oktober statt. Im <strong>Norden</strong> stehen sich die<br />

Truppen von Octavius und Brutus <strong>gegen</strong>über,<br />

<strong>im</strong> Süden die Truppen von Antonius<br />

und Cassius. Brutus gelingt es, Octavius zurückzudrängen.<br />

Antonius besiegt Cassius,<br />

der sich daraufhin das Leben n<strong>im</strong>mt. Nun<br />

eilt Antonius Octavius zu Hilfe: Gemeinsam<br />

können sie dieses Gefecht für sich entscheiden.<br />

In der zweiten Schlacht, die sich vermutlich<br />

am 23. Oktober ereignet, erleiden die<br />

Truppen des Brutus eine verheerende Niederlage.<br />

Brutus begeht Selbstmord, die Reste<br />

seiner dez<strong>im</strong>ierten Armee laufen zu Octavius<br />

und Antonius über. Überdies meistert<br />

spätere „Augustus“ eine weitere Herausforderung:<br />

Er siegt <strong>im</strong> Perusinischen <strong>Krieg</strong>. Sein<br />

militärischer Gegner ist eine politische Partei<br />

von Unzufriedenen mit Lucius Antonius,<br />

dem Bruder des Marcus Antonius, an der<br />

Spitze. Die entscheidende Schlacht findet <strong>im</strong><br />

Winter 41/40 v. Chr. in Perusia (heutiges Perugia)<br />

in Mittelitalien statt.<br />

Das Zweite Triumvirat<br />

Als die Caesarmörder vernichtend geschlagen<br />

sind, steht dem Zweiten Triumvirat der<br />

Weg zur Herrschaft frei. Im Herbst 40 v. Chr.<br />

werden <strong>im</strong> Vertrag von Brundisium (heutiges<br />

Brindisi) die von Rom beherrschten Gebiete<br />

dreigeteilt: Octavius erhält den Westen,<br />

Antonius den Osten, Lepidus Nordafrika.<br />

Erst Freund, dann Feind:<br />

Antonius (82–30 v. Chr.) kämpft<br />

zusammen mit Octavius <strong>gegen</strong> die<br />

Caesarmörder und erhält danach<br />

den Osten des Reiches. Nach dem<br />

Bruch zwischen den ehemaligen<br />

Verbündeten kommt es zur militärischen<br />

Auseinandersetzung.<br />

Abb.: picture-alliance/Mary Evans Picture Library<br />

TÖDLICHES ENDE: Brutus – einer der Caesarmörder und Gegner des Octavius – begeht<br />

42 v. Chr. nach seiner Niederlage bei Philippi Selbstmord. Zeichnung mit dem Titel „Brutus<br />

stürzt sich in sein Schwert“.<br />

Abb.: picture-alliance/Mary Evans Picture Library<br />

Hiervon ausgenommen ist Italien, das allen<br />

drei Mitgliedern des Triumvirats zur Aushebung<br />

von Truppen zur Verfügung stehen<br />

soll. Octavius erachtet diese Übereinkunft<br />

als ein reines Zweckbündnis, als eine Zwischenetappe<br />

auf dem Weg zur angestrebten<br />

Alleinherrschaft. Schon bald kann er Lepidus<br />

entmachten und einige weitere Gegenspieler<br />

ausschalten.<br />

Nun bleibt Octavius nur noch ein mächtiger<br />

Kontrahent: Marcus Antonius. Dieser ist<br />

seit 40 v. Chr. mit Octavia, der Schwester des<br />

Octavius, verheiratet. Antonius hält sich zeitweise<br />

in Ägypten auf, wo er eine Liason mit<br />

der ägyptischen Königin Kleopatra VII. beginnt.<br />

In Rom verschlechtert sich sein Ansehen<br />

<strong>im</strong>mer mehr, insbesondere weil sich Antonius<br />

zu Gunsten Kleopatras von Octavia<br />

trennt und der ägyptischen Herrscherin<br />

mehrere römische Gebiete schenkt. Für Octavius<br />

ist dies eine ideale Steilvorlage: Er<br />

macht sich die Eskapaden seines Widersachers<br />

zunutze, um diesen weiter in Verruf zu<br />

bringen. Beispielsweise veröffentlicht er das<br />

Testament des Antonius: Darin ist zu lesen,<br />

dass Antonius nicht in Rom, sondern in<br />

Ägyptens Hauptstadt Alexandria neben<br />

Kleopatra beerdigt werden möchte. Gegenüber<br />

der empörten römischen Bürgerschaft<br />

kann sich Octavius geschickt<br />

zum Hüter des Reiches stilisieren<br />

und gleichzeitig Antonius als Vaterlandsverräter<br />

brandmarken.<br />

Eine militärische Auseinandersetzung<br />

zwischen den beiden wird<br />

unausweichlich: 32 v. Chr. kommt es<br />

zum Ptolemäischen <strong>Krieg</strong>. Der Name<br />

dieses <strong>Krieg</strong>es leitet sich vom ägyptischen<br />

Königsgeschlecht der Ptolemäer ab,<br />

Clausewitz 2/2014<br />

75


Feldherren<br />

FAKTEN<br />

Kämpfe<br />

21.4.43 v. Chr.: Schlacht bei Mutina<br />

Oktober 42 v. Chr.: Doppelschlacht bei Philippi<br />

Winter 41/40 v. Chr.: Schlacht von Perusia<br />

3.9.36 v. Chr.: Schlacht bei Naulochus<br />

2.9.31 v. Chr.: Schlacht bei Actium<br />

Herbst 9 n. Chr.: Varusschlacht<br />

ENTSCHEIDUNGSSCHLACHT ZUR SEE: In der Seeschlacht bei Actium (31. v. Chr.) kann<br />

