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STRASSENBAHN MAGAZIN M-/N-Wagen von Düwag (Vorschau)

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3/2013 | März € 8,50<br />

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Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift<br />

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M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

<strong>von</strong> <strong>Düwag</strong><br />

Aktuelle Einsätze<br />

Ausmusterungen<br />

Zukunft<br />

Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

Augsburg, Bochum/Gelsenkirchen,<br />

Bielefeld, Dortmund, Essen, Heidelberg,<br />

Kassel, Krefeld, Mainz, Mülheim, Nürnberg<br />

Kassel und Darmstadt in den<br />

80ern: Zweiachs-Plandienst!<br />

Auf den Spuren Karlsruhes:<br />

Das »Chemnitzer Modell«<br />

Probleme in Graz: Ausbau<br />

der Straßenbahn in Gefahr!


Exklusiv und gratis<br />

nur für Abonnenten –<br />

die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«<br />

2013 erhalten Sie als Abonnent <strong>von</strong> <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition<br />

»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –<br />

zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken<br />

– sind aus hochwertigem Chromokarton,<br />

12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.<br />

In<br />

4/2013<br />

Sie sind noch nicht Abonnent?<br />

Dann bestellen Sie am besten heute noch Ihr Vorteilspaket unter:<br />

www.strassenbahn-magazin.de/abo Telefon 0180-532 16 17 *<br />

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* (14 ct/min.)


Einsteigen, bitte …<br />

Alles Facebook, oder was?<br />

Stimmen Sie ab!<br />

Sollten Verkehrsbetriebe für Terminankündigungen oder Einladungen<br />

zu Präsentationen ausschließlich „Facebook“ nutzen?<br />

• Ja, coole Aktion. Das ist eine gute Möglichkeit, um speziell auch<br />

Jugendliche für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern<br />

• Nein, denn damit geht so etwas an mir völlig vorbei. Betriebe sollten<br />

so etwas zusätzlich auch in Print- und Funkmedien kommunizieren<br />

• Nein. Ich lehne virtuelle soziale Netzwerke wie „Facebook“ persönlich<br />

ab und habe keinerlei Verständnis für solche Aktionen<br />

Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />

Bei den Stadtwerken Bonn (SWB) werden in<br />

den nächsten Jahren 25 zwischen 1974 und<br />

1977 gebaute <strong>Düwag</strong>-Stadtbahnwagen vom<br />

Typ B100S einem aufwändigen Umbau unterzogen.<br />

Dabei werden die Innenausstattung,<br />

Elektrik sowie Antrieb modernisiert<br />

und auf den aktuellen Stand der Technik<br />

gebracht. Weitere 35 Fahrzeuge der Baujahre<br />

1983 bis 1993 sollen in einer zweiten<br />

Phase ebenfalls erneuert werden.<br />

Als Prototypen stellte das Unternehmen<br />

im Herbst 2012 zunächst die <strong>Wagen</strong> 7456<br />

und 7459 fertig. Die nunmehr als Typ B80C<br />

geführten Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit<br />

<strong>von</strong> 80 km/h und sind mit<br />

einer Choppersteuerung ausgerüstet. Den<br />

Umbau lassen sich die SWB rund 1,2 Mio.<br />

Euro pro <strong>Wagen</strong> kosten. Doch damit liegt<br />

das Unternehmen deutlich unter den Preisen<br />

industriell gefertigter Neuwagen. Ein Stadtbahnwagen<br />

koste derzeit ab Werk weit mehr<br />

als das Doppelte, argumentieren die SWB,<br />

die mit der Investition gleichzeitig einheimische<br />

Unternehmen stärken. Immerhin werden<br />

die öffentlichen Mittel auf diese Weise<br />

sehr effizient eingesetzt und hochqualifizierte<br />

Handwerksarbeitsplätze in der Region gesichert<br />

bzw. neu geschaffen.<br />

Doch auch bei der Vermarktung der umgebauten<br />

<strong>Wagen</strong> gingen die SWB Ende 2012<br />

neue Wege: Nach einer offiziellen Vorstellung<br />

der beiden Fahrzeuge am 15. Dezember fand<br />

tags darauf eine ungewöhnlich organisierte<br />

Premierenfahrt statt. Zu dieser wurde ausschließlich<br />

per „Facebook“ eingeladen. Doch<br />

nicht nur das – die Nutzer dieses virtuellen<br />

sozialen Netzwerks legten auch die Fahrtroute<br />

im Vorfeld per Mausklick fest!<br />

Nach einem kleinen Rahmenprogramm<br />

startete die Fangemeinde also am dritten<br />

Adventssonntag 2012 mit etwa 100 Teilnehmern<br />

im Tw 7456 vom Bertha-<strong>von</strong>-Suttner-<br />

Platz zur Fahrt auf der Linie 66 Richtung<br />

Bad Honnef. Die SWB waren nach eigenen<br />

Angaben <strong>von</strong> der Begeisterung der Teilnehmer<br />

selbst überrascht. Sie bezeichnen die<br />

„Inbesitznahme der neuen Stadtbahnwagen“<br />

als vollen Erfolg. Nahverkehrsfreunde, die<br />

in „Facebook“ nicht vertreten sind, fühlten<br />

sich hingegen etwas hilflos. An mehreren<br />

<strong>von</strong> ihnen ging die Veranstaltung schlichtweg<br />

vorbei, anderen blieb die Fahrtroute<br />

unbekannt, wieder andere<br />

stellten sich „aus Prinzip“ nicht<br />

an die Strecke. Es entbrannten<br />

Diskussionen, ob eine Premierenfahrt<br />

wirklich ausschließlich<br />

auf so „neumodische Weise“<br />

organisiert werden solle. Und<br />

wie sehen Sie das, liebe Leser?<br />

Der Bonner Tw 7459<br />

gehört zu den beiden<br />

Prototypen der grundlegend<br />

überarbeiteten<br />

SWB-<strong>Wagen</strong> vom<br />

Typ B100S (jetzt Typ<br />

B80C). Am 16. Dezember<br />

2012 wurde mit<br />

ihm eine Premierenfahrt<br />

veranstaltet,<br />

zu der ausschließlich<br />

über das virtuelle<br />

soziale Netzwerk<br />

„Facebook“ eingeladen<br />

wurde<br />

SWB<br />

André<br />

Marks<br />

Verantwortlicher<br />

Redakteur<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

3


Inhalt<br />

Inhalt<br />

TITEL<br />

Aktuelle Einsätze der M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />

Betriebe<br />

Per Straßenbahn in den Hauptbahnhof . . . 16<br />

Das »Chemnitzer Modell« – Das bis 1988 auf 1.435 mm umgespurte<br />

Chemnitzer Netz hat im Süden der Stadt seit 2002 Anschluss<br />

an die Eisenbahn nach Stollberg. Seit 15. Februar 2013 ist nun<br />

auch der Chemnitzer Hauptbahnhof direkt in das Straßenbahn-Netz<br />

integriert – und es gibt weitere Pläne!<br />

Oldie-Revival an der Isar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25<br />

München: Aufgearbeitete P-/p-Züge im Liniendienst – Fahrplanverdichtungen<br />

trotz nicht verlässlich und freizügig einsetzbarer<br />

Variobahnen – das bescherte fünf Kurzgelenkzügen noch einmal<br />

eine neue Hauptuntersuchung. Die Ende der 1960er-Jahre gebauten<br />

Fahrzeuge kommen planmäßig auf den Linie 17 und 27 zum Einsatz<br />

RUBRIKEN<br />

»Einsteigen, bitte ...«. . . . . 3<br />

Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />

Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

Nächster Halt. . . . . . . . . . . 31<br />

Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 62<br />

Fundstück des Monats . . . . 73<br />

»Forum«, Impressum . . . . . 78<br />

<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />

»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />

Das besondere Bild . . . . . . 83<br />

Vorbei am Schokoladenmuseum ... . . . . . . . . 26<br />

Halles Kulturlinie 7 im Porträt – Drei Linien verbinden die große<br />

Endstelle Kröllwitz mit dem Hauptbahnhof der Saalestadt. Die Linie 7<br />

braucht am längsten für diese Strecke, doch sie bietet dafür den schöns -<br />

ten Weg. Seit 2010 vermarktet die HAVAG ihre »7« als Kulturlinie<br />

Trambefürworter aus Überzeugung . . . . . . . 32<br />

Kluge Entscheidungen für Karlsruhe und Bremen – Am 20. Dezember<br />

2012 verstarb Georg Drechsler – bis 1996 stellvertretender<br />

Betriebsleiter der Karlsruher Verkehrsbetriebe, bis 2010 Vorstandsvorsitzender<br />

der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Als »Diplomat und<br />

Kämpfer« prägte er beide Gesellschaften<br />

Große Ziele, wenig Geld. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />

Aktuelle Zukunftspläne aus<br />

Graz – In der steiermärkischen Landeshauptstadt<br />

stehen zahlreiche<br />

Ausbauprojekte an. Anfang des Jahres<br />

verkündete die Stadtregierung<br />

aber einen Sparkurs und brachte damit<br />

den geplanten Netzausbau ins<br />

Wanken. Doch ein Bedarf daran besteht<br />

mehr denn je …<br />

4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 3<br />

Mit der Linie 5 durch Halle an der Saale 26<br />

Ein Tatra-Großzug trifft im Sommer 1981 als Einsatzkurs für den<br />

Berufsverkehr auf der Hallenser Linie 5 in Schkopau ein W. WALPER<br />

Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />

Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />

Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />

historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />

Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />

und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />

Das Ende der U-Bahn-Pläne in Ludwigshafen 68<br />

Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />

erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition sofort und<br />

spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />

Fahrzeuge<br />

Über dem Zenit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />

M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland – Mit dem fortschreitenden<br />

Ausscheiden der letzten <strong>Düwag</strong>-Einheitswagen aus dem Plandienst<br />

rückt die nächste Generation zunehmend in den Fokus der Straßenbahnfreunde.<br />

Doch auch für die in den 70er- und 80er-Jahren gebauten<br />

hochflurigen Stadtbahnwagen vom Typ N stehen die Zeichen<br />

zumeist schon auf Abschied. Und der Typ M fährt nur noch in Kassel<br />

Konstal-Klassiker auf dem Abstellgleis . . . . 56<br />

Ende <strong>von</strong> Polens 13N-<strong>Wagen</strong> – In Polens Hauptstadt standen die<br />

Vierachser vom Typ 13N in der Silvesternacht 2012 letztmalig im Planeinsatz.<br />

Am 5. Januar 2013 erfolgte ihre offizielle Verabschiedung –<br />

das Ende eines Kapitels, das 1959 in Warschau mit starken Geburtswehen<br />

begann …<br />

Geschichte<br />

Zweiachser im Liniendienst. . . . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />

Mit Tram-Raritäten in den 1980er-Jahren durch Kassel und<br />

Darmstadt – Es heute kaum vorstellbar: In den meisten westdeutschen<br />

Tramstädten gehörten Zweiachs-Triebwagen zu Beginn der<br />

1980er-Jahre längst allenfalls noch zur Museumsflotte. Doch im<br />

planmäßigen tagtäglichen Einsatz?<br />

»Skandal <strong>von</strong> bundesweitem Ausmaß«. . . 68<br />

Vor 40 Jahren in Ludwigshafen als »undurchführbar« abgehakt<br />

– Der Plan zur Abschaffung der Straßenbahn zugunsten einer<br />

Stadtschnellbahn konnte Mannheim nicht überzeugen. Nur drei Jahre<br />

nach dem Ludwigshafener Grundsatzbeschluss vom September 1971<br />

war daher die „totale Stadtbahn“ (s. SM 9/2012) am Ende<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />

Im Zeichen des 3-D-Drucks . . . . . . . . . . . 74<br />

Altbekannte Herstellungsverfahren werden durch neue<br />

Methoden verdrängt - auch bei Kleinanbietern <strong>von</strong> Trammodellen.<br />

Report <strong>von</strong> der Nürnberger Spielwarenmesse, Teil 1<br />

Titelmotiv<br />

Die rot-weißen M6-Tw 311,<br />

342 und 354 der Bogestra<br />

im Bochumer Betriebshof<br />

Engelsburg<br />

C. HETTCHE<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

5


Bild des Monats<br />

6<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Bild des Monats<br />

Bild des Monats<br />

Durch Nürnberg rollen seit 1881 Straßenbahnen, elektrisch bewegen sich diese seit 1896. Trotz<br />

zahlreicher Stilllegungen zugunsten der U-Bahn wurde der <strong>Wagen</strong>park umfassend modernisiert.<br />

Prägend für die Altstadt ist die Stadtmauer mit ihren großen Türmen, überragt <strong>von</strong> der gewal tigen<br />

Burg. Ein wunderschönes Panorama bietet sich am Spittlertorgraben. Diese Szene mit dem GT8N-<br />

<strong>Wagen</strong> Nr. 1117 auf der Linie 6 hielt Bernhard Kußmagk am 24. Oktober 2011 im Bild fest.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

7


Meldungen aus Deutschland,<br />

aus der Industrie und aus aller Welt<br />

Die am weitesten vom Dresdner Stadtzentrum entfernte Straßenbahn-Endstelle der DVB, Weinböhla, ist nach<br />

siebenmonatiger Unterbrechung wieder erreichbar<br />

R. GLEMBOTZKY<br />

ONLINE-UMFRAGE<br />

»Kurzläufer«: Spezielle<br />

Liniennummer erwünscht<br />

Im letzten Heft haben wir auf Seite 3<br />

gefragt: Welche Liniennummern sollten<br />

„Kurzläufer“ haben, die nicht bis zur<br />

regulären Endstelle einer Stammlinie<br />

fahren? Die (knappe) absolute Mehrheit<br />

der Umfragteilnehmer, nämlich 51,4 Prozent,<br />

plädierte dafür, Kurzläufern eigene<br />

Liniennummern zu geben, auch wenn<br />

diese Linien dann nur selten oder zeitweise<br />

fahren, so wie es z.B. bei Münchens<br />

neuer Linie 22 der Fall ist.<br />

42,7 Prozent der Votierenden halten<br />

diese Variante dagegen nicht für sinnvoll,<br />

sondern favorisieren die Lösung mit der<br />

um ein „E“ ergänzten oder durchgestrichenen<br />

Stammliniennummer für „Kurzläufer“<br />

– natürlich inklusive der Fahrtzielangabe<br />

des tatsächlichen Endpunkt<br />

des Kurses. Die bloße Stammliniennummer<br />

in Kombination mit der Endpunktangabe<br />

des tatsächlichen Ziel des Kurses,<br />

so wie es z.B. in Köln seit der Liniennetzbereininigung<br />

im Jahr 2007 praktiziert<br />

wird, halten lediglich 5,7 Prozent der<br />

Umfragteilnehmer für sinnvoll. SM<br />

Dresden: Linie 4 und Schwebebahn fit für die Zukunft, Kürzungen im Fahrplan<br />

Frischekur für Überland- und Schwebebahn<br />

Wenn die<br />

Schwebebahn<br />

im Frühjahr<br />

wieder fährt,<br />

wird <strong>Wagen</strong> 2<br />

seine rote<br />

Jubiläums -<br />

lackierung <strong>von</strong><br />

2011 verloren<br />

haben<br />

C. MUCH<br />

Dem Abschluss eines wichtigen Sanierungsprojektes,<br />

der Modernisierung<br />

der Straßenbahnlinie 4 im Bereich<br />

Radebeul, folgt bei den Dresdner<br />

Verkehrsbetrieben (DVB) mit der Erneuerung<br />

der Schwebebahn direkt das<br />

nächste Projekt. Gleichzeitig wurden<br />

die Fahrpläne etlicher Straßenbahnlinien<br />

moderat gekürzt<br />

Weihnachtsgeschenk für<br />

Weinböhla<br />

Noch kurz vor Weihnachten, am<br />

20. Dezember, konnten die DVB nach<br />

mehrmonatigen Bauarbeiten die Straßenbahnlinie<br />

4 nach Weinböhla wieder<br />

in Betrieb nehmen. Zuvor musste<br />

Dresdens längste Straßenbahnlinie in<br />

Radebeul im Bereich Zillerstraße über<br />

ein temporäres Gleisdreieck wenden.<br />

Begonnen hatte die Streckensperrung<br />

bereits am 7. Mai 2012, um in Radebeul<br />

die Meißner Straße zwischen Borstraße<br />

und Gradsteg grundhaft zu sanieren.<br />

Dabei konnten insgesamt auch<br />

ca. 850 m Straßenbahngleis, wenn<br />

auch ohne eigenen Bahnkörper, erneuert<br />

werden. Die beiden Haltestellen<br />

Gradsteg und Borstraße wurden barrierefrei<br />

ausgebaut, wozu die Straßenbahngleise<br />

an den Fahrbahnrand verschwenkt<br />

werden mussten.<br />

Ursprünglich war das Bauende bereits<br />

für Ende November geplant.<br />

8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Deutschland<br />

Nur noch für einzelne Fahrten am Tag kommen die Bahnen der Linie 6 auf die großzügig angelegte Strecke in das<br />

zu DDR-Zeiten entstandene Neubaugebiet Dresden-Gorbitz<br />

P. KRAMMER<br />

Schwierigkeiten im Bauablauf führten<br />

aber zu etlichen Verzögerungen. Nur<br />

durch eine Vollsperrung konnte die<br />

Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs<br />

vor Weihnachten sichergestellt<br />

werden. Für die dadurch notwendigen<br />

Fahrweg- und Fahrzeitenwechsel der<br />

Ersatzbusse sowie für die schwierige<br />

Verkehrssituation insgesamt entschuldigten<br />

sich die DVB bei den Fahrgästen.<br />

Als Aufmerksamkeit erhielten die<br />

Betroffenen Gratis-Tickets zur Nutzung<br />

der wiedereröffneten Linie 4. Im<br />

weiteren Streckenverlauf nach Weinböhla<br />

wurden zudem mehrere Instandhaltungsmaßnahmen<br />

vorgenommen<br />

und Gleisbrüche durch vorangegangene<br />

Winter beseitigt. Die frühere<br />

Ausweichmöglichkeit an der Eisenbahnbrücke<br />

wurde dagegen auf ein<br />

Gleis zurückgebaut.<br />

Bus statt Schwebebahn<br />

Vom 2. Januar bis zum 28. März ist die<br />

Dresdner Schwebebahn außer Betrieb.<br />

Zum einen muss eine komplette Hauptuntersuchung<br />

an den <strong>Wagen</strong> durchgeführt<br />

werden. Gleichzeitig werden auch<br />

beide <strong>Wagen</strong> vollständig neu lackiert.<br />

Damit verliert auch der <strong>Wagen</strong> 2 seine<br />

rote Jubiläumslackierung aus dem Jahr<br />

2011. Zum anderen müssen das Zahnradvorgelege<br />

mit Antriebswelle sowie<br />

das 104-jährige Großrad für die Kraftübertragung<br />

ausgetauscht werden.<br />

Auch werden die Steuerung sowie der<br />

Bedienstand in der Talstation erneuert.<br />

Da die Buslinie 84 zwischen Tal- und<br />

Bergstation der Schwebebahn fährt,<br />

muss kein Schienenersatzverkehr eingerichtet<br />

werden. Die Dresdner Schwebebahn<br />

verbindet auf ihrer 274 m langen<br />

Strecke die Stadtteile Loschwitz<br />

und Oberloschwitz und überwindet dabei<br />

84 Höhenmeter. Als Einschienenhängebahn<br />

ist sie bezüglich der Spurführung<br />

zwar verwandt mit der Wuppertaler<br />

Schwebebahn, allerdings<br />

werden die <strong>Wagen</strong> in Dresden nach<br />

dem „Prinzip Standseilbahn“ <strong>von</strong> einem<br />

Seil gezogen bzw. herabgelassen.<br />

Straßenbahnfahrpläne<br />

»optimiert«<br />

Darüber hinaus haben die Dresdner<br />

Verkehrsbetriebe moderate Kürzungen<br />

im Bus- und Straßenbahnbereich vollzogen.<br />

Nachdem die Bedienung der<br />

Strecke nach Gorbitz durch die Linie 6<br />

im Jahr 2003 bereits auf den Berufs -<br />

verkehr beschränkt wurde, wendet diese<br />

Linie seit dem 3. September 2012<br />

(einzelne Fahrten ausgenommen)<br />

ganztags schon in Wölfnitz. Damit folgt<br />

die DVB dem ostdeutschen Trend, das<br />

Fahrplanangebot in den großen, am<br />

Stadtrand gelegenen Plattenbausiedlungen<br />

Schritt für Schritt zurückzufahren.<br />

Denn vom Einwohnerrückgang<br />

sind diese Stadtteile ganz besonders<br />

betroffen, womit einst üppig bemessene<br />

Angebote mit mehreren Linien im<br />

Zehn-Minuten-Takt nicht mehr gerechtfertigt<br />

erscheinen. In Gorbitz verbleiben<br />

aber weiterhin die Linien 2 und 7, womit<br />

diese Außenstrecke im städtischen<br />

Vergleich immer noch ein sehr dichtes<br />

Fahrplanangebot hat. Gleichzeitig wurde<br />

der abendliche Betriebsschluss der<br />

Linie 10 (Striesen – Messe) um eine<br />

Stunde vorverlegt.<br />

Am 3. Januar folgten die nächsten<br />

Kürzungen, die sich nun aber auf viele<br />

Linien verteilen. Auf den Straßenbahnlinien<br />

1, 6, 7, 8, 9 und 10 entfielen einzelne<br />

schwach nachgefragte Früh- und<br />

Spätfahrten. Auch traf es abermals die<br />

Linie 10, die seitdem sonntags erst gegen<br />

8 statt bisher gegen 6 Uhr in den<br />

Betrieb startet. Um sinkende Zuschüsse<br />

für die Busbeschaffung und Schülerbeförderung<br />

auszugleichen, könnten<br />

künftig weitere derartige Angebotskürzungen<br />

folgen.<br />

ROG/PKR<br />

Frankfurt am Main<br />

Neubaupläne für<br />

Museum vorgestellt<br />

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt<br />

(VGF) will die Westhalle ihres Verkehrsmuseums<br />

durch einen Neubau<br />

ersetzen. Der Entwurf des Architekturbüros<br />

Karl Dudler sieht eine Halle aus<br />

sechs gestuften und bis zu zwölf Meter<br />

hohen Bauriegeln vor. Die Staffelung<br />

in mehrere Bauriegel ermöglicht eine<br />

bessere Ausnutzung des Baugrundes,<br />

der <strong>von</strong> einer Straßenbahnwendeschleife<br />

umgeben ist. Damit die Verbindung<br />

vom alten Empfangsgebäude<br />

der Endstation Schwanheim zum Museumseingang<br />

nicht durch den Stra-<br />

Frankfurt am Main: Bis Ende 2014 soll das Verkehrsmuseum an der Endstation<br />

Schwanheim Rheinlandstraße teilweise durch einen modernen<br />

Neubau ersetzt werden<br />

VGF/KARL DUDLER<br />

Darmstadt<br />

Mit der Linie 8 (Arheilgen<br />

Dreieichweg – Alsbach Am Hinkelstein)<br />

können Fahrgäste eine<br />

geführte Stadtrundfahrt per<br />

Straßenbahn machen. Dazu lassen<br />

sich Hörbeiträge, die jederzeit<br />

gestoppt und fortgesetzt<br />

werden können, aufs Handy laden.<br />

Die Funktionsweise ähnelt<br />

den aus Museen bekannten Audio-Guides.<br />

Die Linie 8 ist bereits<br />

die zweite Linie, für die dieser<br />

Service eingeführt wurde, denn<br />

auch für die Linie 3 (Darmstadt<br />

Hbf – Lichtenbergschule) lässt<br />

sich entsprechendes Audio-Material<br />

unter www.darmstadtmarketing.de<br />

herunterladen. JÖS<br />

Hamburg<br />

Nachdem die Bürgerschaft<br />

die Mittel zum Bau der 1,1 km<br />

langen U4-Verlängerung zur<br />

Elbbrücke bewilligt hat, laufen<br />

derzeit die Detailplanungen. Die<br />

neue Strecke wird ab der Station<br />

HafenCity Universität in östlicher<br />

Richtung verlaufen, um<br />

dann in einen 90°-Bogen direkt<br />

an die Norderelbe zu stoßen.<br />

Dort endet sie dann auf der Viadukt-Haltestelle<br />

Elbbrücke. Die<br />

Haltestelle wird so angelegt,<br />

dass eine Fortführung der Strecke<br />

über die Elbe nach Wilhelmsburg<br />

möglich ist. Perspektivisch<br />

wird hier mit 16.000 Fahrgästen<br />

am Tag gerechnet.<br />

JEP<br />

Karlsruhe<br />

Die neuen Flexity Swift-Zweisystemwagen<br />

der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />

(AVG) konnten<br />

bislang noch nicht im Fahrgastverkehr<br />

eingesetzt werden.<br />

Die Zulassung durch den TÜV<br />

Süd ist noch nicht erfolgt. Unter<br />

anderem würde der Aufenthalt<br />

an Haltestellen bei den derzei -<br />

tigen Türeinstellungen zu lange<br />

dauern, so dass der Fahrplan<br />

nicht gehalten werden könnte.<br />

Nach aktuellem Stand sollen die<br />

ersten der 30 neuen <strong>von</strong> Bombardier<br />

gefertigten Fahrzeuge<br />

noch im ersten Quartal 2013 im<br />

Fahrgastverkehr eingesetzt werden.<br />

PKR<br />

rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

9


Aktuell<br />

Stillstand wegen Blitzeis: In Frankfurt am Main schafften es am 20. Januar viele Straßenbahnen wegen vereister<br />

Oberleitungen nicht mehr ins Depot<br />

S. KYRIELEIS<br />

Südwestdeutschland<br />

Blitzeis legte Straßenbahnnetze lahm<br />

Eine ungewöhnliche Wettersituation<br />

brachte am Sonntag, 20. Januar,<br />

den Betrieb einiger Straßenbahnnetze<br />

zum Erliegen. Es regnete, während<br />

in Bodennähe weiterhin der Frost das<br />

Sagen hatte. Im gesamten Rhein-Neckar-Raum,<br />

in Darmstadt und Frankfurt<br />

ging deshalb seit Sonntagnachmittag<br />

auf den Gleisen nichts mehr.<br />

Wegen der glatten Straßen war auch<br />

ein Ersatzverkehr durch Busse nur in<br />

sehr begrenztem Umfang möglich.<br />

Teilweise umhüllte eine mehrere<br />

ßenbahnverkehr unterbrochen wird,<br />

soll auch die Straßenbahnstation umgebaut<br />

werden. Nach Fertigstellung<br />

der Baumaßnahme, die für das Jahresende<br />

2014 vorgesehen ist, machen die<br />

Züge der Linie 12 bereits vor Erreichen<br />

des Bahnhofsgebäudes an einer barrierefrei<br />

ausgebauten Haltestelle Kopf.<br />

Die bestehende Wendeschleife soll<br />

aber für Sonderverkehre mit historischen<br />

Zügen beibehalten werden. Die<br />

VGF entschied sich für einen Neubau,<br />

Zentimeter starke Eisschicht die Fahrleitungen,<br />

so dass die Einsatzkräfte der<br />

Verkehrsunternehmen mit Gasbrennern<br />

und Hämmern zu Werke gehen<br />

mussten. Wo es noch irgendwie ging,<br />

wurden ältere Fahrzeuge, die gegenüber<br />

Spannungsabfällen weniger empfindlich<br />

reagieren, eingesetzt, um das<br />

Eis <strong>von</strong> den Leitungen zu kratzen und<br />

Neu-Vereisungen zu vermeiden. Während<br />

im Bereich Rhein-Neckar am<br />

Montagnachmittag Normalisierung<br />

einsetzte, kehrte in Darmstadt erst zur<br />

da das Tragwerk der 1905 für die mit<br />

Dampf betriebene Waldbahn errichteten<br />

<strong>Wagen</strong>halle in Schwanheim, 1983<br />

für das Museum umgebaut, marode<br />

geworden war. Eine Sanierung hätte<br />

zwei Mio. Euro gekosten. Für den Neubau<br />

rechnet man mit Bau- und Planungskosten<br />

<strong>von</strong> fünf Mio. Euro. Noch<br />

bis zum Spätsommer 2013 kann das<br />

Verkehrsmuseum besichtigt werden.<br />

Dann sollen die Räumung und der Abriss<br />

der Westhalle beginnen. SKY<br />

Nacht auf den Mittwoch der reguläre<br />

Betriebszustand zurück. In Frankfurt<br />

war es noch schwieriger: Lediglich<br />

die Linie 11 konnte am Dienstagnachmittag<br />

den Betrieb auf dem Teilstück<br />

zwischen Nied Kirche und Hugo-Junkers-Straße<br />

wieder aufnehmen.<br />

Die Linie 16 folgte, ebenfalls<br />

auf einer Teilstrecke, am Dienstagabend.<br />

Bis auf die Linie U9 konnten<br />

aber immerhin alle U-Bahn-Linien<br />

bereits am Montag wieder in Betrieb<br />

gehen.<br />

JÖS<br />

Stuttgart<br />

Keine Kreuzungen<br />

Stadt-/Eisenbahn mehr<br />

In Stuttgart haben die beiden letzten<br />

niveaugleichen Kreuzungen zwischen<br />

Eisenbahn und Stadtbahn ihren<br />

Daseinszweck verloren. Im Dezember<br />

wurde letztmals ein bei der Flint Group<br />

Germany entleerter Kesselwagen über<br />

die Gleise der Industriebahn Feuerbach<br />

abgefahren. Um den Anschluss<br />

Stuttgart: An<br />

der Haltestelle<br />

Sieglestraße<br />

wartet ein Zug<br />

der U7 die<br />

Kreuzung mit<br />

der in städ ti -<br />

schem Auftrag<br />

tätigen DB-363<br />

ab<br />

M. DAUR<br />

Strausberg: Nach Berlin und Straus -<br />

berg wird der ATw 13 im dänischen<br />

Straßenbahnmuseum Skjoldenæsholm<br />

seine dritte Heimat finden<br />

C. MUCH<br />

des Herstellers <strong>von</strong> Druckfarben bedienen<br />

zu können, mussten die Stadtbahnlinien<br />

U7 und U15 im Bereich der<br />

Haltestellen Borsigstraße und Sieglestraße<br />

zweimal kurz hintereinander<br />

gequert werden. Grund für das Aus ist<br />

eine veränderte Verkehrsführung der<br />

stark befahrenen B 295, die zu gegenseitigen<br />

Behinderungen <strong>von</strong> Straßenund<br />

Schienenverkehr geführt hätte. Eine<br />

Verlegung der in städtischem Eigentum<br />

befindlichen Gleisanlagen<br />

schied angesichts der nur noch geringen<br />

Bedeutung aus.<br />

JDA<br />

Strausberg<br />

Arbeitswagen nach<br />

Dänemark verkauft<br />

Am 8. Januar wurde in Strausberg<br />

der Arbeitstriebwagen 13 auf einen<br />

Straßentieflader verladen, um ins dänische<br />

Straßenbahnmuseum Skjoldenaesholm<br />

überführt zu werden. Nach<br />

Ablauf der Untersuchungsfristen des<br />

Fahrzeugs im Jahr 2012 hat die Strausberger<br />

Eisenbahn einen Käufer für den<br />

<strong>Wagen</strong> 13 gesucht. Eine Instandsetzung<br />

des Zweiachsers lohnte sich in<br />

Strausberg aufgrund der sehr geringen<br />

Einsatzzeiten nicht mehr.<br />

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um<br />

einen Rekotriebwagen vom Typ ATZ. In<br />

den Jahren 1980 und 1981 wurden im<br />

Reichsbahnausbesserungswerk (RAW)<br />

Berlin-Schöneweide für die Berliner Verkehrsbetriebe<br />

(BVB) insgesamt 38 vorhandene<br />

Reko-Einrichtungstriebwagen<br />

TE63 und TE64 zu universell einsetzbaren<br />

Arbeitswagen umgebaut. Durch die<br />

Neuzuführung <strong>von</strong> KT4D-Serienfahrzeugen<br />

in Berlin standen dort die TE63<br />

und TE64 als Spenderfahrzeuge zur Verfügung.<br />

Die Fahrzeuge wurden zu<br />

Zweirichtungswagen umgebaut und er-<br />

10 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Deutschland<br />

hielten Doppelscheinwerfer; der Einbau<br />

<strong>von</strong> Doppelschiebetüren auf beiden<br />

<strong>Wagen</strong>seiten und die Innenverkleidung<br />

der Fahrzeuge mit Sperrholzplatten ermöglichten<br />

fortan Material- und Gütertransporte.<br />

Nach der politischen Wende<br />

ging der Güterverkehr stark zurück; die<br />

BVB stellten ab 1990 erste ATZ ab bzw.<br />

boten sie zum Kauf an. So kam der Berliner<br />

<strong>Wagen</strong> 4502 (ex 721 040) im Jahr<br />

1993 nach Strausberg und war <strong>von</strong> nun<br />

an dort 20 Jahre mit der <strong>Wagen</strong>nummer<br />

13 als Arbeitswagen im Einsatz. CMU<br />

Mülheim an der Ruhr<br />

Weitere U18-Station<br />

modernisiert<br />

Die Mülheimer VerkehrsGesellschaft<br />

(MVG) hat in den vergangenen<br />

zwei Jahren die beiden Bahnsteige der<br />

U18-Station Rosendeller Straße inmitten<br />

der A40 (Ruhrschnellweg) modernisiert.<br />

Bereits im Jahr 2011 hatte die<br />

MVG damit begonnen, den Bahnsteig<br />

Richtung Mülheim komplett umzugestalten.<br />

Im Jahr 2012 war schließlich<br />

auch die Gegenrichtung dran. Mittlerweile<br />

sind beide Bahnsteige im neuen<br />

Gewand in Betrieb, lediglich einige<br />

Restarbeiten fehlen noch. Bei der Umgestaltung<br />

wurde vor allem darauf geachtet,<br />

dass die Bahnsteige auch bei<br />

Nacht noch hell und freundlich sind.<br />

Von den Stationen der <strong>von</strong> Mülheim<br />

nach Essen führenden U18, die oberirdisch<br />

im Mittelstreifen des Ruhrschnellwegs<br />

liegen, erscheint jetzt nur<br />

noch der Bahnhof „Rhein-Ruhr-Zentrum“<br />

im Stil der 1970er-Jahre. CLÜ<br />

Mannheim<br />

Stadtbahn Nord soll<br />

2016 fahren<br />

Mit dem symbolischen Spatenstich<br />

ist das Projekt „Stadtbahn Mannheim<br />

Nord“ dem Planungsstadium entwachsen.<br />

Bis 2016 die ersten Bahnen<br />

Mannheim: Noch fahren die Linien 4 und 5 nach Käfertal. Künftig soll die Linie 4 die Stadtbahn Nord bedienen PKR<br />

rollen, sollen 14 neue Haltestellen errichtet<br />

und 6,4 km Neubaustrecke gebaut<br />

werden. Die Strecke wird zwischen<br />

den Haltestellen Lange Rötterstraße<br />

und Grenadierstraße <strong>von</strong> der<br />

Strecke nach Käfertal abzweigen und<br />

sich im Stadtteil Gartenstadt in zwei<br />

Äste zum Waldfriedhof und zum Carl-<br />

Benz-Bad gabeln. Ursprünglich sollte<br />

der Ast zum Waldfriedhof noch weiter<br />

bis zum Glücksburger Weg verlaufen,<br />

was allerdings im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung<br />

fallen gelassen<br />

wurde. Beide Äste sollen alternierend,<br />

also alle 20 Minuten, befahren werden.<br />

Die Strecke wird größtenteils eigenen<br />

Gleiskörper, dafür auf dem Außenast<br />

zum Waldfriedhof und auf etwa<br />

630 m entlang der Hessischen<br />

Straße zwei eingleisige Abschnitte erhalten.<br />

Das größte Einzelbauwerk des<br />

78 Mio. Euro teuren Vorhabens wird<br />

die Unterquerung der alten Riedbahn<br />

sein. Auf Wunsch der Anwohner wird<br />

entlang der Strecke nördlich der Waldstraße<br />

eine rund 540 m lange und 3 m<br />

hohe Lärmschutzwand aufgestellt. Für<br />

die neue Strecke soll die Linie 4 <strong>von</strong> ihrem<br />

Heddesheimer Ast abgezogen<br />

werden und künftig die Stadtbahn<br />

Nord bedienen. Die Linie 5 soll künftig<br />

in Käfertal in Richtung Heddesheim<br />

und Weinheim/Heidelberg geflügelt<br />

werden.<br />

PKR<br />

Bad Herrenalb<br />

Falkenburgbahn<br />

eingestellt<br />

Bereits seit 4. September steht die<br />

Falkenburgbahn in Bad Herrenalb, etwa<br />

25 km südlich <strong>von</strong> Karlsruhe gelegen,<br />

still. Im Dezember teilte die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />

(AVG), die<br />

für den Betrieb verantwortlich war, die<br />

endgültige Einstellung der Standseilbahn<br />

mit. Grund für die Stilllegung<br />

sind formal ausstehende Jahreswartungen<br />

und Störungsbehebungen sowie<br />

die nicht erfolgte Jahresabnahme.<br />

Die ACURA Ruland Klinik als private<br />

Eigentümerin der erst 1998 eröffneten<br />

Bahn wollte sich eine Instandhaltung<br />

bei einer Kostenunterdeckung <strong>von</strong><br />

100.000 Euro im Jahr nicht leisten.<br />

Auch die Gemeinde Bad Herrenalb<br />

konnte sich zu einer finanziellen Beteiligung<br />

nicht durchringen. Die Falkenburgbahn<br />

verlief vom Bahnhof Bad<br />

Herrenalb mit der Mittelstation Themenhotel<br />

Falkenburg zur Klinik Falkenburg<br />

und überwand dabei auf ihrer<br />

117 m langen Strecke 46 Höhenmeter.<br />

Auf der Falkenburgbahn pendelte nur<br />

ein <strong>Wagen</strong>, weshalb es sich in technischer<br />

Hinsicht eigentlich um einen<br />

Schrägaufzug handelte.<br />

PKR<br />

Bielefeld<br />

Neuerungen im Bereich<br />

Universität<br />

Im Zuge der Erweiterung des Universitätsgeländes<br />

ist die Verlängerung<br />

der Linie 4 über die Endstelle Lohmannshof<br />

hinaus zum neuen Gelände<br />

Campus Lange Lage/Schlosshofstr.<br />

vorgesehen. Im Vorgriff darauf und<br />

auch im Hinblick auf Erweiterungen<br />

der Universität am bestehenden<br />

Standort wurde der bisherige einfache<br />

Gleiswechsel an der Haltestelle Universität<br />

zu einer vollwertigen Zwischenendstelle<br />

mit Wendegleis ausgebaut.<br />

Die folgende Haltestelle Wellensiek<br />

wird als künftiger, direkter Zugang<br />

zu den Erweiterungsbauten am bisherigen<br />

Standort ausgebaut. Dafür wurden<br />

die Gleise aufgeweitet, ein breiterer<br />

Mittelbahnsteig erstellt und der Zu-<br />

Mülheim/Ruhr: Trotz gerade abgeschlossener Modernisierung ist die Station<br />

Rosendeller Straße bereits mit Schmierereien versehen C. LÜCKER<br />

Bad Herrenalb: Die Falkenburgbahn (im Hintergrund sichtbar) steht seit dem<br />

4. September 2012 still K. BINDEWALD<br />

11


Aktuell<br />

ANZEIGE<br />

Ihre Prämie<br />

Krefeld: An der Endstelle Hüls Betriebshof gibt es zwar keinen Betriebshof mehr, dafür noch die alte Halle des<br />

ebensolchen. Eigentlich hätte die Linie 044 als so genannte „Kleine Ringlösung“ <strong>von</strong> hier auf einer Schleife durch<br />

das Zentrum <strong>von</strong> Hüls verlängert werden und die Halle einem Parkplatz weichen sollen. Nachdem diese Pläne im<br />

