Bergsteiger Die Paten - Berühmte Bergsteiger und ihre Wege (Vorschau)

809191.ebj7x

06

Stubaier Alpen: Thronfolge am Höhenweg

A 6.50 € | CH 9.90 sFr | I 7.50 € | LU 6.50 € | F 6.50 € D 5.90 €

Juni 2013

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

DIE PATEN

Berühmte Bergsteiger und ihre Wege

IM TEST

Multifunktions-

Schuhe für Damen

& Herren

Plus 50 Tourentipps + Tourenkarten: Stubaier Alpen • Ötztaler Alpen • Ammergauer Alpen

Allgäuer Alpen

Dachstein

Karwendel

Wetterstein

Berchtesgaden

WILDER KAISER

Dreitage-Wanderung:

Sonne satt an Südhängen

36

Klettersteige

Für Einsteiger und Erfahrene

Testen Sie Ihr Können!

SERVICE

Erste Hilfe

Tipps und Tricks zur

Versorgung Verletzter

PORTRÄT

Erste Liga

Adam Ondras Weg

an die Weltspitze

Südtirol

Gipfelglück in der

Alpenstadt Schenna

REPORTAGE

Echter Kult

Pilgerwanderung im Gran-

Paradiso-Nationalpark


2 Bergsteiger 06⁄13


EDITORIAL

Über den

Sinn und

Unsinn von

Preisen

Der große Drehbuchautor und Regisseur Billy

Wilder (»Some like it hot« mit Marilyn Monroe)

hat im Laufe seines Schaffens mehr als

100 Auszeichnungen erhalten, darunter

sechs Oscars und 22 Oscar-Nominierungen.

Wenn es um die Frage des Werts von Würdigungen

geht, wird heute noch ein Ausspruch von ihm gerne zitiert: »Preise sind wie

Hämorrhoiden. Irgendwann kriegt sie jeder Arsch.« Es sei dahingestellt, ob Wilder

Bescheidenheit zeigen oder Kritik am System üben wollte. Er fordert heraus.

Der Oscar des Bergsports ist der Piolet d’Or (»Goldener Eispickel«), der seit 1991 jedes

Jahr vom französischen Montagne Magazine in Kooperation mit der Groupe de Haute

Montagne vergeben wird. Steve House war einer der Preisträger (2005), Ueli Steck

(2008), Denis Urubko (2009) und die Favresse-Brüder (2010). Das sind zweifelsohne

große Alpinisten, und dennoch war schon vor Jahren – zurecht – eine Diskussion

entflammt, welche Besteigung eigentlich warum preiswürdig ist. David Lama brachte

es nun erneut auf den Punkt: Wie, fragte er, will man Besteigungen einschätzen,

bei denen man selbst nicht dabei war? Das Dilemma hat dazu geführt, dass die Jury

gleich allen sechs Nominierten den Piolet d’Or verlieh. Die Begründung, man habe

»sich nicht zwischen solchen unglaublichen Leistungen« entscheiden können (siehe

S. 12), führt Wettbewerbe aber generell ad absurdum. Oder soll man künftig vier

Fußballweltmeister küren, weil die alle im Halbfinale so toll spielten?

Der Oscar-Preisträger Marlon Brando schrieb 1971 an die Academy of Motion Picture Arts

und Sciences, sie solle ihm die Trophäe für On the Waterfront (1954) ersetzen, weil sie

ihm gestohlen worden sei. Angeblich hatte er die Statue als Türstopper benutzt. Sein

Wunsch wurde ihm nicht erfüllt, dafür bekam er 1973 erneut einen Oscar als bester

Hauptdarsteller in Der Pate. Aus Protest verweigerte er die Annahme und prangerte

den damals diskriminierenden Umgang der US-Filmindustrie mit den Indianern an.

Francis Ford Coppolas Opus steht übrigens auch Pate für unsere Titelgeschichte über

Namensgeber von Wegen. Eigentlich gebührt ihm dafür ein BERGSTEIGER-Preis.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

The Great

Himalaya Trail

In 153 Tagen zu Fuß

durch Nepal

Wir organisieren den gesamten Trek individuell

ab 2 Personen für Sie – in 153 Tagen.

Sie starten im Kanchenjunga-Gebiet und

beenden ihn im äußersten Westen.

Wenn Sie in der Gruppe gehen möchten,

haben Sie die Möglichkeit, die Etappen aufgeteilt

in 6 Reisen in kleinen Gruppen über

einen längeren Zeitraum „zu sammeln“


1 GHT – Das Kanchenjunga Gebiet

34 Tage ab € 4.990,–

2 GHT – Everest Gebiet und Rolwaling

24 Tage ab € 1.990,–

3 GHT – Langtang mit Tilman Pass

21 Tage ab € 2.690,–

4 GHT – Manaslu und Annapurna

28 Tage ab € 3.790,–

5 GHT – Dolpo und Juphal

25 Tage ab € 3.290,–

6 GHT – Rara See bis Darchula

28 Tage ab € 3.390,–

Michael Ruhland, Chefredakteur

Details anfordern unter Telefon:

089 / 23 50 06 - 0

WandernTrekkingBergtourenweltweit

hauser-exkursionen.de


INHALT

22

Die Paten

Wer war eigentlich dieser Hermann

von Barth? Wir stellen zehn bekannte

Persönlichkeiten und die nach ihnen

benannten Pfade in den Alpen vor.

32

Klettersteig Special

Welcher Klettersteigtyp sind Sie?

Machen Sie unseren Test und

sahnen Sie jede Menge Tourentipps

ab!

TITELTHEMA

22 Vorwärts in die Vergangenheit

In den Bergen treffen wir immer wieder auf

Spuren früherer Zeiten. Zum Beispiel in Form

von Wegenamen

AKTUELL

12 Neues aus der Welt der Berge

12 EIN PREIS FÜR ALLE Erstmals haben alle

sechs Nominierten den Piolet d‘Or erhalten.

12 JUNGSPUND Alexander Megos (19) gelingt

als erstem Kletterer eine 9a onsight.

16 RÜCKZUG Gletscherbericht des Alpenvereins

verheißt nichts Gutes für die Eisriesen.

17 BUS STATT AUTO Ring-Linie am Wendelstein

macht den eigenen Pkw überflüssig.

18 MEDIEN-TIPPS Aktuelle Bücher, Apps und

Webpages zum Thema Berg

AUF TOUR

32 Klettersteig Special

Machen Sie unseren kleinen Einstufungstest

und erfahren Sie, welcher Klettersteigtyp

Sie sind. Je nach Ergebnis liefern wir Ihnen

gleich noch die passenden Tourentipps.


44

Stubaier Thronfolge

Acht Hütten in Top-Aussichtslage bilden

das Herz des Stubaier Höhenwegs.

80

Val di Fiemme

Traumtouren mit

Legendencharakter

TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Top-Touren für den Juni

Bergsee-Klettersteig ............................................................59

Hohe Bleick ...................................................................................59

Kreuzjoch – Franz-Senn-Hütte ............................59

Fr.-Senn-Hütte – N. Regensburger Hütte ....61

N.Regensburger Hütte – Dresdner Hütte .61

Dresdner Hütte – Nürnberger Hütte ...............61

Dresdner – Nürnberger Hütte (m. Gipfel) 63

Nürnberber Hütte – Bremer Hütte .................63

Bremer Hütte – Innsbrucker Hütte ................63

Habicht ..............................................................................................65

Scheffauer ......................................................................................65

Verpeilspitze. ...............................................................................65

90

Schuhe für

jeden Zweck

Multifunktionsschuhe

für Damen

und Herren

im Test

110

Gipfel-Duell

Ein Kamm schöner als der

andere: Touren im Pitztal

Cover: B. Ritschel (Pürschling); Herbert Raffalt, Bernd Römmelt, Mark Zahel, Orler Images, Bernd Ritschel, Annika Müller

40 Alpines Mostviertel

Früher gefürchtet und gemieden, ist

die Gegend um den Ötscher im Mostviertel

inzwischen ein beliebtes Wandergebiet.

44 Der Publikumsliebling

Tolle Wege, tolle Hütten: Der Stubaier

Höhenweg ist mit Recht einer der populärsten

Hüttentreks der Alpen.

52 Alpenstadt Schenna

Schenna hat alles im Programm: reichhaltige

Historie, mediterranes Flair, alpine Gipfel

und gemütliche Waalwanderungen

74 Sonnenverwöhnter Kaiser

Die perfekte Tour, um Sonne satt zu tanken:

drei Tage unterwegs am Wilder-Kaiser-Steig

80 Trekking im Val di Fiemme

Wer hier unterwegs ist, kann sich nur

schwer den vielen Sagen entziehen: Report

aus einer Märchenwelt

110 Duell im Pitztal

Kaunergrat oder Geigenkamm? Das Pitztal

wartet mit einem Überangebot an Touren

auf. Wir helfen Ihnen beim Entscheiden.

Familien-TIPP

86 Serie: Geotop | Hohe Bleick

Die Turbidite am Hohen Trauchberg in

den Ammergauer Alpen sind ein besonders

ausdrucksvolles geologisches Lehrbeispiel.

SERVICE

90 Multifunktionsschuhe im Test

Zwölf Schuhmodelle, die eine Mischung

aus luftigen Trailrunnern und robusten

Wanderschuhen darstellen

100 Service: Erste Hilfe am Berg

Bei Unfällen im Gebirge ist man oft auf

sich allein gestellt. Dann zahlt es sich aus,

gut ausgerüstet und vorbereitet zu sein.

102 Serie: Stille Helfer

Trotz aller Bemühungen ist das Klettersteig-

Set nach wie vor kein Garant für folgenfreie

Stürze.

REPORTAGE

NEU!

68 Heiligenkult am Gran Paradiso

Hunderte pilgern Jahr für Jahr zum Santuario

San Besso. Der Kult hat die Zeiten überlebt

und beschäftigt nun die Wissenschaft.

116 Im Porträt:

Adam Ondra

Er trägt den Spitznamen »Zauberlehrling«,

ist gerade mal

zwanzig Jahre alt und hat das

Sportklettern

bereits

in eine neue

Dimension

geführt: So

tickt Adam

Ondra.

RUBRIKEN

Editorial 3

TV-Programm 20

Bergpredigt 56

Im Härtetest 106

Grassls Tipp 120

Briefe/Impressum 120

Bergwachteln 122

Vorschau 122

06⁄13 Bergsteiger 5


BERG-BILDER

Wolkenkunst

Ein Impressionist wie Claude Monet

hätte wohl sofort zum Pinsel gegriffen

angesichts der Farbexplosion am Morgenhimmel

im Karwendel. Föhnwolken sind

mit die bizarrste Wolkenart, sie stehen oft

stundenlang über dem gleichen Berg – und

das bei hohen Windgeschwindigkeiten.

Föhnwolken (Lenticularis) über der Soierngruppe

6 Bergsteiger 06⁄13


Überblick

Für den Bergwanderer sind es die

besonderen, im Wortsinne erhabenen

Momente. Alles Darunterliegende,

alles Schwere ist ausgeblendet.

Bischof (2033 m), Estergebirge und Loisachtal

8 Bergsteiger 06⁄13


Fernblick

Die Morgenstimmung ist in den

Bergen nie gleich. Je nach Luftfeuchtigkeit

präsentiert sich die

Silhouette der Bergketten anders.

Bayerische Voralpen

Ausblick

Der Horizont als Bühne: Langsam

wandert der Schatten des

»eigenen« Berges gen Horizont.

Die Nacht ist nicht mehr weit.

Schattenkegel des Krottenkopfs (2086 m)


Wolkenzauber

Oft sind es nur Augenblicke – Nuancen

im letzten Tageslicht –, in denen großartige

Stimmungen entstehen und

Wolken zu Kunstwerken formen. Sie

einzufangen, ist fotografische Passion.

Ich bin nun seit 14 Jahren

Hüttenwirt auf der Weilheimer

Hütte und habe

den ganzen Sommer die

gleichen Berge im Sichtfeld.

Es ist unglaublich,

wie Wolken die immer

gleiche Landschaft in eine

komplett andere Stimmung

versetzen können. Dabei bin ich immer

auf der Lauer, diese einzigartigen und

oft unwiederbringlichen Momente in Szene

zu setzten.

Christian Weiermann

Mehr Bilder und Infos gibt es auf den Seiten

www.weiermann-foto.de und www.krinerweiermann.de


Lebenskunst

Man kann das Gewicht der Gewitterwolken

förmlich spüren und

die Gefahr riechen. Das Jungrind

bleibt indes unbeeindruckt.

Estergebirge, Blitzeinschlag im Ammergebirge

Alle Fotos: Christian Weiermann

06⁄13 Bergsteiger 11


Bergsteiger

06/13 AKTUELL

Geehrt für die Besteigung

des Kyashar (6770 m),

Nepal: die drei Japaner

Tatsuya Aoki, Yasuhiro Hanatani,

Hiroyoshi Manome

Sébastien Bohin, Didier

Jourdain, Sébastien

Moatti, Sébastien Ratel,

geehrt für die Besteigung

des Kamet, Indien

Die Russen Dmitry

Golovchenko, Alexander

Lange und Sergey Nilov

bestiegen den Muztagh

Tower in Pakistan.

Nochmal Briten: Mick

Fowler und Paul Ramsden,

geehrt für ihre Shiva-

Besteigung (6142 m) über

den Nordostgrat

Zitat des Monats

Die Briten Sandy Allan

und Rick Allen wurden

geehrt für die Besteigung

des Nanga Parbat

über den Mazeno-Grat.

»Die Berge sind

ein grandioses Kino,

es gibt jeden Tag

einen neuen Film,

kein Bild ist wie das

andere, und man

selbst ist mittendrin

in diesem Schauspiel

– mit Haut und

Haaren.«

Stephan Siegrist, Schweizer Extrembergsteiger

Kyle Dempster, Hayden

Kennedy und Josh

Wharton (kein Bild) eröffneten

eine neue Linie

auf den Baintha Brakk.

Ein Preis für alle

PIOLETS D’OR ERSTMALS FÜR ALLE NOMINIERTEN

Alle sechs Nominierten haben in diesem Jahr den Piolet d’Or – die wohl

renommierteste Auszeichnung im Extrembergsteigen – erhalten. »Wir haben einstimmig

beschlossen, dass man sich nicht zwischen solchen unglaublichen Leistungen

entscheiden kann«, gab Jury-Vorsitzender Stephen Venables als Grund an.

In der Szene ist die Entscheidung auf Verwunderung gestoßen. »Was ist der

Sinn einer Verleihung, wenn man im Alpinismus keine Vergleiche anstellen

möchte? Und wie wurden dann überhaupt die sechs Nominierten unter den

mehr als 80 ursprünglichen Kandidaten ermittelt?«, fragt etwa Vinicio Stefanello,

Redakteur bei www.planetmountain.com.

David Lama, der zwar nicht zu den sechs Nominierten gehörte, dafür aber mit

einer »Special Mention« für die erste freie Begehung des Cerro Torre gewürdigt

wurde, findet die Entscheidung hingegen gut. »Ich glaube, dass es unmöglich

ist, eine Besteigung einzuschätzen, bei der man nicht selbst dabei war.« Gleichzeitig

ist er der Meinung, dass Alpinismus zu viel mit Kunst zu tun habe, um

Leistungen direkt mit Preisen und Auszeichnungen kategorisieren zu können.

Wie die Jury im kommenden Jahr verfahren wird, ist noch offen.

Ein Piolet d’Or immerhin ging unumstritten an nur einen Preisträger: Kurt

Diemberger erhielt den »Walter Bonatti Award« für sein Lebenswerk. –bw–

9a onsight!

ALEXANDER MEGOS KLETTERT

»ESTADO CRÍTICO«

Feuertaufe in Spanien: Im März ist der Erlanger

Alexander Megos für zwei Wochen ins

spanische Klettergebiet Siurana gereist und

hat gleich am ersten Tag Klettergeschichte geschrieben. Mit dem Durchstieg von

»Estado Crítico« im ersten Versuch ist es dem 19-Jährigen als erstem Kletterer

gelungen, eine Route im Schwierigkeitsgrad XI/9a onsight zu begehen. Und uner -

müdlich ging es weiter: Megos wiederholte verschiedene Routen im Grad X+

bis XI+ wie beispielweise den Klassiker »La Rambla« (XI+/9a+). Gutes Training zahlt

sich aus und Zeit dafür hatte Alexander Megos. Nach dem Abitur 2012 reiste er

zum Klettern nach Südafrika, Kalymnos und schließlich in die USA. –bd–

Foto: Julian Singer Fotos: www.pioletsdor.com

12 Bergsteiger 06⁄13


Fünf Fragen an …

Gipfelstürmer.

NEU!

Foto: Jörg Fokuhl

Hubert Heinl (52),

Revierleiter bei den

bayerischen Staatsforsten

in Sonthofen, der

regelmäßig Freiwillige

des »Bergwaldprojekts«

betreut, die ihm eine

Woche lang bei Waldarbeiten

helfen.

... den Bergwald-Förster

Sie sind seit 1988 Förster im Revier zwischen Gunzesried und

Oberstdorf. Wie steht es momentan um den Bergwald?

An und für sich nicht schlecht. Wir stehen vor der Herausforderung,

den Bergwald für den Klimawandel zu rüsten. Zwar gibt es überall

Wälder mit natürlicher Baumartenausstattung, sprich Mischwald aus

Fichte, Tanne, Buche und Bergahorn, es gibt aber auch immer

noch viele Flächen mit naturfernen Fichtenreinbeständen, die wir

wieder in Mischwälder umwandeln müssen.

Ist Waldsterben kein Thema mehr?

Die Szenarien aus den 1980er-Jahren vom großfl ächigen Waldsterben

sind ja nicht eingetreten. Natürlich ist nach wie vor eine Belastung

der Bäume durch Luftschadstoffe, vor allem durch Ozon, vorhanden.

Die Schwefeldioxid-Belastung hat bei uns aber zum Glück abgenommen.

Die Bäume sind auch nach wie vor von Blatt- und Nadelveränderungen

betroffen. Aber da können wir als Förster leider nichts machen.

Mit dem Bergwaldprojekt kommen immer wieder Freiwillige zu

Ihnen und wollen helfen. Was können sie tun?

Sie helfen, Mischwald anzupfl anzen, Pfl anzungen zu pfl egen, Steige

anzulegen. Sie arbeiten aber auch bei Moorrenaturierungen, Lebensraumverbesserungen

für Auer- und Birkwild sowie Verbissschutz mit.

Überfüllte Normalwege, Warteschlangen am Gipfel? Nicht auf

dem Großteil dieser 3000er, die Alpenkenner Richard Goedeke

in seinem Buch zusammengestellt hat. Fundiert und ausführlich

beschreibt der Autor 98 Aufstiege und gibt zu weiteren 306 Gipfeln

die wichtigsten Infos. Frisch verschneit bieten diese 3000er selbst

in den weithin viel besuchten Alpenregionen häufig die Chance,

sich dort oben wie der erste Mensch zu fuḧlen!

288 Seiten · ca. 250 Abb. · 16,5 x 23,5 cm

€ [A] 34,00 · sFr. 44,90

ISBN 978-3-7654-6122-4 € 32,99

Auf der einen Seite Hilfe, auf der anderen Seite Belastung durch

Luftverschmutzung und Klimawandel. Wie wird es weiter gehen?

Ich sehe das positiv. Der Wald wird überleben. Unsere Herausforderung

wird es sein, die Wälder für den Klimawandel fi t zu machen.

Der wird mehr Borkenkäfer durch höhere Temperaturen mit sich

bringen, weniger Schnee, mehr Regen und Unwetter. In den Alpen

kommt noch erschwerend hinzu, dass sich der Klimawandel extremer

auswirken wird als in anderen Regionen. Als Hauptproblem sehe

ich momentan die überhöhten Wildbestände, die uns die kleinen

Anpfl anzungen, vor allem die wichtige Weißtanne, wegfressen.

Wie wird man überhaupt Förster im Bergwald?

Durch Zufall und Glück. Und wenn man bereit ist, sich sehr viel

zu bewegen. Ich bin von Beruf zwar kein Bergsteiger, aber ich laufe

trotzdem dauernd in den Bergen umher. Interview: H. Schmidt

192 Seiten · ca. 120 Abb.

16,5 x 23,5 cm

€ [A] 27,80 · sFr. 36,90

ISBN 978-3-7654-6089-0

€ 26,99

Die Welt neu entdecken

144 Seiten · ca. 120 Abb.

16,5 x 23,5 cm

€ [A] 20,60 · sFr. 27,90

ISBN 978-3-7654-6064-7

€ 19,99

www.bruckmann.de

oder gleich bestellen unter

Tel. 0180-532 16 17 (0,14 €/Min.)


Foto: Salewa/Birgit Gelder

Bergsteiger

12/11 06/13 AKTUELL

Berg-Splitter

Einen Tick zu spät

Chris Sharma hat die mit 9b+ bewertete Route

»La dura dura« in Oliana, Spanien, wiederholt.

Obwohl der 32-jährige US-Amerikaner die Route

selbst eingebohrt hatte, war die Erstbegehung

bereits wenige Wochen zuvor dem tschechischen

Ausnahmekletterer Adam Ondra geglückt

(siehe Porträt S. 116–119).

–dp–

SALEWA Klettersteigtage in

Bad Hindelang

Am 8. und 9. Juni veranstaltet SALEWA ein

Klettersteig-Event in Bad Hindelang im Allgäu.

Auf dem Programm stehen verschiedene

Klettersteigtouren, Material-Check, Infos zur

Unfallvermeidung und speziell zum Sichern von

Kindern. Teilnehmer können die neuesten

Klettersteig-Produkte testen. Alle Informationen

unter www.salewa.de/klettersteigtage –bd–

Oberstdorfer Fotogipfel

Natur, Leben und Brauchtum steht – in

abgelichteter Form – im Mittelpunkt der Oberst -

dorfer Fotoausstellung vom 19. bis 25. Mai.

Gezeigt werden Ausstellungen renommierter

Fotografen wie Tim Mantoani oder Walter Schels.

Neben verschiedenen Fotografi e-Seminaren

werden täglich von Heinz Zak geführte Fotowanderungen

angeboten. Weitere Informationen

zum Programm sind erhältlich unter

www.fotogipfel-oberstdorf.de

–bd–

Foto: Archivio F. Ventura

Grau weicht grün

GLEICHE PERSPEKTIVE, GLEICHE JAHRESZEIT: EINE AUSSTELLUNG

VERGLEICHT GLETSCHER HEUTE UND VOR HUNDERT JAHREN

Cooler Schuss

RAINER EDER GEWINNT INTER-

NATIONALEN FOTOWETTBEWERB

Reinhold

Messner und

Fabiano Ventura

präsentieren

ihre Gletscher-

Ausstellung.

Gletscherschwund schwarz auf weiß: Noch bis 17. November ist im Messner

Mountain Museum Firmian in Bozen eine Ausstellung mit Gletscheraufnahmen

zu sehen. Das Besondere daran: Zu jedem gezeigten Gletscher existieren zwei

Aufnahmen. Die einen stammen von Expeditionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts,

die zweiten sind exakte Nachstellungen aus der jüngeren Vergangenheit, aufgenommen

von Fabiano Ventura. Perspektive und Jahreszeit der Aufnahme sind

die gleichen. Die Veränderung ist so auf einen Blick zu erkennen.

Anhand der Bilder zieht ein wissenschaftlicher Beirat, der das Projekt begleitet,

Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Gletscher.

Die Aufnahmen, die in der Ausstellung zu sehen sind, stammen aus dem Karakorum

(2009) und dem Kaukasus (2011). Weitere Expeditionen sind geplant für

Alaska, die Anden, den Himalaya und die Alpen.

–bw–

Beim spanischen Memorial-Maria-

Luisa-Fotowettbewerb werden jährlich

die besten Natur- und Bergfotografen

aus mehr als 73 Ländern ausgezeichnet.

In der Kategorie »Mountaineering« gewann

in diesem Jahr der Österreicher Rainer Eder. Der Outdoorfotograf – selbst

Klet te rer und Kenner der Szene – hatte bereits die Elite der Eis- und Felskletterer

wie David Lama, Cédric Lachat, Dani Arnold oder Chris Sharma vor der Linse.

Das Siegerbild zeigt die viermalige Eiskletterweltmeisterin Ines Papert beim Klettern

am Argentière-Gletscher in Chamonix.

–bd–

Foto: Visual Impact/Rainer Eder

Hoch hinaus im Herz der Schweiz

Egal ob Anfänger oder Profi-Level, bei der

zweiten »Alpine Arc’ademy« vom 14. bis 16. Juni

in Chamonix hat Arc’teryx für jeden Leistungsstand

den passenden Workshop im Programm.

Unterstützt werden die örtlichen Bergführer

von Profi -Alpinisten wie Ines Papert oder

Nina Caprez. Anmeldungen für das Bergsteigerwochenende

sind online möglich unter

www.alpinearcademy.com

–bd–

Ins rechte Licht gerückt

IMS PHOTO CONTEST GEHT IN NEUE RUNDE

Berge in Licht und Schatten: Wem zu diesem Motto bereits erste Motive in den

Sinn kommen, sollte sich am IMS Photo Contest beteiligen. Bis 21. Juli haben

Anwärter Zeit, ihre Aufnahmen einzureichen. Drei Finalisten werden zur Preisverleihung

beim IMS in Brixen am 19. Oktober eingeladen. Dort erfahren sie, wer den

Hauptpreis im Wert von 3000 Euro gewinnt. Alle drei Gewinnerbilder werden in der

Dezember-Ausgabe des BERGSTEIGER veröffentlicht. Alle Infos: www.ims.bz –bw–

14 Bergsteiger 06⁄13


Foto: Gerald Lobenwein

Tragischer Erfolg

BROAD PEAK: WINTER-

BESTEIGUNG GEGLÜCKT

Am 5. März ist den Polen

Maciej Berbeka, Adam Bielecki,

Tomasz Kowalski und

Artur Malek die erste Winterbesteigung

des Broad Peak (8047 m) in Pakistan gelungen. Doch nur zwei

Teammitglieder kehrten ins Basislager zurück. Inzwischen geht Expeditionsleiter

Krzysztof Wielicki vom Tod Maciej Berbekas und Tomasz Kowalskis

aus. Das Team brach am Gipfeltag um 5:15 Uhr von Lager 4 auf 7400 Meter

Höhe zum höchsten Punkt des Berges auf. Am Vorgipfel gab es laut dem

Sprecher der Expedition technische Schwierigkeiten, wodurch Berbeka und

Kowalski den Gipfel später als ihre Kameraden erreichten. Dann verliert

sich die Spur. Was genau in den letzten Stunden geschah, soll nun eine Kommission

des polnischen Bergsteigerverbands analysieren.

–bd–

Wandern und laufen

Nur zwei der vier polnischen Bergsteiger

überlebten die Expedition zum Broad Peak.

WANDERMARATHON HOHE TAUERN GEHT IN DIE ZWEITE RUNDE

Am 25. August findet der zweite Hohe Tauern Wandermarathon

in der Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden statt.

Die Veranstalter erwarten 500 Teilnehmer. Diese können sich

einzeln oder in der Staffel über 25,6 Kilometer und 851 Höhenmeter

aneinander messen. Für Kinder (8–13 Jahre) werden

die beiden Distanzen 7,4 und knapp drei Kilometer (4–7 Jahre)

angeboten. Die lange Strecke führt vom Startpunkt (750 m)

auf den ersten fünf Kilometern kontinuierlich bergauf bis auf

etwa 1100 Meter, dann in ähnlichem Gefälle wieder bergab.

Das Ziel befindet sich ebenfalls im Nationalparkzentrum. Die

Anmeldung ist möglich unter www.wandermarathon.info –sz–

Foto: Ralf Dujmovits

Berg-Fundstück

VON WEGEN FLASCHE

Faltbar, wiederverwendbar,

gefrierbar, aufhängbar,

spülbar in der Maschine,

und dann auch

noch BPA-frei:

Warum gibt

es so was

eigentlich

erst jetzt?

Vapur Anti-Flasche,

erhältlich mit 0,7 oder 1 Liter

www.trinkflaschen24.net, 15,95 €

200 Wanderer

und Läufer waren

2012 dabei,

heuer erwarten

die Veranstalter

500 Teilnehmer.

Carbonstöcke sind leichter, steifer und korrosionsbeständiger als herkömmliche

Aluminiumstöcke. Deshalb sind heute bereits mehr als die Hälfte unserer Stöcke

aus Carbon. Finden Sie das für Sie optimale Modell auf www.komperdell.com


Bergsteiger

12/11 06/13 AKTUELL

Umwelt und Nachhaltigkeit

GASTBeitrag

Foto: privat

Laura Linke

aus Burgberg

ist Mitglied der

Pressegruppe

des YPAC und

hat die Tagung

in Sonthofen

mitorganisiert.

»Wir wollen mitreden«

Uns ist es wichtig mitzureden und nicht

rumzureden! Um die Fragen zu diskutieren,

wie die Alpenstadt der Zukunft aussehen und

gestaltet werden soll, haben wir uns vom

11. bis zum 15. März in Sonthofen im Allgäu

getroffen. Mit »uns« meine ich die 80

Schülerinnen und Schüler des Jugendparlaments

zur Alpenkonvention (YPAC), das 2006

an einem Innsbrucker Gymnasium ins Leben

gerufen wurde und seither jedes Jahr in einem

anderen Alpenland tagt.

Aus unseren Ideen für nachhaltige und

umweltfreundliche Städtepolitik im Alpenraum

haben wir im Vorfeld einen Forderungskatalog

zusammengestellt, der dann in Sonthofen

der Öffentlichkeit und zahlreichen Vertretern aus

der Politik vorgestellt wurde.

Aus den Ideen, die im Allgäu besonders gut

ankamen, wurden schließlich zehn Resolutionen

beschlossen: beispielweise ein Bonus system

für die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel

zum Arbeitsplatz, ein »Mobility-Package«

mit Ermäßigungen für Familien und junge

Reisende in der Alpenregion oder die Gründung

einer sogenannte »Eco-University«, die sich

speziell mit ökologischen Themen befasst

und ein Austauschprogramm zwischen den

Alpen ländern ermöglicht. Dass unsere Vor -

schläge von den Politikern vor Ort so positiv

aufgenommen wurden, hat uns bestärkt,

unsere Ideen auch noch an höhere Stelle zu

tragen. Dazu haben wir eigens die Plattform

»Future« gegründet, deren Aufgabe es ist,

das YPAC gegenüber den Politikern zu reprä -

sentieren. Erste Erfolge haben wir bereits

erzielt: Bundesumweltminister Peter Altmaier

hat Vertreter des YPAC eingeladen, ihm

die diesjährigen Resolutionen vorzustellen.

Foto: Alpenverein/B. Seiser

Foto: DAV/Steffen Reich

Ging um 37 Meter zurück: das Obersulzbachkees in der Venedigergruppe

Ein Jahr, minus 97,3 Meter

OEAV STELLT ERNEUT STARKEN RÜCKGANG DER GLETSCHER FEST

2012 war kein gutes Jahr für die Eisriesen. Der aktuelle Bericht des Österreichischen

Alpenvereins (OeAV) besagt, dass 98 Prozent der Gletscher abgeschmolzen

sind, im Schnitt 17,4 Meter. Den Minusrekord führt die Pasterze am Großglockner

an, die seit der letzten Messung vor einem Jahr um 97,3 Meter zurückwich. Laut

Andrea Fischer, Leiterin des OeAV-Gletschermessdienstes, ist diese Zahl nicht nur

durch das Klima bedingt. »Unterdurchschnittliche Winterniederschläge« und eine

lange Schmelzsaison hätten dazu geführt, dass der Eisnachschub zur Zunge fehlte.

Im Vergleich dazu sei der Teil der Zunge, der von Schutt bedeckt ist, kaum zurückgewichen.

Auch Oskar Wörz, Vizepräsident des OeAV, versucht trotz alarmierender

Zahlen eine positive Entwicklung hervorzuheben. »Der Schutt sorgt dafür, dass sich

ein ge wisses Gleichgewicht einstellt«, sagt Wörz. »Das sieht nicht mehr so schön aus,

aber das Eis ist noch da.« Die Messungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen seiner

Meinung nach auch, dass »wir nicht nur einseitig von einer Katastrophe sprechen

können«. Tatsache bleibt, dass viele Touren in den Alpen bereits heute nicht mehr

so möglich sind, wie noch vor ein

paar Jahren und dass die Alpenvereine

bereits Geld in Sicherung

und Neubau von Hütten und Wegen

stecken, die durch das Auftauen

des Permafrostes gefährdet oder

bereits abgerutscht sind. –sz–

Die fünf stärksten Rückgänge

1. Pasterze (Glocknergruppe) -97,3 m

2. Gepatschferner (Ötztaler Alpen) -72,7 m

3. Waxeggkees (Zillertaler Alpen) -52,0 m

4. Viltragenkees (Venedigergruppe) -46,5 m

5. Vernagtferner (Ötztaler Alpen) -46,2 m

Skigebiete adé

DER DAV FORDERT NEUE KONZEPTE

Es sieht düster aus für Bayerns Skigebiete:

In den nächsten 20 Jahren schmilzt

ihnen der Schnee so schnell weg, dass sich

ein Betrieb nur noch für etwa 50 Prozent

der Gebiete rechnet. Das ist das Ergebnis

Auch Kunstschnee ist keine Rettung. einer Studie, die der DAV in Auftrag gegeben

hat. Die Wissenschaftler der Uni Innsbruck

bezogen die technische Beschneiung erstmals in ihre Berechnungen mit

ein. Ergebnis: Auch bei maximaler Aufrüstung seien mittelfristig nur Fell- und Nebelhorn

sowie Zugspitze schneesicher. Der DAV fordert ein Umdenken und stellt

sich gegen weitere Beschneiungsprojekte. »Die Kommunen müssen jetzt alternative,

nachhaltige Tourismuskonzepte vorantreiben«, bekräftigt Hanspeter Mair vom

DAV. Als Vorbild sieht er das Projekt der österreichischen »Bergsteigerdörfer«. –mr–

16 Bergsteiger 06⁄13


Gut für die CO2-Bilanz

MIT DEM BUS IN DIE BERGE

Um zeitgleich mit den

Heli-Skifahrern am

Gipfel zu sein, biwakierten

die Demonstranten.

Foto: Daimler AG/Peter Zangerl

Zur Anreise für Bergtouren gibt es durchaus

Alternativen zum Auto, was besonders

dann interessant ist, wenn Ausgangs- und Endpunkt

nicht identisch sind. Die Wendelstein-

Bus-Ringlinie zum Beispiel startete am 27. April

in die Saison. Sie verbindet täglich mit zwei

Bussen sämtliche Talorte rund um den Wendelstein

sowie das Sudelfeldgebiet; die Anschlüsse

zur Bayerischen Oberlandbahn (BOB)

und zur DB Regio sowie die Fahrzeiten der

Wendelstein-Seilbahn und -Zahnradbahn werden

dabei berücksichtigt. Den Fahrplan sowie

Tipps Frisch gibt saniert: es unter der www.wendelstein-ringlinie

Weg

de. über Vom die 15. Brunnenauscharte

Juni bis 13. Oktober fährt der Eng-

Bus wieder die

Strecke Bad

Tölz – Lenggries

– Vorderriß

– Hinterriß

– Eng.

Infos stehen

unter www.

rvo-bus.de

bereit. –pgk–

Demo auf 4200 Metern

ALPENSCHUTZORGANISATION MOUNTAIN WILDERNESS FORDERT

AUS FÜR TOURISTISCHE FLÜGE AUF DEN MONTE ROSA

Mountain Wilderness hat sich mit einer Demo auf 4200 Metern gegen

den Gebirgslandeplatz am Monte Rosa stark gemacht. Die Bergschutzorganisation

wollte nach Frisch eigenen saniert: Angaben der Weg mit der Aktion ihrer Forderung Nachdruck

verleihen, über Landeplätze die Brunnenauscharte

in Schutzgebieten zu touristischen Zwecken

wie etwa für Heli-Skiing zu verbieten.

Mit dieser Forderung steht Mountain Wilderness nicht alleine da. Ein im März

erschienenes Gutachten, das das Schweizer Umweltministerium in Auftrag

gegeben hatte, weist darauf hin, dass der Landeplatz in einem Schutzgebiet

liegt und seine Nutzung dieses schwerwiegend beeinträchtige. Laut Schweizer

Tagesanzeiger fordern die Ersteller des Gutachtens, die Eidgenössische Naturund

Heimatschutzkommission, dazu auf, die Ruhe und die Stille in der Hochgebirgslandschaft

zu erhalten. Ausnahmen seien nur zulässig, wenn für Flüge

ein Interesse von nationaler Bedeutung vorliege. Dies treffe jedoch nur auf

Flüge zu Ausbildungszwecken zu, nicht aber auf touristische Flüge. –bw–

Foto: Mountain Wilderness

„DIE BERGE BRAUCHEN

MICH NICHT, ABER

ICH BRAUCHE SIE.“

„NACH ÜBER 40 JAHREN HABE

ICH MICH DAMIT ABGEFUNDEN!“

HANWAG ProTeam: Peter Vogler

Bergführer seit 1972

vimeo.com/hanwag

www.hanwag.de

KATEGORIE TREK LIGHT | BANKS GTX

®

Leichte und sehr komfortable Wander schuhe

mit einer flexiblen Sohlenkonstruktion für lange

Wanderungen mit Tagesgepäck, aus gedehnte

Spaziergänge oder den täg lichen Einsatz.

Like us

on Facebook


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

06/13 AKTUELL

Medien

BergBücher …

Martin Scharfe

»BILDER AUS DEN ALPEN«

216 Seiten mit durchwegs farbigen Abb.,

Format 16 x 24 cm, gebunden, Böhlau

Verlag, Wien 2013, 22,90 €

Das Alpenvereinsmuseum

Innsbruck (des OeAV) und das Alpine

Museum München (des DAV)

haben jeweils eine umfangreiche

Sammlung an Gemälden, die Ansichten

eines Berges, eines Gletschers, eines Tales oder einer Hütte

darstellen sowie Porträts bekannter Bergsteiger und Alpenpflanzenbilder.

Das Interesse des Volkskundlers, Kunsthistorikers und

Soziologen Martin Scharfe richtet sich aber eher auf die Geschichten,

die in oder hinter einem Bild stecken, sozusagen auf die Pointe

des Dargestellten. So interpretiert er erfrischend subjektiv 66

Gemälde, indem er das Vordergründige mehr oder weniger übergeht

und dafür Details herausstellt und zum Teil deren Geschichte

fortführt. Entstanden ist ein auch optisch (Satz und Layout) bemerkenswertes

und empfehlenswertes Lesebuch.

–pgk–

Jochen Hemmleb

»AUSTRIA 8000. ÖSTERREICHI-

SCHE ALPINISTEN AUF DEN

HÖCHSTEN GIPFELN DER ERDE«

416 Seiten; 22,5 x 15,0 cm,

Hardcover, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-

Wien 2013, 19,99 €

Heldensagen überlässt

Jochen Hemmleb anderen.

Er nähert sich den 14 Achttausendern

wie gewohnt aus der

Perpektive des akribisch recherchierenden

Beobachters,

was dem Leser etwas Durchhaltevermögen

abverlangt.

Dass er sich dabei bewusst nur

auf österreichische Alpinisten

konzentriert und nicht in

unzähligen Details verliert, ist

eindeutig eine Stärke. –dp–

»MÄNNERTOUREN. 30 WANDER-

TOUREN FÜR ECHTE KERLE IN DEN

BAYERISCHEN HAUSBERGEN«

144 Seiten, Format 16,5 x 23,5 cm,

Softcover, J. Berg Verlag, München

2013, 17,99 €

Wenn Männer in die Berge

gehen, gelten andere Gesetze

als beim Familienausflug. Es ist

fast schon ein kleines Wunder,

dass es bislang noch kein Buch

gab, das Touren nach Kriterien

wie »Heute geben wir’s uns

richtig«, »Das Weißbier auf der

Hütte ist wichtiger als der Gipfel«

oder »Da müssen wir unbedingt

wieder rauf« klassifiziert.

Jetzt liegt es vor und macht

verdammt Lust auf die nächste

kernige Männertour. –mr–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: unafi lm

WER FINDET‘S SCHÖNSTE BLÜMELI?

Wofür? Bestimmung der Alpenblumen

Mitteleuropas

Wie? Gefi ltert werden kann nach Blütenfarbe,

Blütenart, Blattform und Blütezeit. Jede Blumenart

mit Bild und botanischen Informationen verfügbar

Wieviel? »Alpenblumen Finder« kostet 5,49 €

Warum? Weil sich kanpp 150 Alpenblumen kaum

einer auswendig merken kann.

»PEAK«

Das Paradies kränkelt: Die Alpen sind

zu einem bizarren Hybriden aus Technik

und Natur geworden. Für »Peak«,

2011 mit dem Dokumentarfilmpreis

des Goethe-Instituts ausgezeichnet, hat

Regisseur Hannes Lang mehr als ein Jahr

lang die Bau- und Produktionsprozesse

rund um den Ski-Tourismus beobachtet.

Er offenbart, was sonst unter der Kunstschneedecke

verborgen bleibt. –sz–

Von: Hannes Lang; vereinzelt noch im Kino zu

sehen; ab September auf DVD erhältlich

Aus: Deutschland/Italien

www.tourentipp.de

An dieser Stelle sei einmal völlig neidlos

und uneigennützig angemerkt, dass auch

andere Medien in Sachen Tourentipps

wirklich spitze sind. Das professionelle

Routenportal www. tourentipps.de besteht

zwar schon seit dem Jahr 2000, ist jedoch

derart empfehlenswert, dass zum Auftakt

jeder Wander- und Bergsaison darauf verwiesen

werden darf, nein, muss. –dp–

www.roterhahn.it

Ab nach Südtirol, aber wo übernachten?

Auf dieser Homepage finden sich 1600

Bauernhöfe für jeden Geschmack. –dp–

18 Bergsteiger 06 ⁄13


Gut ausgerüstet ...

mit 12 Ausgaben BERGSTEIGER +

Wanderschirm Swing Flashlite

Entscheiden Sie sich jetzt für ein Jahresabo von BERGSTEIGER

und sichern Sie sich ein ganzes Paket an Vorteilen:

• BERGSTEIGER kommt jeden Monat pünktlich zu Ihnen

nach Hause, sogar 2 Tage, bevor er am Kiosk liegt.

• Sie sparen 10 % gegenüber dem Einzelheft-Preis.

• 2013 in jeder Ausgabe nur für Abonnenten:

eine Postkarte der BERGSTEIGER-Fotoedition

• Sie erhalten als Begrüßungsgeschenk den hochwertigen

Wanderschirm Swing Flashlite in rot.

Gratis für Sie!

Foto: Andreas Strauß

Upps, Karte schon weg?

Dann bestellen Sie unter www.bergsteiger.de/abo!

Weitere Prämien zur Auswahl unter www.bergsteiger.de/abo!


TV-Programm Mai/ Juni 2013

14.5. | 18.15 | SWR

Wandern mit allen Sinnen

Über Stock und Stein

am Donnersberg, Pfalz

Dauer: 30 Min.

14.5. | 18.25 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise

Eine Reise durch

Pan-Amerika

Dauer: 50 Min.

20.5. | 10.30 | SWR

Der schönste Weg

über die Alpen

Vom Berner Oberland

ins Aostatal

Dauer: 45 Min.

20.5. | 11.15 | SWR

Alpenlust auf Schwäbisch

Die Stuttgarter Hütte

in Vorarlberg

Dauer: 30 Min.

20.5. | 11.45 | SWR

Wandern auf dem

Schwarzwälder Westweg

Dauer: 30 Min.

24.5. | 19.15 | Servus TV

Aus dem Leben

Faszination Fels

Dauer: 30 Min.

26.5. | 11.35 | HR

Von Berggeistern, Bauern

und Bürgerkrieg

Die Pyrenäen Kataloniens

Dauer: 45 Min.

26.5. | 17.15 | ZDF Info

Tibet – Reise durch ein

verbotenes Land

Das Geheimnis

des heiligen Berges

Dauer: 45 Min.

1.6. | 12.15 | N 3

Weltreisen

Quer durch Kuba – Unterwegs

in Castros Karibik-Insel

Dauer: 30 Min.

1.6. | 16.45 | alpha

Fernweh

Reisereportage: Amazonien

Dokumentation

Dauer: 30 Min.

2.6. | 16.05 | MDR

Heute auf Tour

Am Gardasee –

Wandern und Klettern

Dauer: 25 Min.

J15.5. | 12.25 | 3sat

Der Dachstein

Dauer: 35 Min.

15.5. | 18.25 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise

99 Tage im Eis

Dauer: 50 Min.

16.5. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa Kreta

Dauer: 55 Min.

18.5. | 15.00 | N 3

Die schönsten Naturparadiese

des Nordens

Dauer: 45 Min.

18.5. | 15.45 | SWR

Moselwandern ....

per pedes und per Brett

Dauer: 30 Min.

19.5. | 9.15 | HR

Das Kinzigtal

im Schwarzwald

Dauer: 45 Min.

19.5. | 13.55 | 3sat

AH

La Haute Route – Von

Chamonix bis Zermatt

Dauer: 30 Min.

19.5. | 18.00 | Servus TV

Retroalpin Die Berge,

Die Menschen, Der Wahn

Dauer: 60 Min.

19.5. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Kurz & Knapp Zinalrothorn –

Traumberg vis-a-vis

vom Matterhorn

Dauer: 30 Min.

20.5. | 12.15 | SWR

Auf dem Westerwaldsteig

von Herborn bis Bad

Marienberg zum Rhein

Dauer: 60 Min.

AH

J20.5. | 13.45 | SWR

Wanderlust – Der Eifelsteig

Dauer: 45 Min.

20.5. | 15.15 | SWR

Hochsaison in den

Allgäuer Alpen

Dauer: 30 Min.

20.5. | 16.30 | SWR

Traumpfade zu Fuß

über die Alpen

Dauer: 90 Min.

20.5. | 17.45 | S: Disc. Channel

Everest: Spiel mit dem Tod

Gipfelträume

Dauer: 48 Min.

20.5. | 19.25 | S: Disc. Channel

Everest: Spiel mit dem Tod

Aufbruch zum Gipfel

Dauer: 48 Min.

21.5. | 18.50 | HR

service: reisen

Zillertal

Dauer: 25 Min.

23.5. | 21.15 | Servus TV

Bergwelten

Mythos Everest

Dauer: 60 Min.

26.5. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Dauer: 30 Min.

27.5. | 18.25 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise

Marokko: Im Land der Berber

Dauer: 50 Min.

28.5. | 18.25 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise

Durch die Sahara

Dauer: 50 Min.

J28.5. | 20.15 | ZDF

Mythos Everest

Dauer: 45 Min.

29.5. | 19.30 | ZDF Info

Mythos Everest –

Der Schicksalsberg

Dauer: 45 Min.

30.5. | 16.00 | Phoenix

Auf der Datumsgrenze

durch die Südsee

Vom Maori-Berg

nach Pukapuka

Dauer: 45 Min.

30.5. | 18.00 | Phoenix

Abenteuer Yukon

Dauer: 30 Min.

31.5. | 20.15 | Servus TV

Bergwelten

Nepal – Auf dem Weg

zum Kristallberg

Dauer: 60 Min.

AH

J2.6. | 16.15 | BR

Fernweh – Spitzbergen

Reisereportage

Dauer: 30 Min.

2.6. | 21.15 | BR

freizeit

Schmidt Max übernachtet

in der Steilwand

Dauer: 30 Min.

4.6. | 20.15 | alpha

Im Herzen der Bretagne

Eine Reise entlang des

Nantes-Brest-Kanals

Dauer: 45 Min.

5.6. | 14.15 | N 3

Bilderbuch Deutschland

Der nördliche Schwarzwald –

Weinberge, Sterneküche,

heilende Wasser...

Dauer: 45 Min.

12.6. | 15.45 | Arte

Reise durch Amerika

Hawaii – Vulkane

als Lebensquelle

Dauer: 25 Min.

13.6. | 23.15 | Arte

Operation Eisberg

Geburt eines Giganten

Dauer: 50 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

20 Bergsteiger 06 ⁄13


Brenta Dolomiten Italien.

Träume …

… leben.

Spannende Ausrüstungs- und Reisetipps von

Globetrotter Experten zum Thema Sportklettern

unter www.4-Seasons.TV/sportklettern


TITELTHEMA

Serie: Die Paten

Teil 1:

Vorwärts in die

Vergangenheit

Auf den Spuren von Ludwig Ganghofer, Toni Gaugg und anderen engagierten

Menschen, die einen Teil ihres Lebens den Bergen widmeten

22 Bergsteiger 06⁄13


Wer am Ganghoferweg unterwegs

ist, blickt immer wieder

auf die Gehrenspitze (re.).

Foto: Bernd Römmelt

Es kommt auch in den Bergen

immer wieder vor, dass einem

Menschen aus der Vergangenheit

begegnen. Sie tun das natürlich

nicht leibhaftig, was wohl auch

ziemlich merkwürdig wäre, wenn plötzlich

der junge Paul Preuß neben Walter Bonatti

angeklettert käme. Nein, man trifft die Personen

in Form von Namen.

Da geht es beispielsweise über den Hermann-von-Barth-Weg

ins Wetterstein, man

steigt im Wallis auf den Gipfel der Dufourspitze,

wandert gemütlich zum Purtschellerhaus

oder knüpft beim Abseilen den Prusikknoten.

Meistens macht man sich nicht

allzu viele Gedanken bei diesen Begriffen.

Aber wer versteckt sich eigentlich hinter

Hermann von Barth, hinter Dufour, Purtscheller

und diesem Prusik?

Die Gemeinsamkeit? Bergleidenschaft!

