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STRASSENBAHN MAGAZIN Köln: 50 Jahre Stadtbahn (Vorschau)

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Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift<br />

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Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

Schmal aber fein: Trams auf<br />

den kleinsten Spurweiten<br />

Linienporträt U75: In Oldies<br />

von Düsseldorf nach Neuss<br />

Abschied in Magdeburg:<br />

Tatra-Tw haben ausgedient<br />

<strong>Köln</strong>: <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong><br />

<strong>Stadtbahn</strong><br />

Von den ersten U-Strab-Strecken<br />

zum neuen Nord-Süd-Tunnel


Faszination Nahverkehr<br />

GT8SU<br />

GT8S 3052<br />

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Einsteigen, bitte …<br />

Viele Ziele, viele Nummern?<br />

Stimmen Sie ab<br />

Zum Fahrplanwechsel im Dezember<br />

2012 wurde in München die neue<br />

Straßenbahnlinie 22 eingeführt (siehe<br />

auch Meldung Seite 12). Am<br />

Karlsplatz beginnen somit nun an ein und<br />

demselben Bahnsteig gleich drei verschiedene<br />

Tramlinien, die den Weg auf ein und<br />

derselben Strecke in Richtung Nordwesten<br />

nehmen. Einziger Unterschied: Während<br />

die als Linie 20 bezeichneten Bahnen die<br />

Gesamtstrecke bis zum Bahnhof Moosach<br />

befahren, enden die Bahnen der nur zeitweise<br />

eingesetzten Linien 21 (am Westfriedhof)<br />

und 22 (an der Hochschule) bereits<br />

an Zwischenwendeschleifen. Jedem<br />

Ziel seine Linie – dem einen Fahrgast mag<br />

es helfen, den anderen verwirrt es.<br />

In <strong>Köln</strong> findet man das andere Extrem:<br />

Dort wurde im Jahr 2007 „bereinigt“, die<br />

nur zeitweise fahrenden Verstärkungslinien<br />

wurden aus dem Liniennetz der <strong>Stadtbahn</strong><br />

rigoros verbannt und jeder Kurs<br />

Welche Liniennummern sollten „Kurzläufer“ haben, die nicht bis<br />

zur regulären Endstelle einer Stammlinie fahren?<br />

• Nach Möglichkeit sollten eigene Liniennummern vergeben werden,<br />

auch wenn diese Linien dann nur selten oder zeitweise fahren<br />

• Zu viele Liniennummern verwirren nur. Die Stammliniennummer und<br />

die Fahrtzielangabe der Endstation des Kurses reichen völlig aus<br />

• Die Fahrtzielangabe ist entscheidend, die Stammliniennummer sollte<br />

aber zusätzlich um ein „E“ ergänzt oder durchgestrichen sein<br />

Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />

fährt seither konsequent unter der Stammliniennummer.<br />

Auf den Aushangfahrplänen<br />

geben Kreuze, Sternchen, Rauten,<br />

Kreise oder Halbkreise per Fußnoten die<br />

Endstationen der Fahrten an, die nicht den<br />

kompletten Linienweg bedienen – und das<br />

sind eine ganze Menge. „Spitzenreiter“ ist<br />

die Linie 18, die allein in Fahrtrichtung<br />

Süden fünf verschiedene planmäßige Ziele<br />

besitzt – und unter der Woche tagsüber<br />

keinen einzigen Kurs, der wirklich von<br />

Linienende zu Linienende fährt. Viele Ziele,<br />

eine Linie – dem einen Fahrgast mag es<br />

helfen, den anderen verwirrt es.<br />

Zahlreiche Betriebe ergänzen – mal<br />

mehr, mal weniger konsequent – bei<br />

„Kurzläufern“ die Linienummer um<br />

ein vor- oder nachgestelltes „Einsatzwagen-E“.<br />

Manchmal, so in Hannover oder<br />

Essen, wird in guter alter Straßenbahntradition<br />

auch noch auf die diagonal durchgestrichene<br />

Stammliniennummer zurückgegriffen.<br />

Die „halbe Linie“ signalisiert, dass<br />

zwar auf dem Weg dieser Linie, aber nicht<br />

bis zu deren regulären Endstation<br />

gefahren wird – dem einen<br />

Fahrgast mag es helfen, den<br />

anderen verwirrt es.<br />

Eigene Liniennummern<br />

oder ergänzte/durchgestrichene<br />

Stammliniennummern<br />

– was ist die sinnvollste<br />

Kennzeichnungs-Variante für<br />

„Kurzläufer“? Ich bin auf<br />

Ihre Meinung gespannt!<br />

Selber Bahnsteig,<br />

selbe Strecke, selbe<br />

Richtung – nur andere<br />

Endstationen. Wie<br />

die Linie 20 und die<br />

neue Linie 22 wendet<br />

auch die Linie 21 am<br />

Münchener Karlsplatz,<br />

hier mit einer P-Wagen-Garnitur.<br />

Oder<br />

handelt es sich<br />

bei der 20/21/22<br />

eigentlich nur<br />

um eine Linie?<br />

P. KRAMMER<br />

André<br />

Marks<br />

Verantwortlicher<br />

Redakteur<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

3


Inhalt<br />

Inhalt<br />

TITEL<br />

Der <strong>Köln</strong>er Weg in den Untergrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />

Betriebe<br />

Stück für Stück unter die Erde . . . . . . . . . . . . . . 16<br />

TITEL<br />

<strong>Köln</strong>: <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau – 1963 begann in der Domstadt der<br />

Tunnelbau zur Tieferlegung von Straßenbahnstrecken. Inzwischen ist<br />

das System in ein Niederflur- und Hochflurnetz geteilt. Letzteres wartet<br />

dringend auf Entlastung durch die neue Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong>, die<br />

aber nur Stück für Stück eröffnet werden kann<br />

TITEL<br />

Generationswechsel an der Elbe . . . . . . . . . . . 28<br />

Abschied von den T/B6A2 in Magdeburg – Nach dem T4-Ende<br />

im Oktober 2012 endet auf den Tram-Gleisen der Landeshauptstadt<br />

von Sachsen-Anhalt in diesen Tagen auch der Planeinsatz der Tatra-<br />

T6. Die MVB planen für alle Tatras eine offizielle Verabschiedung<br />

In Klassikern nach Neuss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />

TITEL<br />

Düsseldorfs Linie U75 im Porträt – Mit einer echten U-Bahn hat<br />

sie nicht viel zu tun – meist verkehrt die U75 als klassische Straßenbahn.<br />

Dabei geht es durch den Neusser Hafen, über den Rhein und<br />

durch enge Häuserschluchten. Und sie bietet auch die letzten Düsseldorfer<br />

Klassiker: die GT8SU<br />

Wieder zum Wasserfall! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38<br />

Kirnitzschtalbahn wieder komplett in Betrieb – Seit dem<br />

14. Dezember 2012 verkehren die Züge der Kirnitzschtalbahn wieder<br />

bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Alle Hochwasserschäden vom Sommer<br />