September vom Stadtrat ad acta gelegt wurden, bleibt zunächst alles beim Alten. An Stelle der Halle könnte aber<br />

künftig ein optimierter Busverknüpfungspunkt entstehen.<br />

C. LÜCKER<br />

gang zum Fakultätsgelände durch<br />

zwei auffällige, torähnliche Einrahmungen<br />

neu gestaltet. Die Bauarbeiten<br />

der Stadtbahn sind inzwischen<br />

weitgehend abgeschlossen worden,<br />

dagegen stehen die Unigebäude selbst<br />

noch vor der Vollendung. BUD<br />

Rostock<br />

Tramlinks kommen<br />

später<br />

Bei den 13 bestellten Rostocker<br />

Niederflurstraßenbahnen des Typs<br />

Tramlink, die <strong>von</strong> Vossloh Espana in<br />

Valencia gebaut werden, kommt es zu<br />

einer Lieferverzögerung. Der erste <strong>Wagen</strong><br />

des neuen Typs war ursprünglich<br />

bereits für Mai 2013 in der Hansestadt<br />

erwartet worden. Inzwischen geht der<br />

Verkehrsbetrieb Rostocker Straßenbahn<br />

AG (RSAG) <strong>von</strong> einer Lieferung<br />

ab Jahresende 2013 aus. Danach soll<br />

in jedem Monat ein weiteres Neufahrzeug<br />

angeliefert werden und zum Einsatz<br />

kommen. Für die in den Jahren<br />

1989/1990 beschafften und zwischen<br />

1995 und 2001 aufwändig modernisierten<br />

Tatrawagen T6A2M mit den<br />

Niederflurbeiwagen 4NBWE bedeutet<br />

dies eine Verlängerung ihrer Einsatzzeit.<br />

Fünf seit 2010 abgestellte Beiwagen<br />

sind unterdessen nach Leipzig verkauft<br />

worden.<br />

YUG<br />

Jena<br />

Tw 435 aus Erfurt<br />

übernommen<br />

Am Abend des 7. Januar traf der unechte<br />

Zweirichtungs-Tw KT4D 435 aus<br />

Erfurt im Betriebshof Burgau ein und<br />

wurde am nächsten Morgen entladen.<br />

Der <strong>Wagen</strong> soll als Arbeitstriebwagen<br />

hergerichtet werden. Der Neuzugang<br />

könnte als Winterdienst-Tw oder<br />

Schlepp-Tw für defekte GT6M eingesetzt<br />

werden, wofür er sicherlich besser<br />

geeignet wäre als die vorhandenen<br />

Gotha-Tw. Der genaue Aufgabenbereich<br />

ist aber noch nicht festgelegt. Voraussetzung<br />

für den Wechsel war, dass<br />

der Tw zwei Führerstände hat. Schließlich<br />

sind in Jena nur die Endstellen in<br />

Zwätzen und Winzerla mit Wendeschleifen<br />

ausgestattet. Es wird voraussichtlich<br />

noch einige Zeit vergehen,<br />

bevor der Tw 435 erstmals im Jenaer<br />

Schienennetz zu sehen sein wird. ULU<br />

Industrie<br />

Bombardier/CSR Puzhen<br />

Flexity 2 für Suzhou<br />

Nach der ersten öffentlichen Ausschreibung<br />

für 100%-Niederflurstraßenbahnen<br />

in China hat der Bombardier-Partner<br />

CSR Puzhen einen Auftrag<br />

über 18 Niederflur-Triebwagen für die<br />

Stadt Suzhou, wo ein neues Straßenbahnnetz<br />

mit sechs Linien aufgebaut<br />

wird, erhalten. CSR Puzhen wird die<br />

auf der Flexity 2-Technologie <strong>von</strong><br />

Bombardier basierenden Triebwagen<br />

an seinem Standort in Nanjing, China,<br />

bauen. Die Suzhou New District Tram<br />

(SND) wird die <strong>Wagen</strong> im expandierenden<br />

Ballungsraum <strong>von</strong> Suzhou betreiben.<br />

Suzhou ist eine Stadt mit elf Mio.<br />

Einwohnern im Südosten der Provinz<br />

Noch mehr Auswahl unter<br />

www.strassenbahnmagazin.de/abo<br />

Jiangsu, unweit <strong>von</strong> Shanghai. Die aktuelle<br />

Ausschreibung gilt für die erste,<br />

18 km lange Strecke, auf der zunächst<br />

18 fünfteilige Zweirichtungsfahrzeuge<br />

(32 m lang und 2,65 m breit) sieben<br />

Haltestellen bedienen werden. Es ist<br />

der erste Auftrag, den CSR Puzhen im<br />

Rahmen der neuen Partnerschaft mit<br />

Bombardier erhalten hat. Im Juli 2012<br />

unterzeichneten die beiden Unter -<br />

nehmen eine Vereinbarung über eine<br />

Zehn-Jahres-Technologielizenz für die<br />

Herstellung und den Vertrieb <strong>von</strong><br />

100-%-Niederflurstraßenbahnen in<br />

Chi na einschließlich Hongkong und<br />

Macao.<br />

ROS<br />

Bombardier<br />

Mehr Straßenbahnen<br />

für Plauen<br />

Die Plauener Straßenbahn (PSB)<br />

hat vier zusätzliche Niederflur-Straßenbahnen<br />

bei Bombardier bestellt.<br />

Die Bestellung der ersten beiden Tw<br />

wurde bereits im Dezember 2011 bekannt.<br />

Es wird sich um Straßenbahnen<br />

des Typs Flexity Classic, die im Bombardier-Werk<br />

Bautzen gebaut werden,<br />

handeln. Für die ersten beiden <strong>Wagen</strong><br />

wurden die Gelder angespart, für die<br />

vier zusätzlichen Fahrzeuge müssen<br />

Bielefeld: Die Haltestelle Wellensiek wurde für ihre neue Aufgabe als Zugangshaltestelle<br />

zur Universität ausgebaut<br />

D. BUDACH<br />

Erfurt/Jena: Bis Dezember war Tw 435 noch in Erfurt im Linieneinsatz (hier<br />

am Hauptbahnhof), jetzt wird er in Jena zum Arbeits-Tw umgebaut U. LUGE<br />

12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Deutschland · Industrie · Weltweit<br />

Kredite aufgenommen werden. Es ist<br />

angedacht, auf jeder der fünf Linien einen<br />

Niederflurkurs anzubieten und<br />

diesen gesondert im Fahrplan zu kennzeichnen.<br />

Der niederflurige Straßenbahnwagen<br />

„Flexity Plauen“ basiert<br />

auf den Modellen, die bereits in Halle<br />

und Dessau anzutreffen sind. Die<br />

Plauener Fahrzeuge werden, analog zu<br />

den Dessauer Flexitys, als Einrichtungsfahrzeuge<br />

ausgeführt. Im Laufe<br />

des Jahres 2012 wurde in Plauen damit<br />

begonnen, die Bahnsteige für die<br />

neuen Flexitys umzubauen. Dazu müssen<br />

die Bahnsteigkanten um einige cm<br />

nach verschmälert werden, sodass die<br />

neuen <strong>Wagen</strong> problemlos dort halten<br />

können. Die ersten Flexitys sollen Ende<br />

2013 in Plauen eintreffen. DAM<br />

Ausland<br />

Italien: Bozen<br />

<strong>Wagen</strong>rückgabe und<br />

Betriebsunterbrechung<br />

Die Rittnerbahn bei Bozen ist seit<br />

dem 7. Januar und voraussichtlich bis<br />

zum 15. Juni eingestellt. Der Grund<br />

sind Abriss- und Aufbauarbeiten der<br />

Remise und Werkstätte im Betriebsmittelpunkt<br />

Oberbozen, weswegen die 6,6<br />

km lange Lokalbahn auf dem Hochplateau<br />

des Ritten gesperrt werden muss.<br />

Zeitgleich mit diesem dann dreiglei -<br />

sigen Neubau wird in Klobenstein die<br />

zweigleisige Remise auf vier Gleise<br />

erweitert. Die größeren Kapazitäten<br />

werden benötigt, da der Fahrzeugpark<br />

dem nächst aufgestockt werden soll.<br />

Den hochflurigen fix gekuppelten<br />

Trieb- und Beiwagen 21 und 24, die<br />

2009 <strong>von</strong> der Trogenerbahn aus St. Gallen<br />

auf den Ritten geholt wurden,<br />

sollen zwei weitere baugleiche Garnituren<br />

folgen. Von den dann vier St. Gallener<br />

Zügen wird einer als Ersatz teilspender<br />

dienen.<br />

Zwischen Ostern und Allerheiligen<br />

sollen aus touristischen Gründen aber<br />

Ein aus Düsseldorf kommendes B80D-Doppel nähert sich der Stadtgrenze. Die anstehende Erneuerung der<br />

Zugsicherungssysteme könnte ab 2020 das Aus für die städteübergreifende Verbindung bedeuten C. LÜCKER<br />

Düsseldorf/Duisburg:<br />

U79 künftig zweigeteilt?<br />

Für den Betrieb der Duisburger und Düsseldorfer Stadtbahntunnel,<br />

die durch die Linie U79 verbunden sind, steht<br />

in den nächsten Jahren der Ersatz des bisherigen Zugsicherungssystems<br />

an. Eigentlich sollte die Ausschreibung<br />

dafür im Sommer dieses Jahres starten. Da es in Duisburg<br />

Finanzierungsschwierigkeiten gibt, steht nun in Frage ob<br />

sich die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) an der gemeinsamen<br />

Ausschreibung mit der Rheinbahn aus Düsseldorf<br />

beteiligen kann. Insbesondere für die Fahrgäste der<br />

Linie U79 könnte das zu Problemen führen. Denn unterschiedliche<br />

Zugsicherungssysteme in beiden Stadtbahntunneln<br />

würde den langfristigen Einsatz einer durchgehenden<br />

Linie unmöglich machen, womit die U79 gegebenenfalls<br />

zweigeteilt werden müsste. Dieses Problem<br />

würde aber erst in den Jahren 2020 bis 2024 auftreten, da<br />

die alte und neue Zugsicherungstechnik bis dahin parallel<br />

eingesetzt werden. Bis dahin werden die Stadtbahnen<br />

nach und nach auf das neue System umgestellt. So lange<br />

weiterhin Altfahrzeuge, darunter der<br />

<strong>von</strong> der 1978 eingestellten Straßenbahn<br />

Esslingen – Nellingen – Denkendorf<br />

(END) übernommene Tw12, eingesetzt<br />

werden. Sein Schwesterfahrzeug,<br />

der END-Tw 13, trat dagegen kurz vor<br />

den Umbauarbeiten am 17. Dezember<br />

seine Heimkehr in die Region Stuttgart<br />

an. Künftig wird er in der Straßenbahnwelt<br />

in Stuttgart-Bad Cann statt zu sehen<br />

sein. In der kommenden Ausgabe<br />

werden wir umfangreich über den Werdegang<br />

und die Heimkehr des Tw 13<br />

berichten.<br />

K. Demar/PKR<br />

also noch genügend Stadtbahnen für den Betrieb der U79<br />

mit dem alten Zugsicherungssystem laufen, steht dem<br />

durchgehenden Betrieb der ehemaligen „Linie D“ nichts<br />

im Wege.<br />

Kostenproblem Ersatzteile<br />

Gerade in Düsseldorf drängt die Zeit, denn dort sind die ältesten<br />

Stadtbahntunnel samt Zugsicherungstechnik <strong>von</strong><br />

1981 und damit elf Jahre älter als in Duisburg. Insbesondere<br />

die Ersatzteilbeschaffung entwickelt sich zunehmend<br />

zum (Kosten-)Problem. In Duisburg besteht noch die Hoffnung,<br />

dass sich Land und Bund zu einer Bestandsförderung<br />

der Stadtbahninfrastruktur, die im Gegensatz zum<br />

Bau neuer Infrastruktur <strong>von</strong> den Kommunen alleine getragen<br />

werden muss, durchringen. Wie eine zweigeteilte U79<br />

aussehen würde, d.h. welche Endstationen aus Richtung<br />

Düsseldorf und Duisburg angefahren würden, lässt sich<br />

aktuell noch nicht abschätzen.<br />

PKR<br />

Niederlande: Groningen<br />

»Aus« für Regiotram<br />

Ein Eklat im Groninger Kommunalparlament<br />

hat die weit fortgeschrittene<br />

Planung zum Bau eines Straßenbahnsystems<br />

zumindest vorerst ge-<br />

Bombardier: Plauen hat vier Flexitys nachbestellt, womit insgesamt sechs<br />

Einheiten in der Vogtlandmetropole eintreffen werden MONTAGE: D. MÖSCHKE<br />

Bozen: Den beiden ex St.Gallener Zügen, die seit 2011weinrot/grau lackiert<br />

sind, sollen zwei weitere folgen<br />

H. STAMMLER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

13


Aktuell<br />

VIS Halberstadt: VIS Halberstadt modernisiert zum wiederholten Mal Straßenbahnen aus Helsinki. Zehn Triebwagen<br />

vom Typ NRV1 werden bis Mitte 2013 komplett überholt und zusätzlich mit neuen Niederflurmittelmodulen<br />

versehen, wodurch sich auch die Kapazität der Fahrzeuge erhöht. Der Auftrag beinhaltet zwei weitere Optionen<br />

zu jeweils fünf Fahrzeugen, die dann bis Ende 2014 zu liefern wären.<br />

B. SCHULZ<br />

stoppt. Nachdem zwei Stadträte wegen<br />

gestiegener Kosten jede weitere<br />

Unterstützung für das Projekt verweigerten,<br />

traten die übrigen drei Stadt -<br />

räte aus Protest zurück. Mit großer<br />

Verärgerung reagierte die Provinzregierung<br />

auf diese Vorgänge im Leitungsgremium<br />

der Gemeinde. Sie wies<br />

darauf hin, dass ein derartiges Verhalten<br />

einen massiven Verlust an Glaubwürdigkeit<br />

bedeute und das Projekt,<br />

das in einem zweiten Schritt ins Umland<br />

erweitert werden sollte, ernsthaft<br />

infrage stelle. Die bereits weitgediehene<br />

Ausschreibung wurde noch im<br />

Dezember 2012 gestoppt. Zwei Anbieter<br />

müssen nun finanziell entschädigt<br />

werden.<br />

Ob es einen neuen Versuch geben<br />

wird, das Projekt durchzuführen, ist<br />

derzeit offen. Neben der Tatsache, dass<br />

inhaltliche Uneinigkeit bei der Stadt<br />

herrscht, dürfte eine „Neuauflage“<br />

schon deshalb erhebliche Probleme<br />

bereiten, weil aus rechtlichen Gründen<br />

kein erneuter Start eines einmal gestoppten<br />

Verfahrens auf denselben<br />

Grundlagen möglich ist.<br />

AMF<br />

Frankreich: Amiens/Caen<br />

Neue Straßenbahnen<br />

geplant<br />

Amiens, Hauptstadt der Picardie<br />

und 142 km nördlich <strong>von</strong> Paris gelegen,<br />

soll bis zum Jahr 2018/19 ein<br />

Straßenbahnsystem bekommen. Das<br />

beschlossen die Gremien der 135.000<br />

Einwohner-Stadt (180.000 Einwohner<br />

im Großraum) am 18.Dezember. Zuvor<br />

wurde über Buslinien auf abgetrennten<br />

Fahrspuren nachgedacht. Rückenwind<br />

erhielt das Straßenbahnprojekt<br />

nach der Kommunalwahl 2011, die eine<br />

neue Equipe ins Rathaus <strong>von</strong><br />

Amiens brachte. Die rund elf km lange<br />

Tramlinie soll mit rund 23 Haltestellen<br />

Zitadelle, Stadtzentrum, Bahnhof, Klinikum,<br />

zwei Hochschulstandorte und<br />

natürlich zahlreiche Wohnviertel erschließen.<br />

40 Prozent der Einwohner<br />

und Arbeitsplätze <strong>von</strong> Amiens liegen<br />

im Einzugsbereich der 200 Mio. Euro<br />

teuren Bahn, was auf eine gute Auslastung<br />

hoffen lässt.<br />

Für eine gemeinsame Bestellung<br />

des rollenden Materials zusammen mit<br />

Amiens interessiert sich die Stadt Caen<br />

in der Normandie, wo ebenfalls im Dezember<br />

2012 ein Beschluss pro Tram<br />

gefasst wurde. Die 2002 eingerichtete<br />

„Busbahn“ (TVR <strong>von</strong> Bombardier) soll<br />

nicht nur, wie bereits berichtet, durch<br />

eine „echte“ Straßenbahn ersetzt, sondern<br />

zudem durch eine zusätzliche<br />

Tramlinie ergänzt werden. VLC<br />

Prag: Von den 250 bestellten Niederflur-Tw des Fahrzeugtyps 15 T „ForCity“ waren bis Ende 2012 61 eingetroffen.<br />

2013 liefert Škoda Transportation weitere 32 dreiteilige Einrichtungsfahrzeuge. Tw 9256, hier an der Haltestelle<br />

Vodli kova, gehört mit dem Lieferjahr 2012 zu den jüngeren Vertretern dieses Typs. Auch sind in den<br />

nächsten Jahren etliche Netzerweiterungen in Planung. Dieses Jahr soll mit dem Bau der Linienverlängerungen<br />

Divoká Šárka – D dinská (2,1 km) und Barrandov – Holyn – Slivenec (1,5 km) begonnen werden. R. SCHREMPF<br />

Frankreich: Lyon<br />

Längeres Netz,<br />

längere Trams<br />

Mit der Eröffnung der fünften Tramlinie<br />

T5 zwischen der Metro-Station<br />

Grange-Blanche und dem Ausstellungspark<br />

Eurexpo am 17. November<br />

2012 ist das Straßenbahnnetz <strong>von</strong><br />

Lyon auf 60 km angewachsen und nun<br />

vor Straßburg das größte in Frankreich.<br />

Die neue Strecke zweigt in Les Alizés<br />

<strong>von</strong> der T2 ab und umfasst vier neue<br />

Haltestellen. Die eigentliche Endstelle<br />

Eurexpo wird nur zu besonderen<br />

Anlässen bedient. Ansonsten enden<br />

die Trams am Parc du Chêne. Bis 2014<br />

soll die Linie T5 um weitere 1,7 km<br />

nach Chassieu-René-Cassin verlängert<br />

werden.<br />

Seit Dezember 2012 kommen auf<br />

der T3 neue 43 m lange Citadis, <strong>von</strong><br />

denen zwölf Einheiten bei Alstom geordert<br />

sind, zum Einsatz. Die bisher<br />

eingesetzten Citadis sind mit 32 m<br />

deutlich kürzer. Nach der vollständigen<br />

Auslieferung wird Lyon über 85 Citadis<br />

und damit über die drittgrößte<br />

Flotte in Frankreich verfügen. VLC<br />

Österreich: Wien<br />

Solowagen außer -<br />

planmäßig im Einsatz<br />

In der ersten Schulwoche nach den<br />

Weihnachtsferien kam es in Wien zum<br />

akuten <strong>Wagen</strong>mangel, weswegen auf<br />

der Linie 52 wieder einmal ein Solo-E1<br />

eingesetzt werden musste. Hintergrund<br />

dafür ist, dass die neuen ULF-Tw<br />

<strong>von</strong> der Behörde nach wie vor nicht<br />

abgenommen sind, parallel aber laufend<br />

E1-Tw ausgemustert und nach<br />

Polen verkauft werden. Ein Gesamtschadwagenstand<br />

der ULF-Tw <strong>von</strong><br />

zehn Prozent kommt erschwerend hinzu.<br />

Selbst auf der frequenzstärksten Linie<br />

43 konnte am 8. Januar ein Solo-E1<br />

in der Frühspitze beobachtet werden.<br />

14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Caen: Das<br />

bestehende TVR-<br />

System soll durch<br />

eine Tram ersetzt<br />

und um eine<br />

zusätzliche „echte“<br />

Tramlinie ergänzt<br />

werden<br />

Weltweit<br />

B. KUSSMAGK<br />

Am 17. Januar 2013 war es dann<br />

weniger der <strong>Wagen</strong>mangel, als vielmehr<br />

die Witterungsbedingungen,<br />

wes wegen außerplanmäßig Solo-Tw<br />

eingesetzt wurden. Bedingt durch 25<br />

cm Neuschnee entgleiste ausgerechnet<br />

der als Schneepflug im Einsatz befindliche<br />

LH 6462 bei der Weiche Maroltingergasse<br />

(Linie 10)/Erdbrustgasse<br />

(Linie 2). Als Konsequenz wurden<br />

wegen Entgleisungsgefahr am Nachmittag<br />

auf den Linien 60 und 62 nur<br />

Solowagen eingesetzt.<br />

HLU<br />

Frankreich: Nantes<br />

Neue Strecke,<br />

neue Bahnen<br />

Am 15. Dezember erhielt die Straßenbahnlinie<br />

1 mit der Haltestelle Haluchère-Batignolles<br />

einen neuen multimodalen<br />

Umsteigepunkt. Seitdem verzweigt<br />

sich die Linie 1 dort auch nach<br />

Beaujoire und nach Ranzay, wohin eine<br />

800 m lange Neubaustrecke führt.<br />

Auch befinden sich zwölf neue Urbos-<br />

Trams des Herstellers CAF in Auslieferung.<br />

Das neue Modell sollte den Incentro-Zügen<br />

<strong>von</strong> 2000 möglichst ähnlich<br />

sehen. Die Urbos-Züge sind mit 38<br />

m zwei Meter länger als die Incentros<br />

und zeichnen sich gegenüber ihren<br />

24 neue NGT8Kr rollen künftig durch Krakau – auch bei schlechtem Wetter sind sie ein echter Hingucker C. LÜCKER<br />

Polen: Krakau<br />

NGT8Kr ersetzen GT6 ex Nürnberg<br />

Vorgängern zudem durch 1,30 m breite<br />

Doppeltüren, auch an den <strong>Wagen</strong>enden,<br />

aus. Nachdem die Linie 4 als<br />

Hochleistungs-Buslinie realisiert wurde,<br />

soll die Linie 5 wieder als konventionelle<br />

Straßenbahn gebaut werden.<br />

Neben der Anbindung der Insel Ile de<br />

Nantes, auf der städtebauliche Entwicklungen<br />

anstehen, soll die neue Linie<br />

auch der Entlastung der Linien 1 bis<br />

4 dienen. Vor der Inbetriebnahme als<br />

Straßenbahn, 2020 ist anvisiert, soll eine<br />

Buslinie ab Herbst 2013 auf der<br />

künftigen Trasse eingerichtet werden.<br />

Ende 2012 haben sich die letzten ex Nürnberger MAN-<br />

GT6 in Krakau offiziell aus dem Liniendienst verabschiedet.<br />

Seit 1994 sind insgesamt 50 dieser <strong>Wagen</strong> nach<br />

Krakau verkauft worden. Anfang 2013 waren laut Betrieb<br />

nur noch sechs GT6 vorhanden – und zwar die <strong>Wagen</strong><br />

184, 187, 188, 189, 196 und der mittlerweile äußerlich<br />

recht desolate Stadtrundfahrtwagen. Ein Fahrzeug soll als<br />

Museumswagen erhalten bleiben. Die restlichen <strong>Wagen</strong><br />

sind teilweise schon ausgeschlachtet und sollen zügig<br />

verschrottet werden. Abgelöst wurden die Nürnberger<br />

<strong>von</strong> den neuen dreiteiligen Bombardier-Achtachsern<br />

NGT8Kr. Die Neulinge werden seit Oktober 2012 ausgeliert.<br />

Insgesamt werden 24 Exemplare in Krakau eintreffen.<br />

Die 33 m langen <strong>Wagen</strong> mit den Nummern 2051-<br />

2074 unterscheiden sich <strong>von</strong> ihren sechsachsigen Vorgängern<br />

vor allem durch ein neues Design und eine Klimaanlage.<br />

Bislang werden sie vorrangig auf den Linien 3 und<br />

14 eingesetzt.<br />

Neues Design für ex Düsseldorfer GT8S<br />

Ein neues Design könnten langfristig auch die ex Düsseldorfer<br />

GT8S bekommen: <strong>Wagen</strong> 3060 hat als Prototyp eine<br />

neue Front erhalten. Wenn der Umbau sich bewährt,<br />

könnten auch die anderen GT8S entsprechend moder nisiert<br />

werden und anstelle des hochflurigen ein Niederflurmittelteil<br />

bekommen.<br />

CLÜ<br />

Im Frühjahr 2013 soll auch die 64<br />

km lange und seit 1980 stillgelegte Eisenbahnstrecke<br />

nach Châteaubriant<br />

als Tram-Train wiedereröffnet werden.<br />

Die Alstom Dualis Züge sind seit 2011<br />

bereits auf der Strecke Nantes – Clisson<br />

im Einsatz.<br />

VLC<br />

Wien: 25 cm Neuschnee und Entgleisungsgefahr führten am 17. Januar<br />

zum Einsatz <strong>von</strong> Solo-E2 auf den Linien 60 und 62<br />

H. LUTTENBERGER<br />

Lyon: Die neuen 43-Meter-Citadis greifen die Formensprache ihrer Vorgänger<br />

auf, womit der Fahrzeugpark sehr einheitlich wirkt SYTRAL S. EROME<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

15


Betriebe<br />

Mit der Straßenbahn<br />

in den Hauptbahnhof<br />

Das »Chemnitzer Modell« Die bis 1988 komplett auf 1.435 mm umgespurte Chemnitzer Straßenbahn<br />

ist bereits seit 2002 an die Eisenbahnstrecke nach Stollberg angeschlossen. Seit 15. Februar<br />

2013 ist nun auch der Hauptbahnhof direkt in das Netz integriert – und es gibt weitere Pläne!<br />

Für Chemnitzer und häufige Gäste der<br />

Stadt ist es ungewohnt: Im Hauptbahnhof<br />

<strong>von</strong> Sachsens drittgrößter<br />

Stadt steht ein Stadtbahnzug. Nach<br />

der offiziellen Eröffnung am 15. Februar<br />

starten die Linien 2, 6 und 522 seit Montag,<br />

18. Februar, im regulären Betriebsdienst aus<br />

der Bahnsteighalle des Chemnitzer Hauptbahnhof.<br />

Mehr als zehn Jahre nach Eröffnung<br />

der Pilotstrecke ist damit auf dem Weg<br />

zur Stufe 1 des so genannten Chemnitzer<br />

Modells eine weitere Hürde gemeistert. Die<br />

Weichen für dieses Projekt wurden jedoch<br />

bereits in den 1990er-Jahren gestellt:<br />

Im Jahr 1992 stellte die Arbeitsgemeinschaft<br />

Verkehrsverbund Mittelsachsen erste Überlegungen<br />

an, ob es möglich wäre, die Chemnitzer<br />

Straßenbahn mit dem umliegenden Eisenbahnnetz<br />

zu verbinden. Wobei in Sachsen<br />

letztendlich auch nur die Großstadt am Fuße<br />

des Erzgebirges überhaupt dafür in Frage<br />

kommen konnte. Die übrigen sechs sächsischen<br />

Tram-Betriebe weisen <strong>von</strong> 1.435 mm<br />

abweichende Spurweiten auf …<br />

Studie schafft Gewissheit<br />

Nach Gründung der Deutschen Bahn AG<br />

war Anfang 1994 vom sächsischen Wirtschaftsministerium<br />

(SMWA) eine Machbarkeitsstudie<br />

in Auftrag gegeben worden, um<br />

der Frage unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten<br />

wissenschaftlich auf den<br />

Grund zu gehen. Das Ergebnis für ein solches<br />

„Chemnitzer Modell“ fiel positiv aus.<br />

Die Urheber der Studie empfahlen Mitte der<br />

1990er-Jahre zwei Linien:<br />

• eine Neubaulinie <strong>von</strong> Burgstädt und Limbach-Oberfrohna<br />

zum Chemnitzer Hauptbahnhof,<br />

über die bestehenden Stadtbahngleise<br />

entlang der Annaberger Straße<br />

bis Altchemnitz und <strong>von</strong> dort weiter auf<br />

Eisenbahngleisen bis nach Stollberg<br />

16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Chemnitz<br />

Am 7. Dezember 2012 fuhr erstmals eine Variobahn in den Chemnitzer Hbf. Hier können Reisende<br />

künftig sowohl in die Stadtbahnen als auch Regio-Shuttle der City-Bahn und Regionalbahnen<br />

<strong>von</strong> DB Regio steigen. Bei der Pressefahrt am 13. Dezember 2012 gab es am Bahnsteig<br />

aber noch viel zu tun<br />

S. GLEISBERG (BILD UNTEN); M. BERGELT (BILD OBEN)<br />

Im Rahmen einer Pressefahrt kehrt die Variobahn<br />

902 der CVAG am 13. Dezember<br />

2012 aus dem Chemnitzer Hbf zur Straße der<br />

Nationen zurück<br />

S. GLEISBERG<br />

• eine Linie <strong>von</strong> Hohenstein-Ernstthal über<br />

Chemnitz-Siegmar und den Chemnitzer<br />

Hauptbahnhof nach Chemnitz-Hilbersdorf<br />

und auf DB-Gleisen weiter bis nach Flöha<br />

Als Pilotlinie zur Umsetzung dieser Empfehlung<br />

wurde vom Verkehrsverbund<br />

Mittelsachsen (VMS) der Abschnitt vom<br />

Chemnitzer Hauptbahnhof über die Zentralhaltestelle<br />

und Annaberger Straße nach<br />

Stollberg auserkoren, da dafür nur kurze<br />

Neubaustücke notwendig waren.<br />

Die City-Bahn Chemnitz<br />

Nach langen Gesprächen – vor allem mit<br />

dem Geschäftsbereich Nahverkehr der Deutschen<br />

Bahn AG – fand im März 1997 die<br />

Gründung der City-Bahn Chemnitz GmbH<br />

statt. Als Gesellschafter waren dafür ursprünglich<br />

die Chemnitzer Verkehrs-AG<br />

(CVAG, der Betreiber des Bus- und Stadtbahnverkehrs<br />

in Chemnitz) und die DB AG<br />

mit jeweils 40 Prozent sowie die Autobus<br />

Sachsen GmbH mit 20 Prozent Beteiligung<br />

vorgesehen gewesen. Doch die DB AG zog<br />

sich im letzten Augenblick zurück, so dass<br />

die CVAG bei der Gründung der City-Bahn<br />

60 Prozent und die Autobus Sachsen GmbH<br />

40 Prozent der Anteile übernahmen.<br />

Offizielle Aufgabe der City-Bahn ist es, den<br />

Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)<br />

in und um Chemnitz besser zu gestalten. In<br />

dieser Funktion dient sie dem VMS der Umsetzung<br />

des „Chemnitzer Modells“. Als erstes<br />

Etappenziel nahm sich die neue Gesellschaft<br />

der Pilotstrecke Chemnitz Hbf –<br />

Stollberg an. Im Jahr 1998 richtete die City-<br />

Bahn auf dieser als Kursbuchlinie 522<br />

geführten 23 km langen Eisenbahnstrecke einen<br />

Vorläuferbetrieb mit MAN-Dieseltriebwagen<br />

der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft<br />

Die Pilotstrecke<br />

Chemnitz – Stollberg<br />

Streckenlänge<br />

23,1 km, da<strong>von</strong> 6,8 km CVAG<br />

und 16,3 km <strong>von</strong> DB gepachtet<br />

Streckengeschwindigkeit<br />

60 km/h Chemnitz Hbf – Chemnitz-Altchemnitz<br />

(BOStrab)<br />

80 km/h Chemnitz-Altchemnitz – Stollberg<br />

(EBO)<br />

Reisezeit und -geschwindigkeit<br />

Chemnitz Hbf – Stollberg<br />

49 Minuten (28,3 km/h)<br />

Angebote<br />

33 Zugpaare an Werktagen (außer Samstag)<br />

25 Zugpaare an Samstagen<br />

19 Zugpaare an Sonn- und Feiertagen<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

17


Betriebe<br />

Daten der City-Bahn-<br />

Variobahnen<br />

Zwischen Altchemnitz und Stollberg nutzen die Variobahnen der City-Bahn Chemnitz seit 2002<br />

die Eisenbahn-Infrastruktur <strong>von</strong> DB Netz. Auf dieser Pilotstrecke zum „Chemnitzer Modell“<br />

kommt es häufig zu Begegnungen mit Sonderzügen<br />

M. BERGELT<br />

Hersteller: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adtranz<br />

Typ: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . NGT6-LDZ<br />

Baujahre:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2001/02<br />

Betriebsnummern: . . . . . . . . . . . . . . 411 bis 416<br />

Netzspannung: . . . . . . . . . . . . wahlweise 600 V<br />

oder 750 V Gleichstrom<br />

Ausführung: . . . . . . . . . Zweirichtungsfahrzeuge<br />

Fahrmotorleistung: . . . . . . . . . . . . . . . 8 x 45 kW<br />

Höchstgeschwindigkeit:. . . . . . . . . . . . . 80 km/h<br />

kleinster befahrbarer Radius: . . . . . . 20.000 mm<br />

Länge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31.380 mm<br />

Breite:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.650 mm<br />

Höhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.350 mm<br />

Einstiegshöhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300 mm<br />

Leergewicht mit Vorräten: . . . . . . . . . 37.800 kg<br />

Maximale Nutzlast: . . . . . . . . . . . . . . 21.200 kg<br />

Fahrgastsitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73<br />

da<strong>von</strong> Klappsitze: 5<br />

Stehplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124<br />

Ist auf der oberen Aufnahme vom 12. Januar 2013 neben einer Variobahn gerade ein <strong>von</strong> 112 708<br />

geführter Sonderzug in den Bahnhof Stollberg eingefahren, so begegnet der Triebwagen 412<br />

am 14. September 2012 in Klaffenbach einem Dampfsonderzug<br />

M. BERGELT<br />

In Altchemnitz befindet sich die Übergangsstelle<br />

zwischen Eisenbahn- und Stadtbahn-Infrastruktur.<br />

Vom ESTW in Stollberg gesteuert,<br />

gibt ein Lichtsignal die Fahrt auf die EBO-Anlagen<br />

frei. Bei einem solchen Wechsel erhöht<br />

sich zugleich die Fahrspannung <strong>von</strong> 600 auf<br />

750 V Gleichstrom C. WETTEBORN (2)<br />

(KEG) ein, welche auch ab 28. Mai 1998<br />

mehr als drei Jahre den Betrieb abwickelte.<br />

Der Nutzen dieser ersten Aktion war noch<br />

vergleichsweise gering, denn die Eisenbahnstrecke<br />

verläuft vom Chemnitzer Hauptbahnhof<br />

aus abseits der Innenstadt. Entweder<br />

mussten Reisende zum Hauptbahnhof<br />

laufen bzw. fahren oder aber in Altchemnitz,<br />

einem Stadtteil im Süden der sächsischen<br />

Metropole, umsteigen.<br />

Da die Stadtbahn- und Eisenbahngleise in<br />

Altchemnitz ca. 80 m <strong>von</strong>einander entfernt<br />

verlaufen, war hier ein optimaler Verknüpfungspunkt<br />

gegeben. So ließ die City-Bahn<br />

dort bis Ende 2002 einerseits zwischen beiden<br />

Anlagen eine Gleisverbindung herstellen<br />

und andererseits die Eisenbahnstrecke nach<br />

Stollberg elektrifizieren. Seit 15. Dezember<br />

2002 fahren nun Stadtbahnwagen aus der<br />

Chemnitzer Innenstadt bis nach Stollberg.<br />

Zwischen 2001 und 2004 hat die City-<br />

Bahn im Auftrag des VMS außerdem den<br />

ÖPNV auf mehreren Eisenbahnstrecken der<br />

Region übernommen – siehe Kasten.<br />

Pilotprojekt für das<br />

»Chemnitzer Modell«<br />

Neben der Wendeschleife der Stadtbahn in<br />

Altchemnitz zweigt seit 2002 ein Verbindungsgleis<br />

zur Eisenbahnstrecke Chemnitz –<br />

Stollberg ab. Auf dieser signalgeregelten Zufahrt<br />

zum Netz der DB AG befindet sich eine<br />

Übergabestelle, an welcher sich der über die<br />

Fahrleitung gelieferte Strom für die Stadtbahnfahrzeuge<br />

<strong>von</strong> 600 V (CVAG-Spannung)<br />

auf 750 V Gleichstrom erhöht. Die<br />

nicht im Eigentum der CVAG, sondern der<br />

City-Bahn befindlichen Variobahnen aus dem<br />

Hause Adtranz vom Typ NGT6-LDZ rollen<br />

in diesem Bereich unter einem kurzen Trenn-<br />

18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Chemnitz<br />

stück ohne Spannung entlang, bevor sie die<br />

Fahrt mit neuer Einspeisung fortsetzen.<br />

Sind die NGT6 der CVAG ausschließlich<br />

nach Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung<br />

(BOStrab) ausgeführt und zugelassen<br />

(wodurch sie nicht nach Stollberg fahren<br />

dürfen), so sind die sechs Schwesterfahrzeuge<br />

der City-Bahn mit allen eisenbahnrelevanten<br />

Sicherheitsapparaturen (Signalhorn,<br />

Dreipunkt-Spitzenbeleuchtung, Geräte zur<br />

punktförmigen Zugbeeinflussung etc.) ausgerüstet.<br />

Auf dieser Basis verfügen sie über<br />

eine Zulassung sowohl nach BOStrab als<br />

auch nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung<br />

(EBO). Gewartet und unterhalten<br />

werden die Variobahnen der City-Bahn gemeinsam<br />

mit den CVAG-<strong>Wagen</strong> im Chemnitzer<br />

Betriebshof Adelsberg.<br />

Seit Dezember 2002 fahren wochentags<br />

täglich vier sowie an Feiertagen und am Wochenende<br />

ab Samstagnachmittag zwei der<br />

sechs Niederflurwagen der City-Bahn auf der<br />

KBS 522 im Halb- bzw. Stundentakt nach<br />

Stollberg. Einwohner <strong>von</strong> Stollberg und Umgebung<br />

kommen so umsteigefrei in die<br />

Chemnitzer Innenstadt. Dabei bedienen sie<br />

seit 2002 vier neue Stationen: im Chemnitzer<br />

Stadtgebiet die Haltepunkte Riemenschneiderstraße<br />

und Klaffenbach, in Stollberg<br />

den Haltepunkt Schlachthofstraße<br />

sowie nachträglich seit 2006 den Haltepunkt<br />

Chemnitz Friedrichstraße. Alle Stationen<br />

entstanden nach modernen Gesichtspunkten.<br />

Dazu zählen eine Bahnsteighöhe <strong>von</strong><br />

20 cm zum niveaugleichen Ein- und Ausstieg,<br />

Fahrgastunterstände mit Informationsanlagen,<br />

dynamische Fahrgastinformation,<br />

Parkmöglichkeiten für Fahrräder und<br />

Pkw sowie verbesserte Umsteigebeziehungen<br />

zu den regionalen Buslinien.<br />

Visualisiert die obere Grafik die einzelnen<br />

Stufen des „Chemnitzer Modells“, so zeigt die<br />

kleinere Grafik die Situation am Chemnitzer<br />

Hauptbahnhof S. PASCHINSKY (2)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

