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BAHN EXTRA Bahn-Jahrbuch 2013 (Vorschau)

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1|<strong>2013</strong> – Januar/Februar • € 14,90 CH: sFr 29,60 • A: € 16,90 • B/NL/L: € 17,40<br />

PLUS DVD: 100 Minuten<br />

Eisenbahn-Filmmagazin!<br />

Im Test: Hamburg-Köln-Express<br />

<strong>Bahn</strong>-<strong>Jahrbuch</strong><br />

<strong>2013</strong><br />

n Neue Fahrzeuge<br />

n Neue Verbindungen<br />

n Aktuelle <strong>Bahn</strong>-Trends<br />

n 45 Seiten Chronik<br />

Private: Fahrzeugparks im Wandel Problemfall: S-<strong>Bahn</strong> Berlin Lokführerbericht: Premiere auf dem Talent 2<br />

Neuheit: Hybrid-Desiro Nahverkehr: Neue Projekte Fernverkehr: Intercity im Wandel Redesign: ICmod


Alle DB-Lokomotiven<br />

auf einen Blick!<br />

nur<br />

€ 9,90<br />

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www.eisenbahnwelt.de


Inhalt<br />

Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />

das jahrelange Warten hat ein Ende:<br />

Der Talent 2, die Baureihe 442 der DB,<br />

ist da! 2012 übernahm der Triebzug<br />

die ersten Einsätze, und Lokführer<br />

Christian Gloël berichtet in diesem<br />

Heft, wie seine Premiere mit dem<br />

„Hamster“ verlief. Während er zu<br />

einem positiven Fazit kommt, gibt es<br />

von anderer Seite Kritik. Auch der<br />

Start des 430, des neuen S-<strong>Bahn</strong>-<br />

Triebzugs für Stuttgart, verläuft nicht<br />

ohne Schwierigkeiten. Bei Redaktionsschluss<br />

hatte er keine Zulassung. Die<br />

DB zog inzwischen die Konsequenzen<br />

aus den Erfahrungen der letzten Jahre<br />

und holte neue Hersteller ins Boot. Ob<br />

das den Etablierten einheizt? Jedenfalls<br />

bleibt es spannend im Nahverkehr.<br />

Wie die jüngsten Entwicklungen<br />

aussehen, erfahren Sie in diesem<br />

Heft – neben vielem anderen vom<br />

aktuellen <strong>Bahn</strong>geschehen.<br />

Wir wünschen interessante Lektüre<br />

und viel Vergnügen!<br />

Ihre Redaktion <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong><br />

Ein passendes Cover für<br />

Ihre DVD zum Ausschneiden<br />

finden Sie in diesem<br />

Heft auf Seite 74<br />

Titelfotos: E. Körschenhausen (kl. B.<br />

o.), DB/C. Weber (2. v. o.), E. Körschenhausen<br />

(3. v. o.); Bilder der<br />

2. Reihe v. u.: M. Hille, Kay Nietfeld/dpa,<br />

DB/J. Schmidt (v. l.); Bilder<br />

der Reihe u.: U. Miethe, V. Kolev,<br />

V. Emersleben, DB/R. Garbe (v. l.)<br />

Rücktitel: M. Henschel (gr. Bild,<br />

103 113 mit Nostalgie-IC in Düsseldorf-Oberbilk,<br />

25.05.2012),<br />

O. Strüber (u. l.), T. Werner (u. r.)<br />

Frühlingsstimmung in Bad Wildungen mit einem 646 der DB-Tochter Kurhessenbahn. Die Entwicklung<br />

des DB-Personenverkehrs 2012 dokumentiert die Chronik ab Seite 48 Dirk Höllerhage<br />

Impressionen<br />

Das war 2012<br />

Themen und Trends des <strong>Bahn</strong>-Jahres 6<br />

... Farbe bekennen<br />

Werbefahrzeuge 2012 36<br />

Immer im April<br />

Dampflokparade in Wolsztyn/Polen 80<br />

Alles außer langweilig<br />

<strong>Bahn</strong>betrieb 2012 90<br />

<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Die erste Schicht<br />

Dienst auf dem 442 14<br />

Jugend gesucht<br />

DB vor der Überalterung? 19<br />

Neuland für die DB<br />

Hybrid-Desiro der Westfrankenbahn 20<br />

Das bestgeplante Projekt?<br />

Neues von Stuttgart 21 22<br />

Geduldsprobe, die nächste<br />

Das Jahr Vier der Berliner S-<strong>Bahn</strong>-Krise 24<br />

Der Neue und der Alte<br />

Mitfahrt mit HKX und Nostalgie-IC 26<br />

Das Gold-Jubiläum<br />

50 Jahre Fernschnellzug „Rheingold“ 30<br />

Abschied von der Zechenbahn<br />

Stilllegungen im Ruhrgebiet 32<br />

Aus für Otto<br />

Ende für den „Magdeburg-Berlin-Express“ 34<br />

Seit Juli 2012 gibt es private Konkurrenz<br />

für die DB zwischen Hamburg und Köln: den<br />

HKX. Mehr ab Seite 26 Marcus Henschel<br />

Ausblick<br />

Die nähere Zukunft<br />

Ausblick auf das <strong>Bahn</strong>jahr <strong>2013</strong> 4<br />

Chronik<br />

DB allgemein 40<br />

DB Fahrzeuge 42<br />

DB Personenverkehr 48<br />

DB Güterverkehr 52<br />

DB Strecken und Netz 54<br />

Privatbahnen 57<br />

Unfälle 62<br />

<strong>Bahn</strong>industrie 64<br />

Museumsbahnen 68<br />

Schweiz 75<br />

Österreich 78<br />

Weltweit 82<br />

<strong>Vorschau</strong>/Leserservice/Impressum 98<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

3


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Ausblick <strong>2013</strong><br />

Die nähere Zukunft<br />

Lieferabschluss bei der Gravita, Start wohl für 407 und Mehrmotorloks, die Mitteldeutsche<br />

S-<strong>Bahn</strong> demnächst in Betrieb: Das sind einige der Schlagzeilen, die sich für die Eisenbahn im<br />

Jahr <strong>2013</strong> abzeichnen. Vorausgesetzt, alles kommt wirklich so wie geplant<br />

Vorneweg hoch und heilig versprochen:<br />

Wir haben unseren Ausblick nicht vom<br />

Vorjahr übernommen und aufgewärmt.<br />

Ein „kenn’ ich doch schon“ stellt sich<br />

bei manchen Ankündigungen für die Eisenbahn<br />

<strong>2013</strong> zwar ein, aber das liegt daran, dass<br />

diese übers Jahr 2012 hinweg Ankündigungen<br />

blieben und die <strong>Bahn</strong> im neuen Jahr einen<br />

neuen oder überhaupt erst den Anlauf nimmt.<br />

Neues bei den Fahrzeugen<br />

So verhält es sich zum Beispiel beim ICE der<br />

Baureihe 407, der im Juni <strong>2013</strong> vielleicht den<br />

Schritt in den Plandienst macht. Das wäre<br />

dann eine über einjährige Verzögerung. Mehr<br />

Glück hat die DB mit ihren 130 neuen<br />

Gravita-Rangierloks, deren Auslieferung <strong>2013</strong><br />

planmäßig abgeschlossen sein dürfte. Nachdem<br />

nun die „Hamster(backen)“ der Baureihe<br />

442 nach und nach ihre Zulassungen erhalten,<br />

sollte auch dem Einsatzbeginn der<br />

silbergrauen Exemplare für die S-<strong>Bahn</strong> Mitteldeutschland<br />

nichts mehr im Wege stehen.<br />

Als völlig neue Baureihe wird <strong>2013</strong> der S-<br />

<strong>Bahn</strong>-Triebwagen 430 auf deutschen Gleisen<br />

erwartet. Er könnte als Ergebnis gewonnener<br />

Ausschreibungen dem „Heiligen ET“ der Baureihe<br />

420 ziemlich plötzlich den Garaus machen,<br />

die in Frankfurt am Main und Stuttgart<br />

wohl ihren Abschied nehmen. Gespannt darf<br />

man auch auf die Premiere der „Mehrmotorlok“<br />

245 sein, die in Mühldorf, Kempten und<br />

Frankfurt (Main) dem klassischen DB-Diesel<br />

218 Konkurrenz machen soll. Und ob den<br />

nordbayerischen „Spagettischaukeln“ der Baureihe<br />

610 Ende <strong>2013</strong> ein Abgang droht, bleibt<br />

abzuwarten: Durch überzählige 612er-Triebzüge<br />

müssen die Ur-Pendolini schon im Dezember<br />

2012 zumindest Einbrüche in ihre<br />

Einsatzpläne hinnehmen. Spannend bleibt zudem<br />

die Frage, wie sich der Bestand der Elloks<br />

103, 110, 139/140, 180 und 181 entwickelt.<br />

Neues bei den Strecken<br />

Schon jetzt läuft die Elektrifizierung Reichenbach<br />

– Hof, die Ende 2012 wohl bis Plauen<br />

kommt und Ende <strong>2013</strong> Hof erreichen soll.<br />

Für den Juni vorgesehen ist die Eröffnung der<br />

elektrifizierten Münstertalbahn im Schwarzwald,<br />

einer elf Kilometer langen Privatbahnstrecke,<br />

auf der die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft<br />

dann mit zwei Elektro-<br />

Talenten fahren will. Für den gleichen Fahrzeugtyp<br />

vorgesehen, jedoch ein wenig länger<br />

und Ende <strong>2013</strong> am Start ist das bereits angesprochene<br />

Mitteldeutsche S-<strong>Bahn</strong>-Netz. Dessen<br />

Herzstück, der Leipziger City-Tunnel,<br />

liegt quasi parallel zu Auerbachs Keller unter<br />

der guten Stube der Messestadt (und sollte eigentlich<br />

schon 2006 eröffnet werden). Es<br />

bleibt jedenfalls nicht die einzige Wühlarbeit<br />

der <strong>Bahn</strong>, gibt es da doch zum Beispiel noch<br />

Stuttgart 21 ... Während das noch einige Jahre<br />

dauert, will die DB Ende <strong>2013</strong> die sanierte<br />

ICE-Strecke Bitterfeld – Halle wieder in Betrieb<br />

nehmen. Bitter fällt dabei ins Gewicht,<br />

dass die auszutauschenden, da verrosteten Y-<br />

Schwellen erst wenige Jahre alt sind.<br />

Derweil schreitet die Elektrifizierung der<br />

deutschen Hochrheinstrecke auf dem Gebiet<br />

des Schweizer Kantons Schaffhausen mit einjähriger<br />

Verzögerung gut voran und soll nun<br />

im Herbst <strong>2013</strong> abgeschlossen sein. Ende<br />

<strong>2013</strong> soll außerdem mit der Strecke Selb –<br />

Asch eine deutsch-tschechische Schienenverbindung<br />

mehr für Reisezüge zur Verfügung<br />

stehen. Noch länger währt der Neubau der Aller-Brücke<br />

bei Verden, mit dem die DB ungefähr<br />

in den Tagen, in denen dieses Heft erscheint,<br />

beginnen will. Aber nicht nur auf den<br />

Strecken tut sich was, ebenso im DB Museum<br />

Die Strecke über die Aller bei Verden bekommt<br />

eine neue Brücke südlich des heutigen<br />

Bauwerks. Im März 2012 nutzt der Regionalexpress<br />

noch den „alten“ Übergang<br />

Stefan Scheiba<br />

4


Nürnberg. Im April <strong>2013</strong> sollen der dortige<br />

Themenbereich auf die DB-AG-Zeit erweitert<br />

und die „Kinderabteilung“ neu gestaltet sein.<br />

Neues beim Betrieb<br />

Auf dem Wettbewerbsmarkt gibt es <strong>2013</strong> nur<br />

wenig Wechsel – einen der markantesten wohl<br />

im Regionalverkehr München – Rosenheim, wo<br />

Veolia mit dem Meridian (= FLIRT) die DB ablöst.<br />

Oft ist der künftige Betreiber aber der alte,<br />

etwa beim erwähnten S-<strong>Bahn</strong>-Netz der DB um<br />

Zwei neue Vergaben<br />

versprechen Spannung<br />

Halle und Leipzig oder bei der privaten Bayerischen<br />

Oberlandbahn, die weiter München mit<br />

dem Alpenvorland verbindet. Spannend sind die<br />

laufenden Verfahren, die <strong>2013</strong> zugeschlagen<br />

werden sollen, wie die Marschbahn zwischen<br />

Westerland auf Sylt und Hamburg oder das Sauerlandnetz<br />

südlich von Dortmund. Alleine bei<br />

diesen stehen insgesamt rund zehn Millionen<br />

Zugkilometer pro Jahr zur Vergabe an.<br />

Von derlei ist der Fernverkehr nicht betroffen,<br />

denn der verkehrt eigenwirtschaftlich.<br />

Was nicht verkehrt wäre, gäbe es da nicht<br />

manche Begleiterscheinung. Eine solche<br />

könnte der Fernbusbetrieb werden, denn noch<br />

ist unklar, wie sich dessen Liberalisierung auf<br />

die Besetzung der Züge im Land auswirkt, gerade<br />

abseits der ICE-Rennbahnen. Davon ungeachtet<br />

rollt ab August <strong>2013</strong> ein TGV auf der<br />

jüngst im Nahverkehr reaktivierten Strecke<br />

Müllheim – Mulhouse und verbindet Freiburg<br />

im Breisgau mit Paris. Der Bus hat da eher wenig<br />

Chancen; dreidreiviertel Stunden Reisezeit<br />

für fast 600 Kilometer Strecke sind eine Zeit,<br />

die auf der Straße wohl nur Sebastian Vettel<br />

schafft. Heiko Focken/Max Esser<br />

Fröhliche Unterhaltung am Regionalexpress in Dessau. Ob DB Regio im neuen Jahr seine Einsatzgebiete<br />

ausweiten kann?<br />

Veselin Kolev<br />

Silber tragen die Talent 2 für das Mitteldeutsche S-<strong>Bahn</strong>-Netz. Außerdem erhalten sie eine abweichende<br />

Baureihenbezeichnung als 1 442; im Bild 1 442 101<br />

Alois Hoffmann-Meier<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

5


Impressionen<br />

6


Das war 2012<br />

Das war 2012<br />

Themen und Trends des <strong>Bahn</strong>-Jahres<br />

Das alles beherrschende Ereignis gab es bei der<br />

Eisenbahn der letzten zwölf Monate nicht. Aber viele<br />

schrittweise Entwicklungen und die Erkenntnis, dass<br />

neben neuen Ansätzen alte Probleme weiter bestehen<br />

Der „Nostalgie-IC“ der DB bringt 2012 nochmals Fernverkehr im Stil<br />

der späten 70er- und frühen 80er-Jahre auf die Strecke Köln – Hamburg<br />

– Flensburg (Bild bei Appelhuelsen, 25. März). Zum Fahrplanwechsel<br />

im Dezember wird der Wochenend-Verstärkerzug dann auf<br />

normales Lok- und Wagenmaterial umgestellt<br />

Marcus Henschel<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

7


Impressionen<br />

Mit dem doppelstöckigen Elektrotriebzug KISS schickt die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft<br />

einen Neuling in das deutsche Nahverkehrswesen – vorausgesetzt, das Fahrzeug erhält<br />

rechtzeitig die Betriebsgenehmigung. Hier ein KISS auf der InnoTrans, Sept. 2012 Uwe Miethe<br />

8


Neu im Fahrplanjahr 2011/2012 ist der<br />

private Nachtzug EN 452/453 Moskau –<br />

Berlin – Frankfurt (M) – Paris, in dem russische<br />

Schlafwagen und ab/bis Warschau ein<br />

polnischer Speisewagen fahren. Bei einer<br />

Umleitung passiert der Zug mit der Ellok<br />

120 143 Berlin-Ostkreuz Sebastian Schrader<br />

Neu im Fahrplanjahr 2012/<strong>2013</strong> sind die modernisierten IC-Wagen der DB, hier ein Blick in<br />

den Bistro-Wagen. Die Wagen fahren zuerst auf der Strecke Hamburg – Köln – Stuttgart<br />

DB/Rainer Garbe<br />

Am Start – vor dem Abschied<br />

Das Jahr 2012 wartet mit neuen Fahrzeugen<br />

und Zugverbindungen auf, gleichzeitig rückt<br />

das Dienstende einiger Oldtimer näher. Das<br />

DB Museum übernimmt die Elloks 111 001<br />

und 140 423 sowie die Diesellok 294 001 als<br />

Exponate. Wenn das mal kein Omen ist ...<br />

Eine 218-Diesellok mit „Rot-Silberlingen“ –<br />

mancherorts noch Standard-Angebot der<br />

DB und im Januar/Februar 2012 auch als<br />

„Wintermärchen-Express“ Schelklingen –<br />

Kleinengstingen unterwegs Felix Löffelholz<br />

Am 1. Juni 2012 erhält der Lokomotiv-Abstellplatz Mukran auf der Insel Rügen wieder Zuwachs.<br />

Die 140 772 hat zwölf Schwesterloks und zwei 232er-Dieselloks im Schlepp, die in<br />

Mukran auf ihr weiteres Schicksal warten (Bild in Lietzow (Rügen))<br />

Uwe Miethe<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

9


Impressionen<br />

Zurück in die 80er heißt es am 28./29. Juli auf der Riesbahn<br />

Aalen – Nördlingen – Donauwörth: Bei einer bezahlten<br />

Kleingruppenfahrt schleppen die Krokodile 194 178<br />

und 194 192 Güterzüge (Bild: 194 178 in Wörnitzstein)<br />

Stefan Aldejohann<br />

10


Foto-Sonderzüge<br />

Raus aus dem Alltag<br />

Sehnsucht nach früher oder Freude an der Abwechslung? Im Jahr<br />

2012 erleben Foto-Sonderzüge abermals einen Boom. Längst sind<br />

es nicht nur Museumsbahnen, die ihre Fahrzeuge „wie einst“ auf<br />

die Strecke schicken. Auch Privatbahnen und die DB machen mit<br />

Neue Taktik beim Kreisligaspiel ASSV Horka (rot) gegen B/W Empor<br />

Deutsch-Ossig (blau): Deutsch-Ossig attackiert, während hinten Dampflok<br />

52 8080 mit ihrem Fotogüterzug abriegelt. Der Matchplan geht auf,<br />

Deutsch-Ossig gewinnt mit 3:0 (20. Oktober 2012)<br />

Marcus Benz<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

11


Impressionen<br />

Auf der Allgäubahn darf sich der 612 wieder als „Wackel-Dackel“ empfehlen; der Triebzug hat<br />

die Genehmigung für den Neigetechnikbetrieb zurück erhalten Felix Löffelholz Mal mehr, mal weniger einladend<br />

zeigen sich die <strong>Bahn</strong>höfe der DB.<br />

Der <strong>Bahn</strong>hof von Diepholz zählt zu<br />

den Schmuckstücken G. Riepelmeier<br />

12


Reisen mit der DB<br />

Der schnittige ICE 3 ist das Trumpf-As in<br />

den Karten von DB Fernverkehr; mit seinem<br />

Tempo macht er sogar den Fliegern<br />

Konkurrenz. Allerdings bremsen ihn 2012<br />

Langsamfahrstellen auf der Rhein-Main-<br />

Strecke zeitweise aus Stefan Scheiba<br />

Weil die Zulassung für die Triebzüge Talent 2 fehlte, fuhren bis Anfang 2012 Ersatzzüge mit<br />

143er-Elloks und Doppelstock-Wagen auf der Moselstrecke. Regionalbahn 12219 rollt soeben<br />

über die Doppelstockbrücke in Bullay<br />

Peter Güttner<br />

Reisen mit der DB<br />

Eine rasante Tour im ICE, unterwegs mit der<br />

(wieder zugelassenen) Neigetechnik oder eine<br />

Fahrt im Doppelstöcker: Die Deutsche <strong>Bahn</strong><br />

bietet viele Möglichkeiten, von A nach B zu<br />

kommen. Allerdings kostet das seit Fahrplanwechsel<br />

erneut auch etwas mehr ...<br />

Auf dem Weg von Norddeich Mole nach Dresden Hbf macht IC 2037 am 13. Juli in Leipzig Hbf<br />

Kopf. Ab 2014 sollen auf dieser Linie Doppelstock-IC zum Einsatz kommen Zeno Pillmann<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

13


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Seit September 2012 ist der Talent 2 als FrankenThüringenExpress im Einsatz; am 19. Oktober<br />

2012 befährt der Vierteiler 442 608 die Trogenbachbrücke in Ludwigsstadt Uwe Miethe<br />

Dienst auf dem 442<br />

Die erste Schicht<br />

Der Dienstplan der 442-Premiere Slg. Christian Gloël<br />

Lange mussten Kunden wie Eisenbahner auf den Talent 2 warten. Im Jahr 2012 rückte der<br />

Bombardier-Elektrotriebzug endlich in den Bestand von DB Regio. Stellt sich – neudeutsch<br />

verkürzt – die Frage: Kann der Nahverkehr ...? Ein Lokführer aus Oberfranken berichtet<br />

14


Talent 2<br />

Feuertaufe bestanden: Christian Gloël im Führerstand des 442 272 auf der Rückfahrt nach<br />

Bamberg mit RB 59349 am 27. Oktober 2012<br />

Slg. Christian Gloël<br />

Gleich geht’s los: 442 772 als Regionalbahn<br />

59342 am 27. Oktober 2012 abfahrbereit auf<br />

Gleis 3 im <strong>Bahn</strong>hof Lichtenfels Christian Gloël<br />

Schneetreiben bei der Premiere: 442 772 erreicht<br />

als RB 59342 den <strong>Bahn</strong>hof Probstzella<br />

(27. Oktober 2012) Christian Gloël<br />

Der Wetterbericht hat für die Nacht zum<br />

27. Oktober starke Schneefälle in den<br />

Höhenlagen der Mittelgebirge vorhergesagt.<br />

Es wird der erste Schnee des kommenden<br />

Winters. Auch mein Dienstplan sieht für<br />

diesen Tag eine Premiere vor: die erste Schicht<br />

mit dem Elektrotriebzug der Baureihe 442,<br />

dem Talent 2 von Bombardier. Dienstbeginn ist<br />

um 4:53 Uhr in Bamberg. Nach einer fünftägigen<br />

Ausbildung am Fahrzeug und zwei Tagen<br />

Ausbildung im Fahrbetrieb soll heute meine<br />

„Feuertaufe“ stattfinden, und zwar mit dem<br />

neuen Zug des FrankenThüringenExpress<br />

(FTX) im Einsatz. Dieses Filetstück im Ausschreibungsmarkt<br />

konnte DB Regio Nordost-<br />

bayern mit Sitz in Hof ergattern. Die mit dem<br />

FTX vergebenen Leistungen umfassen Regionalexpress-Züge<br />

in einem Netz zwischen Nürnberg,<br />

Sonneberg, Jena und Würzburg.<br />

Allerdings hat sich die für Sommer 2011 geplante<br />

Auslieferung der für den FTX vorgesehenen<br />

Fahrzeuge verzögert. Zulassungsprobleme<br />

mit der Software, lautete immer wieder die Begründung<br />

des Herstellers. Daraufhin hat die DB<br />

das geplante Betriebsprogramm des FTX mit einem<br />

Ersatzkonzept realisiert. Anstelle des 442<br />

fuhren verschiedene Altfahrzeuge, vom Silberling<br />

bis zum relativ modernen Doppelstockzug, von<br />

Elloks der Baureihe 111 bis zu jenen der Baureihe<br />

146. Für meine Kollegen in den Einsatzstellen<br />

Bamberg, Lichtenfels, Coburg und Sonneberg<br />

und für mich bedeutete dies den Einsatz auf<br />

und mit vielen unterschiedlichen Fahrzeugtypen.<br />

Seit dem 18. September 2012 nun wird das Ersatzprogramm<br />

Zug für Zug abgelöst durch den<br />

Einsatz der neuen Triebwagen. Zum Fahrplanwechsel<br />

am 9. Dezember 2012 soll das ursprünglich<br />

geplante Betriebsprogramm zwischen<br />

diesen Städten mit dem Flügeln des ET 442 in<br />

Bamberg – nach Würzburg und stündlich versetzt<br />

in Lichtenfels – nach Jena endgültig starten.<br />

Wechsel von 612 auf 442<br />

Auf mich warten bei meiner Dienstpremiere im<br />

Talent 2 Leistungen im Raum Bamberg – Lichtenfels<br />

– Saalfeld. Zu Beginn der Schicht mit der<br />

Nummer 4452 habe ich den RE 4998 von Bamberg<br />

nach Lichtenfels zu fahren. Noch steht der<br />

vertraute Dieseltriebzug 612 am Gleis 6 für diese<br />

Leistung bereit. Aber in Lichtenfels wartet auf<br />

Gleis 16 nicht mehr die 111 mit den beiden Redesign-Silberlingen<br />

(Wagen der Bauart Bn); die<br />

weitere Fahrt nach Saalfeld übernimmt 442 272.<br />

Trotz der intensiven Ausbildung mit anschließender<br />

Prüfung tritt wohl jeder Lokführer mit<br />

gemischten Gefühlen zur „Feuertaufe“ an. Ein<br />

gutes Dutzend verschiedener Lok- und Triebwagentypen<br />

habe ich in meiner Lokführerlaufbahn<br />

kennen gelernt. Da kam es schon vor, dass neue<br />

Fahrzeuge nicht den Erwartungen entsprochen<br />

Mit Bangen und Hoffen<br />

zur ersten Fahrt<br />

haben. So blicke ich mit Bangen und Hoffen auf<br />

meine erste Fahrt mit dem ET 442. Die Lokführerehre<br />

gebietet es, die gestellte Aufgabe zu meistern.<br />

Das hat sich seit der Zeit der schwarzen<br />

Männer auf der Dampflok nicht geändert.<br />

Die automatische Bremsprobe, der Test der Sicherheitseinrichtungen,<br />

ein Türencheck, ein<br />

Rundgang ums Fahrzeug. Alles läuft glatt. Um<br />

6:20 Uhr steht der Zug 59342 nach Saalfeld abfahrbereit<br />

am <strong>Bahn</strong>steig des Lichtenfelser <strong>Bahn</strong>hofs.<br />

Da ist sogar noch Zeit für ein Erinnerungsfoto.<br />

Und dann, 6:41 Uhr, ist Abfahrtszeit. Die<br />

freundliche Stimme des erfolgreich programmierten<br />

FIS-Gerätes (FahrgastInformationsSystem)<br />

begrüßt die Reisenden im FrankenThüringenExpress<br />

auf der Fahrt nach Saalfeld. Der<br />

„Hamster“ schnurrt gehorsam aus dem <strong>Bahn</strong>hof.<br />

Zögerlich, wie mit einem neuen Auto, beschleunige<br />

ich den Triebwagen. Ich rieche das „Neue“<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

15


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

HINTERGRUND – DER FTX UND SEINE (ERSATZ-)FAHRZEUGE<br />

Seit Ende 2002 gehört Bamberg als Einsatzstelle<br />

zum Standort Hof. Zwischenzeitlich<br />

änderte sich die Firmierung mehrmals,<br />

bis am 1. Oktober 2010 DB Regio Nordostbayern<br />

aus der Taufe gehoben wurde. Unter<br />

dieser Firmierung bewarb sich DB Regio in<br />

einer gemeinsamen Ausschreibung der Bayerischen<br />

Eisenbahngesellschaft (BEG) und der<br />

thüringischen Nahverkehrsservicegesellschaft<br />

(NVS) um den FrankenThüringenExpress. Am<br />

20. Januar 2009 bekam DB Regio den Zuschlag<br />

für den Betrieb des elektrischen RE-<br />

Netzes zwischen Nürnberg und Sonneberg mit<br />

stündlich versetztem Flügelbetrieb Richtung<br />

Würzburg und Jena sowie die Regionalbahnleistungen<br />

zwischen Bamberg/ Kronach und<br />

Saalfeld. Nach dem schmerzlichen Verlust<br />

des Dieselnetzes Oberfranken an die private<br />

<strong>Bahn</strong>gesellschaft agilis im Juni 2011 war dieser<br />

Gewinn eine Zukunftsperspektive für den<br />

traditionsreichen DB-Standort Bamberg.<br />

Im 442-Ersatzverkehr pendelten Doppelstockzüge mit der Baureihe 146 zwischen Sonneberg<br />

und Nürnberg. Am 30. April 2012 hat RE 4105 die Füllbachtalbrücke bei Grub am Forst unterquert.<br />

Das Bauwerk ist Teil der Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt<br />

Christian Gloël<br />

Bunte Flotte aus dem Altbestand<br />

Die verzögerte Auslieferung der für den Franken<br />

-ThüringenExpress (FTX) vorgesehenen<br />

Züge der Baureihe 442 war die Ursache dafür,<br />

dass das Betriebsprogramm des FTX ohne<br />

Flügelbetrieb am 11. Dezember 2011 mit<br />

einer bunten Flotte aus dem Altbestand der<br />

DB Regio-Fahrzeuge an den Start ging. Zwischen<br />

Nürnberg, Bamberg und Würzburg<br />

verkehrten im Zwei-Stunden-Takt Doppelstockgarnituren<br />

mit Elloks der Baureihen 146 oder<br />

111. In der anderen Stunde rollten die Doppelstockzüge<br />

zwischen Nürnberg und Sonneberg.<br />

Der RE-Stundentakt nach Sonneberg<br />

wurde realisiert, indem zwei 612er-Dieseltriebzüge<br />

zwischen Bamberg und Sonneberg<br />

pendelten. Die Relation nach Jena wurde mit<br />

VT 612 zwischen der thüringischen Universitätsstadt<br />

und Lichtenfels hergestellt. Die<br />

Züge korrespondierten untereinander in Lichtenfels<br />

bzw. Bamberg und garantierten den<br />

Kunden dadurch das Anschlusskonzept des<br />

FTX. Die Regionalbahnverbindung Bamberg –/<br />

Kronach – Saalfeld wurde mit „roten Silberlingen“<br />

der Bauart Bn und Elloks 111 und 143<br />

gefahren. Die 143 fuhr auch Taktverdichter<br />

zwischen Lichtenfels/Coburg und Sonneberg.<br />

Mit dem Start des ersten FTX-Triebzugs 442<br />

als RB 59346 Bamberg – Pressig-Rothenkirchen<br />

wurde am 18. September 2012 der Anfang<br />

vom Ende des lokbespannten Betriebs in<br />

West-Oberfranken eingeläutet. Mit dem Fahrplanwechsel<br />

am 9. Dezember 2012 sind alle<br />

Regionalzüge in Bamberg und Umgebung „lokfrei“.<br />

Nach dem Wechsel von der Dampftraktion<br />

zur Diesel- und E-Traktion in Bamberg<br />

1967 markiert der Fahrplanwechsel 45 Jahre<br />

später den Zeitpunkt für einen weiteren Wechsel<br />

zur Triebwagentraktion. CHRISTIAN GLOËL<br />

Weiterer Ersatz für Talent 2 beim FTX: links ein 612 als RE Sonneberg – Bamberg kurz vor Lichtenfels bei Schney, rechts eine 111 mit n-Wagen<br />

als RB 59350 Lichtenfels – Saalfeld bei Michelau Christian Gloël (2)<br />

förmlich, ich höre die vertrauten Geräusche der<br />

eisernen <strong>Bahn</strong>. „Nächster Halt: Michelau“ tönt es<br />

aus dem Fahrgastraum. Der GPS-geführte Fahrplan<br />

meldet +2, also zwei Minuten Verspätung.<br />

Der Fahrplan kennt keine Gnade, keine Schonfrist<br />

und fordert Höchstgeschwindigkeit. Ich denke<br />

an die Wendezeit in Saalfeld – elf Minuten –<br />

und an die Worte meines Chefs: „FTX gleich<br />

Qualitätsversprechen“. Also gut. Türen zu, Schiebetritte<br />

einfahren. Diesmal führe ich den Joystick<br />

sachte, aber entschlossen bis zum Anschlag. Feuertaufe.<br />

Kein Spiel. Die acht Fahrmotoren mit zusammen<br />

etwa 3.000 Kilowatt Leistung beschleunigen<br />

den Zug auf 150 km/h. Man kann den<br />

ET 442 auch als Rennwagen bezeichnen. Das vergleichsweise<br />

niedrige Gesamtgewicht im Verhältnis<br />

zu der Leistung der Fahrmotoren lässt fast jeden<br />

lokbespannten Zug zurück.<br />

Fahrt in den Schnee hinein<br />

Neuses bei Kronach: Es beginnt zu schneien,<br />

mein Zug ist wieder im Plan. Das Herbstlaub<br />

auf den Schienen zusammen mit einsetzendem<br />

Regen oder Schnee gehört zu den gefürchteten<br />

Situationen eines jeden Lokführers, besonders<br />

auf einem Triebzug. Während man die Laufflächen<br />

der meisten Lokomotiven mit den Bremsklötzen<br />

„putzen“ kann, ist das bei scheibengebremsten<br />

Fahrzeugen wie dem ET 442 nicht<br />

mehr möglich. Scheibenbremsen und das niedrige<br />

Zuggewicht erfordern bei schlüpfrigen<br />

Schienen besonders sorgfältige Fahrweise, damit<br />

die Radsätze keine Flachstellen bekommen oder<br />

16


Talent 2<br />

Noch dient die neu eröffnete Werkstatt der DB Regio AG in Nürnberg-Gostenhof als Heimat eines bunten Fahrzeugparks. Schon bald wird diese<br />

Fahrzeugvielfalt durch die 442-Triebwagen der Nürnberger S-<strong>Bahn</strong> und durch die „Luxusversion“ dieser Baureihe für den FrankenThüringenExpress<br />

abgelöst werden. Aufnahme vom 13. April 2012<br />

Christian Gloël<br />

Der Talent 2 in anderen Einsatzgebieten: links als „Saxonia-Express“ Dresden – Riesa – Leipzig in Dresden Hbf, rechts auf der Moselstrecke<br />

Trier – Koblenz<br />

DB/Christoph Müller (l.), Stefan Scheiba (r.)<br />

der Zug dort stehen bleibt, wo er eigentlich<br />

nicht stehen sollte. Nun habe ich also die Möglichkeit,<br />

die Reibwerte des ET 442 zu testen.<br />

Unüberhörbar wechselt die Tonlage der Fahrmotoren<br />

beim Beschleunigen wie beim Bremsen.<br />

Das signalisiert mir, welche maximalen Zugoder<br />

Bremskräfte der Triebwagen auf die feuchten<br />

Schienen bringen kann.<br />

Aber der Zug ist vorbereitet: Ein offensichtlich<br />

sehr fein konzipierter elektronischer Gleitschutz,<br />

der beim Bremsen ein Blockieren der<br />

Radsätze verhindern soll, und eine ebenso gute<br />

Leistungsbegrenzung, die beim Anfahren auf<br />

schlüpfrigen Schienen ein Schleudern der Radsätze<br />

begrenzt, helfen dem Lokführer, auch bei<br />

witterungsbedingt schwierigem Zustand der<br />

Der Triebzug hilft dem<br />

Lokführer unterwegs<br />

Schienen sicher unterwegs zu sein. Zusätzlich<br />

steht dem Lokführer bei jeder Lokomotive oder<br />

auch bei jedem Triebzug eine Sandstreueinrichtung<br />

zur Verfügung, die im Extremfall den Reibwert<br />

zwischen Rad und Schiene wesentlich verbessert.<br />

In Pressig-Rothenkirchen bleiben die Flocken<br />

schon liegen. Auf dem Rennsteig, in Steinbach<br />

am Wald, auf fast 600 Höhenmetern weht der<br />

Herbstwind den Schnee von den Dächern und<br />

das Laub von den Bäumen. Zwischen den Gleisen<br />

liegt die weiße Pracht bis zur Schienenoberkante.<br />

Ich habe mich inzwischen vertraut gemacht<br />

mit dem ET 442. Und seine komplexe<br />

Elektronik ist offenbar auch mit mir zufrieden.<br />

Glücksgefühl. Es folgt Ludwigsstadt mit der<br />

Trogenbachbrücke, und als ich die Grenze zu<br />

Thüringen am Falkenstein überquere, sind meine<br />

Gedanken ganz kurz zurück in den 80er-Jahren,<br />

als ich im kleinen Grenzverkehr zum echten<br />

Plandampf im Muldetal oder im Harz hier<br />

eingereist bin. Damals war ich 17 und hatte<br />

Bammel vor der Grenzkontrolle, heute sitze ich<br />

im Führerstand. Nicht bis Probstzella, sondern<br />

bis Saalfeld. Keine Grenze, sondern Franken -<br />

ThüringenExpress. Irgendwie ein Märchen.<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

17


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Am 18. September 2012 absolviert ein Talent 2 den ersten Planeinsatz im Netz des FrankenThüringenExpress. 442 305 kehrt als Regionalbahn<br />

59353 aus Pressig-Rothenkirchen zurück nach Bamberg und passiert gerade den <strong>Bahn</strong>hof Breitengüßbach<br />

Christian Gloël<br />

Das Schneetreiben wird stärker und der<br />

Funkruf des Probstzellaer Fahrdienstleiters holt<br />

mich zurück ins Jahr 2012: „Kollege, Du fährst<br />

zwischen Hockeroda und Saalfeld im Gegengleis<br />

wegen Bäumen und Ästen im Lichtraum.“<br />

Bei Kaulsdorf nimmt sich gerade ein<br />

Pünktlich auf die Minute<br />

ist der 442 am Ziel<br />

Mitarbeiter vom Netz der unter der Schneelast<br />

gebogenen Birken an. Ich grüße und gleite mit<br />

dem 442 in den Endbahnhof der Regionalbahn<br />

59342. Pünktlich auf die Minute.<br />

TALENT 2 – NEULING MIT STARTSCHWIERIGKEITEN<br />

In den letzten Jahren war der Bombardier-<br />

Triebzug Talent 2 ein Dauergast in den <strong>Bahn</strong>-<br />

Jahrbüchern. 2007 hatte die DB das Fahrzeug<br />

in großer Zahl bestellt (bis zu 321 Stück), der<br />

Einsatz sollte 2009 beginnen. Vorgesehen<br />

waren zwei- bis fünfteilige Versionen für zwölf<br />

Gebiete. Probleme mit der Zulassung durch<br />

das Eisenbahn-Bundesamt (u.a. wegen Mängeln<br />

bei der Fahrzeugsoftware) verzögerten<br />

aber den Betriebsstart erheblich. Sie führten<br />

im Frühjahr 2011 sogar zu einem Krisen ge -<br />

spräch mit Bundesverkehrs minister Ramsau -<br />

er und Vertretern von Bombardier bzw. der DB.<br />

Derweil standen bis zu 80 Fahrzeuge „auf<br />

Halde“, sechs wurden wegen Fertigungsmängeln<br />

vor der Abnahme verschrottet. Die DB<br />

wiederum musste umfangreiche Ersatzzugleistungen<br />

stellen. Im November 2011 rollten bei<br />

der S-<strong>Bahn</strong> Nürnberg die ersten Talent 2 – die<br />

Vierteiler – im Fahrgasteinsatz. Im Jahr 2012<br />

eroberten die 442 weitere Strecken, wobei es<br />

neue Rückschläge gab. Ein Überblick:<br />

März: Erste dreiteilige Talent 2 werden vom<br />

Eisenbahn-Bundesamt zugelassen.<br />

April: Erste fünfteilige Talent 2 werden vom<br />

Eisenbahn-Bundesamt zugelassen.<br />

07. Mai: Inbetriebnahme der ersten dreiteiligen<br />

Talent 2 (442.1) bei DB Regio Nordost im<br />

Werk Berlin-Lichtenberg; am 14. Mai Beginn<br />

des Probe-Planbetriebs.<br />

10. Mai: Indienststellung der vierteiligen Talent<br />

2 (442.2) in Aachen.<br />

10. Juni: Beginn des Plandienstes der Vierteiler<br />

442.2 als „Rhein-Sieg-Express“ Aachen –<br />

Siegen; erste Planeinsätze des Dreiteilers<br />

442.1 auf der Strecke Potsdam – Berlin Hbf –<br />

Berlin-Schönefeld Flughafen sowie im Raum<br />

Berlin/Cottbus.<br />

27. Juli: Alle 442 der Relation Aachen – Siegen<br />

werden wegen Problemen mit der Türblockierung<br />

vorübergehend abgestellt.<br />

18. September: Start des Franken-Thüringen-<br />

Express mit vierteiligen Talent 2.<br />

28. September: Talent 2 kommen auch zwischen<br />

Leipzig und Dresden im Einsatz.<br />

20. Oktober: Talent 2 kommen auch im Raum<br />

Cottbus im Einsatz.<br />

Oktober: Der Gesamtbetriebsrat von DB<br />

Regio kritisiert am Talent 2 undichte Führerstände,<br />

Mängel bei der Klimaanlage und laute<br />

Geräusche während der Fahrt. Bombardier sichert<br />

Nachbesserungen zu.<br />

26. November: Bombardier kann 22 Talent 2<br />

für Mittelhessen nicht liefern. Der dortige Einsatz<br />

zum Dezember entfällt, ein neuer Termin<br />

steht noch nicht fest. KONRAD ROTHZOLL/GM<br />

Richtungswechsel in Saalfeld<br />

Beim Wechsel des Führerstands halte ich mich<br />

penibel an die „sechs F“: Führerpult aktivieren,<br />

FIS einstellen, Funk programmieren,<br />

Fahrtrichtung wählen, Federspeicherbremse<br />

prüfen, Bremsprobe mit dem Fahr-/ Bremsschalter<br />

und die Einstellung der Fahrzeugdaten.<br />

Die Elektronik fordert Perfektion. Ich<br />

melde die Regionalbahn 59349 fahrbereit<br />

nach Bamberg. Der Fahrdienstleiter antwortet:<br />

„Da kommt noch der ICE auf dem Gegengleis<br />

entgegen und dann geht’s los.“<br />

Ich informiere die Fahrgäste über die Verzögerung,<br />

als mein Blick auf den Bildschirm fällt.<br />

Das Diagnosesystem meldet: „PZB/ATP mit<br />

Störschalter ausgeschaltet. Zulässige Höchstgeschwindigkeit<br />

100 km/h.“ PZB steht für „Punktförmige<br />

Zugbeeinflussung“ und beim ET 442<br />

heißt das jetzt ATP – „AutomaticTrainProtection“.<br />

Früher war das ganz einfach die Indusi (Induktive<br />

Zugsicherung). Damals wie heute überwacht<br />

das System die Beachtung der Signale<br />

durch den Lokführer. Ich kann mir nicht vorstellen,<br />

wer den Störschalter betätigt oder gar eingeschaltet<br />

haben soll. Im Störungskommentar des<br />

Diagnosegerätes lese ich: „Der Fahrzeugmagnet<br />

des Zuges befindet sich direkt über einem Streckenmagnet<br />

der PZB. Fahren Sie das Fahrzeug<br />

fünf Meter in eine Richtung und starten Sie die<br />

PZB/ ATP neu.“ Kaum zu glauben, denke ich<br />

und hole mir die Zustimmung beim Fahrdienstleiter,<br />

um den Zug fünf Meter bewegen zu dürfen,<br />

und starte das ATP neu. Tatsächlich, die Störung<br />

ist beseitigt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung<br />

aufgehoben. Ich bin begeistert von der Präzision,<br />

mit der das Diagnosesystem des ET 442<br />

Störungen erkennt und dem Lokführer Handlungsanweisungen<br />

gibt. Inzwischen rollt der ICE<br />

ein und mein Ausfahrtsignal zeigt Ks 1, Ausfahrt<br />

mit 60 km/h. Nach der Ankunft in Bamberg steht<br />

für mich fest: Wir haben die Feuertaufe bestanden.<br />

Der ET 442, seine Software und ich.<br />

Christian Gloël<br />

18


DB-Belegschaft<br />

Blick in das Werk<br />

Frankfurt-Griesheim,<br />

das auch die 407<br />

versorgt (l.), und Eröffnung<br />

einer neuen<br />

Ausbildungswerkstatt<br />

in Frankfurt<br />

(Main) am 23. August<br />

2012 (u.). Im<br />

Instandhaltungsbereich<br />

droht in den<br />

nächsten Jahren<br />

eine Überalterung<br />

Helmut Scheiba (l.),<br />

DB/Axel Stephan (u.)<br />

DB kontra Überalterung<br />

Jugend gesucht<br />

„Demografiemanagement“ heißt das Stichwort, unter dem die Deutsche <strong>Bahn</strong> eine Verjüngung<br />

ihrer Belegschaft anpeilt. Bereits heute sind 43 Prozent der Mitarbeiter über 50 Jahre alt. Aber<br />

zu welchen Initiativen ist der <strong>Bahn</strong>konzern bereit?<br />

Im Herbst 2012 brachte die Deutsche <strong>Bahn</strong><br />

eine große Befragung ihrer Mitarbeiter auf<br />

den Weg. Auf Fragebögen sollten sich diese<br />

zu ihrem Unternehmen äußern. Ganz<br />

gleich, welche Aspekte genannt werden – eine<br />

Angabe dürften die Auswerter, falls die Antworten<br />

repräsentativ sind, in jedem Fall registrieren:<br />

das tendenziell hohe Lebensalter.<br />

Unter den rund 550 bei der DB ausgeübten<br />

Berufen liegt der Altersdurchschnitt bei 46 Jahren,<br />

43 Prozent der Mitarbeiter sind über 50 Jahre<br />

alt. Eine alternde Gesellschaft; in den kommenden<br />

Jahren werden über 80.000 Mitarbeiter<br />

in den Ruhestand gehen. Das betrifft weniger<br />

den von der Öffentlichkeit gesehenen Personenverkehr,<br />

sondern hauptsächlich die technischen<br />

Berufe, zum Beispiel in der Instandhaltung<br />

und in den Werken. Ein Grund zur Sorge,<br />

denn mit dem Eintritt ins Rentenalter droht<br />

wertvolles Knowhow verloren zu gehen.<br />

Alte halten, Neue holen<br />

Darauf will die Deutsche <strong>Bahn</strong> mit ihrer Personalstrategie<br />

besser eingehen als es in der Ära<br />

das <strong>Bahn</strong>chefs Hartmut Mehdorn der Fall war.<br />

Jährlich werden 8.000 Menschen eingestellt,<br />

um die Fluktuation (den Abgang wegen des<br />

Alters oder aus anderen Gründen) auszugleichen.<br />

Zu den Neuen gehören jeweils etwa<br />

500 Personen jenseits der 50 Jahre. Die älteren<br />

und erfahrenen Eisenbahner will die <strong>Bahn</strong><br />

halten, so lange es geht, indem sie die Beschäftigung<br />

an den individuellen Berufs- und<br />

Verbesserungen hier,<br />

Stopp der Ausbildung da<br />

Lebensphasen orientiert. Dazu gehören in erster<br />

Linie Neuerungen bei den Beschäftigungsbedingungen,<br />

wie<br />

• flexible Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort,<br />

auch Teilzeitmodelle, flexibler<br />

Übergang in die Rente<br />

• stärkere Orientierung der Dienstpläne an<br />

den Bedürfnissen der Mitarbeiter<br />

• bessere Sozialleistungen, etwa mit dem „Job-<br />

Ticket“, das auch in Eisenbahnunternehmen<br />

außerhalb der DB gilt<br />

• bessere Kinderbetreuungsangebote<br />

• bessere betriebliche Gesundheitsbetreuung<br />

• Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen.<br />

Ulrich Weber, seit 1999 Personalvorstand der<br />

Deutschen <strong>Bahn</strong>, blieb nicht verborgen, dass der<br />

langjährige Sanierungskurs bei den Mitarbeitern<br />

Spuren hinterließ. Erschöpfung stellte sich ein,<br />

auch – etwa im Zusammenhang mit der Datenaffäre<br />

– eine Vertrauenskrise zwischen Mitarbeitern<br />

und Führungskräften. Das gilt es zu<br />

beheben und die Bedingungen zu verbessern.<br />

Seit drei Jahren gibt es rund 100 Projekte zur<br />

Einsatzplanung, an denen 4.400 Eisenbahner<br />

beteiligt sind. Das Bewährte sollte im November<br />

2012 in die Zusatz-Tarifverträge mit den<br />

Gewerkschaften aufgenommen werden.<br />

Doch stellt sich auch die Frage, wie ernst die<br />

DB um neue Kräfte wirbt. Anfang 2012 kündigte<br />

sie an, bis <strong>2013</strong> insgesamt 10.000 neue<br />

Mitarbeiter einstellen zu wollen. Sie hätte dann<br />

296.000 Beschäftigte weltweit. Im Oktober<br />

kündigte DB Regio an, in Thüringen, Sachsen<br />

und Sachsen-Anhalt keine Lehrlinge einzustellen.<br />

In den Jahren zuvor sei weit über Bedarf<br />

ausgebildet worden. Eisenbahnberufe, gerade<br />

in technischer Hinsicht, erfordern<br />

langjährige Ausbildung und Praxis. Da stellt<br />

sich die Frage, ob solch pauschale Verlautbarungen<br />

wirklich das richtige Signal in Sachen<br />

„Nachwuchs“ setzen. Erich Preuß/MHZ<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

19


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Die Farbe ist Programm:<br />

Der (teilweise)<br />

grün lackierte<br />

Hybrid-Desiro der DB<br />

soll Energie und Ressourcen<br />

sparen und<br />

damit die Umwelt<br />

schonen. Hier als<br />

Ausstellungsstück<br />

auf der InnoTrans<br />

Uwe Miethe<br />

Hybrid-Desiro der Westfrankenbahn<br />

Neuland für die DB<br />

Filmmagazin<br />

Eisenbahn <strong>2013</strong><br />

A le Urheber- und Leistungsschutz rechte vorbehalten.<br />

Wer diesen Film ohne aus drückliche schriftliche<br />

Geneh migung vervielfältigt, ö fentlich vorführt,<br />

sendet, verleiht, vermietet oder sonstwie gewerblich<br />

nutzt, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt.<br />

Inhalt<br />

• Innotrans 2012 in Berlin<br />

• DB-Lokveteranen im Einsatz<br />

• Tenderlok95 027 im Kasbachtal<br />

• Dampfloktage in Meiningen<br />

• Feier: 175 Jahre Eisenbahn in Österreich<br />

u.v.a.m.<br />

© <strong>2013</strong> by <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> VIDEO<br />

GeraMond Verlag; www.geramond.de<br />

Programm<br />

INFOgemäß<br />

§ 14<br />

JuSchG<br />

…mehr auf der beiliegenden<br />

Heft-DVD!<br />

Seit Fahrplanwechsel im Dezember können Fahrgäste auf der Westfrankenbahn von Aschaffenburg<br />

nach Miltenberg ein neues Fahrgefühl erleben. Die Strecke dient als Testlabor für eine<br />

neue Antriebstechnologie, die so neu gar nicht ist: den Hybridantrieb, eingebaut in einen Desiro<br />