Wir wollen in der BERGSTEIGER-Serie »Die

Paten« in den kommenden Monaten an

die Namensgeber in den Bergen erinnern

und ihr Erbe am Leben halten. Der erste

Teil in dieser Ausgabe widmet sich einigen

ausgesuchten Wegen und Steigen in den

Nordalpen. Teil zwei wird von den hohen

Gipfeln in den Westalpen handeln und Teil

drei einige namhafte Übernachtungsmöglichkeiten

südlich des Alpenhauptkamms

vorstellen. Eine Sonderrolle kommt dem

vierten und abschließenden Teil der Serie

zu, weil darin die Urheber für bestimmte

Techniken aus der Welt des Alpinismus

vorgestellt werden – von der Abalakov-

Eissanduhr bis zum Dülfer-Sitz.

Interessant ist dabei, dass die Namensgeber

der Berge, Wege und Hütten häufig aus den

verschiedensten Lebensbereichen stammen:

Es sind Kletterer und Bürgermeister,

Dichter und Industrielle, Geografen und

verdiente DAV-Mitglieder. Manche der

vorgestellten Personen werden Ihnen als

Leser möglicherweise bereits bekannt vorkommen,

andere haben schon zu Lebzeiten

ein eher unauffälliges Leben geführt. Eines

verbindet sie jedoch alle: die Liebe zu den

Bergen.

–dp–

Der zweite Teil über die Gipfelpaten der Westalpen

erscheint in der August-Ausgabe.

06⁄13 Bergsteiger 23


[ Nr. 1 Maximiliansweg ]

Der Watzmann-Blick ist Lohn für alle,

die den Weg bis zum Ende gehen.

Fotos: Bernd Römmelt, Eugen E. Hüsler

Die Namensgeber

1

König Maximilian II.

Maximiliansweg

2

Josef Enzensperger

Enzenspergerweg

24 Bergsteiger 06⁄13


Es regnete und regnete in diesem

Sommer 1858. Doch die Reise war

längst »gebucht«, und so ging’s am

24. Juni in Lindau los, zu Fuß und

hoch zu Ross, ein ganzer Tross. Das Volk

ließ seinen König unterwegs hochleben,

und am Ende der fünfwöchigen Unternehmung

meinte Maximilian II. beim abschließenden

Diner in Berchtesgaden: »Es

gereicht mir zur großen Freude, dass auch

Sie sich alle so gut amüsiert haben.«

Friedrich von Bodenstedt, der Chronist

dieser Reise, erwiderte darauf: »Der Unterschied

besteht nur darin, dass Eure Majestät

auf dieser Reise sich menschlich amüsiert

haben und wir uns königlich.«

Maximilian II. bestieg den bayerischen

Thron im Jahr 1848; er gilt als »Bürgerkönig«,

dem Prunk und Pomp zuwider waren.

Als großer Förderer von Wissenschaft und

Kunst hatte er die Vision, das Bauernland

Bayern zu einem europäischen Zentrum

der Moderne zu machen. Dafür holte er

zahlreiche namhafte Wissenschaftler an

die Isar, vor allem aus dem protestantischen

(und liberalen) Norden, was bei der

katholischen Bevölkerung wie beim Klerus

auf wenig Verständnis stieß. Maximilian II.

war allerdings auch Traditionalist; Dirndl,

Janker und Lederhose erlebten unter ihm

eine echte Renaissance. Er war es, der die

Tracht hoffähig machte.

Der König sagt, wo’s langgeht

Verlauf: 22 Etappen. Lindau –

Wolfurt – Lingenau – Staufner

Haus (1614 m) – Gunzesried

– Rehbach – Füssen

– Tegelberghaus (1707 m) –

Linderhof – Höndlhütte

(1390 m) – Eschenlohe –

Herzogstandhaus (1573 m)

– Tutzinger Hütte (1325 m)

– Lenggries – Bad Wiessee –

Fischbachau – Wendelstein

(1838 m) – Mitteralm

(1198 m) – Hochrieshaus

(1568 m) – Kampenwand

(1663 m) – Hochgernhaus

(1461 m) – Ruhpolding –

Reichenhaller Haus (1750 m)

– Berchtesgaden

Gehzeit: Pro Etappe zwischen

4 und 7½ Std., gesamt

132 Std.

Streckenlänge: Pro Etappe

zwischen 10 und 24 km,

gesamt 366 km

Übernachtung: In Berghütten,

Gasthöfen und Hotels.

Stets am Vortag reservieren!

Einige Unterkünfte zeichnen

sich durch eine besonders

schöne Lage aus, etwa das

Staufner Haus, das Tegelberghaus,

das Pürschlinghaus,

das Herzogstandhaus, das

Hochgernhaus und das

Reichenhaller Haus. Bei der

Brunnenkopfhütte handelt

es sich um die ehemalige

Jagdhütte von Maximilian II.

(die er auf seiner Reise auch

besuchte).

Literatur: Bruckmann Wanderführer

»Maximiliansweg«

Maximilian II., ein König zwischen Moderne

und Tradition. Dass seine Reiseroute

heute auch seinen Namen trägt, würde ihm

bestimmt gefallen.

Eröffnet wurde der »Maximiliansweg« 1991,

und im Vorwort zu einem Buch über die

»Königsroute« wünschte Fritz März, damals

Erster Vorsitzender des DAV, dem Weg alles

Gute. Dabei ging allerdings vergessen, dass

Neues in unserer Zeit grundsätzlich beworben

werden muss, und beim »Maximiliansweg«

reichte es bis heute nicht einmal

zu einer einheitlichen Markierung (eine

Königskrone?) von Lindau bis nach Berchtesgaden.

Schade, aber das könnte man ja

noch ändern… –Eugen Hüsler–

Die einzelnen Etappen sind im

Allgemeinen gut ausgeschildert.

3 5 7

Hermann Uhde-Bernays

Uhde-Bernays-Weg

Hermann von Barth

Hermann-von-Barth-Steig

Ludwig Ganghofer

Ganghoferweg

Heinrich Noë

Heinrich-Noë-Steig

Anton Gaugg

Toni-Gaugg-Weg

4 6 8 10

Dr. Julius Mayr

Dr.-Julius-Mayr-Weg

9

Johann Grill

Kederbacher-Weg

Irg Steiner

Irg-Klettersteig

Fotos: Stadtmuseum Kaufbeuren, DAV-Sektion Hanau, Nationalpark

Berchtesgaden, Museum Georg Schäfer Schweinfurt,

06⁄13 Bergsteiger 25


[ Nr. 2 Enzenspergerweg ]

Allgäuer Alpen

Josef Enzensperger, 1873 in Rosenheim

geboren, zählte um die Jahrhundertwende

zu den besten deutschen

Bergsteigern. Nachdem er 14-jährig

mit seiner Familie nach Sonthofen übersiedelte,

erkundete er vor allem die Allgäuer

Alpen und machte diese später durch

Veröffentlichungen in Klettererkreisen

populär. 1892 trat Enzensperger als Mitbegründer

des Akademischen Alpenvereins

München – der sich das führerlose,

»forschende« Bergsteigen auf die Fahnen

schrieb – in Erscheinung. Damit ist auch

das zweite große Kapitel seines Lebens ver-

knüpft. Denn Josef Enzensperger studierte

Meteorologie und hatte eine Zeit lang den

höchsten Arbeitsplatz ganz Deutschlands

inne: als erster Beobachter auf der »Königlich

Bayerischen Meteorologischen Hochstation

Zugspitze«, wie die Wetterwarte

damals hieß. Das wissenschaftliche Talent

bescherte ihm bald darauf die Teilnahme

an Drygalskis Südpolar-Expedition. Von

dieser sollte er jedoch nicht mehr zurückkehren.

Josef Enzensperger starb wenige

Tage vor seinem dreißigsten Geburtstag

auf den Kerguelen, einer Inselgruppe vor

der Antarktis.

–Mark Zahel–

[ Nr. 3

Lechtaler Alpen

Die Felskanzel der Rotwand

neben dem Balschtesattel

Durch die Hornbachkette

Der Enzenspergerweg durchquert

die Hornbachkette in den südlichen

Allgäuer Alpen (Lechtal). Im engeren

Sinn handelt es sich um den Übergang

zwischen Kaufbeurer Haus und

Hermann-von-Barth-Hütte. Darauf beziehen

sich auch hiesige Angaben. Mitunter

wird der Weiterweg zur Kemptner

Hütte als Westteil einbezogen.

▶ mittel 5½ Std.

900 Hm +14 J.

Charakter: Eher wenig frequentierter

Übergang durch stille Kare über dem

Lechtal. Teils Matten, teils Schrofen

bzw. Geröll, stellenweise Trittsicherheit

erforderlich

Ausgangspunkt: Hinterhornbach

(1101 m), in einem Seitental des

Lechtals

Endpunkt: Elbigenalp (1039 m) im

Lechtal

Route: Hinterhornbach – Kaufbeurer

Haus (Selbstversorger) – NO-Grat der

Bretterspitze (Gipfelabstecher empfehlenswert)

– Gliegerkar – Luxnacher

Sattel – Noppenkar – Balschtesattel

– Balschtekar – Hermann-von-Barth-

Hütte – Elbigenalp

Von einer Bergleidenschaft erkennt

man in Hermann Uhde-

Bernays’ Biografie auf den ersten

Blick reichlich wenig: 1873

in Weimar geboren, Shakespeare-Fan, Student

der Literatur und Kunstgeschichte,

später Assistent im Germanischen Nationalmuseum

in Nürnberg, dann Kunsthistoriker

in München. Und trotzdem wurde

ein Weg in den Lechtaler Alpen nach ihm

benannt.

Wie das Leben eben manchmal so spielt,

kam sein Name schlicht und ergreifend

den richtigen Personen im richtigen

Moment in den Sinn. Dann nämlich, als

Ludwig Purtscheller, ein bedeutender

Alpin-Schriftsteller, im Montblanc-Massiv

tödlich abstürzte. Schon vor seinem

Tod hatte dieser in der Gegend um die

Hanauer Hütte recherchiert, um für eine

Münchner Bergsteigerzeitung einen Bericht

zu verfassen. Dies übernahm nun

Uhde-Bernays. Im Rahmen seiner Recherchen

machte er sogar noch eine Erstbegehung:

die »Hanauer Spitze«. Die Veröffentlichung

erfüllte ihren Zweck und die

Hanauer Hütte wurde innerhalb kurzer

Zeit zu einem beliebten Tourenziel. Aus

Dankbarkeit gab die Sektion dem Weg von

Gramais zur Hütte Uhde-Bernays’ Namen.

Zur NS-Zeit – Uhde-Bernays selbst war

in dieser Zeit ein Schreibverbot auferlegt

worden – benannte die Sektion den Weg

nach Aufforderung vom Hauptverein allerdings

wieder um, da Hermann Uhde-

Bernays Stiefsohn eines Juden war. Erst

in diesem Sommer soll der Weg wieder

seinen ursprünglichen Namen erhalten.

–Bettina Willmes–

26 Bergsteiger 06⁄13


[ Nr. 4 Hermann-von-Barth-Steig ]

Wetterstein

Der Kogelsee ist nicht der

einzige See auf dem Weg.

Uhde-Bernays-Weg ]

Neuer alter Name

Der Weg führt von Gramais über den

Kogelsee zur Hanauer Hütte.

▶ leicht 3½ Std.

600 Hm +12 J.

Charakter: leichter Höhenweg mit

vielen landschaftlichen Höhepunkten

Ausgangspunkt: Gramais (1321 m)

Endpunkt: Hanauer Hütte (1922 m)

Route: Gramais – Kogelsee – Kogelseescharte

– Parzinnsee – Parzinn-

Almhütte – Hanauer Hütte

Dem Zufall hat Hermann von

Barth (1845–1876) nie so recht

über den Weg getraut. Als Jurist

und späterer Naturwissenschaftler

lag das wohl in seinem Wesen.

Bezeichnend für diese Haltung ist, dass

er bei seinen Gipfelerkundungen, die er

in der Regel alleine unternahm, immer

ein Fläschchen Gift mit sich führte. Sollte

er unrettbar abstürzen, hätte er seinem

Leben so ein schnelles und schmerzloses

Ende bereiten können.

Soweit kam es nicht. Dabei war von Barth

ausgesprochen aktiv. Vor allem für seine

Besteigungen im Karwendel ist er bekannt.

Im Sommer 1870 bestieg er dort

rund 85 Gipfel, zwölf davon als erster.

Ein Jahr später widmete er sich dem Wetterstein.

Bergsteigen war zu dieser Zeit

längst in Mode – die meisten Viertausender

der Westalpen waren bestiegen, im

Karakorum hatten Bergsteiger bereits

die 7000-Meter-Marke geknackt. Doch die

Nördlichen Kalkalpen galten als Voralpen

und damit als zweitrangig. Freies Feld also

für Hermann von Barth.

Neben dem Giftfläschchen waren Skizzenblock

und Stift wesentliche Utensilien

bei seinen Erkundungen. Damit

dokumentierte er alles ganz genau –

Grundlage für seinen Klassiker »Aus den

Nördlichen Kalkalpen«.

Seinen Tod nahm von Barth schließlich

doch noch selbst in die Hand. Allerdings

in Afrika und mittels Revolver. Nachdem

er mit 27 Jahren erneut zum Studenten

wurde – diesmal Geologie und Paläontologie

– reiste er 1876 auf Einladung der portugiesischen

Regierung zu Forschungszwecken

nach Angola. Dort erkrankte er

an einer Tropenkrankheit, sah seine Forschungsreise

als gescheitert – und nahm

sich das Leben. –Bettina Willmes–

Karwendelkenner

im Wetterstein

Der Steig führt von der Meilerhütte

auf den Westgipfel der Partenkirchner

Dreitorspitze im Wetterstein.

▶ A 2 Std.

250 Hm +12 J.

Charakter: Einfacher und kurzer

Klettersteig, der allerdings etwas

steinschlaggefährdet ist. Daher am

besten mit Helm losziehen

Ausgangspunkt: Meilerhütte (2372 m)

Endpunkt: Westgipfel Partenkirchener

Dreitorspitze (2633 m)

Route: Hütte – Felswände des Bayerländerturms

– Leutascher Platt – in

zwei großen Kehren zur Gipfelwand,

weiter in kurzen Kehren zum höchsten

Punkt

Fotos: Mark Zahel (2), Georg Hohenester

Prominente Nachbarn: Blick auf

Alpspitze, Hochblassen und Zugspitze

06⁄13 Bergsteiger 27


[ Nr. 5 Ganghoferweg ]

Wetterstein

Man muss nicht unbedingt Berge

erklimmen, um Pfadpate zu

werden. Bei Ludwig Ganghofer

(1855–1920) hat es schon

gereicht, Heimatromane zu schreiben, die

in den Bergen spielen. Mit diesen Romanen

traf er den Geist der Zeit, auch wenn es viele

gab, die sie als Kitsch abtaten. Immerhin

war Ganghofer Lieblingsautor von Kaiser

Wilhelm II., heißt es. Auch heute noch

werden seine Bücher verlegt. Wesentlich

für die Benennung des Wegs im Gaistal war

aber sicher auch, dass sein Jagdhaus über

eben diesen Weg erreichbar ist. Dort empfing

Ganghofer, der eigentlich in München

lebte, so illustre Gäste wie Ludwig Thoma,

Rainer Maria Rilke oder Richard Strauß.

Dabei ging der ursprüngliche Werdegang

des Autors zunächst so gar nicht in Richtung

Schöne Künste. Er absolvierte eine

Lehre als Schlosser und Monteur und studierte

anschließend Maschinenbau. Erst

dann wechselte er zu Literaturgeschichte

und Philosophie. Mehr zur Person lässt sich

in einer Ausstellung des Stadtmuseums

Kauf beuren erfahren. –BettinaWillmes–

Fast vergessen

Der Heinrich-Noë-Steig verbindet die

Karwendelgrube mit der Brunnsteinhütte.

Am Gatterl kreuzt er den

Mittenwalder Höhenweg. Die beiden

lassen sich auch gut verbinden.

▶ K1 2 Std.

350 1800 +12 J.

Charakter: Einfacher Klettersteig,

der seit dem Bau des Mittenwalder

Höhenwegs etwas vernachlässigt

wird. Dabei bietet er sehr schöne

Landschaftseindrücke.

Ausgangspunkt: Bergstation Karwendelbahn

(2244 m)

Endpunkt: Brunnsteinhütte

(1523 m)

Route: Bergstation – Karwendelgrube

– Gatterl (2260) – Brunnsteinhütte

[ Nr. 6 Heinrich-

Endpunkt Jagdschloss

Der Ganghoferweg führt durch das

Gaistal zum ehemaligen Jagdschloss

Ludwig Ganghofers.

▶ einfach 5 Std.

400 Hm +6 J.

Charakter: Einfache Wanderung mit

wenig Steigung. Schöne Ausblicke auf

Hohe Munde und Wettersteinmassiv

Ausgangspunkt: Parkplatz Gaistal

(Salzbachbrücke, 1239 m)

Endpunkt: Gaistalalm (1366 m)

Route: Parkplatz – rechts über die

Brücke – Ganghoferweg – Gaistalalm

– Tillfussalm – Jagdschloss. Rückweg

gemäß Hinweg oder entlang der

Leutascher Ache

Variante: Die Wanderung lässt sich

zu einer mittelschweren Gipfeltour

aufpeppen, indem man den

Predigtstein (2234 m) ansteuert.

Dazu an der Salzach entlang zu

Wettersteinhütte/Wangalm. Weiterer

Verlauf: Rossberg-Grat – Schönberg

– Rotmoosalm – Predigtstein – über

Fahrweg bis Schild »Salzbach«, dann

über Steig und zuletzt Ganghoferweg

zurück zum Parkplatz

Immer wieder zeigt sich auf

dem Weg die Hohe Munde.

Heinrich Noë (1835–1896) wurde

bekannt als Reiseschriftsteller.

Nach einem Studium der Literatur-

und Naturwissenschaften arbeitete

er als Hof bibliothekar in München

und in London. Mit etwa dreißig Jahren

begann er seine Tätigkeit als Schriftsteller.

Manche heute bekannten Tourismusregionen

haben ihren Ruf ursprünglich durch

ihn erhalten, so war er beispielsweise von

Berchtesgaden, Cortina d’Ampezzo oder

Arco sehr angetan. Eine Zeitlang lebte

er in Mittenwald, dem Startpunkt für

den nach ihm benannten »Heinrich-Noë-

Weg«. Hier war er auch einer der Mitbegründer

der AV-Sektion, später übersiedelte

er nach Wien und wurde Herausgeber

der »Alpenzeitung«.

Das Reisen wurde ihm schließlich zum

Lebensinhalt, er war in halb Europa unterwegs,

einen festen Wohnsitz hatte er

nicht mehr. Seine Fremdsprachenkenntnisse

(18 Sprachen) halfen ihm bei den

Recherchen für seine Bücher. Neben ein

28 Bergsteiger 06⁄13


[ Nr. 7 Toni-Gaugg-Höhenweg ]

Karwendel

Noë-Steig ]

Der Westlichen Karwendelspitze

kommt man auf dem

Noë-Steig sehr nahe.

Karwendel

paar Romanen handelt es sich um Reiseberichte

aus vielen Alpenregionen.

Den Tod einer seiner Töchter verkraftete

Heinrich Noë nicht, er starb verarmt in

Bozen.

–Andrea Strauß–

Einmal ist bei Anton Gaugg eine

Karte angekommen, aus Chile. Auf

der stand nur: Pleisentoni, Karwendel,

Austria. Wie gesagt: Die Karte

kam an.

Anton Gaugg war der Pleisentoni. Unter

diesem Namen kannten ihn die Menschen

in seinem Heimatort Scharnitz – und weit

darüber hinaus. Man fragt sich heute

manchmal, ob der Pleisentoni seinen

Spitznamen durch seinen Lieblingsgipfel

erhalten hat oder ob es nicht eher umgekehrt

war, und die 2569 Meter hohe Pleisenspitze

nach ihm benannt wurde.

Jedenfalls war der Pleisentoni selbst ein

Teil des Karwendels. Einer, der seinen Lebenstraum

verwirklichte. Im Dezember

1949 kehrte er aus der russischen Kriegsgefangenschaft

zurück. Zuvor hatte er

sich geschworen. »Wenn ich das überlebe,

baue ich mir da oben eine Hütte.« Er überlebte

die Gefangenschaft. Und er baute auf

1757 Metern eine Hütte, die er dem Hang

und dem Bergwald mit seinen Zimmermannhänden

abtrotzte. Das Monument

seines Willens ist heute ein beliebtes

Ganzjahresziel für Mountainbiker, Wanderer,

Skitouren- und Schneeschuhgeher

und wird von seinem Sohn Sigi geführt.

Das Vermächtnis des Pleisentoni reicht

weit darüber hinaus. Er überquerte das

Karwendel auf unbekannten Pfaden wie

dem Toni-Gaugg-Höhenweg, holte in Bergnot

Geratene aus der Wand und ging als

passionierter Höhlenforscher sogar in die

Berge hinein. Aus der Vorderkarhöhle zog

er 1951 das Skelett eines Elchkalbes, das

heute im Besucherzentrum im Tal steht.

»Botschafter für Scharnitz«, nannte ihn

der Kunst- und Kulturverein des Ortes,

ein Wikipedia-Eintrag bezeichnet ihn als

»Luis Trenker des Karwendels«, Zeitungen

adelten ihn als »lebende Legende«.

Er selbst sagte einmal: »Wenn mich einer

nicht kennt, ist das eine Bildungslücke.«

Als im Sommer 2006 eine Videodokumentation

über ihn gezeigt wurde, war

das Interesse angeblich so groß, dass die

Sitzreihen im Gemeindesaal von Scharnitz

nicht ausreichten. Ein halbes Jahr

später starb der Pleisentoni im Alter von

87 Jahren. Seine Heimat lässt sich auf

dem Toni-Gaugg-Höhenweg noch immer

erleben.

–Dominik Prantl–

Karwendel pur

Der landschaftlich überragende

Toni-Gaugg-Höhenweg führt von der

Pleisenhütte (Richtung Pleisenspitze

nach 15 Min. rechts abbiegen) mitten

durch die Karwendelhauptkette

zum Karwendelhaus. Trittsicherheit,

Schwindelfreiheit und gute Kondition

sind unerlässlich. Die Schlüsselpassage

am teilweise mit Drahtseilen

gesicherten Brendlsteig kommt

erst im letzten Drittel eines langen

Bergtages.

▶ schwierig 7–8 Std.

1100 Hm +14 J.

Charakter: Kaum begangener,

über weite Teile alpiner Steig im

felsigen Gelände des Karwendels. Für

geübte Bergwanderer eine grandiose

Tagestour. Auf halbem Weg bietet eine

Biwakschachtel bei Unwetter Schutz.

Ausgangspunkt: Pleisenhütte (1757

m), in etwa 2½ Std. über Wanderweg

von Scharnitz (964 m) erreichbar

Endpunkt: Karwendelhaus (1771 m)

Route: Pleisenhütte – Abzweig nach

rechts auf Toni-Gaugg-Höhenweg

– Hinterkar – Breitgrieskarspitze –

Biwakschachtel an der Breitgrieskarscharte

– Marxenkar – Brendlsteig –

Schlauchkargraben – Karwendelhaus

Fotos: Dominik Prantl, Bernd Römmelt (2)

Auf halber Strecke bietet

eine Biwakschachtel Schutz.

06⁄13 Bergsteiger 29


[ Nr. 8 Dr. Julius-Mayr-Weg ]

Mangfallgebirge

Trotz Warnung: Für die meisten

ist der Steig gut zu bewältigen.

Kurze Etappe

mit Gipfel

Der Dr.-Julius-Mayer-Weg führt vom

Brünnsteinhaus auf den Brünnstein:

kurz, leicht und mit einem originellen

Durchschlupf hinter einem Felsturm

▶ K1 4½ Std.

900 Hm +8 J.

Charakter: Zwischen Hütte und Gipfelkapelle

gut ausgebaute Steiganlage

mit Metalltreppen und durch einen

engen, relativ langen Felsspalt

Ausgangspunkt: Brünnsteinhaus

(1342 m), erreichbar von Tatzelwurm

(764 m) oder Gasthaus Rosengasse

(1125 m)

Endpunkt: Brünnstein (1619 m)

Route: Tatzelwurm bzw. Rosengasse

– Brünnsteinhaus - »Dr.-Julius-Mayer-

Weg« – Brünnstein

Der Erste war Johann Grill nicht

nur einmal in seinem Leben: Erstdurchsteiger

der Watzmann-Ostwand,

erster Bergführer Deutschlands,

erster Wirt des Watzmannhauses.

Und das sind nur einige Beispiele. Kein

Wunder, dass der 1835 geborene Ramsauer

– dem Namen seines Hofs gemäß

besser bekannt als »der Kederbacher« – in

seiner Heimat eine Legende ist. Gleich am

Ortseingang erinnert ein Denkmal an ihn,

eingeweiht 1981 zum 100. Jubiläum der

Erstbezwingung der Watzmann-Ostwand.

Und nicht nur das: die von ihm verwendete

Aufstiegsroute auf die Ostwand wurde zu

seinen Ehren »Kederbacherweg« genannt.

Bei der ersten Besteigung führte Grill den

Wiener Alpinisten Otto Schück durch die

Ostwand auf den Gipfel.

Seit jeher hat die Wand einen besonderen

Reiz, schließlich ist sie mit ihren 1800 Metern

Wandhöhe die größte der Ostalpen.

Seit Grills Durchstieg sind dort mehr als

100 Bergsteiger tödlich abgestürzt – mehr

als an der Eiger-Nordwand. Als das Watz-

Kein Geringerer als Wilhelm Leibl

(1844–1900), der Maler des deutschen

Realismus, mit dem er befreundet

war, hat ihn 1890 porträtiert.

Und der kleine versicherte Steig

vom Brünnsteinhaus zum gleichnamigen

Gipfel im Mangfallgebirge ist nach ihm

benannt. Der Bezirksarzt Dr. Julius Mayr

(1855–1935) stammte aus Rotthalmünster

und ließ sich 1880 in Rosenheim nieder,

wo er praktizierte. Zweimal stand er

der Sektion Rosenheim als 1. Vorsitzender

vor, von 1887 bis 1897 und von 1907 bis

1911; von 1913 bis 1920 war er Referent für

die Alpenvereinsbücherei des Hauptausschusses.

Für seine Verdienste um die Sektion

Rosenheim wurde der Felsensteig auf

den Brünnstein nach ihm benannt und am

15. August 1898 feierlich eingeweiht und

der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Angelegt hatte den Steig Georg Seebacher,

der damalige Pächter des Brünnsteinhauses.

Julius Mayr beschrieb in seinem Buch

»Auf stillen Pfaden«, das 1924 im Bergverlag

Rother erschienen ist, seine schönsten

Bergerlebnisse und begeisterte sich vor

allem für die Schönheit der Natur. Das Erscheinen

seiner Leibl-Biografie durfte er

nicht mehr erleben. Das Originalbild ist

im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt

zu besichtigen. –Petra Gössl-Kubin–

Von St. Bartholomä aus sind es

2,5 km bis zum Ausgangspunkt.

[ Nr. 9

Berchtesgadener Alpen

30 Bergsteiger 06⁄13


mannhaus 1888 fertiggestellt wurde, versuchte

sich Grill auch noch als Hüttenwirt

und blieb es 17 Jahre lang. Den Gipfel

erreichte er in dieser Zeit auch ohne Kederbacherweg.

–Bettina Willmes–

Ein Klassiker

Der Kederbacherweg ist der klassische

Durchstieg der Watzmann-Ostwand.

Weit häufi ger begangen wird

der einfachere Berchtesgadener Weg.

[ Nr. 10 Irg-Klettersteig ]

Dachsteingebirge

Einige knackige Stellen zeichnen

den Klettersteig aus.

▶ IV- 8 Std.

2000 Hm –– J.

Charakter: Firn-, Eisfelder und die

ein oder andere Randkluft verleihen

der Tour eine besondere alpine Note.

Die Schlüsselstelle liegt bei IV-. Kurze

Strecken lll, der Rest ll.

Ausgangspunkt: Eiskapelle, gut 2,5

km westlich von Sankt Bartholomä

Endpunkt: Watzmann-Südspitze

Route: Eiskapelle – Schöllhornkar

– Schöllhorneis – Schöllhornplatte –

Zellerloch – Südspitze

Kederbacher-Weg ]

Irg (Georg) Steiner (geb. 1885 in der

Ramsau) ist der drittälteste Sohn von

Johann Steiner, dem Erstbesteiger der

Großen Bischofsmütze. Er selbst ist vor

allem für die geniale Erstbesteigung der

Dachstein-Südwand gemeinsam mit seinem

Bruder Franz auf dem nach ihnen

benannten »Steinerweg« bekannt. Irg

Steiner bewältigt die Schlüsselstelle an der

Unterbrechungsstelle des Steinerbands,

indem ihm sein Bruder mit einem langen

Stock hilft das Gleichgewicht zu halten –

wohl mehr eine moralische Stütze als eine

praktische Hilfe. Irg gilt zu dieser Zeit als

einer der kühnsten Kletterer.

Sein Ruf begründet sich nicht nur auf seine

Erstbegehungen und seine Tätigkeit als

Bergführer und Bergretter, sondern auch

auf die vielen anekdotenhaften Geschichten,

die ihn als Frauenhelden, Wilderer,

Freigeist, Deserteur und findigen Tüftler

darstellen.

Legendär sind seine Holzski , die er sich

selbst schnitzte sowie die Geschichte, als

er sich im Alter von 80 Jahren wegen einer

Grippe ein Grab schaufelte, sich hineinlegte

und auf den Tod wartete. Erst zwei

Tage später ging er wieder nach Hause,

weil es zum Regnen anfing.

–Andrea Strauß– ◀

Klettersteig zu Ehren des Kletterers

Der Irg-Klettersteig führt auf den

Großen Koppenkarstein (2865 m)

▶ K5 4 Std.

470 Hm ––

Charakter: Hochalpiner, sehr schwieriger

Klettersteig, der trotz des kurzen

Zustiegs bei Benutzung der Hunerkogelbahn

nicht unterschätzt werden

darf. Landschaftlich sehr reizvoll und

auch der Klettersteig ist liebevoll

erbaut – allerdings erst lange nach Irg

Steiners Tod.

Ausgangspunkt: Bergstation Hunerkogelbahn

(2685 m)

Endpunkt: Großer Koppenkarstein

Route: Bergstation – Hunerscharte –

Bergstation des kleinen Schlepplifts

zu Füßen des Koppenkarsteins –

Eingang Rosmariestollen – Edelgrießgletscher–

Einstieg in die SO-Wand

– Klettersteig – Abstieg über den

einfacheren Westgrat-Klettersteig

Fotos: Andreas Strauß (2), Siegfried Garnweidner

06⁄13 Bergsteiger 31


AUF TOUR

Vom Sport-Klettersteig bis zur Alpin-Ferrata

Der gute

Draht nach

oben

Klettersteige boomen nach wie vor.

Der Klettersteig-Chronist verzeichnet

mittlerweile mehr als 1200

gesicherte Anlagen zwischen Wien

und der Côte d’Azur. Wir stellen

Ihnen 36 Top-Ziele vor.

Von Eugen E. Hüsler

Eine der schönsten

Routen der Schweiz:

der Sulzfluh-Klettersteig

über Partnun im

Rätikon


Spektakulär:

der Sky-Walk-

Klettersteig am

Hunerkogel

Genau richtig für

Einsteiger: die

Alpspitz-Ferrata

Der gute Dr. Friedrich Simony,

Geograf und Gletscherforscher,

dürfte kaum geahnt haben, was

für eine Langzeitwirkung sein

Vorschlag, den Normalweg auf

den Hohen Dachstein zu sichern, entwickeln

sollte. Mit Eisenstiften und Hanfseilen

wurde die Route damals entschärft,

und im Sommer 1843 bestiegen die ersten

Bergtouristen über diesen »Weg« den

Gipfel. Das Beispiel machte Schule; anfangs

des 20. Jahrhunderts gab es bereits

zahlreiche gesicherte Anstiege und auch

Höhenwege. Zu den bekanntesten zählen

der Stüdlgrat am Großglockner (längst

verfallen) und der »Heilbronner Weg« in

den Allgäuer Alpen. Ramsau hatte den

Anfang gemacht, und heute registriert

man am Dachstein die möglicherweise

größte Klettersteigdichte alpenweit. Ob

etwa der Sky-Walk-Klettersteig dem aus

Böhmen stammenden Alpenforscher gefallen

würde, darf allerdings bezweifelt

werden. Zu Zeiten Simonys herrschte Aufbruchstimmung,

die Alpen wollten erst

einmal »erobert« werden, weiße Flecken

all überall. Die sind längst getilgt, und

unsere moderne Freizeitgesellschaft hat

andere Präferenzen: Spaß muss sein. Und

Klettersteiggehen ist nicht umsonst so populär

geworden: Sport und Naturerlebnis

lassen sich am sichernden Drahtseil eben

bestens verbinden.

Wer allerdings meint, die gesamten Alpen

wären »verdrahtet«, liegt schwer daneben:

Ein Klettersteig auf rund 200 Quadratkilometer

ist nicht wirklich viel, und wenn

man bedenkt, dass die Verteilung eine sehr

ungleiche ist (siehe Dachstein), erscheint

der »Bauboom« der letzten Jahrzehnte in

einem wesentlich milderen Licht. Und

Drahtseile gibt’s in den Alpen noch viel,

viel mehr. Die sind auch länger, dicker und

hängen nicht an einem Eisenstift, sondern

an mächtigen Eisenmasten: Seilbahnen,

Lifte. Trotzdem möchte ich den Klettersteigbauern

am Dachstein (und anderswo)

zurufen: Lasst es gut sein, die Berge sind

wichtiger als alles, was wir an sie hinbauen.

Es gilt, eine Balance zu bewahren (oder

wieder herzustellen) zwischen dem Erlebniswert

der Natur und jener naturfernen

Technik, die uns die Berge (vermeintlich)

näher bringt.

Fotos: Manfred Kostner, Herbert Raffalt/www.photo-austria.at, Eugen E. Hüsler

BergsteigerEIGNUNGSTEST

Was für ein Klettersteigler sind Sie?

1 2 3

1. Ist das »Klick-klick!« eines Karabiners Musik in Ihren Ohren? ja naja nein

2. Verspüren Sie beim Durchblättern der folgenden

BERGSTEIGER-Seiten ein Kribbeln in den Fingern?

ja naja nein

3. Wie viele Liegestütze schaffen Sie am Stück? 100 20 5

4. Träumen Sie manchmal von Klettersteigen? ja eher nicht nein

5. Haben Sie den Ehrgeiz, in Ihrem Bergsteigerleben alle

Klettersteige der Alpen zu begehen?

ja nein unmöglich

6. Haben Sie Ihren Klettersteig-Urlaub bereits geplant? ja nein Klettersteig-

Urlaub?

7. Sie schaffen eine Schlüsselstelle nicht.

Geben Sie auf und kehren um?

nein vielleicht immer

8. Wie viele Klettersteigbücher haben Sie zuhause? alle 2 oder 3 keine

Für jede Antwort: • 1 gibt es zehn Punkte,

• für die 2 vier Punkte,

• für die 3 einen.

Auflösung:

• Sie kommen auf weniger als 10

Punkte: Ihre Stärken liegen anderswo.

• Sie erreichen 11 bis 30 Punkte:

Sie mögen Klettersteige, sind aber

keinesfalls süchtig.

• Ihr Total liegt zwischen 31 und 50

Punkte: der sympathische Klettersteig-Freak

• 51 bis 75 Punkte: Hier liegt eindeutig

starke Suchtgefahr vor.

• 80 Punkte? Gibt es noch etwas

anderes in Ihrem Leben?

06 ⁄13 Bergsteiger 33


Die Dreiseilbrücke am

Bergsee-Klettersteig

in den Urner Alpen

Drei Dutzend Klettersteige:

für Einsteiger, Erfahrene

und Top-Ferratisten

Nach dem Einstufungstest haben Sie

jetzt die Qual der Wahl: 36 Klettersteige

in drei Schwierigkeitskategorien

warten darauf, unter die Schuhsohlen

genommen zu werden.

12 Routen für Einsteiger (K 1 bis K 2–3)

AMMERGAUER ALPEN

1 Ettaler-Mandl-Steig

▶ K 2 3½ Std. 850 Hm + 10 J.

Charakter: Dieses Mannsbild kennt man im

bayerischen Oberland; die arg polierten Felsen

am steilen Gipfelaufbau belegen eindrucksvoll

seine Beliebtheit beim bergsteigenden Fußvolk:

80 Kraxelmeter an soliden Ketten

Ausgangspunkt: Ettal (877 m)

Anfahrt: Ettal erreicht man von Schongau bzw.

von Garmisch-Partenkirchen.

Routenverlauf: Ettal – Tiefentalsattel – Ettaler

Manndl (1633 m)

WETTERSTEINGEBIRGE

2 Alpspitz-Ferrata

▶ K 2 4 Std. 600 Hm + 10 J.

Charakter: Ein Klassiker, allerdings mit (zu) viel

Eisen, aber trotzdem lohnend und sehr beliebt.

Mehr Wanderweg ist der (ebenfalls bestens »ausgebaute«)

Nordwandsteig. Vom Gipfel prächtige

Aussicht

Ausgangspunkt: Bergstation der Alpspitz-Seilbahn

(2033 m)

Anfahrt: Garmisch-Partenkirchen (708 m) ist der

Hauptort des Werdenfelser Landes, von München

über die Autobahn A95 etwa 80 km

Routenverlauf: Alpspitz-Seilbahn – »Alpspitz-

Ferrata« – Alpspitze (2628 m) – Ostgrat – Nordwandsteig

– Alpspitz-Seilbahn

Einkehr: Bei der Seilbahnstation

KARWENDELGEBIRGE

3 Mittenwalder Klettersteig

▶ K 1–2 6 Std. 500 Hm + 12 J.

Charakter: Der »Mittenwalder«, obwohl mit

reichlich Eisen bestückt, ist vor allem Aussichtspromenade,

für Anfänger eine Idealtour.

Ausgangspunkt: Bergstation der Seilschwebebahn

(2224 m)

Anfahrt: Mittenwald (912 m) liegt am Oberlauf

der Isar, auf halber Strecke zwischen Walchensee

und Seefeld. Am Ortsrand befi ndet sich die

Talstation der Karwendel-Seilbahn.

Routenverlauf: Seilbahnstation – Nördliche Linderspitze

(2372 m) – »Mittenwalder Klettersteig«

– Brunnsteinanger (2080 m) – Brunnsteinhütte

(1523 m) – Hängebrücke – Mittenwald

Einkehr: Brunnsteinhütte

ALLGÄUER ALPEN DACHSTEIN MARMOLADAGRUPPE

4 Mindelheimer Klettersteig

▶ K 2–3 9 Std. 1500 Hm + 12 J.

Charakter: Recht lange, sehr abwechslungsreiche

Gratroute, überall gut gesichert und nur

mäßig schwierig; zwischen den Kletterpassagen

immer wieder Gehgelände

Ausgangspunkt: Schwendle (1160 m), Ortsteil

von Mittelberg

Anfahrt: Ins Kleine Walsertal kommt man von

Sonthofen über Oberstdorf auf guter Straße,

28 km bis Mittelberg (1215 m)

Routenverlauf: Schwendle – Fiderepass-Hütte

(2067 m) – »Mindelheimer Klettersteig« –

Schafalpenköpfe (2320 m) – Mindelheimer

Hütte (2013 m) – Schwendle

Hütten: Fiderepass-Hütte, Mindelheimer Hütte

5 Kali- und Kalasteig

▶ K 2–3 2 Std. 170 Hm + 8 J.

Charakter: In Ramsau kümmert man sich auch

um den (Klettersteig-)Nachwuchs. Spielerisch

lernen die Kids so den Umgang mit der Ausrüstung

und das richtige Gehen im (gesicherten)

Fels.

Ausgangspunkt: Ramsau-Kulm (1082 m),

Parkplatz bei der »Alten Mühle«

Anfahrt: Ramsau (1135 m) liegt am Südfuß

des Dachsteinmassivs; Anfahrt von Schladming

Routenverlauf: Parkplatz – Einstieg am Sattelberg

– »Kalisteig«/»Kalasteig« – Sattelberg

(1253 m) – Naturlehrpfad – Einstieg – Parkplatz

6 Via ferrata Franco Gadotti

▶ K 2 6¼ Std. 700 Hm + 12 J.

Charakter: Interessante, wenig schwierige

Überschreitung mit ein paar originellen Passagen,

etwa am »Teufelsloch«; grandioses Panorama von

der Valacia

Ausgangspunkt: Parkplatz bei der Baita Monzoni

(1792 m)

Anfahrt: Von Pozza di Fassa zur Malga Crocifi sso

(1526 m), dann rechts ins Valle dei Monzoni

Routenverlauf: Baita Monzoni – Bivacco Zeni

(2090 m) – »Ferrata Gadotti« – Sass Aut (2555

m) – Valacia (2637 m) – Rif. Vallaccia (2275 m)

– Baita Monzoni

Hütten: Baita Monzoni, Rif. Vallaccia

34 Bergsteiger 06 ⁄13


AMPEZZANER DOLOMITEN

7 Sentiero ferrato Ivano Dibona

▶ K 2 6 Std. 300 Hm + 12 J.

Charakter: Gesicherte Route, die dem Westgrat

des Cristallomassivs folgt; fulminant der Auftakt

mit der Cristallo-Hängebrücke

Ausgangspunkt: Liftstation an der Forcella

Staunies (2918 m)

Endpunkt: Ospitale (1474 m)

Anfahrt: Cortina d’Ampezzo (1210 m) liegt im

Tal des Boite, am Fuß der Straße zum Passo Tre

Croci (1805 m); Talstation der Cristallo-Lifte.

Routenverlauf: Forcella Staunies – Cristallino

d’Ampezzo (3008 m) – Forcella Grande – Forcella

Padeon (2760 m) – Forcella Alta – Forcella

Bassa (2417 m) – Zurlon (2379 m) – Col dei

Stonbe (2168 m) – Val Padeon – Ospitale

SEXTENER DOLOMITEN

8 Alpinisteig

▶ K 2–3 8¼ Std. 1400 Hm –

Charakter: Der Klassiker unter allen gesicherten

Steigen der Sextener Dolomiten. Bis zur

Elferscharte leicht, aber teilweise ausgesetzt.

Weiterweg und Abstieg mittel, stark von den Verhältnissen

abhängig. Bei Schnee oder Eis von der

Scharte direkt absteigen (Gehzeit dann 7 Std.)!

Ausgangspunkt: Touristenparkplatz (1450 m)

am Fischleinboden, 3,5 km von Sexten-Moos

Anfahrt: Von Innichen via Sexten ins Fischleintal

Routenverlauf: Fischleinboden – Zsigmondyhütte

(2224 m) – »Alpinisteig« – Elferscharte (2610 m)

– Sentinellascharte (2717 m) – Fischleinboden

Hütten: Talschlusshütte, Zsigmondyhütte

Der erste Klettersteig

der Schweiz

und längst ein

Klassiker: der Tälli

MENDELKAMM

9Sentiero attrezzato Burrone-Giovanelli

▶ K 2 4½ Std. 770 Hm + 10 J.

Charakter: Für den Tourismus entdeckt wurde die

wilde Klamm unweit der Nonstalmündung bereits

zu Beginn des 20. Jahrhunderts; der Burrone-

Steig ist also eine echte Antiquität, später ergänzt

durch eine Variante mit luftigen Leitern. Grandiose

Kulisse!

Ausgangspunkt: Mezzocorona (219 m)

Anfahrt: Über die Brenner-Autobahn, Ausfahrt San

Michele/Mezzocorona

Routenverlauf: Mezzocorona – »Burrone-Steig«

– Baita dei Manzi (858 m) – Monte (891 m) –

Mezzocorona

Einkehr: In Monte und in Mezzocorona

GARDASEEBERGE

10 Via dell’Amicizia

▶ K 2 6 Std. 1200 Hm + 12 J.

Charakter: Ihren Ruf diesseits der Alpen verdanken

die Gardasee-Eisenwege zu einem guten Teil

dem »Freundschaftsweg«, genauer: den langen

Feuerwehrleitern hoch über den Dächern von Riva.

Wenig schwierig, Morgensonne, gute Kondition

notwendig

Ausgangspunkt: An der Hauptstraße Richtung

Bréscia, hinter der Altstadt

Anfahrt: Riva del Garda (78 m) liegt am oberen

Ende des Gardasees.

Routenverlauf: Riva – Capanna Barbara (560

m) – »Via dell’Amicizia« – Cima SAT (1246 m) –

»Sentèr dei Crazedei« – San Giovanni – Riva

Einkehr: Capanna Barbara

GARDASEEBERGE

11 Sentiero attrezzato del Colodri

URNER ALPEN

12 Klettersteig Bergsee

Tourenkarte 1

Heftmitte

Fotos: Eugen E. Hüsler

▶ K 2 2¼ Std. 320 Hm + 8 J.

Charakter: Kleine, wenig schwierige Ferrata,

bestens als Trainingsroute und für Familien

geeignet – inklusive Eis für den Nachwuchs

hinterher in Arco

Ausgangspunkt: Campingplatz von Arco-Prabi

Anfahrt: Arco (86 m) liegt ein paar Kilometer

nordöstlich von Riva an der Straße nach Trento.

Routenverlauf: Prabi – »Sentiero del Colodri« –

Colodri (400 m) – Laghèl – Arco – Prabi

Einkehr: In Arco

▶ K 3 5¼ Std. 800 Hm + 12 J.

Charakter: Genussklettersteig, kurze Passagen

K 3, sonst überwiegend K 2; Drahtseilsicherungen,

einige Klammern und eine 18 m lange

Dreiseilbrücke (kann umgangen werden).

Ausgangspunkt: Gebührenpfl ichtiger Parkplatz

(1782 m) bei der Staumauer des Göscheneralpsees

Anfahrt: Von Göschenen (1102 m) am

Nordeingang des Gotthardtunnels durch das

Göscheneralptal

Routenverlauf: Parkplatz – Bergseehütte (2370

m) – Einstieg (ca. 2420 m) – Klettersteig –

»Krokodil« (2527 m) – Bergseehütte – Parkplatz

Hütte: Bergseehütte

06 ⁄13 Bergsteiger 35


Der Ramsauer

Klettersteig am

Dachstein ist nicht

schwierig, aber

sehr lang.

12 Routen für Fortgeschrittene (K 3 bis K 4–5)

BERCHTESGADENER ALPEN KARWENDELGEBIRGE STUBAIER ALPEN

1 Berchtesgadener Hochthron

▶ K 4–5 7 Std. 1200 Hm –

Charakter: Anspruchsvolle, bestens gesicherte

Route in festem Fels. Nur ganz kurze leichtere

Passagen, teilweise sehr ausgesetzt, tolle

Routenführung

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz bei Ettenberg

(ca. 780 m)

Anfahrt: Von Salzburg bzw. Berchtesgaden via

Marktschellenberg nach Ettenberg

Routenverlauf: Ettenberg – Scheibenkaser

(1440 m) – Einstieg (ca. 1600 m) – Klettersteig

– Berchtesgadener Hochthron (1972 m) –

Stöhrhaus (1894 m) – Leiterl – Scheibenkaser

– Ettenberg

Hütte: Stöhrhaus

2 Innsbrucker Klettersteig

▶ K 4 5¾ Std. 550 Hm + 12 J.

Charakter: Tiroler Klettersteig-Klassiker am

Nordkettengrat. Schlüsselstellen am Einund

Ausstieg, beide senkrecht, sonst wenig

schwierig. Kleiner Gag: die acht Meter lange

»Seufzerbrücke«

Ausgangspunkt: Bergstation der Nordkettenbahn

(Hafelekar, 2269 m)

Anfahrt: Von Innsbruck bzw. Hungerburg (868 m)

mit der Seilbahn über die Seegrube (1905 m)

ins Hafelekar

Routenverlauf: Hafelekar – »Innsbrucker

Klettersteig« – Frau-Hitt-Sattel (2234 m) –

»Schmidhuberweg« – Seegrube

Einkehr: Hafelekarhaus, Seegrube

3 Fernau-Klettersteig

▶ K 4 2¼ Std. 320 Hm + 12 J.

Charakter: Kurzer Zustieg, großer Genuss. Das

Klettern im rauen Gneis macht viel Spaß – aber

nur, wenn der Fels trocken ist.

Ausgangspunkt: Seilbahnstation bei der Dresdner

Hütte (2308 m)

Anfahrt: Ins Stubaital kommt man von Innsbruck

über die Brenner-Autobahn (Ausfahrt

Schönberg), bis zur Mutterbergalm (1750 m)

gut 40 km

Wegverlauf: Dresdner Hütte (2308 m) –

»Fernau-Klettersteig« – Egesengrat (2631 m)

– Dresdner Hütte

Hütte: Dresdner Hütte

DACHSTEIN DACHSTEIN DACHSTEIN

4 Laserer alpin Klettersteig

▶ K 3 1½ Std. 80 Hm + 12 J.

Charakter: Gag-Sportklettersteig in unmittelbarer

Spazierwegnähe. Am »Laserer alpin«

bewegt man sich fast ausschließlich auf Eisen

(Krampen, Seilleiter, 30-Meter-Seilbrücke).

Ausgangspunkt: Parkplätze knapp vor dem

Gosausee (937 m)

Anfahrt: Den Vorderen Gosausee erreicht man

von Bad Ischl oder von Golling über den Pass

Gschütt.

Wegverlauf: Parkplatz Gosausee – Einstieg –

Klettersteig – »Steinwanne« (995 m) – Ausstieg

– Parkplatz Gosausee

5 Dachstein-Überschreitung

▶ K 3 4½ Std. 500 Hm + 14 J.

