Bergsteiger Der Sonne entgegen (Vorschau)

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03

PLUS

12 Tourenkarten

mit Gipfelpanorama

Steve House: Bekenntnisse nach dem Absturz

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

03 / März 2013

Der perfekte

Wintertag

Allgäuer Alpen • Karwendel

Estergebirge • Mangfallgebirge

v

EXTRA

Hardshell-

Jacken

im Test

Einsames

Rätikon

Knackige Touren um

die Lindauer Hütte

Deutschland 5.90 € | Österreich 6.50 € | Schweiz 9.90 sFr | Italien 7.50 € | Luxemburg 6.50 € | Frankreich 6.50 €

ÖTZTAL

Wildspitze per Ski

Ab in den Frühling!

Der Sonne entgegen

Reif für einen Wanderurlaub? Wir zeigen Ihnen die schönsten Ziele

&

REPORTAGE

Der Sieg der Artenschützer am Geigelstein

SERVICE Sicherheit am Berg: die besten LVS-Geräte

AUF TOUR

Ski-Haute-Route in den Berner Alpen


Quality since 1923


EDITORIAL

Höhenflüge,

Abstürze und

das Lernen

von Demut

Ein früherer Trainer der Biathletin Uschi Disl

hat die Frage nach ihrer Erfolgsformel einmal

so beantwortet: »Sie kann sich halt richtig

quälen«. Ein schönes Anschauungsstück im

Sich-Quälen bietet der Dokumentarfilm »The

Wizard’s Apprentice« (Der Zauberlehrling).

Der Regisseur Petr Pavlíček begleitete das »Wunderkind« Adam Ondra im Jahr 2010

bei seinen Versuchen, die schwersten Routen der Welt zu klettern. Wer sieht, wie den

damals 17-Jährigen der Furor packt, wenn er an Schlüsselstellen mehrmals scheitert,

kann Ondras Energie und Ehrgeiz erahnen. Mal abgesehen davon, dass seine Eltern

ihn schon als Sechsjährigen wild anfeuerten, als er an Türrahmen der Wohnung

Klimmzüge machte: Ohne diesen unbändigen Willen, der die Grenzen von Schmerz

und Erschöpfung überwindet, wäre Ondra nicht an der Spitze angelangt.

Steve House war an der Spitze der besten Kletterer, und vielleicht würde Adam Ondra

noch heute zu ihm aufschauen – wenn, ja wenn der US-Amerikaner nicht vor drei

Jahren am Mount Temple in den kanadischen Rockies 25 Meter in die Tiefe gestürzt

wäre. House fühlte sich damals, als 39-Jähriger, am Zenit, fühlte sich stark und fast

unbezwingbar, und wurde vielleicht gerade deshalb Opfer seiner Unvorsichtigkeit.

Der Unfall, von dem er sich immer noch nicht ganz erholt hat, habe einen anderen

Menschen aus ihm gemacht, erzählt er (Interview S. 44). Steve House war vor dem

Absturz keiner, der seine Extremtouren exzessiv vermarktete. Er blieb lieber im Hintergrund.

Und doch habe er eines neu gelernt: Demut. Vor dem Berg. Vor dem Leben.

Eine andere Geschichte, die aber Parallelen aufweist, erzählt die ehemalige Skirennläuferin

und Freeriderin Giulia Monego. Als 13-Jährige verabschiedete sie sich mutig

vom Elternhaus in Venedig, zog in die Dolomiten. Sie wollte Erfolg im Rennzirkus,

ihr Ehrgeiz katapultierte sie auch weit nach vorne. Eine Knieverletzung brachte sie

zum Grübeln – so dass sie mit Anfang 20 erneut einen Entschluss fasste: Sie wollte

die Berge nicht mehr nur vom Lift aus sehen, nicht nur durch Tore rasen. Nun führt

sie Gäste durch die Dolomiten und sucht in ihrer Freizeit die Einsamkeit und den

Kick, zum Beispiel im Rätikon (S. 40). Lassen Sie sich von dem Abenteuer inspirieren!

Marokko

Den Zauber entdecken

Egal ob Sie mehr an Kultur- und Genusswanderungen

interessiert sind, zu den

Gipfelstürmern oder Wüstenfreunden

zählen – Marokko fasziniert in jeder

Hinsicht und hat für jeden Geschmack

etwas zu bieten. Nach einem erfüllten

Wandertag voll intensiver Naturerlebnisse

und Begegnungen zelten Sie an schönen

Lagerplätzen. Die von unseren Gästen

durchweg hoch gelobten Trekkingköche

bereiten liebevoll landestypische Speisen

zu. Eine Trekkingreise durch Marokko

spricht alle Sinne an! Erleben Sie Düfte,

Klänge, Farben und vor allem die großartige

Gastfreundschaft der Berber! Sie

profitieren von unserer Kompetenz und

Erfahrung in Marokko seit über 30 Jahren.


8 Tage

Mit Beduinen die Wüste entdecken

ab € 1.190,–

14 Tage

Königsstädte und Wüstenerlebnis

ab € 1.490,–

14 Tage

Viertausender Marokkos

ab € 1.690,–

Details anfordern unter Telefon:

089 / 23 50 06 - 0

Viel Freude und Spannung beim Lesen wünscht Ihnen

Michael Ruhland, Chefredakteur

WandernTrekkingBergtourenweltweit

hauser-exkursionen.de


INHALT

20

Winter adé

Der BERGSTEIGER präsentiert die

schönsten Ziele für alle, die es auf

ihren Touren schon jetzt sonnig

und warm haben möchten.

TITELTHEMA

20 Der Sonne entgegen

Irgendwann ist auch mal gut mit Schnee und

eisigen Temperaturen. Acht Tipps für alle, die

den Frühling nicht mehr erwarten können.

AKTUELL

30

»Die wilden W«

Nach einer ähnlich aussichtsreichen

Skiroute muss man lange suchen:

auf der Ski-Haute-Route durch die

westlichen Berner Alpen

12 Neues aus der Welt der Berge

12 FEIERABEND-SKITOUR Welche Hütten an

welchen Abenden geöffnet sind

14 FLAMMEN-INFERNO Kletter-Camp in Laos

an Silvester vollständig abgebrannt

15 FOTO-WISSEN Peter Mathis gibt Workshop

für Hobby-Fotografen

16 BALANCE-AKT Neues Projekt prüft Vereinbarkeit

von neuen Energien und Alpenflair

18 MEDIEN-TIPPS Aktuelle Bücher, Apps und

Webpages zum Thema Berg

AUF TOUR

30 Ski-Haute-Route Berner Alpen

Die Walliser Viertausender scheinen Parade

zu stehen: Eine Fünf-Tage-Skiroute durch die

westlichen Berner Alpen beschert grandiose

Ausblicke in den Nachbarkanton.


TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Top-Touren für den März

Partnachalm ................................................................................ 51

Fluchtkogel .................................................................................... 51

Wildpitze, ohne oder mit Lift ................................... 51

Wildspitze ...................................................................................... 53

Brünnsteinschanze .............................................................. 53

Stolzenberg ................................................................................... 53

Drusenturm ................................................................................ 55

Geißspitze ...................................................................................... 55

Sulzfluh ............................................................................................ 55

Schafsiedel ..................................................................................... 57

Tristkopf ........................................................................................... 57

Cap Gros ........................................................................................... 57

40

Einsames Rätikon

Drusenturm, Drusenfluh und

Sulzfluh bieten Nervenkitzel

und Abgeschiedenheit.

88

Einfache

LVS-Geräte

8 Modelle

mit abge -

specktem

Funktionsumfang

102

Unsere Besten

Sway hat den Anspruch, den

perfekten Ski herzustellen.

78

Auf die

Wildspitze

Nicht ganz ohne:

Für Skihochtouren

gelten eigene Gesetze.

Cover: Andreas Strauß (Ligomena, Monti Lariani, Comer See); F. Lenz, P. Mathis, A. Strauß, R. Haas, M. Birck

36 Der perfekte Wintertag

Vier Touren, bei denen jedes Familien -

mitglied auf seine Kosten kommt –

Pistenfreunde ebenso wie Rodelfreaks

40 Skitouren im Rätikon

Nichts für Einsteiger: Rund um die

Lindauer Hütte kommen Freunde

knackiger Touren voll auf ihre Kosten.

60 Beschauliches Villgratental

Nichts außer Berge: In diesem Tal bleibt

man von Bettenburgen und Après-Ski

komplett verschont.

66 Serie: Hüttenzauber

Die Neue Bamberger Hütte ist der ideale

Stützpunkt für Skitouren in den Kitzbüheler

Alpen. Und: Sie soll noch besser werden.

70 Serie: GeoTop | Partnachklamm

Die Partnachklamm zeigt eindrucksvoll,

was Wasser bewirken kann.

74 Serie: Familientour | Karwendel

Schneeschuhgehen ist auch für Kinder

ein großes Abenteuer. Die Tour darf

allerdings nicht zu lang sein.

Familien-TIPP

Familien-TIPP

SERVICE

78 Serie: Sicher zum Gipfel

Die Skihochtour ist die Königsdisziplin für

Winteralpinisten. Anna und Max zeigen,

was es zu beachten gilt.

82 Im Test: Hardshell-Jacken

Sie müssen vor Niederschlag und Wind

schützen und so robust sein, dass Fels

sowie Eis ihnen nichts anhaben können.

88 Kaufberatung LVS-Geräte

Auch einfache LVS-Geräte können zuverlässigen

Schutz bieten. Vorausgesetzt, man

achtet beim Kauf auf gewisse Aspekte.

REPORTAGE

96 Artenschutz am Geigelstein

Skitourengeher und Winterwanderer bedrohen

den Lebensraum der Rauhfußhühner.

Der DAV hat reagiert – mit Erfolg.

102 Porträt: Unsere Besten | Sway

Jahrelang suchten sie den perfekten Freeride-

Ski und fanden ihn nicht. Dann beschlossen

zwei Münchner, selbst Hand anzulegen.

44 Das große

BERGSTEIGER-

Interview

Er gilt als einer der besten

Alpinisten der Gegenwart

– obwohl ihn

ein Sturz vor drei

Jahren fast das Leben

kostete. Steve

House über veränderte

Perspektiven

und den Egoismus

von Kletterern

RUBRIKEN

Editorial 3

TV-Programm 20

Kolumne 49

Im Härtetest 93

Grassls Tipps 105

Briefe/Impressum 105

Comic 106

Vorschau 106

03⁄13 Bergsteiger 5


BERG-BILDER

Alle Fotos: Rainer Lampadius

6 Bergsteiger 03 ⁄13


Zaungäste

Zäune zeigen Grenzen auf, gliedern die Landschaft.

Die Strukturen, die sie schaffen, bilden

gerade im Winter ästhetische Kunstwerke und

strahlen eine innere Ruhe aus. Es kommt nur auf

das richtige Auge und die Perspektive an.

Am Fuß des Blomberg (1248 m), Wackersberg


Winterpelz

Wie Kamelhöcker sieht dieser

tief verschneite Almwiesenzaun

aus. In den milden Wintern werden

solche Bilder aber immer seltener.

Sankt Ulrich im Pillerseetal, Tirol

8 Bergsteiger 03⁄13


Schattenspiel

Mal martialisch, mal friedlich.

Die Schatten verstärken den

bedrohlichen Charakter, runde

Formen stimmen versöhnlich.

Wallgau, Altlach am Walchensee


Gemälderahmen

Pfähle sichern das Ufer vor

dem Abrutschen; in der ruhigen

Winterstimmung scheinen sie zur

Gesamtkomposition zu gehören.

Walchensee, Heimgarten und Herzogstand

10 Bergsteiger 03⁄13


Struktur und Form

Es sind nicht immer die spektakulären

Motive, die herausragende

Bilder versprechen. Gerade bei

Schwarzweiß-Aufnahmen kommt

es auf die feinen Details an, die

Strukturen und Gegensätze.

Bei meinen Fotoarbeiten

bin ich auf der Suche

nach einfachen Motiven.

Mir geht es dabei

darum, sie objektgetreu

und nicht manipuliert

wiederzugeben. Die Ergebnisse

sind dabei selten heiter, eher ernsthaft,

doch immer lebendig durch den steten

Wechsel des Vordergrundes, der Zäune, Stege

und markanten Schatten. Die Wiedergabe

der Details oder gegensätzlichen Strukturen

kommt ohne Menschen aus, was den Eindruck

der Ruhe verstärkt. Es bleibt die strenge,

von innerer Begeisterung getragene Sicht

des Auges und der scharfen Linse.

Rainer Lampadius


Bergsteiger

03/13 AKTUELL

Vom Büro an den Hang

SKITOUREN AM FEIERABEND LIEGEN IM TREND.

DIE HÜTTEN REAGIEREN AUF DIE NACHFRAGE. MAN-

CHE HABEN BEREITS AN JEDEM ABEND GEÖFFNET.

Besonderes Erlebnis: auf Skitour im Licht der Stirnlampe

Fotos: DYNAFIT, DYNAFIT| Elias Lefas

Raus aus dem Büro,

rauf auf den Berg:

Immer mehr Skitourengeher

nutzen ihre Feierabende

für Skitouren

auf Pisten, am liebsten

mit einem kurzen

Aufstieg und anschließender

Einkehr in

Einladend: Hütten bei Dunkelheit einer Hütte. »Seit etwa

zwei Jahren ist das ein

ziemlicher Boom, da kann es schon mal vorkommen, dass wir

bis zum letzten Platz belegt sind«, bestätigt Joachim Dennerlein,

Wirt des Taubensteinhauses. Unter denen, die kommen, seien

immer mehr neue Gesichter, die auch eine weitere Anfahrt in

Kauf nehmen. Viele suchen in der Natur einen Ausgleich zum

Büroalltag. »Für viele steht aber auch der Fitnessgedanke im

Vordergrund – quasi als Pendant zum Berglauf im Sommer«,

sagt Viktoria Bysanz vom Skitourenausrüster Dynafit.

Einfach losziehen und nach Gutdünken eine Piste für die Feierabendtour

raussuchen, ist allerdings eine schlechte Idee –

wegen Pistenraupen und Seilwinden ist die Gefahr eines Unfalls

viel zu groß. Eine Übersicht, welche Hütten und damit Pisten an

welchen Abenden für Skitourengeher offen sind, gibt es zum

Beispiel unter www.pistentour.com. Einige Hütten haben auch

an mehreren Abenden geöffnet. Eine kleine – bei weitem nicht

vollständige – Übersicht sehen Sie hier:

–bw–

MONTAG

• Hörnlehütte (1309 m),

Ammergauer Alpen

• Taubensteinhaus

(1567 m), Mangfallgebirge

DIENSTAG

• Unternbergalm (1425 m),

Chiemgauer Alpen

• Ehrwalder Alm (1502 m),

Wettersteingebirge

MITTWOCH

• Grüntenhütte (1477 m),

Allgäuer Alpen

• Bodenschneidhaus

(1360 m), Mangfallgebirge

DONNERSTAG

• Stahlhaus (1736 m),

Berchtesgadener Alpen

• Birgitzer Alm (1808 m),

Stubaier Alpen

FREITAG

• Berggasthof Eckbauer

(1236 m,) Wettersteingebirge

SAMSTAG

• Hubertus-Hütte (1550 m),

Tannheimer Berge

SONNTAG

• Wuhrsteinalm (1120 m),

Chiemgauer Alpen

Zitat des Monats

»Ich bin kein Freund

von Handys am Berg.

Viele gehen größere

Risiken ein, weil sie im

Ernstfall auf schnelle

Hilfe bauen. Das ist eine

trügerische Sicherheit.

Man muss selbst

eine Reserve haben.«

Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a. D., Bergsteiger

Grenzenlose

Tourenfreuden

FESTIVAL FÜR SKITOURENGEHER

IN BERCHTESGADEN

Vom 22. bis 24. Februar findet das 2. Berchtesgadener Land Skitourenfestival

statt. Ein Event, bei dem Skitourengehern einiges geboten wird: Bei den zahlreichen

Workshops am Samstag können die Teilnehmer ihr Knowhow rund ums

Tourengehen vertiefen. Zusätzlich stehen an beiden Tagen Skitouren für jedes

Niveau auf dem Programm, bei denen das Gelernte gleich in die Praxis umgesetzt

werden kann. Perfekt für alle, die noch keine eigene Ausrüstung haben: Die Firma

Dynafit ist mit aktuellem Testmaterial vor Ort. Für den Samstagabend ist außerdem

ein Charity-Skitourenrennen geplant, bei dem für jeden gelaufenen Höhenmeter

ein Cent in die Spendenkasse geht. Favorit ist natürlich der amtierende

Weltmeister der Junioren im Skibergsteigen, Toni Palzer. Für den gebürtigen

Ramsauer ist das Rennen noch dazu ein Heimspiel. Informationen zu Tickets und

Preisen gibt es unter www.bglt.de/skitourenfestival.

–bd–

Foto: Simon Köppl/Agentur Grassl

12 Bergsteiger 03 ⁄13


DAVplus.de

Fünf Fragen an …

Wollen Sie höher hinaus?

Foto: Rainer Kössl

Manuel Schlögl (28) hat

Schneeschuhe entwickelt,

mit denen man nicht nur

durch Schnee laufen,

sondern auch bergab

gleiten kann.

… den Schneeschuh-Tüftler

Sie haben Schneeschuhe entwickelt, mit denen man bergab

gleiten kann. Wie kam es dazu?

Ich gehe selbst viel mit Schneeschuhen, meist mit dem Snowboard

hinten auf dem Rucksack für die Abfahrt. Als Abschlussarbeit meines

Studiums musste ich ein Produkt entwickeln, dass es noch nicht gibt.

Da fi el meine Wahl schnell auf Schneeschuhe mit Abfahrfunktion.

Einfach, weil ich das selbst schon oft gerne genutzt hätte.

Die Idee für solche Schneeschuhe ist ja an sich naheliegend.

Wieso gibt es das nicht schon längst?

Die Idee gab es tatsächlich schon, rund 20 Patente sind darauf

angemeldet. Aber keine funktioniert. Ein Paradebeispiel dafür, dass

99 Prozent aller Erfi ndungen im Schrank verstauben.

Foto: Andreas Strauß

Was ist der Knackpunkt?

Beispielsweise muss man das Zehenloch, das Schneeschuhe im

vorderen Bereich haben, für die Abfahrt ohne großen Aufwand

schließen können. Gleichzeitig muss die Unterseite so sein, dass man

gut gleiten kann, für den Aufstieg aber genug Grip hat. Außerdem muss

die Bindung zwei verschiedene Positionen haben – eine für die Abfahrt

und eine für den Aufstieg.

Wie haben Sie diese Probleme gelöst?

Bei meiner Konstruktion hat die Klappe, mit der man das Loch vorne

schließen kann, auf der Oberseite Spikes. Klappt man sie nach unten,

bieten diese Spikes den nötigen Grip für den Aufstieg. Bis mir diese

Idee endlich kam, hatte ich schon ein halbes Jahr dran rumgetüftelt.

Wie geht es jetzt weiter?

Eigentlich wollte ich einen Vertriebspartner fi nden, der die Schneeschuhe

auf den Markt bringt. Das ist allerdings schwieriger als

ge dacht. Ich betreibe mit schneeschuhprofi .com hauptberufl ich einen

Online-Handel für Schneeschuhe. Insofern sitze ich eigentlich an der

Quelle. Ich werde jetzt noch die letzten Schwachpunkte beheben und

zur nächsten Saison damit beginnen, das Produkt selbst zu vertreiben.

Interview: B. Willmes

Sie möchten wissen, wie die Schneeschuhe funktionieren?

Dann lesen Sie unseren Selbsttest auf www.bergsteiger.de

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Bergsteiger

12/11 03/13 AKTUELL

Foto: OeAV/Norbert Freudenthaler

Foto: Bernhard Auer

Berg-Splitter

Wechsel an der

Spitze des OeAV

Der 52-jährige

Rechtsanwalt Andreas

Ermacora aus

Innsbruck ist neuer Präsident des Österreichischen

Alpenvereins (OeAV). Sein Vorgänger

Christian Wadsack musste das Amt aus

berufl ichen Gründen niederlegen. Als eine der

wichtigsten Aufgaben des OeAV sieht es

Ermacora, in Umweltfragen glaubwürdig und

präsent zu sein und sich langfristig für einen

sanften Tourismus einzusetzen. –bd–

Fotos: Ralf Dujmovits

Aus der Traum?

KLETTERCAMP »GREEN CLIMBERS HOME« IN LAOS ABGEBRANNT

Enormes Spektrum: Routen

von IV bis XI

Das Camp brannte

komplett nieder;

verletzt wurde aber

zum Glück niemand.

Bei einem verheerenden Brand am Silvesterabend

ist das Klettercamp »Green Climbers Home«

in Laos vollständig zerstört worden. Tanja und Uli

Weidner, ein kletterbegeistertes Paar aus Köln, hatten

sich mit dem Camp einen Traum erfüllt: In den

vergangenen zwei Jahren entstanden wenige Meter

vom Klettergebiet »Pha Tam Kam« bei Thakhek/Laos

zehn Bungalows, zwei Schlafräume und ein Restaurant,

um Kletterern aus der ganzen Welt ein Urlaubsdomizil

zu bieten. Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf

Dujmovits, die nur wenige Tage zuvor ihren Weihnachtsurlaub im »Green Climbers

Home« verbrachten und nach eigenen Angaben begeistert waren von der Atmosphäre

im Camp und der Felsqualität im angrenzenden Klettergebiet, rufen nun

zum Spenden auf. »Ohne die finanzielle Hilfe der Klettercommunity werden Tanja

und Uli das Camp nicht wieder aufbauen können«, teilte das Bergsteiger-Ehepaar

in einem Schreiben an die Redaktion mit. »Wenn jeder Fan des exotisch-abenteuerlichen

Kletterns aber ein paar Euro spendet, sollte es den beiden gelingen, dieses Juwel

wieder zum Leben zu erwecken.« Mehr Informationen zur Spendenabwicklung

unter www.greenclimbershome.com/deutsch/donation_g.html.

–bd–

Da geht noch was: die Siegerin des

Vorjahres Lucie Hrozová

Glace Glisse: Die Eiszeit kommt

Vom 15. bis 17. Februar werden beim 4.

Glace-Glisse-Eiskletterevent im Heutal bei

Unken wieder namhafte Eiskletterer der Szene

um den Einzug ins Finale kämpfen. Neben

Eiskletter-Workshops, spannenden Wettkämpfen

– auch Vorjahressieger Markus Bendler wird

wieder mit dabei sein – soll natürlich auch die

Partystimmung nicht zu kurz kommen. –bd–

Jubiläumsfeier zum 40. Geburtstag

Der Reiseanbieter Hauser Exkursionen lädt

am 23. und 24. März zur Jubiläumsfeier in die

Münchner Kongresshalle. Dazu wurde ein

buntes Programm mit zahlreichen Vorträgen zu

Traumzielen auf der ganzen Welt und verschiedenen

Workshops auf die Beine gestellt – beispielsweise

zum Thema Höhenakklimatisierung.

Durchs Programm führt Bayern3-Moderator

Bernhard Fleischmann.

–bd–

Foto: DAV Summit Club

Berg-Fundstück

EIN ECHTER DRECKSACK

Es ist immer die gleiche Leier nach der

Gipfelbrotzeit! Wohin mit dem Butterbrotpapier?

Der Müllbeutel namens

Drecksack von Deuter und DAV Summit

Club schafft Abhilfe. Zugleich soll

er laut Hersteller »ein Botschafter für

den achtsamen Umgang mit der Natur« sein. Ein Drittel

des Kaufpreises geht an ein Umweltprojekt. Und weil

heute jeder Drecksack im Internet zu finden ist, hat er

natürlich einen eigenen Facebook-Eintrag: www.facebook.com/Umweltdrecksack

Preis: 3 €; www.deuter.com/de

14 Bergsteiger 03 ⁄13


MADE INAUSTRIA

Fotos: Peter Mathis

Drusenfluh, Drusentürme

und Drusentor:

beim Fotoworkshop

werden sie

Motive sein.

Lernen vom Meister

PROFI-FOTOGRAF PETER MATHIS BIETET IN KOOPERATION MIT DEM

BERGSTEIGER EINEN FOTOWORKSHOP IM MONTAFON AN

DAS

ORIGINAL

C7 CARBON

Jeder Hobbyfotograf weiß: Stimmungen in den Bergen mit der

Kamera einzufangen, ist alles andere als einfach. Und die Herausforderung

ist umso größer, wenn man sich an Schwarzweiß-Fotografie

versucht. Warum sich also nicht von einem Profi anleiten

lassen? Der mehrfach preisgekrönte Fotograf Peter Mathis bietet

vom 13. bis 16. Juni 2013 in Kooperation mit dem BERGSTEIGER

einen Fotoworkshop im Montafon (Rätikon) an. Dazu wird die

Gruppe (max. acht Teilnehmer) auch Wanderungen rund um die Lindauer Hütte

unternehmen, zum Beispiel zum Drusentor (2342 m) und zur Geißspitze (2334

m). Voraussetzung für die Teilnahme sind Grundkenntnisse in Fotografie, durchschnittliche

Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Der Workshop kostet

pro Person 790 Euro, Übernachtung mit Halbpension in der Lindauer Hütte, Liftticket

und der Materialtransport vom Talort Latschau zur Hütte sind inbegriffen

(das komplette Programm unter www.bergsteiger.de). Anmelden kann man sich

unter office@mathis-photographs.com oder unter Tel. 00 43/55 76/

7 50 83. Dort gibt es auch zusätzliche Informationen. –mr–

Foto: privat

Jacken vom Kletterspezialisten

BLACK DIAMOND MACHT JETZT AUCH BEKLEIDUNG

Der Kletter- und Skiausrüster Black Diamond macht eine

Outdoor-Bekleidungslinie auf. Die Firma, die 1957 in den USA

mit der Produktion von Karabinern begann und über die Jahrzehnte zu einem

globalen Unternehmen anwuchs, stellte im Januar in Kandersteg drei Männer-

Kollektionen vor – Bekleidung für Frauen soll 2014 folgen. Im Angebot sind

zum Beispiel Softshell- und Fleecejacken, Kletter- und Skitourenhosen bis hin

zu Isolationsjacken. Sie wurden in Kooperation mit den Spezialisten der Firmen

Schoeller, Primaloft und Polartec entwickelt. »Es ist ein Versuch, die Fallhöhe ist

größer, und wir wissen nicht, wie es ausgeht«, sagte der Geschäftsführer von Black

Diamond Europa, Christian Jäggi bei einem Pressetermin. Das Design sei bewusst

minimalistisch gehalten, folge der Funktionalität und sei für athletische Körper

konzipiert. Weltweit wird es die Kollektion nach den Worten Jäggis nur bei 130

Händlern zu kaufen geben. Man wolle bei den Kunden das Image als Hardware-

Spezialist aber nicht verwässern, versicherte der Geschäftsführer.

–mr–

Welten entdecken!

NEUE VORTRAGSREIHE IM ALPINEN MUSEUM

Bei allen fünf Terminen der Veranstaltungsreihe »Welten entdecken«

des Alpinen Museums und DAV Summit Clubs steht das

Begegnen und Entdecken fremder Kulturen im Mittelpunkt. Unter anderem wird

Kurt Diemberger aus seinem Alpinisten-Leben berichten. Weitere Informationen

zu den jeweiligen Terminen unter www.alpenverein.de/Kultur/Museum –bd–

Foto: Black Diamond

Hans

KAMMERLANDER

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Bergsteiger

12/11 03/13 AKTUELL

GASTBeitrag

Der Schweizer Extrembergsteiger Roger

Schäli zählt zu den besten Allround-Alpinisten

weltweit. 2008 kletterte er innerhalb

der ersten sechs Wochen des Jahres

die sechs großen Alpen-Nordwände.

Nordwände im Winter:

Bergsteigen wie vor

50 Jahren

Nüchtern betrachtet sind Nordwände im Winter

kein Spaß. Die Wand ist kälter, grimmiger, die

Tour dadurch ganz schnell um einen Grad

schwerer. Weil selbst geringe Minusgrade durch

Winde eine unangenehme Wirkung entfalten

können, sind die Temperaturen ein ernstzunehmender

Gegner. Wenn man noch dazu die

Route nicht kennt und das Wetter umschlägt,

sitzt man schnell ein, zwei Tage im Tiefkühlbiwak

fest. Selbst erfahrene Bergsteiger geraten dann

in Teufels Küche.

Warum ich mir so etwas dennoch zumute?

Ganz einfach: Die Belohnung ist gigantisch.

Denn ungefähr so stelle ich mir das Bergsteigen

vor 50 Jahren vor. Es ist einsamer, und damit

etwas Besonderes. Wenn man beispielsweise

an einem Februarmorgen als einzige Seilschaft

an den Walkerpfeiler der Grandes Jorasses

marschiert oder ganz allein in der Abgeschiedenheit

des Piz Badile unterwegs sein darf, ist

das schon eine sehr geile Stimmung. Das ist

ein ganz anderes Gefühl, dass man so selbst in

Patagonien manchmal nicht mehr hat.

Zudem sind die Nordwände im Sommer

objektiv gefährlicher geworden. Während der

Hochsaison gerät man sehr schnell in einen

regelrechten Steinschlagregen, da sich die

Null-Grad-Grenze in den vergangenen 40

Jahren nach oben verschoben hat. Hier sind die

harten Bedingungen im Winter sogar ein Vorteil.

Foto: Frank Kretschmann

Stauseen sind beispielhaft für den Konflikt zwischen Energienutzung und Naturschutz.

Eine Frage der Balance

NEUES PROJEKT ZUR NUTZUNG REGENERATIVER ENERGIE IN DEN ALPEN

Beim Umdenkprozess in der Energiepolitik können die Alpenländer, die mit

ihren Wäldern, Flüssen und Bergen großes Potenzial für nachhaltige Energieproduktion

besitzen, einen wertvollen Beitrag leisten. Da aber auch die Nutzung natürlicher

Ressourcen nicht ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt bleibt,

sind Interessenskonflikte zwischen Naturschützern und Energie-Erzeugern die

Folge. Genau hier setzt das im Oktober 2012 gestartete Projekt »recharge.green –

balancing alpine energy and nature« an: 15 Experten der Landschaftspflege, Forstwirtschaft,

Energie-Erzeugung, Forschung, Naturschutz und Kommunikation aus

allen Alpenländern entwickeln Strategien, um Kosten und Nutzen der erneuerbaren

Energieproduktion abzuwägen. Auf Basis ihrer Ergebnisse sollen Politiker und

Energie-Erzeuger künftig Entscheidung treffen können. Das Projekt läuft noch bis

Juni 2015. Mehr Informationen unter www.recharge-green.eu

–bd–

Ökostrom vom Dach

VAUDE NIMMT DIE ZWEITE PHOTOVOLTAIK-ANLAGE IN BETRIEB

Auf den Dächer der Logistikhalle am Firmenstandort in Obereisenbach produziert

der Outdoor-Ausrüster VAUDE künftig rund 400 000 Kilowattstunden (kWh)

Solarstrom auf einer Fläche von 3100 Quadratmetern. Damit können ca. 80 Haushalte

mit einem Jahresverbrauch von 5000 kWh ein Jahr lang mit Strom versorgt

werden. Zusätzliche 160 000 kWh Ökostrom liefert die erste, 2009 in Betrieb genommene

Photovoltaik-Anlage des Unternehmens. Müsste VAUDE nach dem Gesetz

für Erneuerbare Energien den Strom

nicht ins öffentliche Stromnetz einspeisen,

könnte das Unternehmen rein rechnerisch

seinen gesamten Stromverbrauch

über selbstproduzierten umweltfreundlichen

Strom abdecken. Nachhaltigkeit hat

in der Firmenpolitik von VAUDE nach eigenen

Angaben einen hohen Stellenwert:

Die Firma hat es sich zum Ziel gesetzt, Europas

umweltfreundlichster Outdoor-

Ausrüster zu werden.

–bd– Vaudes zweites Photovoltaik-Dach

Foto: Michel Revaz

Foto: Firma Sunhatz

16 Bergsteiger 03 ⁄13


Umwelt und Nachhaltigkeit

beSIEGELt

Kooperation von derzeit 28 Tourismusgemeinden in

den Alpen, die ein umweltverträgliches, kulturell vielfältiges

und klimaschonendes Ferienerlebnis versprechen – beispielsweise

durch umweltfreundliche Freizeitangebote oder verkehrsberuhigte

Ortszentren. Infos: www.alpine-pearls.com

Foto: Constructive Alps

Effizient und ästhetisch

ARCHITEKTURPREIS FÜR NACHHALTIGES BAUEN IN DEN ALPEN

Die Schweiz lobt mit dem Projekt

»Constructive Alps« den zweiten internationalen

Architekturpreis für

nachhaltiges Sanieren und Bauen in

den Alpen aus. Teilnehmen lohnt sich:

Dem Siegerprojekt winken 50 000 Euro

Preisgeld. Noch bis zum 19. Februar

können Bauprojekte, die zwischen

2008 und 2012 in den Alpen fertiggestellt

wurden, eingereicht werden. Eine

internationale Jury wird dann im

Für das Siegerprojekt gibt es 50 000 Euro.

Sommer prüfen, inwieweit die Neubauten

und Sanierungen den ästhetischen und nachhaltigen Kriterien entsprechen.

Darunter fällt etwa die Anbindung der Gebäude an das öffentliche Verkehrssystem

oder die Auswahl der Baumaterialien. 25 ausgewählte Projekte werden zudem von

Ende August an in einer Wanderausstellung auf Reise gehen.

–bd–

Hütten mit Prädikat

ACHT ALPENVEREINSHÜTTEN VON DAV UND OEAV AUSGEZEICHNET

Das Umweltgütesiegel für Schutzhütten wird nach strengen Kriterien an

Alpenvereinshütten verliehen, die umweltgerecht geführt werden. Beim österreichischen

Alpenverein waren es 2012 mit der E.-T.-Comptonhütte, der Filmoor-

Standschützenhütte, der Hesshütte, der Oberwalderhütte, der Obstanserseehütte,

der Seethalerhütte und dem Alois-Günther-Haus gleich sieben Schutzhütten, die

die Auflagen unter anderem zu Energiesparmaßnahmen, Wasserschutz und Abfallentsorgung

erfüllten. Der Deutsche Alpenverein zeichnete nur eine Hütten aus,

nämlich die Gufferthütte im Rofangebirge. Seit 1996 haben 94 Schutzhütten das

Umweltgütesiegel erhalten.

–bd–

Fotos: OeAV/Baumgartner, OeAV/Hauger, OeAV

E.-T.-Comptonhütte, Filmoor-Standschützenhütte und Seethalerhütte sind drei von

acht Alpenvereinshütten, die 2012 das Umweltgütesiegel erhalten haben.

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den neuen Katalog

„Berglust pur 2013“

mit den besten alpinen

Wanderhotels in Österreich,

Deutschland, Südtirol und

der Lombardei.

T. +43 (0) 4710 2780

www.wanderhotels.com


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

03/13 AKTUELL

Medien

BergBücher …

10 Jahre Zeichnen für den DAV


Robert Bösch

»MOMENTS«

188 Seiten, 95 Abb. in Farbe und

Duotone, 24 x 32 cm, Hardcover

mit Schutzumschlag, Benteli

Verlag, Sulgen 2012, 62,- €

Eine Wolkenlücke gibt

den Blick frei auf einen

Schweizer Berggipfel oder

einen Himalaya-Riesen, ein Grat verschwindet gerade im

Nebel, der Kondensstreifen eines Flugzeugs zieht über einen

Felsen – das sind die kurzen Augenblicke, die Robert Bösch

auf geniale Weise mit der Kamera festhält. Aber seine Fotos

sind nicht nur überragende Landschaftsaufnahmen, sondern

erinnern oft an Gemälde des Bergmalers Edward Theodore

Compton (zum Beispiel Val Susauna). Gerade seine Schwarzweißbilder

zeigen eine grafische Bildsprache, die fasziniert:

Die Licht-Schatten-Kante einer Moräne sticht beispielsweise

wie eine Schwertschneide durchs Bild. Ein Bildband, den man

gerne auch mal etwas länger in den Händen hält. –pgk–

Erbse Köpf

»ROCK’N’RATZEFUMMEL

– ERBSES PANORAMACOMICS«

80 Seiten, geb. Hardcover, 30,5 x

21,5 cm, Panico-Alpinverlag,

Köngen 2012, 16,80 €

Die Irrungen und Wirrungen

menschlichen Geistes

beim Klettern, Bouldern und

Bergsteigen – das Beste aus

zehn Jahren Arbeit für »Panorama«,

das DAV-Magazin.

Erbse zeigt mit diesem Band

erneut, dass er der kreativste

und unumstrittene Meister

der spitzen Feder ist, wenn es

darum geht, der kletternden

Menschheit einen Spiegel

vorzuhalten: Klettercomic at

its best!

–ak–

Karin Bernhart,

Udo Bernhart

»BERGERLEBNIS SÜDTIROL«

168 Seiten, Format 22,3 x 26,5 cm,

Hardcover, Bruckmann Verlag,

München 2012, Preis 29,95 €

Die Südtiroler Karin und

Udo Bernhart kennen die

schönsten Ecken ihrer Heimat:

Ihr Bildband vereint

beeindruckende Landschaftsaufnahmen,

unterhaltsame

Anekdoten und praktische

Informationen zu den Highlights

der Region, wie Ortler,

Rosengarten oder Seiser Alm.

Vorgestellt werden 40 Klassiker,

die man als Südtirol-

Liebhaber auf keinen Fall

verpassen sollte! –bd–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: Senderfi lms

AUFSTIEG ZUM STERNEN-KENNER

Wofür? Endlich mehr sehen als den Großen Bär

Wie? Smartphone in den Himmel halten und auf

dem Display nachlesen, was man dort so sieht.

Dank GPS weiß die App, wo man sich befi ndet.

Ebenso weiß sie Bescheid über die Laufbahn von

Planenten, Mond und Sonne.

Wieviel? »Star Walk« kostet 2,69 € (Vollversion)

Warum? Im richtigen Moment Eindruck schinden

»REEL ROCK 7«

Kletterfilmer vergessen gerne, dass es nicht

nur darum geht, tolle Szenen zu zeigen,

sondern auch Geschichten zu erzählen.

»Reel Rock 7« macht genau das – so gut,

dass der Film beim kanadischen Banff

Bergfilm Festival in der Kategorie Bester

Kletterfilm gewann. Er begleitet die besten

Athleten bei hochalpinen Routen, Free-

Solo-Experimenten und Felskletterei. –sz–

Von: Peter Mortimer, Josh Lowell, Alex Lowther, Nick

Rosen (Senderfi lms); auf DVD erhältlich

Mit: Alex Honnold, Chris Sharma, Adam Ondra u.a.

Aus: USA

www.lawinen.org

Egal, für welches europäische Land man

Lawineninfos benötigt, auf dieser Homepage

sieht man auf Anhieb, ob ein solcher

Service existiert. Ist dies der Fall, gelangt

man mit wenigen Klicks auf die richtige

Seite. Zurückzuführen ist die Seitenbündelung

auf den Lawinenwarndienst Tirol.

alpen.yakohl.com

Für die kleinen Gedankenfluchten des

Alltags liefert diese Homepage tagtäglich

ein neues Alpenfoto – dank der Infos

zum Bild kann aus der Gedanken- durchaus

auch eine wahre Flucht werden. –bw–

18 Bergsteiger 03 ⁄13


TV-Programm Februar / März 2013

11.2. | 11.00 | Servus TV

Aus dem Leben

Rettung im Himalaya (1)

Dauer: 25 Min.

11.2. | 17.00 | 3sat

Winterreise – von Usedom

ins Gletschereis

Dauer: 45 Min.

12.2. | 13.40 | Servus TV

Art Wolfe

Nepal und Indien

Dauer: 25 Min.

12.2. | 18.50 | HR

service: reisen

Traumtouren in Argentinien

Dauer: 25 Min.

13.2. | 12.30 | 3sat

Unbekanntes Paradies –

Der Bisamberg und

seine Schätze

Dauer: 30 Min.

13.2. | 13.15 | 3sat

Die Entstehung der AH

Alpen – Rastlose Gipfel

Dauer: 45 Min.

J14.2. | 18.15 | alpha

freizeit

Skiwandern auf den Spuren

bayerischer Elche

Dauer: 30 Min.

15.2. | 11.50 | Servus TV

Auf legendären Routen

Bhutan

Dauer: 55 Min.

15.2. | 15.25 | 3sat

Wunderland: Das Puschlav

Eine Reise durch die Schweiz

Dauer: 50 Min.

15.2. | 20.15 | Servus TV

Bergwelten

Ein Gebirgsidyll – Ernest

Hemingway im Montafon

Dauer: 60 Min.

16.2. | 15.30 | BR

Die Alpen von oben

Vom Inntal ins Ötztal

Dauer: 45 Min.

16.2. | 16.00 | SWR

Die bayerischen Voralpen

Land der Herzöge

und Künstler

Dauer: 45 Min.

16.2. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Wildes Skandinavien (3)

Dauer: 45 Min.

17.2. | 20.15 | WDR

Wunderschön!

Naturerlebnis Namibia –

Eine Safari in acht Tagen

Dauer: 90 Min.

17.2. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

18.2. | 11.50 | Servus TV

Fahrt in fremde Welten

Himalaya: Der eiserne Drache

Dauer: 55 Min.

AH

J18.2. | 13.15 | 3sat

Die vier Alpen

Die Geschichte der vier

Gebirgszüge in Japan, Australien,

Europa und Neuseeland

Dauer: 45 Min.

18.2. | 14.45 | 3sat

Wetterküche Alpen

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

18.2. | 16.20 | 3sat

Zwischen Himmel und

Erde – unterwegs in

Niederösterreichs Bergen

Dokumentation

Dauer: 25 Min.

19.2. | 18.50 | HR

service: reisen

Winterzauber in

Kanadas Westen

Dauer: 25 Min.

19.2. | 22.00 | SWR

Fahr mal hin

Eine Insel in den Bergen

– Das Tannheimer Tal in Tirol

Dauer: 30 Min.

21.2. | 19.45 | Servus TV

Aus dem Leben

Winter in den einsamsten

Dörfern der Alpen

Dauer: 25 Min.

22.2. | 15.20 | 3sat

Wunderland: Das Bleniotal

Eine Reise durch die Schweiz

Dauer: 45 Min.

22.2. | 20.15 | Servus TV

Die Bergretter im Himalaya

Tod an der Ama Dablam

Dauer: 60 Min.

23.2. | 14.30 | 3sat

Reisewege Frankreich

Die Camargue

Dauer: 45 Min.

J23.2. | 15.30 | BR

Die Alpen von oben

Dauer: 45 Min.

23.2. | 18.30 | HR

Das Kinzigtal

Dauer: 45 Min.