Wer in den Triebzug 642 129+629<br />

steigt, wird sich womöglich über die<br />

Außenwerbung wundern. Die weist<br />

den Zug als „Hybrid“ aus. Geändert hat sich<br />

aber vor allem das Fahrgeräusch, da der Zug<br />

einen neuen Antrieb bekam. Der von Siemens<br />

als Desiro Classic gebaute Triebzug wurde<br />

2011/12 einem gründlichen Umbau unterzogen.<br />

Die beiden diesel-mechanischen Antriebsanlagen<br />

(2x275 kW) wurden durch zwei<br />

dieselelektrische Powerpacks von MTU ersetzt,<br />

mit denen die in Pkw schon gebräuchliche<br />

Hybrid-Technik nun auch auf der Schiene<br />

erprobt wird.<br />

Sauberer und sparsamer<br />

Während bei elektrischen Triebfahrzeugen<br />

schon seit Jahrzehnten die beim Bremsen wiedergewonnene<br />

Energie als Strom in die Fahrleitung<br />

rückgespeist werden kann (Nutzbremse),<br />

geht bei Dieselfahrzeugen diese in der Regel<br />

als Wärme an die Umgebung. Dabei werden<br />

Einsparpotenziale von bis zu 25 % des Kraftstoffverbrauchs<br />

„verschenkt“. Dies und der<br />

Wunsch, kommenden, schärferen Abgasnormen<br />

gewachsen zu sein, hat DB Regio und die<br />

MTU in Friedrichshafen zusammengebracht.<br />

Darüber hinaus ermöglicht der neue Antrieb ein<br />

emissionsfreies Fahren in sensiblen Bereichen,<br />

wie Tunnelbahnhöfen oder Wohngebieten.<br />

Um diese Ziele zu erreichen, entschieden<br />

sich die Techniker von MTU für einen Hybrid-Antrieb.<br />

Das Fahrzeug kann alternativ<br />

oder parallel durch den Dieselmotor, aber<br />

auch aus einem neu installierten Lithium-Ionen-Akku<br />

elektrisch angetrieben werden, der<br />

Das neue, im Desiro verwendete „Powerpack“ besteht aus dem Dieselmotor<br />

mit Hilfsabtrieben, dem Kurbelwellenstartergenerator, der auch<br />

als Elektromotor zum Einsatz kommt, und dem Traktionsumrichter, der<br />

die Speisung und Entladung des Akkus übernimmt MTU/Slg. Vockrodt<br />

Ein wesentliches Problem bei der Umrüstung war die Notwendigkeit, die<br />

neuen Powerpacks exakt in den Unterflurkästen der bisherigen dieselmechanischen<br />

Antriebsaggregate unterzubringen. Auch deshalb sitzen<br />

die Lithium-Ionen-Akkus auf dem Dach des Fahrzeugs MTU/Slg. Vockrodt<br />

20


Hybrid-Desiro und weitere neue Technologien<br />

STICHWORT: WEITERE NEUE TECHNOLOGIEN – MULTIMOTOR UND LAST MILE<br />

Außer am Hybrid-Antrieb arbeitet die <strong>Bahn</strong>industrie<br />

aktuell an weiteren neuen Technologien.<br />

Im September 2012, bei der<br />

Fachmesse InnoTrans in Berlin, stellte Bombardier<br />

für seine TRAXX-Familie zwei neue Varianten<br />

vor:<br />

• die TRAXX P160 DE Multi-Engine und<br />

• die TRAXX F140 AC mit „Last Mile“<br />

Die „Multi Engine“ könne, so Bombardier,<br />

durch den Dieselelektroantrieb freizügig über<br />

Grenzen hinweg eingesetzt werden. Das Neue<br />

dabei: Statt eines Dieselmotors, der über<br />

einen Generator die vier Antriebsmotoren der<br />

vierachsigen Lok (Achsfolge Bo’Bo’) versorgt,<br />

verfügt jedes Radsatzpaar über einen eigenen<br />

Dieselmotor-Generator-Kühler-Satz. Vier Caterpillar-Motoren<br />

mit zusammen 2.252 kW dienen<br />

nun als Antrieb – die Motoren sind zuschaltbar,<br />

womit sich die Leistung besser den<br />

Anforderungen anpassen und Kraftstoff sparen<br />

lässt. Außerdem ist die Lok bei Ausfall<br />

eines Motors noch fahrfähig. Ein Nachteil<br />

aber könnten höhere Unterhaltungskosten<br />

sein. Die ersten 20 (von optional 200) Maschinen<br />

kommen Mitte <strong>2013</strong> als neue Baureihe<br />

245 bei DB Regio zum Einsatz; in<br />

Kempten, Mühldorf und Frankfurt sollen sie<br />

218er vor Doppelstockzügen ersetzen. Eine<br />

erste „Multi Engine“ alias 245 war auf der InnoTrans<br />

ausgestellt.<br />

„Last Mile“ – Elektro- und Diesellok in einem<br />

Die zweite Neuheit, „Last Mile“, schließt eine<br />

Lücke im Programm: Da die meisten Güteranschlussgleise<br />

nicht elektrifiziert sind, müssen<br />

die letzten (und ersten) Kilometer einer Güterzugfahrt<br />

immer mit einer Diesellok gefahren<br />

werden, bevor die Ellok den Zug übernehmen<br />

kann. Das will Bombardier mit der neuen Lok<br />

ändern. Sie ist eine konventionelle elektrische<br />

Wechselstrom-Ellok des Typs F140 AC<br />

(entspricht der DB-185), besitzt aber zusätzlich<br />

einen kleinen Dieselmotor (180 kW) und<br />

dazu eine Speicherbatterie, um ohne Oberleitung<br />

fahren zu können. Die Last Mile soll in<br />

der Lage sein, Züge von 1.800 Tonnen auf<br />

kurzen Strecken ohne Fahrdraht anfahren und<br />

befördern zu können. Ein Praxistest steht<br />

noch aus; erste Probefahrzeuge waren bereits<br />

auf Fachmessen zu besichtigen.<br />

DR. STEFAN VOCKRODT/GM<br />

Technologie-Neuheiten von Bombardier: „Multi-Engine“-Lok 245 (l.) und eine Studie der „Last Mile“ (r.)<br />

Uwe Miethe (l.), Bombardier<br />

zudem die beim Bremsen zurückgewonnene<br />

Energie aufnimmt. Die in der Batterie gespeicherte<br />

Energie dient auch zur Versorgung der<br />

elektrischen Hilfsverbraucher im Fahrzeug.<br />

Die beiden neuen dieselelektrischen Powerpacks<br />

bestehen aus einem 315-kW-Dieselmotor,<br />

der die Abgasnorm EU III B (für Schienenfahrzeuge)<br />

erfüllt, einem Kurbelwellenstartergenerator<br />

(KSG) und dem Traktionsumwandler<br />

(TRU), die unterflur anstelle der bisherigen Antriebsaggregate<br />

eingebaut werden. Zur Reduktion<br />

der Stickstoffoxid-(NOx-)Emissionen haben<br />

die Antriebsanlagen noch selektiv arbeitende Katalysatoren<br />

(SCR) erhalten.<br />

Insgesamt erlaubt die neue Antriebsanlage<br />

• Dieselmotorantrieb für normalen Fahrbetrieb<br />

• Lastpunktanhebung des Dieselmotors zur<br />

optimalen Motorauslastung (schnellere Beschleunigung,<br />

Akku-Aufladung)<br />

• kombinierten Betrieb von Diesel-/Elektromotor<br />

für erhöhte Leistung (Booster, Beschleunigen)<br />

• reinen Elektroantrieb für besonders leisen<br />

und schadstoffarmen Betrieb<br />

• Bremsenergie-Wiedergewinnung zum Aufladen<br />

der Batterie.<br />

Der Umbau wurde ab Mai 2011 im DB Werk<br />

Kassel durchgeführt. Neben der neuen Antriebsanlage<br />

erhielt das Fahrzeug auch eine neue, mit<br />

Kohlendioxid als Kältemittel betriebene Klimaanlage<br />

und wurde im Inneren leicht modernisiert.<br />

Ende 2012 beginnt der<br />

Härtetest für den Hybrid<br />

Die neuen Litihium-Ionen-Akkus sind dagegen<br />

auf dem Dach des Fahrzeugs untergebracht.<br />

Sie versorgen auch das Niederspannungsbordnetz<br />

des Dieseltriebzugs. Solche Akkus sind heute<br />

Standard in Mobiltelefonen, Laptops oder Taschenlampen.<br />

Sie finden zunehmend für<br />

Elektro-Pkw, Pedelecs und nun Schienenfahrzeuge<br />

Verwendung. Sie bieten bei kompakter<br />

Bauweise und geringem Gewicht hohe Speicherkapazität<br />

und hohe Leistung. Die Montage<br />

auf dem Dach bietet auch den Vorteil der besseren<br />

Kühlung der Akkus durch den Fahrtwind.<br />

Die Teststrecke<br />

Die Teststrecke für den Hybrid-Desiro,<br />

Aschaffenburg – Miltenberg, wurde ausgesucht,<br />

weil sie auf ihren 37 Kilometern Länge<br />

mit 14 Zwischenhalten häufiges Bremsen<br />

und Wiederanfahren erfordert. Zusätzlich ist<br />

die Trasse kurven- und neigungsreich – optimale<br />

Bedingungen also für eine Härteerprobung<br />

des neuen Antriebs, die mit Fahrplanwechsel<br />

2012/13 beginnen sollte. Zuvor<br />

wurde der Zug dem Fachpublikum auf der Innotrans<br />

2012 präsentiert.<br />

Ist auch dieser 642 der erste Zug in Deutschland,<br />

der im Fahrgastbetrieb mit Hybrid-Antrieb<br />

läuft, so ist das Prinzip selbst für Schienenfahrzeuge<br />

nichts wirklich Neues. Im<br />

Nahverkehrsbereich fahren im Großraum Kassel<br />

wie in Nordhausen auf den Gleisen der Straßenbahn<br />

und der DB bzw. der Harzer Schmalspurbahnen<br />

seit rund acht Jahren gerne als<br />

Hybrid-Züge bezeichnete Triebwagen. Bei ihnen<br />

läuft der Abtrieb allerdings alternativ, das<br />

heißt, elektrisch unter Fahrdraht und mit Dieselmotor<br />

auf den nicht elektrifizierten Strecken.<br />

Aber auch die im 642 realisierte Hybridtechnologie<br />

ist länger bekannt und in Gebrauch: Seit<br />

einigen Jahren baut Alstom in Stendal aus früheren<br />

Reichsbahn-V-100 Hybrid-Rangierloks. Diese<br />

Technik wird in anderen Ländern, vor allem<br />

den USA, seit rund zehn Jahren angewandt, da<br />

im Rangieren besonders häufig Leerlaufverluste<br />

durch die Dieselmotoren entstehen und daher<br />

hohe Treibstoffkosten anfallen. Vossloh bietet seine<br />

Rangierloks der G6-Serie inzwischen mit Hybrid-Antrieb<br />

an und die Schweizerischen Bundesbahnen<br />

beziehen derzeit eine Serie von<br />

Hybrid-Kleinloks (Eem 923), die unter Fahrdraht<br />

wie mit Dieselmotor fahren. Einen Unterschied<br />

gibt es aber doch: Bei den Beispielen handelt es<br />

sich um Neufahrzeuge, der 642 dagegen wurde<br />

umgebaut. Mit dem Projekt will die DB auch<br />

prüfen, ob eine kostengünstige Umrüstung von<br />

Fahrzeugen möglich ist.Dr. Stefan Vockrodt<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

21


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Am 12. März 2012 laufen die Abrissarbeiten am Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs (Bildmitte). Eine Maßnahme, die für die Hallenkonstruktion<br />

noch einige Nachbesserungen nach sich ziehen wird<br />

Benjamin Beytekin/picture-alliance/dpa<br />

Neues von Stuttgart 21<br />

Das bestgeplante Projekt?<br />

Nach dem Volksentscheid 2011 sah es so aus, dass in Sachen Stuttgart 21 alles gesagt sei.<br />

Der Tunnelbahnhof kommt, basta. Im Prinzip stimmt das auch. Aber die Bauarbeiten offenbaren<br />

unerwartete Mängel, vor allem für den laufenden Betrieb<br />

Es gibt Leute in Stuttgart, die warten<br />

schon gespannt auf einen stürmischen<br />

Tag. Dann nämlich könnte es spannend<br />

werden am Hauptbahnhof. Ab Windstärke 8<br />

muss der Zugverkehr dort ruhen. Eine der<br />

wichtigsten Drehscheiben im DB-Netz und<br />

kein Zug rollt. Geht das überhaupt?<br />

Offene Flanken im Hauptbahnhof<br />

Zumindest scheint es dringend erforderlich.<br />

Denn während die Deutsche <strong>Bahn</strong> stolz von<br />

ihrem „bestgeplanten Projekt“ spricht, zeigt<br />

der Bau des Tunnelbahnhofs in der badenwürttembergischen<br />

Landeshauptstadt mittlerweile<br />

offene Flanken. Und das sogar wortwörtlich:<br />

Für die Untergrundstation wurden<br />

bis zum Frühjahr 2012 die beiden Seitenflügel<br />

des oberirdischen Hauptbahnhofs abgerissen.<br />

Die markante Hallenkonstruktion steht<br />

seitdem ziemlich nackt da. Unterstützt wird<br />

der Eindruck dadurch, dass man, um die<br />

Ramm- und Erdarbeiten vorzubereiten, sicherheitshalber<br />

sämtliche Glaselemente aus<br />

der <strong>Bahn</strong>hofshalle herausnahm. Noch wichtiger:<br />

Die Statik der Halle ruht nun nicht<br />

mehr in sich. Sie musste eilig mit gewaltigen<br />

Betonelementen beschwert und abgefangen<br />

werden. Das hilft im Normalfall, also bei wenig<br />

Wind. Frischt die Brise dagegen auf, könnte<br />

die Angriffsfläche, welche die Halle bietet,<br />

zum Problem werden. Aus Sorge vor herabfallenden<br />

Bauteilen greift dann die Regel: Betriebseinstellung<br />

ab Windstärke 8.<br />

Doch auch schon bei Windstille wirkt sich<br />

der Bau des Tunnelbahnhofs auf den Zugverkehr<br />

aus. Die Betonelemente zur Stabilisierung<br />

finden sich auf den Schienen des Gleises 8; dort<br />

halten die Züge nun planmäßig weit außerhalb<br />

der Halle und fordern von den Fahrgästen einen<br />

längeren Anmarsch. Böse Zungen sagen,<br />

da könnten die Reisenden schon einmal üben,<br />

wie es ihnen nach Herausschieben der <strong>Bahn</strong>steige<br />

um 120 Meter demnächst auf allen Gleisen<br />

ergehen wird. Das Verschieben braucht es,<br />

um die nächste Etappe im Bau des Tiefbahnhofs<br />

angehen zu können. Immerhin haben die<br />

Fahrgäste einen zeitlichen Aufschub bekommen,<br />

denn wann herausgeschoben wird, ist<br />

völlig offen. Bei den Planungen entdeckte man<br />

unter den Gleisen des Hauptbahnhofes noch<br />

jede Menge alte Gepäcktunnel, Diensträume<br />

und andere Katakomben. Deren Statik könnte<br />

dem neuen Querbahnsteig nicht gewachsen<br />

sein. Sieht so eine gute Planung aus?<br />

22


Stuttgart 21<br />

Gleich drei Mal entgleiste<br />

2012 ein IC<br />

auf den neu angeordneten<br />

Gleisen im<br />

Hauptbahnhofsvorfeld.<br />

Nach dem Unglück<br />

vom 29. September<br />

(r.) waren<br />

umfangreiche Zugumleitungen<br />

nötig,<br />

die Ausfahrt aus<br />

dem <strong>Bahn</strong>hof wurde<br />

für geschobene<br />

Züge neu geregelt<br />

(l.) M. Murat/picture-alliance/dpa<br />

(r.), Slg. GM (l.)<br />

Der <strong>Bahn</strong>betrieb 2012 deckte noch mehr<br />

Mängel auf. Baubedingt bekam das Gleisvorfeld<br />

des <strong>Bahn</strong>hofs eine neue Gleisgeometrie –<br />

und ein Problem. Gleich drei Mal hob es dort<br />

einen Intercity aus den Gleisen, immer an der<br />

gleichen Stelle, im engen Bogen vor Gleis 10.<br />

Erstmals betraf das am 24. Juli 2012 den geschobenen<br />

IC 2312 nach Hamburg, bei dem<br />

der 27,50 Meter lange Speisewagen entgleiste.<br />

Am 29. September 2012 war es der gleiche<br />

Zug mit dem gleichen Wagen. Und als die DB<br />

dem Eisenbahn-Bundesamt am lebenden Objekt<br />

beweisen wollte, dass diese Doppelung<br />

nur ein Zufall sei, wurde bei Testfahrten am<br />

Morgen des 9. Oktober 2012 zum dritten Mal<br />

der Speisewagen ausgehebelt. Die Lösung:<br />

Gleis 10 wurde komplett gesperrt.<br />

Diese Änderungen – Gleis 8 hinten, Gleis 10<br />

gar nicht – wirbeln auch den Fahrplan durcheinander.<br />

Immer wieder werden Züge auf andere<br />

Gleise verlegt, Anschlüsse vis-à-vis sind<br />

nicht unbedingt gewährleistet. Und das stellt<br />

wohl erst den Anfang dar. Spannend wird es,<br />

wenn vor dem Ausheben der Baugrube der zentrale<br />

Abgang von den (aus der Halle heraus verschobenen)<br />

Hallengleisen zum S-<strong>Bahn</strong>-Tiefbahnhof<br />

gesperrt wird. Täglich schieben sich<br />

dann Zehntausende Umsteiger durch die U-<br />

<strong>Bahn</strong>-Ebene und über schmale Treppenabgänge<br />

zur S-<strong>Bahn</strong> hinab. Dafür sind bis zu 15 Minuten<br />

Umsteigezeit vorgesehen. Ob das reicht?<br />

Apropos S-<strong>Bahn</strong>: Durch die wechselnde Gleisbelegung<br />

werden Regional- und Fernzüge im<br />

Zulauf auch auf der S-<strong>Bahn</strong> zugedachte Gleise<br />

gelegt – und bremsen diese aus. Bei allzu großen<br />

Verspätungen kann die S-<strong>Bahn</strong> wenigstens oben<br />

im geschmähten Hallenbahnhof wenden.<br />

Lücken in der Planung<br />

Wie viel Zeit der Bau des Tunnelbahnhofs in<br />

Anspruch nimmt, lässt sich bis dato nur schätzen.<br />

Nicht allein, weil unklar ist, ob die aktuell<br />

veranschlagten 4,5 Milliarden Euro ausreichen<br />

(der Risikopuffer ist dabei schon drin).<br />

Immer wieder tauchen auch Lücken oder<br />

Fehleinschätzungen in der Planung auf, die<br />

Große Betonelemente<br />

auf Gleis 8 sollen<br />

die glaslose <strong>Bahn</strong>hofshalle<br />

in Stuttgart<br />

stabilisieren. Ab<br />

Windstärke 8 reicht<br />

aber auch das nicht;<br />

dann muss der<br />

Betrieb eingestellt<br />

werden Urs Wyssli<br />

neue Vorbereitungen erfordern. Wie die Menge<br />

des für den Bau abzupumpenden Grundwassers,<br />

die zunächst mit drei Millionen Liter<br />

angenommen und 2012 innerhalb weniger<br />

Verzögerungen durch<br />

Fehleinschätzungen<br />

Monate auf fast sieben Millionen Liter korrigiert<br />

werden musste. Oder die Diskussion um<br />

den Brandschutz; die Räumzeiten im Brandfall<br />

an der Baustelle sind nach jetzigem Stand<br />

viel zu lang angesetzt.<br />

Nicht zuletzt lässt die DB für Stuttgart 21 erste<br />

Löcher in den Talkessel graben, während für<br />

einen Teil des Projekts noch die Regelung fehlt.<br />

Für den Filderbereich mit dem Flughafenanschluss,<br />

also den Anschluss des Tunnelbahnhofes<br />

Richtung Süden, gibt es bisher keine Planfeststellung.<br />

Im Extremfall entsteht ein Tunnel-<br />

Kopfbahnhof, der nach Süden mit zwei Stumpfgleisen<br />

in einer Tunnelröhre endet ... Ungeachtet<br />

dessen hält der <strong>Bahn</strong>konzern am Jahr 2020 für<br />

die Eröffnung des Tunnel-Durchgangsbahnhofs<br />

fest. So, wie es 2012 aussieht, wird es bis<br />

dahin noch einige stürmische Tage in Stuttgart<br />

geben. Nicht nur solche mit Windstärke 8.<br />

Urs Wyssli/Moritz Müller<br />

STICHWORT – START FÜR DIE NEUBAUSTRECKE WENDLINGEN – ULM<br />

Vor prominenten Gästen begann am 7. Mai nach aktuellem Stand 2,9 Mrd. Euro und soll<br />

2012 mit einem offiziellen Spatenstich bis 2020 fertig gestellt sein; die Fahrzeit<br />

der Bau des Anschlussprojekts zu Stuttgart<br />

21, der Strecke Wendlingen – Ulm. Unter anderem<br />

nahmen DB-Technikvorstand Dr. Volker<br />

Kefer und Baden-Württembergs Verkehrsminister<br />

Winfried Herrmann daran teil. Die<br />

Stuttgart – Ulm sinkt damit von 54 auf<br />

28 Minuten. Allerdings ist die Strecke, die<br />

parallel zur Autobahn 8 verläuft, mit bis zu<br />

35 Promille Steigung außer für Fernzüge nur<br />

für leichte Güterzüge bis zu 1.000 Tonnen<br />

60 Kilometer lange Neubaustrecke kostet Gewicht geeignet.<br />

MORITZ MÜLLER<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

23


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Dunkle Wolken über der S-<strong>Bahn</strong>: Verspätungen und Zugausfälle behinderten auch 2012 den Betrieb. Immerhin zählten die Elektrotriebzüge der<br />

Baureihe 485 zu den zuverlässigeren Vertretern im Berliner Bestand<br />

Sebastian Schrader<br />

Das Jahr Vier der Berliner S-<strong>Bahn</strong>-Krise<br />

Geduldsprobe, die nächste<br />

Wer geglaubt hatte, die Berliner S-<strong>Bahn</strong> käme im Jahr 2012 endlich ins Lot, musste sich bald<br />

eines Besseren belehren lassen. Wiederum gab es Störungen und Probleme im Betriebsablauf,<br />

Verspätungen und Zugausfälle. Die Gründe dafür sind vielfältig. Und schwer zu lösen<br />

Der ICE aus Basel kommt pünktlich auf<br />

Gleis 1 des Berliner Ostbahnhofs an.<br />

Schnell zum S-<strong>Bahn</strong>steig, die S 7 nach<br />

Ahrensfelde ist angezeigt. Doch es fährt die<br />

S 5 ein. „Dieser Zug endet hier… wegen einer<br />

Störung im Betriebsablauf … wir bitten um<br />

Verständnis.“ Nein, Verständnis hat man im<br />

Jahr Vier der S-<strong>Bahn</strong>-Krise nicht mehr. Inzwischen<br />

bittet die Bandansage um Entschuldigung.<br />

Und wieder kommt man wegen einer<br />

kleinen Störung später nach Hause.<br />

Zuschüsse weiter gekürzt<br />

Mit dem Abschluss der ersten neun Monate im<br />

Jahr 2012 hat der Berliner Senat als Besteller die<br />

Leistungen um 9,6 Millionen Euro gekürzt. Zugrunde<br />

gelegt wurden wiederum ausgefallene<br />

und verspätete sowie auch zu kurze Züge. Deshalb<br />

hat das Land der S-<strong>Bahn</strong> Berlin GmbH seit<br />

2008 insgesamt 140 Millionen<br />

Euro weniger überwiesen<br />

als vereinbart. Im<br />

Jahr 2011 waren es von der<br />

vereinbarten Summe von<br />

240 Millionen insgesamt<br />

46 Millionen Euro, die abgezogen<br />

wurden.<br />

Bei derartigen Meldungen<br />

platzt Peter Buchner,<br />

dem Sprecher der Geschäftsführung<br />

der S-<br />

<strong>Bahn</strong>, schon mal der Kragen.<br />

500 Viertelzüge<br />

standen im Sommer 2012<br />

dem Betrieb zur Verfügung. Damit war eine magische<br />

Zahl durchbrochen und das sei doch mal<br />

zu würdigen, so Buchner. Doch<br />

statt der benötigten 558 Viertelzüge<br />

fahren oft weniger als<br />

die avisierten 500. Der Verkehrsverbund<br />

Berlin-Brandenburg<br />

(VBB) errechnete im Mai<br />

2012 eine Pünktlichkeit von<br />

Inzwischen ist auch die Diskussion<br />

um das Eigentum an<br />

der S-<strong>Bahn</strong> entbrannt. Protestplakat<br />

gegen die Berliner S-<br />

<strong>Bahn</strong> GmbH am <strong>Bahn</strong>hof Ostkreuz,<br />

April 2012 Heiko Günther<br />

24


Berliner S-<strong>Bahn</strong> 2012<br />

Hinweise auf Zugschäden kennen viele Berliner inzwischen aus dem<br />

täglichen Erleben. Statt der benötigten 558 Viertelzüge kommen zeitweise<br />

nicht einmal 500 zum Einsatz<br />

Dieter Schmidt<br />

Am 21. August 2012 entgleiste ein S-<strong>Bahn</strong>-Zug in Berlin-Tegel. Das Stellwerkspersonal<br />

hatte zahlreiche Regeln missachtet und eine Weiche zu<br />

früh gestellt – Zeichen mangelnder Ausbildung<br />

Kay Nietfeld/dpa<br />

90 Prozent. Jeder zehnte Zug fiel aus oder war<br />

verspätet. Das war seinerzeit der wiederum<br />

schlechteste Wert seit 16 Monaten. Am 7. November<br />

2012 betrug er gar nur 87 %. Damit<br />

bleibt der Durchschnitt oft nur bei rund 92 %.<br />

Manche haben sich mit den Problemen der S-<strong>Bahn</strong><br />

abgefunden. Sie nutzen andere Verkehrsmittel<br />

Die Gründe sind vielfältig:<br />

• keine Triebfahrzeugführer sind eingeplant;<br />

• es gibt Fehler in der Fahrzeugbereitstellung;<br />

• es gibt Triebfahrzeugschäden und keinen Ersatz.<br />

So fallen täglich noch immer zahlreiche Züge<br />

in Einzel- oder Gesamtumläufen aus.<br />

Hinzu kommen die technischen Mängel an<br />

der Infrastruktur, von Rotausleuchtung in<br />

einem Gleisabstand bis zu Weichen- und Signalstörungen,<br />

aber vor allem die hohen Verspätungen<br />

durch verkürzte Wendezeiten an<br />

den Endbahnhöfen.<br />

Hoher Kranken- und Fehlbestand<br />

Einen weiteren negativen Höhepunkt gab es am<br />

Wochenende ab dem 9. November. Aufgrund<br />

fehlender Triebfahrzeugführer besteht bereits ein<br />

gekürztes Wochenendangebot, um Überstunden<br />

abzubauen. Doch neben vielen fehlenden<br />

Triebfahrzeugführern konnte man für ein Stellwerk<br />

keine Fahrdienstleiter gewinnen. Die S 2<br />

nach Bernau fiel aus. Es fuhren Busse.<br />

Der Krankenstand beim Personal ist seit Jahren<br />

hoch. Einfach gesagt, die <strong>Bahn</strong>er können<br />

nicht mehr. Die erhoffte Entlastung durch neu<br />

ausgebildete Triebfahrzeugführer seit März 2012<br />

kam erst ab dem Sommer zur Wirkung. Doch<br />

derzeitige „Fehlplanungen“ zeigen ein anderes<br />

Bild. Vor allem die S 75 nach Wartenberg ist von<br />

den Kürzungen betroffen. Bei Fußballspielen<br />

oder anderen Events im Westteil der Stadt wird<br />

sie nach Osten gebrochen, erreicht oft nicht den<br />

Endbahnhof. In dem dortigen Neubaugebiet hat<br />

man sich mit der Unzuverlässigkeit längst abgefunden<br />

und ist auf die Straßenbahn umgestiegen.<br />

Selbst im Berufsverkehr bietet die S-<strong>Bahn</strong><br />

Sitzplätze an. Das gab es vor fünf Jahren nicht!<br />

Die Entgleisung am 21. August 2012 in Tegel<br />

brachte die Frage nach der Sicherheit verstärkt<br />

auf die Tagesordnung. Unter einem ausfahrenden<br />

Zug wurde die Weiche zu früh umgestellt.<br />

Die Fahrdienstleiter missachteten zahlreiche Regeln.<br />

Offenbar richtete das Unternehmen zu sehr<br />

den Blick auf die Fahrzeuge. Die jährliche Fortbildung<br />

der Fahrdienstleiter weist für 2011 gravierende<br />

Fehlstunden auf. Der gesundheitsbedingt<br />

ausgeschiedene Leiter Betrieb hinterließ<br />

dort eine Lücke – auch das ein Fehlbestand im<br />

täglichen S-<strong>Bahn</strong>-Verkehr.<br />

Problem Fahrzeuge<br />

Trotz besserer Wartung bleiben die Züge der<br />

Baureihe 481/482 das Sorgenkind. Der Winter<br />

mit Frost und Schnee fiel zwar nahezu aus, doch<br />

Tür-, Heizungs- und Antriebsstörungen waren<br />

weiter an der Tagesordnung. Teilweise wurden<br />

über Tage defekte Wagen mitgezogen. Außerdem<br />

testete die Werkstatt weiter am Gleitschutz<br />

– je Achse oder Drehgestell, war die Frage. Denn<br />

noch immer werfen die Züge automatisch<br />

Bremssand gegen das Schleudern ab, obwohl der<br />

Zug bloß in einer <strong>Bahn</strong>hofseinfahrt mit Steigung<br />

das Tempo reduziert. Gleisabschnitte werden<br />

dadurch versandet und verursachen zahlreiche<br />

Störungen an den Gleisfreimeldeanlagen.<br />

Als Übergangslösungen bestehen an den „Steigungen“<br />

Langsamfahrstellen, damit die Technik<br />

mit einer langsamen Fahrt „überlistet“ wird.<br />

Mit dem Spatenstich durch <strong>Bahn</strong>chef Rüdiger<br />

Grube und Peter Buchner im Frühjahr wird inzwischen<br />

für 6,5 Millionen Euro die S-<strong>Bahn</strong>-Betriebswerkstatt<br />

Friedrichsfelde weiter umgebaut,<br />

vor allem werden die Gleisanlagen erneuert. Man<br />

hat einen weiteren Schritt getan. Aber bis das verbesserte<br />

Werk der S-<strong>Bahn</strong> und ihren Fahrzeugen<br />

helfen kann, dürfte noch Zeit vergehen.<br />

Pech und Ärger<br />

Zu den von der S-<strong>Bahn</strong> selbst verschuldeten Problemen<br />

kommen unglückliche Vorkommnisse,<br />

die den Betrieb weiter belasten. Am 15. Dezember<br />

2011 fiel kurzzeitig die Stromversorgung für<br />

die Betriebszentrale aus. Ein Großteil der Züge<br />

stand unerreichbar auf der Strecke, denn auch<br />

beim Funknetz gab es Probleme. Stunden wurden<br />

benötigt, bis die Reisenden evakuiert waren<br />

bzw. andere, die nicht aussteigen durften, wieder<br />

die Gleise verließen. Einen Monat später<br />

blieb ein Zug in einem stromlosen Abschnitt am<br />

Ostbahnhof liegen. Das Abschieben und Evakuieren<br />

dauerte wiederum lange – und es lief ein<br />

Fußballspiel und es gab den Weihnachtsmarkt…<br />

Schließlich kommen nahezu täglich Notarzteinsätze<br />

am Zug dazu. Das zehrt an den Nerven der<br />

Beteiligten: Geschäftsführer Peter Buchner etwa<br />

beschwert sich über die Reisenden. Immer häufiger<br />

gebe es Verspätungen und Ausfälle durch erhöhtes<br />

Fahrgastaufkommen. Busse und U-<strong>Bahn</strong>en<br />

seien auch nicht besser. Immerhin ein<br />

Erfolgserlebnis hatte die Deutsche <strong>Bahn</strong>: Laut<br />

Medienberichten war ihre Schadensersatz-Klage<br />

gegen ehemalige S-<strong>Bahn</strong>-Führungskräfte im<br />

November 2012 erfolgreich; die DB erhielt demnach<br />

eine Entschädigung von rund elf Millionen<br />

Euro zugesprochen.<br />

Derweil geht die Geduld bei Kunden und<br />

Bestellern langsam zu Ende. Während Reisende<br />

nicht mehr glauben, dass eine Signalstörung<br />

alle Linien tangiert, handelte der Berliner<br />

Senat und formulierte die Ausschreibung<br />

zum Betrieb des S-<strong>Bahn</strong>-Rings ab 2017. Eine<br />

Strecke im freien Wettbewerb – das Ergebnis<br />

wird <strong>2013</strong> ermittelt. Dieter Schmidt/GM<br />

Ihre Prämie<br />

Noch mehr Auswahl unter<br />

www.bahn-extra.de/abo<br />

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<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

25


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Der Neue: Seit Juli 2012 gibt es den privaten „Hamburg-Köln-Express“; Veolia Verkehr führt den Betrieb. Weil das vorgesehene Zugmaterial,<br />

Wagen des österreichischen Triebzugs 4010, noch nicht einsatzbereit ist, fuhren verschiedene Garnituren. Im Bild das „Wochenend angebot“<br />

des HKX mit Taurus und Wagen der Nord-Ostsee-<strong>Bahn</strong> am 18. November, aufgenommen in Gelsenkirchen Hbf<br />

Oliver Strüber<br />

HKX und Nostalgie-IC<br />

Der Neue und der Alte<br />

Das gab es nur im Jahr 2012 und nur zwischen Köln und Hamburg: zwei völlig verschiedene<br />

Fernzüge auf einer Strecke. Hier der private Hamburg-Köln-Express, da der Nostalgie-Intercity<br />

der Deutschen <strong>Bahn</strong>. Hier ein Zug am Start, da einer vor dem Abschied. <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> nutzte die<br />

Gunst der Stunde und ist mit beiden mitgefahren<br />

HAMBURG-KÖLN-EXPRESS: privat unterwegs<br />

Das Angebot der Werbung klingt verlockend: Fahrpreise schon ab fünf<br />

Cent pro Kilometer, zu haben im HKX, dem Hamburg-Köln-Express.<br />

Am 23. Juli 2012 startete der private Mitbewerber der DB den Fernverkehrszug<br />

zwischen Alster und Rhein. Die Formel: In vier Stunden<br />

von Stadt zu Stadt. Viel schneller sind auch die IC der DB nicht. Was<br />

bietet der HKX, für sich gesehen und im Vergleich zur DB?<br />

Im Internet kann man sich vorab unter www.hkx.de über den Zug<br />

und die Angebote informieren. Erste Erkenntnis: Es gibt nur eine Wagenklasse.<br />

Und: Man kann die Fahrkarte gleich auf der Internetseite<br />

kaufen. Der Preis variiert je nach Buchungszeitpunkt und Auslastung,<br />

ist aber auf jeden Fall günstiger als der Kauf einer Fahrkarte direkt im<br />

Zug. Für Sonntag, den 18. November 2012, kostet die Fahrt mit dem<br />

HKX 1803 von Köln nach Münster 18 Euro, die Rückfahrt 23 Euro<br />

– klar, in der Gegenrichtung ist die Auslastung höher; es ist der erste<br />

HKX nach Süden an dem Tag. Allerdings kann man sparen: Der Preis<br />

für die Rückfahrt sinkt nochmals um zehn Prozent, sofern man Hinund<br />

Rückfahrt gleichzeitig bucht; das macht 20,70 Euro. Im Zug kostet<br />

die Rückfahrt 28 Euro. So oder so, der HKX bleibt unter der DB,<br />

die für diese Strecke 33 Euro verlangt. Und: Beim HKX ist eine Platzreservierung<br />

schon inbegriffen, die DB nimmt dafür vier Euro extra.<br />

Zugausfall? Nein, Sonderverkehr!<br />

Mit der Fahrkarte in der Tasche erwarte ich am Sonntagmittag „meinen“<br />

HKX. Es ist 11:50 Uhr, ich stehe zusammen mit geschätzten 50<br />

bis 60 Mitreisenden im Kölner Hauptbahnhof an Gleis 2. Gleich wird<br />

der HKX in die Halle rollen. Es knackt in den Lautsprechern, aha, jetzt<br />

wird der HKX angekündigt. Doch dann: „Sehr geehrte Reisende an<br />

Gleis 2, der HKX 1803 von Köln Hauptbahnhof nach Hamburg-Altona,<br />

planmäßige Abfahrt 12:01 Uhr, fällt heute aus. Ladies and<br />

26


HKX und Nostalgie-IC<br />

Der Alte: Offiziell zum Jubiläum „175 Jahre deutsche Eisenbahnen“ eingeführt, gab der „historische IC“ von DB Nostalgiereisen bis Dezember 2012<br />

auf der Strecke Köln – Hamburg (– Flensburg) sein Gastspiel. Dann stellte die DB die planmäßigen Fahrten im Stil der späten 70er-/frühen 80er-Jahre<br />

wieder ein. So stilrein wie IC 2417 am 6. März bei Haltern war das Zugpaar zum Schluss nicht mehr<br />

Marcus Henschel<br />

Rechts: Wagen des<br />

Alex halfen in der<br />

Anfangszeit beim<br />

HKX aus; am 24. Juli<br />

sind 182 530 und<br />

eine Schwesterlok<br />

mit dem Zug bei Essen-Kray<br />

unterwegs<br />

Marcus Henschel<br />

Slg. Oliver Strüber<br />

Gentlemen, …“ Und nun das Ganze noch einmal auf Englisch – Köln<br />

ist schließlich eine Weltstadt. Wie, was, der Zug fällt aus? Im gleichen<br />

Augenblick springt die elektronische Anzeigentafel um. Es erscheint<br />

die Ankündigung des HKX 1803 mit Abfahrtszeit, Laufweg und der<br />

durchlaufenden Anzeige „Zug fällt aus – train cancelled“. Na prima.<br />

Ich will mich schon abwenden, als sich ein zweiteiliger Triebzug nähert.<br />

Ersatz mit Desiro MainLine – nicht der<br />

Standard, aber immerhin ein Zug<br />

Es ist ein Desiro MainLine, den kennt man doch von der Mittelrheinbahn,<br />

oder? Genau. Groß steht „Sonderverkehr“ auf seinem Zugzielanzeiger.<br />

Und es klebt ein kleines blaues Schild hinter der Frontscheibe:<br />

HKX Köln – Hamburg-Altona. Also doch ein Zug!? Die<br />

Garnitur kommt am <strong>Bahn</strong>steig zum Stehen, die Druckpunkte für die Tür -<br />

entriegelung springen auf Grün um. Scheinbar will man uns einsteigen lassen.<br />

Kein weiterer Kommentar aus den Lautsprechern. Langsam ergrei-<br />

fen einige Wartende die Initiative, steigen ein. Kurz darauf ertönt eine junge<br />

Frauenstimme aus den Lautsprechern des Triebwagens: „Sehr geehrte<br />

Fahrgäste! Herzlich willkommen im Hamburg-Köln-Express! Bitte beachten<br />

Sie, dass in unserem Zug nur die HKX-Tickets gelten und wir andere<br />

Fahrkarten leider nicht anerkennen können. … Aufgrund von Wartungsarbeiten<br />

setzen wir heute für Sie einen Ersatzzug ein, daher sind Ihre<br />

Sitzplatzreservierungen nicht mehr gültig. Bitte suchen Sie sich daher selbst<br />

einen Sitzplatz aus. …“ Das Interieur ist für die Strecke Köln – Hamburg<br />

durchaus mutig, wurde doch ein Zug aus dem Regionalverkehr Köln<br />

– Mainz herangezogen. Aber auch wenn das nicht den angestrebten Standard<br />

darstellt, immerhin, der HKX fährt.<br />

Langsam rollt der Zug los, wir rumpeln über die Hohenzollernbrücke<br />

und nehmen bald darauf Fahrt auf. Das Beschleunigungsvermögen<br />

des Triebwagens ist hervorragend. Bei Düsseldorf-Benrath meldet sich die<br />

Zugchefin noch einmal über Lautsprecher zu Wort, verabschiedet sich<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

27


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Blick in die Garnitur der Nord-Ostsee-<strong>Bahn</strong>: Akzeptabel, aber nicht<br />

unbedingt gediegen geht die Fernreise Hamburg – Köln vonstatten.<br />

Der echte Fernzug lässt noch auf sich warten Oliver Strüber<br />

Sonderverkehr im Dienste des HKX: Ein Desiro MainLine der Mittelrheinbahn<br />

übernimmt am 18. November die Mittagsleistung Köln –<br />

Hamburg (Bild in Münster Hbf)<br />

Oliver Strüber<br />

freundlich von Aus- und Umsteigern, wünscht trotz des Regenwetters eine<br />

gute Weiterreise und einen schönen Sonntag. Diese individuelle Ansage<br />

wird sich vor den nächsten größeren <strong>Bahn</strong>höfen wiederholen. Auch<br />

kommt der Hinweis auf das provisorisch im ersten Wagen eingerichtete<br />

Verpflegungsabteil, wo es Getränke und kleine Snacks gibt. Übrigens, zu<br />

günstigen Preisen. Die Fahrkartenkontrolle wird wenig später nett und<br />

routiniert durchgeführt; Zeit für Fragen zu Fahrt und Angebot ist auch.<br />

Mit jedem weiteren Halt füllt sich der Zug, die Gepäckablagen über<br />

den Fenstern kriegen neue Taschen und Koffer. Und das Publikum?<br />

Bunt gemischt: Studenten, Familien, Alleinreisende, ältere Ehepaare<br />

– Menschen wie Du und ich. In Düsseldorf steigt eine dreiköpfige amerikanische<br />

Familie mit vier großen Koffern ein, der Zugbegleiter begrüßt<br />

sie auf Englisch und geleitet sie freundlich zum Platz. Service, der<br />

nicht selbstverständlich ist. Der HKX ist kein Zug für Arme, eher für<br />

Preisbewusste, die auf Annehmlichkeiten nicht verzichten wollen.<br />

Zurück mit der NOB<br />

Schnell verlassen wir hinter Recklinghausen das Ruhrgebiet Richtung<br />

Münsterland. Vor Buldern verliert der Zug vor einem Halt zeigenden<br />

Signal ein oder zwei Minuten, ist aber dennoch planmäßig in Müns-<br />

Slg. Heiko Focken<br />

NOSTALGIE-IC: der Vergangenheit auf der Spur<br />

Ein Freitagmittag in Köln Hbf: Auf rasselnden Drehgestellen schiebt<br />

sich die bullige Elektrolokomotive in die Halle. Rot-Beige kommt<br />

sie daher und bringt Wagen in Rot-Beige und Blau-Beige mit. Start zur<br />

Zeitreise, zum Ausflug in die späten 70er- oder 80er-Jahre, als der Intercity<br />

noch die Nummer eins war auf Deutschlands Schienen. Und<br />

das mittendrin im Betrieb der Deutschen <strong>Bahn</strong> 2012. Seit dem 18. Juni<br />

2010 hat die klassische IC-Komposition die <strong>Bahn</strong>freunde in freudigen<br />

Aufruhr versetzt. Aber nicht das 175. Jubiläum der<br />

Eisenbahn in Deutschland, wie es bei der DB hieß,<br />

brachte den Stein ins Rollen. Schlichter Wagenmangel<br />

war und ist der Anlass für diese außergewöhnliche<br />

Garnitur. Dass sich die DB aber der Exponate<br />

ihrer Nostalgiereise-Sparte bedient, hat<br />

selbst Kenner der Szene überrascht. Für den stilechten<br />

„Intercity 79“ ließ die DB unter anderem<br />

2.-Klasse-Abteilwagen aufarbeiten und rote Interregio-Wagen<br />

vom Typ Aimz in das für den Zug<br />

stimmige, wenngleich historisch nicht ganz astreine<br />

Blau-Beige umlackieren. Zuglok der Garnitur<br />

wurde – natürlich! – eine 103, das rot-beigerundliche<br />

Kraftpaket!<br />

Zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni 2010 stellte<br />

die DB das Wochenend-Entlastungszugpaar<br />

IC 1806/1817 zwischen Köln und Hamburg auf<br />

doppelklassiges Intercity-Material der Zeit nach<br />

1979 um. Ab dem folgenden Fahrplan wurde der<br />

Laufweg des nun IC 2410/2417 genannten Zuges bis Flensburg erweitert.<br />

Wenngleich auf den Fahrplänen nicht dargestellt, so erhielt der Zug den<br />

Namen „Hanseat“.<br />

Einsteigen in den vertrauten Wagen<br />

Und so gediegen-historisch, wie der IC heißt, erscheint er mir auch. Kein<br />

Zischen kündigt die Türfreigabe an, keine blinkenden Druckknöpfe<br />

schauen mir entgegen. Stattdessen ein Messingtürgriff, hand-ergonomisch<br />

geformt, im 45-Grad-Winkel nach oben gebogen. Den muss man kraftvoll<br />

nach unten drücken, dann klappt die Drehfalttür halb in die Türöffnung<br />

zurück, fällt die unterste Trittstufe – klang! – in Position. Über<br />

drei Metallgitter-Trittstufen betrete ich den Wagen. Und schon bin ich<br />

mittendrin im „damals“: ein enger Einstiegsbereich mit Metallfußboden,<br />

links die Klotür, rechts die braunen Vierkant-Schränke „Ersatzteile“<br />

und „Wechselschilder“. Vorbei an der Tür zum winzigen Waschraum<br />

Mittendrin im „damals“ mit Abteilen,<br />

Stoffsitzen und Übersetzfenstern<br />

und durch eine Pendeltür betrete ich den Seitengang, der zwölf Abteile erschließt<br />

und selbst ein paar braune Klappsitze feilbietet. Immer noch gibt<br />

es diesen leicht staubigen Geruch, nach Zehntausenden <strong>Bahn</strong>kilometern<br />

im „Be-Em“-Wagen so vertraut wie der Geruch der eigenen Stube.<br />

Abteil 5 ist frei, ich trete ein. Fensterplatz in Fahrtrichtung, klar.<br />

Orange-braune, fast plüschige Stoffsitze mit breiten Armlehnen, darüber<br />

in zwei Ebenen Gepäcknetze in Messing-Optik, über jedem der<br />

sechs Sitze eine kleine Leselampe mit einer winzigen Glühbirne darin.<br />

Das ist sie, die vertraute Fernverkehrswelt von früher. Hier herrscht<br />

Gemütlichkeit. ICE ist irgendwann in ferner Zukunft – selbst wenn<br />

er gerade draußen auf dem Nachbargleis steht. So beginnt die Fahrt<br />

durch strahlende Wintersonne.<br />

Den Wind um die Nase wehen lassen und aus geöffnetem Fenster den<br />

Zug entlang schauen: Das ist Komfort Marke Nostalgie-IC, hier bei<br />

der Einfahrt in Hamburg Hbf<br />

Heiko Focken<br />

28


HKX und Nostalgie-IC<br />

Gar nicht so einfach, sich in Gelsenkirchen<br />

Hbf über den Privatbahn-Zug<br />

zu informieren: Der<br />

HKX-Abfahrtsplan ist ziemlich versteckt<br />

platziert. Kleine Hürde unter<br />

Konkurrenten? Oliver Strüber<br />

ter. 20 Minuten habe ich, dann<br />

trifft der Gegenzug ein. Er bietet<br />

wieder etwas Neues, nämlich das<br />

momentane Regelangebot für den<br />

Wochenendverkehr: eine angemietete Wendezuggarnitur der Nord-<br />

Ostsee-<strong>Bahn</strong> (NOB), bespannt mit einem schwarzen MRCE-Dispo-<br />

Taurus (Ellok ES 64 U2). Die Wagen sind für den Wochenendeinsatz<br />

prädestiniert: viel Platz für Kinderwagen, Fahrräder oder Rollstuhlfahrer,<br />

die ebenerdig in den Zug rollen können. Das braucht der HKX<br />

auch, denn er ist wieder gut gefüllt. Trotzdem finden Neuankömmlinge<br />

noch freie Sitze, die von den Zugbegleitern gern zu gewiesen werden.<br />

Die Sitzlandschaft liegt etwas unter dem gewöhnlichen DB-Fernverkehrskomfort<br />

der 2. Klasse: Mich erwarten blaue Stoffsitze in Großraumanordnung,<br />

durchaus akzeptabel, aber nicht unbedingt gediegen.<br />

Wieder ist die Schar der HKX-Reisenden bunt gemischt. Es gibt ein<br />

paar Fußballfans, junge Pärchen, Einzelreisende, Familien. Und wieder<br />

bemüht sich das Personal um freundliche Atmosphäre, sei es mit<br />

ÜBERBLICK: DAS HKX-ZUGANGEBOT Stand: 19.11.2012<br />

Hamburg – Köln<br />

Verkehrstage HH-Altona ab Köln Hbf an<br />

HKX 1800 Mo-Sa 06:35 10:57<br />

HKX 1802 Fr-So 11:37 15:57<br />

HKX 1804 Do-Sa 16:37 20:57<br />

Köln – Hamburg<br />

Verkehrstage Köln Hbf ab HH-Altona an<br />

HKX 1801 Fr-Sa 07:01 11:22<br />

HKX 1803 Mo-So 12:01 16:23<br />

HKX 1805 Fr-So 17:01 21:22<br />

HKX 1807 So 21:38 01:55<br />

Hilfestellung für die Reisenden oder durch pfiffige, individuell zugeschnittene<br />

Durchsagen.<br />

Das rückt den HKX trotz mancher Startschwierigkeit – zeitweise fielen<br />

Züge aus und es fuhren Busse – in ein letztlich positives Licht. Das<br />

Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt trotz Ersatzgarnituren, dazu gibt<br />

es freundlichen Service und saubere Züge. Mal abwarten, wie der „echte<br />

Betrieb“ aussieht, vor allem dessen Reisekomfort. Dann folgt die<br />

nächste Runde im Wettbewerb; auf die jetzige Privatbahn-Vorlage hat<br />

die DB mit dem modernisierten IC reagiert. Oliver Strüber/GM<br />

Neugierig trete ich nochmals in den Gang hinaus. Links eine Hand<br />

an den Fenstergriff, rechts eine Hand an den Fenstergriff. Metall im Hartplastikmantel,<br />

nicht dieses Gummizeug wie in den modernisierten Silberlingen<br />

oder im Interregio-Wagen. Leicht lässt sich das Fenster hinunterziehen,<br />

schon blicke ich nach draußen und lasse mir den Fahrtwind um die<br />

Nase wehen. Welch selten gewordenes Ritual. Rechts unter mir schlägt<br />

das Drehgestell, klackklack-klakaklaklack, während sich der „Hanseat“ über<br />

die Weichenstraßen aus dem <strong>Bahn</strong>hof windet.<br />

Aber die 103 darf Tempo machen, und auch der Nostalgie-IC kennt<br />

bei der Geschwindigkeit keine Kompromisse. Bis zu 200 km/h fährt er<br />

– wie der Intercity 1979 eben – und damit auch nicht langsamer als die<br />

anderen IC-Züge oder der ICE auf dieser Strecke. Auf der Rückfahrt<br />

sonntags von Flensburg nach Köln wird er gar zum Sprinter: Hamburg<br />

Hbf – Münster nonstop, ohne Halt in Harburg und Osnabrück und<br />

über die Umfahrung Bremens.<br />

Bevor es mit dem Fahrtwind zu ungemütlich wird, ziehe ich mich lieber<br />

ins behagliche Abteil zurück. Madame Rot-Beige vorne hat ihre acht Wagen<br />

bestens im Griff, nach Wiehengebirge und Mittellandkanal rennt sie mit<br />

ihrer Fuhre durch die norddeutsche Tiefebene. Ein Sprung über die Weser,<br />

in Bremen Hauptbahnhof kommen wir fast fünf Minuten zu früh an.<br />

Zurück zum normalen Intercity<br />

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 wird der „Hanseat“ aus dem<br />

Programm genommen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Im<br />

Fahrplan steht der Zug unverändert. Aber künftig wird er als ganz normaler<br />

Intercity über die Gleise jagen, nicht mit Nostalgie-Fahrzeugen, sondern<br />

mit Wagen wie in vielen Hundert anderen Intercitys, bespannt mit<br />

einer der üblichen Elloks, also 101 oder 120. Wobei: Die gute alte 103<br />

an der Zugspitze hat er schon im Herbst 2012 verloren, weil die Nostalgietochter<br />

der DB eine solche nicht zuverlässig bereitstellen konnte. Nach<br />

mehrmaligem Einsatz von 111ern oder gar 110ern zog DB Fernverkehr<br />

die Reißleine und übernahm die Bespannung der 80er-Jahre-Garnitur<br />

wieder selbst. Die Kündigung des Wageneinsatzes ging dann von der Nostalgiesparte<br />

aus. Zu optimistisch hat dieser Firmenteil die Kosten des substanz-zehrenden<br />