Octavius die vereinigte Flotte von Antonius und Kleopatra zerschlagen. Der Ptolemäische<br />

<strong>Krieg</strong> ist damit zugunsten von Caesars Großneffen entschieden. Antonius begeht kurz darauf<br />

in Alexandria Suizid. Illustration des Gefechts aus dem 19. Jhd. Abb.: akg/North Wind Pictures Archives<br />

das einst von Ptolemäus I., einem General<br />

Alexanders des Großen, begründet wurde,<br />

und dem auch Kleopatra entstammt.<br />

Der Ptolemäische <strong>Krieg</strong><br />

Während Octavius bei seiner <strong>Krieg</strong>führung<br />

auf Rom bauen kann, muss Antonius vor allem<br />

auf die Unterstützung und Versorgung<br />

aus Ägypten, Syrien und Kleinasien vertrauen.<br />

Antonius überlegt, von Griechenland aus<br />

seinen Gegner an der italienischen Adriaküste<br />

anzugreifen. Dieser Plan wird aber aus<br />

Gründen, die uns nicht überliefert sind, nicht<br />

realisiert. 31 v. Chr. erreicht der Ptolemäische<br />

<strong>Krieg</strong> seine entscheidende Phase: Bei Actium<br />

ereignet sich eine der berühmtesten<br />

Schlachten der gesamten Antike. Beide Seiten<br />

rüsten sich zum Gefecht: Antonius errichtet<br />

sein militärisches Hauptlager auf<br />

dem Peloponnes, einer Halbinsel <strong>im</strong> Süden<br />

Griechenlands. Octavius und sein Flottenkommandant<br />

Marcus Vipsanius Agrippa<br />

sammeln ihre Truppen in Süditalien. Agrippa<br />

erkennt eine eklatante Schwachstelle des<br />

Feindes: dessen leicht zu blockierende Versorgungswege.<br />

Daher fährt er mit Teilen seiner<br />

Flotte Richtung Korinth, um das Militär<br />

des Antonius vom Nachschub abzuschneiden.<br />

Überdies gelingt es Agrippa, durch Angriffe<br />

auf mehrere griechische Inseln die gegnerischen<br />

Truppen abzulenken. Somit können<br />

die Militärkontingente des Octavius<br />

weitgehend unbehelligt an der griechischen<br />

Küste landen. Wegen dieser Konstellation ist<br />

Antonius gezwungen, zu reagieren: Er stationiert<br />

seine Flotte und seine Legionen bei<br />

Actium am Ambrakischen Golf <strong>im</strong> Nordwesten<br />

Griechenlands. Octavius und Agrip-<br />

pa steuern jetzt mit ihren Flottenkontingenten<br />

ebenfalls auf Actium zu. Im Spätsommer<br />

kommt es dort zur Schlacht. Die Flotte des<br />

Antonius besteht aus etwa 170 Schiffen,<br />

großteils schwere <strong>Krieg</strong>sschiffe. Octavius<br />

und Agrippa verzichten aus taktischem Kalkül<br />

weitgehend auf schwere Schiffe; stattdessen<br />

setzen sie auf leichte, wendige Gefährte:<br />

Ihre Flotte umfasst ungefähr 260 Fahrzuege.<br />

Gesicherte Aussagen zu den Truppenstärken<br />

sind auf Grund der ungenauen Angaben in<br />

den antiken Schriftquellen nicht möglich.<br />

Seit dem 29. August liegen sich die gegnerischen<br />

Flottenverbände in Wartestellung <strong>gegen</strong>über.<br />

Jedoch macht der stürmische Seegang<br />

eine übersichtliche Kampfführung zunächst<br />

unmöglich.<br />

Erst am 2. September beginnt die<br />

Schlacht: Die Flotte des Antonius bewegt<br />

sich langsam in Richtung der Gegner. Er erkennt<br />

aber zunächst nicht, dass die von<br />

Octavius bzw. Agrippa befehligten Flottenkontingente<br />

zwei unterschiedliche Taktiken<br />

anwenden: Agrippa befiehlt seiner Flotte einen<br />

Scheinrückzug. Ein Teil der gegnerischen<br />

Streitmacht folgt Agrippa, wodurch<br />

die Verteidigungslinie, welche die Schiffe<br />

des Antonius bilden, aufgelöst wird. Jetzt<br />

greift das Aufgebot des Octavius den verbleibenden<br />

Teil der feindlichen Flotte an. Dabei<br />

kann sie ihre Überzahl und Wendigkeit<br />

gnadenlos ausspielen. Dies hat fatale Folgen<br />

für den Schlachtenverlauf: Die Verluste der<br />

Flotte des Antonius häufen sich <strong>im</strong>mer mehr.<br />

HINTERGRUND<br />

Der 64 oder 63 v. Chr. geborene<br />

Marcus Vipsanius Agrippa ist ein römischer<br />

Feldherr und Politiker. Von<br />

besonderer Bedeutung sind seine<br />

herausragenden Leistungen als Flottenkommandant<br />

<strong>im</strong> Dienst von Octavius-Augustus.<br />

Bereits als Jugendlicher<br />

lernt er den etwa gleichaltrigen<br />

Octavius kennen: Gemeinsam besuchen<br />

sie eine Rhetorikschule in Rom<br />

und gemeinsam dienen sie anschließend<br />

<strong>im</strong> Heer des Gaius Iulius Caesar.<br />

Im Bürgerkrieg <strong>gegen</strong> die Caesarmörder<br />

ist Agrippa der wichtigste<br />

