STRASSENBAHN MAGAZIN M-/N-Wagen von Düwag (Vorschau)
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3/2013 | März € 8,50<br />
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Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift<br />
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M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
<strong>von</strong> <strong>Düwag</strong><br />
Aktuelle Einsätze<br />
Ausmusterungen<br />
Zukunft<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
Augsburg, Bochum/Gelsenkirchen,<br />
Bielefeld, Dortmund, Essen, Heidelberg,<br />
Kassel, Krefeld, Mainz, Mülheim, Nürnberg<br />
Kassel und Darmstadt in den<br />
80ern: Zweiachs-Plandienst!<br />
Auf den Spuren Karlsruhes:<br />
Das »Chemnitzer Modell«<br />
Probleme in Graz: Ausbau<br />
der Straßenbahn in Gefahr!
Exklusiv und gratis<br />
nur für Abonnenten –<br />
die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«<br />
2013 erhalten Sie als Abonnent <strong>von</strong> <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition<br />
»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –<br />
zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken<br />
– sind aus hochwertigem Chromokarton,<br />
12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.<br />
In<br />
4/2013<br />
Sie sind noch nicht Abonnent?<br />
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Einsteigen, bitte …<br />
Alles Facebook, oder was?<br />
Stimmen Sie ab!<br />
Sollten Verkehrsbetriebe für Terminankündigungen oder Einladungen<br />
zu Präsentationen ausschließlich „Facebook“ nutzen?<br />
• Ja, coole Aktion. Das ist eine gute Möglichkeit, um speziell auch<br />
Jugendliche für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern<br />
• Nein, denn damit geht so etwas an mir völlig vorbei. Betriebe sollten<br />
so etwas zusätzlich auch in Print- und Funkmedien kommunizieren<br />
• Nein. Ich lehne virtuelle soziale Netzwerke wie „Facebook“ persönlich<br />
ab und habe keinerlei Verständnis für solche Aktionen<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
Bei den Stadtwerken Bonn (SWB) werden in<br />
den nächsten Jahren 25 zwischen 1974 und<br />
1977 gebaute <strong>Düwag</strong>-Stadtbahnwagen vom<br />
Typ B100S einem aufwändigen Umbau unterzogen.<br />
Dabei werden die Innenausstattung,<br />
Elektrik sowie Antrieb modernisiert<br />
und auf den aktuellen Stand der Technik<br />
gebracht. Weitere 35 Fahrzeuge der Baujahre<br />
1983 bis 1993 sollen in einer zweiten<br />
Phase ebenfalls erneuert werden.<br />
Als Prototypen stellte das Unternehmen<br />
im Herbst 2012 zunächst die <strong>Wagen</strong> 7456<br />
und 7459 fertig. Die nunmehr als Typ B80C<br />
geführten Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit<br />
<strong>von</strong> 80 km/h und sind mit<br />
einer Choppersteuerung ausgerüstet. Den<br />
Umbau lassen sich die SWB rund 1,2 Mio.<br />
Euro pro <strong>Wagen</strong> kosten. Doch damit liegt<br />
das Unternehmen deutlich unter den Preisen<br />
industriell gefertigter Neuwagen. Ein Stadtbahnwagen<br />
koste derzeit ab Werk weit mehr<br />
als das Doppelte, argumentieren die SWB,<br />
die mit der Investition gleichzeitig einheimische<br />
Unternehmen stärken. Immerhin werden<br />
die öffentlichen Mittel auf diese Weise<br />
sehr effizient eingesetzt und hochqualifizierte<br />
Handwerksarbeitsplätze in der Region gesichert<br />
bzw. neu geschaffen.<br />
Doch auch bei der Vermarktung der umgebauten<br />
<strong>Wagen</strong> gingen die SWB Ende 2012<br />
neue Wege: Nach einer offiziellen Vorstellung<br />
der beiden Fahrzeuge am 15. Dezember fand<br />
tags darauf eine ungewöhnlich organisierte<br />
Premierenfahrt statt. Zu dieser wurde ausschließlich<br />
per „Facebook“ eingeladen. Doch<br />
nicht nur das – die Nutzer dieses virtuellen<br />
sozialen Netzwerks legten auch die Fahrtroute<br />
im Vorfeld per Mausklick fest!<br />
Nach einem kleinen Rahmenprogramm<br />
startete die Fangemeinde also am dritten<br />
Adventssonntag 2012 mit etwa 100 Teilnehmern<br />
im Tw 7456 vom Bertha-<strong>von</strong>-Suttner-<br />
Platz zur Fahrt auf der Linie 66 Richtung<br />
Bad Honnef. Die SWB waren nach eigenen<br />
Angaben <strong>von</strong> der Begeisterung der Teilnehmer<br />
selbst überrascht. Sie bezeichnen die<br />
„Inbesitznahme der neuen Stadtbahnwagen“<br />
als vollen Erfolg. Nahverkehrsfreunde, die<br />
in „Facebook“ nicht vertreten sind, fühlten<br />
sich hingegen etwas hilflos. An mehreren<br />
<strong>von</strong> ihnen ging die Veranstaltung schlichtweg<br />
vorbei, anderen blieb die Fahrtroute<br />
unbekannt, wieder andere<br />
stellten sich „aus Prinzip“ nicht<br />
an die Strecke. Es entbrannten<br />
Diskussionen, ob eine Premierenfahrt<br />
wirklich ausschließlich<br />
auf so „neumodische Weise“<br />
organisiert werden solle. Und<br />
wie sehen Sie das, liebe Leser?<br />
Der Bonner Tw 7459<br />
gehört zu den beiden<br />
Prototypen der grundlegend<br />
überarbeiteten<br />
SWB-<strong>Wagen</strong> vom<br />
Typ B100S (jetzt Typ<br />
B80C). Am 16. Dezember<br />
2012 wurde mit<br />
ihm eine Premierenfahrt<br />
veranstaltet,<br />
zu der ausschließlich<br />
über das virtuelle<br />
soziale Netzwerk<br />
„Facebook“ eingeladen<br />
wurde<br />
SWB<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
3
Inhalt<br />
Inhalt<br />
TITEL<br />
Aktuelle Einsätze der M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />
Betriebe<br />
Per Straßenbahn in den Hauptbahnhof . . . 16<br />
Das »Chemnitzer Modell« – Das bis 1988 auf 1.435 mm umgespurte<br />
Chemnitzer Netz hat im Süden der Stadt seit 2002 Anschluss<br />
an die Eisenbahn nach Stollberg. Seit 15. Februar 2013 ist nun<br />
auch der Chemnitzer Hauptbahnhof direkt in das Straßenbahn-Netz<br />
integriert – und es gibt weitere Pläne!<br />
Oldie-Revival an der Isar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25<br />
München: Aufgearbeitete P-/p-Züge im Liniendienst – Fahrplanverdichtungen<br />
trotz nicht verlässlich und freizügig einsetzbarer<br />
Variobahnen – das bescherte fünf Kurzgelenkzügen noch einmal<br />
eine neue Hauptuntersuchung. Die Ende der 1960er-Jahre gebauten<br />
Fahrzeuge kommen planmäßig auf den Linie 17 und 27 zum Einsatz<br />
RUBRIKEN<br />
»Einsteigen, bitte ...«. . . . . 3<br />
Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />
Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt. . . . . . . . . . . 31<br />
Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 62<br />
Fundstück des Monats . . . . 73<br />
»Forum«, Impressum . . . . . 78<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild . . . . . . 83<br />
Vorbei am Schokoladenmuseum ... . . . . . . . . 26<br />
Halles Kulturlinie 7 im Porträt – Drei Linien verbinden die große<br />
Endstelle Kröllwitz mit dem Hauptbahnhof der Saalestadt. Die Linie 7<br />
braucht am längsten für diese Strecke, doch sie bietet dafür den schöns -<br />
ten Weg. Seit 2010 vermarktet die HAVAG ihre »7« als Kulturlinie<br />
Trambefürworter aus Überzeugung . . . . . . . 32<br />
Kluge Entscheidungen für Karlsruhe und Bremen – Am 20. Dezember<br />
2012 verstarb Georg Drechsler – bis 1996 stellvertretender<br />
Betriebsleiter der Karlsruher Verkehrsbetriebe, bis 2010 Vorstandsvorsitzender<br />
der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Als »Diplomat und<br />
Kämpfer« prägte er beide Gesellschaften<br />
Große Ziele, wenig Geld. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />
Aktuelle Zukunftspläne aus<br />
Graz – In der steiermärkischen Landeshauptstadt<br />
stehen zahlreiche<br />
Ausbauprojekte an. Anfang des Jahres<br />
verkündete die Stadtregierung<br />
aber einen Sparkurs und brachte damit<br />
den geplanten Netzausbau ins<br />
Wanken. Doch ein Bedarf daran besteht<br />
mehr denn je …<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 3<br />
Mit der Linie 5 durch Halle an der Saale 26<br />
Ein Tatra-Großzug trifft im Sommer 1981 als Einsatzkurs für den<br />
Berufsverkehr auf der Hallenser Linie 5 in Schkopau ein W. WALPER<br />
Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />
Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />
Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />
historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />
Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />
und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />
Das Ende der U-Bahn-Pläne in Ludwigshafen 68<br />
Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />
erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition sofort und<br />
spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />
Fahrzeuge<br />
Über dem Zenit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />
M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland – Mit dem fortschreitenden<br />
Ausscheiden der letzten <strong>Düwag</strong>-Einheitswagen aus dem Plandienst<br />
rückt die nächste Generation zunehmend in den Fokus der Straßenbahnfreunde.<br />
Doch auch für die in den 70er- und 80er-Jahren gebauten<br />
hochflurigen Stadtbahnwagen vom Typ N stehen die Zeichen<br />
zumeist schon auf Abschied. Und der Typ M fährt nur noch in Kassel<br />
Konstal-Klassiker auf dem Abstellgleis . . . . 56<br />
Ende <strong>von</strong> Polens 13N-<strong>Wagen</strong> – In Polens Hauptstadt standen die<br />
Vierachser vom Typ 13N in der Silvesternacht 2012 letztmalig im Planeinsatz.<br />
Am 5. Januar 2013 erfolgte ihre offizielle Verabschiedung –<br />
das Ende eines Kapitels, das 1959 in Warschau mit starken Geburtswehen<br />
begann …<br />
Geschichte<br />
Zweiachser im Liniendienst. . . . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />
Mit Tram-Raritäten in den 1980er-Jahren durch Kassel und<br />
Darmstadt – Es heute kaum vorstellbar: In den meisten westdeutschen<br />
Tramstädten gehörten Zweiachs-Triebwagen zu Beginn der<br />
1980er-Jahre längst allenfalls noch zur Museumsflotte. Doch im<br />
planmäßigen tagtäglichen Einsatz?<br />
»Skandal <strong>von</strong> bundesweitem Ausmaß«. . . 68<br />
Vor 40 Jahren in Ludwigshafen als »undurchführbar« abgehakt<br />
– Der Plan zur Abschaffung der Straßenbahn zugunsten einer<br />
Stadtschnellbahn konnte Mannheim nicht überzeugen. Nur drei Jahre<br />
nach dem Ludwigshafener Grundsatzbeschluss vom September 1971<br />
war daher die „totale Stadtbahn“ (s. SM 9/2012) am Ende<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
Im Zeichen des 3-D-Drucks . . . . . . . . . . . 74<br />
Altbekannte Herstellungsverfahren werden durch neue<br />
Methoden verdrängt - auch bei Kleinanbietern <strong>von</strong> Trammodellen.<br />
Report <strong>von</strong> der Nürnberger Spielwarenmesse, Teil 1<br />
Titelmotiv<br />
Die rot-weißen M6-Tw 311,<br />
342 und 354 der Bogestra<br />
im Bochumer Betriebshof<br />
Engelsburg<br />
C. HETTCHE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
5
Bild des Monats<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Bild des Monats<br />
Bild des Monats<br />
Durch Nürnberg rollen seit 1881 Straßenbahnen, elektrisch bewegen sich diese seit 1896. Trotz<br />
zahlreicher Stilllegungen zugunsten der U-Bahn wurde der <strong>Wagen</strong>park umfassend modernisiert.<br />
Prägend für die Altstadt ist die Stadtmauer mit ihren großen Türmen, überragt <strong>von</strong> der gewal tigen<br />
Burg. Ein wunderschönes Panorama bietet sich am Spittlertorgraben. Diese Szene mit dem GT8N-<br />
<strong>Wagen</strong> Nr. 1117 auf der Linie 6 hielt Bernhard Kußmagk am 24. Oktober 2011 im Bild fest.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie und aus aller Welt<br />
Die am weitesten vom Dresdner Stadtzentrum entfernte Straßenbahn-Endstelle der DVB, Weinböhla, ist nach<br />
siebenmonatiger Unterbrechung wieder erreichbar<br />
R. GLEMBOTZKY<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
»Kurzläufer«: Spezielle<br />
Liniennummer erwünscht<br />
Im letzten Heft haben wir auf Seite 3<br />
gefragt: Welche Liniennummern sollten<br />
„Kurzläufer“ haben, die nicht bis zur<br />
regulären Endstelle einer Stammlinie<br />
fahren? Die (knappe) absolute Mehrheit<br />
der Umfragteilnehmer, nämlich 51,4 Prozent,<br />
plädierte dafür, Kurzläufern eigene<br />
Liniennummern zu geben, auch wenn<br />
diese Linien dann nur selten oder zeitweise<br />
fahren, so wie es z.B. bei Münchens<br />
neuer Linie 22 der Fall ist.<br />
42,7 Prozent der Votierenden halten<br />
diese Variante dagegen nicht für sinnvoll,<br />
sondern favorisieren die Lösung mit der<br />
um ein „E“ ergänzten oder durchgestrichenen<br />
Stammliniennummer für „Kurzläufer“<br />
– natürlich inklusive der Fahrtzielangabe<br />
des tatsächlichen Endpunkt<br />
des Kurses. Die bloße Stammliniennummer<br />
in Kombination mit der Endpunktangabe<br />
des tatsächlichen Ziel des Kurses,<br />
so wie es z.B. in Köln seit der Liniennetzbereininigung<br />
im Jahr 2007 praktiziert<br />
wird, halten lediglich 5,7 Prozent der<br />
Umfragteilnehmer für sinnvoll. SM<br />
Dresden: Linie 4 und Schwebebahn fit für die Zukunft, Kürzungen im Fahrplan<br />
Frischekur für Überland- und Schwebebahn<br />
Wenn die<br />
Schwebebahn<br />
im Frühjahr<br />
wieder fährt,<br />
wird <strong>Wagen</strong> 2<br />
seine rote<br />
Jubiläums -<br />
lackierung <strong>von</strong><br />
2011 verloren<br />
haben<br />
C. MUCH<br />
Dem Abschluss eines wichtigen Sanierungsprojektes,<br />
der Modernisierung<br />
der Straßenbahnlinie 4 im Bereich<br />
Radebeul, folgt bei den Dresdner<br />
Verkehrsbetrieben (DVB) mit der Erneuerung<br />
der Schwebebahn direkt das<br />
nächste Projekt. Gleichzeitig wurden<br />
die Fahrpläne etlicher Straßenbahnlinien<br />
moderat gekürzt<br />
Weihnachtsgeschenk für<br />
Weinböhla<br />
Noch kurz vor Weihnachten, am<br />
20. Dezember, konnten die DVB nach<br />
mehrmonatigen Bauarbeiten die Straßenbahnlinie<br />
4 nach Weinböhla wieder<br />
in Betrieb nehmen. Zuvor musste<br />
Dresdens längste Straßenbahnlinie in<br />
Radebeul im Bereich Zillerstraße über<br />
ein temporäres Gleisdreieck wenden.<br />
Begonnen hatte die Streckensperrung<br />
bereits am 7. Mai 2012, um in Radebeul<br />
die Meißner Straße zwischen Borstraße<br />
und Gradsteg grundhaft zu sanieren.<br />
Dabei konnten insgesamt auch<br />
ca. 850 m Straßenbahngleis, wenn<br />
auch ohne eigenen Bahnkörper, erneuert<br />
werden. Die beiden Haltestellen<br />
Gradsteg und Borstraße wurden barrierefrei<br />
ausgebaut, wozu die Straßenbahngleise<br />
an den Fahrbahnrand verschwenkt<br />
werden mussten.<br />
Ursprünglich war das Bauende bereits<br />
für Ende November geplant.<br />
8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Deutschland<br />
Nur noch für einzelne Fahrten am Tag kommen die Bahnen der Linie 6 auf die großzügig angelegte Strecke in das<br />
zu DDR-Zeiten entstandene Neubaugebiet Dresden-Gorbitz<br />
P. KRAMMER<br />
Schwierigkeiten im Bauablauf führten<br />
aber zu etlichen Verzögerungen. Nur<br />
durch eine Vollsperrung konnte die<br />
Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs<br />
vor Weihnachten sichergestellt<br />
werden. Für die dadurch notwendigen<br />
Fahrweg- und Fahrzeitenwechsel der<br />
Ersatzbusse sowie für die schwierige<br />
Verkehrssituation insgesamt entschuldigten<br />
sich die DVB bei den Fahrgästen.<br />
Als Aufmerksamkeit erhielten die<br />
Betroffenen Gratis-Tickets zur Nutzung<br />
der wiedereröffneten Linie 4. Im<br />
weiteren Streckenverlauf nach Weinböhla<br />
wurden zudem mehrere Instandhaltungsmaßnahmen<br />
vorgenommen<br />
und Gleisbrüche durch vorangegangene<br />
Winter beseitigt. Die frühere<br />
Ausweichmöglichkeit an der Eisenbahnbrücke<br />
wurde dagegen auf ein<br />
Gleis zurückgebaut.<br />
Bus statt Schwebebahn<br />
Vom 2. Januar bis zum 28. März ist die<br />
Dresdner Schwebebahn außer Betrieb.<br />
Zum einen muss eine komplette Hauptuntersuchung<br />
an den <strong>Wagen</strong> durchgeführt<br />
werden. Gleichzeitig werden auch<br />
beide <strong>Wagen</strong> vollständig neu lackiert.<br />
Damit verliert auch der <strong>Wagen</strong> 2 seine<br />
rote Jubiläumslackierung aus dem Jahr<br />
2011. Zum anderen müssen das Zahnradvorgelege<br />
mit Antriebswelle sowie<br />
das 104-jährige Großrad für die Kraftübertragung<br />
ausgetauscht werden.<br />
Auch werden die Steuerung sowie der<br />
Bedienstand in der Talstation erneuert.<br />
Da die Buslinie 84 zwischen Tal- und<br />
Bergstation der Schwebebahn fährt,<br />
muss kein Schienenersatzverkehr eingerichtet<br />
werden. Die Dresdner Schwebebahn<br />
verbindet auf ihrer 274 m langen<br />
Strecke die Stadtteile Loschwitz<br />
und Oberloschwitz und überwindet dabei<br />
84 Höhenmeter. Als Einschienenhängebahn<br />
ist sie bezüglich der Spurführung<br />
zwar verwandt mit der Wuppertaler<br />
Schwebebahn, allerdings<br />
werden die <strong>Wagen</strong> in Dresden nach<br />
dem „Prinzip Standseilbahn“ <strong>von</strong> einem<br />
Seil gezogen bzw. herabgelassen.<br />
Straßenbahnfahrpläne<br />
»optimiert«<br />
Darüber hinaus haben die Dresdner<br />
Verkehrsbetriebe moderate Kürzungen<br />
im Bus- und Straßenbahnbereich vollzogen.<br />
Nachdem die Bedienung der<br />
Strecke nach Gorbitz durch die Linie 6<br />
im Jahr 2003 bereits auf den Berufs -<br />
verkehr beschränkt wurde, wendet diese<br />
Linie seit dem 3. September 2012<br />
(einzelne Fahrten ausgenommen)<br />
ganztags schon in Wölfnitz. Damit folgt<br />
die DVB dem ostdeutschen Trend, das<br />
Fahrplanangebot in den großen, am<br />
Stadtrand gelegenen Plattenbausiedlungen<br />
Schritt für Schritt zurückzufahren.<br />
Denn vom Einwohnerrückgang<br />
sind diese Stadtteile ganz besonders<br />
betroffen, womit einst üppig bemessene<br />
Angebote mit mehreren Linien im<br />
Zehn-Minuten-Takt nicht mehr gerechtfertigt<br />
erscheinen. In Gorbitz verbleiben<br />
aber weiterhin die Linien 2 und 7, womit<br />
diese Außenstrecke im städtischen<br />
Vergleich immer noch ein sehr dichtes<br />
Fahrplanangebot hat. Gleichzeitig wurde<br />
der abendliche Betriebsschluss der<br />
Linie 10 (Striesen – Messe) um eine<br />
Stunde vorverlegt.<br />
Am 3. Januar folgten die nächsten<br />
Kürzungen, die sich nun aber auf viele<br />
Linien verteilen. Auf den Straßenbahnlinien<br />
1, 6, 7, 8, 9 und 10 entfielen einzelne<br />
schwach nachgefragte Früh- und<br />
Spätfahrten. Auch traf es abermals die<br />
Linie 10, die seitdem sonntags erst gegen<br />
8 statt bisher gegen 6 Uhr in den<br />
Betrieb startet. Um sinkende Zuschüsse<br />
für die Busbeschaffung und Schülerbeförderung<br />
auszugleichen, könnten<br />
künftig weitere derartige Angebotskürzungen<br />
folgen.<br />
ROG/PKR<br />
Frankfurt am Main<br />
Neubaupläne für<br />
Museum vorgestellt<br />
Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt<br />
(VGF) will die Westhalle ihres Verkehrsmuseums<br />
durch einen Neubau<br />
ersetzen. Der Entwurf des Architekturbüros<br />
Karl Dudler sieht eine Halle aus<br />
sechs gestuften und bis zu zwölf Meter<br />
hohen Bauriegeln vor. Die Staffelung<br />
in mehrere Bauriegel ermöglicht eine<br />
bessere Ausnutzung des Baugrundes,<br />
der <strong>von</strong> einer Straßenbahnwendeschleife<br />
umgeben ist. Damit die Verbindung<br />
vom alten Empfangsgebäude<br />
der Endstation Schwanheim zum Museumseingang<br />
nicht durch den Stra-<br />
Frankfurt am Main: Bis Ende 2014 soll das Verkehrsmuseum an der Endstation<br />
Schwanheim Rheinlandstraße teilweise durch einen modernen<br />
Neubau ersetzt werden<br />
VGF/KARL DUDLER<br />
Darmstadt<br />
Mit der Linie 8 (Arheilgen<br />
Dreieichweg – Alsbach Am Hinkelstein)<br />
können Fahrgäste eine<br />
geführte Stadtrundfahrt per<br />
Straßenbahn machen. Dazu lassen<br />
sich Hörbeiträge, die jederzeit<br />
gestoppt und fortgesetzt<br />
werden können, aufs Handy laden.<br />
Die Funktionsweise ähnelt<br />
den aus Museen bekannten Audio-Guides.<br />
Die Linie 8 ist bereits<br />
die zweite Linie, für die dieser<br />
Service eingeführt wurde, denn<br />
auch für die Linie 3 (Darmstadt<br />
Hbf – Lichtenbergschule) lässt<br />
sich entsprechendes Audio-Material<br />
unter www.darmstadtmarketing.de<br />
herunterladen. JÖS<br />
Hamburg<br />
Nachdem die Bürgerschaft<br />
die Mittel zum Bau der 1,1 km<br />
langen U4-Verlängerung zur<br />
Elbbrücke bewilligt hat, laufen<br />
derzeit die Detailplanungen. Die<br />
neue Strecke wird ab der Station<br />
HafenCity Universität in östlicher<br />
Richtung verlaufen, um<br />
dann in einen 90°-Bogen direkt<br />
an die Norderelbe zu stoßen.<br />
Dort endet sie dann auf der Viadukt-Haltestelle<br />
Elbbrücke. Die<br />
Haltestelle wird so angelegt,<br />
dass eine Fortführung der Strecke<br />
über die Elbe nach Wilhelmsburg<br />
möglich ist. Perspektivisch<br />
wird hier mit 16.000 Fahrgästen<br />
am Tag gerechnet.<br />
JEP<br />
Karlsruhe<br />
Die neuen Flexity Swift-Zweisystemwagen<br />
der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />
(AVG) konnten<br />
bislang noch nicht im Fahrgastverkehr<br />
eingesetzt werden.<br />
Die Zulassung durch den TÜV<br />
Süd ist noch nicht erfolgt. Unter<br />
anderem würde der Aufenthalt<br />
an Haltestellen bei den derzei -<br />
tigen Türeinstellungen zu lange<br />
dauern, so dass der Fahrplan<br />
nicht gehalten werden könnte.<br />
Nach aktuellem Stand sollen die<br />
ersten der 30 neuen <strong>von</strong> Bombardier<br />
gefertigten Fahrzeuge<br />
noch im ersten Quartal 2013 im<br />
Fahrgastverkehr eingesetzt werden.<br />
PKR<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
9
Aktuell<br />
Stillstand wegen Blitzeis: In Frankfurt am Main schafften es am 20. Januar viele Straßenbahnen wegen vereister<br />
Oberleitungen nicht mehr ins Depot<br />
S. KYRIELEIS<br />
Südwestdeutschland<br />
Blitzeis legte Straßenbahnnetze lahm<br />
Eine ungewöhnliche Wettersituation<br />
brachte am Sonntag, 20. Januar,<br />
den Betrieb einiger Straßenbahnnetze<br />
zum Erliegen. Es regnete, während<br />
in Bodennähe weiterhin der Frost das<br />
Sagen hatte. Im gesamten Rhein-Neckar-Raum,<br />
in Darmstadt und Frankfurt<br />
ging deshalb seit Sonntagnachmittag<br />
auf den Gleisen nichts mehr.<br />
Wegen der glatten Straßen war auch<br />
ein Ersatzverkehr durch Busse nur in<br />
sehr begrenztem Umfang möglich.<br />
Teilweise umhüllte eine mehrere<br />
ßenbahnverkehr unterbrochen wird,<br />
soll auch die Straßenbahnstation umgebaut<br />
werden. Nach Fertigstellung<br />
der Baumaßnahme, die für das Jahresende<br />
2014 vorgesehen ist, machen die<br />
Züge der Linie 12 bereits vor Erreichen<br />
des Bahnhofsgebäudes an einer barrierefrei<br />
ausgebauten Haltestelle Kopf.<br />
Die bestehende Wendeschleife soll<br />
aber für Sonderverkehre mit historischen<br />
Zügen beibehalten werden. Die<br />
VGF entschied sich für einen Neubau,<br />
Zentimeter starke Eisschicht die Fahrleitungen,<br />
so dass die Einsatzkräfte der<br />
Verkehrsunternehmen mit Gasbrennern<br />
und Hämmern zu Werke gehen<br />
mussten. Wo es noch irgendwie ging,<br />
wurden ältere Fahrzeuge, die gegenüber<br />
Spannungsabfällen weniger empfindlich<br />
reagieren, eingesetzt, um das<br />
Eis <strong>von</strong> den Leitungen zu kratzen und<br />
Neu-Vereisungen zu vermeiden. Während<br />
im Bereich Rhein-Neckar am<br />
Montagnachmittag Normalisierung<br />
einsetzte, kehrte in Darmstadt erst zur<br />
da das Tragwerk der 1905 für die mit<br />
Dampf betriebene Waldbahn errichteten<br />
<strong>Wagen</strong>halle in Schwanheim, 1983<br />
für das Museum umgebaut, marode<br />
geworden war. Eine Sanierung hätte<br />
zwei Mio. Euro gekosten. Für den Neubau<br />
rechnet man mit Bau- und Planungskosten<br />
<strong>von</strong> fünf Mio. Euro. Noch<br />
bis zum Spätsommer 2013 kann das<br />
Verkehrsmuseum besichtigt werden.<br />
Dann sollen die Räumung und der Abriss<br />
der Westhalle beginnen. SKY<br />
Nacht auf den Mittwoch der reguläre<br />
Betriebszustand zurück. In Frankfurt<br />
war es noch schwieriger: Lediglich<br />
die Linie 11 konnte am Dienstagnachmittag<br />
den Betrieb auf dem Teilstück<br />
zwischen Nied Kirche und Hugo-Junkers-Straße<br />
wieder aufnehmen.<br />
Die Linie 16 folgte, ebenfalls<br />
auf einer Teilstrecke, am Dienstagabend.<br />
Bis auf die Linie U9 konnten<br />
aber immerhin alle U-Bahn-Linien<br />
bereits am Montag wieder in Betrieb<br />
gehen.<br />
JÖS<br />
Stuttgart<br />
Keine Kreuzungen<br />
Stadt-/Eisenbahn mehr<br />
In Stuttgart haben die beiden letzten<br />
niveaugleichen Kreuzungen zwischen<br />
Eisenbahn und Stadtbahn ihren<br />
Daseinszweck verloren. Im Dezember<br />
wurde letztmals ein bei der Flint Group<br />
Germany entleerter Kesselwagen über<br />
die Gleise der Industriebahn Feuerbach<br />
abgefahren. Um den Anschluss<br />
Stuttgart: An<br />
der Haltestelle<br />
Sieglestraße<br />
wartet ein Zug<br />
der U7 die<br />
Kreuzung mit<br />
der in städ ti -<br />
schem Auftrag<br />
tätigen DB-363<br />
ab<br />
M. DAUR<br />
Strausberg: Nach Berlin und Straus -<br />
berg wird der ATw 13 im dänischen<br />
Straßenbahnmuseum Skjoldenæsholm<br />
seine dritte Heimat finden<br />
C. MUCH<br />
des Herstellers <strong>von</strong> Druckfarben bedienen<br />
zu können, mussten die Stadtbahnlinien<br />
U7 und U15 im Bereich der<br />
Haltestellen Borsigstraße und Sieglestraße<br />
zweimal kurz hintereinander<br />
gequert werden. Grund für das Aus ist<br />
eine veränderte Verkehrsführung der<br />
stark befahrenen B 295, die zu gegenseitigen<br />
Behinderungen <strong>von</strong> Straßenund<br />
Schienenverkehr geführt hätte. Eine<br />
Verlegung der in städtischem Eigentum<br />
befindlichen Gleisanlagen<br />
schied angesichts der nur noch geringen<br />
Bedeutung aus.<br />
JDA<br />
Strausberg<br />
Arbeitswagen nach<br />
Dänemark verkauft<br />
Am 8. Januar wurde in Strausberg<br />
der Arbeitstriebwagen 13 auf einen<br />
Straßentieflader verladen, um ins dänische<br />
Straßenbahnmuseum Skjoldenaesholm<br />
überführt zu werden. Nach<br />
Ablauf der Untersuchungsfristen des<br />
Fahrzeugs im Jahr 2012 hat die Strausberger<br />
Eisenbahn einen Käufer für den<br />
<strong>Wagen</strong> 13 gesucht. Eine Instandsetzung<br />
des Zweiachsers lohnte sich in<br />
Strausberg aufgrund der sehr geringen<br />
Einsatzzeiten nicht mehr.<br />
Bei dem Fahrzeug handelt es sich um<br />
einen Rekotriebwagen vom Typ ATZ. In<br />
den Jahren 1980 und 1981 wurden im<br />
Reichsbahnausbesserungswerk (RAW)<br />
Berlin-Schöneweide für die Berliner Verkehrsbetriebe<br />
(BVB) insgesamt 38 vorhandene<br />
Reko-Einrichtungstriebwagen<br />
TE63 und TE64 zu universell einsetzbaren<br />
Arbeitswagen umgebaut. Durch die<br />
Neuzuführung <strong>von</strong> KT4D-Serienfahrzeugen<br />
in Berlin standen dort die TE63<br />
und TE64 als Spenderfahrzeuge zur Verfügung.<br />
Die Fahrzeuge wurden zu<br />
Zweirichtungswagen umgebaut und er-<br />
10 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Deutschland<br />
hielten Doppelscheinwerfer; der Einbau<br />
<strong>von</strong> Doppelschiebetüren auf beiden<br />
<strong>Wagen</strong>seiten und die Innenverkleidung<br />
der Fahrzeuge mit Sperrholzplatten ermöglichten<br />
fortan Material- und Gütertransporte.<br />
Nach der politischen Wende<br />
ging der Güterverkehr stark zurück; die<br />
BVB stellten ab 1990 erste ATZ ab bzw.<br />
boten sie zum Kauf an. So kam der Berliner<br />
<strong>Wagen</strong> 4502 (ex 721 040) im Jahr<br />
1993 nach Strausberg und war <strong>von</strong> nun<br />
an dort 20 Jahre mit der <strong>Wagen</strong>nummer<br />
13 als Arbeitswagen im Einsatz. CMU<br />
Mülheim an der Ruhr<br />
Weitere U18-Station<br />
modernisiert<br />
Die Mülheimer VerkehrsGesellschaft<br />
(MVG) hat in den vergangenen<br />
zwei Jahren die beiden Bahnsteige der<br />
U18-Station Rosendeller Straße inmitten<br />
der A40 (Ruhrschnellweg) modernisiert.<br />
Bereits im Jahr 2011 hatte die<br />
MVG damit begonnen, den Bahnsteig<br />
Richtung Mülheim komplett umzugestalten.<br />
Im Jahr 2012 war schließlich<br />
auch die Gegenrichtung dran. Mittlerweile<br />
sind beide Bahnsteige im neuen<br />
Gewand in Betrieb, lediglich einige<br />
Restarbeiten fehlen noch. Bei der Umgestaltung<br />
wurde vor allem darauf geachtet,<br />
dass die Bahnsteige auch bei<br />
Nacht noch hell und freundlich sind.<br />
Von den Stationen der <strong>von</strong> Mülheim<br />
nach Essen führenden U18, die oberirdisch<br />
im Mittelstreifen des Ruhrschnellwegs<br />
liegen, erscheint jetzt nur<br />
noch der Bahnhof „Rhein-Ruhr-Zentrum“<br />
im Stil der 1970er-Jahre. CLÜ<br />
Mannheim<br />
Stadtbahn Nord soll<br />
2016 fahren<br />
Mit dem symbolischen Spatenstich<br />
ist das Projekt „Stadtbahn Mannheim<br />
Nord“ dem Planungsstadium entwachsen.<br />
Bis 2016 die ersten Bahnen<br />
Mannheim: Noch fahren die Linien 4 und 5 nach Käfertal. Künftig soll die Linie 4 die Stadtbahn Nord bedienen PKR<br />
rollen, sollen 14 neue Haltestellen errichtet<br />
und 6,4 km Neubaustrecke gebaut<br />
werden. Die Strecke wird zwischen<br />
den Haltestellen Lange Rötterstraße<br />
und Grenadierstraße <strong>von</strong> der<br />
Strecke nach Käfertal abzweigen und<br />
sich im Stadtteil Gartenstadt in zwei<br />
Äste zum Waldfriedhof und zum Carl-<br />
Benz-Bad gabeln. Ursprünglich sollte<br />
der Ast zum Waldfriedhof noch weiter<br />
bis zum Glücksburger Weg verlaufen,<br />
was allerdings im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung<br />
fallen gelassen<br />
wurde. Beide Äste sollen alternierend,<br />
also alle 20 Minuten, befahren werden.<br />
Die Strecke wird größtenteils eigenen<br />
Gleiskörper, dafür auf dem Außenast<br />
zum Waldfriedhof und auf etwa<br />
630 m entlang der Hessischen<br />
Straße zwei eingleisige Abschnitte erhalten.<br />
Das größte Einzelbauwerk des<br />
78 Mio. Euro teuren Vorhabens wird<br />
die Unterquerung der alten Riedbahn<br />
sein. Auf Wunsch der Anwohner wird<br />
entlang der Strecke nördlich der Waldstraße<br />
eine rund 540 m lange und 3 m<br />
hohe Lärmschutzwand aufgestellt. Für<br />
die neue Strecke soll die Linie 4 <strong>von</strong> ihrem<br />
Heddesheimer Ast abgezogen<br />
werden und künftig die Stadtbahn<br />
Nord bedienen. Die Linie 5 soll künftig<br />
in Käfertal in Richtung Heddesheim<br />
und Weinheim/Heidelberg geflügelt<br />
werden.<br />
PKR<br />
Bad Herrenalb<br />
Falkenburgbahn<br />
eingestellt<br />
Bereits seit 4. September steht die<br />
Falkenburgbahn in Bad Herrenalb, etwa<br />
25 km südlich <strong>von</strong> Karlsruhe gelegen,<br />
still. Im Dezember teilte die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />
(AVG), die<br />
für den Betrieb verantwortlich war, die<br />
endgültige Einstellung der Standseilbahn<br />
mit. Grund für die Stilllegung<br />
sind formal ausstehende Jahreswartungen<br />
und Störungsbehebungen sowie<br />
die nicht erfolgte Jahresabnahme.<br />
Die ACURA Ruland Klinik als private<br />
Eigentümerin der erst 1998 eröffneten<br />
Bahn wollte sich eine Instandhaltung<br />
bei einer Kostenunterdeckung <strong>von</strong><br />
100.000 Euro im Jahr nicht leisten.<br />
Auch die Gemeinde Bad Herrenalb<br />
konnte sich zu einer finanziellen Beteiligung<br />
nicht durchringen. Die Falkenburgbahn<br />
verlief vom Bahnhof Bad<br />
Herrenalb mit der Mittelstation Themenhotel<br />
Falkenburg zur Klinik Falkenburg<br />
und überwand dabei auf ihrer<br />
117 m langen Strecke 46 Höhenmeter.<br />
Auf der Falkenburgbahn pendelte nur<br />
ein <strong>Wagen</strong>, weshalb es sich in technischer<br />
Hinsicht eigentlich um einen<br />
Schrägaufzug handelte.<br />
PKR<br />
Bielefeld<br />
Neuerungen im Bereich<br />
Universität<br />
Im Zuge der Erweiterung des Universitätsgeländes<br />
ist die Verlängerung<br />
der Linie 4 über die Endstelle Lohmannshof<br />
hinaus zum neuen Gelände<br />
Campus Lange Lage/Schlosshofstr.<br />
vorgesehen. Im Vorgriff darauf und<br />
auch im Hinblick auf Erweiterungen<br />
der Universität am bestehenden<br />
Standort wurde der bisherige einfache<br />
Gleiswechsel an der Haltestelle Universität<br />
zu einer vollwertigen Zwischenendstelle<br />
mit Wendegleis ausgebaut.<br />
Die folgende Haltestelle Wellensiek<br />
wird als künftiger, direkter Zugang<br />
zu den Erweiterungsbauten am bisherigen<br />
Standort ausgebaut. Dafür wurden<br />
die Gleise aufgeweitet, ein breiterer<br />
Mittelbahnsteig erstellt und der Zu-<br />
Mülheim/Ruhr: Trotz gerade abgeschlossener Modernisierung ist die Station<br />
Rosendeller Straße bereits mit Schmierereien versehen C. LÜCKER<br />
Bad Herrenalb: Die Falkenburgbahn (im Hintergrund sichtbar) steht seit dem<br />
4. September 2012 still K. BINDEWALD<br />
11
Aktuell<br />
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Ihre Prämie<br />