2010 sind behoben. Bis zum 28. März 2013 gilt nun der reguläre<br />

Winterfahrplan<br />

RUBRIKEN<br />

»Einsteigen, bitte …« . . . . 3<br />

Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />

Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

Nächster Halt. . . . . . . . . . . 47<br />

Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 62<br />

Forum, Bücher,<br />

Termine, Impressum. . . . . . 78<br />

<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />

»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />

Das besondere Bild . . . . . . 83<br />

Mit Blick auf die große Bucht . . . . . . . . . . . . . . . 40<br />

Die neue Tram in Brest – Sie ist<br />

eine Revolution im ÖPNV und<br />

verändert das Bild der Stadt am<br />

Ende der Bretagne – die 2012 neu<br />

eröffnete Tramlinie 1. Der Beitrag<br />

schildert die Vorgeschichte, den Bau,<br />

die Einweihung und gibt einen Ausblick<br />

auf neue Pläne<br />

4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 2<br />

Alte Bekannte und ihre neue Heimat in Osteuropa 48<br />

Ein Dreiwagen-Zug aus Fuchs-Vierachsern passiert im März 1969<br />

auf der OEG-Strecke zwischen Heidelberg und Mannheim den<br />

Wasserturm und das Einfahrsignal in Edingen<br />

W. WALPER<br />

Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />

Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />

Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />

historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />

Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />

und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />

Münchens Maximum-Triebwagen nach 1945 58<br />

Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />

erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und<br />

spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />

Fahrzeuge<br />

Verstreut in alle Richtungen. . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />

Deutsche Gebrauchtwagen in Europa – Nach 1990 gaben zahlreiche<br />

ostdeutsche Betriebe ihre Gothas und Tatras an Städte in Osteuropa<br />

ab. Teil 3 dieser „Exportwagen“-Geschichte beinhaltet aber auch<br />

die von Dessau, Nordhausen und Halle weiterververkauften „West-Tw“<br />

Schluss mit Olympia. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58<br />

Münchens Maximum- Dreh gestell-Tw nach 1945 – In diversen<br />

umgebauten und modernisierten Varianten prägten die Maximum-<br />

Wagen das Münchner Stadtbild auch nach dem Zweiten Weltkrieg.<br />

Erst 1972 war die Ära zu Ende<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />

Gieramms Flensburger Papp-Tw . . . . . 74<br />

Aus Pappe gebaut und auf H0-Gleis fahrend erinnert Tw 36<br />

an die einst nördlichste Straßenbahn Deutschlands<br />

Bineks Umbauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76<br />

Mit Säge und Klebetube bastelt sich ein Wiener Gymnasiallehrer<br />

Straßenbahnmodelle, die so nicht jeder hat<br />

Geschichte<br />

Ein Depot mit drei Endstellen . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />

Wechselhafte Geschichte in Kleinzschocher – Zum Wenden von<br />

Linienzügen war das Depot Kleinzschocher zu klein. Deshalb gab es in<br />

seiner Nachbarschaft verschiedene Endstellen. Die Betriebsabwicklung<br />

war interessant und abwechslungsreich<br />

Die schmalsten Elektrischen. . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />

Weniger als 800 mm Spurweite – Trams und straßenbahnähnliche<br />

Betriebe auf Gleisen unter einem Meter Spurweite waren weltweit<br />

eine Seltenheit. Die schmalsten von ihnen stellt dieser Beitrag vor<br />

Titelmotiv<br />

GT8 Nr. 3511 taucht im<br />

April 1985 über die gerade<br />

neu eröffnete Rampe<br />

Gutenbergstraße in den<br />

Untergrund ab.<br />

Vor <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong>n begann in<br />

<strong>Köln</strong> der Tunnelbau zur Tieferlegung<br />

von Straßenbahnstrecken<br />

in der Innenstadt<br />

MICHAEL BEITELSMANN<br />

TITEL<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

5


Bild des Monats<br />

6<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Frankfurt (Main)<br />

Bild des Monats<br />

Seit in Frankfurt (Main) im<br />

Liniendienst nur noch türkis<br />

– offiziell „subara vista<br />

blue“ – lackierte oder mit<br />

Ganzwerbung versehene<br />

NGT zum Einsatz kommen,<br />

hat „Mainhattan“ für<br />

Tramfreunde an Attraktivität<br />

verloren. Im vergangenen<br />

Winter änderte sich das<br />

noch einmal: Wegen Wagenmangels<br />

wurden zwischen<br />

Dezember 2011 und März<br />

2012 Linienkurse mit restaurierten<br />

Düwag-Gelenkwagen<br />

aus dem Museumsbestand<br />

gefahren. So kam<br />

u.a. der 1963 gebaute Einrichtungs-Achtachser<br />

112<br />

(Typ N) noch einmal zu<br />

Plandienst-Ehren. Michael<br />

Beitelsmann nahm ihn<br />

an der Haltestelle Oberschweinstiege<br />

auf.<br />

Mehr zu den Einsätzen der<br />

Frankfurter Museumswagen<br />

sowie eine Vorausschau auf<br />

die entscheidenden Ereignisse<br />

und möglichen Überraschungen<br />

im neuen Straßenbahn-Jahr<br />

liefert Ihnen das<br />

aktuelle <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

JAHRBUCH 2013!<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

7


Meldungen aus Deutschland,<br />

aus der Industrie und aus aller Welt<br />

Cottbus: Wiederinbetriebnahme der Strecke durch die Bahnhofstraße<br />

Straßenbahnnetz wieder komplett<br />

Nach 21 Monaten Bauzeit fahren<br />

seit dem 4. Dezember 2012 wieder<br />

Straßenbahnen durch die ca. 800 m<br />

lange Bahnhofstraße. Gleichzeitig endete<br />

der Schienenersatzverkehr auf<br />

der Linie 1, womit das Cottbuser Straßenbahnnetz<br />

nun wieder vollständig<br />

in Betrieb ist. Während der baubedingten<br />

Vollsperrung der Bahnhofstraße<br />

mussten die Linien 2, 3 und 4 über die<br />

Stadtpromenade geleitet werden.<br />

Tw 141 erreicht im Einsatz auf der<br />

Wochenendlinie 5 auf der neu<br />

gestalteten Bahnhofstraße die<br />

Haltestelle August-Bebel-Straße<br />

Mit den ersten Entwürfen zur Umgestaltung<br />

der Bahnhofstraße wurde<br />

im Frühjahr 2009 zum Zeitpunkt der<br />

Stilllegungsdiskussion der Straßenbahn<br />

begonnen. Dementsprechend<br />

war ursprünglich kein Wiedereinbau<br />

von Gleisen vorgesehen. Das änderte<br />

sich erst mit dem Stadtverordnetenbeschluss<br />

vom 24. Juni 2009, der das<br />

Ende der Straßenbahndiskussion markierte.<br />

Ende 2009 konnten Cottbusver-<br />

KTNF6 146 erklimmt – hier noch auf „Schnee-”, bald aber auf Rasengleistrasse<br />