24.2. | 16.15 | BR

Fernweh Peru

Dauer: 30 Min.

24.2. | 16.45 | SWR

Meine Traumreise von

Bayern nach Baku

Die Allgäu-Orient-Rallye

Dauer: 30 Min.

26.2. | 16.30 | 3sat

Reisezeit Indien

Dauer: 25 Min.

26.2. | 18.50 | HR

service: reisen

Inselträume

Dauer: 25 Min.

1.3. | 15.15 | RBB Berlin

Winterreise durch Lappland

Dauer: 45 Min.

1.3. | 15.30 | 3sat

Wunderland: AH

Das Val d‘Anniviers –

Eine Reise durch die Schweiz

Dauer: 45 Min.

1.3. | 20.15 | Servus TV

Die Bergretter im Himalaya

Einsatz am Everest

Dauer: 60 Min.

1.3. | 21.15 | Servus TV

Alpi Apuane:

Berge aus dem Wasser

Dauer: 45 Min.

2.3. | 13.00 | BR

Reise in die Vergangenheit

Geologische Wanderungen

durch Franken

Dauer: 25 Min.

2.3. | 14.00 | Arte

Yourope

Winterparadies Osteuropa

Dauer: 25 Min.

2.3. | 15.30 | BR

Die Alpen von oben

Vom Allgäu ins Montafon

Dauer: 45 Min.

2.3. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Wildes Skandinavien – Island

Dauer: 45 Min.

3.3. | 16.15 | BR

Fernweh

Malawi

Dauer: 30 Min.

3.3. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

J5.3. | 17.00 | BR

Traumpfade

Mit den Schlittenhunden

über die Alpen

Dauer: 30 Min.

7.3. | 18.25 | Arte

Kamtschatka

Leben im Schatten

der Feuerberge

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

03 ⁄ 13 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Für Sonnenhungrige

Ab in den

Sie haben den Winter bereits

ausgekostet und es dürstet Sie

nach milden Temperaturen und

vielen Sonnenstunden jeden

Tag? Sie möchten dabei auf

Berge nicht verzichten und kurzärmelig

wandern? Wir haben für

Sie acht (Urlaubs-)Ziele ausgesucht,

die jetzt schon Wärme

versprechen.


Ein sonnenverwöhnter

Flecken: Varenna am Comer

See mit Blick auf den Monte

di Tremezzo

Süden!

Fotos: Andreas Strauß

03⁄13 Bergsteiger 21


[km 291 * ]

Deutlich früher schneefrei

als anderswo: an

der Piana Cassinella

*Luftlinie von München aus gerechnet

Tessin – Sonnenstube der Schweiz

TESSIN

Höchster Punkt:

(Rheinwaldhorn)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage (im Süden):

3402 m

120

6

13

7

Wahrzeichen des Tessins: der Luganer See

Im Tessin sind nahezu alle Qualitäten vereint,

die sich der Aktivurlauber wünscht:

Berge und Seen, bestens abgesicherte Sportklettergebiete

und wilde Schluchten; Infrastruktur

nach Schweizer Standard und

kulturelles Kleinod. Da das Tessin der südlichste

Schweizer Kanton ist, trägt es auch

den Ehrentitel »Sonnenstube der Schweiz«.

Das will zwar nicht heißen, dass die Sonne

am Lago Maggiore und am Luganer See das

ganze Jahr über scheint – Regentage gibt

es auch hier. Aber man kann in den tieferen

Lagen bereits im März und April erste

Wanderungen in wunderbarer Umgebung

unternehmen, ohne frieren zu müssen.

Viele der Gipfel über Locarno und Lugano

sind in ein, zwei Stunden erreicht und bieten

dennoch eine schöne Aussicht auf die

noch schneebedeckten Tessiner Alpen, auf

das Wallis und die Adula-Alpen. Sie sind

also speziell für den Saisonbeginn die erste

Wahl. Wer auf Gipfelglück weniger Wert

legt, findet wunderbare Talwege im Maggiatal,

Verzascatal, im Centovalli, im Valle

Leventina und im Sottoceneri mit schmalen

Pfaden, alten Steinbrücken, malerischen

Dörfern und romanischen Kirchen.

Für Kletterer ist der Frühling sogar die beste

Reisezeit. Am Nordufer des Lago Maggiore

(193 m) sorgen die niedrige Lage und die oft

südseitige Ausrichtung der Felsen für milde

Temperaturen. Anschließend ein Latte Macchiato

unter Palmen, abends geht es dann in

eine Bar in Ascona oder in die Burgenstadt

Bellinzona!

–Andrea Strauß–

WANDERFÜHRER: Andrea und Andreas Strauß

»Wanderbuch Tessin«, Bergverlag Rother, Oberhaching

2010; Sandro von Känel »Plaisir Sud«,

Edition Filidor, Reichenbach 2011

Schön, aber eisig: das Wasser der Verzasca

Fotos: Andreas Strauß

22 Bergsteiger 03⁄13


So beschaulich kann

Mallorca sein: in der

Serra Tramuntana

[km 1.192]

Tourenkarte 10

Heftmitte

MALLORCA

Höchster Punkt:

(Puig Major de Son Torrella)

1445 m

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

242

Mallorca – Jenseits vom Ballermann

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage:

7

17

6

Fotos: Michael Pröttel

Schon seit einigen Jahren bemüht sich der

Inselrat Consell de Mallorca, vom Image

als Ballermann-Party-Insel loszukommen.

Um so größer war die Freude, als das im

Norden der Insel gelegene Gebirge Serra de

Tramuntana im Jahr 2011 in die UNESCO

Welterbeliste aufgenommen wurde. Ausschlaggebend

war unter anderem, dass die

Tramuntana als Jahrhunderte alte Kultur-

landschaft durch einen hervorragend konzipierten

Weitwanderweg dem sanften Wandertourismus

zugänglich gemacht wurde.

So kann man an der Nordseite der Insel

auf bestens markierten Wegen und perfekt

geführten Refugis auf der so genannten

Trockenmauer-Route durch eines der

schönsten Gebirge des Mittelmeers wandern.

Dabei kommt man an tollen Aus-

sichtsgipfeln, uralten Schneehäusern und

traumhaften Orten vorbei, von denen die

meisten Strand-Touristen rund um Palma

nicht einmal eine Ahnung haben.

–Michael Pröttel–

WANDERFÜHRER: R. Gabriele, W. Heitzmann

»Bergparadies Mallorca«, Bruckmann Verlag,

München 2013

[km 1.222]

Blick von Erice

auf den Monte

Cofano

Rückgrat zieht sich im Norden der Insel ein

Gebirgsbogen an der Küste entlang, an den

im Süden niedrigere Ketten und hügelige

Landschaften anschließen. Viele Bergsteiger

haben als erstes Ziel den höchsten Berg, den

Ätna, im Visier. Dabei ist er bestimmt nicht

das einzig reizvolle Ziel. Eine Herausforderung

auf der gesamten Insel: Wege sind zwar

theoretisch meist markiert, sie zu finden ist

trotzdem ein Abenteuer. Die Markierungen

wurden oft an Holzpfosten angebracht, die

SIZILIEN

Höchster Punkt:

(Ätna)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage:

3323 m

195

6

16

8

Sizilien – »Nordafrikanisches« Abenteuer

Fotos: ENIT

Sie gilt als karge Schönheit, die größte Insel

des Mittelmeers. Dabei kommt das ganz auf

die Reisezeit an. Mit etwas Glück beginnen

die Mandelbäume auf Sizilien bereits Ende

Februar zu blühen. Dann neigt auch der

März dazu, schön zu sein, und die Insel erstrahlt

wie eine Braut am Tag der Hochzeit.

Mit mehr als 3000 Blütenpflanzen übertrifft

ihre Artenvielfalt sogar die Kretas. Bis Ende

Mai führen die Wege durch eine manchmal

schier unglaubliche bunte Pracht.

Erstaunlich abwechslungsreich ist auch das

Revier für Wanderer. Wie ein steinernes

nicht mehr da sind. Insofern hat Wandern

auf Sizilien viel mit Geocaching zu tun.

Kompass und GPS sollten im Rucksack nicht

fehlen.

Die Felsen in der Nähe des im Nordwesten

der Insel, am Ende einer Landzunge gelegenen

Badeortes San Vito lo Capo gelten

als eines der besten europäischen Klettergebiete

für kühle Jahreszeiten, denn viele

Wände sind nach Südwesten ausgerichtet.

Hier kommt alles zusammen, wonach sich

der Naturmensch sehnt – die Erhabenheit

von Felswänden und die Weite des Meeres

– und was der Genussmensch für einen gelungenen

Urlaub sucht: exzellente sizilianische

Küche, aufgrund der geographischen

Lage bei Gewürzen und in der Art der Zubereitung

nordafrikanisch angehaucht.

–Sandra Zistl–

WANDERFÜHRER: Manfred Föger »Bruckmanns

Wanderführer – Sizilien und Liparische Inseln«,

Bruckmann Verlag, München 2012; Peter Amann

»Wanderführer Sizilien«, Verlag Michael Müller,

Erlangen 2010; Kletterführer: »Sicily Rock – Sicilia

Sport Climbing«, Gebro Verlag 2012

03⁄13 Bergsteiger 23


[km 2.310]

Frisches Grün: Wer

Zypern so erleben

will, muss früh im Jahr

kommen.

Zypern – Der Duft der Aleppokiefern

Rennradfahrer wissen es längst: Wer im

Winter Kilometer sammeln und Kondition

aufbauen will, der ist mit Zypern gut beraten.

Wenn im Mittelmeerraum gar nichts

mehr geht und über Mallorca Kaltfronten

hinwegziehen, dann trumpft die Insel mit etwa

300 Sonnentagen im Jahr und einem sehr

milden Klima auf. Wenn dann im April die

ersten Badetouristen die Strände bevölkern,

ist die Saison für die Radler fast schon vorbei:

zu heiß wird’s an den Anstiegen zum

Troodos-Gebirge.

Dass

Zypern aber

gerade im März für

Wanderer ideal

ist,

hat sich noch

nicht wirklich herumgesprochen.

Man kann im

Troodos-Massiv

stundenlang

wandern, ohne

einer Men-

REPUBLIK ZYPERN

1951 m

Höchster Punkt:

Olympos im Troodos (nicht zugänglich)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tgestemperatur:

ø Regentage:

129

7

19

6

schenseele

zu begegnen,

eingehüllt

vom Duft der Aleppokiefern. Oberhalb von

1200 Metern wächst die Schwarzkiefer, die

sich zum teil bizarr über Felsen und Abhänge

verrenkt, an den südexponierten Hängen

blüht der Ginster. Der Schritt federt leicht auf

den von Nadeln bedeckten Saumpfaden, Hyazinthen

und Alpenveilchen säumen den Weg.

Apropos Botanik: Man kann auch als Laie

ins Schwärmen kommen angesichts der

vielen Orchideen (45 Arten), die einem auf

den Streifzügen durch den Troodos oder auf

dem Akamas im äußersten Osten der Insel

begleiten. Sehr zu empfehlen ist die »Große

Troodos-Runde«, eine etwa sechsstündige

Panorama-Wanderung mit mehreren Aussichtspunkten

wie dem Gipfel des Pouzaris

(1629 m). Zeitweise wird der Blick unschön

gefangen von der ehemaligen Asbestmine

Amiantos und ihren erodierten Hängen –

ein Umweltfrevel aus zum Glück vergangenen

Zeiten.

–Michael Ruhland–

WANDERFÜHRER: Mando Kramer »Bruckmanns

Wanderführer Zypern«, Bruckmann Verlag, München,

erscheint März 2012; Rolf Goetz »Rother Wanderführer

Zypern«, Bergverlag Rother, Oberhaching 2011

Wandern auf weichem

Polster: einsame

Wege unter Kiefern im

Troodos-Gebirge

Fotos: Michael Ruhland (1), Cyprus Tourism Organisation


[km 3.278]

Der vulkanische Ursprung

ist hier nicht zu

übersehen: unterwegs

im Teide-Nationalpark

Teneriffa – Das Unten ist das Ziel

TENERIFFA

Fotos: Turespãna

Die westlichen Ausläufer der Insel, Punta de Teno

Man kann von der tourismusgestressten

Kanareninsel Teneriffa halten, was man

will. Aber diese Vielfalt auf derart kleinem

Raum ist schlicht einzigartig. Als Urlauber

lassen sich im März sämtliche Jahreszeiten

durchleben, vom Sommer an den sonnenverwöhnten

Südstränden bis zum frostigen

Gipfel des Pico del Teide auf 3718 Metern.

Gleichzeitig bietet die Insel eine Vielzahl an

Klimaten und Vegetationszonen, die selbst

Geografen die Sinne verwirren.

Teneriffa – nicht einmal fünf

Flugstunden entfernt – ist Südafrika,

Island und Arizona in

einem.

Das gewaltige Vulkanplateau im

Zentrum der Insel erinnert an

die Halbwüste, die Lorbeerwälder

im Tenogebirge im Nordwesten

an die Tropen, das Orotava-

Tal – von Alexander Humboldt

als »harmonisches Gemälde«

geadelt – an einen botanischen

Garten. Kakteenhänge am Barranco

del Infierno machen eines

auf Mittelamerika, während

die Kanarenkiefer als endemisches Gewächs

dem Ganzen einen klaren, unvergleichlichen

Charakter gibt. Das Klima-Mosaik ist

von einem – teilweise sogar mit mitteleuropäischer

Akkuratesse ausgeschilderten –

Wanderwegenetz erschlossen.

Auf den Pfaden durch die Barrancos

(Schluchten) kann man sich ohnehin

nicht verlaufen. Sie sind für den Alpenmenschen

ein geradezu paradoxes

Höchster Punkt:

(Pico del Teide)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage (im Süden):

3718 m

425

7

22

3

Vergnügen, ganz nach dem Motto: Das

Unten ist das Ziel. So geht es in der Masca-Schlucht

erst einmal bergab und dann

bergauf oder sogar per Schiff zurück. Das

gibt es nicht einmal am Königssee. Und

wer richtig steil gehen will, findet um

Arico und am Kraterrand sogar ein paar

bestens abgesicherte Kletterfelsen. Wobei

das größte Abenteuer möglicherweise darin

besteht, den Kletterführer zu finden.

–Dominik Prantl–

WANDERFÜHRER: Klaus und Annette Wolfsperger

»Teneriffa. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen«

Bergverlag Rother, München 2012; Kletterführer:

»Tenerife – Escalada deportiva«, erhältlich in

Los Cristianos

03⁄13 Bergsteiger 25


[km 3.338]

Das Meer immer im

Blick: Wandern an der

Fajā Grande, Veraçor

Azoren – Grüner grünt’s nirgends

AZOREN

Fotos: Veracor

Die verteufelt schwierige Frage vor einer Reise

auf die Azoren lautet: Welches der neun

Paradiese besuchen? Und in welcher Reihenfolge?

Soll es beim Wandern eher über den

drachenartigen Höhenrücken von São Miguel

gehen, mit Blick auf Kraterseen, saftiges

Weideland und hin zu einsamen Stränden?

Oder nach Flores, dem westlichsten Punkt

Europas und – den Namen trägt das Eiland

Bergtour auf der Insel Pico

nicht umsonst – durch ein grün wucherndes

Naturparadies? Oder doch lieber Portugals

höchsten Berg erklimmen, den perfekten

Kegel auf Pico? Gemeinsam mit Corvo,

Graciosa, Terceira, São Jorge, Santa Maria

und Faial bilden die Inseln eine optische Mischung

aus Kanada, Irland, der Normandie

– und den Subtropen Brasiliens.

Alle Neune verfügen über erst im vergangenen

Jahr neu ausgeschilderte Wanderwege

und diverse Pfade, die einheimische Führer

kennen. Wandern auf den Azoren ist kein

Höhenbergsteigen, viele Wanderrouten

legen deutlich weniger als 1000 Höhenmeter

zurück. Dafür lassen sich für Ambitioniertere

locker zwei in einen Tag packen.

Wanderer spazieren hier über vulkanische

Gesteinsformationen, die es so nirgendwo

anders auf dem Planeten gibt. Sie wandeln

auf bequemen Pfaden durch ein grünes

Dickicht, das in dieser Mischung an keinem

anderen Flecken der Erde existieren könnte.

Denn eigentlich geht es gar nicht, dass Pflanzen,

die in den Tropen Brasiliens gedeihen,

sich dieselbe Klimazone zum Leben aussu-

Höchster Punkt:

(Mount Pico)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage:

2351 m

4

19

7

105

chen, wie jene, die im Norden Frankreichs

und im Süden des Vereinigten Königreichs

dem feuchten Wetter trotzen. Den grünen,

gelben, roten und violetten Einwanderern

scheint das egal zu sein. Sie sind damit beschäftigt,

sich mit den endemischen Arten

im Wachsen zu messen und brechen konsequent

Naturgesetze. So werden Erika-Sträucher

hier einfach mal sechs Meter hoch.

Geht doch.

–Sandra Zistl–

WANDERFÜHRER: »Azores Informative Guide –

Walking and Hiking Trails«, auf den Inseln erhältlich;

weitere Infos: www.trails-azores.com

26 Bergsteiger 03⁄13


Madeira – Vom Urwald zur Blumeninsel

Fotos: Turismo da Madeira

Nicht zu übersehen: Blüten des Natternkopf

Es ist schon erstaunlich: Einst nichts als Urwald,

gilt Madeira heute als die Blumeninsel

schlechthin. Zu verdanken hat Madeira

diese Wandlung dem Blütenrausch in Europa

im 18. Jahrhundert. Wer es sich leisten

konnte, übersäte zu dieser Zeit seinen

Garten mit möglichst exotischen Blumen,

Sträuchern und Bäumen. Pflanzensammler

vor allem aus Portugal und England wurden

auf andere Kontinente geschickt, um neue

Arten mitzubringen. Madeira lag bei vielen

solcher Reisen auf der Route, und so bot es

sich an, auf der Rückreise hier zu testen, ob

die eingesammelten Exoten auch auf fremdem

Boden wuchsen.

Wer zum Wandern nach Madeira fährt, profitiert

von dieser Experimentierfreudigkeit.

Vor allem wenn er entlang der Levadas unterwegs

ist – Wasserkanäle, die auf rund

2000 Kilometer Länge Wasser aus den Bergen

im regenreichen Norden zu den bewirtschafteten

Terrassenfeldern im trockeneren

Süden leiten. Egal zu welcher Jahreszeit

man kommt, entlang der Levadas blüht immer

etwas – Rhododendren, Weihnachtsstern

oder der Natternkopf beispielsweise.

Madeiras Berge und Hügel ziehen sich über

die ganze Insel, wenn sich auch die höchsten

in der Mitte der Insel befinden. Dass Madeira

vulkanischen Ursprungs ist, erkennt

man vor allem an der Ostspitze auf Anhieb.

Schroffe Gesteinsformationen zeugen noch

heute von den Lavaströmen früherer Zeiten.

Ähnlich abwechslungsreich sind auch die

MADEIRA

Höchster Punkt:

(Pico Ruivo)

Einwohner pro km 2 :

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage:

1862 m

8

20

4

311

Touren. Pfade hoch über der Steilküste mit

wenig Steigung sind genauso dabei wie

anstrengende Wanderungen mit hochalpinem

Flair. Trotz des milden Klimas sollten

sich Wanderer auf Madeira immer auf alles

einstellen, die Insel ist bekannt für ihre

schnellen Wetterumschwünge.

–Bettina Willmes–

WANDERFÜHRER: Manfred Föger, Burkhard Berger

»Madeira. Die 40 schönsten Touren«, Bruckmann

Verlag, München 2011

[km 4.315]

Dritthöchster, aber meistbesuchter

Berg der Insel:

Pico do Arieiro (1818 m)

03⁄13 Bergsteiger 27


[km 7.487]

Durch das Valley of

Desolation erreicht

man den Boiling Lake

DOMINICA

Dominica – Insel der Regenbögen

Höchster Punkt:

Morne Diablotins

Einwohner pro km 2 :

1447 m

Fotos: Iris Kürschner

Im Nationalpark Morne Trois Pitons

Wer die unverfälschte Karibik jenseits von

Pauschaltourismus sucht, wird auf Dominica

fündig. Die wilde Gebirgsinsel trumpft

mit abenteuerlichen Wanderwegen auf, mit

den höchsten Vulkanbergen der Karibik und

Regenwäldern, die zu den artenreichsten der

Welt zählen. Drei Nationalparks gibt es, einer

davon als UNESCO Weltnaturerbe ausgezeichnet,

und das letzte Rückzugsgebiet der

Kariben. Dominica ist anders als ihre Antillennachbarn,

weil ihr raues Gebirgsrelief eine

Erschließung erschwert und damit große Teile

der Ursprünglichkeit überlassen bleiben.

Die Ökoinsel ist ein Paradies für Naturfreaks.

Weil sich Dominica immer mit Verwechslungen

(Dominikanische Republik) herumschlagen

muss, lautet der offizielle Name

»Commonwealth of Dominica« und der touristische

»The nature island of the Caribbean«.

Zu Recht. Seit Jahren setzt die Insel auf

Ökotourismus. Was einst als Manko empfunden

wurde, hat sich zum Vorteil gekehrt.

Dominica ist vulkanischen Ursprungs mit

schwarzen Stränden und wenig flachem Terrain.

Massentourismus konnte sich daher nie

etablieren. So hat sich die Insel auf den ökologischen

Umgang mit der Natur zurück besonnen

und sanften Tourismus zum Markenzeichen

gemacht. Keine überdimensionales

Resort verschandelt hier die Landschaft, auch

keine bis zur Autobahn ausgebaute Straße.

Man wohnt in kleinen Familienhotels oder

Dschungellodges. Das Preisniveau ist deutlich

niedriger als auf den Nachbarinseln.

Eine Fahrt mit dem Bus oder Mietauto ist mitunter

eine haarsträubende Unternehmung

über schmale Schlaglochstraßen, nicht selten

dicht am Abgrund entlang, manchmal

auch mit tierischen Verkehrsteilnehmern. Da

Klimadaten für den März

Sonnenstunden pro Tag:

max. Tagestemperatur:

ø Regentage:

7

31

8

97

sonnt sich schon mal eine Krabbe auf dem

warmen Teer. Eine Einladung, ein Gespräch

am Wegesrand zeigt noch ehrlich gemeinte

Gastfreundschaft – kurzum ein Abenteuer

wie zu Zeiten, als der Tourismus erwachte.

Gerade diese Ursprünglichkeit, die einem

großen Teil der Karibikinseln leider schon abhanden

gekommen ist, macht aus Dominica

etwas Besonderes. Besonders sind auch die

vielen Regenbögen, die man beinahe täglich

zu sehen bekommt – zwischen dem kochenden

See, den vielen Wasserfällen sowie dem

karibischen und atlantischen Meer.

–Iris Kürschner– ◀

INFOS: Fremdenverkehrsbüro von Dominica (für

Schweiz, Österreich, Deutschland), Tel. 00 49/07

11/26 34 66 24, www.discoverdominica.com

28 Bergsteiger 03⁄13


AUF TOUR

Ski-Haute-Route durch die Berner Alpen

Logenplatz

unter Geiern

Tief gebeugt geht es

am Ende des ersten

Tages in Richtung

Arpelistock.

30 Bergsteiger 03 ⁄13


Eine bessere Aussichtstour als die

Fünf-Tage-Skiroute durch die westlichen

Berner Alpen gibt es kaum:

Die Walliser Viertausender scheinen

hier zur Parade anzutreten.

Von Folkert Lenz (Text und Fotos)

Vielleicht wundert

er sich. Wahrscheinlich

aber

kann er mit der

ganzen Szene

wenig anfangen. Der Bartgeier,

der wenige Meter

über dem hölzernen Gipfelkreuz

des Arpelistocks

schwebt, kümmert sich

nur ein paar Augenblicke

um die Zweibeiner,

die da mitsamt ihren merkwürdigen

Holzlatten an den Füßen auf seiner

Bergspitze stehen. Dann spreizt er die

Schwanzfedern, schraubt sich lautlos in die

Höhe, seine Silhouette löst sich im Himmel

auf bis zur Unsichtbarkeit.

Früh am Morgen desselben Tages der Start.

In einer knappen Woche soll es quer durch

die westlichen Berner Alpen gehen – von

Les Diablerets zum Gemmipass über die

»Wilde W«-Haute-Route. Mit diesem Namen

haben die Anrainerhütten die für PR-Zwecke

etwas umständlich klingende »Ski-Haute-

Route durch die westlichen Berner Alpen«

versehen. Mit der Kabinenbahn geht es anfangs

hinauf vom Col du Pillon zum Sex

Rouge, dann hinab über die weiten Hänge

des Tsanfleuron-Gletschers. Und schließlich

bietet gleich der erste Tag einen wahrhaft

alpinistischen Auftakt. Vom Sanetschpass

geht es bergan auf der Arête de l’Arpille,

dem Südwestgrat des Arpelistocks (3035 m).

Anfangs noch ein gemächlicher Rücken, verengt

sich dieser allmählich zu einem spitzen

Geröllgrat. Für Spitzkehren-Herumgeturne

ist zu wenig Platz. Die Ski wandern an den

Rucksack. Steigeisen anlegen, lautet der

Entschluss.

Erst als sich der Grat wieder zurücklegt,

kommen die Ski erneut zum Einsatz. Eine

kippelige Traverse noch, ein steiler Hang

endet erst am Gipfel des Arpelistocks. Das

Kreuz droben mit seinen beiden Wappen

darauf erinnert daran, dass es genau auf der

Grenze zwischen dem Kanton Bern und dem

Wallis steht. Plötzlich dieser Schatten! Der

Geier schwebt in Greifnähe vorbei. Ganz ruhig.

Dreht noch mal seinen dunklen Kopf.

Wohl wissend, dass er nur kurz in seiner Einsamkeit

gestört wird.

Die Nordosthänge dann hinab zur Geltenhütte:

Eigentlich versprechen sie or-

03⁄13 Bergsteiger 31


Lockerer Auftakt: die Abfahrt

über den Tsanfleuron-Gletscher

Aussichtsbalkon mit Blick auf die Viertausender der Schweiz

Eine enge Schneide führt auf den Gipfel des – Schnidehore.

Die Literatur warnt

eindrücklich vor der

Etappe hinüber zur

Wildstrubelhütte.

dentlichen Abfahrtsspaß. Doch schon nach

den ersten Schwüngen ist klar, dass die rund

1000 Höhenmeter mit Bruchharsch aufwarten.

Die frühlingshafte Wärme und die

Schatten im Rottal haben Pulver wie Sulz

zu einer unfahrbaren Masse umgewandelt.

Erleichterung fast, als die Ebene vor der Geltenhütte

erreicht ist.

Zeitiger Aufbruch deshalb am nächsten Morgen.

Das Wildhorn steht auf dem Programm

– mit seinen 3247 Metern immerhin der

höchste Punkt in der Bergkette zwischen Les

Diablerets im Westen und Gemmipass im

Osten. Der Winteranstieg führt in einer großen

schneckenförmigen Spirale um das halbe

Massiv herum: Ein Zeitfresser! Unter dem

Mont Pucel brennt die Sonne in die Osthänge.

Schließlich gilt es durchzuhalten in der

Hitze des Firnspiegels unter der Wildhorn-

Doppelspitze. Überraschung dann auf dem

Wintergipfel: Das erwartete Gipfelkreuz

verbirgt sich unerreichbar ein paar Minuten

entfernt – in einer Wechte auf der Nordostspitze.

Doch eine bessere Aussichtsloge gibt es

kaum: Mont Blanc, Grand Combin, die

Walliser Viertausender scheinen wie zur

Parade angetreten. Der Lohn dann für den

Schweiß des Vormittags: Die Abfahrt hinab

zur Wildhornhütte. Wildhorn- und Tenehet-

Gletscher sind zwar schon zerpflügt von den

Spuren der Heli-Skifahrer, doch das tut dem

Spaß nur wenig Abbruch. Die Powderhänge

enden erst an der Sonnenterrasse der Hütte.

Der dritte Tag der Berner Ski-Haute-Route:

Die Wetterkarte zeigt eine kräftige Linie mit

aggressiven Dreiecken nördlich der Alpen.

»Schwierige Orientierung bei Nebel. Unübersichtliches

Gelände.« Die Literatur warnt

recht eindrücklich vor der Etappe hinüber

zur Wildstrubelhütte. Welch ein Glück, dass

sich die angekündigten Kaltluftmassen noch

Zeit lassen. Und so gerät die Etappe fast zu einer

Art Ruhetag mit Fitness-Einlage: Gerade

einmal 600 Höhenmeter sind es hinauf zum

Schnidehore (2937 m). Die letzten Meter:

Ein kleiner Balanceakt auf einem schmalen

Schneegrat, dann ist die Spitze erreicht. Das

Panorama ist diesmal etwas eingeschränkt,

denn ob Finsteraarhorn, Weisshorn oder

Dom: Die Hauptgipfel von Berner Alpen und

dem angrenzenden Wallis haben schon alle

eine weiße Wolkenmütze.

Vorläufig ist aber noch genug Sicht für die

Abfahrt hinunter in die Ebene vom Plan des

Roses. Im Bruchharsch hinab zur Alpage du

Rawil lassen sich die Skischwünge im

32 Bergsteiger 03 ⁄13


TOUREN

»Die wilden W« – Ski-Haute-Route durch die westlichen Berner Alpen

Fünf Tage lang dauert die Skitour von Les Diablerets nach Kandersteg. Sie führt über Wildhorn

und Wildstrubel – und auf der letzen Etappe gar nicht so wild über Loipen und Pisten.

TAG 1

Sex Rouge – Sanetschpass

(2242 m) – Arpelistock (3035 m)

– Geltenhütte (2003 m)

▶ mittel 5½ Std.

800 Hm +16 J.

Start: Bergstation »Sex Rouge«

der Seilbahn vom Col du Pillon im

Skigebiet »Glacier 3000« (2940 m).

Die Seilbahn ist zu erreichen über die

Straße zwischen Les Diablerets und

Gsteig.

Route: Von Sex Rouge Abfahrt über

den Glacier de Tsanfl euron Richtung

SO zum Sanetschpass (2242 m).

Ab dort Wiederanstieg gen Arpelistock

über die Arête de l'Arpille. Dem

bisweilen engen Grat folgend, am

Ende sehr steil durch die SO-Flanke

des Arpelistocks hinauf zum Gipfel

(3035 m). Abfahrt über das Rottal

oder durch das Furggetäli zur weithin

sichtbaren Geltenhütte (2003 m)

TAG 2

Geltenhütte – Wildhorn (3248 m)

– Wildhornhütte (2303 m)

▶ mittel 6 Std.

1350 Hm +16 J.

Route: Von der Geltenhütte (2003 m)

in den Col du Brochet (2759 m), dann

in leicht fallender Spur gen Osten,

später wieder ansteigend durch die

dahinterliegende Mulde des kleinen

Glacier du Brochet.

Dabei den Sattel im SSW-Grat des

Mont Pucel ansteuern, den man bei

etwa 3020 m erreicht. Den felsigen

Aufbau des Mont Pucel immer links

liegen lassend Richtung NO: Zwischenzeitlich

abfahrend, bis man östlich

der Felsen steil und eng zum Glacier

des Audannes aufsteigen kann. Sehr

heikle Passage, weil diese sehr früh

Sonne bekommt! Nordwärts über den

Gletscher, bis links der Doppelgipfel

auftaucht. Dann zu einer der beiden

Spitzen hinauf (3247 m, 3248 m).

Die Abfahrt zur Wildhornhütte führt

fl ach gen NO über den Audannesund

den Tenehet-Gletscher. An

dessen unterem Ende links haltend

hinunter zum Chilchli-Gletscher

und durch die gleichnamige Lücke,

dann steiler hinab zur Wildhornhütte

(2303 m). Knapp 1000 Höhenmeter

Abfahrtspaß!

TAG 3

Wildhornhütte – Schnidehore

(2937 m) – Wildstrubelhütte

(2791 m)

▶ leicht 5 Std.

1050 Hm +16 J.

Route: Von der Wildhornhütte

(2303 m) gen SW die Hänge hinauf

zum Durchschlupf bei Chilchli. Dann

– je nach Verhältnissen – direkt durch

die W-Flanke zum Schnidehore-Gipfel

(2937 m) oder ausholend über

das Schnidejoch und den S-Grat,

schließlich die SO-Flanke auf das

Schnidehore.

Abfahrt dann gen Osten durch ein

Tälchen bis hinunter in die Ebene von

Plan des Roses; immer schön weit

oben am Hang bleiben. Unübersichtlich

(Achtung bei Nebel!) durch die

Hügellandschaft der Alpage du Rawil

gen NO. Bei ca. 2520 m beginnt der

Wiederanstieg zur Wildstrubelhütte.

Gen O, schließlich NO durch kleine

Rinnen, den Markierungsstangen

folgend, zur Hütte (2791 m)

TAG 4

Wildstrubelhütte –

Wildstrubel (3244 m) –

Lämmerenhütte (2510 m)

▶ mittel 4½ Std.

490 Hm +16 J.

Route: Mehr Strecke als Höhenmeter

steht an diesem Tag auf dem

Programm. Von der Wildstrubelhütte

(2791 m) südwestlich unter dem

Wisshore entlang zur Weisshornlücke

(etwa 2850 m). Diese vermittelt den

Übergang zur riesigen Hochebene

des Glacier de la Plaine Morte.

Diesen ostwärts einige Kilometer

querend, später gen NO zum felsigen

Gratansatz des SO-Rückens vom

Wildstrubel-W-Gipfel. Die Felsen

vermeidend (eher rechts halten) über

den Rücken hinauf. Ist der Grat weiter

oben überwechtet, dann später sehr

steil eher links durch die W-Flanke zu

der Höhe (ca. 3030 m), wo sich der

Grat wieder zurücklehnt. Flacher dann

zum Kreuz des Wildstrubel-W-Gipfels

(3244 m).

Abfahrt zur Lämmerenhütte: NO-wärts

über den Wildstrubelgletscher bis

vor die Felsen unter P. 3172. Dann

rechts hinunter auf den unteren

Die Lämmerenhütte ist das letzte Quartier vor der finalen Abfahrt.

Gletscherteil. Die SW-Flanke des

Lämmerenhorns an ihrem Fuße

querend hinab bis in den Talboden.

Dann kurzer Gegenanstieg gen O-NO

zur Lämmerenhütte (2510 m).

Tipp: Wer den Abfahrtsspaß verlängern

will, der steigt aus dem oberen

Becken des Wildstrubelgletschers

noch einmal gen Mittelgipfel (3243

m; ca. 230 Hm zusätzlich), bevor es

hinab zur Hütte geht.

TAG 5

Lämmerenhütte – Nähe Gemmipass

(2300 m) – Sunnbüel

(1936 m) – Kandersteg (1176 m)

▶ leicht 2 Std.

1300 Hm▼ +14 J.

Route: Von der Lämmerenhütte

(2510 m) ggf. auf Pistenraupen-

Spur hinab in den Lämmerenboden.

Auf der Spur vorfahren Richtung

Gemmipass bis zur Abzweigung hinab

zum Daubensee (2210 m). Auf der

Loipe mit vielen Schlittschuhschritten

zum Hotel Schwarenbach (2060 m).

Weiter auf der Abfahrtsspur nach

Sunnbüel (Bergstation der Seilbahn).

Dann über Skipisten hinunter nach

Kandersteg. (Leichter und sicherer

Ausstieg aus der »Wilden-W-Tour«.)

Variante: Bei guten Verhältnissen

kann von der Lämmerenhütte auch

zum Rote Totz (2848 m) aufgestiegen

werden. Von seinem Gipfel erst nach

S. Sobald es die Felsen ermöglichen

in Linksbogen durch die Rote-Totz-

Ostfl anke, später den Rote-Chummi-

Graben hinab zur Spur vom Hotel

Schwarenbach. Von dort (wie oben)

über den Gemmipassweg nach Sunnbüel

und Kandersteg

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

03⁄13 Bergsteiger 33


Praxisnah, kompetent, …

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Der Glacier de la

Plaine Morte ist eine

weithin sichtbare

Ebene unterhalb des

Wildstrubels.

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für Anfänger und Fortgeschrittene zu klassischer und Skating-Technik, Skipräparation

und Ausrüstung, sowie wichtige Trainingstipps für Sommer und

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Pulver an einer Hand abzählen: Eins – zwo

– drei – vier – fünf. Das war es leider!

Als die Steigfelle wieder an die Ski wandern,

macht es zu. Nur Landkarte, GPS und einige

Markierungsstangen in der unübersichtlichen,

hügeligen Ebene unterhalb der Wildstrubelhütte

bieten Orientierung. So ist diese

bald erreicht. Der Specksteinofen drinnen

bullert schon vor sich hin. Hüttenwirt Heinz

Steiger hat ordentlich eingeheizt. Viele Gäste

hat er nicht im Winter, meist nicht mal ein

Dutzend pro Nacht. Im Sommer allerdings

quillt das gemütliche Doppelhaus über, erzählt

er abends.

Ein früher Start empfiehlt sich denjenigen,

die am folgenden Morgen gen Plaine Morte

streben – dem riesigen, tischebenen Gletscherplateau,

das von Gletscherhore, Les

Faverges, Schneehore und Wildstrubel eingerahmt

wird. Vom nahe gelegenen Wallis

aus kann man den markanten weißen Flecken

von fast überall erspähen. Unvorstellbar,

dass es noch vor wenigen Jahren Pläne

gab, dieses Natur-Kleinod mit weiteren Liften

und einem Schnee-Funpark erschließen

zu wollen. Der Skitourengeher allerdings

möchte die Passage am Morgen hinter sich

bringen, bevor die ersten Alpinskifahrer und

Langläufer dort per Lift hinaufgondeln.

In wahrhaft unberührter Natur bewegt man

sich auf der Wilden-W-Haute-Route ohnehin

nur ganz selten. Auffällige Starkstromtrassen

an Sanetschpass oder Gemmi stören

den Blick. Und immer wieder strecken die

Pistengebiete von Norden und Süden ihre

Abfahrtsnetze bis fast in die Gipfelregionen

aus. Doch ob Les Diablerets/Glacier 3000,

Lenk, Adelboden oder Gemmi: Der organisierte

Skibetrieb ist zugleich Garant dafür,

die Durchquerung fast während jedes Abschnittes

unterbrechen oder an einem beliebigen

Ort beginnen zu können. Die Häss-


Die Hässlichkeit

verbauter Natur

ist hier der Preis

für Flexibilität.

… anschaulich.

KOMPAKT

lichkeit verbauter Natur ist hier der Preis für

Flexibilität.

Der verblasene Schneerücken aber von der

Plaine Morte hinauf zum Wildstrubel ist

vielleicht eine der pikantesten Stellen der

gesamten Route: Knapp 40 Grad steil geht

es zur Gipfelkuppe hinauf. Aus dem Schnee

lugendes Geröll begrenzt auf der einen Seite

der Spur die Bewegungsfreiheit. Zur Rechten

mahnt eine weit auskragende Wechte, von

ihr doch besser Abstand zu halten. Schließlich

taucht das reifverzierte Gipfelkreuz auf.

Ein schnelles Foto nur, dann heißt es: Felle

runter! Die gute Sicht zur Abfahrt will genutzt

sein, bevor es wieder eintrübt.

Der Pulver unter dem Skibelag fühlt sich

heute feiner an als sonst. Kaum ein Windhauch

hat offenbar den weißen Staub

auf dieser Seite des Berges malträtiert. So

schwimmen die Skispitzen auf, die Bretter

scheinen fast abzuheben, Schwung reiht

sich an Schwung. Noch mal hinauf zum Mittelgipfel,

um den Abfahrtsspaß um ein paar

Höhenmeter zu verlängern? Der Rausch der

Abfahrt: Ein fairer Lohn nach einer harten

Woche Arbeit. Unmerklich geht der stiebende

Pulverschnee in angeweichten Firn über.

Wann sonst trifft man den rechten Zeitpunkt

zur Abfahrt so gut? Im Skatingschritt

die letzten Meter zur Lämmerenhütte hinüber.

Schon wenig später vertreibt aufziehender

Nebel alle Gäste mit ihren Milchkaffeetassen

in das Innere des dunkelbraunen

Holzhauses mit den roten Läden.

Die Kaltfront ist also da. Zurück ins Simmental

geht es deshalb in fahlem Licht und

inmitten feuchter Wolken über den Daubensee

nach Sunnbüel. Schild und Flatterband

an der gesperrten Talabfahrt nach Kandersteg

erinnern daran, dass der Winter sich

hier oben dem Ende zuneigt. Dem Bartgeier

mag es gerade recht sein, dass wieder Ruhe

in seinen Bergen einkehrt. Nichts stört dann

mehr seine Kreise.


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ISBN 978-3-7654-5566-7

Ski-Haute-Route in den Berner Alpen

Charakter: »Die wilden

W«-Tour dauert – je nach

Wegführung – fünf oder sechs

Tage. Hier beschrieben ist

die Variante Sex Rouge –

Geltenhütte – Wildhornhütte –

Wildstrubelhütte – Lämmerenhütte

– Kandersteg. Die Haute

Route kann gut um Abstecher

zur Cabane Prarochet oder

zur Cabane des Audannes

erweitert werden. Statt über

die Lämmerenhütte nach Kandersteg

weiterzugehen, bietet

sich bei sicheren Verhältnissen

auch eine direkte Abfahrt

vom Wildstrubel nach Lenk

(durch das Ammertentälli)

oder Richtung Adelboden (via

Engstligenalp/Seilbahn) an.

Ausgangspunkt: Bergstation

»Sex Rouge« der Seilbahn

am Col du Pillon (Skigebiet

»Glacier 3000« zwischen Les

Diablerets und Gsteig).

Anfahrt aus Süddeutschland:

Von Bern über die

Autobahn 6 bis Spiez; dann

über Zweisimmen und Gstaad

zum Col du Pillon. Aus der

Westschweiz: Von Lausanne

über die Autobahn 9 bis Aigle;

dann über Les Diablerets zum

Col du Pillon.

Hütten: Geltenhütte (2002

m), SAC, Tel. 00 41/33/7 65

32 20, www.geltenhuette.ch;

Wildhornhütte (2303 m), SAC,

Tel. 00 41/33/7 33 2382,

www.cas-moleson.ch; Wildstrubelhütte

(2791 m), SAC,

Tel. 00 41/33/7 44 33 39,

www.wildstrubelhuette.ch;

Lämmerenhütte (2501 m),

SAC, Tel. 00 41/27/

4 70 25 15,

www.laemmerenhuette.ch

Beste Jahreszeit:

März und April

Karten: Landeskarten der

Schweiz (LKS) 1:50 000,

Blätter S272 »St. Maurice«,

S273 »Montana«,

S263 »Wildstrubel«

Führer: Ralf Schnegg/Daniel

Anker »Skitouren Berner Alpen

West«, SAC-Verlag, 2006

240 Seiten · ca. 250 Abb.

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ISBN 978-3-7654-5615-2

Die Welt neu entdecken


TOUREN

Rodeln ist auch schon mit

Kindern möglich, die noch nicht

Skifahren können.