Krefeld: An der Endstelle Hüls Betriebshof gibt es zwar keinen Betriebshof mehr, dafür noch die alte Halle des<br />
ebensolchen. Eigentlich hätte die Linie 044 als so genannte „Kleine Ringlösung“ <strong>von</strong> hier auf einer Schleife durch<br />
das Zentrum <strong>von</strong> Hüls verlängert werden und die Halle einem Parkplatz weichen sollen. Nachdem diese Pläne im<br />
September vom Stadtrat ad acta gelegt wurden, bleibt zunächst alles beim Alten. An Stelle der Halle könnte aber<br />
künftig ein optimierter Busverknüpfungspunkt entstehen.<br />
C. LÜCKER<br />
gang zum Fakultätsgelände durch<br />
zwei auffällige, torähnliche Einrahmungen<br />
neu gestaltet. Die Bauarbeiten<br />
der Stadtbahn sind inzwischen<br />
weitgehend abgeschlossen worden,<br />
dagegen stehen die Unigebäude selbst<br />
noch vor der Vollendung. BUD<br />
Rostock<br />
Tramlinks kommen<br />
später<br />
Bei den 13 bestellten Rostocker<br />
Niederflurstraßenbahnen des Typs<br />
Tramlink, die <strong>von</strong> Vossloh Espana in<br />
Valencia gebaut werden, kommt es zu<br />
einer Lieferverzögerung. Der erste <strong>Wagen</strong><br />
des neuen Typs war ursprünglich<br />
bereits für Mai 2013 in der Hansestadt<br />
erwartet worden. Inzwischen geht der<br />
Verkehrsbetrieb Rostocker Straßenbahn<br />
AG (RSAG) <strong>von</strong> einer Lieferung<br />
ab Jahresende 2013 aus. Danach soll<br />
in jedem Monat ein weiteres Neufahrzeug<br />
angeliefert werden und zum Einsatz<br />
kommen. Für die in den Jahren<br />
1989/1990 beschafften und zwischen<br />
1995 und 2001 aufwändig modernisierten<br />
Tatrawagen T6A2M mit den<br />
Niederflurbeiwagen 4NBWE bedeutet<br />
dies eine Verlängerung ihrer Einsatzzeit.<br />
Fünf seit 2010 abgestellte Beiwagen<br />
sind unterdessen nach Leipzig verkauft<br />
worden.<br />
YUG<br />
Jena<br />
Tw 435 aus Erfurt<br />
übernommen<br />
Am Abend des 7. Januar traf der unechte<br />
Zweirichtungs-Tw KT4D 435 aus<br />
Erfurt im Betriebshof Burgau ein und<br />
wurde am nächsten Morgen entladen.<br />
Der <strong>Wagen</strong> soll als Arbeitstriebwagen<br />
hergerichtet werden. Der Neuzugang<br />
könnte als Winterdienst-Tw oder<br />
Schlepp-Tw für defekte GT6M eingesetzt<br />
werden, wofür er sicherlich besser<br />
geeignet wäre als die vorhandenen<br />
Gotha-Tw. Der genaue Aufgabenbereich<br />
ist aber noch nicht festgelegt. Voraussetzung<br />
für den Wechsel war, dass<br />
der Tw zwei Führerstände hat. Schließlich<br />
sind in Jena nur die Endstellen in<br />
Zwätzen und Winzerla mit Wendeschleifen<br />
ausgestattet. Es wird voraussichtlich<br />
noch einige Zeit vergehen,<br />
bevor der Tw 435 erstmals im Jenaer<br />
Schienennetz zu sehen sein wird. ULU<br />
Industrie<br />
Bombardier/CSR Puzhen<br />
Flexity 2 für Suzhou<br />
Nach der ersten öffentlichen Ausschreibung<br />
für 100%-Niederflurstraßenbahnen<br />
in China hat der Bombardier-Partner<br />
CSR Puzhen einen Auftrag<br />
über 18 Niederflur-Triebwagen für die<br />
Stadt Suzhou, wo ein neues Straßenbahnnetz<br />
mit sechs Linien aufgebaut<br />
wird, erhalten. CSR Puzhen wird die<br />
auf der Flexity 2-Technologie <strong>von</strong><br />
Bombardier basierenden Triebwagen<br />
an seinem Standort in Nanjing, China,<br />
bauen. Die Suzhou New District Tram<br />
(SND) wird die <strong>Wagen</strong> im expandierenden<br />
Ballungsraum <strong>von</strong> Suzhou betreiben.<br />
Suzhou ist eine Stadt mit elf Mio.<br />
Einwohnern im Südosten der Provinz<br />
Noch mehr Auswahl unter<br />
www.strassenbahnmagazin.de/abo<br />
Jiangsu, unweit <strong>von</strong> Shanghai. Die aktuelle<br />
Ausschreibung gilt für die erste,<br />
18 km lange Strecke, auf der zunächst<br />
18 fünfteilige Zweirichtungsfahrzeuge<br />
(32 m lang und 2,65 m breit) sieben<br />
Haltestellen bedienen werden. Es ist<br />
der erste Auftrag, den CSR Puzhen im<br />
Rahmen der neuen Partnerschaft mit<br />
Bombardier erhalten hat. Im Juli 2012<br />
unterzeichneten die beiden Unter -<br />
nehmen eine Vereinbarung über eine<br />
Zehn-Jahres-Technologielizenz für die<br />
Herstellung und den Vertrieb <strong>von</strong><br />
100-%-Niederflurstraßenbahnen in<br />
Chi na einschließlich Hongkong und<br />
Macao.<br />
ROS<br />
Bombardier<br />
Mehr Straßenbahnen<br />
für Plauen<br />
Die Plauener Straßenbahn (PSB)<br />
hat vier zusätzliche Niederflur-Straßenbahnen<br />
bei Bombardier bestellt.<br />
Die Bestellung der ersten beiden Tw<br />
wurde bereits im Dezember 2011 bekannt.<br />
Es wird sich um Straßenbahnen<br />
des Typs Flexity Classic, die im Bombardier-Werk<br />
Bautzen gebaut werden,<br />
handeln. Für die ersten beiden <strong>Wagen</strong><br />
wurden die Gelder angespart, für die<br />
vier zusätzlichen Fahrzeuge müssen<br />
Bielefeld: Die Haltestelle Wellensiek wurde für ihre neue Aufgabe als Zugangshaltestelle<br />
zur Universität ausgebaut<br />
D. BUDACH<br />
Erfurt/Jena: Bis Dezember war Tw 435 noch in Erfurt im Linieneinsatz (hier<br />
am Hauptbahnhof), jetzt wird er in Jena zum Arbeits-Tw umgebaut U. LUGE<br />
12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Deutschland · Industrie · Weltweit<br />
Kredite aufgenommen werden. Es ist<br />
angedacht, auf jeder der fünf Linien einen<br />
Niederflurkurs anzubieten und<br />
diesen gesondert im Fahrplan zu kennzeichnen.<br />
Der niederflurige Straßenbahnwagen<br />
„Flexity Plauen“ basiert<br />
auf den Modellen, die bereits in Halle<br />
und Dessau anzutreffen sind. Die<br />
Plauener Fahrzeuge werden, analog zu<br />
den Dessauer Flexitys, als Einrichtungsfahrzeuge<br />
ausgeführt. Im Laufe<br />
des Jahres 2012 wurde in Plauen damit<br />
begonnen, die Bahnsteige für die<br />
neuen Flexitys umzubauen. Dazu müssen<br />
die Bahnsteigkanten um einige cm<br />
nach verschmälert werden, sodass die<br />
neuen <strong>Wagen</strong> problemlos dort halten<br />
können. Die ersten Flexitys sollen Ende<br />
2013 in Plauen eintreffen. DAM<br />
Ausland<br />
Italien: Bozen<br />
<strong>Wagen</strong>rückgabe und<br />
Betriebsunterbrechung<br />
Die Rittnerbahn bei Bozen ist seit<br />
dem 7. Januar und voraussichtlich bis<br />
zum 15. Juni eingestellt. Der Grund<br />
sind Abriss- und Aufbauarbeiten der<br />
Remise und Werkstätte im Betriebsmittelpunkt<br />
Oberbozen, weswegen die 6,6<br />
km lange Lokalbahn auf dem Hochplateau<br />
des Ritten gesperrt werden muss.<br />
Zeitgleich mit diesem dann dreiglei -<br />
sigen Neubau wird in Klobenstein die<br />
zweigleisige Remise auf vier Gleise<br />
erweitert. Die größeren Kapazitäten<br />
werden benötigt, da der Fahrzeugpark<br />
dem nächst aufgestockt werden soll.<br />
Den hochflurigen fix gekuppelten<br />
Trieb- und Beiwagen 21 und 24, die<br />
2009 <strong>von</strong> der Trogenerbahn aus St. Gallen<br />
auf den Ritten geholt wurden,<br />
sollen zwei weitere baugleiche Garnituren<br />
folgen. Von den dann vier St. Gallener<br />
Zügen wird einer als Ersatz teilspender<br />
dienen.<br />
Zwischen Ostern und Allerheiligen<br />
sollen aus touristischen Gründen aber<br />
Ein aus Düsseldorf kommendes B80D-Doppel nähert sich der Stadtgrenze. Die anstehende Erneuerung der<br />
Zugsicherungssysteme könnte ab 2020 das Aus für die städteübergreifende Verbindung bedeuten C. LÜCKER<br />
Düsseldorf/Duisburg:<br />
U79 künftig zweigeteilt?<br />
Für den Betrieb der Duisburger und Düsseldorfer Stadtbahntunnel,<br />
die durch die Linie U79 verbunden sind, steht<br />
in den nächsten Jahren der Ersatz des bisherigen Zugsicherungssystems<br />
an. Eigentlich sollte die Ausschreibung<br />
dafür im Sommer dieses Jahres starten. Da es in Duisburg<br />
Finanzierungsschwierigkeiten gibt, steht nun in Frage ob<br />
sich die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) an der gemeinsamen<br />
Ausschreibung mit der Rheinbahn aus Düsseldorf<br />
beteiligen kann. Insbesondere für die Fahrgäste der<br />
Linie U79 könnte das zu Problemen führen. Denn unterschiedliche<br />
Zugsicherungssysteme in beiden Stadtbahntunneln<br />
würde den langfristigen Einsatz einer durchgehenden<br />
Linie unmöglich machen, womit die U79 gegebenenfalls<br />
zweigeteilt werden müsste. Dieses Problem<br />
würde aber erst in den Jahren 2020 bis 2024 auftreten, da<br />
die alte und neue Zugsicherungstechnik bis dahin parallel<br />
eingesetzt werden. Bis dahin werden die Stadtbahnen<br />
nach und nach auf das neue System umgestellt. So lange<br />
weiterhin Altfahrzeuge, darunter der<br />
<strong>von</strong> der 1978 eingestellten Straßenbahn<br />
Esslingen – Nellingen – Denkendorf<br />
(END) übernommene Tw12, eingesetzt<br />
werden. Sein Schwesterfahrzeug,<br />
der END-Tw 13, trat dagegen kurz vor<br />
den Umbauarbeiten am 17. Dezember<br />
seine Heimkehr in die Region Stuttgart<br />
an. Künftig wird er in der Straßenbahnwelt<br />
in Stuttgart-Bad Cann statt zu sehen<br />
sein. In der kommenden Ausgabe<br />
werden wir umfangreich über den Werdegang<br />
und die Heimkehr des Tw 13<br />
berichten.<br />
K. Demar/PKR<br />
also noch genügend Stadtbahnen für den Betrieb der U79<br />
mit dem alten Zugsicherungssystem laufen, steht dem<br />
durchgehenden Betrieb der ehemaligen „Linie D“ nichts<br />
im Wege.<br />
Kostenproblem Ersatzteile<br />
Gerade in Düsseldorf drängt die Zeit, denn dort sind die ältesten<br />
Stadtbahntunnel samt Zugsicherungstechnik <strong>von</strong><br />
1981 und damit elf Jahre älter als in Duisburg. Insbesondere<br />
die Ersatzteilbeschaffung entwickelt sich zunehmend<br />
zum (Kosten-)Problem. In Duisburg besteht noch die Hoffnung,<br />
dass sich Land und Bund zu einer Bestandsförderung<br />
der Stadtbahninfrastruktur, die im Gegensatz zum<br />
Bau neuer Infrastruktur <strong>von</strong> den Kommunen alleine getragen<br />
werden muss, durchringen. Wie eine zweigeteilte U79<br />
aussehen würde, d.h. welche Endstationen aus Richtung<br />
Düsseldorf und Duisburg angefahren würden, lässt sich<br />
aktuell noch nicht abschätzen.<br />
PKR<br />
Niederlande: Groningen<br />
»Aus« für Regiotram<br />
Ein Eklat im Groninger Kommunalparlament<br />
hat die weit fortgeschrittene<br />
Planung zum Bau eines Straßenbahnsystems<br />
zumindest vorerst ge-<br />
Bombardier: Plauen hat vier Flexitys nachbestellt, womit insgesamt sechs<br />
Einheiten in der Vogtlandmetropole eintreffen werden MONTAGE: D. MÖSCHKE<br />
Bozen: Den beiden ex St.Gallener Zügen, die seit 2011weinrot/grau lackiert<br />
sind, sollen zwei weitere folgen<br />
H. STAMMLER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
13
Aktuell<br />
VIS Halberstadt: VIS Halberstadt modernisiert zum wiederholten Mal Straßenbahnen aus Helsinki. Zehn Triebwagen<br />
vom Typ NRV1 werden bis Mitte 2013 komplett überholt und zusätzlich mit neuen Niederflurmittelmodulen<br />
versehen, wodurch sich auch die Kapazität der Fahrzeuge erhöht. Der Auftrag beinhaltet zwei weitere Optionen<br />
zu jeweils fünf Fahrzeugen, die dann bis Ende 2014 zu liefern wären.<br />
B. SCHULZ<br />
stoppt. Nachdem zwei Stadträte wegen<br />
gestiegener Kosten jede weitere<br />
Unterstützung für das Projekt verweigerten,<br />
traten die übrigen drei Stadt -<br />
räte aus Protest zurück. Mit großer<br />
Verärgerung reagierte die Provinzregierung<br />
auf diese Vorgänge im Leitungsgremium<br />
der Gemeinde. Sie wies<br />
darauf hin, dass ein derartiges Verhalten<br />
einen massiven Verlust an Glaubwürdigkeit<br />
bedeute und das Projekt,<br />
das in einem zweiten Schritt ins Umland<br />
erweitert werden sollte, ernsthaft<br />
infrage stelle. Die bereits weitgediehene<br />
Ausschreibung wurde noch im<br />
Dezember 2012 gestoppt. Zwei Anbieter<br />
müssen nun finanziell entschädigt<br />
werden.<br />
Ob es einen neuen Versuch geben<br />
wird, das Projekt durchzuführen, ist<br />
derzeit offen. Neben der Tatsache, dass<br />
inhaltliche Uneinigkeit bei der Stadt<br />
herrscht, dürfte eine „Neuauflage“<br />
schon deshalb erhebliche Probleme<br />
bereiten, weil aus rechtlichen Gründen<br />
kein erneuter Start eines einmal gestoppten<br />
Verfahrens auf denselben<br />
Grundlagen möglich ist.<br />
AMF<br />
Frankreich: Amiens/Caen<br />
Neue Straßenbahnen<br />
geplant<br />
Amiens, Hauptstadt der Picardie<br />
und 142 km nördlich <strong>von</strong> Paris gelegen,<br />
soll bis zum Jahr 2018/19 ein<br />
Straßenbahnsystem bekommen. Das<br />
beschlossen die Gremien der 135.000<br />
Einwohner-Stadt (180.000 Einwohner<br />
im Großraum) am 18.Dezember. Zuvor<br />
wurde über Buslinien auf abgetrennten<br />
Fahrspuren nachgedacht. Rückenwind<br />
erhielt das Straßenbahnprojekt<br />
nach der Kommunalwahl 2011, die eine<br />
neue Equipe ins Rathaus <strong>von</strong><br />
Amiens brachte. Die rund elf km lange<br />
Tramlinie soll mit rund 23 Haltestellen<br />
Zitadelle, Stadtzentrum, Bahnhof, Klinikum,<br />
zwei Hochschulstandorte und<br />
natürlich zahlreiche Wohnviertel erschließen.<br />
40 Prozent der Einwohner<br />
und Arbeitsplätze <strong>von</strong> Amiens liegen<br />
im Einzugsbereich der 200 Mio. Euro<br />
teuren Bahn, was auf eine gute Auslastung<br />
hoffen lässt.<br />
Für eine gemeinsame Bestellung<br />
des rollenden Materials zusammen mit<br />
Amiens interessiert sich die Stadt Caen<br />
in der Normandie, wo ebenfalls im Dezember<br />
2012 ein Beschluss pro Tram<br />
gefasst wurde. Die 2002 eingerichtete<br />
„Busbahn“ (TVR <strong>von</strong> Bombardier) soll<br />
nicht nur, wie bereits berichtet, durch<br />
eine „echte“ Straßenbahn ersetzt, sondern<br />
zudem durch eine zusätzliche<br />
Tramlinie ergänzt werden. VLC<br />
Prag: Von den 250 bestellten Niederflur-Tw des Fahrzeugtyps 15 T „ForCity“ waren bis Ende 2012 61 eingetroffen.<br />
2013 liefert Škoda Transportation weitere 32 dreiteilige Einrichtungsfahrzeuge. Tw 9256, hier an der Haltestelle<br />
Vodli kova, gehört mit dem Lieferjahr 2012 zu den jüngeren Vertretern dieses Typs. Auch sind in den<br />
nächsten Jahren etliche Netzerweiterungen in Planung. Dieses Jahr soll mit dem Bau der Linienverlängerungen<br />
Divoká Šárka – D dinská (2,1 km) und Barrandov – Holyn – Slivenec (1,5 km) begonnen werden. R. SCHREMPF<br />
Frankreich: Lyon<br />
Längeres Netz,<br />
längere Trams<br />
Mit der Eröffnung der fünften Tramlinie<br />
T5 zwischen der Metro-Station<br />
Grange-Blanche und dem Ausstellungspark<br />
Eurexpo am 17. November<br />
2012 ist das Straßenbahnnetz <strong>von</strong><br />
Lyon auf 60 km angewachsen und nun<br />
vor Straßburg das größte in Frankreich.<br />
Die neue Strecke zweigt in Les Alizés<br />
<strong>von</strong> der T2 ab und umfasst vier neue<br />
Haltestellen. Die eigentliche Endstelle<br />
Eurexpo wird nur zu besonderen<br />
Anlässen bedient. Ansonsten enden<br />
die Trams am Parc du Chêne. Bis 2014<br />
soll die Linie T5 um weitere 1,7 km<br />
nach Chassieu-René-Cassin verlängert<br />
werden.<br />
Seit Dezember 2012 kommen auf<br />
der T3 neue 43 m lange Citadis, <strong>von</strong><br />
denen zwölf Einheiten bei Alstom geordert<br />
sind, zum Einsatz. Die bisher<br />
eingesetzten Citadis sind mit 32 m<br />
deutlich kürzer. Nach der vollständigen<br />
Auslieferung wird Lyon über 85 Citadis<br />
und damit über die drittgrößte<br />
Flotte in Frankreich verfügen. VLC<br />
Österreich: Wien<br />
Solowagen außer -<br />
planmäßig im Einsatz<br />
In der ersten Schulwoche nach den<br />
Weihnachtsferien kam es in Wien zum<br />
akuten <strong>Wagen</strong>mangel, weswegen auf<br />
der Linie 52 wieder einmal ein Solo-E1<br />
eingesetzt werden musste. Hintergrund<br />
dafür ist, dass die neuen ULF-Tw<br />
<strong>von</strong> der Behörde nach wie vor nicht<br />
abgenommen sind, parallel aber laufend<br />
E1-Tw ausgemustert und nach<br />
Polen verkauft werden. Ein Gesamtschadwagenstand<br />
der ULF-Tw <strong>von</strong><br />
zehn Prozent kommt erschwerend hinzu.<br />
Selbst auf der frequenzstärksten Linie<br />
43 konnte am 8. Januar ein Solo-E1<br />
in der Frühspitze beobachtet werden.<br />
14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Caen: Das<br />
bestehende TVR-<br />
System soll durch<br />
eine Tram ersetzt<br />
und um eine<br />
zusätzliche „echte“<br />
Tramlinie ergänzt<br />
werden<br />
Weltweit<br />
B. KUSSMAGK<br />
Am 17. Januar 2013 war es dann<br />
weniger der <strong>Wagen</strong>mangel, als vielmehr<br />
die Witterungsbedingungen,<br />
wes wegen außerplanmäßig Solo-Tw<br />
eingesetzt wurden. Bedingt durch 25<br />
cm Neuschnee entgleiste ausgerechnet<br />
der als Schneepflug im Einsatz befindliche<br />
LH 6462 bei der Weiche Maroltingergasse<br />
(Linie 10)/Erdbrustgasse<br />
(Linie 2). Als Konsequenz wurden<br />
wegen Entgleisungsgefahr am Nachmittag<br />
auf den Linien 60 und 62 nur<br />
Solowagen eingesetzt.<br />
HLU<br />
Frankreich: Nantes<br />
Neue Strecke,<br />
neue Bahnen<br />
Am 15. Dezember erhielt die Straßenbahnlinie<br />
1 mit der Haltestelle Haluchère-Batignolles<br />
einen neuen multimodalen<br />
Umsteigepunkt. Seitdem verzweigt<br />
sich die Linie 1 dort auch nach<br />
Beaujoire und nach Ranzay, wohin eine<br />
800 m lange Neubaustrecke führt.<br />
Auch befinden sich zwölf neue Urbos-<br />
Trams des Herstellers CAF in Auslieferung.<br />
Das neue Modell sollte den Incentro-Zügen<br />
<strong>von</strong> 2000 möglichst ähnlich<br />
sehen. Die Urbos-Züge sind mit 38<br />
m zwei Meter länger als die Incentros<br />
und zeichnen sich gegenüber ihren<br />
24 neue NGT8Kr rollen künftig durch Krakau – auch bei schlechtem Wetter sind sie ein echter Hingucker C. LÜCKER<br />
Polen: Krakau<br />
NGT8Kr ersetzen GT6 ex Nürnberg<br />
Vorgängern zudem durch 1,30 m breite<br />
Doppeltüren, auch an den <strong>Wagen</strong>enden,<br />
aus. Nachdem die Linie 4 als<br />
Hochleistungs-Buslinie realisiert wurde,<br />
soll die Linie 5 wieder als konventionelle<br />
Straßenbahn gebaut werden.<br />
Neben der Anbindung der Insel Ile de<br />
Nantes, auf der städtebauliche Entwicklungen<br />
anstehen, soll die neue Linie<br />
auch der Entlastung der Linien 1 bis<br />
4 dienen. Vor der Inbetriebnahme als<br />
Straßenbahn, 2020 ist anvisiert, soll eine<br />
Buslinie ab Herbst 2013 auf der<br />
künftigen Trasse eingerichtet werden.<br />
Ende 2012 haben sich die letzten ex Nürnberger MAN-<br />
GT6 in Krakau offiziell aus dem Liniendienst verabschiedet.<br />
Seit 1994 sind insgesamt 50 dieser <strong>Wagen</strong> nach<br />
Krakau verkauft worden. Anfang 2013 waren laut Betrieb<br />
nur noch sechs GT6 vorhanden – und zwar die <strong>Wagen</strong><br />
184, 187, 188, 189, 196 und der mittlerweile äußerlich<br />
recht desolate Stadtrundfahrtwagen. Ein Fahrzeug soll als<br />
Museumswagen erhalten bleiben. Die restlichen <strong>Wagen</strong><br />
sind teilweise schon ausgeschlachtet und sollen zügig<br />
verschrottet werden. Abgelöst wurden die Nürnberger<br />
<strong>von</strong> den neuen dreiteiligen Bombardier-Achtachsern<br />
NGT8Kr. Die Neulinge werden seit Oktober 2012 ausgeliert.<br />
Insgesamt werden 24 Exemplare in Krakau eintreffen.<br />
Die 33 m langen <strong>Wagen</strong> mit den Nummern 2051-<br />
2074 unterscheiden sich <strong>von</strong> ihren sechsachsigen Vorgängern<br />
vor allem durch ein neues Design und eine Klimaanlage.<br />
Bislang werden sie vorrangig auf den Linien 3 und<br />
14 eingesetzt.<br />
Neues Design für ex Düsseldorfer GT8S<br />
Ein neues Design könnten langfristig auch die ex Düsseldorfer<br />
GT8S bekommen: <strong>Wagen</strong> 3060 hat als Prototyp eine<br />
neue Front erhalten. Wenn der Umbau sich bewährt,<br />
könnten auch die anderen GT8S entsprechend moder nisiert<br />
werden und anstelle des hochflurigen ein Niederflurmittelteil<br />
bekommen.<br />
CLÜ<br />
Im Frühjahr 2013 soll auch die 64<br />
km lange und seit 1980 stillgelegte Eisenbahnstrecke<br />
nach Châteaubriant<br />
als Tram-Train wiedereröffnet werden.<br />
Die Alstom Dualis Züge sind seit 2011<br />
bereits auf der Strecke Nantes – Clisson<br />
im Einsatz.<br />
VLC<br />
Wien: 25 cm Neuschnee und Entgleisungsgefahr führten am 17. Januar<br />
zum Einsatz <strong>von</strong> Solo-E2 auf den Linien 60 und 62<br />
H. LUTTENBERGER<br />
Lyon: Die neuen 43-Meter-Citadis greifen die Formensprache ihrer Vorgänger<br />
auf, womit der Fahrzeugpark sehr einheitlich wirkt SYTRAL S. EROME<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
15
Betriebe<br />
Mit der Straßenbahn<br />
in den Hauptbahnhof<br />
Das »Chemnitzer Modell« Die bis 1988 komplett auf 1.435 mm umgespurte Chemnitzer Straßenbahn<br />
ist bereits seit 2002 an die Eisenbahnstrecke nach Stollberg angeschlossen. Seit 15. Februar<br />
2013 ist nun auch der Hauptbahnhof direkt in das Netz integriert – und es gibt weitere Pläne!<br />
Für Chemnitzer und häufige Gäste der<br />
Stadt ist es ungewohnt: Im Hauptbahnhof<br />
<strong>von</strong> Sachsens drittgrößter<br />
Stadt steht ein Stadtbahnzug. Nach<br />
der offiziellen Eröffnung am 15. Februar<br />
starten die Linien 2, 6 und 522 seit Montag,<br />
18. Februar, im regulären Betriebsdienst aus<br />
der Bahnsteighalle des Chemnitzer Hauptbahnhof.<br />
Mehr als zehn Jahre nach Eröffnung<br />
der Pilotstrecke ist damit auf dem Weg<br />
zur Stufe 1 des so genannten Chemnitzer<br />
Modells eine weitere Hürde gemeistert. Die<br />
Weichen für dieses Projekt wurden jedoch<br />
bereits in den 1990er-Jahren gestellt:<br />
Im Jahr 1992 stellte die Arbeitsgemeinschaft<br />
Verkehrsverbund Mittelsachsen erste Überlegungen<br />
an, ob es möglich wäre, die Chemnitzer<br />
Straßenbahn mit dem umliegenden Eisenbahnnetz<br />
zu verbinden. Wobei in Sachsen<br />
letztendlich auch nur die Großstadt am Fuße<br />
des Erzgebirges überhaupt dafür in Frage<br />
kommen konnte. Die übrigen sechs sächsischen<br />
Tram-Betriebe weisen <strong>von</strong> 1.435 mm<br />
abweichende Spurweiten auf …<br />
Studie schafft Gewissheit<br />
Nach Gründung der Deutschen Bahn AG<br />
war Anfang 1994 vom sächsischen Wirtschaftsministerium<br />
(SMWA) eine Machbarkeitsstudie<br />
in Auftrag gegeben worden, um<br />
der Frage unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten<br />
wissenschaftlich auf den<br />
Grund zu gehen. Das Ergebnis für ein solches<br />
„Chemnitzer Modell“ fiel positiv aus.<br />
Die Urheber der Studie empfahlen Mitte der<br />
1990er-Jahre zwei Linien:<br />
• eine Neubaulinie <strong>von</strong> Burgstädt und Limbach-Oberfrohna<br />
zum Chemnitzer Hauptbahnhof,<br />
über die bestehenden Stadtbahngleise<br />
entlang der Annaberger Straße<br />
bis Altchemnitz und <strong>von</strong> dort weiter auf<br />
Eisenbahngleisen bis nach Stollberg<br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Chemnitz<br />
Am 7. Dezember 2012 fuhr erstmals eine Variobahn in den Chemnitzer Hbf. Hier können Reisende<br />
künftig sowohl in die Stadtbahnen als auch Regio-Shuttle der City-Bahn und Regionalbahnen<br />
<strong>von</strong> DB Regio steigen. Bei der Pressefahrt am 13. Dezember 2012 gab es am Bahnsteig<br />
aber noch viel zu tun<br />
S. GLEISBERG (BILD UNTEN); M. BERGELT (BILD OBEN)<br />
Im Rahmen einer Pressefahrt kehrt die Variobahn<br />
902 der CVAG am 13. Dezember<br />
2012 aus dem Chemnitzer Hbf zur Straße der<br />
Nationen zurück<br />
S. GLEISBERG<br />
• eine Linie <strong>von</strong> Hohenstein-Ernstthal über<br />
Chemnitz-Siegmar und den Chemnitzer<br />
Hauptbahnhof nach Chemnitz-Hilbersdorf<br />
und auf DB-Gleisen weiter bis nach Flöha<br />
Als Pilotlinie zur Umsetzung dieser Empfehlung<br />
wurde vom Verkehrsverbund<br />
Mittelsachsen (VMS) der Abschnitt vom<br />
Chemnitzer Hauptbahnhof über die Zentralhaltestelle<br />
und Annaberger Straße nach<br />
Stollberg auserkoren, da dafür nur kurze<br />
Neubaustücke notwendig waren.<br />
Die City-Bahn Chemnitz<br />
Nach langen Gesprächen – vor allem mit<br />
dem Geschäftsbereich Nahverkehr der Deutschen<br />
Bahn AG – fand im März 1997 die<br />
Gründung der City-Bahn Chemnitz GmbH<br />
statt. Als Gesellschafter waren dafür ursprünglich<br />
die Chemnitzer Verkehrs-AG<br />
(CVAG, der Betreiber des Bus- und Stadtbahnverkehrs<br />
in Chemnitz) und die DB AG<br />
mit jeweils 40 Prozent sowie die Autobus<br />
Sachsen GmbH mit 20 Prozent Beteiligung<br />
vorgesehen gewesen. Doch die DB AG zog<br />
sich im letzten Augenblick zurück, so dass<br />
die CVAG bei der Gründung der City-Bahn<br />
60 Prozent und die Autobus Sachsen GmbH<br />
40 Prozent der Anteile übernahmen.<br />
Offizielle Aufgabe der City-Bahn ist es, den<br />
Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)<br />
in und um Chemnitz besser zu gestalten. In<br />
dieser Funktion dient sie dem VMS der Umsetzung<br />
des „Chemnitzer Modells“. Als erstes<br />
Etappenziel nahm sich die neue Gesellschaft<br />
der Pilotstrecke Chemnitz Hbf –<br />
Stollberg an. Im Jahr 1998 richtete die City-<br />
Bahn auf dieser als Kursbuchlinie 522<br />
geführten 23 km langen Eisenbahnstrecke einen<br />
Vorläuferbetrieb mit MAN-Dieseltriebwagen<br />
der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft<br />
Die Pilotstrecke<br />
Chemnitz – Stollberg<br />
Streckenlänge<br />
23,1 km, da<strong>von</strong> 6,8 km CVAG<br />
und 16,3 km <strong>von</strong> DB gepachtet<br />
Streckengeschwindigkeit<br />
60 km/h Chemnitz Hbf – Chemnitz-Altchemnitz<br />
(BOStrab)<br />
80 km/h Chemnitz-Altchemnitz – Stollberg<br />
(EBO)<br />
Reisezeit und -geschwindigkeit<br />
Chemnitz Hbf – Stollberg<br />
49 Minuten (28,3 km/h)<br />
Angebote<br />
33 Zugpaare an Werktagen (außer Samstag)<br />
25 Zugpaare an Samstagen<br />
19 Zugpaare an Sonn- und Feiertagen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
17
Betriebe<br />
Daten der City-Bahn-<br />
Variobahnen<br />
Zwischen Altchemnitz und Stollberg nutzen die Variobahnen der City-Bahn Chemnitz seit 2002<br />
die Eisenbahn-Infrastruktur <strong>von</strong> DB Netz. Auf dieser Pilotstrecke zum „Chemnitzer Modell“<br />
kommt es häufig zu Begegnungen mit Sonderzügen<br />
M. BERGELT<br />
Hersteller: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adtranz<br />
Typ: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . NGT6-LDZ<br />
Baujahre:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2001/02<br />
Betriebsnummern: . . . . . . . . . . . . . . 411 bis 416<br />
Netzspannung: . . . . . . . . . . . . wahlweise 600 V<br />
oder 750 V Gleichstrom<br />
Ausführung: . . . . . . . . . Zweirichtungsfahrzeuge<br />
Fahrmotorleistung: . . . . . . . . . . . . . . . 8 x 45 kW<br />
Höchstgeschwindigkeit:. . . . . . . . . . . . . 80 km/h<br />
kleinster befahrbarer Radius: . . . . . . 20.000 mm<br />
Länge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31.380 mm<br />
Breite:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.650 mm<br />
Höhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.350 mm<br />
Einstiegshöhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 300 mm<br />
Leergewicht mit Vorräten: . . . . . . . . . 37.800 kg<br />
Maximale Nutzlast: . . . . . . . . . . . . . . 21.200 kg<br />
Fahrgastsitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73<br />
da<strong>von</strong> Klappsitze: 5<br />
Stehplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124<br />
Ist auf der oberen Aufnahme vom 12. Januar 2013 neben einer Variobahn gerade ein <strong>von</strong> 112 708<br />
geführter Sonderzug in den Bahnhof Stollberg eingefahren, so begegnet der Triebwagen 412<br />
am 14. September 2012 in Klaffenbach einem Dampfsonderzug<br />
M. BERGELT<br />
In Altchemnitz befindet sich die Übergangsstelle<br />
zwischen Eisenbahn- und Stadtbahn-Infrastruktur.<br />
Vom ESTW in Stollberg gesteuert,<br />
gibt ein Lichtsignal die Fahrt auf die EBO-Anlagen<br />
frei. Bei einem solchen Wechsel erhöht<br />
sich zugleich die Fahrspannung <strong>von</strong> 600 auf<br />
750 V Gleichstrom C. WETTEBORN (2)<br />
(KEG) ein, welche auch ab 28. Mai 1998<br />
mehr als drei Jahre den Betrieb abwickelte.<br />
Der Nutzen dieser ersten Aktion war noch<br />
vergleichsweise gering, denn die Eisenbahnstrecke<br />
verläuft vom Chemnitzer Hauptbahnhof<br />
aus abseits der Innenstadt. Entweder<br />
mussten Reisende zum Hauptbahnhof<br />
laufen bzw. fahren oder aber in Altchemnitz,<br />
einem Stadtteil im Süden der sächsischen<br />
Metropole, umsteigen.<br />
Da die Stadtbahn- und Eisenbahngleise in<br />
Altchemnitz ca. 80 m <strong>von</strong>einander entfernt<br />
verlaufen, war hier ein optimaler Verknüpfungspunkt<br />
gegeben. So ließ die City-Bahn<br />
dort bis Ende 2002 einerseits zwischen beiden<br />
Anlagen eine Gleisverbindung herstellen<br />
und andererseits die Eisenbahnstrecke nach<br />
Stollberg elektrifizieren. Seit 15. Dezember<br />
2002 fahren nun Stadtbahnwagen aus der<br />
Chemnitzer Innenstadt bis nach Stollberg.<br />
Zwischen 2001 und 2004 hat die City-<br />
Bahn im Auftrag des VMS außerdem den<br />
ÖPNV auf mehreren Eisenbahnstrecken der<br />
Region übernommen – siehe Kasten.<br />
Pilotprojekt für das<br />
»Chemnitzer Modell«<br />
Neben der Wendeschleife der Stadtbahn in<br />
Altchemnitz zweigt seit 2002 ein Verbindungsgleis<br />
zur Eisenbahnstrecke Chemnitz –<br />
Stollberg ab. Auf dieser signalgeregelten Zufahrt<br />
zum Netz der DB AG befindet sich eine<br />
Übergabestelle, an welcher sich der über die<br />
Fahrleitung gelieferte Strom für die Stadtbahnfahrzeuge<br />
<strong>von</strong> 600 V (CVAG-Spannung)<br />
auf 750 V Gleichstrom erhöht. Die<br />
nicht im Eigentum der CVAG, sondern der<br />
City-Bahn befindlichen Variobahnen aus dem<br />
Hause Adtranz vom Typ NGT6-LDZ rollen<br />
in diesem Bereich unter einem kurzen Trenn-<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Chemnitz<br />
stück ohne Spannung entlang, bevor sie die<br />
Fahrt mit neuer Einspeisung fortsetzen.<br />
Sind die NGT6 der CVAG ausschließlich<br />
nach Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung<br />
(BOStrab) ausgeführt und zugelassen<br />
(wodurch sie nicht nach Stollberg fahren<br />
dürfen), so sind die sechs Schwesterfahrzeuge<br />
der City-Bahn mit allen eisenbahnrelevanten<br />
Sicherheitsapparaturen (Signalhorn,<br />
Dreipunkt-Spitzenbeleuchtung, Geräte zur<br />
punktförmigen Zugbeeinflussung etc.) ausgerüstet.<br />
Auf dieser Basis verfügen sie über<br />
eine Zulassung sowohl nach BOStrab als<br />
auch nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung<br />
(EBO). Gewartet und unterhalten<br />
werden die Variobahnen der City-Bahn gemeinsam<br />
mit den CVAG-<strong>Wagen</strong> im Chemnitzer<br />
Betriebshof Adelsberg.<br />
Seit Dezember 2002 fahren wochentags<br />
täglich vier sowie an Feiertagen und am Wochenende<br />
ab Samstagnachmittag zwei der<br />
sechs Niederflurwagen der City-Bahn auf der<br />
KBS 522 im Halb- bzw. Stundentakt nach<br />
Stollberg. Einwohner <strong>von</strong> Stollberg und Umgebung<br />
kommen so umsteigefrei in die<br />
Chemnitzer Innenstadt. Dabei bedienen sie<br />
seit 2002 vier neue Stationen: im Chemnitzer<br />
Stadtgebiet die Haltepunkte Riemenschneiderstraße<br />
und Klaffenbach, in Stollberg<br />
den Haltepunkt Schlachthofstraße<br />
sowie nachträglich seit 2006 den Haltepunkt<br />
Chemnitz Friedrichstraße. Alle Stationen<br />
entstanden nach modernen Gesichtspunkten.<br />
Dazu zählen eine Bahnsteighöhe <strong>von</strong><br />
20 cm zum niveaugleichen Ein- und Ausstieg,<br />
Fahrgastunterstände mit Informationsanlagen,<br />
dynamische Fahrgastinformation,<br />
Parkmöglichkeiten für Fahrräder und<br />
Pkw sowie verbesserte Umsteigebeziehungen<br />
zu den regionalen Buslinien.<br />
Visualisiert die obere Grafik die einzelnen<br />
Stufen des „Chemnitzer Modells“, so zeigt die<br />
kleinere Grafik die Situation am Chemnitzer<br />
Hauptbahnhof S. PASCHINSKY (2)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
19
Betriebe<br />
Die KBS 522 nach Stollberg – hier am<br />
12. Januar 2013 mit Tw 414 – gilt für<br />
das „Chemnitzer Modell“ als Pilotstrecke.<br />
Manchmal wird deshalb<br />
auch <strong>von</strong> „Stufe 0“ gesprochen<br />
M. BERGELT<br />
Von City-Bahn betriebene Eisenbahnen<br />
KBS-Nr. Strecke Länge Betriebsaufnahme<br />
516 Chemnitz – Hainichen 25,9 km 11.12.2004<br />
522 Chemnitz – Stollberg 23,1 km 28.05.1998 KEG<br />
14.12.2002* City-Bahn<br />
523 Stollberg – Glauchau 26,7 km 15.02.2003<br />
525 Chemnitz – Burgstädt 14,5 km 10.07.2002<br />
* seit 2002 mit Stadtbahnnetz verknüpft und <strong>von</strong> Variotrams befahren;<br />
der Betrieb wird auf den übrigen Linien wird mit Dieseltriebwagen vom<br />
Stadtler-Typ „Regio-Shuttle“ und eigenem Personal erbracht<br />
• zusätzlich ist die City-Bahn für die Schnellbuslinie 526 Chemnitz –<br />
Limbach-Oberfrohna verantwortlich<br />
Ende 2011 zeigte auf der Straße der Nationen<br />
in Höhe der Zillestraße das Ende der Tramgleise<br />
noch auf ein Gebäude. Am 19. Oktober<br />
war da<strong>von</strong> nichts mehr zu sehen C. WETTEBORN (2)<br />