– die erneuerte Nordrampe der Bahnhofsbrücke M. KEUCHEL (3)<br />

kehr und die Stadtverwaltung die Planungen<br />

schließlich wieder aufnehmen.<br />

Mit dem 8,4 Mio. Euro teuren Umbau<br />

sollte die Bahnhofstraße von ihrem<br />

Charakter als Verkehrsschneise entbunden<br />

und vom Autoverkehr entlastet<br />

werden.<br />

ONLINE-UMFRAGE<br />

Berichterstattung über<br />

neue Trams in Frankreich<br />

Im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

1/2013 haben wir in der Rubrik<br />

„Einsteigen, bitte …“ den Umfang der<br />

Berichterstattung im Heft über neue<br />

Tram-Betriebe in Frankreich thematisiert.<br />

Sie als Leser waren eingeladen, dazu<br />

Ihre Wünsche anzugeben.<br />

Im Vergleich zur Abstimmung im Heft<br />

davor fiel das Ergebnis sehr knapp aus:<br />

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer –<br />

genauer gesagt 52,4 Prozent – sprachen<br />

sich dafür aus, über die neuen Betriebe<br />

auf mehreren Seiten illustriert mit tollen<br />

Aufnahmen ausführlich zu berichten.<br />

46,6 Prozent der Abstimmenden würde<br />

dagegen eine kurze Berichterstattung im<br />

Journal-Teil genügen. Eine klare Absage<br />

erhielten reine Fotoseiten ohne tiefgreifende<br />

Berichte und Erklärungen:<br />

Lediglich 0,9 Prozent der an der Online-<br />

Umfrage teilnehmenden Leser wären mit<br />

Kurzmeldungen im Journal sowie<br />

zusätzlichen Bildseiten zufrieden.<br />

Als Fazit strebt die Redaktion – neben<br />

der gewohnt aktuellen Berichterstattung<br />

im Journal (z.B. Le Havre, Seite 15) – in<br />

loser Folge einzelne gut recherchierte<br />

und attraktiv bebilderte längere Beiträge<br />

zu neuen Trambetrieben in Frankreich<br />

an. Den Beginn macht in diesem Heft<br />

Brest auf den Seiten 40-46. SM<br />

Orientierung am<br />

historischen Vorbild<br />

Die Reduzierung des Autoverkehrs ermöglichte<br />

eine ganz neue Querschnittsaufteilung,<br />

die sich mit zehn<br />

Metern Breite, großzügigen Seitenräumen<br />

und zwei Baumreihen wieder am<br />

histo rischen Vorbild orientiert und die<br />

angrenzenden Gebiete deutlich aufwertet.<br />

Anlieger konnten städtische<br />

Grundstücksstreifen erwerben und<br />

wieder Vorgärten anlegen.<br />

Auf der nur noch dreistreifigen Fahrbahn<br />

liegen die Gleise jetzt straßenbündig<br />

auf den äußeren Fahrstreifen. In der<br />

Mitte sind alternierende Linksabbiegestreifen<br />

für richtungskonformes Abbiegen<br />

oder Mittelinseln angeordnet. Die<br />

Höchstgeschwindigkeit ist auf 30 km/h<br />

begrenzt. An den Haltestellen August-<br />

Bebel-Straße und Stadtmuseum (früher:<br />

Wilhelm-Külz-Straße) wurden 38 m lange,<br />

barrierefreie Bahnsteige mit Wartehallen<br />

und dynamischer Fahrgastinformation<br />

eingerichtet.<br />

Rasengleis<br />

am „Bahnhofsberg“<br />

Nachdem Cottbusverkehr im Sommer<br />

2012 vom Infrastrukturministerium einen<br />

Zuwendungsbescheid über 75 %<br />

der 0,6 Mio. Euro Baukosten erhielt,<br />

8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Deutschland<br />

In der Wendeschleife Lutherstraße stehen die KTNF6 135 (der erste „Langläufer“)<br />

und 133 am 4. Dezember um 16.30 Uhr zur Eröffnungsfahrt bereit<br />

konnte während der Sperrpause der<br />

Bahnhofstraße auch die unmittelbar<br />

angrenzende 200 m lange und <strong>50</strong> ‰<br />

steile Nordrampe des Brückenbauwerks<br />

über die Bahngleise – auch<br />

„Bahnhofsberg“ genannt – neu gestaltet<br />

werden. Rasengleise ersetzen<br />

seither die alten Großflächenplatten.<br />

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />

änderte sich auch das Liniennetz:<br />

Neben der Wiederinbetriebnahme<br />

der Linie 1 (Jessener Straße –<br />

Stadtpromenade – Schmellwitz Anger),<br />

wird auch die Blockumfahrung<br />

Lutherstraße nahe des Hauptbahnhofs,<br />

wo neuerdings im Abendverkehr<br />

die Bahnen der Linie 2 (Sandow –<br />

Bahnhofstraße – Sachsendorf) wenden,<br />

wieder planmäßig fahren. Die Bedienung<br />

der weiterführenden Strecke<br />

nach Sachsendorf verbleibt dann der<br />

Linie 4 (Neu Schmellwitz – Stadtpromenade<br />

– Sachsendorf), die wie gewohnt<br />

auch tagsüber fährt.<br />

Linie 2 bzw. Linie 5 durch<br />

die Bahnhofstraße<br />

Am Wochenende ersetzt die Linie 5<br />

(Sandow – Bahnhofstraße – Jessener<br />

Straße) wie bisher die Linien 1 und 2.<br />

Mangels direkter Gleisverbindung am<br />

Hauptbahnhof von der Bahnhofstraße<br />

nach Westen in Richtung Jessener<br />

Straße, muss die Linie 5 ebenfalls die<br />

Blockumfahrt Lutherstraße benutzen.<br />

Darüber hinaus fährt nach wie vor die<br />

altbekannte Linie 3 auf der Relation<br />

Ströbitz – Stadtpromenade – Madlow.<br />

Die Bedienung der Bahnhofstraße teilen<br />

sich damit die Linien 2 (unter der<br />

Woche) und 5 (am Wochenende).<br />

2013 stehen weitere Baumaßnahmen<br />

an: Die neue Umsteigeanlage am<br />

Gelsenkirchener Platz wird vollendet;<br />

an der Haltestelle Görlitzer Straße wird<br />

ein behindertengerechter Bahnsteig<br />

errichtet; die Gleisanlage an der Stadtpromenade<br />

wird modernisiert und<br />

zwei Gleichrichterunterwerke werden<br />

erneuert. Der zweite Bauabschnitt der<br />

Umsteigeanlage Madlow kann erst<br />

nach Abschluss des (bereits seit 2010)<br />

laufenden Planfeststellungsverfahrens<br />

gebaut werden.<br />

M. KEUCHEL<br />

Stuttgart<br />

Weihnachtsmarkt-<br />

Shuttle zum Wasen<br />

An den letzten beiden Adventssamstagen<br />

bot die Stuttgarter Straßenbahnen<br />

AG (SSB) erstmals einen so<br />

genannten „Weihnachtsmarkt-Shuttle“<br />

vom Cannstatter Wasen in die Innenstadt<br />

per <strong>Stadtbahn</strong> an. Der Festplatz<br />

Cannstatter Wasen wurde an den<br />

beiden Tagen zum P&R-Platz umfunktioniert.<br />

Der Parkschein galt als Ticket<br />

im Weihnachtsmarkt-Shuttle, der an<br />

beiden Tagen von 11 bis 20 Uhr im 15-<br />

Minutentakt fuhr. Im Gegensatz zur Linie<br />

U11 befuhr der Weihnachtsmarkt-<br />

Shuttle die Innenstadtschleife allerdings<br />

im Uhrzeigersinn, also in<br />

Richtung Charlottenplatz, Rotebühlplatz,<br />

Hauptbahnhof.<br />

PKR<br />

Plauen<br />

Streckennetz komplett,<br />

Liniennetz neu<br />

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten<br />

auf der Strecke zur Plamag kehrte<br />

nach neun Monaten der Straßenbahnverkehr<br />

auf das komplette Streckennetz<br />

zurück. Bis zum 25. November<br />

fuhr die Baustellenlinie E7 zwischen<br />

der Südvorstadt und der provisorischen<br />

Endhaltestelle Morgenbergstraße<br />

mit KT4D-Heck-an-Heck-Traktionen.<br />

Die abschließenden Bauarbeiten<br />

dauerten bis zum 3. Dezember.<br />

Zum 4. Dezember ist ein neues Liniennetz<br />

in Kraft getreten. Die Linien auf<br />

den Streckenästen zum Oberen Bahnhof<br />

und zur Plamag wurden getauscht.<br />

Die Linien 1 und 6 verkehren damit<br />

zum Oberen Bahnhof und die Linie 5<br />

zur Plamag. Zudem wurde der gewohnte<br />

werktägliche Zehn-Minutentakt<br />

auf einen Zwölf-Minutentakt gedehnt.<br />

Wie sich in den ersten Betriebswochen<br />

zeigte, ist mit dem neuen<br />

Fahrplan aber auch der planmäßige<br />

Einsatz von KT4D-Doppeltraktionen<br />

zurückgekehrt.<br />

Montags bis freitags werden zwischen<br />

6:30 bis 7:30 Uhr zusätzliche<br />

Kurse zwischen Preißelpöhl und Neundorf,<br />

wo besonders viele Schüler unterwegs<br />

sind, eingesetzt. Um bei Bedarf<br />

die Einsatzzeiten kurzfristig anpassen<br />

zu können, wurden diese<br />

Fahrten aber nicht in den Fahrplänen<br />

gekennzeichnet. Am Wochenende<br />

blieb zwar der samstägliche 15-Minutentakt<br />

erhalten, sonntags fahren die<br />

Straßenbahnen jetzt aber nur noch<br />

alle 30 statt alle 20 Minuten. DAM<br />

Erfurt<br />

60-Meter-Züge an den<br />

Adventssamstagen<br />

An den vier Adventssamstagen<br />

2012 wurden aufgrund des hohen<br />

Fahrgastaufkommens 60-Meter-Combino-Züge,<br />

zumeist gebildet aus einem<br />

Combino Advanced und einem Combi-<br />

Plauen: Im neuen Liniennetz fährt nun die Linie 5 anstatt der beiden Linien<br />