Charakter: Hochalpine Tour mit Gletscherbegehung;

nicht ohne entsprechende Ausrüstung!

Klettersteigpassagen nur mäßig schwierig

Ausgangspunkt: Bergstation der Dachstein-

Gletscherbahn am Hunerkogel (2687 m)

Anfahrt: Von Schladming (738 m) kommt man

über Ramsau und die Dachsteinstraße zur

Talstation der Seilschwebebahn (1692 m).

Routenverlauf: Hunerkogel – Hallstätter Gletscher

– »Felsensteig« – Hoher Dachstein (2995 m)

– Westgrat – Gosaugletscher – Steiner-scharte

(2717 m) – Hallstätter Gletscher – Hunerkogel

Hütte: Seethalerhütte

6 Ramsauer Klettersteig

▶ K 3 7½ Std. 450 Hm + 14 J.

Charakter: Mäßig schwierig, aber sehr lang; anspruchsvollste

Passagen beiderseits der Hohen

Gamsfeldspitze. Gute Kondition erforderlich

Ausgangspunkt: Bergstation der Dachstein-

Gletscherbahn am Hunerkogel (2694 m)

Endpunkt: Ramsau (1135 m)

Anfahrt: Von Schladming im Ennstal via

Ramsau zur Talstation der Seilbahn (1692 m)

Routenverlauf: Hunerkogel – Hunerscharte –

Rosmarie-Stollen – Edelgrießhöhe (2489 m)

– »Ramsauer Klettersteig« – Scheichenspitze

(2667 m) – Gruberscharte (2364 m) – Guttenberghaus

– Gasthof Feisterer – Ramsau

Hütte: Guttenberghaus

36 Bergsteiger 06 ⁄13


Ausgesetzte Brücke

am Pertini-Klettersteig

bei Gröden

Der längste (und

schönste) Klettersteig

der Gardaseeregion

ist der

Che Guevara.

PUEZ-GEISLER-GRUPPE AMPEZZANER DOLOMITEN GARDASEEBERGE

7 Via ferrata Sandro Pertini

▶ K 4 4¼ Std. 700 Hm + 12 J.

Charakter: Sehr attraktive, mit Drahtseilen,

Eisenbügeln, Leitern und einer kleinen Brücke

bestens gesicherte Route. Teilweise sehr ausgesetzt,

tolle Kulisse.

Ausgangspunkt: Parkplatz (1615 m) am Eingang

ins Langental bzw. zum Naturpark Puez-Geisler

Anfahrt: Wolkenstein (1565 m) liegt im innersten

Grödner Tal; Anfahrt von Klausen via St. Ulrich

Routenverlauf: Parkplatz – Einstieg (ca. 1720

m) – »Via ferrata Sandro Pertini« – Steviahütte

(2312 m) – St.-Sylvester-Scharte (2280 m) –

Daunëi (1687 m) – Parkplatz

Hütte: Steviahütte

8 Via ferrata della Piramide

▶ K 3–4 3½ Std. 500 Hm + 12 J.

Charakter: Bestens gesicherter, landschaftlich

sehr reizvoller Klettersteig in Sichtweite der

»Großen Dolomitenstraße«. Durchlaufendes, straff

gespanntes Drahtseil, einige wenige künstliche

Tritte und Griffe

Ausgangspunkt: Ristorante Da Strobel (2055 m)

östlich unterhalb des Passo Falzárego; Parkplatz

Anfahrt: Von Cortina d’Ampezzo über die »Große

Dolomitenstraße«

Routenverlauf: Ristorante Da Strobel – Einstieg

(2180 m) – »Via ferrata della Piramide« – Col dei

Bos (2559 m) – Ristorante Da Strobel

9 Via ferrata Ernesto »Che« Guevara

▶ K 3 7¼ Std. 1380 Hm –

Charakter: Da müssen schon ein paar Superlative

her: der längste, trockenste (!) und schönste

Klettersteig der Gardasee-Region. Tadellose Kondition

unerlässlich! Das Kernstück der Route, etwa

600 Hm, ist durchgehend mit Fixseilen und Klammern

gesichert. Abstieg via Busòn neu gesichert.

Ausgangspunkt: Parkplatz im Gewerbegebiet von

Pietramurata, vor dem großen Steinbruch

Anfahrt: Pietramurata (254 m) liegt an der Straße

Riva – Trento, 13 km nördlich von Arco

Routenverlauf: Pietramurata – »Ferrata Che

Guevara« – Monte Casale (1632 m) – Rif. Don Zio

(1610 m) – Busòn – Pietramurata

Hütte: Rif. Don Zio

Fotos: Herbert Raffalt/www.photo-austria.at, Eugen E. Hüsler, Manfred Kostner

RÄTIKON BERNER VORALPEN BERNER ALPEN

10 Klettersteig Sulzfluh

▶ K 4–5 7 Std. 1200 Hm –

Charakter: Anspruchsvolle, tolle Route, bestens

gesichert. Viele Eisenkrampen, eine Dreiseilbrücke

und ein Eisensteg. Finale Herausforderung

ist die am Beginn leicht überhängende

»Klagemauer«.

Ausgangspunkt: Partnun (1763 m); gebührenpfl

ichtige P an der Zufahrtsstraße (1620 m)

Anfahrt: Von Küblis im Prättigau nach St. Antönien

und weiter zu den Parkplätzen unterhalb

von Partnun

Routenverlauf: Partnun – Einstieg (ca. 2370 m)

– Klettersteig – Sulzfl uh (2817 m) – Gemschtobel

– Partnun

Hütte: Carschinahütte

11 Tälli-Klettersteig

▶ K 3 6½ Std. 1030 Hm + 14 J.

Charakter: Die erste Via ferrata der Schweiz

(1993), eine absolute Genussroute. Die

schwierigsten Passagen befi nden sich am Anfang,

zum Grat hin eine Folge von fünf Leitern.

Ausgangspunkt: Tällihütte (1726 m)

Anfahrt: Ins Gadmertal über die Sustenpassstraße,

12 km von Innertkirchen, 34 km von

Wassen bis Gadmen. Zwischen Furen und

Gadmen Talstation der Seilbahn zur Tällihütte

Routenverlauf: Tällihütte (1726 m) – Alpligerstock

(2067 m) – »Tälli-Klettersteig« – Gadmerfl

ue-Kamm (2540 m) – Abstieg zum Engstlenweg

– Sätteli (2116 m) – Tällihütte

Hütte: Tällihütte

12 Klettersteig Allmenalp

▶ K 4–5 3 Std. 550 Hm –

Charakter: Auch Kandersteg hat seinen Klettersteig,

eine spektakuläre Anlage, talnah und doch

alpin, garniert mit ein paar luftig-verwegenen

Gags, darunter eine Drehleiter vor einem Zehn-

Meter-Dach

Ausgangspunkt: Bahnhof oder Talstation der

Allmenalp-Seilbahn (1181 m)

Anfahrt: Von Spiez via Frutigen nach Kandersteg

(1176 m)

Routenverlauf: Bahnhof – Einstieg (ca. 1250 m)

– Klettersteig – Allmenalp (1723 m)

Einkehr: Restaurant Allmenalp

06 ⁄13 Bergsteiger 37


Diese Route hat

es in sich: der

extreme Johann-

Klettersteig

12 Routen für Top-Ferratisten (K 5 bis K 6)

LECHTALER ALPEN LECHTALER ALPEN MIEMINGER BERGE

1 Arlberger Klettersteig

▶ K 5 5¼ Std. 450 Hm –

Charakter: Landschaftlich großartige, sehr lange

Ferrata, vorbildlich, aber eher sparsam gesichert

(Drahtseile, einige wenige Haken), gute Kondition

erforderlich. Für den Abstieg Helm!

Ausgangspunkt: Seilbahnstation Vallugagrat

(2664 m)

Anfahrt: St. Anton (1284 m) liegt an der

Arlberg-Schnellstraße Landeck – Bludenz.

Routenverlauf: Vallugagrat – Valfagehrjoch

(2543 m) – »Arlberger Klettersteig« – Lorfekopf

(2689 m) – Weißschrofenspitze (2752 m) –

Kapall (2333 m

2 Imster Klettersteig

▶ K 5 5¼ Std. 940 Hm –

Charakter: Eine Route der Spitzenklasse,

aber nur etwas für Könner; ein zweistündiger

Kletterspaß am straff gespannten Seil, steil bis

(fast) senkrecht

Ausgangspunkt: Vorderes Alpjoch (2050 m),

mit dem Sessellift von Hochimst aus bequem

erreichbar.

Anfahrt: Das Marktstädtchen Imst (827 m) liegt

im Oberinntal, Zufahrt nach Hochimst (1050 m)

Routenverlauf: Vorderes Alpjoch – Muttekopfhütte

(1934 m) – Guggersattele (ca. 2095 m)

– »Imster Klettersteig« – Maldonkopf (2632 m) –

Engelkar – Muttekopfhütte – Vorderes Alpjoch

Hütte: Muttekopfhütte

3 Tajakante-Klettersteig

▶ K 5–6 7½ Std. 950 Hm –

Charakter: Eine echte »Magic line« für ambitionierte

Klettersteigler, direkt am messerscharfen

Grat der Tajakante verlaufend; neben dem dicken

Drahtseil nur ganz wenige Eisenstifte

Ausgangspunkt: Bergstation des Gondellifts zur

Ehrwalder Alm (1502 m)

Anfahrt: Nach Ehrwald von Garmisch und von

Reutte auf gut ausgebauten Straßen, 25 bzw.

21 km

Routenverlauf: Ehrwalder Alm – Seebensee

(1657 m) – »Tajakante-Klettersteig« – Vorderer

Tajakopf (2450 m) – Coburger Hütte – Seebensee

– »Immensteig« – Talstation Seilbahn (1108 m)

Hütte/Einkehr: Coburger Hütte, Seebenalm

ZILLERTALER ALPEN BERCHTESGADENER ALPEN DACHSTEIN

4 Zimmereben-Klettersteig

▶ K 5 2¼ Std. 220 Hm –

Charakter: Anspruchsvoller Sportklettersteig,

opulent gesichert, aber mit einigen sehr anstrengenden

Passagen. Schlüsselstelle hoch in

der Wand, Notausstieg nach etwa einem Drittel.

Kurze Bandschlinge mit Karabiner ratsam.

Ausgangspunkt: Parkplatz unweit vom Gasthof

Zillertal (630 m) links der Ziller

Anfahrt: Mayrhofen (633 m) ist der Hauptort

des Zillertals, Zufahrt von der Inntal-Autobahn

Routenverlauf: Parkplatz – Einstieg (700 m) –

»Zimmereben-Klettersteig« – Gasthof Zimmereben

(853 m) – Parkplatz

Hinweis: Parallel verläuft der »Huterlaner« (K 3).

Einkehr: Gasthof Zimmereben

5 Königsjodler-Steig

▶ K 5 9½ Std. 1920 Hm –

Charakter: Fast 2 km lang in steilem, teilweise

atemberaubend ausgesetztem Auf und Ab über

die Teufelshörner, von der Hohen Scharte (2282

m) bis zum Hohen Kopf – ein faszinierender

Gang über nicht weniger als acht Türme

Ausgangspunkt: Parkplatz knapp unterhalb des

Dientner Sattels (1380 m)

Anfahrt: Über die Höhenstraße zwischen Saalfelden

und Bischofshofen zum Dientner Sattel

Routenverlauf: Parkplatz (1342 m) – Erichhütte

(1545 m) – Hohe Scharte – »Königsjodler-Steig«

– Hoher Kopf (2875 m) – Matrashaus (2941 m)

– »Birgkarsteig« – Dientner Sattel – Parkplatz

Hütten: Erichhütte, Matrashaus

6 Johann-Klettersteig

▶ K 6 5½ Std. 1050 Hm –

Charakter: Eine Route der Spitzenklasse: leichte

Kletterstellen (II-) bereits am Zustieg, eine extreme

Schlüsselstelle gleich als Einstieg und dann

der senkrechte 100-Meter-Pfeiler – ein echter

Knaller, diese Ferrata

Ausgangspunkt: Talstation der Dachstein-Gletscherbahn

(1692 m)

Anfahrt: Von Schladming via Ramsau zur

Talstation der Dachstein-Gletscherbahn (1692

m), 17 km

Routenverlauf: Seilbahnstation – Dachstein-

Südwandhütte (1871 m) – »Der Johann« – Dachsteinwarte

(2741 m) – Hunerkogel (2687 m)

Hütten: Dachstein-Südwandhütte, Seethalerhütte

38 Bergsteiger 06 ⁄13


DACHSTEIN

DACHSTEIN

Nur mit Fixseilen

gesicherter Dolomiten-

Klassiker: die Via

ferrata Tomaselli

7 Sky-Walk-Klettersteig

8 Irg-Klettersteig

▶ K 6 2 Std. 150 Hm –

▶ K 5 4 Std. 500 Hm –

Charakter: Extremer Sportklettersteig in

hochalpinem Gelände, mit durchlaufendem

Drahtseil und Trittstiften gesichert; Kletterschuhe

empfehlenswert, dazu eine kurze Bandschlinge

mit Karabiner

Ausgangspunkt: Bergstation der Dachstein-

Gletscherbahn am Hunerkogel (2687 m)

Anfahrt: Von Schladming via Ramsau zur Talstation

der Dachstein-Gletscherbahn

(1692 m), 17 km

Routenverlauf: Seilbahnstation – Hunerscharte

(2620 m) – Einstieg (ca. 2540 m) – »Sky-Walk-

Klettersteig« – Hunerkogel (2687 m)

Charakter: Klasse-Ferrata mit knackig-verwegenen

Stellen, vor allem im unteren Teil der Route.

Für den Zustieg über den Edelgrießgletscher im

Frühsommer evtl. Steigeisen

Ausgangspunkt: Bergstation der Dachstein-

Gletscherbahn am Hunerkogel (2687 m)

Anfahrt: Von Schladming via Ramsau zur Talstation

der Dachstein-Gletscherbahn

(1692 m), 17 km

Routenverlauf: Hunerkogel – Hunerscharte

(2620 m) – Rosmarie-Stollen – Edelgrießgletscher

– Einstieg (ca. 2550 m) – »Irg-Klettersteig«

– Großer Koppenkarstein (2863 m) – Schladminger

Gletscher – Hunerkogel

FANESGRUPPE

CIVETTAGRUPPE

9 Via ferrata Cesco Tomaselli

10 Via ferrata Costantini

▶ K 5 6 Std. 900 Hm –

▶ K 6 10 Std. 1400 Hm –

Charakter: Ein absoluter »Klassiker« unter den

Dolomiten-Klettersteigen, lediglich mit Fixseilen

gesicherte Route. Schlüsselstelle (extrem luftige

Querung) gleich am Einstieg

Ausgangspunkt: Passo Falzárego (2105 m), alternativ

Bergstation der Lagazuoi-Seilbahn (2750 m)

Anfahrt: Über den Passo Falzárego führt die

berühmte »Große Dolomitenstraße«, 17 km von

Cortina, 21 km von Arabba

Routenverlauf: Passo Falzárego – Forcella Travenanzes

(2507 m) – Gran Forcela (2652 m) –

»Ferrata Tomaselli« – Südliche Fanisspitze

(2980 m) – Selletta Fanis (ca. 2820 m) –

Forcella Travenanzes – Passo Falzárego

Charakter: Sie ist die Dolomiten-Ferrata schlechthin,

wer »in« sein will, muss sie einfach gemacht

haben. Durch die enorme Länge auch extrem

anstrengend!

Ausgangspunkt: Passo Duran (1601 m)

Anfahrt: Der Passo Duran verbindet das Tal des

Cordévole mit dem Zoldano, 13 km von Agordo,

12 km von Forno di Zoldo

Wegverlauf: Passo Duran – Rif. Carestiato (1834 m)

– »Ferrata Costantini« – Cresta delle Masenade

(2737 m) – Cima Moiazza Sud (2878 m) –

Cengia Angelini – Forcella delle Nevere (2601 m)

– Van dei Cantoi – Rif. Carestiato – Passo Duran

Hütten: Rif. San Sebastiano, Rif. Carestiato

TIPP

Aktuelle Klettersteig-Literatur:

Fotos: Herbert Raffalt/www.photo-austria.at, Manfred Kostner

GARDASEEBERGE

11 Via attrezzata Rino Pisetta

▶ K 5–6 5 Std. 730 Hm –

Charakter: Die »Pisetta«, 1982 angelegt, ist

längst ein Klassiker, die schwierigste Ferrata am

Gardasee; durchlaufende Drahtseilsicherungen,

nur ganz wenige Eisenstifte

Ausgangspunkt: Parkplatz bei der großen

Bocciahalle in Sarche, etwas oberhalb der

Straßenkreuzung

Anfahrt: Sarche (259 m) liegt an der Straße zum

Gardasee, 19 km von Trento, 22 km von Riva del

Garda

Wegverlauf: Sarche – »Via Pisetta« – Dain Picol

(971 m) – Ranzo (746 m) – San Vigilio – Sarche

WALLISER ALPEN

12 Leukerbadner Klettersteig

▶ K 5–6 8 Std. 900 Hm –

Charakter: Die Schweizer Super-Ferrata! Kleiner

Klettersteig mit maximal exponierter Leiternserie

zur Unteren Gemsfreiheit. Großer Klettersteig sehr

anstrengend (Ausdauerkraft)

Ausgangspunkt: Bergstation der Gemmipass-

Seilbahn (2346 m)

Anfahrt: Leukerbad (1402 m) ist ein berühmter

Thermalkurort am Fuß des Gemmipasses, 16 km

von Susten bzw. Leuk im Rhonetal

Wegverlauf: Gemmipass – Untere Schmitte

(2070 m) – Kleiner Klettersteig – Obere Gemsfreiheit

(2303 m) – Großer Klettersteig – Daubenhorn

(2942 m) – Gemmipass

Hütte: Berghotel Wildstrubel am Gemmipass

Eugen E. Hüsler:

»Klettersteig 1« / »Klettersteig 2«

Jeweils 288 Seiten, ca. 200 Abb.,

16,5 x 23,5 cm, Klappenbroschur mit

Fadenheftung, 29,95 €, Bruckmann n

Verlag, München 2012

Alle Klettersteige in den Alpen,

aufgeteilt in Nordalpen (Bd. 1)

und Südalpen (Bd. 2)

Eugen E. Hüsler

»Hüslers Klettersteigführer

Gardasee«

144 Seiten, ca. 120 Abb., 16,5 x

23,5 cm, Broschur mit Fadenheftung,

19,95 €, Bruckmann Verlag,

München 2012

60 Klettersteige rund um den

Gardasee, aktuell recherchiert

06 ⁄13 Bergsteiger 39


AUF TOUR

Wandern rund um den Ötscher

Gezähmter Riese

Lange Zeit mied und fürchtete man ihn.

Dann lernte der Mensch, die Rohstoffe und

die Kraft zu nutzen, die der höchste Berg im

Mostviertel spendete. Schließlich entdeckten

die Touristen den Ötscher, dessen Gräben im

Frühling ein spektakuläres Wandergebiet sind.

Von Dagmar Steigenberger

Väter führten früher ein strenges

Regiment– egal ob Landesväter

oder Familienoberhäupter;

manche galten gar als unberechenbar und

grausam. Der Ötscher im Mostviertel, dessen

slawischer Name übersetzt »Vaterberg«

bedeutet, scheint ein besonders schrecklicher

gewesen zu sein. Riesen kegelten in

seinen Rinnen mit Felsbrocken und verbannte

Seelen hausten in seinen Höhlen, so

erzählten sich die Leute. Die Bewohner der

40 Bergsteiger 06⁄13


Familien-TIPP

Blumenpracht im

Mostviertel: Im Frühjahr

ist die Gegend um den

Ötscher (1893 m) zum

Wandern besonders

reizvoll.

Altes Handwerk: Trifter im Mendlingstal

Täler ringsum kannten keine ärgere Verdammung,

als jemanden auf diesen Berg

hinauf zu wünschen. Selbst den Teufeln,

die auch sonst einen rauen Umgang pflegten,

sei es am Ötscher so unangenehm gewesen,

»dass sie auch viel lieber in alle andere

abscheuliche Orte, als hiehin wandern

möchten«, heißt es in einem Bericht von J.

N. Nagl aus dem Jahr 1747. Doch dann setzte

ein mutiger Geistlicher dem Treiben am

Ötscher ein Ende: Der Prior der Kartause Gabedrohst!«

Im gleichen Augenblick erstarrte

der Riese und verwandelte sich in einen

großen Felsblock. Damit war die magische

Macht des Ötscher gebrochen.

Fotos: Mostviertel Tourismus/weinfranz.at

ming – einst das größte Kartäuserkloster

in Mitteleuropa – marschierte bis zum Riffel

hinauf, von wo aus der felsige Westgrat

zum Gipfel zieht. Einer der Riesen sah das

Menschlein kommen und wollte es schon

in gewohnter Manier mit einem Felsbrocken

zerschmettern. Doch da zog der Prior

rasch ein hölzernes Kreuz unter seiner

Kutte hervor, hielt es dem Jähzornigen entgegen

und rief: »So werde selbst zu Stein,

der du einen Diener Gottes mit einem Stein

Die Zeit der schwarzen Grafen

Richard Meyer, der seit 15 Jahren Touristen

in den Sommermonaten durch die Ötschergräben

führt, glaubt allerdings nicht an

solche Märchen. Lieber erzählt der Annaberger

von jenen Kräften am Ötscher, die

der Mensch mit der Industrialisierung zu

nutzen lernte: Das Wasser, das durch die

Gräben tost. Die ausgedehnten Wälder. Das

Holz fürs Feuer, um das Eisen des nahen

Erzberges zu verarbeiten. Bis ins 19. Jahrhundert

blühte das Schmiedehandwerk vor

allem im südlichen Teil des Mostviertels. Allein

in Waidhofen an der Ybbs arbeiteten in

der Blütezeit 100 Messer-, 60 Klingen- und

26 Zirkelschmiede und exportierten ihre

Erzeugnisse bis nach Venedig und in den

Orient. Die »schwarzen Grafen«, wie die

Schmiede genannt wurden, brauchten für

ihre Arbeit Holz in rauen Mengen; mitunter

sogar mehr, als nachwachsen konnte.

Ein Milliardär rettet die Wälder

Einem Großindustriellen ist es zu verdanken,

dass die Wälder im Mostviertel dem

Kahlschlag entkamen. Der Bankier Albert

von Rothschild, mit einem Vermögen von

einer Milliarde Kronen um das Jahr 1910

der wahrscheinlich reichste Mann Europas,

kaufte 1875 große Gebiete in den alpinen Bereichen

des Mostviertels. Er forstete die Wälder

bei Lackenhof am Fuß des Ötscher

06⁄13 Bergsteiger 41


Spektakulär:

der Mirafall in

den Ötschergräben

Fabelhaft: Vom Gipfel

des Göller (1766 m) hat

man beste Sicht auf den

Ötscher.

KOMPAKT

Das Mostviertel

Wildromantisch: In den

Ötschergräben gibt es

herrlich kühle Gumpen.

Anreise: Mit dem Auto von Innsbruck und

München über die Autobahn Richtung Wien

bis Ausfahrt Ybbs, weiter auf der B25 über

Wieselburg und Purgstall bis kurz nach

Scheibbs, dann über B28 und B20 bis

Wienerbruck bzw. Annaberg

Informationen: Mostviertel Tourismus,

Adalbert-Stifter-Str. 4, A-3250 Wieselburg,

Tel. 00 43/74 16/5 21 91,

www.mostviertel.info

Landesausstellung: 2015 wird die Region

um den Ötscher Kerngebiet der Niederösterreichischen

Landesausstellung zum

Thema Natur und Technik in den Alpen.

Bis dahin soll in Wienerbruck ein nach

nachhaltigen Kriterien errichteter Wanderund

Naturparkcampus entstehen. Weitere

Ausstellungsorte sind die Laubenbachmühle

und das Schloss Neubruck.

Karten: Kompass 1:25 000, WK 22, »Mariazell–Ötscher–Erlauftal«;

freytag & berndt

1:35 000, WK 5031 »Mariazell–Ötscher–

Josefsberg–Annaberg–Erlaufsee«

Literatur: Stephen Sokoloff »Mariazeller

Land und Mostviertel«, Kompass Wanderführer

2012

wieder auf. Am Dürrenstein – 15 Kilometer

südwestlich des Ötscher – rettete er ein

2400 Hektar großes Stück Urwald. Das Kerngebiet

des Wildnisgebiets Dürrenstein, der

Rothwald, ist unzugänglich. In die Randgebiete

dürfen heute Besucher nur im Rahmen

limitierter und geführter Wanderungen.

Vermutlich hätten dem Freiherr auch die

Naturparke in den Mostviertler Alpen gut

gefallen: der Naturpark Buchenberg bei

Waidhofen an der Ybbs mit seinen vielen

Wildtieren, der Naturpark Niederösterreichische

Eisenwurzen und der Naturpark

Ötscher-Tormäuer, dessen Ötschergräben

manch einen dazu verleiten, angesichts der

bis zu 1200 Meter hohen Seitenwände vom

»Grand Canyon Österreichs« zu sprechen.

Gewaltiger Frühjahrsputz

Richard Meyer ist mit den Gräben im Süden

und Osten des Ötscher aufgewachsen. Seine

Heimat Annaberg liegt nur ein paar Kilometer

entfernt auf einem Sattel; von den

Fenstern seines Gasthofes sieht Meyer auf die

massive Felspyramide. Die Lieblingstour des

Bergwanderführers geht von Wienerbruck

über den Lassingfall hinein in die Ötschergräben

zur Jausenstation »Ötscherhias«, deren

Terrasse sich eng an die Felsen über der

Schlucht schmiegt, und weiter bis zu den Mirafällen;

über den Erlaufstausee und mit der

Mariazellerbahn retour bis Wienerbruck.

In Kaskaden stürzt das Wasser über die

Steinterrassen in Gumpen, sammelt sich

und rauscht weiter durch das kurvige Kalk-

stein-Bett. Die Wanderer können es beinahe

auf Schritt und Tritt begleiten. Manchmal

führt das Steiglein durch Tunnel, dann wieder

über Holzplanken oder – an flacheren

Stellen – durch Blumenwiesen. Während

der Ötscher noch bis in den Frühsommer

eine Schneehaube trägt, heizt die Sonne die

Felsen in den Gräben ordentlich auf. »Dank

diesem besonderen Klima findet man hier

unten viele Blumen, die normalerweise erst

1000 Meter weiter oben wachsen«, erklärt

Meyer. »Den blauen Enzian zum Beispiel,

den gelben Petergstamm oder verschiedene

Steinbrech-Arten.«

Noch etwas anderes macht den Frühling

zur spektakulärsten Jahreszeit in den Ötschergräben:

Das Schmelzwasser tost durch

Fotos: Mostviertel Tourismus/weinfranz.at (3), Dagmar Steigenberger

42 Bergsteiger 06⁄13


die Schluchten. Äste und dünne Baumstämme

krallen sich zwischen Gesteinsbrocken

fest; umsonst. Der Ötscherbach reißt alles

mit, was die Lawinen im Winter in seinem

Bett liegen gelassen haben: ein gewaltiger

Frühjahrsputz.

Im Hochsommer bleibt nur noch ein sanft

plätscherndes Bächlein übrig – »außer, man

hilft nach«. Richard Meyer schmunzelt, wartet,

bis die Neugierde bei seinen Zuhörern

geweckt ist. Dann erzählt er die Geschichte

vom Hotelier, der die Touristen an der Nase

herum führte: »Ihm gehörte das Gebiet um

den Lassingfall. Wer den Wasserfall sehen

wollte, der musste Eintritt bezahlen. Wenn

die Bezahlung besonders gut ausgefallen ist,

hat der Hotelier das Wasser heimlich aufgestaut

und es dann auch noch im Hochsommer

spektakulär rauschen lassen.«

Strom für die Touristenbahn

Vor gut 100 Jahren zapfte der Mensch eine

weitere Kraftquelle des Berges an. Das

Wasser der Erlauf, die sich in Jahrmillionen

durch den Kalkstein der Hinteren Tormäuer

gearbeitet hat, wurde für ein Elektrizitäts-

Kraftwerk aufgestaut. Jenes wiederum versorgt

die 1907 gebaute Mariazellerbahn,

welche die Touristen von St. Pölten in die

Region bringt, mit Strom. An die Stelle der

Klause, an der man früher das Wasser zur

Trift aufgestaut hatte, trat eine Staumauer:

Der so entstandene Erlaufstausee gleicht

einer Fjordlandschaft. Als die Landesregierung

in den 1970er-Jahren Pläne zu einem

dritten Staudamm schmiedete, rebellierten

die Naturschützer. Den Staudamm bei

Trübenbach konnten sie verhindern und

gaben den Anstoß, einen Naturpark rund

um den Ötscher zu gründen. Inzwischen ist

der Naturpark Ötscher-Tormäuer mit 170

Quadratkilometern der größte Naturpark

in Niederösterreich. Und nicht nur in den

Gräben sind die Wanderer unterwegs, sondern

auch am Ötscher selbst. Der grausame

Riese von einst ist gezähmt. Er empfängt

seinen Besuch nun mit Wasserrauschen

und einem Strauß wilder Alpenblumen. ◀

TOUREN

Zurück geht es mit der Mariazellerbahn.

Wandern im alpinen Mostviertel

Durch Gräben und Schluchten, durch dichte Wälder und über felsige Grate führen die

Touren im alpinen Teil des Mostviertels. Wir stellen die fünf schönsten vor.

1 Ötscher (1893 m)

▶ schwierig 11 Std.

1730 Hm +16 J.

Charakter: Der schönste Aufstieg auf

den höchsten Berg im Mostviertel

verläuft über die Ötschergräben im

Süden und den Rauen Kamm. Allerdings

ist die Tour konditionell sehr

anstrengend und der Raue Kamm hat

leichte Kletterstellen; mit Übernachtung

auf dem Ötscher Schutzhaus als

Zweitagetour empfehlenswert

Ausgangspunkt: Wienerbruck,

Lassingfallstuben (796 m)

Einkehr: Ötscherhias (712 m),

Ötscher Schutzhaus (1418 m)

Route: Wienerbruck – Stierwaschboden

(622 m) – Ötschergräben

– Ötscherhias – Mirafälle – Jägerherz

– Geldloch – Taubenloch – Rauer

Kamm – Ötschergipfel – Ötscher

Schutzhaus – Riffelsattel (1283 m) –

Ötschergräben – Wienerbruck

2 Ötschergräben

Route: Wienerbruck – Lassingfall

– Stierwaschboden (622 m)

– Ötscherhias – Mirafälle (700 m)

– Ötscherhias – Forsthaus Hagen

(833 m) – Erlaufstausee (777 m) –

Erlaufklause (814 m) – zurück mit

der Mariazellerbahn (Fahrplan unter

www.mariazellerbahn.at)

3 Tirolerkogel (1377 m)

▶ leicht 2½ Std.

400 Hm +6 J.

Charakter: Die einfache, kurze

Wanderung auf den Hausberg von

Annaberg kann mit einer Schleife

übers Dachsental in die wildromantische

Falkenschlucht noch verlängert

werden (plus 500 Hm und 3 Std.).

Ausgangspunkt: Annaberg (976 m)

Einkehr: Annaberger Haus am Tirolerkogel

(1377 m)

Route: Annaberg – Am Gscheid

– Tirolerkogel – Jagdhütte bei der

Ebenbaueralm (1080 m) – Am

Gscheid – Annaberg

mit seinen ausgedehnten Buchenwäldern.

Ausgangspunkt: Kernhof (690 m)

Einkehr: Göllerhaus (1440 m)

Route: Kernhof – Waldhüttsattel

(1266 m) – Göllerhaus – Kl. Göller

(1673 m) – Göller – zurück auf dem

gleichen Weg oder über den Göllergraben

nach Oberknollenhals und per

Autostopp zurück zum Ausgangspunkt

5 Gippel (1669 m)

▶ mittel 6 Std.

1120 Hm +10 J.

Charakter: Der Nachbargipfel des

Göller ist zwar etwas niedriger, doch

die Aussicht auf der Rundtour – meist

am Grat entlang – steht ihm in nichts

nach.

Ausgangspunkt: Kernhof (690 m)

Einkehr: Gippelalm, Hofalm (bew.

Mai bis September)

Route: Kernhof – Waldhüttsattel

(1266 m) – Querung unterhalb

Schnalzstein (1546 m) oder Abstecher

zur Hofalm (1480 m) – Gamsmauer

(1401 m) – Gippel (1669 m) –

Gippeltörl (1526 m) – evtl. Abstecher

zur Gippelalm (1500 m) – Treibsteig –

Reintaleralm – Hinterbichler – Kernhof

▶ leicht 3 Std.

220 Hm +6 J.

4 Göller (1766 m)

Charakter: Der Klassiker unter den

Wanderungen rund um den Ötscher

wartet vor allem im Frühjahr mit einer

außergewöhnlichen Flora und beeindruckenden

Wassermassen auf.

Ausgangspunkt: Wienerbruck (800 m)

Einkehr: Ötscherhias (712 m),

Lassingfallstuben (796 m)

▶ mittel 6 Std.

1070 Hm +10 J.

Charakter: Auf schönen Waldwegen,

über Almwiesen und durch

Latschenfelder hinauf zum herrlichen

Aussichtsgipfel im südöstlichen

Mostviertel. Als Abstiegsvariante

empfi ehlt sich der Göllergraben

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

06⁄13 Bergsteiger 43


AUF TOUR

Stubaier Höhenweg

Die Thronfolge

Rund um das Stubaital

führt einer der populärsten

Hüttentreks der Alpen.

Acht Stützpunkte liegen an

dieser Route. Sie alle sind

Alpenvereinshäuser mit

bemerkenswertem Umfeld

und großer Tradition.

Von Mark Zahel

(Text und Bilder)

erfreut sich diese Tour großer Beliebtheit.

Meist wird der Stubaier Höhenweg bei der

aussichtsreichen Starkenburger Hütte aufgenommen.

Die erste lange Panoramastrecke

führt zur Franz-Senn-Hütte im Alpeiner

Hochtal, der nächste Übergang via Schrimmennieder

zur Neuen Regensburger Hütte

an der Schwelle zum zauberhaften Hohen

Moos. Die Grawagrubennieder im Abschnitt

zur Dresdner Hütte gilt gemeinhin

als Schlüsselstelle, bevor die variantenrei-

ein guter Film lebt davon, dass sich

einzelne Erlebnisfacetten zu einem

größeren Ganzen verdichten.

Insofern hat ein tagelanges Alpentrekking

im Idealfall viel mit einem guten Film gemein.

Nur dass man dabei nicht bloß die

Zuschauerrolle einnimmt, sondern selbst

einen aktiven Part spielt. Man durchstreift

eine Region mit offenen Sinnen, lernt sie

Schritt um Schritt aus ganz unterschiedlichen

Perspektiven kennen und hat am Ende

eines solchen Hüttentreks im besten Fall

eine emotionale Verbundenheit aufgebaut.

Manchmal werde ich nach meinen Favoriten

gefragt, nach Empfehlungen, wo es

besonders schön sei. Da jede Tour anders

verläuft und jeder unterschiedliche Vorlieben

und Empfindungen einbringt, lässt sich

das gar nicht so einfach sagen. Versuche ich

dennoch, ein paar objektive Kriterien gelten

zu lassen, sehe ich im Stubaier Höhenweg

so etwas wie die Idealform eines Hüttentreks:

perfekter Zuschnitt im Rahmen eines

Wochenprogramms, hohe landschaftliche

Reize mit jeder Menge Abwechslung, gehobener

Anspruch ohne Extremanforderungen,

gut geführte Hütten… Nicht umsonst

Selbst im Sommer ist

man am Höhenweg nicht

sicher vor Schnee.

chen Verbindungen zur Sulzenauhütte und

weiter zur Nürnberger Hütte kürzer, aber

nicht minder attraktiv ausfallen. Die imposanten

Gletscher sind hier plötzlich ganz

nah! Über das Simmingjöchl zur Bremer

Hütte wird sogar eine Gschnitzer Stippvisite

unternommen, ehe die letzte große Etappe

bei der Innsbrucker Hütte endet. Krönung

und gleichzeitig Abschluss des Ganzen

kann schließlich eine Besteigung des Habichts

sein.

44 Bergsteiger 06⁄13


Starkenburger Hütte (2237 m)

Auf der Südschulter des Hohen Burgstalls

thront die Starkenburger Hütte mehr

als 1200 Meter über dem Stubaital – ein

wahrer Logenplatz, um die Parade des

Serles- und Habichtkamms, des Stubaier

Hauptkamms sowie der Alpeiner Berge abzunehmen.

Das Haus wurde vor über 100

Jahren während der klassischen Erschließungsphase

des Alpenvereins errichtet.

Nachdem viel später in der Schlick ein Skigebiet

entstanden war, wandelte sich auch

der übliche Zugang. Die meisten bevorzugen

heute den Panoramaweg von der Bergstation,

der nicht nur kürzer und weniger

anstrengend, sondern auch landschaftlich

lohnender ist als die Wege vom Tal herauf.

Und mit der Variante über den Burgstall

kann man sogar eine alpin angehauchte

Rundtour begehen. Neben den meist zahlreichen

Tagestouristen empfängt die Starkenburger

Hütte hauptsächlich die Anwärter

auf den Stubaier Höhenweg, die hier in

der Regel ihr erstes (manchmal auch letztes)

Quartier beziehen. Gemütlich auf der Panoramaterrasse

oder in der alten Stube zu

hocken und erwartungsfroh der Dinge zu

harren, die da kommen, löst zweifellos ein

Gefühl der Vorfreude aus.

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Darmstadt-

Starkenburg

Baujahr: 1900

Schlafplätze: 28 Betten, 35 Lager

Bewirtschaftet: Anfang Juni bis Anfang

Oktober

Kontakt: Tel. 00 43/6 64/5 03 54 20

Internet: www.starkenburgerhuette.at

Zustieg: von der Bergstation Schlick 2000

am Kreuzjoch (Seilbahn von Fulpmes)

1½ Std., von Neustift 3½ Std.

06⁄13 Bergsteiger 45


Bekanntester Stützpunkt:

die Franz-Senn-Hütte

Steckbrief

Eigentümer: OeAV Sektion Innsbruck

Baujahr: 1885

Schlafplätze: 80 Betten, 90 Lager

Bewirtschaftet: Mitte Juni bis Anfang

Oktober und zur Skitourenzeit

Kontakt: Tel. 00 43/52 26/22 18

Internet: www.franzsennhuette.at

Zustieg: von der Oberisshütte (1742 m)

im Oberbergtal 1¼ Std.

Franz-Senn-Hütte (2149 m)

Die Franz-Senn-Hütte ist der größte und

wohl auch bekannteste Stützpunkt in den

Stubaier Alpen, ein gefragtes alpines Ausbildungszentrum,

unentbehrliches Etappenziel

auf dem Stubaier Höhenweg, aber

auch frequentierter Anlaufpunkt für Tageswanderer

(vgl. BERGSTEIGER 4/13). Der Bau

im Jahr 1885 ging auf eine Anregung des

»Gletscherpfarrers« Franz Senn zurück, der

zuletzt in Neustift wirkte. Mit einem Dutzend

vergletscherter Gipfelziele ringsum ist

das Tourenrevier ausgesprochen ergiebig.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde zudem

ein breit gefächertes Angebot an moder-

nen bergsportlichen Aktivitäten geschaffen:

Klettergärten, kurze Sport- und Action-Klettersteige,

eine permanente Slackline und der

»Flying Fox« über die Schlucht des Gschwezbachs.

Auf neudeutsch: ein alpiner Funpark.

Dazu passt die komfortable Ausstattung des

Hauses. Gleichwohl bemüht sich die Pächterfamilie

Fankhauser seit jeher, den Platz

als Bergsteigerheim zu erhalten. Zur Skitourenzeit,

wenn viele der Hochgipfel sogar

deutlich mehr besucht werden, bekommt

dieser Aspekt stärkeres Gewicht.

Neue Regensburger Hütte (2287 m)

Die Sektion Regensburg hatte ihre alpine

Heimat ursprünglich in den Grödner Dolomiten.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die

Hütte auf der Cislesalpe durch Enteignung

futsch war, musste man sich nach einem

neuen »Arbeitsgebiet« umschauen. Man

fand es im Herzen der Stubaier Alpen, genauer

im Falbesoner Hochtal, wo damals

noch eine Lücke im hochalpinen Wegeverbund

klaffte. Die Neue Regensburger Hütte

wurde 1930/31 direkt oberhalb eines Wasserfalls,

an der Schwelle zum Hohen Moos,

errichtet. Dieser idyllische Feuchtboden mit

seiner seltenen Flora verleiht dem Standort

ein ganz besonderes Flair. Gleiches gilt für

Das Hohe Moos mit

der Regensburger Hütte

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Regensburg

Baujahr: 1931

Schlafplätze: 27 Betten, 56 Lager

Bewirtschaftet: Mitte Juni bis Ende

September

Kontakt: Tel. 00 43/6 64/4 06 56 88

Internet: www.n-r-h.at

Zustieg: von Falbeson (1212 m) im

Unterbergtal 3 Std.

den Traumblick zum Habicht. Das Tourenspektrum

der Neuen Regensburger Hütte

– die übrigens ihre komplette Energie über

ein hauseigenes Wasserkraftwerk bezieht

– ist vom Charakter her ähnlich wie jenes

der Franz-Senn-Hütte, nur nicht ganz so

umfangreich. Die zünftigste Hochtour hat

die Ruderhofspitze zum Ziel, während Östliche

Knotenspitze, Vordere Plattenspitze

und Basslerjoch die drei wandertauglichen

Gipfel sind. Das Gros der Gäste ist aber wohl

auf dem Stubaier Höhenweg unterwegs

und wechselt anderntags zur Dresdnerbzw.

Franz-Senn-Hütte.


Dresdner Hütte (2308 m)

Die Dresdner Hütte ist die älteste Alpenvereinsunterkunft

in den Stubaier Alpen.

Dies allein beweist, dass der Standort nahe

dem Hauptkamm bereits zu Pionierzeiten

als sehr wichtig eingestuft wurde.

So erfüllte das Haus jahrzehntelang die

originäre Bestimmung und wurde unterdessen

mehrfach erweitert bzw. saniert.

Eine Zäsur kam 1973 mit dem Stubaier

Gletscherskigebiet, welches die Dresdner

Hütte gleichsam vereinnahmte. Damit war

die Zukunft hin zu einer hotelartig betriebenen

Bergunterkunft mit allerlei Komfort

praktisch vorgezeichnet. Bis auf ein paar

Wochen während der Übergangszeiten ist

die Hütte ganzjährig bewirtschaftet, wobei

der Schwerpunkt längst auf die Wintersaison

fällt, wenn es rundherum nur so wuselt.

Im Sommer kann man über die Landschaftseingriffe

leider kaum hinwegsehen,

selbst wenn das Eis immer noch verheißungsvoll

von den Gipfeln herableuchtet.

Mehr Hotel als einfache

Bleibe: die Dresdner Hütte

Da die Seilbahn nur einen Katzensprung

entfernt liegt, mag die ursprüngliche

Stützpunktfunktion ein wenig überholt

sein. Nur die Begeher des Stubaier Höhenwegs

sind tatsächlich darauf angewiesen

und werden in der Dresdner Hütte mit ihren

großzügigen Zimmern und Duschen

zweifellos einen entspannten Aufenthalt

verbringen.

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Dresden

Baujahr: 1875

Schlafplätze: 140 in Zwei- und Mehrbettzimmern

Bewirtschaftet: Ende Juni bis Ende September

sowie während der Wintersaison

Kontakt: Tel. 00 43/52 26/81 12

Internet: www.dresdnerhuette.at

Zustieg: von der Mittelstation Fernau

der Stubaier Gletscherbahn 5 Min.,

ab Mutterbergalm (1721 m) 1½ Std.

Sulzenauhütte

(2191 m)

Wasser und Gletscherschliffe sind beherrschende

Elemente rund um die Sulzenauhütte,

die inmitten einer zentralalpinen

Bilderbuchlandschaft liegt. Seit ein paar

Umgeben von Wasser:

die Sulzenauhütte

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Leipzig

Baujahr: 1978

Schlafplätze: 40 Betten, 100 Lager

Bewirtschaftet: Anfang Juni bis Anfang

Oktober

Kontakt: Tel. 00 43/52 26/24 32

Internet: www.sulzenauhuette.at

Zustieg: aus dem Stubaier Unterbergtal

2 Std.

Jahren misst man dem auch im Tourenmenü

größeres Gewicht bei. So sind beispielsweise

der »Wilde-Wasser-Weg« (vom

Tal aus am imposanten Grawa-Wasserfall

vorbei) sowie ein Schluchtklettersteig eingerichtet

worden.

In den Talschlüssen hinter der Hütte liegen

mit Blauer Lacke und Grünausee zwei

zauberhafte Bergseen sowie zerrissene

Gletscher, die zu den eindrucksvollsten

weit und breit gehören. Klassische Alpinwanderungen

und Hochtouren bilden

nach wie vor das Hauptinteresse für die

bergsteigenden Gäste der Sulzenauhütte.

Diese wurde von der Sektion Leipzig

ursprünglich 1926 errichtet und erlebte

knapp 50 Jahre später ihre düsterste Stunde,

als eine Lawine nicht mehr viel davon

übrig ließ. Ein Neubau wurde von den interimistisch

tätigen Dachauern umgehend

in Angriff genommen. Echte Kontinuität

gewährleistet seit Anbeginn die Pächterfamilie

Schöpf, die in der jüngsten Generation

moderne Konzepte mit althergebrachter

Tradition verbindet.

06⁄13 Bergsteiger 47


avarian

direct

Team

Free Ascent

Dafür sind wir hergekommen und wir haben‘s geschafft!

Großen Dank an unsere belgischen Freunde, die uns diese

Seillänge überlassen haben – wir hatten eine verdammt gute Zeit!

Alexander and Thomas Huber, Mario Walder

supported by terrex

adidas.com/outdoor

© 2013 adidas AG. adidas und die 3-Streifen sind registrierte Warenzeichen der adidas Gruppe. South Tower, Mt. Asgard, Auyuittuq National Park, Baffin Island, Canada timeline productions


Ein echter Familienbetrieb:

die Nürnberger Hütte

Thomas Huber | Mt. Asgard, Baffin Island timeline production

Nürnberger Hütte (2278 m)

Mit seinem breiten, leuchtenden Firngiebel

entsendet der Wilde Freiger einen starken

Lockruf aus dem Hochstubai, dem schon

die Bergsteiger der Pionierzeit verfielen.

So ist es zu erklären, dass im Langental

bereits 1886 von der Sektion Nürnberg

ein Stützpunkt vor allem auf diesen Paradegipfel

ausgerichtet gebaut wurde. Nach

mehrmaligen Erweiterungen besitzt die

Frankenmetropole einen stattlichen, mehrstöckigen

Repräsentativbau, der auch im

Interieur stilvoll angepasst erscheint und

heute mehrere Gütesiegel des Alpenvereins

vorzeigen kann (Umwelt, Kinder und »So

schmecken die Berge«). Trotz seiner Größe

ist es ein Hort der Behaglichkeit, den Tageswanderer

gern als Zielpunkt und ambitioniertere

Bergsteiger als Basislager wählen.

Sitzt man auf der Sonnenterrasse vor der

Südfront des Hauses, fällt der Blick vor allem

auf die Wetterspitzen und die vergletscherten

Feuersteine gegenüber. Der Wilde

Freiger versteckt sich indessen hinter Gletscherschliffwällen

und Seitengraten; trotzdem

gilt seinem verhältnismäßig leichten

Normalweg seit jeher das alpinistische

Hauptinteresse.

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Nürnberg

Baujahr: 1886

Schlafplätze: 48 Betten, 82 Lager

Bewirtschaftungszeit: Mitte Juni bis

Anfang Oktober

Kontakt: Tel. 00 43/52 26/24 92

Internet: www.nuernbergerhuette.at

Zustieg: aus dem Stubaier Unterbergtal

über die Bsuchalm 2½ Std.

In einem Karsee unterhalb des Niederls spiegeln sich die Gletscherberge.

© 2013 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.

Terrex fast jacket

Die erste Jacke mit dem neuen

WINDSTOPPER ® Material ist noch

strapazierfähiger und atmungsaktiver

und bietet Dir optimalen Schutz

in allen Situationen.

adidas.com/outdoor

weitere terrex Produkte findest du u.a. bei …

Schneider Sports

D-35745 Herborn

terrific.de

D-40210 Düsseldorf

H&S Bike

D-53121 Bonn

Basislager

D-53474 Ahrweiler

INTERSPORT Krumholz D-56218 Mülheim-Kärlich

Feinbier unterwegs

D-57072 Siegen

PM Outdoor

D-57299 Burbach

engelhorn sports

D-68161 Mannheim

INTERSPORT Räpple Adventure D-72072 Tübingen

Basislager Karlsruhe

D-76133 Karlsruhe

Sport Kiefer

D-79102 Freiburg

INTERSPORT Ankirchner D-83022 Rosenheim

Condition Steigenberger

D-83229 Aschau

Bergzeit Alpin D-83607 Großhartpenning/Holzkirchen

Bergzeit Outdoor Center D-83703 Gmund-Moosrain

SPORT IN

D-85049 Ingolstadt

Sport Manhard

D-87459 Pfronten

World of Outdoor Schratt D-87527 Sonthofen

Outdoor Kipper

D-87527 Sonthofen

Sport-Hauber

D-87534 Steibis-Oberstaufen

OutdoorTrends D-87616 Marktoberdorf im Allgäu

Nordwand Sports

D-87629 Füssen

Yosemite Lausanne

CH-1006 Lausanne

Stockhorn Sport

CH-3601 Thun

Vertical Sport

CH-3800 Interlaken

Grindelwaldsports

CH-3818 Grindelwald

Pollux Sport

CH-3860 Meiringen

Julen Sport

CH-3920 Zermatt

Yosemite Zermatt

CH-3920 Zermatt

Bordogna Bergsport

CH-4500 Solothurn

Eiselin Sport

CH-6000 Luzern

Norbert Joos Bergsport

CH-7000 Chur

Gonzen Sport

CH-7320 Sargans

Go Vertical

CH-7504 Pontresina

Ruedi Bergsport

CH-8004 Zürich

Climbing Shop

A-4306 Grein

Spitaler Sportstadl A-4582 Spital am Pyhrn

Sport Lichtenegger

A-4822 Bad Goisern

INTERSPORT Okay

A-6020 Innsbruck

Conny’s Sport

A-6230 Brixlegg

SUNUP

A-6450 Sölden

INTERSPORT Rankweil

A-6830 Rankweil

Bergsport Vasold

A-8940 Liezen

Sport 2000 Ski Willy A-8972 Ramsau am Dachstein

Sport 2000 Wibmer

A-9900 Lienz


Die Hütte ist bekannt für

ein üppiges Frühstück.