Die Fahrgastzahl hat sich im Vergleich zur<br />
Zeit vor 2002 auf das Fünf- bis Sechsfache<br />
gesteigert. Waren um die Jahrtausendwende<br />
täglich etwa 1.000 „Beförderungsfälle“ in<br />
Richtung Stollberg gezählt worden, so sind<br />
es in den vergangenen Jahren stets 5.000 bis<br />
6.000 pro Tag gewesen.<br />
Die Eisenbahnstrecke nach Stollberg selbst<br />
wurde bei ihrer Elektrifizierung mit einem<br />
ESTW-Stellwerk (in Stollberg), einer automatischen<br />
Gleisfreimeldeanlage und einer<br />
punktuellen Zugbeeinflussung ausgestattet.<br />
Güterverkehr ist auf der Eisenbahnlinie weiterhin<br />
möglich.<br />
Die Tram kommt in den Hbf<br />
Verkehren auf der Pilotstrecke des „Chemnitzer<br />
Modells“ die Stadtbahnen seit 2002<br />
bis Stollberg („Stufe 0“), so ist die Einbindung<br />
der Stadtbahngleise in den Chemnitzer<br />
Hauptbahnhof lange Zeit offen geblieben.<br />
In den vergangenen vier Jahren haben VMS,<br />
Stadtverwaltung Chemnitz, DB AG, CVAG<br />
und City-Bahn jedoch – fast wortwörtlich –<br />
gemeinsam dafür die Weichen gestellt, dass<br />
nun seit Februar 2013 die Variobahnen direkt<br />
in den Hbf fahren können.<br />
Damit besteht nun innerhalb des Bahnhofes<br />
eine direkte Umsteigemöglichkeit zwischen<br />
Stadtbahn und Eisenbahn. Die Trams<br />
halten jetzt nicht mehr vor dem Hbf, sondern<br />
direkt in der überdachten Bahnsteighalle.<br />
Vom Hauptbahnhof fahren die Stadtbahnen<br />
der Linie 522 nach Stollberg auf der Strecke<br />
der Linie 6 auf ca. 6,8 km Länge über<br />
die Straße der Nationen, die Zentralhaltestelle<br />
(dem Treffpunkt aller Stadtbahn- und<br />
vieler Buslinien im Stadtzentrum), die Annaberger<br />
Straße bis zur Gleisschleife in Altchemnitz<br />
klassisch auf den Stadtbahngleise.<br />
Danach beginnt die 16,3 km lange Eisenbahnstrecke<br />
nach Stollberg.<br />
Der Umbau des Hauptbahnhofes<br />
Im Rahmen der Umgestaltung des Chemnitzer<br />
Hauptbahnhofes für die geänderten<br />
Bedürfnisse der DB AG begannen im Jahre<br />
2009 auch die Vorbereitungen zur Einführung<br />
der Stadtbahngleise in den Hbf. Dies<br />
stellt eine erste Etappe für die Stufe 1 des<br />
„Chemnitzer Modells“ dar.<br />
Zunächst legte die CVAG dazu den eingleisigen<br />
Straßenbahnabschnitt durch die<br />
Georgstraße neben dem Hbf still. Die Lini-<br />
20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Chemnitz<br />
en 2, 6 und 522 endeten nunmehr auf dem<br />
Bahnhofsvorplatz an einem Stumpfgleis. Dadurch<br />
war die Bedienung des Bahnhofes<br />
lediglich noch mit Zweirichtungsfahrzeugen<br />
der CVAG und City-Bahn möglich.<br />
Parallel ließ die CVAG auf der Straße der<br />
Nationen das Doppelgleis <strong>von</strong> der Einmündung<br />
Georgstraße in Richtung Abzweig<br />
Hauptbahnhof verlängern, der sich in Höhe<br />
Zillestraße befindet. Nach dieser Baumaßnahme<br />
endeten die Gleise ab 2011 vor einem<br />
zum Abbruch vorgesehenen Gebäude an der<br />
Straße der Nationen.<br />
Ein Haus muss weg!<br />
Die DB AG ließ ihrerseits die Verkleidung<br />
der Bahnhofshalle im Stirn- und Seitenbereich,<br />
aber auch die Bahnsteiggleise 1 bis 4<br />
entfernen, um so den westlichen Bahnsteigbereich<br />
auf die Einfädelung <strong>von</strong> Stadtbahngleisen<br />
vorzubereiten.<br />
Um <strong>von</strong> der Straße der Nationen bis auf<br />
die Höhe des Gleisfeldes der Eisenbahn zu<br />
kommen, war nach dem Abriss des Gebäudes<br />
(im Winter 2011/12) die Schüttung eines<br />
Dammes erforderlich. Über diesen führen die<br />
Tramgleise seit Herbst 2012 im großen Bogen<br />
<strong>von</strong> hinten aus Richtung Norden in den<br />
Hauptbahnhof hinein. Die feierliche Erstbefahrung<br />
dieses Abschnittes fand am 7. Dezember<br />
2012 mit Tw 902 statt. Zu diesem<br />
Zeitpunkt war der Bau neuer, für die Variobahnen<br />
geeigneter Bahnsteige noch im vollen<br />
Gange.<br />
Inzwischen sind beide Bahnsteige für die<br />
vier Stadtbahngleise fertiggestellt, wenngleich<br />
seit Mitte Februar da<strong>von</strong> zunächst nur Gleis<br />
1 und 2 für das „Chemnitzer Modell“ benötigt<br />
werden. Die Gleise 3 und 4 werden erst<br />
ihrer Nutzung zugeführt, wenn die nächsten<br />
Etappen der Stufe 1 umgesetzt werden.<br />
Ab dem dritten Bahnsteig (Gleis 5 und 6)<br />
besteht die Möglichkeit zum Umstieg in die<br />
Regionalzüge der DB (oder anderer Anbieter).<br />
Die Gleise 5 bis 14 liegen aber ca. 2 m<br />
höher!<br />
Die Ausfahrt auf den<br />
Bahnhofsvorplatz<br />
Im Rahmen der 1. Stufe bisher noch nicht<br />
ausgeführt ist die direkte Ausfahrt vom<br />
Stadtbahn-Bahnsteig in Richtung Stadtmitte/Süden.<br />
Diese Arbeiten können erst jetzt<br />
beginnen, nachdem die bisherige Endhaltestelle<br />
auf dem Bahnhofsvorplatz nicht mehr<br />
bedient werden muss. Mit einem Baustart<br />
wird im Frühjahr gerechnet. Die Fertigstellung<br />
ist für Ende 2013 geplant. Dann können<br />
Stadtbahnzüge aus beiden Richtungen<br />
in den Hbf einfahren. Dadurch entfällt das<br />
Kopfmachen, wodurch dann auch Einrich-<br />
So kennen die älteren Chemnitzer ihre Straßenbahn. 1988 rangiert hier der schmalspurige<br />
Tw 332 mit einem Beiwagen vor dem Depot in Altendorf<br />
J. OTTO, SLG. J. FRIEDRICH<br />
Geschichte der Chemnitzer Straßenbahn<br />
Die Chemnitzer Straßenbahn besaß ursprünglich<br />
eine abnorme Spurweite. Vor dem Bau der Pferdebahn<br />
1879/80 hatte der englische Betreiber eine<br />
Spurweite <strong>von</strong> drei englischen Fuß festgelegt, was<br />
915 mm entsprach. Auch bei der Einführung des<br />
elektrischen Betriebes (1893) wurde diese Spurweite<br />
zunächst beibehalten. Nach wenigen Betriebsjahren<br />
erkannte man jedoch die Nachteile<br />
dieser vergleichsweise geringen Spurweite und<br />
drängte auf eine Verbreiterung. Aber man kam bis<br />
zum Ersten Weltkrieg nur bis auf 925 mm, eine<br />
weitere Verbreiterung war zunächst nicht möglich.<br />
So verkehrte ein Teil der Straßenbahn <strong>von</strong> Chemnitz<br />
bis zum Jahre 1988 in dieser Spurweite, bei<br />
der es sich um die schmalste einer Straßenbahn in<br />
ganz Deutschland handelte.<br />
Fahrzeugmangel führt zu Umspurung<br />
Da der Bau neuer Fahrzeuge für diese Spurweite<br />
unter DDR-Bedingungen nicht möglich war (es wurden<br />
lediglich neue Beiwagen beschafft) trat in den<br />
1950er-Jahren ein großer Mangel an einsatzfähigem<br />
Rollmaterial auf. Die „jüngsten“ Triebwagen<br />
stammten aus den Jahren vor 1930, so auch die<br />
Untergestelle und elektrische Ausrüstung der acht<br />
1950 in Gotha entstandenen „Aufbauwagen“.<br />
In dieser Misere fasste der Stadtrat <strong>von</strong> Chemnitz<br />
– seit 1953 Karl-Marx-Stadt genannt – in den<br />
1950er-Jahren den Beschluss, die Straßenbahn auf<br />
1.435 mm umzuspuren. 1958 begannen die Bauarbeiten<br />
auf der Annaberger Straße (Linie 5), 1960<br />
fuhren die ersten Normalspurfahrzeuge auf diesem<br />
Streckenabschnitt. Die Gleise wurden dabei<br />
auf einem eigenen Planum verlegt, womit zugleich<br />
der Wandel <strong>von</strong> der Straßen- zur Stadtbahn eingeläutet<br />
worden ist.<br />
Danach wuchs das (neue) Chemnitzer Straßenbahnnetz<br />
– bzw. eben jetzt korrekter Stadtbahnnetz<br />
– langsam, aber stetig an. 1988 endete auf<br />
der letzten 925-mm-Straßenbahnstrecke der Betrieb,<br />
seitdem wird der öffentliche Planbetrieb in<br />
Chemnitz ausschließlich auf regelspurigen Tramgleisen<br />
erbracht – mehrheitlich in Stadtbahnform.<br />
Damit war die Grundlage für das hier vorgestellte<br />
„Chemnitzer Modell“ geschaffen.<br />
J. FRIEDRICH/AM<br />
In Chemnitz-Harthau überquert die KBS 522<br />
(hier im April 2008) die Würschnitz, einen der<br />
beiden Quellflüsse der Chemnitz M. BERGELT<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
21
Betriebe<br />
Die aktuelle „Chemnitzer-Modell-Beklebung“ der CBC-Variobahnen 413 und 414<br />
(oben) und der CVAG-Variobahnen 905 und 910 (unten) FORTUNA-WERBEAGENTUR.DE<br />
Sonderbeklebungen der Variobahnen<br />
im ersten Halbjahr 2013<br />
Seit Januar 2013 sind je zwei Zweirichtungs-Variobahnen der CVAG und der City-Bahn Chemnitz (CBC)<br />
mit Hinweisen auf die Einweihung der Stadtbahnstrecke in den Chemnitzer Hauptbahnhof beklebt. Der<br />
angebrachte Schriftzug lautet: „Neuigkeiten vom Chemnitzer Modell +++ Einfahrt der Stadtbahn in den<br />
Hauptbahnhof Chemnitz +++ Wir sind drin – ab Februar 2013“.<br />
»Schnupperfahrten Hauptbahnhof«<br />
Am Wochenende 16. und 17. Februar 2013 fanden jeweils <strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr im Viertelstundentakt<br />
Pendelfahrten zum „Nulltarif“ zwischen der Zentralhaltestelle und dem Hbf statt. Geplant war der Einsatz<br />
<strong>von</strong> zwei Variobahnen, dem Gotha-Triebwagen 802 sowie dem Tatra-T3D-M-Zug 509/519. Die historischen<br />
<strong>Wagen</strong> verkehren <strong>von</strong> der Zentralhaltestelle weiter zum Straßenbahnmuseum im Stadtteil Kappel.<br />
Seit Montag, dem 18. Februar, führen die Linien 2, 6 und 522 regulär durch den Hauptbahnhof.<br />
tungsfahrzeuge der CVAG durch den Hbf<br />
geleitet werden können.<br />
Die <strong>von</strong> den beiden Stadtbahn-Bahnsteigen<br />
im Hbf direkt auf den Bahnhofsvorplatz<br />
führenden zwei Gleise sind gleichzeitig die<br />
Voraussetzung für die Vollendung der 1. Stufe<br />
des „Chemnitzer Modells“.<br />
Die Stufe 1 des<br />
»Chemnitzer Modells«<br />
Nach dem Ende der geplanten Gleisbauarbeiten<br />
im und vor dem Chemnitzer Hbf ist<br />
die Möglichkeit gegeben, mit speziellen Hybridfahrzeugen<br />
aus den Richtungen Burgstädt,<br />
Hainichen und Mittweida direkt ins<br />
Chemnitzer Zentrum zu fahren.<br />
Hierzu hat der VMS bei Vossloh eine Bestellung<br />
<strong>von</strong> acht neuen Stadtbahnwagen<br />
ausgelöst, die auf den CVAG-Gleisen elektrisch<br />
und auf den (teils nicht elektrifizierten)<br />
Gleisen der DB AG mit Dieselantrieb<br />
fahren können. Der Auftragswert dieser<br />
„Train-Trams“ beläuft sich auf 42 Mio. Euro<br />
(siehe auch <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
10/2012, S. 13). Der Geldbetrag für den<br />
Fahrzeugkauf wird großteils <strong>von</strong> der Sächsischen<br />
Staatsregierung bereitgestellt, andere<br />
Teile übernimmt der VMS.<br />
Damit wäre Chemnitz ab 2014 die nächste<br />
Stadt, die nach Karlsruhe, Kassel, Saarbrücken<br />
und Nordhausen dann Stadt-/Stra-<br />
Das Chemnitzer Modell verbindet ländliche Idylle<br />
mit großstädtischem Flair. Das zeigt auch diese<br />
Aufnahme <strong>von</strong> einer der sechs Variobahnen<br />
der City-Bahn Chemnitz GmbH. Auf der KBS 522<br />
ist die Stadttram am 6. Mai 2008 bei Klaffenbach<br />
auf dem Weg nach Stollberg M. BERGELT<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Chemnitz<br />
ßen bahnen und Regionalbahnen im größeren<br />
Umfang verbinden würde.<br />
In Vorbereitung dieser Stufe wurde im Jahr<br />
2006 <strong>von</strong> der Regionalbahn Kassel GmbH<br />
ein Zweisystemfahrzeug mit Elektro- und<br />
Dieselantrieb ausgeliehen. Die Testfahrten<br />
auf den Strecken im Chemnitzer Umfeld verliefen<br />
zufriedenstellend.<br />
Weitere Bauvorhaben<br />
Bestandteil der 2. Stufe des „Chemnitzer Modell“<br />
ist der Ausbau der Verbindung Chemnitz<br />
– Thalheim. Dabei soll einerseits die <strong>von</strong><br />
der Chemnitzer Innenstadt nach Süden verlaufende<br />
Stadtbahntrasse ertüchtigt werden,<br />
andererseits eine neue Verbindung zum Netz<br />
der DB AG geschaffen werden, um auf der<br />
so genannten Zwönitztalbahn bis Thalheim<br />
diese Infrastruktur nutzen zu können. Der<br />
neue Einbindepunkt ins DB-Netz ist südlich<br />
des Bahnhofes Chemnitz Süd geplant.<br />
Die Linienführung der geplanten etwa<br />
2,5 km langen neuen Stadtbahnstrecke ist<br />
bereits festgelegt. Sie erfolgt ab Bernsdorfer<br />
Straße über Turnstraße, Reichenhainer Straße<br />
bis zum Hörsaalzentrum und dem „Technopark<br />
Süd“. Die neue Trasse wird bis zu<br />
einem noch zu definierenden Punkt Straßenbahninfrastruktur<br />
nach BOStrab werden<br />
und ab dem Übergabepunkt auf bundeseigener<br />
Eisenbahninfrastruktur verlaufen.<br />
Um an dieser provisorischen Endstelle am Hauptbahnhof stumpf wenden zu können, kamen auf<br />
der Linie 6 Heck an Heck gekuppelte T3D-M-Traktionen zum Einsatz. Im Hintergund laufen die<br />
Bauarbeiten zur Einführung der Tramgleise in die Bahnhofshalle (6. Februar 2012) B. RASOV<br />
Der Neubau wird als Stadtbahnstrecke auf<br />
straßenbündigen Bahnkörper ausgeführt, die<br />
Planungen sehen ein Rasengleis mit vier Haltestellen<br />
und einer Wendeschleife vor.<br />
Im Rahmen weiterer Stufen ist außerdem<br />
die Einbindung <strong>von</strong> Olbernhau und Annaberg-Buchholz<br />
im Erzgebirge (Stufe 3), <strong>von</strong><br />
Limbach-Oberfrohna im nordwestlichen Vorfeld<br />
<strong>von</strong> Chemnitz (Stufe 4) sowie <strong>von</strong> Oelsnitz<br />
bei Stollberg (Stufe 5) in das „Chem nitzer<br />
Modell“ im Gespräch. Das STRASSEN-<br />
BAHN <strong>MAGAZIN</strong> wird in Zukunft regelmäßig<br />
über die Fortschritte aus Chemnitz berichten.<br />
JÜRGEN FRIEDRICH/ANDRÉ MARKS<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
23
Betriebe<br />
Oldie-Revival an der Isar<br />
Zwei „Isar-Klassiker“ am Karolinenplatz: P-Tw 2006 fuhr in den letzten Jahren im Advent als „Christkindl-Tram“<br />
durch München. Weil er nun wieder für den Liniendienst gebraucht wird, hat diese vorweihnachtliche<br />
Aufgabe im Advent 2012 der M-Tw mit der passenden Nummer 2412 übernommen<br />
München: Aufgearbeitete P-/p-Züge im Liniendienst Fahrplanverdichtungen trotz nicht<br />
verlässlich einsetzbarer Variobahnen – das bescherte fünf Kurzgelenkzügen eine neue Hauptuntersuchung.<br />
Die »Dicken« aus den 1960er-Jahren kommen auf den Linien 17 und 27 zum Einsatz<br />
Mit Fristablauf des letzten P-Triebwagens<br />
2021 sollte der Einsatz<br />
<strong>von</strong> Hochflurwagen im Liniendienst<br />
in München Ende 2012 eigentlich<br />
endgültig enden. Weil die insgesamt<br />
14 Variobahnen (Typ S 1.4 und S 1.5) aber<br />
nach wie vor weder vollständig noch zuverlässig<br />
und außerdem nicht flexibel einsetzbar<br />
waren, entschloss sich die Münchner<br />
Verkehrsgesellschaft (MVG) im Sommer<br />
2012 überraschend noch einmal zu einer Investition<br />
in ihre letzten verbliebenen Altwagen.<br />
Ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag<br />
wurde in die Hand genommen, um<br />
künftig auf insgesamt fünf kapazitätsstarke<br />
Kurzgelenkzüge aus P-Trieb- und p-Beiwagen<br />
für den Einsatz im Liniendienst zurückgreifen<br />
zu können.<br />
Die Maßnahme stand auch in Zusammenhang<br />
mit schon länger geplanten Fahrplanverdichtungen,<br />
<strong>von</strong> denen nun zumin-<br />
dest ein Teil zum 9. Dezember 2012 realisiert<br />
wurde (siehe <strong>STRASSENBAHN</strong> MA-<br />
GAZIN 12/2012). Seitdem sind in Spitzenzeiten<br />
an Vorlesungstagen der Hochschule<br />
maximal 90 Kurse im Netz unterwegs.<br />
Die Niederflurflotte umfasst im Grundsatz<br />
102 <strong>Wagen</strong> (68 dreiteilige R 2.2, 20 vierteilige<br />
R 3.3 und 14 Variobahnen), wobei die<br />
„Batterie-Variobahn“ 2301 nicht einsatzfähig<br />
zur Verfügung steht und wegen des andauernden<br />
Re-Design-Programms auch immer<br />
einige R 2.2 fehlen.<br />
Die letzten fünf <strong>von</strong> einst 44 „Pi“<br />
Die P-<strong>Wagen</strong> – im Sprachjargon der Münchner<br />
Trambahn übrigens englisch „Pi“ ausgesprochen<br />
– wurden <strong>von</strong> der Münchner Firma<br />
Rathgeber mit einer Lizenz <strong>von</strong> Hansa<br />
Waggonbau erstellt und sind den ehemaligen<br />
Bremer Kurzgelenkwagen daher auch<br />
wie aus dem Gesicht geschnitten. Zwischen<br />
1964 und 1969 wurden insgesamt 44 P-<br />
Trieb und 40 p-Beiwagen für die Münchner<br />
Tram gebaut. Sie wurden wegen ihrer großen<br />
Kapazität immer auf den am stärksten<br />
frequentierten Strecken bzw. auf den tangentialen<br />
Zubringerlinien zur U-Bahn eingesetzt.<br />
Ab Ende der 1990er-Jahre verdrängten<br />
neue Niederflurbahnen (Typ R 3.3)<br />
die Mehrzahl der noch betriebsfähigen P-/p-<br />
Züge. 22 Trieb- und 21 Beiwagen wurden<br />
nach Timisoara abgegeben, einige weitere<br />
„Dicke“ zu Partywagen umgebaut, zu Ersatzteilspendern<br />
degradiert oder verschrottet.<br />
Ganz ohne P-Züge kam der Trambetrieb<br />
an der Isar aber bisher noch nie aus.<br />
Um künftig wieder fünf für den Linienbetrieb<br />
einsatzbereite P-/p-Züge zu haben,<br />
wurden auch Fahrzeuge requiriert, die eigentlich<br />
nur noch für den Partyverkehr ohne<br />
die für den Plandienst notwendigen Ausstattungen<br />
vorgesehen waren (P-Tw 2006<br />
24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
München<br />
P-Tw 2031 erklimmt auf dem Weg zur<br />
Schwanseestraße den Nockherberg.<br />
Auf der Linie 17 sind vier Kurse für<br />
P-<strong>Wagen</strong>-Einsätze vorgesehen, wie<br />
viele „Dicke“ tatsächlich zum Einsatz<br />
kommen, hängt mit der Verfügbarkeit<br />
der Variobahnen zusammen<br />
F. BUCHLEITNER (2)<br />
XXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXXXXXXX<br />
XXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXXXXXXX<br />
Der P-Tw 2006 war zunächst meist solo unterwegs, wie hier am 17. Dezember<br />
2012 auf der Linie 17 am Romanplatz M. KRISCHE (2)<br />
Beim Blick ins Innere wird die Kapazitätsstärke eines P-/p-Zuges spürbar.<br />
Acht Türen gewährleisten zudem einen schnellen Fahrgastwechsel<br />
und 2031, p-Bw 3014 und 3039). Die Aufarbeitungsmaßnahmen<br />
an den einzelnen<br />
Fahrzeugen waren höchst unterschiedlich<br />
und reichten bis hin zu einer Kernsanierung<br />
(neue Böden, neuer Dachaufbau usw.).<br />
Münchens P-/p-Flotte<br />
P-Triebwagen:<br />
2006, 2010, 2021, 2028, 2031<br />
p-Beiwagen:<br />
3004, 3005, 3014, 3037, 3039<br />
Einsätze in Abhängigkeit <strong>von</strong> der<br />
Variobahn-Verfügbarkeit<br />
Für den Einsatz der Kurzgelenkzüge sind seit<br />
Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012<br />
montags bis freitags grundsätzlich vier Kurse<br />
der Linie 17 (Kurse 03, 06, 08, 10) und<br />
ein Kurs der Linie 27 (Kurs 32) vorgesehen.<br />
Wie viele aber tatsächlich im Netz unterwegs<br />
sind, hängt immer unmittelbar mit der Verfügbarkeit<br />
der Niederflurwagen und speziell<br />
der Variobahnen zusammen. So waren in<br />
den ersten Wochen nach Fahrplanwechsel<br />
an mehreren Tagen bis zu vier „Dicke“ im<br />
Dienst; ein P-Tw musste dabei sogar solo ran<br />
weil noch nicht genügend p-Beiwagen fertiggestellt<br />
waren und es gab sogar Samstagseinsätze!<br />
In den Ferien bzw. an vorlesungsfreien<br />
Tagen, wenn z.B. die Linie 22 nicht im<br />
Einsatz ist, kann es aber sein, dass sämtliche<br />
Kurse mit Niederflurwagen ausgestattet werden<br />
können. Im Januar trug auch eine stabil<br />
hohe Verfügbarkeit der Variobahnen, deren<br />
Einsatz auf die Linie 19 konzentriert<br />
wurde, dazu bei, dass der P-<strong>Wagen</strong>-Einsatz<br />
nicht mehr so üppig ausfiel. Für das Frühjahr<br />
rechnet die MVG mit der Zulassung<br />
weiterer Streckenabschnitte und Linien für<br />
die Variobahnen, die bislang außer auf der<br />
Linie 19 nur auf den Linien 20, 21 und 22<br />
eingesetzt werden dürfen.<br />
Die P-/p-Züge sind derzeit dagegen mit<br />
Ausnahme der Strecke der Linie 23 („Parkstadt-Tram“)<br />
und der Ende 2011 eröffneten<br />
Strecke nach St. Emmeram (Linie 16) – für<br />
diese Abschnitte ist der Lichtraumnachweis<br />
noch in Arbeit – für den Einsatz im kompletten<br />
Netz zugelassen. Allerdings gilt nach<br />
wie vor ein eingeschränktes Begegnungsverbot<br />
mit Variobahnen (Vorbeifahrt nur, wenn<br />
eines der beiden Fahrzeuge steht). Beim Einsatz<br />
der „Dicken“ wird darauf geachtet, solche<br />
Situationen zu vermeiden – die Linien 17<br />
und 27 haben kaum bzw. keine Berührungspunkte<br />
mit den bisherigen „Variobahnlinien“<br />
19 und 20/21/22.<br />
Kein langfristiges Einsatzkonzept<br />
Wie der P-<strong>Wagen</strong>-Einsatz nach der Zulassung<br />
der Variobahnen für weitere Linien –<br />
die 17 wird als nächste angestrebt – aussehen<br />
soll, ist derzeit noch offen. Mittelfristig<br />
hat sie die MVG als Betriebsreserve vorgesehen,<br />
um z. B. weitere Verbesserungsmaßnahmen<br />
an Bestandsfahrzeugen durchführen<br />
zu können (Beschleunigung Re-Design<br />
R 2.2, Ausrüstung R 3.3 mit Videoüberwachung<br />
und Infotainment). Zum Fahrplanwechsel<br />
im kommenden Dezember sollen<br />
aber schon sechs neue Avenio-Niederflurbahnen<br />
<strong>von</strong> Siemens für den Liniendienst zur<br />
Verfügung stehen (zwei weitere folgen). Allerdings<br />
sind auch zusätzliche Taktverdichtungen<br />
auf diversen Linien im Laufe des<br />
Jahres 2013 geplant. Zwar können die Kurzgelenkzüge<br />
nicht mit Niederflurkomfort<br />
punkten, dafür macht ihnen in puncto Spurtstärke,<br />
Kurvengängigkeit und Kapazität keiner<br />
der bislang in München fahrenden Niederflurtrams<br />
etwas vor. MICHAEL KRISCHE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
25
Betriebe<br />
Vorbei am<br />
Schokoladenmuseum<br />
...<br />
Unterhalb der Burgruine Giebichenstein<br />
überquert die Kulturlinie 7 auf der<br />
Giebichensteinbrücke die Saale<br />
BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: S. VOCKRODT<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Halle (Saale)<br />
Daten & Fakten: HAVAG<br />
Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG)<br />
Freiimfelder Straße 74 · 06112 Halle<br />
www.havag.com<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm<br />
Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13<br />
Streckenlänge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86,1 km<br />
Fahrzeuge: . . . . . . . . . . . 62 MGT6-D, 30 MGT-K,<br />
21 T4D, 11 B4D<br />
Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2<br />
Halles Kulturlinie 7 im<br />
Porträt Drei Linien verbinden<br />
die große Endstelle Kröllwitz<br />
mit dem Hauptbahnhof<br />
der Saalestadt. Die Linie 7<br />
braucht am längsten für diese<br />
Strecke, doch sie bietet dafür<br />
den schönsten Weg. Seit<br />
2010 vermarktet die HAVAG<br />
ihre »7« als Kulturlinie<br />
Im Nordwesten <strong>von</strong> Halle (Saale) liegt die<br />
Endstation Kröllwitz. Auf den ersten<br />
Blick wirkt sie wie eine gigantische Fehlplanung:<br />
eine doppelte Wendeschleife<br />
mit vier Bahnsteiggleisen mitten in einer<br />
weitgehend unbebauten Landschaft. Viel<br />
Grün, viel Tram, viel Asphalt – doch die<br />
nächsten Wohnhäuser sind mehrere Gehminuten<br />
entfernt. Dafür liegt <strong>von</strong> der Haltestelle<br />
nur einmal über die Straße das Landschaftsschutzgebiet<br />
Heide mit vielen Wegen<br />
für Spaziergänger und Erholungssuchende.<br />
In dieser Form ist die Endstelle noch keine<br />
zehn Jahre alt, als kombinierte, doppelte<br />
Wendeschleife mit Durchfahrgleisen besteht<br />
sie seit Herbst 2007. Hier enden drei Straßenbahnlinien<br />
der Halleschen Verkehrs-AG<br />
(HAVAG), den Anschluss zu den nächsten<br />
nicht <strong>von</strong> der Tram bedienten Stadtteilen<br />
stellen die Buslinien 21 und 22 her. Während<br />
die über Heide auf dem 2007 eröffneten Verbindungsstück<br />
nach Kröllwitz gelangende<br />
Linie 5 (Halle-Kröllwitz – Merseburg – Bad<br />
Dürrenberg, mit rund 31 Kilometer die<br />
längste Meterspurtramlinie Deutschlands)<br />
hier wendet, sind <strong>von</strong> Montag bis Freitag<br />
tagsüber die ebenfalls in Kröllwitz endenden<br />
Linien 4 (Hauptbahnhof – Saline – Heide –<br />
Kröllwitz) und die Linie 7 heute an Werk tagen<br />
umlauftechnisch verknüpft. Die Linie 7<br />
gehört zu den Halleschen Linien, die praktisch<br />
rund um die Uhr verkehren.<br />
Begeben wir uns nun zum Abfahrtgleis der<br />
Linie 7, denn gerade läuft ein MGT6D der<br />
Die neue Endhaltestelle in Halle-Büschdorf zeigt sich modern und geräumig. Sie bietet eine gute<br />
Möglichkeit zum Umstieg in Busse, wie auch hier am 3. Oktober 2012<br />
M. PIETSCHMANN<br />
In der Abendsonne kreuzen zwei MGT6D auf der Verschwenkung <strong>von</strong> der Delitzscher Straße<br />
Richtung Hauptbahnhof. Die Zweirichtungswagen dieses Typs sind Standard auf der Linie 7<br />
Vom Knoten Reileck kommend rollt Tw 601 die Große Brunnenstraße hinab Richtung Giebichenstein.<br />
Gleich muss der Zug am Ende des Pkw-Staus halten<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
27
Betriebe<br />
Tw 613 hat gerade die Haltestelle „Landesmuseum für Vorgeschichte“<br />
verlassen, dessen Eingang links ins Bild ragt. Hier wird die Himmelsscheibe<br />
<strong>von</strong> Nebra ausgestellt – wenn sie nicht gerade auf Tournee ist<br />
Von Burg Giebichenstein kommend nähert sich ein Zug der Linie 7 auf<br />
dem Weg in die Innenstadt der Haltestelle Triftstraße. Hier befährt die<br />
7 einen der ältesten Abschnitte des Halleschen Straßenbahnnetzes<br />
Zwischen Reileck und Markt teilt sich die „7“ die Trasse mit den Linien<br />
3 und 8, die beide nach Trotha fahren. In der Großen Ulrichstraße geht<br />
es mitunter recht eng zu. Dieser Abschnitt wird ab März 2013 saniert<br />
HAVAG als Linie 4 kommend ein. Das Matrixsignal<br />
wechselt auf „7 – Büschdorf“ und<br />
nach einem Fahrgastwechsel und kurzer Pause<br />
(laut Fahrplan drei Minuten) beginnt die<br />
Fahrt hinunter zur Saale und durch Halles<br />
alte Nordstadt.<br />
Baustellenbedingt über Steintor<br />
Zu Füßen <strong>von</strong> Burg Giebichenstein<br />
Unsere „7“ rollt zunächst am Rand der Dölauer<br />
Straße entlang, schwenkt dann in die<br />
Mitte der hier gut ausgebauten Straße, bevor<br />
sie in die abschüssige und nur zweispurige<br />
Kröllwitzer Straße einmündet. Wir passieren<br />
Vorstadthäuser und die im Gefälle<br />
liegende Haltestelle Louise-Peters-Straße,<br />
bevor die Bahn nach einem engen Rechtsbogen<br />
die Talstraße erreicht, unmittelbar am<br />
Saale-Ufer gelegen. Rechts erhebt sich ein<br />
grüner Hügel mit einem Ausflugslokal, das<br />
an warmen Tagen eine schöne Aussicht über<br />
das Saaletal und Burg Giebichenstein bietet.<br />
Am steilen Hang über dem Saaleufer findet<br />
sich etwas versteckt die „Brüderhöhle“.<br />
Nun rollt der Triebwagen über die Giebichensteinbrücke,<br />
den nördlichsten Saaleübergang<br />
auf Halleschem Stadtgebiet und<br />
entsprechend stark frequentiert. Zu Füßen<br />
des Burgbergs fährt die Tram nun die gleichnamige<br />
Haltestelle „Burg Giebichenstein“<br />
an. Hier trifft die „7“ erstmals mit der aus<br />
Trotha kommenden Linie 8 zusammen und<br />
wer das an Samstagen während der Sommermonate<br />
geöffnete Straßenbahnmuseum<br />
im alten Depot Seebener Straße besuchen<br />
will, sollte hier aussteigen. Man kann eine<br />
Haltestelle weiter mit Linie 8 in Richtung<br />
Trotha fahren oder die recht fotogene Strecke<br />
ablaufen. Das Depot ist weniger als fünf<br />
Fußminuten entfernt.<br />
Durch Giebichenstein nach Reileck<br />
Die „7“ biegt jedoch nach rechts in die Burgstraße<br />
ein, um nach weniger als zwei Fahrzeuglängen<br />
sich scharf nach links zu wenden,<br />
während die Linie 8 geradeaus<br />
weiterfährt. Nun muss sich die „7“ durch<br />
Giebichenstein quälen, was besonders während<br />
der Spitzenzeiten fast wörtlich zu nehmen<br />
ist, denn dann steht die Tram hier oft in<br />
Halle bleibt auch 2013 eine Straßenbahn-Großbaustelle.<br />
Nachdem mit Verlängerung der Linie 7<br />
nach Büschdorf Ost die große Ost-West-Achse fertiggestellt<br />
ist, wird nun die Sanierung auf den Nord-<br />
Süd-Ästen fortgesetzt. Konkret beginnt im März<br />
der Ausbau der Linie 1 zur Stadtbahn mit Sanierung<br />
der Gleise in der Großen Ulrichstraße und Torstraße.<br />
Neben einer weitgehenden Trennung der<br />
Fahrwege <strong>von</strong> Tram und Individualverkehr werden<br />
Oberleitungen erneuert sowie neue, barrierefreie<br />
Haltestellen angelegt. Von ersterer Maßnahme<br />
sind die Linien 3, 7 und 8 betroffen.<br />
Deshalb werden die Linien 3, 7 und 8 ab März<br />
umgeleitet, bzw. geteilt. Die Linien, die die Große<br />
Ulrichstraße durchfahren, verkehren zwischen Reileck<br />
und Markt über das Steintor, das betrifft auch<br />
die Kulturlinie 7. Daher kann ab März die Moritzburg<br />
nicht mit der Tram erreicht werden. Genauere<br />
Einzelheiten dazu wird man rechtzeitig auf der<br />
Internetseite der HAVAG erfahren. S. VOCKRODT<br />
beiden Fahrtrichtungen im Stau. Hinter der<br />
Haltestelle Triftstraße biegen wir wieder<br />
scharf nach rechts ab und erreichen mit dem<br />
nächsten Halt einen der für naturkundlich<br />
interessierte Menschen wesentlichen Anziehungspunkte<br />
der Saalestadt: Das Landesmuseum<br />
für Vorgeschichte bietet nicht nur<br />
paläologische Kostbarkeiten wie das komplette<br />
Skelett eines Altelefanten, sondern ist<br />
heute auch Heimat der Himmelsscheibe <strong>von</strong><br />
Nebra, dem ältesten astronomischen (und<br />
wohl auch astrologischen) Artefakt Europas.<br />
Am Rosa-Luxemburg-Platz gabelt sich die<br />
Strecke: Stadteinwärts kreuzt unser MGT6D<br />
das Gegengleis und rollt über die Adolfstraße<br />
zur Reilstraße. Das zweite Gleis auf diesem<br />
Stück dient zum Wenden <strong>von</strong> in Reileck<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Halle (Saale)<br />
2006 wurde der erste große Abschnitt der Ost-West-Strecke <strong>von</strong> Halle-Neustadt nach Büschdorf mit Fertigstellung der neuen Anlagen an<br />
Riebeckplatz und Hauptbahnhof abgeschlossen. Die Linien 4, 7, 9 und 10 halten seither unter den Gleisen der Halleschen S-Bahn. Der alte Wasserturm<br />
wirbt heute für den Zoo der Saalestadt<br />
GRAFIK: R. SCHWANDL<br />
Linie 7: Daten & Fakten<br />
Führung<br />
Kröllwitz – Burg Giebichenstein – Reileck –<br />
Markt – Franckeplatz – Riebeckplatz – Hauptbahnhof<br />
– Büschdorf<br />
Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . ca. 10,7 km<br />
Spurweite. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm<br />
Fahrzeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Minuten<br />
Anzahl Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24<br />
Takt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Min. (tagsüber)<br />
20 Min. (abends und sonntags)<br />
Fahrzeuge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . MGT6-D<br />
Weitere Informationen<br />
www.havag.com/service/freizeitangebote/<br />
kulturlinie-7<br />
endenden Zügen, während das stadtauswärtige<br />
Gleis auf der Richard-Wagner-Straße<br />
verbleibt und direkt in den großen Straßenbahnknoten<br />
Reileck mündet.<br />
Der zentrale Knoten Markt<br />
Nun vereinigt sich die Linie 7 mit der ebenfalls<br />
aus Trotha kommenden, aber direkt <strong>von</strong><br />
Nord nach Süd verkehrenden Linie 3. Am<br />
Mühlweg trifft auch die Linie 8 wieder auf<br />
diese Strecke, die nun nacheinander entlang<br />
der Bernburger Straße, der Geiststraße und<br />
der Großen Ulrichstraße zum Markt führt.<br />
Zuvor passiert die „7“ an der Haltestelle<br />
„Moritzburgring“ die Moritzburg. Die<br />
jüngste der Saaleburgen beherbergt im Westflügel<br />
ein Kunstmuseum.<br />
Halles Marktplatz wird seiner Bedeutung<br />
als Stadtzentrum vollauf gerecht. Seine Mitte<br />
ziert der 84 Meter hohe Marktturm, mit<br />
dem Halles Bürger einst alle Kirchtürme der<br />
Stadt in den Schatten stellen wollten, besonders<br />
die viertürmige Marktkirche. Von deren<br />
Verbindungssteg zwischen den beiden Osttürmen<br />
kann man einen faszinierenden Blick<br />
über die Stadt werfen. Die fünf Türme bilden<br />
das Wahrzeichen der Stadt. Das Glockenspiel<br />
im Marktturm gilt als das größte Europas.<br />
Am Marktturm prangt der Haller Roland,<br />
gegenüber und jenseits der Tramgleise steht<br />
das Denkmal für den großen Komponisten<br />
Georg-Friedrich Händel, der in Halle geboren<br />
wurde und später in London großen<br />
Ruhm erlangte. Auch das Rathaus befindet<br />
sich hier. Davor liegt noch immer ein Stumpfgleis,<br />
das <strong>von</strong> Zeit zu Zeit <strong>von</strong> Museumssonderzügen<br />
zum Wenden genutzt wird.<br />
An der Hochstraße entlang<br />
zum Riebeckplatz<br />
Mit den Linien 1, 3, 6, 8 und 11 zusammen<br />
fährt unsere „7“ nun durch Schmeer- und<br />
das nördliche Stück der Rannischen Straße<br />
hinunter zum Franckeplatz, der <strong>von</strong> den beiden<br />
aufgeständerten Stücken der Hochstraße<br />
schier erdrückt wird. Diese verstellen auch<br />
den Blick auf die historischen Gebäude des<br />
Lindenhofs und der Franckeschen Stiftungen,<br />
die heute teilweise als Museum und teilweise<br />
der Universität dienen. Die „7“ biegt<br />
nun links ab auf den zentralen Teil der gro-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
29
Betriebe<br />