Einsatzes kalkuliert, die er der Fernverkehrsschwester im<br />

Konzern in Rechnung stellte. Eine nicht immer glückliche Vermarktung<br />

der Waggons, einige unverhältnismäßig aufwendige Vorgaben sowie fehlende<br />

Unterstützung im Unternehmen Deutsche <strong>Bahn</strong> AG taten ein Üb-<br />

riges. Regelmäßigen Benutzern blieb eine gewisse Vernachlässigung im<br />

Pflegezustand der Nostalgiewagen nicht verborgen. Eisenbahn ist eben ein<br />

teures Geschäft. So werden die zum Teil erst vor wenigen Jahren hauptuntersuchten<br />

Wagen zunächst einmal abgestellt.<br />

In Hamburg Hbf leert sich der Zug. Die Mutter mit der kleinen Tochter,<br />

die seit Bremen einen Heidenspaß an der Liegefläche zweier ausziehbarer<br />

Sitze hatte, verlässt das Abteil. Ich bleibe im Zug und erlebe den<br />

Endspurt, vorbei an der Binnenalster mit der Stadtkulisse und weiter<br />

Richtung Norden. Hinter Neumünster wird es langsam dunkel. Die große<br />

Leuchtstoffröhre hinter ihrer bauchigen Verkleidung an der Abteildecke<br />

ist ausgeschaltet, nur eine kleine Notbeleuchtung glimmt. Warm<br />

steigt von unten, rechts neben mir, die Wärme der Heizung auf. Ich lasse<br />

mich noch ein wenig tiefer in den Sitz rutschen. Angenehm ist es, bequem,<br />

einfach... schön! Reisen wie früher, vielleicht auch etwas verklärt.<br />

Die DB Fernverkehr AG muss unterdessen schauen, wie sie den Zug<br />

für <strong>2013</strong> „produziert“. Wie sie ihn mit Waggons ausstattet, die sie eigentlich<br />

gar nicht hat. Eines aber zeigt sich sonnenklar: Hier wurde eine<br />

Chance verpasst. Kein „seht her, was wir hier haben!“, eher der Mantel des<br />

Schweigens. Traute sich die DB nicht, den „alten IC“ offensiv zu bewerben?<br />

Oder hatte sie am Ende vielleicht Angst, Reisende an einen Komfort<br />

zu gewöhnen, den heute kein ICE mehr bietet? Heiko Focken/MHZ<br />

Seitengang mit Klappsitzen: Selbst was früher eher ein Notbehelf war,<br />

weckt heute sehnsüchtige Erinnerungen. Blick in einen 2.-Klasse-<br />

Wagen des Nostalgie-IC<br />

Heiko Focken<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

29


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

50 Jahre Fernschnellzug „Rheingold“ 1962<br />

Das Gold-Jubiläum<br />

Zum Sommerfahrplan 1962 trumpfte die Deutsche Bundesbahn mit dem neuartigen „Rheingold“-Fernschnellzug<br />

auf. Ein halbes Jahrhundert später erinnerte der Freundeskreis Eisenbahn<br />

Köln an den denkwürdigen Zug. Mit einer Museumsgarnitur und einer Sonderfahrt<br />

Fahrten mit den historischen „Rheingold“-<br />

Wagen aus mehreren Epochen gehören<br />

zu den begehrtesten <strong>Bahn</strong>reise-Angeboten<br />

im Touristikbereich. Dabei beschränken<br />

sich Themen, Traktion und Strecken keineswegs<br />

allein auf das Inland. Die Züge des<br />

„Freundeskreis Eisenbahn Köln“ und seiner Betriebsgesellschaft<br />

verbinden seit Jahrzehnten gelungene<br />

Traditionspflege und komfortables Reisen<br />

auf Europas Schienen. Und doch war 2012<br />

für den Verein ein besonderes Jahr, galt es doch,<br />

einen besonderen Zug zu würdigen.<br />

Vier neue Wagentypen 1962<br />

Anknüpfend an die Erfahrungen mit dem luxuriös<br />

ausgestatteten, von der Reichsbahn ini-<br />

tiierten Express der späten 20er-Jahre, hatte<br />

die Leitung der Deutschen Bundesbahn 1960<br />

ihr Zentralamt in Minden (Westf.) beauftragt,<br />

einen neuen, modernen Wagenpark speziell<br />

für den „Rheingold“ zu entwickeln. Diesen<br />

sah die DB als einen Zug, der, „aus der Zahl<br />

der Fernschnellzüge herausgehoben, eine gewisse<br />

Tradition verkörpert“. Die Fahrzeuge<br />

entstanden in der damals aktuellen Standardlänge<br />

von 26,40 Metern, waren erstmals für<br />

160 km/h konzipiert, mit Edelholzfurnierauskleidung,<br />

erstmals Klimaanlage und goldbedampften<br />

Fenstern ausgestattet. Zugleich<br />

berücksichtigten sie die zuvor mit den TEE-<br />

Triebzügen der Baureihe VT 11.5 gesammelten<br />

Erfahrungen.<br />

So entstanden zu Beginn der 60er-Jahre vier<br />

Wagentypen, alle in der 1. Klasse. Als Sitzwagen-<br />

Varianten gab es je einen Seitengangtyp mit neun<br />

Abteilen zu je sechs komfortablen Plätzen und einen<br />

Großraumwagen mit Mittelgang und<br />

16 Sitzreihen in der Platzaufteilung 2+1, das<br />

heißt, in Fahrtrichtung verstellbaren Neigesesseln.<br />

Der Clou war jedoch der Aussichtswagen, wie er<br />

bislang nur in Amerika („Dome Car“) und als<br />

„Panoramatriebwagen“ in Italien und Frankreich<br />

Verwendung fand. Für den „Rheingold“ erhielt<br />

die DB einen mit 22 Plätzen in einer erhöhten angeordneten<br />

verglasten Kuppel ausgestatteten Aussichtswagen;<br />

in diesem hatte man außerdem eine<br />

Bar, zwei sechssitzige Seitengang-Abteile, Gepäckraum,<br />

Zugsekretariat, Telefonkabine sowie<br />

30


Maschinen- und Geräteraum für die Klimaanlage<br />

untergebracht. Außergewöhnlich war auch der<br />

mit 48 Plätzen verhältnismäßig große, erste<br />

Nachkriegs-Neubau-Speisewagen für die Deutsche<br />

Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft<br />

(DSG), dessen Wirtschaftsteil zweistöckig ausgebildet<br />

wurde. Das verschaffte ihm den Spitznamen<br />

„Buckel“-Speisewagen. Bei der Traktion<br />

entschied man sich zunächst für eine Variante der<br />

bewährten E 10.1 (E 10 1239-1244), ehe als dauerhafte<br />

Lösung dieser Elloktyp mit der elegant<br />

wirkenden Windschneide zum Einsatz kam.<br />

Bereits im Sommer 1972 wurden die neuartigen<br />

Speisewagen (WR) nicht mehr in den<br />

DB-Spitzenzügen „Rheingold“ und „Rheinpfeil“<br />

eingesetzt. Vier Jahre später zog die<br />

Deutsche Bundesbahn auch die vielgerühmten<br />

„Dome Cars“ aus dem Regelverkehr und<br />

verkaufte sie als Splittergattung an private Reiseveranstalter.<br />

Der Freundeskreis Eisenbahn Köln (FEK),<br />

seit 1970 bekannter „Rheingold“-Traditionsträger,<br />

widmete sich fortan neben der Pflege des einzig<br />

verbliebenen Rollmaterials des Reichsbahn-<br />

Vorgängers aus den Jahren 1928/29 auch der<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

Souvenir aus dem Original-„Rheingold“:<br />

ein<br />

Zugbegleiter der frühen<br />

60er-Jahre<br />

Slg. Jürgen Krantz<br />

Fast wie 1962: Am<br />

27. Mai 2012 surrt<br />

E 10 1239 mit dem<br />

„Rheingold“-Zug des<br />

FEK auf der linken<br />

Rheinstrecke südwärts.<br />

Die stilechte<br />

Garnitur umfasst<br />

neun Wagen<br />

Zeno Pillmann<br />

50 Jahre Rheingold<br />

betriebsfähigen Erhaltung der ehemaligen DB-<br />

Komfortwagen der 60er-Jahre. In Schweden erwarb<br />

Dr. Günter Stier einen der Original-Aussichtswagen<br />

sowie hierzulande den letzten von<br />

ursprünglich fünf „Buckel“-Speisewagen. Beide<br />

wurden in den Zustand der Ablieferungsjahre<br />

zurückversetzt. Am Letztgenannten wird<br />

derzeit noch der Innenraum restauriert.<br />

Neuauflage der Premiere<br />

Was Außenstehende kaum für möglich gehalten,<br />

insgeheim aber erhofft hatten, wurde<br />

2012 wahr: Am 27. Mai, auf den Tag<br />

genau 50 Jahre nach der ersten planmäßigen<br />

Fahrt des DB-Fernschnellzugs<br />

„Rheingold“, gab es eine Neuauflage der<br />

seinerzeitigen, Aufsehen erregenden Premiere.<br />

Eine artgleiche Garnitur fuhr zum<br />

Gold-Jubiläum als Sonderzug über die traditionelle<br />

„Heimat“-Strecke des „Rheingold“<br />

entlang des Rheins bis Basel. Möglich geworden<br />

war das dank intensiver Arbeiten an den<br />

Original-Fahrzeugen durch die ehrenamtlich<br />

tätigen FEK-Mitglieder, die freundschaftlich<br />

verbundene Centralbahn Basel und den rührigen<br />

Lokomotivclub E 103 aus Wuppertal.<br />

Der Jubiläums-Extrazug Düsseldorf – Köln –<br />

Karlsruhe – Basel Badischer <strong>Bahn</strong>hof und zurück,<br />

geführt von der bestens gepflegten Original-<br />

„Rheingold“-„Kasten“-Lok E 10 1239, bestand<br />

aus neun (!) einheitlich kobaltblau-/elfenbeinfarbenen<br />

Wagen. Hinter der Lokomotive lief der erst<br />

zwei Tage zuvor äußerlich wieder im Ursprungs -<br />

zustand hergerichtete „Buckel“-Speisewagen, gefolgt<br />

von zwei klimatisierten Seitengang-Abteilwagen<br />

Typ Avm-62, dem 2005 aus Schweden<br />

zurückgeholten „Dome-Car“, einem 27,50 Meter<br />

langen einstöckigen, im „Rheingold“ der späten<br />

60er-Jahre eingesetzten Speisewagen , dem<br />

ebenso langen Aussichtswagen-Nachfolger<br />

ARDmh-64 sowie einem der anfänglichen<br />

„Rheingold“-Verstärkungswagen 1. Klasse mit<br />

Übersetzfenstern. Schließlich folgten noch je ein<br />

Gesellschafts- (ex-Liege-) wagen und das im FEK-<br />

Der Sonderzug bestand aus neun Wagen, darunter<br />

dem frisch renovierten „Buckel“-Speisewagen<br />

Sonderzugverkehr bewährte Generator- und Küchenfahrzeug,<br />

ein ehemals kombinierter Sitz- und<br />

Speiseraumwagen der Eilzugbauart.<br />

An zahlreichen Stellen der Fahrtstrecke erwarteten<br />

Film- und Fotofreunde die einmalige<br />

Komposition. Und in Karlsruhe stießen als<br />

Überraschung die beiden Schweizer Musiker<br />

Carlo Carletti und Gerry Tschümperlin zur<br />

Reisegesellschaft. Viel zu schnell vergingen der<br />

fünfstündige Aufenthalt in der Stadt Basel und die<br />

abendliche, von der Sonne begleitete Rückreise<br />

mit Blick auf die Schwarzwaldberge und das Elsass.<br />

Am Ende erhielt jeder Teilnehmer eine Tafel<br />

weiße Schweizer Schokolade, dekoriert mit<br />

blau-beiger Banderole, Dome Car und „Buckel“-<br />

Speisewagen. Bleibt zu hoffen, dass die elegante<br />

„Rheingold“-Garnitur der 60er-Jahre noch viele<br />

Menschen mit der hohen Reisekultur der damaligen<br />

Zeit erfreuen kann. Friedhelm Ernst<br />

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<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Am 16. Juni 2012 konnte die Öffentlichkeit letztmals das Bergwerk West in Kamp-Lintfort besichtigen, das Ende des Jahres schließt. Blick vom<br />

Förderturm auf das Werksgelände, auf dem an diesem Tag auch ein Sonderzug mit Lok 38 2267 der DGEG verkehrte<br />

Stefan Aldejohann<br />

Stilllegung von Bergwerksstrecken im Ruhrgebiet<br />

Abschied von der<br />

Zechenbahn<br />

Der „klassische Ruhrpott“ verschwindet immer mehr und mit ihm auch das Netz von Zechenund<br />

Bergwerksbahnen. Ende 2012 folgt der nächste gravierende Einschnitt<br />

Der Strukturwandel in der klassischen<br />

Ruhrgebietsindustrie schreitet seit<br />

Jahrzehnten beharrlich voran und ist<br />

bei der Steinkohlenförderung so gut wie abgeschlossen.<br />

Ende des Jahres 2012 gibt es im<br />

Ruhrgebiet nur noch drei Förderstandorte: das<br />

Bergwerk West in Kamp-Lintfort (Einstellung<br />

der Förderung zum 31. Dezember 2012), Auguste-Victoria<br />

in Marl (Förderende 2015) und<br />

Prosper-Haniel in Bottrop (Förderende 2018).<br />

Diese Entwicklung wirkt sich auch unmittelbar<br />

auf die Eisenbahnen aus. War das Ruhrgebiet<br />

früher wie ein Spinnennetz von Zechenbahnen<br />

durchzogen, so erinnern heute<br />

vielerorts allenfalls noch Radwege an diese<br />

Vergangenheit. Und gerade Ende 2012 schreitet<br />

diese Entwicklung weiter voran, wenn das<br />

Bergwerk West in Kamp-Lintfort seine Förderung<br />

einstellt. Anfang <strong>2013</strong> werden noch<br />

die am Bergwerk befindlichen Kohlelager leer<br />

gefahren, danach wird die ca. fünf Kilometer<br />

lange Anschlussbahn von Rheinkamp nach<br />

Kamp-Lintfort ohne Verkehr sein. Außerdem<br />

läuft beim Bergwerk Prosper-Haniel eine Umstrukturierung<br />

des Bergetransports (Berge =<br />

das mit Kohle zusammen geförderte Gestein,<br />

das in der Aufbereitung von dieser getrennt<br />

wird und anschließend auf eine Halde gebracht<br />

wird); das sorgt für die Einstellung weiterer<br />

Zechenbahnen.<br />

Bergwerk West und RBH-Strecken<br />

Das Bergwerk West geht zurück auf den 2012<br />

exakt 100 Jahre alten Förderstandort Friedrich-<br />

Heinrich, der in den letzten Jahrzehnten mit<br />

einigen anderen Zechen zu einem Verbund-<br />

32


Einschnitte bei Bergwerksbahnen im Ruhrgebiet<br />

Wieder einige weniger: Die rot markierten Zechenbahnen im Ruhrgebiet verlieren ihren Verkehr<br />

Karte/Bearbeitung: Anneli Nau<br />

bergwerk zusammengeschlossen wurde, wobei<br />

man dessen Förderung auf die Schachtanlage<br />

in Kamp-Lintfort konzentrierte. Die geförderte<br />

Kohle wird über die Anschlussbahn zunächst<br />

zum Güterbahnhof Rheinkamp (gelegen an<br />

der Kursbuchstrecke 498 Duisburg-Rheinhausen<br />

– Xanten) abgefahren, wo die Kohlezüge<br />

umgespannt werden und zu verschiedenen<br />

Zielen aufbrechen. Auch die Berge werden<br />

über die Anschlussbahn abgefahren. In etwa<br />

auf der Hälfte der Strecke liegt die Bergeumladeanlage<br />

Pattberg. Bis zur Einstellung der<br />

Förderung ist sie das Ziel zahlloser Züge, die,<br />

für Güterzüge ungewöhnlich, über „Steuerwagen“<br />

verfügen, von denen aus der Lokführer<br />

die Lok über Funkfernbedienung steuert.<br />

Die landschaftlich sehenswerte Strecke beginnt<br />

im eingezäunten, aber von außen gut<br />

einsehbaren Zechenbahnhof des Bergwerks<br />

West vor der Kulisse der sehenswerten Übertageanlagen<br />

und verläuft dann teilweise mit<br />

Hier Werksschließung,<br />

dort Halde aufgefüllt<br />

dem Charakter einer ländlichen Kleinbahn bis<br />

zu dem mit Formsignalen ausgestatteten Betriebsbahnhof<br />

Rheinkamp. Gut möglich, dass<br />

sie eine Zukunft im Schienenpersonennahverkehr<br />

zur Anbindung von Kamp-Lintfort hat.<br />

Anders sieht es bei der Einstellung der<br />

RBH-Strecken Bottrop Hafen – Rheinbaben<br />

– Gladbeck West Sbf und Abzweig Rheinbaben<br />

– Gelsenkirchen Horst Nord aus. Dies<br />

liegt insbesondere an der erwähnten Umstrukturierung<br />

der Bergeabfuhr im Bergwerk<br />

Prosper-Haniel und den damit verbundenen<br />

Rationalisierungen. Die Halde Mottbruch, deren<br />

Bergeentladestelle an den Güterbahnhof<br />

Gelsenkirchen-Horst Nord angeschlossen ist,<br />

hat die geplante Füllhöhe für die Gestaltung eines<br />

Landschaftsbauwerks erreicht. So fuhr am<br />

Mittag des 29. Septembers 2012 der letzte Zug<br />

von der Bergeverladung Prosper nach Mottbruch,<br />

mit Richtungswechsel in Rheinbaben.<br />

Seitdem werden sämtliche Berge auf die Halde<br />

Am 29. September 2012 fuhr der letzte Bergezug zur Halde Mottbruch. Hier ist der Zug schon<br />

entladen und hat mit Ellok RBH-003 Ausfahrt aus Gelsenkirchen-Horst Nord Stefan Aldejohann<br />

Haniel verbracht. Hierzu braucht es aber keine<br />

Züge, da die am Standort Prosper per Förderberg<br />

über ein Förderband zu Tage gebrachte<br />

Kohle in den Übertageanlagen von den<br />

Bergen getrennt wird, die im rücklaufenden<br />

Untertrumm des Förderbandes wieder in den<br />

Berg gebracht werden. Unterirdisch werden sie<br />

auf Bändern zum mehrere Kilometer entfernten<br />

Standort Haniel gefördert, dort erneut zu<br />

Tage gebracht und per Lkw auf die benachbarte<br />

Halde gefahren. Dieses durch Nutzung<br />

des rücklaufenden Bandes energetisch neutrale<br />

Verfahren spart die <strong>Bahn</strong>transporte ein. So<br />

wurde mit einem Großteil der anfallenden Berge<br />

auch schon vorher verfahren. Der Großteil<br />

des Verkehrs zur Halde Mottbruch endete bereits<br />

2008 mit Betriebsende des Bergwerks Lippe<br />

in Westerholt, von Prosper-Haniel gingen<br />

stets nur einzelne Bergezüge aus.<br />

Was übrig bleibt<br />

Mit Stilllegung der RBH-Strecken werden<br />

auch die Übergaben von Gelsenkirchen-Bismarck<br />

nach Gladbeck West auf benachbarte<br />

DB-Strecken verlegt. Dem mit mechanischen<br />

Stellwerken ausgestatteten <strong>Bahn</strong>hof Gelsenkirchen-Horst<br />

Nord steht aller Voraussicht<br />

nach ein massiver Rückbau bevor, denn es<br />

muss lediglich ein Anschluss der östlich des<br />

<strong>Bahn</strong>hofs gelegenen RuhrOel-Raffinerie bleiben.<br />

Die einstigen Zechenbahnen westlich davon<br />

werden abgebaut. Von dem einstigen Zechenbahnnetz<br />

im Ruhrgebiet verbleiben dann<br />

lediglich drei spärliche Fragmente, und zwar<br />

• vom <strong>Bahn</strong>hof Gladbeck West Sbf über die<br />

Zentralwerkstatt Talstraße zum Kraftwerk<br />

und zur Raffinerie Scholven<br />

• im Bereich des Güterbahnhofs Bottrop Süd<br />

als Anbindung vom Bergwerk Prosper-Haniel<br />

und der Kokerei Prosper sowie des Hafens<br />

Bottrop<br />

• im Bereich Recklinghausen Süd vorbei am<br />

Hafen Julia mit Verbindung zur Wanne-<br />

Herner Eisenbahn (WHE) sowie die Anschlussbahn<br />

von Auguste-Victoria in Marl.<br />

Stefan Aldejohann<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

33


<strong>Bahn</strong>-Trends<br />

Oben: Am 12. Dezember 2010 feierte die DB die „Taufe“ des „Magdeburg-<br />

Berlin-Express“. Auf dem Rückweg nach Sachsen-Anhalt macht der Eröffnungszug<br />

in Berlin Potsdamer <strong>Bahn</strong>hof Station<br />

Sebastian Schrader<br />

Rechts: Mit Sonderpreisen versuchte die DB, die Attraktivität des<br />

IRE zu steigern – ohne Erfolg<br />

Slg. Sebastian Schrader<br />

„Magdeburg-Berlin-Express“ eingestellt<br />

Aus für Otto<br />

Nach nur zwei Jahren kam im Dezember 2012 der Abschied<br />

vom „Magdeburg-Berlin-Express“. DB Regio AG trat auf die<br />

Bremse. Der Grund: die schwache Fahrgastauslastung<br />

In großen Buchstaben prangte es auf den<br />

Lokomotiven: „Otto hat Zugkraft“. Gemeint<br />

war Kaiser Otto der Große, der<br />

Magdeburg im zehnten Jahrhundert entscheidend<br />

geprägt hatte – und der, sinnbildlich<br />

gesehen, auch jetzt die neue Verbindung<br />

zwischen der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts<br />

und der Bundeshauptstadt Berlin prägen<br />

sollte. Zugkraft im Sinne von zugkräftigem<br />

Angebot, doch daraus wurde nichts. Nach lediglich<br />

zwei Jahren Betrieb hat die DB Regio<br />

AG den Zug nun eingestellt.<br />

Neuheit mit Schwächen<br />

Am 13. Dezember 2010 wurde dieser Interregio-Express<br />

(IRE) zwischen Magdeburg und<br />

Berlin als qualitativ hochwertiges Nahverkehrsangebot<br />

neu eingeführt. Es handelte sich<br />

um ein eigenwirtschaftlich von DB Regio betriebenes,<br />

also nicht von den betreffenden<br />

Bundesländern bezuschusstes Zugangebot,<br />

das mit regulären Fahrscheinen des Nahverkehrs<br />

nutzbar war. Der „Magdeburg-Berlin-<br />

Express“ bestand aus einer dreiteiligen<br />

Doppelstock-Wendezuggarnitur: einem Steuerwagen<br />

des Typs DABpbzfa 767.2 sowie zwei<br />

Mittelwagen der Bauart DBpza 780.3. Für<br />

den Antrieb sorgte eine Ellok der Baureihe<br />

112. Die für den IRE eingeplanten „Zugpferde“<br />

112 138 und 112 139 erhielten zum Start<br />

des neuen Zugangebotes die erwähnte Beklebung<br />

„Otto hat Zugkraft“. Auch die damals<br />

frisch ab Werk gelieferten Doppelstockwagen<br />

wurden mit weißen Klebefolien als „Magdeburg-Berlin-Express“<br />

gekennzeichnet.<br />

Anders als die bestehende Direktverbindung<br />

Berlin – Magdeburg durch die Regionalexpress-Linie<br />

RE1 verkehrte der „Magdeburg-Berlin-Express“<br />

ohne weitere Halte<br />

zwischen beiden Städten und fuhr auch nur<br />

von Montag bis Freitag in Form eines morgendlichen<br />

und eines nachmittäglichen Zugpaares.<br />

Die Fahrzeiten des IRE waren damit<br />

vor allem auf Geschäftsreisende, Berufspendler<br />

und Tagestouristen zugeschnitten. Zwar<br />

stellte der „Magdeburg-Berlin-Express“ eine<br />

Angebotserweiterung zur bisherigen RE-Linie<br />

1 dar, jedoch wurde das Potenzial des Zuges<br />

weder vom Betreiber noch von den Fahrgästen<br />

vollständig ausgeschöpft. Die Grund -<br />

voraussetzungen für ein erfolgreiches, kostendeckendes<br />

Zugangebot stimmten anscheinend<br />

nicht. Zwischen Magdeburg Hbf und Berlin<br />

Südkreuz wurde durch den IRE kein weiterer<br />

<strong>Bahn</strong>hof bedient. Das resultierte in einer vergleichsweise<br />

kurzen Fahrzeit von nur 74 oder<br />

76 Minuten. Jedoch half die Nutzung des<br />

schnellen „Magdeburg-Berlin-Express“ nicht,<br />

bedeutende Umsteigeverbindungen zu erreichen<br />

und ein wichtiger Verkehrsknoten, Potsdam<br />

Hbf, wurde durch die vom RE1 abweichende<br />

Verkehrsführung des IRE via Werder,<br />

Potsdam Pirschheide (oben), südlichen Außenring<br />

und Nord-Süd-Fernbahntunnel<br />

schlicht umfahren. Die Reise über die Berliner<br />

Stadtbahn, durch die kurvige Linienführung<br />

in Sichtweite bedeutender Berliner Sehenswürdigkeiten<br />

nicht nur für Touristen ein optischer<br />

Leckerbissen, blieb den „Otto“-Fahrgästen<br />

damit ebenso verschlossen. Die vom<br />

IRE stattdessen bediente Berliner Nord-Süd-<br />

Verbindung Südkreuz – Potsdamer Platz –<br />

Hauptbahnhof (tief) – Gesundbrunnen (wo<br />

34


„Magdeburg-Berlin-Express“<br />

Die Aufnahme vom April 2011 macht ein Problem des „Magdeburg-Berlin-Express“ deutlich: Lok 112 139 fährt mit IRE 4278 in Berlin-Südkreuz<br />

ein, und zwar auf einer Strecke, die weit entfernt von den touristischen Sehenswürdigkeiten Berlins liegt<br />

Sebastian Schrader<br />

jedoch nur das morgendliche IRE-Zugpaar<br />

hielt) war zudem bereits durch andere Nahund<br />

Stadtverkehrsangebote erschlossen.<br />

offerierte für die IRE-Relation Sonderpreise in<br />

verschiedenen Varianten: ein Einzelticket für<br />

19 Euro, ein Hin- und Rück-Einzelticket für<br />

Angebot mit Systemfehler: schnell und direkt, aber<br />

ohne wichtige Zwischenhalte und touristischen Reiz<br />

Allerdings wäre die direkte Wegführung des<br />

IRE über Potsdam Hbf und die Stadtbahn im<br />

Fahrplanjahr 2012 aufgrund von Bauarbeiten<br />

zwischen Berlin-Grunewald und Wannsee ohnehin<br />

nicht möglich gewesen. Die Attraktivität<br />

des Zuges konnte auch durch ein eigens<br />

eingeführtes Pauschalpreisangebot „Kaiser-<br />

Otto-Spezial“ nicht gesteigert werden. Dieses<br />

28 Euro mit dreitägiger Gültigkeit sowie ein<br />

Gruppentagesticket für bis zu fünf Personen<br />

für 49 Euro.<br />

Besser ohne Otto<br />

Aber auch ohne „Kaiser Otto“ hat der Fahrplanwechsel<br />

am 9. Dezember 2012 einige Verbesserungen<br />

für das Reisen zwischen Magdeburg<br />

und Berlin gebracht. Ein neuer Verkehrsvertrag<br />

für den weiterhin von DB Regio<br />

betriebenen RE1 trat in Kraft. Die bisherigen<br />

Doppelstockwendezüge bekamen hierfür eine<br />

umfassende „Frischzellenkur“ und sind nun<br />

mit Elloks der Baureihe 182 bespannt, welche<br />

die dienstälteren 112.1 und 114 ablösen.<br />

Da auch die Bauarbeiten auf der Strecke abgeschlossen<br />

sind, reduziert sich die RE-Fahrzeit<br />

zwischen Magdeburg Hbf und Berlin Hbf<br />

von den 113 bzw. 118 Minuten des alten<br />

Fahrplans auf nur noch 101 bzw. 102 Minuten.<br />

Das ist zwar etwa eine Viertelstunde langsamer<br />

als der „Otto-IRE“, es werden dafür<br />

aber auch die Fahrgäste an den <strong>Bahn</strong>höfen<br />

zwischen Magdeburg und Berlin mitgenommen.<br />

Sebastian Schrader<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

35


Impressionen<br />

Werbefahrzeuge 2012<br />

... Farbe bekennen<br />

Regionale Motive trägt der Desiro 642 415/915 der Ostdeutschen<br />

Eisenbahn-Gesellschaft, hier als OE 79523 Cottbus – Görlitz unterwegs<br />

(20. Oktober 2012)<br />

Marcus Benz<br />

Fünf 101er-Elloks wecken Interesse an Südafrika; eine von ihnen ist<br />

101 118, die am 26. Juni 2012 mit ihrem Intercity die Moselbrücke<br />

in Koblenz passiert<br />

Alexander Körner<br />

36


Werbeloks 2012<br />

Seit dem 6. Juni gibt es den Eurocity von Gdingen<br />

nach Berlin, hier mit der „Russland-Lok“<br />

370 002 der Polnischen Staatsbahn PKP bei<br />

Berlin Hbf. Zur Fußball-Europameisterschaft in<br />

Polen und der Ukraine hat die PKP je zehn Elloks<br />

vom Typ EU44 (Taurus) und vom Typ EP09 gestaltet;<br />

16 Loks zeigen die Teilnehmer der Endrunde,<br />

vier die polnischen Stadien S. Schrader<br />

Quizfrage: Wieviele Bälle fahren in dieser S-<strong>Bahn</strong> mit? Der Wagen<br />

wirbt für den Handball-Bundesligisten Hamburger SV und erinnert<br />

irgendwie auch an die Verhältnisse im Berufsverkehr Lars Brüggemann<br />

Dekorierte 120er-Elloks haben bei Märklin Tradition. Im Jahr 2012 ist<br />

es 120 112, die für den Göppinger Modellbahnhersteller Reklame<br />

fährt (Bild bei Mülheim-Styrum)<br />

Marcus Henschel<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong>


Impressionen<br />

Oben: Das geringere Güterverkehrsaufkommen an Ostern macht’s<br />

möglich. Am 6. April (Karfreitag) gibt es im Rangierbahnhof Maschen<br />

eine Parade mit den Loks des „AlbatrosExpress“: 152 134–138<br />

gehören zu DB Schenker und fahren Direktzüge von den Seehäfen zu<br />

Zielen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Erik Körschenhausen<br />

Links: Für eine Welt ohne Kinderlähmung engagiert sich der Rotary<br />

Club und ließ dazu 101 001 umgestalten. Am 26. Oktober wird die<br />

Ellok in Hamburg-Altona vorgestellt<br />

Lars Brüggemann<br />

Stellvertretend für die Werbe-111er anno 2012: Mit ein bisschen<br />

Nass und viel Folklore wird im Mai die „Biergarten“-Lok 111 066 in<br />

München Hauptbahnhof getauft<br />

Josef Mauerer<br />

„Bunter Vogel“ fast wörtlich genommen: 101 110 hält zum Fußball-<br />

Bundesligisten Eintracht Frankfurt, bei dem die DB auch einer der<br />

Sponsoren ist (Bild in Frankfurt (Main) Hauptbahnhof) Helmut Scheiba<br />

38


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Chronik<br />

Finanziell betrachtet, fuhr der DB-Personenverkehr 2012 im grünen Bereich. Am 13. Mai ist<br />

628 516 auf der Hönnetalbahn (Menden (Sauerland) – Neuenrade, RB-Linie 54) unterwegs, im<br />

Bild bei Binolen<br />

Marcus Henschel<br />

DB allgemein<br />

Höhenflug mit<br />

Schwächen<br />

Aller Voraussicht nach schließt die Deutsche <strong>Bahn</strong> das Jahr 2012 mit einem wirtschaftlichen<br />

Zuwachs ab. Die Erfolge vor allem im Personenverkehr sind allerdings nur die eine, die positive<br />

Seite der Medaille. Ihr gegenüber stehen betriebliche und strukturelle Hindernisse<br />

Die Deutsche <strong>Bahn</strong> kann mit dem Geschäft<br />

2012 zufrieden sein, denn die Einnahmen<br />

im Personenverkehr sind stabil.<br />

Beachtlich ist die Zunahme im Fernverkehr. Als<br />

Ursache werden genannt die gestiegene Zuverlässigkeit<br />

und der Umstand, dass in diesem Jahr<br />

der große Lokführerstreik ausblieb. Im Personenverkehr<br />

rechnet die DB für 2012 mit einem<br />

Zuwachs von 4,6 bis 5 Prozent gegenüber dem<br />

Vorjahr, interne Prognosen gehen von 39 bis<br />

40 Milliarden Euro Umsatz aus. 2011 waren es<br />

GÜTLICHE TARIFEINIGUNG ZWISCHEN DB UND GDL<br />

37,9 Milliarden Euro. Das „Brot- und Buttergeschäft“,<br />

wie DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Rüdiger<br />

Grube den <strong>Bahn</strong>betrieb nennt, soll verbessert<br />

werden. Das braucht es bei allen<br />

Erfolgsmeldungen im Verkauf auch. Selbst in den<br />

Renommierzügen fehlt es immer öfter an Stabilität.<br />

Es kommt zu Zugausfällen, und wenn die<br />

Züge fahren, können sich leichte bis mittlere<br />

Schwierigkeiten einstellen, von nicht angezeigter<br />

Platzreservierung über ausfallende Bordküche<br />

und -bistro bis hin zum Problem Klimatisierung.<br />

Zwei Jahre Arbeitsfrieden herrscht seit Mitte<br />

2012 unter der Gilde der Lokomotivführer.<br />

Zu dem von manchen befürchteten Streik während<br />

der Tarifverhandlungen der Gewerkschaft<br />

der Lokomotivführer (GdL) und der Deutschen<br />

<strong>Bahn</strong> kam es nicht. Warum? Diesmal achteten<br />

beide Seiten darauf, den Streit über Bezüge<br />

und Arbeitsbedingungen nicht eskalieren zu<br />

lassen. GdL-Vorsitzender Claus Wesels ky verstand<br />

es, die starke Position seiner Gewerkschaft<br />

zu verdeutlichen, und DB-Vorstand<br />

Ulrich Weber kannte die vermaledeite Personalsituation<br />

in seinem Unternehmen. Der permanente<br />

Personalabbau seit 1994 führte zur<br />

Missstimmung unter den Eisenbahnern und<br />

zum Mangel an qualifizierten Fachkräften. Besonders<br />

Lokomotivführer sind rar, nicht nur bei<br />

der Deutschen <strong>Bahn</strong>. So kam es nach zwei<br />

Verhandlungsrunden schon zur Einigung:<br />

3,8 Prozent mehr zum 1. Juli 2012, weitere<br />

2,4 Prozent zum 1. November <strong>2013</strong>, dazu<br />

eine um 1 Prozent höhere Altersvorsorge. Eine<br />

so schnelle Einigung hatte es schon lange<br />

nicht mehr gegeben.<br />

ERICH PREUSS<br />

Immerhin: Grubes Vorgänger, Hartmut Mehdorn,<br />

ging international auf Expansionskurs,<br />

während unter Grube ein »Börsengang überflüssig<br />

und nicht durchsetzbar ist.«<br />

Im Nahverkehr geben die Aufgabenträger<br />

große Summen zum Fahrgeld dazu und ziehen<br />

bei Nichterfüllung vereinbarter Leistungen<br />

Teilbeträge ab. Generell aber kann sich die DB<br />

auf diese Einnahmen verlassen. Das Netz erwirtschaftet<br />

mit den Trassengebühren ebenfalls<br />

einen Anteil am Umsatz (etwa 3 Prozent<br />

zum Vorjahr gestiegen), obwohl das Eisenbahnnetz<br />

hinsichtlich der Investitionen in die<br />

Anlagen (Neubau, Ausbau, Erhaltung des Bestandsnetzes)<br />

chronisch unterfinanziert ist.<br />

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer<br />

nennt eine Milliarde Euro jährlich, aber von<br />

Grube hat man öffentlich noch keine Klagen<br />

gehört. Im Gegenteil. Er sagt wiederholt: Der<br />

Personenverkehr und die Netzsparte seien die<br />

tragenden Säulen des Konzerns, sie stünden<br />

für eine »robuste Entwicklung«.<br />

Interne und externe Hürden<br />

Dabei nahmen die Zugverspätungen ständig<br />

zu, nicht wegen des Wetters, sondern ausweis-<br />

40


DB allgemein<br />

PERSONALIA BEI DER DB<br />

Unter dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Rüdiger<br />

Grube dreht sich das Personalkarussell<br />

viel langsamer als unter den Vorgängern.<br />

So gibt es für 2012 aus der Führungsriege<br />

kaum etwas zu berichten. Der bis zum 14. Dezember<br />

2011 laufende Vertrag für den promovierten<br />

Elektroingenieur Volker Kefer, Vorstand<br />

für Infrastruktur und Technik, wurde vom Aufsichtsrat<br />

bis September 2017 verlängert. Der<br />

ehemalige Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner,<br />

unter <strong>Bahn</strong>chef Hartmut Mehdorn<br />

Korruptionsbeauftragter, gab bei der Spitzel -<br />

affäre keine gute Figur ab. Grube wollte ihn<br />

nicht weiter beschäftigen. Schaupensteiner<br />

kehrte Anfang 2012 zur Staatsanwaltschaft<br />

Frankfurt (Main) zurück. ERICH PREUSS<br />

lich der internen Analysen infolge gestörter<br />

Anlagen: insbesondere gestörter <strong>Bahn</strong>übergangssicherungstechnik<br />

und mit der Ursache<br />

„Weichen kommen nicht in die Endlage“.<br />

Das schwächere Wachstum der Wirtschaft<br />

vor allem in Europa schlägt sich im Gütertransport<br />

nieder: Grube rechnet bei Schenker Rail für<br />

2012 mit einem Umsatzrückgang von 5 Prozent<br />

gegenüber 2011. Schenker Rail versucht, in die<br />

schwarzen Zahlen zu kommen, indem Standorte<br />

geschlossen und einige andere auch modernisiert<br />

werden, wie Halle (Saale) Gbf, indem<br />

Personal abgebaut und die Zahl der instandhaltungsaufwendigen<br />

Güterwagen verringert wird.<br />

Auch der Anteil der Eisenbahn am Gesamtverkehrsaufkommen<br />

ist keineswegs berauschend.<br />

17,7 Prozent im Güterverkehr,<br />

7,9 Prozent im Personenverkehr. Diese geringe<br />

Verkehrsleistung stagniert seit Jahren.<br />

Erfolgsmodell <strong>Bahn</strong>Card?<br />

Das erhellt auch die Zahl derer, die mit der<br />

<strong>Bahn</strong>Card reisen. Zu ihrem 20-Jährigen<br />

Jubiläum am 1. Oktober wurde bekannt:<br />

4,8 Millionen besitzen sie in Deutschland,<br />

knapp jeder 16. Bundesbürger. Dagegen fährt<br />

jeder dritte Eidgenosse mit dem »Halbtaxel«,<br />

in Österreich sind es 16 Prozent der Bürger.<br />

Die <strong>Bahn</strong>Card wurde keineswegs zur Mobilitätskarte<br />

für alle Verkehrsmittel entwickelt, sie<br />

blieb ein Rabattangebot der Deutschen <strong>Bahn</strong> und<br />

nicht einmal für alle Leistungen. Wer sich 50 Prozent<br />

Fahrpreisermäßigung erkauft hat, wird bei<br />

Sonderangeboten immer wieder benachteiligt.<br />

Links: Seit zehn Jahren<br />

bietet die DB<br />

den Fahrradmietservice<br />

„Call-a-bike“ in<br />

Großstädten an.<br />

Zum Jubiläum trat<br />

<strong>Bahn</strong>chef Dr. Rüdiger<br />

Grube auch<br />

selbst in die Pedale<br />

DB/Jet-Foto Kranert<br />

Rechts: Ihre Meinung<br />

ist gefragt. Die<br />

DB startete 2012<br />

eine Befragung der<br />

Mitarbeiter D. Schmidt<br />

Frankfurt (Main) ist Verkehrsdrehscheibe und<br />

Verwaltungssitz der Deutschen <strong>Bahn</strong> zugleich.<br />

Der Hauptbahnhof (Bildmitte) zählt 350.000 Reisende<br />

und Besucher täglich. Im „Silberturm“<br />

vorne links, einst Konzernzentrale der Dresdner<br />

Bank, sitzt seit April 2012 die DB-Tochter DB<br />

Systel. Blick vom Maintower aus, September<br />

2012 Tim Himmighofen<br />

Und nach wie vor gibt es komplizierte Tarife statt<br />

einer bundesweit durchgängigen Fahrkarte.<br />

Was die DB (und auch die Nichtbundeseigenen<br />

<strong>Bahn</strong>en) grundsätzlich behindert: Verkehrspolitisch<br />

ist nach wie vor keine Neuorientierung<br />

auf das ökologisch wertvolle Verkehrsmittel Eisenbahn<br />

in Sicht, für die jüngere Vergangenheit<br />

steht ein Schrumpfkurs. Laut VCD wurden die<br />

Gleislänge seit 1994 um 17 Prozent verkürzt,<br />

die Anzahl der Weichen um die Hälfte reduziert,<br />

etwa ein Drittel der <strong>Bahn</strong>höfe geschlossen. Bei<br />

den derzeitigen Investitionsprogrammen komme<br />

der Güterverkehr zu kurz. Ziesak: „Während<br />

für Güterzüge auf jeder Strecke eine hohe<br />

Nutzungsgebühr fällig wird, sind auf der Straße<br />

nur Lkw von zwölf Tonnen Gesamtgewicht an<br />

mautpflichtig – und das auch nur auf Autobahnen<br />

und wenigen Bundesstraßen.“<br />

Relativiert werden die Meldungen über<br />

Zuwächse noch durch die Tatsache, dass die<br />

Verschuldung der DB mit rund 17 Milliarden<br />

Euro nahezu stagniert. Zum Vergleich: Beim<br />

Beginn der <strong>Bahn</strong>reform 1994 verwiesen die<br />

Verantwortlichen stolz darauf, schuldenfrei geworden<br />

zu sein.<br />

Erich Preuß<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

41


Chronik<br />

DB-Fahrzeuge und -Werke<br />

Verjüngungskur<br />

Insgesamt 773 Intercity-Wagen werden bei DB<br />

Fernverkehr derzeit modernisiert. Im Oktober<br />

stellte die DB den ersten komplett neuen Zug<br />

vor, zum 9. Dezember sollten die ersten Wagen<br />

auch in den Betrieb gehen<br />

Filmmagazin<br />

Eisenbahn <strong>2013</strong><br />

A le Urheber- und Leistungsschutz rechte vorbehalten.<br />

Wer diesen Film ohne aus drückliche schriftliche<br />

Geneh migung vervielfältigt, ö fentlich vorführt,<br />

sendet, verleiht, vermietet oder sonstwie gewerblich<br />

nutzt, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt.<br />

Inhalt<br />

• Innotrans 2012 in Berlin<br />

• DB-Lokveteranen im Einsatz<br />

• Tenderlok95 027 im Kasbachtal<br />

• Dampfloktage in Meiningen<br />

• Feier: 175 Jahre Eisenbahn in Österreich<br />

u.v.a.m.<br />

© <strong>2013</strong> by <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> VIDEO<br />

GeraMond Verlag; www.geramond.de<br />

INFO-<br />

Programm<br />

gemäß<br />

§ 14<br />

JuSchG<br />

…mehr auf der beiliegenden<br />

Heft-DVD!<br />

Wer die neuen Sitzreihen in den teilweise<br />

30 bis 40 Jahre alten Wagen<br />

betrachtet, fühlt sich gleich an den<br />

ICE 3 oder den ICE-T erinnert. Das ist gewollt:<br />

Die DB lässt die Innenräume der Wagen<br />

nicht nur komplett modernisieren, sondern<br />

eben auch auf ICE-Standard bringen.<br />

Außerdem werden Korrisionsschäden ausgebessert<br />

und die Klimaanlagen erneuert.<br />

773 Wagen in drei Werken<br />

Ursprünglich hatte man einmal 1.000 IC-Wagen<br />

für diese Verjüngungskur vorgesehen, im<br />

Rahmen der Generalüberholung sind es jetzt<br />

773 IC-Wagen, die bis Ende 2014 eine umfangreiche<br />

Überarbeitung erhalten. Das Umbauprogramm<br />

ICmod teilen sich drei Werke der<br />

DB Fahrzeuginstandhaltung: Das Werk Neumünster<br />

renoviert überwiegend Großraumwagen,<br />

das in Nürnberg nimmt sich der Abteilwagen<br />

an und das in Kassel der Bistrowagen.<br />

Die DB investiert rund 250 Millionen Euro und<br />

möchte die Wagen bis 2023 einsetzen. Ende<br />

2012 sollen bereits 150 Wagen fertig sein.<br />

Auch das erste Einsatzgebiet steht schon<br />

fest. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />

sollten die modernisierten Wagen auf der Strecke<br />

Hamburg – Bremen – Köln – Mainz –<br />

Stuttgart fahren. Auf der Linie Hamburg –<br />

Bremen – Köln – Mainz – Frankfurt (Main)<br />

kommen seit Fahrplanwechsel neben den bisherigen<br />

IC-Zügen mehr ICE zum Einsatz.<br />

Man möchte so der Privatbahn-Konkurrenz<br />

des HKX (Hamburg-Köln-Express) entgegen<br />

treten, doch viele HKX-Fahrgäste schätzen<br />

nicht nur die günstigen Preise, sondern eben<br />

auch den Sitzkomfort auf alten und aus ihrer<br />

Sicht besonders bequemen Sitzen.<br />

Die Modernisierung der Intercity-Züge umfasst<br />

die Erneuerung von 46.000 Sitzen mit Lederbezug<br />

in der 1. Klasse und Veloursstoff in der<br />

2. Klasse. Außerdem werden Steckdosen eingebaut<br />

und Wandverkleidungen, Tische sowie etwa<br />

42.000 Quadratmeter Teppich ausgetauscht. Die<br />

Bistrowagen erhalten eine neue Ausstattung. Zusätzlich<br />

werden im Servicewagen das Kleinkindabteil<br />

neu gestaltet und der Bereich für Rollstuhlfahrer<br />

vergrößert. Besonders hervorzuheben<br />

sind die Steckdosen an allen Sitzplätzen, die Repeater<br />

für Handy- und Internetempfang und die<br />

gelungenen Plätze für Rollstuhlfahrer. Für Blinde<br />

und Sehbehinderte gibt es an den Plätzen taktile,<br />

also fühlbare Platznummern, damit sich diese<br />

in den Wagen besser zurechtfinden.<br />

Neben den Erneuerungen im Komfortbereich<br />

spielen auch technische Maßnahmen<br />

eine Rolle. Diese Modernisierungsmaßnahmen<br />

konzentrieren sich unter anderem auf die<br />

Türen, die Klimaanlagen sowie die Energieversorgung.<br />

Umbau von 34 Bauarten<br />

Eine besondere Herausforderung des Projekts<br />

stellt die Vielzahl an unterschiedlichen Wagentypen<br />

dar: Der IC-Wagenpark umfasst<br />

nicht weniger als 34 Bau- und Unterbauarten<br />

mit unterschiedlichen Varianten. Ein standardisiertes<br />

Fertigungsverfahren ist somit<br />

kaum möglich. Zudem waren umfangreiche<br />

Vorarbeiten nötig.<br />

Die Überarbeitung der Intercity-Züge ist<br />

Teil eines umfassenden Modernisierungskonzepts<br />

der DB für den Fernverkehr. Neben den<br />

Intercity-Zügen werden aktuell noch die<br />

44 ICE 2 modernisiert. Längerfristig gesehen,<br />

stockt die DB den Bestand noch mit 17 Velaro<br />

D (Baureihe 407, siehe Meldung im Anschluss),<br />

27 Doppelstock-IC-Zügen und bis zu<br />

300 Zügen ICx auf. Lars Brüggemann/GM<br />

Noch fahren die Regionalbahnen Innsbruck – München mit 111 (Bild<br />

in Klais, 15. Januar 2012); bald sollen Talent 2 sie ersetzen Toni Burger<br />

Im Herbst unternahm die erste 146 in IC-Lackierung Probefahrten im<br />

Raum Minden. Sie wird die Doppelstock-IC ziehen Volker Emersleben<br />

42


DB-Fahrzeuge/-Werke<br />

WERKE – MELDUNGEN 2012<br />

Aus für das Werk Regensburg<br />

Zum 13. Juli (offiziell: 1. Juli) hat die DB das<br />

Werk Regensburg geschlossen. Die letzten eigenen<br />

Fahrzeuge – Dieselloks der Baureihe<br />

294 und Kleinloks der Baureihen 335 und 363<br />

– wurden auf andere Dienststellen verteilt. Die<br />

zuletzt sieben Mitarbeiter gingen teils in den<br />

Vorruhestand, teils zu anderen Bereichen der<br />

DB. Zuletzt hatte das 1905 an dieser Stelle<br />

aufgebaute Werk nur noch eine untergeordnete<br />

Bedeutung. Nach verschiedenen Betreiberwechseln<br />

gab die einstige 218-Hochburg Ende 2008<br />

die letzten Strecken dieselloks dieser Baureihe<br />

ab; seitdem wurden dort Wagen für DB Regio<br />

sowie Diesel- und Kleinloks für DB Schenker<br />

gewartet. Unter den abgegebenen Maschinen<br />

befand sich auch 363 231; die Dieselrangierlok<br />

gehörte von der Indienststellung am 24. Oktober<br />

1963 bis zur Stilllegung des Standorts<br />

zum Regensburger Bestand – fast 49 Jahre.<br />

Die Anlehnung an die Innenausstattung des ICE ist gewollt: Blick in den 2.-Klasse-Bereich eines<br />

modernisierten IC-Wagens<br />

Lars Brüggemann<br />

Weitere Meldungen:<br />

VERZÖGERUNGEN BEI 407 UND<br />

DOPPELSTOCK-INTERCITY<br />

Die Modernisierung des DB-Fernverkehrs kam<br />

2012 nicht so voran wie geplant. Anfang Juni<br />

wurde der erste Hochgeschwindigkeitstriebzug<br />

Velaro D (Baureihe 407) vom Eisenbahn-Bundesamt<br />

für den Betrieb in Einfachtraktion zugelassen,<br />

was eine Personalschulung auf der<br />

Weiterentwicklung des Mehrsystem-ICE-3<br />

möglich machte. In der Folge entstanden aber<br />

neue Verzögerungen bei der Fertigstellung der<br />

Züge. Im Herbst 2012 wurde der vorgesehene<br />

Einsatz zum Fahrplanwechsel im Dezember gestrichen.<br />

Noch Mitte November konnte Siemens<br />

keinen Zeitplan nennen, nach dem die<br />

16 bestellten 407 der DB AG übergeben werden;<br />

nach Herstellerangaben gebe es Probleme<br />

mit der Zugsteuerung, welche die Lieferung behinderten.<br />

Damit fehlt der DB die für den<br />

Winter vorgesehene Fahrzeugreserve im Fernverkehr;<br />

wann die Velaro D auf der für den Betriebsstart<br />

vorgesehenen ICE-Linie 47 Köln –<br />

Stuttgart den Dienst aufnehmen, blieb offen.<br />

Mit einem Einsatz der Züge in Doppeltraktion<br />

nach Frankreich und Belgien rechnet die DB<br />

Neubau in Ulm<br />

Am 9. August feierte die DB das Richtfest für<br />

das neue Regio-Werk in Ulm. Dort entstehen<br />

eine Werkstatt für die Wartung und Instandhaltung<br />

von Elloks, Dieseltriebzügen und Doppelstockwagen<br />

sowie eine Anlage zur Außenund<br />

Innenreinigung. Das Werk erhält 14 Arbeitsstände,<br />

an denen 150 Mitarbeiter die<br />

Betreuung übernehmen; 150 Triebfahrzeuge<br />

und 180 Reisezugwagen sollen dem Werk zugeordnet<br />

werden. Zusätzlich baut die DB eine<br />

Abstellanlage mit 89 Weichen und rund 13 Kilometer<br />

Gleis; die Steuerung übernimmt ein<br />

elektronisches Stellwerk in Söflingen. Das<br />

Werk kostet rund 125 Mio. Euro und soll<br />

Ende <strong>2013</strong> den Betrieb aufnehmen.<br />

Neubauten in Köln<br />

Seit dem 15. August laufen in Köln-Nippes die<br />

Arbeiten für eine neue Werkstatt und Behandlungsanlage<br />

von DB Regio. Sie soll von Ende<br />

<strong>2013</strong> an die Elektrotriebzüge der Kölner S-<strong>Bahn</strong><br />