1 und 6 zur Plamag. Tw 225 erklimmt bei winterlichen Bedingungen das<br />

neun Monate lang gesperrte Streckenstück zur Endstelle D. MÖSCHKE<br />

Bremen<br />

Mit einer internen Feier begingen<br />

die Bremer Straßenbahn<br />

AG (BSAG), Bombardier und Kiepe<br />

am Nikolaus-Tag die Ablieferung<br />

der letzten Einheit des Straßenbahn-Typs<br />

GT8N1 mit der<br />

Nummer 3143. Damit stehen<br />

nun alle Fahrzeuge im Einsatz.<br />

Unter der Bezeichnung „NOSE”<br />

– eine Abkürzung für „Nachfrageorientierter<br />

Straßenbahneinsatz”<br />

– hat der Vorstand der<br />

BSAG darüber hinaus eine interne<br />

Arbeitsgruppe gebildet, welche<br />

den ab 2016 vorgesehenen<br />

Ersatz der ersten Generation<br />

Niederflur-Tw vom Typ GT8N vorbereiten<br />

soll.<br />

AMF<br />

Oberhausen<br />

Die Realisierung einer neuen<br />

Straßenbahnstrecke von der<br />

Neuen Mitte bis zur derzeitigen<br />

Endstation Essen Unterstraße<br />

wird weiter vorangetrieben. Am<br />

17. Dezember beschloss der Rat<br />

der Stadt, die „Standardisierte<br />

Bewertung“ zu aktualisieren<br />

und das Planfeststellungsverfahren<br />

neu aufzurollen. Das Projekt<br />

wurde bereits 2005 zur Baureife<br />

gebracht, sodass auf den alten<br />

Unterlagen aufgebaut werden<br />

kann. Im Sommer 2012 hatte<br />

Nordrhein-Westfalen die 77 Mio.<br />

Euro teure und 3,3 km lange<br />

Strecke beim Bund zur Förderung<br />

angemeldet.<br />

PKR<br />

Mannheim<br />

Am 6. Dezember wurde die<br />

130 Meter lange und 2,7 Mio.<br />

Euro teure Wendeschleife Wallstadt<br />

Ost samt Betriebsgebäude<br />

eingeweiht. Durch die Schleife,<br />

die von Wallstadt aus gesehen<br />

jenseits der Autobahn liegt, kann<br />

die Linie 4 seit dem 10. Dezember<br />

im Berufsverkehr alle zehn<br />

Minuten bis Wallstadt fahren.<br />

Auch wurde die weiterführende<br />

Überlandstrecke nach Heddesheim<br />

abschnittsweise zweigleisig<br />

ausgebaut, was zunächst der<br />

Fahrplanstabilität der langen Linie<br />

4 (Bad Dürkheim – Ludwigshafen<br />

– Mannheim – Heddesheim)<br />

dienen soll.<br />

PKR<br />

rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

9


Aktuell<br />

Während die Tramstrecke vom Naturkundemuseum<br />

zur Schleife Schwartzkopffstraße vor der Stilllegung<br />

steht, entsteht eine neue Trasse zum Hbf R. SCHWANDL<br />

Berliner Straßenbahn<br />

Eine Strecke weniger, ein Typ mehr<br />

Erfurt: An den vier<br />

Adventssamstagen wurden<br />

Doppeltraktionen aus<br />

jeweils zwei fünfteiligen<br />

Combinos eingesetzt!<br />

R. GLEMBOTZKY<br />

10<br />

Die Strecke vom U-Bahnhof Naturkundemuseum<br />

zur Schleife Schwartzkopffstraße<br />

entlang der Chausseestraße<br />

wird im Januar oder im Februar –<br />

je nach Beginn der Bauarbeiten an<br />

der Kreuzung Invalidenstraße Ecke<br />

Chausseestraße – außer Betrieb genommen<br />

und endgültig stillgelegt.<br />

Hintergrund ist die Tramverlängerung<br />

zum Hauptbahnhof, wohin künftig die<br />

derzeit zur Schwartzkopffstraße fahrende<br />

Linie umgelenkt werden wird. Für<br />

etwa eineinhalb <strong>Jahre</strong> wird auch der<br />

Streckenabschnitt zwischen den U-<br />

Bahnhöfen Naturkundemuseum und<br />

Oranienburger Tor baustellenbedingt<br />

außer Betrieb genommen. Die Tram in<br />

der Chausseestraße, die bereits 1874 als<br />

Pferdebahn vom Oranienburger Tor zum<br />

Weddingplatz eröffnet wurde, gehört zu<br />

den ältesten Strecken des Berliner Straßenbahnnetzes.<br />

no Basic, eingesetzt. Diese Zugbildung<br />

erfolgt in Erfurt sonst nur zu Einsätzen<br />

bei Großveranstaltungen; im Regelbetrieb<br />

werden sonst „nur“ ca. <strong>50</strong> m lange<br />

Combino-Traktionen aus Fünteilern<br />

und Dreiteilern („Bambinos”) gebildet.<br />

Im Jahr 2011 wurden erstmals<br />

60 m lange Combino-Doppeltraktionen<br />

für den Weihnachtsmarkt- und<br />

Einkaufsverkehr an den Adventssamstagen<br />

eingesetzt. Zusätzlich verkehrte<br />

an den Adventswochenenden die Sonderlinie<br />

7 von der Thüringenhalle über<br />

Domplatz zur Messe/ega.<br />

Bereits am 1. Dezember hat die Erfurter<br />

Verkehrsbetriebe AG (EVAG) ihren Fahrplanwechsel<br />

vollzogen. Die Straßenbahnen<br />

fahren seitdem sonntags bis<br />

donnerstags ab ca. 22:30 Uhr nur noch<br />

alle 30 statt alle 20 Minuten. Die Linie 5<br />

Seit Anfang Dezember sind die ersten Zweirichtungs-<br />

Flexitys (F6Z) auf der Linie M2 unterwegs, hier an der<br />

Haltestelle Mollstraße/Prenzlauer Allee B. KUSSMAGK<br />

Im Dezember begann dagegen<br />

der Einsatz der ersten fünfteiligen<br />

Zweirichtungs-Flexitys im Zweirichtungsbetrieb.<br />

Diese Wagen fuhren<br />

zuvor schon auf der Linie M5, wurden<br />

aber wegen technischer Schwierigkeiten<br />

bislang nur als Einrichtungs-Wagen<br />

eingesetzt. Der Zweirichtungsbetrieb<br />

dieses Typs begann<br />

auf der Linie M2, die am Alexanderplatz<br />

stumpf wendet.<br />

BEKUS<br />

endet bis auf Weiteres am Hauptbahnhof<br />

statt am Brühler Garten. ROG<br />

Nürnberg U-Bahn<br />

U1 wird nicht<br />

vollautomatisch<br />

In Nürnberg wird es langfristig sowohl<br />

vollautomatischen als auch konventionellen<br />

U-Bahn-Betrieb geben.<br />

Während die U-Bahnlinie U3 seit ihrer<br />

Einführung im Jahr 2008 fahrerlos unterwegs<br />

ist und die U2 im Jahr 2009<br />

auf vollautomatischen Betrieb adaptiert<br />

wurde, war die Zukunft der ältesten<br />

und verkehrsstärksten U-Bahnlinie<br />

U1 noch offen. Da für die U1, deren erster<br />

Abschnitt 1972 in Betrieb ging, in<br />

den nächsten <strong>Jahre</strong>n in Neufahrzeuge<br />

und die Ertüchtigung des Zugsicherungssystems<br />

investiert werden soll,<br />

musste eine Systementscheidung getroffen<br />

werden. Wie ein Gutachten ergab,<br />

ist für die U1 die Beibehaltung des<br />

konventionellen Betriebs die günstigere<br />

Alternative. Eine Automatisierung<br />

der U1 hat sogar einen Kosten-Nutzen-<br />

Faktor, der kleiner als 1 ist, ergeben<br />

und wäre demnach volkswirtschaftlich<br />

nicht sinnvoll. Damit werden in Nürnberg<br />

in den nächsten <strong>Jahre</strong>n wieder<br />

konventionelle U-Bahnen beschafft.<br />

Zuletzt nahm die Nürnberger Verkehrs-<br />

Aktiengesellschaft (VAG) 2011 13 sowohl<br />

vollautomatisch als auch konventionell<br />

steuerbare U-Bahnen vom Typ<br />

DT 3-F in Betrieb. Diese sind zwar flexibel<br />

auf allen drei Linien einsetzbar, dafür<br />

aber verhältnismäßig teuer. PKR<br />

Leipzig<br />

Zehn-Minutentakt an<br />

Samstagen<br />

Zum diesjährigen Fahrplanwechsel<br />

wurde bei den Straßenbahnlinien 3, 4<br />

und 12 der Samstags-Takt zwischen 10<br />

und 18 Uhr im Rahmen eines Pilotversuchs<br />

von einem 15- auf einen Zehn-<br />

Minuten-Takt verdichtet. Damit die<br />

Fahrgäste bereits an den vier Adventssamstagen<br />

vom verbesserten Takt profitieren<br />

konnten, wurde der Fahrplan-<br />

Die Nürnberg-<br />

Fürther U-Bahnlinie<br />

U1, hier an<br />

der Hochbahnstation<br />

Muggenhof,<br />

wird nicht<br />

automatisiert,<br />

sondern auch<br />

künftig konventionell<br />

betrieben<br />

werden<br />

P. KRAMMER<br />

Leipzig: Wegen<br />

des gewachsenen<br />

Einkaufsverkehrs<br />

fahren<br />

die Linien 3, 4<br />

und 12 seit Ende<br />

November<br />

samstags alle<br />

zehn statt zuvor<br />

alle 15 Minuten<br />

J. KARKUSCHKE


Deutschland<br />

wechsel schon am 25. November vollzogen.<br />

Im restlichen Straßenbahnnetz<br />

sowie auf den wichtigsten Buslinien<br />

bleibt der 15-Minuten-Takt vorerst erhalten.<br />

Nach Auswertung des für ein<br />

Jahr laufenden Versuches werden die<br />

Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) entscheiden,<br />

ob das neue Angebot beibehalten<br />

oder sogar auf weitere Linien<br />

ausgedehnt wird. Hintergrund für die<br />

Taktausweitung ist, dass die Fahrgastzahlen<br />

in den vergangenen <strong>Jahre</strong>n an<br />

Samstagen überproportional gestiegen<br />

sind.<br />

JEK<br />

Düsseldorf<br />

Spaziergänge im neuen<br />

Wehrhahn-Tunnel<br />

Am 8. und 9. Dezember konnte sich<br />

die Düsseldorfer Bevölkerung ein Bild<br />

vom Südabschnitt der Wehrhahn-Linie<br />

machen. Auf einer 1,1 km langen Strecke<br />

konnte vom künftigen U-Bahnhof<br />

Graf-Adolf-Platz bis zur Tunnelrampe<br />

am S-Bahnhof Bilk spaziert werden.<br />

Dieser per Schildvortrieb aufgefahrene<br />

Abschnitt ist mittlerweile im Rohbau<br />

fertig, sodass vor Beginn der Gleisverlegungsarbeiten<br />

ein Besichtigungstermin<br />

eingeschoben werden konnte.<br />

Nach offiziellen Angaben nutzten insgesamt<br />

7.000 Düsseldorfer Bürger das<br />

Angebot. Als Wehrhahn-Linie entsteht<br />

derzeit als Ersatz für die darüber liegende<br />

Straßenbahnstrecke ein 3,4 km<br />

langer Tunnel zwischen den S-Bahnhöfen<br />

Wehrhahn und Bilk.<br />

PKR<br />

Magdeburg<br />

Neubaustrecke nach<br />

Reform eröffnet<br />

Nach fast 15 Monaten Bauzeit wurde<br />

am 15. Dezember die 3,6 km lange<br />

Straßenbahnstrecke nach Reform eröffnet.<br />

Die neue Strecke erschließt mit<br />

acht neuen barrierefreien Haltestellen<br />

die Wohngebiete rund um die Bereiche<br />

Neue Strecke in Magdeburg eröffnet: Tw 1360 im Einsatz auf der Linie 9 Richtung Reform<br />