Im Grünen liegt die großzügige, mit vier Bahnsteiggleisen versehene Endstelle Kröllwitz, an der die Linien 4, 5 und 7 (<strong>von</strong> links) enden. Der Zug<br />
der Linie 7 wird in Blickrichtung seine Fahrt herunter zur Saale antreten, die Busse stellen den Anschluss zur Siedlung Heide Nord her. Werktags<br />
wechseln hier die Züge der Linie 4 auf Linie 7 und umgekehrt<br />
Der Riebeckplatz wurde zu DDR-Zeiten im<br />
Stile eines „Saalhattan“ umgestaltet. Die<br />
Hochhäuser sind heute teilweise bereits Geschichte<br />
(Bild <strong>von</strong> 2007)<br />
ßen Ost-West-Achse, die nach 1990 <strong>von</strong> der<br />
Neustadt kommend über Saline, Franckeplatz,<br />
Riebeckplatz zum Hauptbahnhof und<br />
seit vergangenem Jahr über die Freiimfelder<br />
Straße hinaus wieder weiter nach Osten nach<br />
Büschdorf führt. Ab Franckeplatz teilt sich<br />
die „7“ ihren Weg mit der Linie 4 und der Linie<br />
9 bis zum Hauptbahnhof, wo Linie 4 endet<br />
und aus der Linie 9 die Linie 10 wird. Neben<br />
den Franckeschen Stiftungen liegt hier<br />
auch das „Beatlesmuseum“, um das Liverpool<br />
Halle beneidet.<br />
Nun wird die Strecke ein kleines Stück<br />
Berg- und Talbahn: Über eine Rampe erreicht<br />
die Trasse vom Franckeplatz kommend<br />
am Leipziger Turm die Höhe der<br />
Hochstraße, dann sinkt sie wieder hinunter<br />
ins tiefere Niveau, um den 2005, 2006 komplett<br />
neu gestalteten Riebeckplatz zu unterqueren.<br />
Dessen großes Rondell bietet einen<br />
Überblick über (fast) alle berühmten Hallenser,<br />
Halloren und Halunken …<br />
Und zum Schokoladenmuseum<br />
Apropos Halloren: Nicht nur die Geschichte<br />
dieser Halleschen Spezialität stellt das<br />
Schokoladenmuseum vor, das an der Haltestelle<br />
Grenzstraße erreicht wird. Diese wird<br />
erst seit 2011 wieder angefahren, als das erste<br />
Teilstück der sanierten Delitzscher Straße<br />
in Betrieb ging. Das Museum gehört zur<br />
Halloren-Schokoladenfabrik.<br />
Nun fährt die 7 auf der bis Juli 2012 sanierten<br />
Delitzscher Straße nach Büschdorf,<br />
doch der Name der Endstelle verdeckt, dass<br />
die Linie 7 mit der Sanierung auch um gut<br />
1,3 Kilometer verlängert wurde und insgesamt<br />
vier neue Haltestellen bedient.<br />
So liegt die neue Haltestelle Alfred-Schneider-Straße<br />
in etwa auf Höhe der alten Wendeschleife<br />
Büschdorf. Ab hier verläuft die<br />
neue Trasse eingleisig und führt am Nordrand<br />
der ausgebauten Delitzscher Straße entlang.<br />
Büschdorf wird nun fast durchfahren, die<br />
neue Endstelle Büschdorf liegt auf Höhe des<br />
Spargelwegs. Sie ist als zweigleisige Stumpfendstelle<br />
angelegt. Die Züge machen hier<br />
rund 23 Minuten Pause, bevor die Rückfahrt<br />
nach Kröllwitz und <strong>von</strong> da als Linie 4 wieder<br />
zum Hauptbahnhof beginnt.<br />
STEFAN VOCKRODT<br />
Den großen Marktturm Halles zieht der „Roland“,<br />
unmittelbar vor diesem liegt die Haltestelle,<br />
die sich unsere „7“ mit den Linien 1,<br />
3, 6, 8 und 11 teilt<br />
Die »7« als Kulturlinie<br />
Seit August 2010 verkehrt Halles Linie 7 als „Kulturlinie<br />
7“, den Vorbildern Dresdens (Linie 4) und<br />
Essens (Linie 107) folgend. Geschah dies zunächst<br />
unter weitgehendem Ausschluss der<br />
Öffentlichkeit, bewirbt die HAVAG die Linie heute<br />
auf ihrer Internetseite, <strong>von</strong> der man sich auch<br />
ein Werbeblatt mit Hinweisen auf die passierten<br />
kulturellen Attraktionen herunterladen kann.<br />
Dabei werden auch einige der Sehenswürdigkeiten<br />
vorgestellt, die abseits der Linie 7 liegen.<br />
Tatsächlich lässt sich mit der „7“ einen Großteil<br />
der Sehenswürdigkeiten Halles erreichen,<br />
womit sie den Titel „Kulturlinie“ tatsächlich verdient.<br />
S. VOCKRODT<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Nächster Halt: …<br />
Die Züge der Stadtbahnlinie 18 kreuzen auf ihrer Fahrt stadtauswärts den Sülzgürtel, bevor sie an diesem Mittelbahnsteig halten. Links hinter<br />
dem B-<strong>Wagen</strong>-Doppel befindet sich die Endhaltestelle der Kölner „Gürtelinie”13 auf dem Sülzgürtel selbst<br />
C. LÜCKER<br />
Nächster Halt:<br />
Sülzgürtel<br />
Die Geschichte des Kölner Stadtteils Sülz<br />
reicht bis in das Jahr 1145 zurück. Damals<br />
stand dort ein Gutshof mit dem Namen „Villa<br />
Sultz“. Über die Jahrhunderte hat sich der<br />
Name dann weiterentwickelt. Heut ist Sülz<br />
mit über 35.000 Einwohnern der viertgrößte<br />
Kölner Stadtteil. Deshalb ist neben der Stadtbahn<br />
auch eine gut ausgebaute Straßenanbindung<br />
wichtig. So ist Sülz auch über den sogenannten<br />
Kölner Gürtel erreichbar, eine<br />
wichtige Hauptstraße, die das linksrheinische<br />
Köln im Halbkreis erschließt. Die einzelnen<br />
Abschnitte sind nach den jeweiligen Stadtteilen<br />
benannt, durch die der Gürtel führt. Und<br />
so kommt auch die Haltestelle zu ihrem kuriosen<br />
Namen: Sie liegt am Sülzgürtel!<br />
Der Sülzgürtel wird heute <strong>von</strong> zwei Linien<br />
bedient: Die Linie 13 hat hier ihren Endpunkt<br />
und endet in der Mitte des vierspurigen Gürtels<br />
in einer Allee. Spannend ist hier, dass die<br />
Bäume quasi in den Mittelhochbahnsteig integriert<br />
wurden. Auf ihrem Weg nach Holweide<br />
befährt die 13 übrigens weite Teile des<br />
Gürtels, stellenweise sogar als Hochbahn auf<br />
einer Betonbrücke.<br />
In Nord-Südrichtung kreuzt außerdem die<br />
Linie 18, die Köln über die „Vorgebirgsbahn”<br />
mit der Nachbarstadt Bonn verbindet, den<br />
Sülzgürtel. In der Hauptverkehrszeit fährt die<br />
Linie 18 bis zum Klettenbergpark sogar im<br />
Fünf-Minuten-Takt.<br />
Am Sülzgürtel existiert zwischen den Streckenästen<br />
der Hochflurlinien 13 und 18 zudem<br />
noch eine Gleisschleife in Form einer<br />
Häuserblockumfahrung, die aber nur noch<br />
für Dienstfahrten genutzt wird. Ursprünglich<br />
diente sie den früher auf der Linie 13 eingesetzten<br />
Einrichtungs-Achtachsern zum Wenden.<br />
Vom Betriebshof Braunsfeld aus sind die<br />
Achtachser übrigens noch bis zum Jahr 2006<br />
auf die damalige Linie 6 zum Barbarossaplatz<br />
ausgerückt. Sie mussten wegen eines fehlenden<br />
Gleisbogens am Sülzgürtel regelmäßig auf<br />
dem Gegengleis über die Kreuzung fahren, um<br />
vom Gürtel in die Luxemburger Straße einbiegen<br />
zu können. CHRISTIAN LÜCKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
31
Betriebe<br />
Trambefürworter<br />
aus Überzeugung<br />
Ein Stadtbahnwagen im<br />
Hauptbahnhof – dass Straßenund<br />
Eisenbahn in Karlsruhe<br />
attraktiv und beispielhaft vernetzt<br />
sind, daran hat Georg Drechsler<br />
wesent lichen Anteil<br />
A. MÜLLER<br />
Kluge Entscheidungen für<br />
Karlsruhe und Bremen<br />
Am 20. Dezember 2012<br />
verstarb Georg Drechsler –<br />
bis 1996 stellvertretender<br />
Betriebsleiter der Karlsruher<br />
Verkehrsbetriebe, bis 2010<br />
Vorstandsvorsitzender der Bremer<br />
Straßenbahn AG (BSAG).<br />
Als »Diplomat und Kämpfer«<br />
prägte er beide Gesellschaften<br />
Im Alter <strong>von</strong> 63 Jahren ist in Bremen kurz<br />
vor Weihnachten 2012 Georg Drechsler<br />
– bis 2010 Vorstandsvorsitzender der<br />
Bremer Straßenbahn AG (BSAG) – verstorben.<br />
In einer Mitteilung an die Belegschaft<br />
bezeichnete der BSAG-Vorstand<br />
Drechsler als „Diplomat und Kämpfer zugleich“.<br />
Für Viele charakterisiert diese Einschätzung<br />
den anerkannten Fachmann und<br />
überzeugten Verfechter der Sache Bahn, wie<br />
sie ihn immer wieder engagiert und gewinnend<br />
erlebt haben.<br />
Karlsruhe und Bremen<br />
Drechsler wurde im Juli 1949 in Köln geboren,<br />
wo er auch sein Abitur absolvierte.<br />
Im Anschluss nahm er ein Ingenieurstudium<br />
an der Universität Karlsruhe mit Schwerpunkt<br />
Städtebau und Verkehrswesen auf. In<br />
den Semesterferien steuerte er Straßenbahnen<br />
durch Karlsruhe – die <strong>von</strong> diesem Verkehrsmittel<br />
ausgehende Faszination hatte ihn<br />
schon früh „gepackt“. Folgerichtig stieg<br />
Drechsler nach seinem Studium bei den<br />
Karlsruher Verkehrsbetrieben ein, bei denen<br />
er über zwei Jahrzehnte blieb.<br />
Er begann als wissenschaftlicher Assistent<br />
und avancierte schließlich zum stellvertretenden<br />
Betriebsleiter. Gemeinsam mit Direktor<br />
Dieter Ludwig entwickelte und verwirklichte<br />
er mit großem Erfolg das<br />
„Karlsruher Modell“, bei dem regionale und<br />
städtische Strecken mit einem Fahrzeug befahren<br />
werden, womit der ÖPNV vielen<br />
Menschen eine bedeutend höhere Flexibilität<br />
bietet. Anfang 1997 verließ Drechsler<br />
Krankheitsbedingt zog sich Georg Drechsler<br />
bereits Ende 2010 <strong>von</strong> seiner Vorstandstätigkeit<br />
zurück. Die BSAG verabschiedete ihren<br />
langjährigen Vorstandsvorsitzenden am 28. Januar<br />
2011, hier auf der Fahrt zur Fa.-Zentrale<br />
an der Domsheide<br />
A. MAUSOLF<br />
nach 22 Jahren die Karlsruher Verkehrsbetriebe<br />
und folgte einem Ruf an die Weser.<br />
Bei der Bremer Straßenbahn AG wurde er<br />
Vorstandsmitglied für Technik, Betrieb, Marketing<br />
und Kommunikation. Auch in Bremen<br />
– so einer seiner Ansätze – sollte der<br />
Übergang <strong>von</strong> Eisenbahn und Straßenbahn<br />
fließend werden. Doch hier hatte er mit Vorbehalten<br />
im kleinsten Bundesland und mit<br />
den Nachbarn in Hannover zu kämpfen.<br />
Manche Idee – wie die projektierte Linie 11<br />
<strong>von</strong> Delmenhorst, mitten durch Bremen nach<br />
Oberneuland – ließ sich nicht umsetzen.<br />
Das Motto: Geduldig Dranbleiben!<br />
Drechsler war dabei klar, dass vieles mit Personen<br />
und Konstellationen zusammenhing,<br />
die nicht unveränderlich sind. Sein Motto<br />
lautete: Dranbleiben und später verbessert<br />
erneut betreiben. Er betrieb mit Nachdruck<br />
den Ausbau des Tram-Netzes, stritt dabei<br />
wenn nötig in vorderster Linie als überzeugender<br />
Mittler auf Bürgerversammlungen<br />
und in politischen Gremien. Er konnte eingestehen,<br />
wenn etwas „schief gelaufen“ war.<br />
Wie z.B. in Lilienthal, wo die Verlängerung<br />
der Linie 4 im dritten Bauabschnitt zunächst<br />
kein Selbstläufer war. Hier war hier parallel<br />
zu politischen Kapriolen zeitweise der Bürgerdialog<br />
aus dem Ruder gelaufen. Drechsler<br />
sorgte dafür, dass mit Erfolg nachgebessert<br />
wurde. Es war ihm gewiss Genugtuung<br />
zu erfahren, dass die projektierte Verlängerung<br />
der Linie 8 ins niedersächsische Umland<br />
nun doch – wenn auch mit reichlicher<br />
Verspätung – Realität wird. Das Ende der<br />
Zitterpartie um die wichtigen Huchtinger<br />
Projekte, für die er sich immer verstärkt eingesetzt<br />
hatte, hat er noch miterlebt.<br />
Drechsler wusste, nur Überzeugung durch<br />
optimierten Service bedeutet neue Kunden.<br />
Und unter besserem Service verstand er sowohl<br />
dichtere Takte als auch neue Linien.<br />
Restrukturierung geriet unter ihm nicht zum<br />
Kaputtsparen. Die auferlegte Verringerung<br />
des Verlustausgleichs durch die Hansestadt<br />
war für ihn Ansporn: Er strebte an, die Verlustreduzierung<br />
in erheblichem Maße durch<br />
neue Fahrgäste und entsprechende Einnahmesteigerungen<br />
zu erzielen. Nicht ohne ein<br />
wenig Stolz konnte er im Interview mit dem<br />
32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Karlsruhe/Bremen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> im Jahre<br />
2006 vermelden, dass bereits ein Drittel der<br />
Verlustreduzierung auf diesem Wege zustande<br />
kam.<br />
Drechsler war in vielen überregionalen<br />
Gremien und Ausschüssen tätig, wodurch er<br />
ein wertvolles Kontaktnetz knüpfen und Erfahrungsaustausch<br />
zum Nutzen der BSAG<br />
Drechsler genoss es, bei seiner Verabschiedung<br />
am 28. Januar 2011 auf der „Bühne“ des historischen<br />
Zweiachsers mit offener Plattform<br />
zu stehen und noch einmal viele Weggefährten<br />
– nicht nur aus Bremen und Karlsruhe –<br />
wieder zu sehen A. MAUSOLF (2)<br />
Im Herbst 1998 begrüßte Drechsler den damaligen<br />
Chef des Verkehrsbetriebs Timisoara,<br />
Nicolae Marcu, in Bremen zu einer Rundfahrt.<br />
Links Frau Marcu, rechts Marcus Deutschland-<br />
Koordinatorin Iuliana Potcoava, die spätere<br />
Vorsitzende des Tramclub Banat<br />
betreiben konnte. Noch nach seinem Ausscheiden<br />
aus dem Vorstand Ende 2010 engagierte<br />
er sich an verantwortlicher Stelle für<br />
die Weiterentwicklung der „Airport-City“<br />
ganz in der Nähe der BSAG-Hauptverwaltung<br />
am Flughafendamm.<br />
Sein Freund und Salzburger Kollege Gunter<br />
Mackinger formulierte treffend, Drechsler<br />
sei „Vorbild als charismatische Führungspersönlichkeit<br />
im Schienenverkehr, einem<br />
bedeutenden gesellschaftlichen Bereich,<br />
in dem es an solchen Personen mangelt.“<br />
Für Bremen war Drechsler ein Glücksgriff,<br />
weil er in einer wichtigen Epoche für den<br />
ÖPNV diesem Themenbereich ein populäres<br />
Gesicht gab. Sein hoher Beliebtheitsgrad<br />
Die Münchner Niederflur-Prototypen wurden<br />
bei der BSAG auf ihr neues Einsatzgebiet im<br />
schwedischen Norrköping eingerichtet. Am<br />
1. September 1999 präsentierten Georg<br />
Drechsler und sein Münchner Kollege Herbert<br />
König in Bremen Tw 22 für Schweden.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
33
Betriebe<br />
Fließende Übergänge zwischen Straßenbahn und Eisenbahn waren Georg Drechslers Credo. So steuerte er im Herbst 2005 persönlich den Kasseler<br />
Hybrid-Triebwagen 757 über die Strecke der Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH). Die BSAG-Tochter Weserbahn (ex BVG) hatte 2003 ein<br />
Viertel der Anteile an der VGH und deren Betriebsführung übernommen<br />
A. MAUSOLF<br />
bei der Belegschaft der BSAG und bei seinen<br />
Gesprächspartnern, aber auch bei jenen,<br />
die sich eigentlich nur am Rande mit<br />
der Materie Nahverkehr befassen, lag in einer<br />
sehr persönlichen Mischung aus hoher<br />
fachlicher und menschlicher Kompetenz sowie<br />
<strong>von</strong> Ernsthaftigkeit und Herzlichkeit<br />
begründet, mit der er seinem Gegenüber begegnete.<br />
Sein Charisma nährte sich neben dieser<br />
ganz persönlichen Art auch aus einem Aspekt,<br />
der wesentlichen Anteil an seiner<br />
Glaubwürdigkeit hatte. Drechsler war mit<br />
Ablösung am Fahrschalter<br />
Um beliebte Persönlichkeiten ranken sich Anekdoten:<br />
Zitieren wir eine, die Drechslers Leidenschaft<br />
für die Bahn und seine persönliche Art treffend<br />
skizziert. In seiner Anfangszeit in Bremen kam er<br />
eines Tages auf dem Heimweg auf den Gedanken,<br />
er könnte eigentlich einmal wieder selbst eine<br />
Tram fahren. Das hatte er auch schon in Karlsruhe<br />
immer wieder einmal getan. So stieg er ein und<br />
sprach mit der ihm stets eigenen gewinnenden<br />
Freundlichkeit den Fahrer an. Er sei der neue Direktor<br />
und möchte ihn an der Kurbel ablösen. Der<br />
Leib und Seele „Bahner“. In karger Freizeit<br />
engagierte er sich mit seiner späteren Frau<br />
Insa auch bei der DEV-Schmalspurbahn in<br />
Bruchhausen-Vilsen. So ließ er es sich nicht<br />
nehmen, im Jahre 2005 einen Kasseler<br />
„Leihwagen“ zwischen Bruchhausen-Vilsen<br />
und Syke selbst zu fahren. Er hat sich vehement<br />
für die Revitalisierung dieser Bahnstrecke<br />
als Zubringer zum Museumsbetrieb<br />
eingesetzt.<br />
Eines hat Drechsler übrigens stets interessiert:<br />
Er wollte wissen, wie im rumänischen<br />
Timisoara die „Altflotten“ der Bremer und<br />
Fahrer soll schlicht sprachlos gewesen sein. Drechsler<br />
– den Namen hatte er wohl schon gehört, aber<br />
gesehen hatte er „den Neuen“ offenbar noch nicht.<br />
Und üblich war es bisher auch nicht, dass da ein<br />
Vorstand kommt und einen so einfach auf die hinteren<br />
Bänke bittet. Da könne ja jeder kommen,<br />
brachte er schließlich noch immer verblüfft heraus<br />
und Drechsler wies sich lachend aus. Recht hätte<br />
der Kollege, räumte der neue Direktor ein, so einfach<br />
dürfe man das „Ruder“ eben nicht aus der<br />
Hand geben…<br />
ANDREAS MAUSOLF<br />
der Karlsruher Straßenbahn gemeinsam weiterhin<br />
beste Dienste leisten. So begrüßte er<br />
zum Beispiel im August 1998 den damaligen<br />
Leiter der Verkehrsbetriebe Timisoara bei<br />
dessen Besuch in Bremen und vermittelte bei<br />
einer großen Fahrt über das Bremer Netz<br />
umfangreiche Erfahrungen. Die große und<br />
überzeugte Unterstützung, die Drechsler<br />
durch die Abgabe <strong>von</strong> Trambahnen nach Timisoara<br />
gewährte, erleichterte bei diesem ansonsten<br />
nicht immer problemlosen Projekt<br />
Vieles.<br />
Großes Vertrauen:<br />
Zweimal wieder ernannt<br />
2000 wurde Drechsler zum ersten Mal zum<br />
Vorstandsvorsitzenden ernannt, 2008 zum<br />
dritten Mal. Offiziell hätte seine Amtszeit<br />
bis Januar 2012 gedauert, doch aus gesundheitlichen<br />
Gründen kündigte er am<br />
21. Juni 2010 seinen Abschied zum 31. Dezember<br />
2010 an. Am 28. Januar 2011 verabschiedete<br />
die BSAG mit einer großen<br />
Feierstunde ihren ehemaligen Vorstandsvorsitzenden.<br />
Zu seiner großen Freude wurde<br />
er hierzu mit einer Sonder-Straßenbahn<br />
abgeholt. Drechsler hinterlässt eine Frau<br />
und zwei Kinder, denen unser tiefes Mitgefühl<br />
gilt.<br />
ANDREAS MAUSOLF<br />
34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
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auf die folgenden acht Fragen ergibt.<br />
Frage 1: In welcher Stadt der Schweiz ist der „Place Pury“<br />
die zentrale Drehscheibe des städtischen Nahverkehrs?<br />
(siehe auch S. 62/63)<br />
Frage 2: Welcher niederflurige Fahrzeugtyp der Chemnitzer<br />
Straßenbahn bereichert seit Februar das Betriebsgeschehen<br />
in der Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs?<br />
(siehe auch Beitrag ab S. 16)<br />
Frage 3: Wie hieß der polnische Hersteller des Straßenbahnwagens<br />
vom Typ 13N dessen Einsatzende in Warschau<br />
nun gekommen ist? (siehe auch Beitrag ab S. 56)<br />
Frage 4: Drei deutsche Betriebe beschafften Stadtbahn -<br />
wagen vom Typ N. Welche Stadt hatte mit 54 Exemplaren<br />
die größte Flotte dieses normalspurigen <strong>Düwag</strong>-Typen?<br />
(siehe auch Titelgeschichte ab S. 42)<br />
Frage 5: Welcher Verkehrsbetrieb betreibt eine Straßenbahnlinie,<br />
die an einem Schokoladenmuseum vorbeiführt? (siehe<br />
auch Linienporträt ab S. 26)<br />
Lösungswort:<br />
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Schreiben Sie eine E-Mail an<br />
redaktion@strassenbahnmagazin.de<br />
Senden Sie eine Postkarte an <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>,<br />
Gewinnspiel, Infanteriestr. 11a, 80797 München<br />
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Postkarte aus.<br />
Bitte vergessen Sie nicht, Ihren Namen, Ihre Anschrift, eine Telefonnummer,<br />
unter der wir Sie erreichen können, und – falls<br />
vorhanden – Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Alle Gewinner<br />
werden schriftlich informiert.<br />
Angestellte der GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH sowie deren Tochtergesellschaften<br />
und deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. Die Teilnahme muss persönlich<br />
erfolgen und ist nicht über einen Beauftragten oder eine Agentur möglich. Der Rechtsweg<br />
ist ausgeschlossen.<br />
Datenschutz- und wettbewerbsrechtliche Einwilligungserklärung:<br />
Mit der Teilnahme an diesem Gewinnspiel, konkret durch das Zusenden einer Postkarte<br />
oder einer E-Mail mit meinen Daten, willige ich in die Verarbeitung, Speicherung und Nutzung<br />
meiner personenbezogenen Daten unter Beachtung des Datenschutzgesetzes ein.<br />
Die Daten werden für Marketingzwecke und zur Übermittlung <strong>von</strong> Produktinformationen<br />
via Post, Telefon, Fax oder E-Mail (nicht Gewünschtes bitte streichen) <strong>von</strong> der GeraNova<br />
Bruckmann Verlagshaus GmbH (www.verlagshaus.de) sowie den dazugehörenden Einzelverlagen<br />
GeraMond Verlag GmbH, Bruckmann Verlag GmbH, Christian Verlag GmbH,<br />
Frederking & Thaler Verlag GmbH gespeichert und genutzt.<br />
Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit bei der GeraNova Bruckmann<br />
Verlagshaus GmbH bzw. der GeraMond Verlag GmbH widerrufen kann.<br />
Einsendeschluss: 15. April 2013
Betriebe<br />
Große Ziele, wenig Geld<br />
Graz: Straßenbahn-Ausbau in Gefahr In der steiermärkischen Landeshauptstadt stehen für<br />
die Tram zahlreiche dringende und sinnvolle Ausbauprojekte an. Anfang 2013 verkündete die<br />
Stadtregierung aber einen Sparkurs und brachte damit den geplanten Netzausbau ins Wanken<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Österreich: Graz<br />
Seit 26. November 2012 wird die neue unterirdische<br />
Tram-Haltestelle am Grazer Hauptbahnhof<br />
bedient. Am 12. Januar 2013 fährt<br />
Cityrunner 665 als Linie 6 in die großzügig,<br />
hell und freundlich gestaltete Station ein<br />
Wegen einer Gleissanierung in der Annenstraße war die Linie 7 im Sommer 2012 unterbrochen,<br />
weshalb der Triebwagen 610 hier am Jakominiplatz wendet ALLE AUFNAHMEN: R. SCHREMPF<br />
Mit der neuen unterirdischen Tram-<br />
Haltestelle am Grazer Hauptbahnhof<br />
gelang es, die Verkehrswie<br />
auch die Betriebsabwicklung<br />
auf ein zeitgemäßes Niveau zu heben. Zahlreiche<br />
weitere Ausbauprojekte stehen zur Realisierung<br />
an. Doch Anfang 2013 verkündete<br />
die Grazer Stadtregierung einen Sparkurs und<br />
brachte damit geplante Netzausbauten ins<br />
Wanken. Ohne Mitfinanzierung durch den<br />
Bund und das Land wird die Stadt größere<br />
Netzausbauten nicht stemmen können, doch<br />
fehlen dafür in Österreich klare Strukturen. Die<br />
Holding Graz Linien gerät durch den S-Bahn-<br />
Ausbau zunehmend unter Druck, allein am<br />
Hauptbahnhof werden die Passagierzahlen bis<br />
zum Jahr 2015 <strong>von</strong> derzeit 30.000 auf 40.000<br />
ansteigen. Statt in neue Straßenbahnrouten soll<br />
daher in die Kapazitätserhöhung im Bestandsnetz<br />
investiert werden.<br />
Hohe Smog- und Feinstaubbelastung<br />
Graz ist die Landeshauptstadt im Bundesland<br />
Steiermark, mit 270.000 Einwohnern die<br />
zweitgrößte Stadt Österreichs und mit über<br />
45.000 Studierenden eine bedeutende Universitätsstadt.<br />
An Werktagen pendeln 76.000<br />
Personen aus dem Großraum (rund 439.000<br />
Einwohner) in die Stadt Graz, die wegen ihrer<br />
topografischen Lage in einem Talbecken<br />
besonders anfällig für die verkehrsbedingte<br />
Luftverschmutzung ist. Besonders im Winter<br />
kommt es oft zur Inversionswetterlage, die<br />
einen Luftaustausch im Grazer Becken verhindert<br />
und eine hohe Smog- und Feinstaubbelastung<br />
bewirkt. Die „Verkehrspolitischen<br />
Leitlinien 2020“ sehen daher eine<br />
Verschiebung der Anteile des motorisierten<br />
Individualverkehrs hin zum Umweltverbund<br />
(Öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußgängerverkehr)<br />
vor.<br />
Die Holding Graz Linien (früher: Grazer<br />
Verkehrsbetriebe und Graz AG Verkehrsbetriebe)<br />
beförderten 2011 über 101 Mio.<br />
Fahrgäste mit steigender Tendenz, da<strong>von</strong> 53<br />
Mio. Fahrgäste mit der Straßenbahn. Graz<br />
verfügt über ein relativ gut ausgebautes öffentliches<br />
Verkehrsnetz, das Teil des Steirischen<br />
Verkehrsverbundes ist. Das Straßenbahnnetz<br />
besteht aus sechs Linien, die<br />
sternförmig aus den Außenbezirken kommend<br />
durch das Stadtzentrum führen.<br />
Abends und an Wochenenden werden einige<br />
Linien verkürzt bzw. zusammengefasst<br />
(Linien 13 und 26). Zudem betreiben die<br />
Graz Linien rund 30 Buslinien, die Standseilbahn<br />
und einen Aufzug auf den Schlossberg.<br />
An Wochenenden sowie in den Nächten<br />
vor Feiertagen verkehren Nachtbuslinien.<br />
3,7 km neue Tramstrecken<br />
Nachdem im Jahr 1989 die Linie 1 um 500<br />
Meter bis zum Unfallkrankenhaus Eggenberg<br />
verlängert wurde, dauerte es bis ins Jahr<br />
2003, ehe die Stadt Graz die Weichen für den<br />
weiteren Tramausbau stellte, um neue Wohnund<br />
Gewerbegebiete aufzuschließen. Parallel<br />
dazu wurde nach dem Konzept „Steirertakt“<br />
des Landes Steiermark auf allen <strong>von</strong><br />
Graz ausgehenden Eisenbahnstrecken ein S-<br />
Bahn-Betrieb eingerichtet. Fünf Nahverkehrsknoten<br />
sollten eine Verknüpfung beider<br />
Systeme herstellen. Über die wichtigsten<br />
Punkte gibt der Kasten auf Seite 39 einen<br />
Überblick.Mit insgesamt 3,7 km Neubaustrecken<br />
bedeutete dies die größte Erweiterung<br />
im Grazer Straßenbahnnetz seit 1941,<br />
nachdem in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />
das Schienennetz stark dezimiert wurde.<br />
Unterirdische Straßenbahnstation<br />
am Hauptbahnhof<br />
Zuletzt entstand als Herzstück der Nahverkehrsdrehscheibe<br />
Hauptbahnhof die unterirdische<br />
Anbindung der Straßenbahn (65<br />
Mio. Euro Errichtungskosten). Für den Bau<br />
der Unterflur-Trasse musste die Schleife vor<br />
dem Hauptbahnhof weichen und es wurde<br />
westlich der ÖBB-Gleise in der Waagner-<br />
Biro-Straße für die Linien 3 und 6 eine rund<br />
400 Meter lange Neubaustrecke zur zweigleisigen<br />
Endhaltstelle „Laudongasse“ er-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
37
Betriebe<br />
Das aktuelle Straßenbahnnetz<br />
in Graz<br />
und geplante Ausbauprojekte<br />
(gestrichelt)<br />
GRAFIK: R. SCHWANDL<br />
richtet (Betriebsaufnahme 10. Januar 2011).<br />
Nach zweijähriger Bauzeit erschließen seit<br />
Betriebsbeginn am 26. November 2012 neben<br />
den Linien 3 und 6 zur Kapazitätserhöhung<br />
auch die Linien 1 und 7 den Nahverkehrsknoten<br />
Hauptbahnhof, die beiden<br />
Linien führten bislang in Sichtweite vorbei.<br />
Zudem ist der Hauptbahnhof nun auch aus<br />
den westlichen Stadtteilen direkt erreichbar.<br />
Die neue Station (Doppelhaltestelle mit 80<br />
Meter Länge) befindet sich zwischen zwei<br />
neu errichteten Unterführungen, die unter<br />
den Eisenbahngleisen sowie unter dem Bahnhofgürtel<br />
durchführen, in Tieflage und ist<br />
aus Sicherheitsgründen (Brandentrauchung)<br />
nach oben hin offen. Die Höchstgeschwindigkeit<br />
in den beiden Unterführungen, die<br />
auch <strong>von</strong> den Nachtbuslinien befahren werden,<br />
beträgt aufgrund der kurvigen Trassierung<br />
nur 20 km/h.<br />
Kein »echtes« Tunnelbauwerk<br />
Um Errichtungs- und Betriebskosten gering<br />
zu halten, handelt es sich um kein Tunnelbauwerk<br />
mit all den notwendigen Brandschutz-<br />
und Sicherungsanlagen. Auch auf<br />
eine Verteilerebene mit direktem Zugang zu<br />
den Bahnsteigen wurde aus Kostengründen<br />
verzichtet. Stiegen, Aufzüge und Rolltreppen<br />
führen hinauf auf den Bahnhofsvorplatz<br />
und zu den Bussteigen. Im Jahr 2013 kommt<br />
mit dem Nahverkehrsknoten „Murpark“ ein<br />
weiterer Verknüpfungspunkt mit dem S-<br />
Bahn-System hinzu. In den nächsten Jahren<br />
soll der Modal Split des ÖPNV <strong>von</strong> rund 20<br />
auf 24 Prozent steigen. Zur Projektierung<br />
dieser Angebots- und Kapazitätserweiterungen<br />
wurde zwischen der Stadt Graz und<br />
den Graz Linien ein ÖV-Masterplan erstellt.<br />
Eine zweite Ausbaustufe des Straßenbahnsystems<br />
sah in einer Prioritätenreihung der<br />
Ausbauprojekte innerhalb der nächsten zehn<br />
Jahre die Einreichung und zumindest die teilweise<br />
Umsetzung mehrerer Straßenbahnstrecken<br />
vor (s. Kasten).<br />
38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Netzausbau in Graz<br />
Die wichtigsten Projekte im Überblick:<br />
Dezember 2006: Verlängerung der Linie 5<br />
zum neuen Nahverkehrs -<br />
knoten Puntigam<br />
Mai 2007: Verlängerung der Linie 4<br />
zum Murpark<br />
September 2007: Nahverkehrsknoten Don<br />
Bosco (spätere Straßenbahn-<br />
Anbindung berücksichtigt)<br />
Dezember 2007: Verlängerung der Linie 6<br />
ins Peterstal<br />
Dezember 2007: Start der S-Bahn Steiermark<br />
November 2012: Teilinbetriebnahme der Nahverkehrsdrehscheibe<br />
Hauptbahnhof<br />
Ausbaupläne für die<br />
nächsten zehn Jahre<br />
Linie 8 Süd<br />
Südwestlinie vom Jakominiplatz über<br />
Don Bosco zur Hummelkaserne und<br />
weiter zur Grottenhofstraße . . . . . . . . . 7,7 km<br />
Linie 7<br />
Verlängerung der Linie 7<br />
bis zur Billrothgasse . . . . . . . . . . . . . . . 0,5 km<br />
Linie 1<br />
Anbindung der Universität durch<br />
Umlegung der Linie 1 . . . . . . . . . . . . . . 1,4 km<br />
Linie 8 Nord<br />
Nordwestlinie <strong>von</strong> der Keplerbrücke<br />
nach Gösting . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,4 km<br />
Für die erste Bauetappe der Südwest-Linie<br />
bis zur Hummelkaserne wurden die Finanzmittel<br />
für die eisenbahnrechtliche Einreichplanung<br />
vom Gemeinderat bewilligt, ein<br />
Baubeginn war für 2016 vorgesehen. Doch<br />
der jüngste Sparkurs bremst den beschlossenen<br />
Netzausbau. Priorität haben neu Maßnahmen<br />
zur Kapazitätserhöhung, so zuletzt<br />
die Beschaffung <strong>von</strong> Gelenkbussen als Ersatz<br />
für Solobusse.<br />
Entlastungsstrecke in der<br />
Innenstadt dringend notwendig<br />
Große Bedeutung käme im Zusammenhang<br />
mit dem Bau der Südwestlinie der zu errichtenden<br />
Innenstadt-Entlastungsstrecke (Jakominiplatz<br />
– Griesplatz – Roseggerhaus –<br />
Keplerbrücke) zu. Alle Straßenbahnlinien<br />
fahren zwischen dem Hauptplatz und dem<br />
Knotenpunkt Jakominiplatz durch die Fußgängerzone<br />
(Herrengasse) und verlassen das<br />
Zentrum an beiden Plätzen Richtung Außenbezirke.<br />
Bei Veranstaltungen im Stadtzentrum<br />
ist das Straßenbahnnetz oft unterbrochen.<br />
Am Jakominiplatz besteht zwar seit<br />
der Neugestaltung der Gleisanlagen in den<br />
Jahren 1995/96 die Möglichkeit aus allen<br />
Richtungen zu wenden, die Strecken nach<br />
Andritz und zur Laudongasse sind dann<br />
meist unterbrochen.<br />
Einzig die Verlängerung der Linie 7 um<br />
500 Meter zum Neubau der Zahnklinik, der<br />
Medizinischen Universität und eines For-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
Österreich: Graz<br />
Im Sommer 1986 steht der noch „neue“, gebraucht aus Wuppertal übernommene Triebwagen am<br />
Hauptbahnhof bereit. Die Schleife wich im Januar 2011 der neuen Unterflur-Trasse<br />
Die Linie 4 fährt direkt<br />
zum Haupteingang<br />
des Einkaufzentrums<br />
Murpark,<br />
wo im Sommer<br />
2010 die Variobahn<br />
201 bereitsteht. Insgesamt<br />
45 dieser<br />
<strong>von</strong> Stadler in Berlin-Pankow<br />
gebauten<br />
Niederflurfahrzeuge<br />
werden die<br />
Grazer Tramflotte<br />
bis Ende 2015 deutlich<br />
verjüngen<br />
Die in den Jahren 1989 bis 1994 übernommenen Achtachser aus Duisburg, hier Tw 531 vor dem<br />
Kunsthaus, werden durch die Variobahnen abgelöst, die im Laufe des Jahres Jahres 2013 auch<br />
auf den Linien 6 und 7 (bislang nur 4 und 5) zum Einsatz kommen sollen<br />
39
Betriebe<br />
Seit 2006 fährt die „5“ zum Knoten Puntigam. Ende 2012 hat ihn einer der mit Mittelteilen und<br />
Fahrwerken ausgemusterter „Wuppertaler“ zu Achtachsern umgebauten Tw (Nr. 581–584) erreicht<br />
Die im Dezember 2007 verlängerte Linie 6 ins Peterstal führt durch ein Wohn- und Naherholungsgebiet,<br />
Cityrunner 653 an der Haltestelle Plüddemanngasse<br />
Tipp für Tramfreunde<br />
An der Endstation der Linie 1 in Mariatrost befindet sich in der ehemaligen Remise der Kleinbahn Graz –<br />
Mariatrost das sehenswerte Grazer Tramway-Museum. Öffnungstage siehe: www.tramway-museum-graz.at<br />
An der neuen Endstation Laudongasse begegnen sich wenige Tage vor deren Betriebsaufnahme<br />
der „Wiener“ Triebwagen 292 und der Triebwagen 121 mit dem Beiwagen 60B, anlässlich<br />
einer Sonderfahrt des Grazer Tramwaymuseums<br />
schungszentrums wird bis 2015 realisiert.<br />
Vor der nunmehrigen Endstation St. Leonhard<br />
biegt die Linie 7 künftig in die alte Stiftingtalstraße<br />
ein, umrundet die bestehende<br />
Klinikum-Parkgarage und erhält vor der<br />
Zahnklinik eine zweigleisige Endstation. Die<br />
Bauarbeiten haben mit dem Neubau eines<br />
kombinierten Straßen- und Straßenbahntragwerks<br />
über den Stiftingbach begonnen.<br />
Durch den Umzug der Med-Uni ist der<br />
Bedarf an der Anbindung des Universitätsviertels<br />
durch Umlegung der Linie 1 gesunken.<br />
Hingegen soll die Linie 1 im nächsten<br />
Jahr zwischen dem Hauptbahnhof und der<br />
Haltestelle Georgigasse über die Schleife<br />
Laudongasse und eine kurze Neubaustrecke<br />
umgelegt und im Gegenzug der sanierungsbedürftige<br />
Streckenabschnitt durch die Alte<br />
Poststraße aufgegeben werden. An der bisherigen<br />
Abzweigung vom gemeinsamen Streckenverlauf<br />
mit der Linie 7 soll künftig die<br />
Linie 3 (oder 6) Richtung Süden abzweigen<br />
und das Stadtentwicklungsgebiet Reininghaus<br />