(Baureihe 423) und des Kölner Regionalverkehrs<br />

(Baureihe 425) betreuen. 135 Mitarbeiter<br />

wird DB Regio dort beschäftigen. Eine<br />

Besonderheit des neuen Werks stellt die Graffiti-Entfernung<br />

dar; die entsprechende Anlage<br />

kann die Farben umweltgerecht entsorgen.<br />

Zusätzlich baut DB Regio in Köln-Deutzerfeld<br />

eine Werkstatt. Sie soll ab Ende <strong>2013</strong> die im<br />

Dieselnetz Köln eingesetzten Triebwagen der<br />

Typen LINT 54 und 81 warten. KARL LAUMANN<br />

Ob er <strong>2013</strong> planmäßig durch Deutschland fährt? 2012 kam der Velaro<br />

D (407) nur zu Testeinsätzen<br />

DB/Claus Weber<br />

Der nächste Schritt zum ICx: Bei der InnoTrans in Berlin wurde ein<br />

1:1-Modell des Triebkopfs gezeigt<br />

Uwe Miethe<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

43


Chronik<br />

Am 1. Mai 2012 bringt 234 278 EC 179 von Sczeczin nach Angermünde, von wo aus er nach Berlin und Prag fährt. Der Einsatz bei EC 178/<br />

179 war die letzte Aufgabe für die DB-234; mit der Verkürzung des Laufwegs auf die Strecke Berlin – Prag entfiel sie zum 5. Juni Heiko Günther<br />

erst für 2016. Als Entschädigung erhält die DB<br />

von Siemens „gratis“ einen 17. Triebzug, der<br />

über einen verbesserten Antrieb verfügt.<br />

Ebenso zeichnet sich bereits eine Verschiebung<br />

des Betriebsstarts bei den Doppelstock-<br />

Intercity-Zügen ab. Zwar konnte die DB im<br />

Herbst 2012 eine erste Ellok der vorgesehenen<br />

Baureihe 146.2 präsentieren, Lieferverzögerungen<br />

bei den von Bombardier gefertigten<br />

Wagen verhindern aber den für Ende <strong>2013</strong><br />

vorgesehenen Dienstbeginn. Bei Redaktionsschluss<br />

war von einem Beginn im Jahr 2014<br />

die Rede. Zuerst sollen die neuen Lok-Wagen-<br />

Einheiten auf der Linie Leipzig – Hannover<br />

– Norddeich fahren, später auch auf den Verbindungen<br />

Koblenz –/Köln – Norddeich und<br />

Köln – Leipzig. Die Züge werden DB Fern-<br />

verkehr unterstellt und von dessen Personal<br />

gefahren. In Niedersachsen darf man die Doppelstock-IC<br />

auch mit DB-Regio-Fahrscheinen<br />

benutzen. Oskar Grodecke/Fritz Traser<br />

ICX-KOPFSTÜCK VORGESTELLT<br />

Einen ersten Eindruck vom Intercity-Nachfolger<br />

ICx bekamen im September 2012 die Besucher<br />

U.l.: Ein ICE-T auf<br />

der neuen Peenebrücke<br />

in Anklam. Bei<br />

den Neigetechnik-<br />

ICE zieht sich der<br />

Achstausch noch hin<br />

DB/Uwe Miethe<br />

der InnoTrans in Berlin. Dort wurde ein 1:1-Modell<br />

des Kopfstücks gezeigt. Ob es allerdings bei<br />

einem Einsatzbeginn im Jahr 2016 bleibt, lässt<br />

sich noch nicht sagen. Medienberichten zufolge<br />

gab es zwischen DB und dem Hersteller Diskussionen<br />

über die Ausstattung des Zuges. Der<br />

Elektrotriebzug ICx soll ab 2016 die IC-Lok-Wagen-Züge<br />

schrittweise ersetzen. Fritz Traser<br />

Sieht so die Ablösung für die V 60 aus? Die Ähnlichkeit zu der<br />

Bundesbahnveteranin kann die Vossloh-Lok G6 nicht leugnen; im<br />

Januar 2012 mietete DB Regio Berlin-Brandenburg zwei der Rangierdieselloks<br />

an, um sie in Berlin-Lichtenberg bzw. Cottbus zu testen.<br />

Dort haben die Maschinen bereits V 60 (Baureihen 362/363)<br />

ersetzt; die Erprobung ist auf ein Jahr angelegt. Auch DB Fernverkehr<br />

testet die neue Lok; seit Februar 2012 darf sich eine G6 in<br />

Köln Bbf beweisen.<br />

Text: Willy Grübner; Foto: M. Cantzler


DB Fahrzeuge/Werke<br />

ACHSTAUSCH BEI ICE 3 BEGONNEN<br />

Nachdem vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA)<br />

die Zulassung für die neuen, stabileren Achsen<br />

vorlag, hat die DB AG im Herbst 2012 den<br />

Achstausch beim ICE 3 (Baureihe 403/406) begonnen.<br />

Die Triebzüge der Niederländischen<br />

Staatsbahnen eingeschlossen, müssen insgesamt<br />

66 Garnituren ins Werk fahren, wo sie sukzessive<br />

rund 1.200 Achsen der neuen Generation<br />

erhalten. Um nicht allzu viele Züge aus dem ohnehin<br />

knappen Einsatzbestand abzuziehen, hat<br />

die DB AG die Arbeiten langfristig angelegt;<br />

der Tausch soll bis voraussichtlich Frühjahr<br />

2015 über die Bühne gehen. Mit den neuen<br />

Achsen kann die DB die ICE 3 wesentlich umfangreicher<br />

einsetzen, da eine Ultraschall-Untersuchung<br />

auf Haarrisse und andere Schäden<br />

dann erst alle 240.000 Kilometer erforderlich<br />

ist; die Untersuchungsfrist bei den Achsen der<br />

alten Achsengeneration liegt im Moment bei<br />

30.000 Kilometern. Beim ICE-T wird die DB<br />

die Achsen dagegen erst später auswechseln. Die<br />

Zulassung des EBA für die Achswellen des Neigetechniktriebzugs<br />

wird für <strong>2013</strong> erwartet.<br />

Leopold Happ<br />

MIET-WAGEN BEI DER DB<br />

Angesichts des Wagenmangels hat sich die DB<br />

im Jahr 2012 mehrfach mit Fahrzeugen aus<br />

Privatbahnbeständen beholfen. DBAutoZug<br />

mietete Wagen von <strong>Bahn</strong>TouristikExpress an,<br />

DB Regio Württemberg lieh Wagen bei Euro-<br />

Express-Sonderzüge; die Abteilwagen 1. bzw.<br />

2. Klasse (Gattungen Am, Bm und Bcm) wurden<br />

von Anfang April an in die RE-Züge<br />

Stuttgart – Aalen eingestellt. Der Einsatz dauerte<br />

bis Sommer. Bei DB Regio Nordost fuhren<br />

Mitte August Wagen der Eisenbahn-Bauund<br />

Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn zwischen<br />

Leipzig und Cottbus bzw. Nauen und<br />

Senftenberg.<br />

Karl Laumann<br />

ERSATZLEISTUNGEN IN DIVERSEN REGIONEN<br />

Wiederholt musste die DB im <strong>Bahn</strong>betrieb<br />

2012 für Ersatzfahrzeuge sorgen bzw. Fahrzeuglücken<br />

im Betriebsbestand schließen. So<br />

fuhr ab 1. Februar ein Wendezug mit 110-Ellok<br />

im Nahverkehrs-Dienstplan der Elektrotriebzüge<br />

425 im Raum Mannheim/Biblis/<br />

Am 18. August 2012 bespannt 115 114 von DB AutoZug IC 2353 Stralsund – Binz S. Klein<br />

ÜBERBLICK – LOK-VETERANEN DER DB 2012<br />

Wechselhaft, wenn auch ohne endgültige<br />

Abschiede verlief die Bestandsentwicklung<br />

bei den älteren Triebfahrzeugen der DB.<br />

So schwankte, je nach Bedarf im Güterverkehr,<br />

die Zahl der eingesetzten Elloks 139/140.<br />

Das Jahr <strong>2013</strong> könnte aber für manche Baureihen<br />

das Dienstende bringen. Im folgenden ein<br />

Überblick, Stand 12. Oktober 2012:<br />

Stückzahl pro Baureihe/Eigentümer: Voraussichtliche Entwicklung:<br />

4 x 103 (DB Fernverkehr, DB Museum) Abfahren der Fristen, Bestandsfahrzeuge bei DB Fernverkehr<br />

und DB Systemtechnik (FTZ)<br />

31 x 110 Bestandsfahrzeug bei FTZ, Abfahren der Fristen. Aus-<br />

(DB Regio, DB Systemtechnik FTZ Minden) laufen im Jahr <strong>2013</strong> zumindest bei DB Regio zu erwarten.<br />

215 x 111 (DB Regio) erste Abstellungen bei Fristablauf zu erwarten<br />

90 x 112 (DB Regio) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

3 x 113 (DB Fernverkehr) Abfahren der Fristen<br />

39 x 114 (DB Regio) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

12 x 115 (DB Fernverkehr) Abfahren der Fristen<br />

58 x 120 (DB Fernverkehr) Bestandsfahrzeuge bei DB Fernverkehr, FTZ und Netz;<br />

bei DB Regio Auslaufen im Jahr <strong>2013</strong> zu erwarten<br />

7 x 139 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

26 x 140 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

119 x 151 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

140 x 155 (DB Schenker Rail) Schwankungen/ Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

10 x 180 (DB Schenker Rail) Auslaufen im Jahr <strong>2013</strong> zu erwarten<br />

16 x 181 (DB Fernverkehr) Abfahren der Fristen<br />

1 x 202 (DB Regionetz) Bestandsfahrzeug Regionetz<br />

über 200 x 218 (DB Regio, DB Fernverkehr, Schwankungen/ Veränderungen im Bestand<br />

DB Regionetz, DB Netz AG, DB Systemtechnik zu erwarten<br />

FTZ Minden, DB <strong>Bahn</strong>bau)<br />

1 x 219 (DB Regionetz) Bestandsfahrzeug Regionetz<br />

20 x 225 (DB Schenker Rail) Auslaufen im Jahr <strong>2013</strong> zu erwarten<br />

74 x 232 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

25 x 233 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

2 x 234 (DB Fernverkehr) Auslaufen im Jahr <strong>2013</strong> zu erwarten<br />

5 x 241 (DB Schenker Rail) Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

48 x 335 (DB SchenkerRail, DB Fernverkehr, Schwankungen/Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

DB Regio, DB Netz AG)<br />

über 220 x 362-365 (DB Schenker Rail)<br />

Schwankungen/ Veränderungen im Bestand zu erwarten<br />

AXEL WITZKE/GM<br />

Die neue DB-Baureihe 261 („Gravita 10 BB“) ist jetzt vollständig an<br />

die DB ausgeliefert. Hier im Einsatz in Thüringen DB/Jochen Schmidt<br />

Stelldichein mit 225 015 und einer 232 im Werk Ulm. 225 015 wurde<br />

als Letzte dieser Baureihe am 12. April 2012 abgezogen H. Petersen<br />

45


Chronik<br />

SCHWIERIGES JAHR FÜR DIE 103<br />

Schäden, Fristabläufe, Fragen und Rückkehr<br />

nur zum Teil gewiss: So könnte man für<br />

2012 die Situation bei den 103ern von DB Museum<br />

bzw. DB Fernverkehr umschreiben. Dabei<br />

hatte es für 103 113 zum Beispiel gut begonnen;<br />

im Mai kam die Sprinterin von der Aufarbeitung<br />

im Werk Dessau zurück. Allerdings<br />

erlitt sie am 25. Mai beim Einsatz vor dem<br />

Nostalgie-IC Köln – Flensburg einen Schaden<br />

und musste Anfang Juli wieder nach Dessau<br />

überführt werden. Dort diagnostizierten Werksmitarbeiter<br />

Schäden an einer Antriebseinheit<br />

und an den Drehgestellen. Wegen der Kosten<br />

war bis September noch kein Auftrag zur Ausbesserung<br />

der 103 113 erteilt.<br />

Wartefrist für 103 184<br />

Damit bleibt auch eine weitere Schnellfahrlok<br />

des Museumsbestandes in der Warteschleife.<br />

Schon am 14. März hatte 103 184 den Museums-TEE<br />

von Dresden nach Koblenz gebracht<br />

und sich bei der anschließenden<br />

Leerfahrt nach Köln Bbf eine große Flachstelle<br />

zugezogen. Die Untersuchung Ende<br />

März im Werk Frankfurt-Griesheim ergab, dass<br />

sämtliche Radsätze das Grenzmaß erreicht<br />

hatten. Die Lok wurde im Werk Köln-Deutzerfeld<br />

hinterstellt. Ihre Hauptuntersuchung<br />

folgt <strong>2013</strong>, da die Arbeiten an 103 113<br />

mehr Geld verschlingen als vorgesehen.<br />

103 235 wieder im Dienst<br />

Besser erging es 103 235, die zunächst<br />

wegen „Unstimmigkeiten in der Fahrzeugdokumentation“<br />

stillgelegt wurde. Nach technischer<br />

Überprüfung und Wiederinbetrieb -<br />

nahme steht sie aber seit Mitte November<br />

wieder im Einsatz und konnte am 16. November<br />

2012 auch schon einen TEE-Sonderzug<br />

von Köln nach Binz übernehmen.<br />

103 245 in Dessau<br />

Derweil wartete die „Letzte Mohikanerin“ in<br />

Reihen von DB Fernverkehr bei Redaktionsschluss<br />

noch auf die Rückkehr in den Einsatzbestand.<br />

103 245 war am 5. Februar<br />

2012 zwecks Hauptuntersuchung zum Werk<br />

Dessau überstellt worden. Dort fehlten aber<br />

noch im September neu zu fertigende Drehgestell-Ersatzteile<br />

aus der Industrie; selbst<br />

Mitte November stand die Maschine nach<br />

wie vor in Dessau.<br />

LEOPOLD HAPP<br />

Karlsruhe. Dieseltriebzug für Dieseltriebzug<br />

lautete im März die Devise bei der RE-Linie<br />

Frankfurt (Main) – Saarbrücken, auf der<br />

628/629 teilweise 612 vertraten. Auf der Außerfernbahn<br />

Garmisch-Partenkirchen – Reutte<br />

in Tirol sprang im Februar/März 2012 eine<br />

Ellok 111 mit Redesign-Silberlingen (n-Wagen)<br />

für 426-Triebzüge ein. LINT für LINT<br />

war die Formel im Sauerlandnetz; wegen Revision<br />

der 648 fuhren dort etwa zur Jahresmitte<br />

Dortmunder 640er.<br />

Einen anderen Grund hatte der Einsatz der<br />

611 und 628 auf der Höllentalbahn Freiburg –<br />

Titisee. Bauarbeiten machten einen Betrieb mit<br />

Fahrdraht in der Zeit vom 15. September bis<br />

5. Oktober unmöglich, weshalb die Dieseltriebzüge<br />

in dieser Zeit die KollegInnen von der<br />

Elektrotraktion vertraten. Karl Laumann<br />

VORERST KEINE ZULASSUNG FÜR 430<br />

Das Eisenbahn-Bundesamt hat dem neuen<br />

Stuttgarter S-<strong>Bahn</strong>-Triebzug 430 im November<br />

2012 die Zulassung verweigert. Es verlangt<br />

Nachbesserungen im Bremssystem. Der 430<br />

soll in Stuttgart den 420 ersetzen. L. Happ<br />

KURZMELDUNGEN – DB-FAHRZEUGE: ENDE 2011 BIS ENDE 2012<br />

Dezember 2011<br />

05. Dezember: Mit 624 501 mustert die DB das<br />

letzte Fahrzeug dieser Baureihe aus. Der Triebzug<br />

war seit November 2004 von der Ausbesserung<br />

zurückgestellt (z-gestellt) und befand sich<br />

zuletzt beim Stillstandsmanagement in Hamm.<br />

09. Dezember: Die letzte orientrote 140, 140<br />

024, wird z-gestellt.<br />

Nach der Hauptuntersuchung im Netinera-<br />

Werk Neustrelitz kommt Diesellok 229 181 zu<br />

DB <strong>Bahn</strong>bau in Duisburg-Wedau.<br />

10. Dezember: Mit dem Fahrplanwechsel erhält<br />

eine 115 des Bw Köln Bbf wieder eine<br />

Sonderzugleistung nach Österreich. Bis Ende<br />

März bespannt die Einheits-Ellok einen Skizug<br />

vom niederländischen Venlo nach Wörgl.<br />

– Wegen Fristabläufen bei eigenen 232er-Dieselloks<br />

mietet DB Schenker vier 232er der<br />

polnischen Tochter East West Railways an.<br />

– Als „Winterreserve“ nimmt das Werk Kiel<br />

zehn Triebwagen 628/928 vom Werk Braunschweig<br />

auf. Sie dienen als Ersatz für LINT-<br />

Triebwagen 648.3. Wegen Arbeiten an den<br />

648 fahren die 628 ab Januar auch planmäßig<br />

im Raum Lübeck. Im März fahren wieder<br />

648; die 628er gehen nach Ulm (5) bzw. Rostock<br />

(2), drei Stück bleiben in Kiel.<br />

– Wegen Lokmangels setzt die DB im Dezember/<br />

Januar Taurus-Elloks von MRCE Dispolok ein. Sie<br />

fahren bei DB Fernverkehr (IC, EC, CityNightLine)<br />

und DB Regio (Wendezüge Halle – Eisenach).<br />

Januar<br />

01. Januar: 752 004 alias 120 004 wird ausgemustert.<br />

Die letzte Vorserien-120 geht als<br />

Dauerleihgabe zum Thüringer Eisenbahnverein.<br />

02. Januar: Die DB vermietet 185 011 und<br />

012 an die RBH Logistics. Die Elloks sollen<br />

dort bis zum 30.06. fahren.<br />

20. Januar: Brand bei 120 208; die Ellok wird<br />

instand gesetzt und kehrt Anfang Februar in den<br />

Betriebsdienst zurück. Dagegen stehen die<br />

Schwestern 120 207 und 208 im Werk München.<br />

Probleme gibt es auch bei 120 201-205<br />

in Rostock, von denen mehrfach Loks ausfallen.<br />

Die DB vergibt einen Teil der Untersuchungsarbeiten<br />

an der Ellok 189 an das ÖBB-Werk<br />

Linz. Das DB-Werk in Dessau ist überlastet.<br />

Februar<br />

05. Februar: 646-Dieseltriebzüge von DB<br />

Regio nehmen den deutsch-polnischen Zugverkehr<br />

Frankfurt/Oder – Rzepin bzw. – Zielona<br />

Gora auf.<br />

11.-20. Februar: Eine Kältewelle verursacht<br />

bei den Mehrsystem-ICE 406 Probleme mit<br />

dem Systemwechsel. Die DB lässt die Triebzüge<br />

daraufhin überwiegend unter einem<br />

Stromsystem fahren. Auf der Relation Frankfurt<br />

– Amsterdam müssen die Reisenden vom<br />

11. bis 17.02. meist im Grenzbahnhof Emmerich<br />

in einen Anschlusszug umsteigen. Auf der<br />

Strecke Frankfurt – Paris wird der ICE-Verkehr<br />

vom 12. bis 20.02. in Saarbrücken gebrochen.<br />

Die ICE 3 Frankfurt – Brüssel fahren<br />

teilweise nur bis Düren.<br />

April<br />

10. April: Mit 186 338, 339, 340 werden die<br />

letzten drei 186er an DB Schenker Rail geliefert.<br />

Damit gibt es 20 der Zweisystem-Elloks<br />

bei DB Schenker in Deutschland und 45 bei<br />

der französischen Tochter ECR.<br />

24. April: Die DB präsentiert in Neu-Isenburg<br />

den ersten modernisierten 628 für die Dreieichbahn<br />

Dieburg – Buchschlag. Neun Triebzüge erhalten<br />

eine verbesserte Inneneinrichtung.<br />

Die Baureihenbezeichnungen für die neuen<br />

Triebzüge des Dieselnetzes Köln stehen fest:<br />

Die 18 Zweiteiler LINT 54 werden zu 622 001-<br />

018/501-518, die 38 Dreiteiler LINT 81 zu<br />

620 001-038/621 001-038/620 501-538.<br />

Die 186 sind jetzt vollzählig bei DB Schenker. Im Bild eine der Zweisystem-Elloks<br />

auf der Strecke Aschaffenburg – Würzburg S. Scheiba<br />

Verschiedene Loktypen kommen vor den IC Stuttgart – Zürich auf der<br />

Gäubahn zum Einsatz, unter anderem auch die 181 Felix Löffelholz<br />

46


DB-Fahrzeuge/-Werke<br />

Seit Ende 2011 fährt das Zugpaar<br />

IC 118/119 Münster – Innsbruck<br />

mit ÖBB-Wagen, hier im Juni 2012<br />

mit einer 101 zwischen Mainz<br />

und Worms<br />

Fritz Traser<br />

Mai<br />

24. Mai: DB Regio Südbaden stellt den Doppelstockwagen<br />

DBuza 748.0 mit erweiterter<br />

Fahrradtransportkapazität vor.<br />

27. Mai: Ende der Ersatzleistungen mit 218-<br />

Dieselloks und Wagenzügen auf der Hochrheinstrecke<br />

Basel Bad Bf – Erzingen. Nach<br />

Abschluss der Bauarbeiten fahren dort wieder<br />

Neigetechnik-Triebzüge 611.<br />

31. Mai: DB Regio beendet die Ersatzzugleistungen<br />

Nürnberg – Neumarkt (Opf). Die grün-silbernen<br />

Elloks gehen zurück an RBSAF (Royal Bank<br />

of Scotland Asset Finance Europe Limited). Bis<br />

Mitte Juni beendet auch DB Schenker den Einsatz<br />

von RBSAF-Leihloks<br />

182 004, ehemals silberne Porsche-Lok, trägt<br />

wieder Verkehrsrot.<br />

Juli<br />

05. Juli: DB Schenker gibt die Leihloks 185 515<br />

und 516 an Alpha Trains zurück und hat damit<br />

keine gemieteten 185er mehr im Bestand.<br />

27. Juli: Mit 430 018/518 und 019/519<br />

kommen die beiden ersten Exemplare des<br />

neuen S-<strong>Bahn</strong>-Triebzugs in den DB-Bestand.<br />

Stationiert werden sie in Plochingen.<br />

– Die DB schließt das Modernisierungsprogramm<br />

für die x-Wagen der Nürnberger S-<strong>Bahn</strong><br />

ab. 48 Wagen wurden erneuert.<br />

– Ende Juli stellt die DB mangels Bedarfs<br />

zehn Elloks der Baureihe 145 vorübergehend<br />

in Rostock-Seehafen ab.<br />

Ein 430 für Stuttgart und weitere Triebzüge<br />

von Bombardier am 27. Januar 2012 im ehemaligen<br />

Rangierbahnhof Wustermark T. Werner<br />

August<br />

18./19. August: Hochsommerliche Hitze bereitet<br />

den Klimaanlagen in IC- und ICE-Zügen wiederholt<br />

Schwierigkeiten. Insbesondere auf der<br />

Strecke Köln – Hannover – Berlin und in Nordrhein-Westfalen<br />

kommt es zu Behinderungen.<br />

24. August: Zwölf 151er werden mangels Bedarfs<br />

im Rangierbahnhof München-Nord hinterstellt.<br />

25. August: Sechs 151er-Elloks kommen zur<br />

Aufarbeitung ins Werk Dessau. Sie gehen anschließend<br />

an Hector Rail in Schweden.<br />

– DB Netz bietet die Turmtriebwagen der Baureihe<br />

704 zum Verkauf an. Die fünf 1977/78 gefertigten<br />

Fahrzeuge wurden abgestellt.<br />

– Die zu 2.-Klasse-Abteilwagen herabgestuften<br />

1.-Klasse-Wagen werden von Bvmz in<br />

Bwmz umbenannt. Das soll Verwechslungen<br />

mit den mit mehr Plätzen ausgestatteten 2.-<br />

Klasse-Großraumwagen Bvmz vermeiden.<br />

August/September: Zwei der drei 120.2 werden<br />

von Aachen nach Rostock umbeheimatet.<br />

September<br />

21. September: Mit 261 098 kommt die vorerst<br />

letzte Lok dieser Baureihe in den DB-Be-<br />

stand. Ab Oktober erhält die DB die 800 kW<br />

stärkere, als 265 eingereihte Version.<br />

23. September: Zum Oktoberfest wird ein<br />

TGV Paris – Stuttgart bis München verlängert;<br />

das Angebot gibt es auch an weiteren Sonntagen,<br />

teils mit Flügelung der Züge in Vaihingen/Enz<br />

bzw. Stuttgart Hbf.<br />

DB Netz bestellt sieben Rettungszüge für die<br />

Neubaustrecken Hannover – Würzburg und<br />

Mannheim – Stuttgart. Für 800 Mio. Euro<br />

bauen Tatravagónka (Slowakei) und Dräger<br />

36 Wagen. Bis 2018 sollen diese Züge die<br />

Rettungszüge aus den 90er-Jahren ersetzen.<br />

Oktober<br />

Die DB hat die Elloks 180 002, 007, 009-011<br />

an Skoda in Tschechien verkauft.<br />

Dezember<br />

02. Dezember: Letzte Fahrt des „Nostalgie-<br />

IC“ von Flensburg über Hamburg nach Köln.<br />

09. Dezember: Mit Fahrplanwechsel fahren<br />

TGV Euroduplex von Paris nach Stuttgart/<br />

München. FRITZ TRASER/KARL LAUMANN/GM<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

47


Chronik<br />

Oben: Roter Teppich für den neuen Zug: Seit März 2012 fährt der TGV von Frankfurt (Main)<br />

Hbf – im Bild – nach Marseille und erreicht auf französischer Seite 320 km/h Holger Peters/DB AG<br />

Rechts: Seit Ende 2011 gibt es den EuroNight Moskau – Berlin – Paris mit russischen Wagen<br />

und (ab/bis Warschau) polnischem Speisewagen<br />

Heiko Günther<br />

DB-Personenverkehr<br />

Reisen wie<br />

Gott nach Frankreich<br />

Seit einigen Jahren sind deutsch-französische Zugangebote im Aufwind. 2012 kamen neue<br />

attraktive Reisemöglichkeiten hinzu: eine TGV-Verbindung von Frankfurt nach Marseille und der<br />

Nahverkehrszug Müllheim – Mulhouse. Fortsetzung folgt ...<br />

Mit dem Schienenverkehr nach Frankreich<br />

ist es so eine Sache. Da gibt es<br />

eine klassische Staatsbahn, die in ihrem<br />

Denken und dem ihr politisch verordneten Protektionismus<br />

so völlig anders tickt als die vor fast<br />

20 Jahren in die Marktwirtschaft eines liberalisierten<br />

Schienenverkehrs entlassene Deutsche<br />

<strong>Bahn</strong> AG. Großpolitische Befindlichkeiten, die<br />

von der Parole der deutsch-französischen<br />

Freundschaft nicht immer kaschiert werden, gereichen<br />

dem Wesen eines internationalen Eisenbahnverkehrs<br />

über diese eigentlich ja gar nicht<br />

mehr existente Grenze meist nicht zum Vorteil.<br />

So verlangt Paris, dass für jedes in Frankreich eingesetzte<br />

Schienenfahrzeug eine Steuer von jährlich<br />

bis zu 30.000 Euro zu entrichten sei. Bei der<br />

Französischen Staatsbahn SNCF wird dies durch<br />

die Abschaffung der Gewerbesteuer kompensiert,<br />

wohingegen Gästen auf Frankreichs Schienen<br />

durch diese Steuer unmissverständlich klargemacht<br />

wurde, dass sie dort eigentlich eine persona<br />

non grata darstellen. Solche Hemmschuhe<br />

gibt es beim Straßenverkehr über die Grenze<br />

nicht einmal ansatzweise.<br />

Und doch ist der Schienenverkehr in die<br />

Grande Nation nach vielen mageren Jahren seit<br />

einiger Zeit von einer erstaunlichen Aufbruchstimmung<br />

geprägt. Über die Leuchttürme TGV<br />

und ICE hinaus lässt sich feststellen, dass die Entwicklung<br />

der Verkehre sans frontière (ohne Grenzen)<br />

umso pragmatischer verläuft, je weiter man<br />

sich von zentralistischen und nicht immer nachvollziehbaren<br />

Querschüssen aus Richtung Paris<br />

entfernen konnte. Gerade im „Kleinen Grenzverkehr“<br />

wird längst gelebt, was in salbungsvollen<br />

politischen Reden immer gefordert wird.<br />

48


DB-Personenverkehr<br />

MEHR INFORMATION FÜR REISENDE<br />

Gleich mehrere Informationsdienste wurden<br />

im Jahr 2012 für <strong>Bahn</strong>kunden eingerichtet.<br />

Zunächst als Pilotprojekt startete die DB<br />

im Februar einen kostenlosen Mitteilungsservice<br />

für Fernverkehrsreisende. Wer bei der Internetseite<br />

www.bahn.de ein Benutzerkonto<br />

besaß und ein Fernverkehrsticket kaufte,<br />

wurde bei Störungen im Betriebsablauf oder<br />

Verspätungen seines Zuges vorab per E-Mail<br />

informiert. Die Information bezog auch mögliche<br />

Anschlüsse und Änderungen bei den Zughalten<br />

ein. Nach dem erfolgreichen Beginn<br />

dehnte die DB das Angebot zur Jahresmitte<br />

allgemein aus. Über die Pünktlichkeit der<br />

Züge geben außerdem seit 2012 zwei weitere<br />

Internet-Seiten Auskunft. Die private Website<br />

www.zugfinder.de stellt die Angaben des DB-<br />

Reisendeninformationssystems zusammen<br />

und bildet die Fernverkehrszüge (mitsamt etwaiger<br />

Verspätungen) auch grafisch ab. Daneben<br />

veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung<br />

seit März 2012 im Internet eine Live-Karte,<br />

welche die aktuelle Pünktlichkeit der DB-Fernzüge<br />

anzeigt. Basis dafür sind ebenfalls die<br />

Angaben der DB zu ihren Zügen. Die Aufstellung<br />

ist zu sehen unter der Internet-Adresse<br />

http://zugmonitor.sueddeutsche.de.<br />

VINCENT VOLF<br />

Und aktuell ging es in jüngster Zeit mit neuen<br />

Verbindungen weiter.<br />

Duplex-TGV, EuroNight, Nahverkehr<br />

Im <strong>Bahn</strong>-Kalender des Jahres 2012 stechen nun<br />

gleich drei Ereignisse hervor. Die von Anbeginn<br />

gut angenommenen TGV- und ICE-Fahrten<br />

nach Paris weckten bei den im Erfolg auf einmal<br />

brüderlich vereinten <strong>Bahn</strong>en SNCF und DB<br />

Lust auf mehr, was sich im März 2012 in einer<br />

durchgehenden TGV-Verbindung Frankfurt<br />

(Main) – Karlsruhe – Strasbourg – Lyon – Avig -<br />

non – Marseille (nachmittags nach Süden, morgens<br />

zurück) in den Fahrplänen niederschlug.<br />

Erstmals kam hierbei ein doppelstöckiger TGV<br />

Duplex zum Einsatz. Einige Zeit vor den angekündigten<br />

DB-Doppelstock-Intercitys führte<br />

die SNCF rechts des Rheins schon einmal vor,<br />

wie man Fernverkehr auf zwei Etagen macht.<br />

Nur der eigentlich geplante und für einen ICE-<br />

Einsatz vorgesehene „Gegenzug“ (morgens nach<br />

Süden, nachmittags zurück) lässt mangels verfügbarer<br />

DB-Triebzüge zunächst auf sich warten.<br />

Dafür wurde zum Dezember 2012 der<br />

komplette TGV-Verkehr Paris – Stuttgart –<br />

München auf Duplex-TGV umgestellt, um der<br />

noch immer steigenden Nachfrage gerecht zu<br />

werden. Erwähnt sei an dieser Stelle auch der<br />

zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 eingeführte<br />

„Transeuropean Express“, der mehrmals<br />

wöchentlich verkehrende Nachtzug<br />

EN 452/453 von Paris über Frankfurt (Main),<br />

Berlin und Warschau nach Moskau.<br />

Der Fahrplanwechsel im Dezember 2012<br />

markierte den nächsten Meilenstein im Schienenverkehr<br />

zwischen Deutschland und Frankreich.<br />

Der Ausflugsverkehr des Jahres 2006 ebnete<br />

dem „Blauwal“, dem Triebwagen<br />

X 73900 (ähnlich DB-641), den Weg für einen<br />

täglichen Reisezugverkehr über den<br />

Auf Abruf bedient Triebzug 642 227 im Frühjahr 2012 die S-<strong>Bahn</strong>-Linie von Rostock Hbf nach Rostock<br />

Seehafen Nord. Mangels Auslastung stellt die DB im Dezember den Betrieb ein Oliver Strüber<br />

PERSONENVERKEHR – WEITERE MELDUNGEN<br />

Konkurrenz durch Fernbusse?<br />

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im<br />

Sommer 2010 schon Fernbuslinien zuließ,<br />

wenn diese preislich deutlich unter der <strong>Bahn</strong><br />

lagen, folgte im Herbst 2012 die Genehmigung<br />

auf breiter Front. Nach einer Einigung<br />

der Regierungskoalition CDU/CSU/FDP mit<br />

den Oppositionsparteien SPD und Grüne im<br />

Bundestag sollen Fernbuslinien ab <strong>2013</strong> generell<br />

möglich sein. Die Linien dürfen lediglich<br />

keine Strecken unter 50 Kilometer Entfernung<br />

bzw. eine Stunde Reisezeit bedienen, außerdem<br />

müssen die Busse behindertengerecht<br />

sein. Damit gehört die Monopolstellung der<br />

<strong>Bahn</strong> der Vergangenheit an. BELA V. DERLETHAL<br />

Streit um Direktvergabe<br />

Anfang 2012 geriet die Vergabepraxis der<br />

Nahverkehrsservicegesellschaft Sachsen-Anhalt<br />

(NASA) in die Kritik. Konkreter Anlass ist<br />

der am 4. Dezember 2011 mit DB Regio Südost<br />

geschlossene Vertrag zum „Elektronetz<br />

Nord“, welcher der DB Ende <strong>2013</strong> den (weiteren)<br />

Betrieb von sechs Nah- bzw. Regionalverkehrslinien<br />

im Raum Magdeburg einräumt.<br />

Allerdings vergab die NASA den Auftrag im<br />

Wert von 1,04 Mrd. Euro direkt an die DB-<br />

Tochter – ein Vorgehen, das der Bundesgerichtshof<br />

im Jahr 2011 weitgehend<br />

unter sagte. Deshalb wurde<br />

der Vertrag vom Mitbewerber<br />

NBE Regio bei der Vergabekammer<br />

Halle (Saale)<br />

angefochten; die Kammer<br />

wies die Klage wegen eines<br />

Formfehlers ab, woraufhin<br />

NBE Regio im Juli erneut –<br />

diesmal vor dem Landgericht<br />

Hannover – klagte. Ein<br />

Urteil wurde für Ende November<br />

erwartet, wobei die<br />

Klage laut Beobachter<br />

wenig Aussicht auf Erfolg<br />

hat. NBE Regio erwog für<br />

den Fall einer Niederlage<br />

weitere rechtliche Schritte.<br />

Rhein. Bis zu sieben Zugpaare verbinden den<br />

neuen TGV-Knoten Mulhouse, von wo aus es<br />

in weniger als drei Stunden nach Paris geht,<br />

mit Südbaden. Der teilweise in nur 45 Minuten<br />

bis Freiburg (Breisgau) Hbf durchlaufen-<br />

Ohne Ausschreibung bekam unterdessen im<br />

Sommer DB Regio Südost den Zuschlag für<br />

Regionalexpress-Linien im Vogtland. Der dortige<br />

Zweckverband bestellt die Leistungen für<br />

eine Übergangszeit, auf die ein übergreifendes<br />

Wettbewerbsverfahren folgt. Von Dezember<br />

2012 bis Ende 2016 bedient DB Regio<br />

nun die RE-Verbindungen Dresden – Reichenbach<br />

– Hof – Nürnberg, Gera – Mehltheuer –<br />

Hof und Leipzig – Reichenbach – Hof/– Adorf.<br />

Kürzungen in Mecklenburg-Vorpommern<br />

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat mangels<br />

verfügbarer Regionalisierungsmittel die Kürzung<br />

von Nah verkehrsleistungen angekündigt. Zum<br />

Fahrplanwechsel im Dezember 2012 sollte u.a.<br />

das An gebot auf den Strecken Stralsund – Neustrelitz,<br />

Lübeck – Bad Kleinen, Hagenow –<br />

Schwerin und auf Rügen reduziert werden.<br />

Preiserhöhungen bei der DB<br />

Auch 2012 hob die Deutsche <strong>Bahn</strong> die Preise<br />

im Nah- und Fernverkehr an. Mit dem Fahrplanwechsel<br />

am 9. Dezember verteuerten sich Einzelfahrkarten<br />

um durchschnittlich 2,8 Prozent.<br />

Weiterhin stiegen die Preise bei Zeitkarten im<br />

Regionalverkehr, so dem „Schönes-Wochenende-Ticket“,<br />

und der Mehrzahl der <strong>Bahn</strong>Card-<br />

Offerten, die im Schnitt 2,4 Prozent mehr<br />

kosten. Die DB nannte als<br />

Grund gestiegene Energiekosten.<br />

Bereits 2011 hatte<br />

sie die Preise im Schnitt um<br />

3,9 Prozent erhöht.<br />

<strong>Bahn</strong>höfe des Jahres 2012<br />

Als <strong>Bahn</strong>höfe des Jahres<br />

wählte die Allianz pro<br />

Schiene 2012 Bremen Hbf<br />

in der Kategorie Großstadt,<br />

Aschaffenburg Hbf (Foto: F.<br />

Traser) in der Kategorie<br />

Kleinstadt und Bad Schandau<br />

beim erstmals vergebenen<br />

Sonderpreis Tourismus.<br />

FELIX WALTHER/LUCA WILFERT<br />

de „Blauwal“ mag, über seine verkehrliche<br />

Funktion als Schnellverbindung zwischen<br />

zwei Großstädten hinaus, als Symbol des inzwischen<br />

wie selbstverständlich funktionierenden<br />

deutsch-französischen Schienenver-<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

49


Chronik<br />

Regionalverkehr Größe XXL? Wegen Bauarbeiten auf der Strecke<br />

München – Ingolstadt wurden im Jahr 2012 zeitweise zwei RE-Züge<br />

vereinigt gefahren<br />

Josef Mauerer<br />

Der „Blauwal“, Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, im<br />

<strong>Bahn</strong>hof Neuenburg. Seit Dezember fahren die SNCF-Triebwagen<br />

X 73900 auch zwischen Müllheim und Mulhouse<br />

Heiko Focken<br />

kehrs gelten. Damit gibt es wieder sechs<br />

Grenzübergänge, auf denen täglicher Reisezugverkehr<br />

über die 448 Kilometer lange gemeinsame<br />

Grenze angeboten wird. Zur Erinnerung:<br />

In den 1990er-Jahren lag die Zahl der<br />

genutzten Grenzübergänge einmal bei drei.<br />

Das nennt man wohl Reisen wie Gott nach<br />

Frankreich, oder? Heiko Focken<br />

Sind das nicht ... ? Die Reisenden staunten ganz<br />

schön, als sie am Karfreitag 2012 in Dortmund<br />

an Gleis 8/10 des Hauptbahnhofs auf ihren Zug<br />

warteten. Denn die, die dort in Schwarz-Gelb<br />

standen, waren keine Fußballfans, sondern die<br />

Fußballer des deutschen Meisters Borussia<br />

Dortmund einschließlich ihres Trainers Jürgen<br />

Klopp. Sie nahmen am 6. April den Zug nach<br />

Wolfsburg und fuhren tags darauf beim dortigen<br />

VfL einen 3:1-Sieg ein<br />

Marcus Henschel<br />

KURZMELDUNGEN – DB-PERSONENVERKEHR: ENDE 2011 BIS ENDE 2012<br />

Januar: DB Regio Nord gewinnt das Los A des<br />

Netzes Mitte in Schleswig-Holstein. Damit behält<br />

die DB die RE-Leistungen Hamburg –<br />

Kiel/Hamburg – Flensburg und die RB-Leistung<br />

Neumünster – Flensburg. Ab Ende 2014<br />

fährt dort die Regionalbahn Schleswig-Holstein<br />

in dichterem Takt und mit neuen Bombardier-Doppelstock-Triebzügen<br />

TWINDEXX.<br />

Die Fahrzeuge erhalten – wie beim Los B, das<br />

die private Nordbahn gewann – eine Lackierung<br />

in Grün und Grau.<br />

DB Regio bekommt den Zuschlag für die<br />

Haard-Achse (RE 2 Münster – Essen – Düsseldorf,<br />

RE 42 Münster – Essen – Mönchengladbach).<br />

Der Vertrag beginnt Ende 2014 und<br />

läuft bis 2029. Ebenfalls von 2014 bis 2029<br />

wird der Betrieb der S-<strong>Bahn</strong>-Linien S 5/S 8<br />

Mönchengladbach – Hagen/– Dortmund an<br />

DB Regio vergeben. Dafür wird DB Regio neue<br />

S-<strong>Bahn</strong>-Triebzüge mit Toiletten beschaffen.<br />

Februar<br />

05. Februar: Neue Verbindung nach Polen:<br />

646-Triebzüge fahren von Frankfurt/Oder nach<br />

Zielona Gora (früher Grünberg) in Schlesien.<br />

28. Februar: Beim „Rheinland-Pfalz-Takt<br />

2015“ wird das Los 1 des Dieselnetzes Südwest<br />

an DB Regio vergeben. Es gilt ab Ende<br />

2015 und umfasst sechs Regionalbahn-Linien<br />

im Raum Weinheim, Worms, Neustadt/Weinstraße.<br />

Das Los 2 mit mehr als doppelt so<br />

viel Umfang geht an die Regentalbahn.<br />

– Online-Kunden der DB können das Geld für<br />

ihre Fahrkarte nun auch mit dem Internet-Bezahldienst<br />

PayPal überweisen<br />

– DB Regio behält den Betrieb auf den Linien<br />

RE 3 Stralsund – Berlin – Elsterwerda und RE 5<br />

Rostock –/Stralsund – Berlin – Falkenberg/–<br />

Lutherstadt Wittenberg. Der in der Ausschreibung<br />

gewonnene Vertrag läuft von Dezember<br />

2014 bis Dezember 2026. Die DB fährt mit<br />

lokbespannten Doppelstock-Wendezügen<br />

(RE 3) bzw. neuen elektrischen Bombardier-<br />

Doppelstock-Triebzügen TWINDEXX (RE 5). Die<br />

Triebzüge werden noch beschafft.<br />

März: Die Wortmarke „S-<strong>Bahn</strong>“ ist frei verfügbar.<br />

Laut Bundespatentgericht handelt es sich<br />

dabei um einen allgemeinen, nicht individuell<br />

schützbaren Begriff. Die DB klagt gegen die<br />

Entscheidung, so dass nun der Bundesgerichtshof<br />

entscheiden muss.<br />

23. März: Neuer Verkehrsvertrag zwischen DB<br />

und Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen<br />

für die S-<strong>Bahn</strong> Hannover. Von Dezember<br />

2012 bis Dezember 2020 fährt die DB<br />

jährlich rund 8,5 Mio. Kilometer. Teil des Vertrags<br />

sind erhöhte Sicherheits-, Pünktlichkeitsund<br />

Komfortstandards.<br />

30. März: Start des UrlaubsExpress Mecklenburg-Vorpommern.<br />

Der IC fährt bis 21.10. freitags/samstags<br />

von Köln nach Heringsdorf<br />

Links: Talent 643 561 der DB am 8. April auf<br />

der von der DB übernommenen RB 51<br />

Rechts: Vom 6. Juli bis 20. August ruhte wochenends<br />

der Betrieb auf der S-<strong>Bahn</strong>-Stammstrecke<br />

in München; S-<strong>Bahn</strong>en von außerhalb<br />

fuhren den Hbf an M. Henschel (l.), J. Loschert (r.)<br />

50


Im Sommer 2012 bespannt 182 001 einen Zug der RE-Linie 2 Cottbus – Berlin – Wismar und passiert soeben Berlin-Spindlersfeld, wo ein Vierbeiner<br />

den lauen Abend genießt. Seit Dezember führt hier die ODEG den Betrieb, doch stellt DB Regio die Ersatzzüge mit Fahrzeugen wie gehabt R. Kutschke<br />

und Binz, samstags/sonntags zurück. Er wird<br />

dabei nicht mehr über Hamburg, sondern über<br />

Hannover und Berlin geführt.<br />

April: Nach eigenen Angaben setzt die DB<br />

erstmals mehr Fahrkarten über das Internet<br />

ab als über Automaten. Der Verkauf über Reisezentren<br />

liegt an dritter Stelle.<br />

– DB Regio NRW löst auf der RB-Linie 51 Dortmund<br />

– Enschede die Prignitzer Eisenbahn ab.<br />

Mai<br />

04. Mai: DB Regio Bayern kündigt an, nicht an<br />

der Ausschreibung für den Nahverkehr im<br />

Bayerischen Oberland teilzunehmen. Grund ist<br />

die Bedingung, dabei die 17 Integral-Triebzüge<br />

und die Werkstatt Lenggries zu übernehmen.<br />

Juni<br />

06. Juni: Neuer Fernzug ab Berlin: EC 54/55<br />

„Berlin-Gdynia-Express“ (BGE) fährt täglich<br />

über Frankfurt/Oder und Danzig nach Gdynia<br />

(Gdingen) an der polnischen Ostseeküste.<br />

Wie beim „Berlin-Warszawa-Express“ kooperieren<br />

die DB und die polnische Staatsbahn<br />

PKP; deren Sparte PKP Intercity stellt Lok und<br />

Wagen.<br />

10. Juni: Ab dem kleinen Fahrplanwechsel fahren<br />

sonn- und feiertags zwei zusätzliche Expresszüge<br />

München – Füssen, bestehend aus 218-Dieselloks<br />

und Redesign-Silberlingen (n-Wagen).<br />

11. Juni: Auf der Strecke Neuruppin – Herzberg<br />

(Mark) gibt es wieder fahrplanmäßigen<br />

Nahverkehr. Die Züge von DB Regio schaffen<br />

während der in Löwenberg laufenden Arbeiten<br />

für die Strecke Berlin – Rostock eine Anbindung<br />

nach Rheinsberg (siehe auch Rubrik „DB<br />

Strecken und Netz“).<br />

Juni: In Thüringen beginnt DB Regio das Projekt<br />

„Juniorzug“. Auf der Nebenstrecke Fröttstädt<br />

– Friedrichroda sowie in einigen<br />

Regionalbahnen Eisenach – Halle übernehmen<br />

Auszubildende Marketing, Fahrscheinverkauf<br />

und Betreuung der Reisenden.<br />

Ende August – Oktober: An ausgewählten<br />

Wochenenden verkehrt ein zusätzlicher TGV<br />

Paris – Stuttgart – München, gefahren mit<br />

Duplex-Zügen.<br />

Oktober: Ein 628 von DB Regio nimmt den<br />

Schülerverkehr zwischen Kiel Hbf und dem<br />

Schulzentrum in Kiel-Gaarden auf. Das Streckenstück<br />

gehört zu der aktuell nur im Museumsverkehr<br />

bedienten Kiel-Schönberger Eisenbahn.<br />

Im Mai 2012 waren Autoreisezüge im Raum<br />

Berlin noch gang und gäbe, im Bild AZ 1360<br />

bei der Durchfahrt durch Potsdam Medienstadt<br />

Babelsberg. Im November strich DB<br />

Autozug das Angebot auf eine Inlandsverbindung<br />

zusammen<br />

Ralf Kutschke<br />

November: DB Autozug streicht sieben der<br />

acht Autozugverbindungen ab Berlin. Übrig<br />

bleibt nur die zusammen mit CityNightLine bediente<br />

Inlands-Relation nach München. Begründet<br />

wird die Maßnahme mit mangelnder<br />

Auslastung der Züge.<br />

Dezember<br />

09. Dezember: Neues zum Fahrplanwechsel:<br />

– Inbetriebnahme der Verlängerung der Stuttgarter<br />

S-<strong>Bahn</strong>-Linie 4 Marbach – Backnang<br />

– Start einer CityNightLine München – Mailand<br />

– Einstellung der Rostocker S-<strong>Bahn</strong>-Linie 3 Rostock<br />

Hbf – Seehafen Nord mangels Auslastung;<br />

zuletzt fuhren dort Triebwagen 628 und 642<br />

– Einstellung des „Magdeburg-Berlin-Express“<br />

– Einstellung d. RE Linz – Simbach – München<br />

– die RE-Linien 2 Cottbus – Wismar und 4 Stendal<br />

– Jüterbog gehen auf die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft<br />

(ODEG) über; für den RE 2<br />

stellt die DB Ersatzzüge. OSKAR GRODECKE<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

51


Chronik<br />

WEITERE MELDUNGEN<br />

Neues Konzept für Einzelwagenverkehr<br />

Unter dem Begriff „Netzwerkbahn“ will DB<br />

Schenker Rail den Ganzzug- und Einzelwagenverkehr<br />

bis 2014 neu ordnen. Dabei soll der<br />

Kunde verlässliche Auskünfte über die Fahrzeiten<br />

erhalten und während der Fahrt noch<br />

Wagen buchen bzw. in den Zug einstellen können.<br />

DB Schenker will die Neuordnung zunächst<br />

auf einzelnen Relationen testen.<br />

Im März 2012 sind 155 211 und eine 185 von Rail4Chem im Güterbahnhof Halle unterwegs. Im<br />