Hopfengarten, Reform und den Bördepark.<br />

Die bisherige Fahrzeit vom Bördepark<br />

in das Stadtzentrum verkürzt<br />

sich um 14 Minuten, da das Umsteigen<br />

vom Bus weitgehend entfällt. Einige<br />

Restarbeiten sind noch zu erledigen.<br />

Auch die bisherige Endstelle Leipziger<br />

Chaussee (Rebenweg) soll 2013 umgestaltet<br />

und um das Ausweichgleis<br />

reduziert werden. Die neue Strecke<br />

wird von der Linie 9 (Reform – Neustädter<br />

See) und im Berufsverkehr zusätzlich<br />

von der Linie 3 (Olvenstedt –<br />

Reform) befahren. Zu den meisten Zeiten<br />

gibt es einen Zehn-Minutentakt. In<br />

Randzeiten übernimmt die Linie 93<br />

(Olvenstedt – Reform) die Bedienung<br />

der Strecke. Um Parallelverkehr zu vermeiden,<br />

wurde auch das Busnetz im<br />

Süden Magdeburgs angepasst<br />

Der erste Linienzug wurde mit einem<br />

Feuerwerk an der neuen Endschleife<br />

begrüßt. Auch der historische<br />

Triebwagen 138 kam mit der Musiklore<br />

762 zum Einsatz. Am Bördepark, einem<br />

großen Einkaufszentrum am südlichen<br />

Stadtrand, gab es ein Bürgerfest.<br />

Am Eröffnungstag sollten die Bahnen<br />

alle 7,5 Minuten zum Nulltarif fahren,<br />

wobei der Takt durch den großen Andrang<br />

schnell zur Makulatur wurde. Die<br />

Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB)<br />

setzten deshalb am Nachmittag auf<br />

den Linien 3 und 9 zusätzliche Züge<br />

zwischen Reform und Hbf ein. Am Tag<br />

nach der Eröffnung fuhren außerdem<br />

zwei historische Züge als Linie 9E von<br />

Reform zum Bahnhof Neustadt. DP<br />

Rostock<br />

S-Bahn zum Seehafen<br />

eingestellt<br />

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />

wurde die S-Bahn zum Rostocker<br />

Seehafen, auf der zuletzt Dieseltriebzüge<br />

im Stundentakt zwischen<br />

Rostock Hbf und Seehafen Nord pendelten,<br />

eingestellt. Die Strecke hatte<br />

nicht nur am Hauptbahnhof, sondern<br />

auch am Haltepunkt Dierkow, wo die<br />

Linien 3 und 4 wenden, eine Verknüpfung<br />

mit der Straßenbahn. Obwohl der<br />

namensgebende Haltepunkt jetzt aufgelassen<br />

wurde, wird die dortige Endstelle<br />

weiterhin HP Dierkow heißen.<br />

Noch zu Beginn des Jahrtausends<br />

war eine Verknüpfung der Seehafen-S-<br />

Bahn mit der Rostocker Straßenbahn<br />

geplant. Die Straßenbahn zur Kurt-<br />

Schumacher-Straße sollte weiter auf die<br />

Gleise zum Seehafen geführt werden.<br />

Am Seehafen hätte die Bahn von der etwas<br />

im Abseits gelegenen Endstelle<br />

D. PAUKE<br />

Seehafen Nord zum Fähranleger weitergeführt<br />

werden sollen. Die Stadt<br />

Rostock setzt sich nach wie vor für eine<br />

Wiederinbetriebnahme der S-Bahn zum<br />

Seehafen sowie weiterhin für deren Verlängerung<br />

zum Fähranleger ein. Beim<br />

zuständigen Landesministerium zog<br />

man aber aufgrund mäßiger Fahrgastzahlen<br />

und hohen Einsparungsdrucks<br />

die Abbestellung des Verkehrs vor. Dabei<br />

war noch 2010, als die DB die Ausschreibung<br />

der Rostocker S-Bahn gewann,<br />

eine Aufwertung der S-Bahn zum<br />

Seehafen geplant: Elektrotriebzüge, die<br />

über den Hauptbahnhof hinaus bis Warnemünde<br />

fahren, sollten eigentlich ab<br />

Dezember 2012 eingesetzt werden. PKR<br />

Mainz<br />

Linien <strong>50</strong> und 51 fahren<br />

öfter<br />

Seit dem 9. Dezember besteht zwischen<br />

den Haltestellen Gemarkungsgrenze<br />

in Finthen und Hechtsheim Bürgerhaus,<br />

also auf der langen gemeinsamen<br />

Stammstrecke der Mainzer<br />

Hauptlinien <strong>50</strong> und 51, montags bis<br />

freitags ganztägig ein 7,5-Minutentakt.<br />

Zuvor fuhren die Bahnen an<br />

Schultagen vormittags nach dem Auslaufen<br />

des Berufsverkehrs und an<br />

Düsseldorf: Am 8. und 9. Dezember wurde der „Wehrhahn-Tunnel“, hier<br />

zwischen Bilk und Kirchplatz, zum Spazierweg<br />

R. SCHWANDL<br />

Rostock: Obwohl der namensgebende Haltepunkt aufgelassen wurde,<br />

heißt die Endstelle der Linien 3 und 4 weiterhin HP Dierkow P. KRAMMER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

11


Aktuell<br />

Mainz: Die Linien <strong>50</strong> und 51 kommen werktags öfter. Variobahnen sollen<br />

vor allem auf Kursen mit Busanschluss nach Nieder-Olm fahren P. KRAMMER<br />

schulfreien Tagen ganztags alle 10 Minuten.<br />

Der neue 7,5-Minutentakt gilt<br />

nun unabhängig von den Schulzeiten.<br />

Auf den jeweils letzten zwei Stationen<br />

in Finthen zu den Endstellen Römerquelle<br />

und Poststraße fahren die Straßenbahnen<br />

damit alle 15 Minuten. Die<br />

fassungsstarken Variobahnen – die<br />

neunte und letzte traf im Dezember in<br />

Mainz ein – werden zudem vorrangig<br />

Solaris: Die Salzburger<br />

Lokalbahn<br />

orderte weitere<br />

26 Solaris/Cegelec-<br />

Gelenk-Obusse im<br />

„MetroStyle“<br />

R. SCHREMPF<br />

auf den Kursen, die an der Haltestelle<br />

Mühldreieck Anschluss an die Buslinie<br />

66 Richtung Nieder-Olm haben, eingesetzt.<br />

PKR<br />

Industrie<br />

Solaris<br />

26 „MetroStyle“ für<br />

Salzburg<br />

Die Salzburg Lokalbahn (SLB) erneuert<br />

und erweitert in den kommenden<br />

<strong>Jahre</strong>n ihre Obusflotte und orderte bei<br />

Solaris 26 neue Gelenkobusse. Die elektrische<br />

Ausrüstung liefert Cegelec. In<br />

Salzburg fahren bereits 25 Solaris Trollino<br />

18, die ab 2009 geliefert wurden.<br />

Während die ersten 15 Fahrzeuge noch<br />

die klassische Gestaltung aufweisen,<br />

sind die zehn zuletzt in Dienst gestellten<br />

Obusse im attraktiven Tram-Look<br />

„MetroStyle“ ausgeführt, den auch alle<br />

neuen Obusse aufweisen werden. Die<br />

Auslieferung der neuen Niederflur-<br />

Obusse erfolgt bis 2017. Es besteht<br />

eine Option über 14 weitere Fahrzeuge.<br />

Zudem wurden vier gebrauchte Solaris/Cegelec-Gelenkobusse<br />

(ex La-Chaux<br />

-de-Fonds Nr. 141 – 144, Baujahr 2005)<br />

erworben, die bei Ekova in Ostrava revidiert<br />

werden.<br />

Zuletzt testeten die SLB während<br />

der Salzburger Verkehrstage Anfang<br />

Oktober 2012 den fabrikneuen Zürcher<br />

Doppelgelenk-Obus 78 auf der<br />

stark frequentierten Linie 3. Danach<br />

kam der von Hess und Kiepe gefertigte<br />

25 m lange Obus in Linz zum<br />

Testeinsatz.<br />

ROS<br />

München<br />

Zwei neue<br />

Tramlinien<br />

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />

wurde das Münchner Tramangebot<br />

u.a durch die Einführung zweier<br />

zusätzlicher Linien optimiert (siehe<br />

SM 12/2012). Die neue Linie 22 sorgt<br />

für eine Verdichtung des Straßenbahnverkehrs<br />

im stark nachgefragten Abschnitt<br />

zwischen Hauptbahnhof und<br />

dem Hochschulgelände an der Lothstraße.<br />

Hier waren die Bahnen der Linien<br />

20 und 21 in den Spitzenzeiten<br />

oft hoffnungslos überfüllt und der<br />

Fahrplan geriet regelmäßig völlig aus<br />

dem Takt. Die Linie 22 bedient lediglich<br />

den kurzen Abschnitt zwischen<br />

Karlsplatz (Stachus) und der ehemaligen<br />

Haltestelle Lothstraße, die seit<br />

9. Dezember den Namen Hochschule<br />

München trägt. Dort wenden und halten<br />

die Bahnen der Linie 22 in einer<br />

neu errichteten Schleife, die erst wenige<br />

Tage vor der Eröffnung fertig gestellt<br />

wurde. Sie durchfahren dabei<br />

auch einen neuen Gebäudekomplex<br />

der Hochschule. Die Linie 22 ist nur an<br />

Vorlesungstagen bis ca. 18:30 Uhr im<br />

Einsatz. In den öffentlichen Fahrplänen<br />

sind dabei zunächst nur Fahrten<br />

Die Linie 12 und die neue Linie 28 am Scheidplatz (oben). Für die neu eingeführte<br />