erschließen.<br />
Große Investitionen waren in den vergangenen<br />
Jahren für die Sanierung der Innenstadtstrecken<br />
notwendig, wobei zugleich<br />
der Gleismittenabstand für den Einsatz der<br />
breiteren Variobahnen erweitert wurde, aber<br />
auch um die Haltestellen für den geplanten<br />
Einsatz längerer Fahrzeuge entsprechend zu<br />
adaptieren und die Stromversorgung für die<br />
neuen <strong>Wagen</strong> zu verstärken.<br />
Fuhrparkerneuerung<br />
Der Jubel über den Ausbau der Straßenbahn<br />
in den Jahren 2006/07 wurde ein wenig getrübt<br />
durch die angespannte Fahrzeugsituation.<br />
Dadurch waren Intervallverdichtungen<br />
und somit ein attraktiveres Angebot für den<br />
Fahrgast kaum möglich. Das Vorhaben, die<br />
neuen Strecken als „Musterlinien“ für den<br />
weiteren Ausbau zu präsentieren, war damit<br />
sehr eingeschränkt, auch durch den Einsatz<br />
überwiegend älterer Gelenktriebwagen. Es<br />
herrschte in weiten Teilen der Bevölkerung<br />
die Meinung, die Straßenbahn sei ein „veraltetes“<br />
Verkehrsmittel. Auf den Buslinien<br />
waren schon moderne Niederflurbusse vorherrschend.<br />
Ende 2006 bestand der Fuhrpark abgesehen<br />
<strong>von</strong> den 18 Cityrunnner (Nr. 651 bis<br />
668, Baujahr 2000/01) und den zwölf mit einem<br />
Niederflurmittelteil erweiterten Gelenktriebwagen<br />
(Nr. 601 bis 612, Baujahr<br />
1986/87) überwiegend aus Altwagen. Die<br />
sieben sechsachsigen (aus der Serie 261 bis<br />
283) und die 29 achtachsigen Gelenktriebwagen<br />
(501 bis 510, 521, 524 bis 537 und<br />
die umgebauten 581 bis 584) standen schon<br />
über 30 Jahre im Einsatz (Baujahr 1963 bis<br />
1978). Als Überbrückung bis zur Lieferung<br />
neuer Niederflurbahnen wurden 2007 drei<br />
sechsachsige Gelenktriebwagen <strong>von</strong> den<br />
Wiener Linien beschafft. Die drei E1 (Nr. 291<br />
40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Österreich: Graz<br />
Tw 501, einer <strong>von</strong> zehn im Jahre 1978 <strong>von</strong> SGP und Siemens in <strong>Düwag</strong>-Lizenz gefertigten Achtachser, verlässt die Fußgängerzone, die <strong>von</strong> allen<br />
sechs Straßenbahnlinien durchfahren wird. Wegen Veranstaltungen ist dieser Streckenabschnitt oft unterbrochen, eine Alternativroute fehlt<br />
bis 293) kamen vor allem in der Frühverkehrsspitze<br />
auf der Linie 4 zum Einsatz.<br />
Ende 2006 haben die Grazer Stadtwerke<br />
neue Niederflur-Triebwagen ausgeschrieben,<br />
Stadler Pankow bekam den Zuschlag für<br />
die Lieferung <strong>von</strong> 45 fünfteiligen Einrichtungswagen<br />
vom Typ „Variobahn“, die mit<br />
27,10 m Länge und 2,30 m Breite speziell für<br />
die Grazer Verhältnisse konzipiert sind.<br />
Großer Modernisierungsschritt<br />
Die erste Variobahn erreichte Graz Ende<br />
2009, die Auslieferung der weiteren Fahrzeuge<br />
erstreckt sich bis Ende 2015. Der Einsatz<br />
erfolgt in der Phase 1 zunächst auf den<br />
Linien 4 und 5. Auf den anderen Linien waren<br />
bzw. sind noch an einzelnen Streckenabschnitten<br />
der Gleismittenabstand für die<br />
geringfügig breiteren <strong>Wagen</strong> zu vergrößern<br />
(bisherige Grazer Standard-Fahrzeugbreite<br />
2,20 m) sowie Parkflächen für die gesetzlich<br />
vorgeschriebenen Sicherheitsräume zu reduzieren.<br />
Mit der Beschaffung <strong>von</strong> 45 Niederflur-Triebwagen<br />
wollten die Graz Linien<br />
einen großen Modernisierungsschritt setzen,<br />
doch der Einsatz der ersten Neufahrzeuge<br />
löste heftige Proteste bei den Anrainern aus.<br />
Hohe unabgefederte Massen der Variobahnen<br />
erzeugten Lärm und Vibrationen, Hersteller<br />
und Verkehrsbetriebe erforschten und<br />
testeten danach Maßnahmen zu deren Verringerung.<br />
Bis Ende 2012 wurden die Variobahnen<br />
201 bis 212 mit folgendem Maßnahmenpaket,<br />
nach erfolgreichen Tests am<br />
<strong>Wagen</strong> 206, ausgerüstet: a) weichere Sekundär-<br />
und Primärfeder im Lauffahrwerk,<br />
b) Einsatz neuer Räder mit weicherer Charakteristik,<br />
c) Austausch der Metallelemente<br />
bei der Anlenkung gegen Elemente aus<br />
Plastikmasse und d) neues Tilgersystem (dynamische<br />
Dämpferelemente im Bereich der<br />
Räder).<br />
Die weiteren Variobahnen sind bereits ab<br />
Werk entsprechend ausgerüstet. Zu Jahresbeginn<br />
2013 waren 20 Triebwagen ausgeliefert,<br />
da<strong>von</strong> 13 im Einsatz. Die anderen<br />
Bahnen warteten noch auf die behördliche<br />
Genehmigung nach dem Umbau oder die für<br />
die Genehmigung notwendige Prüfbescheinigungen<br />
des TÜV Süd. 2013 werden neun<br />
Variobahnen ausgeliefert, 2014 und 2015<br />
folgen jeweils acht. Im Frühjahr soll sich dessen<br />
Einsatzgebiet auf die Linie 6 und gegen<br />
Jahresende auf die Linie 7 erstrecken. Wurden<br />
zunächst überwiegend Sechsachser abgestellt,<br />
so dürfte 2013 das Ende für einige<br />
„Duisburger“ Triebwagen kommen, deren<br />
Frist abläuft.<br />
Kapazitätserhöhung<br />
Nach 2015 soll der Fuhrpark aus 45 Variobahnen,<br />
18 Cityrunner und den 12 achtachsigen<br />
Gelenktriebwagen mit Niederflurmittelteil<br />
bestehen. Zur Erhöhung der<br />
Beförderungskapazität bei gleich bleibenden<br />
Betriebsleistungen soll die letzte Tranche<br />
„Variobahnen“ bereits ab Werk in siebenteiliger<br />
Ausführung geliefert werden. Zudem<br />
ist beabsichtigt, ab 2015 die weiteren Variobahnen<br />
und die Cityrunner um zwei Module<br />
zu verlängern. Allerdings ist die Finanzierung<br />
hierfür noch nicht gesichert.<br />
Alternativ sollen für eine Taktverdichtung<br />
die Achtachser 501 bis 510 erhalten bleiben<br />
und wie die Triebwagen 601 bis 612 mit neuer<br />
elektrischer Ausrüstung ertüchtigt werden,<br />
die wegen Ersatzteilmangel und Erhöhung<br />
der Fahrdrahtspannung auf 750 Volt<br />
notwendig wird.<br />
Im Depot Steyrergasse wurde 2011 ein<br />
neuer Werkstättentrakt für die künftig bis zu<br />
40 Meter langen Niederflurfahrzeuge errichtet.<br />
In naher Zukunft steht noch die<br />
Adaptierung der Tageswerkstätte für längere<br />
Fahrzeuge an.<br />
Fazit<br />
Die Gleise im 32,5 Kilometer umfassenden<br />
Straßenbahnnetz verlaufen großteils im Straßenraum.<br />
Werktags entstehen dadurch große<br />
Verlustzeiten, vor allem durch den zähflüssig<br />
laufenden Individualverkehr. Doch für Beschleunigungsprogramme<br />
stehen die Zeichen<br />
ebenso ungünstig, wie für die zweite Ausbaustufe,<br />
insbesondere nach den Gemeinderatswahlen<br />
im vergangenen Herbst, wo jene Parteien<br />
an Wählerstimmen verloren, die in den<br />
vergangenen Jahren den Ausbau des Öffentlichen<br />
Verkehrs forcierten. Offenbar sehen Teile<br />
der Bevölkerung die Straßenbahn noch immer<br />
nicht als leistungsfähiges Verkehrsmittel,<br />
das höchsten Komfort für die Fahrgäste und<br />
Wirtschaftlichkeit vereint. Auch die Ziele der<br />
Stadt Graz, eine Verbesserung der Luftsituation<br />
durch eine Veränderung der Verkehrsmittelwahl<br />
hin zum Umweltverbund herbeizuführen,<br />
scheinen damit in weite Ferne zu<br />
rücken.<br />
ROBERT SCHREMPF<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
41
Titel<br />
Über dem<br />
Zenit<br />
M- und N-<strong>Wagen</strong> in Deutschland Mit dem fortschreitendem<br />
Ausscheiden der letzten <strong>Düwag</strong>-Einheitswagen aus<br />
dem Plandienst rückt nun die nächste Generation zunehmend<br />
in den Fokus der Straßenbahnfreunde. Doch auch für<br />
die in den 70er-Jahren gebauten hochflurigen Stadtbahnwagen<br />
vom Typ N stehen die Zeichen zumeist schon auf<br />
Abschied. Und der Typ M fährt nur noch in Kassel<br />
Die Vorgeschichte ist sicherlich jedem<br />
Straßenbahnfreund bekannt: Ab<br />
1973 entwickelte die <strong>Düwag</strong> in Zusammenarbeit<br />
mit den Verkehrsbetrieben<br />
in Essen, Mülheim (Ruhr) und Bochum<br />
einen neuen Straßenbahnwagentyp,<br />
der aufgrund seiner Breite <strong>von</strong> 2,30 m besonders<br />
auch für den Einsatz auf Stadtbahnstrecken<br />
und im Tunnel geeignet war,<br />
was dann auch in der Namensgebung berücksichtigt<br />
wurde. Wird die meterspurige<br />
Variante der häufig acht-, teilweise aber auch<br />
sechsachsigen Zweirichtungswagen als<br />
„Stadtbahnwagen Typ M“ bezeichnet, so<br />
werden die ab 1976 gebauten normalspurigen<br />
Exemplare als Typ N geführt.<br />
Aufgrund der flexiblen Auslegung der<br />
Bauform schlossen sich bald weitere Verkehrsbetriebe<br />
der Projektgruppe an. Bielefeld<br />
gehörte dabei auch zu den ersten vier<br />
Bestellern im Januar 1974, während Krefeld<br />
und Duisburg sich vorerst nur zeitweise an<br />
den Gesprächen beteiligten.<br />
42<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Geliefert wurden <strong>Wagen</strong> dieses Typs ab 1975<br />
schließlich an die Betriebe in Augsburg, Bielefeld,<br />
Bochum/Gelsenkirchen, Dortmund,<br />
Essen, Heidelberg, Kassel, Krefeld, Mainz,<br />
Mülheim an der Ruhr und Nürnberg. Eine<br />
letzte, 36 Fahrzeuge umfassende Serie mit<br />
Drehstromtechnik und verändertem Design<br />
(Typ M8D, D = Drehstrom) entstand beim<br />
Fahrzeugbauer in Düsseldorf in den Jahren<br />
1994 bis 1999 für Bielefeld.<br />
Durch die Lieferung neuer Niederflurwagen<br />
oder moderner Hochflurbahnen (Bielefeld)<br />
werden N-<strong>Wagen</strong> bei vielen deutschen<br />
Betrieben nun aber Schritt für Schritt ersetzt.<br />
Zur grundlegenden Modernisierung hat sich<br />
bislang lediglich die Rhein-Neckar-Verkehrs<br />
GmbH mit den acht relativ jungen Heidelberger<br />
M-<strong>Wagen</strong> entschieden. Der Normalspurtyp<br />
N fährt in Deutschland heute nur<br />
noch in Kassel, nachdem die Verkehrsaktiengesellschaft<br />
Nürnberg (VAG) und die<br />
Dortmunder Stadtwerke (DSW21) ihre N-<br />
<strong>Wagen</strong> bereits vor einigen Jahren vollständig<br />
aus dem Plandienst abgezogen und ins<br />
Ausland verkauft haben. Doch auch in den<br />
anderen Regionen wird klar: Die M- und N-<br />
<strong>Wagen</strong> haben den Zenit ihres Einsatz längst<br />
überschritten:<br />
Augsburg<br />
Nach erfolgreichen Testfahrten mit dem ausgeliehenen<br />
Essener Tw 1114 erhielt der Verkehrsbetrieb<br />
der Fuggerstadt in den Jahren<br />
1985/86 zwölf M8C (C = Choppersteuerung),<br />
die mit dem Betriebsnummern 8001<br />
bis 8012 in den Bestand eingereiht wurden.<br />
Auffälligstes und exklusives Merkmal der<br />
Augsburger M-<strong>Wagen</strong> sind die Türen im<br />
mittleren hochflurigen <strong>Wagen</strong>teil. Eine weitere<br />
Besonderheit war die Endfertigung<br />
durch die Firma MAN. Außerdem waren die<br />
<strong>Wagen</strong> die ersten Exemplare dieses Typs, die<br />
ab Werk nur noch mit einem Einholmstromabnehmer<br />
ausgeliefert wurden. Eine<br />
Ende der 1980er-Jahre erwogene Bestellung<br />
weiterer Exemplare wurde nicht ausgelöst.<br />
Die drei letzten im klassischen „Rot/Weiß“ lackierten<br />
M6-<strong>Wagen</strong> der Bogestra im Bochumer<br />
Betriebshof Engelsburg. Die M6C Nr. 354 und<br />
342 sind inzwischen bereits verkauft, aber – genau<br />
wie M6S Nr. 311 – noch im Einsatz. Von einst<br />
55 M6 der Bogestra sind noch 29 betriebsfähig.<br />
Einige Jahre werden sie noch den Gesamtverkehr<br />
auf der Linie 310 bestreiten C. HETTCHE<br />
Die Tw 8001 und 8011 wurden Anfang<br />
April 2012 nach Darmstadt verkauft. Während<br />
ersterer inzwischen <strong>von</strong> der IFTEC in<br />
Leipzig zu einem Arbeitstriebwagen um -<br />
gebaut wird, dient letzterer aktuell im<br />
Darmstädter Betriebshof Frankenstein als<br />
Ersatzteillager, perspektivisch jedoch als Ersatzteilspender.<br />
Die IFTEC erstellt derzeit das<br />
Pflichtenheft für den Umbau des Tw 8001.<br />
Die HEAG rechnet damit, dass der Umbau<br />
im April 2014 abgeschlossen wird.<br />
Durch die aktuellen Umbaumaßnahmen<br />
im Augsburger Netz (Verkürzung der befahrenen<br />
Strecken) befindet sich <strong>von</strong> den verbliebenen<br />
M8C derzeit kein <strong>Wagen</strong> im regulären<br />
Linieneinsatz. Als Reservewagen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
43
Titel<br />
Die M-<strong>Wagen</strong>, die in Bielefeld keine Matrixanzeigen mehr erhalten haben, sind ab 2011 als erste durch die Vamos-Stadtbahnwagen ersetzt worden.<br />
Die letzten Exemplare sollen bald ausgemustert werden. M8C 516 (Baujahr 1982) ist der dienstälteste <strong>Wagen</strong> seines Typs in Bielefeld C. LÜCKER<br />
Diese beiden Aufnahmen stellen das unterschiedliche Interieur der Bielefelder M-<strong>Wagen</strong> gegenüber. Während links die Inneneinrichtung eines M8C<br />
(Tw 529) aus den 1980er-Jahren zu sehen ist, zeigt die rechte Aufnahme den Tw 589 vom Typ M8D aus den 1990er-Jahren <strong>von</strong> innen L. BRÜGGEMANN (2)<br />
stehen jedoch sieben unverändert im Betriebsbestand.<br />
Bei Bedarf können sie am<br />
ehesten auf den Linien 1, 2 oder 4 angetroffen<br />
werden. Ab Dezember 2013 sind sieben<br />
<strong>Wagen</strong> wieder im Linieneinsatz fest eingeplant.<br />
Über die <strong>Wagen</strong> 8003, 8010 und 8012<br />
werden derzeit Verkaufsverhandlungen geführt.<br />
Bielefeld<br />
In der größten Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe<br />
gibt es heute drei Serien M-<strong>Wagen</strong>.<br />
Insgesamt waren es sogar vier, doch wurden<br />
die vier 1976 gelieferten M8S Nr. 501 bis<br />
504 bereits 1987 nach Mainz verkauft, u. a.<br />
weil sie ohne Klappstufen nicht an den<br />
Hochbahnsteigen des Stadtbahnnetzes eingesetzt<br />
werden konnten.<br />
Danach erreichten Bielefeld 44 zwischen<br />
1982 und 1987 gebaute M8C (Betriebsnummern<br />
516 bis 559) mit Klappstufen,<br />
die – mit wenigen Ausnahmen am Wochenende<br />
– in Doppeltraktion eingesetzt werden.<br />
Zu diesem Zweck wurden sie mit automatischen<br />
Kupplungen ausgerüstet. In ihrer ursprünglichen<br />
Lackierung stechen die auffälligen<br />
rot-weißen Schraffierungen an den<br />
Fronten ins Auge, die auf den nach wie vor<br />
genutzten klassischen Straßenbahntrassen<br />
den Individualverkehr warnen sollten. Bei<br />
den zunehmenden Neulackierungen im aktuellen<br />
Farbschema – angelehnt an den neuen<br />
taillierten Fahrzeugtyp VAMOS – wird<br />
auf die Warnschraffierungen verzichtet.<br />
Von 1994 bis 1999 kamen die bereits erwähnten<br />
36 Triebwagen des Typs M8D dazu<br />
(Betriebsnummern 560 bis 595), die technisch<br />
auf den M8C basieren, aber auch einige<br />
Abweichungen besitzen. Neben etwas
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Technische Daten Typ M/N<br />
Länge über Kupplung: . . . . . . . . . . . 26.640 mm<br />
(bei M8C + Notkupplung)<br />
20.440 mm (M6)<br />
Maximale Breite: . . . . . . . . . . . . . . . . 2.300 mm<br />
Höhe über SO bis<br />
Oberkante Dachblech: . . . . . . . . . . . . 3.306 mm<br />
Fußbodenhöhe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 880 mm<br />
Höchstgeschwindigkeit:. . . . . . . . . . . . . 70 km/h<br />
Achsfolge: . . . . . . . . . . . . . B‘2‘2‘B‘ (Achtachser)<br />
B‘2‘B‘ (Sechsachser)<br />
Spurweite: . . . . 1.000 mm (Stadtbahnwagen M)<br />
1.435 mm (Stadtbahnwagen N)<br />
Leergewicht . . . . . . . . . . . . 27.800 kg (bei M6S)<br />
(inkl. E-Ausrüstung): . . . . . . . . 38.000 kg (M8C)<br />
Motorleistung (Standard):. . 2 x 150 kW/600 V =<br />
2 x 185 kW/750 V =<br />
Sitzplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 (Achtachser)<br />
36 (Sechsachser)<br />
Der Tw 579, hier am 14. August 2012 in der Kehre an der Haltestelle Universität (Linie 4), ist einer<br />
<strong>von</strong> 36 zwischen 1994 und 1999 nach Bielefeld gelieferten <strong>Wagen</strong> des Typs M8D mit nur einem<br />
Führerstand. Technisch basieren diese auf dem Typ M8C<br />
L. BRÜGGEMANN, C. HECHT (UNTEN)<br />
veränderten Maßen, äußerem Design und<br />
dem abweichenden Antrieb zählt dazu u.a.<br />
der Verzicht auf die zweite Fahrerkabine an<br />
einem <strong>Wagen</strong>ende. Da die <strong>Wagen</strong> gewöhnlich<br />
in Doppeltraktion eingesetzt werden,<br />
war diese entbehrlich, und die <strong>Wagen</strong> werden<br />
jeweils am fahrerstandslosen Ende gekuppelt.<br />
Der Königsplatz in Augsburg wird derzeit umgebaut – hier Tw 8008 am 11. März 2012 am alten<br />
Bahnsteig F. Wegen der Baumaßnahmen kommen die letzten M8C der Fuggerstadt, die als einzige<br />
M-<strong>Wagen</strong> mit Türen im Mittelteil gebaut wurden, bis Ende 2013 regulär nicht zum Einsatz<br />
Ablösung durch taillierte VAMOS<br />
Als Ergänzung zu den M8D wurden 1999<br />
fünf passende, vierachsige Beiwagen geliefert<br />
(Typ MB4, Betriebsnummern 511 bis<br />
515). Diese werden zur Kapazitätsvergrößerung<br />
mittig in M8D-Traktionen mitgeführt.<br />
Trotz ihres Stromabnehmers besitzen<br />
sie keinen eigenen Antrieb.<br />
Seit Lieferung der VAMOS-<strong>Wagen</strong> ist der<br />
Bestand an M8C-<strong>Wagen</strong> rückläufig. Die <strong>Wagen</strong><br />
517 bis 520 dienten zunächst längere<br />
Zeit als Ersatzteilspender, im April 2010<br />
wurden jedoch alle vier Tw verschrottet. Dieses<br />
Schicksal ereilte im März 2012 auch die<br />
Tw 527 und 535. Weiterhin vorhanden und<br />
im Einsatz war Ende 2012 jedoch noch der<br />
„Oldie“ 516. Für Ende Januar 2013 wurde<br />
der Abtransport <strong>von</strong> 14 M8C gemeldet, die<br />
<strong>von</strong> einem polnischen Unternehmen gekauft<br />
wurden und dort für einen Weiterverkauf<br />
aufgearbeitet werden sollen.<br />
Wegen des größeren Lichtraumprofils ist<br />
der Einsatz der VAMOS in Bielefeld derzeit<br />
noch auf die Linien 2 und 4 beschränkt. Auf<br />
der Linie 4 kommen deshalb nur noch vereinzelt<br />
M8D zum Einsatz. Die mittels Beiwagen<br />
ergänzten Langzüge (M8D, MB4,<br />
M8D) fahren nun statt zuvor auf der Linie<br />
4 vorrangig auf der Linie 1. Auch auf der Linie<br />
3 sind die heute mit 15 bis 20 Jahren<br />
noch recht jungen M8D-<strong>Wagen</strong> anzutreffen.<br />
Die M8C sind noch regelmäßig auf den<br />
Linien 1, 2 und 3 unterwegs und als E-Kurse<br />
manchmal auch noch im Verlauf der Linie<br />
4. In der Regel fahren immer Doppeltraktion,<br />
lediglich abens oder am Wochenende<br />
sind Solowagen im Einsatz.<br />
Bochum/Gelsenkirchen<br />
Von den ersten meterspurigen Neubaufahrzeugen<br />
vom Typ M bezog die Bogestra<br />
1976/77 insgesamt 33 Triebwagen – allerdings<br />
in der kürzeren Bauform als Sechsachser.<br />
Die entsprechend dem Typ M6S<br />
(S = Schützensteuerung) zugewiesenen <strong>Wagen</strong><br />
301 bis 333 waren ursprünglich in den<br />
Rhein/Ruhr-Stadtbahnfarben Rot und Weiß<br />
lackiert. Sie haben eine Betriebsspannung<br />
<strong>von</strong> 600/750 Volt.<br />
2011 verkaufte die Bogestra die <strong>Wagen</strong><br />
301, 302, 316, 324, 327 und 328 nach Lodz;<br />
die Tw 305, 306, 307 und 315 kaufte im selben<br />
Jahr das nicht weit entfernte Mülheim<br />
an der Ruhr. Einige weitere Fahrzeuge wurden<br />
verschrottet, so dass inzwischen nur<br />
noch die <strong>Wagen</strong> 304, 310-314, 317, 318,<br />
321, 325, 326 und 329-332 vorhanden sind.<br />
Textfortsetzung auf Seite 48
Titel<br />
Essen ist nach wie vor die deutsche „M-<strong>Wagen</strong>-Hauptstadt“– hier eine Parade an der Hobeisebrücke: Die M8C der Serie 1100 haben bald ausgedient,<br />
der dritte <strong>Wagen</strong>, ein 1400er, Baujahr 1990, wird dagegen noch länger seine Runden durch die Ruhrmetropole drehen<br />
C. LÜCKER<br />
Die Mülheimer Linie 110 führt ein kurzes Stück auf der legendären Reichsstraße 1 entlang, die Bäume bilden dabei ein „schützendes Dach“. Der<br />
M6S-Tw 299, der 2011 <strong>von</strong> der Bogestra übernommen wurde, trägt noch den typischen Bochum-Gelsenkirchener „CE-Lack“<br />
M. LEHMANN<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Die Frankfurter Straße in Kassel ist ein beliebtes Trammotiv. Die 16 im Jahr 1981 gelieferten N8C (Tw 401 bis 416) werden ab Ende Februar 2013<br />
vollständig dem Reservebestand zugeordnet. Am 17. Januar 2012 befand sich Tw 412 jedoch noch im regulären Linieneinsatz C. LÜCKER (2)<br />
Die Heidelberger M8C werden durch eine Modernisierung für die Zukunft fit gemacht. Neben einem Niederflurmittelteil, neuem Innenraum und<br />
neuer Technik, bekommen die <strong>Wagen</strong> auch eine Klimaanlage für den Fahrer – daher auch der „Huckel“ über der Front, hier Prototyp Tw 3253<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
47
Titel<br />
Klassischer geht es kaum: Mittellage, Kopfsteinpflaster und M-<strong>Wagen</strong> rot-weiß in<br />
Witten auf der Linie, wo die M6S (hier Tw 311) und M6C der Bogestra wohl noch bis<br />
zum Jahre 2017 den Gesamtverkehr bestreiten werden<br />
C. LÜCKER<br />
Gleich startet die Fahrt im M6 der Bogestra vom Endpunkt der Linie 310 in Heven-<br />
Dorf über Witten und Bochum nach Wattenscheid-Höntrop. Nicht nur Straßenbahnfans<br />
freuen sich über das klassisch-gemütliche Fahrgefühl im M-<strong>Wagen</strong>... MIK (2)<br />
Ebenfalls bereits gelichtet haben sich die<br />
Reihen der 1981/1982 gelieferten Folgeserie<br />
<strong>von</strong> 22 sechsachsigen Triebwagen mit Choppersteuerung<br />
(Typ M6C, mit 600 Volt Betriebsspannung,<br />
Fahrzeugnummern 334 bis<br />
355), die bei Ablieferung ebenfalls rot/weiß<br />
lackiert waren. Mit insgesamt 55 Sechsachsern<br />
besaß die Bogestra nach Essen den größten<br />
Bestand an M-<strong>Wagen</strong> deutschlandweit.Aktuell<br />
stehen der Bogestra noch 24<br />
M-<strong>Wagen</strong> (15 M6S und neun M6C) betriebsfähig<br />
zur Verfügung, darunter noch<br />
drei im ursprünglichen rot/weißen Farbschema<br />
(die meisten Exemplare erhielten den<br />
in Grau- und Orangetönen gehaltenen „CE-<br />
Lack“, einige tragen Ganzwerbung). Sie bestreiten<br />
den Gesamtverkehr auf der nach<br />
Witten führenden Linie 310 – und zwar noch<br />
so lange, bis die Neubaustrecke über Langendreer<br />
eröffnet wird. Diese wird – voraussichtlich/spätestens<br />
im Jahre 2017 – das<br />
idyllische eingleisige und für Niederflurbahnen<br />
nicht zugelassene Streckenstück zwischen<br />
Unterstraße und Crengeldanz ersetzen.<br />
Dann ist mit einer weiteren deutlichen<br />
Verkleinerung bis hin zur vollständigen Abstellung<br />
des Bestandes zu rechnen.<br />
Auf den anderen Straßenbahnlinien der<br />
Bogestra ist der Planeinsatz der M6 nach<br />
dem Zugang neuer Variobahnen inzwischen<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Das Weltkulturerbe Zeche Zollverein ist ein beliebtes Fotomotiv für die<br />
Essener M8C mit Klappstufen auf der Linie 107. Nach aktuellem Stand<br />
wird dieses Szenario auch noch einige Jahre möglich sein M. KOCHEMS (2)<br />
Scherenstromabnehmer und „Schokoladenlack“ waren Markenzeichen<br />
der Dortmunder N8C. Fast alle fahren nun umgebaut in Danzig, in Dortmund<br />
blieb kein einziges der einst 54 Fahrzeuge erhalten F. FREDENBAUM<br />
Am 1. August 2012 treffen sich die Essener Tw 1402 und 1411 in der<br />
Wendeschleife Helenenstraße. Diese Fahrzeuzgserie fällt auf den ersten<br />
Blick durch den zur <strong>Wagen</strong>mitte hin versetzen Stromabnehmer auf<br />
beendet; nur bei Fahrzeugausfällen oder im<br />
Veranstaltungsverkehr kommt gelegentlich<br />
noch einer der kurzen Hochflur-Sechsacher<br />
auf Strecken abseits der Linie 310.<br />
Dortmund<br />
Die Stadt Dortmund bezog <strong>von</strong> 1978 bis 1983<br />
insgesamt 54 regelspurige Gelenkzüge vom<br />
Typ N8C. Sie erhielten die Betriebsnummern<br />
101 bis 154 zugewiesen. Typische Merkmale<br />
waren ihr ursprüngliches „Schokoladen-Lackschema“<br />
und der Scherenstromabnehmer. Ein<br />
wichtiges Einsatzgebiet war in den ersten Jahren<br />
das wachsende Stadtbahnnetz. Dort wurden<br />
sie später aber nach und nach durch neue<br />
Stadtbahnwagen B, die einen stufenlosen Einstieg<br />
<strong>von</strong> Hochbahnsteigen aus ermöglichen,<br />
in den Straßenbahndienst verdrängt, wo sie<br />
ihrerseits ältere Gelenkwagen ablösten.<br />
Schließlich wickelten sie den Gesamtverkehr<br />
auf den beiden letzten oberirdischen Ost-West-<br />
Linien 403 (häufig in Doppeltraktion) und<br />
404 ab. Mit der Tieferlegung dieser Linien<br />
(Umzeichnung in U43 und U44) erhielt Dortmund<br />
ab 2008 neue achtachsige Niederflurwagen<br />
<strong>von</strong> Bombardier, welche die N8C nach<br />
und nach und bis 2011 endgültig arbeitslos<br />
machten. Beinahe alle wurden nach Danzig<br />
abgegeben. Für den dortigen Einsatz wurden<br />
die <strong>Wagen</strong> modernisiert, wobei u.a. jeweils anstelle<br />
des bisherigen ein neues Mittelteil in Niederflurbauweise<br />
eingesetzt wurde.<br />
Bis auf ein zu einem sechsachsigen Arbeitswagen<br />
verkürztes Exemplar (Nr. 902)<br />
wurden die nicht nach Danzig abgegebenen<br />
Exemplare verschrottet, so dass kein einziger<br />
N8C in der westfälischen Großstadt erhalten<br />
blieb.<br />
Essen<br />
Essen ist die Stadt mit dem umfangreichsten<br />
M-<strong>Wagen</strong>-Bestand und wird die <strong>Wagen</strong> auch<br />
nach heutigem Stand noch mittel- bis langfristig<br />
einsetzen.<br />
Die Essener Verkehrs-AG (EVAG) bezog<br />
1975/76 die ersten Exemplare vom Typ M.<br />
Die 21 als Typ M8S bezeichneten Achtachser<br />
belegten die Nummern 1001 bis 1021<br />
und waren ursprünglich in den „Stadtbahnfarben“<br />
rot-weiß lackiert.<br />
Literaturhinweise<br />
www.tram-info.de<br />
Michael Kochems: „Die Stadtbahnwagen der<br />
Typen M und N“, transpress-Verlag, Stuttgart<br />
2005<br />
Schon 1977 bzw. 1980 gingen die Tw<br />
1009 und 1010 durch Brandschäden verloren.<br />
Während die Lücke des 1009 bestehen<br />
blieb, wurde 1979 der ehemalige Tw 1021<br />
in 1010 II umgezeichnet. Sowohl den 1010 II<br />
als auch die Tw 1014 und 1020 gab die<br />
EVAG zwischen 2002 und 2004 jedoch nach<br />
Mülheim an der Ruhr ab. Weitere <strong>Wagen</strong><br />
gingen nach Polen (Lodz, Krakau) und Rumänien<br />
(Arad), so dass kein M8S in Essen<br />
erhalten geblieben ist.<br />
Bereits mit Choppersteuerung stellte die<br />
EVAG im Jahr 1979 dann 15 Triebwagen des<br />
Typs M8C mit den Betriebsnummern 1101<br />
bis 1115 in Dienst. Äußerlich waren diese <strong>Wagen</strong><br />
<strong>von</strong> ihren Vorgängern sofort an ihrer abweichenden<br />
Lackierung in den Farben gelb<br />
und blau (welche dann auch die Fahrzeuge der<br />
ersten Serie erhielten) unterscheidbar. Exemplare<br />
aus dieser Serie wurden mehrfach als<br />
Vorführwagen genutzt und liefen in Augsburg,<br />
Erfurt, Heidelberg, Krefeld und Mainz. Als<br />
Nr. 1116“ gehört heute auch ein Einzelgänger<br />
zu diesem Nummernkreis – dahinter verbirgt<br />
sich der ehemalige Drehstrom-Versuchswagen<br />
1200 <strong>von</strong> 1980, der später zu<br />
einem herkömmlichen Chopperwagen umgebaut<br />
und umgezeichnet wurde. Der Triebwagen<br />
1115 wurde inzwischen zu einem Ar-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
49
Titel<br />
Modernisierungen <strong>von</strong> M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Die Mülheimer<br />
M-<strong>Wagen</strong> mit Niederflurmittelteil<br />
werden respektlos<br />
„Hängebauchschweine“<br />
genannt.<br />
Der M6D-<br />
NF Nr. 285, der<br />
hier gerade <strong>von</strong><br />
Sterkrade kommend<br />
in die Station<br />
„Neue Mitte“<br />
einfährt, trägt als<br />
einziger eine<br />
gelb/weiß/anthrazite<br />
Farbgebung<br />
analog den bisherigen<br />
Mülheimer<br />
Farben<br />
M. KOCHEMS<br />
Drei deutsche Verkehrsbetriebe ließen ihre M/N-<br />
<strong>Wagen</strong> durch Einbau eines niederflurigen Mittelteils<br />
mit Doppeltür umfangreich modernisieren.<br />
Ab 1991 wurden zunächst die zwölf Nürnberger<br />
N6S durch ein solches C-Teil ergänzt, das in<br />
konventioneller Stahlleichtbauweise erstellt wurde<br />
und ein zusätzliches Gelenkportal mit Drehgestell<br />
erforderte, wodurch die <strong>Wagen</strong> zu N8S-NF<br />
wurden. Die VAG Nürnberg schlug mit diesem Umbau<br />
gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Fahrzeuge<br />
erhielten einen (teilweisen) Niederflurstandard<br />
und das zuvor für den Fahrgasteinsatz eher<br />
zu geringe Fassungsvermögen der <strong>Wagen</strong> wurde<br />
erweitert.<br />
Ab 1996 gingen die Betriebe der Stadt Mülheim<br />
a. d. Ruhr bei ihrem Modernisierungsprogramm<br />
noch einen Schritt weiter: Sie bauten zwar nur einen<br />
Teil ihrer M6 um, doch erhielten diese nicht nur<br />
einen vollständig abgesenkten C-Teil in Sandwichkonstruktion<br />
auf zwei Einzelradlaufwerken<br />
(blieben also Sechsachser), sondern fünf der sieben<br />
<strong>Wagen</strong> wurden gleichzeitig auch im elektrischen Teil<br />
modernisiert, indem u. a. die bisherigen Schütze-<strong>Wagen</strong><br />
Nr. 277 bis 281 auf Choppersteuerung umgebaut<br />
und die Fahrerpulte ausgetauscht wurden. Die beiden<br />
übrigen besaßen bereits einen moderneren Drehstromantrieb.<br />
Im Vergleich zu den Nürnberger <strong>Wagen</strong><br />
erwies sich das Mülheimer Projekt als deutlich<br />
heikler und langwieriger – als ein Indiz wurde der<br />
damalige Baumusterwagen Nr. 282 danach nur selten<br />
eingesetzt und bereits vor einigen Jahren zerlegt.<br />
Niederflur-Mittelteile aus Prag<br />
Fast 20 Jahre nach dem Nürnberger Vorbild werden<br />
aktuell auch die acht Heidelberger M8C seit<br />
2009 in ähnlicher Form umgebaut. Doch gibt es auch<br />
einige Abweichungen. Da sie bereits ein (hochfluriges)<br />
Mittelteil besaßen, wird dieses bei der tschechischen<br />
Firma Cegelec durch ein neues Element mit<br />
niedrflurigem Einstieg ersetzt. Der Umbau der Fahrerkabine<br />
mit Einbau einer Klimaanlage verändert<br />
die <strong>Wagen</strong> durch einen Höcker auf dem Dach über<br />
den Fahrerkabinen äußerlich genauso, wie die neue<br />
Lackierung in den aktuellen rnv-Farben anstelle<br />
der traditionellen Heidelberger Farbgebung in<br />
weiß/blau. Rund zwei Jahre nach Ablieferung des<br />
ersten umgebauten <strong>Wagen</strong>s ist das Vorhaben Anfang<br />
2013 noch nicht komplett abgeschlossen.<br />
Neben diesen drei umfangreichen Modernisierungsbeispielen<br />
wurden natürlich auch die übrigen<br />
M-/N-<strong>Wagen</strong> bei allen Betrieben immer wieder<br />
angepasst. So verschwanden beispielsweise in<br />
den meisten Fällen die betrieblich nicht notwendigen<br />
zweiten Stromabnehmer, die Innenräume<br />
wurden aufgearbeitet, ältere Bauteile durch neue<br />
ersetzt (z.B. im Bereich der Beleuchtungseinrichtungen<br />
an den Stirnfronten) und Mülheim a. d.<br />
Ruhr ließ neben den bereits oben erwähnten M6S<br />
auch seine sechs M8S Nr. 271 bis 276 ab 1998 in<br />
M8C umbauen.<br />
MKO<br />
beitsfahrzeug (Nr. 616) umgebaut, während<br />
die übrigen <strong>Wagen</strong> noch alle im Betriebspark<br />
vorhanden sind.<br />
Meistens sind zwei oder drei <strong>Wagen</strong> der Serie<br />
im benachbarten Mülheim leihweise im<br />
Einsatz. Für die übrigen ist ein Einsatzschwerpunkt<br />
die Linie 106, doch können sie<br />
auch auf allen anderen Linien – mit Ausnahme<br />
der nach Bredeney durchlaufenden Kurse<br />
der 101 und 107 – vereinzelt angetroffen<br />
werden.<br />
Klappstufen zunächst nur einseitig<br />
In den Jahren 1980 bis 1982 beschaffte die<br />
EVAG die M8C-Serie 1116 bis 1135. Weil die<br />
M-<strong>Wagen</strong> dann auch auf Strecken mit Hochbahnsteigen<br />
eingesetzt werden sollten, erhielten<br />
die <strong>Wagen</strong> ab 1984 Klappstufen eingebaut<br />
(zunächst teilweise nur einseitig) und<br />
die neuen Betriebsnummern 1151 bis 1166<br />
sowie 1177 bis 1180. Direkt mit Klappstufen<br />
(ebenfalls ab Werk nur auf einer Seite) ausgeliefert<br />
worden waren 1983/84 noch sechs<br />
weitere M8C mit den Nummern 1171 bis<br />
1176. Alle <strong>Wagen</strong> besitzen inzwischen Klappstufen<br />
auf beiden Seiten und sind noch vollzählig<br />
im Bestand. Sie bestreiten aktuell den<br />
Gesamtverkehr auf der Linie 107 sowie alle<br />
Kurse der Linie 101, die über die Südstrecke<br />
Richtung Bredeney rollen, da die dortigen<br />
Tunnelhaltestellen aufgrund des gemischten<br />
Einsatzes mit normalspurigen, hochflurigen<br />
Stadtbahnzügen nur Hochbahnsteige aufweisen.<br />
Außer auf ihren beiden Stammlinien kommen<br />
die <strong>Wagen</strong> vereinzelt bei <strong>Wagen</strong>mangel<br />
auch auf anderen Verbindungen zum Einsatz,<br />
z.B. auf der Linie 106. Weil zurzeit alle Planungen<br />
zur Umstellung des Bredeneyer Astes<br />
auf Nieder flurbetrieb eingestellt sind, die<br />
EVAG zwischenzeitlich neue <strong>Wagen</strong> aber nur<br />
niederflurig bestellt hat, werden nach jetzigem<br />
Stand auch langfristig die M-<strong>Wagen</strong> mit<br />
Klappstufen in Essen benötigt werden; über<br />
die „Kulturlinie 107“ kommen sie auch nach<br />
Gelsenkirchen.<br />