19


Betriebe<br />

Die KBS 522 nach Stollberg – hier am<br />

12. Januar 2013 mit Tw 414 – gilt für<br />

das „Chemnitzer Modell“ als Pilotstrecke.<br />

Manchmal wird deshalb<br />

auch <strong>von</strong> „Stufe 0“ gesprochen<br />

M. BERGELT<br />

Von City-Bahn betriebene Eisenbahnen<br />

KBS-Nr. Strecke Länge Betriebsaufnahme<br />

516 Chemnitz – Hainichen 25,9 km 11.12.2004<br />

522 Chemnitz – Stollberg 23,1 km 28.05.1998 KEG<br />

14.12.2002* City-Bahn<br />

523 Stollberg – Glauchau 26,7 km 15.02.2003<br />

525 Chemnitz – Burgstädt 14,5 km 10.07.2002<br />

* seit 2002 mit Stadtbahnnetz verknüpft und <strong>von</strong> Variotrams befahren;<br />

der Betrieb wird auf den übrigen Linien wird mit Dieseltriebwagen vom<br />

Stadtler-Typ „Regio-Shuttle“ und eigenem Personal erbracht<br />

• zusätzlich ist die City-Bahn für die Schnellbuslinie 526 Chemnitz –<br />

Limbach-Oberfrohna verantwortlich<br />

Ende 2011 zeigte auf der Straße der Nationen<br />

in Höhe der Zillestraße das Ende der Tramgleise<br />

noch auf ein Gebäude. Am 19. Oktober<br />

war da<strong>von</strong> nichts mehr zu sehen C. WETTEBORN (2)<br />

Die Fahrgastzahl hat sich im Vergleich zur<br />

Zeit vor 2002 auf das Fünf- bis Sechsfache<br />

gesteigert. Waren um die Jahrtausendwende<br />

täglich etwa 1.000 „Beförderungsfälle“ in<br />

Richtung Stollberg gezählt worden, so sind<br />

es in den vergangenen Jahren stets 5.000 bis<br />

6.000 pro Tag gewesen.<br />

Die Eisenbahnstrecke nach Stollberg selbst<br />

wurde bei ihrer Elektrifizierung mit einem<br />

ESTW-Stellwerk (in Stollberg), einer automatischen<br />

Gleisfreimeldeanlage und einer<br />

punktuellen Zugbeeinflussung ausgestattet.<br />

Güterverkehr ist auf der Eisenbahnlinie weiterhin<br />

möglich.<br />

Die Tram kommt in den Hbf<br />

Verkehren auf der Pilotstrecke des „Chemnitzer<br />

Modells“ die Stadtbahnen seit 2002<br />

bis Stollberg („Stufe 0“), so ist die Einbindung<br />

der Stadtbahngleise in den Chemnitzer<br />

Hauptbahnhof lange Zeit offen geblieben.<br />

In den vergangenen vier Jahren haben VMS,<br />

Stadtverwaltung Chemnitz, DB AG, CVAG<br />

und City-Bahn jedoch – fast wortwörtlich –<br />

gemeinsam dafür die Weichen gestellt, dass<br />

nun seit Februar 2013 die Variobahnen direkt<br />

in den Hbf fahren können.<br />

Damit besteht nun innerhalb des Bahnhofes<br />

eine direkte Umsteigemöglichkeit zwischen<br />

Stadtbahn und Eisenbahn. Die Trams<br />

halten jetzt nicht mehr vor dem Hbf, sondern<br />

direkt in der überdachten Bahnsteighalle.<br />

Vom Hauptbahnhof fahren die Stadtbahnen<br />

der Linie 522 nach Stollberg auf der Strecke<br />

der Linie 6 auf ca. 6,8 km Länge über<br />

die Straße der Nationen, die Zentralhaltestelle<br />

(dem Treffpunkt aller Stadtbahn- und<br />

vieler Buslinien im Stadtzentrum), die Annaberger<br />

Straße bis zur Gleisschleife in Altchemnitz<br />

klassisch auf den Stadtbahngleise.<br />

Danach beginnt die 16,3 km lange Eisenbahnstrecke<br />

nach Stollberg.<br />

Der Umbau des Hauptbahnhofes<br />

Im Rahmen der Umgestaltung des Chemnitzer<br />

Hauptbahnhofes für die geänderten<br />

Bedürfnisse der DB AG begannen im Jahre<br />

2009 auch die Vorbereitungen zur Einführung<br />

der Stadtbahngleise in den Hbf. Dies<br />

stellt eine erste Etappe für die Stufe 1 des<br />

„Chemnitzer Modells“ dar.<br />

Zunächst legte die CVAG dazu den eingleisigen<br />

Straßenbahnabschnitt durch die<br />

Georgstraße neben dem Hbf still. Die Lini-<br />

20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Chemnitz<br />

en 2, 6 und 522 endeten nunmehr auf dem<br />

Bahnhofsvorplatz an einem Stumpfgleis. Dadurch<br />

war die Bedienung des Bahnhofes<br />

lediglich noch mit Zweirichtungsfahrzeugen<br />

der CVAG und City-Bahn möglich.<br />

Parallel ließ die CVAG auf der Straße der<br />

Nationen das Doppelgleis <strong>von</strong> der Einmündung<br />

Georgstraße in Richtung Abzweig<br />

Hauptbahnhof verlängern, der sich in Höhe<br />

Zillestraße befindet. Nach dieser Baumaßnahme<br />

endeten die Gleise ab 2011 vor einem<br />

zum Abbruch vorgesehenen Gebäude an der<br />

Straße der Nationen.<br />

Ein Haus muss weg!<br />

Die DB AG ließ ihrerseits die Verkleidung<br />

der Bahnhofshalle im Stirn- und Seitenbereich,<br />

aber auch die Bahnsteiggleise 1 bis 4<br />

entfernen, um so den westlichen Bahnsteigbereich<br />

auf die Einfädelung <strong>von</strong> Stadtbahngleisen<br />

vorzubereiten.<br />

Um <strong>von</strong> der Straße der Nationen bis auf<br />

die Höhe des Gleisfeldes der Eisenbahn zu<br />

kommen, war nach dem Abriss des Gebäudes<br />

(im Winter 2011/12) die Schüttung eines<br />

Dammes erforderlich. Über diesen führen die<br />

Tramgleise seit Herbst 2012 im großen Bogen<br />

<strong>von</strong> hinten aus Richtung Norden in den<br />

Hauptbahnhof hinein. Die feierliche Erstbefahrung<br />

dieses Abschnittes fand am 7. Dezember<br />

2012 mit Tw 902 statt. Zu diesem<br />

Zeitpunkt war der Bau neuer, für die Variobahnen<br />

geeigneter Bahnsteige noch im vollen<br />

Gange.<br />

Inzwischen sind beide Bahnsteige für die<br />

vier Stadtbahngleise fertiggestellt, wenngleich<br />

seit Mitte Februar da<strong>von</strong> zunächst nur Gleis<br />

1 und 2 für das „Chemnitzer Modell“ benötigt<br />

werden. Die Gleise 3 und 4 werden erst<br />

ihrer Nutzung zugeführt, wenn die nächsten<br />

Etappen der Stufe 1 umgesetzt werden.<br />

Ab dem dritten Bahnsteig (Gleis 5 und 6)<br />

besteht die Möglichkeit zum Umstieg in die<br />

Regionalzüge der DB (oder anderer Anbieter).<br />

Die Gleise 5 bis 14 liegen aber ca. 2 m<br />

höher!<br />

Die Ausfahrt auf den<br />

Bahnhofsvorplatz<br />

Im Rahmen der 1. Stufe bisher noch nicht<br />

ausgeführt ist die direkte Ausfahrt vom<br />

Stadtbahn-Bahnsteig in Richtung Stadtmitte/Süden.<br />

Diese Arbeiten können erst jetzt<br />

beginnen, nachdem die bisherige Endhaltestelle<br />

auf dem Bahnhofsvorplatz nicht mehr<br />

bedient werden muss. Mit einem Baustart<br />

wird im Frühjahr gerechnet. Die Fertigstellung<br />

ist für Ende 2013 geplant. Dann können<br />

Stadtbahnzüge aus beiden Richtungen<br />

in den Hbf einfahren. Dadurch entfällt das<br />

Kopfmachen, wodurch dann auch Einrich-<br />

So kennen die älteren Chemnitzer ihre Straßenbahn. 1988 rangiert hier der schmalspurige<br />

Tw 332 mit einem Beiwagen vor dem Depot in Altendorf<br />

J. OTTO, SLG. J. FRIEDRICH<br />

Geschichte der Chemnitzer Straßenbahn<br />

Die Chemnitzer Straßenbahn besaß ursprünglich<br />

eine abnorme Spurweite. Vor dem Bau der Pferdebahn<br />

1879/80 hatte der englische Betreiber eine<br />

Spurweite <strong>von</strong> drei englischen Fuß festgelegt, was<br />

915 mm entsprach. Auch bei der Einführung des<br />

elektrischen Betriebes (1893) wurde diese Spurweite<br />

zunächst beibehalten. Nach wenigen Betriebsjahren<br />

erkannte man jedoch die Nachteile<br />

dieser vergleichsweise geringen Spurweite und<br />

drängte auf eine Verbreiterung. Aber man kam bis<br />

zum Ersten Weltkrieg nur bis auf 925 mm, eine<br />

weitere Verbreiterung war zunächst nicht möglich.<br />

So verkehrte ein Teil der Straßenbahn <strong>von</strong> Chemnitz<br />

bis zum Jahre 1988 in dieser Spurweite, bei<br />

der es sich um die schmalste einer Straßenbahn in<br />

ganz Deutschland handelte.<br />

Fahrzeugmangel führt zu Umspurung<br />

Da der Bau neuer Fahrzeuge für diese Spurweite<br />

unter DDR-Bedingungen nicht möglich war (es wurden<br />

lediglich neue Beiwagen beschafft) trat in den<br />

1950er-Jahren ein großer Mangel an einsatzfähigem<br />

Rollmaterial auf. Die „jüngsten“ Triebwagen<br />

stammten aus den Jahren vor 1930, so auch die<br />

Untergestelle und elektrische Ausrüstung der acht<br />

1950 in Gotha entstandenen „Aufbauwagen“.<br />

In dieser Misere fasste der Stadtrat <strong>von</strong> Chemnitz<br />

– seit 1953 Karl-Marx-Stadt genannt – in den<br />

1950er-Jahren den Beschluss, die Straßenbahn auf<br />

1.435 mm umzuspuren. 1958 begannen die Bauarbeiten<br />

auf der Annaberger Straße (Linie 5), 1960<br />

fuhren die ersten Normalspurfahrzeuge auf diesem<br />

Streckenabschnitt. Die Gleise wurden dabei<br />

auf einem eigenen Planum verlegt, womit zugleich<br />

der Wandel <strong>von</strong> der Straßen- zur Stadtbahn eingeläutet<br />

worden ist.<br />

Danach wuchs das (neue) Chemnitzer Straßenbahnnetz<br />

– bzw. eben jetzt korrekter Stadtbahnnetz<br />

– langsam, aber stetig an. 1988 endete auf<br />

der letzten 925-mm-Straßenbahnstrecke der Betrieb,<br />

seitdem wird der öffentliche Planbetrieb in<br />

Chemnitz ausschließlich auf regelspurigen Tramgleisen<br />

erbracht – mehrheitlich in Stadtbahnform.<br />

Damit war die Grundlage für das hier vorgestellte<br />

„Chemnitzer Modell“ geschaffen.<br />

J. FRIEDRICH/AM<br />

In Chemnitz-Harthau überquert die KBS 522<br />

(hier im April 2008) die Würschnitz, einen der<br />

beiden Quellflüsse der Chemnitz M. BERGELT<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

21


Betriebe<br />

Die aktuelle „Chemnitzer-Modell-Beklebung“ der CBC-Variobahnen 413 und 414<br />

(oben) und der CVAG-Variobahnen 905 und 910 (unten) FORTUNA-WERBEAGENTUR.DE<br />

Sonderbeklebungen der Variobahnen<br />

im ersten Halbjahr 2013<br />

Seit Januar 2013 sind je zwei Zweirichtungs-Variobahnen der CVAG und der City-Bahn Chemnitz (CBC)<br />

mit Hinweisen auf die Einweihung der Stadtbahnstrecke in den Chemnitzer Hauptbahnhof beklebt. Der<br />

angebrachte Schriftzug lautet: „Neuigkeiten vom Chemnitzer Modell +++ Einfahrt der Stadtbahn in den<br />

Hauptbahnhof Chemnitz +++ Wir sind drin – ab Februar 2013“.<br />

»Schnupperfahrten Hauptbahnhof«<br />

Am Wochenende 16. und 17. Februar 2013 fanden jeweils <strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr im Viertelstundentakt<br />

Pendelfahrten zum „Nulltarif“ zwischen der Zentralhaltestelle und dem Hbf statt. Geplant war der Einsatz<br />

<strong>von</strong> zwei Variobahnen, dem Gotha-Triebwagen 802 sowie dem Tatra-T3D-M-Zug 509/519. Die historischen<br />

<strong>Wagen</strong> verkehren <strong>von</strong> der Zentralhaltestelle weiter zum Straßenbahnmuseum im Stadtteil Kappel.<br />

Seit Montag, dem 18. Februar, führen die Linien 2, 6 und 522 regulär durch den Hauptbahnhof.<br />

tungsfahrzeuge der CVAG durch den Hbf<br />

geleitet werden können.<br />

Die <strong>von</strong> den beiden Stadtbahn-Bahnsteigen<br />

im Hbf direkt auf den Bahnhofsvorplatz<br />

führenden zwei Gleise sind gleichzeitig die<br />

Voraussetzung für die Vollendung der 1. Stufe<br />

des „Chemnitzer Modells“.<br />

Die Stufe 1 des<br />

»Chemnitzer Modells«<br />

Nach dem Ende der geplanten Gleisbauarbeiten<br />

im und vor dem Chemnitzer Hbf ist<br />

die Möglichkeit gegeben, mit speziellen Hybridfahrzeugen<br />

aus den Richtungen Burgstädt,<br />

Hainichen und Mittweida direkt ins<br />

Chemnitzer Zentrum zu fahren.<br />

Hierzu hat der VMS bei Vossloh eine Bestellung<br />

<strong>von</strong> acht neuen Stadtbahnwagen<br />

ausgelöst, die auf den CVAG-Gleisen elektrisch<br />

und auf den (teils nicht elektrifizierten)<br />

Gleisen der DB AG mit Dieselantrieb<br />

fahren können. Der Auftragswert dieser<br />

„Train-Trams“ beläuft sich auf 42 Mio. Euro<br />

(siehe auch <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

10/2012, S. 13). Der Geldbetrag für den<br />

Fahrzeugkauf wird großteils <strong>von</strong> der Sächsischen<br />

Staatsregierung bereitgestellt, andere<br />

Teile übernimmt der VMS.<br />

Damit wäre Chemnitz ab 2014 die nächste<br />

Stadt, die nach Karlsruhe, Kassel, Saarbrücken<br />

und Nordhausen dann Stadt-/Stra-<br />

Das Chemnitzer Modell verbindet ländliche Idylle<br />

mit großstädtischem Flair. Das zeigt auch diese<br />

Aufnahme <strong>von</strong> einer der sechs Variobahnen<br />

der City-Bahn Chemnitz GmbH. Auf der KBS 522<br />

ist die Stadttram am 6. Mai 2008 bei Klaffenbach<br />

auf dem Weg nach Stollberg M. BERGELT<br />

22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Chemnitz<br />

ßen bahnen und Regionalbahnen im größeren<br />

Umfang verbinden würde.<br />

In Vorbereitung dieser Stufe wurde im Jahr<br />

2006 <strong>von</strong> der Regionalbahn Kassel GmbH<br />

ein Zweisystemfahrzeug mit Elektro- und<br />

Dieselantrieb ausgeliehen. Die Testfahrten<br />

auf den Strecken im Chemnitzer Umfeld verliefen<br />

zufriedenstellend.<br />

Weitere Bauvorhaben<br />

Bestandteil der 2. Stufe des „Chemnitzer Modell“<br />

ist der Ausbau der Verbindung Chemnitz<br />

– Thalheim. Dabei soll einerseits die <strong>von</strong><br />

der Chemnitzer Innenstadt nach Süden verlaufende<br />

Stadtbahntrasse ertüchtigt werden,<br />

andererseits eine neue Verbindung zum Netz<br />

der DB AG geschaffen werden, um auf der<br />

so genannten Zwönitztalbahn bis Thalheim<br />

diese Infrastruktur nutzen zu können. Der<br />

neue Einbindepunkt ins DB-Netz ist südlich<br />

des Bahnhofes Chemnitz Süd geplant.<br />

Die Linienführung der geplanten etwa<br />

2,5 km langen neuen Stadtbahnstrecke ist<br />

bereits festgelegt. Sie erfolgt ab Bernsdorfer<br />

Straße über Turnstraße, Reichenhainer Straße<br />

bis zum Hörsaalzentrum und dem „Technopark<br />

Süd“. Die neue Trasse wird bis zu<br />

einem noch zu definierenden Punkt Straßenbahninfrastruktur<br />

nach BOStrab werden<br />

und ab dem Übergabepunkt auf bundeseigener<br />

Eisenbahninfrastruktur verlaufen.<br />

Um an dieser provisorischen Endstelle am Hauptbahnhof stumpf wenden zu können, kamen auf<br />

der Linie 6 Heck an Heck gekuppelte T3D-M-Traktionen zum Einsatz. Im Hintergund laufen die<br />

Bauarbeiten zur Einführung der Tramgleise in die Bahnhofshalle (6. Februar 2012) B. RASOV<br />

Der Neubau wird als Stadtbahnstrecke auf<br />

straßenbündigen Bahnkörper ausgeführt, die<br />

Planungen sehen ein Rasengleis mit vier Haltestellen<br />

und einer Wendeschleife vor.<br />

Im Rahmen weiterer Stufen ist außerdem<br />

die Einbindung <strong>von</strong> Olbernhau und Annaberg-Buchholz<br />

im Erzgebirge (Stufe 3), <strong>von</strong><br />

Limbach-Oberfrohna im nordwestlichen Vorfeld<br />

<strong>von</strong> Chemnitz (Stufe 4) sowie <strong>von</strong> Oelsnitz<br />

bei Stollberg (Stufe 5) in das „Chem nitzer<br />

Modell“ im Gespräch. Das STRASSEN-<br />

BAHN <strong>MAGAZIN</strong> wird in Zukunft regelmäßig<br />

über die Fortschritte aus Chemnitz berichten.<br />

JÜRGEN FRIEDRICH/ANDRÉ MARKS<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

23


Betriebe<br />

Oldie-Revival an der Isar<br />

Zwei „Isar-Klassiker“ am Karolinenplatz: P-Tw 2006 fuhr in den letzten Jahren im Advent als „Christkindl-Tram“<br />

durch München. Weil er nun wieder für den Liniendienst gebraucht wird, hat diese vorweihnachtliche<br />

Aufgabe im Advent 2012 der M-Tw mit der passenden Nummer 2412 übernommen<br />

München: Aufgearbeitete P-/p-Züge im Liniendienst Fahrplanverdichtungen trotz nicht<br />

verlässlich einsetzbarer Variobahnen – das bescherte fünf Kurzgelenkzügen eine neue Hauptuntersuchung.<br />

Die »Dicken« aus den 1960er-Jahren kommen auf den Linien 17 und 27 zum Einsatz<br />

Mit Fristablauf des letzten P-Triebwagens<br />

2021 sollte der Einsatz<br />

<strong>von</strong> Hochflurwagen im Liniendienst<br />

in München Ende 2012 eigentlich<br />

endgültig enden. Weil die insgesamt<br />

14 Variobahnen (Typ S 1.4 und S 1.5) aber<br />

nach wie vor weder vollständig noch zuverlässig<br />

und außerdem nicht flexibel einsetzbar<br />

waren, entschloss sich die Münchner<br />

Verkehrsgesellschaft (MVG) im Sommer<br />

2012 überraschend noch einmal zu einer Investition<br />

in ihre letzten verbliebenen Altwagen.<br />

Ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag<br />

wurde in die Hand genommen, um<br />

künftig auf insgesamt fünf kapazitätsstarke<br />

Kurzgelenkzüge aus P-Trieb- und p-Beiwagen<br />

für den Einsatz im Liniendienst zurückgreifen<br />

zu können.<br />

Die Maßnahme stand auch in Zusammenhang<br />

mit schon länger geplanten Fahrplanverdichtungen,<br />

<strong>von</strong> denen nun zumin-<br />

dest ein Teil zum 9. Dezember 2012 realisiert<br />

wurde (siehe <strong>STRASSENBAHN</strong> MA-<br />

GAZIN 12/2012). Seitdem sind in Spitzenzeiten<br />

an Vorlesungstagen der Hochschule<br />

maximal 90 Kurse im Netz unterwegs.<br />

Die Niederflurflotte umfasst im Grundsatz<br />

102 <strong>Wagen</strong> (68 dreiteilige R 2.2, 20 vierteilige<br />

R 3.3 und 14 Variobahnen), wobei die<br />

„Batterie-Variobahn“ 2301 nicht einsatzfähig<br />

zur Verfügung steht und wegen des andauernden<br />

Re-Design-Programms auch immer<br />

einige R 2.2 fehlen.<br />

Die letzten fünf <strong>von</strong> einst 44 „Pi“<br />

Die P-<strong>Wagen</strong> – im Sprachjargon der Münchner<br />

Trambahn übrigens englisch „Pi“ ausgesprochen<br />

– wurden <strong>von</strong> der Münchner Firma<br />

Rathgeber mit einer Lizenz <strong>von</strong> Hansa<br />

Waggonbau erstellt und sind den ehemaligen<br />

Bremer Kurzgelenkwagen daher auch<br />

wie aus dem Gesicht geschnitten. Zwischen<br />

1964 und 1969 wurden insgesamt 44 P-<br />

Trieb und 40 p-Beiwagen für die Münchner<br />

Tram gebaut. Sie wurden wegen ihrer großen<br />

Kapazität immer auf den am stärksten<br />

frequentierten Strecken bzw. auf den tangentialen<br />

Zubringerlinien zur U-Bahn eingesetzt.<br />

Ab Ende der 1990er-Jahre verdrängten<br />

neue Niederflurbahnen (Typ R 3.3)<br />

die Mehrzahl der noch betriebsfähigen P-/p-<br />

Züge. 22 Trieb- und 21 Beiwagen wurden<br />

nach Timisoara abgegeben, einige weitere<br />

„Dicke“ zu Partywagen umgebaut, zu Ersatzteilspendern<br />

degradiert oder verschrottet.<br />

Ganz ohne P-Züge kam der Trambetrieb<br />

an der Isar aber bisher noch nie aus.<br />

Um künftig wieder fünf für den Linienbetrieb<br />

einsatzbereite P-/p-Züge zu haben,<br />

wurden auch Fahrzeuge requiriert, die eigentlich<br />

nur noch für den Partyverkehr ohne<br />

die für den Plandienst notwendigen Ausstattungen<br />

vorgesehen waren (P-Tw 2006<br />

24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


München<br />

P-Tw 2031 erklimmt auf dem Weg zur<br />

Schwanseestraße den Nockherberg.<br />

Auf der Linie 17 sind vier Kurse für<br />

P-<strong>Wagen</strong>-Einsätze vorgesehen, wie<br />

viele „Dicke“ tatsächlich zum Einsatz<br />

kommen, hängt mit der Verfügbarkeit<br />

der Variobahnen zusammen<br />

F. BUCHLEITNER (2)<br />

XXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXXXXXXX<br />

XXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXXXXXXX<br />

Der P-Tw 2006 war zunächst meist solo unterwegs, wie hier am 17. Dezember<br />

2012 auf der Linie 17 am Romanplatz M. KRISCHE (2)<br />

Beim Blick ins Innere wird die Kapazitätsstärke eines P-/p-Zuges spürbar.<br />

Acht Türen gewährleisten zudem einen schnellen Fahrgastwechsel<br />

und 2031, p-Bw 3014 und 3039). Die Aufarbeitungsmaßnahmen<br />

an den einzelnen<br />

Fahrzeugen waren höchst unterschiedlich<br />

und reichten bis hin zu einer Kernsanierung<br />

(neue Böden, neuer Dachaufbau usw.).<br />

Münchens P-/p-Flotte<br />

P-Triebwagen:<br />

2006, 2010, 2021, 2028, 2031<br />

p-Beiwagen:<br />

3004, 3005, 3014, 3037, 3039<br />

Einsätze in Abhängigkeit <strong>von</strong> der<br />

Variobahn-Verfügbarkeit<br />

Für den Einsatz der Kurzgelenkzüge sind seit<br />

Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012<br />

montags bis freitags grundsätzlich vier Kurse<br />

der Linie 17 (Kurse 03, 06, 08, 10) und<br />

ein Kurs der Linie 27 (Kurs 32) vorgesehen.<br />

Wie viele aber tatsächlich im Netz unterwegs<br />

sind, hängt immer unmittelbar mit der Verfügbarkeit<br />

der Niederflurwagen und speziell<br />

der Variobahnen zusammen. So waren in<br />

den ersten Wochen nach Fahrplanwechsel<br />

an mehreren Tagen bis zu vier „Dicke“ im<br />

Dienst; ein P-Tw musste dabei sogar solo ran<br />

weil noch nicht genügend p-Beiwagen fertiggestellt<br />

waren und es gab sogar Samstagseinsätze!<br />

In den Ferien bzw. an vorlesungsfreien<br />

Tagen, wenn z.B. die Linie 22 nicht im<br />

Einsatz ist, kann es aber sein, dass sämtliche<br />

Kurse mit Niederflurwagen ausgestattet werden<br />

können. Im Januar trug auch eine stabil<br />

hohe Verfügbarkeit der Variobahnen, deren<br />

Einsatz auf die Linie 19 konzentriert<br />

wurde, dazu bei, dass der P-<strong>Wagen</strong>-Einsatz<br />

nicht mehr so üppig ausfiel. Für das Frühjahr<br />

rechnet die MVG mit der Zulassung<br />

weiterer Streckenabschnitte und Linien für<br />

die Variobahnen, die bislang außer auf der<br />

Linie 19 nur auf den Linien 20, 21 und 22<br />

eingesetzt werden dürfen.<br />

Die P-/p-Züge sind derzeit dagegen mit<br />

Ausnahme der Strecke der Linie 23 („Parkstadt-Tram“)<br />

und der Ende 2011 eröffneten<br />

Strecke nach St. Emmeram (Linie 16) – für<br />

diese Abschnitte ist der Lichtraumnachweis<br />

noch in Arbeit – für den Einsatz im kompletten<br />

Netz zugelassen. Allerdings gilt nach<br />

wie vor ein eingeschränktes Begegnungsverbot<br />

mit Variobahnen (Vorbeifahrt nur, wenn<br />

eines der beiden Fahrzeuge steht). Beim Einsatz<br />

der „Dicken“ wird darauf geachtet, solche<br />

Situationen zu vermeiden – die Linien 17<br />

und 27 haben kaum bzw. keine Berührungspunkte<br />

mit den bisherigen „Variobahnlinien“<br />

19 und 20/21/22.<br />

Kein langfristiges Einsatzkonzept<br />

Wie der P-<strong>Wagen</strong>-Einsatz nach der Zulassung<br />

der Variobahnen für weitere Linien –<br />

die 17 wird als nächste angestrebt – aussehen<br />

soll, ist derzeit noch offen. Mittelfristig<br />

hat sie die MVG als Betriebsreserve vorgesehen,<br />

um z. B. weitere Verbesserungsmaßnahmen<br />

an Bestandsfahrzeugen durchführen<br />

zu können (Beschleunigung Re-Design<br />

R 2.2, Ausrüstung R 3.3 mit Videoüberwachung<br />

und Infotainment). Zum Fahrplanwechsel<br />

im kommenden Dezember sollen<br />

aber schon sechs neue Avenio-Niederflurbahnen<br />

<strong>von</strong> Siemens für den Liniendienst zur<br />

Verfügung stehen (zwei weitere folgen). Allerdings<br />

sind auch zusätzliche Taktverdichtungen<br />

auf diversen Linien im Laufe des<br />

Jahres 2013 geplant. Zwar können die Kurzgelenkzüge<br />

nicht mit Niederflurkomfort<br />

punkten, dafür macht ihnen in puncto Spurtstärke,<br />

Kurvengängigkeit und Kapazität keiner<br />

der bislang in München fahrenden Niederflurtrams<br />

etwas vor. MICHAEL KRISCHE<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

25


Betriebe<br />

Vorbei am<br />

Schokoladenmuseum<br />

...<br />

Unterhalb der Burgruine Giebichenstein<br />

überquert die Kulturlinie 7 auf der<br />

Giebichensteinbrücke die Saale<br />

BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: S. VOCKRODT<br />

26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Halle (Saale)<br />

Daten & Fakten: HAVAG<br />

Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG)<br />

Freiimfelder Straße 74 · 06112 Halle<br />

www.havag.com<br />

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm<br />

Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13<br />

Streckenlänge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86,1 km<br />

Fahrzeuge: . . . . . . . . . . . 62 MGT6-D, 30 MGT-K,<br />

21 T4D, 11 B4D<br />

Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2<br />

Halles Kulturlinie 7 im<br />

Porträt Drei Linien verbinden<br />

die große Endstelle Kröllwitz<br />

mit dem Hauptbahnhof<br />

der Saalestadt. Die Linie 7<br />

braucht am längsten für diese<br />

Strecke, doch sie bietet dafür<br />

den schönsten Weg. Seit<br />

2010 vermarktet die HAVAG<br />

ihre »7« als Kulturlinie<br />

Im Nordwesten <strong>von</strong> Halle (Saale) liegt die<br />

Endstation Kröllwitz. Auf den ersten<br />

Blick wirkt sie wie eine gigantische Fehlplanung:<br />

eine doppelte Wendeschleife<br />

mit vier Bahnsteiggleisen mitten in einer<br />

weitgehend unbebauten Landschaft. Viel<br />

Grün, viel Tram, viel Asphalt – doch die<br />

nächsten Wohnhäuser sind mehrere Gehminuten<br />

entfernt. Dafür liegt <strong>von</strong> der Haltestelle<br />

nur einmal über die Straße das Landschaftsschutzgebiet<br />

Heide mit vielen Wegen<br />

für Spaziergänger und Erholungssuchende.<br />

In dieser Form ist die Endstelle noch keine<br />

zehn Jahre alt, als kombinierte, doppelte<br />

Wendeschleife mit Durchfahrgleisen besteht<br />

sie seit Herbst 2007. Hier enden drei Straßenbahnlinien<br />

der Halleschen Verkehrs-AG<br />

(HAVAG), den Anschluss zu den nächsten<br />

nicht <strong>von</strong> der Tram bedienten Stadtteilen<br />

stellen die Buslinien 21 und 22 her. Während<br />

die über Heide auf dem 2007 eröffneten Verbindungsstück<br />

nach Kröllwitz gelangende<br />

Linie 5 (Halle-Kröllwitz – Merseburg – Bad<br />

Dürrenberg, mit rund 31 Kilometer die<br />

längste Meterspurtramlinie Deutschlands)<br />

hier wendet, sind <strong>von</strong> Montag bis Freitag<br />

tagsüber die ebenfalls in Kröllwitz endenden<br />

Linien 4 (Hauptbahnhof – Saline – Heide –<br />

Kröllwitz) und die Linie 7 heute an Werk tagen<br />

umlauftechnisch verknüpft. Die Linie 7<br />

gehört zu den Halleschen Linien, die praktisch<br />

rund um die Uhr verkehren.<br />

Begeben wir uns nun zum Abfahrtgleis der<br />

Linie 7, denn gerade läuft ein MGT6D der<br />

Die neue Endhaltestelle in Halle-Büschdorf zeigt sich modern und geräumig. Sie bietet eine gute<br />

Möglichkeit zum Umstieg in Busse, wie auch hier am 3. Oktober 2012<br />

M. PIETSCHMANN<br />

In der Abendsonne kreuzen zwei MGT6D auf der Verschwenkung <strong>von</strong> der Delitzscher Straße<br />

Richtung Hauptbahnhof. Die Zweirichtungswagen dieses Typs sind Standard auf der Linie 7<br />

Vom Knoten Reileck kommend rollt Tw 601 die Große Brunnenstraße hinab Richtung Giebichenstein.<br />

Gleich muss der Zug am Ende des Pkw-Staus halten<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

27


Betriebe<br />

Tw 613 hat gerade die Haltestelle „Landesmuseum für Vorgeschichte“<br />

verlassen, dessen Eingang links ins Bild ragt. Hier wird die Himmelsscheibe<br />

<strong>von</strong> Nebra ausgestellt – wenn sie nicht gerade auf Tournee ist<br />

Von Burg Giebichenstein kommend nähert sich ein Zug der Linie 7 auf<br />

dem Weg in die Innenstadt der Haltestelle Triftstraße. Hier befährt die<br />

7 einen der ältesten Abschnitte des Halleschen Straßenbahnnetzes<br />

Zwischen Reileck und Markt teilt sich die „7“ die Trasse mit den Linien<br />

3 und 8, die beide nach Trotha fahren. In der Großen Ulrichstraße geht<br />

es mitunter recht eng zu. Dieser Abschnitt wird ab März 2013 saniert<br />

HAVAG als Linie 4 kommend ein. Das Matrixsignal<br />

wechselt auf „7 – Büschdorf“ und<br />

nach einem Fahrgastwechsel und kurzer Pause<br />

(laut Fahrplan drei Minuten) beginnt die<br />

Fahrt hinunter zur Saale und durch Halles<br />

alte Nordstadt.<br />

Baustellenbedingt über Steintor<br />

Zu Füßen <strong>von</strong> Burg Giebichenstein<br />

Unsere „7“ rollt zunächst am Rand der Dölauer<br />

Straße entlang, schwenkt dann in die<br />

Mitte der hier gut ausgebauten Straße, bevor<br />

sie in die abschüssige und nur zweispurige<br />

Kröllwitzer Straße einmündet. Wir passieren<br />

Vorstadthäuser und die im Gefälle<br />

liegende Haltestelle Louise-Peters-Straße,<br />

bevor die Bahn nach einem engen Rechtsbogen<br />

die Talstraße erreicht, unmittelbar am<br />

Saale-Ufer gelegen. Rechts erhebt sich ein<br />

grüner Hügel mit einem Ausflugslokal, das<br />

an warmen Tagen eine schöne Aussicht über<br />

das Saaletal und Burg Giebichenstein bietet.<br />

Am steilen Hang über dem Saaleufer findet<br />

sich etwas versteckt die „Brüderhöhle“.<br />

Nun rollt der Triebwagen über die Giebichensteinbrücke,<br />

den nördlichsten Saaleübergang<br />

auf Halleschem Stadtgebiet und<br />

entsprechend stark frequentiert. Zu Füßen<br />

des Burgbergs fährt die Tram nun die gleichnamige<br />

Haltestelle „Burg Giebichenstein“<br />

an. Hier trifft die „7“ erstmals mit der aus<br />

Trotha kommenden Linie 8 zusammen und<br />

wer das an Samstagen während der Sommermonate<br />

geöffnete Straßenbahnmuseum<br />

im alten Depot Seebener Straße besuchen<br />

will, sollte hier aussteigen. Man kann eine<br />

Haltestelle weiter mit Linie 8 in Richtung<br />

Trotha fahren oder die recht fotogene Strecke<br />

ablaufen. Das Depot ist weniger als fünf<br />

Fußminuten entfernt.<br />

Durch Giebichenstein nach Reileck<br />

Die „7“ biegt jedoch nach rechts in die Burgstraße<br />

ein, um nach weniger als zwei Fahrzeuglängen<br />

sich scharf nach links zu wenden,<br />

während die Linie 8 geradeaus<br />

weiterfährt. Nun muss sich die „7“ durch<br />

Giebichenstein quälen, was besonders während<br />

der Spitzenzeiten fast wörtlich zu nehmen<br />

ist, denn dann steht die Tram hier oft in<br />

Halle bleibt auch 2013 eine Straßenbahn-Großbaustelle.<br />

Nachdem mit Verlängerung der Linie 7<br />

nach Büschdorf Ost die große Ost-West-Achse fertiggestellt<br />

ist, wird nun die Sanierung auf den Nord-<br />

Süd-Ästen fortgesetzt. Konkret beginnt im März<br />

der Ausbau der Linie 1 zur Stadtbahn mit Sanierung<br />

der Gleise in der Großen Ulrichstraße und Torstraße.<br />

Neben einer weitgehenden Trennung der<br />

Fahrwege <strong>von</strong> Tram und Individualverkehr werden<br />

Oberleitungen erneuert sowie neue, barrierefreie<br />

Haltestellen angelegt. Von ersterer Maßnahme<br />

sind die Linien 3, 7 und 8 betroffen.<br />

Deshalb werden die Linien 3, 7 und 8 ab März<br />

umgeleitet, bzw. geteilt. Die Linien, die die Große<br />

Ulrichstraße durchfahren, verkehren zwischen Reileck<br />

und Markt über das Steintor, das betrifft auch<br />

die Kulturlinie 7. Daher kann ab März die Moritzburg<br />

nicht mit der Tram erreicht werden. Genauere<br />

Einzelheiten dazu wird man rechtzeitig auf der<br />

Internetseite der HAVAG erfahren. S. VOCKRODT<br />

beiden Fahrtrichtungen im Stau. Hinter der<br />

Haltestelle Triftstraße biegen wir wieder<br />

scharf nach rechts ab und erreichen mit dem<br />

nächsten Halt einen der für naturkundlich<br />

interessierte Menschen wesentlichen Anziehungspunkte<br />

der Saalestadt: Das Landesmuseum<br />

für Vorgeschichte bietet nicht nur<br />

paläologische Kostbarkeiten wie das komplette<br />

Skelett eines Altelefanten, sondern ist<br />

heute auch Heimat der Himmelsscheibe <strong>von</strong><br />

Nebra, dem ältesten astronomischen (und<br />

wohl auch astrologischen) Artefakt Europas.<br />

Am Rosa-Luxemburg-Platz gabelt sich die<br />

Strecke: Stadteinwärts kreuzt unser MGT6D<br />

das Gegengleis und rollt über die Adolfstraße<br />

zur Reilstraße. Das zweite Gleis auf diesem<br />

Stück dient zum Wenden <strong>von</strong> in Reileck<br />

28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Halle (Saale)<br />

2006 wurde der erste große Abschnitt der Ost-West-Strecke <strong>von</strong> Halle-Neustadt nach Büschdorf mit Fertigstellung der neuen Anlagen an<br />

Riebeckplatz und Hauptbahnhof abgeschlossen. Die Linien 4, 7, 9 und 10 halten seither unter den Gleisen der Halleschen S-Bahn. Der alte Wasserturm<br />

wirbt heute für den Zoo der Saalestadt<br />

GRAFIK: R. SCHWANDL<br />

Linie 7: Daten & Fakten<br />

Führung<br />

Kröllwitz – Burg Giebichenstein – Reileck –<br />

Markt – Franckeplatz – Riebeckplatz – Hauptbahnhof<br />

– Büschdorf<br />

Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . ca. 10,7 km<br />

Spurweite. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm<br />

Fahrzeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Minuten<br />

Anzahl Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24<br />

Takt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Min. (tagsüber)<br />

20 Min. (abends und sonntags)<br />

Fahrzeuge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . MGT6-D<br />

Weitere Informationen<br />

www.havag.com/service/freizeitangebote/<br />

kulturlinie-7<br />

endenden Zügen, während das stadtauswärtige<br />

Gleis auf der Richard-Wagner-Straße<br />

verbleibt und direkt in den großen Straßenbahnknoten<br />

Reileck mündet.<br />

Der zentrale Knoten Markt<br />

Nun vereinigt sich die Linie 7 mit der ebenfalls<br />

aus Trotha kommenden, aber direkt <strong>von</strong><br />

Nord nach Süd verkehrenden Linie 3. Am<br />

Mühlweg trifft auch die Linie 8 wieder auf<br />

diese Strecke, die nun nacheinander entlang<br />

der Bernburger Straße, der Geiststraße und<br />

der Großen Ulrichstraße zum Markt führt.<br />

Zuvor passiert die „7“ an der Haltestelle<br />

„Moritzburgring“ die Moritzburg. Die<br />

jüngste der Saaleburgen beherbergt im Westflügel<br />

ein Kunstmuseum.<br />

Halles Marktplatz wird seiner Bedeutung<br />

als Stadtzentrum vollauf gerecht. Seine Mitte<br />

ziert der 84 Meter hohe Marktturm, mit<br />

dem Halles Bürger einst alle Kirchtürme der<br />

Stadt in den Schatten stellen wollten, besonders<br />

die viertürmige Marktkirche. Von deren<br />

Verbindungssteg zwischen den beiden Osttürmen<br />

kann man einen faszinierenden Blick<br />

über die Stadt werfen. Die fünf Türme bilden<br />

das Wahrzeichen der Stadt. Das Glockenspiel<br />

im Marktturm gilt als das größte Europas.<br />

Am Marktturm prangt der Haller Roland,<br />

gegenüber und jenseits der Tramgleise steht<br />

das Denkmal für den großen Komponisten<br />

Georg-Friedrich Händel, der in Halle geboren<br />

wurde und später in London großen<br />

Ruhm erlangte. Auch das Rathaus befindet<br />

sich hier. Davor liegt noch immer ein Stumpfgleis,<br />

das <strong>von</strong> Zeit zu Zeit <strong>von</strong> Museumssonderzügen<br />

zum Wenden genutzt wird.<br />

An der Hochstraße entlang<br />

zum Riebeckplatz<br />

Mit den Linien 1, 3, 6, 8 und 11 zusammen<br />

fährt unsere „7“ nun durch Schmeer- und<br />

das nördliche Stück der Rannischen Straße<br />

hinunter zum Franckeplatz, der <strong>von</strong> den beiden<br />

aufgeständerten Stücken der Hochstraße<br />

schier erdrückt wird. Diese verstellen auch<br />

den Blick auf die historischen Gebäude des<br />

Lindenhofs und der Franckeschen Stiftungen,<br />

die heute teilweise als Museum und teilweise<br />

der Universität dienen. Die „7“ biegt<br />

nun links ab auf den zentralen Teil der gro-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