WINTERAUSFLÜGE FÜR DIE GANZE FAMILIE

Wunschkonzert

36 Bergsteiger 03 ⁄13


Familien-TIPP

Tourenski, Schlitten oder Snowboard? Nur

selten wollen in einer Familie alle das Gleiche.

Wir haben für Sie ausgetüftelt, wie bei

gemeinsamen Ausflügen in den Bayerischen

Hausbergen jeder auf seine Kosten kommt.

Von Michael Pröttel (Text und Fotos)

Kälte, Schnee und Sonnenschein.

Für passionierte Wintersportler

ist ein klirrender Neuschnee-

Morgen der beste Zeitpunkt, um

in die Bergwelt zu ziehen und

eine schöne Tour zu unternehmen. Für

bergaffine Eltern hat die Sache aber einen

ziemlich großen Haken. Denn die Planung

eines »perfekten Wintertags für alle«

kommt für viele Familien der Quadratur

des Kreises gleich. Nur selten wollen alle

das Gleiche. In der Regel ist es so – oder so

ähnlich: Die Größeren wollen in die Halfpipe.

Die Eltern träumen davon, endlich

einmal wieder eine Skitour zu machen.

Und das Nesthäkchen ist gerade mal im

Rodelalter.

Zum Glück liegt die Lösung direkt vor der

Haustür, sprich am Alpenrand. Da Bayerische

Wintersportorte deutlich kleiner und

günstiger sind als beispielsweise Tiroler

Skigebiete, eignen sie sich bestens, um

unterschiedliche Schneesportinteressen

unter einen Hut zu bringen. Und das nicht

zuletzt wegen der urigen Berghütten, auf

denen zum Glück noch kein »Pisten-Ballermann«

à la Ischgl oder Sölden Einzug

gehalten hat.

Die folgenden »Handlungsanweisungen«

sind natürlich nicht in Stein gemeißelt,

sondern nach Belieben variierbar.


Der Nachwuchs ist versorgt,

jetzt kann der Vater

auf den Gipfel.

Wichtiges Utensil für die Tour: der Schlitten

Nach dem Essen geht’s wieder auf die Piste.

Treffpunkt Obere Firstalm …Pistenspaß und Gipfelglück am Spitzingsee

Die Hänge zwischen Brecherspitz und

Sutten sind das ideale Ziel für Bergsteiger-

Eltern, die sowohl Teenager als auch einen

kleinen Nachzügler haben. Hier kann man

Tourengehen, Rodeln und Snowboarden

unter einen Hut bringen: Am Spitzingsattel

steigt Papa mit dem/der Kleinsten aus

dem Auto und wandert mit dem Rodel auf

der gemütlichen Rodelbahn zur Oberen

Firstalm. Währenddessen fährt der Rest

der Familie zum Kurvenlift weiter. Sind die

Großen alt genug fürs selbstständige Pisteln

(siehe Kasten), zieht Mama die Felle auf, um

über die Untere zur Oberen Firstalm aufund

vor dem gemeinsamen Mittagessen

noch schnell zum Vorgipfel der Brecherspitze

weiterzusteigen. Zum Einkehren

treffen sich alle an der Oberen Firstalm. Die

ist nicht nur absolut empfehlenswert (die

Kasspatzen sind der Hit!), sondern verlangt

auch noch der Pisten-Fraktion einen kleinen

Anstieg »by-fair-means« ab.

Mit vollen Mägen stürzen sich die Großen

wieder auf die Piste, während Papa (der in

Tourenstiefeln aufgestiegen ist), Mamas

Bindung anpasst und bis zum Brecherspitz-

Hauptgipfel steigt. Danach holt Mama die

Snowboarder auf der Piste und das Rodel-

Team am Spitzingsattel ab.

Alle Infos: www.alpenbahnen-spitzingsee.de

Startrampe für Nachwuchs-Rennfahrer

… Jedem das Seine am Hörnle

Dass man am Hörnle

gut rodeln kann, ist

kein Geheimnis.

Auch beim Bad Kohlgruber Hörnle gibt es

zahlreiche Möglichkeiten Pisteln, Skitourengehen

und Rodeln miteinander zu kombinieren.

Außerdem ist die breite Piste am

Tal-Schlepplift das ideale Testgelände für

Skianfänger im Vorschulalter. Während

Papa ihnen die ersten Schwünge beibringt,

meistert der große Bruder an der unpräparierten

Standardabfahrt mit Mama seinen

ersten »Freeride-Hang«.

Ist die Punktekarte voll (ein selten gewordenes

Tarifangebot, das den Geldbeutel

schont), steigt die »Tal-Fraktion« auf Schlitten

um und kann je nachdem, wie spät es

ist, entweder zu Fuß oder mit dem Sessellift

zur Hörnle-Hütte gelangen, wo sich alle

zum Einkehren treffen.

Für Skitouren-Eltern mit größeren Kindern

ist das Hörnle zudem ein idealer Berg, um

eine erste gemeinsame Skitour zu unternehmen.

Denn im Anschluss an den ausgeschilderten

Tourenaufstieg geht es nicht

im Bruchharsch oder Pappschnee, sondern

auf der Piste zum Ausgangspunkt zurück.

Alle Infos: www.hoernlebahn.de

38 Bergsteiger 03 ⁄13


Das Wankhaus ist gleich

bei der Bahn und dennoch

lohnendes Skitourenziel

Mangels Schlepplifte

wieder interessant für

Skitouren: der Wank

Nicht ohne die Oma … Panoramafreuden am Wank

Den folgenden, Generationen übergreifenden

Ausflugsvorschlag zum Wank

muss man unbedingt bei gutem Wetter

unternehmen. Am allertollsten ist die Gipfelstimmung,

wenn das Alpenvorland unter

einer dichten Nebeldecke liegt. »Auch

Familien mit Kindern und Senioren kommen

dank der Wank-Bahn in den Genuss

des einzigartigen Winterpanoramas« steht

auf der Homepage der Betreiber. Zu Recht!

Dementsprechend zielt der dritte Vorschlag

auf Bergsteiger-Familien mit Kleinkind/ern

und Großeltern ab, die großartige

Bergpanoramen lieben.

Nachdem Opa, Oma und Enkelkind gemütlich

mit der Bahn bergauf gefahren

sind, müssen sie sich ein wenig gedulden,

bis die Eltern dazu stoßen. Die sind nämlich

»by fair means« unterwegs. Denn seit

der Schlepplift-Betrieb eingestellt worden

ist, ist der Wank wieder ein sehr empfehlenswertes

Skitourenziel.

Bis auch die letzten oben angekommen

sind, können die Altvorderen einen Spaziergang

entlang des wunderschönen,

flachen Gipfelrückens unternehmen, eine

Schneeburg bauen oder einen ersten Glühwein

auf der Sonnenterrasse der Bergstation

trinken. Alle zusammen können dann

auf der direkt am Gipfel gelegenen Alpenvereinshütte

einkehren. Diese bietet eine

noch bessere Aussicht und viel urigeres

Ambiente.

Alle Infos: www.zugspitze.de/de/winter/berg/wank

Hinweis: Die Wankbahn ist im Winter meist nur zu

den Ferienzeiten in Betrieb.

Gemeinsames Gipfelglück … der richtige Plan für den Hohe Kranzberg

Unterwegs auf geräumtem Weg: die Rodelfraktion

Beeindruckend ragen die verschneiten

Karwendel- und Wettersteinwände in den

tief blauen Himmel – die Aussicht vom

Hohen Kranzberg steht der des Wank

kaum nach. Zusätzlich kommen hier wieder

die »Pisten-Kids« auf ihre Kosten. An der

Sessellift-Talstation des besonders familienfreundlichen

Skigebiets steigen skifah-

rende und rodelnde Familienmitglieder

diesmal gemeinsam

ein. Oben angekommen trennen

sich die Wege: Die eine

Familienhälfte zieht Schlitten

bzw. Nachwuchs auf dem gut

präparierten Winterweg zum

Kranzberg-Gipfelhaus. Die andere

nimmt die nordseitigen

Pisten unter die Ski, um später

mit dem höchsten Schlepplift

fast bis zum Gipfelhaus zu gelangen,

das man von der Bergstation

über einen kurzen Fußweg

erreicht. Bevor man dort

einkehrt, sollten alle gemeinsam

den Katzensprung zum

Gipfelpavillon unternehmen. Obwohl er

gerade einmal 1390 Meter hoch liegt, bietet

er ein grandioses Panorama.

Danach geht es entweder auf der 3,5 Kilometer

langen Rodelbahn oder via Skipiste

ins Tal hinab, wobei die Rodler den Skifahrern

einen guten Vorsprung lassen sollten.

Erstens will der Skipass ja auch ausgenützt

sein und zweitens kann man es bei Sonnenschein

auf dem Hohen Kranzberg wirklich

lange aushalten.

Alle Infos: www.skiparadies-kranzberg.de ◀

INFO

Ab wann allein

auf die Piste?

Wie alt Kinder sein müssen, um allein auf

die Skipiste zu dürfen, hängt außer vom

skifahrerischen Können in sehr großem

Maße von der Selbstsicherheit und der

Zuverlässigkeit der Kinder ab.

Vorgeschriebene Altersangaben gibt es (im

Gegensatz zu z. B. Schwimmbädern) nicht.

Einer Auskunft des Deutschen Skiverbands

nach sollten Kinder frühestens ab

acht Jahren alleine fahren und auch nur

dann, wenn sie gut Ski fahren, das Gebiet

gut kennen und mit einem mindestens

ebenbürtigen Freund oder Geschwisterkind

unterwegs sind.

03 ⁄13 Bergsteiger 39


AUF TOUR

Ski-Rausch im Rätikon

Schwünge

am Abgrund

Das Tourengebiet rund um die Lindauer

Hütte ist etwas für Leute, die ihr Material

blind beherrschen. Drusenturm, Drusenfluh

und Sulzfluh bieten Nervenkitzel und

Einsamkeit. Die frühere Skirennläuferin

Giulia Monego sucht genau das.

Von Peter Mathis (Fotos) und

Sandra Zistl (Text)

40 Bergsteiger 03 ⁄13


Ein bisschen kritisch schauen sie

schon, die anderen Gäste der Lindauer

Hütte, als Giulia Monego

und Lorraine Huber eintreffen.

Denn wer im Winter zu der auf

1744 Metern gelegenen Hütte im Montafon

marschiert, der hat eine eher anspruchsvolle

Tour vor. Und – das ist kein Klischee,

sondern eine Tatsache – aus diesem Grund

sind reine Frauengruppen dort eher selten.

Ein »girls trip« ins Rätikon, das war Teil

der Idee, die Monego, Huber und Fotograf

Peter Mathis sich überlegt hatten. Zuvor

hatte der Ausstatter Kästle, der die beiden

Freestyle-Sportlerinnen sponsert, angeregt,

sie sollten eine Tour in Angriff nehmen,

die eine interessante Geschichte erzählt.

Interessant fanden denn auch die anderen

Tourengeher, was sich die Damen so

vorgenommen hatten. Als die sagten: »Am

ersten Tag geht’s mit den Ski zum Großen

Drusenturm (2830 m), am zweiten dann

zur Drusenfluh (2827 m)«, reagierten die

versammelten Herren mit anerkennendem

Kopfnicken. »Das ist oft so ein Moment, wo

sondiert wird, wie der andere drauf ist«,

erzählt Giulia Monego amüsiert. Sie ist

gewohnt, dass die Leute dann nicht mehr

weiterfragen. »Sie verstehen sofort: Okay,

die sucht sich die großen Sachen aus, die

kann offenbar was.« Denn gerade die Drusenfluh

gilt als die anspruchsvollste Skitour

im gesamten Rätikon. Der Aufstieg durch

die Blodigrinne ist an der Schlüsselstelle so

steil, dass man mit Steigfellen nicht mehr

weiterkommt und die Ski auf den Rucksack

schnallen muss.

Mit 13 auf dem Weg zum Profi

Die 31-jährige gebürtige Venezianerin hat

ihr Können in den vergangenen Jahren bereits

mehrfach bewiesen. Seit die ehemalige

Alpin-Rennläuferin 2001 den FIS-Skizirkus

hinter sich gelassen hat, reiht sich allmählich,

aber stetig eine interessante Geschichte

an die andere. Zunächst im Freestyle-

Rennzirkus, wo sie von 2004 bis 2008

mehrere Gold- und Silbermedaillen sammelte.

Von 2007 an ging sie dann immer

wieder auf Expedition: Patagonien, Kanada,

Alaska, China – wenn es einen Hang gibt,

der fahrbar ist, stürzt sich Giulia Monego

hinein. »Ich liebe es, mich zu messen«, sagt

sie, »nicht an anderen, aber an mir selbst

und am Berg.«

Sie wusste schon sehr früh, was sie will.

Die Eltern fuhren mit Giulia und ihrer vier

Jahre älteren Schwester jeden Winter nach

Cortina zum Skifahren. Giulia verliebte

sich in den Schnee und die Berge, wurde

Mitglied im Skiclub und beschloss mit 13

»

Ich hatte keine Lust

mehr auf den Druck,

der im Rennbetrieb

herrscht. Ich wollte frei

fahren, nicht immer nur

an Toren vorbei.«

Jahren, das ganze Jahr über in Cortina leben

zu wollen. »Wenn ich heute zurückblicke,

dann finde ich schon, dass ich eigentlich

noch recht jung war für so einen Schritt«,

erzählt sie rückblickend. »Aber damals

war das keine Frage für mich: Ich wollte an

möglichst vielen Tagen im Jahr Skifahren,

das war das, was für mich zählte.« Sie zieht

zu einer Familie, deren Kinder auch im Skiclub

sind. Ihre Eltern kommen so oft wie

möglich übers Wochenende aus Venedig.

»Das war die einzig richtige Entscheidung«,

sagt die Schneeliebhaberin, die heute den

Winter über in Verbier lebt, wo sie an einer

Skischule beteiligt ist. Es folgt »eine typische

Rennfahrerkarriere mit guten Resultaten,

aber vielen Aufs und Abs«. Von einer Knieverletzung

– Bänderriss und Meniskus,

»der Klassiker« – erholt sich Monego nur

allmählich. Knapp 20 Jahre alt, spürt die

junge Frau mit den großen Zielen, dass sie

zum zweiten Mal in ihrem Leben vor einer

entscheidenden Weggabelung steht. »Ich

merkte, dass ich keine Lust mehr hatte auf

den Druck, der im Rennbetrieb herrscht.

Und ich wollte frei fahren, nicht immer nur

auf der Piste und an Toren vorbei.« Sie habe

festgestellt, dass sie zwar in den Bergen lebt,

aber die meisten von ihnen nur vom Blick

aus dem Lift in die Ferne kennt.

Freiheit dank Telemark

Der Wunsch, etwas ganz anderes zu machen,

bringt sie auf die Telemark-Ski. Das

ist ein Unterschied in jeder Hinsicht: anderer

Schnee, andere Landschaft, andere Leute,

andere Einstellung. »Ich habe mich sofort

verliebt«, erinnert sich die vor positiver

Energie sprühende junge Frau mit einem

Strahlen im Gesicht. »Die Atmosphäre war

toll, ich habe lauter Leute kennengelernt,

die genauso drauf waren wie ich: schwierigste

Sachen fahren, aber dabei Spaß haben

wollten.« Mittlerweile ist der Out-

Spektakuläre

Abfahrt ins

Sporatobel am

Rand der Südabstürze

der

Drusentürme

Steiler Gipfelanstieg:

Giulia Monego und

Lorraine Huber beim

Aufstieg an der Drusenfluh,

im Hintergrund

die Sporaplatte

mit Großem Drusenturm

und Sulzfluh

03 ⁄13 Bergsteiger 41


Die Abfahrt winkt

schon: am Gipfelgrat

zum Großen Turm, im

Hintergrund Berge des

Schweizer Prättigau

Grandiose Kulisse:

oberhalb der Blodigrinne

auf dem Weg

zum Gipfelhang der

Drusenfluh

door-Spaß für Giulia Monego zum Beruf

geworden. Im Winter gibt sie Tiefschneekurse

in Verbier, im Sommer begleitet sie

gemeinsam mit einem ausgebildeten Bergführer

Touristen auf Wanderungen durch

die Dolomiten. Zwischendrin tobt sie sich

an den schwierigsten Skihängen des Planeten

aus. Doch auch das Freeriden ist Monego

irgendwann nicht mehr genug. Sie fängt

an zu klettern. Zunächst vor allem, um an

bessere, spannendere Hänge zu kommen:

»Steigeisen und Pickel wurden zu meiner

Standardausrüstung.« Mittlerweile arbeitet

sie gezielt daran, eine Allrounderin zu werden.

»Ich bin noch nicht so richtig gut im

Klettern«, sagt sie fast entschuldigend. 7a,

das sei momentan ihr Limit. »Aber ich war

diesen Sommer sehr fleißig.«

Auf diesem Weg hat sie das Rätikon auch

ohne Schnee für sich entdeckt. Die Berge

dort seien zwar »nicht super hoch«, aber

sie sähen viel größer aus als sie seien und

auch im Sommer »richtig wild«: »Das Rätikon

ist ein besonderer Ort für Leute, die die

Einsamkeit suchen.« Das Freeriden, die Expeditionen,

sie haben Monegos Blick erweitert.

Sie schaut nicht mehr nur nach vorne

oder in sich hinein, sondern auch um sich

herum. Im Sommer 2009 geht sie gemeinsam

mit der Schweizerin Laura Bohleber

auf Tour in der Cordillera Blanca in Peru.

Sie machen »ein paar interessante Sachen,

nichts Extremes, aber doch außerhalb unserer

Komfortzone«: Ischinca (5530 m), Yanapaccha

(5460 m), Pisco (5752 m). Dabei

werden sie auf Menschen aufmerksam,

deren Komfortzone sich komplett anders

definiert. Sie besuchen zwei Kinderheime

in Cajamarca und beschließen, gemeinsam

mit einer dritten Freeriderin, der in Garmisch

lebenden Schwedin Marja Persson,

eine Nichtregierungsorganisation (NGO)

zu gründen. »Summits4kids« unterstützt

mittlerweile nicht mehr nur die Heime in

Peru, sondern ein weiteres in Quito, Ecua-

KOMPAKT

Gauertal/Rätikon

Anreise: Mit dem Auto über die Rheintal-

Autobahn (A 14), Ausfahrt Montafon bei

Bludenz. Weiter auf der Landstraße bis

Tschagguns, von dort nach Latschau. Per

Bahn über Lindau, Bludenz nach Tschagguns,

von dort ca. 20 Minuten zu Fuß bis

Latschau. Aufstieg Lindauer Hütte 2 Std.

Hütte: Lindauer Hütte,

Tel. 00 43/6 64/5 03 34 56

www.lindauerhuette.at; geöffnet im Winter

vom 25. Januar bis 3. März sowie vom 22.

März bis 3. April durchgehend; Winterraum

Karte: Landeskarte der Schweiz mit Skitouren,

1:50 000, Blatt 238 S »Montafon«

Information: Montafon Tourismus GmbH,

Montafonerstraße 21, A-6780 Schruns,

Tel. 00 43/55 56/72 25 30

Verdiente Pause am Gipfel der Drusenfluh mit Tiefblick zu Geißspitze und Sporaplatte

42 Bergsteiger 03 ⁄13


TOUREN

Skitouren-Paradies für Könner

Um die Lindauer Hütte (1744 m) am Ende des Gauertals bieten

sich vier anspruchsvolle und aussichtsreiche Skitouren

an. Talort ist für alle Latschau (994 m).

1 Drusenfluh (2827 m)

▶ schwierig 6 Std.

1850 Hm –

»

Ich liebe es, mich zu

messen. Nicht an den

anderen, sondern an mir

selbst und am Berg.«

dor. Drei Vulkan-Skitouren im November

2010 auf Cotopaxi (5897 m), Illiniza Sur

(5248 m) und Illiniza Norte (5126 m) dienten

dem Sammeln von Sponsorengeldern

für dieses Projekt. Mit dem Geld konnten

sie Heime renovieren, ein Gästehaus bauen,

ein Mädchen in Ecuador erhielt eine wichtige

Augen-Operation. Für Monego und ihre

beiden Mitstreiterinnen erklärt sich die

Motivation, helfen zu wollen, ganz einfach:

»Es gibt dort Berge und Kinder in Not. Wir

erfüllen uns in den Bergen unsere Träume

und verfügen über die Mittel, den Kindern

auch Träume zu erfüllen.«


Anstoßen auf eine geglückte Traumtour:

Giulia (li.) und Lorraine in der Lindauer Hütte

Charakter: Die anspruchsvollste

Skitour im gesamten Rätikon;

Harscheisen und je nach Verhältnissen

Steigeisen nötig

Aufstieg: Von der Lindauer Hütte

über die Sporaalpe ins Öfatobel;

dann Aufstieg über die von senkrechten

Felswänden fl ankierte Blodigrinne

zum Gelbecksattel und über den

exponierten Gipfelhang

Abfahrt: Über den ostexponierten

Gipfelhang zum Gelbecksattel und

durch die Blodigrinne ins Öfatobel;

über die Sporaalpe zurück zur Hütte

2 Drusenturm (2830 m)

▶ schwierig 6 Std.

1850 Hm –

Charakter: Schwierige Skitour mit

steilen Passagen; nur bei besten

Schnee- und Lawinenverhältnissen.

Die Variante übers Eisjöchli ist extrem

steil und exponiert.

Route: Von der Lindauer Hütte am

Großen Block vorbei, dann gibt es

zwei Möglichkeiten: entweder direkt

die steile Rinne durch das Bottenloch

oder rechts umgehend zum Sporasattel;

dann durch das Sporatobel

zum Gipfelgrat des Großen Turms und

zum Gipfel

Abfahrt: Über den Gipfelgrat nach

Süden, dann östlich zum Joch

zwischen Kleinem und Großem Turm;

durch Sporatobel

und Tiergarten zum

Öfatobel und über

Sporaalpe zur Hütte

3 Geißspitze (2334 m)

Tourenkarte 7

Heftmitte

▶ mittel 4½ Std.

1440 Hm –

Lohn der Mühen: Abfahrt vom

Großen Turm zum Eisjöchle

Charakter: Südseitige, aussichtsreiche

Skitour, die im oberen Teil

bei hartem Untergrund Harscheisen

erfordern kann.

Aufstieg: In Serpentinen durch

den Südhang hinauf und dem Grat

entlang zum Gipfel

Abfahrt: Am Grat entlang zur Schulter

unterhalb des Gipfels und

über den Südhang

zur Hütte

4 Sulzfluh (2817 m)

▶ schwierig 6 Std.

1970 Hm –

Charakter: Sehr anspruchsvolle Skitour

über den Rachen; gute Technik

erforderlich

Aufstieg: Kurze Abfahrt bis auf Höhe

des Bilkentobels, über Schneefelder

Richtung Süden, durch steile Hänge

und Latschengelände zu »Auf den

Bänken« und in den Rachen; am

Gipfelaufbau der Kleinen Sulzfl uh

vorbei zum Gipfelgrat und Gipfel

Abfahrt: Über den Gipfelgrat

Richtung Westen, dann nach Norden

durch den Rachen hinunter zu

den Bänken und ins

Bilkentobel

Tourenkarte 8

Heftmitte

Tourenkarte 9

Heftmitte

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

03 ⁄13 Bergsteiger 43


INTERVIEW

Das große

Steve House

-Interview

»Ich war keine

besonders

nette Person«

Steve House gilt als einer der besten Alpinisten der Gegenwart.

Er gewann unter anderem den Piolet d’Or für die erste

Durchsteigung des Zentralpfeilers an der Rupalwand des Nanga

Parbat. Vor drei Jahren kostete ihn ein 25-Meter-Sturz fast das

Leben. Ein Gespräch über veränderte Perspektiven, den Egoismus

von Kletterern und Erinnerungslücken durch Morphin.

Von Dominik Prantl und Michael Ruhland

Foto: Meike Birck

BERGSTEIGER: Heute werden wir nicht

über große Gipfelerfolge reden, sondern

über tiefe Stürze. Bereit?

Steve House: Klar.

Welche Erinnerung haben Sie an den 25.

März 2010?

Ich erinnere mich so ziemlich an alles – bis

zum ersten Krankenhaus … Wollt ihr die

ganze Geschichte hören?

Wir bitten darum.

(Stark gekürzt) Ich wollte mit Bruce Miller eine

neue Route am Mount Temple in den kanadischen

Rockies klettern, gleich bei mir

um die Ecke. Der Fels war wirklich schlecht,

ziemlich brüchig. Nachdem Bruce zwei,

drei Seillängen vorgestiegen war, kam ich

an die Reihe. Ich führte also etwa 30 Meter,

erst ziemlich einfaches Gelände, dann ein

etwas schwierigerer Riss und schließlich

fast eine Art Vorsprung…

Hört sich ja eher nach einer lockeren Trainingseinheit

für Sie an.

Ja, letztlich war es Training. Ich versuchte

auf diesem Vorsprung also etwas Schnee

wegzuputzen, bereitete mich auf den

nächsten Zug vor – und flog auf einmal.

Rückwärts. Ich kann mich sehr klar an den

Fall erinnern. Es fühlte sich an wie beim

Sportklettern; ich wartete auf den Moment,

wenn einen das Seil auffängt. Das Seil

straffte sich auch immer wieder, bevor die

Sicherungen aus der Wand flogen.

Wie oft?

Drei, vier Mal. Einmal kam ich fast zum

44 Bergsteiger 03 ⁄13


Stillstand – und dann zack. Als mich das

Seil schließlich endgültig auffing, knallte

ich gegen die Wand – mit der rechten

Seite. Ich trug die gesamte Ausrüstung am

Gurt und an einer Schlinge an der Seite. Das

verursachte den ganzen Schlamassel, vor allem

die Klemmgeräte.

Sie bohrten sich in Ihren Körper?

Nicht direkt. Die Klemmgeräte brachen mir

die Knochen, und die Knochen klappten

nach innen, in den rechten Lungenflügel.

Ich hatte das Gefühl, nicht atmen zu können.

Dann hörte ich Bruce; er war nur noch

zehn Meter von mir entfernt. Eine Zeitlang

bildete ich mir ein, zu ihm krabbeln zu

müssen. Dank des Adrenalins schaffte ich

etwa fünf Meter. Dann wurde der Schmerz

zu schlimm.

Der Abschnitt, wo Sie den Stand verloren,

war nicht wirklich herausfordernd. Warum

fielen Sie? Mangelnde Konzentration?

Schwer zu sagen. Stand ich auf einem losen

Fels, weil ich nicht konzentriert war?

Vielleicht.

Also einer der Unfälle aus der Rubrik: Shit

happens.

Irgendwie ja. Aber als Alpinist glaubt man

ja daran, auch so etwas irgendwie kontrollieren

zu können. Oder sagen wir: zumindest

zu merken, dass man auf einem losen

Felsen steht. Als ich jedoch endlich an der

Reihe war, habe ich regelrecht mit den

Hufen gescharrt, wollte die Wand hochrennen.

Einige würden das vielleicht Überstürzung

nennen. Ich selbst wahrscheinlich

auch. Aber in diesem Moment war es pure

Begeisterung.

Der berühmte Flow.

Eher der Versuch, in den Flow zu kommen.

In der ersten Seillänge bist du niemals im

Flow. Ich jedenfalls nicht.

Kam Ihnen während des Sturzes jemals der

Gedanke: Jetzt ist es vorbei?

Das kam erst später, als ich auf den Helikopter

wartete. Das dauerte mit allem

03 ⁄13 Bergsteiger 45


Kurze Pause auf dem

Gipfel des Mount Foraker

in Alaska. Im Hintergrund

leuchtet die Südwand des

Denali im Morgenlicht.

»Ich hatte zwei Beckenbrüche

und sieben

zum Teil mehrfach

gebrochene Rippen. «

David Lama in der

Route »Safety Discussion«

(11 SL, 8b) in den

Lienzer Dolomiten.

Drum und Dran knapp zwei Stunden, zwei

wirklich lange Stunde. Da hatte ich schon

ungefähr diagnostiziert, was mit meinem

Köper passiert war. Und ich wusste als Bergführer

auch, dass die Bedingungen für eine

Rettung nicht die besten waren.

Sie selbst haben ja auch schon jede Menge

Freunde in den Bergen verloren.

19, um genau zu sein.

Neunzehn!?

Da sind nur die Leute mitgezählt, mit denen

ich auch wirklich geklettert bin. Vielleicht

nur einziges Mal. Aber ich klettere

ja schließlich nicht mit jedem. Es waren

Partner.

Was rettete Ihnen letztlich das Leben. Ihre

Erfahrung als Bergführer? Das bloße Glück?

Die Tatsache, dass mein Körper wirklich

stark war, wohl so stark wie noch nie, trug

einiges dazu bei. Ein weiterer Faktor war

– nennt es von mir aus Glück, – dass gewisse

Bereiche der Rockies sehr gut durch

Mobilfunknetze und Rettungsdienste

abgedeckt sind. Auch dank mancher Skigebiete

wie in unserem Falle das unweit

gelegene Lake Louise. Auf Ski hat der Weg

zur Wand etwa sechs, sieben Stunden gedauert.

Aber mit dem Hubschrauber geht

das recht schnell.

Sie behaupten, dass Sie kein sonderlich religiöser

Mensch sind. Fühlen Sie dennoch

so etwas wie Dankbarkeit gegenüber einer

Art höheren Macht?

Ein Ergebnis meines Unfalls war, dass ich

spiritueller wurde. Nicht religiöser. Für

mich besteht da ein klarer Unterschied.

Erklären Sie Ihn.

Für mich ist Religion ein Glaubenssystem

um eine Gottheit. Spiritualität jedoch ist ein

Vor einem Unfall ist Risiko reine Theorie.

Man weiß zwar, dass ein Fehler tödlich sein

kann. Aber sogar wenn der Kletterpartner

direkt neben einem vom Stein getroffen

wird, bleibt das Risiko im Kopf irgendwie

immer noch eine Theorie. Ich weiß nicht,

wie das möglich ist.

Jetzt ist es keine Theorie mehr?

Wenn ich heute nicht vernünftig abgesichert

bin oder unter mir ein Felsen raussteht, auf

den ich fallen könnte, ist die Gefahr wesentlich

realer. Ich kann es regelrecht an meinem

Körper fühlen. Vor allem hier (House

zeigt auf die rechte Körperhälfte).

Wie viele Brüche hatten Sie sich eigentlich

zugezogen?

Ich hatte zwei Beckenbrüche und sieben

zum Teil mehrfach gebrochene Rippen –

also insgesamt so rund 20.

Wie lange brauchten Sie, um wieder gesund

zu werden.

Ehrlich gesagt: Ich bin immer noch dabei,

mich von dem Unfall zu erholen. Im

Krankenhaus war ich aber nur zwei Wochen,

und vielleicht wäre es

besser gewesen, ein wenig

länger dort zu bleiben. Nach

meiner Entlassung saß ich

noch etwa eine Woche im

Rollstuhl und konnte mich

anschließend lange Zeit nur

mit einer Gehhilfe fortbewegen.

Mienenspiel: Steve House erzählt seine Lebensgeschichte während des Interviews nicht nur mit Worten.

Gefühl oder der Glaube, dass es da noch etwas

Mächtigeres gibt, als wir es sind.

Haben Sie jemals so etwas wie Reue empfunden,

dass Sie die Route am Mount Temple

kletterten?

Der Gedanke kam mir noch nie. Es hätte

auch jeder andere Berg sein können. Aber

eine Sache hat sich wirklich verändert:

Hatten Sie jemals Zweifel, ob

Sie irgendwann in die Berge

zurückkehren können?

Absolut. Allerdings kann ich

mich an die ersten ungefähr

drei Monate nach dem Unfall nicht besonders

gut erinnern. Wegen der Schmerzmittel.

Ich hatte noch niemals eine derart

schmerzhafte Erfahrung. Speziell der Moment,

als der Bergführer von der Bergwacht

den Karabiner an meinen Gurt einhängte

und mich mit meinem gebrochenen Becken

anhob, war unglaublich. Im Krankenhaus

musste ich dann einfach nur einen Knopf

46 Bergsteiger 03 ⁄13


drücken… und aaah. Anschließend bekam

ich diese Pflaster mit einem Morphin-Derivat

drin, die man alle drei Wochen wechselt.

Da ist es ziemlich einfach zu verstehen,

wie Leute abhängig werden.

Wie war für Sie das Gefühl des Neuanfangs?

Man kann ja schlecht gleich wieder mit der

Nordwand des K2 einsteigen.

Körperlich sind bei Neuanfang drei Dinge

zu unterscheiden. Erstens: Die Rippen sind

in unbequemen Positionen. Das tut weh.

Speziell nach dem Klettern oder dem Sport.

Aber die Knochen heilen wieder. Vielleicht

nicht ganz gerade, denn ich fühle die Bruchstellen

immer noch (zeigt auf die Rippen seiner

rechten Seite). Das Zweite sind die Nerven an

den Muskeln des rechten Beines. Die zogen

den größten Schaden davon. Es gibt noch

immer einige Bereiche, wo ich kein Gefühl

besitze. Das Dritte betrifft meine gesamte

Energie. Ich war am Anfang so fertig, dass

ich die ganze Zeit geschlafen habe. Aber

diese drei Dinge werden langsam besser.

Für Expeditionen wie zum Makalu oder K2

ist mein Körper natürlich noch nicht stark

genug. Das weiß ich. Ich habe mir ja die

Knochen gebrochen, nicht mein Hirn.

Kann man nach solch einem Unfall überhaupt

dermaßen auf das Bergsteigen fokussiert

bleiben, wie Sie es waren, als sie mit

dem Nanga Parbat oder K7 Alpingeschichte

schrieben?

Ich muss sagen, dass ich vor dem Unfall

wirklich nur ans Klettern dachte und dafür

lebte. Da gab es keinen Plan B. Wenn ich

zurückdenke, war ich durch diese Fokussierung

die meiste Zeit wohl keine besonders

nette Person.

Grell: House bei der zweiten Begehung der Mixed-Route »Barely Legal«

Fotos: Meike Birck (3), Steve House (2), Rolando Garibotti

Also war auch Ihr Plan A ziemlich begrenzt.

Ja, so kann man es sehen. Ich hatte nichts

in meinem Leben, was nicht irgendwie mit

Klettern zu tun hatte. Über eines habe ich

wirklich viel nachgedacht: Ich habe diese

Liste an alpinen Leistungen, bin all diese

Steve mit seiner Frau Eva in den Dolomiten

ZUR PERSON

Ökologe, Purist, Buchautor

Steve House, geboren am 4. August 1970,

war lange Zeit nur der Alpinismus-Szene als

»einer der besten Höhenbergsteiger unserer

Zeit« (Reinhold Messner) bekannt. Stark

geprägt wurde seine bergsteigerische Karriere

unter anderem während eines einjährigen

Austauschprogramms in Slowenien, als es

der damals 19-jährige US-Amerikaner nach

eigenen Angaben auf etwa 180 Klettertage

brachte. House, der 1995 das Evergreen State

College mit einem Bachelor of Science in Ökologie

abschloss, steht für einen auf möglichst

geringem Materialeinsatz basierenden Alpinstil

nach dem Motto: »Je einfacher man die Dinge

macht, desto größer die Erfahrung.« Seinen

gnadenlosen Purismus bewies der international

anerkannte Bergführer unter anderem 2004

während einer Solobesteigung an der Südwestwand

des K7. Den 6934 Meter hohen Gipfel

erreichte House mit einem gerade einmal drei

Kilogramm schweren Rucksack. Für die sechs

Tage dauernde Besteigung der mehr als 4000

Meter hohen Rupalwand des Nanga Parbat im

Jahr 2005 wurden er und sein Partner Vince

Anderson mit dem Piolet d’Or, dem Oscar des

Alpinismus, ausgezeichnet. House ist Autor des

preisgekrönten Buches »Jenseits des Berges«

(Malik-Verlag, 21,95 Euro, engl. Originaltitel

»Beyond the Mountain«). Seit einigen Jahren

engagiert er sich unter anderem für Projekte

seines Hauptsponsors Patagonia. Weitere Informationen

unter www.stevehouse.net

03 ⁄13 Bergsteiger 47


Fotos: Barry Blanchard, Steve House, Vince Anderson

Routen geklettert.

Nur: Was bringt’s?

Wen kümmert’s?

Macht mich das

zu einer besseren

Person? Warum ist

mir diese Art Kletter-Lebenslauf

so

wichtig? Nach dem

Unfall hasste ich

diesen Gedanken:

Nicht mehr zu sein

als eine Liste mit

Steve House und Joe Josephson an einem klaren, minus zwanzig Routen. Das war die

Grad kalten Wintermorgen in den kanadischen Rockie Mountains unmittelbare extreme

Reaktion. Eine

Zeitlang dachte ich darüber nach, etwas

komplett anderes zu machen. Irgendwann

wurde mir dann bewusst, dass mir das Klettern

immer noch wichtig ist.

»Wenn einer den Berg

hochklettert und wieder

runterkommt, ist das viel

weniger eine Story, als

wenn er sich zwei Beine

bricht und dann nach

Hause krabbelt.«

Sie haben auch einige Regeln für den besten

emotionalen Zustand zum Klettern

aufgestellt. Keine Musik, keine Filme, kein

Internet, keine E-Mails. Ist das auch eine

Lehre aus dem Unfall oder einfach die Erfahrung

aus 30 Jahren am Berg?

Ich habe das schon immer so gemacht, da

ich nicht besonders multitasking-fähig bin.

Das ist gar nicht so einfach in einer modernen

Welt mit ihren vielen verschiedenen

Reizen. Am Anfang hat mich jeder Beep

meines Smartphones aufgeschreckt. Ich

mache lieber eins nach dem anderen.

Vince Anderson schaut aus dem vierten Biwak in der Rupalwand, Steve House in die Nordwand

des Mount Alberta während einer Erstbegehung (WI5+ M8 R/X, 1000m).

Fünf Monate nach dem Unfall zogen sie vom

US-Bundesstaat Oregon nach Colorado,

trennten sich von Ihrer damaligen Partnerin

und lernten später Ihre Frau Eva kennen.

Klingt fast so, als hätten Sie sich ziemlich

viele neue Projekte auf einmal gesucht?

Ich bin mit einer Menge Pläne nach Colorado

gezogen. Erstens: Ein klarer Bruch

mit meiner alten Beziehung. Ich hatte gemerkt,

dass die Partnerschaft gefühlsmäßig

eher ziemlich ungesund war, für uns beide.

Zweitens war ich damit auch meiner Familie

näher, und drittens stieß ich wieder zu

meiner Kletter-Gemeinde. In Oregon war

doch alles ziemlich auf das Sportklettern

beschränkt.

Eines ihrer Statements aus der jüngeren

Vergangenheit lautet: Es ist an der Zeit,

etwas zurückzugeben. Waren sie zu egoistisch,

zu selbstsüchtig?

Nach dem Unfall stellte ich fest, dass ich auf

das Klettern fokussiert bleiben, aber mir

durchaus auch noch andere Dinge vornehmen

kann. Ich habe dafür genug Energie

und Ideen.

Geben Sie uns ein Beispiel.

Stärkeres Engagement bei Projekten wie

den Alpine Mentors, bei dem Nachwuchsalpinisten

gefördert werden, oder die Baltistan

Education Foundation, einer Stiftung

für Bildung im Kaschmirgebiet Pakistans.

Ich werde auch meine Vorträge noch stärker

auf ein Thema ausrichten, wie beispielsweise

die Angst vor dem Unbekannten, die

eine der größten Ängste der Menschen

überhaupt ist. Eines habe ich schließlich gelernt:

Man kann vielleicht nicht alles kontrollieren.

Aber wenn man darauf vertraut,

gibt es für jedes Problem auch eine Lösung.

Und das gibt einem Vertrauen.

Ist es also wichtig, beim Bergsteigen und

Klettern zu fallen, Fehler zu machen?

Ich hoffe nicht. Aber es passiert nun mal.

Und wenn einer einfach den Berg hochklettert

und wieder runterkommt, ist das viel

weniger eine Story, als wenn einer runterfällt,

sich zwei Beine bricht und dann nach

Hause krabbelt. Das ist dann Drama. Auch

für Euch ist das viel interessanter. Und ich

erzähle davon.

Waren Sie jemals wieder am Mount Temple

seit ihrem Unfall?

Nein. Ich fühle mich nicht so, als müsste

ich dorthin zurückgehen. Ich will dem auch

nicht zu viel Bedeutung beimessen. Es muss

nicht der Mount Temple sein, um zum Klettern

zurückzufinden.


48 Bergsteiger 03 ⁄13


KOLUMNE

Star-Bilanz

Der Drang nach Süden, er lässt auch den Bergsteiger

nicht los. Ab über den Brenner, rein in die Dolomiten,

runter an den Gardasee. Allein die Ökobilanz – sie

kommt wohl nie auf Star-Niveau…

Ringo ist fort! Nein, nicht der Schlagzeuger

aus der Popmusik-Steinzeit.

Ringo ist ein Star, lateinisch Stumus

vulgaris, und hat seinen Sommersitz

draußen vor dem Fenster, dem südseitigen

meiner Schreibstube. Über den Sommer sind

wir so etwas wie Freunde geworden, ich habe

seine Ankunft erlebt, sein Erkunden der

luftigen Ein-Zimmer-Wohnung, das Liebeswerben,

sein überraschend reiches Gesangsrepertoire.

Eine Zeitlang war ein Kommen

und Gehen, pardon: An- und Abfliegen. Bis

die Auserwählte endlich bei ihm einzog.

Tage später dann konnte man leises Zwitschern

aus dem Bau hören: Ringo war Vater

geworden. Die Kleinen mussten gefüttert

werden, und sie sind wohl immer hungrig.

Viel Fremdenergie

Dann kam der Auszug, Starenschwärme am

Himmel, Anflug auf den wilden Wein an

unserem Balkon, dann Formationskreisen.

Ringo ist fort.

Unterwegs in den Süden, wo Stare gerne

überwintern. Also über den Brenner ab nach

Italien. Vielleicht keine so richtig gute Idee,

denn die Südländer jagen ja unschuldige

Vöglein (pfui!). Über den Alpenpass bin ich

letztes Jahr auch ein paarmal gefahren, um

Gipfel und Klettersteige zu erkunden. In die

Dolomiten, nach Südtirol, zum Gardasee.