militärstrategische Berater des<br />

Agrippa – Der geniale Flottenkommandant<br />

Octavius. 39/38 v. Chr. wird er Statthalter<br />

in Gallien. Schon bald beruft<br />

ihn Octavius wieder nach Rom, denn<br />

er benötigt für seine <strong>Krieg</strong>führung eine<br />

schlagkräftige Flotte. Agrippa<br />

lässt neue Schiffe bauen, die über<br />

technische Innovationen (z. B. modernisierte<br />

Entergeräte) verfügen.<br />

Am 3. September 36 v. Chr. besiegt<br />

Agrippa in der Seeschlacht bei Naulochus<br />

vor der sizilianischen Küste<br />

Sextus Pompeius, einen Gegner des<br />

Octavius. Am 2. September 31 v. Chr.<br />

siegen Octavius und Agrippa in der<br />

Seeschlacht bei Actium über die<br />

Flotte des Marcus Antonius. Auch in<br />

der Folgezeit bleibt Agrippa der engste<br />

Vertraute des Octavius und gilt<br />

zeitweise sogar als Nachfolgekandidat<br />

dieses söhnelosen Herrschers.<br />

12 v. Chr. stirbt Agrippa in Kampanien.<br />

FREUND UND FAMILIENMIT-<br />

GLIED: Agrippa ist enger Vertrauter,<br />

Jugendfreund und Schwiegersohn<br />

von Octavius. Porträtkopf,<br />

um 40 n. Chr. (Kopie nach einem<br />

Original von 20 v. Chr.).<br />

Abb.: picture alliance/akg<br />

76


Die letzten Jahre des Augustus<br />

Die unausweichliche Niederlage vor Augen,<br />

lässt Antonius seine Truppen <strong>im</strong> Stich und<br />

zieht sich vom Schlachtfeld zurück. Angesichts<br />

der Übermacht der Gegner kapitulieren<br />

schließlich sämtliche <strong>Krieg</strong>sschiffe des<br />

Flüchtenden: Die Schlacht ist zu Ende. Antonius<br />

begibt sich nach Ägypten. Dort begeht<br />

er etwa ein Jahr später Selbstmord, als seine<br />

letzten verbliebenen Truppenteile zu Octavius<br />

überlaufen. Das Königreich Ägypten wird<br />

nun römische Provinz.<br />

Endstation Germanien:<br />

Römische Legionäre am winterlichen L<strong>im</strong>es, der Grenze<br />

zwischen dem Imperium Romanum und dem „freien Germanien“.<br />

Ursprünglich will Augustus sein Reich bis zur Elbe ausdehnen –<br />

doch seine Armee scheitert an dem von Rom ausgebildeten<br />

Cheruskerfürsten Arminius in der legendären Schlacht <strong>im</strong><br />

Teutoburger Wald 9 n. Chr. Zeichnung: Guiseppe Rava/www.g-rava.it<br />

Wiederherstellung der Republik<br />

Mit seinem triumphalen Sieg bei Actium hat<br />

Octavius seinen erbitterten Rivalen Antonius<br />

aus dem Weg geräumt und das Ringen um<br />

die Alleinherrschaft <strong>im</strong> Römischen Reich zu<br />

seinen Gunsten entschieden. Die Zeit des<br />

grausigen Bürgerkrieges ist endgültig vorbei.<br />

Nun muss sich der Sieger daran machen,<br />

seine faktische Machtposition auch rechtlich<br />

zu legit<strong>im</strong>ieren. In weiser Voraussicht vermeidet<br />

er den Fehler seines Großonkels Caesar:<br />

Im Gegensatz zu diesem versucht Octavius<br />

nicht, seinen Herrschaftsanspruch <strong>gegen</strong><br />

die Senatoren und die altehrwürdigen<br />

republikanischen Traditionen durchzusetzen.<br />

Deshalb legt er am 13. Januar 27 v. Chr.<br />

seine Macht (Gesetzgebung, Befehlsgewalt<br />

über das Heer und die Provinzen) nieder<br />

und überlässt sie dem Senat. Damit ist die römische<br />

Republik formal wiederhergestellt.<br />

Die Senatoren, darunter zahlreiche Günstlinge<br />

des Octavius, bestürmen ihn jedoch, weiterhin<br />

Verantwortung zu übernehmen, und<br />

geben ihm einen Großteil seiner ursprünglichen<br />

Vollmachten auf Zeit zurück. Überdies<br />

verleihen sie ihm am 16. Januar den Ehrentitel<br />

„Augustus“ („Der Erhabene“).<br />

Der Herrscher als „Augustus“<br />

Dieser historische Augenblick markiert den<br />

Epochenbeginn des „Prinzipats“, der Beherrschung<br />

Roms durch einen Kaiser. Zunächst<br />

befolgt Octavius aber weiterhin die<br />

republikanische Verfassung und tritt nicht<br />

als Alleinherrscher, sondern als „pr<strong>im</strong>us inter<br />

pares“ („Erster unter Gleichen“) auf.<br />

Erst <strong>im</strong> Lauf seiner Regierungszeit gestaltet<br />

er seine befristeten Amtsgewalten zu unbefristeten<br />

um. Im Inneren des Römischen<br />

Reiches setzt eine Phase des Friedens, der<br />

Konsolidierung und der kulturellen Blüte<br />

ein: die „Pax Romana“ („Römischer Friede“).<br />

Außenpolitisch kann Octavius das<br />

Reich <strong>im</strong> <strong>Norden</strong> vergrößern: Die Alpengebiete<br />