Mit versetzem Stromabnehmer<br />
Die letzte Serie M-<strong>Wagen</strong> bezog Essen<br />
1989/90. Es handelte sich um 15 Fahrzeuge<br />
vom Typ M8C – diesmal jedoch ohne Klappstufen.<br />
Sie kommen bis heute als Tw 1401 bis<br />
1415 zum Einsatz und sind äußerlich an ihrem<br />
zur <strong>Wagen</strong>mitte hin versetzten Stromab-<br />
50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
OBEN Am 22. Juli 2012 verabschiedete die RNV<br />
ihre noch nicht modernisierten ex Heidelberger<br />
M8C, hier an der Haltestelle SAP-Arena.<br />
Anschließend wurden die „Altbauwagen“ dem<br />
Umbau in M8C-NF zugeführt, den Tw 3254 als<br />
erster bereits absolviert hatte<br />
C. HECHT<br />
RECHTS Wegen der Hochbahnsteige an den Tunnelstationen<br />
des Bredeneyer Streckenastes<br />
werden in Essen die M8C mit Klappstufen noch<br />
längerfristig zum Einsatz kommen F. FREDENBAUM<br />
nehmer leicht zu erkennen. Es sind die einzigen<br />
Fahrzeuge vom Typ M/N in der klassischen<br />
Bauform, die dieses Merkmal aufweisen<br />
– die noch später gebauten Bielfelder<br />
M8D mit dieser Stromabnehmeranordnung<br />
wurden ja auch im <strong>Wagen</strong>kastendesign deutlich<br />
verändert.<br />
Wie die <strong>Wagen</strong> 1101 bis 1116 laufen die<br />
Tw 1401 bis 1415 meist auf der Linie 106<br />
(aktuell die einzige Essener Linie, die nur mit<br />
M8C bestückt wird) und vereinzelt auf allen<br />
anderen Routen ohne Hochbahnsteige –<br />
noch, denn die Ablösung kommt bald: Ab<br />
August 2013 (zwei Prototypen) bzw. März<br />
2014 (Serienfahrzeuge) erwartet die EVAG<br />
27 neue Flexity Classic, die Ende 2011 bei<br />
Bombardier bestellt wurden.<br />
Heidelberg<br />
Ursprünglich dem Typ M8C entsprachen die<br />
im nordbadischen Heidelberg eingesetzten M-<br />
<strong>Wagen</strong>. 1985 bezog die damalige Heidelberger<br />
Straßenbahn (inzwischen in der RNV –<br />
Rhein-Neckar-Verkehr GmbH aufgegangen)<br />
für die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt<br />
insgesamt acht solcher meterspurigen Fahrzeuge<br />
und gab ihnen die Betriebsnummern<br />
251 bis 258. Zwischenzeitlich wurde die jeweilige<br />
Nummer nach Gründung der RNV<br />
durch eine vorgestellte 3 als Zeichen für Heidelberger<br />
<strong>Wagen</strong> ergänzt. Von allen anderen<br />
M/N-<strong>Wagen</strong> unterschieden sich die Heidelberger<br />
<strong>Wagen</strong> durch den Verzicht auf seitliche<br />
Zielanzeiger im Dachbereich.<br />
2009 wurde die Modernisierung der acht<br />
<strong>Wagen</strong>, u. a. durch das Einfügen eines niederflurigen<br />
Mittelteils anstelle des bishe rigen<br />
hochflurigen Elements, bei der Firma Cegelec<br />
beschlossen. Die Fertigstellung des Prototyps<br />
3253 verzögerte sich mehrmals, so<br />
dass er erst 2011 in neuer Gestalt in den Linienverkehr<br />
zurückkehrte. Schrittweise werden<br />
auch die übrigen <strong>Wagen</strong> zur Modernisierung<br />
überführt. Anfang 2013 hatten<br />
bereits fünf <strong>Wagen</strong> diesen Umbau durchlaufen,<br />
die Triebwagen 3251, 3252 und<br />
3258 waren in Arbeit. Obwohl inzwischen<br />
auch zahlreiche neue Niederflurwagen in<br />
Heidelberg vorhanden sind, sollen die modernisierten<br />
M-<strong>Wagen</strong> noch rund 15 Jahre<br />
im Betrieb bleiben. Eingesetzt werden sie auf<br />
den Linien 21, 22, 24 und 26.<br />
Kassel<br />
Die nordhessische Großstadt Kassel bestellte<br />
Ende 1979 nach erfolgreichen Testfahrten<br />
mit einem geliehenen Dortmunder <strong>Wagen</strong><br />
bei der <strong>Düwag</strong> zunächst 16 normalspurige<br />
<strong>Wagen</strong> vom Typ N8C, die 1981 geliefert<br />
wurden. 1986 folgten nochmals sechs weitere<br />
Fahrzeuge dieses Typs. Die als Tw 401<br />
bis 422 geführten Fahrzeuge werden aber<br />
derzeit massiv <strong>von</strong> neuen NGT8 <strong>von</strong> Bom-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
51
Titel<br />
Die Krefelder Standardlackierung ist weiß mit roten Zierstreifen, wie sie auch der M8C Nr. 834 trägt, der im eingleisigen Abschnitt auf der Linie<br />
044 unter der Linner Eisenbahnbrücke Richtung Rheinhafen unterwegs ist M. KOCHEMS (2)<br />
Nicht mehr lange Alltag in der Schleife Tackheide:<br />
Einerseits werden Krefelds M-<strong>Wagen</strong><br />
durch weitere Niederflurwagen ersetzt, andererseits<br />
wird dieser Abschnitt der Linie 043 vom<br />
Abzweig Oberschlesienstraße 2013 stillgelegt<br />
Namen der Krefelder M8C<br />
831: Stadt Krefeld<br />
832: City of Leicester<br />
833: Cracau<br />
834: Uerdingen<br />
835: Lehmheide<br />
836: Inrath<br />
837: Gemeente Venlo<br />
838: Fischeln<br />
839: Ville de Dunkerque<br />
840: Gemeente Leiden<br />
841: Bockum<br />
842: Oppum<br />
843: Lindental<br />
844: Hüls<br />
845: Dießem<br />
846: Königshof<br />
847: Verberg<br />
848: Gellep<br />
849: Kliedbruch<br />
850: Forstwald<br />
bardier verdrängt. Seit 31. März 2012 sind<br />
die ersten dieser Neubaufahrzeuge in Kassel<br />
im Einsatz. Ende Dezember 2012 waren daraufhin<br />
schon 13 N8C zu Betriebsreservewagen<br />
degradiert worden. Bis Ende Februar<br />
2013 sollten bereits alle Tw der ersten<br />
Serie (Tw 401 bis 416) zu diesem Reservebestand<br />
gehören. Mitte 2013, wenn alle neuen<br />
22 NGT8 <strong>von</strong> Bombardier in Kassel eingetroffen<br />
sein, wird die KVG über den<br />
Verkauf der Tw 401 bis 416 entscheiden.<br />
Für die <strong>Wagen</strong> der zweiten Serie (Tw 417 bis<br />
422) ist hingegen eine Nutzung als Verstärkungs-<br />
bzw. Reservewagen noch bis ca. 2016<br />
vorgesehen.Gegenwärtig trifft man die N8C<br />
am häufigsten auf der Linie 5E (verkehrt<br />
noch bis zum 22. März). In der morgendlichen<br />
Hauptverkehrszeit sind sie auch oft auf<br />
der Linie 7 oder als E-<strong>Wagen</strong> unterwegs.<br />
Krefeld<br />
Nach erfolgreichen Testfahrten mit einem<br />
geliehenen <strong>Wagen</strong> aus Essen beschaffte Krefeld<br />
1980/81 insgesamt 20 M8C. Diese <strong>Wagen</strong><br />
sind bis heute alle noch vorhanden und<br />
tragen als Besonderheit Namen <strong>von</strong> Krefelder<br />
Stadtteilen oder Partnerstädten. 1985<br />
weilte ein Krefelder M8C als Vorführfahrzeug<br />
in Ludwigshafen (Bild auf Seite 71 in<br />
diesem Heft). Bunt gemischt mit den<br />
2009/2010 beschafften Flexity Niederflurwagen<br />
kommen die M8C aktuell noch auf<br />
allen Krefelder Linien zum Einsatz.<br />
Ende 2012 löste die Krefelder SWK mobil<br />
aus der ursprünglichen Option <strong>von</strong> 19<br />
weiteren Flexity-Triebwagen einen Teil ein<br />
und bestellte zwölf weitere Niederflurbahnen<br />
bei Bombardier. Damit dürfte Ende 2014<br />
der regelmäßige Planeinsatz der M8C in Kre-<br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
M-/N-<strong>Wagen</strong><br />
Der Mainzer Tw 271, hier vor dem Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, trägt noch die klassische Lackierung. Er war der<br />
erste der sechs 1984 nach Mainz gelieferten M8C, die nun immer mehr <strong>von</strong> den neuen Variobahnen verdrängt werden<br />
P. KRAMMER<br />
Noch rollen die Mainzer M-<strong>Wagen</strong> auch hin<br />
und wieder durch das idyllische Gonsenheim,<br />
wie hier am 23. März 2012. Tw 278 ist einer<br />
<strong>von</strong> ingesamt vier M8S, die 1987 <strong>von</strong> Bielefeld<br />
nach Mainz kamen<br />
M. KOCHEMS<br />
Taufnamen der Mainzer M8C<br />
271: Mainz-Hechtsheim<br />
272: Mainz-Gonsenheim<br />
273: Mainz-Finthen<br />
274: Mainz-Bretzenheim<br />
275: Mainz-Mombach<br />
276: Mainz-City<br />
feld zu Ende gehen. Möglicherweise werden<br />
jedoch einige <strong>Wagen</strong> in der Betriebsreserve<br />
und zur Bestückung <strong>von</strong> Verstärkungkursen<br />
verbleiben.<br />
Mainz<br />
Der Mainzer Bestand an M-<strong>Wagen</strong> setzt sich<br />
aus sechs M8C des Baujahres 1984 (Nr. 271<br />
bis 276), die nach erfolgreichen Testfahrten<br />
eines ausgeliehenen Essener <strong>Wagen</strong>s fabrikneu<br />
gekauft wurden, und vier älteren M8S<br />
des Baujahres 1976 (Nr. 277 bis 280), die<br />
1987 gebraucht aus Bielefeld beschafft wurden<br />
zusammen. Ähnlich wie in Krefeld wurden<br />
die neuen <strong>Wagen</strong> seinerzeit auf die Namen<br />
Mainzer Stadtteile getauft. Noch zählen<br />
alle zehn <strong>Wagen</strong> zum betriebsfähigen Bestand<br />
und kommen fallweise auf allen drei<br />
Linien zum Einsatz. Ein großer Teil ihrer<br />
Leistungen wurde aber bereits <strong>von</strong> ihren niederflurigen<br />
Nachfolgern (insgesamt zehn Variobahnen,<br />
sieben da<strong>von</strong> waren Anfang Februar<br />
2013 bereits für den Liniendienst<br />
zugelassen) übernommen, so dass die M8C/S<br />
immer öfters nur noch als Ergänzungskurse/E-<strong>Wagen</strong><br />
ins Netz kommen.<br />
Ob und wann die <strong>Wagen</strong> endgültig ausscheiden,<br />
ist noch offen – und hängt auch<br />
mit dem sich veränderndem Fahrzeugbedarf<br />
zusammen, der sich mit Inbetriebnahme der<br />
Neubaustrecke „Mainzelbahn“ ergibt. Überlegungen<br />
zur grundlegenden Modernisierung<br />
<strong>von</strong> M-<strong>Wagen</strong> analog den Heidelberger <strong>Wagen</strong><br />
wurden nicht weiter verfolgt.<br />
Mülheim an der Ruhr<br />
Mülheim an der Ruhr gehörte neben Essen<br />
und Bochum zu den ersten Käufern des M-<br />
<strong>Wagen</strong>typs. Zunächst wurden 1976 sechs<br />
M8S beschafft, die die Nummern 271 bis 276<br />
erhielten. Anschließend wurden nur noch<br />
sechsachsige <strong>Wagen</strong> neu beschafft. 1977 handelte<br />
es sich dabei um fünf M6S (Nr. 277 bis<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
53
Titel<br />
So wie die große Zeit der Gaslampen in Deutschland beendet ist, so haben auch die M-<strong>Wagen</strong> ihren Zenit überschritten. Im Ruhrgebiet, wo Marcus<br />
Lehmann am 9. Juli 2012 den Tw 298 (ex Bochum 307) in Mülheims Stadtmitte fotografierte, spürt man das mancherorts aber noch wenig<br />
In Nürnberg ist <strong>von</strong> ursprünglich zwölf <strong>Wagen</strong><br />
des Typs N8S-NF lediglich noch der Tw 363 als<br />
Museumswagen vorhanden. Im Rahmen einer<br />
Sonderfahrt lichtete ihn Christopher Hecht am<br />
21. Oktober 2012 in seiner Heimatstadt am<br />
Hauptbahnhof ab<br />
281). Anschließend erhielten die neu gelieferten<br />
<strong>Wagen</strong> einen Drehstromantrieb:<br />
• Baujahr 1979: 282 – erster M-<strong>Wagen</strong> mit<br />
Drehstromantrieb <strong>von</strong> Siemens<br />
• Baujahr 1984: 283 bis 286<br />
• Baujahr 1987: 287 bis 290<br />
• Baujahr 1992: 291 bis 294<br />
Aus Kapazitätsgründen wurden ab den frühen<br />
1990er-Jahren die M6D mit Hilfe ihrer<br />
automatischen Kupplungen u. a. auf der Linie<br />
102 teilweise auch in Doppeltraktion eingesetzt.<br />
Ab Mitte der 1990er-Jahre wurden<br />
außerdem die M6S (dabei gleichzeitig Modernisierung<br />
zu Chopper-<strong>Wagen</strong>) und zwei<br />
M6D durch Einfügung eines niederflurigen<br />
Mittelteils beim Mittenwalder Gerätebau<br />
zu dreiteiligen Triebwagen umgebaut. Im<br />
Unterschied zu den ähnlich moder nisierten<br />
Nürnberger Fahrzeugen blieben die umgebauten<br />
Mülheimer <strong>Wagen</strong> aber Sechsachser,<br />
da man keine zwei Drehgestelle verwendete,<br />
sondern anstelle des früheren mittleren<br />
Jacobsdrehgestells zwei Losradlaufwerke<br />
einbaute. Vorhanden <strong>von</strong> diesen Umbauten<br />
sind heute noch die M6C-NF 277 bis 279<br />
und 281 und der M6D-NF 285. Der Prototyp<br />
Nr. 282 wurde u. a. aufgrund einiger Abweichungen<br />
zur späteren (Klein-) Serie und<br />
einer relativ hohen Schadanfälligkeit inzwischen<br />
ausgemustert und verscgrottet, Triebwagen<br />
280 ist zerlegt.<br />
Als Ersatz für ältere Gelenkwagen wurden<br />
2002 bis 2004 drei gebrauchte M8S aus Essen<br />
übernommen, die inzwischen aber teilweise<br />
abgestellt wurden – nur noch der Tw<br />
270 (ex EVAG 1020) gehört zum Bestand.<br />
Darüber hinaus sind seit vielen Jahren gewöhnlich<br />
zwei oder drei Essener M8C aus<br />
der Reihe 1101 bis 1116 leihweise in Mülheim<br />
im Einsatz, gewöhnlich auf der Linie<br />
104 Hauptfriedhof – Abzweig Aktienstraße.<br />
2011 übernahm Mülheim zudem vier M6S<br />
aus Bochum (Tw 305, 306, 307 und 315),<br />
welche die <strong>Wagen</strong>nummern 296 bis 299 erhielten.<br />
Die <strong>Wagen</strong> 297 und 299 wurden<br />
aber bereits wieder abgestellt.<br />
Die Mülheimer M-<strong>Wagen</strong> bedienen aktuell<br />
noch alle Linien, wobei die Achtachser<br />
mit Niederflurmittelteil auf der Linie 102<br />
oder – falls nicht genügen MGT6-Niederflurwagen<br />
einsatzfähig sind – auf der Linie<br />
112 zum Einsatz kommen. Nach Zugang der<br />
durch Mülheim aus der Essener Option bestellten<br />
fünf neuen Flexity-Niederflurwagen<br />
werden vermutlich einige ältere Mülheimer<br />
M-<strong>Wagen</strong> abgestellt werden. Auch die anhaltende<br />
Diskussion um Streckenstillegungen<br />
könnte bei Realisierung das Aus für weitere<br />
M-<strong>Wagen</strong> bedeuten.<br />
Nürnberg<br />
Die Verkehrsaktiengesellschaft Nürnberg<br />
setzte schon sehr früh auf niedrige Einstiegshöhen<br />
ihrer Fahrzeuge. So ließ sie ihre<br />
zwölf <strong>von</strong> der <strong>Düwag</strong> und MAN 1976 in die<br />
fränkische Metropole gelieferten <strong>Wagen</strong> vom<br />
Typ N6S im Jahr 1992 mit jeweils einem<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
In Linz fuhren bis 2012 die einzigen Zehnachser, die vom Typ M/N<br />
abgeleitet wurden. Tw 45 (2012 verschrottet) fährt hier am 28. März<br />
2009 auf der Linzer Landstraße T. FISCHBACHER<br />
M/N-<strong>Wagen</strong> in Österreich<br />
Aus Tradition.<br />
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In Österreich verkehrten bis vor kurzem nicht nur in Graz, sondern auch in<br />
Linz Lizenzbauten des Typs M/N. Die oberösterreichische Landeshauptstadt<br />
nahm in den Jahren 1985/86 16 zehnach sige Triebwagen des Typs L10 in Betrieb<br />
(Tw 41 bis 56), die im Bombardier-Rotax-Werk in Wien gefertigt worden<br />
waren und über eine Choppersteuerung der Firma Siemens verfügten.<br />
Unterschiede zu den deutschen Fahrzeugen bestanden hauptsächlich in der<br />
Einrichtungsausführung und den zwei Mittelteilen. Wie auch in Augsburg<br />
waren die Mittelteile mit einem Einstieg ausgestattet. Alle 16 Linzer <strong>Wagen</strong><br />
wurden 2011/12 verschrottet.<br />
Graz erhielt 1986/87 zwölf Einrichtungs-Sechsachser der Reihe 600, die<br />
im Grazer SGP-Werk entstanden und deren technische Ausrüstung mit jener<br />
der Linzer Fahrzeuge vergleichbar ist. Da die <strong>Wagen</strong> 601 bis 612 dem<br />
steigenden Fahrgastaufkommen nicht mehr genügten, wurden sie 1999 mit<br />
Niederflur-Mittelteilen <strong>von</strong> Bombardier Wien zu Achtachsern erweitert. Sie<br />
sollen auch in Zukunft im Einsatz bleiben.<br />
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Sie ist aus dem öffentlichen Leben der großen Schweizer Städte<br />
nicht wegzudenken und erfreut sich wachsender Beliebtheit: die<br />
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historischen Fotos anregend bebilderte Porträt. Rollmaterial,<br />
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Niederflurmittelteil versehen. Die wegen des<br />
zusätzlichen Drehgestells seither als N8S-NF<br />
geführten <strong>Wagen</strong> 361 bis 372 waren jedoch<br />
mit den letzten Exemplaren in Nürnberg nur<br />
bis 2011 im Einsatz. Theoretisch hätte ihre<br />
Einsatzzeit sogar noch früher enden sollen,<br />
doch Probleme mit ihren Nachfolgern – Variobahnen<br />
aus dem Hause Stadler – sorgten<br />
für eine Gnadenfrist. Schrittweise gingen die<br />
nicht mehr benötigten <strong>Wagen</strong> zwischen 2006<br />
und 2011 nach Krakau.<br />
Als Museumswagen in Nürnberg verblieben<br />
ist der Triebwagen 363.<br />
MICHAEL KOCHEMS/ANDRÉ MARKS/MIK<br />
Jeder zweite Kurs<br />
der Mülheimer Linie<br />
104 wendet am<br />
Gleisdreieck Grenze<br />
Borbeck. Hier kommen<br />
leihweise auch<br />
Essener M8C zum<br />
Einsatz. Am 1. August<br />
2012 verlässt<br />
EVAG-Tw 1108 das<br />
Wendegleis, während<br />
der Mülheimer<br />
M6D 294 gerade<br />
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Fahrzeuge<br />
Konstal-Klassiker<br />
auf dem Abstellgleis<br />
Ende <strong>von</strong> Polens 13N-<strong>Wagen</strong> In Polens Hauptstadt standen die Vierachser vom Typ 13N in der<br />
Silvesternacht 2012 letztmalig im Planeinsatz. Am 5. Januar 2013 erfolgte ihre offizielle Verabschiedung<br />
– das Ende eines Kapitels, das 1959 in Warschau mit starken Geburtswehen begann …<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Polen: Typ 13N<br />
Jedes Land hat seine Straßenbahnklassiker,<br />
<strong>von</strong> denen es nun langsam<br />
Abschied zu nehmen gilt: Sind es hierzulande<br />
die letzten <strong>Düwag</strong>-Gelenktriebwagen<br />
oder die Tatras, so sind es in Polen<br />
die Konstal-<strong>Wagen</strong>. Nachdem in der<br />
ersten Hälfte der 1990er-Jahre die letzten<br />
Zweiachser aus dem Linienverkehr abgezogen<br />
wurden (sieht man vom Sonderfall der<br />
Linie 38 im oberschlesischen Beuthen einmal<br />
ab), sind nun die Tage der zweiten Generation<br />
Konstal-<strong>Wagen</strong> mit ihren runden<br />
Formen gezählt. Schieden 2009 die regelspurigen<br />
sechsachsigen Gelenkwagen des<br />
Typs 102Na offiziell aus dem Planverkehr<br />
aus, so folgten vor einem Jahr die <strong>Wagen</strong> der<br />
Meterspurvariante vom Typ 803N. Deren<br />
letzte Exemplare sind am 31. März 2012 in<br />
Lodz abgestellt und anschließend verschrottet<br />
worden. Anfang dieses Jahres<br />
nahm man nun in Warschau <strong>von</strong> den vierachsigen<br />
Großraumwagen des Typs 13N,<br />
den ersten modernen Straßenbahnfahrzeugen<br />
Polens, Abschied. Diese <strong>Wagen</strong> befinden<br />
sich inzwischen ebenfalls in Zerlegung.<br />
Die ersten 13N<br />
Der erste Triebwagen vom Typ 13N wurde<br />
im September 1959 ausgeliefert und erhielt<br />
in der Hauptstadt die <strong>Wagen</strong>nummer 503.<br />
Mit den Tw 504 bis 508 kamen 1960 fünf<br />
weitere Vorserienfahrzeuge nach Warschau.<br />
Für das damalige Polen stellten die 13N-<br />
Großraumwagen eine regelrechte Revolution<br />
dar: Bei den Zweiachsern mussten die<br />
Fahrer per Hand die Stromzufuhr regeln und<br />
mit Hilfe der Zuschaltung <strong>von</strong> mehr oder<br />
weniger Widerständen in den Stromkreis der<br />
Elektromotoren die Fahrgeschwindigkeit bestimmen.<br />
Die 13N verfügten hingegen über<br />
PCC-Beschleunigertechnik mit Pedalsteuerung.<br />
Dabei konnten über einen automatischen<br />
Schalter 76 Widerstandsstufen für das<br />
Anfahren und 99 Stufen für den Bremsvorgang<br />
zugeschaltet werden.<br />
Die neuen Vierachser waren sehr leistungsstarke<br />
Fahrzeuge: Verfügten die Zweiachser<br />
lediglich über zwei Motoren mit einer<br />
In Deutschland in dieser Form längst museal<br />
anmutend – in Warschau bis Silvester 2012 Alltag:<br />
Kupplung und Kabelverbindungen zwischen<br />
13N-<strong>Wagen</strong><br />
Im August 2007 waren Dreifachtraktionen<br />
<strong>von</strong> 13N schon Geschichte. An der Station<br />
Okecie steht hinter dem <strong>von</strong> Tw 769 geführten<br />
Pärchen bereits das nächste Pärchen,<br />
während auf dem Nebengleis Tw 598 auf<br />
Fahrgäste wartet M. SPERL (2)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
57
Fahrzeuge<br />
Die beiden Tw 828 + 736 legen am 4. Februar 2011<br />
im leicht verschneiten Warschau als Linie 33 in<br />
Richtung Kielecka an der Haltestelle „Biblioteka<br />
Narodowa“ (Nationalbibliothek) einen Stopp ein<br />
B. MARTIN<br />
Auch Warschauer 13N-<strong>Wagen</strong> erhielten komplette Werbelackierungen, hier zum Beispiel das<br />
Pärchen aus den Tw 706 + 707 am 12. August 2007<br />
M. SPERL, M. JUNGE (BILD LINKS)<br />
Haltestellenbeschilderung und Linienfahrplan<br />
durften nicht fehlen – und sei es nur für wenige<br />
Stunden. Während im Vordergrund noch die<br />
richtige Linie gesucht wird, steht im Hintergrund<br />
der heimliche Star des Silvesterabends<br />
Leistung <strong>von</strong> lediglich 60 kW, mit denen eine<br />
Höchstgeschwindigkeit <strong>von</strong> 50 km/h erzielt<br />
werden konnte, so waren die 13N mit vier<br />
41,5-kW-Motoren ausgestattet, was eine Maximalgeschwindigkeit<br />
<strong>von</strong> 68 km/h ermöglichte.<br />
Das Getriebe besaß eine zweistufige<br />
Übersetzung im Verhältnis <strong>von</strong> 1:7,375. Hieraus<br />
resultierte das für die 13N charakteristische<br />
Heulen beim Anfahren und Bremsen.<br />
Die Serienwagen<br />
Die ersten neuen Fahrzeuge wurden in Warschau<br />
als Tw 509ff. in den <strong>Wagen</strong>park eingereiht<br />
und auf den Linien 31 und 33 eingesetzt.<br />
Um Umnummerierungen der Altfahrzeuge<br />
zu vermeiden, wurde jedoch schon<br />
bald für die weiteren 13N eine neue Nummernserie<br />
1ff. geschaffen.<br />
Im Verlauf der Produktion wurde der <strong>Wagen</strong><br />
weiter verbessert. Ab 1964 war die einheimische<br />
Elektroindustrie in der Lage, die<br />
belgischen Importausrüstungen durch eigene<br />
Erzeugnisse zu ersetzen. Bis 1969 wurden<br />
846 (!) 13N an die Warschauer Straßenbahn<br />
ausgeliefert. Ein Teil der Fahrzeuge wurde<br />
als führerstandslose Beitriebwagen (Typenbezeichnung<br />
13ND) ausgeführt. Sechs weitere<br />
Konstal-Vierachser gelangten nach<br />
Oberschlesien (dort als 14N und 15N bezeichnet).<br />
Der hauptstädtische Straßenbahnbetrieb<br />
hätte gerne weitere 13N beschafft, da noch<br />
täglich dutzende Zweiachser unentbehrlich<br />
waren. Doch das Ministerium für Transportwesen<br />
konnte sich Mitte der 1960er-Jahre<br />
den Forderungen der anderen polnischen<br />
Verkehrsbetriebe nach der Zuteilung moderner<br />
Fahrzeuge nicht länger verschließen und<br />
wies daher den Waggonbauer Konstal an, die<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Polen: Typ 13N<br />
Die Triebwagen 836 und 835 verlassen am 16. August 2010 als Linie 28 in Richtung Wiatraczna die Haltestelle „Dworzec Wilenski“. Neben dieser<br />
steht das Denkmal an die Befreiung Warschaus durch die Rote Armee 1945<br />
B. MARTIN<br />
Produktion der Vierachser einzustellen und<br />
stattdessen einen sechsachsigen Gelenktriebwagen<br />
zu entwickeln. Dieser neue Fahrzeugtyp<br />
war zwar vornehmlich für die „Provinzbetriebe“<br />
gedacht, doch auch Warschau sollte<br />
nach den ursprünglichen Planungen Konstal-<br />
Sechsachser erhalten. Diese Idee wurde jedoch<br />
schließlich zu Gunsten der Beschaffung des<br />
neuen 105N-Vierachsers verworfen.<br />
Der Einsatz in Warschau<br />
Hinsichtlich der 13N war in Warschau ursprünglich<br />
ein Mischbetrieb mit Konstal-<br />
Zweiachsern auf denselben Strecken vorgesehen.<br />
Hier<strong>von</strong> nahm jedoch aufgrund der<br />
sehr unterschiedlichen Beschleunigung der<br />
beiden <strong>Wagen</strong>typen und der daraus resultierenden<br />
Behinderung der Großraumwagen<br />
durch die N-<strong>Wagen</strong> rasch wieder Abstand.<br />
Für eine Übergangszeit wurde das Netz zwischen<br />
den beiden <strong>Wagen</strong>typen aufgeteilt, um<br />
die Behinderungen für die Vierachser so gering<br />
wie möglich zu halten.<br />
Trotz der vorgenommenen Verbesserungen<br />
bereitete der 13N den Warschauer Verkehrsbetrieben<br />
reichlich Kummer und beschäf tigte<br />
sogar den Parteitag der polnischen Kom -<br />
munisten! Insbesondere die Beschleunigersteuerung<br />
erwies sich als nicht ausgereift und<br />
führte zu einer hohen Ausfallsquote der Vierachser.<br />
Als Grund hierfür konnten fehlerhaft<br />
hergestellte sowie falsch im Betrieb eingesetzte<br />
Beschleuniger identifiziert werden.<br />
Es dauerte bis 1965, bis die 13N auch elektrisch<br />
(und nicht nur mechanisch) gekuppelt<br />
in Doppeltraktion eingesetzt werden konnten.<br />
Ab 1977 wurden auch angesichts des<br />
Die Vorgeschichte der 13N<br />
Mangels eigener Möglichkeit und Kapazitäten<br />
plante Polen Anfang der 1950er-Jahre, in Schweden<br />
moderne vierachsige Straßenbahnwagen zu<br />
kaufen. Doch angesichts des aufziehenden „Kalten<br />
Krieges“ erwies sich das als nicht durchführbar.<br />
Im Jahr 1954 startete in Polen das Projekt<br />
„Großraumwagen“. Dieses Mal sollte die Tschechoslowakei<br />
„Bruderhilfe“ leisten. Nach langem<br />
Widerstand gaben die Tschechen im Herbst 1955<br />
schließlich nach und verkauften zwei T1-Vierachsern<br />
<strong>von</strong> CKD – offiziell für die Warschauer Straßenbahn.<br />
Die beiden Fahrzeuge kamen im Januar<br />
1956 in der polnischen Hauptstadt an und<br />
wurden als Tw 501 und 502 in den dortigen <strong>Wagen</strong>park<br />
eingereiht.<br />
Nach einigen Monaten im Fahrgasteinsatz wurde<br />
Tw 502 an das Zentrale Konstruktionsbüro <strong>von</strong><br />
PTK Pozna (Posen) überstellt, wo sogleich das<br />
gründliche Studium der Fahrzeugkonstruktion und<br />
ihrer Adaptierung an die polnischen Produktionskapazitäten<br />
begann. Auf dieser Grundlage<br />
wurde der polnische 11N-Vierachser entwickelt,<br />
herrschenden Personalmangels Dreifachtraktionen<br />
gebildet, um mit weniger Fahrern<br />
mehr Fahrgäste transportieren zu können.<br />
Alle bis 1967 gelieferten Großraumwagen<br />
erhielten noch klassische Scherenstromabnehmer,<br />
die jedoch später als eine weitere<br />
Schwachstelle dieses Fahrzeugtyps ausgemacht<br />
wurden. Deshalb ging man zum für die<br />
Konstal-<strong>Wagen</strong> so charakterischen OTK1-<br />
Pantographen in Form einer Halbschere über.<br />
der neben Warschau auch an andere Straßenbahnbetriebe<br />
des Landes geliefert werden sollte.<br />
Unter der Bezeichnung 12N wurde an Plänen für<br />
einen Beitrieb wagen mit vereinfachter Elektroausrüstung<br />
gearbeitet.<br />
Steuerungen anfangs aus Belgien<br />
Im Zuge der Planungen stellte sich jedoch heraus,<br />
dass die einheimische Industrie mit der Herstellung<br />
der Bauteile für die Antriebssteuerung überfordert<br />
war. Deshalb wurde 1957 ein Vertrag mit<br />
der belgischen ACEC (Ateliers de Constructions<br />
Electriques de Charleroi) über den Kauf <strong>von</strong> 25<br />
Musterausrüstungen unterzeichnet. Im weiteren<br />
Verlauf wurden gewisse Änderungen gegenüber<br />
dem belgischen Modell vorgenommen.<br />
Im Juli 1959 stellte die polnische Industrie das<br />
Konzept des 13N-Prototypen vor. Obwohl die erforderlichen<br />
Konstruktionsstudien noch nicht<br />
abgeschlossen waren, begann auf Druck des<br />
Warschauer Verkehrsbetriebs die Vorserienproduktion.<br />
Diese Technologie wurde aus Österreich in<br />
Gestalt <strong>von</strong> Stemmann-Stromabnehmern importiert.<br />
Nach und nach wurden alle Großraumwagen<br />
mit OTK1 nachgerüstet.<br />
Die Ablösung beginnt<br />
Der Stern der 13N begann Mitte der 1980er-<br />
Jahre zu sinken: Dienten die ersten 96 Vierachser<br />
des neuen Einheitstyps 105N, die zwischen<br />
1975 und 1978 nach Warschau<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
59
Fahrzeuge<br />
Drei <strong>Wagen</strong>, drei polnische Fabrikate! Lieferte Konstal die beiden „Klassiker“ 688 + 689 in den 1960er-Jahren, so entstand der Tw 3118 vom Typ<br />
120Na nach 2009 in der Bromberger Fa. PESA. Am 5. September 2010 fährt er als Linie 13 nach Nowe Bemowo, so sind die 13N <strong>von</strong> der Haltestelle<br />
„DT Wola“ als Linie 26 unterwegs<br />
B. MARTIN<br />
geliefert wurden, noch der Ablösung der letzten<br />
Vorkriegswagen und Konstal-Zweiachser,<br />
führten die kontinuierlichen Lieferungen<br />
des Nachfolgetyps 105Na auch zu einer<br />
spürbaren Dezimierung der 13N-Flotte. Bis<br />
zur politischen Wende in Polen waren bereits<br />
218 Fahrzeuge dieses Fahrzeugtyps ausgemustert<br />
worden.<br />
Im Gegensatz zu anderen polnischen Städten<br />
lieferte Konstal, das seit 1997 zum französischen<br />
Alstom-Konzern gehört, auch in den<br />
1990er-Jahre weiterhin große Stückzahlen <strong>von</strong><br />
Vierachsern aus der 105N-Familie nach Warschau<br />
– zunächst bis zum Jahr 2000 insgesamt<br />
246 Fahrzeuge im klassischen eckigen Gewand,<br />
im Folgejahr noch einmal 62 Vierachser<br />
des Typs 105N2k/2000 mit neuen, abgerundeten<br />
Front- und Heckpartien. Zwischen<br />
1995 und 2000 erhielt die polnische Hauptstadt<br />
außerdem 30 Konstal-Niederflurwagen.<br />
Hinzu kam, dass auch in Polen infolge des<br />
schwierigen Übergangs <strong>von</strong> der Plan- zur<br />
Marktwirtschaft und zunehmender Massenmotorisierung<br />
nach 1990 die Fahrgastzahlen<br />
stark zurückgingen. Als Reaktion hierauf<br />
wurde das Angebot angepasst und der<br />
Einsatz <strong>von</strong> Dreifachtraktionen aufgegeben.<br />
Am 30. Juni 1994 verkehrten die 13N zum<br />
letzten Mal in dieser Zugkomposition. Diese<br />
Einsatzveränderungen und die zahlreichen<br />
Technische Daten verschiedener Konstal-<strong>Wagen</strong> im Vergleich<br />
13N 802N 102NaW 803N<br />
Baujahre 1959–1969 1970 1972/1973 1973–1975<br />
Anzahl insgesamt 846 5 20 171 (141 für Lodz)<br />
Länge 13,30 m 19,30 m 19,30 m 19,30 m<br />
Breite 2,40 m 2,20 m 2,40 m 2,40 m<br />
Höhe 3,06 m 3,06 m 3,07 m 3,07 m<br />
Achsfolge Bo’Bo’ Bo’2’Bo Bo’2’Bo Bo’2’Bo<br />
Motorleistung 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW 4 x 41,5 kW<br />
Höchstgeschwindigkeit 68 km/h 55 km/h 55 km/h 55 km/h<br />
Gewicht 18 t 25,9 t 25,9 t 25,9 t<br />
Sitzplätze 22 30 32 32<br />
Stehplätze 122 130 185 185<br />
neuen Fahrzeuge lösten eine Ausmusterungs -<br />
welle unter den 13N aus. Bis 2001 schieden<br />
weitere 355 Fahrzeuge dieses Typs aus dem<br />
Einsatzbestand aus.<br />
Bis zum Jahr 2011 blieb die Anzahl der<br />
Konstal-Klassiker relativ stabil. Ende 2010<br />
standen noch 216 Fahrzeuge dieses Vierachsertyps,<br />
also ein Viertel des Ursprungsbestands,<br />
im täglichen Linieneinsatz.<br />
Abstellung seit 2011<br />
Dennoch wurde nach der Wende kein umfassendes<br />
Modernisierungsprogramm für die<br />
13N aufgelegt. 1994 wurden versuchsweise<br />
die <strong>Wagen</strong> 818 und 821 umgebaut. Die<br />
beiden wegen ihrer seinerzeitigen grünen<br />
Ganzreklame gerne mit dem Spitznamen<br />
„Frosch“ versehenen Fahrzeuge erhielten<br />
u.a. zwei statt einem Frontscheinwerfer,<br />
Außenschwingtüren aus Kunststoff und<br />
Einholmstromabnehmer. Außerdem wurde<br />
der Fahrgastraum umgebaut. Doch diese<br />
Modernisierungen überzeugten den Verkehrsbetrieb<br />
nicht und wurden daher nicht<br />
weiterverfolgt. Die übrigen 13N wurden lediglich<br />
den Erfordernissen des aktuellen<br />
Betriebs angepasst und mit Fahrtenschreibern,<br />
einem neuen Kommunikationssystem,<br />
Funkanlagen und elektrisch verstellbaren<br />
Spiegeln ausgerüstet.<br />
Die größte optische Veränderungen erlebten<br />
einige 13N erst ab 2009: Da die polnische<br />
Industrie die Herstellung der klassi-<br />
60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Schlachten,<br />
Technik,<br />
Feldherren<br />
An seinem letzten Einsatztag im Linienverkehr – in der Silvesternacht 2012 – hält <strong>Wagen</strong> 719<br />
auf der Sonderlinie 13N an der Haltestelle Plac Zbawiciela. Der <strong>Wagen</strong> war übrigens als einziger<br />
im vorderen Zielkasten passend beschildert C. LÜCKER (2)<br />
Die Linie 13N existierte nur an einem Tag – zum<br />
Abschied der 13N-<strong>Wagen</strong> in der Silvesternacht<br />
2012. Trotzdem waren alle Kurse mit extra angefertigten<br />
Linienlaufschildern unterwegs<br />
schen runden Frontscheinwerfer einstellte,<br />
mussten bei allfälligen Reparaturen neue<br />
kleine eckige Scheinwerfer eingebaut werden.<br />
Hierdurch wurde das Gesicht des Konstal-Klassikers<br />
ein wenig entstellt. (Ähnliche<br />
Umbauten werden landesweit auch an den<br />
105Na vorgenommen.)<br />
186 neue Niederflurwagen<br />
Nach der Lieferung einer ersten Kleinserie<br />
<strong>von</strong> 15 Fahrzeugen zwei Jahre zuvor orderte<br />
Warschau 2009 bei PESA aus Bydgoszcz/<br />
Bromberg sage und schreibe 186 neue Niederflurwagen<br />
des Typs 120Na, die den Flexity<br />
Outlooks <strong>von</strong> Bombardier verblüffend<br />
ähneln. Diese werden seit Mai 2010 in rascher<br />
Folge ausgeliefert. Wurde der letzte<br />
PESA-<strong>Wagen</strong> ursprünglich für Ende 2013 erwartet,<br />
so waren Anfang 2013 bereits 162<br />
Stück vorhanden. Die fehlenden zwei Dutzend<br />
<strong>Wagen</strong> dürften in den nächsten Monaten<br />
bei den Warschauer Verkehrsbetrieben<br />
eintreffen.<br />
Auf die 13N-<strong>Wagen</strong> kann in Polens Landeshauptstadt<br />
somit verzichtet werden – ihr<br />
regulärer Einsatz endete am 31. Dezember<br />
2012. In der Silvesternacht richteten die Verkehrsbetriebe<br />