29


Betriebe<br />

Im Grünen liegt die großzügige, mit vier Bahnsteiggleisen versehene Endstelle Kröllwitz, an der die Linien 4, 5 und 7 (<strong>von</strong> links) enden. Der Zug<br />

der Linie 7 wird in Blickrichtung seine Fahrt herunter zur Saale antreten, die Busse stellen den Anschluss zur Siedlung Heide Nord her. Werktags<br />

wechseln hier die Züge der Linie 4 auf Linie 7 und umgekehrt<br />

Der Riebeckplatz wurde zu DDR-Zeiten im<br />

Stile eines „Saalhattan“ umgestaltet. Die<br />

Hochhäuser sind heute teilweise bereits Geschichte<br />

(Bild <strong>von</strong> 2007)<br />

ßen Ost-West-Achse, die nach 1990 <strong>von</strong> der<br />

Neustadt kommend über Saline, Franckeplatz,<br />

Riebeckplatz zum Hauptbahnhof und<br />

seit vergangenem Jahr über die Freiimfelder<br />

Straße hinaus wieder weiter nach Osten nach<br />

Büschdorf führt. Ab Franckeplatz teilt sich<br />

die „7“ ihren Weg mit der Linie 4 und der Linie<br />

9 bis zum Hauptbahnhof, wo Linie 4 endet<br />

und aus der Linie 9 die Linie 10 wird. Neben<br />

den Franckeschen Stiftungen liegt hier<br />

auch das „Beatlesmuseum“, um das Liverpool<br />

Halle beneidet.<br />

Nun wird die Strecke ein kleines Stück<br />

Berg- und Talbahn: Über eine Rampe erreicht<br />

die Trasse vom Franckeplatz kommend<br />

am Leipziger Turm die Höhe der<br />

Hochstraße, dann sinkt sie wieder hinunter<br />

ins tiefere Niveau, um den 2005, 2006 komplett<br />

neu gestalteten Riebeckplatz zu unterqueren.<br />

Dessen großes Rondell bietet einen<br />

Überblick über (fast) alle berühmten Hallenser,<br />

Halloren und Halunken …<br />

Und zum Schokoladenmuseum<br />

Apropos Halloren: Nicht nur die Geschichte<br />

dieser Halleschen Spezialität stellt das<br />

Schokoladenmuseum vor, das an der Haltestelle<br />

Grenzstraße erreicht wird. Diese wird<br />

erst seit 2011 wieder angefahren, als das erste<br />

Teilstück der sanierten Delitzscher Straße<br />

in Betrieb ging. Das Museum gehört zur<br />

Halloren-Schokoladenfabrik.<br />

Nun fährt die 7 auf der bis Juli 2012 sanierten<br />

Delitzscher Straße nach Büschdorf,<br />

doch der Name der Endstelle verdeckt, dass<br />

die Linie 7 mit der Sanierung auch um gut<br />

1,3 Kilometer verlängert wurde und insgesamt<br />

vier neue Haltestellen bedient.<br />

So liegt die neue Haltestelle Alfred-Schneider-Straße<br />

in etwa auf Höhe der alten Wendeschleife<br />

Büschdorf. Ab hier verläuft die<br />

neue Trasse eingleisig und führt am Nordrand<br />

der ausgebauten Delitzscher Straße entlang.<br />

Büschdorf wird nun fast durchfahren, die<br />

neue Endstelle Büschdorf liegt auf Höhe des<br />

Spargelwegs. Sie ist als zweigleisige Stumpfendstelle<br />

angelegt. Die Züge machen hier<br />

rund 23 Minuten Pause, bevor die Rückfahrt<br />

nach Kröllwitz und <strong>von</strong> da als Linie 4 wieder<br />

zum Hauptbahnhof beginnt.<br />

STEFAN VOCKRODT<br />

Den großen Marktturm Halles zieht der „Roland“,<br />

unmittelbar vor diesem liegt die Haltestelle,<br />

die sich unsere „7“ mit den Linien 1,<br />

3, 6, 8 und 11 teilt<br />

Die »7« als Kulturlinie<br />

Seit August 2010 verkehrt Halles Linie 7 als „Kulturlinie<br />

7“, den Vorbildern Dresdens (Linie 4) und<br />

Essens (Linie 107) folgend. Geschah dies zunächst<br />

unter weitgehendem Ausschluss der<br />

Öffentlichkeit, bewirbt die HAVAG die Linie heute<br />

auf ihrer Internetseite, <strong>von</strong> der man sich auch<br />

ein Werbeblatt mit Hinweisen auf die passierten<br />

kulturellen Attraktionen herunterladen kann.<br />

Dabei werden auch einige der Sehenswürdigkeiten<br />

vorgestellt, die abseits der Linie 7 liegen.<br />

Tatsächlich lässt sich mit der „7“ einen Großteil<br />

der Sehenswürdigkeiten Halles erreichen,<br />

womit sie den Titel „Kulturlinie“ tatsächlich verdient.<br />

S. VOCKRODT<br />

30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Nächster Halt: …<br />

Die Züge der Stadtbahnlinie 18 kreuzen auf ihrer Fahrt stadtauswärts den Sülzgürtel, bevor sie an diesem Mittelbahnsteig halten. Links hinter<br />

dem B-<strong>Wagen</strong>-Doppel befindet sich die Endhaltestelle der Kölner „Gürtelinie”13 auf dem Sülzgürtel selbst<br />

C. LÜCKER<br />

Nächster Halt:<br />

Sülzgürtel<br />

Die Geschichte des Kölner Stadtteils Sülz<br />

reicht bis in das Jahr 1145 zurück. Damals<br />

stand dort ein Gutshof mit dem Namen „Villa<br />

Sultz“. Über die Jahrhunderte hat sich der<br />

Name dann weiterentwickelt. Heut ist Sülz<br />

mit über 35.000 Einwohnern der viertgrößte<br />

Kölner Stadtteil. Deshalb ist neben der Stadtbahn<br />

auch eine gut ausgebaute Straßenanbindung<br />

wichtig. So ist Sülz auch über den sogenannten<br />

Kölner Gürtel erreichbar, eine<br />

wichtige Hauptstraße, die das linksrheinische<br />

Köln im Halbkreis erschließt. Die einzelnen<br />

Abschnitte sind nach den jeweiligen Stadtteilen<br />

benannt, durch die der Gürtel führt. Und<br />

so kommt auch die Haltestelle zu ihrem kuriosen<br />

Namen: Sie liegt am Sülzgürtel!<br />

Der Sülzgürtel wird heute <strong>von</strong> zwei Linien<br />

bedient: Die Linie 13 hat hier ihren Endpunkt<br />

und endet in der Mitte des vierspurigen Gürtels<br />

in einer Allee. Spannend ist hier, dass die<br />

Bäume quasi in den Mittelhochbahnsteig integriert<br />

wurden. Auf ihrem Weg nach Holweide<br />

befährt die 13 übrigens weite Teile des<br />

Gürtels, stellenweise sogar als Hochbahn auf<br />

einer Betonbrücke.<br />

In Nord-Südrichtung kreuzt außerdem die<br />

Linie 18, die Köln über die „Vorgebirgsbahn”<br />

mit der Nachbarstadt Bonn verbindet, den<br />

Sülzgürtel. In der Hauptverkehrszeit fährt die<br />

Linie 18 bis zum Klettenbergpark sogar im<br />

Fünf-Minuten-Takt.<br />

Am Sülzgürtel existiert zwischen den Streckenästen<br />

der Hochflurlinien 13 und 18 zudem<br />

noch eine Gleisschleife in Form einer<br />

Häuserblockumfahrung, die aber nur noch<br />

für Dienstfahrten genutzt wird. Ursprünglich<br />

diente sie den früher auf der Linie 13 eingesetzten<br />

Einrichtungs-Achtachsern zum Wenden.<br />

Vom Betriebshof Braunsfeld aus sind die<br />

Achtachser übrigens noch bis zum Jahr 2006<br />

auf die damalige Linie 6 zum Barbarossaplatz<br />

ausgerückt. Sie mussten wegen eines fehlenden<br />

Gleisbogens am Sülzgürtel regelmäßig auf<br />

dem Gegengleis über die Kreuzung fahren, um<br />

vom Gürtel in die Luxemburger Straße einbiegen<br />

zu können. CHRISTIAN LÜCKER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

31


Betriebe<br />

Trambefürworter<br />

aus Überzeugung<br />

Ein Stadtbahnwagen im<br />

Hauptbahnhof – dass Straßenund<br />

Eisenbahn in Karlsruhe<br />

attraktiv und beispielhaft vernetzt<br />

sind, daran hat Georg Drechsler<br />

wesent lichen Anteil<br />

A. MÜLLER<br />

Kluge Entscheidungen für<br />

Karlsruhe und Bremen<br />

Am 20. Dezember 2012<br />

verstarb Georg Drechsler –<br />

bis 1996 stellvertretender<br />

Betriebsleiter der Karlsruher<br />

Verkehrsbetriebe, bis 2010<br />

Vorstandsvorsitzender der Bremer<br />

Straßenbahn AG (BSAG).<br />

Als »Diplomat und Kämpfer«<br />

prägte er beide Gesellschaften<br />

Im Alter <strong>von</strong> 63 Jahren ist in Bremen kurz<br />

vor Weihnachten 2012 Georg Drechsler<br />

– bis 2010 Vorstandsvorsitzender der<br />

Bremer Straßenbahn AG (BSAG) – verstorben.<br />

In einer Mitteilung an die Belegschaft<br />

bezeichnete der BSAG-Vorstand<br />

Drechsler als „Diplomat und Kämpfer zugleich“.<br />

Für Viele charakterisiert diese Einschätzung<br />

den anerkannten Fachmann und<br />

überzeugten Verfechter der Sache Bahn, wie<br />

sie ihn immer wieder engagiert und gewinnend<br />

erlebt haben.<br />

Karlsruhe und Bremen<br />

Drechsler wurde im Juli 1949 in Köln geboren,<br />

wo er auch sein Abitur absolvierte.<br />

Im Anschluss nahm er ein Ingenieurstudium<br />

an der Universität Karlsruhe mit Schwerpunkt<br />

Städtebau und Verkehrswesen auf. In<br />

den Semesterferien steuerte er Straßenbahnen<br />

durch Karlsruhe – die <strong>von</strong> diesem Verkehrsmittel<br />

ausgehende Faszination hatte ihn<br />

schon früh „gepackt“. Folgerichtig stieg<br />

Drechsler nach seinem Studium bei den<br />

Karlsruher Verkehrsbetrieben ein, bei denen<br />

er über zwei Jahrzehnte blieb.<br />

Er begann als wissenschaftlicher Assistent<br />

und avancierte schließlich zum stellvertretenden<br />

Betriebsleiter. Gemeinsam mit Direktor<br />

Dieter Ludwig entwickelte und verwirklichte<br />

er mit großem Erfolg das<br />

„Karlsruher Modell“, bei dem regionale und<br />

städtische Strecken mit einem Fahrzeug befahren<br />

werden, womit der ÖPNV vielen<br />

Menschen eine bedeutend höhere Flexibilität<br />

bietet. Anfang 1997 verließ Drechsler<br />

Krankheitsbedingt zog sich Georg Drechsler<br />

bereits Ende 2010 <strong>von</strong> seiner Vorstandstätigkeit<br />

zurück. Die BSAG verabschiedete ihren<br />

langjährigen Vorstandsvorsitzenden am 28. Januar<br />

2011, hier auf der Fahrt zur Fa.-Zentrale<br />

an der Domsheide<br />

A. MAUSOLF<br />

nach 22 Jahren die Karlsruher Verkehrsbetriebe<br />

und folgte einem Ruf an die Weser.<br />

Bei der Bremer Straßenbahn AG wurde er<br />

Vorstandsmitglied für Technik, Betrieb, Marketing<br />

und Kommunikation. Auch in Bremen<br />

– so einer seiner Ansätze – sollte der<br />

Übergang <strong>von</strong> Eisenbahn und Straßenbahn<br />

fließend werden. Doch hier hatte er mit Vorbehalten<br />

im kleinsten Bundesland und mit<br />

den Nachbarn in Hannover zu kämpfen.<br />

Manche Idee – wie die projektierte Linie 11<br />

<strong>von</strong> Delmenhorst, mitten durch Bremen nach<br />

Oberneuland – ließ sich nicht umsetzen.<br />

Das Motto: Geduldig Dranbleiben!<br />

Drechsler war dabei klar, dass vieles mit Personen<br />

und Konstellationen zusammenhing,<br />

die nicht unveränderlich sind. Sein Motto<br />

lautete: Dranbleiben und später verbessert<br />

erneut betreiben. Er betrieb mit Nachdruck<br />

den Ausbau des Tram-Netzes, stritt dabei<br />

wenn nötig in vorderster Linie als überzeugender<br />

Mittler auf Bürgerversammlungen<br />

und in politischen Gremien. Er konnte eingestehen,<br />

wenn etwas „schief gelaufen“ war.<br />

Wie z.B. in Lilienthal, wo die Verlängerung<br />

der Linie 4 im dritten Bauabschnitt zunächst<br />

kein Selbstläufer war. Hier war hier parallel<br />

zu politischen Kapriolen zeitweise der Bürgerdialog<br />

aus dem Ruder gelaufen. Drechsler<br />

sorgte dafür, dass mit Erfolg nachgebessert<br />

wurde. Es war ihm gewiss Genugtuung<br />

zu erfahren, dass die projektierte Verlängerung<br />

der Linie 8 ins niedersächsische Umland<br />

nun doch – wenn auch mit reichlicher<br />

Verspätung – Realität wird. Das Ende der<br />

Zitterpartie um die wichtigen Huchtinger<br />

Projekte, für die er sich immer verstärkt eingesetzt<br />

hatte, hat er noch miterlebt.<br />

Drechsler wusste, nur Überzeugung durch<br />

optimierten Service bedeutet neue Kunden.<br />

Und unter besserem Service verstand er sowohl<br />

dichtere Takte als auch neue Linien.<br />

Restrukturierung geriet unter ihm nicht zum<br />

Kaputtsparen. Die auferlegte Verringerung<br />

des Verlustausgleichs durch die Hansestadt<br />

war für ihn Ansporn: Er strebte an, die Verlustreduzierung<br />

in erheblichem Maße durch<br />

neue Fahrgäste und entsprechende Einnahmesteigerungen<br />

zu erzielen. Nicht ohne ein<br />

wenig Stolz konnte er im Interview mit dem<br />

32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Karlsruhe/Bremen<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> im Jahre<br />

2006 vermelden, dass bereits ein Drittel der<br />

Verlustreduzierung auf diesem Wege zustande<br />

kam.<br />

Drechsler war in vielen überregionalen<br />

Gremien und Ausschüssen tätig, wodurch er<br />

ein wertvolles Kontaktnetz knüpfen und Erfahrungsaustausch<br />

zum Nutzen der BSAG<br />

Drechsler genoss es, bei seiner Verabschiedung<br />

am 28. Januar 2011 auf der „Bühne“ des historischen<br />

Zweiachsers mit offener Plattform<br />

zu stehen und noch einmal viele Weggefährten<br />

– nicht nur aus Bremen und Karlsruhe –<br />

wieder zu sehen A. MAUSOLF (2)<br />

Im Herbst 1998 begrüßte Drechsler den damaligen<br />

Chef des Verkehrsbetriebs Timisoara,<br />

Nicolae Marcu, in Bremen zu einer Rundfahrt.<br />

Links Frau Marcu, rechts Marcus Deutschland-<br />

Koordinatorin Iuliana Potcoava, die spätere<br />

Vorsitzende des Tramclub Banat<br />

betreiben konnte. Noch nach seinem Ausscheiden<br />

aus dem Vorstand Ende 2010 engagierte<br />

er sich an verantwortlicher Stelle für<br />

die Weiterentwicklung der „Airport-City“<br />

ganz in der Nähe der BSAG-Hauptverwaltung<br />

am Flughafendamm.<br />

Sein Freund und Salzburger Kollege Gunter<br />

Mackinger formulierte treffend, Drechsler<br />

sei „Vorbild als charismatische Führungspersönlichkeit<br />

im Schienenverkehr, einem<br />

bedeutenden gesellschaftlichen Bereich,<br />

in dem es an solchen Personen mangelt.“<br />

Für Bremen war Drechsler ein Glücksgriff,<br />

weil er in einer wichtigen Epoche für den<br />

ÖPNV diesem Themenbereich ein populäres<br />

Gesicht gab. Sein hoher Beliebtheitsgrad<br />

Die Münchner Niederflur-Prototypen wurden<br />

bei der BSAG auf ihr neues Einsatzgebiet im<br />

schwedischen Norrköping eingerichtet. Am<br />

1. September 1999 präsentierten Georg<br />

Drechsler und sein Münchner Kollege Herbert<br />

König in Bremen Tw 22 für Schweden.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

33


Betriebe<br />

Fließende Übergänge zwischen Straßenbahn und Eisenbahn waren Georg Drechslers Credo. So steuerte er im Herbst 2005 persönlich den Kasseler<br />

Hybrid-Triebwagen 757 über die Strecke der Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH). Die BSAG-Tochter Weserbahn (ex BVG) hatte 2003 ein<br />

Viertel der Anteile an der VGH und deren Betriebsführung übernommen<br />

A. MAUSOLF<br />

bei der Belegschaft der BSAG und bei seinen<br />

Gesprächspartnern, aber auch bei jenen,<br />

die sich eigentlich nur am Rande mit<br />

der Materie Nahverkehr befassen, lag in einer<br />

sehr persönlichen Mischung aus hoher<br />

fachlicher und menschlicher Kompetenz sowie<br />

<strong>von</strong> Ernsthaftigkeit und Herzlichkeit<br />

begründet, mit der er seinem Gegenüber begegnete.<br />

Sein Charisma nährte sich neben dieser<br />

ganz persönlichen Art auch aus einem Aspekt,<br />

der wesentlichen Anteil an seiner<br />

Glaubwürdigkeit hatte. Drechsler war mit<br />

Ablösung am Fahrschalter<br />

Um beliebte Persönlichkeiten ranken sich Anekdoten:<br />

Zitieren wir eine, die Drechslers Leidenschaft<br />

für die Bahn und seine persönliche Art treffend<br />

skizziert. In seiner Anfangszeit in Bremen kam er<br />

eines Tages auf dem Heimweg auf den Gedanken,<br />

er könnte eigentlich einmal wieder selbst eine<br />

Tram fahren. Das hatte er auch schon in Karlsruhe<br />

immer wieder einmal getan. So stieg er ein und<br />

sprach mit der ihm stets eigenen gewinnenden<br />

Freundlichkeit den Fahrer an. Er sei der neue Direktor<br />

und möchte ihn an der Kurbel ablösen. Der<br />

Leib und Seele „Bahner“. In karger Freizeit<br />

engagierte er sich mit seiner späteren Frau<br />

Insa auch bei der DEV-Schmalspurbahn in<br />

Bruchhausen-Vilsen. So ließ er es sich nicht<br />

nehmen, im Jahre 2005 einen Kasseler<br />

„Leihwagen“ zwischen Bruchhausen-Vilsen<br />

und Syke selbst zu fahren. Er hat sich vehement<br />

für die Revitalisierung dieser Bahnstrecke<br />

als Zubringer zum Museumsbetrieb<br />

eingesetzt.<br />

Eines hat Drechsler übrigens stets interessiert:<br />

Er wollte wissen, wie im rumänischen<br />

Timisoara die „Altflotten“ der Bremer und<br />

Fahrer soll schlicht sprachlos gewesen sein. Drechsler<br />

– den Namen hatte er wohl schon gehört, aber<br />

gesehen hatte er „den Neuen“ offenbar noch nicht.<br />

Und üblich war es bisher auch nicht, dass da ein<br />

Vorstand kommt und einen so einfach auf die hinteren<br />

Bänke bittet. Da könne ja jeder kommen,<br />

brachte er schließlich noch immer verblüfft heraus<br />

und Drechsler wies sich lachend aus. Recht hätte<br />

der Kollege, räumte der neue Direktor ein, so einfach<br />

dürfe man das „Ruder“ eben nicht aus der<br />

Hand geben…<br />

ANDREAS MAUSOLF<br />

der Karlsruher Straßenbahn gemeinsam weiterhin<br />

beste Dienste leisten. So begrüßte er<br />

zum Beispiel im August 1998 den damaligen<br />

Leiter der Verkehrsbetriebe Timisoara bei<br />

dessen Besuch in Bremen und vermittelte bei<br />

einer großen Fahrt über das Bremer Netz<br />

umfangreiche Erfahrungen. Die große und<br />

überzeugte Unterstützung, die Drechsler<br />

durch die Abgabe <strong>von</strong> Trambahnen nach Timisoara<br />

gewährte, erleichterte bei diesem ansonsten<br />

nicht immer problemlosen Projekt<br />

Vieles.<br />

Großes Vertrauen:<br />

Zweimal wieder ernannt<br />

2000 wurde Drechsler zum ersten Mal zum<br />

Vorstandsvorsitzenden ernannt, 2008 zum<br />

dritten Mal. Offiziell hätte seine Amtszeit<br />

bis Januar 2012 gedauert, doch aus gesundheitlichen<br />

Gründen kündigte er am<br />

21. Juni 2010 seinen Abschied zum 31. Dezember<br />

2010 an. Am 28. Januar 2011 verabschiedete<br />

die BSAG mit einer großen<br />

Feierstunde ihren ehemaligen Vorstandsvorsitzenden.<br />

Zu seiner großen Freude wurde<br />

er hierzu mit einer Sonder-Straßenbahn<br />

abgeholt. Drechsler hinterlässt eine Frau<br />

und zwei Kinder, denen unser tiefes Mitgefühl<br />

gilt.<br />

ANDREAS MAUSOLF<br />

34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


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UND SO GEHT’S: Gesucht wird der Name eines bedeutenden<br />

Knotens im Berliner S-Bahn-Netz, der sich aus den Antworten<br />

auf die folgenden acht Fragen ergibt.<br />

Frage 1: In welcher Stadt der Schweiz ist der „Place Pury“<br />

die zentrale Drehscheibe des städtischen Nahverkehrs?<br />

(siehe auch S. 62/63)<br />

Frage 2: Welcher niederflurige Fahrzeugtyp der Chemnitzer<br />

Straßenbahn bereichert seit Februar das Betriebsgeschehen<br />

in der Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs?<br />

(siehe auch Beitrag ab S. 16)<br />

Frage 3: Wie hieß der polnische Hersteller des Straßenbahnwagens<br />

vom Typ 13N dessen Einsatzende in Warschau<br />

nun gekommen ist? (siehe auch Beitrag ab S. 56)<br />

Frage 4: Drei deutsche Betriebe beschafften Stadtbahn -<br />

wagen vom Typ N. Welche Stadt hatte mit 54 Exemplaren<br />

die größte Flotte dieses normalspurigen <strong>Düwag</strong>-Typen?<br />

(siehe auch Titelgeschichte ab S. 42)<br />

Frage 5: Welcher Verkehrsbetrieb betreibt eine Straßenbahnlinie,<br />

die an einem Schokoladenmuseum vorbeiführt? (siehe<br />

auch Linienporträt ab S. 26)<br />

Lösungswort:<br />

s s s<br />

Schreiben Sie eine E-Mail an<br />

redaktion@strassenbahnmagazin.de<br />

Senden Sie eine Postkarte an <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>,<br />

Gewinnspiel, Infanteriestr. 11a, 80797 München<br />

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Füllen Sie dazu einfach die einem Teil der Auflage beiliegende<br />

Postkarte aus.<br />

Bitte vergessen Sie nicht, Ihren Namen, Ihre Anschrift, eine Telefonnummer,<br />

unter der wir Sie erreichen können, und – falls<br />

vorhanden – Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Alle Gewinner<br />

werden schriftlich informiert.<br />

Angestellte der GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH sowie deren Tochtergesellschaften<br />

und deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Die Teilnahme muss persönlich<br />

erfolgen und ist nicht über einen Beauftragten oder eine Agentur möglich. Der Rechtsweg<br />

ist ausgeschlossen.<br />

Datenschutz- und wettbewerbsrechtliche Einwilligungserklärung:<br />

Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel, konkret durch das Zusenden einer Postkarte<br />

oder einer E-Mail mit meinen Daten, willige ich in die Verarbeitung, Speicherung und Nutzung<br />

meiner personenbezogenen Daten unter Beachtung des Datenschutzgesetzes ein.<br />

Die Daten werden für Marketingzwecke und zur Übermittlung <strong>von</strong> Produktinformationen<br />

via Post, Telefon, Fax oder E-Mail (nicht Gewünschtes bitte streichen) <strong>von</strong> der GeraNova<br />

Bruckmann Verlagshaus GmbH (www.verlagshaus.de) sowie den dazugehörenden Einzelverlagen<br />

GeraMond Verlag GmbH, Bruckmann Verlag GmbH, Christian Verlag GmbH,<br />

Frederking & Thaler Verlag GmbH gespeichert und genutzt.<br />

Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit bei der GeraNova Bruckmann<br />

Verlagshaus GmbH bzw. der GeraMond Verlag GmbH widerrufen kann.<br />

Einsendeschluss: 15. April 2013


Betriebe<br />

Große Ziele, wenig Geld<br />

Graz: Straßenbahn-Ausbau in Gefahr In der steiermärkischen Landeshauptstadt stehen für<br />

die Tram zahlreiche dringende und sinnvolle Ausbauprojekte an. Anfang 2013 verkündete die<br />

Stadtregierung aber einen Sparkurs und brachte damit den geplanten Netzausbau ins Wanken<br />

36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Österreich: Graz<br />

Seit 26. November 2012 wird die neue unterirdische<br />

Tram-Haltestelle am Grazer Hauptbahnhof<br />

bedient. Am 12. Januar 2013 fährt<br />

Cityrunner 665 als Linie 6 in die großzügig,<br />

hell und freundlich gestaltete Station ein<br />

Wegen einer Gleissanierung in der Annenstraße war die Linie 7 im Sommer 2012 unterbrochen,<br />

weshalb der Triebwagen 610 hier am Jakominiplatz wendet ALLE AUFNAHMEN: R. SCHREMPF<br />

Mit der neuen unterirdischen Tram-<br />

Haltestelle am Grazer Hauptbahnhof<br />

gelang es, die Verkehrswie<br />

auch die Betriebsabwicklung<br />

auf ein zeitgemäßes Niveau zu heben. Zahlreiche<br />

weitere Ausbauprojekte stehen zur Realisierung<br />

an. Doch Anfang 2013 verkündete<br />

die Grazer Stadtregierung einen Sparkurs und<br />

brachte damit geplante Netzausbauten ins<br />

Wanken. Ohne Mitfinanzierung durch den<br />

Bund und das Land wird die Stadt größere<br />

Netzausbauten nicht stemmen können, doch<br />

fehlen dafür in Österreich klare Strukturen. Die<br />

Holding Graz Linien gerät durch den S-Bahn-<br />

Ausbau zunehmend unter Druck, allein am<br />

Hauptbahnhof werden die Passagierzahlen bis<br />

zum Jahr 2015 <strong>von</strong> derzeit 30.000 auf 40.000<br />

ansteigen. Statt in neue Straßenbahnrouten soll<br />

daher in die Kapazitätserhöhung im Bestandsnetz<br />

investiert werden.<br />

Hohe Smog- und Feinstaubbelastung<br />

Graz ist die Landeshauptstadt im Bundesland<br />

Steiermark, mit 270.000 Einwohnern die<br />

zweitgrößte Stadt Österreichs und mit über<br />

45.000 Studierenden eine bedeutende Universitätsstadt.<br />

An Werktagen pendeln 76.000<br />

Personen aus dem Großraum (rund 439.000<br />

Einwohner) in die Stadt Graz, die wegen ihrer<br />

topografischen Lage in einem Talbecken<br />

besonders anfällig für die verkehrsbedingte<br />

Luftverschmutzung ist. Besonders im Winter<br />

kommt es oft zur Inversionswetterlage, die<br />

einen Luftaustausch im Grazer Becken verhindert<br />

und eine hohe Smog- und Feinstaubbelastung<br />

bewirkt. Die „Verkehrspolitischen<br />

Leitlinien 2020“ sehen daher eine<br />

Verschiebung der Anteile des motorisierten<br />

Individualverkehrs hin zum Umweltverbund<br />

(Öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußgängerverkehr)<br />

vor.<br />

Die Holding Graz Linien (früher: Grazer<br />

Verkehrsbetriebe und Graz AG Verkehrsbetriebe)<br />

beförderten 2011 über 101 Mio.<br />

Fahrgäste mit steigender Tendenz, da<strong>von</strong> 53<br />

Mio. Fahrgäste mit der Straßenbahn. Graz<br />

verfügt über ein relativ gut ausgebautes öffentliches<br />

Verkehrsnetz, das Teil des Steirischen<br />

Verkehrsverbundes ist. Das Straßenbahnnetz<br />

besteht aus sechs Linien, die<br />

sternförmig aus den Außenbezirken kommend<br />

durch das Stadtzentrum führen.<br />

Abends und an Wochenenden werden einige<br />

Linien verkürzt bzw. zusammengefasst<br />

(Linien 13 und 26). Zudem betreiben die<br />

Graz Linien rund 30 Buslinien, die Standseilbahn<br />

und einen Aufzug auf den Schlossberg.<br />

An Wochenenden sowie in den Nächten<br />

vor Feiertagen verkehren Nachtbuslinien.<br />

3,7 km neue Tramstrecken<br />

Nachdem im Jahr 1989 die Linie 1 um 500<br />

Meter bis zum Unfallkrankenhaus Eggenberg<br />

verlängert wurde, dauerte es bis ins Jahr<br />

2003, ehe die Stadt Graz die Weichen für den<br />

weiteren Tramausbau stellte, um neue Wohnund<br />

Gewerbegebiete aufzuschließen. Parallel<br />

dazu wurde nach dem Konzept „Steirertakt“<br />

des Landes Steiermark auf allen <strong>von</strong><br />

Graz ausgehenden Eisenbahnstrecken ein S-<br />

Bahn-Betrieb eingerichtet. Fünf Nahverkehrsknoten<br />

sollten eine Verknüpfung beider<br />

Systeme herstellen. Über die wichtigsten<br />

Punkte gibt der Kasten auf Seite 39 einen<br />

Überblick.Mit insgesamt 3,7 km Neubaustrecken<br />

bedeutete dies die größte Erweiterung<br />

im Grazer Straßenbahnnetz seit 1941,<br />

nachdem in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />

das Schienennetz stark dezimiert wurde.<br />

Unterirdische Straßenbahnstation<br />

am Hauptbahnhof<br />

Zuletzt entstand als Herzstück der Nahverkehrsdrehscheibe<br />

Hauptbahnhof die unterirdische<br />

Anbindung der Straßenbahn (65<br />

Mio. Euro Errichtungskosten). Für den Bau<br />

der Unterflur-Trasse musste die Schleife vor<br />

dem Hauptbahnhof weichen und es wurde<br />

westlich der ÖBB-Gleise in der Waagner-<br />

Biro-Straße für die Linien 3 und 6 eine rund<br />

400 Meter lange Neubaustrecke zur zweigleisigen<br />

Endhaltstelle „Laudongasse“ er-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

37


Betriebe<br />

Das aktuelle Straßenbahnnetz<br />

in Graz<br />

und geplante Ausbauprojekte<br />

(gestrichelt)<br />

GRAFIK: R. SCHWANDL<br />

richtet (Betriebsaufnahme 10. Januar 2011).<br />

Nach zweijähriger Bauzeit erschließen seit<br />

Betriebsbeginn am 26. November 2012 neben<br />

den Linien 3 und 6 zur Kapazitätserhöhung<br />

auch die Linien 1 und 7 den Nahverkehrsknoten<br />

Hauptbahnhof, die beiden<br />

Linien führten bislang in Sichtweite vorbei.<br />

Zudem ist der Hauptbahnhof nun auch aus<br />

den westlichen Stadtteilen direkt erreichbar.<br />

Die neue Station (Doppelhaltestelle mit 80<br />

Meter Länge) befindet sich zwischen zwei<br />

neu errichteten Unterführungen, die unter<br />

den Eisenbahngleisen sowie unter dem Bahnhofgürtel<br />

durchführen, in Tieflage und ist<br />

aus Sicherheitsgründen (Brandentrauchung)<br />

nach oben hin offen. Die Höchstgeschwindigkeit<br />

in den beiden Unterführungen, die<br />

auch <strong>von</strong> den Nachtbuslinien befahren werden,<br />

beträgt aufgrund der kurvigen Trassierung<br />

nur 20 km/h.<br />

Kein »echtes« Tunnelbauwerk<br />

Um Errichtungs- und Betriebskosten gering<br />

zu halten, handelt es sich um kein Tunnelbauwerk<br />

mit all den notwendigen Brandschutz-<br />

und Sicherungsanlagen. Auch auf<br />

eine Verteilerebene mit direktem Zugang zu<br />

den Bahnsteigen wurde aus Kostengründen<br />

verzichtet. Stiegen, Aufzüge und Rolltreppen<br />

führen hinauf auf den Bahnhofsvorplatz<br />

und zu den Bussteigen. Im Jahr 2013 kommt<br />

mit dem Nahverkehrsknoten „Murpark“ ein<br />

weiterer Verknüpfungspunkt mit dem S-<br />

Bahn-System hinzu. In den nächsten Jahren<br />

soll der Modal Split des ÖPNV <strong>von</strong> rund 20<br />

auf 24 Prozent steigen. Zur Projektierung<br />

dieser Angebots- und Kapazitätserweiterungen<br />

wurde zwischen der Stadt Graz und<br />

den Graz Linien ein ÖV-Masterplan erstellt.<br />

Eine zweite Ausbaustufe des Straßenbahnsystems<br />

sah in einer Prioritätenreihung der<br />

Ausbauprojekte innerhalb der nächsten zehn<br />

Jahre die Einreichung und zumindest die teilweise<br />

Umsetzung mehrerer Straßenbahnstrecken<br />

vor (s. Kasten).<br />

38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Netzausbau in Graz<br />

Die wichtigsten Projekte im Überblick:<br />

Dezember 2006: Verlängerung der Linie 5<br />

zum neuen Nahverkehrs -<br />

knoten Puntigam<br />

Mai 2007: Verlängerung der Linie 4<br />

zum Murpark<br />

September 2007: Nahverkehrsknoten Don<br />

Bosco (spätere Straßenbahn-<br />

Anbindung berücksichtigt)<br />

Dezember 2007: Verlängerung der Linie 6<br />

ins Peterstal<br />

Dezember 2007: Start der S-Bahn Steiermark<br />

November 2012: Teilinbetriebnahme der Nahverkehrsdrehscheibe<br />

Hauptbahnhof<br />

Ausbaupläne für die<br />

nächsten zehn Jahre<br />

Linie 8 Süd<br />

Südwestlinie vom Jakominiplatz über<br />

Don Bosco zur Hummelkaserne und<br />

weiter zur Grottenhofstraße . . . . . . . . . 7,7 km<br />

Linie 7<br />

Verlängerung der Linie 7<br />

bis zur Billrothgasse . . . . . . . . . . . . . . . 0,5 km<br />

Linie 1<br />

Anbindung der Universität durch<br />

Umlegung der Linie 1 . . . . . . . . . . . . . . 1,4 km<br />

Linie 8 Nord<br />

Nordwestlinie <strong>von</strong> der Keplerbrücke<br />

nach Gösting . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,4 km<br />

Für die erste Bauetappe der Südwest-Linie<br />

bis zur Hummelkaserne wurden die Finanzmittel<br />

für die eisenbahnrechtliche Einreichplanung<br />

vom Gemeinderat bewilligt, ein<br />

Baubeginn war für 2016 vorgesehen. Doch<br />

der jüngste Sparkurs bremst den beschlossenen<br />

Netzausbau. Priorität haben neu Maßnahmen<br />

zur Kapazitätserhöhung, so zuletzt<br />

die Beschaffung <strong>von</strong> Gelenkbussen als Ersatz<br />

für Solobusse.<br />

Entlastungsstrecke in der<br />

Innenstadt dringend notwendig<br />

Große Bedeutung käme im Zusammenhang<br />

mit dem Bau der Südwestlinie der zu errichtenden<br />

Innenstadt-Entlastungsstrecke (Jakominiplatz<br />

– Griesplatz – Roseggerhaus –<br />

Keplerbrücke) zu. Alle Straßenbahnlinien<br />

fahren zwischen dem Hauptplatz und dem<br />

Knotenpunkt Jakominiplatz durch die Fußgängerzone<br />

(Herrengasse) und verlassen das<br />

Zentrum an beiden Plätzen Richtung Außenbezirke.<br />

Bei Veranstaltungen im Stadtzentrum<br />

ist das Straßenbahnnetz oft unterbrochen.<br />

Am Jakominiplatz besteht zwar seit<br />

der Neugestaltung der Gleisanlagen in den<br />

Jahren 1995/96 die Möglichkeit aus allen<br />

Richtungen zu wenden, die Strecken nach<br />

Andritz und zur Laudongasse sind dann<br />

meist unterbrochen.<br />

Einzig die Verlängerung der Linie 7 um<br />

500 Meter zum Neubau der Zahnklinik, der<br />

Medizinischen Universität und eines For-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

Österreich: Graz<br />

Im Sommer 1986 steht der noch „neue“, gebraucht aus Wuppertal übernommene Triebwagen am<br />

Hauptbahnhof bereit. Die Schleife wich im Januar 2011 der neuen Unterflur-Trasse<br />

Die Linie 4 fährt direkt<br />

zum Haupteingang<br />

des Einkaufzentrums<br />

Murpark,<br />

wo im Sommer<br />

2010 die Variobahn<br />

201 bereitsteht. Insgesamt<br />

45 dieser<br />

<strong>von</strong> Stadler in Berlin-Pankow<br />

gebauten<br />

Niederflurfahrzeuge<br />

werden die<br />

Grazer Tramflotte<br />

bis Ende 2015 deutlich<br />

verjüngen<br />

Die in den Jahren 1989 bis 1994 übernommenen Achtachser aus Duisburg, hier Tw 531 vor dem<br />

Kunsthaus, werden durch die Variobahnen abgelöst, die im Laufe des Jahres Jahres 2013 auch<br />

auf den Linien 6 und 7 (bislang nur 4 und 5) zum Einsatz kommen sollen<br />

39


Betriebe<br />

Seit 2006 fährt die „5“ zum Knoten Puntigam. Ende 2012 hat ihn einer der mit Mittelteilen und<br />

Fahrwerken ausgemusterter „Wuppertaler“ zu Achtachsern umgebauten Tw (Nr. 581–584) erreicht<br />

Die im Dezember 2007 verlängerte Linie 6 ins Peterstal führt durch ein Wohn- und Naherholungsgebiet,<br />

Cityrunner 653 an der Haltestelle Plüddemanngasse<br />

Tipp für Tramfreunde<br />

An der Endstation der Linie 1 in Mariatrost befindet sich in der ehemaligen Remise der Kleinbahn Graz –<br />

Mariatrost das sehenswerte Grazer Tramway-Museum. Öffnungstage siehe: www.tramway-museum-graz.at<br />