Linie 22 wurde am Hochschulgelände an der Lothstraße eine<br />

neue Wendeschleife mit Hausdurchfahrt errichtet (unten) M. KRISCHE (2)<br />

montags bis donnerstags im Zehn-Minuten-Takt<br />

eingetragen. In der Regel<br />

wird aber bereits jetzt im Fünf-Minutentakt<br />

und auch an Freitagen gefahren.<br />

Zwischen Karlsplatz und Hochschule<br />

kommt aufgrund der Überlagerung mit<br />

den Linien 20 und 21 dann alle zweieinhalb<br />

Minuten eine Tram. Der Fünf-Minu-<br />

tentakt der Linie 22 soll aber erst dann<br />

verbindlich im Fahrplan auftauchen,<br />

wenn die dafür nötige Fahrzeugverfügbarkeit<br />

garantiert werden kann;<br />

noch sind die Variobahnen (Typ S 1.4/<br />

1.5) hier ein Unsicherheitsfaktor.<br />

Die zweite neu eingeführte Linie ist<br />

die 28. Sie ergänzt die Linie 27 im Abschnitt<br />

Sendlinger Tor – Kurfürstenplatz,<br />

fährt aber nicht wie die Linie 27<br />

zum Petuelring, sondern wie die Tangentiallinie<br />

12 weiter durch die Belgradstraße<br />

zum Scheidplatz. Damit<br />

besitzt der einstige Tram- und jetzige<br />

U-Bahnknoten im Norden Schwabings<br />

nach über drei Jahrzehnten wieder<br />

eine direkte regelmäßige Straßenbahnverbindung<br />

zur Innenstadt. Die<br />

Linie 28 ist montags bis freitags zwischen<br />

9 und 19 Uhr im Zehn-Minuten-Takt<br />

im Einsatz. Durch die Überlagerungen<br />

mit den Linien 27 bzw. 12<br />

wird auf ihrem gesamten Linienweg<br />

ein Fünf-Minutentakt geboten.<br />

In den Spitzenzeiten sind im<br />

Münchner Netz nun 90 Straßenbahnen<br />

im Liniendienst unterwegs. Wenn<br />

nicht genug einsatzfähige Fahrzeuge<br />

zur Verfügung stehen, was in den<br />

ersten beiden Wochen nach dem Fahrplan<br />

wechsel einmal passierte, entfallen<br />

nicht in den öffentlichen Fahrplantabellen<br />

auftauchende Verstärkungskurse<br />

der Linien 15 oder 22. MIK<br />

12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Industrie · Weltweit<br />

Stadler: Der erste DT 8.12, Wagen 3<strong>50</strong>1, absolvierte am 12. Dezember seine<br />

Premierenfahrt im Stuttgarter Netz H.-J. KNUPFER, R. SCHREMPF (BILD RECHTS)<br />