dazu sogar eine Extralinie<br />
„13N“ ein, was man übersetzt „Nachtlinie<br />
13“ nennen könnte, da auch im Polnischen<br />
das Wort Nacht (Noc) mit N beginnt. Zwischen<br />
Piaski und Sluzew (Metro Wilanowska)<br />
pendelten die ganze Nacht 13N-<br />
<strong>Wagen</strong>. An allen Fahrplanaushängen und<br />
selbst an mehreren Stationsanzeigern gab<br />
es an diesem Tag das „13N“ zu finden. Mit<br />
dem Einrücken am Neujahrsmorgen sollte<br />
in Warschau die 13N-Ära beendet sein, wie<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
auch alle Fahrer glaubten. Doch die Verkehrs<br />
betriebe entschieden kurzfristig, am<br />
5. Ja nuar die 13N auch offiziell zu verabschieden,<br />
wozu an diesem Tag nochmals<br />
mehrere <strong>Wagen</strong> zum Einsatz kamen.<br />
Verbleib der 13N<br />
Da eine Abgabe oder gar ein Verkauf der inzwischen<br />
über vier Jahrzehnte, teils sogar<br />
über 50 Jahre alten 13N-<strong>Wagen</strong> nicht vorgesehen<br />
ist, werden sie in nächster Zeit dem<br />
Rohstoffkreislauf zugeführt. Der bereits<br />
mehrere Jahre mit einer beige/roten Lackierung<br />
eingesetzte Museumswagen 795 ist <strong>von</strong><br />
der Verschrottung selbstverständlich ausgenommen.<br />
Unter Umständen bleiben auch<br />
ein, zwei andere <strong>Wagen</strong> als Reservefahrzeuge<br />
oder Ersatzteilspender noch eine Zeit lang<br />
erhalten. Genaues steht dazu jedoch noch<br />
nicht fest. BERNHARD MARTIN/AM<br />
Das aktuelle Heft.<br />
Jetzt am Kiosk!<br />
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Geschichte<br />
62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Einst & Jetzt<br />
Einst<br />
& Jetzt<br />
Der Place Pury ist die zentrale Drehscheibe<br />
des öffentlichen Nahverkehrs<br />
in Neuchâtel. Im September<br />
1959 stand dort Tw 72 mit Bw 141<br />
auf der Linie 3 nach Corcelles. 53<br />
Jahre später hat sich auf den ersten<br />
Blick viel verändert. Die „3“ verschwand<br />
1976 als letzte Stadtlinie<br />
aus dem Stadtbild und wurde durch<br />
eine bis Cormondrèche verlängerte<br />
Trolleybuslinie ersetzt. Der Individualverkehr<br />
wurde vom Place Pury<br />
verbannt und erlaubte eine großzügige<br />
Umgestaltung der Verkehrsflächen.<br />
Auch die auffällige Werbung<br />
für die Zigarettenmarke „Brunette“<br />
und der Hinweis, die Fabrikation<br />
mit der Linie 5 zu besichtigen, ist<br />
verschwunden.<br />
Auf dem aktuellen Foto begegnet<br />
uns ein Vertreter der jüngsten Gelenkobusse,<br />
ein Hess des Baujahres<br />
2009 am 1. Mai 2012 auf der Linie<br />
8 in Richtung „Boucle des Parcs“.<br />
Auf dem zweiten Blick ist aber erstaunlich<br />
Vieles in einem halben<br />
Jahrhundert unverändert geblieben:<br />
Alle sichtbaren Gebäude existieren<br />
weiterhin – sogar die Dachfenster<br />
und Schornsteine haben keine Umbauen<br />
erfahren. Der große Mast auf<br />
dem Platz trägt zwar keine Analoguhr<br />
mehr, aber die Anzeigetafel informiert<br />
neben der Uhrzeit auch<br />
über die nächsten Abfahrten auf<br />
dem Platz Pury in Neuchâtel.<br />
Beide Straßenbahnwagen haben<br />
eine bewegte Geschichte hinter sich<br />
und existieren heute noch! Tw 72<br />
<strong>von</strong> 1922 war bis zur Stilllegung der<br />
letzten Stadtlinie 3 im Einsatz und<br />
gelangte dann zur ANAT (Association<br />
neuchâteloise des Amis du<br />
Tramway). 1986 wurde er Teil des<br />
Straßenbahnmuseums in Detroit<br />
und kam nach dessen Auflösung um<br />
2000 nach Kalifornien. Der Beiwagen<br />
wurde bereits 1897 als Triebwagen<br />
11 erbaut. Nach dem Umbau<br />
zum Beiwagen 1914 war er bis 1976<br />
im Einsatz. Seit 1976 befindet er sich<br />
bei einer Touristenbahn in der Nähe<br />
<strong>von</strong> Paris.<br />
TEXT: ALEXANDER PIESENECKER<br />
FOTOS: KLAUS PIESENECKER UND<br />
ALEXANDER PIESENECKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013 63
Geschichte<br />
Die letzten Zweiachser ...<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Kassel · Darmstadt<br />
LINKS „Nerven<br />
sparen, laß Dich<br />
fahren“ – der Slogan<br />
des Nahverkehrs<br />
damaliger<br />
Tage prangt im<br />
August 1981 in<br />
Kassel noch am<br />
Zweiachser 229,<br />
doch er durfte sich<br />
fortan ausruhen.<br />
Der Wegmann-Gelenkwagen<br />
361 –<br />
damals unverzichtbar<br />
– fährt seit 2003<br />
in Gorzów (Landsberg)<br />
RECHTS Noch ein<br />
originales Stirnlicht<br />
– Triebwagen 14 mit<br />
gutgelaunter Mannschaft<br />
1982 in der<br />
Nähe des Darmstädter<br />
Hauptbahnhofs<br />
ALLE BILDER: A. MAUSOLF<br />
Kassel und Darmstadt: Tram-Raritäten in den 1980er-Jahren In fast allen westdeutschen<br />
Straßenbahnstädten waren Zweiachs-Triebwagen zu Beginn der 1980er-Jahre nur noch in der Museumsflotte<br />
geduldet und im Liniendienst längst Geschichdte. Aber eben nicht in allen ...<br />
LINKS AUSSEN Das Kasseler<br />
Depot an der Holländischen<br />
Straße war einer jener Orte,<br />
an denen noch fahrfähige<br />
Einheiten abgestellt standen.<br />
Im August 1981 geht<br />
das für den Fotografen bereits<br />
gestellte Einrücken<br />
dem Verfügungspersonal<br />
mit dem Tw 223 und Bw 514<br />
noch glatt <strong>von</strong> der Hand<br />
LINKS Auch in Wilhelmshöhe<br />
standen im August 1981<br />
noch über 50-Jährige: Die<br />
gerade arbeitslos gewordenen<br />
<strong>Wagen</strong> machen den Eindruck,<br />
als würden sie schon<br />
am kommenden Morgen<br />
wieder ausrücken, hier die<br />
Tw 214, 232 und 229 noch<br />
im Vorzeigezustand<br />
Es war in den 1980er-Jahren tatsächlich<br />
noch nicht ganz vorbei! In Hessen<br />
lebte weiter, was andernorts<br />
längst den Weg des alten Eisens gegangen<br />
war: Besonders robuste und gut gepflegte<br />
Zweiachs-Triebwagen standen hier<br />
noch im Planverkehr im Einsatz! Das nordhessische<br />
Kassel beendete dieses Zeitalter mit<br />
dem Eintreffen <strong>von</strong> 16 modernen Stadtbahnwagen<br />
des Typs N8C im Jahre 1981.<br />
Im Süden des Bundeslandes war das Ende<br />
der Zweiachser-Epoche noch lange nicht erreicht:<br />
In Darmstadt wurde der Freund dieser<br />
Traktionsform bis in die 1990er-Jahre<br />
fündig …<br />
1981 in Kassel: Das war’s<br />
An vielen Orten standen die zum Beginn des<br />
Jahres noch eingesetzten Zweiachser aus den<br />
Jahren 1936 bis 1940 (Credé, Kassel-Niederzwehren)<br />
im Herbst 1981 noch im Freien<br />
abgestellt. Einige der 14 Einheiten (ursprüngliche<br />
Serie 210 bis 232, mehrere<br />
Ausmusterungen, aus zwei Einheiten waren<br />
Arbeitswagen geworden) hielt die KVG noch<br />
wegen befürchteter Engpässe auch nach dem<br />
Eintreffen der Stadtbahnwagen kurzzeitig<br />
weiter als Reserve vor. Andere <strong>Wagen</strong> gingen<br />
zu Museen bis in niederländische Arnhem,<br />
wo noch heute Kasseler Zweiachser auf<br />
der Straßenbahn des Freiluftmuseums im<br />
Einsatz stehen. Somit war es 1981 also vorbei<br />
mit dem regulären Zweiachser-Verkehr<br />
in Kassel. Doch Hessen ist groß …<br />
In Darmstadt: Das war’s<br />
noch lange nicht!<br />
Bei der Hessischen Elektrizitäts AG (HEAG)<br />
in Darmstadt sollten Zweiachser noch über<br />
ein Jahrzehnt unverzichtbar bleiben. Hier<br />
standen tatsächlich noch acht Verbandstyp-<br />
Triebwagen aus der Mitte der 1950er-Jahre<br />
– als ST 6 bezeichnet – mit entsprechenden<br />
Beiwagen im Betrieb, die vor allem auf der<br />
idyllischen Strecke durch Eberstadt zum Einsatz<br />
gelangten.<br />
Verstärkt wurden sie durch vier aus Regensburg<br />
übernommene Verbandstyp-Trieb-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
65
Geschichte<br />
Darmstadt: Bis 1992 befindet sich hier für Freunde des zweiachsigen Triebwagens ein Paradies.<br />
Tw 14 mit Beiwagen ist im Frühjahr 1982 als Linie 6 in Eberstadt auf dem Weg nach Merck<br />
wagen, die ebenfalls Rathgeber hergestellt<br />
hatte. Bis 1992 liefen die letzten Zweiachser<br />
noch im Personen-Einsatz, zum Schluss nur<br />
noch als E-<strong>Wagen</strong>. Mit dem Eintreffen neuer<br />
Fahrzeuge war auch dies schließlich Geschichte<br />
– mehr als ein Jahrzehnt nachdem<br />
in Kassel die letzten Zweiachs-Triebwagen<br />
aus dem Einsatz gegangen waren.<br />
Schrottplatz nicht für alle Endstation<br />
Während Triebwagen 13 bereits 1983 mit<br />
einem Beiwagen, dem später ein weiterer<br />
folgte, nach Würzburg gelangte, wo er als<br />
Schoppen-Express zum Einsatz kam, blieb<br />
in Darmstadt nur Triebwagen 12 fahrfähig<br />
erhalten. Er machte als „Datterich-Express“<br />
mit zwei SB6-Beiwagen Furore. Triebwagen<br />
Nichts los auf der Straße – und auch im Tw 19,<br />
der in Eberstadt gleich die Haltestelle Kirche erreicht<br />
hat, herrscht am frühen Vormittag gähnende Leere.<br />
15 ist noch heute abgestellt in Darmstadt<br />
vorhanden. Der Rest der Flotte wanderte<br />
nach nicht ganz vier Einsatzjahrzehnten auf<br />
Schon bald wird man sich aber um die raren Plätze<br />
den Schrott.<br />
ANDREAS MAUSOLF<br />
im Inneren des 1982 noch immer dringend<br />
benötigten Oldtimers wieder drängeln ...<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Kassel · Darmstadt<br />
OBEN Am Berg -<br />
sträßer Hof in Eberstadt:<br />
Die Damen<br />
haben noch etwas<br />
zu bereden und nehmen<br />
den Triebwagen<br />
17 mit Beiwagen<br />
196 noch nicht.<br />
Der nächste Zweiachser<br />
folgte in wenigen<br />
Minuten …<br />
RECHTS Nach der<br />
Idylle wieder das<br />
normale Straßengeschehen:<br />
Triebwagen<br />
16 „mittendrin“<br />
– fotografiert<br />
aus Triebwagen 17<br />
bei der Rückfahrt<br />
aus Eberstadt<br />
67
Geschichte<br />
Ein »Skandal <strong>von</strong><br />
bundesweitem Ausmaß«<br />
Vor 40 Jahren wurden Ludwigshafens Tunnelpläne ausgebremst Der Plan zur Abschaffung<br />
der Tram zugunsten einer Stadtschnellbahn konnte Mannheim nicht überzeugen. Nur drei Jahre nach<br />
dem Ludwigshafener Grundsatzbeschluss <strong>von</strong> 1971 war daher die »totale Stadtbahn« am Ende<br />
Wie <strong>von</strong> den Direktoren der Mannheimer<br />
Straßenbahn beziehungs -<br />
weise OEG schon erwartet (siehe<br />
SM 7/2012), verfolgte das <strong>von</strong><br />
Fritz Pampel (Hamburger Verkehrsverbund)<br />
erst im April 1972 vorgelegte Mannheimer<br />
Gutachten einen radikalen Ansatz. Anders<br />
als in Ludwigshafen sollten die Schnellbahnlinien<br />
geradlinig nur zwischen den Aufkommensschwerpunkten<br />
angelegt werden.<br />
Jede Rücksichtnahme auf bestehende Straßenbahnnetze<br />
schränkte laut Pampel die<br />
Wirksamkeit der Stadtschnellbahn ein.<br />
Mannheim sollte daher sein damals über<br />
70 km langes Straßenbahn- und Überlandstraßenbahn-Netz<br />
durch lediglich 38,9 km<br />
unabhängig nach U-Bahn-Parametern trassierte<br />
Stadtschnellbahn ersetzen. Kostenschätzung<br />
1972: 1,53 Milliarden D-Mark.<br />
Nur die 1969 eröffnete Neubaustrecke Vogelstang,<br />
der OEG-Damm in Käfertal und der<br />
eigene Bahnkörper in der Casterfeldtstraße<br />
(sowie der Dalbergtunnel als Abstellanlage!)<br />
sollten in dieses Schnellbahnnetz übernommen<br />
werden. Pampel empfahl zuerst die rein<br />
Mannheimer „B-Linie“ <strong>von</strong> Lindenhof bis zur<br />
Gartenstadt zu bauen und zwar <strong>von</strong> vornherein<br />
als durchgehende U-Bahnlinie ohne Zwischenlösungen<br />
mit Straßenbahnen im Tunnel.<br />
Diese Linie wäre unabhängig <strong>von</strong> den<br />
Provisorien in Ludwigshafen und hätte große<br />
Gebiete neu an die Schiene angeschlossen<br />
– und Waldhof, Schönau und Sandhofen straßenbahnfrei<br />
gemacht.<br />
Keine Tunneleuphorie in Mannheim<br />
Der 1972 gegründete Arbeitskreis Stadtschnellbahn<br />
beider Städte empfand Pampels<br />
Pläne schnell als viel zu weit gehend (siehe<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Mannheim/Ludwigshafen<br />
Um ein „Dauerprovisorium“ handelt es<br />
sich bei der Rampe zur unterirdischen<br />
Station Rathaus in der Ludwigshafener<br />
Innenstadt. Inzwischen hat man um sie<br />
herumgebaut, was den Torso-Charakter<br />
der Tunnelanlagen aufzeigt F. MUTH<br />
Kasten Seite 70). Am 1. Oktober 1973 nahm<br />
der Mannheimer Gemeinderat das Gutachten<br />
zwar zunächst an. Doch fünf Tage später<br />
wurde die „Ölkrise“ mit dem ersten autofreien<br />
Sonntag für die Bevölkerung fühlbar,<br />
die in der Bundesrepublik die erste große<br />
Wirtschaftskrise auslöste. Der Glaube an ungebremstes<br />
Wachstum war erschüttert. Als<br />
der Stadtrat am 20. November 1973 die Pläne<br />
endgültig verabschiedete, mahnte der<br />
CDU-Stadtrat Roland Hartung bereits, dass<br />
den Stadtschnellbahnplänen jegliche volksund<br />
betriebswirtschaftlichen Daten fehlten ...<br />
Mannheims Oberbürgermeister Dr. Ludwig<br />
Ratzel sah Tunnelstrecken ebenfalls weiter<br />
skeptisch. Für die 1975 geplante Bundesgartenschau<br />
(Buga) kamen die Pläne<br />
ohnehin zu spät. Daher hatte er sich für das<br />
Seilbahn-System Aerobus begeistert, welches<br />
dann 1975 die beiden Gartenschaugelände<br />
Herzogenried und Luisenpark verband. Später<br />
wollte Ratzel das Aerobus-System für den<br />
ÖPNV ausbauen. Die Straßenbahn wurde<br />
für die Buga mit vielen kleinen Ausbauten<br />
und Beschleunigungen leistungsfähiger und<br />
gehörte fortan zu den Betrieben in Deutschland<br />
mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit.<br />
Als am 5. März 1974 ein Professor<br />
Ganzler in der Kunsthalle einen<br />
Vortrag über Stadtschnellbahnen hält und<br />
OBEN Am 28. September 1971 haben Tw 76 und Bw 98 die alte Endstelle Rheingönheim erreicht.<br />
Seit September 1972 wird der Stadtteil auf einer Neubautrasse umfahren<br />
G. BERG<br />
UNTEN Von den Stadtbahnplänen wurden nur die Station Heinrich-Pesch-Haus und eine neue Trasse<br />
nach Oggersheim umgesetzt. Hier Tw 159 am 26. Februar 1983 bei der Eröffnung SLG. F. MUTH<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
69
Geschichte<br />
Planungen <strong>von</strong> vor<br />
40 Jahren: Baustufenübersicht<br />
der<br />
Stadtschnellbahn<br />
Rhein-Neckar vom<br />
Mai 1973<br />
SLG. F. MUTH<br />
Planung <strong>von</strong> 1972 für Ludwigshafen: die mehrgleisige Schnellbahnstation am Rathaus. Die „provisorische“<br />
Rampe anstatt des Tunnels unter der Bismarckstraße (braune Striche rechts) gibt<br />
es bis heute …<br />
GRAFIK: STADTARCHIV LUDWIGSHAFEN/SLG. Y. SCHÄFFNER<br />
Kosten spielten 1973 keine Rolle als Fritz Pampel<br />
vorschlug, unter dem Mannheimer Hbf diese<br />
Turmhaltestelle zu bauen (Tunnel links unten<br />
führt nach Ludwigshafen) SLG. F. MUTH<br />
dabei die Vorteile eigener (oberirdischer)<br />
Gleiskörper erläuterte, war die „Stadtschnellbahn“<br />
diskreditiert. In der OEG-Aufsichtsratssitzung<br />
am 5. Sep tember 1974 ließ<br />
Ratzel dann die Bombe platzen: „Das ganze<br />
Vorhaben Stadtschnellbahn müsse generell<br />
in Frage gestellt werden, (...), nachdem<br />
Mannheim alleine in den letzten Jahren 15<br />
Mio. DM investierte, mit den Verkehrsbetrieben<br />
der beiden Städte und der RHB zusammen<br />
das modernste oberidische Netz im<br />
Bundesgebiet bilde. Bei der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit<br />
und dem modernen<br />
Fuhrpark müssen man sich fragen, ob es<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Mannheim/Ludwigshafen<br />
Am 6. November 1973 nimmt Tw 141 (später MVG 429) im Schatten des<br />
BASF-Hochhauses noch die alte Strecke zum Rathaus. Die neue Trasse zur<br />
künftigen U-Haltestelle Hemshof ist schon im Bau W. RABE, SLG. F. MUTH<br />
Die Aufnahme <strong>von</strong> 2001 zeigt einen per Niederflurmittelteil zum Achtachser<br />
verlängerten Mannheimer Gelenkwagen auf der neuen Trasse<br />
kurz vor erreichen der heutigen U-Station Hemshofstraße F. MUTH<br />
Nachteile der U-Bahn<br />
Der Arbeitskreis Stadtschnellbahn formulierte<br />
folgende Nachteile einer reinen U-Bahn-Konzeption,<br />
wie sie Gutachter Pampel für Mannheim<br />
vorgeschlagen hatte:<br />
• Das relativ gut funktionierende Straßenbahnnetz<br />
müsste frühzeitig an Schwerpunkten unterbrochen<br />
werden<br />
• Den Fahrgästen würde mehrmaliges Umsteigen<br />
zugemutet<br />
• Es wären zunächst hohe Investitionen notwendig,<br />
um eine sich rentierende, genügend<br />
lange Strecke in Betrieb zu nehmen<br />
• Der Vorteil der Stadtschnellbahn würde auf<br />
lange Zeit nur einem begrenzten Benutzerkreis<br />
zugute kommen<br />
noch zu vertreten sei, für zwei Milliarden<br />
DM 20 Jahre lang die Straßen in Mannheim<br />
und Ludwigshafen aufzubuddeln.“ (Sitzungsprotokoll).<br />
Im Herbst 1985 absolvierte der vom 27. September bis zum 25. November aus Krefeld geliehene<br />
M-<strong>Wagen</strong> 846 Probeeinsätze in Ludwigshafen (hier in der Tunnelstation Ludwigshafen<br />
Hauptbahnhof am 8. November). Die Mannheimer MVG lehnte eine Beschaffung ab SLG. F. MUTH<br />
Schock für Ludwigshafen<br />
Wenige Tage später klagte Ludwigshafens<br />
OB Werner Ludwig im Mannheimer Morgen:<br />
„Weil Oberbürgermeister Dr. Ludwig<br />
Ratzel einmal laut gedacht hat, sind in Ludwigshafen<br />
Kommunalpolitiker jeder Couleur<br />
auf der Palme.“ Die Stadt hätte schon<br />
so viele Tunnelvorleistungen erbracht, dass<br />
man sich dort einen Rückzieher nicht mehr<br />
leisten könne. Die Ludwigshafener CDU<br />
sprach gar <strong>von</strong> einem „Skandal bundesweiten<br />
Ausmaßes“. Laut Rhein-Neckar-Zeitung<br />
vom 16. September 1974 wäre Ludwig „eigens<br />
am letzten Samstag mit der Linie 4<br />
durch Mannheim gefahren und habe seine<br />
Meinung bestätigt gesehen, dass auch Mannheim<br />
mit der Straßenbahn ,unter die Erde<br />
muß‘... Eine Fußgängerzone mit Straßenbahn<br />
sei auf die Dauer nicht sinnvoll, ein Nebeneinander<br />
<strong>von</strong> Straßenbahn und Stadtschnellbahn<br />
sei nicht möglich“. Doch schon<br />
wenige Tage später war Ludwig bereit über<br />
„Details“ der Stadtschnellbahn nachzudenken.<br />
Mannheim stehe schließlich wirtschaftlich<br />
schlechter da als Ludwigshafen ...<br />
Entscheidung für oberirdische Tram<br />
Am 12. November 1974 entschied Mannheim,<br />
an der oberiridischen Straßenbahn<br />
festzuhalten. Nur Almenhof/Lindenhof sollte<br />
wegen der engen Straßen mit einem Tunnel<br />
erschlossen werden. Offiziell bekannte<br />
man sich nur noch zum Gemeinschaftsfahrzeug<br />
RN2000 (s. Kasten Seite 72), das Ludwigshafen<br />
brauchte, wenn es überhaupt eine<br />
realitische Perspektive für den Weiterbau seiner<br />
Tunnelanlagen geben sollte, denn die zentralen<br />
Stationen enthielten Linksbahnsteige!<br />
Die Abkehr Mannheims <strong>von</strong> der Stadtschnellbahn<br />
begründete Bürgermeister Varnholt<br />
in einer vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium<br />
angeforderten Stellungnahme u.a.<br />
mit der Kostenexplosion in anderen Städten,<br />
jahrzehntelangen Baustellen, rückläufigen<br />
Einwohnerzahlen und dem zu hohen Unterhaltungsaufwand<br />
(sog. Folgekosten).<br />
Die Bundesregierung ließ noch 1974 generell<br />
die Berücksichtigung der Folgekosten <strong>von</strong><br />
Tunnelplänen prüfen. Mannheim fiel praktisch<br />
durch und die Stadtschnellbahn wurde<br />
aus dem vordringlichen Bedarf gestrichen. Damit<br />
war das Projekt tot. Seit dem 11. August<br />
1975 wurde auf dem Rücken der Mannhei-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
71
Geschichte<br />
Ein <strong>Düwag</strong>-GT8 hat als Linie 12 im Jahr 2001 die untere Ebene der Station Ludwigshafen Rathaus erreicht. Dieser so genannte C-Tunnel mit den<br />
Haltestellen Danziger Straße und Rathaus (unten) wurde 2008 stillgelegt und unzugänglich abgesperrt, die Linie 12 wurde eingestellt F. MUTH<br />
mer Akten immer wieder handschriftlich vermerkt,<br />
dass es keinen neuen Sachstand gäbe.<br />
Am 21. Januar 1980 schließt die Akte.<br />
Fahrzeugplanungen für die Stadtschnellbahn<br />
in Mannheim und Ludwigshafen<br />
Als Fahrzeuge für das Schnellbahnnetz standen die<br />
damals projektierten Typen „Stadtbahnwagen A“<br />
und „Stadtbahnwagen B“ sowie der Frankfurter<br />
Typ U2 zur Debatte. Aufgrund der besser vari -<br />
ierbaren Zuglänge entschied man sich für den U2.<br />
Die Tunnelanlagen am Ludwigshafener Hauptbahnhof<br />
waren noch nach den schmäleren U-Straßenbahn-Maßstäben<br />
erstellt worden. Deshalb<br />
wur de auf Basis des U2 der „Stadtbahnwagen<br />
RN2000“ entwickelt, der wegen der Meterspur nur<br />
2,5 m breit und für den zeitweiligen Mischbetrieb<br />
mit Klapptrittstufen ausgerüstet sein sollte.<br />
Falsche Prognose zu <strong>Düwag</strong>-GT<br />
Seinerzeit sprach sich auch der Direktor der Heidelberger<br />
Straßenbahn dafür aus, diesen Fahrzeugtyp<br />
künftig einheitlich für das Meterspurnetz<br />
<strong>von</strong> Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen zu<br />
beschaffen, betrieben doch alle Meterspurbetriebe<br />
seit 1970 gemeinsam die Zentralwerkstatt an<br />
der Mannheimer Möhlstraße. Vollmundig verkündete<br />
die „Rheinpfalz“, dass bereits im Jahre 1975<br />
die ersten Stadtbahnwagen des Typs RN2000 geliefert<br />
und bis 1990 die restlichen Straßenbahnen<br />
in Ludwigshafen ersetzen würden. Im Jahre 1990<br />
seien die erst 1971 neu angeschafften <strong>Düwag</strong>-<br />
Achtachser abgeschrieben. (Bekanntlich fuhren<br />
diese <strong>Wagen</strong> dann jedoch noch bis zur Einstellung<br />
der Linie 12 und der Stilllegung des C-Tunnels im<br />
Jahre 2008.)<br />
Da Mannheim und Ludwigshafen einen sehr<br />
jungen <strong>Wagen</strong>park hatten, erfolgten keine Neufahrzeugkäufe.<br />
Allein Heidelberg brauchte neue<br />
Triebwagen – weil durch den massiven Rückbau<br />
des Netzes alle Wendeschleifen abgebaut und die<br />
<strong>Düwag</strong>-Einrichtungswagen deshalb nicht mehr einsetzbar<br />
waren. Gekauft wurden dann konventionelle<br />
<strong>Düwag</strong>-Zweirichtungssechsachser (und später<br />
auch einige Achtachser). Erst 1985 folgten noch<br />
acht Stadtbahnwagen vom Typ M8.<br />
Tunnel ohne Chance<br />
Dennoch verfolgten beide Städten als weitere<br />
Ausbaumaßnahmen fast ausschließlich<br />
Tunnelprojekte mit höchster Priorität während<br />
Erweiterungen in äußere Stadtteile (wie<br />
MA-Gartenstadt oder LU-Pfingstweide) seinerzeit<br />
unterblieben. Ludwigshafen versuchte<br />
nach Fertigstellung des C-Tunnels in<br />
1976 (siehe SM 9/2012) noch bis 1990 vordringlich<br />
den Innenstadttunnel gemäß Grabes<br />
Netzkonzeption zu komplettieren. Vergeblich<br />
– denn lange Tunnelstrecken waren<br />
unbezahlbar und eine Rampe aus der viergleisigen<br />
Abzweigstation Amtsstraße war<br />
technisch schwierig und städtebaulich unmöglich.<br />
Eine Rampe erst beim Berliner Platz hätte<br />
das Netz zusätzlich auf Jahrzehnte zerrissen.<br />
So werden bis heute in der viergleisigen<br />
Station Rathaus (obere Ebene) nur die Mittelgleise<br />
benutzt, die am südlichen Ende der<br />
Station in einem scharfen Bogen nach Nordosten<br />
auf eine „provisorische“ Rampe führen.<br />
Änderung nicht in Sicht. Einziger Neubau<br />
1983: Teilverlegung der Strecke nach<br />
Oggersheim aus der Frankenthaler Straße<br />
aufs freie Feld in Schnellbahnbauweise.<br />
Der Stadt hohe Schulden erspart<br />
Mannheim musste den Tunnel für Almenhof/Lindenhof<br />
mehrfach abspecken, bis er<br />
ganz am Widerstand der Anwohner scheiterte.<br />
(Langfristig war auch noch eine Untertunnelung<br />
der Schwetzinger Vorstadt geplant.)<br />
Die oberirdische Realisierung der<br />
B-Linie wurde zum zentralen Element des<br />
unter dem Vorstand Roland Hartung ab<br />
1989 erstellten Mannheimer Ausbau- und<br />
Rationalisierungskonzepts „MVG-2000“,<br />
nachdem man auf die Idee einer Gleisverschlingung<br />
gekommen war, mit der sich auch<br />
in den engen Straßen eine Straßenbahn einfügen<br />
ließ.<br />
Mannheims Oberbürgermeister Gerhard<br />
Widder erklärte 1991 beim Ersten Spatenstich<br />
für die oberirdische Strecke dankbar,<br />
ohne die Stadtschnellbahntunnel seien der<br />
Stadt hohe Schulden erspart geblieben und<br />
ihm schlaflose Nächte deswegen ...<br />
FRANK MUTH, YANNICK SCHÄFFNER<br />
Die Artikel in <strong>STRASSENBAHN</strong> MAGA-<br />
ZIN 6, 7, 9/2012 sowie dieser Ausgabe basieren<br />
auf jahrelanger Recherche in den bei<br />
den Stadtarchiven noch vorhandenen Akten<br />
und Plänen und Gutachten. Die Autoren<br />
danken für die umfangreiche Unterstützung<br />
dem Tiefbauamt Ludwigshafen,<br />
den Stadtarchiven Ludwigshafen und<br />
Mannheim sowie dem Betriebshistoriker<br />
Werner Rabe.<br />
72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Fundstück des Monats<br />
FOLGE 1<br />
Leipzig<br />
Straßenbahnhof<br />
Möckern<br />
„Villa Helga“ prangt in Leipzig-Möckern am ehemaligen Beiwagen 285 der LVB. Das mehrere Jahrzehnte als<br />
Gartenlaube genutzte „Fundstück“ wird in diesem Zustand der Nachwelt erhalten<br />
SLG. A. MARKS<br />
Gartenlaube als<br />
Museumsstück<br />
Mit diesem „Fundstück des Monats“ startet eine<br />
neue Rubrik: Umgenutzte Fahrzeuge, nur noch<br />
in Einzelteilen erhaltene <strong>Wagen</strong>, Gleisreste oder<br />
Rosetten an Orten und Städten, wo es teils seit<br />
Jahrzehnten keine Tram mehr gibt – hier wird<br />
die Geschichte erzählt, die dahinter steckt ...<br />
Regenrinnen bis zu den Bühnen, Blumenkästen an den Fenstern, eine Fernsehantenne auf dem<br />
Dach – kein typischer Anblick für einen Straßenbahn wagen. Doch vor dem Straßenbahnmuseum<br />
in Leipzig-Möckern wird ein alter Beiwagen speziell in seinem Zustand als Gartenlaube gezeigt.<br />
Hinter der Gartenlaube im Leipziger Straßenbahnmuseum<br />
verbirgt sich ein 1907 in den eigenen Werkstätten der Großen<br />
Leipziger Straßenbahn gebauter Beiwagen vom Typ<br />
51 II . Unter der Nummer 86 in Betrieb genommen, erhielt er<br />
1920 die neue <strong>Wagen</strong>nummer 195. Im Jahr 1932 wurde der Zweiachser<br />
grundlegend umgebaut und modernisiert. Dabei erhielt das<br />
danach dem Typ 54 II zugeordnete Fahrzeug u. a. wesentlich größere<br />
und nun geschlossene Plattformen.<br />
Über zwei Jahrzehnte als <strong>Wagen</strong>-Nr. 285 noch im Leipziger<br />
Personenverkehr eingesetzt, wurde er schließlich im Jahr 1965 zum<br />
Sand-transportwagen 5671 degradiert. Doch drei Jahre später verkauften<br />
ihn die LVB samt Fahrwerk. Die neuen Eigentümer stellten<br />
ihn in einer Kleingartensparte in Leipzig-Probst heida als Laube auf.<br />
Eingefleischten Straßenbahnfreunden war der Beiwagen hier stets<br />
bekannt. In den 1990er-Jahren bereiteten sie die Übernahme des<br />
Bw vor. Im Sommer 2001 war es dann soweit – der Zweiachser<br />
kehrte auf Gleise zurück. Seine erste große Präsentation nach seiner<br />
Bergung fand im Juli des gleichen Jahres auf dem Vorplatz des Leipziger<br />
Hauptbahnhofes statt, wo er als Blickfang für eine Ausstellung<br />
über den Leipziger Nahverkehr warb. Anschließend wurde er<br />
in das Leipzig Straßenbahnmuseum nach Leipzig-Möckern überführt<br />
und liebevoll als Gartenlaube im Stile der 1970er-Jahre eingerichtet.<br />
Da ein <strong>Wagen</strong> des gleichen Typs auf seine Restaurierung<br />
wartet, soll der baugleiche Bw 285 auch in Zukunft als „Laubenpieper-Residenz“<br />
erhalten bleiben, um an diese Form der Nachnutzung<br />
<strong>von</strong> Straßenbahnen zu erinnern. GUIDO WRANIK/AM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
73
■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />
Die Nürnberger<br />
Modelltram-<br />
Neuheiten. Teil 1<br />
Im Zeichen<br />
des 3-D-Drucks<br />
Spielwarenmesse 2013 ■ Altbekannte<br />
Herstellungsverfahren werden durch neue<br />
Methoden verdrängt. Auch Kleinanbieter<br />
<strong>von</strong> Trammodellen bedienen sich nun<br />
der zukunftsträchtigen Produktionsweise<br />
Stetig schwindende Aussteller-<br />
und Besucherzahlen,<br />
dafür aber breitere Gänge<br />
zwischen den Ständen der<br />
Anbieter, das war der erste Eindruck,<br />
der sich uns gleich am ersten Messetag<br />
beim Betreten der Halle 4A auf<br />
der diesjährigen Spielwarenmesse<br />
bot. Auch heuer verzichteten weitere<br />
Anbieter darauf, ihre Neuheiten in<br />
Nürnberg als Aussteller zu präsentieren.<br />
Wie schon in den vorangegangenen<br />
Jahren sind wieder viele unser<br />
Hobby betreffende Neuheiten so<br />
genannte Kofferpräsentationen, die<br />
die Kleinhersteller als Fachbesucher<br />
getarnt herum zeigten.<br />
Bei den bisherigen Ausstellern fiel<br />
besonders das Fehlen <strong>von</strong> Beka auf.<br />
Dem Vernehmen nach hat der 2012<br />
Auch 3-D-Drucker präsentierten sich in Nürnberg. Jana Vurbsová vom<br />
tschechischen Dienstleister Hacker zeigte Tramteile, die sie schon gefertigt<br />
haben. Minitrix bediente sich ebenfalls verschiedener 3-D-Modelle.<br />
Auf der großen N-Anlage nach Hamburger Vorbild (gr. Foto) sorgten<br />
gedruckte V6-Triebwagen <strong>von</strong> Stadt im Modell für die richtige Belebung<br />
74 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Aufgrund der<br />
fehlenden Fahrgestell-<br />
Schürzen unterscheidet sich die Kasseler<br />
Variante des Verbandswagens II <strong>von</strong> Herrmann<br />
und Partner recht deutlich <strong>von</strong> den bisher entstandenen<br />
Versionen. Das H0-Modell ist auch in creme-roter Lackierung lieferbar<br />
angekündigte Dresdener Gelenk-<br />
Arbeitswagen zwar Fortschritte<br />
gemacht, ist aber noch nicht fertig<br />
gestellt. Der Messestand <strong>von</strong> Herrmann<br />
und Partner war dagegen<br />
am bekannten Platz aufgebaut. Wie<br />
in den Vorjahren schon, diente er<br />
wieder als Treffpunkt der Modellstraßenbahner.<br />
Birgit Herrmann, bei der es auch<br />
schon mal einen Becher Kaffee und<br />
einen Keks gab, hatte einige Neuheiten<br />
mit nach Nürnberg gebracht, darunter<br />
auch die Kasseler Ausführung<br />
des Verbandswagens II. Das Modell<br />
ist nicht nur eine Farbvariante, sondern<br />
verfügt auch über vorbildgetreue<br />
Formänderungen.<br />
Gedruckte Handmuster<br />
Am Herrmann-Stand trafen wir Miroslav<br />
Barnet <strong>von</strong> MB-Modell, der<br />
einige H0-Neuheiten wie etwa den<br />
Tatra T6A5 in Prager Ausführung<br />
zeigte. Auch Fernand Vanhoey <strong>von</strong><br />
Ferivan hat etwas Neues in Vorbereitung,<br />
nämlich den Typ S der<br />
belgischen NMVB/SNCV, <strong>von</strong> dem<br />
zwischen 1953 und 1959 insgesamt<br />
212 Triebwagen als Neuaufbauten<br />
auf Fahrgestellen so genannter<br />
Pullmann-<strong>Wagen</strong> entstanden, die<br />
landesweit zum Einsatz kamen.<br />
Von diesem Modell wurden zwei<br />
Prototyp-<strong>Wagen</strong>kästen für die Spuren<br />
0 und H0 gezeigt, die er im ak-<br />
Im Jahre 1921 wurde das Vorbild dieses Osloer Triebwagens der Reihe 138-154 <strong>von</strong> der Hannoverschen Waggonfabrik<br />
gebaut. Das schwere, in Messing-Ätztechnik gefertigte Spur-0-Modell stammt <strong>von</strong> Swedtram<br />
Ebenfalls ein schweres Spur-0-Modell aus Metall ist der Mercedes Benz Citaro Mod. 2012 vom französischen<br />
Anbieter Norev Collection. Der Bus wird in der Lackierung der Hamburger Hochbahn ausgeliefert<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013 75
aßenbahn im Modell<br />
Auch als H0-Modell macht Ferivans Bus Brossel A98 DAR der belgischen Gesellschaft NMVB/SNCV einen schweren Eindruck OLGA BANDELOWA (10)<br />
Zwischen dem MB-Feuerwehr-Kleinbus O608 und den entgegenkommenden Corvette-Cabrio, Opel Ascona A<br />
und VW Passat L Variant <strong>von</strong> Brekina bahnt sich der Kasseler Verbandstriebwagen II <strong>von</strong> H & P seinen Weg<br />
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u. a. ehemalige Spieth-Modelle<br />
tuellen 3-D-Druckverfahren (siehe<br />
SM 11/12 und 12/12) fertigen ließ.<br />
Zumindest für solche Urmodelle oder<br />
Prototypen scheint dieses Verfahren<br />
auf dem Vormarsch zu sein, da man<br />
direkt <strong>von</strong> der Computerdatei, die ja<br />
als Konstruktionsgrundlage unumgänglich<br />
ist, in die Produktion gehen<br />
kann. Auch große Hersteller wie<br />
Märklin oder Roco zeigten Handmuster,<br />
deren Herkunft aus dem<br />
3-D-Drucker nicht zu übersehen war.<br />
Für eine Großserienfertigung scheint<br />
dieses Herstellungsverfahren aber<br />
noch nicht uneingeschränkt geeignet<br />
zu sein. Für die Modellstraßenbah-<br />
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Als erste im 3-D-Druck gefertigte Handmuster zeigte Ferivan die <strong>Wagen</strong>kästen<br />
der für Spur 0 und H0 geplanten belgischen Tw des Typs S<br />
76 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Ingenieur Miroslav Barnet war nur für einen kurzen Besuch in Nürnberg. Er zeigte uns das H0-Modell des Tatra T6A5 in der Prager Ausführung<br />
ner am „Herrmann-Treff“ war 3-D-<br />
Druck eines der Hauptthemen. Es<br />