September begann der Umbau zur grundlegenden Modernisierung der Anlage<br />

Ralf Kutschke<br />

DB-Güterverkehr<br />

Dornröschens<br />

Rückkehr<br />

Jahrelang wurde der Güterbahnhof Halle (Saale) kaum genutzt,<br />

seit 26. September 2012 läuft die Modernisierung. Bis 2017 baut<br />

die DB eine neue Zugbildungsanlage, die den Standort zu einem<br />

der wichtigsten im deutschen Schienengüterverkehr macht<br />

Der symbolische Spatenstich der Ehrengäste<br />

verlief diesmal ein wenig anders.<br />

Kein kräftiges Aufhäufen von<br />

Sand und Erdreich, stattdessen legten Sachsen-Anhalts<br />

Verkehrsminister Thomas Webel<br />

und führende DB-Vertreter Hand an die Gleise.<br />

Gemeinsam hoben sie am 26. September<br />

2012 ein erstes Gleisjoch aus der Verankerung.<br />

Sinnbildlich für die Arbeiten, die im Güterbahnhof<br />

von Halle an der Saale in der nächsten<br />

Zeit anstehen.<br />

Zuletzt lag die Verteilstelle, die immerhin<br />

seit 1889 existiert, zu einem Gutteil brach.<br />

Nur noch 80 Wagen wurden pro Tag zusammengestellt;<br />

der Ablaufbetrieb ruhte, die Zugbildung<br />

beschränkte sich auf Übergaben im<br />

regionalen Bereich. Die Mehrzahl der Gleise<br />

blieb verwaist und wucherte langsam zu. Das<br />

Start für überlange Güterzüge<br />

Am 3. August 2012 hat das Eisenbahn-Bundesamt<br />

erste Güterzüge mit Überlänge genehmigt.<br />

Auf der Strecke von Maschen nach<br />

Pad borg/Dänemark dürfen nun Züge mit 835<br />

statt bisher 740 Metern Länge fahren. Die DB<br />

hat Fahrzeuge, Infrastruktur und Betriebsabläufe<br />

angepasst. Züge von 835 Metern Länge<br />

sind in Dänemark bereits erlaubt; bisher<br />

mussten sie bei der Einfahrt nach Deutschland<br />

geteilt werden.<br />

FELIX WALTHER<br />

ist jetzt vorbei: Für 146 Millionen Euro modernisiert<br />

die DB die Zugbildungsanlage von<br />

Grund auf. Im Güterbahnhof werden 40 Kilometer<br />

Gleise neu verlegt und über 130 Weichen<br />

eingebaut. Es entstehen 36 Richtungsgleise<br />

mit je 700 Metern Nutzungslänge und<br />

vollautomatischer Bremstechnik, 14 Ladegleise<br />

mit Ladestraßen sowie ein neuer Ablaufberg.<br />

Die Steuerung der Anlage geschieht<br />

ebenfalls vollautomatisch. Zwei Elektronische<br />

Stellwerke werden den Ablaufbetrieb sowie die<br />

Ein- und Ausfahrt der Güterzüge regeln.<br />

Wenn alles nach Plan verläuft, gehen 2015<br />

die ersten 16 Richtungsgleise in Betrieb. Zwei<br />

Jahre später sollen die Arbeiten abgeschlossen<br />

sein. Dann gehört die „Zugbildungsanlage<br />

Halle-Nord“ zu den modernsten Verteilern in<br />

Deutschland; die DB sieht sie als eines der<br />

bundesweit zehn wichtigsten Schienengüterverkehrszentren<br />

und als bedeutenden Bündelungspunkt<br />

im Einzelwagenverkehr. Dornröschens<br />

Rückkehr in die feine Gesellschaft des<br />

Frachttransportwesens drückt sich auch in<br />

Zahlen aus. Mit der Zugbildungsanlage werden<br />

150 Arbeitsplätze geschaffen. Und sie behandelt<br />

täglich 2.400 Güterwagen – 30-mal<br />

so viel wie der Güterbahnhof vor der Modernisierung.<br />

Felix Walther<br />

Noch fahren die DB-360 auf der Feuerbacher<br />

Industriebahn in Stuttgart, für <strong>2013</strong> ist der<br />

Betrieb aber nicht gesichert. Dem Regierungspräsidium<br />

liegt ein Antrag vor, Flurstücke<br />

vom <strong>Bahn</strong>betrieb freizustellen H. Focken<br />

Im März 2012 befördert 185 236 einen Kohlezug<br />

zwischen dem Kraftwerk in Ernsdorf<br />

und dem Kohlezwischenlager in Sulzbach/<br />

Saar. Der Steinkohlebergbau an der Saar ist<br />

seit 2012 Geschichte<br />

Patric Kaufmann<br />

IN KÜRZE – DB-GÜTERVERKEHR<br />

Februar<br />

03. Februar: DB Schenker richtet einen Güterzug<br />

Deutschland – Portugal ein. Einmal pro<br />

Woche bedient ein Zugpaar die Verbindung<br />

Braunschweig –/Göttingen – Lissabon/– Porto.<br />

27. Februar: Inbetriebnahme des modernisierten<br />

Rangierbahnhofs Mannheim. Die<br />

Erneuerung hat mehr als 100 Mio. Euro gekostet.<br />

Juli<br />

05. Juli: Beim Container-Umschlagterminal<br />

München-Riem geht ein drittes Modul in<br />

Betrieb. BELA V. DERLETHAL/FELIX WALTHER<br />

52


Chronik des Untergangs:<br />

Mythos und Wirklichkeit<br />

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Chronik<br />

Am 24. Juli 2012 passiert ICE 411 583 auf der Fahrt von Berlin nach Rostock das Stellwerk<br />

Abzw Karow West auf dem Berliner Außenring. Seit September nehmen die Züge von hier aus<br />

einen anderen Weg, denn die Strecke ist ab Birkenwerder gesperrt<br />

Sven Klein<br />

DB-Strecken und -Netz<br />

Zielmarke 160<br />

Seit September läuft der Ausbau der Strecke Berlin – Rostock<br />

in großem Stil. Für die umfang reiche Sanierung und Ertüchtigung<br />

wird die Magistrale noch bis April <strong>2013</strong> gesperrt bleiben.<br />

Eine Unterbrechung, die gleichwohl großen Nutzen bringt<br />

Slg. Marco Frühwein<br />

Das Projekt warf seine Schatten voraus.<br />

Bereits im Sommer 2012 stand zwischen<br />

Nassenheide und Löwenberg<br />

nur ein Gleis zur Verfügung. Vom 10. September<br />

2012 bis zum 26. April <strong>2013</strong> ist nun<br />

die Strecke Berlin – Rostock komplett gesperrt.<br />

Auf den Abschnitten Oranienburg – Löwenberg<br />

(Mark) und Waren (Müritz) – Lalendorf<br />

(– Rostock) stehen die Komplettsanierung des<br />

Oberbaus und die Ertüchtigung der Strecke<br />

an. Das Planum wird tief ausgehoben und es<br />

werden neue Gleise sowie Oberleitungsmasten<br />

gesetzt. Auf der Nord-Süd-Magistrale vom Seehafen<br />

ins Inland sollen künftig 25 Tonnen<br />

Achslast und 160 km/h möglich sein. Regionalzüge<br />

brauchen dann für die 196 Kilometer<br />

lange Strecke weniger als zwei Stunden.<br />

Gleichzeitig werden weitere Arbeiten an<br />

Brücken und <strong>Bahn</strong>steigen ausgeführt. Der<br />

<strong>Bahn</strong>hof Langhagen wird versetzt. Zahlreiche<br />

Stellwerke, beispielsweise in den <strong>Bahn</strong>höfen<br />

Nassenheide, Grüneberg oder auch Löwenberg<br />

(Mark), werden durch einen Bedienplatz<br />

in der Betriebszentrale mit Elektronischem<br />

Stellwerk (ESTW) ersetzt – damit verschwindet<br />

die noch vorhandene alte Signaltechnik.<br />

Die <strong>Bahn</strong>höfe Klockow, Kratzeburg und Kargow<br />

hatte die Deutsche <strong>Bahn</strong> bereits im Frühjahr<br />

2012 umgebaut.<br />

Umleiterzüge und Busverkehr<br />

Aufgrund der Vollsperrung verkehren zahlreiche<br />

Güterzüge sowie jeweils ein Regionalexpress, ein<br />

ICE und ein Connex-Zug über Schwerin. Die<br />

Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG)<br />

pendelt zwischen Waren und Neustrelitz. Für<br />

die meisten Reisenden gilt jedoch der Umstieg<br />

zum Bus. Neuer Verkehrsmittelpunkt für Regionalbahn,<br />

Regionalexpress und Bus ist während<br />

des Umbaus der S-<strong>Bahn</strong>hof Birkenwerder.<br />

Die DB nutzt die Umbauten auch, um die<br />

Gleisanlagen in Oranienburg nach Bomben aus<br />

dem Zweiten Weltkrieg zu durchsuchen. Wiederholt<br />

hatten solche Kriegsrelikte die Einstellung<br />

des Zugverkehrs erzwungen. Zudem sind<br />

noch andere Linien von der Sperrung betroffen,<br />

zum Beispiel in Löwenberg, wo die Prignitzer<br />

Eisenbahn den Abschnitt Templin – Zehdenick<br />

jetzt allein bedient.<br />

Insgesamt 850 Millionen Euro investieren<br />

die Europäische Union, der Bund und die<br />

DB in diesen Ausbau. Erste Erfolge kann<br />

man bereits vermelden: Vor der Streckensperrung<br />

wurde im September der Abschnitt<br />

Gransee – Fürstenberg (Havel) mit ICE-<br />

Messfahrten auf 160 km/h ertüchtigt.<br />

Dieter Schmidt<br />

54


DB Strecken und Netz<br />

Links oben: Eiszeit<br />

im ehemaligen Bw<br />

Leipzig Hbf Süd; am<br />

18. Februar hat dort<br />

Väterchen Frost<br />

einen Wasserkran in<br />

Beschlag genommen<br />

Bernd Ihlenfeld<br />

Links unten: Verschiedene<br />

<strong>Bahn</strong>höfe<br />

der DB stehen zum<br />

Verkauf – 2012 hat<br />

die <strong>Bahn</strong> deren Zahl<br />

nochmals erhöht<br />

Michael Reimer<br />

Ein Beispiel dafür, wie <strong>Bahn</strong>höfe im ländlichen Raum aufgewertet<br />

werden können, liefert der <strong>Bahn</strong>hof Kißlegg an der Strecke<br />

Memmingen – Aulendorf/– Hergatz. Ein ortsansässiges Unternehmen<br />

hat das Empfangsgebäude im Sommer 2011 von der DB gekauft<br />

und gründlich saniert. Der historische Charakter des Baus<br />

aus dem 19. Jahrhundert blieb dabei erhalten; im <strong>Bahn</strong>hof gibt es<br />

jetzt unter anderem ein Café und auf dem Dach eine Photovoltaik-<br />

Anlage. Ab <strong>2013</strong> kann man hier auch wieder Fahrkarten kaufen.<br />

Von den Kosten (1,2 Mio. Euro) übernahm das Land Baden-Württemberg<br />

350.000 Euro. Text: Felix Löffelholz, Foto: V7 Energie AG<br />

Weitere Meldungen<br />

PROBLEME BEI DEN NEUBAUSTRECKEN<br />

Wegen Mängeln an der Festen Fahrbahn und<br />

an einigen Weichen musste die DB im Juli auf<br />

der Schnellfahrstrecke Köln – Rhein/Main<br />

eine ausgedehnte Langsamfahrstelle einrichten.<br />

Bei Willroth waren den ICE-Zügen zeitweise<br />

nur 20 km/h (!) erlaubt.<br />

Mängel an der Festen Fahrbahn gab es außerdem<br />

auf der Strecke Halle (Saale) – Bitterfeld.<br />

Einige der Y-Schwellen waren lose bzw. wiesen<br />

starke Rostschäden auf. Am 2. August sperrte das<br />

Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Strecke, der<br />

Abschnitt wird jetzt vollständig erneuert. Während<br />

der Bauarbeiten fahren die Züge über Delitzsch,<br />

im Regionalverkehr Halle – Bitterfeld<br />

setzt man Busse ein. Willy Grübner<br />

WINTERPFLICHT FÜR <strong>BAHN</strong>HÖFE<br />

Eisenbahnverkehrsunternehmen müssen im<br />

Winter den verkehrssicheren Zugang zum Zug<br />

sicherstellen. Das hat der Bundesgerichtshof<br />

am 17. Januar 2012 in einem Urteil festgelegt.<br />

Reisende, die auf nicht geräumten <strong>Bahn</strong>höfen<br />

Verletzungen oder Schäden erleiden, haben gegenüber<br />

den Verkehrsunternehmen Anspruch<br />

auf Ersatzleistungen. Bela v. Derlethal<br />

NEUES KONZEPT FÜR LINDAU HBF<br />

Im Frühjahr 2012 haben die Lindauer in einem<br />

Bürgerentscheid für die Verlegung des Hauptbahnhofs<br />

von der Insel im Bodensee auf das<br />

Gelände des heutigen, nahezu verwaisten Rangierbahnhofs<br />

Lindau-Reutin votiert. Vor allem<br />

für Fernzüge bringt das Konzept große Fahrzeitgewinne,<br />

auch in Kombination mit der anstehenden<br />

Elektrifizierung der Strecken Ulm –<br />

Friedrichshafen – Lindau bzw. München –<br />

Memmingen – Lindau. Der Inselbahnhof soll<br />

erhalten bleiben, aber in deutlich verkleinerter<br />

Form. Die <strong>Bahn</strong>steiggleise werden verkürzt, die<br />

<strong>Bahn</strong>steigkanten von acht auf sechs reduziert.<br />

Abstellanlagen, Dieseltankstelle und altes Bw-<br />

Gelände verschwinden. Felix Löffelholz<br />

FORTSCHRITTE BEI DER RHEINTAL<strong>BAHN</strong><br />

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember hat die<br />

DB den Neubauabschnitt Schliengen – Haltingen<br />

an der Rheintalbahn Karlsruhe – Basel in<br />

Betrieb genommen. Für rund 520 Mio. Euro<br />

entstand ein 17,6 Kilometer langes Streckenstück,<br />

das die kurvenreiche Verbindung Bad Bellingen<br />

– Efringen-Kirchen ersetzt und die Fahr-<br />

zeit um 15 Minuten senkt. Das Herzstück des<br />

Neubauabschnitts ist der 9,4 Kilometer lange<br />

Katzenbergtunnel, in dem die Züge in zwei getrennten<br />

Röhren mit bis zu 250 km/h fahren.<br />

Am 24. August schlossen das Bundesverkehrsministerium<br />

und die DB auch die Finanzierungsvereinbarung<br />

für den Neubauabschnitt<br />

Rastatt. Für 693 Mio. Euro soll bis 2022 eine<br />

16 Kilometer lange Strecke gebaut werden, die<br />

ebenfalls bis zu 250 km/h erlaubt. Dabei fahren<br />

die Züge in einem 4,27 Kilometer langen Tunnel<br />

unter Rastatt hindurch. K. Neuberger<br />

NUR TEILSANIERUNG DER<br />

MÜNGSTENER BRÜCKE<br />

Zwei Mal ruhte 2012 auf Deutschlands höchster<br />

Eisenbahnbrücke der Verkehr, um sie zu sanieren:<br />

Vom 7. Juli bis 19. August und vom 6.<br />

bis 21. Oktober fuhren Busse. Das Eisenbahn-<br />

Bundesamt hatte die Betriebserlaubnis für das<br />

Die umfangreichen Gleisanlagen in Lindau Hbf werden mit dem neuen <strong>Bahn</strong>hofskonzept deutlich<br />

reduziert. Am 12. September 2012 lag das noch in weiter Ferne<br />

Felix Löffelholz<br />

STRAFE FÜR SCHIENENKARTELL<br />

Wegen illegaler Preisabsprachen bei der Produktion<br />

von Schienen müssen sieben Stahlunternehmen<br />

124,5 Mio. Euro Bußgeld zahlen. Die<br />

Strafe resultiert aus einem Urteil des Bundeskartellamts<br />

von Anfang Juli 2012. Vor allem die DB<br />

hatte wegen der Absprachen jahrelang überhöhte<br />

Preise für Schienen entrichtet.K. Neuberger<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

55


Chronik<br />

Gute Aussichten dank DB Netz: Rotschwanz<br />

in Neukirchen b. Sulzbach-Rosenberg F. Kegel<br />

Am 25. November endete der Betrieb auf der Strecke Leipzig-Stötteritz – Leipzig Ost (Foto: RE<br />

auf dem Viadukt Sellerhausen); die Züge fahren ab <strong>2013</strong> durch den City-Tunnel Markus Bergelt<br />

Bauwerk an dessen Instandsetzung gebunden.<br />

Nach Abschluss der Arbeiten, die 30 Mio. Euro<br />

kosten, können neben DB-628 auch die ab<br />

<strong>2013</strong>/2014 eingesetzten schwereren LINT-<br />

Triebzüge von Abellio die Müngstener Brücke<br />

befahren. Die ursprüngliche Tragfähigkeit stellt<br />

die DB aber nicht her; damit sind weder Dampflok-Sonderfahrten<br />

noch Güterzugfahrten möglich.<br />

Zudem könnten weitere Arbeiten anfallen.<br />

Verschiedene Untersuchungen dauerten bei Redaktionsschluss<br />

noch an. Josef Kempiak<br />

NEUES VOM KAISER-WILHELM-TUNNEL<br />

Im Juni 2012 war der neue Kaiser-Wilhelm-<br />

Tunnel an der Strecke Koblenz – Trier im Rohbau<br />

fertig gestellt. Bis Ende 2012 sollte der<br />

Einbau der Festen Fahrbahn folgen, die Inbetriebnahme<br />

des Tunnels ist für Juni <strong>2013</strong> vorgesehen.<br />

Durch den alten Kaiser-Wilhelm-<br />

Tunnel fahren die Züge seit Juni 2012 nur<br />

noch im eingleisigen Betrieb; nach Inbetriebnahme<br />

des neuen Tunnels soll er auf ein Gleis<br />

zurückgebaut werden. Ab 2015 sollen die<br />

Züge hier in zwei getrennten Röhren auf jeweils<br />

einem Gleis fahren. Die Bauarbeiten kosten<br />

rund 200 Mio. Euro. Moritz Müller<br />

VERSCHÄRFUNG DER EBO<br />

Seit 1. Dezember 2012 gilt in der Eisenbahn-Bauund<br />

Betriebsordnung (EBO) eine neue Regelung<br />

zur Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB).<br />

Demnach muss die Einrichtung installiert sein<br />

• auf allen Hauptstrecken<br />

• auf Nebenbahnen, auf denen mehrere Züge<br />

gleichzeitig fahren und mehr als 80 km/h erreicht<br />

werden sowie<br />

• auf Nebenbahnen, auf denen Reisezüge fahren<br />

und mehr als 50 km/h erreicht werden.<br />

Falls die PZB nicht arbeitet, dürfen Züge maximal<br />

50 km/h fahren. Die Nachrüstung soll bis<br />

31. Dezember 2014 geschehen. Die Verschärfung<br />

der Regelung geht auf den Unfall bei Hordorf<br />

an der Strecke Magdeburg – Halberstadt<br />

zurück; im Januar 2011 hatte dort ein Güterzug<br />

ein Halt zeigendes, aber nicht mit Zugbeeinflussung<br />

ausgestattetes Signal überfahren<br />

und einen Personenzug gerammt. K. Graf<br />

TAUBENRETTUNG VOR ICE?<br />

Eine ungewöhnliche Petition erreichte DB<br />

Netz im Oktober 2012 von der Taubenrettung<br />

in Berlin. Sie forderte, dass durch Zusammenstöße<br />

mit Zügen verletzte Tauben aus<br />

dem Gleisbett geborgen werden sollten. Das<br />

Regelwerk zum Notfallmanagement müsse geändert<br />

werden und dürfe nicht nur für Großgefieder<br />

wie Schwäne gelten. D. Schmidt<br />

KURZMELDUNGEN – DB-STRECKEN UND -NETZ: ENDE 2011 – ENDE 2012<br />

Dezember 2011<br />

Bundesverkehrsministerium und DB schließen<br />

eine Finanzierungsvereinbarung zum Bau der<br />

Spessartrampen-Umfahrung. Für rund 5 Mio.<br />

Euro soll eine sieben Kilometer lange Verbindung<br />

Laufach – Heigenbrücken entstehen, die<br />

ohne Schiebedienst auskommt. Der Scheitelpunkt<br />

der alten Strecke, der Schwarz kopftunnel<br />

vor Heigenbrücken, soll dann nicht mehr genutzt<br />

werden. Im Oktober beginnen Rodungsarbeiten.<br />

Januar<br />

14. Januar-02. Februar: Wegen Stellwerksarbeiten<br />

auf der Schnellfahrstrecke fahren ICE-Züge über<br />

die alte Nord-Süd-Strecke Hannover – Göttingen.<br />

30. Januar: Laut Dr. Rüdiger Grube wird die<br />

Neubaustrecke Hamburg –/Bremen – Hannover<br />

(Y-Trasse) zunächst auf Eis gelegt.<br />

– Die Strecke (Innsbruck –) Mittenwald – Garmisch<br />

wird wegen Schneefalls mehrfach kurzzeitig<br />

gesperrt.<br />

Februar<br />

01. Februar: Nach rund vier Monaten Sanierung<br />

wird die Unstrutbahn Naumburg – Wangen<br />

wieder für den Zugverkehr geöffnet.<br />

07. Februar-31. März: Wegen Gleisbauarbeiten<br />

bei und in Bremen wird der Zugverkehr<br />

teilweise umgeleitet.<br />

März<br />

25./26.03.: Wegen Personalmangels kann<br />

das Stellwerk Mainz-Kastel in der Nachtschicht<br />

nicht besetzt werden. Zwischen 18<br />

und 6 Uhr läuft der Zugverkehr Mainz-Bischofsheim<br />

– Wiesbaden Ost über Mainz Hbf.<br />

April<br />

16. April: Am S-<strong>Bahn</strong>-<strong>Bahn</strong>hof Berlin Ostkreuz<br />

wird die neue <strong>Bahn</strong>hofshalle der Ringbahnstrecke<br />

eröffnet.<br />

30. April: Bundesverkehrsminister Peter<br />

Ramsauer startet im <strong>Bahn</strong>hof Bad Reichenhall<br />

das Infrastrukturbeschleunigungsprogramm.<br />

Für rund 100 Mio. Euro werden<br />

130 kleinere und mittlere <strong>Bahn</strong>höfe saniert.<br />

– Die DB und der Bund vereinbaren die Ertüchtigung<br />

der deutsch-polnischen Güterstrecke Hoyerswerda<br />

– Horka. Für 420 Mio. Euro werden das<br />

1946 abgebaute zweite Gleis aufgebaut sowie die<br />

Strecke elektrifiziert und signaltechnisch modernisiert.<br />

Die Arbeiten sollen Ende 2012 beginnen.<br />

Juli<br />

07. Juli-19. August: Unterbrechung der Linie 6<br />

der S-<strong>Bahn</strong> Rhein-Ruhr zwecks Sanierung.<br />

19. Juli: Vereinbarung des Lückenschlusses<br />

Sebnitz (Sachsen) – Dolni Pousteva/Tschechien<br />

(früher Niedereinsiedel).<br />

24. Juli-Ende August: Auf der Strecke Murnau<br />

– Oberammergau werden ab Bad Kohlgrub die<br />

alten Oberleitungsmasten durch neue ersetzt.<br />

August<br />

03. August: Durchschlag des letzten Tunnels<br />

an der Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt.<br />

17. August-10. September: Wegen Bauarbeiten<br />

fahren TGV und IC zwischen Stuttgart und<br />

Karlsruhe über Pforzheim statt über Bruchsal.<br />

September<br />

15. September-05. Oktober: Wegen Bauar -<br />

beiten wird die Höllentalbahn Freiburg – Titisee<br />

gesperrt; 628-Triebwagen bedienen die<br />

Abschnitte Titisee – Neustadt bzw. – Seebrugg.<br />

Die Bundesregierung lehnt den Bau eines Eisenbahntunnels<br />

für die rechte Rheinstrecke in Rüdesheim<br />

ab. Nach ihrer Ansicht ist das Projekt<br />

unwirtschaftlich und mindert nicht genügend<br />

den Verkehrslärm in dem beliebten Touristenort.<br />

Oktober<br />

22. Oktober: Einweihung der zweiten Rheinbrücke<br />

in Basel.<br />

November<br />

5. Nov.: Eröffnung des zweiten Gleises Braunschweig<br />

– Hildesheim. K. NEUBERGER/B. HUBER<br />

56


Privatbahnen<br />

Die Schienenbus-Verbindung in der Prignitz stand 2012 wieder auf der Kippe und fand Befürworter<br />

in der Bevölkerung (r.). Die Rettung folgte im November des Jahres Rico Emersleben (2)<br />

Privatbahnen<br />

Ein weiteres Mal gerettet<br />

Lange Zeit im Jahr 2012 stand der Betrieb der Strecke Pritzwalk – Putlitz auf der Kippe. Zum<br />

Herbst kam dann die beruhigende Nachricht: Der Betrieb geht weiter, zunächst bis 2014. Nochmals<br />

eine Schonfrist für die Schienenbusse in der Prignitz<br />

Historische Loks auf<br />

der Strecke Niebüll –<br />

Dagebüll haben eine<br />

kleine Tradition;<br />

2012 setzte sich<br />

statt einer Dampflok<br />

Diesellok V 200 007<br />

vor die IC-Wagen<br />

(Bild in Dagebüll<br />

Mole) Dr. Lutz Münzer<br />

Die Diskussionen um das 17 Kilometer<br />

lange Reststück der Strecke Pritzwalk –<br />

Suckow sind nicht neu. Bereits Anfang<br />

der 90er-Jahre, nach der Wende, sanken hier die<br />

Verkehrszahlen deutlich ab, so dass die Nebenbahn<br />

Pritzwalk – Putlitz in der Prignitz schon<br />

seit Jahren ums Überleben kämpft. Der vielleicht<br />

einzige Unterschied: Nachdem die Diskussionen<br />

zunächst Reichsbahn und Deutsche <strong>Bahn</strong> AG<br />

betrafen, begleiten sie seit September 1996 Privatbahnen.<br />

Zuerst die neu gegründete Prignitzer<br />

Eisenbahn (PEG), die seinerzeit mit einem DB-<br />

Schienenbus den Betrieb übernahm.<br />

Ein Einschnitt folgte, als das Land Brandenburg<br />

zum Dezember 2006 die Finanzierung<br />

des Schienenverkehrs einstellte – womit<br />

eigentlich das Ende des Personenverkehrs bevorstand.<br />

Aber die Züge durften bleiben. Die<br />

Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP) entschloss<br />

sich zum Weiterbetrieb in Eigenverantwortung<br />

und ohne Zuschüsse des Landes. Dabei<br />

kooperierte sie mit dem Putlitz-Pritzwalker Eisenbahnförderverein<br />

sowie der PEG als verantwortlichem<br />

Eisenbahnverkehrsunternehmen.<br />

Zwischenzeitlich wird die Strecke von<br />

der RegioInfra GmbH (RIG) betrieben und<br />

die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) hat<br />

die Verantwortung als Eisenbahnverkehrsunternehmen<br />

übernommen. Beide Unternehmen<br />

gehören zur ENON-Gruppe, hinter der<br />

die PEG-Gründer Thomas Becken und Mathias<br />

Tennisson stehen, nachdem sie sich aus<br />

der PEG selbst zurückgezogen haben.<br />

Neue Bedrohung 2012<br />

Da die VGP allerdings keine finanziellen Mittel<br />

mehr für den Betrieb der Verkehrsleistungen<br />

bereitstellen kann, sollte der planmäßige<br />

Schienenverkehr nach Putlitz nun im Dezember<br />

2012 enden. Am 8. November wur-<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

57


Chronik<br />

Am 13. März 2012 beendete die Mittelweserbahn mangels Auslastung den Schiebebetrieb<br />

an der Spessartrampe Laufach – Heigenbrücken. Seit 3. Juni 2004 bot die MWB den<br />

Dienst an, meist mit der aus Österreich übernommenen Ellok 1020.041 (ex E 94 103).<br />

Nach dem Einsatzende im Spessart kam das „blaue Krokodil“ nach Norden; vom 15. März<br />

bis zum Fristablauf am 27. Mai fuhr es, wie auf diesem Foto, Containerzüge zwischen<br />

Bremen und Bremerhaven<br />

Text: Karl Laumann; Aufnahme: Matthias Hille<br />

de dann bekannt, dass die VGP die Verkehrsleistungen<br />

nochmals für zwei Jahre bis Dezember<br />

2014 bestellen wird. Zwar werden dafür<br />

die Leistungen um ein Zugpaar reduziert,<br />

aber immerhin: Es bleibt überhaupt ein Verkehr<br />

auf der Strecke erhalten.<br />

Der läuft zurzeit übrigens auch wieder wie<br />

in der Anfangszeit des Privatbahnbetriebs,<br />

nämlich mit DB-Schienenbussen. Die eigentlich<br />

für die Strecke vorgesehenen Doppelstocktriebwagen<br />

der Baureihe 670 der Prig nitzer<br />

Leasing sind seit längerem schadhaft<br />

abgestellt, und so durften sich in den letzten<br />

Monaten die roten Brummer in der Prignitz<br />

beweisen. Mit dem 798 610 in Altrot und<br />

dem 798 667 in PEG-Farben stehen der EGP<br />

zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Sie fahren auch<br />

fürs Erste weiter. Der planmäßige Schienenbuseinsatz<br />

in Deutschland ist also nach wie vor<br />

nicht zu Ende. Karl-Heinz Siebert/GM<br />

Privatbahnen – Weitere Meldungen<br />

SECHSACHSIGE DB-ELLOKS BEI SRI UND LEG<br />

Seit 2011 hat DB Schenker seine Verkaufspolitik<br />

geändert, so dass private Unternehmen<br />

nun fast jedes überzählige Triebfahrzeug der<br />

DB-Gütertochter erwerben können. Das<br />

KURZMELDUNGEN – PRIVAT<strong>BAHN</strong>EN: JANUAR BIS DEZEMBER 2012<br />

Januar<br />

– Das Unternehmen Logistik auf Schienen<br />

(LaS) beginnt einen Einzelwagenverkehr vornehmlich<br />

für die Chemiebranche zwischen<br />

dem Ruhrgebiet und dem Chemiedreieck in<br />

Bayern. Als Traktionär arbeitet es mit HTRS<br />

Süd sowie den <strong>Bahn</strong>en der Stadt Monheim zusammen.<br />

Die Leistungen werden als Chem -<br />

liner-Trainsystem vermarktet und wurden zuvor<br />

in ähnlicher Form von Transpetrol betrieben,<br />

– Wincanton Rail firmiert um zu Rhenus Rail.<br />

– SBB International nimmt für die Spedition<br />

IGS den Containerzugverkehr von Hamburg<br />

nach Nürnberg, Regensburg und München<br />

auf. Zuletzt hatten die Osthannoverschen Eisenbahnen<br />

(OHE) diese Züge gefahren, gaben<br />

aber Ende 2011 zahlreiche Ferngüterverkehre<br />

auf.<br />

– Die Anhaltisch-Brandenburgische Eisenbahngesellschaft<br />

(ABEG) übernimmt Rangierverkehrsleistungen<br />

an den Standorten Nürnberg,<br />

Regensburg und Augsburg. Später im Jahr ist<br />

sie auch im Hamburger Hafen aktiv und mit<br />

Containerzügen zwischen Hamburg und<br />

Schkopau, Bremerhaven und Berlin sowie zwischen<br />

Hamburg und Bremerhaven unterwegs.<br />

Hinter dem Unternehmen stehen ENON und<br />

die mcm logistics.<br />

– Rückwirkend zum 01.01. übernimmt die RegioInfra<br />

Gesellschaft der ENON-Gruppe das<br />

Unternehmen Prignitzer Eisenbahn Infrastruktur.<br />

Sie betreibt die Strecken Karow – Waren,<br />

Blankenburg – Dabel, Neustadt/Dosse – Kyritz,<br />

Kyritz – Pritzwalk, Pritzwalk – Meyenburg,<br />

Meyenburg – Karow – Priemerburg und Pritzwalk<br />

– Putlitz.<br />

– Ende des Monats geht das Dieselnetz Südwest<br />

an die Regentalbahn. Zu den künftig von<br />

dem Unternehmen betriebenen Leistungen<br />

gehören die Strecken Mainz – Alzey – Kirchheimbolanden,<br />

RE-Züge Frankfurt – Mainz –<br />

Bad Kreuznach – Idar Oberstein – Saarbrücken,<br />

einzelne RE-Leistungen Mainz – Bad<br />

Kreuznach – Mainz – Kaiserslautern, die RB-<br />

Leistungen Mainz – Idar Oberstein – Baumholder/Türkismühle,<br />

Ausflugszüge Koblenz –<br />

Wissembourg („Weinstraßen-Express“) und<br />

Mainz – Alzey – Wissembourg („Elsass-Express“)<br />

sowie einzelne Zugleistungen der<br />

RB Mannheim – Worms – Mainz Hbf und<br />

RB Worms – Alzey – Bingen Hbf. Im zweiten<br />

Schritt kommt der RE Kaiserslautern – Rockenhausen<br />

– Bingen – Koblenz hinzu. Der<br />

Betrieb beginnt im Dezember 2014, zum Einsatz<br />

kommen LINT-Triebwagen.<br />

März<br />

Die Firma Railsystems übernimmt das Bw<br />

Gotha von der DB. Neben Railsystems nutzt<br />

auch die IG Hirzbergbahn den Standort.<br />

– Umbenennung bei Rail4Chem; das Unternehmen<br />

fährt jetzt als Rail4Captrain GmbH.<br />

April<br />

20. April: Im DB-Werk Cottbus wird die erste<br />

für die B&V Leipzig GmbH fertig gestellte Diesellok<br />

295 vorgestellt. Das Unternehmen hat<br />

mehrere 295er bei DB Schenker gekauft.<br />

Gründung der National Express Rail mit Sitz in<br />

Düsseldorf als Tochter des weltweit tätigen<br />

Nahverkehrskonzerns National Express. Das<br />

Unternehmen soll sich an Nahverkehrsausschreibungen<br />

in Deutschland beteiligen.<br />

Mai<br />

30. Mai: Die Karlsruher Stadtbahn erhält die<br />

ersten beiden neuen Zweisystem-Stadtbahnwagen.<br />

Insgesamt fertigt Bombardier 30 Fahrzeuge<br />

des Typs Flexity Swift für die Albtal-<br />

Verkehrsgesellschaft (AVG) und die Verkehrsbetriebe<br />

Karlsruhe (VBK); die Stadtbahnwagen<br />

fahren auch auf DB-Gleisen.<br />

TX Logistik richtet einen Kombiverkehrszug<br />

Halden (Norwegen) – Verona (Italien) ein. Mit<br />

2.300 Kilometern Strecke ist dies eine der<br />

längsten intermodalen Verbindungen in<br />

Europa.<br />

Juni<br />

10. Juni: Zum Fahrplanwechsel übernimmt die<br />

Erfurter <strong>Bahn</strong> den Betrieb auf den Linien<br />

EBx 11 Erfurt – Arnstadt – Saalfeld, EBx 12<br />

Leipzig – Saalfeld, EBx 13 und EB 13 Gera –<br />

Hof, EB 21 (Erfurt) - Weimar – Gera, EB 23<br />

(Apolda) – Erfurt – Saalfeld, EB 32 Saalfeld –<br />

Blankenstein, EB 33 Leipzig – Saalfeld, EB 52<br />

Jena – Pößneck unterer <strong>Bahn</strong>hof und EB 54<br />

(Apolda) – Weimar – Kranichfeld sowie Verstärkerzüge<br />

zwischen Erfurt, Weimar und<br />

Apolda. Zur Betriebsaufnahme stehen nicht<br />

alle benötigten Regio Shuttle bereit; es fahren<br />

daher auch Leihtriebwagen, einzelne Leistungen<br />

betreibt die DB vorläufig mit<br />

642-Triebwagen weiter.<br />

– Über die Firma Railservice Alexander Neubauer<br />

(RAN) wird im Juni das Insolvenzverfahren<br />

eröffnet. Bis Ende Juli wickelt das<br />

Unternehmen noch Leistungen ab.<br />

– Power Rail übernimmt die beiden Dieselloks<br />

1801 und 1808 der Luxemburgischen Staatsbahn<br />

CFL. Nach der Hauptuntersuchung ist<br />

Lok 1806 später im Jahr bereits für Power<br />

Rail im Einsatz.<br />

– Feierliche Eröffnung der Werkstatt Ottendorf-<br />

Okrilla. Hier werden die Triebwagen der Städtebahn<br />

Sachsen (SBS) gewartet. Die SBS setzt<br />

im Raum Dresden 15 Desiro- und einen LVT/S-<br />

Triebwagen im Nahverkehr ein; im November<br />

fährt auch ein Talent-Triebwagen.<br />

Juli<br />

Transpetrol startet für Novelis den Güterzugverkehr<br />

zwischen den Standorten Nachterstedt,<br />

Göttingen und Norf. Dafür hat das<br />

Unternehmen zwei 185er-Elloks von Railpool<br />

angemietet.<br />

58


Privatbahnen<br />

nutzten Privatbahnen 2012 auch für sechsachsige<br />

Elloks: SRI Rail Invest kaufte 151 124<br />

und 170, die Leipziger Eisenbahnverkehrsgesellschaft<br />

(LEG) übernahm 155 137. Für den<br />

Lokvermieter SRI arbeitet das DB-Werk Dessau<br />

die beiden 151er auf. Lok 151 170 sollte<br />

Ende November in den Firmenfarben Blau/<br />

Rot/Silber in einem modernen Design ausgeliefert<br />

werden. Die Schwesterlok 151 124 wurde<br />

bereits Anfang November fertig und ist nun<br />

im historisch-grünen Bundesbahn-Look auf<br />

deutschen Gleisen unterwegs. Erster Mieter<br />

der Elloks ist übrigens die Eisenbahngesellschaft<br />

Potsdam (EGP). Auch die LEG ließ ihre<br />

Neuerwerbung bei der DB aufarbeiten, und<br />

zwar im Werk Cottbus. Die ehemalige Reichsbahnlok<br />

155 137 erhielt historisches Design –<br />

sprich, Reichsbahn-Aussehen – und absolvierte<br />

im Oktober eine erste Probefahrt.<br />

Karl-Heinz Siebert<br />

BETRIEBSAUFNAHME MIT HINDERNISSEN<br />

BEI DER ODEG<br />

Die größte Betriebsaufnahme hat 2012 die<br />

Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) zu stemmen.<br />

Im Rahmen der Vergabe des Netzes<br />

Stadtbahn des Verkehrsverbunds Berlin-Bran-<br />

Verschiedene „Oldtimer“ der Deutschen <strong>Bahn</strong> fanden 2012 dankbare Abnehmer unter<br />

den Nichtbundeseigenen <strong>Bahn</strong>en. So erwarb Sunrail in Bruchhausen-Vilsen die Ellok<br />

140 002, 140 003 ging an EBM Cargo. Letztere hielt sich am 7. September in Darmstadt-<br />

Kranichstein auf und rangierte dort ihren Bauzug für die Weiterfahrt<br />

Karl Laumann<br />

– Die Spedition Emons kauft die PBG Preussen<br />

<strong>Bahn</strong> und verlegt deren Sitz nach Dresden.<br />

Emons betreibt diverse Verbindungen<br />

des Kombinierten Verkehrs und arbeitete hier<br />

bisher mit externen Eisenbahnverkehrsunternehmen<br />

zusammen.<br />

– Beginn des Insolvenzverfahrens für HWB<br />

Verkehr und deren Tochtergesellschaften SBE<br />

und Bw Zittau. Ein Insolvenz- und Sanierungsplan<br />

soll für den Fortbestand der Unternehmen<br />

sorgen.<br />

– Im Sommer beginnt die Stiftung Deutsche<br />

Kleinbahnen mit dem Wiederaufbau des Abschnitts<br />

Klütz – Reppenhagen der Strecke<br />

nach Grevesmühlen als 600-Millimeter-Kleinbahn.<br />

Hinter dem Projekt steht der Unternehmer<br />

Ludger Guttwein.<br />

August<br />

Gründung der RheinCargo GmbH; in ihr legen<br />

die Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK)<br />

und die Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) ihre<br />

Hafen- und <strong>Bahn</strong>sparten zusammen. Als ersten<br />

Großauftrag nimmt das neue Unternehmen<br />

im Oktober den Kohlezugverkehr Duisburg<br />

– Voerde auf.<br />

September<br />

07. September: Inbetriebnahme der dritten<br />

Baustufe des BASF-Terminals für den Kombinierten<br />

Verkehr in Ludwigshafen. Die Anlage<br />

hat jetzt 13 Umschlaggleise (vorher: sieben)<br />

und acht Portalkräne (vorher: fünf). Die BASF<br />

hat rund 80 Mio. Euro in den Ausbau investiert.<br />

– Beginn des Insolvenzverfahrens über die<br />

ODIN Logistics aus Wittenberg. Das Unternehmen<br />

hat vornehmlich Güterwagen vermarktet,<br />

über die Schwestergesellschaft ODIN Transports<br />

wurden auch Güterzugleistungen angeboten.<br />

– Die Bayerische Oberlandbahn gewinnt die<br />

Ausschreibung im Oberland und fährt über<br />

<strong>2013</strong> hinaus mit Integral-Triebzügen von München<br />

nach Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell.<br />

– Betriebsaufnahme des JadeWeserPorts. Für<br />

rund 24 Mio. Euro entstanden eine vier Kilo-<br />

Eingestellt: Sowohl die Alex-Verbindung Prag – Nürnberg (l.) als auch die ODEG-Leistungen<br />

Neustrelitz – Mirow (r.) wurden zum Dezember 2012 aufgegeben Leopold Happ (l.). Marco Frühwein<br />

meter lange Zufuhrstrecke, eine 16-gleisige<br />

Vorstellgruppe sowie ein sechsgleisiger Terminal<br />

für den kombinierten Ladungsverkehr.<br />

Oktober<br />

01. Oktober: Aus Kostengründen stellt die<br />

Vogtlandbahn den Vogtland-Express auf eine<br />

reine Busverbindung Reichenbach – Chemnitz<br />

– Berlin um. Bisher fuhren teils Züge, teils<br />

Busse auf der Relation Plauen – Berlin. Die<br />

Züge wurden von der Vogtlandbahn als eigenwirtschaftlicher<br />

Fernverkehr betrieben.<br />

– Die Westfalenbahn gewinnt das Los 1 des<br />

Netzes Emsland-Mittelland (EMIL) mit dem RE<br />

Emden – Leer – Meppen – Lingen – Rheine –<br />

Münster. Ab Dezember 2015 sollen hier<br />

FLIRT-Triebzüge des Unternehmens fahren.<br />

– Großauftrag für die Niederrheinische Verkehrsbetriebe<br />

AG (NIAG): Ab Januar <strong>2013</strong> versorgt<br />

sie zahlreiche Kraftwerke mit Kohle. Die Transporte<br />

führen von den Häfen Amsterdam, Antwerpen<br />

und Rotterdam auf der Schiene und per<br />

Binnenschiff in den Raum Moers, wo die Verteilung<br />

folgt. Im <strong>Bahn</strong>verkehr arbeitet die NIAG zum<br />

Teil mit Rhein Cargo zusammen.<br />

– Die Hessische Landesbahn (HLB) erhält das<br />

Los 2 des Eifel-Westerwald-Sieg Netzes. Das<br />

Netz umfasst zahlreiche RB-Leistungen mit<br />

jährlich rund 5,8 Millionen Zugkilometern. Der<br />

Betrieb beginnt 2015.<br />

Dezember<br />

09. Dezember: Neuordnung des Alex-Verkehrs<br />

nach Tschechien zum Fahrplanwechsel: Aufgrund<br />

geringer Nachfrage – auch durch den<br />

konkurrierenden DB-Fernbus – entfallen die<br />

beiden Direktzüge Nürnberg – Prag. Gleichzeitig<br />

wird das Angebot München – Prag von zwei<br />

auf vier Direktzüge erhöht.<br />

– Preiserhöhung beim InterConnex; z.B. steigt<br />

der Supersparpreis Berlin – Leipzig von 14<br />

auf 16 Euro. KARL-HEINZ SIEBERT/VINCENT VOLF<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

59


Chronik<br />

METRONOM – ZUG DER IDEEN<br />

Siemens brachte 2011 einen „Zug der Ideen“<br />

auf die Schiene, 2012 folgte – in anderem<br />

Zusammenhang – Metronom. Seit Juli 2012 erprobt<br />

das im regionalen Personenverkehr tätige<br />

Unternehmen in einer eigenen Wagengarnitur<br />

neue Inneneinrichtungen und Service-Angebote.<br />

Zunächst auf der Strecke Uelzen – Hannover –<br />

Göttingen können Fahrgäste die Anregungen<br />

ausprobieren; ihr Urteil entscheidet auch, ob<br />

die Innovation eingeführt wird. Im „Zug der<br />

denburg (VBB) sollen ab Dezember elektrische<br />

Doppelstocktriebzüge des Typs KISS auf<br />

den Linien RE 2 Wismar – Wittenberge –<br />

Berlin Hbf – Cottbus und RE 4 Stendal – Rathenow<br />

– Berlin Hbf – Jüterbog zum Einsatz<br />

kommen.<br />

Allerdings wird diese Betriebsaufnahme<br />

nicht planmäßig ablaufen. Bei Redaktionsschluss<br />

war noch offen, ob die neuen Triebzüge<br />

rechtzeitig ihre Zulassung bekommen.<br />

Selbst dann stünden der ODEG wohl nur elf<br />

Jürgen Hörstel<br />

Ideen“ fahren zwei Ruhe-Wagen (unter anderem<br />

mit gedämpftem Licht und leiseren Durchsagen),<br />

zwei Stammwagen mit reservierbaren Plätzen<br />

im Oberteil, ein Fahrrad-Wagen sowie der<br />

zum Snack-Wagen umgestaltete Steuerwagen,<br />

der ein Automatenbistro enthält. In den Automaten<br />

werden neben kleinen Speisen und Getränken<br />

auch Kondome und Schwangerschaftstests<br />

angeboten. Weitere Testläufe mit dem Zug sollen<br />

folgen.<br />

KONRAD ROTHZOLL<br />

statt bestellter 16 Triebzüge zur Verfügung. Da<br />

sich das recht früh abzeichnete, konnte die<br />

ODEG reagieren: Mit DB Regio wurde für<br />

den RE 2 ein Weiterbetrieb mit den bisherigen<br />

Fahrzeugen vereinbart. Sollten alle Stricke<br />

reißen und die KISS-Züge nicht rechtzeitig<br />

zugelassen sein, kommen auf dem RE 4 Elloks<br />

der Baureihe 182 mit angemieteten Reisezugwagen<br />

zum Einsatz. Entsprechende Schulungs-<br />

und Probefahrten für dieses Ersatzkonzept<br />

fanden im Oktober bereits statt.<br />

Anno 2012 vorübergehend außer Betrieb, jetzt aber mit PZB-Sicherheitseinrichtung wieder im<br />

Dienst: die Esslinger Triebwagen der „Wipperliese“<br />

Christian Much<br />

Die beiden RE-Strecken gehören zur Vergabe<br />

Netz Stadtbahn mit Verkehrsleistungen<br />

in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-<br />

Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Im<br />

Rahmen dieser Ausschreibung waren in vier<br />

Losen jährlich rund 22 Millionen Zugkilometer<br />

ausgeschrieben worden. Je zwei Lose<br />

gingen an die DB und an die ODEG, bei einem<br />

Teil davon (den RB-Linien RB 33, RB 35<br />

und RB 51) nahm die ODEG bereits im Dezember<br />

2011 den Betrieb auf. Insgesamt erbringt<br />

die Privatbahn dann rund 7 Millionen<br />

Zugkilometer pro Jahr.<br />

Planmäßig ist wenigstens der erweiterte<br />

Werkstattstandort der ODEG in Eberswalde<br />

fertig geworden. Hier wartet die Tochter<br />

ODIG (Ostdeutsche Instandhaltunsggesellschaft)<br />

bereits seit längerem die ODEG-Fahrzeuge.<br />

Der Standort musste allerdings an die<br />

neuen Aufgaben angepasst und deutlich erweitert<br />

werden. Karl-Heinz Siebert<br />

PAUSE BEI DER WIPPERLIESE<br />

Weil ihnen das punktförmige Zugsicherungssystem<br />

PZB 90 fehlte, mussten die Esslinger<br />

Triebwagen auf der Strecke Klostermansfeld –<br />

Wippra Mitte 2012 vorübergehend pausieren.<br />

Nachdem die Hauptbahn Magdeburg – Sangerhausen<br />

und damit auch der <strong>Bahn</strong>hof Klostermansfeld<br />

die Einrichtung bekommen hatten,<br />

verlangte das Eisenbahn-Bundesamt diese<br />

Ausstattung auch für die Fahrzeuge der Kreisbahn<br />

Mansfelder Land; die KML führt den<br />

Betrieb auf der Stichstrecke für die DB-Regio-<br />

Tochter Burgenlandbahn. Um die Triebwagen<br />

VT 405, 407 und 408 umzurüsten, wurden<br />

diese Anfang April abgestellt. Bis 13. Mai bedienten<br />

Busse die Strecke, tags darauf übernahm<br />

Triebwagen 641 025 von DB Regio die<br />

Leistungen, der dort bis zum 6. Juli fuhr.<br />

Dann ging der Betrieb wieder auf die – mit<br />

vereinfachter PZB nachgerüsteten – Esslinger<br />

über. Der PZB-Einbau hat pro Fahrzeug etwa<br />

45.000 Euro gekostet. Willy Grübner<br />

VECTRON BEI RAILPOOL<br />

Als erste <strong>Bahn</strong>gesellschaft hat Railpool bei Siemens<br />

die Ellok Vectron bestellt. Die erste der<br />

sechs Wechselstrom-Elloks (6,4 MW Leistung)<br />

wurde am 7. November 2012 ausgeliefert,<br />

zwei weitere folgten am 20. November.<br />

Die Loks sind für Einsätze in Deutschland<br />

und Österreich vorgesehen. Uwe Miethe<br />

SONDERTRANSPORTE VON SNCF GEODIS<br />

Die Tochter der Französischen Staatsbahnen<br />

transportiert seit 2012 in Kooperation mit der<br />

Firma Vestas Windenergieanlagen auf der<br />

Schiene. Im August wurden 55 Meter lange<br />

Rotorblätter von Lauchhammer nach Dänemark<br />

befördert.<br />

Georg Müller<br />

BOB GEWINNT RECHTSSTREIT GEGEN DB<br />

Im Streit um das Stationspreissystem erzielte<br />

die Bodensee-Oberschwaben-<strong>Bahn</strong> im November<br />

2012 gegen die DB einen Erfolg vor<br />

Gericht. Nachdem DB Station & Service die<br />

Preise für die Nutzung von <strong>Bahn</strong>höfen und<br />

Haltepunkten zum Teil erheblich erhöht hat-<br />

60


Privatbahnen<br />

Im kräftigen Orange zeigt sich die 225 100 von BBL Logistik (links), ehemals in Diensten der DB. Zu Beginn der Ferienzeit bot die Nordwestbahn<br />

am 11. und 12. Juli in der Regio-S-<strong>Bahn</strong> im Raum Bremen eine Erfrischung und verteilte kostenloses Eis (rechts) Thomas Feldmann (l.), NWB<br />

Dynamische Wellenlinien schmücken künftig Ellok 151 170 von SRI RailInvest (l.). Beim privaten Nachtzug Berlin – Malmö liegt die Betriebsführung<br />

inzwischen in Händen von Veolia, entsprechend kommen auch deren Wagen zum Einsatz (r.)<br />