An der neuen Endstation Laudongasse begegnen sich wenige Tage vor deren Betriebsaufnahme<br />

der „Wiener“ Triebwagen 292 und der Triebwagen 121 mit dem Beiwagen 60B, anlässlich<br />

einer Sonderfahrt des Grazer Tramwaymuseums<br />

schungszentrums wird bis 2015 realisiert.<br />

Vor der nunmehrigen Endstation St. Leonhard<br />

biegt die Linie 7 künftig in die alte Stiftingtalstraße<br />

ein, umrundet die bestehende<br />

Klinikum-Parkgarage und erhält vor der<br />

Zahnklinik eine zweigleisige Endstation. Die<br />

Bauarbeiten haben mit dem Neubau eines<br />

kombinierten Straßen- und Straßenbahntragwerks<br />

über den Stiftingbach begonnen.<br />

Durch den Umzug der Med-Uni ist der<br />

Bedarf an der Anbindung des Universitätsviertels<br />

durch Umlegung der Linie 1 gesunken.<br />

Hingegen soll die Linie 1 im nächsten<br />

Jahr zwischen dem Hauptbahnhof und der<br />

Haltestelle Georgigasse über die Schleife<br />

Laudongasse und eine kurze Neubaustrecke<br />

umgelegt und im Gegenzug der sanierungsbedürftige<br />

Streckenabschnitt durch die Alte<br />

Poststraße aufgegeben werden. An der bisherigen<br />

Abzweigung vom gemeinsamen Streckenverlauf<br />

mit der Linie 7 soll künftig die<br />

Linie 3 (oder 6) Richtung Süden abzweigen<br />

und das Stadtentwicklungsgebiet Reininghaus<br />

erschließen.<br />

Große Investitionen waren in den vergangenen<br />

Jahren für die Sanierung der Innenstadtstrecken<br />

notwendig, wobei zugleich<br />

der Gleismittenabstand für den Einsatz der<br />

breiteren Variobahnen erweitert wurde, aber<br />

auch um die Haltestellen für den geplanten<br />

Einsatz längerer Fahrzeuge entsprechend zu<br />

adaptieren und die Stromversorgung für die<br />

neuen <strong>Wagen</strong> zu verstärken.<br />

Fuhrparkerneuerung<br />

Der Jubel über den Ausbau der Straßenbahn<br />

in den Jahren 2006/07 wurde ein wenig getrübt<br />

durch die angespannte Fahrzeugsituation.<br />

Dadurch waren Intervallverdichtungen<br />

und somit ein attraktiveres Angebot für den<br />

Fahrgast kaum möglich. Das Vorhaben, die<br />

neuen Strecken als „Musterlinien“ für den<br />

weiteren Ausbau zu präsentieren, war damit<br />

sehr eingeschränkt, auch durch den Einsatz<br />

überwiegend älterer Gelenktriebwagen. Es<br />

herrschte in weiten Teilen der Bevölkerung<br />

die Meinung, die Straßenbahn sei ein „veraltetes“<br />

Verkehrsmittel. Auf den Buslinien<br />

waren schon moderne Niederflurbusse vorherrschend.<br />

Ende 2006 bestand der Fuhrpark abgesehen<br />

<strong>von</strong> den 18 Cityrunnner (Nr. 651 bis<br />

668, Baujahr 2000/01) und den zwölf mit einem<br />

Niederflurmittelteil erweiterten Gelenktriebwagen<br />

(Nr. 601 bis 612, Baujahr<br />

1986/87) überwiegend aus Altwagen. Die<br />

sieben sechsachsigen (aus der Serie 261 bis<br />

283) und die 29 achtachsigen Gelenktriebwagen<br />

(501 bis 510, 521, 524 bis 537 und<br />

die umgebauten 581 bis 584) standen schon<br />

über 30 Jahre im Einsatz (Baujahr 1963 bis<br />

1978). Als Überbrückung bis zur Lieferung<br />

neuer Niederflurbahnen wurden 2007 drei<br />

sechsachsige Gelenktriebwagen <strong>von</strong> den<br />

Wiener Linien beschafft. Die drei E1 (Nr. 291<br />

40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Österreich: Graz<br />

Tw 501, einer <strong>von</strong> zehn im Jahre 1978 <strong>von</strong> SGP und Siemens in <strong>Düwag</strong>-Lizenz gefertigten Achtachser, verlässt die Fußgängerzone, die <strong>von</strong> allen<br />

sechs Straßenbahnlinien durchfahren wird. Wegen Veranstaltungen ist dieser Streckenabschnitt oft unterbrochen, eine Alternativroute fehlt<br />

bis 293) kamen vor allem in der Frühverkehrsspitze<br />

auf der Linie 4 zum Einsatz.<br />

Ende 2006 haben die Grazer Stadtwerke<br />

neue Niederflur-Triebwagen ausgeschrieben,<br />

Stadler Pankow bekam den Zuschlag für<br />

die Lieferung <strong>von</strong> 45 fünfteiligen Einrichtungswagen<br />

vom Typ „Variobahn“, die mit<br />

27,10 m Länge und 2,30 m Breite speziell für<br />

die Grazer Verhältnisse konzipiert sind.<br />

Großer Modernisierungsschritt<br />

Die erste Variobahn erreichte Graz Ende<br />

2009, die Auslieferung der weiteren Fahrzeuge<br />

erstreckt sich bis Ende 2015. Der Einsatz<br />

erfolgt in der Phase 1 zunächst auf den<br />

Linien 4 und 5. Auf den anderen Linien waren<br />

bzw. sind noch an einzelnen Streckenabschnitten<br />

der Gleismittenabstand für die<br />

geringfügig breiteren <strong>Wagen</strong> zu vergrößern<br />

(bisherige Grazer Standard-Fahrzeugbreite<br />

2,20 m) sowie Parkflächen für die gesetzlich<br />

vorgeschriebenen Sicherheitsräume zu reduzieren.<br />

Mit der Beschaffung <strong>von</strong> 45 Niederflur-Triebwagen<br />

wollten die Graz Linien<br />

einen großen Modernisierungsschritt setzen,<br />

doch der Einsatz der ersten Neufahrzeuge<br />

löste heftige Proteste bei den Anrainern aus.<br />

Hohe unabgefederte Massen der Variobahnen<br />

erzeugten Lärm und Vibrationen, Hersteller<br />

und Verkehrsbetriebe erforschten und<br />

testeten danach Maßnahmen zu deren Verringerung.<br />

Bis Ende 2012 wurden die Variobahnen<br />

201 bis 212 mit folgendem Maßnahmenpaket,<br />

nach erfolgreichen Tests am<br />

<strong>Wagen</strong> 206, ausgerüstet: a) weichere Sekundär-<br />

und Primärfeder im Lauffahrwerk,<br />

b) Einsatz neuer Räder mit weicherer Charakteristik,<br />

c) Austausch der Metallelemente<br />

bei der Anlenkung gegen Elemente aus<br />

Plastikmasse und d) neues Tilgersystem (dynamische<br />

Dämpferelemente im Bereich der<br />

Räder).<br />

Die weiteren Variobahnen sind bereits ab<br />

Werk entsprechend ausgerüstet. Zu Jahresbeginn<br />

2013 waren 20 Triebwagen ausgeliefert,<br />

da<strong>von</strong> 13 im Einsatz. Die anderen<br />

Bahnen warteten noch auf die behördliche<br />

Genehmigung nach dem Umbau oder die für<br />

die Genehmigung notwendige Prüfbescheinigungen<br />

des TÜV Süd. 2013 werden neun<br />

Variobahnen ausgeliefert, 2014 und 2015<br />

folgen jeweils acht. Im Frühjahr soll sich dessen<br />

Einsatzgebiet auf die Linie 6 und gegen<br />

Jahresende auf die Linie 7 erstrecken. Wurden<br />

zunächst überwiegend Sechsachser abgestellt,<br />

so dürfte 2013 das Ende für einige<br />

„Duisburger“ Triebwagen kommen, deren<br />

Frist abläuft.<br />

Kapazitätserhöhung<br />

Nach 2015 soll der Fuhrpark aus 45 Variobahnen,<br />

18 Cityrunner und den 12 achtachsigen<br />

Gelenktriebwagen mit Niederflurmittelteil<br />

bestehen. Zur Erhöhung der<br />

Beförderungskapazität bei gleich bleibenden<br />

Betriebsleistungen soll die letzte Tranche<br />

„Variobahnen“ bereits ab Werk in siebenteiliger<br />

Ausführung geliefert werden. Zudem<br />

ist beabsichtigt, ab 2015 die weiteren Variobahnen<br />

und die Cityrunner um zwei Module<br />

zu verlängern. Allerdings ist die Finanzierung<br />

hierfür noch nicht gesichert.<br />

Alternativ sollen für eine Taktverdichtung<br />

die Achtachser 501 bis 510 erhalten bleiben<br />

und wie die Triebwagen 601 bis 612 mit neuer<br />

elektrischer Ausrüstung ertüchtigt werden,<br />

die wegen Ersatzteilmangel und Erhöhung<br />

der Fahrdrahtspannung auf 750 Volt<br />

notwendig wird.<br />

Im Depot Steyrergasse wurde 2011 ein<br />

neuer Werkstättentrakt für die künftig bis zu<br />

40 Meter langen Niederflurfahrzeuge errichtet.<br />

In naher Zukunft steht noch die<br />

Adaptierung der Tageswerkstätte für längere<br />

Fahrzeuge an.<br />

Fazit<br />

Die Gleise im 32,5 Kilometer umfassenden<br />

Straßenbahnnetz verlaufen großteils im Straßenraum.<br />

Werktags entstehen dadurch große<br />

Verlustzeiten, vor allem durch den zähflüssig<br />

laufenden Individualverkehr. Doch für Beschleunigungsprogramme<br />

stehen die Zeichen<br />

ebenso ungünstig, wie für die zweite Ausbaustufe,<br />

insbesondere nach den Gemeinderatswahlen<br />

im vergangenen Herbst, wo jene Parteien<br />

an Wählerstimmen verloren, die in den<br />

vergangenen Jahren den Ausbau des Öffentlichen<br />

Verkehrs forcierten. Offenbar sehen Teile<br />

der Bevölkerung die Straßenbahn noch immer<br />

nicht als leistungsfähiges Verkehrsmittel,<br />

das höchsten Komfort für die Fahrgäste und<br />

Wirtschaftlichkeit vereint. Auch die Ziele der<br />

Stadt Graz, eine Verbesserung der Luftsituation<br />

durch eine Veränderung der Verkehrsmittelwahl<br />

hin zum Umweltverbund herbeizuführen,<br />

scheinen damit in weite Ferne zu<br />

rücken.<br />

ROBERT SCHREMPF<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

41


Titel<br />

Über dem<br />

Zenit<br />

M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland Mit dem fortschreitendem<br />

Ausscheiden der letzten <strong>Düwag</strong>-Einheitswagen aus<br />

dem Plandienst rückt nun die nächste Generation zunehmend<br />

in den Fokus der Straßenbahnfreunde. Doch auch für<br />

die in den 70er-Jahren gebauten hochflurigen Stadtbahnwagen<br />

vom Typ N stehen die Zeichen zumeist schon auf<br />

Abschied. Und der Typ M fährt nur noch in Kassel<br />

Die Vorgeschichte ist sicherlich jedem<br />

Straßenbahnfreund bekannt: Ab<br />

1973 entwickelte die <strong>Düwag</strong> in Zusammenarbeit<br />

mit den Verkehrsbetrieben<br />

in Essen, Mülheim (Ruhr) und Bochum<br />

einen neuen Straßenbahnwagentyp,<br />

der aufgrund seiner Breite <strong>von</strong> 2,30 m besonders<br />

auch für den Einsatz auf Stadtbahnstrecken<br />

und im Tunnel geeignet war,<br />

was dann auch in der Namensgebung berücksichtigt<br />

wurde. Wird die meterspurige<br />

Variante der häufig acht-, teilweise aber auch<br />

sechsachsigen Zweirichtungswagen als<br />

„Stadtbahnwagen Typ M“ bezeichnet, so<br />

werden die ab 1976 gebauten normalspurigen<br />

Exemplare als Typ N geführt.<br />

Aufgrund der flexiblen Auslegung der<br />

Bauform schlossen sich bald weitere Verkehrsbetriebe<br />

der Projektgruppe an. Bielefeld<br />

gehörte dabei auch zu den ersten vier<br />

Bestellern im Januar 1974, während Krefeld<br />

und Duisburg sich vorerst nur zeitweise an<br />

den Gesprächen beteiligten.<br />

42<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Geliefert wurden <strong>Wagen</strong> dieses Typs ab 1975<br />

schließlich an die Betriebe in Augsburg, Bielefeld,<br />

Bochum/Gelsenkirchen, Dortmund,<br />

Essen, Heidelberg, Kassel, Krefeld, Mainz,<br />

Mülheim an der Ruhr und Nürnberg. Eine<br />

letzte, 36 Fahrzeuge umfassende Serie mit<br />

Drehstromtechnik und verändertem Design<br />

(Typ M8D, D = Drehstrom) entstand beim<br />

Fahrzeugbauer in Düsseldorf in den Jahren<br />

1994 bis 1999 für Bielefeld.<br />

Durch die Lieferung neuer Niederflurwagen<br />

oder moderner Hochflurbahnen (Bielefeld)<br />

werden N-<strong>Wagen</strong> bei vielen deutschen<br />

Betrieben nun aber Schritt für Schritt ersetzt.<br />

Zur grundlegenden Modernisierung hat sich<br />

bislang lediglich die Rhein-Neckar-Verkehrs<br />

GmbH mit den acht relativ jungen Heidelberger<br />

M-<strong>Wagen</strong> entschieden. Der Normalspurtyp<br />

N fährt in Deutschland heute nur<br />

noch in Kassel, nachdem die Verkehrsaktiengesellschaft<br />

Nürnberg (VAG) und die<br />

Dortmunder Stadtwerke (DSW21) ihre N-<br />

<strong>Wagen</strong> bereits vor einigen Jahren vollständig<br />

aus dem Plandienst abgezogen und ins<br />

Ausland verkauft haben. Doch auch in den<br />

anderen Regionen wird klar: Die M- und N-<br />

<strong>Wagen</strong> haben den Zenit ihres Einsatz längst<br />

überschritten:<br />

Augsburg<br />

Nach erfolgreichen Testfahrten mit dem ausgeliehenen<br />

Essener Tw 1114 erhielt der Verkehrsbetrieb<br />

der Fuggerstadt in den Jahren<br />

1985/86 zwölf M8C (C = Choppersteuerung),<br />

die mit dem Betriebsnummern 8001<br />

bis 8012 in den Bestand eingereiht wurden.<br />

Auffälligstes und exklusives Merkmal der<br />

Augsburger M-<strong>Wagen</strong> sind die Türen im<br />

mittleren hochflurigen <strong>Wagen</strong>teil. Eine weitere<br />

Besonderheit war die Endfertigung<br />

durch die Firma MAN. Außerdem waren die<br />

<strong>Wagen</strong> die ersten Exemplare dieses Typs, die<br />

ab Werk nur noch mit einem Einholmstromabnehmer<br />

ausgeliefert wurden. Eine<br />

Ende der 1980er-Jahre erwogene Bestellung<br />

weiterer Exemplare wurde nicht ausgelöst.<br />

Die drei letzten im klassischen „Rot/Weiß“ lackierten<br />

M6-<strong>Wagen</strong> der Bogestra im Bochumer<br />

Betriebshof Engelsburg. Die M6C Nr. 354 und<br />

342 sind inzwischen bereits verkauft, aber – genau<br />

wie M6S Nr. 311 – noch im Einsatz. Von einst<br />

55 M6 der Bogestra sind noch 29 betriebsfähig.<br />

Einige Jahre werden sie noch den Gesamtverkehr<br />

auf der Linie 310 bestreiten C. HETTCHE<br />

Die Tw 8001 und 8011 wurden Anfang<br />

April 2012 nach Darmstadt verkauft. Während<br />

ersterer inzwischen <strong>von</strong> der IFTEC in<br />

Leipzig zu einem Arbeitstriebwagen um -<br />

gebaut wird, dient letzterer aktuell im<br />

Darmstädter Betriebshof Frankenstein als<br />

Ersatzteillager, perspektivisch jedoch als Ersatzteilspender.<br />

Die IFTEC erstellt derzeit das<br />

Pflichtenheft für den Umbau des Tw 8001.<br />

Die HEAG rechnet damit, dass der Umbau<br />

im April 2014 abgeschlossen wird.<br />

Durch die aktuellen Umbaumaßnahmen<br />

im Augsburger Netz (Verkürzung der befahrenen<br />

Strecken) befindet sich <strong>von</strong> den verbliebenen<br />

M8C derzeit kein <strong>Wagen</strong> im regulären<br />

Linieneinsatz. Als Reservewagen<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

43


Titel<br />

Die M-<strong>Wagen</strong>, die in Bielefeld keine Matrixanzeigen mehr erhalten haben, sind ab 2011 als erste durch die Vamos-Stadtbahnwagen ersetzt worden.<br />

Die letzten Exemplare sollen bald ausgemustert werden. M8C 516 (Baujahr 1982) ist der dienstälteste <strong>Wagen</strong> seines Typs in Bielefeld C. LÜCKER<br />

Diese beiden Aufnahmen stellen das unterschiedliche Interieur der Bielefelder M-<strong>Wagen</strong> gegenüber. Während links die Inneneinrichtung eines M8C<br />

(Tw 529) aus den 1980er-Jahren zu sehen ist, zeigt die rechte Aufnahme den Tw 589 vom Typ M8D aus den 1990er-Jahren <strong>von</strong> innen L. BRÜGGEMANN (2)<br />

stehen jedoch sieben unverändert im Betriebsbestand.<br />

Bei Bedarf können sie am<br />

ehesten auf den Linien 1, 2 oder 4 angetroffen<br />

werden. Ab Dezember 2013 sind sieben<br />

<strong>Wagen</strong> wieder im Linieneinsatz fest eingeplant.<br />

Über die <strong>Wagen</strong> 8003, 8010 und 8012<br />

werden derzeit Verkaufsverhandlungen geführt.<br />

Bielefeld<br />

In der größten Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe<br />

gibt es heute drei Serien M-<strong>Wagen</strong>.<br />

Insgesamt waren es sogar vier, doch wurden<br />

die vier 1976 gelieferten M8S Nr. 501 bis<br />

504 bereits 1987 nach Mainz verkauft, u. a.<br />

weil sie ohne Klappstufen nicht an den<br />

Hochbahnsteigen des Stadtbahnnetzes eingesetzt<br />

werden konnten.<br />

Danach erreichten Bielefeld 44 zwischen<br />

1982 und 1987 gebaute M8C (Betriebsnummern<br />

516 bis 559) mit Klappstufen,<br />

die – mit wenigen Ausnahmen am Wochenende<br />

– in Doppeltraktion eingesetzt werden.<br />

Zu diesem Zweck wurden sie mit automatischen<br />

Kupplungen ausgerüstet. In ihrer ursprünglichen<br />

Lackierung stechen die auffälligen<br />

rot-weißen Schraffierungen an den<br />

Fronten ins Auge, die auf den nach wie vor<br />

genutzten klassischen Straßenbahntrassen<br />

den Individualverkehr warnen sollten. Bei<br />

den zunehmenden Neulackierungen im aktuellen<br />

Farbschema – angelehnt an den neuen<br />

taillierten Fahrzeugtyp VAMOS – wird<br />

auf die Warnschraffierungen verzichtet.<br />

Von 1994 bis 1999 kamen die bereits erwähnten<br />

36 Triebwagen des Typs M8D dazu<br />

(Betriebsnummern 560 bis 595), die technisch<br />

auf den M8C basieren, aber auch einige<br />

Abweichungen besitzen. Neben etwas


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Technische Daten Typ M/N<br />

Länge über Kupplung: . . . . . . . . . . . 26.640 mm<br />

(bei M8C + Notkupplung)<br />

20.440 mm (M6)<br />

Maximale Breite: . . . . . . . . . . . . . . . . 2.300 mm<br />

Höhe über SO bis<br />

Oberkante Dachblech: . . . . . . . . . . . . 3.306 mm<br />

Fußbodenhöhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 880 mm<br />

Höchstgeschwindigkeit:. . . . . . . . . . . . . 70 km/h<br />

Achsfolge: . . . . . . . . . . . . . B‘2‘2‘B‘ (Achtachser)<br />

B‘2‘B‘ (Sechsachser)<br />

Spurweite: . . . . 1.000 mm (Stadtbahnwagen M)<br />

1.435 mm (Stadtbahnwagen N)<br />

Leergewicht . . . . . . . . . . . . 27.800 kg (bei M6S)<br />

(inkl. E-Ausrüstung): . . . . . . . . 38.000 kg (M8C)<br />

Motorleistung (Standard):. . 2 x 150 kW/600 V =<br />

2 x 185 kW/750 V =<br />

Sitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 (Achtachser)<br />

36 (Sechsachser)<br />

Der Tw 579, hier am 14. August 2012 in der Kehre an der Haltestelle Universität (Linie 4), ist einer<br />

<strong>von</strong> 36 zwischen 1994 und 1999 nach Bielefeld gelieferten <strong>Wagen</strong> des Typs M8D mit nur einem<br />

Führerstand. Technisch basieren diese auf dem Typ M8C<br />

L. BRÜGGEMANN, C. HECHT (UNTEN)<br />

veränderten Maßen, äußerem Design und<br />

dem abweichenden Antrieb zählt dazu u.a.<br />

der Verzicht auf die zweite Fahrerkabine an<br />

einem <strong>Wagen</strong>ende. Da die <strong>Wagen</strong> gewöhnlich<br />

in Doppeltraktion eingesetzt werden,<br />

war diese entbehrlich, und die <strong>Wagen</strong> werden<br />

jeweils am fahrerstandslosen Ende gekuppelt.<br />

Der Königsplatz in Augsburg wird derzeit umgebaut – hier Tw 8008 am 11. März 2012 am alten<br />

Bahnsteig F. Wegen der Baumaßnahmen kommen die letzten M8C der Fuggerstadt, die als einzige<br />

M-<strong>Wagen</strong> mit Türen im Mittelteil gebaut wurden, bis Ende 2013 regulär nicht zum Einsatz<br />

Ablösung durch taillierte VAMOS<br />

Als Ergänzung zu den M8D wurden 1999<br />

fünf passende, vierachsige Beiwagen geliefert<br />

(Typ MB4, Betriebsnummern 511 bis<br />

515). Diese werden zur Kapazitätsvergrößerung<br />

mittig in M8D-Traktionen mitgeführt.<br />

Trotz ihres Stromabnehmers besitzen<br />

sie keinen eigenen Antrieb.<br />

Seit Lieferung der VAMOS-<strong>Wagen</strong> ist der<br />

Bestand an M8C-<strong>Wagen</strong> rückläufig. Die <strong>Wagen</strong><br />

517 bis 520 dienten zunächst längere<br />

Zeit als Ersatzteilspender, im April 2010<br />

wurden jedoch alle vier Tw verschrottet. Dieses<br />

Schicksal ereilte im März 2012 auch die<br />

Tw 527 und 535. Weiterhin vorhanden und<br />

im Einsatz war Ende 2012 jedoch noch der<br />

„Oldie“ 516. Für Ende Januar 2013 wurde<br />

der Abtransport <strong>von</strong> 14 M8C gemeldet, die<br />

<strong>von</strong> einem polnischen Unternehmen gekauft<br />

wurden und dort für einen Weiterverkauf<br />

aufgearbeitet werden sollen.<br />

Wegen des größeren Lichtraumprofils ist<br />

der Einsatz der VAMOS in Bielefeld derzeit<br />

noch auf die Linien 2 und 4 beschränkt. Auf<br />

der Linie 4 kommen deshalb nur noch vereinzelt<br />

M8D zum Einsatz. Die mittels Beiwagen<br />

ergänzten Langzüge (M8D, MB4,<br />

M8D) fahren nun statt zuvor auf der Linie<br />

4 vorrangig auf der Linie 1. Auch auf der Linie<br />

3 sind die heute mit 15 bis 20 Jahren<br />

noch recht jungen M8D-<strong>Wagen</strong> anzutreffen.<br />

Die M8C sind noch regelmäßig auf den<br />

Linien 1, 2 und 3 unterwegs und als E-Kurse<br />

manchmal auch noch im Verlauf der Linie<br />

4. In der Regel fahren immer Doppeltraktion,<br />

lediglich abens oder am Wochenende<br />

sind Solowagen im Einsatz.<br />

Bochum/Gelsenkirchen<br />

Von den ersten meterspurigen Neubaufahrzeugen<br />

vom Typ M bezog die Bogestra<br />

1976/77 insgesamt 33 Triebwagen – allerdings<br />

in der kürzeren Bauform als Sechsachser.<br />

Die entsprechend dem Typ M6S<br />

(S = Schützensteuerung) zugewiesenen <strong>Wagen</strong><br />

301 bis 333 waren ursprünglich in den<br />

Rhein/Ruhr-Stadtbahnfarben Rot und Weiß<br />

lackiert. Sie haben eine Betriebsspannung<br />

<strong>von</strong> 600/750 Volt.<br />

2011 verkaufte die Bogestra die <strong>Wagen</strong><br />

301, 302, 316, 324, 327 und 328 nach Lodz;<br />

die Tw 305, 306, 307 und 315 kaufte im selben<br />

Jahr das nicht weit entfernte Mülheim<br />

an der Ruhr. Einige weitere Fahrzeuge wurden<br />

verschrottet, so dass inzwischen nur<br />

noch die <strong>Wagen</strong> 304, 310-314, 317, 318,<br />

321, 325, 326 und 329-332 vorhanden sind.<br />

Textfortsetzung auf Seite 48


Titel<br />

Essen ist nach wie vor die deutsche „M-<strong>Wagen</strong>-Hauptstadt“– hier eine Parade an der Hobeisebrücke: Die M8C der Serie 1100 haben bald ausgedient,<br />

der dritte <strong>Wagen</strong>, ein 1400er, Baujahr 1990, wird dagegen noch länger seine Runden durch die Ruhrmetropole drehen<br />

C. LÜCKER<br />

Die Mülheimer Linie 110 führt ein kurzes Stück auf der legendären Reichsstraße 1 entlang, die Bäume bilden dabei ein „schützendes Dach“. Der<br />

M6S-Tw 299, der 2011 <strong>von</strong> der Bogestra übernommen wurde, trägt noch den typischen Bochum-Gelsenkirchener „CE-Lack“<br />

M. LEHMANN<br />

46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Die Frankfurter Straße in Kassel ist ein beliebtes Trammotiv. Die 16 im Jahr 1981 gelieferten N8C (Tw 401 bis 416) werden ab Ende Februar 2013<br />

vollständig dem Reservebestand zugeordnet. Am 17. Januar 2012 befand sich Tw 412 jedoch noch im regulären Linieneinsatz C. LÜCKER (2)<br />

Die Heidelberger M8C werden durch eine Modernisierung für die Zukunft fit gemacht. Neben einem Niederflurmittelteil, neuem Innenraum und<br />

neuer Technik, bekommen die <strong>Wagen</strong> auch eine Klimaanlage für den Fahrer – daher auch der „Huckel“ über der Front, hier Prototyp Tw 3253<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

47


Titel<br />

Klassischer geht es kaum: Mittellage, Kopfsteinpflaster und M-<strong>Wagen</strong> rot-weiß in<br />

Witten auf der Linie, wo die M6S (hier Tw 311) und M6C der Bogestra wohl noch bis<br />

zum Jahre 2017 den Gesamtverkehr bestreiten werden<br />

C. LÜCKER<br />

Gleich startet die Fahrt im M6 der Bogestra vom Endpunkt der Linie 310 in Heven-<br />

Dorf über Witten und Bochum nach Wattenscheid-Höntrop. Nicht nur Straßenbahnfans<br />

freuen sich über das klassisch-gemütliche Fahrgefühl im M-<strong>Wagen</strong>... MIK (2)<br />

Ebenfalls bereits gelichtet haben sich die<br />

Reihen der 1981/1982 gelieferten Folgeserie<br />

<strong>von</strong> 22 sechsachsigen Triebwagen mit Choppersteuerung<br />

(Typ M6C, mit 600 Volt Betriebsspannung,<br />

Fahrzeugnummern 334 bis<br />

355), die bei Ablieferung ebenfalls rot/weiß<br />

lackiert waren. Mit insgesamt 55 Sechsachsern<br />

besaß die Bogestra nach Essen den größten<br />

Bestand an M-<strong>Wagen</strong> deutschlandweit.Aktuell<br />

stehen der Bogestra noch 24<br />

M-<strong>Wagen</strong> (15 M6S und neun M6C) betriebsfähig<br />

zur Verfügung, darunter noch<br />

drei im ursprünglichen rot/weißen Farbschema<br />

(die meisten Exemplare erhielten den<br />

in Grau- und Orangetönen gehaltenen „CE-<br />

Lack“, einige tragen Ganzwerbung). Sie bestreiten<br />

den Gesamtverkehr auf der nach<br />

Witten führenden Linie 310 – und zwar noch<br />

so lange, bis die Neubaustrecke über Langendreer<br />

eröffnet wird. Diese wird – voraussichtlich/spätestens<br />

im Jahre 2017 – das<br />

idyllische eingleisige und für Niederflurbahnen<br />

nicht zugelassene Streckenstück zwischen<br />

Unterstraße und Crengeldanz ersetzen.<br />

Dann ist mit einer weiteren deutlichen<br />

Verkleinerung bis hin zur vollständigen Abstellung<br />

des Bestandes zu rechnen.<br />

Auf den anderen Straßenbahnlinien der<br />

Bogestra ist der Planeinsatz der M6 nach<br />

dem Zugang neuer Variobahnen inzwischen<br />

48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Das Weltkulturerbe Zeche Zollverein ist ein beliebtes Fotomotiv für die<br />

Essener M8C mit Klappstufen auf der Linie 107. Nach aktuellem Stand<br />

wird dieses Szenario auch noch einige Jahre möglich sein M. KOCHEMS (2)<br />

Scherenstromabnehmer und „Schokoladenlack“ waren Markenzeichen<br />

der Dortmunder N8C. Fast alle fahren nun umgebaut in Danzig, in Dortmund<br />

blieb kein einziges der einst 54 Fahrzeuge erhalten F. FREDENBAUM<br />

Am 1. August 2012 treffen sich die Essener Tw 1402 und 1411 in der<br />

Wendeschleife Helenenstraße. Diese Fahrzeuzgserie fällt auf den ersten<br />

Blick durch den zur <strong>Wagen</strong>mitte hin versetzen Stromabnehmer auf<br />

beendet; nur bei Fahrzeugausfällen oder im<br />

Veranstaltungsverkehr kommt gelegentlich<br />

noch einer der kurzen Hochflur-Sechsacher<br />

auf Strecken abseits der Linie 310.<br />

Dortmund<br />

Die Stadt Dortmund bezog <strong>von</strong> 1978 bis 1983<br />

insgesamt 54 regelspurige Gelenkzüge vom<br />

Typ N8C. Sie erhielten die Betriebsnummern<br />

101 bis 154 zugewiesen. Typische Merkmale<br />

waren ihr ursprüngliches „Schokoladen-Lackschema“<br />

und der Scherenstromabnehmer. Ein<br />

wichtiges Einsatzgebiet war in den ersten Jahren<br />

das wachsende Stadtbahnnetz. Dort wurden<br />

sie später aber nach und nach durch neue<br />

Stadtbahnwagen B, die einen stufenlosen Einstieg<br />

<strong>von</strong> Hochbahnsteigen aus ermöglichen,<br />

in den Straßenbahndienst verdrängt, wo sie<br />

ihrerseits ältere Gelenkwagen ablösten.<br />

Schließlich wickelten sie den Gesamtverkehr<br />

auf den beiden letzten oberirdischen Ost-West-<br />

Linien 403 (häufig in Doppeltraktion) und<br />

404 ab. Mit der Tieferlegung dieser Linien<br />

(Umzeichnung in U43 und U44) erhielt Dortmund<br />

ab 2008 neue achtachsige Niederflurwagen<br />

<strong>von</strong> Bombardier, welche die N8C nach<br />

und nach und bis 2011 endgültig arbeitslos<br />

machten. Beinahe alle wurden nach Danzig<br />

abgegeben. Für den dortigen Einsatz wurden<br />

die <strong>Wagen</strong> modernisiert, wobei u.a. jeweils anstelle<br />

des bisherigen ein neues Mittelteil in Niederflurbauweise<br />

eingesetzt wurde.<br />

Bis auf ein zu einem sechsachsigen Arbeitswagen<br />

verkürztes Exemplar (Nr. 902)<br />

wurden die nicht nach Danzig abgegebenen<br />

Exemplare verschrottet, so dass kein einziger<br />

N8C in der westfälischen Großstadt erhalten<br />

blieb.<br />

Essen<br />

Essen ist die Stadt mit dem umfangreichsten<br />

M-<strong>Wagen</strong>-Bestand und wird die <strong>Wagen</strong> auch<br />

nach heutigem Stand noch mittel- bis langfristig<br />

einsetzen.<br />

Die Essener Verkehrs-AG (EVAG) bezog<br />

1975/76 die ersten Exemplare vom Typ M.<br />

Die 21 als Typ M8S bezeichneten Achtachser<br />

belegten die Nummern 1001 bis 1021<br />

und waren ursprünglich in den „Stadtbahnfarben“<br />

rot-weiß lackiert.<br />

Literaturhinweise<br />

www.tram-info.de<br />

Michael Kochems: „Die Stadtbahnwagen der<br />

Typen M und N“, transpress-Verlag, Stuttgart<br />

2005<br />

Schon 1977 bzw. 1980 gingen die Tw<br />

1009 und 1010 durch Brandschäden verloren.<br />

Während die Lücke des 1009 bestehen<br />

blieb, wurde 1979 der ehemalige Tw 1021<br />

in 1010 II umgezeichnet. Sowohl den 1010 II<br />

als auch die Tw 1014 und 1020 gab die<br />

EVAG zwischen 2002 und 2004 jedoch nach<br />

Mülheim an der Ruhr ab. Weitere <strong>Wagen</strong><br />

gingen nach Polen (Lodz, Krakau) und Rumänien<br />

(Arad), so dass kein M8S in Essen<br />

erhalten geblieben ist.<br />

Bereits mit Choppersteuerung stellte die<br />

EVAG im Jahr 1979 dann 15 Triebwagen des<br />

Typs M8C mit den Betriebsnummern 1101<br />

bis 1115 in Dienst. Äußerlich waren diese <strong>Wagen</strong><br />

<strong>von</strong> ihren Vorgängern sofort an ihrer abweichenden<br />

Lackierung in den Farben gelb<br />

und blau (welche dann auch die Fahrzeuge der<br />

ersten Serie erhielten) unterscheidbar. Exemplare<br />

aus dieser Serie wurden mehrfach als<br />

Vorführwagen genutzt und liefen in Augsburg,<br />

Erfurt, Heidelberg, Krefeld und Mainz. Als<br />

Nr. 1116“ gehört heute auch ein Einzelgänger<br />

zu diesem Nummernkreis – dahinter verbirgt<br />

sich der ehemalige Drehstrom-Versuchswagen<br />

1200 <strong>von</strong> 1980, der später zu<br />

einem herkömmlichen Chopperwagen umgebaut<br />

und umgezeichnet wurde. Der Triebwagen<br />

1115 wurde inzwischen zu einem Ar-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

49


Titel<br />

Modernisierungen <strong>von</strong> M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Die Mülheimer<br />

M-<strong>Wagen</strong> mit Niederflurmittelteil<br />

werden respektlos<br />

„Hängebauchschweine“<br />

genannt.<br />

Der M6D-<br />

NF Nr. 285, der<br />

hier gerade <strong>von</strong><br />

Sterkrade kommend<br />

in die Station<br />

„Neue Mitte“<br />

einfährt, trägt als<br />

einziger eine<br />

gelb/weiß/anthrazite<br />

Farbgebung<br />

analog den bisherigen<br />

Mülheimer<br />

Farben<br />

M. KOCHEMS<br />

Drei deutsche Verkehrsbetriebe ließen ihre M/N-<br />

<strong>Wagen</strong> durch Einbau eines niederflurigen Mittelteils<br />

mit Doppeltür umfangreich modernisieren.<br />

Ab 1991 wurden zunächst die zwölf Nürnberger<br />

N6S durch ein solches C-Teil ergänzt, das in<br />

konventioneller Stahlleichtbauweise erstellt wurde<br />

und ein zusätzliches Gelenkportal mit Drehgestell<br />

erforderte, wodurch die <strong>Wagen</strong> zu N8S-NF<br />

wurden. Die VAG Nürnberg schlug mit diesem Umbau<br />

gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Fahrzeuge<br />

erhielten einen (teilweisen) Niederflurstandard<br />

und das zuvor für den Fahrgasteinsatz eher<br />

zu geringe Fassungsvermögen der <strong>Wagen</strong> wurde<br />

erweitert.<br />

Ab 1996 gingen die Betriebe der Stadt Mülheim<br />

a. d. Ruhr bei ihrem Modernisierungsprogramm<br />

noch einen Schritt weiter: Sie bauten zwar nur einen<br />

Teil ihrer M6 um, doch erhielten diese nicht nur<br />

einen vollständig abgesenkten C-Teil in Sandwichkonstruktion<br />

auf zwei Einzelradlaufwerken<br />

(blieben also Sechsachser), sondern fünf der sieben<br />

<strong>Wagen</strong> wurden gleichzeitig auch im elektrischen Teil<br />

modernisiert, indem u. a. die bisherigen Schütze-<strong>Wagen</strong><br />

Nr. 277 bis 281 auf Choppersteuerung umgebaut<br />

und die Fahrerpulte ausgetauscht wurden. Die beiden<br />

übrigen besaßen bereits einen moderneren Drehstromantrieb.<br />

Im Vergleich zu den Nürnberger <strong>Wagen</strong><br />

erwies sich das Mülheimer Projekt als deutlich<br />

heikler und langwieriger – als ein Indiz wurde der<br />

damalige Baumusterwagen Nr. 282 danach nur selten<br />

eingesetzt und bereits vor einigen Jahren zerlegt.<br />

Niederflur-Mittelteile aus Prag<br />

Fast 20 Jahre nach dem Nürnberger Vorbild werden<br />

aktuell auch die acht Heidelberger M8C seit<br />

2009 in ähnlicher Form umgebaut. Doch gibt es auch<br />

einige Abweichungen. Da sie bereits ein (hochfluriges)<br />

Mittelteil besaßen, wird dieses bei der tschechischen<br />

Firma Cegelec durch ein neues Element mit<br />

niedrflurigem Einstieg ersetzt. Der Umbau der Fahrerkabine<br />

mit Einbau einer Klimaanlage verändert<br />

die <strong>Wagen</strong> durch einen Höcker auf dem Dach über<br />

den Fahrerkabinen äußerlich genauso, wie die neue<br />

Lackierung in den aktuellen rnv-Farben anstelle<br />

der traditionellen Heidelberger Farbgebung in<br />

weiß/blau. Rund zwei Jahre nach Ablieferung des<br />

ersten umgebauten <strong>Wagen</strong>s ist das Vorhaben Anfang<br />

2013 noch nicht komplett abgeschlossen.<br />

Neben diesen drei umfangreichen Modernisierungsbeispielen<br />

wurden natürlich auch die übrigen<br />

M-/N-<strong>Wagen</strong> bei allen Betrieben immer wieder<br />

angepasst. So verschwanden beispielsweise in<br />

den meisten Fällen die betrieblich nicht notwendigen<br />

zweiten Stromabnehmer, die Innenräume<br />

wurden aufgearbeitet, ältere Bauteile durch neue<br />

ersetzt (z.B. im Bereich der Beleuchtungseinrichtungen<br />

an den Stirnfronten) und Mülheim a. d.<br />

Ruhr ließ neben den bereits oben erwähnten M6S<br />

auch seine sechs M8S Nr. 271 bis 276 ab 1998 in<br />

M8C umbauen.<br />

MKO<br />

beitsfahrzeug (Nr. 616) umgebaut, während<br />

die übrigen <strong>Wagen</strong> noch alle im Betriebspark<br />

vorhanden sind.<br />

Meistens sind zwei oder drei <strong>Wagen</strong> der Serie<br />

im benachbarten Mülheim leihweise im<br />

Einsatz. Für die übrigen ist ein Einsatzschwerpunkt<br />

die Linie 106, doch können sie<br />

auch auf allen anderen Linien – mit Ausnahme<br />

der nach Bredeney durchlaufenden Kurse<br />

der 101 und 107 – vereinzelt angetroffen<br />

werden.<br />

Klappstufen zunächst nur einseitig<br />

In den Jahren 1980 bis 1982 beschaffte die<br />

EVAG die M8C-Serie 1116 bis 1135. Weil die<br />

M-<strong>Wagen</strong> dann auch auf Strecken mit Hochbahnsteigen<br />

eingesetzt werden sollten, erhielten<br />

die <strong>Wagen</strong> ab 1984 Klappstufen eingebaut<br />

(zunächst teilweise nur einseitig) und<br />

die neuen Betriebsnummern 1151 bis 1166<br />

sowie 1177 bis 1180. Direkt mit Klappstufen<br />

(ebenfalls ab Werk nur auf einer Seite) ausgeliefert<br />

worden waren 1983/84 noch sechs<br />

weitere M8C mit den Nummern 1171 bis<br />

1176. Alle <strong>Wagen</strong> besitzen inzwischen Klappstufen<br />

auf beiden Seiten und sind noch vollzählig<br />

im Bestand. Sie bestreiten aktuell den<br />

Gesamtverkehr auf der Linie 107 sowie alle<br />

Kurse der Linie 101, die über die Südstrecke<br />

Richtung Bredeney rollen, da die dortigen<br />

Tunnelhaltestellen aufgrund des gemischten<br />

Einsatzes mit normalspurigen, hochflurigen<br />

Stadtbahnzügen nur Hochbahnsteige aufweisen.<br />

Außer auf ihren beiden Stammlinien kommen<br />

die <strong>Wagen</strong> vereinzelt bei <strong>Wagen</strong>mangel<br />

auch auf anderen Verbindungen zum Einsatz,<br />

z.B. auf der Linie 106. Weil zurzeit alle Planungen<br />

zur Umstellung des Bredeneyer Astes<br />

auf Nieder flurbetrieb eingestellt sind, die<br />

EVAG zwischenzeitlich neue <strong>Wagen</strong> aber nur<br />

niederflurig bestellt hat, werden nach jetzigem<br />

Stand auch langfristig die M-<strong>Wagen</strong> mit<br />

Klappstufen in Essen benötigt werden; über<br />

die „Kulturlinie 107“ kommen sie auch nach<br />

Gelsenkirchen.<br />

Mit versetzem Stromabnehmer<br />

Die letzte Serie M-<strong>Wagen</strong> bezog Essen<br />

1989/90. Es handelte sich um 15 Fahrzeuge<br />

vom Typ M8C – diesmal jedoch ohne Klappstufen.<br />

Sie kommen bis heute als Tw 1401 bis<br />

1415 zum Einsatz und sind äußerlich an ihrem<br />

zur <strong>Wagen</strong>mitte hin versetzten Stromab-<br />

50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

OBEN Am 22. Juli 2012 verabschiedete die RNV<br />

ihre noch nicht modernisierten ex Heidelberger<br />

M8C, hier an der Haltestelle SAP-Arena.<br />

Anschließend wurden die „Altbauwagen“ dem<br />

Umbau in M8C-NF zugeführt, den Tw 3254 als<br />

erster bereits absolviert hatte<br />

C. HECHT<br />

RECHTS Wegen der Hochbahnsteige an den Tunnelstationen<br />

des Bredeneyer Streckenastes<br />

werden in Essen die M8C mit Klappstufen noch<br />

längerfristig zum Einsatz kommen F. FREDENBAUM<br />

nehmer leicht zu erkennen. Es sind die einzigen<br />

Fahrzeuge vom Typ M/N in der klassischen<br />

Bauform, die dieses Merkmal aufweisen<br />

– die noch später gebauten Bielfelder<br />

M8D mit dieser Stromabnehmeranordnung<br />

wurden ja auch im <strong>Wagen</strong>kastendesign deutlich<br />

verändert.<br />

Wie die <strong>Wagen</strong> 1101 bis 1116 laufen die<br />

Tw 1401 bis 1415 meist auf der Linie 106<br />

(aktuell die einzige Essener Linie, die nur mit<br />

M8C bestückt wird) und vereinzelt auf allen<br />

anderen Routen ohne Hochbahnsteige –<br />

noch, denn die Ablösung kommt bald: Ab<br />

August 2013 (zwei Prototypen) bzw. März<br />

2014 (Serienfahrzeuge) erwartet die EVAG<br />

27 neue Flexity Classic, die Ende 2011 bei<br />

Bombardier bestellt wurden.<br />

Heidelberg<br />

Ursprünglich dem Typ M8C entsprachen die<br />

im nordbadischen Heidelberg eingesetzten M-<br />

<strong>Wagen</strong>. 1985 bezog die damalige Heidelberger<br />

Straßenbahn (inzwischen in der RNV –<br />

Rhein-Neckar-Verkehr GmbH aufgegangen)<br />

für die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt<br />

insgesamt acht solcher meterspurigen Fahrzeuge<br />

und gab ihnen die Betriebsnummern<br />

251 bis 258. Zwischenzeitlich wurde die jeweilige<br />

Nummer nach Gründung der RNV<br />

durch eine vorgestellte 3 als Zeichen für Heidelberger<br />

<strong>Wagen</strong> ergänzt. Von allen anderen<br />

M/N-<strong>Wagen</strong> unterschieden sich die Heidelberger<br />

<strong>Wagen</strong> durch den Verzicht auf seitliche<br />

Zielanzeiger im Dachbereich.<br />

2009 wurde die Modernisierung der acht<br />

<strong>Wagen</strong>, u. a. durch das Einfügen eines niederflurigen<br />

Mittelteils anstelle des bishe rigen<br />

hochflurigen Elements, bei der Firma Cegelec<br />

beschlossen. Die Fertigstellung des Prototyps<br />

3253 verzögerte sich mehrmals, so<br />

dass er erst 2011 in neuer Gestalt in den Linienverkehr<br />

zurückkehrte. Schrittweise werden<br />

auch die übrigen <strong>Wagen</strong> zur Modernisierung<br />

überführt. Anfang 2013 hatten<br />

bereits fünf <strong>Wagen</strong> diesen Umbau durchlaufen,<br />

die Triebwagen 3251, 3252 und<br />

3258 waren in Arbeit. Obwohl inzwischen<br />

auch zahlreiche neue Niederflurwagen in<br />

Heidelberg vorhanden sind, sollen die modernisierten<br />

M-<strong>Wagen</strong> noch rund 15 Jahre<br />

im Betrieb bleiben. Eingesetzt werden sie auf<br />

den Linien 21, 22, 24 und 26.<br />

Kassel<br />

Die nordhessische Großstadt Kassel bestellte<br />

Ende 1979 nach erfolgreichen Testfahrten<br />

mit einem geliehenen Dortmunder <strong>Wagen</strong><br />

bei der <strong>Düwag</strong> zunächst 16 normalspurige<br />

<strong>Wagen</strong> vom Typ N8C, die 1981 geliefert<br />

wurden. 1986 folgten nochmals sechs weitere<br />

Fahrzeuge dieses Typs. Die als Tw 401<br />

bis 422 geführten Fahrzeuge werden aber<br />

derzeit massiv <strong>von</strong> neuen NGT8 <strong>von</strong> Bom-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