wurden erste Druckversuche gezeigt<br />
und Erfahrungen mit verschiedenen<br />
Dienstleistern ausgetauscht. Der<br />
traditionellen Messing-Ätztechnik<br />
bleibt Hans Josefson <strong>von</strong> Swedtram<br />
dagegen weiter treu. Er hatte<br />
das gewichtige Spur-0-Modell eines<br />
Osloer Hawa-Triebwagens <strong>von</strong> 1921<br />
im Gepäck.<br />
Neben den Straßenbahn-Neuheiten<br />
wurde wieder eine Vielzahl <strong>von</strong><br />
Busmodellen gezeigt. Als Beispiel<br />
sei hier nur der Büssing-Ludewig-<br />
Anderthalbdecker <strong>von</strong> VK-Modelle<br />
Frank Dengler (r.) <strong>von</strong> Importeur Corona Net stellt SM-Reporter Dietrich-<br />
Vandoninck das neue Occre-Modell des Stuttgarter Museums-Tw 222 vor<br />
genannt. Das H0-Modell soll in verschiedenen<br />
Lackierungen ab Frühjahr<br />
in für diesen Hersteller mittlerweile<br />
gewohnt hoher Detaillierung erhältlich<br />
sein. Ob man allerdings einen extra<br />
eingesetzten Schaltknüppel oder<br />
die Druckluft-Scheibenwischerantriebe<br />
braucht, ist bei einem Verkaufspreis<br />
<strong>von</strong> 40 Euro doch eher fraglich.<br />
Weniger ist manchmal mehr, zumal,<br />
wenn man zur Bestückung des eigenen<br />
Fuhrparks nicht nur ein einzelnes<br />
Schmuckstück haben möchte.<br />
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<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3|2013 77
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />
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<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Zu »Schüttelrutschen und<br />
Schaukelpferde« (SM 1/2013)<br />
Hersteller hielten an<br />
überholter Technik fest<br />
Zu diesem Beitrag <strong>von</strong> Andreas Mausolf<br />
habe ich eine Fülle <strong>von</strong> Anmerkungen,<br />
die ich den SM-Lesern nicht vorenthalten<br />
möchte:<br />
Fehleinschätzungen der Entwicklung<br />
des motorisierten Individualverkehrs (MIV)<br />
mögen in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />
eine Rolle gespielt haben, als sich diverse<br />
Straßenbahnbetriebe für heute behelfsmäßig<br />
anmutende Zwei-plus-Zweiachsgelenkwagen<br />
entschieden. Ursächlich waren<br />
sie jedoch nicht. Vielmehr hielten einige<br />
Unternehmen, etwa Kassel, aus betrieblichen<br />
Gründen stur an überholter Zweiach-<br />
ser-Technik fest. Andere, zum Beispiel Duisburg,<br />
suchten nach Möglichkeiten, ihre<br />
zahlreichen, erst wenige Jahre alten Nachkriegszweiachser<br />
noch eine Weile wirtschaftlich,<br />
also personalsparend, einsetzen<br />
zu können. Allen gemeinsam war die klamme<br />
Finanzlage, die den Kauf moderner<br />
Fahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen<br />
schlicht unmöglich machte. Andreas Mausolfs<br />
Einschätzung, die unkomfortablen Vehikel<br />
hätten zur großen Stilllegungswelle<br />
beigetragen, teile ich nicht. Ausgerechnet<br />
jene Städte, die einst Hochburgen solcher<br />
„Bastelbuden“ waren, haben ihre Straßenbzw.<br />
Stadtbahnen heute noch. Bremen,<br />
Dortmund, Duisburg, Kassel oder Köln sind<br />
Beispiele, die mir spontan einfallen.<br />
Der Artikel hakt die teils hochinteressanten<br />
Fahrzeugtypen leider im Schnell-<br />
Alicante: In Sangueta können Fahrgäste seit 2010 <strong>von</strong> den Tram-Trains<br />
der L1 nach Benidorm in die Shuttle-Tram der 4L umsteigen R. SCHWANDL<br />
Zur Streckeneinstellung in Alicante, (SM 2/2013)<br />
Abgebildete Strecke nicht betroffen<br />
In die Erklärung zum Nachrichtenbild auf Seite 15 hat sich ein Fehler eingeschlichen.<br />
Die Aufnahme <strong>von</strong> Dirk Budach zeigt nicht die demnächst einzustellende Strecke der<br />
Pendellinie 4L, sondern einen Abschnitt weiter nördlich, der bereits am 18. Juni 2010<br />
außer Betrieb ging, als die eingleisige Verbindungsstrecke zwischen dem alten Bahnhof<br />
La Marina und der neuen dreigleisigen Haltestelle La Sangueta in Betrieb genommen<br />
wurde. Diese liegt etwa in Bildmitte links neben dem abgetragenen Berghang. Wie<br />
man auf aktuellen Google-Satellitenbildern gut erkennen kann, wurde die auf dem<br />
Bild zu sehende Strecke bereits abgebaut. Der nun zur Stilllegung vorgesehene Abschnitt<br />
befindet sich im Bild links unter dem Hochhaus mit der Vodafone-Werbung.<br />
Die schlechte Nutzung dieser an der Strandpromenade in der Innenstadt endenden<br />
Pendellinie liegt vor allem an der schlechten Verknüpfung in Sangueta, La wo wo nur nur zur zur L1<br />
L1 nach nach Benidorm direkter Anschluss besteht, während die Wartezeiten zum Umsteigen<br />
auf die städtischeren Linien L3 und L4 teils zu lange sind. Robert Schwandl, Berlin<br />
durchlauf ab; dabei hätten sie etwas detailliertere<br />
Beschreibungen allemal verdient.<br />
Dass drei der Mülheimer sogar noch<br />
mit einer Geamatic-M-Steuerung nachgerüstet<br />
wurden, hätte man lieber gelesen<br />
als die wenig sensationelle Meldung „sie<br />
verkehrten zeitweise sogar mit vierachsigen<br />
Beiwagen“. Warum „sogar“? Dafür<br />
waren sie mit ihrem Allachsantrieb ausgelegt<br />
und bestens geeignet.<br />
Vermisst werden der Duisburger<br />
KSW+KSW-Gelenkwagen 1208, letzter<br />
<strong>von</strong> einst 39 Vierachs-GTw der DVG und<br />
noch bis 1986(!) als HVZ-Reserve betriebsfähig,<br />
sowie die Stuttgarter DoT4,<br />
die noch 1981 Plandienst auf der dortigen<br />
Linie 2 schoben.<br />
Außerdem wären die wenigen langlebigen<br />
„Sattelschlepper“ auf je einem starren<br />
Fahrwerk und einem Drehgestell eine<br />
Erwähnung wert gewesen. In Krefeld wurden<br />
die letzten Vertreter dieser Bauform<br />
1981/82 abgestellt; die drei Freiburger<br />
„Sputniks“ halfen bis Mitte der 1980er-<br />
Jahre aus, und vier <strong>von</strong> ursprünglich sechs<br />
Darmstädter ST9 (ex Remscheid) gingen<br />
sogar erst 1990/91 in den Ruhestand.<br />
Dagegen passen die aus Großraumwagen<br />
entstandenen Drehgestell-GTw nicht<br />
so recht zur Kernaussage des Artikels. Die<br />
waren beim Umbau noch absolut zeitgemäß<br />
und den <strong>Düwag</strong>-Neubaugelenkwagen<br />
technisch ebenbürtig.<br />
Übrigens: Der erste Neubaugelenkwagen<br />
Nachkriegsdeutschlands war nicht<br />
Kassels Ur-„Schüttelrutsche“ 260, sondern<br />
ein Drehgestellfahrzeug und zwar<br />
der seinerzeit hochmoderne erste Stuttgarter<br />
GT6 mit der symbolträchtigen Betriebsnummer<br />
1, gebaut 1953 <strong>von</strong> Fuchs<br />
nach einem Entwurf des genialen Prof.<br />
Bockemühl. Helmut Ulrich, Hamburg<br />
Zu »Verstreut in alle Richtungen«<br />
(SM 2/2013)<br />
Ergänzungen zu<br />
Exportwagen<br />
Mit großem Interesse habe ich den Beitrag<br />
<strong>von</strong> Andreas Mausolf gelesen. Zu seinen<br />
Ausführungen habe ich noch etwas<br />
recherchiert und möchte mehrere Ergänzungen<br />
geben:<br />
Berlin: Da anderswo (Dessau – Skoldenesholm;<br />
Halle – Crich) auch die Abgabe<br />
<strong>von</strong> <strong>Wagen</strong> an Museen/Museumsstraßenbahnen<br />
erwähnt wurde, sollte man das<br />
auch bei Berlin tun: Rekowagen kamen<br />
nach Bergen (drei TZ69, drei BZ 69), Crich<br />
(ein TZ69), Sydney/Loftus (zwei TZ69, ein<br />
BZ69) und Skjoldenesholm (ein TZ69).<br />
Zwickau/Jewpatoria (Bild S. 49): Der <strong>Wagen</strong><br />
besitzt eine mit Folien aufgebrachte<br />
und allgemein gehaltene Totalwerbung<br />
für den örtlichen Weinbau. An den Seitenwänden<br />
ist der Schriftzug „Jewpatoria,<br />
Land der Weinberge“ zu lesen. Diese Totalwerbung<br />
besitzen auch die Gotha-<strong>Wagen</strong><br />
007, 009 und 018 + Steuerwagen<br />
051. Alle <strong>Wagen</strong> erhielten diese Beklebung<br />
im Juni 2011.<br />
Zu den Abgaben <strong>von</strong> Chemnitzer B3M<br />
und Dresdner TB4D nach Barnaul wäre zu<br />
sagen, dass die <strong>Wagen</strong> beim 2009 gegründeten<br />
Unternehmen „Altaielektrotrans“<br />
in Triebwagen umgebaut werden,<br />
die für Barnaul und Bijsk bestimmt sind.<br />
Die <strong>Wagen</strong> erhalten eine neue Frontpartie<br />
samt neu gestaltetem Fahrerplatz (wahrscheinlich<br />
tschechischer Herkunft) und die<br />
ex-Chemnitzer B3DM sind weiterhin an<br />
den Außenschwenktüren und den hochgezogenen<br />
Dachkanten zu erkennen. Die<br />
blau-weiß lackierten Fahrzeuge tragen an<br />
den Seitenwänden die Aufschrift „Städte<br />
Altai – neue Straßenbahn“ und das Wappen<br />
der sibirischen Verwaltungsregion Altai.<br />
Die acht TB4D fahren nun zu gleichen<br />
Teilen in Barnaul und Bijsk und in Barnaul<br />
sind mittlerweile auch vier B3DM im Einsatz.<br />
Die aus Deutschland übernommenen<br />
Typenbezeichnungen wurden um den Zusatz<br />
„KWR“ erweitert.<br />
Dresden: 2007 erhielt Craiova 13 T4D-<br />
MT und elf TB4D – im Text steht missverständlich<br />
„… 13 Einheiten (darunter elf<br />
TB4D ...“ Die ab 2007 abgegebenen Fahrzeuge<br />
sind choppergesteuerte T4D-MT<br />
bzw. TB4D.<br />
Jena: Es kamen fünf Gothawagen T57 (Nr.<br />
102, 104, 110, 112, 115) und ein Rekowagen<br />
TZ70/1 (Nr. 138) nach Istanbul; da<strong>von</strong><br />
kamen drei T57 im Jahr 2010 nach<br />
Bursa.<br />
Schöneiche: 2003 wurden ein Gothawagen<br />
T57 (Nr. 77) und ein Rekowagen<br />
78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013
Vor 25 Jahren geschrieben<br />
– noch heute interessant<br />
TZ70/1 (Nr. 77) nach Istanbul abgegeben<br />
und Anfang 2011 folgten zwei Rekowagen<br />
TZ70/1 (Nr. 78 und A73).<br />
Wolfgang Kaiser, Wien<br />
Zu »Verschlusszeiten beachten«<br />
(SM 1/13)<br />
Scharfe Fahrtaufnahmen<br />
nicht anders möglich<br />
Die Stromtaktung der modernen Fahrtziel-<br />
und Liniennummernanzeiger an Straßenbahnen<br />
ist auch für mich ein Ärgernis.<br />
Leider lässt es sich oft nicht ermöglichen,<br />
eine entsprechend lange Verschlusszeit zu<br />
wählen, um die Anzeigetexte auch auf den<br />
Fotos lesen zu können. Bei Verschlusszeiten<br />
<strong>von</strong> 1/60 s oder 1/125 s sind nur noch<br />
Standbilder möglich, keine Aufnahme <strong>von</strong><br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
Den Freunden <strong>von</strong> Straßen-, S- und U-Bahnen in Berlin<br />
sowie den angrenzenden Bundesländern sind die<br />
„Verkehrsgeschichtlichen Blätter“ (vb) aus Berlin<br />
selbstverständlich ein Begriff.<br />
1974 schlug in Ost-Berlin die „Geburtsstunde“<br />
dieser Zeitschrift. Damals unter dem Dach des Deutschen<br />
Modelleisenbahn-Verbandes der DDR (DMV)<br />
erschienen, war ihr Druck bis 1983 stets eine „Zitterpartie“.<br />
Nach Aufnahme in das „Presseverzeichnis<br />
der DDR“ war endlich eine gewisse Sicherheit dafür<br />
gegeben, jährlich sechs Ausgaben mit je 24 Seiten im<br />
A4-Format drucken zu dürfen. Offiziell waren die vb<br />
seitdem frei zu beziehen – sogar im NSW, dem „Nicht-<br />
Sozialistischen Wirtschaftsgebiet“. Die Papierkontingentierung<br />
in der DDR sorgte jedoch dafür, dass die<br />
Ausgaben im Erscheinungsgebiet selbst „Bückware“<br />
blieben.<br />
Seit 1990 wird die liebenswerte Zeitschrift vom extra<br />
dafür gegründeten Verkehrsgeschichtliche Blätter<br />
e.V. produziert und herausgegeben. Die sechs Aus -<br />
gaben dieses Jahres werden stolz den Aufdruck „40.<br />
Jahrgang“ tragen. Bereits im Sommer 2012 brachte<br />
der Verein eine neue CD-ROM auf den Markt. Auf ihr<br />
sind nun die Jahrgänge 13 (1986) bis 15 (1988) in<br />
gescannter Form zu finden. Bisher waren lediglich die<br />
Jahrgänge 1974 bis 1977, 1978 bis 1980, 1981/82<br />
sowie 1983 bis 1985 zu beziehen. Die nunmehr fünfte<br />
CD-ROM füllt damit eine weitere Lücke im Regal derer,<br />
denen es zu DDR-Zeiten nicht vergönnt war, die Hefte<br />
zu beziehen.<br />
Gleichwohl sind die auf CD-ROM-Größe gebrachten<br />
18 Hefte so natürlich bedeutend platzsparender<br />
zu lagern. Eines sollte jedem Käufer solcher digitalisierten<br />
Zeitschriften jedoch klar sein: Es handelt sich<br />
um Scans der jeweiligen Seiten, mit denen im Normalfall<br />
keine Suchfunktionen möglich sind. Wer also<br />
glaubt, per Tastenkombination „Steuerung + F“ auf<br />
Anhieb alle Stellen angezeigt zu bekommen, auf denen<br />
er zu einer bestimmten Tramlinie dann Angaben<br />
findet, wird enttäuscht sein. Die vb waren mit Schreibmaschine<br />
geschriebene und auf klassische, mechanische<br />
Weise gesetzte Druckerzeugnisse – was wiederum<br />
auch den<br />
Reiz beim Stöbern<br />
in diesen<br />
alten Ausgaben gerade ausmacht.<br />
Doch der vb-Verein hat eine Erleichterung zum Umgang<br />
mit dem 475-seitigen Dokument eingebaut: Vor<br />
jedem Jahrgang befindet sich jeweils ein detailliertes<br />
Inhaltsverzeichnis mit einer Seitenangabe. Durch das<br />
Anklicken der Seitenzahl springt das Bild zur gewünschten<br />
Stelle.<br />
Doch genug der Vorrede, was findet der Tramfreund<br />
auf der CD-ROM? Nun das Spektrum reicht <strong>von</strong> Beiträgen<br />
über die Berliner Pferdebahn-Gesellschaft, Versuchzüge<br />
der Berlin S-Bahn, Ausstellungs-Straßenbahnen,<br />
U-Bahnen Berlins bis hin zur Beschreibung<br />
technischer Lösungen an Schweizer Tram-Fahrzeugen.<br />
Nicht verschwiegen werden soll und darf natürlich,<br />
dass sich die Straßenbahn-Berichte mit denen über<br />
schmal- und regelspurige Eisenbahnen (meist auf dem<br />
Gebiet der DDR) die Waage halten. Doch gerade dies<br />
macht für den Rezensenten den Reiz der vb aus: Sie<br />
hangeln sich nicht verkrampft an einem Verkehrsmittel<br />
entlang, sondern sehen Verkehr in seiner Gesamtheit<br />
auf Straßen, Schienen und sogar Flüssen.<br />
Wem diese älteren vb also bisher fehlen, dem sei<br />
der Kauf der CD-ROM ans Herz gelegt.<br />
Beim Stöbern in den alten Beiträgen wird der Leser<br />
übrigens sogar mehrmals aus dem <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> bekannte Namen finden. Welche bessere<br />
Kaufempfehlung kann es geben? ANDRÉ MARKS<br />
Verkehrsgeschichtliche Blätter, Jahrgänge 13<br />
(1986) – 15 (1988), CD-ROM, herausgegeben<br />
vom Verkehrsgeschichtlichen Blätter e.V., Berlin<br />
2012, 475 Seiten Format A4 als PDF, Preis: 24,80<br />
EUR (Ausland: 27,50); bestellt werden kann die<br />
CD-ROM beim: Verkehrsgeschichtlichen Blätter<br />
e.V., c/o Dr. Hans-Joachim Pohl, Holteisstraße 11,<br />
10245 Berlin, Tel./Fax: 030/29 66 91 89, E-Mail:<br />
pohl@brandenburgische-exkursionen.de oder<br />
wolf.machel@web.de<br />
bewegten Fahrzeugen mehr. Oder aber<br />
die fahrenden Fahrzeuge werden unscharf<br />
fotografiert. Bei vielen Fotomotiven sind<br />
Standbilder leider nicht möglich, da Straßenbahnen<br />
selten extra für Fotografen auf<br />
der freien Strecke anhalten. Insofern hat<br />
man als Fotograf nur zwei Möglichkeiten:<br />
Entweder man macht nur noch Standbilder<br />
mit entsprechend langer Verschlusszeit,<br />
z. B. an Haltestellen. Oder aber man<br />
sucht sich schöne Bildmotive der freien<br />
Strecke und nimmt die auf den Fotos unlesbaren<br />
Fahrtzielanzeigen hin. Ich tendiere<br />
dann eher für die zweite Variante.<br />
Christian Much, Berlin<br />
Anmerkung der Redaktion: Ähnlichen Inhalts<br />
gingen ein halbes Dutzend weitere<br />
Reaktionen auf oben genannten Leserbrief<br />
zum Thema „Verschlusszeiten beachten“<br />
in der Redaktion ein.<br />
Lesen<br />
Sie noch oder<br />
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Termine · Impressum<br />
Nummer 281 • 3/2013 • März • 44. Jahrgang<br />
23. Februar, Erfurt: regulärer Einsatz des<br />
musealen Gotha-Gelenkzuges der EVAG<br />
vom Domplatz (auf der Seite der Wendeschleife),<br />
Stadtrundfahrt veranstaltet <strong>von</strong> Erfurt<br />
Tours, Fahrkarten vor Ort im <strong>Wagen</strong><br />
24. Februar, Stuttgart: Die Straßenbahn-<br />
Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt – Hbf<br />
– Straßenbahnwelt) und 23 (Straßenbahnwelt<br />
– Charlottenplatz – Ruhbank/ Fernsehturm<br />
und zurück) gehen auf Tour. Details siehe<br />
unter www.strassenbahnwelt.com oder<br />
www.shb-ev.info<br />
2. März 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Gelände des<br />
Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />
<strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung<br />
der Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />
und der historischen <strong>Wagen</strong>; bis 15 Uhr<br />
stündlich Führungen, Eintrittspreis: 3 EUR<br />
pro Person<br />
16. März 2013, Stuttgart: Lange Nacht<br />
der Museen <strong>von</strong> 19 bis 2 Uhr auch in der<br />
Straßenbahnwelt – mit besonderem Unter -<br />
haltungsprogramm. Nächtlicher Dreizugbetrieb<br />
auf der Oldtimerlinie 21 Hbf – Straßenbahnwelt<br />
und zurück. KombiTicket für alle<br />
beteiligten Häuser und sämtliche Shuttle-<br />
Verkehre sowie VVS-Verkehrsmittel. Info:<br />
www.lange-nacht.de<br />
16. März, Berlin: Anlässlich der „Langen<br />
Nacht der Museen“ ist ein Vierwagenzug<br />
der U-Bahn vom Typ AI auf U2 im Einsatz<br />
5. April, Bad Schandau: Anlässlich des<br />
VVO-Entdeckertags (ermäßigte Fahrpreise)<br />
In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postleitzahlgebiet 0<br />
Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />
Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />
Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />
Harkortstr. 7<br />
Postleitzahlgebiet 1<br />
Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />
Französische Str. 13/14 · Struppe &<br />
Winckler Berlin, 10117 Berlin,<br />
Kronenstr. 42 · Loko Motive Fachbuchhandlung,<br />
10777 Berlin, Regensburger<br />
Str. 25 · Modellbahnen & Spielwaren<br />
Michael Turberg, 10789 Berlin,<br />
Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />
Flügelrad, 10963 Berlin, Stresemannstr.<br />
107 · Modellbahn-Pietsch,<br />
12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />
Postleitzahlgebiet 2<br />
Buchhandlung Bernd Kohrs, 22927<br />
Großhansdorf, Eilbergweg 5A · Roland<br />
Modellbahnstudio, 28217 Bremen,<br />
Wartburgstr. 59<br />
Postleitzahlgebiet 3<br />
Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />
Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />
Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />
Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />
3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />
10, 38100 Braunschweig ·<br />
Postleitzahlgebiet 4<br />
Buchhaus Antiquariat, 40217 Düsseldorf,<br />
Friedrichstr. 24-26 · Menzels Lokschuppen,<br />
40217 Düsseldorf, Friedrichstr.<br />
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40549 Düsseldorf, Will stätterstr. 15 ·<br />
Modellbahnladen Hilden, Hofstr. 12,<br />
80<br />
Termine<br />
pendelt der 75-jährige Tw 8 mit einem Einheitsbeiwagen<br />
im Stil wie vor 25 Jahren regulär<br />
durch das Kirnitzschtal. Außerdem steht Besuchern<br />
die Werkstatt offen, u.a. Besichtigung<br />
Frühjahrsrevision am HTw 9 (Bj. 1926) möglich.<br />
Weitere Infos: www.ovps.de/verein<br />
17. März, Wien: Frühlings-Straßenbahnfotofahrt<br />
der Arbeitsgruppe Straßenbahn des<br />
VEF; aus Anlass des 100. Betriebsjubiläums<br />
des K-Triebwagens 2447 gelangt dieser im<br />
Zweiwagenzug, abwechselnd mit einem Beiwagen<br />
der Type m3 und k3neu, zum Einsatz.<br />
Befahren werden vor allem Strecken auf denen<br />
derartige Garnituren in den 1960er- und<br />
1970er-Jahren im Planbetrieb eingesetzt waren,<br />
mit Fotohalten und Erkundung der 2012<br />
eröffneten Neubaustrecken der Linie D zum<br />
Hauptbahnhof und der Linie 25 in Kagran; nähere<br />
Infos finden Sie auf www.vef.at<br />
20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage<br />
in der Sächsischen Schweiz, regulärer<br />
Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn sowie<br />
Tag der offenen Tür im Depot mit Besichtigung<br />
der Werkstatt<br />
20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Betriebshof<br />
Trachenberge hat <strong>von</strong> 10 bis 17 Uhr geöffnet;<br />
Besichtigung der Museumshallen, des<br />
Werkstattbereiches und der historischen <strong>Wagen</strong>;<br />
Achtung: an beiden Tagen keine Führungen;<br />
Eintrittspreis: 3 EUR pro Person<br />
21. April, Berlin: Anlässlich „100 Jahre<br />
U2 sind zwei Dreiwagenzüge vom Typ AI auf<br />
der U2 im Einsatz<br />
40723 Hilden · Buchhandlung Irmgard<br />
Barnes, 42855 Remscheid, Hastener<br />
Str. 41 · Rolf Kerst Fachbuchhandlung,<br />
47051 Duisburg, Ton hallenstr. 11a<br />
Fach buchhandlung Jürgen Donat,<br />
47058 Duis burg, Ottilienplatz 6 · WIE<br />
– MO, 48145 Münster, Warendorfer<br />
Str. 21<br />
Postleitzahlgebiet 5<br />
Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />
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Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />
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str. 78<br />
Postleitzahlgebiet 6<br />
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Solms str. 75 · Thalia Medienservice,<br />
65205 Wies baden, Otto-<strong>von</strong>-Guericke-Ring<br />
10 · Buch handlung Dr. Kohl,<br />
67059 Ludwigs hafen, Ludwigstr. 44-<br />
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Schuhmann, 69214 Eppelheim, Schützenstr.<br />
22<br />
Postleitzahlgebiet 7<br />
Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />
70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />
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70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />
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Stuttgart, Heßbrühlstr. 69 · Buchhandlung<br />
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74564 Crailsheim, Karlstr. 27 · Service<br />
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Mössner, 79261 Gutach,<br />
Landstr. 16 A<br />
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Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />
80634 München, Schulstr. 19 ·<br />
Buchhandlung & Antiquariat Heinrich<br />
Hugen dubel, 80636 München, Albrechtstr.<br />
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81669 München, Ro sen heimer<br />
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21. April, Bochum: Zwischen 10 und 16<br />
Uhr fährt der »Muse umsExpress« der VhAG<br />
Bogestra mit historischen Straßenbahnen<br />
als Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie<br />
308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo<br />
in den Pendel-Schienenbus zum Eisenbahnmuseum<br />
umgestiegen werden kann. Nähere<br />
Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten<br />
auf Kirnitzschtalbahn mit historischen Fahrzeugen.<br />
Es gilt der normale Fahrpreis zzgl.<br />
eines Obolus <strong>von</strong> 1 € pro Fahrt, den Fahrplan<br />
gibt es unter www.ovps.de/verein<br />
17. bis 19. Mai, Woltersdorf: 100 Jahre<br />
Woltersdorfer Straßenbahn – voraussichtlich<br />
mit Gastfahrzeugen<br />
25. Mai, Augsburg: 18.30 Uhr Themenabend<br />
des Stadtarchivs, Vortrag <strong>von</strong> Tobias<br />
Brenner: Wie die Tram nach Augsburg kam,<br />
Ort: Depot Lechhausen<br />
25./26. Mai, Chemnitz: Tage der offenen<br />
Tür und die Museumsnacht im CVAG-Busbetriebshof,<br />
Werner-Seelenbinder-Str. 13. Im<br />
Rahmen der 10. internationalen Modell-<br />
Straßenbahn-Ausstellung werden mehr als<br />
20 Modellstraßenbahnanlagen präsentiert.<br />
Geöffnet ist am Sonnabend <strong>von</strong> 13 Uhr bis<br />
1 Uhr nachts sowie am Sonntag <strong>von</strong> 12 bis<br />
16 Uhr. Zeitgleich hat jeweils das Straßenbahnmuseum<br />
Chemnitz, Zwickauer Str. 164,<br />
geöffnet. Auskünfte zu den Miniatur-Trams:<br />
kleinestrassenbahn2013@web.de, zum Museum<br />
über: strassenbahn-chemnitz.de, claudia.mann@strassenbahn-chemnitz.de<br />
Österreich<br />
Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />
Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />
1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />
Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />
Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />
17 · Buchhandlung J. Heyn,<br />
9020 Klagenfurt, Kramer gasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1<br />
Tschechien<br />
Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />
Klimentska 32<br />
Dänemark<br />
Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />
husene, Brandvaenget 60<br />
Spanien<br />
Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />
de Elche 5<br />
Großbritannien<br />
ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />
4 Borderside<br />
Luxemburg<br />
G.A.R. Dokumentation, 8398 Roodt,<br />
Nouspelterstrooss 2<br />
Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />
Den Haag, Westeinde 57 · Railpress<br />
Papendrecht, 2951 GN, Alblasserdam,<br />
Plantageweg 27-D · Norsk Modell -<br />
jernbane AS, 6815 ES, Arnheim, Kluizeweg<br />
474<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Redaktionsanschrift:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
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jobandelow@geramond.de<br />
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Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />
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www.verlagshaus-media.de<br />
Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />
Layout: Axel Ladleif<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz GmbH,<br />
Alfred-Nobel-Straße 33, 97080 Würzburg<br />
Verlag:<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />
Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />
Herstellungsleitung:<br />
Sandra Kho<br />
Vertrieb Zeitschriften:<br />
Dr. Regine Hahn<br />
Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />
MZV, Moderner Zeitschriftenvertrieb<br />
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Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />
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im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />
Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
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© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />
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Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
80
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Überblick über das Straßenbahnland DDR.<br />
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<strong>Vorschau</strong><br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Freunde, die<br />
sich ebenso<br />
für die<br />
Straßenbahn<br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
A. MAUSOLF<br />
TOPTHEMA Neue Bahnen braucht das Land!<br />
Von zahlreichen Betrieben in Deutschland werden derzeit neue Straßen- oder Stadtbahnwagen beschafft. Namen<br />
wie Avenio, Vamos oder Tramino stehen im Raum, wenn es um die Ablösung <strong>von</strong> M- und N-<strong>Wagen</strong> oder anderen<br />
Klassikern geht. Doch welcher Betrieb hat wie viele neue <strong>Wagen</strong> bestellt? Wo setzt man noch länger auf ältere<br />
Fahrzeuge Wie schnell geht der Generationswechsel in Deutschland? Das nächste Heft liefert die Antworten!<br />
Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />
Schubkräfte an der Weser<br />
Vor 15 Jahren begann in Bremen ein Jahr, das den ÖPNV<br />
gleich mehrfach voranbrachte. Stand in der Hansestadt<br />
zuvor der motorisierte Individualverkehr ganz oben auf der<br />
Prioritätenliste, so wurde 1998 die Rolle der Straßenbahn<br />
gestärkt. Bis heute wirken an der Weser diese Schubkräfte –<br />
ein Überblick.<br />
Die Mitteleinstieg-<strong>Wagen</strong><br />
der Berliner Straßenbahn<br />
In den 1920er-Jahren gab es in Berlin einen großen Bedarf<br />
an neuen Straßenbahnfahrzeugen. 1926 stellte die Berliner<br />
Straßenbahn-Betriebs GmbH die ersten Triebwagen mit<br />
Mitteleinstieg in Dienst, weitere Serien folgten. Der Beitrag<br />
stellt alle Typen und deren Einsatz im Detail vor – bis zur<br />
Abstellung im West- und Ostteil Berlins.<br />
Schweiz: Gegenüber dem<br />
Bus durchgesetzt<br />
Im vergangenen Jahr feierte die Frauenfeld-Wil-Bahn ihr<br />
125. Jubiläum. Der fast auf seiner ganzen Streckenlänge unmittelbar<br />
neben der Straße herführende elektrische Betrieb<br />
befördert mehr als eine Million Fahrgäste im Jahr. 2013<br />
werden neue <strong>Wagen</strong> erwartet – ein Porträt der 17 km<br />
langen Strecke.<br />
Ruhrort – Mit der Tram zu den<br />
»großen Pötten« im Pott<br />
Lange bevor ein gewisser Schimanski ab Juni 1981 der<br />
Stadt Duisburg mit seinem „Tatort“-Debüt „Duisburg-Ruhrort“<br />
ein vielbeachtetes Image verlieh, übte der Kleinkosmos<br />
des Stadtteils Ruhrort bereits Faszination auf Tramfreunde<br />
aus. Andreas Mausolf schaut, wie es hier vor 30 Jahren<br />
aussah und wie sich Ruhrort heute präsentiert.<br />
A. MARKS<br />
A. MAUSOLF<br />
André Marks,<br />
verantwortlicher Redakteur<br />
Ende gut …?<br />
Schaden durch<br />
Schienenkartell<br />
Anfang dieses Jahres wurde bekannt,<br />
dass die Staatsanwaltschaft Bochum<br />
seit 2011 Ermittlungen gegen verschiedene<br />
Hersteller <strong>von</strong> Schienen<br />
führt. Es liegt der Verdacht vor, dass<br />
es unter den Anbietern unerlaubte<br />
Preisabsprachen gegeben hat. Unter<br />
den geschädigten Unternehmen sind<br />
neben der Deutschen Bahn AG und<br />
anderen Eisenbahngesellschaften vor<br />
allem auch städtische Verkehrsbetriebe.<br />
Diese kommunalen Gesellschaften<br />
fordern nun Schadenersatz. Dabei stehen<br />
mehrere Millionen Euro im Raum!<br />
Die Gruppe der Geschädigten ist groß<br />
– sie reicht <strong>von</strong> der Bremer und der<br />
Rostocker Straßenbahn AG über die<br />
Berliner Verkehrsbetriebe, Düssel -<br />
dorfer Rheinbahn und Essener Verkehrs-AG<br />
bis hin zu den Stadtwerken<br />
München. Im Osten seien auch die<br />
Betriebe in Schwerin, Magdeburg,<br />
Halle, Leipzig, Jena, Erfurt und Gotha<br />
betroffen. Insgesamt sollen kommunale<br />
Nahverkehrsunternehmen in<br />
mehr als 100 Fällen Opfer eines Kartells<br />
gewesen sein. Diesem Vorwurf<br />
stellen sich derzeit die Stahlunternehmen<br />
Thyssen-Krupp und Voest -<br />
alpine Klöckner Bahntechnik. Sie sollen<br />
in den vergangenen 30 Jahren die<br />
Preise für Schienen und Weichen<br />
heimlich abgesprochen haben, um<br />
größere Gewinne zu erzielen.<br />
Zur Erstattung des entstandenen<br />
Schadens stimmen sich die kommunalen<br />
Verkehrsbetriebe derzeit mit<br />
dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen<br />
(VDV) ab. AM<br />
DAS <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 4/2013 erscheint am 22. März 2013<br />
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Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
Ein Jahr vor der Stilllegung der Straßenbahn Esslingen –<br />
Nellingen – Denkendorf (END) entspannt sich im<br />
Jahre 1977 am Esslinger Bahnhof das Personal des vierachsigen<br />
Triebwagens 6 vor der Abfahrt nach Neuhausen.<br />
Die meterspurige Überlandstraßenbahn wurde 1926 eröffnet,<br />
drei Jahre später kam ein Abzweig <strong>von</strong> Nellingen<br />
nach Neuhausen hinzu. In der Hauptverkehrszeit verließ<br />
alle zwölf Minuten ein Beiwagenzug die Endstation in der<br />
Nähe des Neckars, abwechselnd ging eine Fahrt nach<br />
Denkendorf oder nach Neuhausen.<br />
Der abgebildete Triebwagen 6, 1927 gebaut und immer<br />
mit derselben türkisgrünen Farbgebung unterwegs, wurde<br />
der Nachwelt vorerst erhalten. 1981 gelangte er in<br />
die private Fahrzeug-sammlung nach Marxzell<br />
im nördlichen Schwarzwald. Da er dort aber<br />
stets im Freien stand, verrottete der hölzerne<br />
<strong>Wagen</strong>kasten langsam. Nach mehr als 20 Jahren<br />
unter freiem Himmel wurde Tw 6 nach<br />
der Jahrtausendwende verschrottet.<br />
OLAF GÜTTLER<br />
Das besondere Bild<br />
Ein Jahr vor der Stilllegung der Straßenbahn Esslingen – Nellingen – Denkendorf (END) entspannte sich im Jahre 1977 am Esslinger<br />
Bahnhof das Personal des vierachsigen Triebwagens 6 vor der Abfahrt nach Neuhausen. Die meterspurige Überlandstraßenbahn wurde<br />
1926 eröffnet, drei Jahre später kam ein Abzweig <strong>von</strong> Nellingen nach Neuhausen hinzu. In der Hauptverkehrszeit verließ alle zwölf Minuten<br />
ein Beiwagenzug die Endstation in der Nähe des Neckars, abwechselnd ging eine Fahrt nach Denkendorf oder nach Neuhausen. Der<br />
abgebildete Triebwagen 6, 1927 gebaut und immer mit derselben Farbgebung (türkisgrün) unterwegs, wurde der Nachwelt vorerst erhalten.<br />
1981 gelangte er in die private Fahrzeugsammlung nach Marxzell im nördlichen Schwarzwald. Da er dort aber stets im Freien stand,<br />
verrottete der hölzerne <strong>Wagen</strong>kasten langsam. Nach mehr als 20 Jahren unter freiem Himmel wurde der <strong>Wagen</strong> 6 nach der Jahrtausendwende<br />
verschrottet. OLAF GÜTTLER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3 | 2013<br />
83
Die schönsten<br />
Seiten der Bahn<br />
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