Steckbrief

Eigentümer: DAV Sektion Bremen

Baujahr: 1897

Schlafplätze: 23 Zimmer, 64 Lager

Bewirtschaftet: Mitte Juni bis Anfang

Oktober

Kontakt: Tel. 00 43/6 64/2 72 80 71

Internet: www.bremerhuette.at

Zustieg: vom Gasthof Feuerstein (1281 m)

in Gschnitz-Obertal 3¾ Std.

Bremer Hütte (2411 m)

Rasenpolster neben buckelig geschliffenen

Urgesteinsfelsen, dazwischen ein paar malerische

Seeaugen, in denen sich die Gletscher

und Grate des nahen Hauptkamms spiegeln:

Bei der kürzlich erweiterten Bremer Hütte

umgarnt den Besucher eine harmonische

Zentralalpenlandschaft, wie man sie sich

gemeinhin erträumt. Östlich des Simmingjöchls

liegt sie geografisch schon im Einzugsbereich

des Gschnitztals, ist aber in den Stubaier

Höhenweg integriert. Die Übergänge

zur Tribulaunhütte (via Bremer Jubiläumssteig)

sowie zur Magdeburger Hütte in Südtirol

(auf einer neu eingerichteten Alpinroute

über die Bremer Scharte) werden weit weniger

begangen. Eine ausgewachsene Bergwanderung

ist bereits der abwechslungsreiche

Hüttenanstieg aus dem Gschnitztal,

während die Gipfelmöglichkeiten ringsum

nicht den überragenden Stellenwert genießen.

Immerhin erhält die markierte Innere

Wetterspitze als Hüttengipfel regelmäßig

Besuch. Als Highlight empfinden viele die

kulinarischen Qualitäten. Ein derart üppiges

Frühstücksbüffet genießt Seltenheitswert,

sodass man morgens womöglich erst mit

leichter Verspätung aufbrechen wird.

Innsbrucker Hütte (2370 m)

Bei der Innsbrucker Hütte kommen gleich

mehrere Vorzüge zusammen, die für starken

Zulauf sorgen. Zum einen lockt die

Lage am Pinnisjoch zwischen Stubai- und

Gschnitztal Wanderfreunde von beiden

Seiten herauf. Zweitens ist die Hütte einem

wahren Primus von Berg quasi auf den Leib

geschrieben und dient somit als Sprungbrett

für nahezu hundert Prozent aller Habicht-

Besteigungen. Und ein dritter, etwas subtilerer

Grund sei auch noch angefügt: Am

Viele verbringen hier

die letzte Nacht vor

dem Abstieg.

Steckbrief

Eigentümer: OeAV Sektion Touristenklub

Innsbruck

Baujahr: 1884

Schlafplätze: 30 Betten, 100 Lager

Bewirtschaftet: Ende Juni bis Anfang

Oktober

Kontakt: Tel. 00 43/52 76/2 95

Internet: www.innsbrucker-huette.at

Zustieg: aus dem Gschnitztal 3 Std;

aus dem Stubaital (Neder) mit dem

Wandertaxi oder zu Fuß bis zur Karalm

(1747 m), von dort 2 Std.

Pinnisjoch zeigt sich ein abrupter Wechsel

zwischen Kalk und Urgestein. So verläuft die

Tour zum Habicht beispielsweise vollständig

über typisches Gneisgelände, während

man sich gegenüber am anspruchsvollen

Ilmspitz-Klettersteig gleichsam in die Dolomiten

versetzt fühlt. Auch die Gruppe der

Tribulaune – Schaustück bei einer Siesta

auf der Hüttenterrasse – gehört in diese

geologische Kategorie. Kontraste, die jeden

Landschaftsgenießer begeistern. Im Rahmen

des Stubaier Höhenwegs darf auf der Innsbrucker

Hütte rustikal Abschluss gefeiert

werden. Keine Frage – eine tolle Tour! ◀


TOUREN

Der Stubaier Höhenweg

Binnen einer guten Woche lässt sich das Stubaital auf einer Reihe fantastischer Höhenwege

umrunden. Über 5000 Höhenmeter und fast 80 Streckenkilometer stehen dabei zu Buche.

Touristische Informationen:

TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift

im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10,

www.stubai.at

Karten: Alpenvereinskarte 1:25 000,

Blätter 31/1 »Hochstubai« und 31/2

»Sellrain« (decken das Gebiet

nicht vollständig ab). Zur Ergänzung:

Freytag & Berndt, 1:50 000,

Blatt 241 »Innsbruck – Stubai –

Sellrain – Brenner«

Wanderführer: Mark Zahel »Trekking

im Stubai«, Bergverlag Rother, 2013.

Mark Zahel »Hüttentreks«,

Bruckmann Verlag, 2011

DIE ETAPPEN IM EINZELNEN

1 Zugang zur Starkenburger

Hütte (2237 m)

▶ leicht 1½ Std.

300 160 +8 J.

Charakter: Erster Hüttenzugang

als gut angelegter Höhenweg, der

streckenweise steilere Hänge

quert, aber weder schwierig noch

anstrengend ist. Trittsicherheit

erfordert die Variante über den

Hohen Burgstall (2611 m).

Route: Fulpmes – Seilbahn zum

Kreuzjoch – Sennjoch

– Starkenburger Hütte

Tourenkarte 3

Heftmitte

2 Starkenburger Hütte –

Franz-Senn-Hütte (2149 m)

▶ mittel 6¼ Std.

740 830 +14 J.

auch blockreich. Grundlegende

Trittsicherheit angezeigt

Route: Franz-Senn-Hütte –

Kuhgschwez – Unnützes Grübl –

Platzengrube – Schrimmennieder –

Neue Regensburger Hütte

Tipp: Der Abstecher

zum Basslerjoch

(2829 m) lohnt sich!

4 Neue Regensburger Hütte

– Dresdner Hütte (2308 m)

▶ schwierig 6 Std.

960 940 +14 J.

Charakter: Ernster alpiner

Übergang, vor allem aufgrund des

abschüssigen Felsgeländes auf

der Nordseite der Grawagrubennieder

(Sicherungen, bei Schnee heikel).

Der Rest ist mittelschwer, ab und zu

Blockfelder.

Route: Neue Regensburger Hütte –

Falbesoner See – Grawagrubennieder

– Schafspitz – Ruderhofkar – Hohe

Grube – Wilde Grube

– Egesennieder –

Dresdner Hütte

Tourenkarte 4

Heftmitte

Tourenkarte 5

Heftmitte

5a Dresdner Hütte –

Sulzenauhütte (2191 m) –

Nürnberger Hütte (2278 m)

▶ mittel 5 Std.

900 Hm +12 J.

Charakter: Weithin gut angelegte

Bergwege, zum Teil wieder etwas

holprig über Blockwerk. Vereinzelt

ausgesetzte Passagen mit Sicherungen.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

obligatorisch

Route: Dresdner Hütte – Peiljoch

– Sulzenauhütte –

Grünausee – Niederl

– Nürnberger Hütte

Tourenkarte 6

Heftmitte

5b Dresdner Hütte – Sulzenauhütte

– Nürnberger Hütte

▶ schwierig 7 Std.

1300 Hm +14 J.

Charakter: Längere Variante über

zwei fantastische Aussichtsgipfel,

gegenüber der Normalroute eine

Nuance schwieriger und auch konditionell

etwas fordernder

Route: Dresdner Hütte – Großer

Trögler – Kleiner Trögler – Sulzenauhütte

– Grünausee – Schafgrübl

– Mairspitze

– Nürnberger Hütte

6 Nürnberger Hütte – Bremer

Hütte (2411 m)

▶ mittel 3¾ Std.

600 480 +12 J.

Charakter: Relativ kurze, hochalpine

Etappe in beschwerlichem Gelände,

oft über Platten und Gletscherschliffe.

Wiederholt Sicherungen, Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit nötig

Route: Nürnberger Hütte –

Auf den Platten –

Paradies – Simmingjöchl

– Bremer Hütte

7 Bremer Hütte – Innsbrucker

Hütte (2370 m)

▶ mittel 6½ Std.

960 1000 +14 J.

Charakter: Anspruchsvoller und

langer alpiner Höhensteig mit wiederholtem

Auf und Ab, phasenweise

ausgesetzte Traversen (Siche rungen).

Trittsicherheit und gute Ausdauer

Route: Bremer Hütte – Simmingalpe

(Variante via Lautersee) – Trauljöchl

– Plattental – Trauler Bockgrube –

Beilgrube – Pramarnspitze – Glättegrube

– Sendesgrat

– Innsbrucker Hütte

Tourenkarte 7

Heftmitte

Tourenkarte 8

Heftmitte

Tourenkarte 9

Heftmitte

Charakter: Langer Höhenweg quer

durch steile Bergfl anken, überwiegend

gut ausgetreten und an ausgesetzten

Stellen mitunter gesichert. Ab und zu

schrofi g, meist aber Mattengelände

Route: Starkenburger Hütte – Schlicker

Schartl – Seejöchl – Sendersjöchl

– Seduck Hochalm –

Viller Grube – Franz-

Senn-Hütte

Tourenkarte 3

Heftmitte

3 Franz-Senn-Hütte – Neue

Regensburger Hütte (2287 m)

▶ mittel 4 Std.

660 520 +12 J.

Charakter: Alpiner Übergang auf

zumeist gutem Steig, phasenweise

8 Habicht (3277 m) und

Abstieg nach Neder

▶ schwierig 8 Std.

900 2300 ––

Charakter: Steiler und oft auch exponierter

Fels- und Blockschuttsteig

mit Stellen I und vielen gesicherten

Passagen. Im oberen Teil je nach

Jahreszeit kurz über Firn, insgesamt

leichter Hochtourencharakter, obwohl

markiert. Alpine Erfahrung wichtig.

Der Talabstieg ist leicht.

Route: Innsbrucker Hütte – Habicht

und zurück – Pinnisjoch – Karalm

– Pinnisalm – Issenangeralm

– Neder

(oder Neustift)

Tourenkarte 10

Heftmitte

06⁄13 Bergsteiger 51


AUF TOUR

Waale am

Alpenstadt Schenna

Gipfelmeer

Schenna im Meraner Land bietet ein reichhaltiges

Kontrastprogramm: geschichtsträchtige Schlösser

und schön gelegene Almen, mediterranes Flair

und alpine Gipfel, gemütliche Wanderungen und

anspruchsvolle Steige. Von Franziska Baumann

Foto: TV Schenna


Umrahmt von grünen

Wiesen und Gipfeln: das

2800-Einwohner-Dorf

Schenna mit Blick auf

die Mutspitze

Manchmal beneidet Josef Mair

seine Gäste. Heute zum Beispiel. Der Nordwind

hat den Himmel blank geputzt. Die

Luft ist so klar, dass sie fast gläsern wirkt. Ein

Tag, um auf dem Gipfel des Hirzer zu stehen.

Doch während der Saison hat Josef Mair auf

seiner Mahdalm oberhalb von Schenna alle

Hände voll zu tun. Die Kühe müssen versorgt,

die Milch verarbeitet werden. Dann kommen

schon die ersten hungrigen Wanderer von

der Bergstation der Hirzer-Seilbahn herüber.

Da bleibt keine Zeit, um seinem Hüttenberg

einen Besuch abzustatten.

Höher hinaus geht es nicht mehr. Zumindest

nicht in den Sarntaler Alpen. Der Hirzer ist

die höchste Erhebung dieser Gebirgsgruppe,

die zwischen Sterzing, Meran und Bozen

liegt. Sein Gipfel aus dunklem Blockgestein

hat nicht unbedingt einen Schönheitspreis

verdient, aber das Panorama ist fünf Sterne

wert. Ihm liegt das Meraner Land mit dem

Ferienort Schenna zu Füßen, eine Region,

die landschaftliche Gegensätze auf engstem

Raum vereint. Von den Palmen auf Merans

Promenaden zu den Dreitausendern im Naturpark

Texelgruppe ist es nicht weit. Das

Ultental zieht sich von den Apfelfeldern im

Etschtal bis an den Fuß der vergletscherten

Ortlerberge. An die steilen Hänge des Passeiertals

klammern sich alte Bergbauernhöfe.

Nur wenige Kilometer weiter thronen im

weiten Meraner Talkessel Villen und Schlösser

inmitten üppig blühender Gärten. Oben

am Hirzergipfel vergraben die Schaulustigen

fröstelnd ihre Hände in den Jackentaschen.

Doch im Meraner Land friert niemand für

lange Zeit. Nur wenige Stunden später sitzen

sie hemdsärmlig in einem der Cafés in Merans

Altstadt oder im sonnigen Schenna am

Eingang des Passeiertals und fühlen sich dem

Mittelmeer schon ein gutes Stück näher.

160 000 Urlauber, 2800 Einwohner

Ein »Führer für Kurgäste und Touristen« aus

dem Jahr 1867 berichtet von einer anderen

Zeit: »Schenna ist von Meran mit Maulthier

in 1 Stunde zu erreichen. Im Wirtshause

finden Fremde in drei Zimmern leidliche

Unterkunft.« Heute ist Schenna einer der

beliebtesten Ferienorte Südtirols. Das

06 ⁄13 Bergsteiger 53


Der Anstieg auf den Ifinger ist lang. Es sei denn, man nimmt die Bergbahn zu Hilfe.

Besonderes Erlebnis: Wandern an Waalen

Fotos: TV Schenna, Franziska Baumann

Wahrzeichen des Meraner Lands: Äpfel

Beschauliche Wege findet man rund um Schenna genauso wie anspruchsvolle Steige.

KOMPAKT

Schenna erkunden

Anreise: Mit dem Auto über die Brennerautobahn

und Bozen nach Meran, von dort

4 km nach Schenna, alternativ über Timmelsjoch

oder Jaufenpass ins Passeiertal

und nach Schenna. Bahnverbindung über

Bozen nach Meran, weiter mit Bus nach

Schenna

Beste Jahreszeit: April bis Oktober

für die Waalwege, Juni bis Oktober für

Bergtouren

Touristinformation: Tourismusverein

Schenna, Erzherzog-Johann-Platz 1/D,

I-39017 Schenna, Tel. 00 39/04 73/94 56

69, info@schenna.com, www.schenna.com

Karte: Kompass-Karte 1:50 000, Nr. 53

»Meran und Umgebung«; Schenna – 3D

Reality Map: fotorealistische, interaktive 3D-

Wanderkarte unter www.schenna.com

Literatur: Franziska Baumann »Rund um

Meran«, Kompass Verlag, 2011; Mark Zahel

»Entdeckertouren Meraner Land«, Bruckmann

Verlag, 2010

2800-Einwohner-Dorf wird von mehr als

160 000 Urlaubern pro Jahr aufgesucht. Kein

Wunder, über 300 Sonnentage verzeichnet

die Statistik. In den Gärten blüht und grünt

es wie sonst nur in mediterranen Gefilden.

Im Frühjahr verwandeln sich die Apfelfelder

rund um Schenna in ein weißes Blütenmeer.

Durch die blühenden Zweige glänzen

die schneebedeckten Gipfel der Texelgruppe

– ein faszinierender Kontrast. Auch die

Adeligen wussten um diese Vorzüge. Das im

14. Jahrhundert erbaute Schloss prägt heute

noch das Ortsbild von Schenna, ebenso das

Mausoleum, ein roter Sandsteinbau im neugotischen

Stil, das für Erzherzog Johann von

Österreich errichtet wurde. Der Habsburger

hatte das Schloss 1845 erworben. Bis heute

wird es von seinen Nachfahren bewohnt.

Eine ganz andere Welt erlebt, wer den abgeschiedenen

Weiler Videgg fast 1000 Höhenmeter

über Schenna besucht. Dort wird

die mühevolle Arbeit der Bergbauern, die

seit Jahrhunderten die steilen Hänge bewirtschaften,

spürbar. Erst seit Ende der 1980er-

Jahre führt eine Straße zu den Höfen hinauf.

Auch Wanderungen rund um Schenna bieten

ein Kontrastprogramm: vom kurzen, luftigen

Klettersteig am Felszacken des Großen

Ifinger über aussichtsreiche, mit Gasthäusern

gespickte Höhenwanderungen bis zum

beschaulichen Schlendern auf Waalwegen.

Lebenselixier Wasserwosser

Jeden Morgen ist Heinrich Pircher am sieben

Kilometer langen Schenner Waal unterwegs,

um den Bewässerungskanal zu kontrollieren.

Vor allem nach Unwettern sei der Waal

oft beschädigt, erzählt er. Dann heißt es, keine

Zeit verlieren und die Schäden möglichst

schnell reparieren. Als Waaler ist er dafür

verantwortlich, dass das Wasser, in der sonnenverwöhnten

Gegen rund um Schenna

ein kostbares Gut, nicht ungenutzt versickert.

Bereits seit dem Mittelalter wurden

Waale gebaut. Das Wasser zum Bewässern

bekam sogar einen eigenen Namen: »Wasserwosser«.

Es wurde den Bauern nach einem

bestimmten Turnus, der »Road«, zugeteilt.

54 Bergsteiger 06 ⁄13


TOUREN

300 Sonnentage für Wanderer

Schenna ist nicht nur ein hübsches Städtchen, sondern

auch ein idealer Ausgangspunkt für Bergtouren.

Im Juni und Juli blühen die Alpenrosen.

Die Wege, die einst nur die Waaler benutzten,

sind heute beliebt zum Wandern. Den

Schritt-Rhythmus gibt das Wasser vor, das

mal behäbig vor sich hin gluckst, mal in

schäumenden Strudeln ein Gefälle hinunterrauscht.

Das gleichförmige Plätschern,

die Licht- und Schattenspiele, die die Sonne

durch das Blätterdach zaubert, regen dazu

an, Gedanken auf Reisen zu schicken. Auch

wenn inzwischen moderne Bewässerungsanlagen

eingesetzt werden, ist das »Wasserwosser«

immer noch Lebenselixier für die Landwirtschaft.

Die »Road«, die Wasserzuteilung,

wird bis heute eingehalten. Und der Waaler

schaut jeden Tag am Waal nach dem Rechten

– so wie viele Generationen vor ihm.

Vor der Mahdalm haben es sich Wanderer

an den Holztischen gemütlich gemacht.

Die tief stehende Sonne, die schon fast die

Gipfel der Texelgruppe berührt, lässt sie

blinzeln. Sie sind auf dem Fernwanderweg

E5 von Oberstdorf nach Meran unterwegs,

und obwohl es bis zu ihrem Ziel noch zwei

Etappen sind, wirken sie, als seien sie bereits

angekommen. Wer will an einem solchen

Platz auch an Aufbruch denken? Josef Mair

hängt an seiner Alm, auf der er aufgewachsen

ist. In seiner Kindheit gab es für Wanderer

Himbeersaft, Rotwein und Milch. Heute

ist der gelernte Koch bekannt für seine Knödel

und seinen Kaiserschmarrn. »Zufriedene

Gäste sind für mich die beste Belohnung«,

sagt er. Manchmal hat er in seinem arbeitsreichen

Almalltag doch Muße zum Schauen

und Genießen. Besonders schön sei es,

wenn zwischen Ende Juni und Anfang Juli

die Alpenrosen die Hänge mit einem roten

Teppich überziehen. Auch wenn er in der

Wandersaison kaum jemals auf dem Hirzer

stehen wird – tauschen möchte er nicht. ◀

MEHR TOUREN UND INFOS fi nden Sie auf unserer

Website unter www.bergsteiger.de

1 Almenrunde im Hirzergebiet

▶ leicht 3¼ Std.

150 720 +8 J.

Charakter: Leichte Wanderung, bei

der für viele Panoramablicke und das

leibliche Wohl gesorgt ist, besonders

schön zur Zeit der Alpenrosenblüte

Ausgangspunkt: Bergstation der

Hirzer-Seilbahn (1980 m)

Hütte: Hirzerhütte (1983 m), Mitte

Mai bis Anf. November, Tel. 00 39/

3 30/51 59 00; Reseggeralm,

Hintereggalm, Mahdalm, Gompmalm

Route: Bergstation – Hirzerhütte

– Reseggeralm – Rotmoos – Hintereggalm

– Mahdalm – Gompmalm

– Prenn, Mittelstation der Hirzer-

Seilbahn (1404 m)

2 Hirzer (2781 m)

▶ mittel 7 Std.

830 Hm +14 J.

Charakter: Steiler, teils felsiger

Anstieg auf den höchsten Gipfel

der Sarntaler Alpen, Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit erforderlich,

anschließend Übergang auf einem

Teilstück des E5 nach Meran 2000

Ausgangspunkt: Bergstation der

Hirzer-Seilbahn (1980 m)

Hütte: Hirzerhütte (1983 m),

Tel. 00 39/3 30/51 59 00

Route: Bergstation – Obere Scharte

– Hirzer (2¾ Std.) – Anteranlacken –

Kratzberger See – Missensteiner Joch

– Bergstation Meran 2000 (1900 m)

3 Schenner Waalweg

▶ leicht 2¼ Std.

200 Hm +6 J.

Charakter: Bequeme, aussichtsreiche

Wanderung entlang eines

ursprünglich erhaltenen Waals

Ausgangspunkt: nördliches Ortsende

von Schenna (620 m)

Hütte: Einkehr im Gasthaus Pichler

und St. Georgen

Route: Schenna – Taser-Seilbahn/

Ghs. Pichler – Schenner Waalweg –

»Katzenleiter« – Brunjaunhof – St.

Georgen – Schenna

4 Großer Ifinger (2581 m)

▶ schwierig 8½ Std.

1350 Hm +14 J.

Charakter: Ruhiger, langer Anstieg

auf den bekannten Felsberg über

Meran, zum Gipfel kurzer ausgesetzter

Klettersteig; kürzer wird die Tour bei

Abfahrt mit der Bergbahn Meran

2000 (6½ Std.)

Ausgangspunkt: Bergstation

Taser-Seilbahn (1450 m), Talstation

oberhalb von Schenna

Hütte: Gasthaus Taser, Streitweideralm,

Kuhleitenhütte, Ifi nger Hütte

Route: Bergstation Taser – Streitweideralm

– Oswaldscharte – Großer

Ifi nger – Meran 2000 – Ifi ngerscharte

– Ifi ngerhütte – Bergstation Taser

5 Lauwandspitze (2251 m)

▶ mittel 5½ Std.

800 Hm +12 J.

Charakter: Ruhiger Gipfel vis-à-vis

der Felsfl uchten des Ifi nger

Ausgangspunkt: Bergstation

Taser-Seilbahn (1450 m), Talstation

oberhalb von Schenna

Hütte: Einkehr bei Gasthaus Taser,

Ifi ngerhütte, Eggerhof, Greitererhof

Route: Bergstation Taser – Ifi ngerhütte

– Lenzeben – Lauwandspitze

– Lenzeben – Eggerhof – Greitererhof

– Bergstation Taser

06 ⁄13 Bergsteiger 55


KOLUMNE

Pasta... e basta!

Auch im Hochgebirge buhlen Hüttenwarte mit einfallsreichen

Menüs um die Gunst der Gäste. In manchen

Fällen vergeblich. Aber wer braucht auf 4000 Meter

Höhe Sahnehäubchen und arrangierte Salatblätter?

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Caroline Fink

berichtet am liebsten über die

stillen Winkel in den Alpen.

Die Autorin lebt in Zürich und

arbeitet unter anderem frei für

die NZZ und das SAC-Magazin

»Die Alpen«. Die 35-Jährige

schreibt im Wechsel mit

Sandra Zistl, Axel Klemmer und

Eugen Hüsler über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Vergangenes Jahr besuchte ich die

neue Monte-Rosa-Hütte am Fuß

der 4634 Meter hohen Dufourspitze.

Endlich sah ich das Juwel

modernen Hüttenbaus mit eigenen Augen.

Als wäre es ein Museum, schlenderte ich

Treppen hoch und betrachtete den Essraum

aus hellem Holz, durch dessen Fenster das

Licht floss. Prüfend legte ich mich ins Bett

und freute mich darüber, dank geschickter

Raumteilung keinen Bettnachbar zu haben.

Die neue Hütte begeisterte mich – bis

es Zeit für das Nachtessen war. Mit einem

Bärenhunger saß ich am Tisch und spielte

ungeduldig mit Messer und Gabel, als ich

sah, wie das Hüttenpersonal jedem Gast einen

Teller servierte, anstatt große Schüsseln

auf die Tische zu stellen. Es dauerte nicht

lange, bis auch vor meiner Nase ein Teller

stand: ein gemischter Salat, arrangiert wie

im Restaurant. Als zweiter Gang folgte ein

Schüsselchen Suppe. Als Hauptgang ein paar

Löffel Kartoffelbrei mit zwei Scheiben Braten

und Gemüse. Von allem: genau eine Portion.

Was nützt mir rohes Grünzeug?

»Vielleicht ist noch ein wenig Kartoffelbrei

übrig«, hieß es seitens des Hüttenpersonals,

als ich um Nachschlag bat. Ich bin sicher:

Dreißig Jahre jünger, hätte ich mich in diesem

Moment auf den Boden geworfen und

geschrien. Als erwachsene Frau indes verzog

ich nur die Mundwinkel und schwieg. Was

immerhin meinen Tischnachbar – einen

korpulenten Architekten aus Berlin – dazu

brachte, mir seinen Kartoffelbrei zu überlas-

sen. Er mache gerade eine »Low-CarbDiät«,

erklärte er mit wohlwollendem Lächeln, verzichte

also auf Kohlenhydrate. Zugegeben,

ich esse meist mehr als die Männer am Tisch.

Und ich pflege einen ausgeprägten Futterneid.

Doch mit Verlaub: Was nützt mir Salat,

wenn ich tags darauf eine mehrstündige

Ausdauerleistung in großer Höhe erbringen

will? Oder anders gefragt: Kennen Sie Triathleten,

die am Vorabend des Wettkampfs auf

Tomaten und rohen Kohl schwören?

Ein Hoch auf Älplermagronen

Nichts gegen leckeres Essen und Gemüse.

Nichts gegen einfallsreiche Menüs und

Hüttenküchen, die frei von Glutamat und

Päckchensuppen sind. Doch der grassierenden

Salatkultur in Schweizer Berghütten

begegne ich skeptisch. So sehr ich Salat im

Tal mag – im Hochgebirge rohes Grünzeug

aufzutischen, scheint mir in etwa so sinnvoll,

wie der Verkauf von Sahnetörtchen im

Fitnessstudio. Mit dem Unterschied, dass es

keinen Helikopter braucht, um das Fitnessstudio

zu beliefern. Und wenn ich schon

beim Meckern bin: Nach meinem Gusto

kann der Hüttenkoch auch gleich Braten

und Hackfleisch weglassen. Wer nun sagt,

ich sei kompliziert, irrt. Mit Gästen wie mir

wäre die Logistik von Hüttenküchen sogar

einfacher, ist meine Devise doch simpel: Pasta

... e basta! Zwei Teller Spaghetti mit Sugo,

Älplermagronen oder Penne mit Pesto reichen,

liebe Hüttenwarte, um eine Alpinistin

wie mich glücklich zu machen. Und wenn es

denn sein muss: eine Suppe dazu. ◀

56 Bergsteiger 06⁄13


Quality since 1923


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 6/13

Urner und Ammergauer Alpen, Wilder

Kaiser, Stubaier und Ötztaler Alpen

Abtrennen

Falten

Einstecken

6 Nürnberger Hütte, 5 Dresdner Hütte,

4 N. Regensburger

2 Hohe Bleick,

3 Franz-Senn-

11 Scheffauer,

gute Bergwege, in Teilstrecken

blockig

ernster Höhenweg, z. T.

abschüssiges Gelände

Hütte, alpiner Übergang,

meist guter Steig

leichte Bike & Hike-

Tour, meist im Wald

Hütte, lange Höhenroute,

z. T. ausgesetzt

lange Rundtour auf versichertem

Steig

1 Bergsee-Klettersteig,

12 Verpeilspitze,

7 Gr. Trögler, steile

8 Bremer Hütte,

9 Innsbrucker Hütte,

origineller, un-

schwieriger Eisenweg

Hochtour (II) mit günstigem

Stützpunkt

Gipfeltour auf markierten

Steigen

steinige, hochalpine

Etappe, aber kurz

anspruchsvoller Höhenweg,

z. T. ausgesetzt

10 Habicht, an Hochtour

grenzender Felssteig,

markiert

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Urner Alpen Bergsee-Klettersteig

1

aus Bergsteiger 6/2013

TIPP

Eisenweg im Urner Granit

Einer der jüngsten Klettersteige der Schweiz, 2012 offiziell eröffnet, führt mitten hinein in die Welt

des Urner Granits. Da verbindet sich das Klettervergnügen aufs Schönste mit einem faszinierenden

Landschaftserlebnis.

810 Hm | 5¼ Std.

komplette Klettersteigausrüstung

inkl. Helm

Talort: Göschenen (1101 m) an der Gotthardstrecke

Ausgangspunkt: Parkplatz bzw. Bushalt an der Staumauer

des Göscheneralpsees (1791 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Postbuslinie Göschenen

– Göscheneralpsee (Juli bis Oktober)

Gehzeiten: Zustieg 2 Std., Klettersteig 2 Std.,

Abstieg 1¼ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis zum ersten Schnee im Herbst

Karten/Führer: Swisstopo 1:25 000, Blatt 1231 »Urseren«

Fremdenverkehrsamt: Uri Tourismus, Schützengasse 11,

CH-6460 Altdorf; Tel. 00 41/41/8 74 80 00, www.uri.info

Hütte: Bergseehütte (2370 m), bewirtschaftet Anfang Juni bis

Mitte Oktober; Tel. 00 41/41/8 85 14 35

Charakter/Schwierigkeiten: Nur mäßig anspruchsvoller

Klettersteig (K 2, Stellen K 3) mit origineller Routenführung, an

dem sich auch größere Kinder in Begleitung Erwachsener versuchen

können. Besonderer Gag: die Dreiseilbrücke

Ammergauer Alpen Hohe Bleick (1638 m)

Bike & Hike zum höchsten Punkt des Hohen Trauchbergs

Die bewaldeten Höhen des Trauchbergs sind durchzogen von guten

Forstwegen, die sich ideal zum Mountainbiken eignen. Nur den steileren

Gipfelanstieg muss man zu Fuß bewältigen.

980 Hm | 3¾ Std.

Mountainbike, Helm und

Wanderausrüstung

2

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

aus Bergsteiger 6/2013

Talort: Halblech (825 m)

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz der

Kenzenhütte (829 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt: Breite Nord:

47.625524 Länge Ost: 010.852207

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 73 Füssen –

Trauchgau – Halblech

Entfernung: 26,34 km

Zeiten: Auffahrt und Aufstieg 2¾ Std.;

Abstieg und Abfahrt 1 Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst

Karten: Topografi sche Karte des Bayer. Landesamtes für

Vermessung und Geoinformation 1:50 000, Blatt UK 50-48

und Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt BY 6

Informationen: Gästeinformation Halblech, Dorfstr. 18,

87642 Halblech, Tel. 0 83 68/9 12 22 22,

www.halblech.de

Einkehr: keine Möglichkeit

Schwierigkeiten: Leichte Bike&Hike-Tour, die ein paar

Steil-Auf- und Abfahrten und zwei sehr einfache Gipfelanstiege

bietet.

TIPP

Stubaier Alpen Kreuzjoch – Starkenburger Hütte – Franz-Senn-Hütte

3

Panoramawandern von Anfang an

Steigt man mit der Seilbahn von Fulpmes in den Stubaier Höhenweg

ein, lässt sich schon beim Zustieg zur Starkenburger Hütte in herrlichen

Ausblicken schwelgen. Auf der ersten richtigen Etappe zur Franz-

Senn-Hütte setzt sich dies nahtlos fort.

1040 Hm | 7¾ Stunden

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

normale Bergwanderausrüstung

aus Bergsteiger 6/2013

Ausgangspunkt: Bergstation am Kreuzjoch (2108 m) der

Schlicker Seilbahnen in Fulpmes

Endpunkt: Franz-Senn-Hütte (2149 m); Abstiegsmöglichkeit

zur Oberisshütte (1742 m)

Gehzeiten: Kreuzjoch – Starkenburger Hütte 1½ Std. – Seejöchl

1½ Std. – Sendersjöchl 1 Std. – Seduck Hochalm 1½ Std.

– Franz-Senn-Hütte 2¼ Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: AV 1:25 000, Blatt 31/2 »Sellrain«; freytag & berndt

1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck – Stubai – Sellrain – Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverl. Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift

im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Starkenburger Hütte, Tel. 00 43/6 64/5 03 54 20;

Franz-Senn-Hütte, Tel. 00 43/52 26/22 18

Charakter/Schwierigkeiten: Lange Höhenroute durch häufi

g abschüssige Bergfl anken, deshalb gute Trittsicherheit und

Schwindelfreiheit erforderlich. Die Steige sind aber gut angelegt

und an manchen ausgesetzten Stellen gesichert.

Tipp: Am Anreisetag am besten nur bis zur Starkenburger Hütte

gehen und anderntags ausgeruht auf den Übergang.


TIPP

Urner Alpen Bergsee-Klettersteig

TIPP

Aufstieg: Der schön angelegte Plattenweg steigt vom

Parkplatz an der Staumauer im Zickzack an. Nach etwa 20

Min. führt ein kleiner Abstecher links zu einem Ausguck über

der Brätschenfl ue. Wenig weiter zweigt der Zugang zur Chelenalphütte

ab. Zur Bergseehütte geht’s über den zunehmend

steileren Hang in vielen Kehren zügig aufwärts, zuletzt links

hinüber zu dem prächtig gelegenen Haus. Packender Blick

auf den Winterberg

Bergsee-Klettersteig: Markierungen leiten über

Blockwerk und leichte Schrofen zum Einstieg rechts des







Ammergauer Alpen Hohe Bleick (1638 m)

Auffahrt: Vom Wanderparkplatz dem asphaltierten Fahrweg

am Halblech entlang folgen, bis unmittelbar vor der zweiten

Brücke nach links ein Fahrweg abzweigt. Auf ihm steil in Richtung

Röthenbachtal hinauf und hinter der Scheitelstrecke

bis zum Querweg ins Röthenbachtal hinunter. Links in das

Tal hinein, bis man auf der rechten Seite hinter dem Röthenbach

das sehenswerte Geotop mit den Turbiditen entdeckt.

Anschließend in meist geringer Steigung nach Nordosten

hinauf, bis schließlich auf der Höhe von 1260 m links des



Bergseeschijen-Südgrats (ca. 2420 m; Tafel). Den Auftakt

zum eisernen Vergnügen bilden zwei glatte, mit ein paar

Eisenklammern entschärfte Felsaufschwünge. Anschließend

schlängelt sich die Route durch die stark gegliederte Felsfl

anke hinauf zum ersten Felsturm (2510 m). Dahinter steigt

man ab in die Senke vor dem »Krokodil«, das seinen Namen

der bizarren, an ein aufgerissenes Krokodilmaul erinnernden

Form verdankt. Die Urner »Echse« ist allerdings aus Granit.

Drahtseile leiten steil hinauf zur Spitze des Turms (2527

m). Man klettert luftig um ihn herum und steigt dann kurz












Sträßchens eine breite Furt zu sehen ist. Dort links abbiegen

und zur Grübleshütte hinauf (Unterstand und Notunterkunft).

Bei der Hütte rechts ab und gleich darauf zu einer Verzweigung.

Bei ihr nach rechts weiter und gegen Osten mehrmals

auf und ab. An beschilderter Stelle zweigt ein schmaler,

relativ grober Fahrweg links ab. Man folgt ihm mit dem Rad,

soweit man es schafft.

Aufstieg: Den Rest der steilen und groben Schlepperspur

geht man zu Fuß hinauf und erreicht schließlich ein etwas

ab zu einer kleinen Scharte. Unerschrockene nehmen ihren

Weg über die 18 Meter lange Dreiseilbrücke; alternativ kann

man sie auch auf einer Drahtseilleiter umgehen. Ein letzter

Gratbuckel wird überstiegen, dann ist das Ende der Ferrata

erreicht. Steigspuren leiten hinab in eine Karmulde und

zurück zur Bergseehütte.

Abstieg: Der Abstieg zum Göscheneralpsee erfolgt über den

Anstiegsweg.

Eugen E. Hüsler






fl acheres, meist lehmiges Wegstück, das bei der privaten

Bleickhütte endet. Unmittelbar vor der Hütte links halten und

über eine Wiese auf die Niederbleick. Von der Niederbleick

zur Bleickhütte hinunter, auf einem Pfad geradeaus über

einen Wiesenhang und in den Wald hinein. Der folgende

Wegabschnitt bis zum aussichtsreichen Gipfelkreuz der Hohen

Bleick ist ziemlich lehmig und vom Weidevieh geschädigt.

Abstieg/Abfahrt: auf dem Anstiegsweg

Siegfried Garnweidner

Panorama: www.peakfinder.org Panorama: www.peakfinder.org



























TIPP

Stubaier Alpen Kreuzjoch – Starkenburger Hütte – Franz-Senn-Hütte

Zustieg: Von der Bergstation auf dem gepfl egten Höhenweg

quer durch den Nordhang leicht ansteigend zum Sennjoch.

Etwas oberhalb der Kammsenke und der Jausenstation

schwenkt man um ein Eck in die Südseite und trifft dort unmittelbar

auf die Abzweigung zum Burgstall (mögliche Variante).

Nach interessanten Bändertraversen in den zerklüfteten

Flanken geht es recht kurvenreich leicht auf und ab und

schließlich durch einige Schneefangzäune hinüber zur Geländeschulter

mit der Starkenburger Hütte (2237 m).

Route: Von dort steigt man nordwärts in den Flanken des

Burgstalls an und umkurvt den Berg über zwei markante Rippen

auf der Westseite. Durch Kalkschutthänge knapp unter

dem Schlicker Schartl entlang und weiter zum Seejöchl

(2518 m). Man bleibt diesseits und quert – von nun an im Urgestein

– durch die Südostfl anken von Gamskogel und Steinkogel,

ehe man zwischendurch nochmals die Kammhöhe berührt.

Zum Sendersjöchl (2477 m) dann wieder etwas bergab

und anschließend in die Steilschrofen der Roten Wand hinein

(Steinschlaggefahr; einige ausgesetzte Stellen versichert).

Nach dem deutlichen Abstieg hält die Route quer durch etliche

Hangeinbuchtungen über längere Zeit in etwa die Höhe.

Man gelangt zur Seduck Hochalm (2249 m, Jausenstation

während der Almsaison).

Hangparallel zwischen 2200 und 2300 Meter Höhe quert

man auch danach weiterhin recht steile grasige oder schrofi

ge Flanken. Zwischendrin ist der markante Trichter der Viller

Grube eingelagert. Um ein ausgesetztes Eck leitet man den

Schlussteil der Traverse ein, wo die Routen zum Horntaler

Joch und zur Rinnenspitze abzweigen. Hinter einem Gerinne

über eine letzte gesicherte Stelle und in leichtem Gefälle zur

stattlichen Franz-Senn-Hütte

Mark Zahel

Wegweiser bei der Franz-Senn-Hütte

Foto: Mark Zahel


TIPP

Stubaier Alpen Franz-Senn-Hütte – Neue Regensburger Hütte

4

aus Bergsteiger 6/2013

TIPP

aus Bergsteiger 6/2013

Vom Alpeiner ins Falbesoner Hochtal

Die Ausläufer des mächtigen Ruderhofkammes prägen diese Etappe. Zeitweise geht es etwas mühsam

über Blockgestein dahin, was eine zentralalpine Urlandschaft freilich auszeichnet. Bemerkenswert

ist der zwischenzeitliche Szenenwechsel hin zum Stubaier Hauptkamm.

660 Hm | 4 Std.

normale Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Franz-Senn-Hütte (2149 m)

Endpunkt: Neue Regensburger Hütte (2287 m); Abstiegsmöglichkeit

nach Falbeson im Stubaital

Gehzeiten: Franz-Senn-Hütte – Übergang zur Platzengrube

2 Std. – Schrimmennieder 1 Std. – Neue Regensburger

Hütte 1 Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«

und Blatt 31/2 »Sellrain«; freytag & berndt

Stubaier Alpen Neue Regensburger Hütte – Dresdner Hütte

Schlüsselpassage an der Grawagrubennieder

Das idyllische Hohe Moos zu Beginn, der strenge Übergang an der Grawagrubennieder (übrigens der

höchste Punkt des gesamten offiziellen Stubaier Höhenwegs) sowie die Traverse weiterer Karbuchten

sind die Zutaten dieser langen Etappe. Man nähert sich damit allmählich dem Hauptkamm.

960 Hm | 6 Std.

normale Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Neue Regensburger Hütte (2287 m)

Endpunkt: Dresdner Hütte (2308 m); Ausstiegsmöglichkeit

talwärts von der nahen Mittelstation der Stubaier

Gletscherbahn

Gehzeiten: Neue Regensburger Hütte – Grawagrubennieder

2 Std. – Schafspitz ¾ Std. – Hohe Grube 1¼ Std.

– Wilde Grube ¾ Std. – Egesennieder ¾ Std. – Dresdner

Hütte ½ Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck – Stubai – Sellrain –

Brenner«

Führer: Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother-

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167

Neustift im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10,

www.stubai.at

Hütten: Franz-Senn-Hütte, Tel. 00 43/52 26/22 18;

Neue Regensburger Hütte, Tel. 00 43/6 64/4 06 56 88

Charakter/Schwierigkeiten: Alpiner Übergang auf

zumeist gutem Steig, phasenweise aber auch blockreich.

Etwas Trittsicherheit angezeigt. Schwierigkeiten können

bei ungünstigen Verhältnissen auftreten, z. B. im Frühsommer

an einer Wechte in der Scharte.

Tipp: Von der Schrimmennieder kurzer, wenig schwieriger

Abstecher auf Steigspuren zum Basslerjoch (2829 m).

Das Panorama weitet sich erheblich!

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«;

freytag & berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck – Stubai – Sellrain

– Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother,

2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift im

Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Neue Regensburger Hütte, Tel. 00 43/6 64/4 06 56 88;

Dresdner Hütte, Tel. 00 43/52 26/81 12

Charakter/Schwierigkeiten: Ernster alpiner Übergang, vor

allem aufgrund des abschüssigen Felsgeländes auf der Nordseite

der Grawagrubennieder, wo ungünstige Verhältnisse oft noch erschwerend

hinzukommen (Sicherungen, aber nicht durchgehend

und bei Schnee heikel). Der Rest ist bis auf vereinzelte Schrofenstellen

ein mittelschwerer Höhenweg, ab und zu über Blockfelder.

Trittsicherheit und solide Kondition unerlässlich

5

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Stubaier Alpen Dresdner Hütte – Sulzenauhütte – Nürnberger Hütte (Normalroute)

6

Im Bannkreis gleißender Gletscher

Auf dieser Etappe bewegt man sich quasi durchs Herz des Hochstubai,

direkt unter den höchsten Gipfeln entlang. Es bieten sich fortwährend

Prachtblicke auf Zuckerhütl, Freiger und Co.

900 Hm | 5 Std.

normale Bergwanderausrüstung

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

aus Bergsteiger 6/2013

Ausgangspunkt: Dresdner Hütte (2308 m)

Endpunkt: Nürnberger Hütte (2278 m); Abstiegsmöglichkeit

über die Bsuchalm ins Stubaital

Gehzeiten: Dresdner Hütte – Peiljoch 1¼ Std. – Sulzenauhütte

1¼ Std. – Grünausee 1 Std. – Niederl ¾ Std. – Nürnberger

Hütte ¾ Std.

Karte: AV-Karte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«; freytag

& berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck – Stubai – Sellrain

– Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift

im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Dresdner Hütte, Tel. 00 43/52 26/81 12; Sulzenauhütte,

Tel. 00 43/52 26/24 32; Nürnberger Hütte, Tel.

00 43/52 26/24 92

Charakter/Schwierigkeiten: Weithin gut angelegte Bergwege,

in Teilstrecken über Blockwerk etwas holprig. Vereinzelt

auch ausgesetzte Passagen mit Sicherungen, daher Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit wichtig.

Hinweis: Die Etappe kann in der Sulzenauhütte unterbrochen

werden.


TIPP

Stubaier Alpen Franz-Senn-Hütte – Neue Regensburger Hütte

Das Hohe Moos mit der

Neuen Regensburger Hütte

Foto: Mark Zahel

Route: Von der Franz-Senn-Hütte auf AV-Weg Nr. 133 sogleich

über einen Seitenbach des Alpeiner Bachs. Nahezu

horizontal durch den Nordhang bis in die große Hangbucht

mit dem Namen Kuhgschwez. Auch hier führt der Weg noch

längere Zeit hangparallel weiter – ab und

zu über Blockwerk, meist aber ziemlich bequem

– bis unter die Platzengrube. Da der

alte Weg direkt durch diese Geländekehle

auf einem Teilstück verschüttet wurde und

steinschlaggefährdet ist, dreht man jetzt

markant nach rechts ab und gelangt über

einen verblockten Graben etwas mühsam

ins Unnütze Grübl hinauf. Links haltend

durch ein ausgedehntes, unwegsames

Blockfeld lavierend und in Kehren auf die östliche begrenzende

Gratrippe. Dort erfolgt auf ca. 2500 Metern der Überstieg

in die Platzengrube. Nach etwas Zwischenabstieg zieht

man auf die linke Seite hinüber und gewinnt dort Anschluss

an die alte Routenführung. Nach einigen Kehren schließlich

im Hochkar mit einem markanten Bogen nach rechts bis in

die enge Schrimmennieder (2714 m), wo auch das Basslerjoch

ausgeschildert ist.

Südseitig verliert man in der Rinne auf einem guten Serpentinenweg

rasch an Höhe, orientiert sich dann auf die rechte

Seite des Trichters und kommt zeitweilig über Blockgestein

zu einer Gabelung auf knapp 2300 Metern. Hier nach rechts

und mit einer halbstündigen Traverse, die noch über einige

kleine Bäche führt, hinüber zur Neuen Regensburger Hütte.

Mark Zahel

TIPP

Stubaier Alpen Neue Regensburger Hütte – Dresdner Hütte

Route: Zunächst geht es ganz fl ach ins »Hohe Moos«

hinein. Am rechten Rand der Sumpfebene gewinnt der Weg

(Nr. 138) allmählich an Höhe und nähert sich rechter Hand

dem Falbesoner See, der hinter einem Moränenrücken

verborgen bleibt (kurzer Abstecher). Nach einem letzten

Flachstück im Vorfeld des zurückgewichenen Hochmoosferners

steigt man in die steile Flanke zur Grawagrubennieder

(2881 m) ein. Mit Drahtseilen entschärfte Felszonen und

kaum minder abschüssiges Blockschuttgelände erheischen

Vorsicht (bis weit in den Sommer hinein Altschneereste).

Jenseits der Scharte folgt man einem besseren Steig über

eine Verfl achung hinweg und quert nach einem Abstiegsstück

die oberste Nockgrube. Nur wenige Kehren sind

anschließend nötig, um die Rippe am Schafspitz (2760 m)

zu überwinden (Drahtseile). Hinter dem kleinen Schafgrübl

folgt eine zweite Rippe. Mit einer längeren Abwärtstraverse

lässt man das größere Ruderhofkar hinter sich und passiert

unter dem Gratsporn der Hölltalspitze entlang die Hohe

Grube mit ihrer sehenswerten Hochmoorlandschaft. Ein

lohnender Abstecher führt hier zum Mutterberger See. Am

Hauptweg wandert man indes weiter über die Geländenase

am Zuntenkopf hinweg, schwenkt Richtung Glamergrube

ein und passiert das oberhalb gelegene Kar im Bereich

der Trogschulter. Mit einem weiten Bogen Richtung Wilde

Grube, wo man auf eine Fahrpiste stößt. Man folgt ihr einige

Schleifen aufwärts, dann empfi ehlt sich eine steile Abkürzung,

die im Zickzack mit einer kurzen gesicherten Plattenpassage

in die Egesennieder (2506 m) hinaufl eitet. Auf der

Ostseite ist es dann nur noch ein halbstündiger Abstieg bis

zur Dresdner Hütte, die inmitten des Skigebiets liegt.

Mark Zahel

Beim Übergang zwischen

Neuer Regensburger und Dresdner Hütte

Foto: Mark Zahel

TIPP

Stubaier Alpen Dresdner Hütte – Sulzenauhütte – Nürnberger Hütte (Normalroute)

Route: Von der Dresdner Hütte zunächst in wenigen Minuten

zur Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn hinab

und dahinter über den Fernaubach. Ein Plattenweg zieht

ein Stück weit empor zu einer Gabelung. Während links der

Große Trögler ausgewiesen wird, hält man sich zum Peiljoch

rechts. Der felsige Steig windet sich aufwärts, wobei die eine

oder andere Stufe mit Drahtseil gesichert ist. Später deutlich

abfl achend durch ein Blockkar, welches von Nordwesten her

zum Peiljoch (2672 m) aufschließt. Gewaltig nimmt sich der

unvermittelte Blick auf den Sulzenauferner aus.