und das Alpenvorland sowie Pannonien<br />

werden erobert. Die Germanen erweisen<br />

sich jedoch als unangenehme Gegner:<br />

Im Herbst 9 n. Chr. unterliegt der römische<br />

Feldherr Varus dem Cheruskerfürsten Arminius<br />

in der berühmten Schlacht <strong>im</strong> Teutoburger<br />

Wald. Dennoch gelingt es während<br />

der Regierungszeit des Octavius, erfolgreiche<br />

militärische Operationen bis an die römisch-germanische<br />

Rheingrenze durchzuführen.<br />

Obgleich „Augustus“ Zeit seines Lebens<br />

<strong>im</strong>mer wieder mit gesundheitlichen Problemen<br />

zu kämpfen hat, erreicht er ein für die<br />

Antike erstaunlich hohes Alter von 76 Jahren:<br />

Am 19. August 14 n. Chr. stirbt er in Nola<br />

nahe Neapel eines natürlichen Todes.<br />

Octavius wird in einem eigenen Mausoleum<br />

bestattet und vom Senat zum Gott erklärt.<br />

Wie von ihm„ gewünscht, tritt jetzt sein<br />

Adoptivsohn Tiberius die Nachfolge an, da<br />

er selbst keinen leiblichen Sohn hat. Ab der<br />

Regentschaft des Tiberius zeigt sich, dass die<br />

ursprünglich nur für Octavius geschaffene<br />

Herrschaftsform des Prinzipats (Kaisertum)<br />

zu einem Dauerzustand <strong>im</strong> Römischen Reich<br />

wird: Das römische Kaisertum besteht nun<br />

bis zum Untergang des Weströmischen Reiches<br />

476 n. Chr. ununterbrochen fort. Im oströmisch-byzantinischen<br />

Reich überdauert<br />

das römische Kaisertum sogar bis 1453 n.<br />

Chr., ehe dieses Reich und seine Hauptstadt<br />

Konstantinopel einem Angriff der Osmanen<br />

zum Opfer fallen.<br />

Dr. Daniel Carlo Pangerl, Jg. 1983, ist Historiker und<br />

Kulturwissenschaftler. Er promovierte 2011 an der Ludwig-Max<strong>im</strong>ilians-Universität<br />

München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten<br />

gehören Mittelalter und Antike.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

77


Museen & Militärakademien<br />

BEEINDRUCKEND: Das Aeronauticum aus der Luft<br />

gesehen. Im Vordergrund die Museumshalle, dahinter<br />

der Außenbereich mit Flugzeugen und Hubschraubern<br />

aus dem Marinefliegerbereich. Bis Ende August<br />

2014 ist zudem die Sonderausstellung „Luft und See<br />

– 100 Jahre Marineflieger“ zu sehen.<br />

Das Aeronauticum in Nordholz<br />

Luftfahrtgeschichte<br />

hautnah!<br />

In einer großen Museumshalle sowie einem riesigen Freigelände stellt das Deutsche<br />

Luftschiff- und Marinefliegermuseum faszinierende Exponate, eindrucksvolle Modelle<br />