SRI RailInvest (l.), Sebastian Schrader<br />

te, kürzte die auf der Strecke Aulendorf –<br />

Friedrichshafen aktive BOB die Zahlungen.<br />

Die DB klagte daraufhin; in zweiter Instanz<br />

vor dem Kammergericht Berlin bekam nun<br />

die BOB Recht. Möglicherweise klagen nun<br />

weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen gegen<br />

das Preissystem der DB. Georg Müller<br />

ÄNDERUNGEN ZUM NEUEN FAHRPLAN<br />

Die Neuerunen zum Dezember 2012:<br />

Agilis: Als letzte Strecke der Vergabe Dieselnetz<br />

Oberfranken fährt Agilis nun auch auf<br />

der Strecke Hof – Marktredwitz.<br />

EGP: Die Eisenbahngesellschaft Potsdam<br />

(EGP) übernimmt für zunächst zwei Jahre die<br />

Verkehrsleistungen auf der RB 73 Pritzwalk<br />

– Neustadt (Dosse) und RB 74 Meyenburg –<br />

Pritzwalk im Auftrag des VBB, die bisher von<br />

der Prignitzer Eisenbahn erbracht wurden.<br />

Hier sollen Triebwagen des Typs LVT/S und<br />

Doppelstocktriebwagen der Baureihe 670<br />

zum Einsatz kommen.<br />

ODEG: Wie oben erwähnt, übernimmt<br />

die ODEG die Leistungen des RE 2 Wismar<br />

– Cottbus und RE 4 Stendal – Jüterbog von<br />

DB Regio. Im Gegensatz dazu entfallen die<br />

Leistungen auf der Strecke Neustrelitz – Mirow<br />

nach Abbestellung der Verkehrsleistungen.<br />

Wegen Bauarbeiten wird die Strecke Görlitz<br />

– Hoyerswerda bis auf weiteres Im<br />

Schienenersatzverkehr betrieben.<br />

VBG: Die Vogtlandbahn erhält zwar keine<br />

neuen Leistungen, im Zuge eines neuen<br />

Verkehrsvertrages ersetzen aber RegioShuttle<br />

auf verschiedenen Strecken die teilweise hier<br />

eingesetzten RegioSprinter. Der bisherige Wochenendbetrieb<br />

Adorf – Zwotental mit Triebwagen<br />

wird hingegen eingestellt.<br />

Karl-Heinz-Siebert<br />

Neues und Ersatz: Unten links die „Railpool-Vectrons“ 193 802 und 804 am 20. November bei der Ankunft in Salzburg, unten rechts die für einen<br />

ausgefallenen FLIRT der eurobahn eingesetzte DB-Garnitur im Maas-Rhein-Lippe-Netz (November 2011)<br />

Uwe Miethe (l.), Axel Witzke (r.)<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

61


Chronik<br />

Am 31. Juli 2012 besucht Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, die Unfallstelle in Hosena. Zum Gedenken an den getöteten<br />

Stellwerker legt er an der Ruine des Stellwerks einen Kranz nieder; der Eisenbahner war ums Leben gekommen, als der entgleiste Güterzug<br />

das Gebäude rammte<br />

Mirko Sattler/picture-alliance/dpa<br />

Unfälle<br />

Ungebremst unterwegs<br />

Am 26. Juli rammte ein Schotterzug in Hosena einen Leerwagenzug, entgleiste und riss ein<br />

Stellwerk ein; der dortige Wärter kam ums Leben. Die Ermittlungen enthüllten haarsträubende<br />

Fehlleistungen: Bei dem Güterzug waren die Bremskupplungen zwischen Lok und Wagen nicht<br />

verbunden. So bremste die Lok allein die 3.000-Tonnen-Last – ein Ding der Unmöglichkeit<br />

Der Fahrdienstleiter des <strong>Bahn</strong>hofs Hosena<br />

an der Strecke Wegliniec (Kohlfurt)<br />

– Falkenberg (Elster) traute seinen<br />

Augen nicht. Es war der 26. Juli 2012 um<br />

20:16 Uhr, als der Schotterzug DSG 49325<br />

von Schwarzkollm am Halt zeigenden Einfahrsignal<br />

vorbei fuhr und auch über den anschließenden<br />

<strong>Bahn</strong>übergang bei geöffneten<br />

Schranken rollte. Er sollte doch vor dem Einfahrsignal<br />

halten, bis die Einfahrt des Leerwagenzuges<br />

DSG 92505 aus Richtung Ruhland<br />

beendet war und die Fahrstraße von<br />

Schwarzkollm freigegeben werden konnte.<br />

Stattdessen fuhr der aus 39 Wagen bestehende<br />

Schotterzug diesem Leerwagenzug im hinteren<br />

Zugteil in die Flanke. Die Zuglokomotive,<br />

Ellok E 186 140 der Privatbahn ITL,<br />

stürzte um und wurde schwer beschädigt, die<br />

Wagen türmten sich zu einem Berg. Noch<br />

schlimmer: Das Stellwerksgebäude „W 3“<br />

wurde vom Zug gerammt und stürzte ein, der<br />

dort Dienst habende Wärter kam dabei ums<br />

Leben. Den schwer verletzten Lokführer der<br />

186 bargen Anwohner aus dem Führerraum.<br />

Er muss sich wahrscheinlich für den schweren<br />

Unfall verantworten. Denn so viel scheint<br />

festzustehen: Der Schotterzug war in Schwarzkollm<br />

ohne Bremsprobe abgefahren, die Bremskupplungen<br />

zwischen Lokomotive und Wagen<br />

waren nicht verbunden. Die Bremswirkung der<br />

Lokomotive reichte dann nicht aus, um den<br />

3.000 Tonnen schweren Zug vor dem Einfahrsignal<br />

anzuhalten.<br />

Eine Reihe von Fehlern<br />

Es war das letzte Glied in einer Kette grober<br />

Fahrlässigkeiten. Der für die Bremsprobe zuständige<br />

Wagenmeister hatte den <strong>Bahn</strong>hof<br />

Schwarzkollm verlassen, weil sich die Loko-<br />

62


Unfälle<br />

Polizeibeamte nehmen am 13. April das Zugunglück bei Mühlheim-<br />

Dietesheim (Strecke Offenbach – Hanau) auf. In der Nacht zuvor prallte<br />

der Regionalexpress auf einen Bagger, drei Menschen starben<br />

Der Gleisplan des <strong>Bahn</strong>hofs Hosena nach dem Unglück; blau markiert<br />

sind die mit verschlossenen Weichen befahrenen Abschnitte im <strong>Bahn</strong>hof<br />

Slg. Erich Preuß, Arne Dedert/picture-alliance/dpa (Bild l.)<br />

UNFÄLLE – WEITERE MELDUNGEN<br />

Zusammenprall mit Rinderherde<br />

Am 13. Januar ist ein Regionalzug der Nord-<br />

Ostsee-<strong>Bahn</strong> nach Westerland (Sylt) bei<br />

Bredstedt mit einer Rinderherde zusammengeprallt.<br />

Der Steuerwagen des Wendezuges<br />

entgleiste, ein Wagen stürzte um. Ein Reisender<br />

kam ums Leben, der Lokführer und ein<br />

Beimann wurden verletzt. Die Tiere hatten im<br />

Stall ein Gitter heruntergedrückt und waren<br />

zur 500 Meter entfernten Strecke gelaufen.<br />

Die Bergung gestaltete sich wegen des matschigen<br />

Untergrundes schwierig; die Strecke<br />

blieb drei Tage unterbrochen. Ob der Landwirt<br />

zur Rechenschaft gezogen wird, stand bei Redaktionsschluss<br />

nicht fest.<br />

Regionalexpress fährt auf Bagger<br />

Aufgrund einer fatalen Verwechslung fuhr am<br />

13. April ein Regionalexpress auf der Strecke<br />

Offenbach – Hanau in einen Zweiwege-Bagger.<br />

Der Fahrer hatte den Bagger an der falschen<br />

Stelle eingesetzt, und zwar nicht im gesperrten<br />

Baugleis, sondern im Betriebsgleis. Das<br />

Unglück forderte drei Tote, darunter den Baggerfahrer<br />

und den Lokomotivführer des Regionalexpress;<br />

zwölf Reisende wurden teils<br />

schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt<br />

stellte das Ermittlungsverfahren gegen<br />

den Fahrdienstleiter und den Aufsichtsführenden<br />

der Baustelle ein, weil allein der Baggerfahrer<br />

die Schuld trägt.<br />

Entgleister IC in Stuttgart Hbf<br />

Gleich zwei Mal kam es bei der Ausfahrt des<br />

IC 2312 im Stuttgarter Hauptbahnhof zu Unfällen.<br />

Am 24. Juli entgleiste der Speisewagen<br />

des geschobenen Fernzugs im Gleisvorfeld an<br />

Weiche 227. Das wiederholte sich am 29.<br />

September. Vermutlich entsprachen die auf -<br />

einanderfolgenden Bogen in und nach der Weiche<br />

nicht den fahrdynamischen Ansprüchen,<br />

die der 27,50 Meter lange Speisewagen bei<br />

etwas mehr als 30 km/h Geschwindigkeit<br />

stellt, mochte auch die Gleisführung den technischen<br />

Regeln entsprechen. An die Stelle der<br />

Doppelten Kreuzungsweiche war eine Einfache<br />

Weiche eingebaut worden, auf der es bei einer<br />

Probefahrt am 8. Oktober erneut zur Entgleisung<br />

eines Speisewagens kam. Bis zum<br />

17. Oktober blieben die Gleise 8 bis 10 gesperrt<br />

– dies brachte erhebliche Erschwernisse<br />

für den Stuttgarter Hauptbahnhof, den<br />

täglich 240.000 Reisende passieren.<br />

Entgleiste S-<strong>Bahn</strong> in Berlin<br />

Glimpflich verlief am 21. August die Entgleisung<br />

einer S-<strong>Bahn</strong> auf dem <strong>Bahn</strong>hof Berlin-<br />

Tegel. Der dritte und vierte Wagen des Zuges<br />

sprangen aus dem Gleis, der fünfte und<br />

sechste Wagen rollten in ein Anschlussgleis<br />

bis zur Zwangsbremsung infolge der Zugtrennung.<br />

Fünf Reisende wurden leicht verletzt.<br />

Die Rekonstruktion des Unfallhergangs enthüllte<br />

eine Verkettung von höherer Gewalt und<br />

Mängeln im Betrieb. Zu der Entgleisung war<br />

es gekommen, da eine Weiche unter dem Zug<br />

gestellt worden war. Das ist nur möglich,<br />

wenn die Fahrstraße vorzeitig aufgelöst<br />

wurde. Dem Unfall ging ein Unwetter voraus,<br />

bei dem ein Blitzschlag das Stellwerk und die<br />

nahe <strong>Bahn</strong>übergangssicherungsanlage lahmgelegt<br />

hatte. Bei der Störungsbeseitigung im<br />

Stellwerk hatte ein Sicherungstechniker den<br />

durch die Behelfsmaßnahmen im Stellwerk<br />

und an den Schranken überforderten Fahrdienstleiter<br />

gebeten, eine Weiche probehalber<br />

umzustellen. Da ihm die Sicht auf die Weiche<br />

fehlt, verließ er sich auf sein Zeitgefühl. Nicht<br />

kalkuliert hatte er, dass der Zug den <strong>Bahn</strong>übergang<br />

mit Schrittgeschwindigkeit befuhr<br />

und mehr Zeit benötigte, um die Fahrstraßenzugschlussstelle<br />

zu erreichen.<br />

Verhandlungen zu früheren Unfällen<br />

Auch nach der Berufungsverhandlung am<br />

Landgericht Frankenthal bleibt der Müllwagenfahrer<br />

schuldig, am 17. August 2010 infolge<br />

zu schneller Fahrweise bei Lambrecht einen<br />

Damm hinuntergerutscht und mit dem<br />

ICE 9556 nach Saarbrücken zusammengeprallt<br />

zu sein (15 Verletzte). 2.250 Euro Geldstrafe<br />

hat er zu bezahlen. Hinzu kommen die<br />

Gerichtskosten und die zivilrechtlichen Forderungen<br />

der Deutschen <strong>Bahn</strong>. Eine Leitplanke<br />

an der schmalen Straße hätte den Unfall sicherlich<br />

verhindert.<br />

Zum Zusammenstoß des DGS 69192 und<br />

DPN 80876 an der Überleitstelle Hordorf am<br />

29. Januar 2011 (zehn Tote, 23 zum Teil<br />

Schwerverletzte) stand der Lokomotivführer<br />

des Güterzugs DGS 69192 im Jahr 2012<br />

schweigend vor dem Landgericht Magdeburg.<br />

Das Urteil war bis zum Redaktionsschluss<br />

nicht gesprochen. Vermutet wird, er habe sich<br />

im Führerraum mit anderen Dingen als der<br />

Signalbeobachtung beschäftigt, weshalb er<br />

das Vor- und das Hauptsignal in Warn- und<br />

Haltstellung übersah. Ungeklärt ist ebenso,<br />

ob er auf der ersten oder zweiten Lokomotive<br />

war und warum er vor dem Unfall hielt.<br />

Erich Preuß<br />

probe sei erledigt! Aber warum verzichtete der<br />

Lokomotivführer auf dieses wichtige Mittel, das<br />

auch zu seiner Sicherheit gehört? Wollte er den<br />

Zug nicht weiter verspäten?<br />

Ersatz für das Stellwerk<br />

Nach dem Unglück blieb die Strecke vier Tage<br />

lang gesperrt, und selbst dann begann der Betrieb<br />

erst Schritt für Schritt wieder. Dabei hat<br />

die DB-Netzniederlassung Südost in Leipzig<br />

auch das Problem, das zerstörte Stellwerk zu ersetzen.<br />

Zunächst behalf man sich mit einer<br />

motive der ITL um eine Stunde verspätet hatte.<br />

Auch wenn es für den Lokomotivführer allein<br />

schwierig bis unmöglich ist, am 500 Meter<br />

langen Zug das Funktionieren der<br />

Druckluftbremsen zu prüfen: Ohne diese Prüfung<br />

hätte er nicht abfahren dürfen. Dem Fahrdienstleiter<br />

soll er Schwierigkeiten mit den<br />

Bremsen gemeldet haben. Nicht verwunderlich,<br />

wenn sie nicht anlegten und nicht lösten;<br />

sie hatten ja keine Verbindung zum Führerbremsventil<br />

auf der Lokomotive. 40 Minuten<br />

später erklärte der Lokomotivführer, die Bremsprovisorischen<br />

Lösung: Die Weichen der Gleise<br />

Schwarzkollm – Schwarzbach und der Strecke<br />

von und nach Brieske wurden verschlossen;<br />

die Züge fuhren zunächst nach Ersatzsignal,<br />

Ende Dezember sollten neue Lichtsignale aufgestellt<br />

werden. Für die Zukunft gibt es zwei<br />

Optionen. Denkbar ist, dass Hosena an das<br />

Elektronische Stellwerk Hoyerswerda angeschlossen<br />

wird. Möglich ist aber auch, dass ein<br />

Wärter-Gleisbildstellwerk entsteht. Genaueres<br />

hierzu stand bei Redaktionsschluss noch nicht<br />

fest.<br />

Erich Preuß/GM<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

63


Chronik<br />

Großes Interesse finden die ausgestellten Fahrzeuge auf der InnoTrans 2012 in Berlin. Links der Coradia Nordic von Alstom, in der Mitte der „Last-<br />

Mile-Vectron“ 192 961 von Siemens, rechts hinten ein Siemens-Desiro für Russland Aufnahmen des Beitrags, wenn nicht anders angegeben: Uwe Miethe<br />

<strong>Bahn</strong>industrie<br />

Neue Fahrzeuge,<br />

neue Trends<br />

Filmmagazin<br />

Eisenbahn <strong>2013</strong><br />

A le Urheber- und Leistungsschutz rechte vorbehalten.<br />

Wer diesen Film ohne aus drückliche schriftliche<br />

Geneh migung vervielfältigt, ö fentlich vorführt,<br />

sendet, verleiht, vermietet oder sonstwie gewerblich<br />

nutzt, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt.<br />

Inhalt<br />

• Innotrans 2012 in Berlin<br />

• DB-Lokveteranen im Einsatz<br />

• Tenderlok95 027 im Kasbachtal<br />

• Dampfloktage in Meiningen<br />

• Feier: 175 Jahre Eisenbahn in Österreich<br />

u.v.a.m.<br />

© <strong>2013</strong> by <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> VIDEO<br />

GeraMond Verlag; www.geramond.de<br />

Programm<br />

INFOgemäß<br />

§ 14<br />

JuSchG<br />

…mehr auf der beiliegenden<br />

Heft-DVD!<br />

Die InnoTrans 2012 war unbestritten der Höhepunkt des Jahres bei der <strong>Bahn</strong>industrie. Die<br />

Leistungsschau präsentierte auch wieder neue Entwicklungen und neue Rekorde. Aber es ist<br />

nicht alles eitel Sonnenschein in der Branche<br />

Alle zwei Jahre ist an dieser Stelle die<br />

weltweit größte Fachmesse für Verkehrstechnik,<br />

innovative Komponenten,<br />

Fahrzeuge und Systeme, die InnoTrans,<br />

das Thema Nummer 1. Alle zwei Jahre ist von<br />

neuen Rekorden und immer mehr Weltpremieren<br />

zu lesen. Das war 2012, auf der neunten<br />

Veranstaltung, nicht anders. Die Messe<br />

Berlin legte abermals eine Rekordbilanz vor.<br />

Vom 18. bis 21. September strömten 126.110<br />

Fachbesucher (+19%) aus 140 Ländern auf<br />

das erstmals vollständig ausgebuchte Messegelände<br />

am Funkturm mit seinen 26 Hallen.<br />

Insgesamt 2.515 Aussteller (+ 12%) präsentierten<br />

ihre Produkte und Dienstleistungen.<br />

Auf den 3.500 Metern Gleis im Freigelände<br />

waren 115 Fahrzeuge ausgestellt.<br />

Schwerpunkt neue Technologien<br />

Dabei hielt der Trend zu umweltfreundlicheren<br />

und energieeffizienten Fahrzeugen an.<br />

Mehrmotor-Dieselloks wie die TRAXX F140<br />

Multi Engine (vier Motoren) von Bombardier<br />

und die Vossloh G6 ME (zwei Motoren) nutzen<br />

die viel weiter entwickelte Dieselmotortechnologie<br />

aus dem Industrie- und Lkw-Bereich<br />

für sparsamere und emissionsärmere<br />

Fahrzeuge. Ob sich die Technik mit zu- und<br />

abschaltbaren Motoren im Alltagsbetrieb bewährt,<br />

werden ab <strong>2013</strong> die ersten 20 von<br />

DB Regio bestellten TRAXX F140 als Baureihe<br />

245 zeigen.<br />

Neben den Mehrmotor-Konzepten waren<br />

auch Hybridantriebe ein wichtiges Thema.<br />

Ein Schwerpunkt: vollwertige Strecken-Elloks<br />

mit ergänzendem Hilfsdieselmotor für die so<br />

64


<strong>Bahn</strong>industrie<br />

genannte letzte Meile. Nach der TRAXX-AC-<br />

Lok 187 001 von Bombardier 2011 in München<br />

stand nun die Schwesterlok 187 002 in<br />

Berlin. Auch Siemens hat seine bisher noch<br />

nicht mit großen Verkaufserfolgen glänzende<br />

Vectron-Lokomotivplattform um eine Last-<br />

Mile-Variante mit Dieselmotor ergänzt, in<br />

Berlin vertreten durch 192 961. Und der polnische<br />

Hersteller PESA Bydgoszcz SA überraschte<br />

auf der Messe mit einer elektrischen<br />

Streckenlok mit Rangierdieselmotor, der<br />

„GAMA Marathon“ 111 Ed.<br />

Während all dies noch Einzelstücke und<br />

Prototypen sind, brachte der Schweizer Hersteller<br />

Stadler mit der zweiachsigen Hybridlok<br />

BUTLER Eem 923 eine moderne kompakte<br />

Ellok mit Diesel-Hilfsmotor aus der Serienfertigung<br />

von 30 Loks für die SBB Cargo mit.<br />

Vorgestellt wurde auch der zum Hybrid-Fahrzeug<br />

umgebaute Desiro 642 129/629 der DB<br />

(siehe Seite 20-21).<br />

Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend<br />

bis zur nächsten InnoTrans entwickelt und<br />

welche Exponate dann die Ausstellung prägen.<br />

Vom 23. bis 26. September 2014 werden wir<br />

es erfahren.<br />

UM<br />

Wichtige Aufträge und Ereignisse<br />

der deutschen <strong>Bahn</strong>industrie<br />

DEZEMBER 2011<br />

BOMBARDIER: NOCHMALS 90 TRIEBZÜGE<br />

430 FÜR DB REGIO<br />

Im Mai 2009 hatte die DB AG 83 elektrische<br />

Triebzüge der Baureihe 430 bestellt, Ende<br />

2011 erteilte sie Bombardier einen weiteren<br />

Auftrag für 90 Fahrzeuge im Wert von rund<br />

500 Mio. Euro. Sie sollen zum Fahrplanwechsel<br />

2014 auf der Rhein-Main-S-<strong>Bahn</strong> in den<br />

Einsatz gehen. Die 140 km/h schnellen Züge<br />

verfügen über 176 Sitz- und 310 Stehplätze.<br />

SIEMENS: WEITERE SAPSAN FÜR RUSSLAND<br />

Die russische <strong>Bahn</strong>gesellschaft RZD hat bei<br />

Siemens acht weitere Hochgeschwindigkeitszüge<br />

„Velaro RUS“, verbunden mit einem Service-Vertrag<br />

für die Dauer von 30 Jahren,<br />

bestellt. Das Auftragsvolumen beträgt rund<br />

600 Mio. Euro. Die Auslieferung der Züge,<br />

die im Siemens-Werk Krefeld gefertigt werden,<br />

beginnt 2014. Auch die neuen Velaro<br />

RUS sollen zwischen Moskau und St.Petersburg<br />

fahren. Das in Russland Sapsan – „Wanderfalke“<br />

– genannte Modell basiert auf der<br />

Velaro-Plattform von Siemens.<br />

FEBRUAR 2012<br />

GMEINDER: INSOLVENZVERFAHREN ERÖFFNET<br />

Die traditionsreiche Gmeinder Lokomotivenfabrik<br />

GLG aus Mosbach im Odenwald musste<br />

am 23. Februar 2012 Insolvenz anmelden. Nicht<br />

von der Insolvenz betroffen war die Gmeinder<br />

Getriebe- und Maschinenfabrik (Gmeinder Getriebe<br />

Gruppe). Der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt<br />

Marcus Winkler, setzte sich für einen<br />

Weiterbestand des Betriebes und der Arbeitsplätze<br />

ein und suchte nach einem möglichen Investor.<br />

Dieser fand sich Mitte des Jahres mit der<br />

Zagro <strong>Bahn</strong>- und Baumaschinen GmbH aus<br />

Bad Rappenau. Seit 6. Juni 2012 gehört die<br />

Gmeinder Lokomotiven GmbH zur ZAGRO<br />

Group, die nun im Bereich <strong>Bahn</strong>technik eine<br />

vollständige Produktpalette vom Rangier-Unimog<br />

über Rangiergeräte bis hin zur schweren<br />

Rangierlok anbieten kann.<br />

SIEMENS: WEITERE 20 DESIRO UK FÜR<br />

GROSSBRITANNIEN<br />

Die Flotte des Desiro UK wächst um 20 der<br />

elektrischen Regionaltriebzüge. Einen entsprechenden<br />

Auftrag erhielt Siemens Rail Systems<br />

von den Betreibern London Midland<br />

(LM), First TransPennine Express (FTPE) und<br />

der Leasinggesellschaft Angel Trains Ltd.<br />

(ATL). Das Auftragsvolumen beläuft sich auf<br />

rund 170 Mio. Euro inklusive Wartungsvertrag.<br />

Das Siemens-Werk Krefeld liefert die<br />

Fahrzeuge voraussichtlich von Ende <strong>2013</strong> bis<br />

Sommer 2014.<br />

MÄRZ 2012<br />

BOMBARDIER: 16 TWINDEXX FÜR DB REGIO<br />

Die Deutsche <strong>Bahn</strong> AG hat mit der Bombardier<br />

Transportation GmbH einen Vertrag über<br />

die Lieferung von 16 elektrischen Doppelstock-Triebzügen<br />

für den Regionalverkehr in<br />

Norddeutschland im Wert von 160 Mio. Euro<br />

geschlossen. Die vierteiligen Doppelstock-<br />

Triebzüge TWINDEXX Vario der Generati-<br />

Ab 2014 sollen die neuen TWINDEXX-Vario-<br />

Doppelstock-Triebzüge der Generation<br />

Do 2010 in Schleswig-Holstein rollen. Die<br />

Lackierung wird sich voraussichtlich in<br />

Grau-Grün ändern<br />

Bombardier<br />

KOMMENTAR: SCHUSS VOR DEN BUG<br />

Die Deutsche <strong>Bahn</strong> hat in den letzten Jahren<br />

kräftig eingekauft: Bombardier und Alstom<br />

lieferten in erster Linie Triebzüge, Siemens Lokomotiven<br />

und Triebzüge, auch Stadler durfte<br />

ein paar Fahrzeuge herstellen. Doch so sonderlich<br />

zufrieden ist man bei der <strong>Bahn</strong> mit den<br />

Neuerwerbungen nicht: Die Baureihe 440 (Coradia<br />

Continental, „Mops“) von Alstom hatte<br />

Anlaufprobleme, die Beschaffung bzw. Zulassung<br />

der 442 (Talent 2, „Hamsterbacke“) von<br />

Bombardier entwickelte sich zum Nerven aufreibenden<br />

Geduldsspiel, bis endlich 2012 die<br />

Fahrzeuge in den Betrieb gingen. Und wann der<br />

Siemens-ICE der Baureihe 407 den Plandienst<br />

aufnimmt, lässt sich noch nicht genau sagen.<br />

Bei einer solchen Zwischenbilanz verwundert es<br />

nicht, dass die DB fremd geht, sprich, bei anderen<br />

als den üblichen Herstellern nach Fahrzeugen<br />

Ausschau hält. Die Öffentlichkeit nahm mit<br />

Erstaunen zur Kenntnis, dass der spanische Hersteller<br />

CAF durchaus bei der nächsten Vergabe<br />

von Aufträgen für elektrische Triebzüge Chancen<br />

hat. Und PESA aus Polen hat schon das große<br />

Los gezogen: Bis zu 140 zweiteilige Dieseltriebzüge<br />

beabsichtigt die DB dort zu ordern. Man<br />

darf annehmen, dass konkurrenzfähige Ware anrollt<br />

– die polnische <strong>Bahn</strong>industrie hat eine lange<br />

Tradition und ist für robuste, zuverlässige und<br />

bahnfeste Fahrzeuge bekannt. Mit den LINK-<br />

Triebwagen von PESA hat sich der Auftragskuchen<br />

für die Etablierten erst einmal verkleinert.<br />

Wer in Zukunft wieder größere Stücke haben will,<br />

muss mit Qualität überzeugen. Die Entscheidung<br />

der DB ist ein Schuss vor den Bug der traditionellen<br />

Anbieter. Vielleicht sogar der Beginn eines<br />

Umdenkens.<br />

MARTIN WELTNER/GM<br />

Und wieder ein neues Fahrzeuggesicht: Der<br />

Alstom-Triebzug Coradia Continental – besser<br />

bekannt als LIREX – für DB Regio NRW soll<br />

zukünftig so aussehen<br />

Alstom<br />

on Do 2010 bestehen aus je zwei Trieb- und<br />

zwei Mittelwagen und erreichen 160 km/h.<br />

Sie werden ab 2014 auf den Strecken Kiel –<br />

Hamburg und Flensburg – Hamburg fahren.<br />

Besonderes Augenmerk wurde auch auf eine<br />

attraktive Ausstattung für die Kunden, zum<br />

Beispiel komfortable Sitzabstände, breite Türen<br />

und viel Stauraum gelegt.<br />

APRIL 2012<br />

ALSTOM/STADLER: 42 ELEKTRISCHE<br />

TRIEBZÜGE FÜR DB REGIO<br />

Die DB AG hatte im Oktober 2011 mit den<br />

Herstellern Alstom, Stadler und Construcciones<br />

y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) einen<br />

Rahmenvertrag über die Lieferung von<br />

400 elektrischen Triebfahrzeugen für den Regionalverkehr<br />

geschlossen. Im April 2012 folgte<br />

der erste Abruf bei Alstom und Stadler für<br />

insgesamt 42 elektrische Triebzüge im Wert<br />

von rund 215 Millionen Euro für den Regionalverkehr<br />

in Nordrhein-Westfalen. Stadler<br />

baut für DB Regio NRW 14 Triebzüge<br />

FLIRT 3 im Wert von rund 75 Mio. Euro. Sie<br />

sind für die Linie RE 42 Münster – Essen –<br />

Mönchengladbach der „Haard-Achse“ vorgesehen.<br />

Alstom fertigt 28 Triebzüge Coradia<br />

Continental, die auf der S 5 Dortmund – Hagen<br />

und der S 8 zwischen Hagen und Mönchengladbach<br />

fahren sollen. Der Auftragswert<br />

liegt bei rund 140 Mio. Euro.<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

65


Chronik<br />

<strong>BAHN</strong>INDUSTRIE –<br />

WEITERE MELDUNGEN<br />

Schwellen auf Kunststoffbasis<br />

Eine besondere Form der Wiederverwertung<br />

hat die Berliner Firma PAV Recyclate entwickelt.<br />

Aus Kunststoffabfällen fertigt sie Eisenbahnschwellen.<br />

Die Rail Plastic Ties<br />

(RPT) sollen 50 Jahre halten und zu 100 %<br />

recyclebar sein. Das Eisenbahn-Bundesamt<br />

hat die Schwellen zugelassen; erste Praxistests<br />

der RPT sollen folgen.<br />

Alstom in Waibstadt<br />

Seit August 2012 nutzt Alstom Transport die<br />

Werkstatt Waibstadt der Südwestdeutschen<br />

Verkehrs-AG (SWEG). Die langfristig samt<br />

Personal angemietete Werkstatt ermöglicht<br />

die Wartung und Instandhaltung von Dieselwie<br />

Elloks; bis zu acht Stände gibt es dafür.<br />

OSKAR RABE<br />

MAI 2012<br />

ALSTOM: DB-ANTEILE AN ALS STENDAL<br />

ÜBERNOMMEN<br />

Alstom und die DB Mobility Network Logistics<br />

AG haben einen Vertrag zur Übernahme der<br />

von der DB gehaltenen 49 Prozent an dem Joint<br />

Venture ALSTOM Lokomotiven Service<br />

GmbH in Stendal unterzeichnet. Die ALS-<br />

TOM Deutschland GmbH ist damit nach<br />

knapp elf Jahren Alleingesellschafter. Das Werk<br />

übernimmt die Modernisierung von Lokomotiven<br />

sowie die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen<br />

und zum Teil auch Straßenbahnen.<br />

ALSTOM: NEUE PLATTFORM FÜR<br />

RANGIERLOKS<br />

Nach fünfjähriger Entwicklungszeit und ersten<br />

Prototypen strebt Alstom den Einstieg in<br />

den Neubau von umweltfreundlichen, dreiachsigen<br />

Rangierloks an. Geplant sind drei<br />

Antriebsvarianten (700 kW Hybrid, 700 kW<br />

Dual Engine und 1.000 kW Single Engine).<br />

Damit will man verstärkt Industrie- und Hafenbahnen<br />

ansprechen. Die ersten Lokomotiven<br />

sollen ab 2014 geliefert werden.<br />

JUNI 2012<br />

ALSTOM: WEITERE 46 CORADIA NORDIC<br />

FÜR STOCKHOLM<br />

Alstom Transport liefert 46 weitere Coradia-<br />

Die neuen Rangierloks von Alstom sollen bis<br />

zu 100 km/h fahren können, haben einen<br />

Kurvenradius von 60 Metern und eine enorm<br />

hohe Zugkraft<br />

Alstom<br />

Nordic-Regionalzüge an den schwedischen Nahverkehrsbetreiber<br />

Storstockholms Lokaltrafik<br />

(SL). Der Auftrag hat einen Wert von 440 Mio.<br />

Euro und ist Teil eines 2002 unterzeichneten<br />

Rahmenvertrags. Der sechsteilige, 160 km/h<br />

schnelle Coradia Nordic wird in Salzgitter gebaut,<br />

erste Fahrzeuge sollen 2016 bereit stehen.<br />

ALSTOM: 38 CORADIA-LINT FÜR DB REGIO<br />

Die DB und die Alstom Deutschland AG haben<br />

einen Vertrag über die Lieferung von 38 Dieseltriebzügen<br />

für den Regionalverkehr in Rheinland-Pfalz<br />

sowie Teilstrecken in Hessen und Baden-Württemberg<br />

unterzeichnet. Die Bestellung<br />

umfasst 24 Dieseltriebzüge Coradia LINT 54<br />

(Baureihe 622) mit 160 Sitzplätzen und 14 Coradia<br />

LINT 41 (Baureihe 648) mit 112 Sitzplätzen,<br />

jeweils in Regionalexpress-Ausstattung<br />

und 140 km/h schnell. Das Investitionsvolumen<br />

beträgt rund 160 Mio. Euro.<br />

Der Betrieb soll im Jahr 2015 im Dieselnetz<br />

Südwest beginnen.<br />

AUGUST 2012<br />

BOMBARDIER: WEITERE<br />

146ER AN DB REGIO<br />

Die TRAXX-Flotte der DB<br />

AG erhält Zuwachs: 32 Loks<br />

der TRAXX-Plattform im<br />

Wert von etwa 108 Mio. Euro<br />

sollen ab 2014 als Baureihe<br />

146 an die DB geliefert werden.<br />

Sie sind für den Betrieb<br />

sowohl mit den vorhandenen<br />

Reisezugwagen als auch mit<br />

Den grimmigen Blick auf andere Verkehrsteilnehmer<br />

kennen deutsche Autofahrer schon<br />

von der Frontpartie gehobener Limousinen.<br />

Jetzt hält er auch auf deutschen Schienen<br />

Einzug – mit dem LINK-Triebwagen von PESA<br />

für die Oberpfalzbahn<br />

der künftigen Generation der Doppelstockwagen<br />

ausgelegt und fahren bis zu 160 km/h.<br />

SEPTEMBER 2012<br />

PESA: RAHMENVERTRAG FÜR REGIONAL-<br />

DIESELTRIEBZÜGE MIT DER DB<br />

Die Deutsche <strong>Bahn</strong> AG hat auf der InnoTrans<br />

mit dem polnischen Hersteller PESA (Pojazdy<br />

Szynowe PESA Bydgoszcz Spółka Akcyjna<br />

Holding.) zwei Rahmenverträge geschlossen;<br />

diese regeln die mögliche Lieferung von bis zu<br />

470 Dieseltriebzügen für den Regionalverkehr.<br />

Das Vertragsmodell sieht flexible Fahrzeugkonzepte<br />

vor, die sich bei Sitzplatzzahl und<br />

Höchstgeschwindigkeit unterscheiden. Das<br />

mögliche Investitionsvolumen beträgt bis zu<br />

1,2 Mrd. Euro. Die Fahrzeuge sind bis Ende<br />

2018 abrufbar. Die Dieseltriebzüge vom Typ<br />

LINK sind als Ein-, Zwei- und Dreiteiler lieferbar;<br />

sie bieten ab 50 Sitzplätze und erreichen<br />

120 bzw. 140 km/h. Es ist der erste große<br />

Schienenfahrzeug-Vertrag zwischen DB<br />

und PESA (siehe auch Kommentar S. 65).<br />

OKTOBER 2012<br />

BOMBARDIER: GERMAN DESIGN AWARD<br />

<strong>2013</strong> FÜR DEN ZEFIRO 980<br />

Auszeichnung für Bombardier Transportation:<br />

Die Firma erhielt für den Hochgeschwindigkeitszug<br />

ZEFIRO 380 den German Design<br />

Award <strong>2013</strong>. In der Kategorie „Transportation<br />

and Public Space“ gehört er damit zu den<br />

neun besten Produkten von 1.500 Nominierungen.<br />

BOMBARDIER: NEUES DREHGESTELL-<br />

TECHNIKZENTRUM IN SIEGEN<br />

Am 30. Oktober 2012 wurde in Siegen<br />

der Grundstein für das neue Bombardier-Technikzentrum<br />

für Drehgestelle<br />

gelegt. Das neue Werk, in<br />

das 10 Mio. Euro investiert werden,<br />

vereint ein Test- und Prüfzentrum<br />

sowie ein geschäftliches<br />

Zentrum des Drehgestellbereichs.<br />

Der Betrieb soll Ende<br />

Ausgezeichnetes Design: der ZE-<br />

FIRO 380 von Bombardier, der<br />

derzeit in Deutschland und China<br />

gefertigt wird<br />

Bombardier<br />

66


<strong>Bahn</strong>industrie<br />

Der „Luxon“ auf der InnoTrans mit Besucher Dr. Volker Kefer, Vorstand von DB Technik, und Alex Dworaczek, RailAdventure-Geschäftsführer.<br />

In der – noch nicht fertig ausgebauten – Glaskuppel des Aussichtswagens sind verschiedene Einrichtungsvarianten möglich<br />

AUS „DOME CAR“ WIRD „LUXON“<br />

Die Münchner RailAdventure GmbH hat für<br />

Fahrten im gehobenen Event-Bereich<br />

2011 einen der fünf ehemaligen „Rheingold“-/<br />

„Rheinpfeil“-Aussichtswagen erworben. Der<br />

Wagen, der 2012/13 eine umfassende Modernisierung<br />

in der VIS Verkehrs Industrie Systeme<br />

GmbH Halberstadt erfährt, wurde auf der<br />

InnoTrans 2012 erstmals der Öffentlichkeit<br />

präsentiert – zunächst im wesentlichen äußerlich<br />

aufgearbeitet. Unter dem Namen „Luxon“,<br />

einem Kunstwort aus den Begriffen Luxus,<br />

Licht (Lux) und Waggon, soll der Salonwagen<br />

<strong>2013</strong> in den Einsatz gehen. UM Der äußerlich fertig gestellte „Dome Car“ beim Rollout in der VIS Halberstadt<br />

2014 beginnen. In Siegen befindet sich bereits<br />

die Drehgestellfertigung von Bombardier.<br />

BOMBARDIER: SCHLIESSUNG DES WERKS<br />

AACHEN 2014?<br />

Mitte Oktober kündigte die Geschäftsführung<br />

von Bombardier Deutschland die Schließung<br />

Test und Präsentation: im Bild links die neue<br />

dieselhydraulische Vossloh-G12-Diesellok bei<br />

Messfahrten in Neumünster, im Bild rechts<br />

die Stadler-Hybridlok Eem 923 für die SBB<br />

Cargo. Beide Lokomotiven gehen demnächst<br />

in den Planbetrieb<br />

des Standorts Aachen für das Jahr 2014 an. Als<br />

Grund nannte Bombardier eine „schwierige<br />

Auftragslage“ und die starke Abhängigkeit<br />

vom stagnierenden niederländischen Markt.<br />

Die Situation wirkt absurd: Das Werk Aachen<br />

arbeitet derzeit an zwei S-<strong>Bahn</strong>-Großaufträgen<br />

der DB für die S-<strong>Bahn</strong> Stuttgart und die S-<br />

<strong>Bahn</strong> Rhein-Main (jeweils Baureihe 430). Die<br />

Werksauslastung liegt bei 120 Prozent, es gibt<br />

verlängerte Arbeitszeiten und ein Dreischicht-<br />

System. Da der Konzern aber bereits mit Vertragsstrafen<br />

in Millionenhöhe wegen nicht<br />

fristgerechter Lieferung rechnet und ausreichend<br />

Folgeaufträge fehlen, werden 400 Festangestellte<br />

und 200 Leiharbeiter in Aachen<br />

2014 ihre Arbeitsplätze verlieren. Das Werk<br />

Aachen ist einer von zehn Bombardier-Produktionsstandorten<br />

in Deutschland. Die frühere<br />

Talbot-Waggonfabrik stellt seit 1838<br />

Schienenfahrzeuge her.<br />

UM<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

67


Chronik<br />

Zum Jubiläumsjahr der Harzer Schmalspurbahnen treten am 9. August vier Mallet-Dampfloks in Wernigerode zur Parade an. Von links nach<br />

rechts stehen 99 5901, 5902, 5906 und die Gastlok Nr. 105 der Schweizer Museumsbahn Blonay – Chamby<br />

Jürgen Hörstel<br />

Museums- und Touristikbahnen<br />

Jubiläum im Harz<br />

Filmmagazin<br />

Eisenbahn <strong>2013</strong><br />

A le Urheber- und Leistungsschutz rechte vorbehalten.<br />

Wer diesen Film ohne aus drückliche schriftliche<br />

Geneh migung vervielfältigt, ö fentlich vorführt,<br />

sendet, verleiht, vermietet oder sonstwie gewerblich<br />

nutzt, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt.<br />

Inhalt<br />

• Innotrans 2012 in Berlin<br />

• DB-Lokveteranen im Einsatz<br />

• Tenderlok95 027 im Kasbachtal<br />

• Dampfloktage in Meiningen<br />

• Feier: 175 Jahre Eisenbahn in Österreich<br />

u.v.a.m.<br />

© <strong>2013</strong> by <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> VIDEO<br />

GeraMond Verlag; www.geramond.de<br />

Programm<br />

INFOgemäß<br />

§ 14<br />

JuSchG<br />

…mehr auf der beiliegenden<br />

Heft-DVD!<br />

Die Meterspurbahnen im Harz standen 2012 im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums. Drei<br />

große <strong>Bahn</strong>hofsfeste, der Besuch von Gastlokomotiven und Sonderzüge ließen die Herzen von<br />

Besuchern wie Eisenbahnfreunden höher schlagen<br />

Am 7. August 1887 wurde der erste Abschnitt<br />

der für ihre romantische Streckenführung<br />

bekannten Selketalbahn<br />

zwischen Gernrode und Mägdesprung feierlich<br />

in Betrieb genommen. Damit war der<br />

Grundstein für das heute mehr als 140 Kilometer<br />

umfassende Streckennetz der Harzer<br />

Schmalspurbahnen (HSB) gelegt. Diesen besonderen<br />

Anlass würdigte die HSB 2012 mit<br />

einem in diesem Umfang einmaligen Festprogramm<br />

auf dem gesamten Streckennetz.<br />

Unter anderem gab es drei große <strong>Bahn</strong>hofsfeste,<br />

verteilt auf Nordhausen (28. April),<br />

Wernigerode (9. Juni) und Gernrode (18. August).<br />

Ganztägig wurden hier jeweils Bühnenprogramme,<br />

Führerstandsmitfahrten,<br />

Fahrzeugausstellungen, Pendelverkehre mit<br />

Sonderzügen und vieles mehr angeboten. Für<br />

Eisenbahn- und Fotofreunde gab es 26 buchbare<br />

Sonderfahrten mit Personen- und Güterzügen,<br />

Rollbockfahrten, historischen Pendelzügen,<br />

Zugüberholungen und vielem mehr.<br />

Dazu hatten die HSB jeweils individuelle<br />

Fahrpläne und Fahrkarten vorbereitet. Die<br />

1.400 Tickets für diese Sonderfahrten fanden<br />

reißenden Absatz. Zusätzlich verkehrten zahlreiche,<br />

von privaten Veranstaltern bestellte<br />

Sonder- und Fotozüge über das HSB-Netz.<br />

Höhepunkt Gastloks<br />

Das Highlight des Jubiläumsjahres war der<br />

Einsatz von Gastfahrzeugen anderer Meterspurbahnen.<br />

Harzluft schnupperten die<br />

Dampflok Nr. 105 (Baujahr 1918) der Museumsbahn<br />

Blonay-Chamby aus der Schweiz,<br />

eine Mallet-Lok, weitgehend baugleich mit<br />

der HSB-Lok 99 5906. Eine einzigartige Foto-<br />

Parade war am 9. August in Wernigerode zu<br />

bestaunen, als mit den HSB-Loks 99 5901,<br />

5902 und 5906 sowie der 105 gleich vier Mallet-Tenderloks<br />

nebeneinander stehend präsentiert<br />

wurden.<br />

Auch zwei Dieseltriebwagen fuhren leihweise<br />

im Harz: zum einen T 102 (Baujahr<br />

1950) der Selfkantbahn, welcher der Interessengemeinschaft<br />

Historischer Schienenverkehr<br />

e.V. aus Aachen gehört, zum anderen<br />

T 42 (Baujahr 1939) des Deutschen Eisenbahn-Vereins<br />

e.V. aus Bruchhausen-Vilsen.<br />

Diese Fahrzeuge wurden sowohl im Regelzugverkehr<br />

als auch im Sonderzugeinsatz eingesetzt<br />

und am 8. Juni im <strong>Bahn</strong>hof Wernigerode-Westerntor<br />

zusammen mit zwei<br />

HSB-Triebwagen fotografiergerecht ausgestellt.<br />

Einziger Wermutstropfen im Jubiläumsjahr:<br />

Aufgrund Triebwagenmangels mussten<br />

auf der Selketalbahn im August/September<br />

einige Planzüge durch Busse ersetzt werden.<br />

Zum Jubiläumsjahr legte die Deutsche Post AG<br />

außerdem eine Sonderbriefmarke auf, die einen<br />

68


Museums- und Touristikbahnen<br />

KURZMELDUNGEN – MUSEUMS- UND TOURISTIK<strong>BAHN</strong>EN: ENDE 2011 – MAI 2012<br />

Dezember 2011<br />

20. Dezember: In Possendorf/Sachsen wird<br />

ein ehemaliger 4.-Klasse-Wagen zur Erinnerung<br />

an die Windbergbahn aufgestellt.<br />

Dezember/Januar<br />

Erstmals seit 1991 fährt 99 1568 der Preßnitztalbahn<br />

wieder auf der Döllnitzbahn<br />

Oschatz – Mügeln – Glossen. Die sächsische<br />

IV K ersetzt dort die Schwesterlok 99 1574.<br />

16. Januar: Ein Brand richtet im teilweise als<br />

Museumsdepot genutzten ehemaligen Bw<br />

Leipzig Hbf Süd schwere Schäden an. Als Ursache<br />

wird Brandstiftung vermutet (siehe<br />

auch unten).<br />

Februar<br />

25. Februar: Nach einem Achsentausch wird<br />

52 7409 der DGEG Würzburg von Plochingen<br />

ins Süddeutsche Eisenbahn-Museum Heilbronn<br />

und am 10.03. weiter nach Würzburg<br />

überführt. Die Lok stand seit August 2010<br />

wegen eines Heißläufers in Plochingen.<br />

29. Februar: Im DB Museum Nürnberg wird<br />

ein Schaudepot aufgebaut, das Exponate aus<br />

dem Museumsfundus zeigt. Zu sehen gibt es<br />

u. a. ein Kurbelstellwerk von 1894, einen<br />

Gleismesswagen von 1920 sowie einen Nachbau<br />

des Cugnot-Dampfwagens von 1769.<br />

März<br />

13./15. März: Brandstifter zerstören bei der<br />

Museumsbahn Losheim Personenwagen Nr. 5<br />

der einstigen Merzig-Büschfelder Eisenbahn<br />

und beschädigen Packwagen Pwi-23 114069<br />

schwer.<br />

28. März: Museumslok E 18 047 überführt<br />

Museumsfahrzeuge aus Leipzig nach Süddeutschland.<br />

Der beim Brand im ehemaligen<br />

Bw Leipzig Hbf Süd im Januar beschädigte<br />

Triebkopf 601 014 sowie die Mittelwagen<br />

901 115, 304 und 401 kommen als Dauerleihgabe<br />

zur SVG Eisenbahn-Erlebniswelt<br />

Horb. Triebkopf 601 018 geht an das Süddeutsche<br />

Eisenbahnmuseum Heilbronn. Die<br />

Zwischenwagen 901 121 und 404 und die<br />

Elloks 110 103 und 226 werden in der DB-<br />

Museums-Außenstelle in Lichtenfels untergebracht.<br />

– Außer den DB-Fahrzeugen erhält die Eisenbahn-Erlebniswelt<br />

Horb die Dieselloks V 81<br />

(Typ Alb), V 23 und V 25 (Typ MaK 240 B)<br />

sowie einen Postwagen von der Hohenzollerischen<br />

Landesbahn (HzL).<br />

30. März: Der Verein Lübecker Verkehrsfreunde<br />

meldet Insolvenz an. Der 1936 gebaute<br />

Doppelstock-Stromlinien-Wendezug der<br />

Lübeck-Büchener Eisenbahn wird zum Verkauf<br />

angeboten.<br />

31. März: Wiedereröffnung des umgebauten<br />

und erweiterten Spreewald-Museums Lübbenau.<br />

– Der Sächsische Landtag in Dresden beschließt<br />

ein neues Finanzierungskonzept zum<br />

Erhalt der dampflokbetriebenen Schmalspurbahnen<br />

des Bundeslandes.<br />

– Wegen abgelaufener Kesselfrist wird Dampflok<br />

99 516 der Museumsbahn Schönheide<br />

fürs Erste abgestellt. Es handelt sich um die<br />

älteste erhaltene sächsische IV K.<br />

April<br />

01. April: Die Deutsche Regionaleisenbahn<br />

übernimmt das Bw Probstzella. Geplant ist,<br />

das Bw mit dem Empfangsgebäude, das der<br />

Gemeinde gehört, als museales Gesamtes<br />

eines Reichsbahn-Grenzbahnhofs zu erhalten.<br />

01. April: Die Waldeisenbahn Muskau nimmt<br />

die untersuchte Dampflok 99 3312 in Betrieb.<br />

03. April: Die Selfkantbahn erhält die in England<br />

aufgearbeitete ehemalige Lok 5 zurück.<br />

Die 1894 von Krauss gebaute kleine Meterspurlok<br />

fuhr einst im Werk „Phönix“ der<br />

Hoesch-Hüttenwerke in Dortmund-Hörde.<br />

08. April: Lok 206 des „Hessencourrier“<br />

steht wieder unter Dampf – pünktlich zum Beginn<br />

der Jubiläumsfeiern anlässlich des 40-<br />

jährigen Vereinsbestehens.<br />

11. April: 03 204 des Lausitzer Dampflok-<br />

Clubs kommt zur Hauptuntersuchung ins<br />

Dampflokwerk Meiningen.<br />

17. April: Weil die Hauptuntersuchung von<br />

Lok 99 788 noch andauert, kommt leihweise<br />

99 608 der Sächsischen Dampfeisenbahn -<br />

gesellschaft zum „Öchsle“ (Strecke Wart -<br />

hausen – Ochsenhausen). Zum Saisonbeginn<br />

am 01.05. kann der württembergische<br />

Verein aber dann doch auf 99 788 zurückgreifen.<br />

19. April: Nach äußerlicher Aufarbeitung im<br />

Dampflokwerk Meiningen wird Schlepptenderlok<br />

45 010 zurück zum DB Museum nach<br />

Nürnberg gebracht, wo man sie im Freigelände<br />

besichtigen kann. Die Lok erlitt beim<br />

Brand im Bw Nürnberg West 2005 schwere<br />

Schäden.<br />

25. April: Museumstriebwagen T06 der Ulmer<br />

Eisenbahnfreunde wird von einer Autofahrerin<br />

gerammt. Den Saisonstart auf der Strecke<br />

Amstetten – Gerstetten am 01.05. bestreitet<br />

deshalb ein 628-Triebzug der DB.<br />

29. April: Start des „Heide-Elbe-Express“<br />

auf der Strecke Lüneburg – Bleckede. Be -<br />

treiberin der Wochenend-Touristikzüge ist<br />

die „Bleckeder Kleinbahn“ der Arbeitsgemeinschaft<br />

Verkehrsfreunde Lüneburg.<br />

30. April: Die Dampf Plus GmbH verlegt die<br />

Dampflok 18 201 und ihre Reisezugwagen<br />

von Nossen nach Lutherstadt Wittenberg.<br />

30. April: Dampflok 86 346 der Ulmer Eisenbahnfreunde<br />

wird von Menzingen nach Münsingen<br />

verlegt und dort in den Bestand der<br />

Schwäbischen Alb-<strong>Bahn</strong> aufgenommen. Sie<br />

soll bis Jahresende in Betrieb gehen.<br />

– Beim Lokschuppen des DGEG-Museums<br />

Neustadt/Weinstraße werden Mängel entdeckt.<br />

Weil sich die Schlusssteine über den<br />

Einfahrtstoren senken und das Dach undicht<br />

ist, muss das Bauwerk stabilisiert und abgedichtet<br />

werden. Das Museum bittet um Spenden<br />

für die Baumaßnahmen, da die<br />

Eigenmittel hierzu nicht ausreichen.<br />

– Ein Denkmal mit Gleisen und Fahrzeugen,<br />

unter anderem Kleinlok Kö 4872, erinnert bei<br />

der Landesgartenschau in Nagold an die ehemalige<br />

Schmalspurbahn nach Altensteig.<br />

Mai<br />

03. Mai: Weil das Freigelände im DB Museum<br />

Nürnberg neu gestaltet wird, verlegt die DB die<br />

Museumsloks 50 622 und E 75 09 ins Dampflokwerk<br />

Meiningen. Beide Fahrzeugen erlitten beim<br />

Brand in Nürnberg West 2005 schwere Schäden;<br />

sie sollen museal aufgearbeitet werden.<br />

03. Mai: Lok 52 8168 des Bayerischen Eisenbahnmuseums<br />

absolviert nach ihrer Kesselhauptuntersuchung<br />

die Lastprobefahrt. Die<br />

Dampflok bespannt einen 1.500-Tonnen-Güterzug<br />

von Nördlingen über Wassertrüdingen<br />

nach Gunzenhausen.<br />

05. Mai: Lok 03 2155 von Wedler & Franz Lokomotivdienstleistungen<br />

(WFL) fährt den ersten<br />

Sonderzug nach der Wiederaufarbeitung.<br />

Die Fahrt führt von Nossen über Meißen,<br />

Dresden und Freiberg zurück nach Nossen.<br />

06. Mai: Kleinlok V 23 der Bayerischen Cargobahn,<br />

eine der ersten Köf III der Bundesbahn,<br />

kommt zur Schwäbischen Alb-<strong>Bahn</strong>. Ziel ist<br />

die baldige Aufarbeitung.<br />

12.-20. Mai: Lok 99 4511 der IG Preßnitztalbahn<br />

fährt beim Prignitzer Kleinbahnmuseum<br />

Lindenberg.<br />

17.-20. Mai: Zu den Schwarzenberger Eisenbahntagen<br />

fährt erstmals wieder die reparierte<br />

Lok 50 3616 des Vereins Sächsischer<br />

Eisenbahnfreunde.<br />

22. Mai: Die hauptuntersuchte IV-K-Dampflok<br />

99 1574 des DBV-Fördervereins „Wilder Robert“<br />

unternimmt ihre Lastprobefahrt.<br />

– Die Dresdner Museumslok E 77 10 ist wieder<br />

betriebsbereit. Spender haben ihre Fahrwerksuntersuchung<br />

ermöglicht.<br />

– In Jöhstadt wird die Hauptuntersuchung der<br />

Heeresfeldbahnlok „Aquarius C“ der Rügenschen<br />

Bäderbahnen abgeschlossen. Die Lok<br />

fährt noch im Juni auf der Preßnitztalbahn.<br />

Anlässlich der 6. Historik Mobil im Raum<br />

Zittau – Jonsdorf stellte die Sächsisch-<br />

Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft ihren<br />

„Reichsbahnzug“ vor. Für die Garnitur im<br />

Aussehen der 30er-Jahre hatte man Zuglok<br />

99 731 in einen Fotografieranstrich versetzt<br />

– Schlemmkreide und Spiritus machten<br />

es möglich.<br />

Frank Heilmann<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

69


Chronik<br />

KURZMELDUNGEN – MUSEUMS- UND TOURISTIK<strong>BAHN</strong>EN: JUNI – DEZEMBER 2012<br />