Mit dieser Begleitkulisse steigt man jenseits in Kehren steil

bergab und kommt dann auf eine Moräne, wo zwei Möglichkeiten

angeboten werden. Zum einen ist es der »Wilde-

Wasser-Weg«, der sich rechts ins Vorfeld des Gletschers

begibt und anschließend durch den Trog hinausleitet. Von der

Perspektive her vorzuziehen ist jedoch jene Route, die links

am Hang bleibt. Hier tritt zwischendurch noch eine gesicherte

Plattentraverse auf, ehe der Weg sanft ins Hochtal ausläuft

und dort die Sulzenauhütte (2191 m) ansteuert.

Gleich nebenan den breiten Bach kreuzen und anschließend

über den fl achen Riegel des Übergschritt. Mit einer kurzen

steilen Abwärtspassage in den breiten Grünautrog und

nach einer weiteren Bachtraverse an einem Moränenrücken

aufwärts. Auf der grasigen Schwelle des Grünausees links

haltend und bei der nächsten Gabelung auf ca. 2500 Metern

rechts. Man gelangt in eine Hochmulde mit fl achem See und

anschließend über Blockfelder zur gesicherten Steilstufe,

die zum Gratüberstieg am Niederl (2629 m) leitet. Vorsicht,

das letzte Stück ist ziemlich ausgesetzt! Das gilt auch für die

anfängliche Felstraverse auf der Ostseite, ehe es in verwickeltem

Routenverlauf über Blöcke und glattgeschliffenes

Urgestein sukzessive tiefer geht. Nach gut 300 Höhenmeter

Abstieg erreicht man die Nürnberger Hütte.

Mark Zahel

Die malerische Umgebung der Sulzenauhütte

Foto: Mark Zahel


TIPP

Stubaier Alpen Dresdner Hütte – Sulzenauhütte – Nürnberger Hütte (Gipfelvariante)

7

aus Bergsteiger 6/2013

TIPP

aus Bergsteiger 6/2013

Alternativroute über zwei erlesene Logenplätze

Wer die Übergänge zur Sulzenauhütte bzw. Nürnberger Hütte über

den Großen Trögler und die Mairspitze wählt, bereichert den Erlebniswert

zusätzlich. Die Anforderungen liegen etwas höher, bleiben

für geübte Bergwanderer aber noch gut verträglich.

1300 Hm | 7 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Dresdner Hütte (2308 m)

Endpunkt: Nürnberger Hütte (2278 m); Abstiegsmöglichkeit

über die Bsuchalm ins Stubaital

Gehzeiten: Dresdner Hütte – Großer Trögler 2 Std. – Sulzenauhütte

1½ Std. – Grünausee 1 Std. – Mairspitze 1½ Std.

– Nürnberger Hütte 1 Std.

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«;

freytag & berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck – Stubai

– Sellrain – Brenner«

Führer: Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift

im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Dresdner Hütte, Tel. 00 43/52 26/81 12; Sulzenauhütte,

Tel. 00 43/52 26/24 32; Nürnberger Hütte, Tel. 00

Stubaier Alpen Nürnberger Hütte – Bremer Hütte

Der Weg durchs »Paradies«

Eine glazial geprägte, zentralalpine Bilderbuchlandschaft begleitet den Wanderer auch hinüber zur

Bremer Hütte. Ein verborgener Hochboden trägt sogar den Namen »Paradies«. Steinig wird es über

das Simmingjöchl, doch ist auch dieser Übergang gut beherrschbar.

600 Hm | 3¾ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Nürnberger Hütte (2278 m)

Endpunkt: Bremer Hütte (2411 m); der Talabstieg von

hier führt nach Gschnitz, also nicht ins Stubaital

Gehzeiten: Nürnberger Hütte – Paradies 1½ Std. – Simmingjöchl

1¼ Std. – Bremer Hütte 1 Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«;

freytag & berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck

– Stubai – Sellrain – Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother,

2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift im

Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Nürnberger Hütte, Tel. 00 43/52 26/24 92; Bremer

Hütte, Tel. 00 43/6 64/2 72 80 71

Charakter/Schwierigkeiten: Relativ kurze, aber hochalpine

Etappe in beschwerlichem Gelände (oft über Platten und

Gletscherschliffe). Wiederholt Sicherungen; Trittsicherheit und

Schwindelfreiheit nötig

43/52 26/24 92

Charakter/Schwierigkeiten: Markierte Steige mit steilen,

ausgesetzten Passagen (vereinzelt gesichert). Grasschrofen

und Blockgelände, bei Nässe heikel. Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit obligatorisch, zudem gute Kondition

Hinweis: Die Etappe kann in zwei Hälften aufgeteilt werden

(Zwischennächtigung in der Sulzenauhütte).

8

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Stubaier Alpen Bremer Hütte – Innsbrucker Hütte

9

aus Bergsteiger 6/2013

Hoch über dem inneren Gschnitztal

Zwischen Bremer und Innsbrucker Hütte bewegt man sich nicht direkt über dem Stubaital, sondern

über dem Gschnitztal. Das bringt optisch willkommene Abwechslungen – etwa mit der dolomitenhaften

Tribulaungruppe vis-à-vis. Ein fantastischer Höhenweg quer durch die Flanken des Habichtkammes.

960 Hm | 6½ Std.

normale Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Bremer Hütte (2411 m)

Endpunkt: Innsbrucker Hütte (2370 m)

Gehzeiten: Bremer Hütte – Trauljöchl 1¾ Std. – Pramarnspitze

2¼ Std. – Sendesgrat 1¾ Std. – Innsbrucker

Hütte ¾ Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 31/1 »Hochstubai«;

freytag & berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck

– Stubai – Sellrain – Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag Rother,

2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167 Neustift im

Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.at

Hütten: Bremer Hütte, Tel. 00 43/6 64/2 72 80 71; Innsbrucker

Hütte, Tel. 00 43/ 52 76/2 95

Charakter/Schwierigkeiten: Recht anspruchsvoller und

langer alpiner Höhensteig mit wiederholtem Auf und Ab. Phasenweise

ausgesetzte Traversen mit einigen Sicherungen, wobei

schrofi ges und teils auch blockiges Gelände überwiegt. Trittsicherheit

und gute Ausdauer wichtig

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Stubaier Alpen Dresdner Hütte – Sulzenauhütte – Nürnberger Hütte (Gipfelvariante)

TIPP

Route: Von der Dresdner Hütte kurz hinab zur Seilbahnstation

und über den Fernaubach auf den ostwärts emporziehenden

Bergweg. Bei der Verzweigung auf ca. 2400 Metern links und

in Serpentinen die Flanke hinauf zu einer Geländeschwelle.

Vorübergehend etwas nach rechts auf eine Gratkerbe zuhalten,

davor aber wieder linker Hand steil aufwärts, über eine gesicherte

Schrofenpassage und schließlich auf gutem Felssteig

bis zum Gipfel des Großen Tröglers (2902 m). Was für ein

Aussichtspunkt!

Der Weiterweg folgt dem teils ausgesetzten und mit kleineren

Felshürden gespickten Nordostgrat zum Kleinen Trögler (vereinzelt

Drahtseile). Nachdem die Kuppe knapp rechts passiert

ist, verbreitert sich der Grat zu einem sanfteren Rücken. Die

Markierungen leiten dann aber in die Südostfl anke hinab, wo

sich zwischen zahlreichen Serpentinen eine Klettersteigeinlage

einschaltet. Über wellige Grasplateaus und Schliffrücken läuft

der Steig schließlich unbeschwert aus und mündet kurz vor der

Sulzenauhütte in die Route, die vom Peiljoch kommt.

Von dort wie beim Normalweg über das Niederl zum Grünausee

und zur Verzweigung auf ca. 2500 Meter Höhe. Man

steigt nun weiter ins Schafgrübl auf, vollzieht einige Kehren

und bewältigt linker Hand einen schrofi gen Aufschwung. Nach

einem Band wird die Mairspitze (2780 m) auf einem kurzen

Stichweg gewonnen.

Für den Wechsel auf die Ostseite kurz zurück und dann eine

gratnahe Blockmulde durchschreiten. Ein kleiner Gegenanstieg

leitet in eine Minilücke, den eigentlichen Überstieg. Jenseits im

Zickzack an einer blockigen Geländerippe tiefer, kurzzeitig versichert

nach rechts und im oberen Bereich der Hänge schräg

abwärts. Zuletzt verbindet sich der Steig wieder mit der Niederl-

Route und trifft bei der Nürnberger Hütte ein.

Mark Zahel

Stubaier Alpen Nürnberger Hütte – Bremer Hütte

Route: Von der Nürnberger Hütte folgt man ein Stück weit

der Route zum Wilden Freiger aufwärts und biegt dann

links ab, um die ausgedehnten Gletscherschliffzonen »Auf

den Platten« zu durchqueren. Dabei geht es sukzessive etwas

abwärts, allerdings nicht gleichmäßig. Immer wieder

tauchen überraschende Steilstufen auf (teils versichert).

Die Traverse führt schließlich in den Trog des Grüblferners,

welcher sich weit zurückgezogen hat. Man geht den Bacheinschnitt

aus und quert auf der gegenüberliegenden Seite

markant nach links. Auch hier legen sich wieder felsige

Stufen in den Weg, diesmal im Bergauf. Später geht es sogar

ein ganzes Stück über Schliffgelände höher (weiterhin

Drahtseile), bevor man auf etwa 2400 Metern die Schwelle

ins Untere Grübl erreicht. Die lieblichen Schwemmböden

mit ihren Mäandern und den kleinen Seen werden auch

»Paradies« genannt. Nach einem Linksschwenk weiter ins

zunehmend geröllige Obere Grübl hinauf. Der Serpentinensteig

nähert sich aufsteilenden Felsfl anken. Rechts haltend

über kurzfristig gesicherte Platten schräg empor und

abwechselnd über Schutt und kompaktere Felsen – je nach

Jahreszeit auch von Schneefeldern durchsetzt – bis zum

Auf der Gratüberschreitung

des Großen Tröglers

Scheitelpunkt der Etappe am Simmingjöchl (2754 m), wo

eine ehemalige Zollhütte steht.

Der Abstieg auf der Ostseite beginnt mit einer grimmig steilen

gesicherten Rinne. Die Schwierigkeiten nehmen aber

rasch ab, und nach einigen Kehren geht der Steig mehr in

eine Querung über, denn man bleibt ein Stück weit links

oberhalb der Talsohle. Zuletzt folgt noch ein kleiner Gegenanstieg,

bevor man auf dem wunderschönen Geländebalkon

mit der Bremer Hütte eintrifft. Mark Zahel

Wasserspiegelung an der Bremer Hütte

Foto: Mark Zahel Foto: Mark Zahel

TIPP

Stubaier Alpen Bremer Hütte – Innsbrucker Hütte

Route: Ab Bremer Hütte gibt es anfangs zwei Varianten:

Gleich beim Schutzhaus zweigt die schwierigere Route ab, die

als Klettersteig ausgebaut durch einen Kamin Richtung Lautersee

(2425 m) führt und anschließend die Karbucht auf

etwa gleicher Höhe ausgeht. Die Normalroute folgt hingegen

anfangs dem Hüttenweg, zweigt nach wenigen Minuten links

ab und leitet ebenfalls durch eine recht steile Flanke auf die

Böden im Kessel der Simmingalpe. Von dort im Schräganstieg

nordwärts über Schafmatten zur Vereinigung und weiter

ins Blockgelände. In Kehren steiler aufwärts zum von der Äußeren

Wetterspitze nach Osten abstreichenden Kammausläufer,

der im Trauljöchl (ca. 2530 m) überstiegen wird.

Jenseits kurz durch eine steile Rinne abwärts und links haltend

durch einen Blockhang ins Plattental. Bis in die Trauler

Bockgrube verliert man noch etwas an Höhe, dann stellt sich

die »Wasenwand« entgegen. Mit vereinzelter Drahtseilhilfe im

Auf und Ab quer durch den Schrofenriegel, danach ein steiles

Gerinne kreuzend und mit leichtem Zwischenabstieg in den

Trichter der Beilgrube. Hier setzt ein Schräganstieg durch

steile Grashänge an, der bis auf eine Gratrippe leitet. Vom eigentlichen

Übersteig ist es bloß ein Katzensprung zur vorspringenden

Kanzel der Pramarnspitze (2511 m), dem

schönsten Platz für eine ausgiebige Rast.

Auf der anderen Seite bergab in eine Karbucht und später in

den größeren Kessel der Glättegrube. Nachdem dieser Bogen

etwas weniger beschwerlich ausgegangen ist, windet sich der

Steig erneut aufwärts und erreicht um ein Eck herum mit dem

Sendesgrat (ca. 2540 m) die letzte markante Rippe. Im Abstieg

wandert man schließlich durch ein blockreiches Hochkar,

oberhalb des kleinen Alfairsees vorbei, zur Innsbrucker

Hütte.

Mark Zahel

Gesicherte Passage am Höhenweg

zwischen Bremer und Innsbrucker Hütte

Foto: Mark Zahel


TIPP

Stubaier Alpen Habicht (3277 m)

10

aus Bergsteiger 6/2013

TIPP

aus Bergsteiger 6/2013

Höhepunkt fürs Finale

Eine Besteigung des mächtigen Habichts ist gewiss die Krönung am Ende des Stubaier Höhenwegs.

Der übliche Anstieg von der Innsbrucker Hütte ist vergleichsweise anspruchsvoll, liegt aber für gestandene

Bergwanderer durchaus in Reichweite. Oben spannt sich ein gewaltiges Panorama auf.

900 Hm | 8 Std.

normale Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Innsbrucker Hütte (2370 m)

Endpunkt: Neder (970 m) im Stubaital

Gehzeiten: Innsbrucker Hütte – Habicht 3 Std. – Innsbrucker

Hütte 2¼ Std. – Karalm 1 Std. – Issenangeralm 1

Std. – Neder ¾ Std.

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: Freytag & berndt 1:50 000, Blatt 241 »Innsbruck –

Stubai – Sellrain – Brenner«

Führer: Mark Zahel »Trekking im Stubai«, Bergverlag

Wilder Kaiser Scheffauer (2111 m)

Tolle Rundtour auf den Westpfeiler des Kaisergebirges

Vom Tal aus ist die Rundtour auf den Scheffauer eine lange Angelegenheit, weshalb es sich gerade

im Sommer – wenn man die Gewittergefahr besonders beachten muss – anbietet, am Vortag auf der

Walleralm zu übernachten.

950 Hm | 7 Std.

normale Bergwanderausrüstung

Talort: Scheffau (745 m)

Ausgangspunkt: Walleralm (1199 m)

Gehzeiten: Walleralm - Kaindlhütte 1 Std., Kaindlhütte

– Scheffauer 3 Std., Scheffauer – Steiner Hochalm 2 Std.,

Steiner Hochalm – Scheffau 1 Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Ende September

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Nr. 8 »Kaisergebirge«

Führer: S. Garnweidner »Kaisergebirge und Kitzbüheler

Alpen«, Bruckmann Verlag, 2006

Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: TVB Stubai, Dorf 3, A-6167

Neustift im Stubaital, Tel. 00 43/5 01 88 10, www.stubai.

at

Hütten: Innsbrucker Hütte, Tel. 00 43/52 76/2 95; beim

Abstieg talwärts mehrere Einkehrstationen

Charakter/Schwierigkeiten: Markierter Felssteig, oft

steil und phasenweise auch exponiert, mit Stellen I sowie

etlichen gesicherten Passagen. Kompaktere Felsen sind

gut gestuft, sonst Blockschutt mit Begehungsspuren, im

oberen Teil evtl. kurz über Firn. Insgesamt leichter Hochtourencharakter,

was entsprechende Bergerfahrung, ausgeprägte

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert.

Der Abstieg von der Hütte ins Tal ist leicht.

Hinweis: Ab Karalm kann talauswärts ein Wandertaxi genutzt

werden, womit man sich rund 7 km Marsch erspart.

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Wilder Kaiser, Infobüro

Scheffau, Dorf 28, A-6351 Scheffau am Wilden Kaiser,

Tel. 00 43/50 50/93 10, www.wilderkaiser.info

Hütten: Walleralm (1199 m), privat, Ostern bis Ende Oktober, Tel.

00 43/6 64/5 24 94 41, www.walleralm.at

Kaindlhütte (1293 m), privat, ab Mitte Mai geöffnet, Tel. 00 43/

6 64/1 68 65 68, www.kaindlhuette.com,

Charakter/Schwierigkeiten: Bergtour mit hervorragender

Aussicht.Der Widauersteig sowie Teile des Abstiegs erfordern Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit.

11

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

w

TIPP

Ötztaler Alpen Verpeilspitze (3425 m)

12

Auf einen der markantesten Gipfel des Kaunergrats

Die Besteigung der Verpeilspitze verlangt zwar sicheres Klettern im

IIer-Gelände, dank der hoch gelegenen Kaunergrathütte ist von diesem

Stützpunkt aus aber nur eine vergleichsweise geringe Höhendifferenz zu

meistern. Zur Belohnung warten überwältigende Fern- und Tiefblicke.

1813 Hm | 2 Tage

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

Hochtourenausrüstung,

evtl. mit Seil

aus Bergsteiger 6/2013

Talort: Plangerross (1617 m)

Ausgangspunkt: Hüttenparkplatz kurz vor Plangeross

(1600 m)

Gehzeiten: Plangeross – Kaunergrathütte 3½ Std.

Kaunergrathütte - Verpeilspitze 2¾ Std., Verpeilspitze –

Plangeross 4 Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Mitte September

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Nr. 30/3 »Ötztaler Alpen

– Kaunergrat«

Führer: Walter Klier »Alpenvereinsführer Ötztaler Alpen«,

Bergverlag Rother, 2006

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Pitztal, A 6473

Wenns im Pitztal, Tel. 00 43/54 14/8 69 99, E-Mail: info@

pitztal.com

Hütten: Kaunergrathütte (2817 m), DAV, geöffnet von Mitte

Juni bis Mitte September, Tel. 00 43/7 20/34 69 47,

www.kaunergrathuette.at

Charakter/Schwierigkeiten: Großartige Hochtour, die

sicheres Klettern im oberen zweiten Schwierigkeitsgrad erfordert.

Im Zweifelsfalle auch mit Seil möglich, da mit Bohrhaken

ausgestattet.


TIPP

Stubaier Alpen Habicht (3277 m)

Aufstieg zum Habicht: Von der Innsbrucker Hütte auf

passablem Steig über Schliffe zu einem linker Hand jäh

abbrechenden Geländerücken. Über Blockschutt nähert man

sich der mächtigen Steilfl anke, wo die leichte Felskletterei

beginnt. In reich gestuftem Terrain den Markierungen folgend

höher, immer wieder auch mit Drahtseilhilfe. Nach einer

Passage im Schotter gelangt man in eine erdige rinnenartige

Verschneidung, begeht aber im weiteren Verlauf die steilen

Platten unmittelbar rechts davon (weitere Drahtseile).

Vorsicht wegen Steinschlaggefahr! Man gewinnt eine luftige

Gratrippe, die rasch Anschluss an die nächste Blockschuttfl

anke vermittelt. Hier mit nur wenig Kraxelei höher bis zur

linken Begrenzung einer Firnbucht (bei guten Verhältnissen

eventuell auch direkt durch diese). Rechts eindrehend wird

nun der Gipfelgrat angepeilt. Wo dieser schroff wird, weicht

man auf bandartige Absätze aus und kommt dadurch mit

relativ wenig Kletterei aus. Über einige Stufen und glatte

Platten helfen nochmals Drahtseile, ehe das Gipfelkreuz auf

dem Habicht (3277 m) erreicht ist. Der Abstieg erfolgt auf

der gleichen Route.

Talabstieg: Von der Hütte zum nahen Pinnisjoch, wo man

sich auf die Nordseite wendet. Zwei gleichwertige Varianten

treffen weiter unten am Karboden wieder zusammen. Über

die Geländeschwelle auf einem Serpentinenweg tiefer und

zur Jausenstation Karalm (1747 m). Nun weiter auf einem

Fahrweg, der schnurstracks, aber noch sehr weit durchs Pinnistal

hinausführt. Dabei kommt man an weiteren Einkehrstationen

vorbei, zunächst an der Pinnisalm (1560 m), später

an Issenangeralm und Herzebner Almwirt. In etwas stärkerem

Gefälle absolviert man das letzte Stück bis in die Ortschaft

Neder und zweigt gegebenenfalls links Richtung Neustift ab,

sofern man die Tour dort beenden möchte.

Mark Zahel

Spannende Felspassagen prägen

den Weg auf den Habicht.

Foto: Mark Zahel

TIPP

Wilder Kaiser Scheffauer (2111 m)

Aufstieg: Von der Walleralm aus auf deutlichem Pfad zunächst

durch Wald, dann über den freien Rücken des Hochegg

zur Kaindlhütte. Dort dem Wegweiser am obersten Haus

kurz nach links und rechts an Felsen vorbei zum Waldrand

folgen. Hier links. Nun dem Steig folgend zum sogenannten

Großen Friedhof (Geröllfeld) ansteigen. Man folgt Trittspuren

nach links an den (von unten gesehen) linken Karrand.

Nun beginnt der mit Drahtseilen versicherte Widauer Steig,

der zunächst nach oben, dann in einer langen Querung zu

einer Rinne führt. Es geht über die Rinne hinüber und auf deren

Ostseite wieder bergan. Schließlich erreicht man über die

Rinne selbst ein Geröllkar und bald darauf einen Sattel.

Von hier aus erfolgt später der Abstieg nach Süden. Zuvor

wendet man sich freilich nach rechts und erreicht in einer

Viertelstunde den Gipfel des Scheffauer.

Abstieg: Für den Abstieg geht man zurück zum Sattel und

folgt einem markierten Pfad nach Süden. Teils Drahtseil

gesichert geht es steil hinab in die Latschenzone, wo man auf

eine Weggabelung trifft. Hier rechts Richtung »Steiner Hochalm«,

die man zunächst über Geröllfelder, dann durch Wald

und schließlich über Wiesen erreicht. Weiter nach Süden zur

Steiner Niederalm und von hier dem Fahrweg ein Stück lang

folgen und dann links zu einer Forststraße, die den Gaisgraben

quert. Gleich hinter der Brücke scharf rechts in den Weg

einbiegen, der parallel zum Gaisgraben nach Süden über

Leiten nach Scheffau führt.

Michael Pröttel

Panorama: www.peakfinder.org
































TIPP

Ötztaler Alpen Verpeilspitze (3425 m)

Hüttenzustieg: Von Plangeross führt der gut markierte

Hüttenzustieg zunächst steil, dann fl acher ins Plangeross-Tal,

wo bald darauf die nächste Steilstufe zu meistern ist, um

wiederum mäßig und wieder steiler ansteigend die Hütte zu

erreichen.

Gipfelanstieg: Am nächsten Tag folgt man dem Wegweiser

»Verpeilspitze/Schwabenkopf/Plangerosskopf« und steigt

somit unterhalb des Klettergartens in Richtung Nordwesten.

Nachdem es leicht bergab geht, folgt man rechts bei Gabelung

dem Steig Nr. 927 (auf älteren AV Karten fälschlich mit 279












eingetragen). Es geht auf den Plangerosskopf zu, den man aber

links liegen lässt, indem man sich bei der nächsten Gabelung

wieder rechts hält. Bald erreicht man den Fuß der steilen Südfl

anke der Verpeilspitze. Hier markiert ein roter Punkt den Beginn

einer großen, nach rechts hochziehenden Rinne. Je nach

Verhältnissen geht es über Schnee oder Geröll und Blockwerk

zunehemend steiler bergan. Man gelangt zu einem nach Osten

ansteigenden Band (Steinmänner). Das Gelände wird steiler

und erfordert erste Klettereinlagen (blaue Punkte an Bohrhaken).

Schließlich erreicht man einen Absatz des Südostgrats,














dem man zunächst folgt und dann hinter einem kurzem

Aufschwung wieder verlässt. Über steiles Gelände steigt man

zu einer kleinen Scharte auf, von der aus es über die Südfl anke

weiter bergan geht. Noch einmal ist Orientierungssinn gefragt,

um im IIer-Klettergelände teils ansteigend, teils auch querend

den Südgrat zu erreichen. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung

zum aussichtsreichen Gipfel.

Abstieg: Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg. Wer ein Seil

dabei hat, kann öfter auch abseilen.

Michael Pröttel












Panorama: www.peakfinder.org


VOM 02.06. 01.06. BIS 14.10.2012: 13.10.2013

Alles inklusive ab der ersten Übernachtung bei einem der

über 100 Partnerbetriebe.

www.premiumcard.oetztal.com

ÖTZTAL TOURISMUS

6450 Sölden Austria T +43 (0) 57200 F +43 (0) 57200 201 info@oetztal.com www.oetztal.com


AUF TOUR

Hunderte pilgern jedes Jahr im

August zum Santuario San Besso,

das an einem Monolithen liegt.

Der archaische Heiligenkult auf

einer abgelegenen Alm im Gran-

Paradiso-Nationalpark hat die

Zeit überlebt und beschäftigt

nun die Wissenschaft.

Am Anfang war

der Fels

Entdeckungen im Nationalpark


Jedes Jahr am

10. August feiern

Gläubige an der

Wallfahrtskirche

am Fuße des Monte

Fantono einen Gottesdienst

zu Ehren

des Heiligen Besso.

Der Fels ragt mehr als 50 Meter

aus dem Almboden und

sieht aus wie ein von einem

Riesen eingepflanzter Menhir.

Kein Wunder, dass sich an

diesem übernatürlich wirkenden Ort ein

Heiligenkult entwickelt hat. In der Abgeschiedenheit

des piemontesischen Teils

des Gran-Paradiso-Nationalparks hat sich

der archaische Brauch zu Ehren von San

Besso bis in die Jetztzeit gehalten – eine

Besonderheit, die selbst Wissenschaftler

beschäftigt. Und kaum einer außerhalb des

Soana-Tales weiß vom Santuario San Besso,

der Wallfahrtskirche des Heiligen Besso, zu

der jedes Jahr im August Hunderte Gläubige

pilgern. Für den Wanderer mutet es wie

eine Reise in vergangene Jahrhunderte an.

des Gran Paradiso

Foto: Bernd Ritschel

Werner Bätzing, 63, ist

Geografi e-Professor an der Universität

Erlangen-Nürnberg und

forscht seit mehr als 30 Jahren

über die Kulturlandschaft in den

Alpen. Exklusiv für den Bergsteiger

berichtet er über den kaum

begangenen südlichen Teil des

Gran-Paradiso-Nationalparks.

Foto: Uli Ertle

Phänomen für Religionssoziologen

Überall im Alpenraum gibt es im Almbereich

in Höhen um 2000 Meter Wallfahrtsorte

mit regionaler Bedeutung, bei denen man

einmal im Jahr mit Gottesdiensten und Prozessionen

an bestimmte religiöse Erlebnisse

von Hirten und Heiligen erinnert; wobei es

oft eine enge Verbindung zu Naturphänomenen

gibt, die sich an solchen Orten finden.

Das Santuario San Besso im obersten

Soana-Tal im Gebiet des Nationalparks Gran

Paradiso ist ein solch typischer Wallfahrtsort:

Er liegt abseits der Straßen in 2019 Meter

Höhe, ist nur zu Fuß zu erreichen, und der

Heilige Besso und das ihm geweihte Fest sind

außerhalb dieses Tales nahezu unbekannt.

In der Religionssoziologie hat der Kult inzwischen

eine internationale Bedeutung

erlangt. Besonders ist auch, dass San Besso

von einer sehr attraktiven Hochgebirgslandschaft

umgeben ist.

Pilgern über fast 3000 Meter

Das Santuario San Besso liegt im Gebiet

der Gemeinde Campiglia Soana in einem

großen Almgebiet, das an einer Stelle eine

Reihe von bizarren Felsformationen aufweist

sowie einen großen, isolierten Felsen,

den Monte Fantono (2072 m). Direkt

an der Westseite dieses Felsens stehen die

Wallfahrtskapelle San Besso sowie die dazu

gehörigen Pilgerunterkünfte. Die Gebäude

stammen aus dem 17. Jahrhundert, als wesentlich

ältere und kleinere Bauten stark

umgebaut und vergrößert wurden.

Am 10. August findet hier jährlich das Fest

des Heiligen Besso statt, das in einer festen

Reihenfolge jeweils von den Pfarreien

06⁄13 Bergsteiger 69


Verfall: Immer

wieder stößt der

Wanderer auf

Almgebäude, die vor

langerZeit aufgegeben

wurden.

Und nach dem Gottesdienst

gibt’s auf der oberen

Fantono-Alm Polenta für

alle Pilger.

ßend verteilen sich alle in Gruppen auf den

nahen Almweiden, um dort zu essen, zu

trinken, zu singen und sich zu unterhalten.

Nach einigen Stunden löst sich dann wieder

alles auf, und die Menschen wandern nach

Hause zurück.

Seit 100 Jahren unter Beobachtung

Der Zufall hat dazu geführt, dass der französische

Religionssoziologe Robert Hertz am

10. August 1912 dieses Fest von Cogne aus

besuchte und ihm einen längeren Artikel

widmete, und dass der heutige Autor genau

100 Jahre später an diesem Fest teilnahm,

was interessante Vergleiche ermöglicht.

Hertz befürchtete 1912, dass dieser archaische

Kult verschwinden könne, weil er quer

zu den kirchlichen Strukturen stehe (Cogne

gehört zum Bistum Aosta, das Soana-Tal zu

dem von Ivrea), weil seine religiöse Anziehungskraft

schwinde und weil das Wissen

um seine Bedeutung nur noch schwach ausgeprägt

sei. Hundert Jahre später kann man

feststellen, dass Hertz nicht Recht haben

sollte: Das gesamte Fest läuft immer noch in

der traditionellen Form ab, und 2012 nahmen

daran etwa 500 Personen teil.

Was hat es mit dieser Tradition auf sich?

San Besso wird im gesamten Soana-Tal

und in Cogne als Schutzheiliger »für alles«

verehrt, ist aber außerhalb dieses Gebietes

nahezu unbekannt. Die kirchlich

autorisierte Heiligenlegende, die erst sehr

spät, nämlich im 15. Jahrhundert in Ivrea

Alle Fotos: Werner Bätzing

Campiglia, Valprato, Ronco, Ingria (Soana-

Tal) und Cogne (Aosta-Tal) organisiert wird.

Während die Teilnehmer aus dem Soana-

Tal dafür eine zweistündige Fußwanderung

auf sich nehmen, müssen diejenigen

aus Cogne erst den Colle dell’Arietta (2939

m) überschreiten, weshalb sie bereits am

Abend vorher eintreffen und in den Pilgerunterkünften

übernachten.

Am Vormittag des 10. August beginnt der

Gottesdienst in der Kapelle. Den Höhepunkt

stellt die feierliche Prozession dar,

die aus der Kapelle im Uhrzeigersinn um

den Monte Fantono herum zurück in die

Kapelle führt. Dabei wird eine große Holzstatue

von San Besso, der als römischer

Soldat mit dem Palmzweig des Märtyrers

dargestellt ist, von acht jungen Männern getragen.

Sie stammen jeweils aus der Pfarrei,

die das Fest vorbereitet. Hinter der Statue

kommen dann die Gläubigen, die während

der Prozession den Rosenkranz beten. Nach

der Prozession werden in der Kapelle Gaben

für den Heiligen niedergelegt, und anschlie-

KOMPAKT

Im abgelegensten Teil

des Nationalparks Gran Paradiso

Anreise: Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der

Bahn bis Turin. Vom Turiner Bahnhof »Porta

Susa« an der Piazza XXVII Dicembre fahren

Busse direkt ins Soana-Tal bis Bordone, Corzonera

und Piamprato. Mit dem Auto: Autobahn

A5 (Turin – Aosta), Ausfahrt Ivrea. Man erreicht

diese Ausfahrt entweder über den Großen St.

Bernhard oder über Gotthard bzw. San Bernardino

und Mailand via A4. Von der Ausfahrt Ivrea

auf der SS565 bis kurz vor Rivarolo. Hier auf

die SS460 in Richtung Orco-/Soana-Tal wechseln

und an Cuorgnè vorbei direkt in den Ort

Pont hineinfahren. Hier den Schildern Soana-Tal

folgen (eng und unübersichtlich) und dann das

Soana-Tal hinauffahren. Achtung: Die Talstraße

ist teilweise sehr eng und exponiert; Gegenverkehr

kann nicht immer passieren.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Übernachtung: Trattoria Alpina, Via Roma

22, Bordone (Ortsteil der Gemeinde Valprato

Soana), Tel. 0039/01 24/81 29 29. Die

GTA-Unterkunft in Ronco wird derzeit umgebaut

und erst 2014 neu eröffnet. In Piamprato GTA-

Unterkunft, ein Agriturismo und zwei Hotels

Karte: Carta dei sentieri 1:25 000, Nr. 15

»Val Soana« von L’Escursionista & Monti editori,

in Deutschland erhältlich

für 10,90 Euro bei

www.michael-kleider.de

oder www.mapfox.de

Literatur/Führer:

Werner Bätzing/Michael

Kleider »Gran Paradiso.

Wandern auf der

piemontesischen Seite

des Nationalparks«,

Rotpunktverlag, Zürich

2013, 224 S., 26,- €

70 Bergsteiger 06 ⁄13


INFO

Campiglia und die Azaria-Ebene

Der sehenswerte Ort Campiglia

(1350 m; im Bild der

mittelalterliche Kirchturm,

der neben dem barocken

Kirchenschiff steht) liegt im

obersten Teil des Soana-Tales.

Früher lebten hier um die

250 Menschen, 1901 waren

es noch 209 und heute gibt

es nur noch zwei ganzjährige

Bewohner – eine Entwicklung,

schriftlich fixiert wurde, beschreibt den

Heiligen Besso als einen römischen Soldaten

der thebäischen Legion, die aus Christen

bestand und von Mauritius angeführt

wurde. Diese weigerten sich im Jahr 287 n.

Chr. vor einer Schlacht bei Martigny (Wallis)

den Göttern zu opfern, weshalb die meisten

von ihnen umgebracht wurden. Besso

gelang es jedoch, ins Soana-Tal zu fliehen,

wo er die dortigen Bewohner missionierte,

was seine Verfolger jedoch nach einiger Zeit

mitbekamen. Als Besso sich einmal auf der

Alm aufhielt, luden ihn die dortigen Hirten

ein, die gerade ein gestohlenes Lamm aßen.

Dies lehnte er jedoch empört ab und hielt

ihnen eine heftige Strafpredigt. Da die Hirten

Angst hatten, dass Besso ihren Diebstahl

weitererzählte, packten sie ihn und warfen

ihn vom Gipfel des Monte Fantono in die

Tiefe. Durch Bessos Sturz entstand am Fuß

des Felsens eine Delle, die noch heute zwischen

Felswand und Kapelle gut zu sehen

ist. Besso überlebte wie durch ein Wunder

den Aufprall, hatte aber Pech: Gerade in

diesem Augenblick erreichten seine römischen

Verfolger die Alm und töteten ihn.

Christianisierter Kult

Robert Hertz erfährt bei seinen Recherchen

1912 in Cogne eine andere Version dieser

Legende: San Besso war ein besonders from-

die für diese Alpenregion

typisch ist. Ganze Täler haben

sich vor allem in den 1960er-

Jahren regelrecht entvölkert,

die Bewohner suchten in den

Industrieregionen der Poebene

nach Arbeit und besseren

Lebensbedingungen.

Oberhalb dieses Ortes

erstreckt sich in 1500 bis

1600 Meter Höhe die vom

Rio Campiglia durchfl ossene

Azaria-Ebene (Pian d’Azaria)

– geschaffen durch den

eiszeitlichen Gletscher –, die

von bis zu 3000 Meter hohen

Bergen umrahmt wird.

Neben den traditionellen

Almsiedlungen gibt es hier

eine barocke Kapelle, ein ehemaliges

königliches Jagdhaus

und ein großes Holzgerüst zur

Beobachtung von Wildtieren,

das der Nationalpark Gran

Paradiso errichtete.

Der italienische Alpinist und

Schriftsteller Mario Rigoni

Stern bezeichnete Azaria als

»den schönsten Platz der

Alpen«. Und dies gilt heute

umso mehr, weil der Nationalpark

hier alle modernen

Hässlichkeiten wie Zweitwohnungskomplexe,

Tourismusanlagen

oder Fahrstraßen

verhindert hat.

mer Schafhirte aus Campiglia, der sehr

häufig auf dem Gipfel des Monte Fantono

betete, und dessen Schafe auf der Alm außergewöhnlich

fett wurden und ihm überallhin

nachfolgten, so dass er sie nie suchen

musste. Dies erweckte den Neid der anderen

Hirten, und zwei von ihnen warfen ihn

vom Monte Fantono herab. Robert Hertz

legt dar, dass die christliche Legende die

Neuinterpretation einer sehr viel älteren

religiösen Tradition ist, so wie es die katholische

Kirche im Mittelalter häufig machte,

um »heidnische« Traditionen ins Christentum

zu integrieren.

Am Anfang war der Fels

Er argumentiert sehr überzeugend dafür,

dass auch die Cogne-Version dieser Legende

nicht die älteste Form sein kann, weil sich

der Kern dieser religiösen Tradition nicht

um eine Heilige Person, sondern um einen

Heiligen Felsen rankt, der als Fels selbst heilig

war – deshalb die hohe Bedeutung der

Felseintiefung, deshalb der kreisförmige

Prozessionsumgang um den Felsen herum.

Noch 1912 schlugen die Gläubigen vom Felsen

kleine Felsstückchen ab und trugen sie

dann als eine Art Talisman lebenslang bei

sich. Deshalb dürfte der Ursprung dieses

religiösen Kultes sehr alt sein. Das könnte

bedeuten, dass er in der Zeit entstand,

GERLINDE

KALTENBRUNNER

Profi-Bergsteigerin

PASSION

Aircontact Pro 55+15 SL

»SL Women`s Fit Version

Trekking Serie

www.deuter.com

Offizieller Ausrüster des

Verbands der Deutschen

Berg- und Skiführer


TOUREN

Archaische Kult-Touren rund um San Besso

Die Region um San Besso auf aussichtsreichen

Pfaden entdecken: die fünf schönsten Touren

Bizarre Felsformationen

nahe der

Kapelle

1 Rundweg San Besso

(2019 m)

▶ mittel 4 Std.

670 Hm +12 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz im Ort

Campiglia (1350 m)

Charakter: Steiler Weg vom Tal auf

die Alm, der auch als Pilgerweg

genutzt wird

Route: Schotterstraße talaufwärts;

nach gut einem Kilometer zweigt nach

rechts ein schmaler Fußweg ab (deutliche

Markierung auf Fels), dem man

nach Norden folgt und der bald steil

aufwärts direkt zum Santuario führt.

Hier den Monte Fantono umrunden

(ein ausgesetzter Steig führt auf den

Gipfel) und dann zum Punkt 2076 m

südlich der Kapelle gehen, der sehr

schöne Fern- und Tiefblicke ins

Soana-Tal und in die Po-Ebene ermöglicht.

Abstieg durch das Fantono-

Seitental, bis man kurz vor der

Schotterstraße wieder auf den Fußweg

vom Aufstieg stößt

2 Grange Arietta (2275 m)

▶ schwierig 5½ Std.

1000 Hm –

Ausgangspunkt: Parkplatz im Ort

Campiglia (1350 m)

Charakter: Sehr aussichtsreicher

Bergweg in größerer Höhe (längere

Zeit um 2300 m), der im Aufstieg

über San Besso und im Abstieg über

die Azaria-Ebene führt

Route: Aufstieg nach San Besso wie

bei Route 1, dann weiterer Aufstieg

zur Alpe La Balma (2151 m) und

zum namenlosen Paß (2326 m). Von

hier bis zur Arietta-Alm (2275 m)

sehr aussichtsreicher, höhenlinienparalleler

Weg, der von den Pilgern

aus Cogne genutzt wird, wenn sie am

9./10. August San Besso besuchen.

Kurz vor der Alm steiler Abstieg ins Tal

zur Azaria-Ebene und auf Schotterstraße

zurück nach Campiglia

3 Colle della Borra (2578 m)

▶ schwierig 6¼ Std.

1230 Hm –

Ausgangspunkt: Parkplatz im Ort

Campiglia (1350 m)

Charakter: Anspruchsvoller Bergweg

mit sehr schönen Fernblicken; im

oberen Teil Weg im Almgebiet teilweise

undeutlich

Route: Aufstieg nach San Besso wie

bei Tour 1, dann weiter in östliche

Richtung, zuerst eben, dann steil

ansteigend mit vielen Serpentinen bis

zum aussichtsreichen Pass. Von hier

aus auf dem Aufstiegsweg zurück oder

Abstieg nach Piamprato (1559 m;

Umweg über die Orletto-Alm

benutzen, da der direkte Weg sehr

undeutlich und kaum markiert ist).

In Piamprato div. Übernachtungsmöglichkeiten

und Bus nach Corzonera/

Bordone (selten)

4 Pian d’Azaria (1600 m)

▶ leicht 2½ Std.

200 Hm +8 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz im Ort

Campiglia (1350 m)

Charakter: Einfache Familienwanderung

im Talboden auf Schotterstraße

mit vielen Picknickplätzen, Bademöglichkeiten

und einigen kulturellen

Sehenswürdigkeiten

Route: Vom Ort Campiglia immer

auf Schotterstraße (ehemaliger königlicher

Jagdweg) aufwärts bis zum

Ende der Azaria-Ebene in etwa 1600

m Höhe (Azarietta). Zurück auf dem

gleichen Weg

5 Zwei einsame Bergdörfer

(1453 m)

▶ mittel 3¼ Std.

500 Hm +12 J.

Ausgangspunkt: Ort Corzonero

(1110 m; Straßengabelung Piamprato

– Campiglia, dort großer Parkplatz)

Charakter: Wanderung auf alten

Bauernwegen zu zwei verlassenen

Dörfern in aussichtsreicher Höhenlage,

die das frühere Bauernleben

lebendig werden lassen. Wegen

der Nationalpark-Aufl agen besitzen

diese Dörfer keine Fahrstraße, keine

Neubauten, keine Zweitwohnungen,

aber einige sachgerechte Renovierungen

traditioneller Häuser wurden

vorgenommen

Route: Vom Parkplatz in Corzonero

fünf Minuten auf der Fahrstraße nach

Campiglia. Dann Fußweg nach links

(großes Schild am Baum) und im

Wald steil hinauf zum Dorf Andorina

(1453 m) mit sehr schöner Aussicht.

Im Ort in Richtung Nivolastro (Südwesten)

weitergehen (Hinweis auf

Hausmauer) und meist wieder durch

Wald in stetem Auf und Ab bis zum

Ort Nivolastro (1423 m) mit ebenfalls

sehr schöner Aussicht. An der Kapelle

nach Westen durch Wald bis zum Ort

Ronco (932 m) absteigen. Von hier

mit Autobus auf Talstraße zurück nach

Corzonera

Achtung: Die Brücke über den Rio

Chiapetto war im Herbst 2012 noch

durch eine Lawine zerstört. Solange

sie nicht repariert ist, kann diese

Steilstelle nicht passiert werden

(Schild am Beginn des Weges

beachten). Alternative: Abstieg von

Andorina nach Chiapetto und von

dort nach Nivolastro

Foto: Werner Bätzing

als Campiglia im 10. oder 11. Jahrhundert

als Dauersiedlung gegründet wurde. Als die

Menschen den Monte Fantono das erste Mal

sahen, dürfte er auf Grund seiner außergewöhnlichen

Form sofort eine starke Aufmerksamkeit

erregt haben – so wie man

es selbst heute noch als Wanderer erleben

kann. So liegt es nahe, einem solchen besonderen

Naturphänomen auch eine besondere

religiöse Bedeutung zu verleihen. Denn die

Gebirgswelt, in der und von der man lebt,

muss man verstehen, um sie angemessen –

im materiellen wie immateriellen Sinn –

nutzen zu können.

Mit solchen menschlichen Grunderfahrungen,

die in unserer modernen Welt stark

verschüttet sind, kann man sich an diesem

besonderen Ort während einer Wanderung

auseinandersetzen. Lange Zeit war Robert

Hertz (1881–1915), Schüler von Émile

Durkheim und Marcel Mauss, vergessen.

Vor etwa 15 Jahren wurde er jedoch auf einmal

als wichtiger religionssoziologischer

Klassiker wieder entdeckt, und 2007 ist sogar

ein Band mit Texten von ihm erstmals

in deutscher Sprache herausgekommen. In

diesem Zusammenhang lebt auch sein Aufsatz

über San Besso wieder auf und wird wegen

seiner Kombination unterschiedlichster

Methoden gerühmt. Inzwischen gibt es

sogar eine kleine internationale Diskussion

über San Besso, die aber akademisch ausgerichtet

und daher vor Ort nicht bekannt

ist. Es ist außergewöhnlich, welche Wellen

dieser kleine archaische Hochgebirgskult

inzwischen geschlagen hat.


72 Bergsteiger 06 ⁄13


AUF TOUR

Drei Tage im Wilden Kaiser

Seine Majestät

lassen bitten

Zu Füßen gewaltiger Felswände führt

die Dreitagetour am »Wilde-Kaiser-

Steig« zu traumhaft gelegenen Berghütten.

Da ein Großteil der Tour an Südhängen

verläuft, lässt sich hier Sonne

satt tanken. Von Michael Pröttel

Fotos: TVB Wilder Kaiser

Die wenigsten Sonnenstunden

seit Beginn der Wetteraufzeichnungen!

Mit diesem traurigen

Rekord ging der Winter

2012/2013 in die Annalen der

Meteorologie ein. Wer allerdings im Sommer

genug Sonne und somit Endorphine

tankt, braucht vor der nächsten trüben

Jahreszeit keine Angst zu haben. Die vielleicht

beste Möglichkeit dazu stellt eine

mehrtägige Hüttentour an der Südseite des

Wilden Kaisers dar.

Nach einem gemütlichen Hüttenzustieg

darf man sich bereits an der Oberen Reg-

74 Bergsteiger 06⁄13


Unverkennbar: die Felszacken des

Ostkaisers; Törlspitzen, Hochgrubachspitzen

und Ackerlspitze (v. l.)

alm darüber freuen, dass in den nächsten

Tagen auch die Augen voll auf ihre Kosten

kommen. Die grünen Gipfelkuppen der

Kitzbüheler Alpen bilden den perfekten

Vordergrund für die dahinter aufragende

3000er-Kulisse der Hohen Tauern. Die

Nah-Blicke sind auch nicht von schlechten

Eltern. Vor allem wenn man als Verdauungsspaziergang

ein Stück über die Ackerlhütte

Richtung Hochgrubkar aufsteigt. Das

kerzengerade aufragende Triumvirat aus

Regalm-, Ackerl- und Maukspitze macht

unmissverständlich klar, woher der Wilde

Kaiser seinen Namen hat.

Erst bei der letzten Etappe hat

man immer wieder den Hintersteiner

See im Blick; im Hintergrund

die Maukspitze


Nur noch ein paar

Schritte, dann ist

Hütte Nr. 2 erreicht

Vor der Felskulisse der Ellmauer Halt kommen

Alpenrosenblüten besonders gut zur Geltung.

Bonus-Track zur Goinger Halt

Nach einem leckeren Frühstück auf der

Alm – die übrigens erst vor fünf Jahren in

traditioneller Holzbauweise anstelle der alten

Regalm errichtet wurde – tritt man am

zweiten Tag über das Baumgartenköpfl ins

Naturschutzgebiet Wilder Kaiser ein. Schon

vergleichsweise früh war den Anwohnern

Bedeutung und Schutzwürdigkeit ihres

Gebirges bewusst: 1961 wurde nach einer

Volksbefragung beschlossen, ein mehr als

100 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet

im Kaisergebirge einzurichten.

Wer auf dem Weg zur Gruttenhütte zusätzliche

Höhenmeter aufs Ellmauer Tor

in Kauf nimmt, sieht beim Blick in die von

steilen Felswänden eingerahmte Steinerne

Rinne sofort, was den Kaiser in den Tiroler

Nordalpen so einzigartig macht.

Von der Tagesplanung her ist es zudem keine

schlechte Idee, weitere 200 Meter draufzulegen,

um das großartige Gebirge auch

noch aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Schließlich ergänzt der weitere Anstieg

auf die Hintere Goinger Halt die vergleichsweise

kurze zweite Etappe zu einem ausgefüllten

Bergtag.

Dieser findet seinen fulminanten Abschluss

am sogenannten Jubiläumssteig, der durch

Fotos: TVB Wilder Kaiser, Michael Pröttel (1)

76 Bergsteiger 06⁄13


Sonnig gelegen:

die Gruttenhütte

mit den Törlspitzen

Beim Abstieg von der Hinteren

Goinger Halt wechselt sich

schroffes Gelände mit einfacheren

Wegen ab; links die

Fleischbank-Südostwand

ein beeindruckendes Felsentor und über

steile Leitern zur höchstgelegenen Hütte

des Wilden Kaisers führt.

Wie in den Dolomiten

Mit gerade einmal 1640 m. ü. NN kann die

Gruttenhütte anderen kalk-alpinen Wolkenhäusern

zwar nicht das Wasser reichen,

der legendäre Holzofen-Schweinsbraten

gleicht dieses kleine Manko aber mehr als

aus. Für Frühaufsteher bringt die geringe

Höhenlage zusätzlichen Gewinn. Wenn

die ersten Sonnenstrahlen die gewaltigen

Ostwände von Treffauer und Tuxegg in rosa

Licht tauchen, kommt echtes Dolomiten-

Feeling auf.