Allerdings mit Bodenhaftung. Der 6er-Golf

wiegt fast anderthalb Tonnen, und sein

80-PS-Motor hat meine 70 Kilogramm problemlos

nach Percha oder Kurtatsch oder Arco

befördert. Dabei allerdings einiges an Fremdenergie

verbraucht. Und was hinten heraus-

kommt bei der Fahrerei – ein paar tausend

Kilometer waren’s allemal – macht einen

umweltbewussten Zeitgenossen auch nicht

gerade glücklich: Kohlendioxid. Und das ist

so eklig, dass unsere Wegwerfgesellschaft es

am liebsten vergraben (!) würde.

Fliegen müsste man können, denke ich

spontan, aber da schaut die Bilanz noch trüber

aus. Ringo verbraucht auf seinem Weg

ins Winterquartier natürlich auch Energie,

er wird unterwegs an Gewicht verlieren

– ein erwachsener Star wiegt immerhin

80 Gramm –, das er sich wieder anfüttern

muss. Gelegentlich lässt er etwas fallen –

im Flug. Aber was für eine tadellose Ökobilanz!

Kein riesiger Ballast aus Metall und

Kunststoffen, kein Zwischenhalt an einer

Tankstelle, um überhaupt weiterfahren zu

können. Beim Homo ludens: Ressourcenverbrauch

überall – wir wissen es, klar. Aber da

sind all diese Bergsteigerträume…

Ohne Landkarte und GPS

Ringo ist wohl gut angekommen in seinem

Winterlager. Bald wird er zurückkehren

nach Dietramszell, Ostener Straße 5. Den

Weg zu finden, ist für ihn kein Problem,

auch ohne Landkarte, ohne GPS und ohne

Handy. So etwas braucht mein Star nicht. Eines

Tages sitzt er wieder draußen auf seinem

Hausdach oder vor dem Eingang zu seinem

Heim, plustert sich ein bisschen auf, guckt

in die Runde. Kann sein, dass er sich erinnert

an den bärtigen Zausel, der ihm ab und zu

zugepfiffen hat, letzten Sommer.

Armer Mensch, fliegen kannst du nicht, deine

Welt kaputtmachen schon.


Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Eugen E. Hüsler

ist seit mehr als 30 Jahren

in den Alpen unterwegs und

hat Dutzende Bücher und

Führer verfasst. Der 68-Jährige

schreibt im Wechsel mit

Sandra Zistl, Axel Klemmer und

Caroline Fink über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

03 ⁄13 Bergsteiger 49


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 3/13

Ötztaler und Kitzbüheler Alpen, Mangfallgebirge,

Rätikon, Wetterstein

Abtrennen

Falten

Einstecken

7 Drusenturm, steile 1 Partnachalm,

6 Stolzenberg,

5 Brünnsteinschanze,

10 Schafsiedel, mittelschwere

11 Tristkopf,

und exponierte Skitour

für beste Verhältnisse

Winterwanderung durch

die vereiste Klamm

kurze Skitour, überwiegend

durch Wald unschwierige Ski-

tour mit guter Aussicht Skitour mit

ostseitigem Aufstieg

lange Skitour mit steilem

Gipfelanstieg

8 Geißspitze, einfachere

9 Sulzfluh,

2 Fluchtkogel,

3 Wildspitze, anspruchsvolle

4 Wildpitze, klassische

Skitour, geeig-

net als Eingehtour

schwierige Skitour mit

nordseitigem Anstieg

Gletschertour über

den Guslarferner

Skitour mit

oder ohne Liftbenützung Skihochtour über

den Taschachgletscher

12 Cap Gros, leichte

Küstenwanderung auf

gut markierten Wegen

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Wettersteingebirge Partnachalm (983 m) durch die Partnachklamm

1

aus Bergsteiger 3/2013

TIPP

Wanderung durch eines der schönsten Geotope Bayerns

Wenn klirrender Frost die Partnach auskühlt, und das Wasser, das vom oberen Rand der Partnachklamm

in die tiefe Schlucht heruntertropft, zu kirchturmhohen Eiszapfen friert, ist es in der Partnachklamm

am schönsten. Die Klamm ist den ganzen Winter über geöffnet.

295 Hm | 2½ Std.

Winterwanderausrüstung mit

soliden Schuhen

Talort: Garmisch-Partenkirchen (708 m)

Ausgangspunkt: Skistadion in Garmisch-

Partenkirchen (709 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt: Breite N

47.4822398555° Länge E 011.1181498133°

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn- und

Busverbindung

Entfernung: 6,91 km

Gehzeiten: Aufstieg 1½ Std.; Abstieg 1 Std.

Beste Jahreszeit: Das ganze Jahr über möglich

Karte: Kompass Wander- und Radtourenkarte 1:50 000,

Blatt 5 »Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet«

Hütte: Partnachalm (983 m)

Fremdenverkehrsamt: Tourist-Info, Richard-Strauss-Pl. 2,

82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. 0 88 21/18 07 00,

www.gapa.de

Charakter/Besonderheiten: Diese sehr beliebte, eindrucksvolle

und kurze Wanderung lohnt sich vor allem im Winter, wenn

gigantische Eiszapfen bis auf den Grund der Partnachklamm

reichen und die Klamm in eine märchenhafte, bizarre Landschaft

verzaubern.

Ötztaler Alpen Fluchtkogel (3497 m), über Guslarferner

Firnkopf über weiten Gletschern

Ein typischer Ötztaler Gletscherberg: auf der einen Seite Gletscheraufstieg

mit Firngipfel, auf der anderen Seite bis zu 400 Meter hohe Wandfluchten,

die auf dem riesigen Gletscherplateau des Gepatschferners

enden. Der Nordostgrat endet über dem weiten Gletscherkessel des

Großen Vernagtferners.

860 + 750 Hm | 1½ Tage

2

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

kompl. Skitourenausrüstung;

evtl. Gletscherausrüstung

aus Bergsteiger 3/2013

Talort: Vent (1895 m)

Ausgangspunkt: Bushaltestelle, Hauptstraße von Vent

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Innsbruck

Richtung Bregenz, in Ötztal-Bahnhof umsteigen und

per Bus durchs Ötztal über Sölden nach Vent

Gehzeiten: Zustieg Hütte 3½ Std., Aufstieg Gipfel 2½ Std.,

Abfahrt 1 + ca. 2 Std.

Karten: AV-Karte 1:25 000, Nr. 30/6 »Ötztaler Alpen/Wildspitze«

oder Nr. 30/2 »Ötztaler Alpen/Weißkugel«

Führer: Weiss »Skitourenführer Ötztal – Silvretta «, Rother

Fremdenverkehrsamt: Ötztal Tourismus, Büro Vent,

Venterstr. 28, A-6458 Vent, Tel. 00 43/5 72 00-2 60,

vent@oetztal.com; Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4,

A-6450 Sölden, Tel. 00 43/ 5 72 00, info@oetztal.com

Hütte/Einkehr: Vernagthütte (2755 m), DAV, bewirtet März

bis Mitte Mai, 140 Schlafplätze (Winterraum 22),

Tel. 00 43/6 64 /1 41 21 19, www.dav-wuerzburg.de

Charakter/Schwierigkeiten: Bis auf den etwas ausgesetzten

Gipfelhang leichte, am Gletscher südostseitige, am

Gipfel südwestseitige Skihochtour. Abwechslungsreiche Gletschertour

von der Vernagthütte. Evtl. Spalten am Guslarferner!

TIPP

Ötztaler Alpen Wildspitze (3768 m), ohne oder mit Lift

3

Klassische Route auf den höchsten Spitz in Tirol

1861 erreichte auf dieser Route der Einheimische Leander Klotz den

damals auf 3775 Meter geschätzten Nordgipfel, neun Jahre später

folgte ihm Ötztal-Erschließer Franz Senn. Heute gleitet man auch mit

Ski hinauf, aber eher von der Pitztaler Gletscherbahn mit nur noch 800

Rest-Höhenmetern.

1900/1150 Hm | 7/4¾ Std.

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

komplette Skitourenausrüstung

+ Steigeisen (evtl. Pickel)

aus Bergsteiger 3/2013

Talort: Vent (1895 m)

Ausgangspunkt: Bushaltestelle, Hauptstraße von Vent

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Innsbruck

Richtung Bregenz, in Ötztal-Bahnhof umsteigen und per Bus

durchs Ötztal über Sölden nach Vent

Gehzeiten: Aufstieg Gipfel 5¾ bzw. 3½ Std., Abfahrt 1¼ Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Februar bis April

Karten: AV-Karte 1:25 000, Nr. 30/6 »Ötztaler Alpen/

Wildspitze«

Führer: Weiss »Skitourenführer Ötztal – Silvretta«, Rother

Fremdenverkehrsamt: Ötztal Tourismus, Büro Vent,

Venterstr. 28, A-6458 Vent, Tel. 00 43/5 72 00 -2 60,

vent@oetztal.com; Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4,

A-6450 Sölden, Tel. 00 43/ 5 72 00, info@oetztal.com

Hütte/Einkehr: optional Winterraum Breslauer Hütte,

Tel. Tal 00 43/5 25 4/ 81 53 (Pension Alpenland)

Charakter/Schwierigkeiten: Dieser Aufstieg ist im

Winter unüblich, obwohl aus der Mammuttour dank Lift eine

lohnende Skitour mit schneesicherer Abfahrt (Piste) oder

rassiger Steilvariante wird. Aufpassen beim Steilaufstieg zum

Mitterkarjoch und dem Gipfelanstieg über den Südwestgrat


TIPP

Wettersteingebirge Partnachalm (983 m) durch die Partnachklamm

TIPP

Aufstieg: Vom Parkplatz beim Olympischen Skistadion in

Garmisch-Partenkirchen folgt man der Wildenauerstraße

nach Süden bis zum Kassenhäuschen beim Klammeingang.

Gleich dahinter beginnt das Abenteuer. Der mit

immensem Aufwand angelegte Klammsteig führt nun

oberhalb des tosenden Laufs der Partnach durch die enge

Felsenklamm und gibt immer wieder freie Blicke in den

Abgrund und in Schwindel erregende Höhen frei. Gerade im

Winter wird man aus dem Staunen kaum herauskommen,

denn ein Blickfang löst den nächsten ab, bis man schließlich

am Südende aus der engen Klamm herauskommt. Von

dort führt der im Winter geräumte Wanderweg nach Süden

weiter, und bei der Verzweigung (links zum Graseck) geht

man geradeaus, bis an beschilderter Stelle nach rechts der

ebenfalls geräumte Wanderweg zur Partnachalm abzweigt.

Er quert auf einer Brücke die Partnach und führt durch

lichten Wald in morderater Steigung in ausholenden Kehren

im Wesentlichen nach Nordwesten hinauf, bis er direkt bei

der Berggaststätte Partnachalm einen Fahrweg erreicht

(Rodelbahn).

Ötztaler Alpen Fluchtkogel (3497 m), über Guslarferner

Aufstieg: Gerade auf der für Autos gesperrten Straße westwärts

talein nach Rofen (2014 m; Kehre abkürzbar) und auf

Fahrweg weiter zur Talstation (2096 m) der Materialseilbahn

zur Vernagthütte. Westwärts – im aperen Zustand auf dem

Weg, bei Firn mit Harscheisen – über einen steilen Hang mit

Rinnenquerung insgesamt links querend aufwärts zu einem

Rücken, diesen hinauf und links auf das Plattei queren (Kreuz








Nach der Kälte in der Klamm tut die Sonne doppelt gut.

Abstieg: Wer mag, kann sich bei der Partnachalm einen

Schlitten ausleihen. Ansonsten geht man zu Fuß auf breitem,

2400 m). Südwestwärtws aufwärts queren (Weg bzw. Stangen

oberhalb) und nach einer Nase den steilen Hang über

dem Vernagttal nordwestwärts queren. Links über den Bach

unter die westseitige Moräne und nordwestwärts aufwärts

zur Vernagthütte (2755 m; Übernachtung). Teils auf einer

Moräne südwestwärts um das Hintergrasl herum und nordwestwärts

zu (ca. 2950 m) und auf dem fl achen Guslarferner










zum Gletscheraufschwung (evtl. anseilen). Je nach Verhältnissen

linkshaltend und gerade oder umgekehrt hinauf in ein

Becken und westwärts weiter zum Oberen Guslarjoch (3361

m). Steil rechts (nordostwärts) hinauf zur Gipfelkuppe

Abfahrt: Wie Aufstieg. Variante: Gletscher komplett abfahren

bis auf ca. 2700 m und linkshaltend aufsteigen zur Hütte

(50 Hm) Christian Schneeweiß





stellenweise steilem Fahrweg nach Norden hinab,

bis schließlich beim Kraftwerk wieder die Partnach

erreicht wird. Dort links abbiegen und auf

der Wildenauerstraße zum Ausgangspunkt zurück

Siegfried Garnweidner

Aufstieg von der Partnachklamm

zur Partnachalm








Panorama: www.peakfinder.org Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Ötztaler Alpen Wildspitze (3768 m), ohne oder mit Lift























Aufstieg: Unter dem Sessellift nordwestwärts auf Ziehweg

und Piste zügig hinauf zur Mittelstation »Stablein« (2356 m;

bewirtet) und auf der Piste weiter zur links abzweigenden

Nordwestquerung (2550 m) Richtung Breslauer Hütte. Oder:

Mit dem Sessellift zum Ausstieg Mittelstation, per Schlepplift

zur Bergstation und westwärts abfahren zur Nordwestquerung.

Den Gegenhang links ausqueren und über einen Rücken

nordwestwärts unter die Breslauer Hütte (2844 m; Winterraum).

Unterm Urkund ins fl ache Mitterkar, unter den Ausläufern

der Wildspitze auf den Mitterkarferner und steil nordwärts

hinauf zum Mitterkarjoch (3470 m; evtl. Steigeisen).

Rechts am fl achen Becken des Taschachferners zu einer

Gletschermulde und diese ost- bis südwärts hinauf zum Südwestgrat.

Über diesen (südseitig weit überwechtet, evtl. vereist)

aufwärts zum felsigen Gipfel. Oder: statt südwärts nordostwärts

zum Nordwestgrat und zu Fuß im Firn zum breiten,

weniger besuchten Nordgipfel (5 m niedriger)

Abfahrt: wie Aufstieg. Variante: Von der Breslauer Hütte

statt Richtung Piste (Südosten) gerade südwärts hinab über

steile Firnhänge (zwischen 2600 und 2200 m links am

Rofenbach weniger steil) zum Fahrweg über der Rofenache

Christian Schneeweiß













Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Ötztaler Alpen Wildspitze (3768 m)

4

aus Bergsteiger 3/2013

TIPP

aus Bergsteiger 3/2013

Klassische Skihochtour aus dem Skigebiet Pitztal-Gletscher

Die Wildspitze als höchster Gipfel in Tirol und zweithöchster in Österreich ist im Sommer wie im

Winter ein attraktives Ziel. Der Anstieg führt zwar immer über Gletscher, ist aber im Vergleich zu

manch anderer Hochtour nicht sonderlich schwierig.

700 Hm | 5–6 Std.

Skihochtourenausrüstung,

evtl. Pickel und Steigeisen

Talort: Mandarfen im Pitztal (1690 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz des Skigebiets Pitztaler Gletscher

(1740 m), Auffahrt mit der Pitztaler Gletscherbahn,

Tel. 00 43/54 13/8 62 88, www.pitztaler-gletscher.at,

Mitte September bis Mitte Mai, 8:30–16:00 Uhr

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Innsbruck

oder Landeck bis Imst, ab hier Busverbindung bis

zur Talstation des Skigebiets Pitztaler Gletscher

Gehzeiten: 3¼ Std. Aufstieg, 2¼ Std. Abfahrt

Mangfallgebirge Brünnsteinschanze (1547 m)

Gemütliche Vorgebirgstour mit zwei schönen Abfahrtshängen

Im Gegensatz zu ihrem großen Bruder, dem Brünnstein, handelt es sich bei der Brünnsteinschanze

nicht um einen schmalen Felskamm, sondern um eine weiche, runde Wiesenkuppe. Obwohl die Tour

meist in der Waldregion verläuft, bietet sie zwei schöne, freie Abfahrtshänge und beste Aussicht.

750 Hm | 2½ Std.

komplette

Skitourenausrüstung

Talort: Oberaudorf (480 m)

Ausgangspunkt: Waldparkplatz südlich der Sudelfeldstraße

(800 m)

Gehzeiten: Parkplatz – Seelacher Alm 1¾ Std.,

Seelacher Alm – Brünnsteinschanze ¾ Std.

Beste Jahreszeit: Je nach Schneelage den ganzen

Winter über möglich

Karte: AV-Karte 1:25 000, BY16 »Mangfallgebirge Ost -

Wendelstein«

Beste Jahreszeit: März bis April, oft auch schon früher möglich

Karte: AV-Karte 1:25 000, Nr. 30/6 »Ötztaler Alpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Pitztal, A-6473

Wenns/ Pitztal, Tel. 00 43/54 14/8 69 99, www.pitztal.com

Hütte: Einkehrmöglichkeiten im Skigebiet; bei der Abfahrt:

Taschachalm (1796 m), Tel. 00 43/54 13/8 62 48 und

Tel. 00 43/6 64/5 31 17 11

Charakter/Schwierigkeiten: Über das Mittelbergjoch

erreicht man die Wildspitze auf dem Normalweg als einfache Skihochtour.

Der Anstieg über den Taschachgletscher in die Scharte

ist nirgends besonders steil und bei geschickter Routenwahl und

guter Schneelage spaltenarm. Die Abfahrt über den Gletscher ins

Taschachtal ist ebenfalls unproblematisch, man muss aber die

Spaltengefahr beachten. Die Länge der Abfahrt (2400 Hm) sollte

man nicht unterschätzen. Keine Tour für schlechte Sicht!

Führer: M. Pröttel »Skitouren für Langschläfer« J. Berg Verlag

Fremdenverkehrsamt: Verkehrsamt Brannenburg,

Tel. 0 80 34/45 15, verkehrsamt@brannenburg.de

Einkehr: Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeit; nach der

Tour das Gasthaus »Zum feurigen Tatzelwurm«, wenige hundert

Meter Richtung Oberaudorf

Charakter/Schwierigkeiten: Aussichtsreiche Tour, die

zur Hälfte auf Fahrwegen und freien Wiesenhängen verläuft.

Insgesamt geringe Lawinengefahr und keine Orientierungsschwierigkeiten

5

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Mangfallgebirge Stolzenberg (1609 m)

6

aus Bergsteiger 3/2013

Einsame Skitour fernab des Pisten-Rummels am Spitzingsee

Die wunderschön gelegene Albert-Link-Hütte ist ein perfekter Ort, um ein entspanntes Tourenwochenende

zu genießen: am Anreisetag gemütlich auf den Stolzenberg und sonntags auf die Brecherspitze

(siehe Bergsteiger 12/2012)

550 Hm | 2 Std.

komplette

Skitourenausrüstung

Talort: Schliersee (784 m)

Ausgangspunkt: Spitzingsee (1090 m), Bushaltestelle

bzw. Parkplatz an der Kirche

Gehzeiten: Ausgangspunkt – Albert-Link-Hütte 20 Min.,

Albert-Link-Hütte – Stolzenberg 1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Je nach Schneelage den gesamten

Winter gut möglich

Karte: AV-Karte 1:25 000, BY15 »Mangfallgebirge Mitte«

Führer: M. Pröttel »Skitouren für Langschläfer«, Bruckmann

Verlag

Fremdenverkehrsamt: Gäste-Information Schliersee,

Tel. 0 80 26/6 06 50, www.schliersee.de

Hütte: Albert-Link-Hütte (1050 m), DAV, ganzjährig geöffnet,

Montag Ruhetag. Betriebsferien von Mitte November bis Mitte

Dezember; www.albert-link-huette.de

Charakter/Schwierigkeiten: Kurze Skitour, die, obwohl größtenteils

im Wald verlaufend, zwei überraschend gute Abfahrtshänge

besitzt. Das Gipfelpanorama ist aufgrund des Bewuchses

etwas eingeschränkt. Ohne vorhandene Spur ist im Wald Orientierungsvermögen

hilfreich.

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Ötztaler Alpen Wildspitze (3768 m)

TIPP

Aufstieg: Von der Talstation zunächst mit dem Pitztaler

Gletscherexpress ins Skigebiet und weiter mit der Wildspitzbahn

Richtung Hinteren Brunnenkogel (3438 m). Von der

Bergstation zuerst hinab ins Mittelbergjoch (3166 m) und

nach Süden auf den Taschachferner. Hier beginnt der eigentliche

Anstieg: Über den Taschachferner nach Südwesten

über gestuftes Gelände bis auf Höhe des Brochkogels und

nun über das teils fl ache Gletscherbecken nach Südosten

auf den Südwestgrat der Wildspitze zu. Wo der Grat ansetzt,

macht man Skidepot (ca. 3700 m). Anfangs direkt über den












Grat, dann auch in der linken Flanke und zum südlichen Gipfel

mit dem Gipfelkreuz. Am Gipfelgrat können evtl. Steigeisen

und Pickel nötig sein.

Abfahrt: Zunächst über den Grat zurück zum Skidepot. Die

Abfahrt führt von hier entlang der Aufstiegsspur bis unmittelbar

vor das Mittelbergjoch. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

Statt des Aufstiegs zurück ins Joch kann man bei guten

Verhältnissen die Abfahrt nach Westen wählen und – immer

den Spaltenzonen ausweichend – teils in der Gletschermitte,

unten überwiegend an seinem linken Rand bis zu seinem






Mangfallgebirge Brünnsteinschanze (1547 m)

Aufstieg: Am Ausgangspunkt (DAV-Infotafel) folgt man

zunächst dem Forstweg, der gleich links nach der Brücke

am Anfang des Waldparkplatzes beginnt. Nach einer Kehre

geht es durch den Wald geradeaus und angenehm bergan.

Nach wenigen hundert Metern kommt man aus dem Wald

heraus, folgt dem Fahrweg noch ein Stück, bis man auf eine

breitere Almstraße stößt und rechts von sich eine Lücke im

Almzaun sieht. Hier wendet man sich nach rechts und steigt

nun deutlich steiler über schöne freie Wiesenhänge nach

Süden bergan. Am oberen Ende der freien Hänge stößt man







wieder auf eine Lücke im Zaun und auf die breite Almstraße

und folgt dieser nach rechts. Es geht wieder deutlich fl acher

in den Wald hinein. An einer Gabelung der Fahrstraße hält

man sich links und steigt weiter durch den Wald zur wiederum

frei gelegenen Seelacher Alm auf. Man geht gerade an

den Hütten vorbei und folgt dem Bergkessel nach Süden.

Nach wenigen Höhenmetern kann man links von sich bereits

den Gipfelhang erkennen. Man wendet sich schließlich

nach links und steigt über den schönen Westhang bis zum

Gipfelkreuz hinauf.

Ende fahren. Hier nach Norden hinaus und über das meist

fl ache Taschachtal zur Taschachalm. Über eine Piste des

Riffl see-Skigebiets kommt man zurück zum Ausgangspunkt

Talstation. Die Gletscherabfahrt sollte nur bei ausreichend

Schneelage mit guter Überdeckung der Spalten und bei

guter Sicht unternommen werden. Im Zweifelsfall nutzt man

die zweite Möglichkeit und steigt zurück ins Mittelbergjoch

(kurzer Gegenanstieg) und gelangt über das Skigebiet ins Tal

(letzte Talfahrt Pitztalexpress beachten!).

Andrea Strauß












Abfahrt: Auf dem Anstiegsweg. Man kann vom Gipfelkreuz

auch direkt nach Norden abfahren, hält sich dann – von

oben gesehen – links und stößt wenig unterhalb der

Seelacher Alm auf die Aufstiegsspur. Diese Variante hat

den Vorteil, dass sich aufgrund der Nordexposition länger

Pulverschnee hält.

Hinweis: Die Hänge östlich der Brünnsteinschanze sind

Wald – und Wildschongebiet und sollen nicht betreten werden.

Michael Pröttel

Panorama: www.peakfinder.org Panorama: www.peakfinder.org































TIPP

Mangfallgebirge Stolzenberg (1609 m)

Aufstieg: Vom Parkplatz folgt man noch ein Stück der

Hauptstraße und biegt dann direkt vor der Brücke über die

Rote Valepp nach links in die beschilderte Fahrstraße zur

Albert-Link-Hütte ab. Auf dieser geht es leicht nach Süden

bergab, bis rechts ein beschilderter Fahrweg abzweigt. Über

eine Brücke und ansteigend zur Albert-Link-Hütte. Diese lässt

man rechts liegen und geht gerade nach Westen auf Berghütten

zu und an diesen vorbei. Hinter der letzten Hütte geht es

auf den Waldrand zu. Hier hält man nicht auf eine deutliche

Waldschneise zu, sondern folgt links davon dem Bachbett.

Links vom Bach führt ein Fahrweg ansteigend in den Wald








hinein. Nachdem der Weg eine große Kurve gemacht hat

und wieder fl ach wird, muss man aufpassen. Man biegt in

Höhe eines großen, rechts des Weges liegenden Felsblock

rechts vom Weg ab und folgt dem (im Winter undeutlichen)

Sommerweg durch den Bergwald nach Westen. In derselben

Richtung ansteigend kommt man auf eine freie Wiese. Es

geht noch ein Stück geradeaus weiter, bis man links oberhalb

von sich das erste Gebäude der Haushammer Alm sieht,

die man in einem Linksbogen erreicht. Hinter dem Holzhaus

wendet man sich nach rechts und folgt einem kurzen Rücken

nach Süden. Von nun an folgt man den erst steileren, dann













wieder fl acheren freien Hängen nach Süden. Man erreicht

einen Kamm und wendet sich hier nach rechts. Über schöne

freie Hänge geht es wieder in Richtung Westen bergan, bis

man links oberhalb von sich eine kleine Felswand sieht. Man

wendet sich nach rechts und erreicht links von der Wand

einen dicht bewachsenen Bergrücken, der nach Westen zum

höchsten Punkt (1609 m) hinauf leitet. Hier sucht man sich

einen möglichst freien Platz um die Aussicht auf den im Süden

liegenden Schinder zu genießen.

Die Abfahrt erfolgt auf dem Anstiegsweg.

Michael Pröttel










Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Rätikon Drusenturm (2830 m)

7

aus Bergsteiger 3/2013

TIPP

aus Bergsteiger 3/2013

Auf den höchsten Gipfel des Drusenstocks

Ein anspruchsvoller Aufstieg führt über Bottenloch oder Tiergarten ins Sporatobel und in weiterer

Folge auf den Gipfel des Großen Turmes. Könner nehmen die Extremvariante durch das

Eisjöchli auf den Gipfel.

1850 Hm | 6 Std.

komplette Skitourenausrüstung;

Harscheisen, Steigeisen

je nach Verhältnissen

Talort: Latschau (994 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Lindauer Hütte, Latschau

Öffentliche Verkehrsmittel: ÖBB bis Bludenz,

Montafonerbahn bis Schruns, Post-Bus bis Latschau

Höhenunterschied: Latschau – Lindauer Hütte 750

Hm, Lindauer Hütte – Drusenturm 1100 Hm

Entfernung: Latschau – Drusenturm 12 km

Gehzeiten: Aufstieg Latschau – Lindauer Hütte 2 Std.,

Lindauer Hütte – Drusenturm 4 Std.;

Rätikon Geißspitze (2334 m)

Abfahrt bis Lindauer Hütte 1 Std., bis Latschau 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Hoch- und Spätwinter bei sicheren Verhältnissen

Karte: Landeskarte der Schweiz (mit Skitouren) 1:50 000, Blatt

238 S »Montafon«

Information: Montafon Tourismus GmbH, Montafonerstraße

21, A-6780 Schruns, Tel. 00 43/55 56/72 25 30,

info@montafon.at

Einkehr: Lindauer Hütte (1744 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Beim Aufstieg über das Bottenloch

entweder steile Rinne durch das Bottenloch oder exponierte

Querung und kurzer Aufstieg ins Sporatobel. Im oberen Teil des

Sporatobels steile Passage und Querung zum Gipfelaufbau.

Variante übers Eisjöchli extrem steil und exponiert. Allerbeste

Schnee- und Lawinenverhältnisse notwendig

Aussichtsberg zu den Drei Türmen

Die Geißspitze eignet sich sehr gut am ersten Tag als Eingehtour, da man am Gipfel unmittelbar auf

der gegenüberliegenden Seite der drei großen Rätikongipfel steht und so die Aufstiegsrouten für

die kommenden Tage studieren kann.

1440 Hm | 4½ Std.

komplette

Skitourenausrüstung

Talort: Latschau (994 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Lindauer Hütte, Latschau

Öffentliche Verkehrsmittel: ÖBB bis Bludenz,

Montafonerbahn bis Schruns, Post-Bus bis Latschau

Höhenunterschied: Latschau –Lindauer Hütte 750

Hm, Lindauer Hütte – Geissspitze 590 Hm

Entfernung: Latschau – Geißspitze 9 km

Gehzeiten: Aufstieg Latschau – Lindauer Hütte 2 Std.,

Lindauer Hütte – Geißspitze 2½ Std.;

Abfahrt bis Lindauer Hütte ½ Std., bis Latschau 1Std.

Beste Jahreszeit: Hoch- und Spätwinter bei sicheren

Verhältnissen

Karte: Landeskarte der Schweiz (mit Skitouren) 1:50 000,

Blatt 238 S »Montafon«

Information: Montafon Tourismus GmbH, Montafonerstraße

21, A-6780 Schruns, Tel. 00 43/55 56/72 25 30,

info@montafon.at

Einkehr: Lindauer Hütte (1744 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Einfache Skitour, die im oberen

Teil einige Stellen aufweist, die bei harten Verhältnissen Harscheisen

erfordern können. Oft im Frühjahr bereits viele Hänge abgerutscht,

da der gesamte Aufstieg südseitig ist.

8

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Rätikon Sulzfluh (2817 m)

9

aus Bergsteiger 3/2013

Aufstieg durch den sogenannten Rachen

Grandiose Skitour zwischen den steilen Felsen des Rachens zum herrlichen Aussichtsberg auf der

anspruchsvollsten Aufstiegsvariante. Es gibt neben dem Aufstieg über den Rachen noch die Variante

über die Tilisunahütte und von der Schweizer Seite über das Gemstobel.

1970 Hm | 6 Std.

komplette

Skitourenausrüstung

Talort: Latschau (994 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Lindauer Hütte, Latschau

Öffentliche Verkehrsmittel: ÖBB bis Bludenz,

Montafonerbahn bis Schruns, Post-Bus bis Latschau

Höhenunterschied: Latschau – Lindauer Hütte 750

Hm, Lindauer Hütte – Sulzfl uh 1220 Hm

Entfernung: Latschau – Sulzfl uh 10 km

Gehzeiten: Aufstieg Latschau – Lindauer Hütte 2 Std.,

Lindauer Hütte – Sulzfl uh 4 Std.;

Abfahrt bis Lindauer Hütte 1½ Std., bis Latschau 2 Std.

Beste Jahreszeit: Hoch- und Spätwinter bei sicheren

Verhältnissen

Karte: Landeskarte der Schweiz (mit Skitouren) 1:50 000, Blatt

238 S »Montafon«

Information: Montafon Tourismus GmbH, Montafonerstraße 21,

A-6780 Schruns, Tel. 00 43/55 56/72 25 30, info@montafon.at

Einkehr: Lindauer Hütte (1744 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Sehr anspruchsvolle Skitour

auf der Nordseite über den Rachen zum Gipfel der Sulzfl uh. Unbedingt

gute Aufstiegstechnik mit den Fellen und Schwindelfreiheit

erforderlich. Ebenso bei der Abfahrt gute Technik Voraussetzung

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Rätikon Drusenturm (2830 m)

TIPP

Aufstieg: (Variante 1) Von der Lindauer Hütte südlich haltend

durch den Wald zum Nordhang der Drusentürme. Von dort in

Serpentinen hinauf bis zum Großen Block, an diesem vobei

und nach etwa 200 Hm rechtsquerend zum Bottenloch. Je

nach Schneelage entweder direkt die steile Rinne empor durch

das Botenloch auf den Sporasattel oder rechtsquerend und

exponiert in einem großen Bogen hinauf zum Sporasattel.

Dann durch das riesige Sporatobel gerade empor, bis dieses

immer steiler wird und dann rechtsquerend hinauf in fl acheres

Gelände und über den Gipfelhang westlich haltend zum Gipfelgrat

des Großen Turmes und nach etwa 100 m zum Gipfel.

(Variante 2) Von der Hütte zur Sporaalpe und weiter in Richtung

Westen zum Öfenpass. Nach dem ersten Steilaufschwung im

Öfatobel rechts haltend in Richtung Großer Turm. Weiter durch







Rätikon Geißspitze (2334 m)

















das große Kar des Tiergartens hinauf zum Sporasattel und

weiter zum Gipfel wie bei Variante 1. Von der Variante über den

Tiergarten ist im Frühjahr abzuraten, da die restlichen Schneemassen

auf der darüberliegenden Sporaplatte direkt in den

Tiergarten donnern.

Eisjöchli-Route: Im Öfatobel linkshaltend Richtung Süden

abzweigen. Man sieht nun Stockzahn und Sauzahn direkt

über dem Eisjöchli-Gletscher. Nun genau in Richtung dieser

zwei Zähne aufsteigend direkt vorbei unterhalb der Gelbeck-

Ostwand und in weiterer Folge empor bis unterhalb des Gletschers.

Nun nach links querend auf den Gletscher und über

diesen geradewegs empor. Das Gelände wird nun immer steiler,

je nach Verhältnissen kann man bis zum Beginn der Felsen

mit Fellen aufsteigen. Speziell wenn der Untergrund hart und




Hüttenzustieg: Vom Parkplatz in Latschau der Straße ins

Gauertal folgen. Am Anfang zwei steilere Stücke, dann gemächlich

ansteigend. Nach zwei Dritteln des Weges kann

man die Straße abkürzen. Die Straße ist fast den ganzen

Winter geräumt, da die Hütte im Winter etwa 90 Tage geöffnet

hat; am besten vorher telefonisch anfragen

Lindauer Hütte – Geißspitze: Von der Hütte Richtung

Norden, wo man nach 5 Min. schon den Beginn des Anstieges

am Südhang erreicht. Nun in Serpentinen immer gemäßigt

ansteigend gerade hinauf Richtung Gipfel. Im oberen

Bereich steilt sich der Südhang etwas auf, ansonsten

einfache Spur bis zu einer Schulter etwa 100 Meter unterhalb

des Gipfels. Dann dem Grat entlang zum Joch, an dem

der Golmer Höhenweg vom Kreuzjochgrat und weiter entlang

des Grates zum Gipfel führt. Vom Gipfel hat man einen

fantastischen Rundblick, der im Norden vom Skigebiet

Golm zur Roten Wand, zum Arlberg und zur Silvretta-

Gruppe reicht. Richtung Süden stehen Sulzfl uh, die Drei





















abgeblasen ist, sind Harscheisen unbedingt erforderlich. Die

Schlüsselstelle des Felsriegels löst sich sehr gut auf, da dieser

von einer kleinen Rinne von rechts unten nach links oben

durchzogen ist. Nach etwa 80 Hm gelangt man in fl acheres

Gelände direkt unterhalb der beiden Felszähne. Nun westlich

halten Richtung Gipfel aufsteigend. Etwa 100 m unterhalb des

Gipfelgrates ist nochmals eine heikle exponierte Querung zu

überwinden.

Abfahrt: Zuerst über den Gipfelgrat nach Süden, dann östlich

über den Gipfelaufbau hinunter zum Joch zwischen Kleinem

und Großem Turm. Dann durch das Sporatobel und durch den

Tiergarten hinunter zum Öfatobel und das Tal hinaus zur Sporaalpe

und zur Lindauer Hütte

Peter Mathis





Drusentürme sowie die Drusenfl uh und ganz im Westen der

höchste Rätikongipfel, die Schesaplana (2964 m).

Abfahrt: Vom Gipfel direkt am Grat entlang zur Schulter

unterhalb des Gipfels, um dann den gleichmäßigen Südhang

hinunter zur Lindauer Hütte abzufahren. Von der Lindauer

Hütte auf der Straße das Gauertal hinaus nach

Latschau

Peter Mathis










Panorama: www.peakfinder.org Panorama: www.peakfinder.org

TIPP

Rätikon Sulzfluh (2817 m)

Hüttenzustieg: Vom Parkplatz in Latschau der Straße ins

Gauertal folgen. Am Anfang zwei steilere Stücke, dann gemächlich

ansteigend. Nach zwei Dritteln des Weges kann

man die Straße abkürzen. Die Straße ist fast den ganzen

Winter geräumt, da die Hütte im Winter etwa 90 Tage geöffnet

hat; am besten vorher telefonisch anfragen

Lindauer Hütte – Sulzfluh: Zuerst Abfahrt etwa 1,5 km

entlang des Hüttenaufstiegs durch das Gauertal. Auf Höhe

des Bilkentobels (ca. 1500 m) Felle aufziehen und über

leicht ansteigende Schneefelder Richtung Süden direkt auf

die steile Stufe links der Felswand zu. Den Hang hinauf und

dann rechts haltend durch einen Graben in eine kleine

Mulde. Hier ist die Orientierung besonders schwierig, und der

einzige Weg führt nach links durch sehr steiles Latschengelände

am immer noch steilen Hang. Unterhalb eines Felsriegels

nach rechts queren in einen kleineren Sattel und über

diesen leicht rechts haltend in fl acheres Gelände, genannt

»Auf den Bänken«. Zuerst über die weniger steilen Hänge auf

den Bänken entlang der senkrechten Felswände auf der östlichen

Seite und dann immer steiler hinauf in den Rachen. Bei

schlechten Verhältnissen ist der obere Teil des Rachens öfter

abgeblasen und Harscheisen können von großem Vorteil

sein. Nachdem man den steileren Teil des Rachens hinter

sich gelassen hat, passiert man den Gipfelaufbau der Kleinen

Sulzfl uh, um über fl acheres Gelände den Gipfelgrat und

das Gipfelkreuz zu erreichen.

Abfahrt: Zuerst über den Gipfelgrat Richtung Westen und

dann geradeswegs Richtung Norden durch den Rachen hinunter

zu den Bänken und über die Steilstufe ins Bilkentobel.

Von dort durchs Gauertal hinaus nach Latschau.

Wenn man zurück zur Lindauer Hütte möchte, kann man entweder

bis zur Gauertalstraße auf 1500 Meter abfahren und

von dort zur Hütte aufsteigen oder gleich nach der Steilstufe

westlich haltend durch den Wald zur Lindauer Hütte hinüberqueren.

Peter Mathis

Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Kitzbüheler Alpen Schafsiedel (2447 m)

10

aus Bergsteiger 3/2013

TIPP

aus Bergsteiger 3/2013

Breite Kammtour mit steilem Abschluss

Nach der Erschließung der Wilden Krimml befinden sich die höchsten naturbelassenen Kitzbüheler

somit jetzt über dem weiten Tal der oberen Kurzen Grund-Ache, schräg gegenüber den gleichnamigen

Krimmler Wasserfällen, die aber ins Salzachtal herunter stürzen.

1350 Hm | 1½ Tage

Schneeschuhausrüstung mit

frontal griffigen Schneeschuhen

Talort: Hopfgarten im Brixental (622 m)

Ausgangspunkt: Parkplätze unter- und oberhalb des

Gasthofs Wegscheid (1148 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Auf der Inntalstrecke

nach Wörgl, weiter Richtung Kitzbühel nach Hopfgarten

(Kurswagen Kitzbühel oder umsteigen). Per Bus nach

Kelchsau (790 m) und per Taxi zum Gh. Wegscheid

(sonst gut 6 km Gehen).

Kitzbüheler Alpen Tristkopf (2361 m)

Spritztour mit verwickelter Routenführung

Obwohl der markanteste Gipfel um die Bamberger Hütte, ist der Tristkopf doch der kleinste Berg

über dem plateauartigen Hochtal. Der Aufstieg am Gipfelaufbau ist bei guten Bedingungen spielerisch,

aber bei möglicher Lawinengefahr oder bockhartem Firn duchaus eine alpine Unternehmung.

1230 Hm | 1½ Tage

Schneeschuhausrüstung mit

Alpin-Schneeschuhen, evtl.

Steigeisen

Talort: Hopfgarten im Brixental (622 m)

Ausgangspunkt: Parkplätze unter- und oberhalb des

Gasthofs Wegscheid (1148 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Auf der Inntalstrecke

nach Wörgl, weiter Richtung Kitzbühel nach Hopfgarten

(Kurswagen Kitzbühel oder umsteigen). Per Bus nach

Kelchsau (790 m) und per Taxi zum Gh. Wegscheid (sonst

gut 6 km Gehen).

Gehzeiten: Hütte 1¾ Std., Gipfel 2¾ Std., ins Tal 3 Std.

Beste Jahreszeit: Januar bis März

Karten: Alpenvereinskarte 1:50 000, Nr. 34/1 »Kitzbühler

Alpen/West«; Kompass Wanderkarte 1:50 000, Nr. 28 »Vorderes

Zillertal-Alpbach, Rofan, Wildschönau«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusregion Hohe Salve, Bahnhofstraße

4a, A-6300 Wörgl, Tel. 00 43/53 32/7 60 07,

info@hohe-salve.com , www.hohe-salve.com

Hütte: Neue Bamberger Hütte (1761 m),

Tel. 00 43/6 64/4 55/94 69.

Charakter/Schwierigkeiten: Die leichte bis mittelschwere

ostseitige Route folgt unter leichter bis mittlerer Lawinengefahr

gemächlich einem Rücken zur kurzen Gipfelfl anke.

Gehzeiten: Hütte 1¾ Std., Gipfel 2¼ Std. , ins Tal 2¾ Std.

Beste Jahreszeit: Januar bis März

Karten: Alpenvereinskarte 1:50 000, Nr. 34/1 »Kitzbühler Alpen/

West«; Kompass Wanderkarte 1:50 000, Nr. 29 »Kitzbüheler Alpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusregion Hohe Salve (Region

Hopfgarten-Kelchsau), Bahnhofstraße 4a, A-6300 Wörgl, Tel. 00

43/53 32/7 60 07, info@hohe-salve.com , www.hohe-salve.com

Hütte: Neue Bamberger Hütte (1761 m), bewirtet 23. Dezember

bis März/ Wochenenden bis Ostermontag und Ende Mai bis Mitte

Oktober, 85 Lager (Winterraum 10, AV-Schlüssel), Tel. 00 43/6 64/

4 55/94 69

Charakter/Schwierigkeiten: Nach längerem Zustieg entlang

eines Bacheinschnitts führt die Route sichelförmig um den Felskopf

des Tristkopfs herum, um von hinten den Gipfel zu erreichen. Beste

Sicht auf die Venedigergruppe der Hohen Tauern und die östlichen

Zillertaler Alpen. Hangneigung bis 35 Grad (Nordwest und Ost)

11

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

w

TIPP

Serra de Tramuntana Cap Gros (182 m)

12

aus Bergsteiger 3/2013

Entlang der wunderschönen Steilküste

Diese Küstenetappe zwischen Deià und Sóller verläuft durch eine der schönsten Landschaften der

Serra deTramuntana. Auf dem Weg befindet sich mit dem Refugi di Muleta am Cap Gros eine toll

gelegene Einkehr- und Unterkunftsmöglichkeit.