51


Titel<br />

Die Krefelder Standardlackierung ist weiß mit roten Zierstreifen, wie sie auch der M8C Nr. 834 trägt, der im eingleisigen Abschnitt auf der Linie<br />

044 unter der Linner Eisenbahnbrücke Richtung Rheinhafen unterwegs ist M. KOCHEMS (2)<br />

Nicht mehr lange Alltag in der Schleife Tackheide:<br />

Einerseits werden Krefelds M-<strong>Wagen</strong><br />

durch weitere Niederflurwagen ersetzt, andererseits<br />

wird dieser Abschnitt der Linie 043 vom<br />

Abzweig Oberschlesienstraße 2013 stillgelegt<br />

Namen der Krefelder M8C<br />

831: Stadt Krefeld<br />

832: City of Leicester<br />

833: Cracau<br />

834: Uerdingen<br />

835: Lehmheide<br />

836: Inrath<br />

837: Gemeente Venlo<br />

838: Fischeln<br />

839: Ville de Dunkerque<br />

840: Gemeente Leiden<br />

841: Bockum<br />

842: Oppum<br />

843: Lindental<br />

844: Hüls<br />

845: Dießem<br />

846: Königshof<br />

847: Verberg<br />

848: Gellep<br />

849: Kliedbruch<br />

850: Forstwald<br />

bardier verdrängt. Seit 31. März 2012 sind<br />

die ersten dieser Neubaufahrzeuge in Kassel<br />

im Einsatz. Ende Dezember 2012 waren daraufhin<br />

schon 13 N8C zu Betriebsreservewagen<br />

degradiert worden. Bis Ende Februar<br />

2013 sollten bereits alle Tw der ersten<br />

Serie (Tw 401 bis 416) zu diesem Reservebestand<br />

gehören. Mitte 2013, wenn alle neuen<br />

22 NGT8 <strong>von</strong> Bombardier in Kassel eingetroffen<br />

sein, wird die KVG über den<br />

Verkauf der Tw 401 bis 416 entscheiden.<br />

Für die <strong>Wagen</strong> der zweiten Serie (Tw 417 bis<br />

422) ist hingegen eine Nutzung als Verstärkungs-<br />

bzw. Reservewagen noch bis ca. 2016<br />

vorgesehen.Gegenwärtig trifft man die N8C<br />

am häufigsten auf der Linie 5E (verkehrt<br />

noch bis zum 22. März). In der morgendlichen<br />

Hauptverkehrszeit sind sie auch oft auf<br />

der Linie 7 oder als E-<strong>Wagen</strong> unterwegs.<br />

Krefeld<br />

Nach erfolgreichen Testfahrten mit einem<br />

geliehenen <strong>Wagen</strong> aus Essen beschaffte Krefeld<br />

1980/81 insgesamt 20 M8C. Diese <strong>Wagen</strong><br />

sind bis heute alle noch vorhanden und<br />

tragen als Besonderheit Namen <strong>von</strong> Krefelder<br />

Stadtteilen oder Partnerstädten. 1985<br />

weilte ein Krefelder M8C als Vorführfahrzeug<br />

in Ludwigshafen (Bild auf Seite 71 in<br />

diesem Heft). Bunt gemischt mit den<br />

2009/2010 beschafften Flexity Niederflurwagen<br />

kommen die M8C aktuell noch auf<br />

allen Krefelder Linien zum Einsatz.<br />

Ende 2012 löste die Krefelder SWK mobil<br />

aus der ursprünglichen Option <strong>von</strong> 19<br />

weiteren Flexity-Triebwagen einen Teil ein<br />

und bestellte zwölf weitere Niederflurbahnen<br />

bei Bombardier. Damit dürfte Ende 2014<br />

der regelmäßige Planeinsatz der M8C in Kre-<br />

52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


M-/N-<strong>Wagen</strong><br />

Der Mainzer Tw 271, hier vor dem Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, trägt noch die klassische Lackierung. Er war der<br />

erste der sechs 1984 nach Mainz gelieferten M8C, die nun immer mehr <strong>von</strong> den neuen Variobahnen verdrängt werden<br />

P. KRAMMER<br />

Noch rollen die Mainzer M-<strong>Wagen</strong> auch hin<br />

und wieder durch das idyllische Gonsenheim,<br />

wie hier am 23. März 2012. Tw 278 ist einer<br />

<strong>von</strong> ingesamt vier M8S, die 1987 <strong>von</strong> Bielefeld<br />

nach Mainz kamen<br />

M. KOCHEMS<br />

Taufnamen der Mainzer M8C<br />

271: Mainz-Hechtsheim<br />

272: Mainz-Gonsenheim<br />

273: Mainz-Finthen<br />

274: Mainz-Bretzenheim<br />

275: Mainz-Mombach<br />

276: Mainz-City<br />

feld zu Ende gehen. Möglicherweise werden<br />

jedoch einige <strong>Wagen</strong> in der Betriebsreserve<br />

und zur Bestückung <strong>von</strong> Verstärkungkursen<br />

verbleiben.<br />

Mainz<br />

Der Mainzer Bestand an M-<strong>Wagen</strong> setzt sich<br />

aus sechs M8C des Baujahres 1984 (Nr. 271<br />

bis 276), die nach erfolgreichen Testfahrten<br />

eines ausgeliehenen Essener <strong>Wagen</strong>s fabrikneu<br />

gekauft wurden, und vier älteren M8S<br />

des Baujahres 1976 (Nr. 277 bis 280), die<br />

1987 gebraucht aus Bielefeld beschafft wurden<br />

zusammen. Ähnlich wie in Krefeld wurden<br />

die neuen <strong>Wagen</strong> seinerzeit auf die Namen<br />

Mainzer Stadtteile getauft. Noch zählen<br />

alle zehn <strong>Wagen</strong> zum betriebsfähigen Bestand<br />

und kommen fallweise auf allen drei<br />

Linien zum Einsatz. Ein großer Teil ihrer<br />

Leistungen wurde aber bereits <strong>von</strong> ihren niederflurigen<br />

Nachfolgern (insgesamt zehn Variobahnen,<br />

sieben da<strong>von</strong> waren Anfang Februar<br />

2013 bereits für den Liniendienst<br />

zugelassen) übernommen, so dass die M8C/S<br />

immer öfters nur noch als Ergänzungskurse/E-<strong>Wagen</strong><br />

ins Netz kommen.<br />

Ob und wann die <strong>Wagen</strong> endgültig ausscheiden,<br />

ist noch offen – und hängt auch<br />

mit dem sich veränderndem Fahrzeugbedarf<br />

zusammen, der sich mit Inbetriebnahme der<br />

Neubaustrecke „Mainzelbahn“ ergibt. Überlegungen<br />

zur grundlegenden Modernisierung<br />

<strong>von</strong> M-<strong>Wagen</strong> analog den Heidelberger <strong>Wagen</strong><br />

wurden nicht weiter verfolgt.<br />

Mülheim an der Ruhr<br />

Mülheim an der Ruhr gehörte neben Essen<br />

und Bochum zu den ersten Käufern des M-<br />

<strong>Wagen</strong>typs. Zunächst wurden 1976 sechs<br />

M8S beschafft, die die Nummern 271 bis 276<br />

erhielten. Anschließend wurden nur noch<br />

sechsachsige <strong>Wagen</strong> neu beschafft. 1977 handelte<br />

es sich dabei um fünf M6S (Nr. 277 bis<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

53


Titel<br />

So wie die große Zeit der Gaslampen in Deutschland beendet ist, so haben auch die M-<strong>Wagen</strong> ihren Zenit überschritten. Im Ruhrgebiet, wo Marcus<br />

Lehmann am 9. Juli 2012 den Tw 298 (ex Bochum 307) in Mülheims Stadtmitte fotografierte, spürt man das mancherorts aber noch wenig<br />

In Nürnberg ist <strong>von</strong> ursprünglich zwölf <strong>Wagen</strong><br />

des Typs N8S-NF lediglich noch der Tw 363 als<br />

Museumswagen vorhanden. Im Rahmen einer<br />

Sonderfahrt lichtete ihn Christopher Hecht am<br />

21. Oktober 2012 in seiner Heimatstadt am<br />

Hauptbahnhof ab<br />

281). Anschließend erhielten die neu gelieferten<br />

<strong>Wagen</strong> einen Drehstromantrieb:<br />

• Baujahr 1979: 282 – erster M-<strong>Wagen</strong> mit<br />

Drehstromantrieb <strong>von</strong> Siemens<br />

• Baujahr 1984: 283 bis 286<br />

• Baujahr 1987: 287 bis 290<br />

• Baujahr 1992: 291 bis 294<br />

Aus Kapazitätsgründen wurden ab den frühen<br />

1990er-Jahren die M6D mit Hilfe ihrer<br />

automatischen Kupplungen u. a. auf der Linie<br />

102 teilweise auch in Doppeltraktion eingesetzt.<br />

Ab Mitte der 1990er-Jahre wurden<br />

außerdem die M6S (dabei gleichzeitig Modernisierung<br />

zu Chopper-<strong>Wagen</strong>) und zwei<br />

M6D durch Einfügung eines niederflurigen<br />

Mittelteils beim Mittenwalder Gerätebau<br />

zu dreiteiligen Triebwagen umgebaut. Im<br />

Unterschied zu den ähnlich moder nisierten<br />

Nürnberger Fahrzeugen blieben die umgebauten<br />

Mülheimer <strong>Wagen</strong> aber Sechsachser,<br />

da man keine zwei Drehgestelle verwendete,<br />

sondern anstelle des früheren mittleren<br />

Jacobsdrehgestells zwei Losradlaufwerke<br />

einbaute. Vorhanden <strong>von</strong> diesen Umbauten<br />

sind heute noch die M6C-NF 277 bis 279<br />

und 281 und der M6D-NF 285. Der Prototyp<br />

Nr. 282 wurde u. a. aufgrund einiger Abweichungen<br />

zur späteren (Klein-) Serie und<br />

einer relativ hohen Schadanfälligkeit inzwischen<br />

ausgemustert und verscgrottet, Triebwagen<br />

280 ist zerlegt.<br />

Als Ersatz für ältere Gelenkwagen wurden<br />

2002 bis 2004 drei gebrauchte M8S aus Essen<br />

übernommen, die inzwischen aber teilweise<br />

abgestellt wurden – nur noch der Tw<br />

270 (ex EVAG 1020) gehört zum Bestand.<br />

Darüber hinaus sind seit vielen Jahren gewöhnlich<br />

zwei oder drei Essener M8C aus<br />

der Reihe 1101 bis 1116 leihweise in Mülheim<br />

im Einsatz, gewöhnlich auf der Linie<br />

104 Hauptfriedhof – Abzweig Aktienstraße.<br />

2011 übernahm Mülheim zudem vier M6S<br />

aus Bochum (Tw 305, 306, 307 und 315),<br />

welche die <strong>Wagen</strong>nummern 296 bis 299 erhielten.<br />

Die <strong>Wagen</strong> 297 und 299 wurden<br />

aber bereits wieder abgestellt.<br />

Die Mülheimer M-<strong>Wagen</strong> bedienen aktuell<br />

noch alle Linien, wobei die Achtachser<br />

mit Niederflurmittelteil auf der Linie 102<br />

oder – falls nicht genügen MGT6-Niederflurwagen<br />

einsatzfähig sind – auf der Linie<br />

112 zum Einsatz kommen. Nach Zugang der<br />

durch Mülheim aus der Essener Option bestellten<br />

fünf neuen Flexity-Niederflurwagen<br />

werden vermutlich einige ältere Mülheimer<br />

M-<strong>Wagen</strong> abgestellt werden. Auch die anhaltende<br />

Diskussion um Streckenstillegungen<br />

könnte bei Realisierung das Aus für weitere<br />

M-<strong>Wagen</strong> bedeuten.<br />

Nürnberg<br />

Die Verkehrsaktiengesellschaft Nürnberg<br />

setzte schon sehr früh auf niedrige Einstiegshöhen<br />

ihrer Fahrzeuge. So ließ sie ihre<br />

zwölf <strong>von</strong> der <strong>Düwag</strong> und MAN 1976 in die<br />

fränkische Metropole gelieferten <strong>Wagen</strong> vom<br />

Typ N6S im Jahr 1992 mit jeweils einem<br />

54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


In Linz fuhren bis 2012 die einzigen Zehnachser, die vom Typ M/N<br />

abgeleitet wurden. Tw 45 (2012 verschrottet) fährt hier am 28. März<br />

2009 auf der Linzer Landstraße T. FISCHBACHER<br />

M/N-<strong>Wagen</strong> in Österreich<br />

Aus Tradition.<br />

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In Österreich verkehrten bis vor kurzem nicht nur in Graz, sondern auch in<br />

Linz Lizenzbauten des Typs M/N. Die oberösterreichische Landeshauptstadt<br />

nahm in den Jahren 1985/86 16 zehnach sige Triebwagen des Typs L10 in Betrieb<br />

(Tw 41 bis 56), die im Bombardier-Rotax-Werk in Wien gefertigt worden<br />

waren und über eine Choppersteuerung der Firma Siemens verfügten.<br />

Unterschiede zu den deutschen Fahrzeugen bestanden hauptsächlich in der<br />

Einrichtungsausführung und den zwei Mittelteilen. Wie auch in Augsburg<br />

waren die Mittelteile mit einem Einstieg ausgestattet. Alle 16 Linzer <strong>Wagen</strong><br />

wurden 2011/12 verschrottet.<br />

Graz erhielt 1986/87 zwölf Einrichtungs-Sechsachser der Reihe 600, die<br />

im Grazer SGP-Werk entstanden und deren technische Ausrüstung mit jener<br />

der Linzer Fahrzeuge vergleichbar ist. Da die <strong>Wagen</strong> 601 bis 612 dem<br />

steigenden Fahrgastaufkommen nicht mehr genügten, wurden sie 1999 mit<br />

Niederflur-Mittelteilen <strong>von</strong> Bombardier Wien zu Achtachsern erweitert. Sie<br />

sollen auch in Zukunft im Einsatz bleiben.<br />

WOLFGANG KAISER<br />

Sie ist aus dem öffentlichen Leben der großen Schweizer Städte<br />

nicht wegzudenken und erfreut sich wachsender Beliebtheit: die<br />

Straßenbahn. Alles über Gegenwart und Geschichte der eidgenössischen<br />

Trams und Straßenbahnbetriebe weiß dieses mit<br />

historischen Fotos anregend bebilderte Porträt. Rollmaterial,<br />

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Niederflurmittelteil versehen. Die wegen des<br />

zusätzlichen Drehgestells seither als N8S-NF<br />

geführten <strong>Wagen</strong> 361 bis 372 waren jedoch<br />

mit den letzten Exemplaren in Nürnberg nur<br />

bis 2011 im Einsatz. Theoretisch hätte ihre<br />

Einsatzzeit sogar noch früher enden sollen,<br />

doch Probleme mit ihren Nachfolgern – Variobahnen<br />

aus dem Hause Stadler – sorgten<br />

für eine Gnadenfrist. Schrittweise gingen die<br />

nicht mehr benötigten <strong>Wagen</strong> zwischen 2006<br />

und 2011 nach Krakau.<br />

Als Museumswagen in Nürnberg verblieben<br />

ist der Triebwagen 363.<br />

MICHAEL KOCHEMS/ANDRÉ MARKS/MIK<br />

Jeder zweite Kurs<br />

der Mülheimer Linie<br />

104 wendet am<br />

Gleisdreieck Grenze<br />

Borbeck. Hier kommen<br />

leihweise auch<br />

Essener M8C zum<br />

Einsatz. Am 1. August<br />

2012 verlässt<br />

EVAG-Tw 1108 das<br />

Wendegleis, während<br />

der Mülheimer<br />

M6D 294 gerade<br />

einfährt M. KOCHEMS<br />

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Fahrzeuge<br />

Konstal-Klassiker<br />

auf dem Abstellgleis<br />

Ende <strong>von</strong> Polens 13N-<strong>Wagen</strong> In Polens Hauptstadt standen die Vierachser vom Typ 13N in der<br />

Silvesternacht 2012 letztmalig im Planeinsatz. Am 5. Januar 2013 erfolgte ihre offizielle Verabschiedung<br />

– das Ende eines Kapitels, das 1959 in Warschau mit starken Geburtswehen begann …<br />

56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Polen: Typ 13N<br />

Jedes Land hat seine Straßenbahnklassiker,<br />

<strong>von</strong> denen es nun langsam<br />

Abschied zu nehmen gilt: Sind es hierzulande<br />

die letzten <strong>Düwag</strong>-Gelenktriebwagen<br />

oder die Tatras, so sind es in Polen<br />

die Konstal-<strong>Wagen</strong>. Nachdem in der<br />

ersten Hälfte der 1990er-Jahre die letzten<br />

Zweiachser aus dem Linienverkehr abgezogen<br />

wurden (sieht man vom Sonderfall der<br />

Linie 38 im oberschlesischen Beuthen einmal<br />

ab), sind nun die Tage der zweiten Generation<br />

Konstal-<strong>Wagen</strong> mit ihren runden<br />

Formen gezählt. Schieden 2009 die regelspurigen<br />

sechsachsigen Gelenkwagen des<br />

Typs 102Na offiziell aus dem Planverkehr<br />

aus, so folgten vor einem Jahr die <strong>Wagen</strong> der<br />

Meterspurvariante vom Typ 803N. Deren<br />

letzte Exemplare sind am 31. März 2012 in<br />

Lodz abgestellt und anschließend verschrottet<br />

worden. Anfang dieses Jahres<br />

nahm man nun in Warschau <strong>von</strong> den vierachsigen<br />

Großraumwagen des Typs 13N,<br />

den ersten modernen Straßenbahnfahrzeugen<br />

Polens, Abschied. Diese <strong>Wagen</strong> befinden<br />

sich inzwischen ebenfalls in Zerlegung.<br />

Die ersten 13N<br />

Der erste Triebwagen vom Typ 13N wurde<br />

im September 1959 ausgeliefert und erhielt<br />

in der Hauptstadt die <strong>Wagen</strong>nummer 503.<br />

Mit den Tw 504 bis 508 kamen 1960 fünf<br />

weitere Vorserienfahrzeuge nach Warschau.<br />

Für das damalige Polen stellten die 13N-<br />

Großraumwagen eine regelrechte Revolution<br />

dar: Bei den Zweiachsern mussten die<br />

Fahrer per Hand die Stromzufuhr regeln und<br />

mit Hilfe der Zuschaltung <strong>von</strong> mehr oder<br />

weniger Widerständen in den Stromkreis der<br />

Elektromotoren die Fahrgeschwindigkeit bestimmen.<br />

Die 13N verfügten hingegen über<br />

PCC-Beschleunigertechnik mit Pedalsteuerung.<br />

Dabei konnten über einen automatischen<br />

Schalter 76 Widerstandsstufen für das<br />

Anfahren und 99 Stufen für den Bremsvorgang<br />

zugeschaltet werden.<br />

Die neuen Vierachser waren sehr leistungsstarke<br />

Fahrzeuge: Verfügten die Zweiachser<br />

lediglich über zwei Motoren mit einer<br />

In Deutschland in dieser Form längst museal<br />

anmutend – in Warschau bis Silvester 2012 Alltag:<br />

Kupplung und Kabelverbindungen zwischen<br />

13N-<strong>Wagen</strong><br />

Im August 2007 waren Dreifachtraktionen<br />

<strong>von</strong> 13N schon Geschichte. An der Station<br />

Okecie steht hinter dem <strong>von</strong> Tw 769 geführten<br />

Pärchen bereits das nächste Pärchen,<br />

während auf dem Nebengleis Tw 598 auf<br />

Fahrgäste wartet M. SPERL (2)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

57


Fahrzeuge<br />

Die beiden Tw 828 + 736 legen am 4. Februar 2011<br />

im leicht verschneiten Warschau als Linie 33 in<br />

Richtung Kielecka an der Haltestelle „Biblioteka<br />

Narodowa“ (Nationalbibliothek) einen Stopp ein<br />

B. MARTIN<br />

Auch Warschauer 13N-<strong>Wagen</strong> erhielten komplette Werbelackierungen, hier zum Beispiel das<br />

Pärchen aus den Tw 706 + 707 am 12. August 2007<br />

M. SPERL, M. JUNGE (BILD LINKS)<br />

Haltestellenbeschilderung und Linienfahrplan<br />

durften nicht fehlen – und sei es nur für wenige<br />

Stunden. Während im Vordergrund noch die<br />

richtige Linie gesucht wird, steht im Hintergrund<br />

der heimliche Star des Silvesterabends<br />

Leistung <strong>von</strong> lediglich 60 kW, mit denen eine<br />

Höchstgeschwindigkeit <strong>von</strong> 50 km/h erzielt<br />

werden konnte, so waren die 13N mit vier<br />

41,5-kW-Motoren ausgestattet, was eine Maximalgeschwindigkeit<br />

<strong>von</strong> 68 km/h ermöglichte.<br />

Das Getriebe besaß eine zweistufige<br />

Übersetzung im Verhältnis <strong>von</strong> 1:7,375. Hieraus<br />

resultierte das für die 13N charakteristische<br />

Heulen beim Anfahren und Bremsen.<br />

Die Serienwagen<br />

Die ersten neuen Fahrzeuge wurden in Warschau<br />

als Tw 509ff. in den <strong>Wagen</strong>park eingereiht<br />

und auf den Linien 31 und 33 eingesetzt.<br />

Um Umnummerierungen der Altfahrzeuge<br />

zu vermeiden, wurde jedoch schon<br />

bald für die weiteren 13N eine neue Nummernserie<br />

1ff. geschaffen.<br />

Im Verlauf der Produktion wurde der <strong>Wagen</strong><br />

weiter verbessert. Ab 1964 war die einheimische<br />

Elektroindustrie in der Lage, die<br />

belgischen Importausrüstungen durch eigene<br />

Erzeugnisse zu ersetzen. Bis 1969 wurden<br />

846 (!) 13N an die Warschauer Straßenbahn<br />

ausgeliefert. Ein Teil der Fahrzeuge wurde<br />

als führerstandslose Beitriebwagen (Typenbezeichnung<br />

13ND) ausgeführt. Sechs weitere<br />

Konstal-Vierachser gelangten nach<br />

Oberschlesien (dort als 14N und 15N bezeichnet).<br />

Der hauptstädtische Straßenbahnbetrieb<br />

hätte gerne weitere 13N beschafft, da noch<br />

täglich dutzende Zweiachser unentbehrlich<br />

waren. Doch das Ministerium für Transportwesen<br />

konnte sich Mitte der 1960er-Jahre<br />

den Forderungen der anderen polnischen<br />

Verkehrsbetriebe nach der Zuteilung moderner<br />

Fahrzeuge nicht länger verschließen und<br />

wies daher den Waggonbauer Konstal an, die<br />

58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Polen: Typ 13N<br />

Die Triebwagen 836 und 835 verlassen am 16. August 2010 als Linie 28 in Richtung Wiatraczna die Haltestelle „Dworzec Wilenski“. Neben dieser<br />

steht das Denkmal an die Befreiung Warschaus durch die Rote Armee 1945<br />

B. MARTIN<br />

Produktion der Vierachser einzustellen und<br />

stattdessen einen sechsachsigen Gelenktriebwagen<br />

zu entwickeln. Dieser neue Fahrzeugtyp<br />

war zwar vornehmlich für die „Provinzbetriebe“<br />

gedacht, doch auch Warschau sollte<br />

nach den ursprünglichen Planungen Konstal-<br />

Sechsachser erhalten. Diese Idee wurde jedoch<br />

schließlich zu Gunsten der Beschaffung des<br />

neuen 105N-Vierachsers verworfen.<br />

Der Einsatz in Warschau<br />

Hinsichtlich der 13N war in Warschau ursprünglich<br />

ein Mischbetrieb mit Konstal-<br />

Zweiachsern auf denselben Strecken vorgesehen.<br />

Hier<strong>von</strong> nahm jedoch aufgrund der<br />

sehr unterschiedlichen Beschleunigung der<br />

beiden <strong>Wagen</strong>typen und der daraus resultierenden<br />

Behinderung der Großraumwagen<br />

durch die N-<strong>Wagen</strong> rasch wieder Abstand.<br />

Für eine Übergangszeit wurde das Netz zwischen<br />

den beiden <strong>Wagen</strong>typen aufgeteilt, um<br />

die Behinderungen für die Vierachser so gering<br />

wie möglich zu halten.<br />

Trotz der vorgenommenen Verbesserungen<br />

bereitete der 13N den Warschauer Verkehrsbetrieben<br />

reichlich Kummer und beschäf tigte<br />

sogar den Parteitag der polnischen Kom -<br />

munisten! Insbesondere die Beschleunigersteuerung<br />

erwies sich als nicht ausgereift und<br />

führte zu einer hohen Ausfallsquote der Vierachser.<br />

Als Grund hierfür konnten fehlerhaft<br />

hergestellte sowie falsch im Betrieb eingesetzte<br />

Beschleuniger identifiziert werden.<br />

Es dauerte bis 1965, bis die 13N auch elektrisch<br />

(und nicht nur mechanisch) gekuppelt<br />

in Doppeltraktion eingesetzt werden konnten.<br />

Ab 1977 wurden auch angesichts des<br />

Die Vorgeschichte der 13N<br />

Mangels eigener Möglichkeit und Kapazitäten<br />

plante Polen Anfang der 1950er-Jahre, in Schweden<br />

moderne vierachsige Straßenbahnwagen zu<br />

kaufen. Doch angesichts des aufziehenden „Kalten<br />

Krieges“ erwies sich das als nicht durchführbar.<br />

Im Jahr 1954 startete in Polen das Projekt<br />

„Großraumwagen“. Dieses Mal sollte die Tschechoslowakei<br />

„Bruderhilfe“ leisten. Nach langem<br />

Widerstand gaben die Tschechen im Herbst 1955<br />

schließlich nach und verkauften zwei T1-Vierachsern<br />

<strong>von</strong> CKD – offiziell für die Warschauer Straßenbahn.<br />

Die beiden Fahrzeuge kamen im Januar<br />

1956 in der polnischen Hauptstadt an und<br />

wurden als Tw 501 und 502 in den dortigen <strong>Wagen</strong>park<br />

eingereiht.<br />

Nach einigen Monaten im Fahrgasteinsatz wurde<br />

Tw 502 an das Zentrale Konstruktionsbüro <strong>von</strong><br />

PTK Pozna (Posen) überstellt, wo sogleich das<br />

gründliche Studium der Fahrzeugkonstruktion und<br />

ihrer Adaptierung an die polnischen Produktionskapazitäten<br />

begann. Auf dieser Grundlage<br />

wurde der polnische 11N-Vierachser entwickelt,<br />

herrschenden Personalmangels Dreifachtraktionen<br />

gebildet, um mit weniger Fahrern<br />

mehr Fahrgäste transportieren zu können.<br />

Alle bis 1967 gelieferten Großraumwagen<br />

erhielten noch klassische Scherenstromabnehmer,<br />

die jedoch später als eine weitere<br />

Schwachstelle dieses Fahrzeugtyps ausgemacht<br />

wurden. Deshalb ging man zum für die<br />

Konstal-<strong>Wagen</strong> so charakterischen OTK1-<br />

Pantographen in Form einer Halbschere über.<br />

der neben Warschau auch an andere Straßenbahnbetriebe<br />

des Landes geliefert werden sollte.<br />

Unter der Bezeichnung 12N wurde an Plänen für<br />

einen Beitrieb wagen mit vereinfachter Elektroausrüstung<br />

gearbeitet.<br />

Steuerungen anfangs aus Belgien<br />

Im Zuge der Planungen stellte sich jedoch heraus,<br />

dass die einheimische Industrie mit der Herstellung<br />

der Bauteile für die Antriebssteuerung überfordert<br />

war. Deshalb wurde 1957 ein Vertrag mit<br />

der belgischen ACEC (Ateliers de Constructions<br />

Electriques de Charleroi) über den Kauf <strong>von</strong> 25<br />

Musterausrüstungen unterzeichnet. Im weiteren<br />

Verlauf wurden gewisse Änderungen gegenüber<br />

dem belgischen Modell vorgenommen.<br />

Im Juli 1959 stellte die polnische Industrie das<br />

Konzept des 13N-Prototypen vor. Obwohl die erforderlichen<br />

Konstruktionsstudien noch nicht<br />

abgeschlossen waren, begann auf Druck des<br />

Warschauer Verkehrsbetriebs die Vorserienproduktion.<br />

Diese Technologie wurde aus Österreich in<br />

Gestalt <strong>von</strong> Stemmann-Stromabnehmern importiert.<br />

Nach und nach wurden alle Großraumwagen<br />

mit OTK1 nachgerüstet.<br />

Die Ablösung beginnt<br />

Der Stern der 13N begann Mitte der 1980er-<br />

Jahre zu sinken: Dienten die ersten 96 Vierachser<br />

des neuen Einheitstyps 105N, die zwischen<br />

1975 und 1978 nach Warschau<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

59


Fahrzeuge<br />

Drei <strong>Wagen</strong>, drei polnische Fabrikate! Lieferte Konstal die beiden „Klassiker“ 688 + 689 in den 1960er-Jahren, so entstand der Tw 3118 vom Typ<br />

120Na nach 2009 in der Bromberger Fa. PESA. Am 5. September 2010 fährt er als Linie 13 nach Nowe Bemowo, so sind die 13N <strong>von</strong> der Haltestelle<br />

„DT Wola“ als Linie 26 unterwegs<br />

B. MARTIN<br />

geliefert wurden, noch der Ablösung der letzten<br />

Vorkriegswagen und Konstal-Zweiachser,<br />

führten die kontinuierlichen Lieferungen<br />

des Nachfolgetyps 105Na auch zu einer<br />

spürbaren Dezimierung der 13N-Flotte. Bis<br />

zur politischen Wende in Polen waren bereits<br />

218 Fahrzeuge dieses Fahrzeugtyps ausgemustert<br />

worden.<br />

Im Gegensatz zu anderen polnischen Städten<br />

lieferte Konstal, das seit 1997 zum französischen<br />

Alstom-Konzern gehört, auch in den<br />

1990er-Jahre weiterhin große Stückzahlen <strong>von</strong><br />

Vierachsern aus der 105N-Familie nach Warschau<br />

– zunächst bis zum Jahr 2000 insgesamt<br />

246 Fahrzeuge im klassischen eckigen Gewand,<br />

im Folgejahr noch einmal 62 Vierachser<br />

des Typs 105N2k/2000 mit neuen, abgerundeten<br />

Front- und Heckpartien. Zwischen<br />

1995 und 2000 erhielt die polnische Hauptstadt<br />

außerdem 30 Konstal-Niederflurwagen.<br />

Hinzu kam, dass auch in Polen infolge des<br />

schwierigen Übergangs <strong>von</strong> der Plan- zur<br />

Marktwirtschaft und zunehmender Massenmotorisierung<br />

nach 1990 die Fahrgastzahlen<br />

stark zurückgingen. Als Reaktion hierauf<br />

wurde das Angebot angepasst und der<br />

Einsatz <strong>von</strong> Dreifachtraktionen aufgegeben.<br />

Am 30. Juni 1994 verkehrten die 13N zum<br />

letzten Mal in dieser Zugkomposition. Diese<br />

Einsatzveränderungen und die zahlreichen<br />

Technische Daten verschiedener Konstal-<strong>Wagen</strong> im Vergleich<br />

13N 802N 102NaW 803N<br />

Baujahre 1959–1969 1970 1972/1973 1973–1975<br />

Anzahl insgesamt 846 5 20 171 (141 für Lodz)<br />

Länge 13,30 m 19,30 m 19,30 m 19,30 m<br />

Breite 2,40 m 2,20 m 2,40 m 2,40 m<br />

Höhe 3,06 m 3,06 m 3,07 m 3,07 m<br />

Achsfolge Bo’Bo’ Bo’2’Bo Bo’2’Bo Bo’2’Bo<br />

Motorleistung 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW<br />

Höchstgeschwindigkeit 68 km/h 55 km/h 55 km/h 55 km/h<br />

Gewicht 18 t 25,9 t 25,9 t 25,9 t<br />

Sitzplätze 22 30 32 32<br />

Stehplätze 122 130 185 185<br />

neuen Fahrzeuge lösten eine Ausmusterungs -<br />

welle unter den 13N aus. Bis 2001 schieden<br />

weitere 355 Fahrzeuge dieses Typs aus dem<br />

Einsatzbestand aus.<br />

Bis zum Jahr 2011 blieb die Anzahl der<br />

Konstal-Klassiker relativ stabil. Ende 2010<br />

standen noch 216 Fahrzeuge dieses Vierachsertyps,<br />

also ein Viertel des Ursprungsbestands,<br />

im täglichen Linieneinsatz.<br />

Abstellung seit 2011<br />

Dennoch wurde nach der Wende kein umfassendes<br />

Modernisierungsprogramm für die<br />

13N aufgelegt. 1994 wurden versuchsweise<br />

die <strong>Wagen</strong> 818 und 821 umgebaut. Die<br />

beiden wegen ihrer seinerzeitigen grünen<br />

Ganzreklame gerne mit dem Spitznamen<br />

„Frosch“ versehenen Fahrzeuge erhielten<br />

u.a. zwei statt einem Frontscheinwerfer,<br />

Außenschwingtüren aus Kunststoff und<br />

Einholmstromabnehmer. Außerdem wurde<br />

der Fahrgastraum umgebaut. Doch diese<br />

Modernisierungen überzeugten den Verkehrsbetrieb<br />

nicht und wurden daher nicht<br />

weiterverfolgt. Die übrigen 13N wurden lediglich<br />

den Erfordernissen des aktuellen<br />

Betriebs angepasst und mit Fahrtenschreibern,<br />

einem neuen Kommunikationssystem,<br />

Funkanlagen und elektrisch verstellbaren<br />

Spiegeln ausgerüstet.<br />

Die größte optische Veränderungen erlebten<br />

einige 13N erst ab 2009: Da die polnische<br />

Industrie die Herstellung der klassi-<br />

60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Schlachten,<br />

Technik,<br />

Feldherren<br />

An seinem letzten Einsatztag im Linienverkehr – in der Silvesternacht 2012 – hält <strong>Wagen</strong> 719<br />

auf der Sonderlinie 13N an der Haltestelle Plac Zbawiciela. Der <strong>Wagen</strong> war übrigens als einziger<br />

im vorderen Zielkasten passend beschildert C. LÜCKER (2)<br />

Die Linie 13N existierte nur an einem Tag – zum<br />

Abschied der 13N-<strong>Wagen</strong> in der Silvesternacht<br />

2012. Trotzdem waren alle Kurse mit extra angefertigten<br />

Linienlaufschildern unterwegs<br />

schen runden Frontscheinwerfer einstellte,<br />

mussten bei allfälligen Reparaturen neue<br />

kleine eckige Scheinwerfer eingebaut werden.<br />

Hierdurch wurde das Gesicht des Konstal-Klassikers<br />

ein wenig entstellt. (Ähnliche<br />

Umbauten werden landesweit auch an den<br />

105Na vorgenommen.)<br />

186 neue Niederflurwagen<br />

Nach der Lieferung einer ersten Kleinserie<br />

<strong>von</strong> 15 Fahrzeugen zwei Jahre zuvor orderte<br />

Warschau 2009 bei PESA aus Bydgoszcz/<br />

Bromberg sage und schreibe 186 neue Niederflurwagen<br />

des Typs 120Na, die den Flexity<br />

Outlooks <strong>von</strong> Bombardier verblüffend<br />

ähneln. Diese werden seit Mai 2010 in rascher<br />

Folge ausgeliefert. Wurde der letzte<br />

PESA-<strong>Wagen</strong> ursprünglich für Ende 2013 erwartet,<br />

so waren Anfang 2013 bereits 162<br />

Stück vorhanden. Die fehlenden zwei Dutzend<br />

<strong>Wagen</strong> dürften in den nächsten Monaten<br />

bei den Warschauer Verkehrsbetrieben<br />

eintreffen.<br />

Auf die 13N-<strong>Wagen</strong> kann in Polens Landeshauptstadt<br />

somit verzichtet werden – ihr<br />

regulärer Einsatz endete am 31. Dezember<br />

2012. In der Silvesternacht richteten die Verkehrsbetriebe<br />

dazu sogar eine Extralinie<br />

„13N“ ein, was man übersetzt „Nachtlinie<br />

13“ nennen könnte, da auch im Polnischen<br />

das Wort Nacht (Noc) mit N beginnt. Zwischen<br />

Piaski und Sluzew (Metro Wilanowska)<br />

pendelten die ganze Nacht 13N-<br />

<strong>Wagen</strong>. An allen Fahrplanaushängen und<br />

selbst an mehreren Stationsanzeigern gab<br />

es an diesem Tag das „13N“ zu finden. Mit<br />

dem Einrücken am Neujahrsmorgen sollte<br />

in Warschau die 13N-Ära beendet sein, wie<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

auch alle Fahrer glaubten. Doch die Verkehrs<br />

betriebe entschieden kurzfristig, am<br />

5. Ja nuar die 13N auch offiziell zu verabschieden,<br />

wozu an diesem Tag nochmals<br />

mehrere <strong>Wagen</strong> zum Einsatz kamen.<br />

Verbleib der 13N<br />

Da eine Abgabe oder gar ein Verkauf der inzwischen<br />

über vier Jahrzehnte, teils sogar<br />

über 50 Jahre alten 13N-<strong>Wagen</strong> nicht vorgesehen<br />

ist, werden sie in nächster Zeit dem<br />

Rohstoffkreislauf zugeführt. Der bereits<br />

mehrere Jahre mit einer beige/roten Lackierung<br />

eingesetzte Museumswagen 795 ist <strong>von</strong><br />

der Verschrottung selbstverständlich ausgenommen.<br />

Unter Umständen bleiben auch<br />

ein, zwei andere <strong>Wagen</strong> als Reservefahrzeuge<br />

oder Ersatzteilspender noch eine Zeit lang<br />

erhalten. Genaues steht dazu jedoch noch<br />

nicht fest. BERNHARD MARTIN/AM<br />

Das aktuelle Heft.<br />

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Geschichte<br />

62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Einst & Jetzt<br />

Einst<br />

& Jetzt<br />

Der Place Pury ist die zentrale Drehscheibe<br />

des öffentlichen Nahverkehrs<br />

in Neuchâtel. Im September<br />

1959 stand dort Tw 72 mit Bw 141<br />

auf der Linie 3 nach Corcelles. 53<br />

Jahre später hat sich auf den ersten<br />

Blick viel verändert. Die „3“ verschwand<br />

1976 als letzte Stadtlinie<br />

aus dem Stadtbild und wurde durch<br />

eine bis Cormondrèche verlängerte<br />

Trolleybuslinie ersetzt. Der Individualverkehr<br />

wurde vom Place Pury<br />

verbannt und erlaubte eine großzügige<br />

Umgestaltung der Verkehrsflächen.<br />

Auch die auffällige Werbung<br />

für die Zigarettenmarke „Brunette“<br />

und der Hinweis, die Fabrikation<br />

mit der Linie 5 zu besichtigen, ist<br />

verschwunden.<br />

Auf dem aktuellen Foto begegnet<br />

uns ein Vertreter der jüngsten Gelenkobusse,<br />

ein Hess des Baujahres<br />

2009 am 1. Mai 2012 auf der Linie<br />

8 in Richtung „Boucle des Parcs“.<br />

Auf dem zweiten Blick ist aber erstaunlich<br />

Vieles in einem halben<br />

Jahrhundert unverändert geblieben:<br />

Alle sichtbaren Gebäude existieren<br />

weiterhin – sogar die Dachfenster<br />

und Schornsteine haben keine Umbauen<br />

erfahren. Der große Mast auf<br />

dem Platz trägt zwar keine Analoguhr<br />

mehr, aber die Anzeigetafel informiert<br />

neben der Uhrzeit auch<br />

über die nächsten Abfahrten auf<br />

dem Platz Pury in Neuchâtel.<br />

Beide Straßenbahnwagen haben<br />

eine bewegte Geschichte hinter sich<br />

und existieren heute noch! Tw 72<br />

<strong>von</strong> 1922 war bis zur Stilllegung der<br />

letzten Stadtlinie 3 im Einsatz und<br />

gelangte dann zur ANAT (Association<br />

neuchâteloise des Amis du<br />

Tramway). 1986 wurde er Teil des<br />

Straßenbahnmuseums in Detroit<br />

und kam nach dessen Auflösung um<br />

2000 nach Kalifornien. Der Beiwagen<br />

wurde bereits 1897 als Triebwagen<br />

11 erbaut. Nach dem Umbau<br />

zum Beiwagen 1914 war er bis 1976<br />

im Einsatz. Seit 1976 befindet er sich<br />

bei einer Touristenbahn in der Nähe<br />

<strong>von</strong> Paris.<br />

TEXT: ALEXANDER PIESENECKER<br />

FOTOS: KLAUS PIESENECKER UND<br />

ALEXANDER PIESENECKER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013 63


Geschichte<br />

Die letzten Zweiachser ...<br />

64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Kassel · Darmstadt<br />

LINKS „Nerven<br />

sparen, laß Dich<br />

fahren“ – der Slogan<br />

des Nahverkehrs<br />

damaliger<br />

Tage prangt im<br />

August 1981 in<br />

Kassel noch am<br />

Zweiachser 229,<br />

doch er durfte sich<br />

fortan ausruhen.<br />

Der Wegmann-Gelenkwagen<br />

361 –<br />

damals unverzichtbar<br />

– fährt seit 2003<br />

in Gorzów (Landsberg)<br />

RECHTS Noch ein<br />

originales Stirnlicht<br />

– Triebwagen 14 mit<br />

gutgelaunter Mannschaft<br />

1982 in der<br />

Nähe des Darmstädter<br />

Hauptbahnhofs<br />

ALLE BILDER: A. MAUSOLF<br />

Kassel und Darmstadt: Tram-Raritäten in den 1980er-Jahren In fast allen westdeutschen<br />