Der dritte Tag beschert eine Wander-Etappe

wie man sie sich genussreicher nicht vorstellen

kann. Erst leicht absteigend, dann

auf immer derselben Höhenlinie, geht es

zu Füßen der beiden Kalkberge auf dem

»Wilde-Kaiser-Steig« zur Kaiserhochalm

und ihren Almwiesen voller Alpenrosen.

Der zweite Abschnitt über die Steiner

WELCOME OUTDOORS.

ELEVATION

Wasserdichter Alpin-Rucksack

leichte, reiß- und abriebfeste

Materialien

Kontaktrücken-Tragesys tem

mit Belüftungskanal

abnehmbare Hüftfl ossen

2 Größen: 32 & 42 Liter

5 Jahre Garantie

Made in Germany

www.ortlieb.com


Sonne satt bis zum Schluss: am Hintersteiner See

Hochalm zur Stöfflhütte führt meist durch

Wald. Das bringt den netten Nebeneffekt

mit sich, dass die grandiose Aussicht von

derselben so richtig zur Geltung kommt.

Das selbst gebraute Bier und der

Bergkäse aus eigener Produktion

machen die 350 Jahre alte

Alm darüber hinaus zu einem

perfekten Tourenziel.

Nach der Einkehr muss man

sich entscheiden: Entweder

man steigt über den Hintersteiner

See nach Scheffau ab oder

man hängt eine weitere Übernachtung

auf der nur einen Katzensprung

entfernten Walleralm an.

Egal ob Almen-Blues, Knöpferl(Harmonika)-

Treffen oder Alpen-Brass – auf der Walleralm-Homepage

können sich musikinteressierte

Bergwanderer die für sie richtige

Stilrichtung als Auftakt für einen besonders

spektakulären Ausklang der Kaiser Tour

aussuchen.

Denn die Walleralm ist der perfekte Startpunkt

für die Nord-Süd-Überschreitung

des Scheffauers. Der zum Gipfel führende

Widauersteig erfordert zwar etwas mehr

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit als in

den zurückliegenden Tagen, die Aussicht

vom Westpfeiler des Kaisergebirges ist dafür

aber noch um einiges besser als von der

unteren Etage.


TOUREN

Lauschig: die Walleralm

Ausgesetzt im Wilden Kaiser

Bei schönem Wetter kann man bei dieser Dreitagetour auf der Südseite

des Wilden Kaisers genug Sonne für triste Tage tanken.

1. TAG

Hüttenzustieg Regalm

▶ leicht 2½ Std.

550 Hm + 6 J.

Charakter: Waldreicher Hüttenzustieg

mit aussichtsreichem Finale

Ausgangspunkt: Going

Route: In Going folgt man dem Weg

Nr. 813 und somit dem »Pramaweg«

links in den »Thumbichlweg«. An der

Gabelung geradeaus und über eine

Wiese und bei Häusern rechts auf

Brücke über den Bach. Nun links und

immer dem Fahrweg (813) entlang

des Tannbichlbachs nach Norden.

Bei erster Gabelung rechts (Weg

816) und bei großer Kurve rechts von

Fahrstraße ab und auf Fußweg in den

Rehplaikgraben. Aus diesem nach

rechts ansteigend zu Lichtung, dann

wieder durch Wald (Fahrstraße zweimal

querend) und zuletzt über freiere

Wiesen zur schön gelegenen Regalm

2. TAG

Über den Jubiläumssteig

zur Gruttenhütte

Oktober (geöffnet Mittwoch, Samstag,

Sonntag, Feiertag), Tel. 00 43/

6 64/1 30 91 64, www.regalm.at

Route: Nach Westen ansteigend geht

es zum Wiesensattel des Brennenden

Palven (auch Baumgartnerköpfl ). Dort

hält man sich rechts und folgt kurz

der Beschilderung zum Kleinen Törl.

Bei der nächsten Gabelung nach

links Richtung Ellmauer Tor.

Im Kübelkar folgt man links der

Beschilderung »Jubiläumssteig«.

Der recht erodierte Weg ist mit vielen

Drahtseilen gesichert. Trittsicherheit

ist dennoch erforderlich. Nachdem

man einen natürlichen Tunnel und

ein Felstor durchquert hat, geht es

über zwei Stahlleitern in eine Rinne.

Auf der anderen Seite ein letztes

Mal bergan (unten in der Rinne nicht

nach links gehen!). Auf gutem Weg

wandert man um eine Ecke und sieht

die Gruttenhütte vor sich.

Optionaler Zusatzgipfel: Hintere

Goinger Halt (2192 m)

Vom Kübelkar nach Norden zum

Ellmauer Tor und nach rechts über

meist guten Steig auf die Hintere

Goinger Halt (500 Hm, 3 Std., + 8 J.)

Charakter: Leichte, zumeist waldreiche

Wanderung am Fuße des

westlichen Kaisergebirges

Ausgangspunkt: Gruttenhütte (ÖAV,

1620 m), Anfang Juni bis Mitte Oktober,

Tel. 00 43/53 58/22 42,

www.gruttenhuette.at

Route: Von der Hütte nach Westen

und an Gabelung geradeaus (Weg

823). Erst leicht absteigend, dann

immer in derselben Höhe am Fuße

von Treffauer und Tuxegg nach

Westen zur Kaiserhochalm. Dahinter

an Gabelung rechts und durch Wald

leicht absteigend zur Steiner Hochalm.

Nun in einer langen Querung

zu Füßen des Scheffauer hinüber zu

Waller- und Stöffl alm. Abstieg nach

Süden und an Gabelung links nach

Bichl am Hintersteiner See und weiter

entlang des Seebach nach Scheffau.

Per Bus nach Going (Bus Nr 4060)

Einkehr: Kaiserhochalm (1417 m,

teilw. bew. von 2. Juli-Woche bis Mitte

Sept.); Walleralm (privat, 1171 m),

Ostern bis Ende Oktober,

Tel. 00 43/ 6 64/5 24

94 41, www.walleralm.at

Tourenkarte 11

Heftmitte

Fotos: TVB Wilder Kaiser

▶ mittel 3 Std.

550 Hm + 6 J.

Charakter: Abwechslungsreiche

Bergtour ins Herz des Kaisergebirges

Ausgangspunkt: Regalm (privat,

1313 m), Ende Mai bis Anfang

3. TAG

Auf dem »Wilde-Kaiser-Steig«

zur Walleralm

▶ leicht 4 Std.

100 500 + 6 J.

78 Bergsteiger 06⁄13


JETZT ANGEBOTE SICHERN - WWW.CAMPZ.DE

-35%

Mammut

Innominata Hoody Men, ontario-lion

Produkt Nr.: 350094

- Fleecejacke

- 2 Reißverschluss-Taschen

- Gewicht 525g

statt 140,- *

€ 89,99

-35%

-40%

-39%

Mammut


Produkt Nr.: 248605

statt 139,- *

€ 89,99

Edelrid

Tornado II oasis, Kletterschuh

Produkt Nr.: 244188

statt 99,95 *

€ 59,99

Therm-A-Rest

Trekker Chair 20, rust

Produkt Nr.: 348735

statt 24,95 *

€ 14,99

Versand am gleichen Tag

Bei Bestellungen bis 16 Uhr (Mo-Fr) **

100 Tage Rückgaberecht

Kostenlose Retoure

Kauf auf Rechnung

Zahlen Sie einfach später

Folge uns auf Facebook

facebook.com/shop.campz

WWW.CAMPZ.DE


REPORTAGE

Auf dem »Trekking delle Leggende« durchs Val di Fiemme

Die Legende lebt

Lässt man sich ein auf die wild-ursprüngliche Berglandschaft des

Val di Fiemme, spürt man, wie sie lebendig werden, die alten Sagen:

von Riesen, schönen Edelfräulein und ehebrechenden Kriegern, die

sich nicht in Blumen verwandeln wollen. Von Verena Wisthaler

80 Bergsteiger 06⁄13


Kontrastreiches Wandern durch

Blumenwiesen und Felslandschaft:

Die Dolomiten wurden 2009 zum

UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

»Die blauen Blumen

waren die Seelen der

gefallenen Krieger,

die von Raben aus

den fernen Schlachtfeldern

in die Wiesen

des Lagorai gebracht

wurden.«

Pio Bora, auch »il tronco« genannt,

gehört zum Urgestein des Val

di Fiemme. Wo der Name »der

Stamm« herkommt, weiß hier

niemand so genau, nicht mal Pio

selbst. Vielleicht wird er wegen seiner breiten

Schultern so genannt, seiner Bodenständigkeit

oder weil er im Tal so stark verwurzelt

ist. Er ist ein »bell’uomo« – ein schöner

Mann – und schon fast eine Legende im Val

di Fiemme, obwohl er das nicht gerne hört.

Legenden erzählt er viel lieber selbst während

seiner Kutschfahrten zwischen Daiano

bis auf das Lavazèjoch. Hier oben ist einer

der Ausgangspunkte des »Trekking delle

Leggende«, das in 20 Etappen und mehr als

200 Kilometern das Val di Fiemme mit dem

Val di Fassa und der Palagruppe verbindet.

Die alten Sagen begleiten den Wanderer.

Mystische Landschaft rund

um die Laghi di Bombasel

Zaubertrank vom Karersee

Auf der Fahrt zum Lavazèjoch scheuen

Pios Pferde so manches Mal und er treibt

sie sanft an. »Hier, in den Wäldern rund

um den Karersee, auf der Nordseite des

Val di Fiemme, herrschen die Wilden vom

Latemar«, murmelt Pio ehrfürchtig. Solange

diese Riesen vom Wasser des Karersees

trinken, sind sie unbesiegbar. Nicht so die

bleichen Berge des Latemars, der sich nahe

am Karersee erhebt. Den circa 20 Kilometer

langen, hufeisenförmigen Dolomitenstock

kann man in zwei Tagen problemlos durchschreiten;

wobei die Latemarhütte (Rifugio

Torre di Pisa) wie in den Fels gemeißelt erscheint

und einen einzigartigen Ausblick

auf die zackigen Felsentürme ringsum erlaubt.

Und nicht zu vergessen, der spektakuläre

Sonnenaufgang! Bei der Besteigung

der 2790 Meter hohen Latemarspitze, der

höchsten des Gebirgsstocks, kann man zwischen

dem Normalweg und der anspruchsvollen

Via ferrata Campanili-Latemar wählen:

eine anspruchsvolle Felspassage ohne

Stahlseilsicherung, ein kurzer, aber steiler

Leiternabstieg, gefolgt von einer luftigen

Querung am Drahtseil und einem exponiertem

Gegenanstieg fordern die volle Konzentration,

bevor es über das ruhige Valsorda

wieder ins Val di Fiemme zurück geht.

Die Südseite des Tals interessiert Pio Bora

hingegen weniger: Der Lagorai ist das Reich

der unzähligen Seen und der in blaue Blumen

verwandelten Seelen. Für Menschen

jedoch präsentiert er sich schroff und unnahbar.

»Il tronco« bleibt deshalb lieber

im Tal. Er ist eben verwurzelt. Der Abstieg

vom Latemar durch das wilde Valsorda war

nur ein Vorgeschmack auf das, was auf der

gegenüberliegenden Talseite wartet: Im

Winter sind die weiten fels- und baumlosen

Hänge meterhoch mit Schnee überzogen

und somit ein Geheimtipp für Skitouren.

Im Sommer ist die Natur dort oben jedoch

weit weniger sanft: Die steilen Gipfel aus

tiefgrauem und blaugrün glitzerndem

Porphyr – Ergebnis eines gewaltigen Vulkanausbruches

vor mehr als 300 Millionen

Jahren – lassen sich in fünf langen Tagen

erschließen. Natürlich alles mit dem Zelt

auf dem Rücken! Dafür wandert man durch

einsame Natur, ein Blütenmeer aus Leberblümchen,

Primeln und Enzianen und umrundet

eiskalte Bergseen. Und es geht

Fotos: Fototeca Trentino Sviluppo S.p.A., A. Campanile

06 ⁄13 Bergsteiger 81


TOUREN

»Trekking delle Leggende« – die schönsten Tagestouren

Nicht nur auf dem Weitwanderweg, auch auf einzelnen Tagesetappen lässt

sich das »Trekking delle Legende«, das durch das Trentiner Val di Fiemme,

das Val di Fassa und die Palagruppe führt, erleben.

1 Latemar-Durchquerung

▶ mittel 8 Std.

600 1200 + 14 J.

Ausgangspunkt: Predazzo Kabinenbahn

Endpunkt: Forno

Hütten: Latemarhütte (2670 m),

Tel. 00 39/04 62/50 15 64,

20 Schlafplätze

Charakter: Kühne Zinnen und

wildgrüne Täler: Der Latemar gilt noch

als Geheimtipp der Dolomiten und

umrahmt wie ein Hufeisen das wilde

und unberührte Valsorda; es kann

zusätzlich die Latemarspitze (2790 m)

über die Via Ferrata Campanili Latemar

(Weg Nr. 511) bestiegen werden.

Route: Mit Kabinenbahn und Sessellift

von Predazzo Gardonè zum Passo

Feudo. Von dort über den Wanderweg

Nr. 516 zur Latemarhütte (2670 m),

weiter zur Gamsstallscharte (Forcella

dei Camosci, 2560 m) und zur

Campanili-Scharte (2582 m). Dann

über Weg Nr. 516 B zur Biwakhütte,

die sich auf der Latemarscharte

befi ndet, und über das einsame

Valsorda ins Dorf Forno

2 Monte Cauriol (2494 m)

▶ mittel-schwer

940 940

5½ Std.

+ 14 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Rifugio

Cauriol (1587 m)

Hütten: Rifugio Cauriol (1587 m),

Malga Sadole, Tel 00 39/

3 48/5 16 11 23

Charakter: Teils steile Wanderung

auf alten Militärpfaden zu einem der

am meisten umkämpften Gipfel des

Alpenkrieges 1915-1918. Der Aufstieg

geht über die »Via italiana«, ein

schmaler und steiler Pfad; Abstieg

über die »Via austriaca«, eine fast

schon gepfl asterte Straße. Neben

Relikten aus dem Krieg kann man

aber auch die wilde Felsenwelt des

Lagorai bestaunen und immer wieder

einen Blick in einen tiefblauen See

werfen.

Route: Mit dem Auto bis zum Rifugio

Cauriol (Parkplatz vorhanden), dann

an der Malga Sàdole vorbei Richtung

Talende, über den Steig Nr. 320 zum

Sàdole-Pass. Vom Pass weiter über

den Südrand des kleinen Cauriols

(2385 m) in die Saletta Cartieri. Von

dort über den Westgrat zum höchsten

Punkt. Der Abstieg erfolgt Richtung

Norden, den Steinmännchen und

rot-weißen Markierungen folgend

auf einer Militärstraße, bis man am

Nordabhang des kleinen Cauriols

wieder auf den Aufstiegsweg trifft.

3 Cima Cece (2754 m)

▶ mittel 6½ Std.

1200 1200 + 14 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Malga

Valmaggiore (Parkmöglichkeiten

vorhanden)

Hütte: Malga Valmaggiore (1620 m)

Charakter: Rundtour mit Besteigung

des höchsten Gipfels der Lagoraikette.

Grandioses Panorama (bei

klarem Wetter bis in die Lagune von

Venedig) mit abwechslungsreichem

Aufstieg vorbei an Laufgräben des

Ersten Weltkrieges und Aussicht auf

tiefblaue Bergseen

Route: Von der Alm Valmaggiore über

den Weg Nr. 335 zum nahen Sattel,

dann über eine Hochebene und in

weiten Kehren zum darüber liegenden

Tal. An der Kreuzung »Sentiere Val

Auto« nach links (Osten) gehen, und

weiter bis zur Kreuzung mit dem Weg

336b. Gerade aus bis zur Abzweigung

auf den Weg 349 und über

eine steile, aber einfache Rinne auf

den Gipfel. Der Abstieg erfolgt über

die Ostfl anke (Markierung 349) zur

Scharte Forcella di Cece (2393 m),

links haltend bis zum See Laghetto

Caserina und zum nahen Lago di

Cece. Man folgt dem Weg bis zu

einem Biwak und steigt dann über

eine Forststraße wieder zur Malga

Valmaggiore ab.

4 Cima Fradusta (2939 m)

▶ mittel 6 Std.

550 550 + 14 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Bergstation

der Seilbahn Colverde Rosetta

Hütte: Rifugio Rosetta (2581 m),

Tel. 00 39/04 39/6 83 08,

www.rifugiorosetta.it

Charakter: Tour ins Herz der mondlandschaftlichen

Palagruppe, über

einen Gletscher zum Gipfel, von dem

man einen herrlichen Blick auf den

nahen Lago Fradusta genießt

Route: Von der Bergstation der

Seilbahn in ca. 10 Min. zum Rifugio

Rosetta (2581 m). Von dort nach

rechts über den Weg Nr. 707 und

709 Richtung Hochplateau. Den

vielen Steinmännchen folgend über

eine links aufwärts ziehende Rampe

zum Passo Pradidali basso. Vom

Pass nach links und gegen Norden

zum Gletschersee Lago Fradusta, von

dessen Ostseite über den Nordrücken

zum höchsten Punkt ansteigen;

Rückweg wie Anstieg

5 Cima della Rosetta (2741 m)

▶ leicht 1½ Std.

200 200 + 8 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Bergstation

der Seilbahn Colverde Rosetta

Hütte: Rifugio Rosetta (2581 m),

Tel. 00 39/04 39/6 83 08,

www.rifugiorosetta.it

Charakter: Sehr einfache Wanderung

am Rand der Palagruppe, mit einem

grandiosen Ausblick auf die Lagoraigruppe

und den Lago Fradusta

Route: Von der Bergstation der

Seilbahn direkt über den Gipfelhang

in ca. 40 Min. zum nahen Gipfel.

Auf dem Rückweg kann das Rifugio

Rosetta besucht werden (ca. 10 Min.

von der Bergstation); Rückweg wie

Anstieg

6 Cristo Pensante (2333 m)

▶ leicht-mittel 3½ Std.

153 153 + 10 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Rollepass

Hütte: Capanna Cervino (2082 m),

Tel. 00 39/04 39/76 90 95

Charakter: Einfache Wanderung

durch grüne Almwiesen auf den

einsamen Bergstock des Castellazzo

(2333 m), auf dessen Gipfel die

Kathedrale des denkenden Christus

(Cristo Pensante) steht

Route: Vom Rollepass über die gut

markierte Forststraße, vorbei an der

Hütte Capanna Cervino zur Baita Segantini

(2170 m); von dort immer der

Markierung »Castellazzo – Trekking

82 Bergsteiger 06⁄13


Logenplatz auf der Latemarhütte

Über die Via ferrata Campanili-Latemar zum höchsten Punkt des Latemarstocks

del Cristo Pensante« (R01) folgend

auf den Gipfel; Rückweg wie Anstieg

7 Zur Gartlhütte (2621 m)

▶ leicht 6 Std.

450 500 +14 J.

Ausgangs-/Endpunkt: Welschnofen,

Laurinlift-Talstation

Hütte: Kölner Hütte (2239 m),

www.rifugiofronza.com, Tel. 00 39/

04 71/61 20 33 oder 00 39/

3 35/6 56 35 12; Santnerpasshütte

(2734 m), Tel. 00 39/04 71/64 22

30 oder 00 39/3 40/6 56 22 28;

Gartlhütte (2621 m), www.rifugiorealberto.com,

Tel. 00 39/3 34/7 24

66 98 oder 00 39/04 62/76 34 28;

Vajolethütte (2243 m), www.rifugiovajolet.com,

Tel. 00 39/04 62/76 32

92 oder 00 39/3 35/7 07 32 58

Charakter: Sehr bekannter Klettersteig

auf den Santnerpass und weiter

zur Gartlhütte inmitten des Rosengartens,

mit Ausblick auf die nahen

Vajolettürme. Der Abstieg erfolgt in

einer schönen Rundtour über die

Vajolethütte und das Tschagerjoch.

Route: Von Welschnofen mit dem

Laurinlift zur Kölner Hütte. Dann auf

Steig 542 nördlich zum Einstieg des

Santnerklettersteigs (Achtung: In

der sogenannten »Eisrinne« werden

oft auch im Sommer die Fixseile

durch Schnee und Eis überdeckt; die

Mitnahme eines zusätzlichen Seiles

wird empfohlen); vom Ausstieg des

Klettersteigs am Santnerpass

(2734 m) über einen problemlosen

Steig hinunter zur Gartlhütte.

Für den Abstieg weiter auf einem

steilen Zickzackweg zur Vajolet- und

Preußhütte und auf Steig 541 über

das Tschagerjoch zurück zur Kölner

Hütte

Fotos: A. Campanile

»Unser Tal ist

das einzige des

Trentino, das

niemals von einem

König beherrscht

wurde«

vorbei an Laufgräben und Schießscharten

aus dem Ersten Weltkrieg.

Italienisch hoch, österreichisch runter

Ganz anders als Pio erlebten die österreichischen

und italienischen Soldaten den

Lagorai, der einen Teil der gefürchteten Dolomitenfront

bildete: Sie konnten nicht im

Tal bleiben und kämpften stattdessen hoch

oben in den Bergen Mann gegen Mann,

doch öfter noch Mann gegen Naturgewalten.

Am Monte Cauriol, mit 2929 Metern

einer der schönsten Aussichtsberge des

Lagorai, fand vom 23. bis 27. August 1916

eine der entscheidenden Schlachten statt.

Bei der Besteigung sieht man heute noch

die Unterschiede in der italienischen und

österreichischen Kriegsführung: Die »Via

italiana« wurde innerhalb weniger Tage als

ein provisorischer, schmaler Steig hinauf

auf den Gipfel angelegt; die »Via austriaca«

eignet sich hingegen besser für den Abstieg,

denn sie ist ein jahrelang geplanter und mü-

hevoll mit großen Steinen angelegter Karrenweg,

der in einer weiten Kehre zurück

zum Ausgangspunkt im Sàdole-Tal führt.

Relikte aus diesem Alpenkrieg findet man

immer wieder entlang des Weges. Giuseppe,

der Wirt des Rifugio Cauriol trägt diese

schon seit Jahren liebevoll zusammen und

stellt sie in seiner Hütte aus. Sie ist übrigens

die einzige bewirtschaftete Übernachtungsmöglichkeit

auf der Strecke zwischen dem

Manghen- und dem Rollepass.

Ansonsten übernachtet man auf diesem

Trekking im Zelt oder noch besser, unter

dem freien Sternenhimmel. Leider ist das

Schloss des Edelfräuleins Dina, das sich vor

langer Zeit an den Ufern des Lagorai-Sees

erhob, unauffindbar. Ihr Bräutigam war in

den Krieg gezogen, und da sie schon

INFO

Naturnah Leben

Mit dem Slogan »Vallevviva« (»Es lebe

das Tal«) wirbt das Val di Fiemme nicht nur

um Gäste, sondern realisiert ein Konzept

für nachhaltige Umwelt- und Energiepolitik.

Der Baumbestand im Tal wird beispielweise

autonom verwaltet und in einem Sägewerk

mitten im Tal verarbeitet – null Transportkilometer

also. Auch die Mülltrennung und

das Recycling im Tal sind vorbildlich und

werden regelmäßig ausgezeichnet.

Zum Konzept des lebenden Tales trägt

auch die »FiemmE-motion card« bei: Sie

ermöglicht es Gästen, ihr Auto während

des Urlaubs stehen zu lassen und

stattdessen kostenlos die öffentlichen

Verkehrsmittel zu nutzen.

06 ⁄13 Bergsteiger 83


Blick vom Lavazè-See auf den Latemar

INFO

Das Herz des Val di Fiemme

»Talgemeinde Fleims« klingt recht unspektakulär.

Nur der italienische Name »Magnifi

ca Communità di Fiemme« erfasst diese

Institution wirklich: in der Tat eine großartige

Talgemeinschaft! Bereits seit dem 12. Jahrhundert

werden die Holz- und Wasserressourcen

des Val di Fiemme und des Val di Fassa

sowie einer Gemeinde in Südtirol zum Wohle

der Talgemeinschaft autonom von den Bürgern

»Hier, in den

Wäldern rund um

den Karersee,

herrschen die

Wilden vom

Latemar.«

verwaltet. Früher hatte die Talgemeinde sogar

ihre eigene Gerichtsbarkeit und man sprach

von einer Bauernrepublik. Der Sitz der Talgemeinde

ist der Bischofspalast in Cavalese,

der in sieben Jahren aufwendig restauriert

wurde und nun neben der Verwaltung auch ein

Museum mit 150 Werken von Michelangelo

und Cristoforo Unterperger und weiteren Meistern

der Fleimstaler Schule beheimatet. Die

ehemaligen Gefängnisse im Keller sind dabei

auch einen Besuch wert.

Für Geschichtsbegeisterte fi nden im Sommer

wöchentlich Führungen durch den Palast statt,

bei denen den Besuchern die Fleimstaler

Vergangenheit in Form eines Theaterstücks

nahegebracht wird.

Öffnungszeiten des Bischofspalasts: Anfang

Juli bis Mitte September von 9.30–12 Uhr und

von 15–18.30 Uhr; Führungen fünfmal täglich

Inszenierung der Hexenprozesse

längere Zeit nichts mehr von ihm gehört

hatte, nahm sie an, dass er eines ehrenhaften

Heldentodes gestorben war. In ihrer

Trauer goss Dina jeden Tag die unzähligen

blauen Blumen, die in den Wiesen ringsum

blühten, mit dem glasklaren Wasser des

Sees. Die blauen Blumen waren die Seelen

der gefallenen Krieger, die von Raben aus

den fernen Schlachtfeldern in die Wiesen

des Lagorai gebracht wurden. Wer einer

dieser Blumen an sieben aufeinander folgenden

Tagen Wasser brachte, konnte den

Gefallenen sehen und mit ihm sprechen.

Leider suchte Dina ihren Liebsten vergebens

unter den blauen Blumen, sondern

fand ihn eines Tages unter den Ehebrechern.

Aus lauter Kummer starb Dina einen

qualvollen Tod. Man erzählt sich, dass sie

noch immer als wunderschöne Frau für die

einen und als Hexe für die anderen über die

Wiesen des Lagorai wandelt.

Ob Dina nun eine der sechs Hexen ist, die jeden

Januar durch Cavalese gezogen werden,

weiß niemand so genau. In einer aufwendigen

Inszenierung werden jährlich die Fleimstaler

Hexenprozesse, ein Höhepunkt der

norditalienischen Hexenjagd, nachgespielt.

22 Frauen aus dem Val di Fiemme wurden

im Frühjahr 1505 der Hexerei und Ketzerei

bezichtigt und 18 von ihnen binnen weniger

Tage am »Banco de la reson« (Bank der Vernunft)

lebend verbrannt.

Von den Hexenprozessen spricht Pio Bora

nicht gerne, auch nicht von den Gefängnissen,

die man im alten Bischofspalast in Cavalese

besichtigen kann. Er ist auch der Sitz

der »Magnifica Communità di Fiemme« (vgl.

Kasten). Die Talgemeinschaft entscheidet,

wie man das Val di Fiemme zum Wohle der

Talbewohner verwalten sollte. »Darauf sind

wir stolz. Unser Tal ist das einzige des Trentino,

das niemals von einem König beherrscht

wurde, sondern sich seit dem Jahr 1111 selbst

verwaltet«, erzählt Pio Bora, und nimmt einen

großen Schluck von seinem Larixbier.

84 Bergsteiger 06⁄13


Lago Brutto – der »hässlich See« –

und trotzdem einer der schönsten

im Lagoraigebirge

Fotos: A. Campanile, F. Cerri

KOMPAKT

Durchquerung des Lagorai auf dem

»Trekking delle Leggende«

Charakter: Wanderung durch unberührte Natur

und farbiges Porphyrgestein, vorbei an vielen

Seen und Blumenwiesen; mit etwas Trittsicherheit

und Kondition gut zu bewältigen

Strecke: Vom Manghen-Pass über den Lagoraiund

Sadole-Pass zur Cauriol-Hütte, der einzigen

bewirtschafteten Übernachtungsmöglichkeit.

Weiter über die Cadinon- und Coltorondo-

Scharte zum Biwak »Paolo e Nicola«, und durch

den Naturpark Paneveggio auf den Colbricon

(2602 m) und hinunter zum Rollepass

Route: Das Trekking kann in 4 Tagen mit 3

Übernachtungen (Zelt, Cauriol-Hütte, Biwak

»Paolo e Nicola« oder »Aldo Moro«) begangen

werden. Möchte man den Cauriol (2929 m)

besteigen, sollte man eine zusätzliche Nacht in

der Cauriol-Hütte einplanen.

Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober

Höhenunterschied: ca. 4000 Hm im Aufstieg

Gehzeit: 4 bis 5 Tage

Ausgangs- und Endpunkt: Start am Manghen

Ein edler Trentiner Tropfen

Auch macht ihn stolz, dass Stefano Gilmozzi

seit 1999 in Cavalese, dem wirtschaftlichen

Zentrum des italienischen Tales,

wieder Bier braut: Ganz naturbewusst

ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe

entsteht aus den mehrheitlich aus dem Tal

stammenden Zutaten ein besonderer Tropfen

für ein besonderes Tal. Das Larixbier,

das leicht nach Kaffee und getrockneten

Pflaumen schmeckt, verdankt seinen Namen

den vielen Lärchen im Tal. Eine weitere

Sorte, das Lupinus, wird mit wild wachsenden

Lupinen verfeinert und erinnert an

die Tradition des im Nachbardorfes Altrei

produzierten Lupinenkaffees. Pio ist das

aber alles ziemlich egal! Ihm schmecken

sie alle, auch das Nosa mit wildem Hopfen

oder das klassische Helle, das »Birra di

Fiemme«. Er genießt den Feierabend im

Tal, lässt seinen Blick über die Zinnen des

Lagorai schweifen, und vielleicht auch seine

Gedanken. Was gibt es Schöneres nach

getaner Arbeit: brennende Fußsohlen, ein

letzter Blick auf die nahen Gipfel, Wiesen

und Wälder und ein kühles Helles. ◀

Pass (2047 m), Ende am Rollepass (1984 m);

von hier mit dem Bus zurück ins Tal

Informationen: Azienda per il turismo Val di

Fiemme, Tel. 00 39/04 62/24 11 11,

www.visitfi emme.it/cosa-fare/estate/trekkingdel-lagorai-de,

www.visittrentino.it/trekking

Aktionen 2013: Freiluftkonzerte mit renommierten

Musikern (»Il Suoni delle Dolomiti«)

fi nden in der ganzen Region Trentino statt; Feinschmecker-Gerichte

auf mehr als 50 Schutzhütten

(»I Rifugi del Gusto«) vom 21. Sept. bis 6.

Okt.; alle Infos unter www.visittrentino.it

Karte: Wanderkarte erhältlich im Tourismusbüro

Val di Fiemme mit Sitz in Cavalese oder

Tabacco-Karte 1:25 000, Nr. 014 »Val di

Fiemme–Lagorai–Latemar«

Anreise: Von der A22 Ausfahrt Neumarkt/Auer

auf die Dolomiten-Staatsstraße SS48. Mit dem

Zug von Süden aus bis Trento-Hbf. bzw. nach

Auer, von Norden aus bis Bozen-Hbf.; weiter ins

Val di Fiemme mit Linienbussen

Ein Outdoorschuh

der Spitzenklasse

Das neue Spitzenmodell für

Damenfüße. Neben normaler

Weite auch in schmaler

Form für sehr schlanke Füße.

Bester Fersensitz, wenig Nähte,

viel Platz im Zehenbereich,

neue Vibram-Sohle.

Mit GORE-TEX ® -Klimafutter

oder Lederfutter!

MAURIA S

LADY GTX

Gr. 3,5 - 9 | 220,- €

KATALOG 2013

Gratis unter 0800/5112233

Große Auswahl unserer Topmarken

wie Han wag, Lowa,

Mam mut, Meindl, Scarpa,

La Sportiva und Zamberlan.

Schuh-Keller KG

Wredestraße 10

67059 Ludwigshafen

Tel.: 0621/511294

www.schuh-keller.de


AUF TOUR

An diesem Wetzsteinbruch

kommt man

bei der Wanderung auf

Schartenköpfl und

Rosengarten vorbei.

Der Röthenbach

schickt sein Wasser

über viele Stufen

und Wasserfälle.

86 Bergsteiger 11⁄12


SERIE: GeoTop-Touren in den Alpen

Teil 13: Flyschsedimente am Alpenrand

Fotos: Siegfried Garnweidner (2), Ulrich Lagally

Bike & Hike

zur Hohen

Bleick

Die Turbidite am Hohen Trauchberg sind ein besonders

ausdrucksvolles geologisches Lehrbeispiel

und wurden als eines von Bayerns schönsten Geotopen

ausgezeichnet. Von Siegfried Garnweidner

(Tour) und Ulrich Lagally (Geologie)

Nicht ohne mein Fahrrad! 26

Kilometer Entfernung und

825 Meter Höhenunterschied

gehen vernünftige

Menschen normalerweise

nicht zu Fuß, vor allem, wenn es gut ausgebaute

Straßen bis fast auf die Gipfelhöhen

hinauf gibt und das Mountainbiken

ausnahmsweise mal nicht verboten ist.

So ein Bike-Dorado findet sich am Hohen

Trauchberg in den Ammergauer Alpen.

Wir schwingen uns also in Halblech

beim Parkplatz der Kenzenhütte in

den Sattel und steuern ern das Stahlross

ohne nennenswerte Steigungen

am Halblech entlang. Schon

nach ein paar Minuten treffen

wir bei den Forstgebäuden

auf eine Büste

von Kurfürst Maximilian

IV. Joseph von Bayern,

dem späteren König Max I. Was hat es

damit für eine Bewandtnis?

Die Einwohner der Pfarreien Trauchgau

und Niederhofen sowie die Klöster Steingaden

und Rottenbuch nutzten seit alters

die Wälder am Trauchberg für die Holzversorgung.

Dabei scherten sie sich kaum

darum, dass der Wald nicht ihnen, sondern

den bayerischen Kurfürsten gehörte.

Streitigkeiten blieben nicht aus. Damit

diese ein für alle Mal beendet wurden,

schenkte der Kurfürst den Berech-

tigten von Buching und Trauchgau

einen großen Waldbereich. Damit

war ab 1799 die Versorgung mit

Holz sichergestellt. Zur Erinne-

Büste von

Kurfürst Maximilian

IV. Joseph von Bayern

Spurenfossilien sind der Beweis

für urzeitliches Leben.

Flyschgestein

Nördlich der Kalkalpen

befindet sich die Flysch-

Zone, ein schmaler, meist

nur wenige Kilometer

breiter Gebietsstreifen.

Sie erstreckt sich, aus der

Schweiz und Vorarlberg

kommend, in Bayern bis

zur Salzach. Ihre meist

bewaldeten Höhenzüge

bestehen vorwiegend aus

weichen Sand-, Ton- und

Mergelsteinen. Die Flyschgesteine

entstanden im

Verlauf von vielen Jahrmillionen

zur Zeit der

Kreide in einem Meeresbecken,

das verschwand,

als die Entwicklung des

Alpengebirges begann.

Ausgelöst wurde dieser

Vorgang durch die Kollision

des afrikanischen

mit dem europäischen

Kontinent. Dabei wirkten

ungeheure Kräfte auf die

Erdkruste ein. Dort, wo

die Kontinente aneinander

prallten, entstanden

in einer Art »Knautschzone«

die Alpen. Dabei

wurden die bereits

vorhandenen Gesteinsablagerungen

vom Untergrund

abgelöst, steil

gestellt, gefaltet und so

in den geologischen Gebirgsbau

mit einbezogen.

06 ⁄13 Bergsteiger 87


Fotos: Siegfried Garnweidner (3); Grafi k: © LfU

GEOTOP

Aus der Tiefsee: Turbidite/Flyschgesteine

Flyschgesteine entstehen

größtenteils aus untermeerischen

Trübeströmen, einem

Gemisch aus Wasser und

Schlamm. Diese fl ießen

unregelmäßig und in vielfacher

Folge, oft ausgelöst

durch Erdbeben, lawinenartig

mit hoher Geschwindigkeit

von Schelfbereichen über

Einmal noch

kräftig in die

Pedale treten:

das letzte

steilere Stück

beim Anstieg zur

Hohen Bleick

Abhänge in die Tiefsee ab.

Sobald sie den fl acheren

Tiefseeboden erreichen und

damit die Geschwindigkeit

abnimmt, lagert sich zunächst

gröberes und schwereres,

darüber nach und nach

immer feineres Material ab.

Derartige, meist rhythmisch

geschichtete Meeresablagerungen

bezeichnet man als

Turbidite. Aufgrund ihrer Ausbildung

lassen sie auf meist

sehr weite Transportwege am

Tiefseegrund schließen. So

zeigen heutige Beobachtungen

in den Weltmeeren, dass

Trübeströme Entfernungen von

mehreren tausend Kilometern

zurücklegen können.

Typische Turbiditabfolgen entstehen, wenn Trübeströme aus Schlamm und Wasser vom

seichten Kontinentrand in Tiefseebereiche abgleiten und dort ihre Fracht absetzen.

rung daran wurde von der 70 Jahre später

gegründeten Waldkörperschaft Buching-

Trauchgau das Denkmal errichtet.

Das betreute Waldgebiet umfasst 5100

Hektar. Davon besitzen etwa 60 % Schutzwaldfunktionen,

wodurch Siedlungen und

Straßen weitgehend vor Steinschlag, Lawinen,

Hochwasser und Muren geschützt werden.

Auf andere Weise ist der erforderliche

Schutz auf dem weichen Boden aus Flyschgestein

am Trauchberg nicht zu erreichen.

Die Berge hier liegen in der so genannten

Flyschzone, einer schmalen geologischen

Baueinheit am nördlichen Alpenrand.

»Flysch« ist ein Lokalbegriff aus der Schweiz,

der so viel bedeutet wie fließen, vermutlich

weil die Berge vorwiegend aus wenig verfestigten,

erosionsanfälligen Gesteinen bestehen.

Dort bilden sich oft Rutschungen, wo

sich natürlich kaum Bewuchs hält, und es

entstehen so genannte Blaiken (= Erosionsform

in steilem Gelände). Um dem Jungwald

eine Chance zu geben, musste auch

der Wildbestand drastisch reduziert werden,

und so finden wir heute eine weitgehend

intakte, mit Forstwegen durchzogene

riesige Bergwaldfläche vor.

Holzwirtschaft versus Naturschutz?

Wir strampeln auf der breiten, gemütlich

zu fahrenden Straße in Richtung Kenzenhütte

weiter und es fällt auf, dass der Halblech

mal frei, dann wieder in einem »Korsett«

das Tal hinaus fließt. Das seit 1986 unter

Naturschutz stehende Ammergebirge

wurde früher intensiv zur Holzgewinnung

und für die Waldweide genutzt. Eine starke

Erosion des weichen, wasserdurchlässigen

Bodens war die unvermeidliche Folge. Insgesamt

entwässert der Halblech ein Niederschlagsgebiet

von 50 km². Bei größeren Unwettern

kommt eine enorme Wassermenge

zusammen, die große Geschiebemengen

transportiert und zu verheerenden Hochwassern

führen kann. Weil die Wildbäche

in diesem Gebiet sehr aktiv sind, wurden

zwar schon im Jahr 1911 die ersten größeren

wasserbaulichen Eingriffe am Unterlauf

des Halblechs vorgenommen, doch hat

man nur das Nötigste getan. Insgesamt war

das Halblechgebiet in einem so maroden

88 Bergsteiger 06⁄13


Der Doppio Covolo

im Wasserfallpark

ist eine eigenartige

Spielerei der Natur.

Foto: Ulrich Lagally

Belastungs-, Schleif- und

Strömungsmarken an den

Schichtgrenzen erzählen von

den dynamischen Verhältnissen

bei der Ablagerung von

Trübeströmen.

Eine geologische Infotafel

gibt sachkundige Auskunft.

Direkt am Röthenbach

ragen

die eigentümlich

gegliederten

Felswände auf.

Das Geotop…

… zeigt die Gesteine der so genannten

Piesenkopf-Formation,

die vor etwa 85 Millionen Jahren

entstand. Die vielfache, rhythmische

Wiederholung von Ablagerungszyklen

ist an dieser Stelle

in typischer Weise ausgebildet

und gilt als Paradebeispiel für

Flyschsedimente des alpinen

Raumes. Die Schichten sind aus

unzähligen, untermeerischen

Trübeströmen entstanden und

die meist nur einige Dezimeter

mächtigen »Turbidit-Zyklen«

bestehen überwiegend aus Kalk-,

Mergel- und Tonsteinen. Charakteristisch

ist die Korngrößensortierung

dieser Zyklen: die gröbsten

Körner findet man an der

Basis, die feinsten am Top einer

solchen Abfolge.

Typisch für die Untergrenze der

Lagen sind so genannte Sohlmarken,

das sind Sedimentstrukturen

in Form eigenartiger Wülste.

Aus manchen Bildungen kann

man sogar auf die Fließrichtung

der Trübeströme schließen. Und

auf der Oberseite der Schichten

blieben mitunter verschiedene

Kriech- und Weidespuren von

Tiefseebewohnern, die den Meeresboden

zwischen den einzelnen

Turbidit-Ereignissen besiedelten,

erhalten.

Zustand, dass sein Fortbestand als Naturund

Wirtschaftsraum ernstlich in Frage

stand, weshalb weitere umfangreiche Sicherungsmaßnahmen

folgen mussten.

Dem Halblech sind nur im Oberlauf zwei

kurze naturnahe Fließstrecken geblieben.

Schließlich mussten auch die Zuläufe, wie

der Röthenbach, ausgebaut werden. Wald

und Weide wurden getrennt, man legte ein

weitverzweigtes Wegenetz an, Wieder- und

Neuaufforstungen, umfangreiche Wildbachverbauungen

und Hangsicherungen

wurden durchgeführt. Nur so war es möglich,

Siedlungen, Straßen und landwirtschaftliche

Flächen vor größeren Schäden

zu bewahren.

Wir biegen aus dem Halblechtal links ab

und mühen uns einen steilen Hang hinauf,

dann geht es wieder abwärts und links herum

ins Röthenbachtal. Schon bald erreichen

wir als Highlight der Tour das Geotop:

Direkt auf der gegenüberliegenden Seite

des Wildbachs ragen eigentümlich gegliederte

Felswände in die Höhe (siehe Infokasten

Geotop).

Anschließend geht es noch lange das Röthenbachtal

hinauf und wir sehen immer

wieder fasziniert, wie der felsige Untergrund

dem Bach seinen Lauf vorgibt und

ihn über viele Stufen und Wasserfälle

schickt, bis wir schließlich links abbiegen

und dem Wegverlauf zu den beiden Gipfeln

von Niederbleick und Hoher Bleick folgen.

Bei der Talabfahrt über die Unterreither

Ruh gibt es außer einem brillanten Aussichtsplatz

und dem schönen Trauchgau

mit der idyllischen Landschaft des Ostallgäus

nichts, was den flotten Downhillritt

bremsen könnte.


IM NÄCHSTEN HEFT: Teil 14: Das Schlernriff und

der Geologensteig auf der Seiser Alm

KOMPAKT

Hohe Bleick

(1638 m), Ammergauer

Alpen

Charakter: Lange, aber leichte Bike &

Hike-Tour mit ein paar kurzen Steiletappen

Anforderungen: Etwas Ausdauer kann

nicht schaden.

Ausgangs-/Endpunkt: Wanderparkplatz

der Kenzenhütte (829 m)

Hütten: Keine

Zeit: Auffahrt und Aufstieg 3½ Std.;

Abstieg und Abfahrt 1 Std.

Karte: Topografi sche Karte des Bayer.

Landesamtes für Vermessung und Geoinformation

1:50 000, Blatt UK

50-48; Alpenvereinskarte

1:25 000, Blatt BY 6

Tourenkarte 2

Heftmitte

06 ⁄13 Bergsteiger 89


KAUFBERATUNG: Multifunktionsschuhe

Die richtige

Kreuzung

Multifunktionsschuhe sind im Idealfall

eine Mischung aus luftigen Trailrunnern

und robusten Wanderschuhen, mit denen

man leichtfüßig, aber doch sicher unterwegs

ist. Wir zeigen Ihnen, wofür sich die

verschiedenen Konstruktionen am besten

eignen. Von Christian Schneeweiß

Foto: Bernd Ritschel

90 Bergsteiger 06⁄13


Je nach Profil geben Multifunktionsschuhe

auch auf

felsigen Passagen Halt.

Da es für den Begriff »Multifunktionsschuh«,

also einen leichten

sportlichen Outdoor-Halbschuh,

keine feste Definition gibt, ist

das Einsatzspektrum dieser bequemen

und leichten Schuhe beim Bergsteigen

recht vielseitig. Es reicht vom aus

dem Trailrunningschuh (z. B. La Sportiva

und Mammut MTR) entwickelten, leichten

und luftigen Speedhiker (v. a. Meindl) mit

griffigem Profil bis zum robusten Approachmodell

(z. B. Aku und Salewa) bzw.

zum leichten Wandermodell (z. B. Lowa).

Viele Multifunktionsschuhe werden auch

für die Freizeit oder zum Laufen eingesetzt,

und fast alle gibt es in Männer- und Frauenversion.

Niedriger Leichtbau: Schaft und Gewichte

Multifunktionsschuhe besitzen einen niedrigen

Schaft, der sowohl die Beweglichkeit

des Fußes erhöht als auch den sommerlichen

Hitzestau verringert. Nachteil ist, dass

man leicht seitlich umknicken kann, weshalb

häufig mittelhohe Varianten erhältlich

sind. Besonders die von Laufschuhen

abgeleiteten Modelle können aber kaum

abknicken. Alle vorgestellten Multifunktionsschuhe

wiegen in Größe 45 unter ein

Kilogramm pro Paar (meist um 850 g! Salomon/Merrell

730 g) bzw. unter 850 Gramm in

Frauengröße 42 (Mammut MTR 680 g).

Atmung mit Abriebschutz: Obermaterial

und Verstärkungen

Um Gewicht zu sparen und mehr Schweißdampf

durchzulassen, besteht das Obermaterial

von Multifunktionsschuhen aus

leichten Textilien, die an der Schnürung

mit zähem Leder und zum Schutz der Flanken

häufig mit Gittern aus Kunststoff oder

gummiertem Leder (z. B. Vaude und Lowa)

06⁄13 Bergsteiger 91


Die Suche nach

dem Richtigen

Welcher Schuh optimal passt, hängt von vielen

Faktoren ab. Auf diese Details sollten Sie bei

der Anprobe auf jeden Fall achten.

EINLAGEN

Robuste Einlagen sind meist weniger

dampfdurchlässig (außer Gitter-

Schaumstoff), lassen sich aber im

Gegensatz zu weichen offenzelligen Einlagen

nach Herausnahme zum Trocknen

leicht wieder in den Schuh einführen.

SCHNÜRUNG

Eine leichtgängige Schlaufenschnürung

ist angenehmer, eine Zugschnürung

fester (kann sich aber lockern), eine

Ösenschnürung zum Nachziehen umschließt

den Fuß exakter.

TIPP

Das gilt für

jedes Modell

■ Membran: Viele der vorgstellten Schuhe

gibt es mit oder ohne Membran. Mit sind sie

zwar regendicht; Textilschuhe ohne Membran

sind dafür aber dampfdurchlässiger und

wärmen weniger auf.

■ Passform: Da Multifunktionsschuhe

sich in der Regel an die Fußform anpassen,

sollte man sie nicht zu groß kaufen, um

optimalen Halt am Fuß, zur Seite und mit

dem Profi l zu erhalten.

OBERMATERIAL

Das Obermaterial des Schuhs besteht

im Idealfall aus sehr dampfdurchlässigem

Meshtextil, das aber an Spitze,

Rand und Flanken verstärkt sein sollte.

ABSATZ

Für jeden Schuh

gilt: Da nur wenige

Multifunktionsschuhe

einen nennenswerten

Absatz besitzen,

sollte man bei

steilen Abstiegen

den gesamten Fuß

belasten, um das

gesamte griffi ge

Profi l zur Geltung zu

bringen, um nicht

auszurutschen.

PROFIL

Das Profi l muss nicht tief

(3–4 mm reicht), aber außer

auf Fahrwegen oder felsigen

Steigen griffi g und doch dreckabweisend

sein.

SOHLE

Die Sohle sollte weicher gedämpft sein als bei

Wander- oder gar Trekkingschuhen und doch

durch Kombination aus hartem Mittelfuß und

weichem Vorderfuß Umknicken verhindern.

92

Bergsteiger ei

ger

06⁄13


Fotos: Bernd Ritschel (1), Andreas Strauß

überzogen sind. Noch dampfdurchlässiger

ist Meshgewebe (z. B. La Sportiva und Meindl),

das dafür aber auch anfälliger gegen Stöße

und Abrieb ist. Eine wasserdicht-atmungsaktive

(GoreTex-)Membran erweitert den

Wettereinsatz der Schuhe, verringert jedoch

deren Dampfdurchlässigkeit. Robustere

Modelle mit glatten Profilabschnitten

sind eher Approachschuhe, die sich auch

für leichtes Klettern oder Klettersteige eignen

(Aku und Salewa).

Die leicht gebauten Multifunktionsschuhe

müssen zumindest vorne und hinten Verstärkungen

besitzen. Die Zehenkappe sollte

etwas über den Vorderfuß gezogen sein und

die Fersenkappe zur Formstabilisierung

beitragen. Bei La Sportiva, Vaude und Meindl

schützt eine umlaufende Randgummierung

das empfindliche Meshtextil.

Für Passagen über Stock und Stein dürfen die Sohlen nicht zu weich sein.