Juni<br />

09./10. Juni: Der Wismarer Schienenbus T 1<br />

der Museums-Eisenbahn Minden fährt wieder. Er<br />

war seit 1986 wegen Motorschadens abgestellt.<br />

23. Juni: Erste Sonderzugfahrt von 23 1019<br />

nach der Hauptuntersuchung. Die Maschine<br />

des Lausitzer Dampflok-Clubs bringt einen<br />

Zug von Cottbus nach Bad Schandau.<br />

– Zur Erinnerung an die Meterspurbahn Gera-<br />

Pforten – Wuitz-Mumsdorf wird in Pölzig<br />

Wagen 99-61-01 auf ein Gleisstück gesetzt.<br />

– In Kiel-Meimersdorf brennt Triebwagen<br />

VT 80 (ex Kiel-Schönberger Eisenbahn) ab.<br />

Das Fahrzeug der Deutschen Regional-Eisenbahn<br />

ist nicht mehr aufzuarbeiten.<br />

Juli<br />

07. Juli: Vorerst letzter Einsatz des DT 504<br />

der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg.<br />

Am 10.07. enden bei dem Dieseltriebwagen<br />

(ex Osthannoversche<br />

Eisenbahnen) die Fristen.<br />

11. Juli: Fahrwerksschaden bei Lok 03 2155<br />

von WFL, die als Gastlok auf der Vulkan-Eifel-<br />

<strong>Bahn</strong> unterwegs ist. Bis Monatsende übernimmt<br />

eine Diesellok V 100 die Mitt wochsfahrten<br />

Gerolstein – Kaisersesch, dann fährt<br />

52 8131 von Wedler & Franz.<br />

16. Juli: Nach einer Hauptuntersuchung und<br />

Reparaturen ist Lok 35 1019 des Lausitzer<br />

Dampflokclubs Cottbus wieder betriebsfähig<br />

22. Juli-12. August: Diesellok V 200 007<br />

fährt Reisezüge zwischen Niebüll und Dagebüll;<br />

sie vertritt die Dampflok „S 1916“ der<br />

Angelner Dampfeisenbahn (s. auch S. 57-61).<br />

24. Juli: Im Lokschuppen Selb wird die Drehscheibe<br />

zwecks Instandsetzung ausgebaut.<br />

– Lok „Plettenberg“ des Dt. Eisenbahn-Vereins<br />

Bruchhausen-Vilsen kommt für einige<br />

Wochen wieder in ihre alte Heimat nach Plettenberg-Hüinghausen.<br />

Bei der Märkischen Museumseisenbahn<br />

bespannt sie Sonderzüge.<br />

August<br />

03. August: Die IG Spreewaldbahn erhält von<br />

den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) den<br />

Schwerkleinwagen (SKL) 24 und den Beiwagen<br />

4313. Der Verein will die Fahrzeuge betriebsfähig<br />

aufarbeiten und beim Gleisbau einsetzen.<br />

03./04. August: Lok P 8 „2455 Posen“ wird<br />

von Dieringhausen zu ihrer neuen Heimstätte,<br />

den Geraer Eisenbahnwelten, überführt.<br />

09./10. August: Diesellok 218 105 überführt<br />

die Elloks 10 468 und 488 nach Rottweil. Die<br />

BSW-Freizeitgruppe „Die Bügelfalte 110 –<br />

110 488-4“ möchte 110 488 im Zustand als<br />

Ablieferungslok 112 488 herrichten.<br />

10.-12. August: Mit 99 608 der Sächsischen<br />

Dampfeisenbahn-Gesellschaft Sonderfahrten<br />

fährt erstmals seit 2006 wieder eine sächsische<br />

IV K in Carlsfeld.<br />

11./12. August: Die Museumseisenbahn Hanau<br />

präsentiert die vom DB Museum leihweise überlassenen<br />

Dieselloks 212 001 und 062.<br />

20. August: Im Güterbahnhof Hamm greift die<br />

Bundespolizei einen Dieb von Diesellokteilen<br />

auf. Der 51-Jährige wollte diese für Loks seines<br />

Eisenbahnfreunde-Vereins verwenden.<br />

21. August: Abnahme der 50 307 des Vereins<br />

VSM in den Niederlanden. Die ehemalige<br />

Reko-Lok 50 3564 entspricht wieder großteils<br />

dem Ablieferungszustand von 1940.<br />

Das Verkehrsmuseum Dresden löst die Dauerausstellung<br />

„Städtischer Nahverkehr“ auf und<br />

verteilt die Exponate auf andere Standorte<br />

verteilt bzw. gibt sie an ihre Besitzer zurück.<br />

September<br />

15./16. September: Beim 3. Brückenfest fährt<br />

die 2009 nachgebaute Dampflok I K Nr. 54<br />

erstmals bei der Museumsbahn Schönheide.<br />

29./30. September: Bei den Dieseltagen im<br />

DB Museum Koblenz-Lützel wird 218 137 in<br />

Kieselgrau-Orange präsentiert. Die Farben<br />

trug die Diesellok für die City-<strong>Bahn</strong> in den Jahren<br />

1984 bis 1994.<br />

– Die Schienenflieger KG in Hannover erwirbt<br />

VT 41 und VT 42, die zu Dieseltriebwagen umgebauten<br />

Ex-Akkutriebwagen 515 511 und<br />

523. Die Fahrzeuge sollen auf der Strecke Rinteln<br />

– Stadthagen Probefahrten absolvieren<br />

und später im Sonderzugverkehr zum Einsatz<br />

kommen. Zuletzt fuhren sie im Raum Zittau.<br />

– In Klütz, früher Endpunkt der Normalspurstrecke<br />

aus Grevesmühlen, beginnt der Wiederaufbau<br />

von Gleisanlagen. Die „Stiftung<br />

Deutsche Kleinbahnen“ will eine 600-Millimeter-Strecke<br />

nach Gutow errichten.<br />

– Unbekannte brechen in die Wagenhalle der<br />

DGEG in Würzburg-Zell ein und entwenden<br />

Teile der Dampflok 52 7409 sowie Werkzeug.<br />

Die DGEG beziffert den Schaden auf mehrere<br />

10.000 Euro.<br />

Oktober<br />

03., 06., 07. Oktober: Anlässlich „100 Jahre<br />

Kasbachtalbahn“ fährt Dampflok 95 027 Sonderzüge<br />

auf der Strecke Linz – Kalenborn. Unterstützt<br />

wird sie von Diesellok 215 068.<br />

19. Oktober: Eröffnung des umgestalteten<br />

Freigeländes des DB Museums in Nürnberg.<br />

Unter anderem können Besucher hier Signale<br />

und Weichen mit einem Stellwerk bedienen.<br />

– Die Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen<br />

heizt Lok T 3 „930“ an<br />

– Die Freunde der Zahnradbahn Honau – Lichtenstein<br />

nehmen Zahnradlok 97 501 nach<br />

rund 25 Jahren Aufarbeitung in Betrieb.<br />

Dezember<br />

Der DB-Konzern löst die Abteilung DB Nostalgie<br />

mangels Rendite auf. Die Fahrzeuge – Elloks<br />

103, Wagen des TEE „Rheingold“ und Wagen<br />

des Nostalgie-IC Köln – Flensburg – kommen<br />

zum DB Museum, teilweise auch zu DB Regionetze<br />

und Fernverkehr. Die 15 Mitarbeiter erhalten<br />

andere Arbeitsplätze im <strong>Bahn</strong>konzern. Das<br />

„Profitcenter“ TEE Rheingold beendet zum<br />

02. Januar <strong>2013</strong> seine Charter- und Regelverkehrsfahrten.<br />

Oskar Rabe/Luca Wilfert<br />

historischen Dampfzug inmitten der für den<br />

Harz so charakteristischen bergigen Fichtenwälder<br />

zeigt. Mit einem Wert von 0,45 Euro<br />

konnte sie gleich die Jubiläumspostkarten vor<br />

Ort frankieren. Martin Weltner/GM<br />

Mitte Oktober 2012 fuhr 95 027 auf der Brexbachtalbahn Neuwied – Siershahn<br />

Dirk Höllerhage<br />

Weitere Meldungen<br />

HEINA GANZLIN UND KEIN ENDE<br />

Streitigkeiten zwischen dem alten und neuen<br />

Verein HeiNa Ganzlin waren schon 2011 ein<br />

Thema und setzten sich 2012 fort. Die Reste der<br />

Fahrzeugsammlung aus Röbel, außer der<br />

50 3638, fuhr die PRESS Richtung Süden ab.<br />

Neue Standorte sollten Plau und Bernau (b Berlin)<br />

sein. Als am 14. März im <strong>Bahn</strong>hof Berlin-<br />

Lichtenberg die 52 8029 stand und Stunden<br />

später im Bernauer Triebwagenschuppen verschwand,<br />

ahnte noch niemand etwas vom Diebstahl<br />

dieser Lok aus dem Zwischenstandort<br />

Schöneicher Plan bei Zossen. Doppelseitige Beiträge<br />

in der Tagespresse beschäftigten sich mit<br />

70


Museums- und Touristikbahnen<br />

Ungewöhnlicher Einsatz beim Alex Hof – München. Am 14. Oktober zog Schnellfahrlok 18 201 den Zug bis Regensburg<br />

Christian Tscharre<br />

dem Vorfall und dem Disput zwischen altem<br />

und neuem Vorsitzenden. Die eigenmächtige<br />

Fahrzeugübernahme gab es bei dem Verein<br />

schon das zweite Mal, denn zuvor holte sich ein<br />

nicht ausbezahlter Alteigentümer seine Dieselloks<br />

zurück. Die Posse um 52 8029 endete noch<br />

nicht einmal mit der bereits angelaufenen<br />

Zwangsversteigerung der Konkursmasse. Stunden<br />

vor dem Ende des Verfahrens stoppte ein<br />

anderer Jurist die Aktion. Weiteres dazu blieb<br />

bis Redaktionsschluss offen. Michael Reimer<br />

WEITERE VERURTEILUNGEN BEI DER<br />

PARKEISEN<strong>BAHN</strong><br />

Wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen<br />

wurden zum 1. November 2012 weitere<br />

ehemalige Mitglieder der Berliner Parkeisenbahn<br />

verurteilt. Zwei Lokführer erhielten<br />

Freiheitsstrafen von zwölf bzw. 15 Monaten<br />

auf Bewährung. Die zumeist milden Strafen<br />

resultierten aus Teilanklagen. Bei der Parkei-<br />

01 150 ist zurück!<br />

Die Schnellzugdampflok<br />

der DB erhielt im<br />

Werk Meiningen einen<br />

neuen Kessel und<br />

stand am 14. August<br />

erstmals wieder unter<br />

Dampf. Am 15. August<br />

erteilte das Eisenbahn-<br />

Bundesamt die Betriebszulassung.<br />

01 118 der Historischen<br />

Eisenbahn<br />

Frankfurt bekam in<br />

Meiningen eine neue<br />

Feuerbüchse und kehrte<br />

am 1. September<br />

zurück an den Main<br />

Text: L. Happ; Foto: M. Benz<br />

Zwischen Rottenbach und Katzhütte vertreten gelegentlich Museums-„Ferkeltaxen“ die üblichen 641-Triebzüge (u.l., Bild in Katzhütte); in<br />

Warthausen gab es am 19. Mai eine Fotoparade mit 99 788, 99 716 und Gastlok 99 608 aus Sachsen<br />

Helmut Scheiba (l.), Tobias Welzer (r.)<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

71


Chronik<br />

Ellok 140 423 gehört jetzt zum DB Museum; im Juli überführt sie Museumsfahrzeuge von der<br />

Ausstellung im Werk Nürnberg zurück an den Rhein, hier bei Mainz-Kostheim Helmut Scheiba<br />

senbahn hatte sich über ein Dutzend Ausbilder<br />

– vom Betriebsleiter, <strong>Bahn</strong>hofsleiter,<br />

Schaffner bis zum Lokführer – vor allem<br />

männliche Kinder gefügig gemacht. Die<br />

Staatsanwaltschaft in Berlin war über die Geheimhaltungspraxis<br />

bei Parkeisenbahn, anderen<br />

Vereinen und Arbeitgeber <strong>Bahn</strong> erschüttert.<br />

Dieter Schmidt<br />

NEUZUGÄNGE IN KOBLENZ-LÜTZEL<br />

Prominenten Zuwachs bekam das DB Museum<br />

in der Rhein-Mosel-Stadt 2012. Stilecht holte<br />

die Museumslok E 40 128 am 8. Februar die<br />

Diesellok 290 001 aus Seddin in die Koblenzer<br />

„Nostalgiestube“ des Konzerns. Am 2. März traf<br />

aus eigener Kraft 111 001 ein. Für den Symbolpreis<br />

von einem Euro erwarb das DB Museum<br />

am 1. Juni 2012 die ozeanblau-beige lackierte<br />

140 423. Die Güterzug-Ellok, die tags<br />

zuvor offiziell aus dem Bestand genommen worden<br />

war, erhielt einen neuen Anstrich und kam<br />

auch schon für den neuen Eigentümer zum Einsatz.<br />

Am 20. Juli brachte sie Museumsfahrzeuge<br />

nach Nürnberg zur 100-Jahr-Feier des dortigen<br />

Ausbesserungswerks. Weitere Leistungen sind<br />

möglich; die Fristen von 140 423 laufen erst am<br />

20. September 2014 ab. Oskar Rabe<br />

PLANDAMPF MIT DEM HENKEL-ZUG<br />

Schon verschiedentlich machte der von der Bayern<strong>Bahn</strong><br />

für die Firma Schwarzkopf & Henkel<br />

gefahrene Güterzug Wassertrüdingen – Langenfeld<br />

mit seinen Zugloks auf sich aufmerksam.<br />

Am 27./28. August kam ein weiteres Kapitel<br />

hinzu: Die Dampfloks 41 1144 der IG Werratal<br />

Eisenach und 41 1150 des Bayerischen<br />

Eisenbahnmuseums (BEM) beförderten den<br />

Güterzug von Nördlingen bis Darmstadt-Kranichstein.<br />

An beiden Tagen konnten Eisenbahnfans<br />

auch mit dem Henkel-Zug reisen; hinter<br />

den Loks liefen D-Zug-Wagen mit. Bereits<br />

im April hatte die BEM-Tochter Bayern<strong>Bahn</strong><br />

die Leergarnitur des Henkel-Zugs mit der BEM-<br />

Dampflok 01 066 bespannt. Josef Kempiak<br />

MUSEUM WITTENBERGE ERÖFFNET<br />

Am 26. Oktober wurde in Wittenberge ein Eisenbahnmuseum<br />

eröffnet, das im ehemaligen<br />

<strong>Bahn</strong>betriebswerk seinen Platz gefunden hat.<br />

Mit Fördermitteln hatte die Stadt das von der<br />

Deutschen <strong>Bahn</strong> seit Jahren nicht mehr benötigte<br />

und verkommene Gelände von Grund<br />

auf saniert. Mit einem großen Halbrundschuppen,<br />

einer 23-Meter-Drehscheibe und<br />

zwei Wassertürmen repräsentiert das neue<br />

Ist noch alles in Ordnung? Fachkundige Inspektion<br />

an Lok 18 505 im Museum der Deutschen<br />

Gesellschaft für Eisenbahngeschichte in<br />

Neustadt an der Weinstraße Marcus Benz<br />

Neue Heimat Wittenberge: Dampfloks aus<br />

Salzwedel im Museums-Bw Christiane Schomaker<br />

Museum ein typisches <strong>Bahn</strong>betriebswerk zur<br />

Dampflokzeit. Unterschlupf fand im Museum<br />

die umfangreiche Fahrzeugsammlung der<br />

Dampflokfreunde Salzwedel – die engagierten<br />

Eisenbahnfreunde hatten ihr bisheriges Domizil,<br />

das Bw Salzwedel, aufgeben müssen, da<br />

die Stadt das Areal anderweitig nutzen will.<br />

Martin Weltner<br />

Ein bisschen Deutsche Reichsbahn: Am 6. Oktober 2012 war Ellok 244 044 mit einem Foto-Güterzug im Raum Sachsen unterwegs (u.l.). Die<br />

Pressnitztalbahn transportierte im Mai 2012 die wieder aufgearbeitete Molli-Dampflok 99 2323 nach Norden (u.r.). Die Tenderlok kam aus<br />

dem Dampflokwerk Meiningen<br />

Uwe Möckel (l.), Helmut Scheiba (r.)<br />

72


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Schweiz<br />

Schweiz<br />

Busse<br />

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<strong>Bahn</strong>en?<br />

Dem Schienen-Regionalverkehr<br />

in der Schweiz droht Ungemach.<br />

Das Bundesamt für Verkehr hat<br />

festgestellt, dass weit mehr als<br />

die Hälfte aller Regionalbahn -<br />

linien weniger als 50 Prozent<br />

der Kosten decken. Steht eine<br />

Stilllegungswelle bevor?<br />

Bislang hatte die Schweiz stets den Ruf eines<br />

Eisenbahn-Musterlandes. Nicht zu<br />

Unrecht: Das Alpenland besitzt eines<br />

der dichtesten Schienennetze der Welt und<br />

weist Spitzenzahlen bei Zugangeboten und bei<br />

Reisendenzahlen auf. Doch die glänzende Bilanz<br />

wird inzwischen getrübt. Um die Finanzen<br />

im schweizerischen <strong>Bahn</strong>betrieb steht es<br />

Wie lange werden im Depot von Le Sepey noch Triebwagen stehen? Die Strecke Aigle – Le<br />

Sepey – Les Diablerets ist eine der Regionalbahnen, denen die Umstellung auf Busverkehr<br />

droht<br />

Dr. Hans-Bernhard Schönborn<br />

scheinbar schlechter als bislang angenommen<br />

wurde.<br />

175 von 300 Linien stark defizitär<br />

Auslöser dafür ist eine Untersuchung des Bundesamts<br />

für Verkehr (BAV). Demnach erreichen<br />

derzeit rund 175 der 300 regionalen<br />

Eisenbahnlinien nicht einmal einen Kostendeckungsgrad<br />

von 50 Prozent. Die Eisenbahn<br />

als Zuschussbetrieb – das steht mittlerweile<br />

immer mehr zur Diskussion.<br />

In einer Verordnung zur „<strong>Bahn</strong>reform 2“<br />

wird das Thema „Kostendeckungsgrad für Regionalbahnlinien“<br />

behandelt, und die Schweizer<br />

Regierung hat im September 2010 beschlossen,<br />

die Maßnahme „Umstellung von<br />

<strong>Bahn</strong> auf Bus“ weiter zu verfolgen. Gestützt darauf<br />

möchte das BAV einheitliche Kriterien entwickeln,<br />

welche einzelfallweise eine Prüfung<br />

von <strong>Bahn</strong>linien ermöglichen. Denn in Zukunft<br />

soll bei vielen Linien vor größeren Investitionen<br />

in die Betriebsmittel geprüft werden, ob nicht<br />

wirtschaftlichere Alternativen mit einem besseren<br />

Kosten-Nutzen-Verhältnis bestehen.<br />

Automatisch soll die Umstellung allerdings<br />

nicht geschehen. Vor einem solchen Entscheid<br />

soll zum Beispiel die Substanz der Infrastruktur<br />

überprüft werden, um Fehlinvestitionen zu<br />

GOTTHARDSTRECKE – UNTERBRECHUNGEN NACH FELSSTÜRZEN<br />

Am 7. März 2012 stürzten auf der Gotthard-<br />

Nordrampe zwischen Intschi und Gurtnellen<br />

mehrere hundert Kubikmeter Gestein zu<br />

Tal, wurden aber größtenteils von den Schutzbauwerken<br />

aufgefangen. Um lockeres Gestein<br />

zu sprengen, blieb die <strong>Bahn</strong>strecke knapp<br />

eine Woche geschlossen; im Personenverkehr<br />

fuhren Busse zwischen Flüelen und Göschenen,<br />

die Güterzüge wurden teilweise über die<br />

Lötschberg–Simplon-Achse umgeleitet.<br />

Am 5. Juni 2012 kam es unweit der ersten Abbruchstelle<br />

zu einem weiteren Felssturz, der<br />

ein Menschenleben forderte. Die Gotthard-<br />

Strecke musste diesmal für vier Wochen unterbrochen<br />

werden.<br />

Aufwendige Umleitungen, neue Felsstürze<br />

Da die Brennerroute wegen Sanierungsarbeiten<br />

nur eingeschränkt befahrbar war, gab es<br />

nur weiträumige Umfahrungsmöglichkeiten<br />

über die Tauern- oder Mont-Cenis-Route sowie<br />

die Lötschberg-Simplon-Achse. Dort wurden<br />

durch Einschrän kungen bei der Rollenden<br />

Landstraße (RoLa) und dem Autoverlad Brig –<br />

Iselle 135 Güterzugtrassen geschaffen, die<br />

aber für 120 tägliche Güterzüge am Gotthard<br />

und 90 am Lötschberg nicht ausreichten. Eine<br />

Annahmesperre im Rangierbahnhof Domodossola<br />

erschwerte den Betrieb weiter.<br />

Nach starken Regenfällen rutschte am 14. November<br />

bei Gurtnellen, nahe der früheren Abbrüche,<br />

Geröll ab und verschüttete die<br />

Gotthardstrecke ein weiteres Mal. Die Strecke<br />

blieb mehrere Tage gesperrt, die Züge nahmen<br />

wieder den Weg über Lötschberg und Simplon.<br />

Die Kosten für die Instandsetzung bzw. die<br />

durch die Unglücke verursachten Einnahmeverluste<br />

waren bei Redaktionsschluss noch nicht<br />

abzuschätzen. DR. H.-B. SCHÖNBORN/GM<br />

Links: Ein Felssturz<br />

am Gotthard unterbrach<br />

den Betrieb für<br />

rund vier Wochen und<br />

erzwang Umleitungen<br />

Dr. H.-B. Schönborn<br />

Rechts: Hochbetrieb<br />

während der Gotthard-Sperrung<br />

am<br />

22. Juni in Frutigen<br />

mit drei Güterzügen<br />

und geschobenem<br />

Intercity (l.) A. Schmutz<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

75


Chronik<br />

SCHWEIZ – WEITERE MELDUNGEN<br />

Großverteiler Coop mit eigenem<br />

Verkehrsunternehmen<br />

Coop, ein Großverteiler im Schweizer Detailhandel<br />

(Einzelhandel), will die nationalen und<br />

regionalen Verteilzentren reduzieren und die<br />

Transportwege ändern. Dafür hat Coop vor<br />

zwei Jahren das im kombinierten Verkehr tätige<br />

Eisenbahnverkehrsunternehmen „Railcare“<br />

übernommen. Zurzeit führt es mit<br />

einem festen Fahrplan je ein Zugpaar Felsberg<br />

– Frauenfeld – Härkingen – Daillens und Härkingen<br />

– Niederbottigen – Brig – Visp; die<br />

Wechselbehälter werden mittels Kran, Reach-<br />

Stacker oder direktem Horizontalverschub auf<br />

die eigenen Lkw verladen. Weitere Verbindungen<br />

unter anderem ins Tessin sollen folgen,<br />

wobei die höchstens 300 Meter langen und<br />

700 Tonnen schweren Züge mit 120 km/h<br />

verkehren können.<br />

ETR 610 nachbestellt<br />

Um die Qualität des Nord–Süd-Verkehrs vor<br />

allem auf der Gotthard-Achse zu verbessern,<br />

haben die SBB verschiedene Varianten für<br />

den Ersatz der ETR 470 („Cisalpino“-Neigezüge)<br />

geprüft. Mitte 2012 entschied man sich<br />

für die Nachbestellung von acht ETR 610, welche<br />

– wie die bereits vorhandenen sieben<br />

Garnituren – in Genf gewartet werden. Mit<br />

ausschlaggebend für die Entscheidung war,<br />

dass die Züge technisch zuverlässig und<br />

rasch verfügbar sind und auch eine Zulassung<br />

für Deutschland und Österreich besitzen.<br />

Modernes Rollmaterial für die Zentralbahn<br />

2012 begann die Ablieferung von neuen Zahnrad-<br />

und Adhäsionstriebzügen an die meterspurige<br />

Zentralbahn; im Einzelnen erhielt die<br />

<strong>Bahn</strong> vier Siebenteiler (Spitzname „Adler“)<br />

und sechs Dreiteiler (Spitzname „Fink“). Die<br />

Siebenteiler für die IR-Züge Luzern – Meiringen<br />

– Interlaken Ost bestehen aus zwei dreiteiligen<br />

Triebmodulen, welche den Dreiteilern<br />

ähneln, aber jeweils nur einen Führerstand<br />

haben, und einem dazwischen eingereihten<br />

Speisewagen. Die Dreiteiler sollen morgens<br />

und abends im Luzerner S-<strong>Bahn</strong>-Verkehr eingesetzt<br />

werden und tagsüber die Siebenteiler<br />

verstärken. Sie können auch ein Triebmodul<br />

ersetzen, dann allerdings ohne Übergang zum<br />

Speisewagen, weil es für vier IR-Umläufe nur<br />

vier Fahrzeuge gibt. Ab Dezember <strong>2013</strong> sollen<br />

die Fahrzeuge den Verkehr komfortabler gestalten<br />

und beschleunigen.<br />

Ende des Wachstums beim<br />

SBB-Personenverkehr?<br />

Im ersten Halbjahr 2012 nahmen erstmals<br />

seit langem die gefahrenen Personenkilometer<br />

und der Gewinn bei den SBB ab. Diese<br />

nannten als Gründe die rückläufige Nachfrage<br />

im Freizeit- und Tourismusverkehr, den höheren<br />

Personalaufwand (bei zwei Zugbegleitern<br />

im Fernverkehr) und die gestiegenen Trassenund<br />

Energiekosten. Steigende Frequenzen<br />

gab es auf der TGV-Verbindung Zürich – Basel<br />

– Paris und im Regionalverkehr.<br />

Doppelstock-Triebzüge für die Berner S-<strong>Bahn</strong><br />

Im September nahm die BLS ihren ersten<br />

Doppelstock-Triebzug RABe 515 001 mit dem<br />

Namen „Stadt Bern“ in Betrieb. In Analogie zu<br />

den „Nina“ und „Lötschbergern“ erhalten die<br />

Züge nach dem Berner Wappentier, dem<br />

Bären, den Spitznamen „Mutz“, eine Abkürzung<br />

für „moderner, universeller Triebzug“.<br />

Später wird es auch die französische Variante<br />

„Ours“ („Bär“) geben.<br />

Neue Zugsicherung bei den SBB<br />

Bis Ende 2017 werden die SBB auf ihrem<br />

Schienennetz die vorhandenen Zugsicherungssysteme<br />

„Signum“ und „ZUB“ durch das<br />

europäisch standardisierte „European Train<br />

Control System“ (ETCS) ersetzen. Die Investitionen<br />

für rund 11.000 ETCS-Standorte belaufen<br />

sich im Rahmen des Programms „ETCS<br />

Netz“ über die Leistungsvereinbarung mit<br />

dem Bund auf eine Summe von mehr als<br />

300 Millionen Franken.<br />

Vierstrom-Zug fährt wieder<br />

Der RAe TEE II 1053 ist wieder da! Im Auftrag<br />

von SBB Historic hat die Südostbahn den berühmten<br />

Vierstrom-Triebzug des TEE-Verkehrs<br />

instand gesetzt. Unter anderem wurden in der<br />

Werkstatt von Samstagern die Trieb- und Laufdrehgestelle<br />

einer Revision unterzogen, der<br />

Umformer getauscht und eine neue Steuerelektronik<br />

installiert.<br />

DR. HANS-BERNHARD SCHÖNBORN/TONI BURGER (RAE)<br />

Starke Schneefälle erschweren im Februar<br />

den Betrieb. Deutlich gezeichnet zeigt<br />

sich das Rollmaterial der Matterhorn-Gotthard-<strong>Bahn</strong><br />

in Andermatt (16.02.) H. Günther<br />

Bei Stadler heißt er KISS, bei der BLS MUTZ: der<br />

doppelstöckige Elektrotriebzug in der Ausführung für<br />

die Berner S-<strong>Bahn</strong>. Am 25. Mai wird Zug 515002 von<br />

Erlen nach Bern überführt Armin Schmutz (2)<br />

Die Zentralbahn, die Voliere auf Schienen:<br />

In Brienzwiler begegnen sich am<br />

23. März bei Tests Triebzug 160001-1<br />

FINK (l.) und 130001-1 SPATZ (r.)<br />

Die BLS-Elloks Re 4/4 fahren neben Güterzügen und Golden-Pass-Zügen auch noch stilechte<br />

Regionalzüge von Interlaken bis Spiez. Hier am 14. September kurz vor Spiez Florian Martinoff<br />

vermeiden. Auch die Frage, ob die Strecke<br />

dem regionalen Personenverkehr oder auch<br />

anderen Verkehrsarten wie dem Fern- oder<br />

Güterverkehr diene, hat für die Entscheidung<br />

eine große Bedeutung. Ein weiteres wichtiges<br />

Kriterium bei der Überprüfung ist der Zustand<br />

des Rollmaterials; dieses soll mindestens<br />

20 bis 30 Jahre eingesetzt werden und kann<br />

gerade bei Schmalspurbahnen nicht problemlos<br />

auf andere Linien verschoben werden.<br />

Fusion als Lösung?<br />

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche<br />

Regionalbahnen etwa durch Fusionen versucht,<br />

Kosten zu sparen. Doch sind Zusammenführungen<br />

aufgrund der historischen und<br />

geografischen Gegebenheiten in der Schweiz<br />

76


Schweiz<br />

An der Strecke Sulgen – Gossau steigt im Frühjahr 2012 ein Bootswettbewerb. Und die Reisenden der S 5 St. Gallen – Weinfelden haben Glück: Gerade,<br />

als ihr Stadler-Triebzug der SBB-Tochter Thurbo die Brücke passiert, wagen Kermit, Miss Piggy und das Muppet-Schiff den Stapellauf Eva Schaller<br />

nicht einfach. Ein typisches Beispiel sind die<br />

„neuen“ Appenzeller <strong>Bahn</strong>en, die aus den „alten“<br />

Appenzeller <strong>Bahn</strong>en (AB), der Trogenerbahn<br />

(TB), der Rorschach–Heiden-Bergbahn<br />

(RHB), einer normalspurigen Zahnradbahn,<br />

und der Bergbahn Rheineck–Walzenhausen<br />

(RhW), einer ehemaligen Standseilbahn mit<br />

1.200 Millimeter Spurweite, entstanden. Nur<br />

die meterspurigen AB und TB haben eine<br />

Gleisverbindung, zudem hat jede <strong>Bahn</strong> ihr eigenes<br />

Stromsystem. Auch gemeinsame Bestellungen<br />

von Rollmaterial helfen Kosten zu sparen,<br />

doch sind die Unterschiede bei den<br />

betrieblichen Bedürfnissen groß, wie die Ausschreibung<br />

von vier Westschweizer <strong>Bahn</strong>gesellschaften<br />

über 17 Züge zeigt: Zwei- oder<br />

dreiteilige Züge mit einem oder zwei Triebwagen,<br />

mit oder ohne 1. Klasse, aber vor allem<br />

für unterschiedliche Stromsysteme stellen die<br />

Hersteller vor große – und für den Auftraggeber<br />

teure – Herausforderungen.<br />

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren<br />

konkrete Maßnahmen angesichts der Defizitlage<br />

noch nicht festgelegt. So bleiben zum Thema<br />

– und seiner Bedeutung – bis dato vor allem<br />

Fragen. Waren die Berechnungen ein<br />

Warnsignal, das die Regionallinien letztlich wieder<br />

„auf Kurs“ bringen könnte? Oder sind die<br />

<strong>Bahn</strong>en jetzt „angezählt“? In welche Richtung<br />

die Reise geht, dürfte die nähere Zukunft zeigen.<br />

Dr. Hans-Bernhard Schönborn/GM<br />

KURZMELDUNGEN – SCHWEIZ: FEBRUAR BIS DEZEMBER 2012<br />

Februar: Die Ralpin nimmt für die Rollende<br />

Landstraße Freiburg – Novara 20 neue Liegewagen<br />

in Betrieb. Die klimatisierten SBB-Liegewagen<br />

des Typs Bcm61 wurden dafür<br />

teilweise umgebaut; unter anderem erhielten<br />

sie einen Aufenthaltsraum mit Küche.<br />

April<br />

06. April: Zu Ostern wird die Hochrheinstrecke<br />

auf dem Teilstück Schaffhausen – Erzingen<br />

wegen Sanierungsarbeiten gesperrt; dies<br />

dauert bis Ende Mai.<br />

19. April: Die SBB präsentieren in Zürich den<br />

innen wie außen aufgearbeiteten Elektrotriebwagen<br />

RAe 4/8 („Churchill-Pfeil“).<br />

– Bei der Museumsbahn Blonay – Chamby<br />

fährt Lok 4 wieder. Die Meterspur-Kastendampflok<br />

wurde 1900 von Krauss in München<br />

für die Strecke Ferrara – Codigoro – Porto-Garibaldi<br />

in Italien gebaut.<br />

August: Die Deutsche <strong>Bahn</strong> beauftragt die<br />

Firma Balfour Beatty mit der Elektrifizierung<br />

des überwiegend auf Schweizer Gebiet liegenden<br />

Streckenstücks Erzingen – Schaffhausen.<br />

Zwischen Erzingen und Beringen soll zudem<br />

ein zweites Gleis verlegt werden.<br />

Dezember<br />

09. Dezember: Pro Tag fährt ein TGV Paris –<br />

Bern weiter bis Interlaken. TONI BURGER<br />

Zum <strong>Bahn</strong>jubiläum „150 Jahre Bern – Lausanne“<br />

veranstaltet SBB Historic am 2. September<br />

eine Sonderfahrt mit Lok C 5/6<br />

2978. Bei Grandvaux gibt der „Elefant“ dem<br />

Wein eine rauchige Note mit ... Armin Schmutz<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

77


Chronik<br />

Österreich<br />

Jahr der<br />

Filmmagazin<br />

Eisenbahn <strong>2013</strong><br />

A le Urheber- und Leistungsschutz rechte vorbehalten.<br />

Wer diesen Film ohne aus drückliche schriftliche<br />

Geneh migung vervielfältigt, ö fentlich vorführt,<br />

sendet, verleiht, vermietet oder sonstwie gewerblich<br />

nutzt, wird zivil- und strafrechtlich verfolgt.<br />

Inhalt<br />

• Innotrans 2012 in Berlin<br />

• DB-Lokveteranen im Einsatz<br />

• Tenderlok95 027 im Kasbachtal<br />

• Dampfloktage in Meiningen<br />

• Feier: 175 Jahre Eisenbahn in Österreich<br />

u.v.a.m.<br />

© <strong>2013</strong> by <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> VIDEO<br />

GeraMond Verlag; www.geramond.de<br />

Rahmen des viergleisigen Ausbaus zwischen<br />

Wien und St. Pölten errichtete Lainzer Tunnel.<br />

Das 12,8 Kilometer lange Bauwerk kostete<br />

1,3 Milliarden Euro. Es stellt eine unterirdische<br />

Verbindung zwischen der Westbahn (Weichen-<br />

Programm<br />

INFOgemäß<br />

§ 14<br />

JuSchG<br />

…mehr auf der beiliegenden<br />

Heft-DVD!<br />

Inbetriebnahmen<br />

„175 Jahre Eisenbahn in Österreich“ feierte das Alpenland<br />

2012, passend dazu gab es große Neueröffnungen. Erste Züge<br />

fahren nach Wien Hauptbahnhof und auf zwei Neubaustrecken<br />

Der Fahrplanwechsel zum 9. Dezember<br />

2012 bedeutet für das österreichische<br />

<strong>Bahn</strong>netz die Fertigstellung bzw. Inbetriebnahme<br />

zahlreicher Großbauvorhaben.<br />

Der 9. Dezember 2012 geht daher gleich<br />

mehrfach in die Geschichte der ÖBB Infrastruktur<br />

AG ein: Neben der Teilinbetriebnahme<br />

des Wiener Hauptbahnhofs stehen zwei<br />

neue Hochleistungsstrecken zur Verfügung.<br />

Teilinbetriebnahme Wien Hbf<br />

Seit 2009 laufen die Bauarbeiten zum neuen<br />

Wiener Hauptbahnhof. Die gesamte Betriebsabwicklung<br />

des ehemaligen Südbahnhofs<br />

wurde auf den <strong>Bahn</strong>hof Wien-Meidling<br />

vorverlegt, zugleich nahm man den neuen<br />

Standort Wien-Matzleinsdorf für das Aufund<br />

Abrüsten der Züge, für Wartungs- und<br />

Versorgungsarbeiten in Betrieb. Mit der Teil -<br />

inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofes<br />

verliert der jetzige <strong>Bahn</strong>hof Wien-Südbahnhof<br />

Ostbahn seine Bedeutung und wird aufgelassen.<br />

Dieser wurde für die Arbeiten um ca.<br />

200 Meter in südliche Richtung verlegt.<br />

Auf dem Areal des Süd- und Ostbahnhofs,<br />

der dortigen Zugförderungsanlagen und des<br />

Frachtenbahnhofs entstand ein mehrgleisiger<br />

Neubau, der beide <strong>Bahn</strong>hofsteile als Durchgangsbahnhof<br />

verbindet. Auf dem nördlichen<br />

Teil stehen anstelle des Südbahnhofs heute<br />

Bürotürme. Im Süden wurde ein neues Wohnviertel<br />

mit weitläufigen Parkanlagen gebaut.<br />

Die vollständige Inbetriebnahme des<br />

Hauptbahnhofes ist für den Fahrplanwechsel<br />

2014 vorgesehen. Bis dahin fahren hier Nahverkehrszüge:<br />

die REX-Züge von und nach<br />

Bratislava-Petrzalka sowie Deutschkreutz und<br />

die Linien S 60/S 80 der Wiener Schnellbahn.<br />

Lainzer Tunnel<br />

Außerdem gingen zum 9. Dezember verschiedene<br />

Strecken(-Abschnitte) in Betrieb, so der im<br />

ÖSTERREICH – WEITERE MELDUNGEN<br />

Sperrung am Brenner<br />

Unterlassene Instandhaltungen an der Brenner-Nordrampe<br />

erforderten 2012 eine in der<br />

Geschichte dieser <strong>Bahn</strong>strecke noch nie da<br />

gewesene Streckensperre. Für die Sanierung<br />

verhängte die ÖBB Infrastruktur AG mehrere<br />

Wochenendsperren von Juni bis September,<br />

eine Gesamtsperre von ca. sechs Wochen<br />

und legte außerdem für bestimmte Zeiten eingleisigen<br />

Betrieb fest. Insgesamt wurden während<br />

der Brennersperre über 1.700 Güterzüge<br />

umgeleitet. Für den Personenverkehr bestand<br />

ein Schienenersatzverkehr.<br />

Neue Werbeloks<br />

Im Eisenbahn-Jubiläumsjahr 2012 rollten weitere<br />

Werbeträger auf Österreichs Gleise. Der<br />

Triebzug ET 4124.014 erhielt den Schriftzug<br />

„50 Jahre Wiener S-<strong>Bahn</strong>“. Die Railjet-Garnitur<br />

49 mit Lok 1116.249 wurde zum Jubiläumszug<br />

auserkoren und über die gesamte Länge<br />

mit einer durchgehenden Österreich-Flagge in<br />

Rot-Weiß-Rot beklebt. Neu waren außerdem<br />

die Werbeloks 1116.138 „50 Jahre Heeres-<br />

Sport“, 1216.020 „175 Jahre Eisenbahn in<br />

Österreich“ (gestaltet von der Designerin Gudrun<br />

Geiblinger) und 1116.264 „Radio Ö3“.<br />

Der Triebzug 4024.089 fährt mit der Aufschrift<br />

„KitzSki“ Reklame für den Wintersportort<br />

Kitzbühel. Er soll als Sonderzug Rosenheim<br />

– Kitzbühel verkehren.<br />

Jubiläumsfeiern in Österreich<br />

Rundes Jubiläum, Ecken und Kanten bei den<br />

Feiern – so könnte man die Veranstaltungen<br />

zu „175 Jahre Eisenbahn in Österreich“ bezeichnen.<br />

Im Vergleich zu den 150-Jahr-Feiern<br />

1987 waren die Festivitäten im Jahr 2012 verhalten,<br />

oft fehlte es auch an geeignetem historischen<br />

Rollmaterial. So blieben die<br />

<strong>Bahn</strong>hofsfeste in den Landeshauptstädten<br />

ohne große Attraktionen. Immerhin gab es<br />

zahlreiche kleinere Aktivitäten und einen Jubiläumssonderzug<br />

des deutschen Veranstalters<br />

IGE-<strong>Bahn</strong>touristik.<br />

Spatenstich für Semmering-Basistunnel<br />

Ende April 2012 fand der feierliche Spatenstich<br />

für das neue Tunnelprojekt unter der<br />

Semmeringstrecke statt. Mehrmalige Umplanungen<br />

ließen die Kosten für das Projekt steigen<br />

(Prognose: 3,1 Milliarden Euro) und<br />

führten auch dazu, dass der Tunnel um fast<br />

ein Drittel länger wird. Die Fertigstellung des<br />

gut 28 Kilometer langen Bauwerkes ist für<br />

2024 vorgesehen.<br />

Zugverkehr Udine – Villach<br />

Unter dem Titel „MiCoTra“ begann zum kleinen<br />

Fahrplanwechsel im Juni 2012 ein grenzüberschreitender<br />

Zugverkehr zwischen Villach und<br />

Udine; die Österreichischen Bundesbahnen<br />

(Wagen) und die italienische FUC (Lok) bieten<br />

zwei Zugpaare in Tagesrandlage an. Die Züge<br />

sind mit dem ÖBB-Fernverkehr verknüpft und vor<br />

allem für Touristen und Ausflügler gedacht.<br />

RJ-Ablieferung abgeschlossen<br />

Mit der 51. Garnitur endete die Produktion<br />

des Railjets für die ÖBB. Die letzte Garnitur<br />

wurde am 30. Juli im <strong>Bahn</strong>hof Wien-Meidling<br />

auf den Namen „railjet fifty-one“ getauft.<br />

Vectron-Vorführfahrten<br />

Vom 14. September bis zum 1. Oktober 2012<br />

absolvierte die Siemens-Vectron-Lok 193.901<br />

Vorführfahrten in Österreich. Ob die ÖBB aus<br />

den Vorführungen Konsequenzen ziehen, war<br />

bei Redaktionsschluss nicht bekannt.<br />

Einschränkungen bei der Außerfernbahn<br />

Wegen Diebstahls von Kupfer- und weiteren<br />

Kabeln wurde der elektrische Betrieb Reutte –<br />

Garmisch im Oktober für eine Woche eingestellt.<br />

Es fuhren Dieselloks. M. INDERST/GM<br />

78


Österreich<br />

Vergangenheit und Zukunft: Museumslok<br />

33.132 am 20. August in Launsdorf (o.) und<br />

Modell des Wiener Hauptbahnhofs nach Fertigstellung<br />

(u.) Christian Tscharre (o.), ÖBB<br />

Österreichs längste Flagge fuhr in Form der Jubiläums-Railjet-Garnitur 49 durchs Land, hier aufgenommen<br />

im Inntal<br />

Markus Inderst<br />

Abschluss mit Nr. 51: Namenszug auf der letzten<br />

ausgelieferten Railjet-Garnitur Markus Inderst<br />

halle Hadersdorf), der Südbahn (Hetzendorf)<br />

und der Donauländebahn mit dem neuen Wiener<br />

Hauptbahnhof dar. Bis zur Vollinbetriebnahme<br />

des Hauptbahnhofs 2014 wird der Tunnel<br />

nur im Güterverkehr benützt und die<br />

Verbindungsbahn Wien-Hütteldorf – Meidling<br />

entlasten.<br />

Neubaustrecke Tullnerfeld<br />

Großen Nutzen für den Fernverkehr hat die in<br />

Betrieb genommene 44 Kilometer lange Neubaustrecke<br />

durch das Tullnerfeld. Die Strecke<br />

beginnt von Wien aus gesehen in der Weichenhalle<br />

Hadersdorf und verläuft ab der Landesgrenze<br />

zu Niederösterreich in zwei Einzelröhren<br />

von 14,4 Kilometern Länge durch den<br />

Wienerwald. Es folgt ein 17 Kilometer langer<br />

Abschnitt im freien Gelände mit dem neuen<br />

<strong>Bahn</strong>hof Tullnerfeld, wo es Anknüpfungen zur<br />

Bestandsstrecke gibt. Der letzte, 12,6 Kilometer<br />

lange Abschnitt mündet beim Knoten<br />

Wagram in die Bestandsstrecken ein. Die Strecke<br />

hat insgesamt 1,5 Milliarden Euro gekostet<br />

und bringt 15 Minuten Fahrzeitersparnis<br />

im Abschnitt Wien – St. Pölten.<br />

Tunnelabschnitten. Aus Kostengründen wurde<br />

auf den Einbau von Weichenverbindungen verzichtet,<br />

ebenso auf die Einbindung des fertig<br />

gestellten, dreigleisigen Bergbahnhofes Vomp,<br />

von dem nur die Gleisanlagen zu sehen sind.<br />

Den immensen Baukosten von mehr als zwei<br />

Milliarden Euro stehen allerdings nur drei Minuten<br />

Fahrzeitersparnis gegenüber, weshalb für<br />

die Railjet-Verbindung Innsbruck – Salzburg<br />

kaum nennenswerte Verbesserungen eintreten.<br />

Einführung von ETCS<br />

Mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecken<br />

geht auch ein neues Sicherungssystem im Bereich<br />

der ÖBB Infrastruktur AG in Betrieb. Fortan<br />

fährt man mit ETCS Level 2. Markus Inderst<br />

Am 26. Mai 2012 hat 103 235 einen Sonderzug aus Deutschland nach Selzthal gebracht. In<br />

der dortigen Zugförderungsstelle wird sie zum Fototermin mit ÖBB-Elloks der Reihen 1042,<br />

1044 und 1016/1116/1216 aufgestellt Christian Tscharre<br />

Neubaustrecke Unterinntalbahn<br />

Als letztes Großprojekt geht die 40 Kilometer<br />

lange Unterinntalstrecke – auch Brenner-Flachbahn<br />

genannt – in Betrieb. Sie besteht aus drei<br />

Verknüpfungsstellen (Radfeld/Kundl, Stans<br />

und Baumkirchen) und zwei zweigleisigen<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

79


Impressionen<br />

Dampflokparade in Wolsztyn/Polen<br />

Immer im April<br />

Jedes Jahr am letzten Aprilwochenende bietet PKP Cargo eine Dampflokparade im Raum<br />

Wolsztyn, an Europas letzter Dienststelle mit plan mäßigem Normalspurdampf. Am ersten<br />

Tag werden die Dampfrösser – Einheimische wie Gäste – im <strong>Bahn</strong>betriebswerk und am<br />

<strong>Bahn</strong>hof in Szene gesetzt. Am zweiten Tag geht es dann auf die Strecke<br />

Tiefes Blau für<br />

Wolsztyns Paradelok:<br />

Lichterspiel<br />

auf der Pm 36-2<br />

Text: Dominika Skonieczna;<br />

Aufnahmen:<br />

Daniel Klawczynski<br />

Keine Dampflok,<br />

aber auch ein<br />

Blickfang ist die<br />

Spezialdraisine<br />

auf Fiat-Basis<br />

80


Dampf in Wolsztyn<br />

Nach den Vorführungen werden die Maschinen im<br />

<strong>Bahn</strong>betriebswerk zum Besichtigen aufgestellt<br />

Dampf und Ruß und Begeisterung<br />

ohne Ende –<br />

Jung und Alt sind bei<br />

der Veranstaltung dabei<br />

Lokparade im <strong>Bahn</strong>hof<br />

Wolsztyn. Die Veranstaltung<br />

zieht jährlich<br />

eine große Fanschar an<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

81


Chronik<br />

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Im russischen St. Petersburg warten Reisende in der Moskovsky<br />