Innsbruck: Mit der Strecke zur Höttinger Au fährt erstmals seit 1974, als<br />

die Haller Linie eingestellt wurde, wieder eine Straßenbahn über den Inn<br />

Stadler<br />

Premiere des DT 8.12<br />

in Stuttgart<br />

Das erste Fahrzeug der neuen<br />

<strong>Stadtbahn</strong>serie für Stuttgart, Wagen<br />

3<strong>50</strong>1, ist am 7. Dezember dort eingetroffen,<br />

nachdem es bereits auf der Innotrans<br />

in Berlin gezeigt worden war.<br />

Bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG<br />

(SSB) läuft die Serie von zunächst 20<br />

Wagen unter der Bezeichnung S-DT<br />

8.12, beim Hersteller Stadler, Berlin,<br />

unter dem Produktnamen Tango. Der<br />

DT 8.12 ist eine technische und optische<br />

Weiterentwicklung des seit 1985<br />

für Stuttgart gebauten <strong>Stadtbahn</strong>typs<br />

S-DT 8.4 ff, der speziell für die dortigen<br />

langgezogenen und großen Steigungen<br />

entwickelt wurde. Nach Abschluss<br />

der Probefahrten in Stuttgart wird das<br />

Erstlingsfahrzeug 2013 zur weiteren<br />

Auswertung und Prüfung nochmals<br />

zurück zum Hersteller gehen. Mit den<br />

nächsten beiden Wagen soll ab Februar<br />

2013 in Stuttgart das Verhalten bei<br />

Doppeltraktion getestet werden. Die<br />

technische Abnahme durch die Stuttgarter<br />

Aufsichtsbehörde wird folgen.<br />

Ein erster Teil der neuen Fahrzeuge<br />

wird ab September 2013 benötigt,<br />

wenn die verlängerte Linie U12 zum<br />

Hallschlag in Betrieb geht. HJK<br />

Bombardier<br />

Zwölf weitere Flexity<br />

Outlook für Krefeld<br />

Die Stadtwerke Krefeld (SWK) MO-<br />

BIL GmbH hat am 28. Dezember 2012<br />

die Bestellung von weiteren zwölf Niederflurwagen<br />

des Typs Flexity Outlook<br />

bei Bombardier bekannt gegeben. Die<br />

komplett niederflurigen und 30 m<br />

langen Zweirichtungsbahnen entsprechen<br />

technisch und optisch den 19<br />

bereits in den <strong>Jahre</strong>n 2009 und 2010<br />

nach Krefeld gelieferten Fahrzeugen;<br />

lediglich in der Innenraumgestaltung<br />

soll es kleine Änderungen geben. Die<br />

zwölf jetzt bestellten Bahnen kosten<br />

rund 30 Mio. Euro und sollen in der<br />

zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte 2014 geliefert<br />

werden. Die SWK löst damit allerdings<br />

nur einen Teil der Option auf insgesamt<br />

19 weitere Flexity Outlook ein.<br />

Dafür sollen nun einige der ursprünglich<br />

komplett zur Ablösung vorgesehenen<br />

20 N8C-<strong>Stadtbahn</strong>wagen (Baujahre<br />

1980/81) zur Deckung des Wagenbedarfs<br />

in Spitzenzeiten – z.B. für<br />

Zusatzkurse an Schultagen – und als<br />

Fahrzeugreserve langfristig im Einsatzbestand<br />

verbleiben.<br />

MIK<br />

Weltweit<br />

Österreich: Innsbruck<br />

Erste Etappe für Ost-<br />

West-Linie<br />

Nach drei <strong>Jahre</strong>n Bauzeit eröffneten<br />

die Innsbrucker Verkehrsbetriebe<br />

und Stubaitalbahn GmbH am 14. Dezember<br />

2012 den ersten 1,6 km langen<br />

Abschnitt des Tram-Westkorridors.<br />

Nach dem Einweihungsfest mit Pendelverkehr<br />

zwischen Hauptbahnhof<br />

und Höttinger Au / West mit Niederflur-<br />

und Nostalgie-Triebwagen wurde<br />

am Folgetag der Planbetrieb aufgenommen.<br />

Die Linie 3 wendet nun nicht<br />

mehr über den Innenstadtring, sondern<br />

fährt ab der Anichstraße, statt<br />

über den Marktgraben zurück nach<br />

Amras, über die Universitätsbrücke bis<br />

zur Höttinger Au. Zurück in die Innenstadt<br />

befährt die Linie 3 nun dieselbe<br />

Route, vorbei an der Triumphpforte<br />

und am Hauptbahnhof, wofür die Südhälfte<br />

des Innenstadtrings auf einer<br />

Länge von rund 1,3 km mit einem<br />

zweiten Gleis ergänzt wurde. Obwohl<br />

sich die Linien 1 und 3 an der Gleiskreuzung<br />

Anich-/Bürgerstraße und am<br />

Gleisdreieck Museums-/Bruneckerstraße<br />

begegnen, gibt es keine Verknüpfung<br />

mit kurzen Umsteigewegen. Die<br />

zum Teil separierte Trasse wird von parallel<br />

führenden Buslinien mitbenutzt.<br />

Die Stadt Innsbruck investierte 31,2<br />

Mio. Euro.<br />

Die Strecke zur Höttinger Au ist die<br />

erste Etappe für eine neue Ost-West-<br />

Linie, die dem Verlauf der ehemaligen<br />

Obuslinie und derzeitigen Buslinie O<br />

folgen soll. Ab März 2013 wird am<br />

nächsten Abschnitt zum Technik-Campus<br />

der Universität weitergebaut. ROS<br />

Österreich: Wien<br />

Neuerungen im<br />

Straßenbahnnetz<br />

Zeitgleich mit der Teilinbetriebnahme<br />

des neuen Hauptbahnhofs wurde<br />

am 9. Dezember die Linie D über eine<br />

300 m lange Neubaustrecke zu dessen<br />

Osteingang verlängert. Mit der Weiterführung<br />

der Linie 71 über bestehende<br />

Gleise vom Schwarzenbergplatz zur<br />

Börse setzten die Wiener Linien zeitgleich<br />

die zweite Phase ihres Ringlinienkonzeptes<br />

um. Am anderen Ende<br />

Bombardier: Krefeld hat weitere zwölf Niederflurwagen<br />

vom Typ Flexity Outlook bestellt. Sie entsprechen<br />