350 Hm | 5 Std.

normale

Wanderausrüstung

Talort: Sóller (50 m)

Ausgangspunkt: Deià (160 m)

Endpunkt: Sóller (50 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Gute Busverbindungen

von Palma nach Deià und Sóller

Höhenunterschied: auf 350Hm, ab 500 Hm

Kindereignung: ab 8 J.

Gehzeiten: Deià – Muleta 2¾ Std., Muleta – Sóller 2¼ Std.

Beste Jahreszeit: Frühjahr und Herbst. Der Mai ist wegen seiner

Blütenpracht besonders zu empfehlen.

Karte: Mallorca E-25 »Tramuntana Central« 1:25 000

Tourismusbüro: Tourist Info Sóller, Plaça d‘Espanya,

Tel. 00 34/9 71/63 80 08, E-Mail: oitsoller@a-soller.es

Hütten: Refugi Can Boi (160 m) und Refugi Muleta (182 m); alle

Infos zu Öffnungszeiten und obligatorischer Online-Buchung unter

www.conselldemallorca.net/refugis. Zusätzlich zu den Berghütten

gute Unterkunftsmöglichkeiten in Deià (empfehlenswert: Pension

Miramar), Sóller (günstig und zentrumsnah: CH Margerita Trias Vives)

Charakter/Schwierigkeit: Unschwere Küstenwanderung mit

traumhaften Blicken aufs Mittelmeer; bestens markiert

herrscht; der Gipfel kann umgangen werden.

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Kitzbüheler Alpen Schafsiedel (2447 m)

Aufstieg: Östlich über der tief eingeschnittenen Kurze-

Grund-Ache auf Karren- und Fußweg meist durch Wald süd-/

südwestwärts talein bis zu einem Fahrweg (links Option

oben lawinengefährdeter Sommer-/Fahrweg zur Hütte). Auf

diesem kurz weiter zu einer Betonbrücke, dahinter links ab

und rechts eines Bächleins talein zu einem weiteren Fahrweg.

Kurz auf diesem frei, dann durch lichten Wald weiter (rote

Markierungen) und vor einem Felsriegel unter der Materialseilbahn

links queren zum Rand eines freien Kessels.

Südwestwärts über mehrere einen Rücken bildende Stufen

hinauf (weit stehende Kiefern, Felsen) in Richtung eines

westwärts führenden Tälchens. Bei Lawinengefahr vorher

in Rechts-Links-Schleife steil hinauf, auf der Ostseite des

Kammrückens abwärts querend zur freien Schwemmebene

der Kurze-Grund-Ache und rechts von deren Einschnitt hinauf

zur freien Hütte (knapp 650 Hm).

Südwestwärts auf den Sattel gleich hinter der Hütte (neben

Bacheinschnitt) und dahinter im Rechtsbogen durch eine

Mulde hinauf zu einem anfangs schmalen Rücken, dem man

westwärts folgt (rechts Unterer und Mittlerer Wildalmsee verschneit).

Links des Kamms weiter zum Fuß markanter Felsspitzen

(ca. 2200 m), in deren rechter (nördlicher) Flanke es

kurz steil hinauf geht (ca. 30 Hm, evtl. Lawinengefahr). Auf

der Südseite westwärts queren und am linken Rand einer

Senke (Oberer Wildalmsee) hinüber zur Gipfelfl anke. Mäßig

bis relativ steil anfangs rechts eines Rückens aufwärts, in

Kammnähe auf diesen (evtl. Lawinengefahr) und links über

den Kamm zum Kreuz.

Abstieg: Entlang der Aufstiegsroute (kurzer Gegenanstieg)

Christian Schneeweiß

Panorama: www.peakfinder.org





























TIPP

Kitzbüheler Alpen Tristkopf (2361 m)

Aufstieg: Östlich über der tief eingeschnittenen Kurze-

Grund-Ache auf Karren- und Fußweg meist durch Wald süd-/

südwestwärts talein bis zu einem Fahrweg (links Option

oben lawinengefährdeter Sommer-/Fahrweg zur Hütte). Auf

diesem kurz weiter zu einer Betonbrücke, dahinter links ab

und rechts eines Bächleins talein zu einem weiteren Fahrweg.

Kurz auf diesem frei, dann durch lichten Wald weiter (rote

Markierungen) und vor einem Felsriegel unter der Materialseilbahn

links queren zum Rand eines freien Kessels.

Südwestwärts über mehrere einen Rücken bildende Stufen

hinauf (weit stehende Kiefern, Felsen) in Richtung eines

westwärts führenden Tälchens. Bei Lawinengefahr vorher

in Rechts-Links-Schleife steil hinauf, auf der Ostseite des

Kammrückens abwärts querend zur freien Schwemmebene

der Kurze-Grund-Ache und rechts von deren Einschnitt hinauf

zur freien Hütte (knapp 650 Hm).

Kurz südwestwärts auf eine Schulter hinter der Hütte und

rechts des Einschnitts der oberen Kurze-Grund-Ache ca. 1,5

km talein queren Richtung Salzachjoch (Problemstellen an

seitlichen Einschnitten). Ca. 100 Hm unterhalb von diesem

hinter einer Schulter links hinab in den Bacheinschnitt,

hinauf zur linken (östlichen) Talseite und ostwärts leicht

linkshaltend hinauf zum Nadernachjoch (2100m). Östlich

des teils freigeblasenen Nordostrückens (bei Lawinengefahr

auf diesem) des Tristkopfs südwestwärts steil hinauf, unter

dem felsigen Gipfelaufbau links in eine Mulde queren (Lawinengefahr)

und in Rechtsschleife westwärts steil hinauf zu

einer Scharte (südlich) hinter dem Gipfel. Über einen Rücken

nordwärts, die letzten steilen Meter evtl. zu Fuß zum Kreuz

Abstieg: Entlang der Aufstiegsroute (kurzer Gegenanstieg)

Christian Schneeweiß

Panorama: www.peakfinder.org


























TIPP

Serra de Tramuntana Cap Gros (182 m)

Route: Die Tour beginnt auf der Ostseite des Altstadthügels

von Deià. An der Hauptstraße weist ein Holzschild auf den

GR 221 hin. Zunächst noch auf einer Teerstraße geht es ein

Tälchen nach Norden hinab. Der Weg wird zum wunderschönen

Fußweg und durchquert erste Oliventerrassen. Dort, wo man

den Talboden erreicht, weist ein Holzschild nach rechts und

es geht angenehm ansteigend nun nach Nordwesten weiter,

wobei sich bald schöne Blicke aufs Meer bieten.

Man kommt am Anwesen Son Bujosa vorbei und muss danach

ein Stück der Hauptstraße folgen. Sobald man kleine Höhlen

erreicht hat, verlässt man die Hauptstraße und biegt rechts in

einen leicht ansteigenden Weg ab, der zum Dörfchen Son Col

führt. Weiter zur Kapelle Capella de Castellò. Vor der Kapelle

geht man links, um die Hauptstraße Deià - Sóller zu erreichen.

Dieser folgt man kurz nach Norden, um bei einer Kehre rechts

in eine Nebenstraße abzuzweigen. Bald auf Landwirtschaftswegen

bis zu einer Gabelung. Hier links kurz aufwärts, dann leicht

ansteigen auf schönem Fußweg zum Refugi Muleta, das sich

gleich neben dem Leuchtturm des Cap Gros befi ndet.

Nach der Einkehr zurück zur Gabelung und dort der Beschilderung

Sóller folgen. Entlang alter Steinmauern absteigend

zum Talboden. Kurz parallel zur Hauptstraße nach Süden und

nun ein letztes Mal ansteigend an der in Gehrichtung rechten

Talseite entlang. Man erreicht die ersten Häuser von Sóller

und muss nun immer gut auf die Beschilderungen achten. An

einem Kreisel überquert man die Haupstraße Richtung Palma

und wandert nun durch die Vororte zum herrlichen

Hauptplatz von Sóller.

Tipp: Diese Küstenwanderung ist Teil einer viertägigen,

bestens markierten Weitwanderung (GR 221),

die entlang alter, restaurierter Wege den östlichen

Teil des Tramuntana-Gebirges durchquert.

Alle Infos unter: www.conselldemallorca.net

Michael Pröttel

Neben dem Leuchtturm am Cap Gros befindet

sich das Refugi Muleta.

Foto: Michael Pröttel


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AUF TOUR

60 Bergsteiger 03⁄13


Tourenparadies Villgratental

Spur in

die Stille

Das Villgratental in den Hohen Tauern zeichnet sich

vor allem dadurch aus, dass es einiges nicht hat:

Bettenburgen, Skilifte, Après-Ski – all das sucht

man hier vergebens. Stattdessen findet man Ruhe,

Abgeschiedenheit sowie Optionen satt für Ski- und

Schneeschuhtouren. Von Silke Lode


Eine der ernsteren Touren rund

ums Villgratental: der Regenstein

mit Übergang zum Villgraterjoch

Ausgangspunkt diverser Schmugglerpfade:

der kleine Wallfahrtsort Kalkstein

Ein Übungslift zieht

Kinder 320 Meter den

Berg hoch. Mehr Skizirkus

hat das Villgratental

nicht zu bieten.

Wer den Weg ins Villgratental

gefunden hat, der hat sich

locken lassen von all dem,

was es dort nicht gibt. Keine

Seilbahnen, keine Skilifte,

kein Après-Ski, keine bekannten Gipfel,

keine großen Hotels. Im hintersten Zipfel

des Tals zieht ein Übungslift ein paar Kinder

320 Meter den Berg hinauf – mehr Skizirkus

hat das Villgratental nicht zu bieten.

Die Betonung liegt dabei auf Zirkus –

denn für Skitouren- und Schneeschuhgänger

macht gerade das Fehlen einer massentauglichen

Infrastruktur das Villgratental

zu einem Winterparadies. In Sillian im

Hochpustertal, keine fünf Kilometer von

der Grenze zwischen Österreich und Italien

entfernt, zweigt die schmale Straße ins

Villgratental ab. Mal rechts, mal links des

Villgratenbachs führt die Straße in wenigen

Minuten in eine andere Welt.

Wo das Tal ein wenig breiter wird, scharen

sich ein paar Häuser zu den Ortschaften

Außer- (1286 m) und Innervillgraten (1402

m) zusammen, knapp 2000 Menschen leben

hier oben. Noch einsamer geht es in

den Seitentälern zu: Die Almen dort werden

nur im Sommer genutzt oder an Gäste

vermietet. Viele ehemalige Sennerhütten

wurden vorsichtig saniert und haben sich

zu romantischen Zivilisationsrefugien entwickelt,

die als besonderen Luxus fließend

kaltes Wasser, ein Plumpsklo und einen

Holzofen bieten. Sobald Schnee liegt, bieten

die lichten Lärchenwälder, die steilen

Wiesenhänge und das sanfte Almgelände

perfekte Bedingungen zum Skifahren abseits

des Pistenrummels.

Sonnenrast statt Einkehr

Die Schmidhoferalm liegt etwa 500 Höhenmeter

über Innervillgraten, im Sommer

führt ein Almweg in etlichen Kehren

das Einettal hinauf. Im Winter ist von diesem

Weg wenig zu sehen, an zwei alten

Mühlen vorbei führt die Skiroute zu den

fast schwarzen Holzhäusern der Schmidhoferalm.

Die beiden Häuser schmiegen

sich eng an den Hang und sind unter einer

dicken Schneehaube in den Winterschlaf

gefallen. Auf dem Weg zur Villponer Lenke

und weiter zum Hohen Haus (2784m)

kommen zwar einige Wintersportler hier

vorbei, aber längst nicht so viele, dass sich

eine Bewirtschaftung lohnen würde.

Für die fehlenden Einkehrmöglichkeiten

unterwegs gibt es aber jede Menge Entschädigungen,

sonnige Rastplätze vor einer der

Almen zum Beispiel, und natürlich ein ausgiebiges

Frühstück in einem der zahlreichen

kleinen Quartiere im Tal. Die Gipfel

über dem Villgratental lassen sich bequem

innerhalb weniger Stunden besteigen, oft

kann man die Ski direkt hinterm Haus

anschnallen. Nächtliche Auf bruchszeiten

sind hier allenfalls eine Sache der Schlittenfahrer,

die im Flutlicht auf die Rodelbahn

wollen.

62 Bergsteiger 03 ⁄13


Idyllisch: die 1973

Meter hoch gelegene

Kamelisenalm

Fotos: Silke Lode (1), Bergschule Hochpustertal Hannes Grüner (1), TVB-Innervillgraten

Unterwegs sind viele

Spuren des bäuerlichen

Lebens zu sehen, das im

Sommer noch immer den

Alltag bestimmt.

Die Tour aufs Hohe Haus gehört mit knapp

1400 Höhenmetern ab Innervillgraten bereits

zu den längeren Unternehmungen

– zu einem frühen Auf bruch zwingt da

höchsten die Frühjahrssonne, wenn sie

schon wieder so viel Kraft hat, dass der

Schnee sulzig und die Lawinengefahr größer

wird. Unterwegs sind neben den Almen

noch weitere Spuren des bäuerlichen

Lebens zu sehen, das im Sommer bis heute

den Alltag im Villgratental bestimmt. So

tauchen immer wieder sogenannte Herpfen

auf – einfache Holzgerüste, auf denen

das Getreide zum Trocknen aufgehängt

wird. Die schönsten Skihänge ziehen

dann vom Talschluss zu den Gipfeln und

Jöchern hinauf, zur Villponer Lenke zum

Beispiel und weiter zum Hohen Haus.

Auf den Spuren alter Schmugglerpfade ist

man ab Kalkstein unterwegs, einem winzigen

Weiler rund um die Wallfahrtskirche

Maria Schnee. Bis hierher, auf eine Höhe

Morgenstimmung über Innervillgraten

Beste Bedingungen für Skitourengeher

von gut 1600 Metern, führt die Fahrstraße,

die Landesgrenze liegt direkt hinter der

nächsten Bergkette. Auf dem Weg zum

Kalksteiner Jöchl erzählen Tafeln die Geschichte

des »Schmugglersteigs«, auf dem

vor allem in den Jahren nach dem Zweiten

Weltkrieg reger Betrieb geherrscht haben

soll. Lebensmittel, Zigaretten und Tabak

haben von Italien so am Zoll vorbei ihren

Weg nach Osttirol gefunden. In die andere

Richtung, hinüber ins Gsies auf Südtiroler

Grund, wurden vor allem Kühe und Schafe

über die grüne Grenze gebracht, weil für

das Vieh im Nachbartal deutlich höhere

Preise bezahlt wurden.

Die knapp 700 Höhenmeter hinauf zum

Kalksteinjöchl schaffen auch Anfänger in

zwei Stunden. Oben erwartet sie ein fantastischer

Blick hinunter ins Gsieser Tal

und zu den felsigen Gipfeln der Sextener

Dolomiten. Gute Skifahrer können von

hier aus weiter zur benachbarten Kerlspitze

(2612 m) gehen und von dort aus direkt

steil ins Roßtal und zurück nach Kalkstein

abfahren.

Ob mit oder ohne zusätzlichen Gipfelabstecher

wartet unten der Komfort des Lebens

im Tal – allerdings ohne den Rummel,

der sich in anderen Wintersportorten

ausgebreitet hat. Im Villgratental gibt es

weder Discos noch Wellnesstempel, dafür

aber viele kleine Pensionen, Restaurants

und natürlich den Gannerhof. Einen Ruf

weit über das Villgratental hinaus hat sich

die Familie von Alois Mühlmann, die den

Hof aus dem 18. Jahrhundert zu einem

kleinen Hotel umgebaut hat, vor allem

mit ihrer Küche und dem österreichischen

Weinkeller erarbeitet. Der Schlemmerführer

»Gault Millau« adelte den Gannerhof

dafür mit zwei Hauben.

Vor einigen Jahren witzelte ein Villgrater

gegenüber einem Journalisten, der Werbespruch

des Tals laute »Kommen Sie zu

uns – wir haben nichts!«. Längst ist der

Spruch zum inoffiziellen Werbeslogan geworden

– auch wenn er nicht ganz richtig

ist. Allein die ursprüngliche Natur und die

Gastfreundschaft der Familien im Tal sind

schon viel mehr, als andere Orte zu bieten

haben, die zwar an Ökotourismus-Konzepten

feilen, ihre Berge aber seit Jahrzehnten

zubetoniert haben.

Das Maximum an Marketing, auf das sich

die Menschen im Villgratental jemals eingelassen

haben, war eine Bewerbung für

den Zirkel der Bergsteigerdörfer. Mit dieser

Initiative bewirbt der österreichische Alpenverein

ein gutes Dutzend alpine Orte,

die durch »Kleinheit und Ruhe« auffallen,

die ohne Bettenburgen, Seilbahnen und

Schnellstraßen auskommen. Orte, die wie

das Villgratental bergbegeisterte Besucher

in erster Linie durch all das anlocken, was

sie nicht haben.

KOMPAKT

Willkommen in

der Oase der Ruhe

Anreise: ÖV: Mit der Bahn über Salzburg,

Bischofshofen und Spittal-Millstätter See

nach Lienz. Weiter mit der Regionalbahn

nach Sillian und mit dem Bus 8513 ins

Villgratental. Mit dem Auto: Von München in

3½ Std. über Kitzbühel und den Felbertauerntunnel

nach Lienz und weiter Richtung

Sillian ins Villgratental. Oder durch Südtirol

über Bruneck und Toblach nach Sillian.

Beste Jahreszeit: für Skitouren von

Dezember bis März

Informationen: Touristeninformation

Innervillgraten, Gasse 78, A-9932 Innervillgraten,

Tel. 00 43/50 21 23 40,

www.villgratental.com

Karte: Österreichische Karte, 1:25 000,

ÖK25V Nr. 3101-Ost »Sankt Jakob in Defereggen«;

Österreichische Karte, 1:25 000,

ÖK25V Nr. 3102-West »Innervillgraten«

Literatur: »Skitouren und Schneeschuhtouren

im Villgratental«, Hrsg. TVB Osttirol.

Online bestellbar bei der Touristeninformation

Innervillgraten, 9,- Euro

03 ⁄13 Bergsteiger 63


TOUREN

Das Villgratental mit Ski und Schneeschuhen erkunden

Die Gipfel rund um das Villgratental bieten im Winter neben Ruhe und Beschaulichkeit wunderbare

Möglichkeiten für Skitourengeher und Schneeschuhgänger.

1 Kalksteinerjöchl (2326 m)

▶ leicht 2 Std.

690 Hm +10 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz in Kalkstein

(1639 m)

Charakter: Eingehtour ent lang

ei nes alten Schmuggelpfads. Das

Kalksteinerjöchl ist der Übergang vom

Villgratental ins Südtiroler Gsieser Tal.

Route: Forstweg Richtung Alfenalm –

Abzweig nach rechts ins Roßtal – auf

ca. 2050 m nach links etwas steiler

aufwärts – über Mulden und Buckel

zum Joch

2 Toblacher Pfannhorn (2663 m)

▶ mittel 3 Std.

1000 Hm +14 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz in Kalkstein

(1639 m)

Charakter: Aussichtsreiche Tour mit

Blick zu den Dolomiten und den Drei

Zinnen. Die Abfahrt über den etwas

steileren Gipfelgrat lohnt nur bei

gutem Schnee, bei Harsch ab dem

Pfanntörl besser zu Fuß

Route: Forstweg zur Alfenalm – an

der Brücke weiter rechts bis zum

Ende des Alfentals – Steilhang in

fl acheres Gelände – Pfanntörl (2508

m) – links über den Nordwestkamm

zum höchsten Punkt

3 Hohes Haus (2784 m)

▶ leicht 3½ Std.

1220 Hm +12 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz unterhalb

der Höggerhöfe (1560 m) oder direkt

in Innervillgraten (1402 m, dann 150

Hm zusätzlich)

Charakter: Entlang von Mühlen und

Almen über ideale Skihänge zur

Villponer Lenke, dem Übergang vom

Einettal ins Winkeltal. Erst hier sieht

man den Gipfel des Hohen Hauses.

Route: Mit Abkürzungen über den

kurvenreichen Almweg zur Schmidhoferalm

(1909 m) – kurz vor der

Sandkammer (2096 m) links den

Hang aufwärts – Villponer Lenke

(2556 m) – südöstlich, dann südlich

weiter auf den Grat zwischen Hohem

Kreuz und Hohem Haus – links über

den Grat zum Gipfel

4 Gölbner (2943 m)

▶ schwierig 4½ Std.

1450 Hm –

Ausgangspunkt: Eistürme an der

Reiterstube im Winkeltal (1500 m)

Charakter: Schwieriger, selten begangener

Skigipfel mit großartiger Aussicht.

In der Steilrinne zum Platterschartl

Lawinengefahr

Route: Über die Rodelbahn, den Forstweg

und durch lichten Lärchenwald

zur Tilliachalm – den Bach queren und

über den linken Hang bis auf ca. 2300

m – Skidepot – über den Südgrad in

leichter Kletterei zum Gipfel

5 Rotes Ginggele (2763 m)

▶ mittel 4 Std.

1270 Hm +14 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz bei den

Lifter-Höfen (1498 m)

Charakter: Formschöner Skiberg

mit abwechslungsreichem Zustieg

über die Kamelisenalm, die mit ihrer

hölzernen Kapelle zu den schönsten

Almen im Villgratental gehört.

Route: Rechts über die Brücke

und über sehr steile Wiesen zum

Fürathof (1686 m) – steil hinauf zum

nächsten Forstweg – Kamelisenalm

(1973 m) – dem Bach folgen – nach

links über eine Brücke – steil bis zur

obersten Heuhütte – queren bis zu

Mulde unter dem Gipfel – nicht über

die Gipfelfl anke aufsteigen, sondern

in einem Bogen zur Tschoppaslenke

– Skidepot am Vorgipfel, über den

Nordgrat zum höchsten Punkt

6 Hochgrabe (2951 m)

▶ mittel 4 Std.

1400 Hm +14 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz unterhalb

der Höggerhöfe (1560 m) oder direkt

in Innervillgraten (1402 m, dann

150 Hm zusätzlich)

Charakter: Firnabfahrt über die Südseite

des dritthöchsten Gipfels der

Villgrater Berge. Lange Frühjahrstour

mit toller Aussicht

Route: Bis zu den letzten Heuhütten

vor der Sandkammer – Wegweiser

Hochgrabe, hier links südseitig steil

ansteigen – Hirtenhütte (2400 m) –

hier nach links in fl acheres Gelände,

über eine kurze Steilstufe nach rechts

zu den Sieben Seen (2566 m) –

steiler Hang zum Nordwestgrat – mit

einmal kurz abklettern zum Gipfel

7 Oberstalleralm (1864 m)

▶ leicht 2½ Std.

370 Hm +10 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz am letzten

Hof im Arntal (1498 m, Schranken)

Charakter: Leichte Schneeschuhwanderung

im fl achen Gelände

Route: Der Almstraße 1 km taleinwärts

folgen – bei der Weggabelung

links – leicht abwärts, über die Brücke

(1575 m) – vorbei am Sinkersee

– über die nächste Brücke zurück auf

die Straße und über die Unterstallerzur

Oberstalleralm

8 Zollhütte am Pürglers

Kunke (2329 m)

▶ mittel 4½ Std.

700 Hm +14 J.

Ausgangspunkt: Parkplatz in Kalkstein

(1639 m)

Charakter: Gemütlicher Anstieg über

einen fl achen Almweg zur Zollhütte.

Achtung, Lawinengefahr auch unterhalb

der Waldgrenze

Route: Auf dem Almweg an der Alfenalm

vorbei – nach der Brücke rechts

dem Bach folgen bis zu einer Schranke

– Talweg nach rechts verlassen, in

Kehren bis zur Waldgrenze – an der

letzten Heuhütte nach links queren,

weiter zur alten Zollhütte

9 Volkzeiner Hütte (1884 m)

▶ leicht 3 Std.

300 Hm +10 J.

Ausgangspunkt: An der Niederbruggeralm

(1600 m) im Winkeltal

Charakter: Gemütliche Talwanderung

vorbei an malerischen Almhütten

Route: Ohne Orientierungsschwierigkeiten

über die Almstraße zur

Volkzeinerhütte (im Winter nicht

bewirtschaftet)

10 Tilliachalm (2030 m)

▶ leicht 3½ Std.

530 Hm +12 J.

Ausgangspunkt: An der Reiterstube

im Winkeltal (1500 m)

Charakter: Schneeschuhwanderung

über Forststraße durch steiles

Gelände

Route: Über die Rodelbahn bis zur

letzten Kehre vor der Starthütte – an

der Abzweigung rechts halten, an der

nächsten links und der Almstraße

folgend zur Tilliachalm

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

64 Bergsteiger 03 ⁄13


3. Berchtesgadener Land

Wander-Festival

30. August – 1. September 2013

24 Stunden Wandern –

Dranbleiben und Genießen

24 Stunden alpin Classik (ca. 2.600 Hm, ca. 56 km)

Die Strecke führt ab Berchtesgaden Richtung Königssee und hinauf zur ersten Station (Kühroint-Alm),

weiter geht‘s zum Watzmannhaus (1.930 m), von dort abwärts zur Wimbachbrücke und weiter nach

Ramsau, durch den Zauberwald, um den Hintersee und Taubensee, hinauf zur Mordaualm (mitternächtliches

Highlight), über Loipl und Hochschwarzeck zum Toten Mann (Sonnenaufgang mit Bergmesse); Finisher-Frühstück

bei Ankunft in Berchtesgaden.

Preis: 99,- Euro

24 Stunden alpin Spezial (ca. 3.050 Hm, ca. 61 km)

Die gleiche Streckenführung mit zeitlichem Versatz zur 24 h alpin Classik. Diese Spezial-Variante für den

ambitionierten und fitten Bergsteiger führt zum Gipfel des Watzmann Hocheck, über Serpentinen und

leichte Felskletterstellen bis zum Gipfelkreuz (2.651m). Die Teilnehmer genießen alle Inszenierungen der

24 Stunden Tour alpin Classik. Preis: 119,- Euro

NEU – 24 Stunden Genuss (ca. 1.500 Hm, ca. 60 km)

Für Einsteiger in das Ausdauer-Wandern bietet sich die 24 Stunden GENUSS-Tour an: Streckenführung (gut

zu gehende Wege) quer durch das Berchtesgadener Land mit viel Zeit, die Bergwelt ausgiebig zu genießen.

In der Nacht sind ebenso Inszenierungen wie bei den alpin-Varianten eingeplant. Preis: 119,- Euro

Weitere außergewöhnliche

Themenwanderungen…




präsentiert von

Alle Infos unter:

www.bglt.de/wanderfestival

Veranstalter:

grassl event & promotion services gmbh

Holzengasse 26

83486 Ramsau bei Berchtesgaden

Telefon: +49-8657-98352-0

info@grassl-eps.de

Tickets:

OUTDOOR CLUB · www.outdoor-club.de

Telefon: +49-8657-98352-0


AUF TOUR

SERIE: Hüttenzauber

TEIL 4: Neue Bamberger Hütte

HÜTTENZAUBER

Der Tristkopf ist zwar

nicht der höchste, aber

der markanteste Gipfel

im Tourengebiet Neue

Bamberger Hütte.

Die Neue Bamberger Hütte in den

Kitzbüheler Alpen ist der perfekte

Stützpunkt für Schneeschuhtouren.

Sie soll sogar noch besser werden.

Von Christian Schneeweiß

Komfort

statt Hüttenkoller

An einen Hügel geduckt

verspricht das Holzhaus auf

steinernen Grundmauern

Wohlfühlatmosphäre.

Der Fußballkaiser Franz Beckenbauer

wusste schon immer, wo es

sich gut leben lässt: in den sanften

Kitzbüheler Alpen mit nur teils

bewaldeten Bergen und weiten,

oft bis ins Tal reichenden Almflächen. Ein

perfektes Revier für alternde Stars, Romantiker

– und Schneeschuhwanderer. Sie zieht

es meist noch etwas höher hinaus, beispielsweise

zu den bereits mit Felsen bestückten

Gipfeln oberhalb der Kelchsau im Süden der

Kitzbüheler Alpen, die sie nur mit einigen

Skitourengehern teilen müssen. Freilich ist

das Panorama der reinste Genuss, denn die


Absprung ins Wintermärchen:

Die Kitzbüheler Berge

sind ein geniales Revier für

ein langes Wochenende.

KOMPAKT

Hütteneinmaleins

Alle Fotos: Bernd Ritschel

umliegenden Gebirgsgruppen sind höher

und wilder als die Kitzbüheler Alpen. Aber

was wäre diese Gegend ohne die Neue Bamberger

Hütte!

Alter Griesgram, neue Zeit

Die bestens geführte Unterkunft liegt inmitten

zahlreicher Skitourengipfel auf 1761 Metern

und ist als eine der wenigen Hütten für

Wintertouren schon ab Weihnachten bewirtet.

Nach dem buckligen Zustiegsweg über

der Kurzer-Grund-Ache, – er ist deutlich

kürzer als der alternative Fahrweg – zweigen

so viele Spuren ab, dass man im Angesicht

der an einem Hügel geduckten Holzhütte

erleichtert aufatmet.

Einst hat hier ein griesgrämiger Prinzipienreiter

von Wirt residiert, bei dem man keinesfalls

den Hüttenschlafsack vergessen durfte,

um nicht auf ewig in Ungnade zu fallen.

Doch das ist viele Jahre her. Der jetzige Wirt,

Robert Fuchs, und dessen Team sind gesellig,

das Essen schmackhaft und bei der üblichen

Halbpension täglich anders. Entsprechend

entspannt ist die Abendstimmung, während

die meist von Kelchsau heraufgekommenen

Schneeschuhwanderer und Skitourengeher

eifrig mit der Tourenplanung von morgen beschäftigt

sind. Der Wirt steht dabei mit Rat zur

Seite; der aktuelle Lawinenlagebericht hängt

selbstverständlich aus. Fuchs meint: »Auch

wir müssen uns der neuen Zeit anpassen. Die

Wünsche nach mehr Komfort sind groß.«

Lage: Südlich von Kelchsau

im Gemeindegebiet

Hopfgarten im Brixental in den

südlichen Kitzbüheler Alpen

Anfahrt: Öffentliche Verkehrsmittel:

Von München mit

der Bahn auf der Inntalstrecke

Richtung Innsbruck nach

Wörgl und weiter Richtung

Kitzbühel nach Hopfgarten

(Kurswagen Kitzbühel oder

umsteigen). Per Bus nach

Kelchsau (790 m) und per

Taxi zum Gasthof Wegscheid

(ansonsten gut 6 km Gehen).

Auto: Von München auf der

Inntalautobahn zur Ausfahrt

Kufstein-Süd (bis hier

keine Vignette) und über die

B171, B312 und B170 nach

Hopfgarten im Brixental. Am

südlichen Ortsende nach

Um diesen Wünschen gerecht zu werden,

soll die Hütte demnächst renoviert werden.

Schon heute haben die Räume der Bamberger

Hütte nur noch zwischen fünf und 14

Schlafplätze, aber sie erinnern eben noch immer

ein wenig an Matratzenlager. In Zukunft

sollen richtige Zimmer, ein Trockenraum für

die durchnässte Kleidung der Besucher und

ein Schulungsraum für Kurse zur Verfügung

stehen. Nicht unbedingt größer, aber moderner

wünscht sich der Freizeitalpinist des

21. Jahrhunderts seine Unterkunft. »Die Zeit

bleibt nicht stehen«, sagt Fuchs. Wann genau

der Umbau vonstatten gehen soll, weiß selbst

der Wirt nicht genau: »Das hängt davon ab,

wie schnell es die Verantwortlichen auf die

Reihe bekommen.«

dem Bahnhof rechts über

die Brixentaler Ache, durch

ein Seitental nach Kelchsau,

weiter bis zum Kraftwerk und

links talauf durch den Kurzen

Grund zum Gasthof Wegscheid

(1148 m, evtl. Schneeketten).

Zugänge: Norden: Vom Gasthaus

Wegscheid über die kürzere

Skitourenroute lawinensicher

zur Hütte, 2 Std. Süden:

Durchs Zillertal über Gerlos

zur alten Gerlospass-Straße

Richtung Wald im Salzachtal.

Von Fahrwegabzweig (1450 m)

talauf zum Salzachjoch (1983

m) und am Kurzer-Grund-Bach

abwärts zur Hütte, 3 Std.

Karten: AV-Karte 1:50 000,

Nr. 34/1 »Kitzbühler Alpen/

West mit Skirouten«

Kapazität: 75 Lager in Räumen

mit 5 bis 14 Matratzen

sowie 10 Notlager

Öffnungszeiten: 23.

Dezember bis März/an

Wochenenden bis Ostermontag;

Pfi ngstsamstag bis Mitte

Oktober

Wirt und Adresse: Robert

Fuchs, Kurzer Grund 28,

A-6361 Kelchsau

Tel. 00 43/6 64/4 55 94 69

E-Mail: bambergerhuette@

crnsat.net

Internet: www.alpenvereinbamberg.de/huetten.htm

Stromversorgung:

Wasserkraft und Notaggregat

mit Dieselmotor

Abwasserentsorgung:

Halbbiologische Kläranlage,

deren Feststoffe im Sommer

ins Tal gefahren werden.

An der Umgebung muss jedenfalls nichts modernisiert

werden. Sie bleibt zeitlos schön.

Auf der Anhöhe hinter der Hütte schweift

der Blick über ein gleißend weißes Hochtal

von skandinavisch anmutender Weite, in

dem man mindestens ein Wochenende verbringen

sollte – mit Routen von bequemen

600 bis 850 Höhenmetern, wobei Konditionsbolzer

je eine Vor- und Nachmittagstour hinlegen

können. Während die für sportliche

Schneeschuhgänger wie geschaffenen Westflanken

überm Einschnitt der oberen Kurzer-Grund-Ache

vom Kröndlberg (2440 m)

bis zum Tristkopf (2361 m) in der Nachmittagssonne

glänzen, warten auf der anderen

Seite quadratkilometerweise mäßig geneigte

und gewellte Schneerücken und -hänge

03 ⁄13 Bergsteiger 67


TOUREN

Die Hänge rund um die

Hütte bieten Touren für

jede Tageszeit.

Schneeschuhtouren rund

um die Bamberger Hütte

Die Kitzbüheler Alpen bieten tolle Hänge für Genießer.

Könner beweisen sich an Tristkopf unf Salzachgeier.

1 Schafsiedel (2447 m)

▶ mittel 4 Std.

700 Hm + 13 J.

Die ostseitige Route folgt unten

gemächlich, oben anspruchsvoller

einem Rücken mit bester Sicht auf

die Kitzbüheler Wiesenberge und

Berchtesgadener Felsberge.

Ausgangspunkt: Bamberger Hütte

(1761 m)

Route: Unterer Wildalmsee –

Südostrücken – Spornumrundung

– Oberer Wildalmsee

– Gipfelhang – Kreuz

und Gipfel – retour

2 Stanglhöhe (2276 m)

Tourenkarte 10

Heftmitte

▶ mittel 4 Std.

530 Hm + 11 J.

Die knapp mittelschwere, großteils

nordseitige Route folgt einer langen

Hangterrasse in pulversicherer Winterlandschaft.

Der Abschlussaufstieg

ist sonnseitig, der Gipfel wenig besucht.

Talabstieg via Manzenkaralm

Ausgangspunkt: Bamberger Hütte

(1761 m), Endpunkt Tal

Route: Unterer Wildalmsee – Querung

Hangterrasse – Manzenkar

– Aufstieg Stanglspitze – Abstieg

Manzenkaralm – Zustiegsroute – Gh.

Wegscheid

3 Tristkopf (2361 m)

▶ schwierig 3¾ Std.

630 Hm + 15 J.

Der markanteste Berg um die Bamberger

Hütte ist steil und schwierig

(Alpinschneeschuhe! Lawinengefahr;

bei Firn Absturzrisiko). Die Route

führt sichelförmig um den Felskopf

mit Sicht auf die Venedigergruppe

herum.

Ausgangspunkt:

Bamberger Hütte (1761 m)

Route: an Kurzer-Grund-Ache 1,5

km talein – südostwärts hinauf –

Tourenkarte 11

Heftmitte

Zum Salzachgeier bricht man am besten früh morgens auf.

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

68 Bergsteiger 03 ⁄13

Nadernachjoch

(2100m) – Nordostrücken

– Flankenquerung

– Gipfel von Süden – und

wieder retour

4 Rosswildalm (ca. 2240 m)

▶ leicht 3 Std.

500 Hm + 10 J.

Der nur mäßig steile bis fl ache

Aufstieg über den breiten Rücken der

Roßwildalm zum Abschlusskessel ist

wie gemacht für Schneeschuhwanderer.

Der Gipfelgrat der Aleitenspitze

(2449 m) ist eher etwas für Bergsteiger

(trittsicher, schwindelfrei).

Ausgangspunkt: Bamberger Hütte

Route: an Kurzer-Grund-Ache 1 km

talein – westwärts auf Rücken – südseitig

ausweichen – nordwestwärts

aufwärts – Kessel (nordwärts hinauf –

Südostgrat Aleitenspitze) – retour

5 Fünfmandling (2403 m)

▶ mittel 5 Std.

700 Hm + 13 J.

Die relativ wenig begangene Route

führt recht verzwickt über Rücken und

durch einen Taleinschnitt zum Kessel

des Salzachursprungs. Zum Kamm

geht es ohne Angstschweiß, zum

Gipfel zu Fuß.

Ausgangspunkt: Bamberger Hütte

(1761 m)

Route: an Kurzer-Grund-Ache

1,5 km talein – westwärts Rücken

aufwärts – fl ach – Schwebenboden

(2052 m) – talauf (Talaufteilung

rechts) – Kamm – Gipfel zu Fuß

6 Salzachgeier (2466 m)

▶ schwierig 6 Std.

850 Hm + 15 J.

Die Tour zum Salzachgeier an den

Quellbächen der Salzach ist die

längste, höchste und anspruchsvollste,

denn nach langem Dahinwatscheln

verlangt der Südostgrat evtl.

Steigeisen an den Bergschuhen und

Einsatz der Hände. Gegenanstiege

Ausgangspunkt: Bamberger Hütte

Route: an Kurzer-Grund-Ache talein

– Salzachjoch (1983 m) – westwärts

aufwärts – Steilstufe zu Hochtal –

Südostgrat zu Fuß – Ostgipfel – retour


Für viele das

Beste am Hüttenausflug:

Speckknödel

mit Sauerkraut

Fast noch besser als

Speckknödel: das

Panorama

zwischen Schafsiedel (2447 m) und Salzachgeier

(Ostgipfel 2466 m) auf eine Begehung

in der Morgensonne: Nicht umsonst gehört

die Umgebung der Neuen Bamberger Hütte

mit ihrem Mix aus sanft geneigten Hängen

und nahezu alpinen Herausforderungen zu

den schönsten und beliebtesten winterlichen

Tourenrevieren der Kitzbüheler Alpen.

Genusstouren über der Hütte

Die gleich bei der Hütte beginnende Tour

zum Schafsiedel (2447 m) steigt beispielsweise

mit anfangs breitem, sonnseitigem Rücken

zwischen den runden Schneeflächen

der Wildalmseen und einem tief eingeschnittenen

Tal an. Langsam entfaltet sich die Kitzbüheler

Szenerie mit den Winterklassikern

des nahen Lodronkamms zum Steinbergstein

(2215 m) oder des abwechslungsreichen

Brechhorns (2032 m) neben dem markantesten

Kitzbüheler Gipfel, dem Großen Rettenstein.

Oben angekommen interessiert nur

noch das Prachtpanorama der mauerartigen

nördlichen Kalkketten vom Berchtesgadener

Land über den Wilden Kaiser bis zum Karwendelgebirge.

Auf der östlichen Seite des Hochtals sticht dagegen

wie eine Schneeburg mit felsigem Giebeldach

der anspruchsvollere Tristkopf (2361

m) heraus. Für die Schweißperlen und den

steilen, teilweise lawinengefährdeten Aufstieg

entlohnt bei einer Brotzeit mit Schnapsstamperl

in der Höhensonne der Blick auf die

weiße Pyramide des Großvenedigers (3666

m). Und man möchte mit keinem Kaiser der

Welt tauschen.


Die Falkenhütte, im Hintergrund die Laliderer Wände

Meine Lieblingshütte:

Falkenhütte, Karwendel

Von BERSTEIGER-Leser Rudolf Landskron

aus Olching

Foto: DAV-Sektion Oberland

Die Falkenhütte im Karwendel ist

meine Lieblingshütte. Ein Grund ist

natürlich die herrliche Lage: Auf der

einen Seite die steilen Felsen der eindrucksvollen

Laliderer Wände, auf der anderen

von der Sonne beschienene Grashänge. Zu

Fuß ist sie relativ problemlos von der Eng

oder Hinterriß aus zu erreichen. Zudem

habe ich ein besondere Beziehung zu der

Unterkunft. Seit 1986 bin ich auf der Hütte

jeden Sommer ein paar Tage als Maler tätig.

Dazu werden dann auch meine Bergkameraden

und Freunde zum Kommen aufgefordert.

Zur Belohnung ersteigen wir den

ein oder anderen weit mehr als 2000 Meter

hohen Gipfel rings um die Hütte. Für das

leibliche Wohl sorgen Fritz und Ursula ausgezeichnet.

Schon alleine deshalb lohnt ein

Besuch allemal.

Steckbrief:

Falkenhütte,

Karwendelgebirge

Lage: zwischen Karwendelhaus

und Engtal auf

1848 m im Karwendel

Schlafplätze: 28 Betten,

120 Lager

Kontakt:

Tel. 00 43/52 45/2 45

www.falkenhuette.at

Öffnungszeiten: Juni bis

Mitte Oktober

Schicken Sie uns Ihre Lieblingshütte

per Post oder an

bergsteiger@bruckmann.de!

Es gibt Preise…

03 ⁄13 Bergsteiger 69


AUF TOUR

Auch im Winter ist

die Partnachklamm

mit dem richtigen

Schuhwerk gut zu

begehen.