Komfort dank Futter mit Einlage

Das Futter der Sommerschuhe sollte möglichst

atmungsaktiv sein und kaum wärmen.

Am effizientesten ist poriges Textilfutter,

da es viel Dampf durchlässt und

dennoch robust ist. Der niedrige Schaft-

abschluss oder der ganze Schaft ist mit

Schaumstoff gepolstert (Mammut MTR anpassend).

Nicht zu unterschätzen ist die

Schweißabsorption oder -weiterleitung

der zum Trocknen herausnehmbaren, mit

Schaumstoff gepolsterten Einlage mit

So bewertet der BERGSTEIGER

EINSATZBEREICH

Befestigter Weg: Der Schuh sollte

eine sehr gute Fußbett-Dämpfung

und ein nicht zu griffi ges Profi l

(schnelle Abnutzung, evtl. Durchdrücken

des Profi ls) besitzen sowie

harmonisch über den gesamten

Fuß abrollen.

Erdiger Fußpfad: Ein griffi ges,

dreckabweisendes Profi l ist ideal

für typische Voralpentouren, eine

gewisse Robustheit des gesamten

Schuhs für schotterige Pfade.

Weiche Fersendämpfung und ein

(Profi l-)Absatz erleichtern den

Abstieg.

Steig/Gelände: Das Profi l mit

Absatz sollte sehr griffi g und

dreckabweisend sein sowie ein

Gefühl für den Untergrund ohne

Durchdrücken (Geröll) vermitteln,

während der Schuh guten (Seiten-)

Halt bieten sollte.

Felsig/Fels: Das Profi l sollte Reibungsfl

ächen oder eine blockige

Struktur von den Zehen bis zum

Innenballen besitzen, der Schuh

sehr guten Fußhalt und Seitenhalt

bieten und etwas robuster sein.

Auch Schuhe mit niedrigem negativem

Profi l können sich für felsige

Steige oder Klettersteige eignen.

KONSTRUKTION

Zum besseren Vergleich erfolgten

alle Tests mit zwei unterschiedlichen

Schuhmodellen an den Füßen.

Die Schnürung variierte je nach

Einsatzbereich: Für enges Anliegen

war Nachziehen erforderlich, für

Komfort eine leichtgängige Schnellschnürung

und für sportliche Modelle

eine effi ziente Zugschnürung.

Sie wurde daher nicht bewertet.

Der Seitenhalt wurde zwar durch

Stehen auf einem Balken und beim

Gehen geprüft. Aber letztlich waren

Fußhalt und Profi lgriff entscheidend

für die Geländegängigkeit. Ein Einkanten

der Sohlen war kaum möglich

(am ehesten Salewa und Aku).

Der Profilgriff wurde durch Gehen

auf matschiger Erde, auf steiler

Wiese und beim Fahrwegsabstieg

ermittelt. Herausragend griffi g

waren Adidas und Mammut MTR,

nur mäßig griffi g Aku und Salewa

(können v. a. bei Nässe rutschen).

Die Dreckabweisung war im

Vergleich zu normalen Bergschuhen

phänomenal. Am ehesten blieb

Dreck beim Abstieg unter der Ferse

hängen. Salomon, Vaude, Merrell

und Aku ragten hier heraus.

Beim Abrollen wurde sowohl die

ergonomische Bewegung des Vorderfußes

über den Ballen und die

Aufbiegung der Zehen als auch das

Rollen über die Ferse bewertet. La

Sportiva, Mammut MTR und Merrell

waren praktisch widerstandsfrei

und rollten auch beim Abstieg gut

über die Ferse ab.

Die Umschließung des Fußes mittels

Vorformung (v. a. Adidas) plus

die Anpassung mittels Schnürung

ergibt den Fußhalt. Bewertet wurde

ein möglichst geringes Verrutschen

des Fußes von der Ferse bis zum

Das meist sehr griffige Profil der

Schuhe gräbt sich in alles Weiche

ein, vom Sand über matschige

Erde bis Gras (auch seitlich, aber

kein Einkanten; Mammut MTR).

Zehenbereich. Selbst bei vorn

breiteren Fußbetten verschoben

sich die Füße bei Hangquerungen

kaum im Schuh (außer Mammut

MTR, Merrell und Vaude; Meindl für

breitere Füße).

Die Sohlendämpfung wurde im Abstieg

über einen guten Schotterweg

geprüft. Die weichsten Dämpfungen

erhielten die besten Bewertungen

(Salomon und Merrell), sind

aber für lange Abstiege oder mit

schwererem Gepäck weniger gut als

mittlere (Aku, Lowa und Mammut

Claw).

Auch auf steilen Wegen kommt

man mit Multifunktionsschuhen

nicht ins Rutschen (weiß

Männerversion Mammut MTR,

grau Adidas).

06⁄13 Bergsteiger 93


EXPERTEN-TIPP

»Bei Frauenmodellen

achtet man besonders

auf Stabilität und

Halt im Fußgewölbe.«

An Klettersteig

und Fels ist ein

negatives oder mit

Reibungsflächen

versehenes Profil

gefragt.

Michael Krell ist Handels-Manager

für Schuhe bei Salomon

Tipp 1 Für die nötige Stabilität im Schuh

sorgen eine optimale Passform im Mittel- und

Vorfußbereich, umfassender Fersenhalt und

eine Schnürung, die den Fuß gut umschließt.

Des Weiteren ist der Grip entscheidend: Nur

ein optimaler Sohlenaufbau mit entsprechender

Dämpfung, gutem Abrollverhalten und

robustem Sohlenprofi l gewährleisten

Trittfestigkeit und damit sicheres Vorankommen

am Berg. Ein sportlicher Multifunktionsschuh

sollte sich optimal an das Terrain anpassen

und direkten Bodenkontakt ermöglichen, was

durch eine fl exible Zwischensohle erreicht wird.

Grip und Widerstandfähigkeit ist von der

Außensohle abhängig: Diese sollte so

aufgebaut sein, dass sie eine optimale

Balance zwischen einer härteren Gummimischung

für Langlebigkeit und einer weicheren

Mischung für Grip und Vortrieb gewährleistet.

Tipp 2 Frauenmodelle sind optimal an die

weibliche Anatomie angepasst. Das beginnt

beim Leisten, der bei Frauen im Ballenbereich

in der Regel schmaler ist, bis hin zur Passform

im Mittel- und Vorfuß. Der Fersenbereich ist

etwas schlanker. Bei Frauenmodellen wird

besonders auf Halt und Stabilität im

Fußgewölbe geachtet.

Tipp 3 Ob der Schuh wasserdicht-atmungsaktiv

oder membranfrei sein sollte, kommt

ganz auf den Einsatzbereich an. Jemand, der

bei höheren Temperaturen unterwegs ist, wird

sicher einen Mesh-Schuh vorziehen. Ein Schuh

mit Membran ist vor allem dann ratsam, wenn

er das ganze Jahr hindurch bei unterschiedlichsten

Witterungen getragen werden soll.

Im Segment

der Sportschuhe

haben sich

Einlagen durchgesetzt,

die

Schweiß weiterleiten.

Fotos: Bernd Ritschel (2), Andreas Strauß, privat

Textilbezug. Undurchlässiger Schaumstoff

ist zwar robust, ermöglicht aber nur

Schweißabsorption (The North Face hohe

Kapazität): Die Socken werden unterm Fuß

feucht. Deshalb haben sich im Segment der

Sportschuhe offenzellige Schaumeinlagen

durchgesetzt (z. B. Adidas), die den Schweiß

auch weiterleiten, aber ohne Verstärkung

(Lowa Form-Textil) anfällig sind. Alternativ

gibt es dampfdurchlässigen Gitter-Schaumstoff

(z. B. Aku) oder vorn gelochte Einlagen

(z. B. verstärkte La Sportiva).

Gut angepasst: Schnürung und Fußraum

Die klassische Ösen- und Hakenschnürung

ist bei Multifunktionsschuhen nicht üblich.

Komfortabel sind leicht und teils ohne

Nachziehen bedienbare Schlaufenschnürungen

mit Öse als rücklaufstoppendem

Abschluss (zum Beispiel Meindl). Besser der

Form des Fußes anpassen lassen sich Ösenschnürungen,

die man aber stückweise von

94 Bergsteiger 06⁄13


Wanderhotel Gassner ****

Trotz aller Leichtigkeit muss ein Schuh Halt auf unwegsamem Gelände geben.

Gipfelglück-Woche inkl. Großvenediger-Besteigung

unten nach oben teils mühsam nachziehen

muss (perfekt Salewa). Von Laufschuhen

stammen per Tanka statt Schleife schnell

und effizient fixierbare, verstaubare Zugschnüre

(Mammut MTR perfekt, aber kaum

verstaubar).

Zwar lassen sich die relativ weichen Multifunktionsschuhe

der Form des Fußes recht

gut anpassen. Trotzdem lässt sich grob zwischen

besonders am Vorderfuß breiteren

(Laufmodelle wie La Sportiva) oder insgesamt

schmaler geschnittenen Modellen für

besseren Seitenhalt beim Gelände-Einsatz

(zum Beispiel Adidas) oder schmalere Füße

(zum Beispiel Lowa) unterscheiden. Generell

lassen Multifunktionsschuhe von der

Ferse bis zum Mittelfuß kaum Spiel, so dass

der Fuß stabilisiert ist und die Ferse nicht

verrutscht.

Sohlenhärte und Dämpfung

Fast alle Sohlen der leichten Multifunktionsschuhe

sind von der Ferse bis zum

Mittelfuß aus mehr oder weniger steifem

Kunststoff gefertigt. Dieser stützt den Fuß

und erhöht die Torsionssteifigkeit. Im Vorderfuß

sind sie weicher und rollen gleichmäßig

ab (eher Lauftyp wie La Sportiva) oder

besitzen eine Knickstelle unterm Ballen

(eher Gelände- oder Felstyp wie Adidas und

Aku). Bei weicheren Sohlen können gröbere

Steine und auf befestigten Wegen das eigene

Profil spürbar sein (Ultraleichtschuhe

Salomon, Merell, Mammut MTR und The North

Face). Dafür hat man in diesen Schuhen ein

besseres Gespür für den Boden (Aku und

Salewa).

Die Dämpfung der Zwischensohle aus EVA

(Ethylenvinylacetat) ist weicher als bei

vom 17.8. bis 24.8.2013, inkl. Verwöhnpension (all-inkl.)

1 Hüttenübernachtung, 5 - 7 geführte Hauswanderungen,

Großvenedigerbesteigung, Crystal-Spa-Nutzung und der

neuen Wildkogel Card

ab € 756,00 p.P.

A-5741 Neukirchen / Gr. Ven.

T. +43 6565 6232

www.hotel-gassner.at

Familienhotel Jägeralpe

Bergsteigen am Arlberg im

familiengeführten **** Berghotel

7 Nächte inkl. der Jägeralpe Gourmetpension

5 geführte Wanderungen pro Woche


1 Weinverkostung auf unserer Wanderhütte Hochalp

1 Bergfrühstück mir regionalen Spezialitäten

ab € 719,00 p.P.

A-6767 Warth am Arlberg

T. +43 5583 4250

www.jaegeralpe.at

Wanderhotel Lumbergerhof

Griffig: Allroundprofil mit Häkchenstruktur,

blockigem Zehen-/Fersenabschnitt und

Pro-/Supinationsschutz (links; Mammut

Claw) bzw. Laufprofil mit Querstruktur und

Splittern für erdige Wege (La Sportiva)

Stütze: Typische Kombination aus Flankenschutzgitter

(hier gummiertes Leder) gegen

Abrieb des dampfdurchlässigen Textilmaterials

und als Verstärkung der stark beanspruchten

Ansatzzone der Schnürung (Lowa)

Frühlingswanderwochen im Tannheimertal -

Erholen und relaxen im neuen Wellnessbereich „Bergbadl“

7 Nächte Halbpension mit 5 Gang Wahlmenü

Schöne Komfortzimmer und neue Suiten

4 geführte Wanderungen mit Franz und Ramona

1 Massage mit Arnikaöl, 1 Tanzabend, 1 Galamenü


Wochenpreise von € 465,00 bis € 780,00

A-6673 Grän Tannheimertal - Tirol

T. +43 5675 6392

www.Lumbergerhof.at

www.wanderhotels.com


KAUFBERATUNG : Multifunktionsschuhe (Damen ■ und Herren ■ )

TIPP

Profilgriff

Adidas

Terrex Fast R GTX

Aku

Mates GTX

La Sportiva

Ultra Raptor

Lowa

Innox GTX Lo

Mammut

Claw II GTX

Meindl

SX 1 GTX

Vertrieb, Info 0 91 32/ 8 40,

www.adidas.com/outdoor

07 51/7 69 54 10,

www.aku.it

00 39/04 62/57 18 00,

www.lasportiva.com

0 81 37/99 90,

www.lowa.de

0 83 34/3 62 00,

www.mammut.ch

0 86 85/7 70 90,

www.meindl.de

Preis in Euro 159,95 135,- 129,- 149,95 140,- 149,90

Gewicht

in Größe

920 g/Paar in 45 1000 g/Paar in 45 840 g/Paar in 45 980 g/Paar in 45 1000 g/Paar in 45 860 g/Paar in 45

Obermaterial Ripstop-Textil mit Membran Grobtextil+Leder m. Membr. Mesh, vorn luftdurchlässig Textil+gitterlamin. Membr. Poren-Textil mit Membran Mesh-Textil mit Membran

Verstärkungen Zehen- + Fersenkappe

Hartgummi, Verstärkungen

Zehen- + Fersenkappe

gummiert, Verstärkungen

Zehen-+Fersenkappe

stabil, gummierter Rand

Zehen- + Fersenkappe

Leder, PU-Rand

Gummierter Lederrand,

Form-Fersenkappe

Zehen- + Fersenkappe

gummiert, Lederrand

Futter mit

Einlage

Textil, Abschluss Schaum/

offenzelliger Schaumstoff

antibakteriell

Kuscheltextil, Abschluss

Schaum dünn/

Schaumstoff mit luftigem

Gitterpolster

Porentextil, Abschluss

Schaum dünn, Ferse

Leder/ergon. Schaumstoff

gelocht

Kuscheltextil, Abschluss

gepolstert/offenzelliger

Schaumstoff + Textil,

robust

Textil, Abschluss

Schaum/Schaumstoff

mit luftigem Gitterpolster,

Seitenhalt

Kuschel-Textil, Abschluss

gepolstert/Schaumstoff

vorn gelocht, Seitenhalt

Fußraum schmaler, v. a. vorn vorn breiter mittel, vorn breiter insgesamt schmaler schmaler, v. a. vorn breiter, v. a. vorn

Schnürung Zug mit Schlaufen, exakt Ösen schwergängig, exakt Schlaufen z. Nachziehen Ösen zum Nachziehen Schlaufen + Öse oben Schlaufen mit Öse oben

Sohlenhärte steifer, ab Ballen weich steifer, Vorderfuß 2

Knickpunkte

mittelsteif, vorn sehr weich

steifer, ab Ballen weich,

aufgebogen

steifer, vorn weicher/

aufgebogen

ziemlich steif, ab Ballen

weich

Profilsohle

Continental; griffi ge

L-Noppen 4 mm,

Absatz 9 mm

Vibram; Ecknoppen 3

mm, Flächen, Profi lferse

4 mm

Frixion; Querblöcke 2–4

mm mit Splittern 5 mm,

Absatz 7 mm

Lowa; Blöcke/Noppen 4

mm, Profi labsatz 4 mm

Grip-X; griffi ge 3 mm

Häkchen, Profi labsatz

Vibram; griffi ge 3 mm

teils blockig, Profi labsatz

4–7 mm

Extras

Flankenschutz-Gitter,

kurze Zunge, bewegliche

Ferse, Refl ektor hinten

Zug-/Hängschlaufen,

Refl ektoren, etwas

Supinationsschutz

Flankenschutz-Gitter,

Pronationsschutz, Polster-

Zunge, Refl ektoren

Flankenschutz-Gitter, Pfl e-

geanleitung, Zugschlaufe,

Profi l vorn/hinten Riffel

Pro- und Supinationsschutz,

Refl ektoren,

Zug-/Hängschlaufen

Flankenschutz-Gitter, gute

Zugschlaufe, Refl ektoren,

Profi l vorn/hinten Riffel

BEWERTUNGEN

Sitz am Fuß ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Abrollen ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Profilgriff ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Dreckabweisg. ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Dämpfung ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Unser

Eindruck

wasserdicht-atmungsaktiver

Allrounder; robust,

auch für schwere Last,

extrem griffi ge Sohle

auch bei Nässe, Absatz

Rutschreserve, top

Fuß- und Seitenhalt,

Umknicken möglich,

Zehenraum etwas eng,

etwas schweißiger

EINSATZBEREICHE

wasserdicht-atmungsaktiver

Approachschuh;

Profi l kaum Abnutzung,

aber geringere Griffi gkeit,

robust, super Seitenhalt,

gutes Bodengefühl,

Schnürung kompliziert,

etwas schweißiger,

Schuh kann rutschen

luftiger Leicht-Schuh Typ

Trail Running; an den

richtigen Stellen luftig bzw.

robust, super anpassbar,

keine Zugschlaufe, über

Zehen anfällig, bergab

etwas unrund, aber

Rutschreserve durch

Absatz, Bändelfach

suboptimal

wasserdicht-atmungsaktiver

Leicht-Wanderschuh;

sehr bequem, vorn

tiefergelegt, haltbares

Profi l mit Antirutsch-

Absatz beim Abrollen,

obwohl wasserdicht, kaum

Schweißbildung, aufdringlicher

Schriftzug

wasserdicht-atmungsaktiver

Berg-Allrounder;

super Seitenhalt + Sitz

am Fuß, Schnürung sehr

gut anpassbar, kein

Zungenrutschen, robust,

aber kein Schutz über

Zehen, fällt atwas kleiner

aus, Schnürung geht auf

luftiger wasserdichtatmungsaktiver

Speed

Hiker; Sitz ideal für

breitere Füße, kantiger

Absatz sichert Abstieg,

sehr bequem, gutes

Bodengefühl, guter

Mesh-Schutz, Schlaufenfi -

xierung in einem Zug, evtl.

Gehfalte

Weg befestigt ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Pfad erdig ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Steig/Gelände ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Fels/felsig ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

96 Bergsteiger 06⁄13


TIPP

Preis/Leistg.

TIPP

Komfort

Merell Mix Master

Tuff GTX

Salewa

Ms Wild Fire

Salomon

Synapse

Mammut MTR 201

Dyneema Women

The North Face Hedgehog

Guide GTX W

Vaude

Wo Tupelo

08 00/6 64 84 68,

www.merrell.de

0 89/90 99 30,

www.salewa.com

0 80 00/7 25 66 66,

www.salomonsports.com

0 83 34/3 62 00,

www.mammut.ch

0 08 00/32 45 57 11,

www.thenorthface.eu

0 75 42/5 30 60,

www.vaude.com

130,- 139,95 119,95 190,- 130,- 100,-

730 g/Paar in 45 980 g/Paar in 45 730 g/Paar in 45 680 g/Paar in 42 790 g/Paar in 41,5 830 g/Paar in 42

Mesh-Textil mit Membran Grob-Textil Poren-Textil Dyneema-Textil Mesh-Textil, vorn m. Membr. Mesh-Textil

Zehen groß Gummi, Ferse

kaum, Rand Leder/Textil

Rand Vorderfuß Gummi,

Rand inkl. Ferse gummiert

Zehen- + Fersenkappe

klein, gummierter Rand

Zehen- + Fersenkappe,

Spritzgummierungen

Zehen- und Fersenkappe

Zehen- + Fersenkappe

Gummi, Lederrand

Absorber-Textil, Abschluss

gepolstert/Schaumstoff

mittig gelocht, ergonomisch

gröberes Textil, Schaftabschluss

gepolstert/Schaumstoff,

hinten robust/dicker

Poren-Textil, Schaft gepolstert/offenzelliger

Schaumstoff,

vorn gelocht

anregendes Textil, Schaft

Anpass-Schaum/ergonomischer

Schaumstoff, vorn

gelocht

Absorber-Textil, Schaft

gepolstert/Schaumstoff

absorbierend gepolstert

Poren-Textil, Schaft gepolstert/Schaumstoff

sehr

ergonomisch, vorn gelocht

mittel, vorn breiter schmaler, v. a. vorn schmaler, v. a. vorn mittel schmaler, v. a. vorn etwas breiter

Schlaufen mit Öse oben Nachzieh-Öse schwergängig Zug mit Metallösen effi z. Zug gewöhnungsbed. Ösen mit Nachziehen Nachzieh-Öse schwergängig

weniger steif, Vorderfuß

weich

ziemlich steif, Vorderfuß

weicher

mittelsteif, Vorderfuß kontinuierlich

weicher

weniger steif, vorn sehr weich

steifer, Vorderfuß weicher/

aufgebogen

mittelsteif, Knickpunkt unter

Ballen

Merrell; griffi ge 3 mm

noppig/außen quer,

ohne Absatz

Vibram; griffi ge 3 mm

Noppen/blockig 2 mm,

Profi labsatz

Contagrip; Häkchen 3

mm, Mulden 6–9 mm,

Profi labsatz

Grip-X; griffi ge 4 mm quer/

außen längs, ohne Absatz

Vibram; griffi ge 3 mm

Häkchen, Ferse Riffel,

Profi labsatz

Vaude; griffi ge 3 mm quer,

Profi labsatz 3 mm

Flankenschutz-Gitter, Supinationsschutz,

Refl ektor,

antimikrobiell

Flankenschutz-Gitter, Zug-/

Hängschlaufe, Reibungsfl

äche

großzügiges Flankenschutz-

Gitter, Zugschlaufe, Einlage

antibakteriell

Top Refl ektoren, Bändelfach,

Zug-/Hängschlaufe

großzügiges Flankenschutz-

Gitter, Zug-/Hängschlaufe,

Supinationsschutz

Flankenschutz-Gitter, elastische

Zunge, Supinationsschutz,

Refl ektor vorn

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Ultraleicht-Schuh Typ Trail

Running; wie Turnschuh,

super Abrollen, Verstärkungen

dort, wo nötig,

Schnellschnürung mit

Nachzug-Option, Profi l

drückt durch, Spitze 2 mm

tief, gutes Bodengespür,

weniger Seitenhalt

sehr atmungsaktiver Approachschuh;

für Schuhtyp

ungewöhnlich griffi g,

Schnürung bis Zehen,

perfekte Umschließung,

super Seitenhalt, exakter

Antritt, vorn tiefergelegt,

gutes Bodengespür, Schuh

kann rutschen

günstiger Allround-Ultraleichtschuh;

wie Turnschuh,

elastische Sohle im

Aufstieg, bergab perfektes

Abrollen, seitenstabiler,

Bodengespür gut, aber evtl.

Durchdrücken, Schnürung

kann sich lockern

Ultraleicht-Schuh Typ Trail

Running; trotzdem robust

genug, wie Hausschuh,

gutes Bodengefühl, super

griffi ge Sohle, zuverlässige

Schnürung gewöhnungsbedürftig,

Bändeltasche diffi zil,

Profi l drückt durch, etwas

schweißiger

wasserdicht-atmungsaktiver

Leicht-Allrounder; relativ

luftige Schnürung sehr gut

umschließend, super Seitenhalt,

Profi l drückt durch,

Ferse unrund, Fersenprofi l

steinanfällig, Gitter kann

innen drücken

günstiger, sehr atmungsaktiver

Allrounder; rundum

bequem, seitenstabil,

schiebt nach vorne, Ober-

Stoff anfällig, Nachziehen

mühsam, Ferse rutscht im

Schuh, Profi l kann seitlich

rutschen, evtl. Falte

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

06⁄13 Bergsteiger 97


Wenn es heiß ist und

der Weg sich zieht, sind

luftige Mesh-Schuhe

die erste Wahl.

Das typische

Profil ist sehr

griffig – dank

Haken, Spezialnoppen

oder kantiger

Balken.

Fotos: Bernd Ritschel (1), Andreas Strauß

Wanderschuhen. Das macht sich besonders

im Abstieg positiv bemerkbar. Der Effekt

des Dämpfungskeils wird bei vielen Schuhen

durch den Sohlengummi verstärkt,

welches meist weicher ist, als im Bergbereich

üblich (häufig Eigenmarken) oder zusätzlich

durch seine Struktur dämpft.

Griffiger geht’s nimmer: Profil

Das typische positive (aufgesetzte) Multifunktionsschuh-Profil

ist sehr griffig – vor

allem dank kantiger Querbalken (Vaude

rutscht seitlich), Spezialnoppen (Adidas)

oder Häkchen (The North Face) mit drei,

besser vier Millimetern Tiefe. Es entfaltet

maximale Griffigkeit auf erdigen oder wurzeligen

Pfaden oder im mäßig geneigten

Gelände und besitzt nur teilweise einen

Absatz, der im Abstieg Sicherheit gegen Abrutschen

gibt (vor allem Adidas und Meindl).

Ausgeprägte Absätze können allerdings

leichter verdrecken.

Eher für felsige Aufstiege konstruierte Profile

sind mehr auf exakte Schuhplatzierung

zugeschnitten und besitzen ein abriebresistentes,

aber weniger griffiges, negatives

(eingeschnittenes) Profil (Aku, teils Salewa).

Beide Profiltypen zeichnen sich durch hohe

Dreckabweisung aus. Eine Riffelung vorn

und hinten (Lowa und Meindl) soll verhindern,

dass man im steilen Auf- bzw. Abstieg

abrutscht.


Dampf-Ablasser: Das luftige »Mesh-Textil«

(Netzstoff) ist anfällig gegen Abrieb (hier

eher Stöße; Zehenkappe hochgezogen;

Meindl); glattes Textil ist abriebfester, aber

weniger dampfdurchlässig (The North Face).

Schmeichler: Zwei Schaumstoffeinlagen mit

gelochtem Vorfuß (bessere Dampfableitung)

sowie Supinationsschutz (härteres rotes

Material; Vaude) bzw. stark schweißabsorbierendem

offenzelligem Schaum (Salomon).

Für Faule: Die Zugschnürung lässt sich mit

Zug und Druck auf den Klemmverschluss

(Tanka) schließen (Adidas). Die Vorderschuh-

Umschließung ist zwar nicht perfekt, aber die

Schuhform gleicht diese Schwäche aus.

98 Bergsteiger 06⁄13


INNSBRUCK TOURISMUS GRAFIK h. a.

Wandern & Wellness Package!

1 Nacht/Halbpension + Wellness

ab € 75,– p. P.

Weitere Packages:

www.innsbruck-pauschalen.com

www.innsbruck.info

Hohe Berge. Starke Stadt

ADLER UND ALTSTADT ZUM GREIFEN NAHE!

Erst wandern, die Gipfel erklimmen und dann bummeln – oder auch umgekehrt.

Hier lassen sich Naturerlebnis und City-Feeling perfekt unter einen Hut bringen.

Die Seele lassen wir an einem der Naturseen in Innsbruck und seinen Ferien dörfern

baumeln. Und als Nachtisch gibt es noch ein Wellnesszuckerl.

Innsbruck Tourismus: Burggraben 3, 6020 Innsbruck, Austria,

Tel. +43 512 / 59 850, Fax +43 512 / 59 850 - 107, www.innsbruck.info


SERVICE

NEU !

Auch wenn sich niemand

die Situation vorstellen

möchte: Vor einem Unfall

im Gebirge ist niemand

gefeit. Die wichtigsten

Handgriffe in Sachen Erste

Hilfe sollte man daher

unbedingt beherrschen.

Von Bettina Willmes

Erste Hilfe im Gebirge

Raus aus der

Schockstarre

die Situation klingt banal, ist aber typisch:

Gerade noch haben die zwei

Wanderer gemeinsam den Ausblick

am Grat genossen. Einen Augenblick

später verliert der eine den Halt und stürzt

die Böschung hinunter. Rund fünf Meter

weiter unten bleibt er liegen.

Auch wenn man im Gebirge selten ganz alleine

ist – darauf verlassen, dass nach wenigen

Minuten ärztliche Hilfe zur Verfügung

steht, sollte man sich nicht. Zwar kann man

dank Handy meist schnell Hilfe holen; doch

bis die kommt, vergeht Zeit. Und diese Zeit

kann unter Umständen über Leben und Tod

entscheiden.

Daher sollte man wissen, worauf es in Notsituationen

ankommt. »Die meisten haben als

Basis aber nur den eintägigen Kurs, den man

für den Führerschein braucht«, sagt Jochen

Gürtler vom Verein Alpines Rettungswesen,

einem Anbieter für Outdoor-Erste-Hilfe

in Deutschland. Dieser Kurs liegt oft Jahre,

wenn nicht Jahrzehnte zurück.

Wer in eine Notsituation gerät, sollte zunächst

in Ruhe die Situation einschätzen:

Begebe ich mich in Gefahr, wenn ich zum

AKTION 1

Handlicher Retter

Sie haben keinen Biwaksack? Dann schicken

Sie uns bis zum 14. Juni 2013 eine

E-Mail oder Postkarte mit dem Betreff

»Erste Hilfe« und der europaweiten Notrufnummer

an redaktion@bergsteiger.de

bzw. Redaktion BERGSTEIGER,

Postfach 40 02 09, 80702 München.

Unter den richtigen Antworten verlosen wir

zehn Ultralite Bivis von Mountain Equipment

im Wert von je 19,95 €. Der Ultralite

Bivi ist ein Not-Biwaksack für eine Person

zum einmaligen Gebrauch. Er refl ektiert

90 Prozent der Körper-Wärmestrahlung.

Dabei hat er ein Packmaß von nur

7x8 Zentimeter und wiegt 108 Gramm.

Fotos: Bernd Ritschel, Hersteller

100 Bergsteiger 06 ⁄13


Verletzten absteige? In dem Fall gilt es, sofort

einen Notruf abzusetzen. Am besten über

die europaweit gültige 112. Allerdings hat

man nicht überall im Gebirge Netz. Zur Not

muss man zur nächsten Hütte ab- oder aufsteigen.

Von Vorteil ist es dann, wenn man

nicht nur zu zweit unterwegs ist, so dass

einer beim Verletzten bleiben kann. Ist das

nicht möglich, sollte man das weitere Vorgehen

mit dem Verletzten besprechen und

ihm sagen, wie lange man unterwegs sein

wird. Das erleichtert das Warten enorm.

Gelangt man zur Unfallstelle, sind zwei Aspekte

wichtig: Blutet der Verletzte stark oder

ist er bewusstlos? Dann zählt jede Minute.

Liegt eine stark blutende Wunde vor, sollte

man den betreffenden Körperteil zunächst

hochlagern, wenn nötig die Schlagader zwischen

Wunde und Herz abdrücken und einen

Druckverband anlegen.

30-mal drücken, zweimal beatmen

Ist die Person darüber hinaus bewusstlos,

sollte man zuerst versuchen, sie zurück ins

Bewusstsein zu holen. Atmet der Verletzte

noch, gilt es zunächst sicherzustellen, dass

die Atemwege frei bleiben: stabile Seitenlage,

Kopf überstrecken. Atmet er nicht mehr,

beginnt man mit der Herzdruckmassage. Die

Regel dafür lautet: 30-mal drücken, zweimal

beatmen, mit einer Frequenz von 100 Stößen

pro Minute. »Das ist nach wie vor das

Maß der Dinge, auch wenn in den vergangenen

Jahren immer wieder anderes zu lesen

war«, sagt Gürtler. Nur wenn sich ein Ersthelfer

außerstande sehe, den Verletzten zu

Tatonka First Aid

Compact, Set für

2 Personen und

Drei tagetouren,

Gewicht: 390 g,

Maße: 24x40 cm,

UVP: 37,50 €

Vaude First Aid

Kit Hike XT,

Gewicht: 250 g,

Maße: 18x14 cm,

UVP: 28 €

TIPP

Nicht ohne

Erste-Hilfe-Set!

Wie umfangreich die Reiseapotheke ausfällt,

hängt davon ab, wo man unterwegs

ist und wie lange. Als Minimum sollte jeder

das Folgende dabei haben:

• 1 steriles Verbandspäckchen

• 2 Heftpflasterstreifen

• 3 Wundnahtstreifen

• 1 Rolle Tapeverband

• einige Schmerztabletten

• 1 Wunddesinfektionsmittel

• 2 sterile Kompressen

• verpackte Gummi-Schutzhandschuhe

• 1 Dreiecktuch

• 1 Rettungsfolie

• 1 Mull- bzw. Verbandsbinde

• 1 elastische, selbsthaftende Binde

• 1 funktionierende Schere, 1 Pinzette

in Anlehnung an: Dr. Walter Treibel »Erste Hilfe am

Berg und auf Reisen«, Rother Verlag, 2011

AKTION 2

Exklusiv für Leser

Wir bieten unseren Lesern gemeinsam

mit dem Alpinen Rettungswesen e.V. einen

Erste-Hilfe-Kurs im alpinen Gelände zu

vergünstigten Konditionen an. Der Kurs

dauert 2,5 Tage, zwei Ausbilder kümmern

sich um die mindestens 8 und maximal

12 Teilnehmer. Bei normalen Kursen dauert

der Kurs nur zwei Tage, zudem gibt es nur

einen Ausbilder.

Termin: 28. Juni, 17 Uhr bis 30. Juni 2013

Kosten: 120 Euro zzgl. Kosten für Übernachtung/HP.

Für AV-Mitglieder kostet die

Nacht im DZ je nach Hütte ca. 20 €

Ort: Spitzinggebiet, vorr. Spitzinghütte

Die Teilnehmer erhalten eine Kurs-Bescheinigung,

ARW-Notfallkarte, Erste-Hilfe-

Alpin-Fibel, Schlangen- und Zeckeninfoblatt

sowie das Übungsmaterial.

Fragen und Anmeldung per Mail an

jochen.guertler@arwev.de

Die Anmeldung ist bis 17. Juni möglich

Blutet der Verletzte stark oder ist er bewusstlos?

Dann kommt es auf jede Minute an.

beatmen, wird inzwischen empfohlen, sich

nur auf die Herzdruckmassage zu konzentrieren.

»Das Gehirn braucht aber Sauerstoff,

daher ist das Beatmen nach wie vor wichtig.«

Jochen Gürtler empfiehlt, die Herz-Lungen-

Wiederbelegung regelmäßig zu üben. »Allein

schon um ein Gespür dafür zu haben,

wie tief man drücken muss.«

Nicht fehlen sollte zudem ein Erste-Hilfe-Set

und ein Biwaksack, um den Verletzten vor

Kälte zu schützen. Was genau ins Erste-Hilfe-Set

gehört, hängt von der Dauer der Tour

sowie der Personenanzahl ab (siehe Kasten).

Der Outdoor-Ausrüster Tatonka beispielsweise

informiert auf seiner Homepage genau,

welches Set für wie viele Personen und

Tage das richtige ist. Grundsätzlich sollte

aber jede Person ein eigenes Set haben, sonst

kann es passieren, dass das Set im Rucksack

des Verunglückten liegt und die Helfer keinen

Zugriff darauf haben.

Den Inhalt gängiger Sets beurteilt Gürteler

als »soweit okay«. Was oft fehle, seien Kleinteile

wie eine vernünftige Schere, Blasenpflaster,

Traubenzucker, Zeckenkarte, ggf.

Ersatz-Kontaktlinsen und eine Stirnlampe.

»Ich empfehle, diese Dinge ins Set zu legen,

damit man sie immer dabei hat.« Genauso

wichtig sei es allerdings, das Wissen in Erster

Hilfe stets auf dem Laufenden zu halten, um

im Notfall richtig handeln zu können. ◀

06 ⁄13 Bergsteiger 101


SERVICE

SERIE: Stille Helfer

Teil 3: Klettersteig-Sets

Stille

Helfer

EINE INITIATIVE VON

+

Ein Fall für

Experten

102 Bergsteiger 06⁄13

Seil für die Massen:

Klettersteiggehen

bedeutet für viele

Bergwanderer den

ersten Kontakt mit

dem Fels.


Ein Sturz am Klettersteig hat oft

fatale Folgen, da der Fallende

bis zur nächsten Sicherungsstrebe

rutscht.

Mit der steigenden

Zahl der Klettersteiggeher

wurden in den

vergangenen Jahren

auch die Klettersteig-

Sets verfeinert.

Eine Garantie für

folgenlose Stürze gibt

es bislang trotz aller

Bemühungen der Industrie

jedoch nicht.

Von Moritz Baumstieger

Klemmende Fensterheber, falsch

auslösende Airbags, rutschende

Fußmatten: Die vergangenen Jahre

waren für Toyota nicht lustig.

Kaum ein Quartal, in dem der

Autohersteller nicht Millionen Autos in die

Werkstätten zurückbeordern musste. Kommentatoren

und Konkurrenten spotteten,

Image und Umsatz litten. Vor allem, weil die

Rückrufaktionen Verkaufsschlager wie das

Modell »Corolla« betrafen.

Die Bergsportbranche kannte so etwas bis dahin

kaum, bei den Herstellern gehört gewissenhafte

Produktentwicklung zum Markenkern.

Kein Wunder, denn manchmal hängt

das Leben der Kunden im Wortsinne von der

Qualität der Produkte ab. Doch im Sommer

2012 war es soweit: Die Branche hatte ihren

Toyota-Moment. Nach einem tödlichen Unfall

mussten Klettersteig-Sets in Rückrufaktionen

massenhaft ausgetauscht, ihre Konstruktion

und Haltbarkeit neu überprüft werden. Die

Kunden waren verunsichert, der Schaden

enorm. Ähnlich wie bei Toyotas Kleinwagen

Corolla traf es mit den Klettersteig-Sets ein

Produkt, das sich in der jüngeren Vergangenheit

fast wie von selbst verkaufte.

Spektakuläre Blicke aus und auf Felslandschaften,

Grenzerfahrungen bei luftigen

Passagen, das Drahtseil immer in Griffweite

– Klettersteige sind für viele Berggänger

attraktiv, die sonst nicht unbedingt zu den

Nordwand-Gesichtern zu zählen sind. Die

Eisenwege sind scheinbar mit wenig Vorwissen

zu begehen, den Erfahrungsschatz der

Alpinkletterer braucht es nicht.

So entwickelte sich der Sport in den vergangenen

Jahrzehnten zu einem wahren Massenphänomen.

45 Prozent der Mitglieder

des Deutschen Alpenvereins (DAV) gaben

bei einer Befragung 2009 an, regelmäßig mit

Hilfe von Eisenleitern und -seilen Felswände

zu durchsteigen, auf Skitour gehen zum

Vergleich nur 30 Prozent. Die Zahlen haben

sich zwar seit der Befragung fünf Jahre zuvor

kaum verändert, die Anzahl der Vereinsmitglieder

ist aber im gleichen Zeitraum um 20

Prozent gestiegen. Hinzu kommen all jene,

die ohne Vereinsausweis losziehen. Heißt

unterm Strich: deutlich mehr Klettersteig-

Geher – in deutlich mehr Klettersteigen.

Denn am besten lässt sich der Boom an der

Anzahl der Wege ablesen: Jedes Jahr entstehen

in den Alpen 50 neue Anlagen, etwa

1400 sind es laut der Datenbank www.

klettersteig.de allein in Italien, Österreich,

Deutschland und der Schweiz. In einer im

Juni erscheinenden Dokumentation hat die

Naturschutz-Organisation Mountain Wilderness

allein für die Jahre 2008 bis 2012

mehr als hundert neue Eisenrouten in den

deutschsprachigen Alpenländern gezählt.

»Liftbetreiber und Tourismusverbände bauen

Action-Anlagen in Bergbahnnähe, die mit

Brücken, Netzen und Seilrutschen ausgestattet

sind. Das hat mit Alpinismus nichts

Fotos: Mammut, Eugen E. Hüsler

06 ⁄13 Bergsteiger 103


Großes Erlebnis bei vergleichsweise

geringem

Risiko macht den Reiz

der Klettersteige aus.

Kleines

Sturzglossar

Sturzfaktor: Seile dehnen sich bei Belastung

und nehmen so Energie auf. Je kürzer

das Seil, desto geringer sind Dehnung und

Energieverbrauch. Als Maß für die Sturzhärte

gilt der Sturzfaktor: die Sturzhöhe geteilt

durch die Länge des Seilstücks, das den

Sturz abfängt. Wenn ein Sportkletterer also

nach 20 Metern fünf Meter fällt, beträgt

der Sturzfaktor also 0,25 (5/20). Beim

Klettersteig-Set steht nur etwa ein Meter Seil

zur Verfügung. Der Sturzfaktor beträgt beim

gleichen Sturz 5/1 – die Belastung für Karabiner

und Körper ist hier also 20 Mal höher

als beim Klettern.

Fangstoß: Fangstoß nennt man die maximale

Kraft, die beim Sturz auf Körper und

Sicherungen wirkt – also den Ruck, den

man beim Abbremsen spürt. Je höher der

Sturzfaktor, desto höher der Fangstoß. Laut

Norm darf er bei Klettersteig-Sets sechs

Kilo-Newton betragen – das entspricht noch

immer der Kraft eines Gewichtes von 600

Kilogramm, das am Körper ziehen würde.

Deshalb gilt: Am besten gar nicht stürzen.

Statische Bremswirkung: Bei einem

Sturz in ein fi xiertes Seil absorbiert dieses die

gesamte Energie durch Dehnung. Am Klettersteig

ist dieses Seilstück meist kurz, der

Fangstoß damit hoch. Noch härter ist der Fall,

wenn man Reepschnur oder Bandmaterial

statisch verwendet, da sich diese so gut wie

gar nicht dehnen.

Dynamische Bremswirkung: Eine dynamisch

wirkende Klettersteigbremse vernichtet

die beim Fallen auftretende Energie durch

Reibung, indem das Sicherungsseil durch

die Bremse gezogen wird. Hier ist es egal,

ob man Seil- oder Bandmaterial verwendet.

Wenn Bremse und Seilmaterial ideal abgestimmt

sind, wird der Sturz weich abgebremst

wie durch ein Luftkissen.

Tipp: Weitere Infos rund um Klettersteig, Sets

und Bremsen gibt es in der »Klettersteigfi bel«

von Mammut, abrufbar unter www.mammut.

ch/images/Klettersteigfi bel_D_.pdf

mehr zu tun«, meint Vorstandsmitglied Gotlind

Blechschmidt. »Wir sind nicht generell

gegen Klettersteige, aber genug ist genug.«

Denn der Bau-Boom wirkt sich nicht nur negativ

auf die Natur aus, auch die Zahl der Notfälle

steigt. Laut der DAV-Unfallstatistik vom

vergangenen Jahr haben sich die Meldungen

seit 2006 verdoppelt, seit 2002 sogar auf rund

50 pro Jahr verdreifacht. Das Problem seien

laut DAV weniger die ganz Unerfahrenen,

sondern fortgeschrittene Anfänger. Nach 20,

30 Einsteigertouren überschätzen sich viele

und landen nicht selten in Situationen, in

denen sie weder vor noch zurück wissen: Der

Hälfte aller abgesetzten Notrufe liegt nicht

etwa eine Verletzung zu Grunde, sondern

schlicht psychische Überforderung angesichts

schwindelnder Tiefe.

Schock für die Branche

Hätte sich die Sicherungstechnik nicht rapide

weiterentwickelt, lägen die Unfallzahlen

wohl noch um einiges höher. Vor ungefähr

20 Jahren nahm die Entwicklung der Klettersteig-Sets

mit zwei entscheidenden Neuerungen

Fahrt auf. Zum einen wurden spezielle

Karabiner entwickelt, die sich nach dem

Zuschnappen automatisch verriegeln und

bei einem Sturz nicht aufgehen können. Die

zweite Innovation waren Reibungsbremsen:

Die beiden Arme des Klettersteig-Sets waren

anfangs noch aus einem Seilstück gefertigt,

das in der Mitte durch ein kleines Metallstück

– die Seilbremse – gefädelt wurde. Fiel ein

Bergsteiger, der jeweils nur einen Fangarm

zur Sicherung benutzte, zog es die andere

Seilhälfte durch die Seilbremse. Teile der

Fallenergie wurden so in Reibungsenergie

umgesetzt und somit die Kräfte, die auf den

Körper wirkten, reduziert. Auch wenn diese

V-Form heute als veraltet gilt, so basiert das

heute noch gängige Prinzip (Y-Form) auf diesem

Modell (siehe Kasten Seite 105).

Vor einigen Jahren tauchte ein weiteres System

in den Regalen auf: sogenannte Bandfalldämpfer

mit gefalteten und vernähten Bändern.

Sobald die Kraft beim Fall ins Set fünf

Kilo-Newton übersteigt, reißen die Nähte

Stück für Stück auf und federn so den Sturz

ab. Die Systeme erfahren im Gegensatz zur

Reibungsbremse auch bei Nässe oder Verschmutzung

keinen Funktionsverlust und

werden daher von Sicherheitsforschern empfohlen.

Seit neuestem gibt es auch Seilklemmen,

die ähnlich wie eine Prusikschlinge am

Drahtseil mitlaufen und im Falle eines Falles

nicht zurückrutschen. Durch geringere

Sturzhöhen sind die wirkenden Kräfte automatisch

kleiner. Sicherheits-Experten finden

die Entwicklung vielversprechend, mahnen

aber eine bessere Handhabbarkeit an.

Im Sommer 2012 traf die Branche dann der

Schock: Ein unerfahrener 17-Jähriger stürzte

im schwierigen Direttissima-Klettersteig am

Walchsee, als beide Fangarme seines Leih-

Klettersteig-Sets rissen. Untersuchungen

ergaben, dass die elastischen Fangarme des

Sets durch das häufige Dehnen geschwächt

104 Bergsteiger 06⁄13


Fotos: Manfred Kostner, privat, Mammut (4)

worden und einfach gerissen waren. Mehrere

Hersteller riefen daraufhin nicht nur diverse

Modelle zurück, sondern führten eigenständige

Tests durch. In Zusammenarbeit mit

der Sicherheitsforschung des DAV wiesen sie

an Systemen mit Reibungsbremsen weitere

Mängel nach. Vereinfacht lässt sich das Problem

so darstellen: Mit der Zeit verliert das

Material seine Flexibilität, die Reibung in der

Bremse und der Fangstoß werden dadurch

höher, die Belastung der Fangarme steigt.

»Klettersteig-Sets wurden bisher aufgrund

der Erfahrungen bewertet, die man im Umgang

mit Schlingen und Seilen etwa im Kletterbereich

gesammelt hatte«, erklärt Florian

Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung.

»Die Belastungen sind bei Klettersteigen aber

andere, das Problem der Alterung wurde unterschätzt.

Von der Industrie, aber teilweise

auch von Experten wie uns.«

So folgte im Februar 2013 die zweite Rückrufaktion.

Zudem wurde die entsprechende

Norm der UIAA verschärft. Verunsicherten

Kunden rät Hellberg, drei Punkte zu beachten:

»Ist mein Set vom Rückruf betroffen?

Wenn nicht: Liegt sein Alter noch innerhalb

der vom Hersteller angegebenen Lebensdauer?

Und wenn auch das der Fall ist, sollte

man checken, dass es nicht zu abgenutzt ist.«

Darüber hinaus warnt er davor, auch ein intaktes

Klettersteig-Set als Garantie für folgenloses

Stürzen zu sehen: »Im Grunde ist ein

Taglingers Tipp:

Vorsicht ist

keine Schande

»Dass Gurt, Klettersteig-Set und ein Helm

Voraussetzungen für ein sicheres Klettersteigerlebnis

sind, möchte ich nicht groß

erwähnen. Was aber viel zu oft vergessen wird:

Fragen stellen. Dem Partner und auch sich

selbst. Manche Bergsportler sind den Routen,

in die sie einsteigen, mental nicht gewachsen.

Deshalb sollte man sich schon bei der Tourenplanung

genauestens fragen: Bin ich wirklich

schwindelfrei? Hat mein Tourenpartner sicher

kein Problem damit, über 50 Höhenmeter

eine Eisenleiter hochzuklettern? Wenn man

all diese Fragen mit »Ja« beantworten kann:

Nichts wie los. Aber wenn auf der Tour das

kleinste Anzeichen von Unsicherheit auftritt,

sollte man die Fragen noch einmal stellen.

Zugeben, dass man lieber umkehren will, ist

keine Schande. Von einem Helikopter aus

einem Klettersteig geholt zu werden, weil die

Psyche nicht mehr mitspielt, hingegen schon.«

Reiner Taglinger, Jahrgang 69, ist Leiter der

Mammut Alpine School, Vorstand Ausbildung

des deutschen Bergführerverbandes und

Profi bergführer seit mehr als 20 Jahren.

Klettersteig-Set keine Sicherungsausrüstung,

die Unfälle ausschließt, sondern eine Notfallausrüstung.«

Vergleichbar vielleicht mit einem

Airbag im Auto, »der die Verletzungen

reduziert, aber nicht dafür sorgen kann, dass

man unversehrt davon kommt«. Was in diesem

Fall aber nichts mit Toyota zu tun hat. ◀

Ein Tag,

der bleibt.

Mit dem

Bayern-Ticket

für nur 22 Euro

und 4 Euro

je Mitfahrer.

Vier Typen, ein Ziel

Das Prinzip der Klettersteig-Sets ist immer das

Gleiche: Zwei Seil- oder Bandschlingenarme lassen

sich per Karabiner in ein Sicherungsdrahtseil

einklinken. Am anderen Ende befi ndet sich eine

Einbindeschlaufe zum Fixieren am Klettergurt,

dazwischen liegt ein Fangstoßdämpfer zum Absorbieren

der Fallenergie. Unterschiede gibt es

allerdings in den Details, die über Sicherheit und

Bedienungskomfort entscheiden. Eine Sonderform

sind die neuen Modelle mit Rücklaufsperre

dank einer Seilklemme an einem zusätzlichen

dritten Arm.