sowie originale Luftfahrzeuge aller Art aus.<br />

Von Ulf Kaack<br />

Bereits die Zufahrt zum Aeronauticum<br />

ist beeindruckend: Linkerhand steht eine<br />

viermotorige Breguet Atlantic, geradeaus<br />

die Zufahrt zum Marineflieger-<br />

Stützpunkt Nordholz und mit einem Rechtsschwenk<br />

geht es auf das weitläufige<br />

Museumsgelände. Das Geräusch startender<br />

Hubschrauber und Flächenflieger ist hier<br />

kein Fluglärm, sondern atmosphärischer Beifang.<br />

Und die Besucher betreten historischen<br />

Boden: Hier befand sich während des Ersten<br />

Weltkriegs der größte Luftschiffplatz der Kaiserlichen<br />

Marine.<br />

Das Aeronauticum, so die prägnante Bezeichnung<br />

für das Deutsche Luftschiff- und<br />

Marinefliegermuseum Nordholz, dokumentiert<br />

auf fast einem halben Hektar Ausstellungsfläche<br />

die 100-jährige Historie der fliegenden<br />

Seestreitkräfte aus der Kaiserlichen<br />

Marine, der Reichs-, <strong>Krieg</strong>s- und Volksmarine<br />

sowie der Deutschen Marine.<br />

Folgt der Besucher dem vorgeschlagenen<br />

Rundgang, so führt ihn sein Weg zunächst<br />

durch die Geschichte und Technik der Marineluftschifffahrt.<br />

Zahlreiche Originalexponate<br />

von Zeppelinen und Schütte-Lanz-Luftschiffen<br />

werden ergänzt durch zeitgenössische<br />

Dokumente sowie persönliche Ausrüstungs<strong>gegen</strong>stände<br />

damaliger Besatzungsmitglieder<br />

und Offiziere. Modelle vermitteln einen<br />

anschaulichen Eindruck von der Größe, aber<br />

KONTAKT<br />

AERONAUTICUM<br />

Peter-Strasser-Platz 3<br />

27637 Nordholz<br />

Mehr Informationen unter:<br />

www.aeronauticum.de<br />

Öffnungszeiten<br />

Das Aeronauticum ist vom 15. März bis<br />

15. November täglich von 10.30 bis<br />

17.30 Uhr geöffnet. Vom 16. November bis<br />

14. März kann das Museum von 10.30 bis<br />

15.30 Uhr besichtigt werden. Zwischen<br />

Weihnachten und Neujahr ruht der Betrieb.<br />

auch der Verwundbarkeit der „H<strong>im</strong>melszigarren“,<br />

die <strong>im</strong> Ersten Weltkrieg nach euphorisch<br />

gefeierten Anfangserfolgen schnell<br />

an Kampfwert verloren.<br />

Luftschiffe bombardieren England<br />

„Aufgabe der Marineluftschiffe war zunächst<br />

die Seefernaufklärung zur Feststellung feindlicher<br />

Schiffsbewegungen sowie Minen- und<br />

Netzsperren“, erklärt Dr. Anja Dörfer, die wissenschaftliche<br />

Leiterin des Aeronauticums.<br />

„Im Frühjahr 1915 begannen die deutschen<br />

Luftschiffe mit der Bombardierung Englands.<br />

Exakt 350 Angriffe <strong>gegen</strong> englische Städte und<br />

Industrieanlagen wurden geflogen, dabei<br />

rund 275 Tonnen Bomben abgeworfen. Die<br />

Bombenabwürfe sollten in der englischen Bevölkerung<br />

Angst verbreiten, ihre Moral und<br />

Kampfkraft schwächen. Die Briten entwickelten<br />

zügig Gegenmaßnahmen und stoppten<br />

die Terrorangriffe.“<br />

Bei der Gestaltung dieser ersten Epoche<br />

der Marinefliegerei konnten die Macher des<br />

Fotos: U. Kaack<br />

78


AUS NÄCHSTER NÄHE: Der 35.000 m² große Außenbereich ermöglicht es, die insgesamt 17 Original-Fluggeräte genau zu inspizieren.<br />