70 Bergsteiger 11⁄12


SERIE: GeoTop-Touren in den Alpen

Teil 11: Durch die Partnachklamm zur Partnachalm

Stetes

Wasser höhlt

den Stein

Fließendes Wasser formt Gestein; weiches Gestein

mehr, hartes Gestein weniger. Welche Kräfte da

wirken, kann man in der Partnachklamm recht anschaulich

sehen. Von Ulrich Lagally (Geologie)

und Siegfried Garnweidner (Tour)

Winterwanderer bestaunen die gigantischen

Eiszapfen in der Partnachklamm.

Fotos: Siegfried Garnweidner

Solange die globale Klimaveränderung

uns kalte Winter mit knackigen

Kälteperioden nicht vermiest,

gibt es am Rande des Wettersteingebirges

eine ganz besondere Attraktion

zu erleben. Sie ist leicht zu erreichen,

erfordert keine besonderen alpinen

Fähigkeiten, und viel Kraft oder Ausdauer

kostet sie auch nicht: die Partnachklamm,

die im Sommer ziemlich überlaufen ist.

Oder sollte man besser »durchlaufen« sagen?

Erstaunlicherweise kommen im Winter

nur wenige Besucher. Dabei ist die Klamm

auch während der kalten Jahreszeit zugänglich.

Der Klammsteig ist gepflegt, gestreut,

nahezu eisfrei, und Eisschlag muss man

trotz kirchturmhoher Eiszapfen auch nicht

befürchten. Nur kalt muss es sein, damit

die Klamm mit ihren winterlichen Attraktionen

zur vollen Geltung kommen kann.

Es muss nicht einmal schönes Wetter herr-

schen. Sonnenlicht verirrt sich in die enge

Klamm sowieso fast nie und wenn, dann

nur für kurze Zeit und an wenigen Stellen.

Wer nach der viertelstündigen Wanderung

vom Olympia-Skistadion in Garmisch-

Partenkirchen auf der Wildenauerstraße

hinter dem Kassenhäuschen die finstere

Klamm betritt, wird vermutlich erst einmal

sprachlos sein. Vom sicheren Steig auf

der linken Seite der tief eingeschnittenen,

wild rauschenden Partnach erfassen die

staunenden Blicke eine Naturlandschaft

von atemberaubender, bizarrer Schönheit.

Bläulich schimmernde Eiszapfen hängen

vom oberen Rand der tiefen Schlucht frei

bis ins Wasser hinab. Noch aufregender

werden die Eisgebilde, wenn das Tropfwasser

auf seinem Weg nach unten auf die markanten

Felsenwände stößt. Dann erstarrt es

am Fels, bevor es den Wildfluss erreichen

kann. Skurrilste Formen aus Eis in einer

Vielfalt und Pracht sind die Folge, wie

KOMPAKT

Partnachalm durch

die Partnachklamm

(983 m), Wetterstein

Charakter: Einfache, den ganzen Winter

über mögliche Wanderung, bei der es keine

Minute langweilig wird.

Anforderungen: Auf dieser leichten

Wanderung ist normalerweise nicht mit

Schwierigkeiten zu rechnen.

Ausgangs-/Endpubkt: Skistadion in

Garmisch-Partenkirchen (709 m)

Koordinaten: Breite N 47.4822398555°

Länge E 011.1181498133°

Hütte: Partnachalm (983 m)

Gehzeit: 2½ Std. (Aufstieg 1½ Std.;

Abstieg 1 Std.)

Karte: Kompass 1:50 000, Blatt 5

»Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet«

Tourenkarte 1

Heftmitte

03 ⁄13 Bergsteiger 71


Bei großer Kälte

gefriert das

Tropfwasser

zu bizarren

Eisformen und

-zapfen.

Aufstieg von der Klamm zur Partnachalm

Fotos: Siegfried Garnweidner

Das winterliche Gelände um die Partnachalm

Quelle: © Bayerisches Landesamt für Umwelt

Klammbildung

Klammen liegen oft an Geländestufen,

die von Gletschern geschaffen

wurden. Sie entstehen,

wenn Eismassen die Haupt- und

Nebentäler unterschiedlich

stark ausschürfen. Flüsse überwinden

den entstandenen Höhenunterschied

zunächst als

Wasserfälle, im Lauf der Zeit

schneiden sie sich jedoch in den

Fels ein. Ist das Gefälle des Flusses

stark, dann besitzt er eine ho-

he Fließgeschwindigkeit. Wenn

sein Wasser auf ein sehr widerstandsfähiges

Hindernis trifft,

wirkt die gesamte Erosionskraft

nach unten und es entsteht die

typische Talform einer Klamm

mit senkrechten Wänden. Sofern

das Gestein weicher ist, tritt in

unterschiedlichem Maße auch

Seitenerosion auf. Dadurch

kann es zur Entstehung einer

Schlucht, eines Kerbtales oder

flachen Muldentals kommen.

a) Klamm b) Schlucht c) Kerbtal

Abhängig von Gefälle des Gewässers und anstehendem Gestein entstehen

unterschiedliche Talformen.

sie Menschenhand nicht schaffen könnte.

Am oberen Ende der Klamm ist die Wanderung

noch nicht zu Ende. Wer will, kann

aus dem Besuch der Partnachklamm eine

nette Rundwanderung machen. Selbst

wenn der Schnee meterhoch liegt, ist dies

möglich, denn die Wege sind geräumt und

gut begehbar. Man folgt vom KIammausgang

dem Wanderweg in südlicher Richtung

durch das nun breite Tal der Partnach,

hält sich bei der beschilderten Verzweigung

rechts, quert auf einem Steg den Fluss und

taucht in lichten Wald ein. Der gute Pfad

steigt nicht zu steil in Kehren über einen

Waldhang an, windet sich schließlich über

freies, aussichtsreiches Gelände direkt auf

die Bergwirtschaft Partnachalm zu.

Während der Rast kann man sich entscheiden,

ob man eine sportliche Rodelabfahrt

riskieren will; Schlitten gibt es auf der Alm

zu leihen. Wer weniger mutig ist, geht zu

Fuß auf der langen, zwischendurch ziemlich

steilen Rodelbahn nach Norden bis

zum Partnachkraftwerk hinab und zum

Ausgangspunkt zurück.


IM NÄCHSTEN HEFT: Teil 12: Untersberger Marmor

am Salzburger Hochthron

72 Bergsteiger 03⁄13


Grafi ken: © Bayerisches Landesamt für Umwelt

Garmisch

Partnach

1km

N

GEOTOP

So entstand die Partnachklamm

Die Partnach durchschneidet

am Nordfuß des Wettersteingebirges

auf einer Länge von

700 Metern ein mächtiges

Gesteinspaket aus dem frühen

Erdmittelalter. Damals, vor

etwa 240 Millionen Jahren, entstanden

die Schichten in einem

fl achen Meer, in dem Unmengen

von Muscheln, Schnecken

und anderen Lebewesen mit

kalkigen Schalen siedelten. Als

die Tiere starben, sanken ihre

Kalkgehäuse auf den Meeresgrund

und es bildeten sich dort

mächtige, von den Geologen

früher als »Alpiner Muschelkalk«

(heute Steinalmkalk und

Reifl inger Kalk) bezeichnete

Ablagerungen. Im Laufe der folgenden

Jahrmillionen führte der

Druck von darüber liegenden

Gesteinsschichten dazu, dass

die Sedimente das Wasser

verloren und sich verfestigten.

Durch spätere Bewegungen der

Erdkruste gelangten sie wieder

– nun als hartes Gestein – an

die Erdoberfl äche, wo wir heute

ihren stummen Erzählungen

lauschen können.

Als charakteristisches Merkmal

weisen die dunkelgrauen Kalksteine

häufi g unebene, wulstige

Schichtfl ächen auf. Sie berichten

uns von den Wühl- und

Fressgewohnheiten der damals

am Meeresgrund lebenden Tiere.

Derartige Lagen bezeichnet man

als »Wurstelbänke«. Über ihnen

liegen die Partnachschichten,

Hebung

ebenfalls dunkelgraue Gesteine

mit einzelnen Kalkbänken.

Da sie neben dem Kalk einen

deutlichen Tonanteil aufweisen,

nennt man sie Mergel(steine).

Sie bildeten sich vor ungefähr

235 Millionen Jahren in demselben

Ablagerungsraum wie

der Alpine Muschelkalk. Durch

starken Druck der von Süden

heranrückenden afrikanischen

Kontinentalplatte wurden später,

als die Alpen entstanden, die

Gesteinsserien intensiv gestaucht.

Südlich einer Linie,

die von Grainau nach Wallgau

verläuft, bog sich so der Wamberger

Sattel auf. Den Kern

dieser Struktur bildet der harte

Alpine Muschelkalk, darüber

liegen die wegen ihres Tonanteils

weicheren Partnachschichten.

Während des Eiszeitalters gaben

Wasser und Eis dem Gebiet

schließlich ein völlig neues Gesicht.

Wo die Partnachschichten

nahe der Erdoberfl äche lagen,

wurden sie von der Erosion

schnell abgetragen. Ihre Unterlage

leistete jedoch erheblichen

Widerstand. Schließlich gelang

es der Partnach aber doch, den

Riegel aus harten Kalksteinen

zu bezwingen und im Laufe der

Zeit eine nur wenige Meter breite,

heute 86 Meter tiefe Klamm

einzufräsen. Jenseits dieses

Hindernisses konnte der Fluss

in den weicheren Schichten ein

viel breiteres Bett anlegen.

Wambacher Sattel

Schub /

Kompression

Die Faltenstruktur des Wamberger Sattels weist eine steile

Südflanke auf, nach Norden verflachen die Schichten. Den

Kern bilden die harten Kalksteine im Zentralteil der Klamm.

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AUF TOUR

SERIE: Mit der Familie in die Berge

TEIL 10: Schneeschuhgehen im Karwendel

Familien-TIPP

Auf großem Fuß

Kleine Auflockerung bei

der Schneeschuhtour:

ein Wettlauf zwischen

Mutter und Sohn

Die Tour darf nicht zu weit und nicht zu

schwierig sein, sonst verlieren Kinder sofort

die Lust. Wer aber mit Schneeschuhen über

Wald- und Wiesenwege läuft und unterwegs

immer wieder Spiele einbaut, wird mit seinen

Kindern einen großartigen Tag in der

Natur erleben. Von Claudia Steiner


Kein Ausflug ohne Schneemann:

Norah und Kilian mit

ihrem Werk und ihrer Mutter

TIPP

Ausrüstungsberater:

Schneeschuhwandern

mit Kindern

○ Kinderschneeschuhe sind kleiner und

auf ein geringeres Gewicht ausgerichtet.

Da die Bindungen – wie bei Erwachsenen-

Schneeschuhen – angepasst werden können,

können die Schneeschuhe mehrere Jahre

»mitwachsen«. Die kleinsten Modelle passen

ca. ab Schuhgröße 24. Es gibt verschiedene

Kinderschneeschuhmodelle ab ca. 70 Euro.

○ Schuhe: Die Schuhe zum Schneeschuhwandern

sollten über den Knöchel gehen und

wasserdicht sein.

○ Stöcke: Höhenverstellbare Wanderstöcke

○ Kleidung: Achten Sie auf wasserdichte,

atmungsaktive Kleidung und warme Handschuhe,

denn Kinder wollen nicht nur

wandern, sondern auch mal einen Hang

runterrutschen, einen Schneemann bauen

oder während einer Wanderpause eine

Schneeballschlacht machen.

Unsere Tour ist tierisch schön.

Noch bevor wir die Schneeschuhe

anschnallen, besuchen

wir das Hirschgehege (Bauhof)

in Weng unweit von Stans. Der

Jäger hält hier einige Rehe und Hirsche in

einem großen Gehege. Meine Kinder Norah

(4) und Kilian (8) stehen mit respektvollem

Abstand am Zaun und betrachten die

stattlichen Tiere mit ihren riesigen Geweihen.

»Sind die aber groß«, sagt Norah und

greift vorsichtshalber nach der Hand ihres

großen Bruders. Dann schnallen wir uns

die Schneeschuhe an. Kilian kann mit seinen

Riesenfüßen (Schuhgröße 38) schon

Erwachsenen-Schneeschuhe tragen. Norah

bekommt kleinere, kürzere Kinderschneeschuhe.

»Ihr müsst ein bisschen breitbeinig laufen«,

sagt unsere Bergwanderführerin Edith.

»Sonst steigt ihr euch selbst immer wieder

auf die Schneeschuhe und stolpert.« Kilian

stapft zielstrebig und ohne Probleme durch

den tiefen Schnee. Bei Norah braucht es

ein paar Meter, bis sie mit den Schuhen

zurechtkommt. Sie plumpst immer wieder

mal in den Schnee. »Hoppla«, ruft sie,

lacht, steht wieder auf und stapft weiter.

Sie ist mächtig stolz, dass sie so eine tolle

Ausrüstung hat. Vor allem die Stöcke haben

es ihr angetan. Bei etwas steileren Passagen

nimmt sie meine Hand.

Wir befinden uns knapp über der Nebelgrenze,

die Sonne scheint und lässt die Eiskristalle

glitzern. Der Schnee knirscht bei

jedem Schritt. Schon nach wenigen Metern

finden wir Spuren im Schnee. »Erkennt ihr

die Abdrücke dieses Tieres?«, fragt Edith.

»Ein Hirsch«, ruft Kilian. »Fast«, sagt Edith,

»das war ein Reh. Schau, die Abdrücke sind

kleiner, – aber hier« – und sie zeigt auf

einen großen, tiefen Abdruck –, »das

Besonders die ersten Schneeschuh-Meter erfordern

Konzentration. Dann wird’s einfacher.

Fotos: Marden Smith

03 ⁄13 Bergsteiger 75


Unbeschwert im Schnee tollen: Kinder lieben das. Entsprechend kurz fällt die Mittagspause in der Hütte aus.

»Und was war das?«

Wir sehen Spuren

von Rehen, Füchsen,

Hasen und Hirschen.

Großfuß: Der achtjährige Kilian ist mit

Schneeschuhen für Erwachsene unterwegs.

war ein Hirsch.« Wie Indianer knien die

Kinder mit Edith über den Spuren und raten,

welches Tier hier wohl vorbeigekommen

ist. »Und was war das?«, fragt Edith

ein paar Meter weiter und deutet auf eine

andere Spur. Die Kinder raten: »Hund, Katze,

Maus …« »Nein, schaut mal, das sind die

Hinterläufe, immer nebeneinander, und

das da die Vorderläufe, da ist ein Hase über

das Feld gehoppelt.« Wir sehen unterwegs

noch Fuchsspuren, Abdrucke von Eichhörnchen

und Mäusen.

Pause mit Schneeballschlacht

Nach etwa anderthalb Stunden – alleine

hätte ich für die Strecke vielleicht 20 Minuten

gebraucht – kommen wir bei der

Bärenrast an. Vor mehr als 100 Jahren wurde

hier der letzte Bär von Tirol geschossen.

Heute steht an der Bärenrast eine Steinfigur

in Form eines Bären. »Ist das eine Bärenspur?«,

fragt meine Tochter und deutet

auf Hundespuren im Schnee. »Hier gibt’s

doch keine Bären mehr«, sagt mein Sohn

fachmännisch. Heute nicht mehr. Doch bis

zum Ende des 19. Jahrhunderts waren in

Nordtirol Bären heimisch, bis ein gewisser

Graf von Thun 1898 den letzten Bären hier

im Vomper Loch erlegt hat.

Knapp unterhalb der Bärenrast machen

auch wir Halt. Edith hat den Schlüssel

der Hütte mit dem Namen »Großer Bär«,

die zum Hotel Schwarzbrunn in Stans gehört.

Wir setzen uns in die Stube, zünden

ein paar Kerzen an, trinken Tee und essen

unsere mitgebrachte Brotzeit. Doch schon

nach ein paar Minuten wollen die Kinder

wieder raus in den Schnee. »Lasst uns einen

Schneemann bauen«, rufen sie. Kilian

macht die untere Kugel, Norah rollt eine

kleinere Kugel für den Kopf und ich die für

den Bauch. Dann holen wir aus der Hütte

noch ein paar Utensilien zum Verschönern:

einen Topf als Hut, eine Tischdecke

als Schal, aus Tannenzweigen formen wir

Mund, Nase und Augen. Und danach gibt

es noch eine deftige Schneeballschlacht.

Kilian und Norah suchen Deckung hinter

ihrem Schneemann, um nicht getroffen zu

werden.

Auf dem Rückweg will Norah keine Schneeschuhe

mehr anziehen, nur die Stöcke will

sie nicht abgeben, und so stapft sie in ihren

hohen Winterschuhen über das tief ver-

76 Bergsteiger 03 ⁄13


Die Hand der Mutter hilft auch bei

ersten Anzeichen von Müdigkeit.

Oman

Zu Fuß auf

unberührten Bergund

Wüstenpfaden

Wärme von unten und von innen:

Fell und Tee tun den Kindern gut.

15-tägige Trekkingtour:

· Inkl. Flug, Übernachtungen,

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Reiseleitung

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hautnah beim Berg-, Kamelund

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schneite Feld. Kilian und ich machen Wettrennen

in Schneeschuhen, dass der Schnee

nur so staubt. Wer das Rennen gewinnt?

Kilian natürlich! Dann wandern wir gemütlich

über Felder und am Waldrand entlang.

Zurück am Bauhof schauen wir noch einmal

bei den Rehen und Hirschen im Gehege

vorbei. Insgesamt vier Stunden waren wir

unterwegs, mit vielen Pausen, Schneemann-

bauen und Wettrennen. Ich allein hätte nur

etwa eine Stunde für die gesamte Strecke

gebraucht – aber es war fantastisch. Man

muss nicht immer hoch hinaus, man muss

nicht immer Gipfel erklimmen. Wer mit Kindern

Schneeschuhwandern gehen möchte,

sollte sich Felder, Wald- und Forstwege aussuchen,

auf denen es viel zu sehen, zu entdecken

und zu tun gibt.


KOMPAKT

Mit Kindern im Karwendel

Region: Die Silberregion

Karwendel liegt in Tirol

zwischen Zillertal, Achensee

und Innsbruck. Zu der Region

gehören die Orte Buch, Gallzein,

Hinterriss/Eng, Jenbach,

Kolsass, Kolsassberg, Pill,

Schwaz, Stans, Terfens, Vomp,

Weer und Weerberg.

Anreise: ÖV: mit der Bahn

bis Jenbach oder Schwaz

(www.bahn.de). Mit dem Auto:

Aus Deutschland kommend

über die A8/A93 nach

Kufstein und die A12 bis zur

Ausfahrt Jenbach, Schwaz.

Mautfreie Anreise über den

Achenpass bzw. über den

Fernpass bei Füssen.

Hotel: Das familiengeführte

Hotel Schwarzbrunn in Stans

hat einen Wellnessbereich

samt Kinder-Spa zum Plantschen

und Toben, einen Skilift

hinter dem Hotel und Kinderbetreuung

für Kinder ab drei

Jahren; www.schwarzbrunn.at

Weitere Aktivitäten für

Familien:

Skifahren mitten im Dorf

Stans: Ein Schlepplift, ein

Babylift und zwei Zauberteppiche

– ideal für Familien mit

Kindern und/oder Anfänger.

Mittwochs und freitags ist

Nachtskilauf. In der Region

gibt es Gratisskikurse für Kinder:

www.gratisskikurs.com

Rodeln auf dem Pillberg:

Gemütliche Rodelbahn auf

einer Forststraße. Der Aufstieg

zum Alpengasthof Loas (1645

m, www.loas.at) dauert mit

Kindern ca. 1½ Std. Dann

geht es auf der Forststraße

vier Kilometer bergab.

Fahrt mit der Pferdekutsche

durch das winterliche

Stans und über tief verschneite

Felder. 50 Minuten ab 55

Euro. Infos unter www.lunasranch.com

Weitere Infos: www.

silberregion-karwendel.at

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SERVICE

EINE INITIATIVE VON

+

UNTERWEGS MIT ANNA UND MAX

Teil 11: Skihochtour auf die Wildspitze

Himmel

und Hölle

Eine Warntafel weist auf die Grenze des

gesicherten Bereichs hin.

Die Skihochtour ist die Königsdisziplin für

Winteralpinisten. Für sie gelten eigene Gesetze.

Genuss und Respekt liegen nahe beieinander.

Von Andrea (Text) und Andreas Strauß (Fotos)

78 Bergsteiger 03⁄13


DIE TOUR

An der Felsplatte

mit Gegenverkehr

staut es sich.

Weite, Naturerlebnis, zumindest

ein Stück weit unberührte

Wildnis, einen hohen

Gipfel, Abfahrtsspaß und

den Kitzel des Abenteuers

erleben – all das bietet die Skihochtour. Andererseits

ist der Respekt vor der Natur ein

ständiger Begleiter, denn es droht z. B. der

unkontrollierte Fall in eine Gletscherspalte.

Auf der Skihochtour können Himmel und

Hölle nahe beieinander liegen.

Für Anna und Max gleicht dieser Tag erst

einmal der Hölle, denn er beginnt mit dem

Klingeln des Weckers am frühen Morgen,

dem langen Weg ins hinterste Pitztal und

der Auffahrt mit dem Gletscherexpress ins

Skigebiet. Hier müssen sich die Augen an die

Helligkeit gewöhnen. Es ist ein strahlender

Spätwintertag, und so langsam zeigt sich der

Himmel.

Gemeinsam mit einigen Pistenfahrern und

einer Handvoll Tourengehern, die man sofort

am Klettergurt und den großen Rucksäcken

mit Eispickeln erkennt, steuern Anna

und Max auf die Anschlussgondel zu. Ob

alle Tourengeher auf die Wildspitze wollen?

Aus dem Gletscherbecken jenseits des Mittelbergjochs

sind etliche Skihochtouren und

Eistouren möglich. Die Wildspitze ist aber

zweifellos der beliebteste Gipfel. Formschön

ist sie, einfach zu erreichen und vor allem der

höchste Gipfel der Ötztaler Alpen.

»Alpine Gefahren!« Eine Warntafel macht

nach dem Aussteigen aus der Gondel klar,

dass der Liftbetreiber keine Verantwortung

mehr übernimmt für die Wildspitz-Aspiranten.

Ein paar Schwünge später steht man in

einer anderen Welt. Die Geräusche der Seilbahnen

sind verklungen, die geraden Linien

von Liftmasten, Pistenrändern und gespannten

Stahlseilen sind jenen Linien gewichen,

wie die Natur sie zeichnet: die geschwungenen

Grate von Wildspitze, Brochkogel und

Sexegertenspitzen, die zackigen Schatten, die

auf die weiten Gletscherflächen fallen, die

wild zerrissenen Seraczonen. Dazwischen eine

sanft geschwungene Skispur, die aus dem

Gletscherbecken unter dem Mittelbergjoch

herauszieht und über Geländestufen hinauf

ins Unendliche verschwindet.

Über dem Gipfelmeer

Hellblau ragen die Eislamellen nur wenige

hundert Meter von der Aufstiegsspur entfernt

gen Himmel. Gleichzeitig erinnern die

Gletscherbrüche ständig daran, dass man

im Hochgebirge mit allen seinen Gefahren

unterwegs ist. Bei so guter Sicht wie heute,

genauer Ortskenntnis und einer soliden

Schneedecke können Anna und Max immerhin

ohne Seil aufsteigen. Die Tourengeher

haben in den vergangenen Tagen eine

sichere Spur durch die Gefahrenzonen des

Taschachferners gelegt.

Zwei Stunden später liegt ihnen die Welt zu

Füßen. So scheint es jedenfalls, wenn man

am Skidepot der Wildspitze steht. Auf 3768

Metern setzt der schrofige Südwestgrat an.

Nur noch 70 Höhenmeter trennen sie vom

höchsten Gipfel der Ötztaler Alpen und dem

zweithöchsten in Österreich. Unter ihnen

liegt ein Gipfelmeer.

Für den teils felsigen, teils vereisten Grat legen

sie die Steigeisen an, dann geht es Schritt

für Schritt hinauf. Der Wind treibt feine Eiskristalle

durch die Luft, es ist bitterkalt, und

die dünne Luft erschwert das Atmen. Aber

das Gipfelkreuz rückt beständig näher. Endlich

geht es nicht mehr weiter nach oben.

Nur eine kurze Gipfelpause gönnen sich die

zwei. Es ist einfach zu kalt, um den Moment

zu genießen. Nach einer kleinen Zwangspause

– Stau an einer Felsplatte mit Gegenverkehr

– steigen sie zügig ab zum Skidepot,

tauschen die Steigeisen gegen die Ski ein

und bringen den ersten Hang hinter sich.

Die Verhältnisse sind gut genug, um auf das

Seil zu verzichten. So lange sie im Bereich der

Aufstiegstrasse und der bereits vorhandenen

Insgesamt 2000 Höhenmeter

geht es hinab

zum Parkplatz.

Abfahrtsspuren bleiben, sollten sie ohne Probleme

bis unter das Mittelbergjoch kommen.

Auf 3100 Metern biegen die beiden von ihrer

Aufstiegsroute ab und schwingen über den

langen Gletscher links hinab ins Tal, dem

Himmel entgegen.


TOUR

Wildspitze (3768 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz des Skigebiets

Pitztaler Gletscher (1740 m)

Talort: Mandarfen im Pitztal (1690 m)

Charakter: Einfache Skihochtour, die bei

Nutzung der Pitztaler Gletscherbahnen als

Tagestour (5 bis 6 Std.) möglich ist. 700

Hm Aufstieg, knapp 2400 Hm Abfahrt bzw.

Abstieg

Bahn: Pitztaler Gletscherbahn, Tel. 00 43/

54 13/8 62 88, www.pitztaler-gletscher.at

Mitte September bis Mitte Mai, 8:30 bis

16:00 Uhr

Karte: AV-Karte 1:25 000, Nr. 30/6 »Ötztaler

Alpen, Wildspitze«

Aufstieg/Abfahrt: Mit dem Pitztaler

Gletscherexpress und der Wildspitzbahn bis

auf den Hinteren Brunnenkogel (3438 m).

Von dort ins Mittelbergjoch (3166 m) und

nach Süden auf den Taschachferner. Über

diesen weiter wie in der Tourenkarte in der

Heftmitte detailliert beschrieben. Am Gipfelgrat

sind evtl. Steigeisen und Pickel nötig.

Die Gletscherabfahrt bis hinab ins Tal sollte

nur bei guten Bedingungen unternommen

werden. Im Zweifelsfall steigt man zurück

ins Mittelbergjoch und gelangt über das

Skigebiet ins Tal (letzte Talfahrt Pitztalexpress

beachten!).

Tourenkarte 4

Heftmitte

DIE SERIE »Sicher zum Gipfel« mit Anna und Max

endet mit dieser Folge.

03 ⁄13 Bergsteiger 79


DAS KNOW-HOW

Während unten noch geschnauft

wird, legen Anna und

Max eine verdiente Rast ein.

Besonderheiten der Skihochtour

Hochtour und Skitour wurden in vorherigen BERGSTEIGER-

Ausgaben bereits ausführlich beschrieben. Die Skihochtour

weist als eine Mischform gewisse Unterschiede auf.

Anders als im Sommer

kann im Winter bei

günstigen Verhältnissen

auf das Seil am Gletscher

verzichtet werden.

abzubremsen. Sofern man zum Stillstand

kommt, setzt man nach Möglichkeit eine

Eisschraube zur Selbstsicherung, zieht Ski

und Rucksack aus und hängt sie sich gemeinsam

mit den Stöcken mit einer Bandschlinge

an den Gurt. Wenn möglich, zieht

man warme Kleidung an, legt Steigeisen an

und wartet auf die

Bergung.

Ein Hüftgurt ist für

Gletschertouren

ausreichend.

Der Eispickel ist

am Gletscher vielseitig

einsetzbar.

Die Anforderungen

Eine Skihochtour führt über vergletschertes

Gelände. Zu den üblichen Gefahrenquellen

auf Skitour kommt also

die Gefahr des Spaltensturzes hinzu. Weitere

Erschwernisse können, müssen aber

nicht automatisch auftreten: schwierigere

Orientierung im weitläufigen Gletschergelände,

größere Kälte und teils prekäre Wetterverhältnisse

wegen der größeren

Höhe, Akklimatisationsprobleme,

längere Dauer der Touren,

manchmal anspruchsvolle

Grate, die kombinierte

Kletterei erfordern.

»Mit oder ohne Seil?«

Während im Sommer am schneebedeckten

Gletscher kein Bergsteiger mit Verstand auf

die Seilsicherung verzichtet, ist die Lage im

Winter anders. Tatsächlich wird während

einfacheren Skihochtouren in der Praxis

auf das Seil verzichtet, zumindest bei günstigen

Verhältnissen. Die Schneedecke über

den Spalten ist tragfähiger als im Sommer

und die Belastung der Brücken ist wegen

der größeren Skifläche im Vergleich zum

Schuh geringer. Außerdem birgt im Fall eines

Lawinenabgangs der Verbund als Seilschaft

zusätzliche Gefahr. Abfahren am Seil

ist unangenehm, im Aufstieg bringt es dagegen

weniger Komfortverlust.

Spaltensturz

Die verschiedenen

Formen der Spaltenbergung

sollten unbedingt

beherrscht werden.

Hier gibt es nur geringfügige Unterschiede

zu Hochtouren im Sommer

(siehe BERGSTEIGER 9/2012). Im

Winter ist – da oftmals auf ein Seil verzichtet

wird – jedoch auch ein unangeseilter

Spaltensturz möglich.

Als Stürzender gilt es dann, den Sturz

durch Ausspreizen von Armen und Beinen

Ausrüstung

Die Ausrüstung: Im Vergleich zur normalen

Skitour (siehe BERGSTEIGER 12/2012)

ist bei der Skihochtour ein Mehr an Ausrüstung

nötig. Die Gegenstände dienen zur

Vermeidung eines Spaltensturzes bzw. zur

Spaltenbergung.

• Hüftgurt

• 2 Schraubkarabiner

• 1 Safelockkarabiner

• 2 Schnappkarabiner

• lange Bandschlinge

• 3 Reepschnüre von 1 m, 2 m und 4 m

Länge (entsprechen 0,5, 1 und 2 m

Schlingenlänge)

• Eisschraube

• evtl. Seilklemme (Tibloc oder ähnliches)

• Halbseil oder Einfachseil (Ein Einfachseil

hat den Vorteil, dass es vielseitiger verwendbar

ist, z. B. beim Gipfelaufstieg im

Fels. Außerdem lässt es sich wegen des

größeren Durchmessers besser greifen.

Das Halbseil ist dafür etwas leichter.)

• Je nach technischer Schwierigkeit Steigeisen

und Pickel

80 Bergsteiger 03⁄13


Mit Seil sollte man

auf jeden Fall gehen:

• auf spaltenreichem Gletscher oder bei Unkenntnis

der Spaltensituation

• bei schlechter Sicht und Orientierungsproblemen

• bei schwacher Schneedecke über den

Spalten, vor allem im Frühwinter

• bei Winderosion, schlechtem Schneedeckenaufbau

und Durchfeuchtung der

Schneedecke

• nach Neuschnee (wegen der schwierigeren

Geländebeurteilung im kleinräumigen

Bereich)

• bei Anlage einer neuen Spur

Seil oder kein Seil? Das ist eine der drängendsten Fragen auf der Skihochtour.

Mit einer Hand am

Seil lässt sich der

Seillauf beim

Abfahren einfacher

regulieren.

Steigeisen sollten exakt an die Skischuhe

angepasst werden.

Keine Gletscherbegehung

ohne

Schraubkarabiner

Die Begleiter sollten durch Anseilen weitere

Stürze verhindern. Dann wird der Notruf

abgesetzt. Professionelle Hilfe ist hier meist

die schnellste Rettung. Eine eigenständige

Rettung hängt von der Erfahrung der Seilschaft

ab.

Die Abfahrt

Die erste Überlegung muss sein, ob ein Seil

nötig ist? Wenn ja, wählt der Seilschaftserste

ein langsames Tempo und fährt in großen

Bögen eine möglichst sichere Route. Alle anderen

folgen dieser Spur möglichst sturzfrei.

Am einfachsten gelingt dies, indem die Stöcke

im Rucksack verstaut werden und eine

Hand das nach vorne laufende, straffe Seil

greift. Dadurch lässt sich der Seillauf einfacher

regulieren. Bei der Abfahrt ohne Seil

hält man ausreichend Abstand, um beim

Spaltensturz eines Vorausfahrenden noch

rechtzeitig zu bremsen.


Skitourenwissen

vertiefen

• Markus Stadler »Skitouren: Ausrüstung –

Technik – Sicherheit«, Bergverlag Rother,

Oberhaching 2012

• Christian Schneeweiß/Bernd Ritschel,

»Skitourengehen: Das Praxisbuch für Einsteiger

und Fortgeschrittene«, Bruckmann

Verlag, München 2010

03 ⁄13 Bergsteiger 81


KAUFBERATUNG TEIL 1: Hardshell-Jacken

Für den schweißtreibenden

Aufstieg muss die Jacke

ebenso geeignet sein wie

später für die Abfahrt.

Je nach Zweck die

richtige Jacke

Skitour: Die Jacken sollten insgesamt

robuster sein, gut gegen Sturm abdichten und

für den Aufstieg über Lüftungen verfügen. Die

hinterlegten RVs müssen nicht hundertprozentig

dicht sein, aber Zipper und Züge sollten gut mit

Handschuhen zu bedienen sein. Rumpf und

Ärmel sollten kaum verrutschen.

Gletscher/Trekking: Wegen des schwereren

Rucksacks sollten die Schultern und Hüften verstärkt

und gegen Regensturm die hinterlegten

RVs annähernd zu hundert Prozent dicht sein.

Großzügige Achselöffnungen erlauben eine gute

Ventilation. Beim Trekking muss die Abdichtung

gegen Wind nicht perfekt sein.

(Eis-)Klettern/Hochtour: Weniger Gewicht

und höhere Atmungsaktivität werden am besten

durch dünneren Stoff und dafür umfangreichere

Verstärkungen (ideal Schultern bis Ober-Ärmel

bzw. kompletter Hüftumfang) erreicht. Wichtig

sind eine hohe Beweglichkeit und eine helmtaugliche

Kapuze.

Hart im

Nehmen

Die Hauptaufgabe einer Hardshell-Jacke

ist und bleibt der Schutz vor Niederschlag,

Wind und Sturm. Das Material sollte darüber

hinaus so robust sein, dass Fels, Eis sowie

scheuernde Rucksäcke der Jacke nichts anhaben

können. Von Christian Schneeweiß

82 Bergsteiger 03⁄13


R

obuste Hardshells sind Schutzjacken,

die nicht nur gegen

Sturm, Regen und Schnee

schützen. Darüber hinaus lassen

sie sich weder von einem

schweren Rucksack, Hüft- oder Klettergurt

aufscheuern und überstehen auch Reibungskontakt

mit Fels unbeschadet. Neu ist das erstaunlich

geringe Gewicht von 500 bis 600

Gramm in Größe 52 oder L. Selbst leichtere

Modelle (Patagonia und Schöffel 420 g) sind für

die meisten harten Einsätze geeignet.

Schutzstoff: Laminat und Verstärkungen

Gewicht und Robustheit ergeben sich aus

einem dreilagigen, raffiniert verklebten

»Laminat«. Herzstück ist eine wasserdichtatmungsaktive

Membran, die am Körper

einen dünnen Abrieb- und Schmutzschutz

und außen ein abriebfestes, gegen Vollsaugen

imprägniertes Obermaterial besitzt. Die

meisten robusten Laminate sind aus Gore-

Tex Pro Shell, das heißt, nur der Oberstoff

variiert mit den Modellen. Besonders robust

ist dieser bei Tilak, während leichtere Modelle

mit Ripstop die Reißfestigkeit erhöhen.

Um eine Schutzjacke fast unzerstörbar zu

machen, lassen sich Verstärkungen an den

bei schwerem Rucksack besonders belasteten

Schultern und Hüften (Rucksack und

Klettergurt) sowie der Oberseite der Ärmel

gegen Felskontakt (auch Traggurt-Abstreifen)

anbringen (Haglöfs und Adidas; Mammut

Schultern mit Gummiaufsatz; Berghaus ohne

INFO

Wasserdicht und

atmungsaktiv

So erkennen Sie eine gute Jacke

Ob eine Schutzjacke hält, was sie verspricht, lässt

sich nur durch Anziehen und Ausprobieren beurteilen.

1 Material

Das Material sollte aus robustem, wasserdicht-atmungsaktivem Membranlaminat bestehen.

Leichtjacken für intensive Aktivität sind aus einem dünnerem Stoff, an Schultern

und Hüften sollten sie Verstärkungen aufweisen.

2 Reißverschlüsse

Der Reißverschluss sollte wasserdicht sein und zusätzlich mit einer Abdeckung

hinterlegt sein. Zwei Zipper ermöglichen eine größere Variabilität.

3 Gummizüge

Die Gummizüge sollten unkompliziert sowie leichtgängig sein und die Jacke

perfekt gegen die Witterung abdichten.

4 Bewegungsfreiheit

Für bewegungsintensive Aktivitäten sollte die Jacke kaum verrutschen (v.

a. auf Skitour) und im kompletten Armbereich beweglich sein (v. a. beim

Klettern).

5 Kapuze

Die Kapuze sollte für Touren im Hochgebirge das Gesicht perfekt abdichten,

einen Sturmschild besitzen, sich mit dem Kopf drehen und für den Extrembereich

helmtauglich sein.

Hüftbereich). Schöffel und Patagonia sind aus

einem weniger robusten Stoff und sollten

daher nicht zu oft mit schwerem Rucksack

beladen werden.

Der Jacken-Einstieg: Frontverschluss

Zwar schützt der Stoff gegen die Witterung

(außer bei Kälte im Ruhezustand), die Öffnungen

an Front, Rumpf und Ärmeln bilden

aber Schwachstellen. Ein einfacher Reißverschluss

(RV) ist zwar leichter zu bedienen

(Patagonia, Bergans), dennoch sollte die

Frontöffnung einen Zweiwege-RV besitzen,

der sich auch von unten (für Kletter-Sicherung,

Lüftung) öffnen lässt. So oder so sind

nur wenige »wasserdichte« RVs leichtgängig

(Tilak und Mammut), da sie gummiert sind

(bei Knicken evtl. Feuchteln). Hundertprozentig

dicht, aber schwergängig sind nur die

Front-RVs von Berghaus, La Sportiva und Vaude.

Dafür sind alle Front-RVs innen mit einer

Abdeckung hinterlegt (außer Vaude und die

Taschen-RVs). Diese hält eventuell eindringende

Feuchtigkeit sowie kühle Luft ab.

4

1

5

2

3

Der Membranhersteller W.L. Gore gibt für die

Wasserdichte (Winddichte wird vorausgesetzt)

von Gore-Tex Pro Shell die Höhe der

Wassersäule mit 28 000 Millimeter an.

Bei der entscheidenden Atmungsaktivität

erscheint der schlechtest (!) mögliche

technische Wert (RET < 6, also immer noch

extrem atmungsaktiv). Der tatsächliche

Wert hängt vom verwendeten Oberstoff ab

und ist in der Regel besser (La Sportiva RET

4). Andere Membranhersteller messen die

Atmungsaktivität vorzugsweise in anschaulicheren

Gramm Wasserverdunstung pro

Quadratmeter Laminat in 24 Stunden

(Rahmenbedingungen unterschiedlich!),

was bei Vaude die für robuste Jacken

rekordverdächtige Tabellenangabe 35 000 g

/ > 35 000 mm ergibt.

Abgehärtet: Über dem Korpus ist eine

Verstärkung im Schulterbereich bis über

die oberen Ärmel eingesetzt. Zudem ist

ein Gummischutz für den Rucksackträger

aufgebügelt (Mammut).

Details: Der linke RV ist wasserddicht, aber

schwieriger mit Handschuhen zu bedienen

(La Sportiva). Der rechte kann Feuchtigkeit

durchlassen, ist innen abgedeckt und hat

handschuhfreundliche Bändel (Haglöfs).

Fotos: Bernd Ritschel, Andreas Strauß

03⁄13 Bergsteiger 83


EXPERTEN-TIPP

»Die Jacke sollte

unbedingt Verstärkungen

im Schulterbereich

haben.«

Schwerer Rucksack,

Seil, Hüftgurt – eine

Jacke muss einiges

aushalten können.

Fotos: Bernd Ritschel, Andreas Strauß

Silvia Felt ist Produktmanagerin

bei Berghaus

Tipp 1 Bei der Materialauswahl wird meist

Polyamid/Nylon dem geringer strapazierfähigen

Polyestermaterial vorgezogen. Eine dichte

Webtechnik steht meist für hohe Materialrobustheit.

Die Plain-Weave-Technik ist sehr

abriebfest. Bei der Rip-Stop-Technik werden

sehr leichte Garne mit dickeren Garnen

kombiniert. Dies sorgt für hohe Strapazierfähigkeit

und Reißfestigkeit. Auch die Fadenstärke

(Denier) gibt Auskunft über die Robustheit.

Tipp 2 Die Reibung beim Tragen eines

Rucksacks schadet dem Material. Die Jacke

sollte daher Verstärkungen im Schulterbereich

haben. Oft werden auch im Bereich der Hüfte

Materialverstärkungen angebracht, da dort

Klettergurte und Rucksackgurte aufl iegen.

Verstärktes Material an den Schulterblättern

und der Kapuze hält dem Regen besser stand.

Auch der direkte Kontakt mit Fels kann das

Material beschädigen. Verstärkungen sind

beispielsweise an den Unterarmen sinnvoll,

da diese beim Klettern den häufi gsten Kontakt

mit Fels haben.

Tipp 3 Generell sollten Dreilagen-Laminate

nur dann gewaschen werden, wenn sie es nötig

haben, d. h. wenn sie durch Schmutz, Öle oder

Salze (Körperschweiß) verunreinigt wurden. Auf

keinen Fall Weichspüler verwenden. Anschließend

gründlich spülen, um Waschmittelrückstände

zu entfernen. Im Trockner trocknen oder

kalt bügeln um das DWR-Finish wieder zu

aktivieren. Auf jeden Fall auch die Pfl egeanweisung

auf dem Etikett beachten.

Ein Druckknopf gegen unbeabsichtigtes

Hochrutschen des unteren Zippers ist bei

gummierten Zweiwege-RVs überflüssig.

Die RV-Zipper allgemein sollten Bändel mit

Kunststoffgriff besitzen (Mammut perfekt,

nicht La Sportiva). Seltsamerweise fehlen diese

am unteren Zipper des Front-RVs (außer

Haglöfs). Am Hals sind Frontabdeckung und

teils Nacken mit Mikrofleece oder Trikot besetzt

(v. a. Adidas, Mammut und The North Face).

Abschlüsse: Gummizüge und Ärmelklette

Standard beim Rumpfabschluss von Schutzjacken

sind Hüft-Gummizüge mit zwei

seitlichen Klemmverschlüssen (Tankas),

die möglichst einhändig zu bedienen sind.