Straßenbahnstädten waren Zweiachs-Triebwagen zu Beginn der 1980er-Jahre nur noch in der Museumsflotte<br />

geduldet und im Liniendienst längst Geschichdte. Aber eben nicht in allen ...<br />

LINKS AUSSEN Das Kasseler<br />

Depot an der Holländischen<br />

Straße war einer jener Orte,<br />

an denen noch fahrfähige<br />

Einheiten abgestellt standen.<br />

Im August 1981 geht<br />

das für den Fotografen bereits<br />

gestellte Einrücken<br />

dem Verfügungspersonal<br />

mit dem Tw 223 und Bw 514<br />

noch glatt <strong>von</strong> der Hand<br />

LINKS Auch in Wilhelmshöhe<br />

standen im August 1981<br />

noch über 50-Jährige: Die<br />

gerade arbeitslos gewordenen<br />

<strong>Wagen</strong> machen den Eindruck,<br />

als würden sie schon<br />

am kommenden Morgen<br />

wieder ausrücken, hier die<br />

Tw 214, 232 und 229 noch<br />

im Vorzeigezustand<br />

Es war in den 1980er-Jahren tatsächlich<br />

noch nicht ganz vorbei! In Hessen<br />

lebte weiter, was andernorts<br />

längst den Weg des alten Eisens gegangen<br />

war: Besonders robuste und gut gepflegte<br />

Zweiachs-Triebwagen standen hier<br />

noch im Planverkehr im Einsatz! Das nordhessische<br />

Kassel beendete dieses Zeitalter mit<br />

dem Eintreffen <strong>von</strong> 16 modernen Stadtbahnwagen<br />

des Typs N8C im Jahre 1981.<br />

Im Süden des Bundeslandes war das Ende<br />

der Zweiachser-Epoche noch lange nicht erreicht:<br />

In Darmstadt wurde der Freund dieser<br />

Traktionsform bis in die 1990er-Jahre<br />

fündig …<br />

1981 in Kassel: Das war’s<br />

An vielen Orten standen die zum Beginn des<br />

Jahres noch eingesetzten Zweiachser aus den<br />

Jahren 1936 bis 1940 (Credé, Kassel-Niederzwehren)<br />

im Herbst 1981 noch im Freien<br />

abgestellt. Einige der 14 Einheiten (ursprüngliche<br />

Serie 210 bis 232, mehrere<br />

Ausmusterungen, aus zwei Einheiten waren<br />

Arbeitswagen geworden) hielt die KVG noch<br />

wegen befürchteter Engpässe auch nach dem<br />

Eintreffen der Stadtbahnwagen kurzzeitig<br />

weiter als Reserve vor. Andere <strong>Wagen</strong> gingen<br />

zu Museen bis in niederländische Arnhem,<br />

wo noch heute Kasseler Zweiachser auf<br />

der Straßenbahn des Freiluftmuseums im<br />

Einsatz stehen. Somit war es 1981 also vorbei<br />

mit dem regulären Zweiachser-Verkehr<br />

in Kassel. Doch Hessen ist groß …<br />

In Darmstadt: Das war’s<br />

noch lange nicht!<br />

Bei der Hessischen Elektrizitäts AG (HEAG)<br />

in Darmstadt sollten Zweiachser noch über<br />

ein Jahrzehnt unverzichtbar bleiben. Hier<br />

standen tatsächlich noch acht Verbandstyp-<br />

Triebwagen aus der Mitte der 1950er-Jahre<br />

– als ST 6 bezeichnet – mit entsprechenden<br />

Beiwagen im Betrieb, die vor allem auf der<br />

idyllischen Strecke durch Eberstadt zum Einsatz<br />

gelangten.<br />

Verstärkt wurden sie durch vier aus Regensburg<br />

übernommene Verbandstyp-Trieb-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

65


Geschichte<br />

Darmstadt: Bis 1992 befindet sich hier für Freunde des zweiachsigen Triebwagens ein Paradies.<br />

Tw 14 mit Beiwagen ist im Frühjahr 1982 als Linie 6 in Eberstadt auf dem Weg nach Merck<br />

wagen, die ebenfalls Rathgeber hergestellt<br />

hatte. Bis 1992 liefen die letzten Zweiachser<br />

noch im Personen-Einsatz, zum Schluss nur<br />

noch als E-<strong>Wagen</strong>. Mit dem Eintreffen neuer<br />

Fahrzeuge war auch dies schließlich Geschichte<br />

– mehr als ein Jahrzehnt nachdem<br />

in Kassel die letzten Zweiachs-Triebwagen<br />

aus dem Einsatz gegangen waren.<br />

Schrottplatz nicht für alle Endstation<br />

Während Triebwagen 13 bereits 1983 mit<br />

einem Beiwagen, dem später ein weiterer<br />

folgte, nach Würzburg gelangte, wo er als<br />

Schoppen-Express zum Einsatz kam, blieb<br />

in Darmstadt nur Triebwagen 12 fahrfähig<br />

erhalten. Er machte als „Datterich-Express“<br />

mit zwei SB6-Beiwagen Furore. Triebwagen<br />

Nichts los auf der Straße – und auch im Tw 19,<br />

der in Eberstadt gleich die Haltestelle Kirche erreicht<br />

hat, herrscht am frühen Vormittag gähnende Leere.<br />

15 ist noch heute abgestellt in Darmstadt<br />

vorhanden. Der Rest der Flotte wanderte<br />

nach nicht ganz vier Einsatzjahrzehnten auf<br />

Schon bald wird man sich aber um die raren Plätze<br />

den Schrott.<br />

ANDREAS MAUSOLF<br />

im Inneren des 1982 noch immer dringend<br />

benötigten Oldtimers wieder drängeln ...<br />

66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Kassel · Darmstadt<br />

OBEN Am Berg -<br />

sträßer Hof in Eberstadt:<br />

Die Damen<br />

haben noch etwas<br />

zu bereden und nehmen<br />

den Triebwagen<br />

17 mit Beiwagen<br />

196 noch nicht.<br />

Der nächste Zweiachser<br />

folgte in wenigen<br />

Minuten …<br />

RECHTS Nach der<br />

Idylle wieder das<br />

normale Straßengeschehen:<br />

Triebwagen<br />

16 „mittendrin“<br />

– fotografiert<br />

aus Triebwagen 17<br />

bei der Rückfahrt<br />

aus Eberstadt<br />

67


Geschichte<br />

Ein »Skandal <strong>von</strong><br />

bundesweitem Ausmaß«<br />

Vor 40 Jahren wurden Ludwigshafens Tunnelpläne ausgebremst Der Plan zur Abschaffung<br />

der Tram zugunsten einer Stadtschnellbahn konnte Mannheim nicht überzeugen. Nur drei Jahre nach<br />

dem Ludwigshafener Grundsatzbeschluss <strong>von</strong> 1971 war daher die »totale Stadtbahn« am Ende<br />

Wie <strong>von</strong> den Direktoren der Mannheimer<br />

Straßenbahn beziehungs -<br />

weise OEG schon erwartet (siehe<br />

SM 7/2012), verfolgte das <strong>von</strong><br />

Fritz Pampel (Hamburger Verkehrsverbund)<br />

erst im April 1972 vorgelegte Mannheimer<br />

Gutachten einen radikalen Ansatz. Anders<br />

als in Ludwigshafen sollten die Schnellbahnlinien<br />

geradlinig nur zwischen den Aufkommensschwerpunkten<br />

angelegt werden.<br />

Jede Rücksichtnahme auf bestehende Straßenbahnnetze<br />

schränkte laut Pampel die<br />

Wirksamkeit der Stadtschnellbahn ein.<br />

Mannheim sollte daher sein damals über<br />

70 km langes Straßenbahn- und Überlandstraßenbahn-Netz<br />

durch lediglich 38,9 km<br />

unabhängig nach U-Bahn-Parametern trassierte<br />

Stadtschnellbahn ersetzen. Kostenschätzung<br />

1972: 1,53 Milliarden D-Mark.<br />

Nur die 1969 eröffnete Neubaustrecke Vogelstang,<br />

der OEG-Damm in Käfertal und der<br />

eigene Bahnkörper in der Casterfeldtstraße<br />

(sowie der Dalbergtunnel als Abstellanlage!)<br />

sollten in dieses Schnellbahnnetz übernommen<br />

werden. Pampel empfahl zuerst die rein<br />

Mannheimer „B-Linie“ <strong>von</strong> Lindenhof bis zur<br />

Gartenstadt zu bauen und zwar <strong>von</strong> vornherein<br />

als durchgehende U-Bahnlinie ohne Zwischenlösungen<br />

mit Straßenbahnen im Tunnel.<br />

Diese Linie wäre unabhängig <strong>von</strong> den<br />

Provisorien in Ludwigshafen und hätte große<br />

Gebiete neu an die Schiene angeschlossen<br />

– und Waldhof, Schönau und Sandhofen straßenbahnfrei<br />

gemacht.<br />

Keine Tunneleuphorie in Mannheim<br />

Der 1972 gegründete Arbeitskreis Stadtschnellbahn<br />

beider Städte empfand Pampels<br />

Pläne schnell als viel zu weit gehend (siehe<br />

68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Mannheim/Ludwigshafen<br />

Um ein „Dauerprovisorium“ handelt es<br />

sich bei der Rampe zur unterirdischen<br />

Station Rathaus in der Ludwigshafener<br />

Innenstadt. Inzwischen hat man um sie<br />

herumgebaut, was den Torso-Charakter<br />

der Tunnelanlagen aufzeigt F. MUTH<br />

Kasten Seite 70). Am 1. Oktober 1973 nahm<br />

der Mannheimer Gemeinderat das Gutachten<br />

zwar zunächst an. Doch fünf Tage später<br />

wurde die „Ölkrise“ mit dem ersten autofreien<br />

Sonntag für die Bevölkerung fühlbar,<br />

die in der Bundesrepublik die erste große<br />

Wirtschaftskrise auslöste. Der Glaube an ungebremstes<br />

Wachstum war erschüttert. Als<br />

der Stadtrat am 20. November 1973 die Pläne<br />

endgültig verabschiedete, mahnte der<br />

CDU-Stadtrat Roland Hartung bereits, dass<br />

den Stadtschnellbahnplänen jegliche volksund<br />

betriebswirtschaftlichen Daten fehlten ...<br />

Mannheims Oberbürgermeister Dr. Ludwig<br />

Ratzel sah Tunnelstrecken ebenfalls weiter<br />

skeptisch. Für die 1975 geplante Bundesgartenschau<br />

(Buga) kamen die Pläne<br />

ohnehin zu spät. Daher hatte er sich für das<br />

Seilbahn-System Aerobus begeistert, welches<br />

dann 1975 die beiden Gartenschaugelände<br />

Herzogenried und Luisenpark verband. Später<br />

wollte Ratzel das Aerobus-System für den<br />

ÖPNV ausbauen. Die Straßenbahn wurde<br />

für die Buga mit vielen kleinen Ausbauten<br />

und Beschleunigungen leistungsfähiger und<br />

gehörte fortan zu den Betrieben in Deutschland<br />

mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit.<br />

Als am 5. März 1974 ein Professor<br />

Ganzler in der Kunsthalle einen<br />

Vortrag über Stadtschnellbahnen hält und<br />

OBEN Am 28. September 1971 haben Tw 76 und Bw 98 die alte Endstelle Rheingönheim erreicht.<br />

Seit September 1972 wird der Stadtteil auf einer Neubautrasse umfahren<br />

G. BERG<br />

UNTEN Von den Stadtbahnplänen wurden nur die Station Heinrich-Pesch-Haus und eine neue Trasse<br />

nach Oggersheim umgesetzt. Hier Tw 159 am 26. Februar 1983 bei der Eröffnung SLG. F. MUTH<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

69


Geschichte<br />

Planungen <strong>von</strong> vor<br />

40 Jahren: Baustufenübersicht<br />

der<br />

Stadtschnellbahn<br />

Rhein-Neckar vom<br />

Mai 1973<br />

SLG. F. MUTH<br />

Planung <strong>von</strong> 1972 für Ludwigshafen: die mehrgleisige Schnellbahnstation am Rathaus. Die „provisorische“<br />

Rampe anstatt des Tunnels unter der Bismarckstraße (braune Striche rechts) gibt<br />

es bis heute …<br />

GRAFIK: STADTARCHIV LUDWIGSHAFEN/SLG. Y. SCHÄFFNER<br />

Kosten spielten 1973 keine Rolle als Fritz Pampel<br />

vorschlug, unter dem Mannheimer Hbf diese<br />

Turmhaltestelle zu bauen (Tunnel links unten<br />

führt nach Ludwigshafen) SLG. F. MUTH<br />

dabei die Vorteile eigener (oberirdischer)<br />

Gleiskörper erläuterte, war die „Stadtschnellbahn“<br />

diskreditiert. In der OEG-Aufsichtsratssitzung<br />

am 5. Sep tember 1974 ließ<br />

Ratzel dann die Bombe platzen: „Das ganze<br />

Vorhaben Stadtschnellbahn müsse generell<br />

in Frage gestellt werden, (...), nachdem<br />

Mannheim alleine in den letzten Jahren 15<br />

Mio. DM investierte, mit den Verkehrsbetrieben<br />

der beiden Städte und der RHB zusammen<br />

das modernste oberidische Netz im<br />

Bundesgebiet bilde. Bei der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit<br />

und dem modernen<br />

Fuhrpark müssen man sich fragen, ob es<br />

70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Mannheim/Ludwigshafen<br />

Am 6. November 1973 nimmt Tw 141 (später MVG 429) im Schatten des<br />

BASF-Hochhauses noch die alte Strecke zum Rathaus. Die neue Trasse zur<br />

künftigen U-Haltestelle Hemshof ist schon im Bau W. RABE, SLG. F. MUTH<br />

Die Aufnahme <strong>von</strong> 2001 zeigt einen per Niederflurmittelteil zum Achtachser<br />

verlängerten Mannheimer Gelenkwagen auf der neuen Trasse<br />

kurz vor erreichen der heutigen U-Station Hemshofstraße F. MUTH<br />

Nachteile der U-Bahn<br />

Der Arbeitskreis Stadtschnellbahn formulierte<br />

folgende Nachteile einer reinen U-Bahn-Konzeption,<br />

wie sie Gutachter Pampel für Mannheim<br />

vorgeschlagen hatte:<br />

• Das relativ gut funktionierende Straßenbahnnetz<br />

müsste frühzeitig an Schwerpunkten unterbrochen<br />

werden<br />

• Den Fahrgästen würde mehrmaliges Umsteigen<br />

zugemutet<br />

• Es wären zunächst hohe Investitionen notwendig,<br />

um eine sich rentierende, genügend<br />

lange Strecke in Betrieb zu nehmen<br />

• Der Vorteil der Stadtschnellbahn würde auf<br />

lange Zeit nur einem begrenzten Benutzerkreis<br />

zugute kommen<br />

noch zu vertreten sei, für zwei Milliarden<br />

DM 20 Jahre lang die Straßen in Mannheim<br />

und Ludwigshafen aufzubuddeln.“ (Sitzungsprotokoll).<br />

Im Herbst 1985 absolvierte der vom 27. September bis zum 25. November aus Krefeld geliehene<br />

M-<strong>Wagen</strong> 846 Probeeinsätze in Ludwigshafen (hier in der Tunnelstation Ludwigshafen<br />

Hauptbahnhof am 8. November). Die Mannheimer MVG lehnte eine Beschaffung ab SLG. F. MUTH<br />

Schock für Ludwigshafen<br />

Wenige Tage später klagte Ludwigshafens<br />

OB Werner Ludwig im Mannheimer Morgen:<br />

„Weil Oberbürgermeister Dr. Ludwig<br />

Ratzel einmal laut gedacht hat, sind in Ludwigshafen<br />

Kommunalpolitiker jeder Couleur<br />

auf der Palme.“ Die Stadt hätte schon<br />

so viele Tunnelvorleistungen erbracht, dass<br />

man sich dort einen Rückzieher nicht mehr<br />

leisten könne. Die Ludwigshafener CDU<br />

sprach gar <strong>von</strong> einem „Skandal bundesweiten<br />

Ausmaßes“. Laut Rhein-Neckar-Zeitung<br />

vom 16. September 1974 wäre Ludwig „eigens<br />

am letzten Samstag mit der Linie 4<br />

durch Mannheim gefahren und habe seine<br />

Meinung bestätigt gesehen, dass auch Mannheim<br />

mit der Straßenbahn ,unter die Erde<br />

muß‘... Eine Fußgängerzone mit Straßenbahn<br />

sei auf die Dauer nicht sinnvoll, ein Nebeneinander<br />

<strong>von</strong> Straßenbahn und Stadtschnellbahn<br />

sei nicht möglich“. Doch schon<br />

wenige Tage später war Ludwig bereit über<br />

„Details“ der Stadtschnellbahn nachzudenken.<br />

Mannheim stehe schließlich wirtschaftlich<br />

schlechter da als Ludwigshafen ...<br />

Entscheidung für oberirdische Tram<br />

Am 12. November 1974 entschied Mannheim,<br />

an der oberiridischen Straßenbahn<br />

festzuhalten. Nur Almenhof/Lindenhof sollte<br />

wegen der engen Straßen mit einem Tunnel<br />

erschlossen werden. Offiziell bekannte<br />

man sich nur noch zum Gemeinschaftsfahrzeug<br />

RN2000 (s. Kasten Seite 72), das Ludwigshafen<br />

brauchte, wenn es überhaupt eine<br />

realitische Perspektive für den Weiterbau seiner<br />

Tunnelanlagen geben sollte, denn die zentralen<br />

Stationen enthielten Linksbahnsteige!<br />

Die Abkehr Mannheims <strong>von</strong> der Stadtschnellbahn<br />

begründete Bürgermeister Varnholt<br />

in einer vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium<br />

angeforderten Stellungnahme u.a.<br />

mit der Kostenexplosion in anderen Städten,<br />

jahrzehntelangen Baustellen, rückläufigen<br />

Einwohnerzahlen und dem zu hohen Unterhaltungsaufwand<br />

(sog. Folgekosten).<br />

Die Bundesregierung ließ noch 1974 generell<br />

die Berücksichtigung der Folgekosten <strong>von</strong><br />

Tunnelplänen prüfen. Mannheim fiel praktisch<br />

durch und die Stadtschnellbahn wurde<br />

aus dem vordringlichen Bedarf gestrichen. Damit<br />

war das Projekt tot. Seit dem 11. August<br />

1975 wurde auf dem Rücken der Mannhei-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

71


Geschichte<br />

Ein <strong>Düwag</strong>-GT8 hat als Linie 12 im Jahr 2001 die untere Ebene der Station Ludwigshafen Rathaus erreicht. Dieser so genannte C-Tunnel mit den<br />

Haltestellen Danziger Straße und Rathaus (unten) wurde 2008 stillgelegt und unzugänglich abgesperrt, die Linie 12 wurde eingestellt F. MUTH<br />

mer Akten immer wieder handschriftlich vermerkt,<br />

dass es keinen neuen Sachstand gäbe.<br />

Am 21. Januar 1980 schließt die Akte.<br />

Fahrzeugplanungen für die Stadtschnellbahn<br />

in Mannheim und Ludwigshafen<br />

Als Fahrzeuge für das Schnellbahnnetz standen die<br />

damals projektierten Typen „Stadtbahnwagen A“<br />

und „Stadtbahnwagen B“ sowie der Frankfurter<br />

Typ U2 zur Debatte. Aufgrund der besser vari -<br />

ierbaren Zuglänge entschied man sich für den U2.<br />

Die Tunnelanlagen am Ludwigshafener Hauptbahnhof<br />

waren noch nach den schmäleren U-Straßenbahn-Maßstäben<br />

erstellt worden. Deshalb<br />

wur de auf Basis des U2 der „Stadtbahnwagen<br />

RN2000“ entwickelt, der wegen der Meterspur nur<br />

2,5 m breit und für den zeitweiligen Mischbetrieb<br />

mit Klapptrittstufen ausgerüstet sein sollte.<br />

Falsche Prognose zu <strong>Düwag</strong>-GT<br />

Seinerzeit sprach sich auch der Direktor der Heidelberger<br />

Straßenbahn dafür aus, diesen Fahrzeugtyp<br />

künftig einheitlich für das Meterspurnetz<br />

<strong>von</strong> Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen zu<br />

beschaffen, betrieben doch alle Meterspurbetriebe<br />

seit 1970 gemeinsam die Zentralwerkstatt an<br />

der Mannheimer Möhlstraße. Vollmundig verkündete<br />

die „Rheinpfalz“, dass bereits im Jahre 1975<br />

die ersten Stadtbahnwagen des Typs RN2000 geliefert<br />

und bis 1990 die restlichen Straßenbahnen<br />

in Ludwigshafen ersetzen würden. Im Jahre 1990<br />

seien die erst 1971 neu angeschafften <strong>Düwag</strong>-<br />

Achtachser abgeschrieben. (Bekanntlich fuhren<br />

diese <strong>Wagen</strong> dann jedoch noch bis zur Einstellung<br />

der Linie 12 und der Stilllegung des C-Tunnels im<br />

Jahre 2008.)<br />

Da Mannheim und Ludwigshafen einen sehr<br />

jungen <strong>Wagen</strong>park hatten, erfolgten keine Neufahrzeugkäufe.<br />

Allein Heidelberg brauchte neue<br />

Triebwagen – weil durch den massiven Rückbau<br />

des Netzes alle Wendeschleifen abgebaut und die<br />

<strong>Düwag</strong>-Einrichtungswagen deshalb nicht mehr einsetzbar<br />

waren. Gekauft wurden dann konventionelle<br />

<strong>Düwag</strong>-Zweirichtungssechsachser (und später<br />

auch einige Achtachser). Erst 1985 folgten noch<br />

acht Stadtbahnwagen vom Typ M8.<br />

Tunnel ohne Chance<br />

Dennoch verfolgten beide Städten als weitere<br />

Ausbaumaßnahmen fast ausschließlich<br />

Tunnelprojekte mit höchster Priorität während<br />

Erweiterungen in äußere Stadtteile (wie<br />

MA-Gartenstadt oder LU-Pfingstweide) seinerzeit<br />

unterblieben. Ludwigshafen versuchte<br />

nach Fertigstellung des C-Tunnels in<br />

1976 (siehe SM 9/2012) noch bis 1990 vordringlich<br />

den Innenstadttunnel gemäß Grabes<br />

Netzkonzeption zu komplettieren. Vergeblich<br />

– denn lange Tunnelstrecken waren<br />

unbezahlbar und eine Rampe aus der viergleisigen<br />

Abzweigstation Amtsstraße war<br />

technisch schwierig und städtebaulich unmöglich.<br />

Eine Rampe erst beim Berliner Platz hätte<br />

das Netz zusätzlich auf Jahrzehnte zerrissen.<br />

So werden bis heute in der viergleisigen<br />

Station Rathaus (obere Ebene) nur die Mittelgleise<br />

benutzt, die am südlichen Ende der<br />

Station in einem scharfen Bogen nach Nordosten<br />

auf eine „provisorische“ Rampe führen.<br />

Änderung nicht in Sicht. Einziger Neubau<br />

1983: Teilverlegung der Strecke nach<br />

Oggersheim aus der Frankenthaler Straße<br />

aufs freie Feld in Schnellbahnbauweise.<br />

Der Stadt hohe Schulden erspart<br />

Mannheim musste den Tunnel für Almenhof/Lindenhof<br />

mehrfach abspecken, bis er<br />

ganz am Widerstand der Anwohner scheiterte.<br />

(Langfristig war auch noch eine Untertunnelung<br />

der Schwetzinger Vorstadt geplant.)<br />

Die oberirdische Realisierung der<br />

B-Linie wurde zum zentralen Element des<br />

unter dem Vorstand Roland Hartung ab<br />

1989 erstellten Mannheimer Ausbau- und<br />

Rationalisierungskonzepts „MVG-2000“,<br />

nachdem man auf die Idee einer Gleisverschlingung<br />

gekommen war, mit der sich auch<br />

in den engen Straßen eine Straßenbahn einfügen<br />

ließ.<br />

Mannheims Oberbürgermeister Gerhard<br />

Widder erklärte 1991 beim Ersten Spatenstich<br />

für die oberirdische Strecke dankbar,<br />

ohne die Stadtschnellbahntunnel seien der<br />

Stadt hohe Schulden erspart geblieben und<br />

ihm schlaflose Nächte deswegen ...<br />

FRANK MUTH, YANNICK SCHÄFFNER<br />

Die Artikel in <strong>STRASSENBAHN</strong> MAGA-<br />

ZIN 6, 7, 9/2012 sowie dieser Ausgabe basieren<br />

auf jahrelanger Recherche in den bei<br />

den Stadtarchiven noch vorhandenen Akten<br />

und Plänen und Gutachten. Die Autoren<br />

danken für die umfangreiche Unterstützung<br />

dem Tiefbauamt Ludwigshafen,<br />

den Stadtarchiven Ludwigshafen und<br />

Mannheim sowie dem Betriebshistoriker<br />

Werner Rabe.<br />

72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Fundstück des Monats<br />

FOLGE 1<br />

Leipzig<br />

Straßenbahnhof<br />

Möckern<br />

„Villa Helga“ prangt in Leipzig-Möckern am ehemaligen Beiwagen 285 der LVB. Das mehrere Jahrzehnte als<br />

Gartenlaube genutzte „Fundstück“ wird in diesem Zustand der Nachwelt erhalten<br />

SLG. A. MARKS<br />

Gartenlaube als<br />

Museumsstück<br />

Mit diesem „Fundstück des Monats“ startet eine<br />

neue Rubrik: Umgenutzte Fahrzeuge, nur noch<br />

in Einzelteilen erhaltene <strong>Wagen</strong>, Gleisreste oder<br />

Rosetten an Orten und Städten, wo es teils seit<br />

Jahrzehnten keine Tram mehr gibt – hier wird<br />

die Geschichte erzählt, die dahinter steckt ...<br />

Regenrinnen bis zu den Bühnen, Blumenkästen an den Fenstern, eine Fernsehantenne auf dem<br />

Dach – kein typischer Anblick für einen Straßenbahn wagen. Doch vor dem Straßenbahnmuseum<br />

in Leipzig-Möckern wird ein alter Beiwagen speziell in seinem Zustand als Gartenlaube gezeigt.<br />

Hinter der Gartenlaube im Leipziger Straßenbahnmuseum<br />

verbirgt sich ein 1907 in den eigenen Werkstätten der Großen<br />

Leipziger Straßenbahn gebauter Beiwagen vom Typ<br />

51 II . Unter der Nummer 86 in Betrieb genommen, erhielt er<br />

1920 die neue <strong>Wagen</strong>nummer 195. Im Jahr 1932 wurde der Zweiachser<br />

grundlegend umgebaut und modernisiert. Dabei erhielt das<br />

danach dem Typ 54 II zugeordnete Fahrzeug u. a. wesentlich größere<br />

und nun geschlossene Plattformen.<br />

Über zwei Jahrzehnte als <strong>Wagen</strong>-Nr. 285 noch im Leipziger<br />

Personenverkehr eingesetzt, wurde er schließlich im Jahr 1965 zum<br />

Sand-transportwagen 5671 degradiert. Doch drei Jahre später verkauften<br />

ihn die LVB samt Fahrwerk. Die neuen Eigentümer stellten<br />

ihn in einer Kleingartensparte in Leipzig-Probst heida als Laube auf.<br />

Eingefleischten Straßenbahnfreunden war der Beiwagen hier stets<br />

bekannt. In den 1990er-Jahren bereiteten sie die Übernahme des<br />

Bw vor. Im Sommer 2001 war es dann soweit – der Zweiachser<br />

kehrte auf Gleise zurück. Seine erste große Präsentation nach seiner<br />

Bergung fand im Juli des gleichen Jahres auf dem Vorplatz des Leipziger<br />

Hauptbahnhofes statt, wo er als Blickfang für eine Ausstellung<br />

über den Leipziger Nahverkehr warb. Anschließend wurde er<br />

in das Leipzig Straßenbahnmuseum nach Leipzig-Möckern überführt<br />

und liebevoll als Gartenlaube im Stile der 1970er-Jahre eingerichtet.<br />

Da ein <strong>Wagen</strong> des gleichen Typs auf seine Restaurierung<br />

wartet, soll der baugleiche Bw 285 auch in Zukunft als „Laubenpieper-Residenz“<br />

erhalten bleiben, um an diese Form der Nachnutzung<br />

<strong>von</strong> Straßenbahnen zu erinnern. GUIDO WRANIK/AM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

73


■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />

Die Nürnberger<br />

Modelltram-<br />

Neuheiten. Teil 1<br />

Im Zeichen<br />

des 3-D-Drucks<br />

Spielwarenmesse 2013 ■ Altbekannte<br />

Herstellungsverfahren werden durch neue<br />

Methoden verdrängt. Auch Kleinanbieter<br />

<strong>von</strong> Trammodellen bedienen sich nun<br />

der zukunftsträchtigen Produktionsweise<br />

Stetig schwindende Aussteller-<br />

und Besucherzahlen,<br />

dafür aber breitere Gänge<br />

zwischen den Ständen der<br />

Anbieter, das war der erste Eindruck,<br />

der sich uns gleich am ersten Messetag<br />

beim Betreten der Halle 4A auf<br />

der diesjährigen Spielwarenmesse<br />

bot. Auch heuer verzichteten weitere<br />

Anbieter darauf, ihre Neuheiten in<br />

Nürnberg als Aussteller zu präsentieren.<br />

Wie schon in den vorangegangenen<br />

Jahren sind wieder viele unser<br />

Hobby betreffende Neuheiten so<br />

genannte Kofferpräsentationen, die<br />

die Kleinhersteller als Fachbesucher<br />

getarnt herum zeigten.<br />

Bei den bisherigen Ausstellern fiel<br />

besonders das Fehlen <strong>von</strong> Beka auf.<br />

Dem Vernehmen nach hat der 2012<br />

Auch 3-D-Drucker präsentierten sich in Nürnberg. Jana Vurbsová vom<br />

tschechischen Dienstleister Hacker zeigte Tramteile, die sie schon gefertigt<br />

haben. Minitrix bediente sich ebenfalls verschiedener 3-D-Modelle.<br />

Auf der großen N-Anlage nach Hamburger Vorbild (gr. Foto) sorgten<br />

gedruckte V6-Triebwagen <strong>von</strong> Stadt im Modell für die richtige Belebung<br />

74 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013


Spielwarenmesse 2013<br />

Aufgrund der<br />

fehlenden Fahrgestell-<br />

Schürzen unterscheidet sich die Kasseler<br />

Variante des Verbandswagens II <strong>von</strong> Herrmann<br />

und Partner recht deutlich <strong>von</strong> den bisher entstandenen<br />

Versionen. Das H0-Modell ist auch in creme-roter Lackierung lieferbar<br />

angekündigte Dresdener Gelenk-<br />

Arbeitswagen zwar Fortschritte<br />

gemacht, ist aber noch nicht fertig<br />

gestellt. Der Messestand <strong>von</strong> Herrmann<br />

und Partner war dagegen<br />

am bekannten Platz aufgebaut. Wie<br />

in den Vorjahren schon, diente er<br />

wieder als Treffpunkt der Modellstraßenbahner.<br />

Birgit Herrmann, bei der es auch<br />

schon mal einen Becher Kaffee und<br />

einen Keks gab, hatte einige Neuheiten<br />

mit nach Nürnberg gebracht, darunter<br />

auch die Kasseler Ausführung<br />

des Verbandswagens II. Das Modell<br />

ist nicht nur eine Farbvariante, sondern<br />

verfügt auch über vorbildgetreue<br />

Formänderungen.<br />

Gedruckte Handmuster<br />

Am Herrmann-Stand trafen wir Miroslav<br />

Barnet <strong>von</strong> MB-Modell, der<br />

einige H0-Neuheiten wie etwa den<br />

Tatra T6A5 in Prager Ausführung<br />

zeigte. Auch Fernand Vanhoey <strong>von</strong><br />

Ferivan hat etwas Neues in Vorbereitung,<br />

nämlich den Typ S der<br />

belgischen NMVB/SNCV, <strong>von</strong> dem<br />

zwischen 1953 und 1959 insgesamt<br />

212 Triebwagen als Neuaufbauten<br />

auf Fahrgestellen so genannter<br />

Pullmann-<strong>Wagen</strong> entstanden, die<br />

landesweit zum Einsatz kamen.<br />

Von diesem Modell wurden zwei<br />

Prototyp-<strong>Wagen</strong>kästen für die Spuren<br />

0 und H0 gezeigt, die er im ak-<br />

Im Jahre 1921 wurde das Vorbild dieses Osloer Triebwagens der Reihe 138-154 <strong>von</strong> der Hannoverschen Waggonfabrik<br />

gebaut. Das schwere, in Messing-Ätztechnik gefertigte Spur-0-Modell stammt <strong>von</strong> Swedtram<br />

Ebenfalls ein schweres Spur-0-Modell aus Metall ist der Mercedes Benz Citaro Mod. 2012 vom französischen<br />

Anbieter Norev Collection. Der Bus wird in der Lackierung der Hamburger Hochbahn ausgeliefert<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013 75


aßenbahn im Modell<br />

Auch als H0-Modell macht Ferivans Bus Brossel A98 DAR der belgischen Gesellschaft NMVB/SNCV einen schweren Eindruck OLGA BANDELOWA (10)<br />

Zwischen dem MB-Feuerwehr-Kleinbus O608 und den entgegenkommenden Corvette-Cabrio, Opel Ascona A<br />

und VW Passat L Variant <strong>von</strong> Brekina bahnt sich der Kasseler Verbandstriebwagen II <strong>von</strong> H & P seinen Weg<br />

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u. a. ehemalige Spieth-Modelle<br />

tuellen 3-D-Druckverfahren (siehe<br />

SM 11/12 und 12/12) fertigen ließ.<br />

Zumindest für solche Urmodelle oder<br />

Prototypen scheint dieses Verfahren<br />

auf dem Vormarsch zu sein, da man<br />

direkt <strong>von</strong> der Computerdatei, die ja<br />

als Konstruktionsgrundlage unumgänglich<br />

ist, in die Produktion gehen<br />

kann. Auch große Hersteller wie<br />

Märklin oder Roco zeigten Handmuster,<br />

deren Herkunft aus dem<br />

3-D-Drucker nicht zu übersehen war.<br />

Für eine Großserienfertigung scheint<br />

dieses Herstellungsverfahren aber<br />

noch nicht uneingeschränkt geeignet<br />

zu sein. Für die Modellstraßenbah-<br />

Handmuster<br />

des KSW<br />

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Als erste im 3-D-Druck gefertigte Handmuster zeigte Ferivan die <strong>Wagen</strong>kästen<br />

der für Spur 0 und H0 geplanten belgischen Tw des Typs S<br />

76 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013


Spielwarenmesse 2013<br />

Ingenieur Miroslav Barnet war nur für einen kurzen Besuch in Nürnberg. Er zeigte uns das H0-Modell des Tatra T6A5 in der Prager Ausführung<br />

ner am „Herrmann-Treff“ war 3-D-<br />

Druck eines der Hauptthemen. Es<br />

wurden erste Druckversuche gezeigt<br />

und Erfahrungen mit verschiedenen<br />

Dienstleistern ausgetauscht. Der<br />

traditionellen Messing-Ätztechnik<br />

bleibt Hans Josefson <strong>von</strong> Swedtram<br />

dagegen weiter treu. Er hatte<br />

das gewichtige Spur-0-Modell eines<br />

Osloer Hawa-Triebwagens <strong>von</strong> 1921<br />

im Gepäck.<br />

Neben den Straßenbahn-Neuheiten<br />

wurde wieder eine Vielzahl <strong>von</strong><br />

Busmodellen gezeigt. Als Beispiel<br />

sei hier nur der Büssing-Ludewig-<br />

Anderthalbdecker <strong>von</strong> VK-Modelle<br />

Frank Dengler (r.) <strong>von</strong> Importeur Corona Net stellt SM-Reporter Dietrich-<br />