Museums auf den Nachlass des Kommandeurs<br />

der Marine-Luftschiffer, Fregattenkapitän<br />

Peter Strasser, Teile der Archive der<br />

Luftschiffbauer und Zeppelin-Konkurrenz<br />

Schütte-Lanz aus Oldenburg und der Marine-Luftschiff-Kameradschaft<br />

Hamburg von<br />

1924 zurückgreifen.<br />

Einen besonderen Stellenwert n<strong>im</strong>mt die<br />

facettenreich dargestellte Historie des Luftschiffplatzes<br />

Nordholz ein. Der maßstabsgetreue<br />

Nachbau einer Zeppelin-Gondel<br />

und ein Luftschiffs<strong>im</strong>ulator runden das<br />

Ganze ab.<br />

FASZINIEREND: Wer möchte, kann sich in<br />

das Cockpit einer F-104 setzen und am S<strong>im</strong>ulator<br />

in die Rolle des Piloten schlüpfen.<br />

ZEITMASCHINE: Die maßstabsgetreue Zeppelin-Gondel<br />

(Nachbau) versetzt den Besucher<br />

zurück in die Vergangenheit.<br />

Flugzeuge setzen sich durch<br />

Das Flugzeug erwies sich ab Mitte des Ersten<br />

Weltkriegs als das geeignete Mittel für einen<br />

effektiven Luftkrieg zur See. Dabei standen<br />

bei den Marinefliegern – und das gilt bis<br />

heute – vor allem Aufklärungsaufgaben, als<br />

„weit blickendes Auge“ der Flotte, <strong>im</strong> Vordergrund.<br />

Die technische Entwicklung von Wasserflugzeugen<br />

und Flugbooten zu Beginn des<br />

HINTERGRUND<br />

Ein historisch äußerst wertvolles Großexponat,<br />

das die Seefliegerei <strong>im</strong> Zweiten Weltkrieg repräsentiert,<br />

ist eine 1944 gebaute Arado Ar 196 A-5.<br />

Die Maschine war einst Bordflugzeug auf dem<br />

Schweren Kreuzer PRINZ EUGEN und gelangte<br />

1946 mit ihm als <strong>Krieg</strong>sbeute in die USA. Dort<br />

wurde sie technisch erprobt und anschließend<br />

in verschiedenen Museen gezeigt. Im Dezember<br />

2012 kehrte die Arado nach langen Verhandlungen<br />

in einem desolaten, aber vollständigen Zustand<br />

zurück. Sie wird nun von Spezialisten der<br />

Bundeswehr und ehrenamtlichen Kräften des<br />

Aeronauticums restauriert.<br />

20. Jahrhunderts war rasant. Während der<br />

We<strong>im</strong>arer Republik wurde die Marinefliegerei<br />

aufgrund der Best<strong>im</strong>mungen des Versailler<br />

Vertrages <strong>im</strong> Verborgenen vorangetrieben,<br />

um anschließend bis zum Ende des<br />

Zweiten Weltkrieges unter dem Kommando<br />

von Görings Luftwaffe ein Schattendasein<br />

zu führen.<br />

Großen Raum n<strong>im</strong>mt die Neuzeit der Marinefliegerei<br />

ein, was vor allem durch die<br />

Das Bordflugzeug der PRINZ EUGEN<br />

„WORK IN PROGRESS“: Ein besonderes<br />

Exponat ist die Arado von der PRINZ<br />

EUGEN. Den Restaurateuren kann dabei<br />

– <strong>im</strong> Rahmen einer Sonderführung – sogar<br />

über die Schulter geschaut werden.<br />

Noch liegt viel Arbeit vor ihnen…<br />

zahlreichen Flugzeuge <strong>im</strong> Außenbereich des<br />

Aeronauticums sichtbar wird. Zwar nicht lückenlos,<br />

aber durchaus eindrucksvoll, werden<br />

hier die Flugzeugtypen präsentiert, die<br />

in verschiedenen Epochen das Rückgrat der<br />

Marineflieger der Bundeswehr bildeten: Jets<br />

von der Fouga CM-170 „Magister“ über die<br />

Hawker Mk 100 „Sea Hawk“, den Starfighter<br />

bis hin zur Panavia MRCA Tornado.<br />

Bei den Hubschraubern spannt sich der<br />

Bogen von der Bristol B 171 Sycamore Mk 52<br />

über die Sikorsky H-34G bis hin zur Bell<br />

UH-1D. Und natürlich diverse Flächenflieger:<br />

Die Dornier Do 27 und Do 28, die eindrucksvollen<br />

Grumman HU-16 „Albatross“<br />

und Breguet Atlantic sowie eine seltene<br />

VFW 614 aus der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums.<br />

Die Marinefliegerei der DDR wird durch<br />

zwei Helikopter vom Typ Mi-8T und Mi-8S<br />

sowie dem Kampf- und Aufklärungsjet Suchoi<br />

Su-22M4 repräsentiert.<br />

Ulf Kaack, Jg. 1964, ist Autor aus Bassum und Verfasser<br />

zahlreicher Bücher zu Militär- und Marinetechnik.<br />

Clausewitz 2/2014<br />

79


Ein Bild erzählt Geschichte<br />

Willy Stöwer zum 150. Geburtstag<br />

Zur See mit<br />

Pinsel und<br />

Palette<br />

<strong>1864</strong>–1931: Willy Stöwer lebt und wirkt in der<br />

Hochzeit des Deutschen Kaiserreichs vor dem Ersten<br />

Weltkrieg. Seine Gemälde und Illustrationen sind<br />

stilbildend für das traditionelle Genre der<br />

Marinemalerei.<br />

Von Jörg-M. Hormann<br />

Als Sohn eines Segelschiffskapitäns in<br />

Wolgast am 22. Mai <strong>1864</strong> geboren, gehört<br />

Willy Stöwer zu den „lupenreinen”<br />

Autodidakten der bildenden Kunst <strong>im</strong><br />

Deutschen Kaiserreich. Als junger Mann<br />

strebt er zunächst in die Sicherheit eines erlernten<br />

Berufes. Er arbeitet einige Jahre in verschiedenen<br />

Konstruktionsbüros – sein Traum,<br />

Ingenieuroffizier in der Kaiserlichen Marine,<br />

hatte sich zuvor aus Gesundheitsgründen<br />

zerschlagen. Die familiäre Verbundenheit mit<br />

der Seefahrt, eine erste Reise als Maschinenassistent<br />

auf einem Frachter nach New York<br />

und sein weiterer beruflicher Werdegang lassen<br />

handfestes marit<strong>im</strong>es Wissen bei ihm entstehen,<br />

das sich später in den Details seiner<br />

Gemälde und Illustrationen widerspiegelt.<br />

1884 veröffentlicht eine Zeitschrift den ersten<br />

„Stöwer“ – noch ohne den signifikanten Willy-Stöwer-Schriftzug,<br />

an dem seine späteren<br />

Bilder leicht zu erkennen sind. Schnell übersteigt<br />

das Einkommen aus künstlerischer<br />

Arbeit sein Berufseinkommen, und Stöwer<br />

entscheidet sich vollends für den freien<br />

Künstlerberuf.<br />

Mit dem Flottengesetz von 1898 beginnen<br />

die „Ära Tirpitz“ und die massive Aufrüstung<br />

der Kaiserlichen Marine. Das kontinental<br />

orientierte deutsche Volk soll plötzlich<br />

nicht nur die Zeche bezahlen, sondern auch<br />

noch die See verstehen. Propaganda ist nötig,<br />

die Willy Stöwer als Gründungs- und<br />

Vorstandsmitglied des „Deutschen Flottenvereins“<br />

seit April 1898 maßgeblich mitträgt.<br />

Über eine Million Mitglieder vor dem Ersten<br />

Weltkrieg und umfangreiche Publizierungssowie<br />

Vereinsarbeit geben ihm Spielraum,<br />

STÖWER-SUJET:<br />

Der Panzerkreuzer S.M.S.<br />

GOEBEN und der kleine<br />

Kreuzer S.M.S. BRESLAU<br />

in der Straße von Messina.<br />

Nach dem Kohlenbunkern<br />

in Messina am 6. August<br />

1914 beginnt ihr<br />

Mittelmeerdurchbruch zu<br />

den Dardanellen. Gemälde<br />

von Willy Stöwer aus dem<br />

Jahr 1915.<br />

Abb.: ullstein bild – Willy Stöwer<br />

um den Marinegedanken unter seiner bürgerlichen<br />

Interessentenschar zu verbreiten.<br />

Stöwers Illustrationen machen ihn zum bekanntesten<br />

Marinemaler seiner Zeit.<br />

Vom Beginn des Ersten Weltkrieges erhoffen<br />

sich viele – darunter Großadmiral von<br />

Tirpitz und Willy Stöwer – das energische<br />

Eingreifen der deutschen Hochseeflotte: Sie<br />

soll ihrer Zweckbest<strong>im</strong>mung entsprechen.<br />

Stöwers Bitte, als <strong>Krieg</strong>smaler auf einem<br />

Großkampfschiff mitfahren zu dürfen, wird<br />

aus prinzipiellen Gründen abgelehnt.<br />

Mit ganz wenigen Ausnahmen des eigenen<br />

Erlebens – Stöwer skizziert und arbeitet<br />

einige Wochen an der Front in Flandern – findet<br />

„sein“ Weltkrieg <strong>im</strong> Atelier statt. Der Aufsehen<br />

erregende Durchbruch zweier deutscher<br />

Kreuzer, die den Engländern <strong>im</strong> Mittelmeer<br />

ein Schnippchen schlagen können, ist<br />

für seine Arbeitsweise ein gutes Beispiel. Die<br />

in Bezug der Informationen „ferngesteuerte“<br />

Darstellung, seine auf ökonomische Effizienz<br />

angelegte Arbeitsweise sowie seine mangelnde<br />

Fertigkeit bei der figürlichen Umsetzung<br />

80


von Szenen mit Menschen, bereiten ihm <strong>im</strong><br />

Laufe des <strong>Krieg</strong>es Probleme bei seinen Verlags-Auftraggebern.<br />