Relativ neu ist die Verbreitung von Zügen,

die sich durch Druck auf einen im Stoff vor

jeglichem Witterungseinfluss geschützten

Klemmknopf verstellen lassen. Diese werden

zwar zweihändig bedient, sind aber

leichtgängig und fixieren zuverlässig. Dies

zeigt sich besonders an den problematischen

Seitzügen der Kapuze, die häufig nur suboptimal

funktionieren. Bei Schöffel und Outdoor

Research muss vor Bedienung der Kapuzen-

Seitzüge der schützende Front-RV geöffnet

werden, bei Haglöfs müssen de facto fast alle

Gummizüge mühsam zweihändig bedient

werden.

Ein elastischer Schneefang um die Taille

verhindert das Eindringen von Schnee, bietet

Schutz im Nierenbereich und ist für den

Sommereinsatz abzippbar (Adidas; Tilak auch

Taillenzug).

Die Ärmelbünde werden durchgehend mit

Klettverschlüssen angepasst und verschlossen.

Der Klett sollte lang und breit genug

sein, um das Handgelenk ohne Überstand

vollständig und zuverlässig gegen die Witterung

abzudichten. Klette mit robusten

Gummibändern (Adidas, Haglöfs und Schöffel)

halten auch nach jahrelanger Nutzung gut,

können sich aber außen verhaken. Tilak besitzt

sogar einen Rundumklett mit Hebelzug.

TIPP

Damit die Jacke

perfekt sitzt

■ Für alle intensiven Aktivitäten sollte eine

Schutzjacke ein verlängertes Rückenteil

besitzen. So stört es nicht weiter, wenn die

Jacke evtl. am Rumpf hochrutscht oder

grundsätzlich kürzer geschnitten ist.

■ Rumpf-Gummizüge (und viele Kapuzenzüge)

besitzen Schlaufen, die sich seitlich

verhängen können. Taschenzüge (Vaude),

Einzelbändel (System Patagonia) oder

Doppelbändel (Kapuze Berghaus) schützen

davor.

■ Vor der Bedienung eines Zweiwege-RVs

müssen die Enden der beiden Zähnchenstränge

gleich weit aus dem Zipper herausstehen.

Bei verhakendem oberem RV hilft es

meist, mit der anderen Hand den unteren

festzuhalten.

■ Angesichts der kompliziertesten Konstruktionen

(oder genialer Zweihandzüge mit

unsichtbarem Klemmknopf) sollte man vor

dem Ersteinsatz der Jacke die Seitzüge der

Kapuze ansehen und ausprobieren.

84 Bergsteiger 03⁄13


So bewertet der BERGSTEIGER

Abdichtung: Nach Anziehen des

Hardshells wurden Rumpfzüge, Ärmelklette

und Kapuzenzüge geschlossen

und an Hüften, Handgelenke und

Gesicht angepasst. Wie es sich für

Schutzjacken gehört, dichteten die

Abschlüsse der meisten Jacken sehr

gut bis gut gegen die Witterung ab.

Nur für Haglöfs, Outdoor Research

und v. a. Vaude (dichte Kapuze nur

mit Helm) galt dies nicht.

Verrutschen und Beweglichkeit:

Diese beiden Aspekte entscheiden

darüber, ob sich die Jacke für bewegungsintensive

Aktivitäten eignet.

Zur Beurteilung des Verrutschens

wurden die Arme hochgehoben.

Während die meisten Jacken an

den Armen kaum oder gar nicht verrutschten

– die besten nicht mal am

Rumpfsaum –, verrutschte Schöffel

an beiden Abschlüssen deutlich. Die

Beweglichkeit beim Anwinkeln der

Arme war häufi ger beeinträchtigt

(Schöffel, Adidas und Mammut).

In große Seitentaschen

passen sogar Flaschen.

Zudem lassen sich darin

Hände sowie Accessoires

wärmen (Mammut).

Kapuze: Sie wurde in zwei Schritten

geprüft: Die Anpassung war in

allen Fällen mehr oder weniger gut

(am besten The North Face). Alle

Kapuzen ließen sich im geschlossenen

Zustand seitlich mit dem Kopf

drehen. Die einzige suboptimale

Kapuze besaß Vaude (begrenzt

beweglich und nicht vollständig

schließbar).

Züge: Insbesondere bei den

Kapuzenzügen folgen die meisten

Hersteller eigenen Philosophien.

Bei dicht abschließenden

Ärmelkletten blieb der

Schnee zuverlässig draußen

(raffinierter Rundum-

Hebelklett; Tilak)

Wobei nur wenige Neuerungen

Fortschritte darstellen – wie die

leichtgängigen Einzelbändel mit

geschütztem Klemmknopf (Patagonia,

Berghaus und The North Face)

oder die sauber gearbeiteten, aber

stinknormalen Einhand-Zugsysteme

von Mammut.

Komplizierter Kopfschutz: Kapuze

Eine funktionelle Kapuze besitzt neben den

erwähnten Seitzügen auch einen normalerweise

gut funktionierenden und häufig

abgedeckten Volumenzug am Hinterkopf

(zusammen »3D-Züge«), der sowohl die Anpassung

an den Kopf als auch dessen seitliches

Drehen mit der Kapuze ermöglicht.

Dieser Zug dient auch der Erweiterung, um

die Kapuze über einem Helm tragen zu können,

wogegen ein vierter Halszug (Schöffel

und Haglöfs) überflüssig ist. Zwar sind alle

Modelle helmtauglich; aber nur Haglöfs,

Outdoor Research, Vaude und Tilak mit Klett

lassen sich problemlos mit Helm bewegen.

Äußeres Merkmal einer sturmtauglichen

Kapuze ist ein großzügiger Schild an der

Stirnseite (Adidas, Berghaus und Outdoor Research

mit Drahtverstellung), der vorzugsweise

angeschnitten, das heißt, in einen

seitlichen Schutz integriert ist.

Für Hände und Großkram: Taschen

Besonders im Winter, wenn man mit viel

Ausrüstung unterwegs ist, sollten die Seitentaschen

der Jacke nicht nur Platz für die

Hände bieten, sondern auch groß genug

sein, um dicke Handschuhe oder die Mütze

darin unterzubringen. Wichtig ist in diesem

Zusammenhang ein deutlicher Steg als

Rausfallsicherung (bei Haglöfs und Patagonia

mager). Die Seitentaschen aller Modelle sind

mehr oder weniger gut hochgesetzt, so dass

sie nicht von Rucksack- oder Klettergurt

behindert werden. In einige der größten

Taschen (La Sportiva, Mammut, Schöffel und

Outdoor Research) passen sogar Trinkflaschen,

während Tilak innen extra Volumentaschen

zum Aufwärmen besitzt. Kleinere Werttaschen

auf der Innenseite für Schlüssel, Liftkarte

oder Geld lassen sich nutzen, um darin

elektronische Geräte vom Smartphone bis

zum GPS-Gerät zu verstauen.

Effektive Klimaregulierung: Lüftungen

Um einerseits effektiv zu lüften (ventilieren)

und andererseits vor der Witterung

zu schützen, befinden sich die trotz hoher

Atmungsaktivität erforderlichen Lüftungsöffnungen

mit variablem Zweiwege-RV am

besten unter den Achseln und sind vorzugsweise

recht lang (Patagonia, The North Face

und Haglöfs; Schöffel 50 Zentimeter), bei Outdoor

Research sogar bis zum Rumpfabschluss

durchgehend. Weniger effektiv sind seitliche

Lüftungen (Adidas) oder lüftende Seitentaschen

mit Netzfutter (Berghaus). ◀

Angepasst: Helmtaugliche Kapuzen sind

weiter und brauchen eine Volumenverstellung

am Hinterkopf, um mit und ohne Helm

zu funktionieren (Vaude).

Durchdacht: Der zweihändig zu bedienende

Klemmknopf kann weder vereisen noch beschädigt

werden, ist zuverlässig und leicht

mit Handschuhen zu bedienen (Patagonia).

Klimaanlage: Von der Achsel bis zum Rumpf

reicht der längste Lüftungs-Zweiwege-RV.

Dank zweier Zipper ist die Öffnung beliebig

variierbar (Outdoor Research).

03⁄13 Bergsteiger 85


KAUFBERATUNG: Hardshell-Jacken

TIPP

Allround

Adidas

Terrex IceFeather J.

Bergans

Glittertind Jacket

Berghaus Kangchenjunga

Shell J.

Haglöfs

Spirit Jacket Men

La Sportiva Resolute

GTX Jacket Mt

Mammut

Thrilltrip Jacket M

Vertrieb, Info 0 91 32/ 84-0,

www.adidas.com/outdoor

0 40/32 59 64 45-0,

www.bergans.de

08 00/10 08 76-5,

www.berghaus.com

08 31/5 12 80-0,

www.haglofs.se

0 89/34 69 66,

www.lasportiva.com

0 83 31/83 92-0,

www.mammut.ch

Preis in Euro 499,- 440,- 450,- 400,- 499,95 500,-

Gewicht/Größe 545 g / 52 465 g / XL 475 g / L 485 g / L 515 g / L /50 555 g / XL

Dreilagiges

Laminat

Ripstop-Polyamid mit

Gore-Tex Pro Shell (PTFE)

Stretch-Polyamid mit

Dermizax EV (PU)

Ripstop-Polyamid mit

Gore-Tex Pro Shell (PTFE)

Ripstop-Polyamid mit

Gore-Tex Pro Shell (PTFE)

Ripstop-Polyamid mit

Gore-Tex Pro Shell (PTFE)

Ripstop-Polyamid mit Gore-

Tex Pro Shell (PTFE)

Atmung/

Dichte

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

> 16 000 g / 20 000 mm

(noch sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET 4 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

Verstärkungen Kapuze, Schultern bis

Ärmelbund/Brust, Hüfte

Relativ robust

Schultern bis Ärmel/

Brust, Kapuze

Schultern bis Brust,

Unterarm, Hüfte, Kapuze

Robust

Schultern bis obere Ärmel,

Hüfte rundum

Passform

Mittel bis schlank,

Rücken verlängert

Eher weit, Rücken kaum

verlängert

Weit, Rücken stark

verlängert

Weit, Rücken gut

verlängert

Mittel, Rücken gut

verlängert

Schlank bis mittel, Rücken

kaum verlängert

Abschlüsse Kleine Gummizüge /

robuste lange Klette

Kleine Gummizüge /

robuste lange Klette

1 Zweihand-Gummizug

geschützt / Klette

Standard-Gummizüge /

robuste lange Klette

Feste Gummizüge /

breite Klette

Standard-Gummizüge /

leicht zu öffnende Klette

Kapuze

Drahtschild, helmtauglich,

3D-Züge geschützt

Angeschnittener Schild,

helmtauglich, 3D-Züge

angeschnittener Drahtschild,

helmtauglich,

3D-Züge geschützt

Großer Schild, einrollbar,

helmtauglich, 3D-Züge +

Halszug

Angeschnittener Schild,

3D-Züge geschützt

Großer Schild, helmtauglich,

einrollbar, 3D-Züge

hinten geschützt

Lüftungen Seiten-RVs Achseln 2-Wege-RVs, Seitentaschen-RVs Achseln 2-Wege-RVs, lang Achseln 2-Wege-RVs Achseln 2-Wege-RVs

Taschen

2 Seiten Volumen, gut

hochgesetzt, 2 Napoleon,

innen Wert/Elektro

2 Seiten Volumen, gut

hochgesetzt, 2 Napoleon,

innen Wert/Elektro

2 Seiten Volumen groß,

stark hochgesetzt, 2

Brust, Ärmel, innen: Wert

2 Seiten groß, stark

hochgesetzt, Volumen-

Wert-/Elektro ungesichert

2 sehr groß, hochgesetzt,

mit Brust-/Seiteneingriff,

Wert/iPod

2 Seiten sehr groß, stark

hochgesetzt; innen Wert

groß, 2 offene Volumen

Extras

Schneefang abzippbar

(50 g), Trikot-Kinnpatte

und -Nacken, Refl ektoren

Wenige Nähte, Trikot-

Kinnpatte, RV asymmetrisch,

Refl ektoren

Kinnpatte, wichtigste

Zipper mit Griff-Bändeln,

Refl ektoren

Hängschlaufe,

Refl ektor vorn

Rund um Kapuzenöffnung

Trikot, Refl ektoren

Schultern gummiert, Trikot-

Kinnpatte und -Nacken,

Fair-Wear-zertifi ziert

BEWERTUNGEN

Abdichtung ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Verrutschen ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Beweglichk. ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Kapuze ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Unser

Eindruck

Perfekt verstärkte Jacke;

Bauch, Rücken, Unterärmel

atmungsaktiver, RVs

fast 100% wasserdicht,

aber schwergängig,

Gummizüge leichtgängig,

aber etwas futzelig, Kapuzenzüge

seitlich große

Schlaufen, fällt etwas

kleiner aus

Super bewegliche Leichtjacke;

RV am Hals nicht

störend, Seitentaschen

bequem + rausfallsicher,

Membran nicht schmutzanfällig,

seltsame

Kapuzen-Seitzüge gut

einhändig, aber schlecht

mit Handschuhen/bei

Vereisung

Verstärkte Schlechtwetter-Leichtjacke;

Taschenwunder,

kein Verhängen

an Gummizügen möglich,

top Züge-Schutz, RVs/

Züge leichtgängig,

exakter Kapuzensitz,

Brusttaschenzipper behindern

Front-RV, mäßige

Lüftung

Optimal verstärkte

Leichtjacke für Helmträger;

breiter Gesäßschutz,

Rumpfzüge + Kapuzen-

Seitzüge anfangs schwergängig/nur

zweihändig,

Kapuze mäßig, aber mit

Helm super, Seitentaschen

rausfall-anfällig,

Werttasche ungesichert

Hochwertig ausgestattete

Jacke; variable Taschen

mit viel Stauvolumen,

Rumpfzüge leichtgängig

+ fest, 100% dichte RVs

etwas schwergängig, Kapuze

bedingt beweglich

+ Seitzüge beim Öffnen

pfriemelig, Griffbändel

an Zippern fehlen

Jacke mit super Verstärkung

und Bedienung;

Bauch, Rücken,

Unterärmel atmungsaktiver,

leichtgängige RVs mit

griffi gsten Zippern, ideal für

schwere Traglast, Rundum-

Gurtschutz, Züge einfach

und intuitiv, nur mäßig

beweglich

Skitour ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Gletscher ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

(Eis-)Klettern ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

86 Bergsteiger 03⁄13


TIPP

Preis/Leistg.

TIPP

Schutz

The North Face

M Half Dome Jacket

Outdoor Research

Mentor Jacket Men’s

Patagonia

M’s Super Pluma J.

Schöffel

Summit Jacket M

Tilak

Evolution Jacket

Vaude

Me Aletsch Jacket

08 00/1 86 22 75,

www.thenorthface.eu

00 41/52/20 81 07-0,

www.outdoorresearch.com

08 00/0 00 11 56,

www.patagonia.com

0 82 32/50 06-0,

www.schoeffel.de

0 91 33/60 38 05,

www.rw-outdoorsport.de

0 75 42/53 06-0,

www.vaude.com

500,- 375,- 500,- 449,95 539,90 400,-

500 g / XL 490 g / XL 420 g / L 425 g / 52 700 g / L 555 g / XL

Ripstop-Polyamid mit Gore-

Tex Pro Shell (PTFE)

Ripstop-Polyamid mit Gore-

Tex Pro Shell (PTFE)

Fein-Polyamid mit Gore-Tex

Pro Shell (PTFE)

Fein-Polyamid mit Gore-Tex

Pro Shell (PTFE)

Fein-Polyamid mit Gore-Tex

Pro Shell (PTFE)

Fein-Polyester mit Sympatex

Performance (PTFE)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 6 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

RET < 4 / 28 000 mm

(sehr atmungsaktiv)

35 000 g / 35 000 mm

(extrem atmungsaktiv)

Relativ robust Schultern, Hüfte Hüftsaum Relativ robust Sehr robust Robust

Eher weit, Rücken verlängert

Mittel bis weit, Rücken

verlängert

Mittel, Rücken gut

verlängert

Mittel, Rücken gut verlängert

Mittel, Rücken verlängert

Weit, Rücken stark

verlängert

Geschützte Züge zweihändig /

robuste schmale Klette

2 Einzelzüge klein / Klette

etwas kurz

Hüftzüge zweihändig / leicht

zu öffnende Klette

Handschuh-Züge / robuste

lange Klette

Abgenähte Hüft- + Taillenzüge

/ rundum Hebel-Klett

Geschützte Taschen-Hüftzüge

/ Klett relativ kurz

Angeschnittener großer Angeschnittener großer

Schild, helmtauglich, 3D-Züge Drahtschild, helmtauglich,

geschützt

3D-Züge geschützt

Großer Schild, helmtauglich,

3D-Züge geschützt

Schild angeschnitten, helmtauglich,

3D-Züge + Halszug

Großer Schild, helmtauglich,

3D-Züge + Volumenklett

Großer Schild, helmtauglich,

3D-Züge + Volumenklett

Achseln 2-Wege-RVs Achseln 2-Wege-RVs Achseln 2-Wege-RVs Achseln RVs Achseln 2-Wege-RVs Achseln 2-Wege-RVs

2 Seiten länglich groß, gut

hochgesetzt, 2 Brust

2 Seiten riesig, gut hochgesetzt,

Napoleon, innen 2

Wert-/Elektro

2 Seiten relativ klein, stark

hochgesetzt, innen Wert/

Elektro

2 Brust länglich groß, innen

Wert-/Elektro

2 Brust größer, stark

hochgesetzt, Ärmel; innen

Elektro, 2 Volumen

2 Seiten länglich sehr groß,

2 Brust, Ärmel, innen: Wert/

Elektro, Volumen

Trikot-Kinnpatte und -Nacken,

Refl ektoren

Trikot-Kinnpatte, Kapuze

einrollbar

Trikot-Kinnpatte und

-Nacken,

Schlüssel-/Karten-Clip,

Hänghaken, Kapuzen-

Seitzüge geschützt

Trikot-Kinnpatte und -Nacken,

abzippbarer Schneefang

(50 g), Refl ektoren,

Material Bluesign-zertifi ziert

und vollständig recyclebar,

Refl ektoren klein

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Rundum gelungene

Leichtjacke; RVs fast 100%

wasserdicht, aber Nähte

können feuchteln, super

leichtgängiger Taschenzug

zweihändig, viel Taschenvolumen,

super Kapuze, aber

Züge suboptimal + große

Schlaufen

Top lüftende und bewegliche

Leichtjacke; ideal für Helmträger

RVs fast wasserdicht

+ leichtgängig, Flaschen-

Taschen, Kapuzen-Seitzüge

leichtgängig/sicher, Zugbedienungen

umständlich, mäßige

Abdichtungen (Kapuze,

Ärmelklette), Lüftungen

Komplett-Öffnung

Top funktionelle Schlechtwetter-Leichtjacke;

Zweihandzüge

top Wetterschutz

und sicher, Kapuze sehr

gut einstellbar, Hüftzüge

sehr leichtgängig (auch

mit Handschuhen), griffi ge

Zipper, Taschen bequem,

aber kaum rausfallsicher

Luftige Leichtjacke mit

Bewegungsschwäche; RVs

fast 100% wasserdicht,

Zug-Tankas schlecht zu greifen,

keine Hand- aber gute

Brusttaschen fl aschengroß,

Kapuze gut helmtauglich,

aber stört Ohren, Seitzüge

nur bei Frontöffnung zu

bedienen

Umfangreich ausgestattete

Winterjacke; RVs fast 100%

wasserdicht + leichtgängig,

gut helmtauglich,

sehr robust, Züge griffi g +

schwergängig zu/leichtgängig

auf, RV stört am Hals,

keine Hand-, dafür Wärme-/

Flaschen-Taschen

Bewegliche Jacke für Helmträger;

super helmtauglich,

top Atmungsaktivität,

Flaschen-Taschen, RVs

100% wasserdicht, aber

schwergängig + Kältebrücke,

Kapuze nicht drehbar +

Züge gewöhnungsbedürftig

+ Volumenklett dysfunktional

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03⁄13 Bergsteiger 87


KAUFBERATUNG TEIL 2: LVS-Geräte

LVS-GERÄTE IM TEST

Immer auf

Sendung

Egal, wie warm einem bei

der Tour wird – das LVS-Gerät

muss am Körper bleiben.

Welches LVS-Gerät

eignet sich wofür?

Mehrfachverschüttung: Das Gerät verfügt

über eine Markierungsfunktion, die drei

Verschüttete markieren kann. Unzuverlässige

Markierungen oder Geräte nur mit Anzeige einer

Mehrfachverschüttung erforden die zeitaufwändige

Dreikreismethode.

Einzelverschüttung: Das Gerät führt den

Suchenden (Empfänger = »Search«-Modus)

möglichst schnell zum nächsten Verschütteten

(Sender).

Lawine absuchen: Das Suchgerät verfügt

über eine möglichst große Reichweite, wobei

für die Suchstreifenbreite die ungünstigste

Koppellage entscheidend ist (Sender des

Verschütteten aufrecht).

Besser ein einfaches Gerät als gar keins: Wer nur

selten im Winter auf Tour geht, für den lohnt sich

ein teures Lawinenverschütteten-Suchgerät

nicht unbedingt. Für diese Fälle gibt es Geräte

mit weniger Funktionen. Doch nicht mit allen ist

man gut beraten. Von Christian Schneeweiß

88 Bergsteiger 03⁄13


verschüttete schneller zu finden,

heißt, ihre Überlebenschancen

zu erhöhen. Genau

das ist Sinn und Zweck digitaler

Dreiantennen-Geräte. Allerdings

sind die Top-Geräte sehr teuer, nicht

zuletzt da sie über Optionen verfügen, die in

erster Linie für Experten gedacht sind. Der

normale Skitouren- oder Schneeschuhgeher

benötigt sie in der Regel nicht. Für sie bieten

die Hersteller vereinfachte Geräte ohne

Zusatzoptionen an. Trotz eingeschränkter

Funktion befinden sie sich meist auf dem

Stand der Technik – und verfügen zum Teil

sogar über eine Markierungsfunktion.

Tragsystem

Alle getesteten LVS-Geräte stecken in Holstern

(Einschubtaschen) mit Reißverschluss

oder einem schnelleren Schnallenverschluss

(BCA perfekt). Das dehnbare Holster des Axis

hat eine mühsam zu bedienende Lycra-Öffnung,

das Evo3+ hat kein Holster. Dieses und

Mammut sowie BCA können beim Tragen am

Körper stören. Die Schultergurte bestehen

bei Pieps, Mammut und Evo3+ aus bequemem,

schweißdurchlässigem Mesh, ansonsten wie

die Hüftriemen aus Nylon. Evo3+ und Ortovox

funtionieren leider nur mit Tragsystem, alle

anderen Modelle auch ohne. Stattdessen haben

sie eine Handschlaufe.

Display im Sende- und Empfangsmodus

Alle Displays zeigen nach dem Anschalten

Besser mit Markierungsfunktion

Wichtig bei einfachen LVS-Geräten ist, dass sie selbsterklärend

funktionieren und die Anzeige eindeutig ist.

1 Schalter

Die Bedienung des LVS-Geräts, v. a. der möglichst auffällig platzierten Schalter (On/Off,

Umschalter Send/Search, Markierung), sollte selbsterklärend sein und auch mit Handschuhen

möglich sein.

2 Anzeige

Die Anzeige einfacher Geräte sollte deutlich und übersichtlich sein und klare

Hinweise auf Richtung und Entfernung des Senders sowie eine Mehrfachverschüttung

geben bzw. Zahl und Markierung der Verschütteten anzeigen.

3 Piepstöne

Die ergänzenden Piepstöne bei der Suche müssen sich spätestens beim Übergang

von der Grob- zur Feinsuche, mit zunehmender Annäherung in Frequenz und

Höhe der Töne, ändern.

4 Markierungsfunktion

Die Markierungsfunktion ist bei Mehrfachverschüttung essentiell für Durchschnitts-Bergsteiger

und eine Erleichterung für Experten (keine Dreikreismethode

nötig). Sie muss aber das Signal eines Georteten zuverlässig unterdrücken.

Anzeigefunktionen an (meist mit Selbsttest)

und im normalen Sendemodus Taktungsdiode

oder Pfeil und evtl. den Batteriestand

(Pieps, 3+). Bei Mammut und BCA lässt sich

nur an der Schalterstellung erkennen, ob

das Gerät an ist, beim Axis im Tageslicht

praktisch gar nicht (Diode schwach).

Alle Geräte zeigen im Search-Modus (Empfang)

die Entfernung des verschütteten

Senders an (entlang der Feldlinien länger)

sowie die Richtung, in der er sich befindet

– in der Regel mit LCD-Anzeige (Axis weni-

1

2

3 4

ger deutlich). Besser und auch bei Dunkelheit

erkennbar sind die Leuchtdioden von

BCA und Ortovox Zoom; DSP Tour ist beleuchtet.

Nur die Anzeige des Einantennengeräts

Freeride war schwierig zu interpretieren.

Das Problem mit der Reichweite

Obwohl das Erstsignal bei der Verschüttetensuche

in günstiger Koppellage meist früher

auftauchte, ergaben die sprunghaften

Entfernungsangaben bei den leistungsfähigsten

Geräten erst ab etwa 35 Metern

INFO

Wechselsender

Fotos: Bernd Ritschel, Andreas Strauß

Die Ortovox-Geräte sind mit einer »Smart-

Antenne« ausgestattet, die beim Senden in

ungünstiger vertikaler Position automatisch

von der üblichen X- auf die Y-Antenne

umschaltet. Leider funktioniert diese nur

dann gut, wenn man sich schräg annähert

oder der Empfänger auf die Schmalseite

(Reichweite wie günstigste Position) des

verschütteten Senders ausgerichtet ist.

Nicht gut funktioniert sie hingegen, wenn

man sich auf die Breitseite annähert (weiter

ungünstige Koppellage wie bei normalem

Gerät). In jedem Fall aber ist die Richtungsanzeige

ab dem Erstsignal-Empfang stabiler.

Auf einen Blick: Bei diesem Display im

Search-Modus zeigen Pfeile die Richtung

und eine Zahl die Entfernung der Feldlinien

bis zum nächsten verschütteten Sender an

(Pieps DSP Tour).

Top: Das Holster zeigt auf einen Blick den

Ein-/Aus-Drehschalters und lässt sich

schnell öffnen. Das Gerät ist beim Rausnehmen

mit der Handschlaufe abclippbar am

Bauchriemen gesichert (BCA Tracker 2).

03⁄13 Bergsteiger 89


KAUFBERATUNG: LVS-Geräte

Arva

Axis

Arva

Evo 3+

BCA

Tracker 2

Mammut

Barryvox Element

TIPP

Allround

Preis: 290,- €

Preis: 230,- €

Preis: 280,- €

Preis: 290,- €

Info: 0 75 62/98 10,

www.edelrid.de

Info: 0 75 62/98 10,

www.edelrid.de

Info: 00 43/62 46/7 21 50,

www.backcountryaccess.com

Info: 0 83 31/8 39 20,

www.mammut.ch

Gewicht: 360 g mit Tragsystem /

4 AAA-Batterien

Gewicht: 310 g mit Tragsystem /

4 AAA-Batterien

Gewicht: 320 g mit Tragsystem /

3 AAA-Batterien

Gewicht: 320 g mit Tragsystem /

3 AAA-Batterien

Maße: 12 x 7,5 x 2,5 cm

Maße: 13,4 x 7,8 x 2,8 cm

Maße: 13 x 8 x 2,7 cm

Maße: 11,3 x 7,5 x 2,7 cm

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 27 m / 21 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 27 m / 20 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 35 m / 25 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 35 m / 25 m

Ausstattung

Ausstattung

Ausstattung

Ausstattung

Großes, griffi ges Mehrfachverschüttetensuchgerät

mit Entfernungs- und

Richtungsanzeige sowie Markierung

Tragsystem: Holster mit Schulter- +

Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LCD nicht immer gut sichtbar,

Verschüttetenanzeige (mehr als

3) klare Richtungsanzeige mit U-Turn

Umschalten: versenkter Gummiknopf

bzw. Frontschalter

Extras: Selbsttest, updatefähig

Verschüttetensuchgerät mit Entfernungs-,

Richtungs- und Mehrfachverschüttungsanzeige

(Markierfunktion)

Tragsystem: Mesh-Schultergurt +

Hüftriemen am Gerät

Display: LCD gut sichtbar, Beim

Senden ohne Anzeige, Verschüttetenanzeige,

klare Richtungsanzeige

Umschalten: Einschaltstecker bzw.

vorn Rausziehen

Extras: Selbsttest

Kantiges Verschüttetensuchgerät

mit Entfernungs-, Richtungs- und

Mehrfachverschüttungsanzeige

Tragsystem: Holster mit Schulter- +

Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LED immer gut sichtbar,

5 Richtungs-LEDs

Umschalten: Drehschalter bzw. vorn

Rausziehen

Extras: Anzeige Mehrfachverschüttung,

SP-Modus zum Aufl ösen

Griffi ges Mehrfachverschüttetensuchgerät

mit Entfernungs- und

Richtungsanzeige sowie Markierung

Tragsystem: Mesh-Schultergurt +

Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LCD gut sichtbar, Verschüttetenanzeige

(mehr als 3), super

Richtungsanzeige mit U-Turn

Umschalten: drücken

Extras: Selbsttest, updatefähig,

Markierung der Verschütteten

Bewertungen

Bewertungen

Bewertungen

Bewertungen

Bedienung:

Grobsuche:

Feinsuche:

Markierung:

■■■■■

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Bedienung:

Grobsuche:

Feinsuche:

Markierung:

■■■■■

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Bedienung: ■■■■■

Grobsuche: ■■■■■

Feinsuche: ■■■■■

Markierung: –

Bedienung:

Grobsuche:

Feinsuche:

Markierung:

■■■■■

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Gerät mit Detailschwächen; Markierung

schnell, aber schwankt, An-/

Ausschalten sogar ohne Handschuhe

schwierig, kaum erkennbar, ob an/

aus, Holster mühsam

Gut mit Handschuh bedienbar;

sicheres Ein- und Umschalten, mit

Markierung unzuverlässig (maximal

2 Geräte), Gerät ohne Holster und

Handschlaufe

Schnellstes Suchgerät; top Richtungsanzeige,

große Reichweite,

schnell aus Holster, mit Handschuhen

gut zu bedienen, nur an Schalter

erkennbar, ob an oder aus

Markierungs-Gerät mit top Markierung;

große Reichweite, Ton gut,

eindeutige Lage im Holster, Schalter

mit Handschuh schwierig, Feinsuchanzeige

irritierend (gerader Pfeil)

Eignungen

Eignungen

Eignungen

Eignungen

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

(Mammut, DSP Tour und BCA) eine kohärente

Abnahme der Entfernungsanzeige. Ortovox

(ca. 30 m) und Arva (ca. 27 m) erzielten noch

gute Reichweiten. Die angegebenen Werte

reduzieren sich abhängig von der Verschüttungstiefe

des Senders (hier Analoggerät).

Liegt dieser aufrecht im Schnee, entsteht

eine ungünstige Koppellage, welche die

Such-Reichweite auf bestenfalls 25 Meter

reduziert. Dies würde eine Suchstreifenbreite

bis zum Erstsignal von 40 Metern

ermöglichen. Eine sichere Reserve bieten

Ortovox und Arva (20 m), wenn man die vom

Alpenverein empfohlene Suchstreifenbreite

von 20 Metern anwendet, während Freeride

hier kaum ausreicht (15 m).

Grobsuche

Im Test zeigte sich, dass man sich dem verschütteten

Sender am schnellsten mit dem

BCA nähert, dicht gefolgt von DSP Tour,

Mammut und Zoom. Irritationen traten besonders

bei Arva (Entfernungssprünge/Umkehrpfeil)

sowie Ortovox 3+ (kurzes Pfeilspringen)

auf.

90 Bergsteiger 03⁄13


Ortovox

3+

Ortovox

Zoom

TIPP

Preis/Leistg.

Pieps

Freeride

Pieps

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Preis: 289,- €

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Preis: 100,- €

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Info: 0 89/66 67 40,

www.ortovox.com

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Info: 00 43/31 82/5 25 56,

www.pieps.com

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Gewicht: 300 g mit Tragsystem /

1 AA-Batterie

Gewicht: 255 g mit Tragsystem /

1 AA-Batterie

Gewicht: 250 g mit Tragsystem /

1 AA-Batterie

Gewicht: 340 g mit Tragsystem /

3 AAA-Batterien

Maße: 12,2 x 7,5 x 2,5 cm

Maße: 11,8 x 8,1 x 2,3 cm

Maße: 10,6 x 5,8 x 2 cm

Maße: 11,5 x 7,2 x 2,6 cm

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 30 m / 20 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 30 m / 20 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 22 m / 15 m

Reichweite bei günstiger/ungünstiger

Senderlage: ca. 35 m/ 25 m

Ausstattung

Ausstattung

Ausstattung

Ausstattung

Großes, griffi ges Mehrfachverschüttetensuchgerät

mit Entfernungs- und

Richtungsanzeige sowie Markierung

Tragsystem: Schulter- + Hüftriemen

Display: LCD gut sichtbar, immer

Batterieanzeige, Verschüttetenanzeige

(bis zu 3+), diff. Richtungsanzeige

Umschalten: Hebelschalter, Searchschalter

gewöhnungsbedürftig

Extras: Selbsttest, updatefähig,

Wechselantenne, Markierung

Handliches Verschüttetensuchgerät

mit Entfernungs-, Richtungs- und

Mehrfachverschüttungsanzeige

Tragsystem: Holster mit Schulter- +

Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LED immer sichtbar,

5 Richtungs-LEDs

Umschalten: Schalter hinten,

Searchschalter ungewohnt, aber gut

Extras: Selbsttest, Anzeige Mehrfachverschüttung,

Wechselantenne

Handliches, einfaches Ein-Antennen-

Suchgerät mit Entfernungs- und

Signalstärkeanzeige

Tragsystem: Holster mit Mesh-Schultergurt

+ Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LCD gut sichtbar, immer

Batterieanzeige

Umschalten: Hebelschalter, Searchschalter

nicht intuitiv

Extras: Selbsttest, Anzeige Mehrfachverschüttung

Kompaktes Mehrfachverschüttetensuchgerät

mit Entfernungs- und

Richtungsanzeige sowie Markierung

Tragsystem: Holster mit Mesh-Schultergurt

+ Hüftriemen; Handschlaufe

Display: LCD immer sichtbar, immer

Batterieanzeige, Verschüttetenanzeige

(bis zu 3+), klare Richtungsanzeige

Umschalten: Druck-Knopf

Extras: Selbsttest, updatefähig,

Markierung der Verschütteten

Bewertungen

Bewertungen

Bewertungen

Bewertungen

Bedienung:

Grobsuche:

Feinsuche:

Markierung:

■■■■■

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Bedienung: ■■■■■

Grobsuche: ■■■■■

Feinsuche: ■■■■■

Markierung: –

Bedienung: ■■■■■

Grobsuche: ■■■■■

Feinsuche: ■■■■■

Markierung: –

Bedienung:

Grobsuche:

Feinsuche:

Markierung:

■■■■■

■■■■■

■■■■■

■■■■■

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Unser Eindruck

Markierungs-Gerät mit intuitiver

Anzeige; zuverlässigerer Sender,

super Tonabfolge, Umschalten gut,

Markieren gut, aber 3. Gerät dauert

länger, keine Handschlaufe

Handlich, günstig, leicht; zuverlässiger

Sender, Display übersichtlich u.

intuitiv, Anzeige Mehrfachverschüttung

blinkt, falls weiterer nahebei,

kann aus der Hand rutschen

Sehr günstiges, kleines Sendegerät;

nicht besser als Analoggerät, schwer

zu deutende Richtungsanzeige,

Feinsuche stark schwankend, als

Suchgerät nur für Experten

Markierungsgerät mit klarer Bedienung;

große Reichweite, Feinsuche

gut, aber kleine Anzeige, Markierung

+ Verschüttetenzahl schwanken + 3.

Gerät dauert länger

Eignungen

Eignungen

Eignungen

Eignungen

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. –

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Mehrf.-versch. ■■■■■

Einzelverschüttg. ■■■■■

Lawine absuchen ■■■■■

Feinsuche (Punktortung)

Obwohl sich der im Schnee liegende Sender

von allen Geräten inklusive den etwas

abfallenden Arva zügig (BCA und 3+ am

schnellsten) und mit nur minimalen Abweichungen

(top DSP Tour) orten ließ, traten

auch hier Irritationen auf: Zoom kurzes

Pfeilspringen, Mammut gerader Pfeil, DSP

Tour wenig intuitiv. Beim Freeride war eine

zuverlässige Punktortung fast unmöglich.

Der Clou: Die Geräte gaben nur ein Signalmaximum

an. Die eingängigsten Tonabfolgen

am Übergang von der Grob- zur Feinsuche

und innerhalb der Feinsuche boten

Ortovox und, gewöhnungsbedürftiger, Mammut,

Axis sowie DSP Tour.

Bedienung der Ein- und Umschalter

Bei den Ein-/Ausschaltern und den Umschaltern

von Senden auf Empfang hat jedes

Modell sein eigenes System. Beim Schalter

für alle drei Zustände ist Mammut gewöhnungsbedürftig

und mit Handschuhen teils

schwer zu bedienen (Search, Off); DSP Tour

ist am übersichtlichsten, die Bedienung

03⁄13 Bergsteiger 91


Schneesicher.

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Drehschalter auf

der Rückseite der

Geräte lassen sich

auch mit Handschuhen

bedienen.

mit Handschuhen ist aber auch hier schwierig.

Drehschalter auf der Rückseite der Geräte

sind eindeutig und lassen sich auch

mit Handschuhen bedienen (Zoom; BCA in

Holster gut sichtbar). Gleiches gilt für die

Umschalter von Zoom; das 3+ hingegen lässt

sich mit Handschuhen nicht ein-/ausschalten

(wird geändert). Einen sicheren und

handschuhtauglichen Auszieh-Umschalter

besitzen BCA und Evo3+. Im Gegensatz dazu

lässt sich der An-/Aus-Knopf des Axis, auch

mit bloßen Händen nur schwer betätigen.

Der gut funktionierende Drehschalter des

Freerider wird durch einen erklärungsbedürftigen

Searchknopf ergänzt (An/Aus

dreimal bzw. drei Sekunden drücken).

Markierung

Von den Geräten mit Markierung und Signalunterdrückung

der Sender bei Mehrfachverschüttung

funktionierte Evo3+ so

unzuverlässig (Aufhebung der Unterdrückung;

maximal zwei Sender gefunden),

dass man sich die Markierung sparen kann.

DSP Tour konnte einmal den dritten Sender

nicht markieren (aber zu allen hinführen),

und die Unterdrückung ließ wie beim

TIPP

Bei Wartezeichen

stehen bleiben!

■ LVS-Geräte lassen sich nicht nur lehrbuchgemäß

unter der Jacke an Schultergurt

und Hüftriemen im Holster tragen, sondern

auch in einer Hose mit geschlossenem

Reißverschluss (Risiko: offener RV).

■ Grundsätzlich sollte jedes Drei-Antennen-

Gerät mit oder ohne Markierfunktion direkt

(also in einer Ellipse) zum nächsten (also

stärksten) Sender führen. Plötzliche Abweichungen

können dabei Hinweise auf weitere

Sender sein.

■ Bei Wartezeichen auf dem Display wie

Stoppschild, Sanduhr oder Hand unbedingt

stehenbleiben, damit das Gerät sich

neu orientieren kann. Verschwindet oder

schwankt die Richtungsanzeige, nur langsam

weitergehen

■ Führt der Richtungspfeil geradeaus, steigt

aber beim Gehen die Entfernung, muss

man das Gerät um 180 Grad drehen und in

entgegengesetzter Richtung weitergehen

(v. a. zu Beginn der Grobsuche; je nach

Gerät evtl. U-Turn-Anzeige).

schnelleren Axis sporadisch Signale durch.

Während Mammut locker alle drei Sender

»abhakte«, verlangsamte sich die ebenfalls

zuverlässige Markierung von Ortovox etwas.

BCA hat einen Filtermodus für Experten,

und Zoom blinkt bei einem nahen weiteren

Verschütteten. Alles Übrige muss durch die

Dreikreismethode erledigt werden. ◀

168 Seiten · ca. 150 Abb. · 21,8 x 26,0 cm

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Tel. 0180-532 16 17 (0,14 €/Min.)

Die Welt neu entdecken

Klein, aber fein: Anfangs irritierend ist dieser

Send-Search-Umschalter, der sich nicht

von alleine verstellen kann. Das Display ist

einfach und die auch nachts sichtbaren Richtungdioden

sind intuitiv (Ortovox Zoom).

Genial: Die Anleitung auf der Rückseite

dieses LVS-Geräts kann nicht verloren

gehen: Darstellung von An- und Umschalten,

Signalsuchen, Grob- und Feinsuche mit

Reichweiten (Arva Evo3+)


IM HÄRTETEST

Pieps 4-Antennen-LVS-Gerät

Vector

▶ Das sagt der Hersteller: Digitales 4-Antennen-

LVS-Gerät. Die GPS-Funktion hilft nach Lawinen bei der

Signalsuche mit einer grafi schen Anzeige, bei der

Ermittlung der Positions-Koordinaten für Notrufe und

bei Zusatz-Features wie der Aufzeichnung der Route

oder dem Höhenmesser.

Präzision:

Bedienung:

Preis/Leistung:

Gewicht: 200 g (inkl. Batterien)

Preis: 500 € Info: www.pieps.com

▶ Das sagen wir: Der Rolls-Royce

unter den LVS-Geräten bietet

GPS-Unterstützung, die die Suche

nach Verschütteten und die

Lagebestimmung bei Notrufen

beschleunigen kann. Technik-Fans

werden sich über viele Zusatz-

Funktionen freuen, doch Laien

werden davon eher verwirrt sein.

Ortovox Rucksack

Haute Route 35

▶ Das sagt der Hersteller:

Skitourenrucksack für

Tagestouren jeder Art.

Der O-Flex-Frame verteilt die Last ausgewogen auf

der Hüfte und den Schultern. Material- und

Pickelschlaufen, Ski-, Snowboard- und Helmhalterung,

Signalpfeife sowie Handy- und separates

Sicherheitsfach.

Gewicht: 1500 g Farbe: schwarz, blau, rot

Preis: 129,95 € Info: www.ortovox.de

▶ Das sagen wir: Relativ schwerer Rucksack; sitzt

und hält auch bei schweren Lasten perfekt. Für

Tagestouren optimale Größe – für Mehrtagetouren

trotz der 35 Liter ungünstig, da sich das Volumen auf

drei ähnlich große Fächer verteilt. Dank Rückenöffnung

guter Zugriff zur Ausrüstung, auch wenn Ski,

Snowboard oder Schneeschuh vorne dran hängen.