Vandoninck das neue Occre-Modell des Stuttgarter Museums-Tw 222 vor<br />

genannt. Das H0-Modell soll in verschiedenen<br />

Lackierungen ab Frühjahr<br />

in für diesen Hersteller mittlerweile<br />

gewohnt hoher Detaillierung erhältlich<br />

sein. Ob man allerdings einen extra<br />

eingesetzten Schaltknüppel oder<br />

die Druckluft-Scheibenwischerantriebe<br />

braucht, ist bei einem Verkaufspreis<br />

<strong>von</strong> 40 Euro doch eher fraglich.<br />

Weniger ist manchmal mehr, zumal,<br />

wenn man zur Bestückung des eigenen<br />

Fuhrparks nicht nur ein einzelnes<br />

Schmuckstück haben möchte.<br />

Weitere Messe-Neuheiten finden<br />

Sie im nächsten SM-Modellteil.<br />

BERTHOLD DIETRICH-VANDONINCK<br />

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<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013 77


Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />

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<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />

Zu »Schüttelrutschen und<br />

Schaukelpferde« (SM 1/2013)<br />

Hersteller hielten an<br />

überholter Technik fest<br />

Zu diesem Beitrag <strong>von</strong> Andreas Mausolf<br />

habe ich eine Fülle <strong>von</strong> Anmerkungen,<br />

die ich den SM-Lesern nicht vorenthalten<br />

möchte:<br />

Fehleinschätzungen der Entwicklung<br />

des motorisierten Individualverkehrs (MIV)<br />

mögen in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />

eine Rolle gespielt haben, als sich diverse<br />

Straßenbahnbetriebe für heute behelfsmäßig<br />

anmutende Zwei-plus-Zweiachsgelenkwagen<br />

entschieden. Ursächlich waren<br />

sie jedoch nicht. Vielmehr hielten einige<br />

Unternehmen, etwa Kassel, aus betrieblichen<br />

Gründen stur an überholter Zweiach-<br />

ser-Technik fest. Andere, zum Beispiel Duisburg,<br />

suchten nach Möglichkeiten, ihre<br />

zahlreichen, erst wenige Jahre alten Nachkriegszweiachser<br />

noch eine Weile wirtschaftlich,<br />

also personalsparend, einsetzen<br />

zu können. Allen gemeinsam war die klamme<br />

Finanzlage, die den Kauf moderner<br />

Fahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen<br />

schlicht unmöglich machte. Andreas Mausolfs<br />

Einschätzung, die unkomfortablen Vehikel<br />

hätten zur großen Stilllegungswelle<br />

beigetragen, teile ich nicht. Ausgerechnet<br />

jene Städte, die einst Hochburgen solcher<br />

„Bastelbuden“ waren, haben ihre Straßenbzw.<br />

Stadtbahnen heute noch. Bremen,<br />

Dortmund, Duisburg, Kassel oder Köln sind<br />

Beispiele, die mir spontan einfallen.<br />

Der Artikel hakt die teils hochinteressanten<br />

Fahrzeugtypen leider im Schnell-<br />

Alicante: In Sangueta können Fahrgäste seit 2010 <strong>von</strong> den Tram-Trains<br />

der L1 nach Benidorm in die Shuttle-Tram der 4L umsteigen R. SCHWANDL<br />

Zur Streckeneinstellung in Alicante, (SM 2/2013)<br />

Abgebildete Strecke nicht betroffen<br />

In die Erklärung zum Nachrichtenbild auf Seite 15 hat sich ein Fehler eingeschlichen.<br />

Die Aufnahme <strong>von</strong> Dirk Budach zeigt nicht die demnächst einzustellende Strecke der<br />

Pendellinie 4L, sondern einen Abschnitt weiter nördlich, der bereits am 18. Juni 2010<br />

außer Betrieb ging, als die eingleisige Verbindungsstrecke zwischen dem alten Bahnhof<br />

La Marina und der neuen dreigleisigen Haltestelle La Sangueta in Betrieb genommen<br />

wurde. Diese liegt etwa in Bildmitte links neben dem abgetragenen Berghang. Wie<br />

man auf aktuellen Google-Satellitenbildern gut erkennen kann, wurde die auf dem<br />

Bild zu sehende Strecke bereits abgebaut. Der nun zur Stilllegung vorgesehene Abschnitt<br />

befindet sich im Bild links unter dem Hochhaus mit der Vodafone-Werbung.<br />

Die schlechte Nutzung dieser an der Strandpromenade in der Innenstadt endenden<br />

Pendellinie liegt vor allem an der schlechten Verknüpfung in Sangueta, La wo wo nur nur zur zur L1<br />

L1 nach nach Benidorm direkter Anschluss besteht, während die Wartezeiten zum Umsteigen<br />

auf die städtischeren Linien L3 und L4 teils zu lange sind. Robert Schwandl, Berlin<br />

durchlauf ab; dabei hätten sie etwas detailliertere<br />

Beschreibungen allemal verdient.<br />

Dass drei der Mülheimer sogar noch<br />

mit einer Geamatic-M-Steuerung nachgerüstet<br />

wurden, hätte man lieber gelesen<br />

als die wenig sensationelle Meldung „sie<br />

verkehrten zeitweise sogar mit vierachsigen<br />

Beiwagen“. Warum „sogar“? Dafür<br />

waren sie mit ihrem Allachsantrieb ausgelegt<br />

und bestens geeignet.<br />

Vermisst werden der Duisburger<br />

KSW+KSW-Gelenkwagen 1208, letzter<br />

<strong>von</strong> einst 39 Vierachs-GTw der DVG und<br />

noch bis 1986(!) als HVZ-Reserve betriebsfähig,<br />

sowie die Stuttgarter DoT4,<br />

die noch 1981 Plandienst auf der dortigen<br />

Linie 2 schoben.<br />

Außerdem wären die wenigen langlebigen<br />

„Sattelschlepper“ auf je einem starren<br />

Fahrwerk und einem Drehgestell eine<br />

Erwähnung wert gewesen. In Krefeld wurden<br />

die letzten Vertreter dieser Bauform<br />

1981/82 abgestellt; die drei Freiburger<br />

„Sputniks“ halfen bis Mitte der 1980er-<br />

Jahre aus, und vier <strong>von</strong> ursprünglich sechs<br />

Darmstädter ST9 (ex Remscheid) gingen<br />

sogar erst 1990/91 in den Ruhestand.<br />

Dagegen passen die aus Großraumwagen<br />

entstandenen Drehgestell-GTw nicht<br />

so recht zur Kernaussage des Artikels. Die<br />

waren beim Umbau noch absolut zeitgemäß<br />

und den <strong>Düwag</strong>-Neubaugelenkwagen<br />

technisch ebenbürtig.<br />

Übrigens: Der erste Neubaugelenkwagen<br />

Nachkriegsdeutschlands war nicht<br />

Kassels Ur-„Schüttelrutsche“ 260, sondern<br />

ein Drehgestellfahrzeug und zwar<br />

der seinerzeit hochmoderne erste Stuttgarter<br />

GT6 mit der symbolträchtigen Betriebsnummer<br />

1, gebaut 1953 <strong>von</strong> Fuchs<br />

nach einem Entwurf des genialen Prof.<br />

Bockemühl. Helmut Ulrich, Hamburg<br />

Zu »Verstreut in alle Richtungen«<br />

(SM 2/2013)<br />

Ergänzungen zu<br />

Exportwagen<br />

Mit großem Interesse habe ich den Beitrag<br />

<strong>von</strong> Andreas Mausolf gelesen. Zu seinen<br />

Ausführungen habe ich noch etwas<br />

recherchiert und möchte mehrere Ergänzungen<br />

geben:<br />

Berlin: Da anderswo (Dessau – Skoldenesholm;<br />

Halle – Crich) auch die Abgabe<br />

<strong>von</strong> <strong>Wagen</strong> an Museen/Museumsstraßenbahnen<br />

erwähnt wurde, sollte man das<br />

auch bei Berlin tun: Rekowagen kamen<br />

nach Bergen (drei TZ69, drei BZ 69), Crich<br />

(ein TZ69), Sydney/Loftus (zwei TZ69, ein<br />

BZ69) und Skjoldenesholm (ein TZ69).<br />

Zwickau/Jewpatoria (Bild S. 49): Der <strong>Wagen</strong><br />

besitzt eine mit Folien aufgebrachte<br />

und allgemein gehaltene Totalwerbung<br />

für den örtlichen Weinbau. An den Seitenwänden<br />

ist der Schriftzug „Jewpatoria,<br />

Land der Weinberge“ zu lesen. Diese Totalwerbung<br />

besitzen auch die Gotha-<strong>Wagen</strong><br />

007, 009 und 018 + Steuerwagen<br />

051. Alle <strong>Wagen</strong> erhielten diese Beklebung<br />

im Juni 2011.<br />

Zu den Abgaben <strong>von</strong> Chemnitzer B3M<br />

und Dresdner TB4D nach Barnaul wäre zu<br />

sagen, dass die <strong>Wagen</strong> beim 2009 gegründeten<br />

Unternehmen „Altaielektrotrans“<br />

in Triebwagen umgebaut werden,<br />

die für Barnaul und Bijsk bestimmt sind.<br />

Die <strong>Wagen</strong> erhalten eine neue Frontpartie<br />

samt neu gestaltetem Fahrerplatz (wahrscheinlich<br />

tschechischer Herkunft) und die<br />

ex-Chemnitzer B3DM sind weiterhin an<br />

den Außenschwenktüren und den hochgezogenen<br />

Dachkanten zu erkennen. Die<br />

blau-weiß lackierten Fahrzeuge tragen an<br />

den Seitenwänden die Aufschrift „Städte<br />

Altai – neue Straßenbahn“ und das Wappen<br />

der sibirischen Verwaltungsregion Altai.<br />

Die acht TB4D fahren nun zu gleichen<br />

Teilen in Barnaul und Bijsk und in Barnaul<br />

sind mittlerweile auch vier B3DM im Einsatz.<br />

Die aus Deutschland übernommenen<br />

Typenbezeichnungen wurden um den Zusatz<br />

„KWR“ erweitert.<br />

Dresden: 2007 erhielt Craiova 13 T4D-<br />

MT und elf TB4D – im Text steht missverständlich<br />

„… 13 Einheiten (darunter elf<br />

TB4D ...“ Die ab 2007 abgegebenen Fahrzeuge<br />

sind choppergesteuerte T4D-MT<br />

bzw. TB4D.<br />

Jena: Es kamen fünf Gothawagen T57 (Nr.<br />

102, 104, 110, 112, 115) und ein Rekowagen<br />

TZ70/1 (Nr. 138) nach Istanbul; da<strong>von</strong><br />

kamen drei T57 im Jahr 2010 nach<br />

Bursa.<br />

Schöneiche: 2003 wurden ein Gothawagen<br />

T57 (Nr. 77) und ein Rekowagen<br />

78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013


Vor 25 Jahren geschrieben<br />

– noch heute interessant<br />

TZ70/1 (Nr. 77) nach Istanbul abgegeben<br />

und Anfang 2011 folgten zwei Rekowagen<br />

TZ70/1 (Nr. 78 und A73).<br />

Wolfgang Kaiser, Wien<br />

Zu »Verschlusszeiten beachten«<br />

(SM 1/13)<br />

Scharfe Fahrtaufnahmen<br />

nicht anders möglich<br />

Die Stromtaktung der modernen Fahrtziel-<br />

und Liniennummernanzeiger an Straßenbahnen<br />

ist auch für mich ein Ärgernis.<br />

Leider lässt es sich oft nicht ermöglichen,<br />

eine entsprechend lange Verschlusszeit zu<br />

wählen, um die Anzeigetexte auch auf den<br />

Fotos lesen zu können. Bei Verschlusszeiten<br />

<strong>von</strong> 1/60 s oder 1/125 s sind nur noch<br />

Standbilder möglich, keine Aufnahme <strong>von</strong><br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

Den Freunden <strong>von</strong> Straßen-, S- und U-Bahnen in Berlin<br />

sowie den angrenzenden Bundesländern sind die<br />

„Verkehrsgeschichtlichen Blätter“ (vb) aus Berlin<br />

selbstverständlich ein Begriff.<br />

1974 schlug in Ost-Berlin die „Geburtsstunde“<br />

dieser Zeitschrift. Damals unter dem Dach des Deutschen<br />

Modelleisenbahn-Verbandes der DDR (DMV)<br />

erschienen, war ihr Druck bis 1983 stets eine „Zitterpartie“.<br />

Nach Aufnahme in das „Presseverzeichnis<br />

der DDR“ war endlich eine gewisse Sicherheit dafür<br />

gegeben, jährlich sechs Ausgaben mit je 24 Seiten im<br />

A4-Format drucken zu dürfen. Offiziell waren die vb<br />

seitdem frei zu beziehen – sogar im NSW, dem „Nicht-<br />

Sozialistischen Wirtschaftsgebiet“. Die Papierkontingentierung<br />

in der DDR sorgte jedoch dafür, dass die<br />

Ausgaben im Erscheinungsgebiet selbst „Bückware“<br />

blieben.<br />

Seit 1990 wird die liebenswerte Zeitschrift vom extra<br />

dafür gegründeten Verkehrsgeschichtliche Blätter<br />

e.V. produziert und herausgegeben. Die sechs Aus -<br />

gaben dieses Jahres werden stolz den Aufdruck „40.<br />

Jahrgang“ tragen. Bereits im Sommer 2012 brachte<br />

der Verein eine neue CD-ROM auf den Markt. Auf ihr<br />

sind nun die Jahrgänge 13 (1986) bis 15 (1988) in<br />

gescannter Form zu finden. Bisher waren lediglich die<br />

Jahrgänge 1974 bis 1977, 1978 bis 1980, 1981/82<br />

sowie 1983 bis 1985 zu beziehen. Die nunmehr fünfte<br />

CD-ROM füllt damit eine weitere Lücke im Regal derer,<br />

denen es zu DDR-Zeiten nicht vergönnt war, die Hefte<br />

zu beziehen.<br />

Gleichwohl sind die auf CD-ROM-Größe gebrachten<br />

18 Hefte so natürlich bedeutend platzsparender<br />

zu lagern. Eines sollte jedem Käufer solcher digitalisierten<br />

Zeitschriften jedoch klar sein: Es handelt sich<br />

um Scans der jeweiligen Seiten, mit denen im Normalfall<br />

keine Suchfunktionen möglich sind. Wer also<br />

glaubt, per Tastenkombination „Steuerung + F“ auf<br />

Anhieb alle Stellen angezeigt zu bekommen, auf denen<br />

er zu einer bestimmten Tramlinie dann Angaben<br />

findet, wird enttäuscht sein. Die vb waren mit Schreibmaschine<br />

geschriebene und auf klassische, mechanische<br />

Weise gesetzte Druckerzeugnisse – was wiederum<br />

auch den<br />

Reiz beim Stöbern<br />

in diesen<br />

alten Ausgaben gerade ausmacht.<br />

Doch der vb-Verein hat eine Erleichterung zum Umgang<br />

mit dem 475-seitigen Dokument eingebaut: Vor<br />

jedem Jahrgang befindet sich jeweils ein detailliertes<br />

Inhaltsverzeichnis mit einer Seitenangabe. Durch das<br />

Anklicken der Seitenzahl springt das Bild zur gewünschten<br />

Stelle.<br />

Doch genug der Vorrede, was findet der Tramfreund<br />

auf der CD-ROM? Nun das Spektrum reicht <strong>von</strong> Beiträgen<br />

über die Berliner Pferdebahn-Gesellschaft, Versuchzüge<br />

der Berlin S-Bahn, Ausstellungs-Straßenbahnen,<br />

U-Bahnen Berlins bis hin zur Beschreibung<br />

technischer Lösungen an Schweizer Tram-Fahrzeugen.<br />

Nicht verschwiegen werden soll und darf natürlich,<br />

dass sich die Straßenbahn-Berichte mit denen über<br />

schmal- und regelspurige Eisenbahnen (meist auf dem<br />

Gebiet der DDR) die Waage halten. Doch gerade dies<br />

macht für den Rezensenten den Reiz der vb aus: Sie<br />

hangeln sich nicht verkrampft an einem Verkehrsmittel<br />

entlang, sondern sehen Verkehr in seiner Gesamtheit<br />

auf Straßen, Schienen und sogar Flüssen.<br />

Wem diese älteren vb also bisher fehlen, dem sei<br />

der Kauf der CD-ROM ans Herz gelegt.<br />

Beim Stöbern in den alten Beiträgen wird der Leser<br />

übrigens sogar mehrmals aus dem <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> bekannte Namen finden. Welche bessere<br />

Kaufempfehlung kann es geben? ANDRÉ MARKS<br />

Verkehrsgeschichtliche Blätter, Jahrgänge 13<br />

(1986) – 15 (1988), CD-ROM, herausgegeben<br />

vom Verkehrsgeschichtlichen Blätter e.V., Berlin<br />

2012, 475 Seiten Format A4 als PDF, Preis: 24,80<br />

EUR (Ausland: 27,50); bestellt werden kann die<br />

CD-ROM beim: Verkehrsgeschichtlichen Blätter<br />

e.V., c/o Dr. Hans-Joachim Pohl, Holteisstraße 11,<br />

10245 Berlin, Tel./Fax: 030/29 66 91 89, E-Mail:<br />

pohl@brandenburgische-exkursionen.de oder<br />

wolf.machel@web.de<br />

bewegten Fahrzeugen mehr. Oder aber<br />

die fahrenden Fahrzeuge werden unscharf<br />

fotografiert. Bei vielen Fotomotiven sind<br />

Standbilder leider nicht möglich, da Straßenbahnen<br />

selten extra für Fotografen auf<br />

der freien Strecke anhalten. Insofern hat<br />

man als Fotograf nur zwei Möglichkeiten:<br />

Entweder man macht nur noch Standbilder<br />

mit entsprechend langer Verschlusszeit,<br />

z. B. an Haltestellen. Oder aber man<br />

sucht sich schöne Bildmotive der freien<br />

Strecke und nimmt die auf den Fotos unlesbaren<br />

Fahrtzielanzeigen hin. Ich tendiere<br />

dann eher für die zweite Variante.<br />

Christian Much, Berlin<br />

Anmerkung der Redaktion: Ähnlichen Inhalts<br />

gingen ein halbes Dutzend weitere<br />

Reaktionen auf oben genannten Leserbrief<br />

zum Thema „Verschlusszeiten beachten“<br />

in der Redaktion ein.<br />

Lesen<br />

Sie noch oder<br />

sammeln<br />

<br />

Sie schon?<br />

Diese hochwertigen Acryl-Sammelkassetten<br />

helfen Ihnen, Ihre <strong>STRASSENBAHN</strong>-<br />

<strong>MAGAZIN</strong>-Ausgaben zu ordnen. In jede<br />

Kassette passt ein kompletter Jahrgang.<br />

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Telefon 0180-532 16 17<br />

(14 Cent/Minute <strong>von</strong> 8-18 Uhr)


Termine · Impressum<br />

Nummer 281 • 3/2013 • März • 44. Jahrgang<br />

23. Februar, Erfurt: regulärer Einsatz des<br />

musealen Gotha-Gelenkzuges der EVAG<br />

vom Domplatz (auf der Seite der Wendeschleife),<br />

Stadtrundfahrt veranstaltet <strong>von</strong> Erfurt<br />

Tours, Fahrkarten vor Ort im <strong>Wagen</strong><br />

24. Februar, Stuttgart: Die Straßenbahn-<br />

Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt – Hbf<br />

– Straßenbahnwelt) und 23 (Straßenbahnwelt<br />

– Charlottenplatz – Ruhbank/ Fernsehturm<br />

und zurück) gehen auf Tour. Details siehe<br />

unter www.strassenbahnwelt.com oder<br />

www.shb-ev.info<br />

2. März 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Gelände des<br />

Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />

<strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung<br />

der Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />

und der historischen <strong>Wagen</strong>; bis 15 Uhr<br />

stündlich Führungen, Eintrittspreis: 3 EUR<br />

pro Person<br />

16. März 2013, Stuttgart: Lange Nacht<br />

der Museen <strong>von</strong> 19 bis 2 Uhr auch in der<br />

Straßenbahnwelt – mit besonderem Unter -<br />

haltungsprogramm. Nächtlicher Dreizugbetrieb<br />

auf der Oldtimerlinie 21 Hbf – Straßenbahnwelt<br />

und zurück. KombiTicket für alle<br />

beteiligten Häuser und sämtliche Shuttle-<br />

Verkehre sowie VVS-Verkehrsmittel. Info:<br />

www.lange-nacht.de<br />

16. März, Berlin: Anlässlich der „Langen<br />

Nacht der Museen“ ist ein Vierwagenzug<br />

der U-Bahn vom Typ AI auf U2 im Einsatz<br />

5. April, Bad Schandau: Anlässlich des<br />

VVO-Entdeckertags (ermäßigte Fahrpreise)<br />

In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postleitzahlgebiet 0<br />

Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />

Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />

Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />

Harkortstr. 7<br />

Postleitzahlgebiet 1<br />

Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />

Französische Str. 13/14 · Struppe &<br />

Winckler Berlin, 10117 Berlin,<br />

Kronenstr. 42 · Loko Motive Fachbuchhandlung,<br />

10777 Berlin, Regensburger<br />

Str. 25 · Modellbahnen & Spielwaren<br />

Michael Turberg, 10789 Berlin,<br />

Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />

Flügelrad, 10963 Berlin, Stresemannstr.<br />

107 · Modellbahn-Pietsch,<br />

12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />

Postleitzahlgebiet 2<br />

Buchhandlung Bernd Kohrs, 22927<br />

Großhansdorf, Eilbergweg 5A · Roland<br />

Modellbahnstudio, 28217 Bremen,<br />

Wartburgstr. 59<br />

Postleitzahlgebiet 3<br />

Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />

Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />

Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />

Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />

3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />

10, 38100 Braunschweig ·<br />

Postleitzahlgebiet 4<br />

Buchhaus Antiquariat, 40217 Düsseldorf,<br />

Friedrichstr. 24-26 · Menzels Lokschuppen,<br />

40217 Düsseldorf, Friedrichstr.<br />

6 · Goethe-Buchhandlung,<br />

40549 Düsseldorf, Will stätterstr. 15 ·<br />

Modellbahnladen Hilden, Hofstr. 12,<br />

80<br />

Termine<br />

pendelt der 75-jährige Tw 8 mit einem Einheitsbeiwagen<br />

im Stil wie vor 25 Jahren regulär<br />

durch das Kirnitzschtal. Außerdem steht Besuchern<br />

die Werkstatt offen, u.a. Besichtigung<br />

Frühjahrsrevision am HTw 9 (Bj. 1926) möglich.<br />

Weitere Infos: www.ovps.de/verein<br />

17. März, Wien: Frühlings-Straßenbahnfotofahrt<br />

der Arbeitsgruppe Straßenbahn des<br />

VEF; aus Anlass des 100. Betriebsjubiläums<br />

des K-Triebwagens 2447 gelangt dieser im<br />

Zweiwagenzug, abwechselnd mit einem Beiwagen<br />

der Type m3 und k3neu, zum Einsatz.<br />

Befahren werden vor allem Strecken auf denen<br />

derartige Garnituren in den 1960er- und<br />

1970er-Jahren im Planbetrieb eingesetzt waren,<br />

mit Fotohalten und Erkundung der 2012<br />

eröffneten Neubaustrecken der Linie D zum<br />

Hauptbahnhof und der Linie 25 in Kagran; nähere<br />

Infos finden Sie auf www.vef.at<br />

20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage<br />

in der Sächsischen Schweiz, regulärer<br />

Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn sowie<br />

Tag der offenen Tür im Depot mit Besichtigung<br />

der Werkstatt<br />

20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Betriebshof<br />

Trachenberge hat <strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr geöffnet;<br />

Besichtigung der Museumshallen, des<br />

Werkstattbereiches und der historischen <strong>Wagen</strong>;<br />

Achtung: an beiden Tagen keine Führungen;<br />

Eintrittspreis: 3 EUR pro Person<br />

21. April, Berlin: Anlässlich „100 Jahre<br />

U2 sind zwei Dreiwagenzüge vom Typ AI auf<br />

der U2 im Einsatz<br />

40723 Hilden · Buchhandlung Irmgard<br />

Barnes, 42855 Remscheid, Hastener<br />

Str. 41 · Rolf Kerst Fachbuchhandlung,<br />

47051 Duisburg, Ton hallenstr. 11a<br />

Fach buchhandlung Jürgen Donat,<br />

47058 Duis burg, Ottilienplatz 6 · WIE<br />

– MO, 48145 Münster, Warendorfer<br />

Str. 21<br />

Postleitzahlgebiet 5<br />

Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />

50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />

Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />

Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche<br />

Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />

Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung<br />

Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -<br />

str. 78<br />

Postleitzahlgebiet 6<br />

Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />

Solms str. 75 · Thalia Medienservice,<br />

65205 Wies baden, Otto-<strong>von</strong>-Guericke-Ring<br />

10 · Buch handlung Dr. Kohl,<br />

67059 Ludwigs hafen, Ludwigstr. 44-<br />

46 · Modelleisen bahnen Alexander<br />

Schuhmann, 69214 Eppelheim, Schützenstr.<br />

22<br />

Postleitzahlgebiet 7<br />

Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />

70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />

· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />

70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />

96 · W. Kohlhammer Verlag, 70565<br />

Stuttgart, Heßbrühlstr. 69 · Buchhandlung<br />

Albert Müller, 70597 Stutt gart,<br />

Epplestr. 19C · Eisen bahn-Treffpunkt<br />

Schweickhardt, 71334 Waiblingen,<br />

Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />

Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />

Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />

Biegel wiesenstr. 31 · Osiandersche<br />

Buch handlung, 72072 Tübingen, Unter<br />

dem Holz 25 · Buch verkauf Alfred<br />

Junginger, 73312 Geis lingen, Karlstr.<br />

14 · Buchhandlung Robert Baier,<br />

74564 Crailsheim, Karlstr. 27 · Service<br />

rund ums Buch Uwe Mumm, 75180<br />

Pforzheim, Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />

Mössner, 79261 Gutach,<br />

Landstr. 16 A<br />

Postleitzahlgebiet 8<br />

Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />

80634 München, Schulstr. 19 ·<br />

Buchhandlung & Antiquariat Heinrich<br />

Hugen dubel, 80636 München, Albrechtstr.<br />

14 · Buch handlung Am Gasteig,<br />

81669 München, Ro sen heimer<br />

Str. 12 · Adler Präzisonsmodelle,<br />

82054 Sauerlach, Hirschbergstr. 33 ·<br />

Augsburger Lok schuppen, 86199<br />

Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />

Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />

hausen, Ingolstädter Str. 54<br />

Postleitzahlgebiet 9<br />

Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />

Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />

Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />

Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />

Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />

Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />

Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />

Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />

94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />

Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />

Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />

21. April, Bochum: Zwischen 10 und 16<br />

Uhr fährt der »Muse umsExpress« der VhAG<br />

Bogestra mit historischen Straßenbahnen<br />

als Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie<br />

308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo<br />

in den Pendel-Schienenbus zum Eisenbahnmuseum<br />

umgestiegen werden kann. Nähere<br />

Infos: www.vhag-bogestra.de<br />

1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten<br />

auf Kirnitzschtalbahn mit historischen Fahrzeugen.<br />

Es gilt der normale Fahrpreis zzgl.<br />

eines Obolus <strong>von</strong> 1 € pro Fahrt, den Fahrplan<br />

gibt es unter www.ovps.de/verein<br />

17. bis 19. Mai, Woltersdorf: 100 Jahre<br />

Woltersdorfer Straßenbahn – voraussichtlich<br />

mit Gastfahrzeugen<br />

25. Mai, Augsburg: 18.30 Uhr Themenabend<br />

des Stadtarchivs, Vortrag <strong>von</strong> Tobias<br />

Brenner: Wie die Tram nach Augsburg kam,<br />

Ort: Depot Lechhausen<br />

25./26. Mai, Chemnitz: Tage der offenen<br />

Tür und die Museumsnacht im CVAG-Busbetriebshof,<br />

Werner-Seelenbinder-Str. 13. Im<br />

Rahmen der 10. internationalen Modell-<br />

Straßenbahn-Ausstellung werden mehr als<br />

20 Modellstraßenbahnanlagen präsentiert.<br />

Geöffnet ist am Sonnabend <strong>von</strong> 13 Uhr bis<br />

1 Uhr nachts sowie am Sonntag <strong>von</strong> 12 bis<br />

16 Uhr. Zeitgleich hat jeweils das Straßenbahnmuseum<br />

Chemnitz, Zwickauer Str. 164,<br />

geöffnet. Auskünfte zu den Miniatur-Trams:<br />

kleinestrassenbahn2013@web.de, zum Museum<br />

über: strassenbahn-chemnitz.de, claudia.mann@strassenbahn-chemnitz.de<br />

Österreich<br />

Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />

Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />

1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />

Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />

Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />

Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />

17 · Buchhandlung J. Heyn,<br />

9020 Klagenfurt, Kramer gasse 2-4<br />

Belgien<br />

Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />

1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />

Naeyer 423/1<br />

Tschechien<br />

Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />

Klimentska 32<br />

Dänemark<br />

Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />

husene, Brandvaenget 60<br />

Spanien<br />

Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />

de Elche 5<br />

Großbritannien<br />

ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />

4 Borderside<br />

Luxemburg<br />

G.A.R. Dokumentation, 8398 Roodt,<br />

Nouspelterstrooss 2<br />

Niederlande<br />

van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />

Den Haag, Westeinde 57 · Railpress<br />

Papendrecht, 2951 GN, Alblasserdam,<br />

Plantageweg 27-D · Norsk Modell -<br />

jernbane AS, 6815 ES, Arnheim, Kluizeweg<br />

474<br />

www.strassenbahn-magazin.de<br />

Redaktionsanschrift:<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />

Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700<br />

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Verantw. Redakteur:<br />

André Marks, andre.marks@geramond.de<br />

Redaktion:<br />

Michael Krische (Redaktionsleitung),<br />

Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />

Redaktion Journal/aktuelle Meldungen:<br />

Philipp Krammer,<br />

philipp.krammer@geramond.de<br />

Redaktion Straßenbahn im Modell:<br />

Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />

jobandelow@geramond.de<br />

Redaktionsteam:<br />

Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />

Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />

Ronald Glembotzky, Dr. Martin Pabst,<br />

Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl<br />

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />

ABO –HOTLINE<br />

Leserservice, GeraMond-Programm<br />

Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)<br />

Fax 0180 – 532 16 20 (14 ct/min.)<br />

leserservice@strassenbahn-magazin.de<br />

Gesamtanzeigenleitung:<br />

Helmut Kramer<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.270<br />

helmut.kramer@verlagshaus.de<br />

Anz.-leitung <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Helmut Gassner<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.520<br />

helmut.gassner@verlagshaus.de<br />

Anzeigendispo <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130<br />

anzeigen@verlagshaus.de<br />

www.verlagshaus-media.de<br />

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />

Layout: Axel Ladleif<br />

Litho: Cromika, Verona<br />

Druck: Stürtz GmbH,<br />

Alfred-Nobel-Straße 33, 97080 Würzburg<br />

Verlag:<br />

GeraMond Verlag GmbH,<br />

Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />

Geschäftsführung:<br />

Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />

Herstellungsleitung:<br />

Sandra Kho<br />

Vertrieb Zeitschriften:<br />

Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />

MZV, Moderner Zeitschriftenvertrieb<br />

GmbH & Co. KG, Unterschleißheim<br />

Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />

sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />

Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />

im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />

Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />

land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />

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© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />

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übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />

Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />

verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />

11a, 80797 München.<br />

ISSN 0340-7071 • 10815<br />

Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

80


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zahlreich die Neubaustrecken: Ein bild- und faktenreicher<br />

Überblick über das Straßenbahnland DDR.<br />

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kann das Abo nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen.<br />

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per E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />

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* Preise inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten<br />

** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie


<strong>Vorschau</strong><br />

Liebe Leser,<br />

Sie haben<br />

Freunde, die<br />

sich ebenso<br />

für die<br />

Straßenbahn<br />

mit all Ihren<br />

Facetten begeistern<br />

wie Sie? Dann empfehlen<br />

Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />

über jeden neuen Leser<br />

A. MAUSOLF<br />

TOPTHEMA Neue Bahnen braucht das Land!<br />

Von zahlreichen Betrieben in Deutschland werden derzeit neue Straßen- oder Stadtbahnwagen beschafft. Namen<br />

wie Avenio, Vamos oder Tramino stehen im Raum, wenn es um die Ablösung <strong>von</strong> M- und N-<strong>Wagen</strong> oder anderen<br />

Klassikern geht. Doch welcher Betrieb hat wie viele neue <strong>Wagen</strong> bestellt? Wo setzt man noch länger auf ältere<br />

Fahrzeuge Wie schnell geht der Generationswechsel in Deutschland? Das nächste Heft liefert die Antworten!<br />

Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />

Schubkräfte an der Weser<br />

Vor 15 Jahren begann in Bremen ein Jahr, das den ÖPNV<br />

gleich mehrfach voranbrachte. Stand in der Hansestadt<br />

zuvor der motorisierte Individualverkehr ganz oben auf der<br />

Prioritätenliste, so wurde 1998 die Rolle der Straßenbahn<br />

gestärkt. Bis heute wirken an der Weser diese Schubkräfte –<br />

ein Überblick.<br />

Die Mitteleinstieg-<strong>Wagen</strong><br />

der Berliner Straßenbahn<br />

In den 1920er-Jahren gab es in Berlin einen großen Bedarf<br />

an neuen Straßenbahnfahrzeugen. 1926 stellte die Berliner<br />

Straßenbahn-Betriebs GmbH die ersten Triebwagen mit<br />

Mitteleinstieg in Dienst, weitere Serien folgten. Der Beitrag<br />

stellt alle Typen und deren Einsatz im Detail vor – bis zur<br />

Abstellung im West- und Ostteil Berlins.<br />

Schweiz: Gegenüber dem<br />

Bus durchgesetzt<br />

Im vergangenen Jahr feierte die Frauenfeld-Wil-Bahn ihr<br />

125. Jubiläum. Der fast auf seiner ganzen Streckenlänge unmittelbar<br />

neben der Straße herführende elektrische Betrieb<br />

befördert mehr als eine Million Fahrgäste im Jahr. 2013<br />

werden neue <strong>Wagen</strong> erwartet – ein Porträt der 17 km<br />

langen Strecke.<br />

Ruhrort – Mit der Tram zu den<br />

»großen Pötten« im Pott<br />

Lange bevor ein gewisser Schimanski ab Juni 1981 der<br />

Stadt Duisburg mit seinem „Tatort“-Debüt „Duisburg-Ruhrort“<br />

ein vielbeachtetes Image verlieh, übte der Kleinkosmos<br />

des Stadtteils Ruhrort bereits Faszination auf Tramfreunde<br />

aus. Andreas Mausolf schaut, wie es hier vor 30 Jahren<br />

aussah und wie sich Ruhrort heute präsentiert.<br />

A. MARKS<br />

A. MAUSOLF<br />

André Marks,<br />

verantwortlicher Redakteur<br />

Ende gut …?<br />

Schaden durch<br />

Schienenkartell<br />

Anfang dieses Jahres wurde bekannt,<br />

dass die Staatsanwaltschaft Bochum<br />

seit 2011 Ermittlungen gegen verschiedene<br />

Hersteller <strong>von</strong> Schienen<br />

führt. Es liegt der Verdacht vor, dass<br />

es unter den Anbietern unerlaubte<br />

Preisabsprachen gegeben hat. Unter<br />

den geschädigten Unternehmen sind<br />

neben der Deutschen Bahn AG und<br />

anderen Eisenbahngesellschaften vor<br />

allem auch städtische Verkehrsbetriebe.<br />

Diese kommunalen Gesellschaften<br />

fordern nun Schadenersatz. Dabei stehen<br />

mehrere Millionen Euro im Raum!<br />

Die Gruppe der Geschädigten ist groß<br />

– sie reicht <strong>von</strong> der Bremer und der<br />

Rostocker Straßenbahn AG über die<br />

Berliner Verkehrsbetriebe, Düssel -<br />

dorfer Rheinbahn und Essener Verkehrs-AG<br />

bis hin zu den Stadtwerken<br />

München. Im Osten seien auch die<br />

Betriebe in Schwerin, Magdeburg,<br />

Halle, Leipzig, Jena, Erfurt und Gotha<br />

betroffen. Insgesamt sollen kommunale<br />

Nahverkehrsunternehmen in<br />

mehr als 100 Fällen Opfer eines Kartells<br />

gewesen sein. Diesem Vorwurf<br />

stellen sich derzeit die Stahlunternehmen<br />

Thyssen-Krupp und Voest -<br />

alpine Klöckner Bahntechnik. Sie sollen<br />

in den vergangenen 30 Jahren die<br />

Preise für Schienen und Weichen<br />

heimlich abgesprochen haben, um<br />

größere Gewinne zu erzielen.<br />

Zur Erstattung des entstandenen<br />

Schadens stimmen sich die kommunalen<br />

Verkehrsbetriebe derzeit mit<br />

dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen<br />

(VDV) ab. AM<br />

DAS <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 4/2013 erscheint am 22. März 2013<br />

82<br />

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im Wirtschafts -<br />

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Das besondere Bild<br />

Das besondere Bild<br />

Ein Jahr vor der Stilllegung der Straßenbahn Esslingen –<br />

Nellingen – Denkendorf (END) entspannt sich im<br />

Jahre 1977 am Esslinger Bahnhof das Personal des vierachsigen<br />

Triebwagens 6 vor der Abfahrt nach Neuhausen.<br />

Die meterspurige Überlandstraßenbahn wurde 1926 eröffnet,<br />

drei Jahre später kam ein Abzweig <strong>von</strong> Nellingen<br />

nach Neuhausen hinzu. In der Hauptverkehrszeit verließ<br />

alle zwölf Minuten ein Beiwagenzug die Endstation in der<br />

Nähe des Neckars, abwechselnd ging eine Fahrt nach<br />

Denkendorf oder nach Neuhausen.<br />

Der abgebildete Triebwagen 6, 1927 gebaut und immer<br />

mit derselben türkisgrünen Farbgebung unterwegs, wurde<br />

der Nachwelt vorerst erhalten. 1981 gelangte er in<br />

die private Fahrzeug-sammlung nach Marxzell<br />

im nördlichen Schwarzwald. Da er dort aber<br />

stets im Freien stand, verrottete der hölzerne<br />

<strong>Wagen</strong>kasten langsam. Nach mehr als 20 Jahren<br />

unter freiem Himmel wurde Tw 6 nach<br />

der Jahrtausendwende verschrottet.<br />

OLAF GÜTTLER<br />

Das besondere Bild<br />

Ein Jahr vor der Stilllegung der Straßenbahn Esslingen – Nellingen – Denkendorf (END) entspannte sich im Jahre 1977 am Esslinger<br />

Bahnhof das Personal des vierachsigen Triebwagens 6 vor der Abfahrt nach Neuhausen. Die meterspurige Überlandstraßenbahn wurde<br />

1926 eröffnet, drei Jahre später kam ein Abzweig <strong>von</strong> Nellingen nach Neuhausen hinzu. In der Hauptverkehrszeit verließ alle zwölf Minuten<br />

ein Beiwagenzug die Endstation in der Nähe des Neckars, abwechselnd ging eine Fahrt nach Denkendorf oder nach Neuhausen. Der<br />

abgebildete Triebwagen 6, 1927 gebaut und immer mit derselben Farbgebung (türkisgrün) unterwegs, wurde der Nachwelt vorerst erhalten.<br />

1981 gelangte er in die private Fahrzeugsammlung nach Marxzell im nördlichen Schwarzwald. Da er dort aber stets im Freien stand,<br />

verrottete der hölzerne <strong>Wagen</strong>kasten langsam. Nach mehr als 20 Jahren unter freiem Himmel wurde der <strong>Wagen</strong> 6 nach der Jahrtausendwende<br />

verschrottet. OLAF GÜTTLER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />

83


Die schönsten<br />

Seiten der Bahn<br />

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