Akademisch ausgebildete<br />

Maler und Illustratoren wie Claus Bergen<br />

oder Felix Schwormstädt sind künstlerisch attraktiver,<br />

und Stöwer wird in die zweite Reihe<br />

zurückgedrängt. Sein Zenit als Illustrator<br />

ist überschritten, und er widmet sich zunehmend<br />

der Auftragsmalerei.<br />

Nach <strong>Krieg</strong>sende existiert die Welt des<br />

Willy Stöwer nicht mehr: Die „Lieblingsmotive“<br />

liegen auf dem Grund der Bucht von<br />

Scapa Flow. Seine Kunst, die das Genre der<br />

deutschen Marinemalerei stilbildend mitgestaltet<br />

hat, ist nicht mehr gefragt. Obwohl er<br />

in seinen letzten zehn Lebensjahren noch einige<br />

Gemälde für die Nachwelt schafft, ein<br />

Buch illustriert, das den Seekrieg von 1914<br />

bis 1918 Revue passieren lässt, und seine Autobiographie<br />

verfasst, kann er an den Ruhm,<br />

den Einfluss und das Geldverdienen der<br />

Vorkriegszeit nicht wieder anknüpfen. Still<br />

stirbt er am 31. Mai 1931 in seiner Villa in<br />

Berlin-Tegel. Mit seinem Tod verschwindet<br />

fast gleichzeitig sein künstlerisches Werk in<br />

der Versenkung. Heute hängen kaum zehn<br />

Originalbilder in deutschen Museen. Im Jahr<br />

seines 150. Geburtstages mit ein Grund, an<br />

ihn zu erinnern.<br />

Jörg-M. Hormann, Jg. 1949, ist verantwortlicher<br />

Redakteur von SCHIFF CLASSIC und Autor mit Schwerpunkten<br />

der deutschen Luftfahrt-, Marine- und Militärgeschichte.<br />

Von ihm stammt auch die Monographie<br />

„Willy Stöwer – Marinemaler der Kaiserzeit“ (2001).<br />

Clausewitz 2/2014<br />

81


Fotos: picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages, picture-alliance/akg-<strong>im</strong>ages, Michael Losse<br />

<strong>Vorschau</strong><br />

Durchbruchschlacht von<br />

Gorlice-Tarnów<br />

Wendepunkt an der Ostfront<br />

Mai 1915: Deutsche und österreichisch-ungarische<br />

Artillerie n<strong>im</strong>mt<br />

die russischen Stellungen zwischen<br />

Gorlice und Tarnów in Galizien unter<br />

Beschuss. Ziel der Mittelmächte ist<br />

der Durchbruch durch die feindlichen<br />

Linien und die anschließende Bedrohung<br />

der gesamten russischen<br />

Karpatenfront.<br />

Der „Hohentwiel“<br />

Eine der größten Festungsruinen Deutschlands<br />

Frühes 10. Jh.: Auf dem Hohentwiel ist eine erste<br />

Befestigung bezeugt. Es folgt die Adelsburg als<br />

Kern des späteren Herzogschlosses (16. Jh.) und<br />

der Festung (16.–18. Jh.), die <strong>im</strong> Dreißigjährigen<br />

<strong>Krieg</strong> mehrfach erfolglos belagert wird. Der Hohentwiel<br />

gehört geschichtlich und burgenkundlich zu<br />

den interessantesten Wehrbauten in Deutschland –<br />

und darüber hinaus.<br />

Außerdem <strong>im</strong> nächsten Heft:<br />

Luftschiff L 59 (LZ 104). Ein Zeppelin auf Rekordjagd.<br />

Generalfeldmarschall Walter Model. Hitlers gefürchteter „Feuerwehrmann“.<br />

Und viele andere Beiträge aus den Wissengebieten Geschichte, Militär und Technik.<br />

Lieber Leser,<br />

Sie haben Freunde, die sich ebenso für Militärgeschichte<br />

begeistern wie Sie? Dann empfehlen Sie uns<br />

doch weiter! Ich freue mich über jeden neuen Leser.<br />

Ihr verantwortlicher Redakteur<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong><br />