Zugriff auf Ausrüstung:

Tragekomfort:

Preis/Leistung:

Odlo Funktionsshirt

Originals Warm

▶ Das sagt der Hersteller:

Wärmeisolierendes Shirt mit

integrierter Kapuze und

Gesichtsmaske. Ge ruchshemmend

durch Sil ber -

io nen, keine Nanopartikel.

Material: 100% Polyester

Farben: blau, schwarz,

weiß; pink (Damen),

grau (Herren);

Preis: 69,95 €;

Info: www.odlo.com/de

▶ Das sagen wir: Schal, Mütze – mit diesem Shirt

hat man immer alles zur Stelle, und: es hält

wunderbar warm. Allerdings könnte die Gesichtsmaske

etwas straffer sitzen. Zudem sollte man den

Geruchshemmer nicht zu sehr auf die Probe stellen.

Tragekomfort:

Design:

Geruchshemmer:

Bestens gerüstet

In dieser Rubrik stellen wir ausgewählte Produkte vor,

die der Redaktion aufgefallen sind und die unsere Mitarbeiter

am Berg in der Praxis getestet haben.

Dynafit Tourenschuh

One U Women MF

Salewa Schneeschuhe

999 Pro

La Sportiva Jacke

Tara Down Jacket

▶ Das sagt der Hersteller:

Beim ONE U Women MF sind Schaft und Schale aus

PU gefertigt, für einen progressiven Flex und

Unterstützung. Er hält die Balance aus Gehkomfort

und guter Abfahrtsperformance. Der speziell für

Frauen designte Schaft ist kürzer und weiter.

Gewicht: 1450 g Vorlagewinkel: 15–18° und

Laufmodus Schnallen: 3 Schnallen (Ultra-Lock-

System) Preis: 420 € Info: www.dynafi t.com

▶ Das sagen wir: Zählt nicht zu den leichtesten

Tourenschuhen, überzeugt aber mit seinem weichen

Flex durch hohen Tragekomfort im Aufstieg. Die

Umstellung in den Abfahrtsmodus geht super schnell

und hier punktet der Schuh mit gutem Halt und

Unterstützung. Nur die Schnallendrähte und die

Innenschuhschnürung sind etwas pfriemelig.

▶ Das sagt der Hersteller:

Flaggschiff unter den Salewa-Schneeschuhen. Dank

gewichtsoptimierter Karbon-Leichtbauweise und

Kataphorese-Beschichtung unverwüstlich und extrem

leistungsfähig. Drei Einstellstufen ermöglichen eine

gute Anpassung ans Terrain. Schnelle Größenverstellbarkeit

innerhalb einer extra großen Spanne.

Gewicht: 969 g x 2 Maße: 60 x 230 cm

Eignung: 40–120 kg; Schuhgröße 35–50

Preis: 199,95 € Info: www.salewa.de

▶ Das sagen wir: Schneeschuh mit unkompliziertem

Handling; die Schnallen lassen sich problemlos

auch mit dicken Handschuhen festziehen. Einziges

Manko ist, dass der Schuh beim Bergabgehen etwas

nach vorne schiebt. Dafür lassen sich steile Anstiege

mit den Seitenkrallen umso besser meistern.

▶ Das sagt der Hersteller:

Daunenjacke mit dreidimensionaler

Boxkammernkon

struk tion für hohe Isolation.

Bietet Wind- und Regenschutz.

Daune aus europäischer

Haltung; Nebenprodukt der

Nahrungsmittelindustrie.

Gewicht: 550 g (Gr. M) Farbe: grau, gelb, blau

Preis: 319,95 € Info: www.lasportiva.com

▶ Das sagen wir: Mit dieser Jacke haut einen so

schnell nichts um. Sie verfügt über viele Optionen zum

Zuziehen und einen hohen Kragen, so dass nirgends

kalte Luft eindringen kann. Positiv fallen auch die

großen Taschen für Handschuhe, Mütze und anderen

Kram auf. Nützlich ist auch der integrierte Packsack.

Einsatzgebiet:

Tragekomfort:

Preis/Leistung:

Handling:

Gehkomfort:

Ausstattung:

Isolation:

Anpassbarkeit:

Preis/Leistung:

Fotos: Hersteller

03⁄13 Bergsteiger 93


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03 ⁄13 Bergsteiger 95


REPORTAGE

Heißblütige

Liebhaber und

scheue Damen


Blick auf den Wilden Kaiser

vom Geigelsteingipfel; links:

Birkhahn und Birkhuhn


Skibergsteigen im Naturschutzgebiet Geigelstein

Birkhähne sind prächtige Vögel mit

imposantem Balzgehabe. Ihr Lebensraum

sind die Berge, in den immer

mehr Skitourengeher und Winterwanderer

vordringen. Der DAV müht

sich um den Schutz der Raufußhühner

– und verzeichnet erste Erfolge.

Von Andrea (Text) und Andreas

Strauß (Fotos)

03⁄13 Bergsteiger 97



Hier ist ein Wildeinstandsgebiet:

Der Wildbiologe

Albin Zeitler (Mitte) klärt

bei einer Exkursion am

Wertacher Hörnle auf.

»Glugg glugg glugg glugg.« Tiefe,

kullernde Laute dringen durch den

Wald. Mit jedem Meter, den man

auf der breiten Skitourenspur weiter

taleinwärts geht, wird der Balzgesang

lauter. Dann öffnet sich das Gelände. Birkhähne!

Gut hundert Meter entfernt tanzt

ein knappes Dutzend dieser prächtigen Vögel

über die Schneefläche. Die Tourengeher

bleiben augenblicklich stehen, blicken sich

an. Jetzt ganz leise! Vorsichtig gehen sie noch

bis zum Rand der Lichtung, holen dann ein

Fernglas aus dem Rucksack, bleiben still sitzen

und beobachten das Schauspiel.

dass sie fast den Boden berühren, die großen

tiefschwarzen Steuerfedern stehen wie ein

Fächer hoch, die weißen Unterschwanzfedern

kommen zum Vorschein und bilden

einen auffälligen Schild. So stehen sich die

Hähne gegenüber, plustern das makellose

Gefieder, zischen sich an, verneigen sich

voreinander und tanzen in kleinen Kreisen

über den Schnee. Ab und zu flattert einer der

Kontrahenten mit den Flügeln, dann wird

die weiße Innenseite sichtbar.

Birkhähne tragen Ballkleidung: tiefschwarzes

Gefieder, das samtig bläulich schillert,

schwarzer Schnabel. Das reinweiße »Hemd«

INFO

Das Haselhuhn

(Bonasa bonasia)

Sie plustern das Gefieder, zischen sich an

und tanzen in kleinen Kreisen.

Immer auf der Hut: Das Haselhuhn

lässt sich nur selten blicken.

Mehr als eine Stunde ist vergangen, ehe sie

die Rucksäcke wieder schultern und den

Balzplatz weit ausholend umgehen. Denn eines

ist klar: Statt des Gipfels haben sie heute

ein viel größeres Erlebnis geschenkt bekommen:

den Balztanz der Birkhähne. Ab Ende

März versammeln sich die Hähne auf ihren

traditionellen Balzplätzen: weite Kuppen,

geschützte Lichtungen, flache Grashänge.

Unter Zischgeräuschen und lautem rhythmischen

Gurren, dem so genannten Kullern,

umkreisen die Birkhähne einander in einem

grazilen Tanz. Die Flügel stellen sie aus, so

sieht man als zarte weiße Streifen der Armschwingen,

als weiße Flügelunterseite und

als Unterschwanzfedern. Als knallig roter

Farbklecks leuchten über den Augen zwei

halbmondförmige Wülste, die sogenannten

Rosen. Die umworbenen Hennen setzen auf

ein dezenteres Äußeres, sie tragen zartes

Braun mit schwarz-weißem Muster. Im Gegensatz

zu den Hähnen ist ihr Gefieder ganz

auf Tarnung optimiert. Erst wenn die Hähne

im Laufe des Frühlings zur Höchstform

auflaufen, erscheinen sie in der Arena und

beobachten die Tänze.

Aussehen: schwarz, rötlich und weiß

gefl ecktes Gefi eder

Größe: ca. 40 cm, Flügelspannweite

bis 60 cm; Haselhühner gehören zu den

kleinsten Raufußhühnern

Gewicht: 300 – 500 g

Nahrung: Triebe, Knospen, Blätter

und Beeren

Vorkommen: artenreicher Wald,

vor allem alter Mischwald

Feinde: Dachs, Fuchs, Marder, Greifvögel,

streunende Hunde

Schutz: auf der Vorwarnliste der gefährdeten

Tiere in Bayern

98 Bergsteiger 03 ⁄13



Willkommene Einkehr:

die Priener Hütte am

Geigelstein

Beobachten, notieren, frieren – viele

Freiwillige halfen beim Kartieren.

Brennpunktartig treffen hier Naturerhalt

und Naturnutzung aufeinander. Seit 1991

ist er als Naturschutzgebiet ausgewiesen, alle

vier Raufußhühnerarten sind am Geigelstein

beheimatet. Im Sommer freuen sich

Blumenfreunde und Botaniker über die Artenvielfalt,

im Winter strömen Skitourengeher,

Rodler und Winterwanderer ins Gebiet.

Auf der Suche nach unberührter Natur, nach

unverspurtem Schnee, nach Spaß.

»Masern« lautet der erste Gedanke, wenn

man die Karte sieht. Aber die roten Flecken

sind keine Krankheit, sondern ein ausgetüftelter

Plan. Sie sind das Ergebnis unzähliger

Arbeitstage am Geigelstein. Warten, beobachten,

notieren, frieren, schwitzen: Unter

Koordination des DAV halfen Ehrenamtliche

verschiedener Naturschutzverbände

bei den Kartierungen mit. Der Wildbiologe

Albin Zeitler erstellte ein Gutachten, Begehungen

mit Förstern und Grundbesitzern

sollten zeigen, wo Alternativrouten für

Skitourengeher möglich sind. Heute kann

man sehr genau sagen, welche Zonen von

welchen Wildtieren benötigt werden. Das

Ergebnis sehen Tourengeher und Wanderer

seit dem Winter 2009/10 in einer Karte.

Der Kompromiss aus Schutz und Nutzung

erlaubt es Tourengehern auf ihre Lieblingsgipfel

zu steigen und die Abfahrtskorridore

zu nutzen, die auch Sinn machen. Genauso

verpflichtete er sie aber auch, die Schutzzonen

einzuhalten. Auf diese Weise können

die Raufußhüher überleben.

Im Frühling legen die Hühner sechs bis acht

Eier, die sie in knapp vier Wochen ausbrüten.

Das Nest verlassen sie in dieser Zeit so

gut wie kaum. Bis in den Spätherbst werden

die Küken von den Müttern umsorgt, auch

wenn sie nach etwa drei Wochen schon erste

wacklige Flüge machen. Das Fliegen ist ohnehin

nicht die liebste Fortbewegung der Raufußhühner.

Das Birkhuhn ist sehr ortstreu

und bleibt in einem wenige hundert Meter

großen Umkreis. Störungen allerdings zwingen

den scheuen Vogel zur Flucht. Während

der Balz und des Brütens gefährdet das den

Nachwuchs, im Winter ist die Flucht wegen

des hohen Energieverbrauchs und des spärlichen

Futterangebots oft tödlich.

In so stark frequentierten Regionen wie den

Bayerischen Alpen ist es daher kein Wunder,

dass Birkhuhn, Auerhuhn, Schneehuhn und

Haselhuhn auf der roten Liste der vom Aussterben

bedrohten Tierarten stehen. Schon

seit Jahren existieren in Deutschland daher

Programme zum Schutz der schönen Tiere.

Zum Beispiel der Geigelstein im Chiemgau:

INFO

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus)

Auf der Balz: Der Auerhahn stellt seine

ganze Pracht zur Schau.

Aussehen: größter Hühnervogel in Europa.

Hähne haben dunkelgraues und dunkelbraunes

Gefi eder mit einem weißen Fleck auf der

Flügeloberseite, einen Spitzbart, rote Rosen

und einen hellen Schnabel. Hennen sind braun

gefl eckt.

Größe: Hähne ca. 100 cm, Hennen bis 70 cm,

Spannweite 100 – 135 cm

Gewicht: 2 – 6 kg

Nahrung: im Winter fast nur Nadeln, im

Sommer Knospen von Laubbäumen, Früchte

und Beeren, vor allem Heidelbeeren, Insekten,

auch Ameisen

Vorkommen: ursprüngliche Bergwälder, dicht

und artenreich, mit Heidelbeerunterwuchs

Feinde: Marder, Fuchs, streunende Hunde, vor

allem aber der Mensch durch die Zerstörung

des Lebensraums

Schutz: in Bayern vom Aussterben bedroht,

in allen Alpenländern außer Österreich unter

Schutz, dennoch stark

sinkende Zahlen

Das scheue Auerhuhn

(er-)hört den

Lockruf des Hahns.

03⁄13 Bergsteiger 99


Breite Spur: Aufstieg zur

Priener Hütte

»Die Verbote

halten sich in

Grenzen«

Manfred Scheuermann

vom Ressort Natur- und

Umweltschutz des

Deutschen Alpenvereins

koordiniert seit

Jahren das Projekt

»Skibergsteigen umweltfreundlich«.

INFO

Das Schneehuhn (Lagopus mutus)

Gut getarnt: das Schneehuhn

Aussehen: je nach Jahreszeit unterschiedlich.

Im Winter weißes Gefi eder, im Sommer grau,

INFO

Das Birkhuhn (Tetrao tetrix)

Aussehen: Hähne haben schwarzes Gefi eder

mit leierförmigen Schwanzfedern, schwarzen

Schnabel und rote »Rosen« über den Augen.

Die Unterfl ügel sind weiß. Hennen sind braun

gefl eckt.

Größe: Hähne ca. 60 cm, Hennen unter 50

cm, Flügelspannweite 70 – 80 cm

Gewicht: 750 – 1600 g

Nahrung: Tannennadeln, Zweige,

Flechten, Rinde, im Sommer auch

Erlen- und Birkenknospen, Insekten,

Beeren

Vorkommen: lockere Wälder, Bergfl

anken mit Erlen- und Almrosengebüsch,

am Rande der Waldgrenze

braun und schwarz. In den Übergangszeiten

eine Mischung aus beidem. Im Schnee schließen

die Tiere sogar die Augen, um nicht durch

das Schwarz der Pupille verraten zu werden.

Größe: bis 40 cm,

Flügelspannweite bis 60 cm

Gewicht: 350 – 700 g

Nahrung: im Sommer Knospen und Blätter

von Büschen und Blütenpfl anzen, im Winter

Lärchen-, Wacholder- und Föhrennadeln,

Moos und Flechten

Vorkommen: in 2000 bis 3000 m, wurde

aber auch auf über 4000 m gesichtet, gerne

auch nordseitig, sehr ortsfest

Feinde: Fuchs, Hermelin, Greifvögel

Schutz: in Bayern stark gefährdet, die Bestände

gehen alpenweit zurück

(1500 bis 2000 m)

Feinde: Fuchs, Marder, Greifvögel, vor

allem aber der Mensch, der den natürlichen

Lebensraum immer mehr vernichtet, so dass

es in ganz Deutschland nur noch einige wenige

Rückzugsgebiete in Naturschutzgebieten und

teils im Alpenraum gibt.

Schutz: in Bayern vom Aussterben bedroht,

völlig geschützt, in anderen Alpenländern teils

nicht, obwohl Experten dies für nötig halten

Auch ein schöner Rücken kann entzücken:

Das männliche Birkhuhn

zeigt sein prächtiges Gefieder.

BERGSTEIGER: Raufußhühner benötigen

speziellen Schutz. Warum?

MANFRED SCHEUERMANN: Die vier Raufußhuhnarten

sind stark bedrohte Tierarten, sie

haben in den Alpen ihre letzten Rückzugsmöglichkeiten.

Vor allem im Winter sind diese sehr

schönen Tiere überaus störempfi ndlich. Der

Schutz gilt aber nicht nur der Tierart, sondern

auch ihrem Lebensraum. Als Leittierarten stellen

Raufußhühner einen hohen ökologischen Wert

dar. Ziel muss es sein, sie zu erhalten, so dass

sie aus intakten Quellgebieten in den Alpen die

ursprünglichen Lebensräume wie die Moorgebiete

des Voralpenraums wieder besiedeln können.

Wie sehen die Schutzmaßnahmen aus, die

von Regierung, Alpenverein und Naturschutzorganisationen

ausgearbeitet wurden?

Die Forstwirtschaft sorgt zum Beispiel für lichte

Waldbestände. Waldgrenzgebiete und Almfl ächen

werden offen gehalten. Der DAV hat das Ziel zu

verhindern, dass Tiere durch den Bergtourismus

Störungen ausgesetzt sind. Zur Lenkung von

Skitouren- und Schneeschuhgehern in kritischen

Bereichen werden Schilder und Informationstafeln

aufgestellt, Spuren von gut informierten einheimischen

Tourengehern angelegt. Wald-Wild-

Schongebiete und naturverträgliche Skirouten

sind in den neuen AV-Karten Bayerische Alpen

dargestellt. Die Autoren von Publikationen wie

Tourenführer und Internetseiten werden beraten.

Wie viele Einschränkungen müssen Tourenfahrer

und Schneeschuhgeher hinnehmen?

Die Einschränkungen halten sich sehr in Grenzen,

maximal zehn Prozent sind von Schongebieten

betroffen. Diese aber sind in hohem Maß

schützenswert! Keine klassische Skitour im

bayerischen Alpenraum ist herausgefallen. In

Teilabschnitten wurden Alternativrouten ausgearbeitet.

Der Verzicht ist akzeptabel und freiwillig.

Ausnahme sind Areale wie das Naturschutzgebiet

Geigelstein (Details unter www.alpenverein.de).

Wie gut funktionieren die Schutzmaßnahmen?

Auf die Gesamtfl äche betrachtet sind sie ein

großer Erfolg. Im Nationalpark Berchtesgaden

oder im Kleinwalsertal verzeichnen wir teils 100

Prozent Akzeptanz. Leider halten sich in manchen

Gebieten auch einige Skifahrer und Schneeschuhgeher

nicht an die Routenempfehlungen. ◀

Interview: Andrea Strauß

100 Bergsteiger 03 ⁄13


TOUREN

Skitouren rund um den Geigelstein

Der Geigelstein und seine Nachbarberge sind Naturschutzgebiet

und Lebensraum seltener Tierarten. Hält

man sich an die freigegebenen Routen, so sind einige attraktive

Skitouren in diesem großartigen Gebiet möglich

– ohne Gefährdung der Wildtiere. In der neuen AV-Karte

»Chiemgauer Alpen West« von 2009 sind Routen und

Schutzgebiete eindeutig eingezeichnet.

1 Geigelstein (1813 m)

▶ mittel 5 Std.

Fotos:

1100 Hm + 14 J.

Charakter: Der Geigelstein ist einer

der bekanntesten Skitourenberge im

Chiemgau. Nach der Forststraße zur

Priener Hütte ist der Weg landschaftlich

reizvoll. Der Gipfel bietet gute

Aussicht auf Wilden Kaiser, Chiemgauer

Berge, Loferer Steinberge und

Berchtesgadener Alpen.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

bei der Holzerhütte (720 m), nördlich

von Huben zwischen Sachrang und

Aschau

Hütte: Priener Hütte (1411 m),

DAV, Tel. 080 57/4 28, ganzjährig

bewirtschaftet

Route: Jenseits der Straße Aschau–

Sachrang bachaufwärts zu einer

Brücke und erst auf einem Hohlweg,

dann auf einer breiten Forststraße

über die Talalm (1119 m) zur Priener

Hütte, 2½ Std. Von der Hütte zuerst

fl ach und am Hang entlang talein

zur großen Karschüssel westlich

unter dem Geigelstein. Diesen Hang

im Rechtsbogen aufwärts bis zum

Sattel nördlich des Geigelsteins und

über den Nordrücken zum Gipfel mit

Kreuz und Kapelle, 1 Std. Bei geringer

Schneelage aus Umweltschutzgründen

Skidepot am Sattel.

Abfahrt: Die Abfahrt folgt der

Aufstiegsspur. Alternativ ist auch der

Aufstieg von Schleching/Ettenhausen

über die Wuhrsteinalm und die

Wirtsalm möglich. Schutzgebiete

beachten!

2 Breitenstein (1661 m)

▶ mittel 4 Std.

950 Hm + 14 J.

Charakter: Der Breitenstein ist der

Nachbargipfel des Geigelsteins und

von der Priener Hütte aus die etwas

kürzere Gipfeloption. Aus Gesichtspunkten

des Naturschutzes nähert

man sich von der Nordwestseite.

Abfahrten sind zur Priener Hütte und

zur Wirtsalm möglich und erlaubt.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

bei der Holzerhütte (720 m), nördlich

von Huben zwischen Sachrang und

Aschau

Hütte: Priener Hütte (1411 m),

DAV, Tel. 080 57/4 28, ganzjährig

bewirtschaftet

Route: Wie beim Geigelstein zur Priener

Hütte, 2½ Std. Von der Hütte kurz

fl ach nach Süden und über einen

freien Hang in den Sattel zwischen

Geigelstein und Breitenstein. Nun

nach Südosten und über den Rücken

zum Gipfel

Abfahrt: Die Abfahrt folgt der Aufstiegsspur.

Variante: Auch beim Breitenstein

ist alternativ der Aufstieg von

Schleching/Ettenhausen über die

Wuhrsteinalm und die Wirtsalm möglich.

Darüber hinaus bietet sich eine

Rundtour an: Huben – Priener Hütte

– Breitenstein – Abfahrt zur Wirtsalm

oder Wuhrsteinalm (Lawinengefahr

beachten!) – Aufstieg zum Geigelstein

– Abfahrt übers Platt (nur bei guten

Bedingungen) – Aufstieg in den Sattel

Geigelstein/Breitenstein – Abfahrt

Priener Hütte

3 Karspitze (1241 m)

▶ leicht 2½ Std.

500 Hm + 12 J.

Charakter: Die Karspitze ist ein

ruhiger Tourengipfel am Südrand der

Chiemgauer Berge. Bei Pulverschnee

bietet sie aber ein paar schöne Hänge.

Die Tour ist kurz und außer in Extremsituationen

relativ lawinensicher.

Ausgangspunkt: Parkplatz beim

Schlepplift in Aschach (740 m),

unmittelbar südlich von Sachrang auf

der Südostseite des Tals gelegen

Hütte: keine

Route: Vom Parkplatz die Skipiste

entlang hinauf zum Ende des

Schleppliftes und linkshaltend über

Waldschneisen und Lichtungen in

nordöstlicher Richtung zur Wildbichleralm

(1040 m), 1 Std. Links an der

Alm vorbei und einen freien Hang

Am Gipfel des Breitenstein mit Blick auf den Geigelstein

hinauf bis zu seinem obersten Ende.

Dort durch den schmalen Waldsaum.

Über kupiertes Gelände weiter nach

Osten zum Gipfel, ½ Std.

Abfahrt: Wie Aufstieg. Die Wildbichler

Alm kann man auslassen und direkt

hinab fahren.

4 Brennkopf (1353 m)

▶ leicht 3 Std.

670 Hm + 13 J.

Charakter: Dem Geigelsteinmassiv

weit nach Süden vorgelagert ist der

Brennkopf. Man erreicht diesen schönen

Aussichtsberg aus dem Walchseebecken

von Süden kommend.

Ausgangspunkt: Parkmöglichkeit bei

Stauding am nordwestlichen Rand

der Schwemm westlich von Walchsee

(680 m)

Hütte: keine

Route: Von Stauding geht es anfangs

auf einem Sträßchen, dann über

einen Wiesenhang über dem Weiler

Kitzbichl nach Nordosten. Ein kurzer

Waldsaum wird auf der Trasse des

Sommerwegs überwunden. So kommt

man auf die freien Hänge unterhalb

der Hitscheralm (1080 m), 1 Std.

An der Hitscheralm wendet man sich

nach Nordosten und kommt so auf

den Rücken, der direkt zum Brennkopf

führt. Über gestuftes Gelände

steigt man diesen Rücken auf bis

zum Gipfel, ¾ Std.

Abfahrt: Entlang der Aufstiegsroute

■ = leicht ■ = mittelschwer ■ = schwierig

03⁄13 Bergsteiger 101


PORTRÄT

Auf die Bretter,

fertig, los

Sie wollten den perfekten Freeride-Ski

und fanden ihn nicht. Also tüftelten

Hans Beyer und Michael Reifinger

jahrelang. Inzwischen haben die beiden

Münchner eine Firma gegründet und

fertigen Bretter, die es in sich haben.

Von Michael Ruhland

Die Freiheit des Freeriders:

Am Krippenstein ging's 2006

zum ersten Mal mit selbst

gebauten Brettern talwärts.

Früher hätte Hans Beyer vermutlich

behauptet, sein handgemachter

Ski sei unverwüstlich. Nicht kaputt

zu kriegen. Und hätte einen

dabei angriffslustig angeschaut.

Früher, das war, bevor er bei einer Skitour

am Krippenstein im Dachsteingebirge in

eine Doline fiel. Fast 15 Meter tief rauschte

Beyer in die trichterförmige Senke. Wegen

der unübersichtlichen Geländeformation

hatte er sie zu spät bemerkt. Die Ski waren

Schrott. »Es waren meine allerersten selbstgebauten«,

stöhnt Beyer. »Ich hatte ein gutes

Stück Pech.«

Man kann das auch genau andersherum sehen:

Beyer hatte ziemlich viel Glück, er hätte

tot sein können. Mit einem Kreuzbandanriss

und Prellungen kam der Münchner

glimpflich davon. Wenige Wochen später

bastelte er am Nachfolgermodell.

Zwei Jahre ist der Sturz in die Doline nun

her, und Hans Beyer, 32, und sein Freund

und Kompagnon Michael Reifinger, 35, erzählen

die Geschichte eher beiläufig. Vor

allem Beyer ist der Sturz eher peinlich. An

ihrer Begeisterung für das Freeriden durchs

Gelände hat der Unfall aber nicht genagt.

Auch nicht an ihrer Idee, den perfekten Ski

Rein in den Pulver-Hang: Andreas Lammerer

aus Rosenheim testet in Hochfügen Sway-Ski.

102 Bergsteiger 03⁄13


UNSERE BESTEN

Kongeniales Duo: Der Mathematiker

Michael Reifinger (li.) und

der Chemiker Hans Beyer fertigen

Touren- und Freeride-Ski per Hand

an – Ergebnis von sieben Jahren

Entwicklung und Erfahrung.

Als Werkstätte diente

anfangs die WG-Küche,

spezielle Werkzeuge

konstruierten die

beiden Bastler selbst.

Fotos: Claudia Kremer, Sebastian Stiphout, Robert Haas

zu bauen. Perfekt angepasst an das Können

und die Vorlieben des jeweiligen Fahrers.

Inzwischen hat das Duo aus dem Maßanfertigen

von Ski ein Geschäftsmodell gemacht.

»Sway« haben sie ihre GmbH genannt, was

auf Deutsch so viel heißt wie schaukeln,

aber auch beherrschen – und damit ziemlich

gut passt auf das, was sie mit ihrer Firma

wollen, frei nach der Devise: Sage mir,

wie und wo du fährst, und ich baue dir die

richtigen Bretter dafür.

Dass ein Markt da wäre, ist den Münchnern

nach und nach bewusst geworden. Schließlich

suchten sie selbst vergeblich nach dem

ultimativen Tiefschnee-Ski. »Es gab die

Freeride-Ski nicht, die wir brauchten«, erzählt

Reifinger. Welche mit einer Art Surfboard-Form,

die für den optimalen Auftrieb

im Pulverschnee sorgen. »Tiefschnee ist wie

Wasser«, sagt er. Aus den USA kannten sie

»kleine Schmieden, aber in Europa war da

nicht ranzukommen«, erinnert sich Beyer.

Beide sind auch Surfer, und in der Szene

werden die Boards längst auf den jeweiligen

Surftyp zugeschnitten. Sie hatten Erfahrung

im Entwickeln von Formen und

im Laminieren – warum sich also nicht an

Ski heranwagen?

03⁄13 Bergsteiger 103


Volle Konzentration: Aufstieg vom Rifugio

Garibaldi zum Gletscherboden des Adamello

Das Abenteuer begann 2006 in der Wohngemeinschaft

auf dem Küchentisch und im

Keller. Vier Wochen brauchten sie anfangs

für ein Paar Ski, die Küche wurde in dieser

Zeit mehr und mehr zur Werkstatt. Heute

dauert die Produktion vier Arbeitstage, wobei

die auf die Abende und Wochenenden

verteilt sind. Denn noch arbeiten Beyer und

Reifinger in ihren jeweiligen Berufen als

Chemiker und Mathematiker.

Wer die zwei Tüftler in ihrer Werkstätte in

Untergiesing besucht, die sie sich mit anderen

Handwerkern teilen, merkt: Geschick

mit den Händen und Hingabe für den Sport

alleine reichen nicht. Ski zu bauen ist eine

Wissenschaft, und ohne die beruflichen

Vorprägungen würden vielleicht leidlich

fahrbare Teile entstehen, sicher aber keine

High-End-Produkte.

Kevlar für extreme Stabilität

Mehrere Spezialwerkzeuge haben die beiden

selbst entworfen. Zum Ausdünnen des

hölzernen Skikerns dient eine einfache Hobelmaschine.

Um damit exakt arbeiten zu

können, erstellen die Bastler zunächst eine

Negativform des Kerns – so sparen sie sich

eine teure Fräsmaschine. Sie benutzen stabiles

Eschenholz für die Rocker- und Carver-

Modelle und kombinieren es für Tourenski

wegen des geringeren Gewichts mit dem

wenig bekannten Blauglockenbaumholz.

»Industrieski haben oft nur Pressspan als

Kern oder sind ausgeschäumt«, sagt Beyer.

Auch die teure, extrem robuste Kunstfaser

Kevlar finde man selten in Ski von der Stange.

Kevlar ist sehr leicht, extrem zugfest,

nahezu undurchdringbar und wird deshalb

zum Beispiel für kugelsichere Westen eingesetzt.

Die beiden Ski-Enthusiasten haben

damit experimentiert und packen nun neben

Carbon eine Schicht Kevlar unter den

Kern. Da könne schon mal ein Felsbrocken

im Weg stehen – der Ski bleibe heil, verspricht

Reifinger, der seine Wollmütze auch

beim Arbeiten in der Werkstatt nicht auszieht.

Für den nötigen hohen Druck beim

Verkleben der Schichten haben sie sich für

ein Vakuumverfahren entschieden. Der Ski

wird auf einer Aluplatte mit einer Vakuumfolie

überzogen, eine Pumpe saugt die Luft

heraus – bis zu vier Tonnen Druck entsteht

auf diese Weise. So wird das überflüssige

Harz herausgepresst.

Doch der erste Schritt zum individuellen

Ski erfolgt am Computer. Dort entsteht der

»Shape«, die Skiform, je nachdem, wofür er

gebraucht wird: für die Piste, zum Tourengehen,

zum Freeriden. Drei Grundmodelle

hat das Duo entworfen. Das auf den Kunden

abgestimmte Paar Ski kostet circa 1200 Euro.

Wer eine komplette Neuentwicklung will,

muss 1600 Euro berappen. »Wir wollen Ski

bauen, die sich auch jemand leisten kann,

der sich nur für den Sport interessiert«, sagt

Reifinger. Soll heißen: keine Designerware

für Neureiche, die mit den Brettern prahlen

wollen. »Klar können wir fast alles möglich

machen, was das Design betrifft«, erklärt Reifinger.

»Aber für unseren Anspruch ist das,

ehrlich gesagt, nur Nebensache.«

TOUR

»Ski zu konstruieren

ist die Kunst, aus

vielen Parametern das

Richtige zu basteln.

Dazu gehört auch sehr

viel Bauchgefühl .«

Gefühl der Schwerelosigkeit

Bevor die Sway-Gründer Hand anlegen,

machen die beiden Skiexperten am Anfang

eine Art Anamnese. Der Kunde wird ausgiebig

über sein Fahrkönnen, seinen Stil und

seine Sonderwünsche befragt. Entweder im

persönlichen Gespräch oder per Fragebogen

im Internet (www.sway-skis.de) »Es ist die

Kunst, aus vielen Parametern das Richtige

zu basteln«, sagt Beyer. Einerseits seien mathematische

Formeln wichtig, andererseits

habe die Form »sehr viel mit Bauchgefühl zu

tun« – wie es sich später auf dem Ski anfühlt.

Der Test ist viel versprechend. Im frischen

verschneiten Nordhang unterhalb der

Achselköpfe schwimmen die breiten Bretter

optimal auf, ein Gefühl der Schwerelosigkeit

stellt sich ein. Im Temporausch geht’s in die

Tiefe. Zum Glück in keine Doline. ◀

Der Tourentipp: Schönwetterfensterl (2175 m)

Von der Griesneralm über den

Kaiserbach, durch Wald und

Wiesen inmitten imposanter

Felswände, führt der Weg ins

Griesnerkar. Der Anstieg durchs

Kar eröffnet weitläufi ges

Skigelände in grandioser

Kulisse. Links am markanten

Fels des Kleinkaisers vorbei,

bewältigt man die letzte

Steilstufe. Nun ist‘s nicht mehr

weit zur Brotzeit auf dem

sonnigen Hochplateau um die

Fritz-Pfl aum-Hütte (1868 m),

von wo das besondere

Schmankerl dieser Tour unübersehbar

ins Auge sticht: die tief

eingeschnittene Nordscharte

zum Schönwetterfensterl. Die

Ski auf dem Rücken, stapft

man die zunehmend enger und

steiler werdende Rinne hinauf,

während die Karawane lieber

zum Goinger Törl weiterzieht.

Aus dem Schönwetterfensterl,

der Name sagt’s, hat man

einen großartigen Blick nach

Süden und einen eindrucksvollen

Tiefblick auf die Abfahrt

durch die Rinne. Für eine noch

bessere Rundumsicht bietet

sich eine kleine Felskraxelei (I)

auf die Westliche Hochgrubachspitze

(2277 m) an.

Charakter: Von der gut 40

Grad steilen Rinne bis zum

Genussgelände des Kars bietet

die Abfahrt alles, was das Herz

begehrt. Während man hier im

Februar (passende Lawinenlage

vorausgesetzt!) meist seine

Ruhe hat, herrscht im Frühjahr

oft Almauftriebsstimmung.

Ausgangspunkt:

Griesenau im Kohlental

(719 m) bzw. Griesneralm

(988 m), je nachdem ob die

Mautstraße offen ist.

Foto: Felix Klanner

104 Bergsteiger 03⁄13


LESERBRIEFE/IMPRESSUM

GRASSLS TIPPS

Toni Grassl ist staatlich

geprüfter Berg- und Skiführer

und Inhaber der Eventagentur

grassl-eps. Exklusiv für den

BERGSTEIGER gibt er Tipps

rund ums Bergsteigen. Dieses

Mal geht es um Erfahrungen

mit Lawinenairbags.

»Bereits vor 20 Jahren machte

ich meine ersten positiven Erfahrungen

mit Lawinenairbags

als Bergführer beim Heli-

Skiing im Kaukasus. Schon

damals war der Rucksack mit

dem ABS-System bei allen Teilnehmern

obligatorisch und

in einigen Fällen, bei denen er

ausgelöst wurde, lebensrettend.

Durch die massive Erweiterung

des eigenen Volumens

erfährt der Körper

einen Auftrieb, wird in eine

BERGSTEIGER

Januar 2013

Kaufberatung Daunenjacken

Betrifft: Verharmlosung

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit einigem Befremden habe

ich in Ihrer Zeitschrift o. g. Artikel

gelesen. Alleine die Überschrift

(Federn fürs Gemüt) erscheint

mir unpassend. Ich

glaube nicht, dass sich der Verfasser

des Berichtes darüber im

Klaren war, über was er eigentlich

schreibt. Eine Zeitschrift,

flache Position gebracht, eine

komplette Verschüttung im

Regelfall vermieden und das

Verletzungsrisiko reduziert.

An der Oberfläche einer Lawine

zu bleiben, bietet die besten

Überlebenschancen.

Die Kriterien zum Kauf eines

Airbags liegen meistens beim

Preis und dem zusätzlichen

Gewicht, das auf Tour zu tragen

ist. Grundsätzlich sollte

an der Sicherheit nicht gespart

werden, schon eher am

Gewicht. Achten Sie beim

Kauf unbedingt auf das zusätzliche

Packvolumen. Es

sollte auf keinen Fall passieren,

dass Kleidungsstücke, die

man beim Start einer Tour

noch angezogen hat, nach

dem Umziehen nicht mehr in

den Rucksack passen.

Falls Sie eine Skitour in Gebiete

planen, für die eine

Flugreise nötig ist, und nicht

auf Ihren eigenen Airbag verzichten

wollen, sollten Sie

sich vorher bei der Airline

erkundigen, ob und wie Sie

die Patronen mitnehmen

können. Bei der Firma ABS

Airbags finden Sie im Internet

die nötigen Infos dazu.«

die sich mit sportlichen Aktivitäten

befasst, die sich nur

schwerlich von einer intakten

Natur abkapseln lassen, sollte

sich bewusst sein, dass Umweltschutz

auch Tierschutz beinhaltet.

Vielleicht sollte sich der Verfasser

mal kurz damit auseinandersetzen,

was sich hinter

dem Wort Stopfgans bzw. Stopfente

verbirgt. Ich hoffe, dass ich

nicht die Einzige bin, die sich

bemüht, die alternativen Möglichkeiten

des 21. Jahrhunderts

zu nutzen!

Mit freundlichen Grüßen

Sofia Kohmann, Tierärztin

BERGSTEIGER

sämtliche Ausgaben

Ortsangaben bei Fotos

Betrifft: Bildlegenden

Guten Tag,

ich bin seit über 30 Jahren Ihr

Abonnent. Mein Eindruck: Für

meinen Anspruch hat sich diese

Zeitschrift nochmals verbessert.

Was mich schon immer in

fast all Ihren Publikationen ärgert:

Warum geben Sie nicht

auch bei Fotos, die nicht direkt

einen Bericht betreffen, den Ort

von Fotos an (z. B. BERGSTEIGER

Titelseite Februar 2013)?

Klaus Köhl, per Mail

Hinweis der Red.: Die Angabe, wo

das Titelbild aufgenommen wurde,

ist bei den Bildnachweisen am Falz

des Inhaltsverzeichnisses zu fi nden.

Künftig etwas gefettet, damit man es

leichter sieht.

Schönes Heft!

Hallo, oder wie man bei uns im

Norden sagt: »Moin moin!« Was

soviel bedeutet wie »Gut gut!«

Und da bin ich auch schon beim

Thema. Der BERGSTEIGER. Der

ist nämlich auch richtig gut.

Ich habe mir letzte Woche im

Bremer Bahnhof (vor meiner

Reise in die Alpen...) meine

erste Ausgabe gekauft und bin

begeistert! Besonders gefallen

haben mir das Interview mit

Reinhold Messner und die Prominenten-Bergtipps.

Zurück in

Bremen habe ich mir gleich die

zweite Ausgabe gekauft. Und

festgestellt, dass mein erster

Eindruck keine Eintagsfliege

ist. Also: In mir habt Ihr einen

neuen Abonnenten gewonnen!

Grüße nach Bayern und weiter

so mit dem Magazin!

Christian Godbersen, per Mail

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe, die wir abdrucken, zu kürzen.

03/13 | 80. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

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ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

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AUF TOUR

Trekking im Urner Granit

Über dem Göschenertal lässt sich eine

Handvoll Hütten über alpine Routen verbinden

– eine Tour über Stock und Stein,

etwas für gehobenene Ambitionen!

&

REPORTAGE

Der Berg der Berge

Vor 60 Jahren standen Edmund Hillary und

Tenzing Norgay als erste Menschen auf dem

Gipfel des Mount Everest. Immer mehr

Bergsteiger wollen es ihnen gleich tun – mit

fatalen Folgen. Eine kritsche Bilanz.

IM INTERVIEW

Hochpolitisch und bergfanatisch

Heiner Geißler war einst einer der mächtigsten

Männer in der CDU. Die Berge,

gesteht er im Interview, waren für ihn

immer eine Option zum Aussteigen.

Der Schneeberg – Südtirols Schatztruhe

PORTRÄT Hausbesuch beim Sicherheitspapst Pit Schubert

AUF TOUR Touren für Einsteiger: Allgäu und Ammergau (Teil 1)

SERVICE

Der nächste Bergsteiger ist vom 11. März an am Kiosk erhältlich.

Klettergurte im Test

Einen Sturz hält jeder Klettergurt

– oder sollte es zumindest.

Trotzdem lohnt

es sich, genau hinzuschauen,

da je nach Verwendungszweck

große Unterschiede bestehen.

Neue Serie: Stille Helfer

Ob Schuhe, Seil oder Softshell: Ohne

entsprechendes Material geht nichts

im Gebirge. Die neue

Serie »Stille Helfer«

steht ganz im Zeichen

der Bergausrüstung.

Teil 1 zeigt die Geschichte

des Rucksacks – von

Ötzis Kraxe bis zu modernen

Tagesystemen.

Fotos: Ralf Dujmovits, Südtiroler Archäologiemuseum/Ochsenreiter

COMIC

MORGN, WACHTLN!

WIEZ IHR WISST,

STEHT HEUT LAWIN‘-

LEERGANG AUFM

PROGRAMM...

DIE ULTIMATIVN

ROULES... ÄH... ALSO...

REGL ZWO: BIST AUF TOURN

NUR MIT ABSTAND SPURN.

MOIN,

CHEF!!!

BEILSACK:

ZÄHL MIR MA

EBN DIE FÜNF

ULTIMATIVN

RUULS AUF!

ERSTERENS:

AUFFER HUT TUT

IMMER GUT.

REGL DREI:

IN DIE KNIE

AUFN SCHI.

UND REGEL VIER:

SEID BESCHEIDN,

NORDHANG MEIDN!

UND WAS ZUM

GEIGER IS MIT

REGL FÜNF ?!

NIE LAUT RUFN

BEI LAWIN ‘ALARM-

WARNSTUFN...

DIE REGL VERPLAN

ICH IMMA!

SEHR

SCHÖN

...

106 Bergsteiger 03 ⁄13


12x grüßt BERGSTEIGER

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dem renommierten Bergfotografen

Bernd Ritschel – sind aus hochwertigem

Chromokarton, 12 x 17 cm

groß und erscheinen in limitierter

Auflage.

In 4/2013

Foto: Andreas Strauß

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