Die Y-Form

Wie bei der V-Form wird die Fallenergie mit Hilfe einer

Reibungsbremse reduziert. Da beide Karabiner ins Drahtseil

eingehängt werden, sind die Sicherheitsreserven

größer. Weiterhin üblich.

Bandfalldämpfer

Im Falle eines Sturzes wird der

Bremsweg durch Aufreißen eines

verwobenen oder vernähten

Bandmaterials verlängert.

Derzeit vorherrschend.

Ticket gilt auch in:

Weitere Informationen,

Ausflugstipps und Kauf

unter bahn.de/bayern

Die V-Form

Da nur ein Karabiner eingehängt wird,

sollte dieses veraltete System wegen mangelnder

Redundanz nicht mehr verwendet

werden. Weg damit!

Rücklaufsperre

Drahtsteilklemmen reduzieren

die Fallhöhe und damit den

Sturzfaktor an besonders

heiklen Stellen.

Mit persönlicher Beratung für 2 Euro mehr.

Erhältlich für bis zu 5 Personen.

Die Bahn macht mobil.


Glaubt man den Herstellern,

ist so gut wie jedes Produkt

grandios. Doch stimmt das

wirklich? Die Redaktion

schildert ihre Eindrücke.

Schöffel Weste

Soft Shell Lite Vest L

▶ Das sagt der Hersteller:

Funktionelle Soft-Shell-Weste

für Damen aus wasserabweisendem

Windstopper-Active-

Shell-Material. Hochschließender

Kragen mit weichem

Innenbeleg und Kinnschutz.

Dank Zipperverlängerungen

lassen sich die Reißverschlüsse

einfach bedienen.

Gewicht: 225g

Größen: 34–46 Farbe: schwarz

Preis: 99,95 € Info: www.schoeffel.com

▶ Das sagen wir: Endlich mal ein Kleidungsstück

mit hochwertigem Reißverschluss! Auch sonst ist

man mit der Weste gut bedient: Sie ist ausgesprochen

atmungsaktiv sowie windabweisend

und zwar genau an der Körperpartie, an der es

darauf ankommt.

Atmungsaktivität ■■■■■

Packmaß ■■■■■

Preis/Leistung ■■■■■

Leki Trekkingstock

Micro Stick

Fotos: Hersteller, Andreas Strauß

Hanwag Bergschuh

Ferrata II GTX

▶ Das sagt der Hersteller: Der Dauerbrenner unter

den Klettersteigstiefeln, jetzt mit Wishbone System

für festeren Fersenhalt. Sehr leicht und vielseitig

einsetzbar. Die Vibram-Climbing-Sohle hat eine

extra Versteifungseinlage und bietet so Trittkontrolle

und Sicherheit auf jedem Untergrund.

Gewicht: 750 g (Gr. 7,5) Größen: 6–13

(Männer), 3,5–9 (Frauen) Preis: 239,95 €

Info: www.hanwag.de

▶ Das sagen wir: Besonders im felsigen Gelände

spielt der Ferrata seine Stärken aus und bietet

Trittsicherheit und optimalen Seitenhalt. Da der

Schuh so bequem sitzt, kann man ihn aber auch

bei einfacheren Wanderungen tragen.

Passform/Sitz

Kälteschutz

Preis/Leistung

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Adidas Primaloft-Jacke

Terrex Women

▶ Das sagt der Hersteller:

PrimaLoft®-Sport-Fasern (60g/qm) garantieren

selbst bei Nässe noch beste Isolationswerte und

trocknen schnell. Praktisch: kleines Packmaß und

geringes Gewicht.

Farbe: grün-türkis; pink-orange

Preis: 179,95 € Gewicht: 450 g

Info: www.adidas.com

▶ Das sagen wir: Leichte Jacke, die man beim

Tragen kaum merkt und platzsparend im Rucksack

verstauen kann. Das Primaloft-Material hält schön

warm und der langgeschnittene Rücken sorgt

dafür, dass die Jacke nicht hochrutscht. Auffällige

Farbvarianten – übersehen wird man nicht!

Isolation

Tragekomfort

Preis/Leistung

■■■■

■■■■

■■■■

▶ Das sagt der Hersteller:

Faltstock mit minimalem Packmaß. Einfaches

Handling dank Speed Lock, das durch die

Spanntechnik für hohe Stabilität sorgt. Der Aergon

Griff bietet durch seine große ergonomische

Stützfl äche sowie der kantenfreien Außenform,

Sicherheit und variable Greifmöglichkeiten.

Gewicht: 566 g/Paar

Längen: 110, 115, 120,125,130 cm

Packmaß: 39 cm Preis: 99,95 €

Info: www.leki.de

▶ Das sagen wir: Der Stock lässt sich in kürzester

Zeit zusammen- und auseinanderbauen. Die Höhe

ist nicht verstellbar, das heißt aber auch, dass

man sie nicht jedes Mal aufs Neue einstellen

muss, was wiederum Zeit spart. Die Stöcke sind

perfekt für Kletterpassagen, weil sie sich komplett

im Rucksack verstauen lassen.

Verstaubarkeit

Bedienung

Preis/Leistung

■■■■■

■■■■

■■■■■■■

106 Bergsteiger 06⁄13


huettentrekking.de

Einfach losgehen!

Foto: Andreas Strauß

Perfekt ausgearbeitete Hüttentrekkingtouren kostenlos für Sie!

Einfach Faltblätter anfordern oder downloaden und loswandern!

Alpenvereinsmitglieder übernachten erheblich günstiger.

Mehr Infos:

Tel. 089/55 17 00-0

089/29 07 09-725

DAVplus.de


MARKT

▶ REISEVERANSTALTER ▶ WANDERHOTELS ▶ TOURENZIELE ▶ AUSRÜSTUNG ▶ ONLINEPORTALE ▶ SONSTIGES

REISE, TREKKING, ABENTEUER

Bergsport

Bekleidung

Trekkingschuhe

Rucksäcke

Schlafsäcke

GPS-Navigation

u.v.m.

www.schoeffel.com

Foto: Lowa

Jetzt kostenlos anfordern!

DER NEUE

KATALOG

2013/14

Tel.: 0711-70 96700 - www.woick.de

STUTTGART - FILDERSTADT - ULM - METZINGEN

Lesen Sie noch oder

sammeln Sie schon?

vaude.com

Nepal-Indien-Tibet-Bhutan

HIMALAYA.DE

Trekking gut & günstig 089/60060000

Schöne Fewo im Herzen

der Dolomiten

Halbe oder ganze Woche zu

vermieten, idealer Ausgangspunkt

für Wanderer und Bergsteiger!

Infos unter www.villasella.com



Ihr Ansprechpartner

für Anzeigen:

Frau Angelika Genat

(089) 13 06 99-550

angelika.genat@verlagshaus.de

Bergwandern Piemont

Gutes Essen · Kleine Gruppen

Natur pur im wilden Sesiatal

w w w . r i m e l l a . d e

Foto: Andreas Strauß

Diese hochwertige Acryl-Sammelkassette

hilft Ihnen, Ihre BERGSTEIGER-Ausgaben

zu ordnen. In jede Kassette

passt ein kompletter Jahrgang.

Bestellen

Sie jetzt !

1 Acryl-Kassette

Best.-Nr. 75000

€ 18,95

5 Acryl-Kassetten zum

günstigen Sonderpreis

Best.-Nr. 75001

€ 79,95

» www.bergsteiger.de

» Telefon 0180-532 16 17

(14 Cent/Minute von 8–18 h)

Leserservice

108 Bergsteiger 06 ⁄13


Bergsteiger-Fachhandel

▶ BERGSTEIGER-FACHHANDEL Bei diesen Händlern erhalten Sie jeden Monat Bergsteiger

BERGZEIT OUTDOOR CENTER | Am Eisweiher 2 | 83703 Gmund

BERGZEIT ALPIN | Tölzer Str. 131 | 83607 Holzkirchen

info@sport-stephan.de - Tel: 09074 - 922 04 05

www.sport-stephan.de

SPORT STEPHAN.DE

Bergsport | Trekking | Ski und Snowboard | Outdoor

DER NAVIGATOR

Ausrüstung für Abenteuer & Reise Zwickau

Spiegelstr.16 · 0375-4600454 · www.der-navigator.com

Onlineshop

▶ BERGSTEIGER-BERGSCHULEN Bei diesen Bergschulen erhalten Sie jeden Monat die aktuelle Bergsteiger-Ausgabe

Kletter- & Bergschule

info@KletterSucht.de

www.klettersucht.de

▶ AUCH IN FOLGENDEN FACHGESCHÄFTEN ERHALTEN SIE BERGSTEIGER!

Postleitzahlgebiet 0

Der Gipfelgrat

Postleitzahlgebiet 3

Herkules Outdoor

Postleitzahlgebiet 6

Backpacker Store

Könneritzstraße 33 Handels GmbH/ Kurfürsten-Anlage 62

01067 Dresden Kletterkogel

69115 Heidelberg

Garde du Corps Str. 1

Outdoor Company/ 34117 Kassel

Aus rüstung für Draußen

Postleitzahlgebiet 7

Leipziger Straße 48

09113 Chemnitz

Postleitzahlgebiet 4

Trekking & Bike

Kollektiv-Sports

Leuschnerstraße 14

Mehrprofi GmbH Alte Bahnhofstraße 70174 Stuttgart

F.-O.-Schimmel-

130–132

44892 Bochum Tramper-Haus OHG

Straße 2

Kaiserstraße 52

09120 Chemnitz Albatros

Hindenburgstraße 57

72764 Reutlingen

Postleitzahlengebiet 1 45127 Essen Fred Mack e.K.

PEAK

Postleitzahlgebiet 5

–Dein Ausrüster–

Reiseausrüstung

Happenbacher

Outdoor Paradise

Wilhelminenhofstraße

88

Straße 90

Bürgermeister-

Neff-Platz 2

74199 Untergruppenbach

12459 Berlin

55411 Bingen

Postleitzahlengebiet 2 Grimm`s Outdoor Magic Mount Sport

Grete-Schiekedanz-

Nordwind & Wetterfest

GmbH

Straße 14

Rosenberg 22

Untere Laube 16

55545 Bad Kreuznach-

24220 Flintbek

78462 Konstanz

Planig

Angeln & Mehr GmbH

Langebrückstraße 20

24340 Eckernförde

Feinbier unterwegs

Sandstraße 22

57072 Siegen

Eiselin Sport

Basler Straße 126

79540 Lörrach

Postleitzahlgebiet 8

Kletter- und Hochtourenecke

GmbH

Wörther Straße 1

82380 Peißenberg

Hapfelmeier GmbH

Krumpper Straße 12

82362 Weilheim

Montagne

Sport & Laufen

Salinplatz/Bahnhofstraße

9

83022 Rosenheim

Endorfer Sporthaus

Wasserburger Straße 1

83093 Bad Endorf

Intersport Kaiser GmbH

Am Mühlbach 6

83209 Prien

am Chiemsee

Sporthaus im Achental

Eichelreuth 7

83224 Grassau

Ski & Sport Treff

Kardinal-Faulhaber-

Platz 4

83313 Siegsdorf

Riap Sport – Sporthaus

Forstamt Straße 6 b

83435 Bad Reichenhall

Ranger Travel

Münchner Straße 6

83512 Wasserburg

Bergsporthütte

Augsburg

Pfl adergasse 1

86150 Augsburg

Alpinsportzentrale

Landsberg GbR

Vorderer Anger 239

86899 Landsberg

Schuh–Sport–

Schindele

Marktplatz 4

87671 Ronsberg

Sport Jakob

OHG

Scherrichmühlweg 10

88239 Wangen

Storer Handels

GmbH

Karlsstraße 28

89129 Langenau

Postleitzahlgebiet 9

Der Ausrüster

GmbH

Ludwigstraße 7

93086 Wörth/Donau

Bergsport und Outdoor

Zangl Dorfplatz 3

94089 Neureichenau

Der Ausrüster

Oberer-Thor-Platz 10

94315 Straubing

Intersport

Strohhammer

Straubinger Straße 21

94405 Landau

Bergauf

Bürgerstraße 1

95028 Hof

Der Skandinavier

Kanonenweg 50a

96450 Coburg

Schweiz

Norbert Joos Bergsport

Kasernenstrasse 90

CH 7000 Chur

06 ⁄13 Bergsteiger 109


AUF TOUR

Duell auf

Augenhöhe

Auch beim Abstieg von

der Hohen Geige ist

absolute Trittsicherheit

erforderlich.

110 Bergsteiger 06 ⁄13


Bei Touren über

dem Pitztal hat man

die überaus erfreuliche

Qual der Wahl

zwischen zwei

attraktiven Gebirgskämmen.

Vor der Besteigung der markanten

Verpeilspitze …

… übernachtet man auf der einladenden

Kaunergrathütte.

Im Pitztal treten Kaunergrat und Geigenkamm

mit großartigen Touren fast wie in der Champions

League gegeneinander an. Mal sehen, wie das

Ranking bei Zwischenständen und Endstand

ausfällt. Von Michael Pröttel (Text) und

Bernd Ritschel (Fotos)

Links oder rechts? Keine leichte

Entscheidung, wenn fast alle Parteien

zur anstehenden Bundestagswahl

immer mehr in die Mitte

rücken. Und auch in den Alpen

ist es manchmal gar nicht so leicht, diese

Richtungsfrage zu beantworten. Wer beispielsweise

seinen Bergurlaub im wunderschönen

Pitztal verbringt, hat die (in diesem

Falle sehr erfreuliche) Qual der Wahl zwischen

zwei Gebirgskämmen, die mit tollen

Aussichtsbergen, urigen Hütten und beeindruckenden

3000er-Touren auf unternehmungslustige

Bergsteiger warten.

Um eine kleine Entscheidungshilfe in die

Ötztaler Alpen mit zu geben, haben wir

das Vergleichsspiel verfolgt, wer links und

rechts der sprudelnden Pitze in den entscheidenden

Kategorien die Nase vorn hat.

Um sich auf das großartige Tal und seine

überragende Gletscherwelt einzustimmen,

stellt sich zunächst die Frage nach dem

besten Aussichtspunkt: Steile Anstiege machen

sowohl am Gahwinden als auch am

Rappenkopf auf den ersten Metern klar,

dass man sich nicht in den Voralpen befindet.

In Sachen Gipfelhöhe hebt sich der der

Hohen Geige vorgelagerte Panorama-Punkt

(Gahwinden) vom Aussichtsbalkon am Kaunergrat

(Rappenkopf) zwar um satte 300 Höhenmeter

ab, letzterer hat dafür im oberen

Teil eine nette Rundtour und vor allem ein

viel eigenständigeres Gipfel-Feeling zu bieten

als der große Bruder vis-à-vis – was uns

zum ersten Zwischenstand führt:

[Kaunergrat – GEIGENKAMM 1:0]

Hat man sich nach der Eingehtour akklimatisiert,

wird’s natürlich höchste Zeit für

den ersten Dreitausender. Schon der Blick

auf die Karte zeigt: Hohe Geige und Verpeilspitze

bieten sich dafür besonders gut an.

Von Gesamtgehzeit, Höhendifferenz und

sogar vom Breitengrad her machen die beiden

Hochtouren oberhalb von Plangeross

so gut wie keinen Unterschied. Allerdings

kann man am Idealanstieg zur Hohen Geige

den Gahwinden ohne Umweg mitnehmen.

Zudem bietet der Westkamm grandioses

Ansteigen über wie Schleifpapier raue

Granitblöcke, gefolgt von einem sowohl

schwindelerregenden als auch perfekt abgesicherten

Grat.

Demgegenüber überzeugt die Verpeilspitze

mit einem tollen Südanstieg, der abso-

Wanderer über Plangeross; rechts hinten der Puitkogel, ein einsamer, wilder 3000er


Dank der hoch gelegenen Kaunergrathütte

als Stützpunkt ist

bei der Besteigung der Verpeilspitze

nur eine geringe Höhendifferenz

zu meistern.

Start an der Kaunergrathütte

[Kaunergrat – GEIGENKAMM 1:1]

Mit einer echt urigen Gaststube,

einem hervorragenden

Tiroler Tris (bestehend aus

Spinat-, Käse- und Pilzknödel)

und »Hütten-Biergarten«

mit Nachmittagssonne legt die

südlich der Hohen Geige gelegene

Rüsselsheimer Hütte in

der Kategorie »Beste Berghütte«

die Messlatte ziemlich hoch.

Für die auf der anderen Talseite

thronende Kaunergrathütte

spricht wiederum, dass sie mit

stolzen 2817 Metern zu den

höchsten Hütten der Ötztaler

Alpen gehört und das Manko an Spätnachmittagssonne

mit einem gut abgesicherten

Klettergarten (Schwierigkeiten von II+ bis

VII-) ausgleicht. Vor allem aber wird die

Kaunergrathütte von einer einzigartigen

Frau bewirtet: Als die Pitztaler Familie Dolute

Sicherheit im zweiten Schwierigkeitsgrad

und Orientierungssinn verlangt. Von

daher ist es eher Geschmackssache, ob man

eine eher alpine Unternehmung oder einen

Drahtseil-gesicherten »Plaisir-Dreitausender«

in Angriff nimmt.

Vielleicht auch als Tribut an

den Zeitgeist, vor allem aber

wegen der Möglichkeit, die Hohe

Geige als Rundtour anzugehen,

geht der zweite Punkt an

die linke Seite des Pitztals:

Die Rüsselsheimer

Hütte südlich der

Hohen Geige legt die

Messlatte in der

Kategorie »Beste

Berghütte« ziemlich

hoch.

bler die Hütte 2012 übernehmen wollte,

erkrankte die Mutter und der Vater musste

mit ihr im Tal bleiben. Obwohl die Hütte

nicht einmal über eine Materialseilbahn

verfügt (was die Bewirtschaftung bekannterweise

um ein Vielfaches umständlicher

macht) zögerte die 22-jährige Tochter Julia

keine Minute, für die Eltern einzuspringen,

und war prompt die jüngste Hüttenwirtin

Österreichs. Dafür, dass er den dritten

Punkt einfährt, darf sich der Kaunergrat also

nicht zuletzt bei Julia Dobler bedanken.

Aktueller Zwischenstand:

112 Bergsteiger 06 ⁄13


Von Plangeross in zwei Stunden erreichbar: die Rüsselsheimer

Hütte (ehemals Chemnitzer Hütte)

Der Lussbach bildet auf einem Plateau kurz unter der Kaunergrathütte

ein richtiges Schwemmland.

[Kaunergrat – GEIGENKAMM 2:1]

Bezüglich der Größe sticht übrigens keiner

der beiden Brüder den anderen aus.

Gesamtlängen von jeweils knapp 28 Kilometern

machen sowohl den Kaunergrat,

als auch den Geigenkamm zur optimalen

Spielwiese für alle, denen der Sinn mehr

nach ausgedehnten Überschreitungen als

nach steilen Gipfelanstiegen steht.

In der abschließenden Kategorie »Bester

Höhenweg« stehen sich zwei Kandidaten

gegenüber, die unterschiedlicher nicht

sein könnten. Nach einem sportlichen

Anstieg zum Riffelsee bietet der an der

Sonnenseite des Kaunergrats gelegene

Fuldaer Höhenweg Wandergenuss at its

best. So gut wie kein Anstieg trübt die

elf Panorama-Kilometer vom Riffelsee

hinüber zum Taschachhaus. Je näher

man dem wild zerrissenen Taschachferner

kommt, desto beeindruckender wird

die Tour.

Zehn Stunden Gehzeit, 2000 Höhenmeter

(inkl. Hüttenzustieg), Klettersteigeinlagen

und Gletscherquerungen – demgegenüber

stellt der, den Großteil des Geigenkamms

überschreitende Mainzer Hö-

Den Schuhen eine Pause gönnen

Unsere Special: Panoramagipfel Wanderwoche 10.06.-14.06.2013: 7 Nächte ab € 679,00 pro Person

Hotel Schwarzenstein · Luttach im Ahrntal · T +39 0474 674100 · www.schwarzenstein.com

Ein besonderes Aktiv- & Wellnessrefugium:

Traumhafte Lage inmitten der Ahrntaler Berge · Stilvolles wohnen und luxuriöser Genuss

Alpine SPA & Beauty auf über 2.000 m 2 · Unvergleichlich gut: das aktive Wochenprogramm


Die Watzespitze im

Hintergrund ist der

Hausberg der Kaunergrathütte.

TOUREN

Die schönsten Touren im Pitztal

1 Rappenkopf (2320 m)

▶ mittel 4 Std.

960 Hm +6 J.

Charakter/Schwierigkeit: Mittelschwere

Bergwanderung, die auch

für größere Kinder geeignet ist; großartige

Tiefblicke ins Pitztal. Im oberen

Teil auch als Rundtour möglich

Ausgangspunkt: St. Leonhard/

Scheibe (1380 m)

Route: St. Leonhard – Arzler Alm –

Rappenkopf – Arzler Alm –

St. Leonhard

2 Gahwinden (2648 m)

▶ mittel 5 Std.

1050 Hm +7 J.

Charakter/Schwierigkeit: Zunächst

steiler Hüttenzustieg, dann angenehm

ansteigende Querung zu einzigartigem

Aussichtspunkt. Sehr nette

Einkehrmöglichkeit

Ausgangspunkt: Hüttenparkplatz

kurz vor Plangeross (1600 m)

Route: Hüttenparkplatz – Rüsselsheimer

Hütte – Gahwinden – Rüsselsheimer

Hütte – Hüttenparkplatz

möglich, da mit Bohrhaken

ausgestattet

Ausgangspunkt: Hüttenparkplatz

kurz vor Plangeross (1600 m)

Route: Hüttenparkplatz – Kaunergrathütte

– Verpeilspitze – Kaunergrathütte

– Hüttenparkplatz

4 Hohe Geige (3393 m)

▶ schwierig 9½ Std.

1800 Hm +14 J.

Stützpunkt: Rüsselsheimer Hütte

(2323 m)

Charakter/Schwierigkeit: Tolle Grattour

mit gewaltigen Tiefblicken ins

Pitztal und eindrucksvollen Fernblicken

auf die Wildspitze. Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit erforderlich.

Im Zweifelsfall kann man für den

obersten, drahtseilgesicherten

Abschnitt ein Klettersteigset mitnehmen.

Ausgangspunkt: Hüttenparkplatz

kurz vor Plangeross (1600 m)

Route: Hüttenparkplatz – Rüsselsheimer

Hütte – Gahwinden –

Hohe Geige – Rüsselsheimer Hütte –

Hüttenparkplatz

Tourenkarte 12

Heftmitte

3 Verpeilspitze (3423 m)

▶ mittel 2 Tage

1830 Hm +14 J.

henweg die in Stein gemeißelte Antithese

zum Fuldaer Höhenweg dar.

Da aber auch der Mainzer Höhenweg ins

Tourenbuch eines jeden ambitionierten

Bergsteigers gehört, fällt die Entscheidung

zur letzten Punktvergabe alles andere als

schwer. Der Endstand lautet also:

[Kaunergrat – GEIGENKAMM 2:2]

Dieses (zugegeben nicht ganz zufällige) Remis

bringt uns zum Fazit: Ein Mal ist kein

Mal! Wer die Pitztaler Bergwelt wirklich

kennen lernen möchte, muss mindestens

ein zweites Mal hierher kommen und

beide Kämme unter die Sohlen nehmen.

Und dazu werden wir demnächst das Taschachhaus

und im nächsten Jahr Fuldaer

und Mainzer Höhenweg – wie es ihnen

gebührt –gesondert vorstellen.


Stützpunkt: Kaunergrathütte

(2817 m)

Charakter/Schwierigkeit: Großartige

Hochtour, die sicheres Klettern im

oberen zweiten Schwierigkeitsgrad erfordert.

Im Zweifelsfalle auch mit Seil

Vor dem Hängegletscher der Watzespitze

114 Bergsteiger 06 ⁄13


12x grüßt BERGSTEIGER

Die neue Fotoedition exklusiv und gratis nur für Abonnenten!

2013 erhalten Sie als Abonnent von

BERGSTEIGER mit jeder Ausgabe ein

Exemplar der BERGSTEIGER-

Fotoedition.

Die Postkarten – mit Motiven von

dem renommierten Bergfotografen

Bernd Ritschel – sind aus hochwertigem

Chromokarton, 12 x 17 cm

groß und erscheinen in limitierter

Auflage.

In 7/2013

Foto: Andreas Strauß

Noch kein Abo? Dann gleich bestellen unter www.bergsteiger.de/abo


PORTRÄT

Adam Ondra klettert

»La Planta de Shiva«,

eine 9b in Spaniens

Süden.

Auf die ganz

harte Tour

Adam Ondra hat eine neue Dimension

des Sportkletterns eröffnet. Der

BERGSTEIGER war vor kurzem bei

einer seiner erstaunlichen Erstbegehungen

dabei. Von Annika Müller

Fotos: Bernardo Gimenez, Peter O'DonavanEs ist einer jener magischen Momente,

wie sie am Kletterfelsen

derzeit nur Adam Ondra erzeugen

kann. Die Sonne taucht den Kalkfelsen

im nordspanischen Oliana

bereits in ein geheimnisvolles Goldgelb.

Das Dutzend anderer Kletterer am Sektor

»Contrafort de Rumbau« – darunter viele

Profis – steigt aus den eigenen Routen ab

und gruppiert sich am Boden. Ondra aber

wartet. Still fixiert er die Route, die ihm in

den vergangenen Monaten zur Obsession

geworden ist: »La dura dura«, 45 Meter lang,

eingerichtet von Chris Sharma, bewertet

116 Bergsteiger 06⁄13


UNSERE BESTEN

Adam Ondra

Jeder Muskel des

sehnigen Körpers ist

gespannt, als sich der

»Zauberlehrling« über

die ersten Meter von

»La dura dura« hangelt.

Den Schwebezustand

nach

einer gelungenen

Erstbegehung

kennt dieser Mann

nur zu gut.

mit 9b+, eine der schwersten Sportkletterrouten

der Welt. Erst als der tiefe Schatten

sich über die ganze Länge der Wand geschoben

hat, zieht er die engen Kletterschuhe

an und streift trotz der winterlichen Kälte

das T-Shirt ab. »Wenn ich so nahe an meinem

persönlichen Limit klettere, sind Feinheiten

wie die Temperaturen ausschlaggebend«,

hat er vorher erklärt.

Wüsste man es nicht besser, so glaubt man

kaum, dass der 20-jährige Tscheche – 1,82

Meter groß, 58 Kilo schwer und mit der Statur

eines Heranwachsenden – beim Sportklettern

am Fels Größen wie Chris Sharma

und Dani Andrada hinter sich gelassen hat.

Wer den jungen Tschechen in seiner bislang

schwersten Route »The Change« (9b+)

im norwegischen Flatanger gesehen hat,

der wird sich an fließende, tänzerische Bewegungen

erinnern mit denen er sich den

Spitznamen »Zauberlehrling« verdiente.

In »La dura dura«, deren Namen man mit

»die ganz Harte« übersetzen könnte, ist von

dieser Leichtigkeit nichts zu spüren (siehe

Kasten »Ondras Meisterstücke«). Es ist ein

Nahkampf, in dem es ums Ganze geht. Jeder

Muskel seines sehnigen Körpers ist gespannt,

als er sich nun über die ersten

06⁄13 Bergsteiger 117


Die Route »La dura dura«

ist Kletter-Nahkampf pur.

Meter hangelt. Der Körper zittert, die Adern

treten hervor, die Unterarmmuskeln scheinen

zu bersten. Jede Bewegung wird von

einem Schrei begleitet. Für Ondra ist das

wichtig: »So lasse ich die Spannung ab.«

Unter Anfeuerungsrufen geht er die

schwerste Stelle an, hält sich mit maximal

aufgespannten Armen an winzigen rauen

Stellen. Die Beine baumeln scheinbar

endlos lange in der Luft, werden zurück an

die Wand geführt, und aus derselben Bewegung

heraus schnellt der ganze Körper

einen Meter nach oben, bis zum nächsten

kaum erkennbaren Griff. Durch die Reihen

der Zuschauer geht ein Aufatmen. Dann

stürzt Ondra völlig unerwartet, gepaart mit

einem markerschütternden Aufschrei, der

in ein wildes, tierartiges Gejaule übergeht.

Ondras Eltern, die auf seinen wichtigen

Reisen immer dabei sind und ihn im Wechsel

sichern, tauschen vielsagende Blicke:

»Schon wieder« steht darin geschrieben.

Ondra verbirgt das Gesicht in den Händen,

legt sich schwer atmend in eine Felsnische.

Für heute hat sich’s ausgezaubert.

Schon eineinhalb Jahre beschäftigt Ondra

»La dura dura«, hier muss sich der erfolgsverwöhnte

junge Mann erstmals ernsthaft

mit der Möglichkeit des Scheiterns auseinander

setzten. Meist war er in den Wochen

zuvor erst am späten Nachmittag, wenn

sich der Schatten über den Sektor in OIiana

schob, zu der Südostwand hinauf gestiegen.

»Es hakt nur noch an winzigen Kleinigkeiten«,

sagt Ondra. »Doch mit jedem Tag, den

ich es nicht schaffe, schwindet meine Gesamtkraft.«

»Dass er nicht aufgibt, zeugt von seiner besonderen

Willensstärke«, sagt einer, der es

wissen muss: Der US-Amerikaner Sharma,

jahreslang das Maß der Dinge im Sportklettern,

hat mit Ondra gemeinsam an der Route

gearbeitet und weiß in diesem Moment

ZUR PERSON

Ondras Lehrproben

Adam Ondra wurde am 5. Februar 1993 in

Brünn in Tschechien geboren und begann im

Alter von sechs Jahren mit dem Klettersport.

Bereits als 13-Jähriger beging er eine Route

im Schwierigkeitsgrad 9a, was dem glatten XI.

Grad nach UIAA-Skala entspricht. Nur ein Jahr

später gewann er die European Youth Series

und wurde Kletter-Weltmeister der B-Jugend.

Im Alter von fünfzehn Jahren hatte Ondra drei

9a+-Routen sowie zehn 9a-Routen begangen,

darunter die legendäre »Action Directe« im

deutschen Frankenjura und »La Rambla« in

Siurana, Spanien. 2009 erreichte er bei der

noch nicht, dass er wie auch Ondra die

Route bald schaffen wird. Ondra betont, er

wäre ohne den Ideen-Austausch mit Chris

Sharma nie so weit gekommen. Alleine an

einem Projekt zu arbeiten, mache blind

für naheliegende Lösungsansätze. »Man

übersieht sogar Fingerlöcher und Tritte.«

Ondra, den man noch vor wenigen Jahren

wortkarg und schüchtern erlebte, tritt nun

sicher auf, blickt dem Gegenüber offen ins

Gesicht. Sein Spanisch ist fließend, sein

Englisch mit amerikanischem Einschlag

Familienbande:

Adam Ondra mit

seinen Eltern

Weltmeisterschaft in

China den zweiten

Platz der Erwachsenenklasse

und gewann

den Gesamtweltcup.

2010 gelang ihm mit drei Einzelsiegen

auch der Weltcupsieg im Bouldern. Am Fels

defi nierte er fortan mit der Begehung schwerster

Sportkletterrouten zwischen 9a und 9b die

Grenze seines Sports. So gelang ihm 2009

beispielsweise auch die erste Wiederholung

der 1992 von Alexander Huber begangenen

Route »Om« (9a).

118 Bergsteiger 06⁄13


Auch im Umgang

mit den

Medien ist Ondra

inzwischen

Profi.

Und dann nimmt er

Zug um Zug, Tritt für

Tritt, Meter für Meter

der Route ihren Schrecken.

Und nur einen

Tag später macht der

Tscheche ähnlich hart

weiter.

Ondra führt das Sportklettern noch in ganz …

Fotos: Manuel Ferrigato, MIchael Meisl (2), Annika Müller (2)

nahezu perfekt. Er unterstreicht die Worte

mit ruhigen, kontrollierten Gesten seiner

kräftigen, schwieligen Hände. Er und Sharma

stünden auf keinen Fall in Konkurrenz

zueinander. »Wir haben vor allem viel Spaß

miteinander.«

Schrauben statt springen

Dabei stehen die beiden für zwei völlig unterschiedliche

Stile. Auch in »La dura dura«

schraubt sich Ondra oft vorsichtig hinauf,

wo sich der kräftigere Chris Sharma mit einem

Sprung behilft. »Adam hat das Potential,

das Klettern auf eine ganz neue Ebene

zu heben«, sagt Sharma, und sieht Ondra

bereits in der Rolle, einen Schwierigkeitsgrad

von 9c (12+) zu eröffnen. »Wir sollten

deutlich größere Abstände zwischen den

Schwierigkeitsgraden einhalten«, mahnt

hingegen Ondra, und sein Wort zählt in der

Kletterszene. Keiner widersprach, als der

damals 18-Jährige die vieldiskutierte Route

»Chilam Balam« in Andalusien auf 9a+/9b

abwertete.

Inzwischen erschließt sich Ondra ambitionierte

Projekte auch selbst. »Ich fahre einfach

los, und wenn ich einen tollen Felsen

sehe, schnappe ich die Bohrmaschine.« In

den Augen blitzt die Abenteuerlust. Diese

Freiheit ist für den Schulabgänger eine

ganz neue Erfahrung. »Die Schule ließ mir

kaum Gelegenheit für das zeitaufwändige

Routenbohren.« Nachdem Ondra 2007

erstmals die European Youth Series und

die Jugend-Weltmeisterschaft gewonnen

hatte, war sein Jahr von Wettkampfkalender

und Klassenarbeiten bestimmt. Unter

der Woche wurde in der Halle trainiert,

an den Wochenenden machte sich die Familie

auf den Weg, um den begabten Sohn

in Kontakt mit möglichst vielen Klettergebieten

zu bringen. Man schlief im Auto

oder legte sich mit dem Schlafsack direkt

an den Felsen. Auch an jenen Wochen in

Oliana wohnt die kleine Familie mit dem

inzwischen erwachsenen Sohn und dessen

bestem Freund im spartanischen Klein-Bus.

Bei all dem vordergründigen Gauklerleben

hat Ondra ziemlich genaue Vorstellungen

von der nahen Zukunft: In diesem Jahr will

er auf seine Höchstleistung im Sportklettern

hinarbeiten, 2014 wieder den Wettkämpfen

widmen und dafür intensives Hallentraining

absolvieren. Und dann ist da ja

noch die Universität, an der er von September

an Sport studieren wird.

Am 7. Februar 2013 steht er jedoch wieder

unter der »ganz Harten«, entschlossen und

gelassen zugleich. Und dann nimmt er Zug

für Zug, Tritt für Tritt, Meter für Meter der

Route ihren Schrecken. Ein Schrei der Erleichterung

besiegelt die Erstbegehung von

»La dura dura«. Wieder am Boden angekommen,

ist Ondra noch ganz benommen von

dem Gefühlscocktail, den er mit »reines

ZUR PERSON

Ondras Meisterstücke

Die 9b+ der französischen

Skala entspricht etwa der

XII- der UIAA-Skala, wobei die

unterschiedlichen Schwierigkeitsskalen

beim Felsklettern

schwer vergleichbar sind.

Mit der Begehung von »The

Change« im norwegischen

Flatanger am 4. Oktober 2012

und »La dura dura« im spanischen

Oliana am 7. Februar

2013, hat Ondra – zumindest

nach derzeitiger Bewertung

– diesen Schwierigkeitsgrad

eröffnet. «La dura dura« sei

im Vergleich zu »The Change«

nicht unbedingt schwieriger,

erklärt Ondra. »Sie ist nur für

mich persönlich härter, da sie

für meine Körpergröße, meine

Bewegungsmuster nicht ideal

ist.« Die Granit-Route in Norwegen

entspräche hingegen

genau seinem Stil. »Man muss

extrem fl exibel sein und äußert

seltsame Bewegungsabfolgen

vollführen. Ich kann mir keinen

anderen Kletterer vorstellen,

der ›The Change‹ so gehen

könnte, wie ich«, sagt er. Ihm

sei es wie ein Wunder erschienen,

dass die erste Route, die

er im Ausland in tagelanger

Arbeit selbst eingebohrt hatte,

… andere Dimensionen als Alex Huber (r.).

Glück, Erschöpfung und Erleichterung«

umschreibt. Nun wolle er erst einmal entspannen

und einfachere Routen klettern.

Was dies bedeutet? Am nächsten Tag klettert

er eine 9b-Route, zwei Tage später

versucht er sich an Onsight-Begehungen

mehrerer 9a-Routen im spanischen Cuenca

und noch ein paar Tage später kursiert

ein Video, in dem Ondra sein neues Projekt

im andalusischen Jaen vorstellt. Möglicher

Schwierigkeitsgrad: 9b+. Was will man von

einem »Zauberlehrling« auch anderes erwarten.


genau seinen Bedürfnissen

entsprach: hart genug, um

vielleicht die schwerste Route

der Welt zu sein und gleichzeitig

noch innerhalb seiner

Möglichkeiten, wobei er sein

komplettes Repertoire aus 15

Kletter- und Lehrjahren anwenden

konnte. »La dura dura«

hingegen entspräche eher

einem gradlinigen, dynamischen

Stil. Dass die Bewertung

dieser Routen von einem

Wiederholer herabgestuft wird,

ist eher unwahrscheinlich:

Adam Ondra gilt diesbezüglich

als sehr streng.

06⁄13 Bergsteiger 119


LESERBRIEFE/IMPRESSUM

GRASSLS TIPPS

Toni Grassl ist staatlich geprüfter

Berg- und Skiführer

und Inhaber der Eventagentur

grassl-eps. Exklusiv für

den BERGSTEIGER gibt er

Tipps rund ums Bergsteigen.

In dieser Ausgabe geht es um

die richtige Vorbereitung auf

24-Stunden-Wanderungen.

»24 Stunden Wanderungen

liegen voll im Trend. Auch in

Berchtesgaden bieten wir in

diesem Jahr alleine drei Touren

mit unterschiedlichen

Schwierigkeitsgraden an.

Kondition aufbauen:

Man fängt mit leichten Touren

an und steigert kontinuierlich

Länge und Höhenmeter.

Zur guten Vorbereitung

gehören auch Teilstrecken in

der Nacht mit Stirnlampe

und bei jedem Wetter.

BERGSTEIGER

Mai 2013

Keine Hülle, dafür viele Tipps

Grüß Gott,

heute ist mir euer Heft aufgefallen,

und die 50 Tourentipps + 12

Tourenkarten + Schutzhülle,

haben mich gereizt. Vor allem

Letzteres erschien mir als sehr

sinnvoll. Also kaufte ich mir das

Heft und musste dann feststellen,

dass die Schutzhülle wohl

jemand anderem auch so sehr

zusagte, dass er sie aus dem Heft

Schuhwerk:

Gut eingelaufene Wanderschuhe

(mindestens knöchelhoch)

sollten es sein. Um

Blasen zu vermeiden, keine

Baumwollsocken tragen,

denn die saugen sich mit Flüssigkeit

voll und trocknen nur

sehr schwer. Funktionssocken

sorgen für ein angenehmeres

Tragegefühl. Ins Gepäck gehören

Wechselsocken und Ersatz-Einlegesohlen,

falls die

Füße schmerzen oder die

Schuhe nass geworden sind.

Tempo:

Auf keinen Fall zu schnell und

pausenlos gehen, denn wenn

man einmal keine Kraft mehr

hat, wird es schwierig, mehrere

Stunden weiter zu wandern.

Am wichtigsten sind

aber der Wille und das Durchhaltevermögen,

denn ohne

den geht es nicht 24 Stunden.

Taktik:

Legen Sie sich Zeitfenster zurecht,

die maximal 2 bis 2½

Stunden dauern sollen. Nach

dieser Zeit machen Sie eine

Pause! Damit halten Sie die

Tour kurzweilig, bei gut organisierten

Veranstaltungen

sind die Streckenabschnitte

meist in diesem Zeitfensters.«

genommen hat. Leider bin ich

jetzt ohne Schutzhülle, aber dafür

mit 50 Tourentipps und den

12 Tourenkarten!

Ich hab hier ein super Heft in

der Hand und bin begeistert!

Vor allem weil ich feststellen

musste, dass ich an der Stelle

auf eurem Cover auch schon

stand, mit der Frau, die ich morgen

heiraten werde!

Liebe Grüße, Peter Schmeller

Hinweis d. Red.: Uns haben mehrere

Rückmeldung erreicht wegen einer

fehlenden Tourenhülle. In den meisten

Fällen stellte sich aber heraus,

dass sie sehr wohl da ist, nur zu gut

versteckt: Die durchsichtige Hülle

klebt über dem Editorial.

BERGSTEIGER

April 2013

Weniger Gipfelbesteiger

Betrifft: Mount Everest

Liebe Redaktion!

Im Heft 4/2013 sind Ihnen zwei

zu korrigierende Fehler unterlaufen.

1. Editorial: Kurt Diemberger hat

den Everest nachweislich mit

Flaschensauerstoff bestiegen.

2. Mount Madness: Es waren

nicht »rund 6000 Bergsteiger«

auf dem Everest. Nach dem neuesten

Stand gab es zwar 6203

Gesamtbesteigungen, von denen

aber 2482 Wiederholungen

waren und somit 3721 verschiedene

Bergsteiger auf dem Gipfel

standen (Stand: 15.04.2013).

Mit freundlichen Grüßen

Eberhard Jurgalski, per Mail

BERGSTEIGER

alle Ausgaben

Keine Tour für Hunde

Hallo, ich bin sehr begeistert von

Ihrer Zeitschrift. Sie inspiriert

immer wieder aufs neue. Die Abwechslung

von Tourenbeschreibungen,

Equipmenttests usw.

machen sie zu einer universellen

Fachzeitschrift. Allerdings ist

meiner Freundin aufgefallen,

dass ein wichtiges Thema fehlt:

Touren mit Hunden.

Es ist wahrlich nicht einfach,

mit Hund z. B. eine Wochenendtour

zu machen, da viele

Hütten keine Hunde möchten.

Ich würde mit dieser E-Mail gerne

eine Anregung schaffen, eine

weitere besondere Lesergruppe

in Ihren Leserkreis

einzuladen.

Peter Walther, per Mail

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.

06/13 | 80. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

Postfach 40 02 09, 80702 München

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.658

Fax +49 (0) 89.13 06 99.690

bergsteiger@bruckmann.de

Chefredakteur Michael Ruhland

Redaktion Beate Dreher, Petra Gössl-Kubin,

Dominik Prantl, Bettina Willmes

Assistenz Beate Dreher

Layout Tanja Beyerle, Susanne Bukvic

Kartographie Christian Rolle

Illustrationen Max Baitinger, Moritz Reischl

Aboservice/Leserservice

BERGSTEIGER-Aboservice, Postfach 1280,

82197 Gilching, DEUTSCHLAND

Tel. 01 80-5 32 16 17*

Fax 01 80-5 32 16 20*

(* 14 Cent pro Minute)

leserservice@bruckmann.de

Anzeigenleitung

Helmut Kramer, Tel. +49 (0) 89.13 06 99.270,

helmut.kramer@verlagshaus.de

Anzeigenverkauf

Peter Schachtl (Bergsport),

Tel. +49 (0) 80 64.90 59 75,

medienservice@schachtl.de

Tourismus-Marketing

Angelika Genat, Tel. +49 (0) 89.13 06 99.550

angelika.genat@verlagshaus.de

Anzeigendisposition

Johanna Eppert, Tel. +49 (0) 89.13 06 99.130

johanna.eppert@verlagshaus.de

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 49 vom

1. Januar 2013, www.verlagshaus-media.de

Repro ludwig:media, Zell am See

Druck Stürtz, Würzburg

Verlag Bruckmann Verlag GmbH,

Infanteriestraße 11a, 80797 München

www.bruckmann.de

Geschäftsführer Clemens Schüssler,

Carsten Leininger

Herstellungsleitung: Sandra Kho

Vertrieb Zeitschriften Dr. Regine Hahn

Vertrieb/Auslieferung

Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriftenhandel

MZV, Unterschleißheim

Preise Einzelheft ¤ 5,90 (D), ¤ 6,50 (A),

sfr 9,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Versandkosten;

Jahresabonnement (12 Hefte) ¤ 63,72

(D) inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Für Studenten mit Bescheinigung ¤ 49,56

inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten

ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

monatlich. Erhältlich in Deutschland, Österreich

und in der Schweiz im Bahnhofsbuchhandel,

an gut sortierten Zeitschriftenkiosken, im

Fachhandel sowie direkt beim Verlag.

© 2013 by Bruckmann Verlag GmbH

Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge

und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt. Durch Annahme eines Manuskripts

erwirbt der Verlag das ausschließliche Recht

zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingesandte

Fotos und Manuskripte wird keine Haftung

übernommen. Gerichtstand ist München.

100%-Gesellschafterin der Bruckmann Verlag

GmbH ist die GeraNova Bruckmann Verlagshaus

GmbH. Geschäftsführender Gesellschafter:

Clemens Schüssler

Verantwort lich für den redak tionellen Inhalt

Michael Ruhland, Infanteriestraße 11a,

80797 München.

Verantwort lich für Anzeigen

Helmut Kramer, Infanteriestraße

11a, 80797 München

120 Bergsteiger 06 ⁄13


VORSCHAU

Jetzt schon aufs

Weiterlesen freuen!

Das Bergsteiger-Abo mit

bis zu 32% Preisvorteil und

Geschenk-Prämie!

Tel. 01 80/5 32 16 16

www.bergsteiger.de/

abo.html

Die sieben Riesen

Es müssen ja nicht gleich die globalen

»Seven Summits« sein: Wir porträtieren für

Sie die höchsten Berge der sieben Alpenstaaten

(im Bild: Großglockner bei Vollmond)

und zeigen Ihnen, wie Sie am besten hochkommen.

Ein Special für Gipfelsammler.

AUF TOUR

IM INTERVIEW

SERVICE

Abzippbare Hosen

Gerade bei Mehrtagetouren

oder im Frühjahr, wenn es

morgens noch kühl ist, sind

abzippbare Hosen sehr praktisch.

Wir stellen Ihnen

zwölf aktuelle Modelle vor.

Im Rhythmus der Natur

Quinten am Walensee direkt unter den

Südwänden der Churfisten ist nur per

Schiff oder zu Fuß erreichbar. Für die Bewohner

mühsam, für Wanderer ein Idyll

&

REPORTAGE

Freundschaft in der Todeszone

Die Extrembergsteiger Simone Moro, Italien,

und Denis Urubko, Kasachstan, sind

inzwischen wie Brüder. Ein Gespräch

über Teamgeist und echte Freundschaft

Wie ökologisch und sozial sind Outdoorhersteller?

HÜTTENPORTRÄT Idealer Stützpunkt – die Langkofelhütte

ALPINISMUS 75 Jahre Erstbesteigung Eiger-Nordwand

Der nächste Bergsteiger ist vom 12. Juni an am Kiosk erhältlich.

Schrauben, Pickel, Eisen

Auf dem Gletscher dreht sich für den

Bergsteiger letztlich alles um eines:

Halt finden. In der Serie »Stille Helfer«

haben wir uns drei wichtige Hilfsmittel

gegen das Abrutschen in Eis und

Schnee etwas

genauer angesehen:

Eisschraube,

Eispickel und

Steigeisen.

Fotos: Hersteller, HT-NPR/G. Mussnig

COMIC

EI-EI-EI!

MASSN-ANSTURM

ZUR HOCHSAISONG!

SCHAU NUR

WIESE FAUL IN-

NER SONNE

BRATN!

ALS GÄB‘S

AM BERG

NIX WICH-

TIGES ZU

TUN!

ZUM BEISPIEL DIE WIESL-

BEKÄMPFUNG FORSIERN...

PFADE

SICHERN...

UND DIE BAUM-

STÄNDE ZÄHLN!

ABER DIE DA FLETZN

UNTERM GIPFLKREUZ UND

GENIESSN DIE AUSSICHT!

STIMMT, BUCHNER!

FAST SO, ALS HÄTTMAS

SCHON WOANDERS

GESEHN.

FRAG MICH

NUR WO!

DA KOMMA NOCH

DRAUF, KOLLEGE...

UNFASSBAR!

DOCH IRGENWIE AUCH

VERTRAUT...

122 Bergsteiger 06 ⁄13


EXPEDITION: PERFECTION VALLEY

ATHLETE TESTED. EXPEDITION PROVEN.


BAFFIN ISLAND

FOTO: RIKY FELDERER

Anti Matter Jacket

Ultraleichtes,

klein packbares Shell

Infiesto Full Zip

Meteor Pant

Verto Micro Hoodie

+ + + =

Minimalistischer

Full Zip Fleece

Leichte, robuste

Kletterhose

Federleichte

Daunenjacke

Gesamtgewicht

Verto Climb

Collection

319 g

379 g

454 g

245 g

1397 g

Less weight. More pitches.

Auf Baffi n Island, Kanada, haben die The North Face ® Athleten Hansjörg Auer, Iker und Eneko Pou unter

extremen Bedingungen vier neue Big Wall Routen eröffnet. Mit der Verto Climb Collection nutzten sie dabei ein

Bekleidungs-Kit, bei dem das Gewicht auf ein Minimum reduziert ist, ohne Kompromisse bei Strapazierfähigkeit

und Schutz einzugehen. Der extrem leichte Verto Micro Hoodie bietet Iker Pou volle Bewegungsfreiheit bei

anspruchsvollen Kletterpassagen und schützt dank 800er Premium Daunenfüllung vor eisigen Winden.

Erfahre mehr über die Kollektion & Expedition

thenorthface.com


FOTO: FRODE SANDBECH

Welcome to nature

Unsere /29 Kollektion ist auf norrona.com/29 oder bei einem Händler in Deiner Nähe erhältlich:

Finde ihn auf norrona.com/stores. Mehr Infos und News gibt es auf facebook.com/norrona.

www.norrona.com

Weitere Magazine dieses Users