Station auf ihren Anschluss nach Moskau<br />

Marco Frühwein<br />

Weltweit<br />

Ende einer<br />

Legende<br />

Am 28. September 2012 wurde ein Kapitel nordamerikanischer,<br />

genauer, kanadischer Eisenbahngeschichte geschlossen.<br />

Letztmals war an diesem Tag der „Northlander“ unterwegs;<br />

der Reisezug der Ontario Northland Railway verband die<br />

Metropole Toronto mit dem rund 700 Kilometer entfernten<br />

Cochrane in der nördlichen Provinz Alberta<br />

Zum Schluss hat er sich einfach nicht<br />

mehr gerechnet. In den letzten Jahren<br />

waren es bloß noch 50 bis 80 Reisende,<br />

die den „Northlander“ nahmen – zu wenig,<br />

um den Zug wirtschaftlich zu betreiben. Die<br />

hohen Defizite führten im Mai 2012 zum Beschluss<br />

des Verkehrsministeriums von Ontario,<br />

den <strong>Bahn</strong>verkehr einzustellen und ersatzweise<br />

Busse einzusetzen.<br />

„Good Bye, Northlander“<br />

Seit 1902 fuhren Reisezüge auf der Strecke zwischen<br />

Toronto und Cochrane, wobei der Laufweg<br />

durch die dünn besiedelte kanadische Provinz einmal<br />

geändert wurde. Hierzulande erlangte der<br />

„Northlander“ Bekanntheit durch ein Märklin-<br />

Modell des ursprünglich niederländisch-schweizerischen<br />

Diesel-TEE-Triebzuges RAm, der Ende<br />

der 70er-Jahre in den blau-gelben Farben des<br />

Northlanders aufgelegt wurde. Das war kein Fantasieprodukt,<br />

denn zwischen 1977 und 1992 verkehrten<br />

die ehemaligen TEE-Garnituren tatsächlich<br />

in Kanada, anfangs noch mit den<br />

Original-Motorwagen, die aber den rauen kanadischen<br />

Witterungsbedingungen nicht lange<br />

stand hielten und schon um 1980 durch konventionelle<br />

EMD-Dieselloks vom Typ FP 7 ersetzt<br />

wurden. Übrigens: Auch hiervon brachte der<br />

Späte Ehrung für Ungarns Vizeweltmeister: Die Taurus-Ellok 470.010<br />

der Ungarischen Staatsbahn MÁV wurde 2012 mit den Konterfeis der<br />

Fußball-Nationalspieler von 1954 dekoriert<br />

Friedrich Strasser<br />

Der „Rote Blitz“ schaukelt Touristen romantisch über die Insel Mallorca.<br />

Auf dem Weg von Sollér nach Palma legt der elektrische Schmalspurzug<br />

am Mirador del Pujol d’en Banya einen Halt ein Alexandra Wurl<br />

82


Weltweit<br />

Zwei Tage vor Betriebsende, am 26. September<br />

2012, führt Diesellok 1809 ihre Schwesterlok<br />

1800 und den überlangen „Northlander“.<br />

Bei Englehart, Ontario, geht es südwärts<br />

über den Englehart River Michael Bellmann<br />

eine rund viermonatige „Abschiedszeit“ auf<br />

Kanadas Gleisen. Am 28. September 2012<br />

fuhr dann – recht schmucklos und ohne große<br />

Beachtung – die letzte Garnitur. Seitdem<br />

gibt es bei der Ontario Northland Railway<br />

nur noch einen Reisezug. Der Polar Bear Express<br />

von Timmins nach Moosonee erwirtschaftet<br />

zwar ebenfalls ein Defizit, doch erschließt<br />

er zahlreiche Ortschaften, die auf<br />

dem Straßenweg nicht erreichbar sind. Das<br />

dürfte seine Chancen auf ein Fortbestehen<br />

deutlich heben. Martin Weltner/GM<br />

deutsche Modellbahnhersteller später Fahrzeuge<br />

in Miniatur heraus. Und ganz gleich, um welche<br />

Version es sich handelte; so mancher Eisenbahnfreund<br />

aus Europa wurde dadurch auf den farbenfrohen<br />

kanadischen Reisezug aufmerksam.<br />

Betrieblich noch interessant: Obwohl die aus<br />

Europa übernommenen Wagengarnituren wendezugtauglich<br />

waren, fuhr man sie in Kanada stets<br />

Motorwagen bzw. Lok voraus – aus Angst, die<br />

leichten Steuerwagen könnten im Schubbetrieb<br />

bei den rauen Winterverhältnissen entgleisen. An<br />

den Endpunkten wendete die komplette Lok-<br />

Wagen-Komposition auf Gleisdreiecken. Nach<br />

Abstellung der Züge im Jahre 1992 wurde der<br />

Northlander als normaler Wagenzug gefahren.<br />

Eine Diesellok, eine weitere, ihrer Fahrmotoren<br />

beraubte Lok als Energieversorgungs-Fahrzeug,<br />

zwei Sitzwagen und ein Cafeteria/Lounge-Wagen<br />

aus den späten 60er-Jahren bildeten den<br />

Zugstamm, der bei Bedarf verstärkt werden<br />

konnte. In zehn bis elf Stunden Fahrzeit wurde<br />

die Strecke mit ihren zuletzt 14 Halten bewältigt.<br />

Da es sich um einen Tageszug handelte,<br />

wurden zwei Zuggarnituren benötigt.<br />

Noch ein Reisezug bleibt<br />

Nach dem Beschluss des Verkehrsministeriums<br />

blieb dem „Northlander“ im Jahr 2012<br />

Weitere Meldungen:<br />

AFGHANISTAN<br />

Das gebirgige Land in Südasien hat jetzt<br />

eine Eisenbahn! Am 3. Februar erreichte erstmals<br />

ein Güterzug über die 75 Kilometer<br />

lange Neubaustrecke von der usbekischen<br />

Grenze her den Güterbahnhof Naibabad bei<br />

der Stadt Mazar-i-Sharif. Die Strecke mit der<br />

Spurweite 1.520 Millimeter wird von der Usbekischen<br />

Eisenbahn UTY betrieben, da in<br />

Afghanistan noch keine <strong>Bahn</strong>gesellschaft besteht.<br />

Tomas Meyer-Eppler<br />

ITALIEN<br />

Am 28. April nahm mit NTV (Nuovo Tras -<br />

porti Viaggiatori) das erste private Fernverkehrsunternehmen<br />

den Betrieb auf. Es setzt<br />

erstmals den von Alstom entwickelten Hochgeschwindigkeitstriebzug<br />

AGV ein. In den<br />

drei Wagenklassen „Club“, „Prima“ und<br />

„Smart“ finden 19, 143 und 288 Fahrgäste<br />

hinter großen Fensterscheiben Platz. Von den<br />

25 bestellten Zügen waren bei Betriebsbeginn<br />

13 vorhanden. Mit ihnen wurde die Strecke<br />

Mailand – Rom – Neapel bedient. Im Laufe<br />

des Jahres wurde der Verkehr auf die Strecken<br />

Mailand – Venedig, Mailand – Turin und<br />

Neapel – Salerno ausgedehnt. Den Zentralbahnhof<br />

in Mailand und den <strong>Bahn</strong>hof Termini<br />

in Rom dürfen die privaten Züge nach<br />

Intervention der staatseigenen <strong>Bahn</strong> Trenitalia<br />

nicht anfahren.<br />

TME<br />

Ausgefallenes Design hat sie schon, jetzt kommen nochmals neue<br />

coole Farben dazu: die tschechische Ellok-Reihe 230 („Laminatka“)<br />

in der Lackierung von CD Cargo in Rajka<br />

Raimund Whynal<br />

Auch in Weißrussland gibt es den FLIRT: Im Hauptbahnhof der Hauptstadt<br />

Minsk steht einer der modernen Triebzüge neben einem Fahrzeug<br />

aus sowjetischer Produktion (Sommer 2012) Marco Frühwein


Chronik<br />

Klassische französische <strong>Bahn</strong>hofsarchitektur und modern(isiert)er Nahverkehr der Staatsbahn SNCF: Im März 2012 steht der diesellokbespannte<br />

R 3831 in La Rochelle Ville bereit<br />

Josef Mauerer<br />

ANGOLA<br />

Die chinesische Lokomotiv- und Fahrzeugfabrik<br />

CNR Dalian hat die ersten von 15 Dieselloks<br />

für das Kapspurnetz des Landes<br />

geliefert. Die Maschinen leisten 1.715 kW<br />

und erreichen 160 km/h. Mit speziellen<br />

Staubfiltern für die Fahrt in Wüstenregionen<br />

und mit Klimageräten für die Führerräume<br />

ausgestattet, kommen sie auf der wieder aufgebauten<br />

756 Kilometer langen Strecke Namibe<br />

– Menongue zum Einsatz. Am 18. Juni<br />

erreichte der erste Reisezug der CFB (Caminhos<br />

de ferro do Angola) nach 30 Jahren den<br />

<strong>Bahn</strong>hof Kunje.<br />

TME<br />

ARGENTINIEN<br />

Das Verkehrsunternehmen TBA hat im Jahr<br />

2012 weitere 15 Triebwagen des Typs „Wadloper“<br />

aus den Niederlanden gekauft. Die Fahrzeuge<br />

sind für den Einsatz in Argentinien und<br />

Uruguay vorgesehen. Bereits 2011 gingen zehn<br />

„Wadloper“ nach Südamerika. T. L. Gatos<br />

ÄTHIOPIEN<br />

Der Binnenstaat im Nordosten Afrikas soll<br />

wieder eine funktionierende Eisenbahn erhalten.<br />

Die Meterspurstrecke von der Hauptstadt Addis<br />

Abeba nach dem jenseits der Landesgrenze liegenden<br />

Hafen Dschibuti, die nach und nach bis<br />

auf ein von Dschibuti ausgehendes Reststück<br />

stillgelegt wurde, soll durch eine moderne Normalspurstrecke<br />

ersetzt werden. Das sieht der Vertrag<br />

zwischen der äthiopischen Regierung und<br />

einem chinesischen Unternehmen vor. Die 339<br />

Kilometer lange eingleisige und elektrifizierte<br />

Strecke deckt zunächst die östliche Hälfte der<br />

Meterspurbahn ab, endet aber an der Grenze zu<br />

Dschibuti. Für den Bau der westlichen 330 Kilometer<br />

nach Addis Abeba gibt es eine Absichtserklärung,<br />

und die Regierung von Dschibuti will<br />

die fehlenden 100 Kilometer von der Grenze bis<br />

zum Container-Terminal in Doraleh am Roten<br />

Meer bauen. Die Fertigstellung wurde für 2017<br />

angekündigt.<br />

TME<br />

BELGIEN<br />

Auf dem Mittelstreifen der Autobahn A 19<br />

verläuft der Diabolo-<strong>Bahn</strong>komplex, den der<br />

belgische König Albert II. am 7. Juni 2012 feierlich<br />

eröffnete. Die Strecke verbindet den<br />

<strong>Bahn</strong>hof Brussels Airport mit der neuen <strong>Bahn</strong>strecke<br />

Schaarbek – Mechelen. Zum Fahrplanwechsel<br />

im Dezember 2012 sollten über diesen<br />

nördlichen <strong>Bahn</strong>anschluss stündlich acht Di-<br />

Äthiopien: Der alte <strong>Bahn</strong>hof in Addis Abeba liegt günstig am Rand<br />

des Zentrums. Mit dem Omnibusverkehr auf dem Vorplatz bietet er<br />

gute Anschlussmöglichkeiten für künftige <strong>Bahn</strong>reisende T. Meyer-Eppler<br />

Neue Lackierung für Frankreichs TGV: Im Farbschema „Carmillon“<br />

präsentiert sich einer der Hochgeschwindigkeitstriebzüge im Frühjahr<br />

2012 im <strong>Bahn</strong>hof Paris Nord Francois Droisy


Weltweit<br />

Rückblende: Im Sommer 1986 fuhr der „Northlander“ noch mit FP-7-Diesellok und den europäischen TEE-Wagen. Gerade eben trifft Lok Nummer<br />

1986 – passend zum Aufnahmejahr – mit ihrer Fuhre im <strong>Bahn</strong>hof Gravenhurst ein. Links der Fahrplan des Zuges, Stand 1980<br />

Martin Weltner (Foto), Slg. Konrad Rothzoll (Plan)<br />

rektzüge von Brüssel bzw. Leuven zum Flughafen<br />

fahren. Jean-Baptiste Meyer<br />

BULGARIEN<br />

Den Bulgarischen Staatsbahnen BDZ droht<br />

weiter der finanzielle Kollaps. Im Herbst 2012<br />

erwog die bulgarische Regierung verschiedene<br />

Ansätze, um die <strong>Bahn</strong>schulden zu begleichen.<br />

Unter anderem geht es um 25 Elektro-Desiros,<br />

welche die deutsche KfW-Bank als Gegenwert<br />

für 41 Mio. Euro ausstehender<br />

Zahlungen an andere Interessenten verkaufen<br />

will. Die BDZ hat seit 2011 zahlreiche Züge<br />

gestrichen, die Schmalspurbahn Septemvri –<br />

Dobrinischte blieb aber erhalten. V. Kolev<br />

CHINA<br />

Kurz vor Jahresende 2011 ging der erste Abschnitt<br />

der Hochgeschwindigkeitsstrecke Kanton<br />

(Guangzhou) – Hongkong in Betrieb. Er ist 102<br />

Kilometer lang und verbindet Kanton mit Shenzhen.<br />

Die Neubaustrecke wird täglich mit 36 Zugpaaren<br />

mit der Baureihe CRH 3 (Siemens Velaro)<br />

bedient; die Züge fahren 300 km/h. Am 1. Juli<br />

2012 folgte die Inbetriebnahme einer weiteren,<br />

291 Kilometer langen Neubaustrecke von<br />

Wuhan nach Yichang. Die Linie ist für Güterund<br />

Reisezüge und bis zu 200 km/h konzipiert.<br />

Gegenüber der weiter nördlich verlaufenden Altbaustrecke<br />

verkürzt sich die Fahrzeit der schnellsten<br />

Züge von etwa viereinhalb auf unter zwei<br />

Stunden. Täglich werden 26 schnelle Zugpaare<br />

sowie weitere fünf lokbespannte Zugpaare angeboten.<br />

Als Triebzüge kommen die Baureihen<br />

CRH 2 (nach Kawasaki-Vorbild) bzw. CRH 5<br />

(nach Alstom-Vorbild) zum Einsatz. TME<br />

DÄNEMARK<br />

Als Folge des Desasters mit den italienischen<br />

Dieseltriebzügen IC4 hat die dänische<br />

Regierung eine großflächige Streckenelektrifizierung<br />

beschlossen – zuverlässige elektrische<br />

Fernverkehrszüge sind leichter zu beschaffen<br />

als Dieselzüge, die meist Sonderwünschen<br />

entsprechen. Im Juni wurde der Presse mitgeteilt,<br />

dass 512 Streckenkilometer mit Fahrdraht<br />

überspannt werden sollen. Höchste<br />

Priorität hat die 114 Kilometer lange Strecke<br />

Lunderskov – Esbjerg, die man bis 2015 fertig<br />

stellen will. Teuerste Einzelmaßnahme ist<br />

die Neubaustrecke Kopenhagen – Ringsted,<br />

die 2020 in Betrieb gehen und von Reisezügen<br />

mit bis zu 250 km/h befahren werden<br />

soll. Im Vorgriff auf die feste Fehmarnbelt-<br />

Querung wird auch die 258 Kilometer lange<br />

Strecke Ringsted – Nyköbing – Rödby auf<br />

zwei Gleise ausgebaut und elektrifiziert. Die<br />

Fertigstellung ist für 2018 vorgesehen.<br />

Derweil erhielten die IC4-Triebzüge von AnsaldoBreda<br />

zum 2. Juli 2012 erneut die Zulassung<br />

für den Fahrgastverkehr. Wegen technischer<br />

Schwierigkeiten standen die Züge seit<br />

November 2011 still. TME/L. Happ<br />

FRANKREICH<br />

Die SNCF hat bei Alstom weitere 40 TGV-<br />

Doppelstockzüge des Typs „Euroduplex“ bestellt.<br />

Die erste Serie von 55 Zügen befindet sich seit<br />

2011 für den TGV Rhein-Rhone in Auslieferung.<br />

Im Anschluss daran werden ab 2015 die<br />

nun bestellten Züge geliefert. Sie sind mit zwei<br />

Triebköpfen à 4.640 kW und den Sicherungssystemen<br />

für Frankreich, Deutschland, Luxemburg<br />

und die Schweiz ausgerüstet, einige Züge<br />

auch mit denen für Spanien. Sie können unter<br />

den drei Stromsystemen 1.500 Volt Gleichstrom<br />

und 15 bzw. 25 kV Wechselstrom verkehren. Bei<br />

25 kV Wechselstrom beträgt die Höchstgeschwindigkeit<br />

320 km/h.<br />

In Südfrankreich wurde eine weitere Hochgeschwindigkeitsstrecke<br />

in Angriff genommen.<br />

Die 60 Kilometer lange Verbindung soll die<br />

Städte Nimes und Montpellier entlasten und<br />

wird daher auch von Güterzügen befahrbar<br />

sein. An mehreren Stellen entstehen Verbindungen<br />

zu den vorhandenen Güter- und Rei-<br />

Miau, hier ist mein <strong>Bahn</strong>hof! Aufmerksames Personal unterstützt die<br />

Mitarbeiter der weißrussischen Eisenbahnen und betreut außerdem<br />

die Reisenden in der Station Maladziecna<br />

Marco Frühwein<br />

Seit Juni 2012 kommt man wieder per Zug auf den Puy-de-Dome. Die<br />

Fahrzeuge stammen von Stadler, die <strong>Bahn</strong> wird von einem kanadischfranzösischen<br />

Konsortium betrieben<br />

David Hruza<br />

85


Chronik<br />

ITALIEN: WIEDER MEHR NACHTZÜGE<br />

Seit 12. Juni 2012 bietet Trenitalia wieder<br />

mehr Nachtzugverbindungen zwischen<br />

Nord- und Süditalien an. So wurden die Zugläufe<br />

Milano – Lecce (zwei Zugpaare) und Milano<br />

– Palermo/– Siracusa (ein Zugpaar)<br />

reaktiviert, nachdem zum Fahrplanwechsel im<br />

Dezember 2011 ein Großteil des nächtlichen<br />

Angebotes gestrichen worden war. Gegen<br />

diese Maßnahme protestierten zahlreiche entlassene<br />

Mitarbeiter und fanden Sympathie in<br />

der Bevölkerung, was offensichtlich zum Erfolg<br />

führte. Die Züge werden aus den Schlaf-,<br />

Liege- und Sitzwagen gebildet, die nach den<br />

Kürzungen zur Abstellung vorgesehen waren.<br />

Die planmäßig 22-stündige Fahrt von Palermo<br />

nach Milano über eine Strecke von rund<br />

1.600 Kilometern dürfte allerdings nur für<br />

hartgesottene Reisende in Frage kommen.<br />

Nicht von den Kürzungen betroffen war unterdessen<br />

die von Trenitalia angebotene Relation<br />

Rom – Sizilien; am 11. April 2012 befährt ein<br />

Nachtzug die Strecke Siracusa – Catania<br />

(links). Text/Foto: Felix Löffelholz<br />

sezugstrecken. Die Inbetriebnahme ist für Ende<br />

2016 angestrebt. Nimes und Montpellier werden<br />

über die beiden neuen <strong>Bahn</strong>höfe Manduel-<br />

Redessan und Odysseum erschlossen. TME<br />

Im Herbst 2012 erhielten die Staatsbahnen<br />

SNCF die ersten Vorserienfahrzeuge des<br />

neuen Triebzugs Regio 2N zu Testzwecken.<br />

Von den teils ein-, teils doppelstöckigen Garnituren<br />

hat die SNCF 129 Fahrzeuge fest bestellt;<br />

ein Rahmenvertrag sieht die Lieferung<br />

von 860 Einheiten vor. M. de Zillisheim<br />

Seit 26. Mai gibt es eine <strong>Bahn</strong>verbindung<br />

auf den Puy-de-Dome, einen 1.465 Meter<br />

hohen Vulkankegel bei Clermont-Ferrand.<br />

Die 4,8 Kilometer lange Meterspurstrecke beginnt<br />

in 890 Metern Höhe, führt auf 1.408<br />

Meter Höhe am Berg und ist mit einer Zahnstange<br />

des Systems Strub versehen. Zum Einsatz<br />

kommen Elektrotriebwagen von Stadler.<br />

Nach Einstellung der Dampfeisenbahn 1925<br />

hat der Puy-de-Dome nun wieder <strong>Bahn</strong>anschluss.<br />

Allerdings wurde es ein Neustart mit<br />

Hindernissen: Ein schweres Gewitter am Eröffnungstag<br />

26. Mai fügte der Strecke schwere<br />

Schäden zu; die Inbetriebnahme verzögerte<br />

sich auf den 16. Juni. Jean-Baptiste Meyer<br />

GROSSBRITANNIEN<br />

Der Londoner <strong>Bahn</strong>hof London Bridge, der<br />

aus einem Kopfbahnhof und einem daneben angeordneten<br />

Durchgangsbahnhof besteht, wird<br />

umgestaltet. Eine großzügige Eingangshalle soll<br />

das komplizierte und unübersichtliche System<br />

der <strong>Bahn</strong>steigzuwege ersetzen. Der Bau des<br />

Kopfbahnhofs geht auf die Anfangszeit der Eisenbahn<br />

zurück. Danach wurde immer wieder<br />

ergänzt. Mehrfach wurde das Signalsystem dem<br />

Stand der Technik angepasst, denn die acht<br />

Gleise des Kopfteils und die sechs des Durchgangsteils<br />

gehören zu den stärkstbelasteten in<br />

Großbritannien. Noch mehr Verkehr ist durch<br />

die im Bau befindliche Nord-Südstrecke „Thameslink“<br />

zu erwarten. Zwei Durchgangsgleise<br />

kommen hinzu, dem Kopfbahnhof werden<br />

dafür zwei Gleise weggenommen. In diesem Bereich<br />

beginnen auch die Umbauarbeiten im Oktober<br />

<strong>2013</strong>. Ende 2017 soll der „neue“ <strong>Bahn</strong>hof<br />

London Bridge fertig gestellt sein. TME<br />

Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in<br />

London übernahm auch die Eisenbahn Transportaufgaben.<br />

Unter dem Namen „Javelin“ –<br />

Speer – pendelte ein Hitachi-Hochgeschwindigkeitstriebzug<br />

der Baureihe 395 zwischen dem<br />

<strong>Bahn</strong>hof St. Pancras im Stadtzentrum und Stratford,<br />

dem Ort des olympischen Zentrums. Auch<br />

zu den Paralympischen Spielen war der Einsatz<br />

des „Speers“ vorgesehen. Oskar Rabe<br />

Der japanische Hersteller Hitachi baut Express-Triebzüge<br />

für Großbritannien. Als Hauptteilhaber<br />

von Agility Trains liefert die Firma 596<br />

Wagen für den Hitachi Super Express. Der<br />

Triebzug soll zwischen London und Schottland<br />

(East Coast Main Line) und zwischen London,<br />

Bristol und Swansea (Great Western Main Line)<br />

fahren. Teil des Vertrags, der einen Umfang von<br />

5,7 Mrd. Euro hat, ist auch die Instandhaltung.<br />

Unter anderem errichtet Hitachi hierfür vier<br />

neue Werke. Die Fertigung der Expresszüge soll<br />

ein neu erbautes Werk in Großbritannien ab<br />

2015 übernehmen. P. Myers<br />

INDONESIEN<br />

Mit rabiaten Methoden versucht eine <strong>Bahn</strong>gesellschaft<br />

in Indonesien das Schwarzfahren<br />

zu verhindern. Entlang der Strecke wurden<br />

Eisengerüste montiert und an diesen Betonkugeln<br />

aufgehängt, die beinahe die Dächer<br />

der durchfahrenden Züge streifen. Die Absicht,<br />

damit Schwarzfahrer von den Dächern<br />

zu holen, wurde von Menschenrechtsgruppen<br />

hart kritisiert.<br />

S. Weber<br />

Er hat Generationen von Kindern verzaubert und bei der Finnischen<br />

Staatsbahn schaffte der kleine Maulwurf aus Tschechien auch den<br />

Sprung auf einen Regionaltriebzug. Bild in Helsinki Marco Frühwein<br />

Der Olympionike auf Londons Gleisen: Mit dem Hochgeschwindigkeitszug<br />

„Javelin“ – Speer – kamen Besucher vom <strong>Bahn</strong>hof St. Pancras<br />

(Foto) zum olympischen Zentrum in Stratford<br />

Andrew Thompson


Weltweit<br />

Am 8. September ist im slowakischen Zvolen der 14. Dampflok-Grand-Prix im Gange. Es nehmen teil die „einheimische“ 464.001, Lok BKV 27<br />

aus Budapest, die KuK 3033 des österreichischen Museums Strasshof sowie die slowakische 422.0108 (von links). Eine der vier Disziplinen<br />

ist der Sprint, den BKV 27 gerade für sich entscheidet. Auch insgesamt trägt die kleine Grüne den Sieg davon ...<br />

Thomas Böhme<br />

ITALIEN<br />

Ein Vierklassensystem führt die italienische<br />

Staatsbahn Trenitalia in ihren Frecciarossa-Zügen<br />

(„Rote Pfeile“) ein. Anstelle der bisherigen zwei<br />

Klassen gibt es neu die Angebote Standard, Premium,<br />

Business und Executive. In der billigsten<br />

Klasse mit 272 Sitzen und dem Sitzteiler 2 + 2<br />

beträgt die Sitzbreite 55,5 Zentimeter und der<br />

Abstand zum Vordersitz 106 Zentimeter – deutlich<br />

mehr als im ICE. Die Premiumklasse in<br />

Zugmitte besteht aus 134 Ledersitzen, die durch<br />

gläserne Trennwände etwas mehr Privatsphäre<br />

schaffen. Die Fahrgäste erhalten Zeitungen und<br />

einen Willkommenstrunk. Die Business-Klasse<br />

umfasst 159 Sitze in der Anordnung 1 + 2; Mobiltelefone<br />

dürfen nicht benutzt werden, dafür<br />

gibt es kostenlose Getränke am Platz. Acht superkomfortable<br />

Sitze bietet die oberste Kategorie<br />

dem Fahrgast; Sitzteiler 1 + 1 – wie im Vorkriegs-<br />

Rheingold. Hinzu kommen sechs Sitze in einem<br />

großen Konferenzabteil. Damit will Trenitalia der<br />

privaten <strong>Bahn</strong>gesellschaft NTV Paroli bieten.<br />

17,8 Kilometer misst die Neubaustrecke, die<br />

Bologna überwiegend im Tunnel unterquert<br />

und um die Jahreswende 2012/13 in Betrieb<br />

geht. Sie verbindet die Hochgeschwindigkeitsstrecken<br />

Bologna – Florenz und Bologna –<br />

Mailand und entlastet die oberirdischen Altbaustrecken<br />

von den Hochgeschwindigkeitszügen.<br />

Unter dem Hauptbahnhof von Bologna<br />

gibt es in 23 Metern Tiefe einen Haltepunkt<br />

mit vier Gleisen, zwei für durchfahrende Züge<br />

und zwei an <strong>Bahn</strong>steigen.<br />

TME<br />

In Italien haben Zoll und Polizei im Juli zwei<br />

Millionen gefälschte Tickets entdeckt. Die in<br />

China produzierten Fahrkarten galten sämtlich<br />

für die Strecke von Rom zum Flughafen Fiumicino<br />

und fielen beim Scannen des Transportcontainers<br />

auf. Die falschen Fahrscheine hatten einen<br />

Wert von mehr als 28 Mio. Euro. M. Gobbi<br />

KANADA<br />

Die ehemaligen DB-Triebwagen-Garnituren<br />

Schienenbus 1: Von der belgischen Museumsbahn „cfv3v Mariembourg“<br />

kam der ehemalige DB-Triebwagen 795 669 im Jahr 1978 zur<br />

luxemburgischen Museumsbahn Fond-de-Gras<br />

Marco Frühwein<br />

Schienenbus 2: Im Vorortverkehr von Uruguays Hauptstadt Monte -<br />

video gab es 2012 sogar noch ein Fahrzeug im Plandienst. Es handelt<br />

sich um Triebwagen 162, einen VT 95<br />

B. Dahlberg<br />

87


Chronik<br />

NIEDERLANDE: FYRA UND PLAN V<br />

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember<br />

2012 ergaben sich in den Niederlanden<br />

größere Änderungen im Fahrzeugeinsatz. Die<br />

seit September 2009 zwischen Amsterdam<br />

Centraal und Breda im Vorlaufbetrieb fahrenden,<br />

160 km/h schnellen Wagenzüge mit Elloks<br />

der Baureihe 186 (Foto) wurden durch<br />

die neuen Hochgeschwindigkeitstriebzüge der<br />

Baureihe V250 von AnsaldoBreda abgelöst.<br />

Ursprünglich sollten diese bereits seit Einführung<br />

des FYRA-Hochgeschwindigkeitsnetzes<br />

fahren. Zeitgleich endete der Einsatz der mit<br />

belgischen Elloks der Staatsbahn-Reihe 28<br />

bespannten BeNeLux-IC zwischen Amsterdam<br />

und Brüssel; diese Züge wurden in das neue<br />

FYRA-Konzept integriert, das die Verwendung<br />

der V250 und die Nutzung der Schnellfahrstrecke<br />

HSL Zuid bis Antwerpen vorsieht.<br />

Aktuell sind die aus den 60er-Jahren stammenden<br />

Nahverkehrstriebwagen NS Mat’64<br />

der Serie Plan V die ältesten eingesetzten Einheiten<br />

der Niederländischen Staatsbahnen<br />

(NS). Nachdem die Strecke Zwolle – Emmen<br />

zum Fahrplanwechsel auf Arriva überging,<br />

dürften die Regionen Limburg und Hochbrabant<br />

die letzten Refugien der Plan V sein.<br />

Text/Aufnahme: Philipp Kuhenne<br />

628/928 102 und 103 haben eine neue Heimat<br />

in Übersee gefunden. Die Chemins de Fer<br />

Charlevoix, Tochter der Eisenbahngesellschaft<br />

Le Massif, setzt sie in der kanadischen Provinz<br />

Quebec ein, wo sie Quebec und Charlevoix<br />

mit einem Skihotel verbinden. Im Januar 2012<br />

wurden die Fahrzeuge in ihre neue Heimat<br />

verschifft. Der Verkauf lief über das Handelsunternehmen<br />

Heros in Zürich. P. Myers<br />

MAROKKO<br />

Im Königreich ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke<br />

im Bau. Ab Ende 2015 soll die Fahrzeit<br />

zwischen Tanger und Casablanca nur noch zwei<br />

Stunden zehn Minuten statt derzeit vier Stunden<br />

45 Minuten betragen. Die Neubaustrecke führt<br />

über 200 Kilometer von Tanger nach Kénitra,<br />

dann wechseln die Züge auf die modernisierte<br />

Linie nach Rabat und Casablanca. Die Staatsbahn<br />

ONCF hat für den Betrieb 14 Doppelstock-TGV<br />

bei Alstom bestellt. Sie sind für 25<br />

kV Wechselstrom auf der Neubaustrecke und 3<br />

kV Gleichstrom im Altnetz ausgerichtet und sollen<br />

mit bis zu 320 km/h verkehren. TME<br />

PORTUGAL<br />

Die portugiesische Regierung hat im März<br />

alle Pläne zum Bau von normalspurigen<br />

Hochgeschwindigkeitsstrecken gestrichen.<br />

Stattdessen soll der Bau von Güterzugstrecken<br />

in der Spurweite 1.435 Millimeter von den<br />

Atlantikhäfen Sines und Aveiro nach dem übrigen<br />

Europa untersucht werden. Auslöser für<br />

die Entscheidung ist die Wirtschaftskrise, in<br />

der Portugal sich befindet. TME<br />

SAUDI-ARABIEN<br />

Ab 2015 oder 2016 sollen Talgo-Züge über<br />

die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Mekka<br />

über Dschidda nach Medina fahren. Die<br />

Saudi Railways Organization hat 35 der 320<br />

km/h schnellen und 215 Meter langen Züge<br />

mit Einachslaufwerken zwischen den Wagen<br />

bestellt; sie werden von den Baureihen 102<br />

und 112 der spanischen Staatsbahn Renfe abgeleitet.<br />

Die Triebköpfe liefert Bombardier. In<br />

den 13 Mittelwagen finden 417 Fahrgäste in<br />

zwei Wagenklassen Platz. Zusätzlich wird ein<br />

VIP-Zug geliefert, der der königlichen Familie<br />

und ihrer Gefolgschaft vorbehalten ist und<br />

auch über Schlafwagen verfügt. Die zweigleisige<br />

Strecke zwischen den beiden heiligen<br />

Städten wird 450 Kilometer lang und mit 25<br />

kV 60 Hz elektrifiziert.<br />

TME<br />

SLOWAKEI<br />

Gleich mit zwei Ereignissen ließ die Museumsbahn<br />

von Cierny Balog im Jahr 2012 aufhorchen.<br />

Im Januar vereinbarte sie mit der<br />

Staatsbahn ZSR die Übernahme der elektrischen<br />

Schmalspurbahn Trencianska Tepla –<br />

Trencianska Teplice zum 1. April. Am 30. April<br />

ging dann bei der Schwarzgranbahn in Cierny<br />

Balog ein rund drei Kilometer langes Streckenstück<br />

in Betrieb. Besonderheit der neuen 760-<br />

Millimeter-Strecke ist, dass sie auch durch ein<br />

Fußballstadion führt; das Gleis liegt zwischen<br />

Tribüne und Spielfeld. Josef Kempiak<br />

SPANIEN<br />

Ab dem 31. Juli <strong>2013</strong> werden die spanischen<br />

Breitspur-, Normalspur- und Schmalspurstrecken<br />

dem Wettbewerb im Reisezugverkehr ge-<br />

Mit einer Alstom-Lok des Typs Prima II verlässt ein IC der marokkanischen<br />

<strong>Bahn</strong>gesellschaft ONCF Marrakesch Richtung Casablanca. Dieser<br />

Abschnitt soll bald zweigleisig ausgebaut werden T. Meyer-Eppler<br />

Im polnischen Luban Slaski, dem früheren Lauban in Schlesien, haben<br />

es sich die Stellwerker gemütlich gemacht. Gardinen und Pflanzen<br />

machen den Arbeitsplatz Tag wie Nacht heimelig Marcus Benz<br />

88


Weltweit<br />

öffnet. Das beschloss das spanische Kabinett am<br />

20. Juli 2012. Bislang gab es Wettbewerb nur<br />

im Güterverkehr und allein im konventionellen<br />

Breitspurnetz. Bei der Umstrukturierung wird<br />

die Nationalbahn Renfe in vier Gesellschaften<br />

(Personenverkehr, Güterverkehr, Fahrzeugunterhaltung,<br />

Fahrzeugvermietung) zerlegt. Die<br />

staatliche Meterspurbahngesellschaft FEVE<br />

wird Ende 2012 aufgelöst. Ihre Gleisanlagen<br />

gehen auf die Infrastrukturgesellschaft ADIF<br />

über, Betrieb und Fahrzeuge auf die Renfe bzw.<br />

später die neuen Gesellschaften. TME<br />

Seit 16. Februar 2012 fahren elektrische<br />

Züge auch von Palma über Inca zum Abzweigbahnhof<br />

Enllac. Die Serveis ferroviaris<br />

de Mallorca nahm den zweigleisigen Meterspurabschnitt<br />

etwa ein halbes Jahr später als<br />

geplant in Betrieb. Allerdings ist die Elektrifizierung<br />

damit noch nicht abgeschlossen; von<br />

Enllac nach Sa Pobla und Manacor reist man<br />

weiter in Dieseltriebzügen. T. L. Gatos<br />

TSCHECHIEN<br />

Tierische Neuheiten bereichern den Fuhrpark<br />

der Tschechischen Staatsbahn CD. Mit<br />

Dieseltriebwagen der Baureihe 844 („Regio-<br />

Shark“, auf deutsch: Regio-Hai) des polnischen<br />

Herstellers PESA will die CD im<br />

Haifischbecken Schienennahverkehr bestehen.<br />

Weiter beschafft werden die Elektrotriebwagen<br />

„Regio-Panter“, mit denen die CD<br />

sich auch zukünftig Nahverkehrsleistungen<br />

krallen möchte. Daneben hat die Staatsbahn<br />

RegioShuttle RS1 von Stadler bestellt.<br />

Aber auch Tschechiens Privatbahnen rüsten<br />

auf: Das Unternehmen Leo Express ging zum<br />

9. Dezember 2012 mit einem gleichnamigen<br />

Zug an den Start. Das Fahrzeug, ein fünfteiliger<br />

FLIRT-Triebzug, bietet 237 Sitzplätze in<br />

drei Wagenklassen: Economy (212 Plätze),<br />

Business (19 Plätze) und Premium (6 Plätze),<br />

wobei der Betreiber großen Wert auf Komfort<br />

legt. So soll die Premium-Klasse der teuersten<br />

Klasse eines Langstreckenflugs entsprechen.<br />

Die Fahrzeuge bedienen die Strecke Praha<br />

(Prag) – Olomouc (Olmütz) – Ostrava<br />

(Ostrau) – Bohumin, auf der bereits die CD<br />

und die Privatbahn RegioJet um Marktanteile<br />

ringen.<br />

Felix Bracht<br />

Um die geforderte Barrierefreiheit zu bieten,<br />

setzte die CD von April bis Ende Oktober 2012<br />

Ziemlich verändert haben sich die ehemaligen DB-Triebwagen 614 in rumänischen Diensten.<br />

Im Sommer 2012 hält eines der umgebauten Fahrzeuge im <strong>Bahn</strong>hof Cicuea Josef Mauerer<br />

gemietete 642er von DB Regio ein. Vier „Desiro“-Triebwagen<br />

bedienten die Strecken Decin<br />

– Rumburk und Rumburk – Dolni Poustevna.<br />

Auf der Strecke Karlsbad – Marienbad fuhren<br />

bis September RegioSprinter der Vogtlandbahn.<br />

Sie wurden dann durch Triebzüge 813.1/913.1<br />

von GW Train Regio abgelöst. Josef Kempiak<br />

Die CD haben ihre Railjet-Bestellung bei Siemens<br />

reduziert. Statt 16 Garnituren werden acht<br />

bestellt, allerdings mit jeweils acht statt sieben<br />

Wagen. Die Züge sollen ab Dezember 2014 auf<br />

der Strecke Prag – Brünn – Wien – Graz mit<br />

österreichischen 1216-Ellok fahren. TME<br />

TÜRKEI<br />

Der Marmaray-Tunnel, die 14 Kilometer<br />

lange Bosporus-Unterquerung zwischen dem<br />

europäischen und dem asiatischen Teil Istanbuls,<br />

nähert sich der Fertigstellung. Anfang<br />

2012 nahm außerdem ein spanisch-türkisches<br />

Konsortium den Ausbau der Zulaufstrecken<br />

in Angriff. 63 Kilometer, im Westen ab Halkali<br />

und im Osten bis Gebze, werden modernisiert<br />

und von zwei- auf dreigleisig erweitert.<br />

Unterdessen laufen die Arbeiten, um die Stadt<br />

Bursa ans <strong>Bahn</strong>netz anzuschließen. Im Bau ist<br />

eine 75 Kilometer lange zweigleisige Strecke,<br />

die in Bilecik von der Hauptstrecke Istanbul –<br />

Ankara abzweigt. Auf ihr sollen Hochgeschwindigkeitszüge<br />

mit bis zu 250 km/h sowie<br />

Güterzüge fahren. Bis zum geplanten Start<br />

Mitte 2015 müssen 20 Tunnel, 44 Brücken<br />

und 20 Viadukte gebaut werden. TME<br />

UNGARN<br />

Zum 15. Juni hat die Ungarische Staatsbahn<br />

MÁV den inländischen Speisewagenbetrieb<br />

eingestellt. Der Vertrag mit der<br />

Cateringfirma endete und wurde angesichts<br />

zu geringer Einnahmen nicht neu vergeben.<br />

In den internationalen Zügen laufen weiterhin<br />

Speisewagen. Josef Kempiak<br />

Mit Unterstützung der Europäischen Union<br />

hat die MÀV 2012 die Fertigung von Reisezugwagen<br />

wieder in die Wege geleitet. Nach<br />

einem am 31. Januar geschlossenen Vertrag<br />

entstehen im Ausbesserungswerk von Szolnok<br />

50 Wagen des Typs „IC Plus“. Die 200 km/h<br />

schnellen Wagen sollen auch international<br />

zum Einsatz kommen. Leopold Happ<br />

USA<br />

Der Hurrikan „Sandy“ sorgte Ende Oktober<br />

im New Yorker <strong>Bahn</strong>verkehr für Chaos.<br />

Vorortstrecken der New York Transit wurden<br />

durch Wind und Regen verwüstet. Vier Wochen<br />

später waren die meisten Strecken wieder<br />

befahrbar, teils mit eingeschränktem Fahrplan.<br />

Nur die 68 Kilometer lange elektrifizierte<br />

Vorortstrecke New York Penn Station/<br />

Hoboken – Gladstone konnte bis Ende November<br />

noch nicht in Betrieb gehen. MW<br />

Goldene Zeiten für Tschechiens Reisende? Der FLIRT-Triebzug des<br />

Leo Express wirbt um sie mit attraktiven Farben und neuartiger Inneneinrichtung<br />

Andrew Thompson<br />

Kampfansage an die Konkurrenz? Ob sich der „Regio-Shark“ der CD<br />

in Tschechiens Nahverkehr durchbeißt, wird die Zukunft zeigen (Bild<br />

in Domazlice)<br />

Thomas Szymanowski<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong>


Impressionen<br />

<strong>Bahn</strong>betrieb<br />

Alles außer langweilig<br />

90


<strong>Bahn</strong>betrieb<br />

Vielfalt der Fahrzeuge, breites Zugangebot, immer wieder etwas Neues und zwischendrin<br />

so mancher Anklang an früher: Der aktuelle <strong>Bahn</strong>betrieb ist eine Fundgrube für<br />

Eisenbahnfreunde. Fundstücke aus dem <strong>Bahn</strong>geschehen 2012<br />

Wie lange wohl noch 180er im Elbtal den Dampfern aus<br />

Dresden begegnen? Im Zeitalter von 185 und 189 gehen die<br />

Leistungen für die älteren Zweisystem-Elloks aus tschechischer<br />

Produktion zurück. Am 23. Juli kommt 180 017<br />

mit einem Kesselwagenzug durch Pirna<br />

Georg Wagner<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

91


Impressionen<br />

Sommer, Sonne, Sonnenblumen: Zwei LINT-Triebwagen der Nordwestbahn<br />

brummen Anfang September bei Krefeld-Meerbusch buchstäblich durch<br />

die Felder. Die Privatbahn bedient hier die Verbindungen RE 7 Krefeld –<br />

Neuss – Köln und RE 10 Kleve – Krefeld – Düsseldorf Thomas Feldmann<br />

Petrus ist pünktlich: Am ersten Tag der Winterzeit gibt es in Süddeutschland auch den ersten<br />

Schnee. Aber echte Fans hält das nicht auf (München-Nockherberg, 28. Oktober)Johnny Loschert<br />

92


Wetter 2012<br />

Ende August/Anfang September ist die Zeit des Rosenheimer Herbstfestes. Dann fährt auch<br />

der „Rohrdorfer Wiesn-Express“ auf dem Streckenstück Rosenheim – Rohrdorf. Anno 2012<br />

zieht 260 106 von Logistik Wiesböck einen Esslinger Beiwagen durchs frühherbstliche Land<br />

Michael Krische<br />

Ohne große Kapriolen<br />

In den vergangenen Jahren spielte das<br />

Wetter der <strong>Bahn</strong> manchen Streich, 2012<br />

hält es sich – Stand Redaktionsschluss –<br />

zurück. Aber auch so ist die <strong>Bahn</strong> in der<br />

Natur immer wieder eindrucksvoll<br />

Ende Juli ist eine 218-Diesellok mit ihrem<br />

RE auf der Strecke Bad Vilbel –<br />

Stockheim unterwegs. Die Kornrollen<br />

bilden einen kräftigen Kontrast zur verkehrsroten<br />

Zuggarnitur Dr. Frank Halter<br />

Typisches Aprilwetter herrscht am 21. April über Düsseldorf-Rath: 203 305 von DB Gleisbau dieselt<br />

mit ihrem Zug unter Sonne, aber hinten braut sich auch etwas zusammen ... Marcus Henschel<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

93


Impressionen<br />

Abseits der Magistralen findet man im Kalirevier rund um Heringen und Unterbreizbach ein<br />

kleines Dieselparadies. Am 13. September verlässt 294 646 mit Kalizug EK 55313 Heimboldshausen<br />

Marcus Benz<br />

Gute alte Zeit<br />

Selbst 2012 gibt es sie noch, die Relikte aus dem<br />

Betrieb vergangener Jahre, die viele Erinnerungen<br />

wecken. Und dann sind da die letzten Chancen:<br />

die Fahrzeuge, Züge oder Strecken auf Abruf, die<br />

man vorher tunlichst miterleben will<br />

Im Güterbahnhof<br />

von Herborn erinnert<br />

eine Uhr an<br />

die Jahre, als hier<br />

Waren umgeschlagen<br />

wurden. Inzwischen<br />

liegt die<br />

Anlage brach, die<br />

Zeit steht nicht<br />

nur auf dem Zifferblatt<br />

still (Bild<br />

vom 30. Mai)<br />

Dr. Lutz Münzer<br />

Vor den werktäglichen Verstärkerzügen<br />

vom Niederrhein ins Ruhrgebiet fahren<br />

noch 110er des Betriebshofs Dortmund<br />

mit n-Wagen. Am 10. August kehrt<br />

110 402 mit ihrer RB 35 von Duisburg<br />

zurück nach Wesel Philipp Kuhenne<br />

94


„Historische <strong>Bahn</strong>“<br />

Vermutlich kann man das schon unter Auslaufbetrieb verbuchen:<br />

Lediglich zwei Intercity-Züge gibt es im Fahrplanjahr 2011/2012<br />

auf der Strecke Koblenz – Trier, kein großes Pensum für die Elloks<br />

der Baureihe 181. Am 8. September eilt 181 215 mit ihrem IC<br />

durch Kattenes an der Mosel Marcus Henschel, Rico Emersleben (Bild u.r.)<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

Der <strong>Bahn</strong>hof ist das Tor zur Stadt, also lohnt es sich, hier zu<br />

werben. Die freundliche Zeichnung vom Tierpark Senftenberg<br />

tröstet im Oktober 2012 über die anonyme Station hinweg<br />

95


Impressionen<br />

Drei mal K: Auf dem Weg von Karlsruhe nach<br />

Kreuzlingen macht der Regionalexpress am<br />

8. August 2012 in Konstanz Station. Ellok<br />

146 231 wirbt auf der Seitenwand für einen<br />

Besuch der Schwarzwaldbahn Zeno Pillmann<br />

Weil IC 131 am 23. Juni verspätet in Emden Hbf eintrifft, springt die mit einer Sonderfahrt anwesende<br />

Museumsdampflok 01 1066 als Zuglok nach Emden Außenhafen ein. So kann der<br />

IC-Lokführer vorschriftsgemäß pausieren<br />

Claus-Peter Heißenbüttel<br />

Viel Gepäck haben die Reisenden, die<br />

am 18. August mit dem IC „Rottaler<br />

Land“ von Passau nach Hamburg fahren.<br />

Taschen und Koffer kommen per<br />

Karren zum Zug – ganz klassisch<br />

Toni Burger<br />

96


Nur noch ein Jahr lang erleben Alina und ihr Pferd auf der Strecke München – Rosenheim die<br />

111er-Elloks mit Doppelstock-Wagen. Ende <strong>2013</strong> will Veolia hier mit Meridian-(= FLIRT-)Triebzügen<br />

starten<br />

Veselin Kolev<br />

Gewohntes und Ungewohntes<br />

Klar, den Intercity kennt man. Aber mit<br />

Dampflok? Auch Gepäckkarren von früher<br />

sind hier und da im Dienst. Die <strong>Bahn</strong> 2012<br />

bietet Normales wie Überraschungen. Oder<br />

einfach: eine Mischung mit viel Flair<br />

Der rot-beige Speisewagen im Alex ist für die Reisenden schon ein guter Bekannter. Im<br />

Abendblau des 14. Oktober rangiert Regentalbahn-Diesellok D 04 ihn und einen weiteren<br />

Alex-Wagen in Regensburg<br />

Christian Tscharre<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 1/<strong>2013</strong><br />

97


<strong>Vorschau</strong> – Leserservice – Impressum<br />

Freuen Sie sich auch auf das nächste Heft: <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> 2/<strong>2013</strong><br />

Die Berliner S-<strong>Bahn</strong><br />

Das Rückgrat der Metropole: Auch wenn es nach den Krisenmeldungen der jüngeren Zeit nicht den Anschein hat: Die<br />

S-<strong>Bahn</strong> spielt für den Berliner Nahverkehr eine überaus wichtige Rolle. Und sie ist ein Stück Stadtgeschichte. Das kommende<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> stellt Ihnen die Berliner S-<strong>Bahn</strong> vor: die Anfänge, die Entwicklung, die Fahrzeuge, den Zugbetrieb<br />

während der Teilung und nach der Wiedervereinigung und, nicht zu vergessen, die aktuelle Problematik. Ein Ausflug mit<br />

vielen Daten, Fakten, brillanten Aufnahmen und mit reichlich Lokalkolorit!<br />

Aufnahme: Ralph Lüderitz<br />

Impressum<br />

1/<strong>2013</strong> l Januar/Februar<br />

24. Jahrgang l Nummer 122<br />

Internet: www.eisenbahnwelt.de<br />

Redaktionsanschrift:<br />

<strong>BAHN</strong>-<strong>EXTRA</strong><br />

Postfach 40 02 09 80702 München<br />

l<br />

Tel. +49 (0) 89.13.06.99.720, Fax - 700<br />

E-Mail: redaktion@geramond.de<br />

Redaktionsleitung: Michael Krische<br />

Verantwortl. Redakteur: Thomas Hanna-Daoud<br />

Redaktion: Martin Weltner, Alexandra Wurl<br />

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />

Layout: Karin Vierheller, Rico Oehme<br />

Mitarbeit: Stefan Aldejohann, Heiko Focken, Chris -<br />

tian Gloël, Markus Inderst, Veselin Kolev, Philipp<br />

Kuhenne, Tomas Meyer-Eppler, Uwe Miethe, Erich<br />

Preuß, Michael Reimer, Dr. Hans-Bernhard Schönborn,<br />

Oliver Strüber, Dr. Stefan Vockrodt u.v.m.<br />

Abo-Hotline, Kundenservice,<br />

GeraMond-Programm<br />

Tel. (0180) 5 32 16 17*<br />

Fax (0180) 5 32 16 20*<br />

E-Mail: leserservice@bahnextra.de<br />

(*14 Cent pro Minute)<br />

Gesamtanzeigenleitung:<br />

Helmut Kramer, Tel. +49 (0) 89.13.06.99.270,<br />

helmut.kramer@verlagshaus.de<br />

Anzeigenleitung <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong>:<br />

Helmut Gassner, Tel. +49 (0) 89.13.06.99.520,<br />

Fax - 100; helmut.gassner@verlagshaus.de;<br />

www.verlagshaus-media.de<br />

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.<strong>2013</strong><br />

Litho: Cromika, Verona<br />

Druck: Stürtz GmbH,<br />

Alfred-Nobel-Str. 33, 97080 Würzburg<br />

Verlag:<br />

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Zuletzt erschienen:<br />

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wie Sie? Dann empfehlen Sie uns doch weiter! Ich freue mich über jeden neuen Leser.<br />

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Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />

Geschäftsführung:<br />

Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />

Herstellungsleitung: Sandra Kho<br />

Vertrieb Zeitschriften: Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />

MZV, Moderner Zeitschriften Vertrieb<br />

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Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

Preise: Einzelheft Euro 14,90 (D) (bei Einzelversand<br />

zzgl. Versandkosten); Jahresabopreis<br />

(6 Hefte) Euro 63,72 (inkl. Mehrwert steuer,<br />

im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />

ISSN 0937-7174 l ISBN 978-3-86245-186-9<br />

Zeitungskennzahl 12126<br />

Erscheinen und Bezug:<br />

<strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong> erscheint alle zwei Monate je weils Mitte/<br />

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in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheber<br />

rechtlich geschützt. Durch Annahme eines Ma nu skripts<br />

erwirbt der Ver lag das aus schließ liche Recht zur Veröffentlichung.<br />

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ist München.<br />

100-%-Gesellschafterin der GeraMond Verlag GmbH ist<br />

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Gesellschafter: Clemens Schüssler.<br />

Verantwortlich für den redak tionellen Inhalt: Thomas Hanna-<br />

Daoud; verantwortlich für die Anzeigen: Helmut Kramer;<br />

beide Infanteriestraße 11a, 80797 München.<br />

Verantwortlicher Redakteur <strong>BAHN</strong> <strong>EXTRA</strong><br />

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