Dr. Tammo Luther<br />

Operation „Market Garden“<br />

Alliiertes Desaster in den Niederlanden<br />

September 1944: Das alliierte Luftlandeunternehmen<br />

„Market Garden“ soll die<br />

Voraussetzungen für den britisch-amerikanischen<br />

Vorstoß an die Westgrenze des<br />

Deutschen Reiches schaffen. Die Operation<br />

endet jedoch in einer Katastrophe.<br />

Die nächste Ausgabe<br />

von<br />

erscheint<br />

am 7. April 2014.<br />

Nr. 18 | 2/2014 | März-April | 4.Jahrgang<br />

Internet: www.clausewitz-magazin.de<br />

Redaktionsanschrift<br />

<strong>CLAUSEWITZ</strong><br />

Infanteriestr. 11a, 80797 München<br />

Tel. +49 (0) 89.130699.720<br />

Fax +49 (0) 89.130699.700<br />

redaktion@clausewitz-magazin.de<br />

Redaktion Dr. Tammo Luther (Verantw. Redakteur),<br />

Max<strong>im</strong>ilian Bunk, M.A. (Redakteur),<br />

Markus Wunderlich (Redaktionsleiter)<br />

Berater der Redaktion Dr. Peter Wille<br />

Ständige Mitarbeiter Dr. Joach<strong>im</strong> Schröder,<br />

Dr. Peter Andreas Popp<br />

Layout Ralph Hellberg<br />

Leserservice<br />

Tel. 0180 – 532 16 17 (14 Cent/Min.)<br />

Fax 0180 – 532 16 20 (14 Cent/Min.)<br />

leserservice@geramond.de<br />

Gesamtanzeigenleitung<br />

Helmut Kramer<br />

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.270<br />

helmut.kramer@verlagshaus.de<br />

Anzeigenleitung<br />

Helmut Gassner<br />

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.520<br />

helmut.gassner@verlagshaus.de<br />

Anzeigenverkauf und Disposition<br />

Johanna Eppert<br />

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.130<br />

johanna.eppert@verlagshaus.de<br />

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 21 vom 1.1.2014.<br />

Litho ludwigmedia, Zell am See, Österreich<br />

Druck Quad/Graphics, Wyszków, Polen<br />

Verlag GeraMond Verlag GmbH,<br />

Infanteriestraße 11a,<br />

80797 München<br />

www.geramond.de<br />

Geschäftsführung Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />

Herstellungsleitung Sandra Kho<br />

Vertriebsleitung Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Bahnhofsbuchhandel,<br />

Zeitschriftenhandel: MZV Moderner Zeitschriften<br />

Vertrieb GmbH & Co. KG, Unterschleißhe<strong>im</strong><br />

Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

SCHIFFClassic<br />

AUTO CLASSIC<br />

SCHIFFSMODELL<br />

LOK MAGAZIN<br />

TRAKTOR CLASSIC FLUGMODELL<br />

ELEKTROMODELL BAHN EXTRA<br />

STRASSENBAHN MAGAZIN<br />

Preise Einzelheft € 5,50 (D),<br />

€ 6,30 (A), € 6,50 (LUX), sFr. 11,00 (CH)<br />

(bei Einzelversand jeweils zzgl. Versandkosten)<br />

Jahresabonnement (6 Hefte) € 29,70 € incl. MwSt.,<br />

<strong>im</strong> Ausland zzgl. Versandkosten<br />

Erscheinen und Bezug <strong>CLAUSEWITZ</strong> erscheint zwe<strong>im</strong>onatlich.<br />

Sie erhalten <strong>CLAUSEWITZ</strong> in Deutschland,<br />

in Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg <strong>im</strong><br />

Bahnhofsbuchhandel, an gut sortierten Zeitschriftenkiosken<br />

sowie direkt be<strong>im</strong> Verlag.<br />

ISSN 2193-1445<br />

© 2014 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle<br />

in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />

geschützt. Durch Annahme eines Manuskripts<br />

erwirbt der Verlag das ausschließliche<br />

Recht zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingesandte<br />

Fotos und Manuskripte wird keine Haftung übernommen.<br />

Gerichtsstand ist München. Verantwortlich<br />

für den redaktionellen Inhalt: Dr. Tammo Luther; verantwortlich<br />

für die Anzeigen: Helmut Kramer, beide:<br />

Infanteriestraße 11a, 80797 München.<br />

Hinweis zu §§ 86 und 86a StGB: Historische Originalfotos<br />

aus der Zeit des „Dritten Reiches“ können<br />

Hakenkreuze oder andere verfassungsfeindliche<br />

Symbole abbilden. Soweit solche Fotos in <strong>CLAUSEWITZ</strong><br />

veröffentlicht werden, dienen sie zur Berichterstattung<br />

über Vorgänge des Zeitgeschehens und dokumentieren<br />

die militärhistorische und wissenschaftliche<br />

Forschung. Wer solche Abbildungen aus diesem Heft<br />

kopiert und sie propagandistisch <strong>im</strong> Sinne von<br />

§ 86 und § 86a StGB verwendet, macht sich strafbar!<br />

Redaktion und Verlag distanzieren sich ausdrücklich<br />

von jeglicher nationalsozialistischer Gesinnung.<br />

82


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PLZ/Ort<br />

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Bitte einsenden an: THE BRADFORD EXCHANGE<br />

Johann-Friedrich-Böttger-Str. 1-3 • 63317 Rödermark<br />

Österreich: Senderstr. 10 • A-6960 Wolfurt • Schweiz: Jöchlerweg 2 • CH-6340 Baar<br />

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Unterschrift<br />

Telefon für eventuelle Rückfragen<br />

Bitte gewünschte Zahlungsart ankreuzen():<br />

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die Me 109. Die Silhouette der berühmten Me 109 auf dem Zifferblatt<br />

ist aus einem original Beplankungsblech einer Me 109<br />

ausgefräst! Der Sekundenzeiger auf dem separaten Zifferblatt<br />

ist der Luftschraube der Me 109 nachempfunden und auch auf<br />

der Rückseite des aus Edelstahl gefertigten Uhrenkorpus’ ist<br />

die Silhouette des Jagdflugzeugs eingraviert. Das hochwertige<br />

Schweizer Quarzuhrwerk, das Echtlederarmband, die markante<br />

Krone und die robuste IP-Plattierung machen diese Armbanduhr<br />

zu einem wertvollen und zuverlässigen Begleiter.<br />

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Luftfahrt“ erscheint exklusiv bei The Bradford Exchange und<br />

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jedes Exemplar trägt auf der Rückseite seine Ausgabennummer<br />

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Beplankungsblech einer<br />

Me 109 ausgefräst<br />

Nennen Sie bei Online-Bestellung bitte Ihre Referenz-Nummer: 73464<br />

©2014 The Bradford Exchange Ltd. • Joh.-Friedrich-Böttger-Str. 1-3 • 63317 Rödermark

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