bis auf wenige Innenraumdetails diesen bereits in den<br />

<strong>Jahre</strong>n 2009/2010 gelieferten 19 Fahrzeugen<br />

F. FREDENBAUM<br />

Wien: Zur besseren Erschließung des<br />

neuen Hauptbahnhofs hat die Linie D<br />

am 9. Dezember eine 300 m lange<br />

Neubaustrecke erhalten<br />

R. SCHREMPF<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Aktuell<br />

wurde die Linie 71 zur Haltestelle Zentralfriedhof<br />

3. Tor verkürzt und gab<br />

den weiterführenden Abschnitt nach<br />

Kaiserebersdorf an die bis dorthin verlängerte<br />

Linie 6 ab. Dadurch können<br />

im Zulauf auf den U-Bahnhof Simmerhing<br />

dichtere Intervalle angeboten<br />

werden.<br />

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Am 22. Dezember folgte die Betriebsaufnahme<br />

der 9,5 Kilometer langen<br />

Linie 25, die als neue Querverbindung<br />

im Norden Wiens von Floridsdorf<br />

über die Knotenpunkte Kagran (U1),<br />

Erzherzog-Karl-Straße (S-Bahn) und<br />

Donauspital (U2) bis zur Oberdorfstra-<br />

Mendoza: Die neue <strong>Stadtbahn</strong> nutzt eine<br />

alte Eisenbahntrasse, was der Strecke aber<br />

abschnittsweise nicht anzumerken ist D. BUDACH<br />

ße führt. Die neue Linie verdichtet den<br />

Takt im Bereich des dicht bebauten<br />

Donaufelds und erschließt über eine<br />

1,1 Kilometer lange Neubaustrecke in<br />

der Tokiostraße das Stadtentwicklungsgebiet<br />

Kagran West. Zwischen<br />

Kagran und Oberdorfstraße übernahm<br />

die Linie 25 den bisherigen Linienverlauf<br />

der Linie 26. Zeitgleich mit der Eröffnung<br />

der U-Bahnlinie U2 in die Seestadt<br />

Aspern wird mit der Verlängerung<br />

der Linie 26 vom Kagraner Platz<br />

zur künftigen U2-Station Hausfeldstraße<br />

im Dezember 2013 eine weitere,<br />

4,6 Kilometer lange Neubaustrecke<br />

folgen.<br />

ROS<br />

Frankreich: Nizza<br />

Citadis werden<br />

verlängert<br />

Bei der 2007 eröffneten Straßenbahn<br />

von Nizza sollen 15 der 28 33 m<br />

langen Citadis 302 durch Einfügen von<br />

zwei zusätzlichen Segmenten zum<br />

44 m langen Typ Citadis 402 umgebaut<br />

werden. Hintergrund ist, dass<br />

die täglichen Fahrgastzahlen auf der<br />

8,7 km langen Linie von anfangs<br />

65.000 auf mehr als 90.000 angestiegen<br />

sind, womit an Werktagen ganztägig<br />

21 Alstom Citadis 302 in Vier-<br />

Minuten-Intervallen unterwegs sind.<br />

Eine im Frühjahr 2013 fertigzustellende<br />

Streckenverlängerung um 4<strong>50</strong> m<br />

verspricht einen weiteren Fahrgastzuwachs.<br />

Seit Juni 2012 befindet sich der<br />

im Alstom-Werk La Rochelle verlängerte<br />

Wagen 028 im Testbetrieb und mittlerweile<br />

ist auch der in Nizza verlängerte<br />

Wagen 027 vorhanden. Für die<br />

behördliche Zulassung des Umbautyps<br />

ist eine Laufleistung von 5.000 km erforderlich.<br />

Diese wird im Zuge von<br />

Fahrerschulungen erbracht, wobei an<br />

Werktagen jeweils ein Triebwagen als<br />

„Tramway Ecole“ im Netz zu beobachten<br />

ist. Mit der Zulassung für den<br />

Fahrgastbetrieb wurde für Ende 2012<br />

gerechnet. Nizza besitzt eine Sonderbauform<br />

des französischen Standard-<br />

Niederflurwagens, mit dem zwei<br />

fahrleitungslose Abschnitte im Stadtzentrum<br />

mit historisch wertvoller Bebauung<br />

im Batteriebetrieb befahren<br />

werden können.<br />

WOK<br />

Argentinien: Mendoza<br />

Neue <strong>Stadtbahn</strong> mit<br />

U2-Tw aus San Diego<br />

In der argentinischen Großstadt<br />

Mendoza, am Fuße der Anden gelegen,<br />

ging in diesem Jahr eine 12 km<br />

lange <strong>Stadtbahn</strong>-Linie, die die Trasse<br />

einer früheren Fernbahn benutzt, in<br />

Betrieb. Die Strecke wurde in europäischer<br />

Normalspur zweigleisig ausgebaut<br />

und elektrifiziert. 15 Haltestellen<br />

werden bedient, darunter auch vier<br />

der alten Bahnhöfe. In der Innenstadt<br />

liegt die Strecke in der Mitte der breiten<br />

Avenida Belgrano, abgetrennt von<br />

den Fahrbahnen und zum Teil eingepflastert<br />

mit Rillenschienen.<br />

Aus dem US-amerikanischen San<br />

Diego wurden zunächst elf in den<br />

1980er-<strong>Jahre</strong>n gebaute Siemens/Düwag-Triebwagen<br />

des aus Frankfurt am<br />

Main bekannten Typs U2 gekauft. Die<br />

Fahrzeuge befinden sich noch in sehr<br />

gutem Zustand und konnten in Mendoza<br />

ohne größere Umbauten in Betrieb<br />

gehen. Eine Option über zunächst<br />

weitere 24 Fahrzeuge, zuzüglich vier<br />

Tw als Ersatzteilspender, wurde inzwischen<br />

eingelöst. Die Wagen werden<br />

ebenfalls aus San Diego nach Mendoza<br />

verschifft und über die Anden transportiert.<br />

Die zusätzlichen Wagen sind<br />

für diverse Ausbaupläne vorgesehen,<br />

die in naher Zukunft den Umbau vier<br />

weiterer brachliegender Bahntrassen<br />

auf <strong>Stadtbahn</strong>betrieb vorsehen.<br />

Am 29. April 2012 wurde ein provisorischer<br />

öffentlicher Betrieb mit nur<br />

wenigen täglichen Abfahrten aufgenommen.<br />

Seit 8. Oktober 2012 fahren<br />

die Züge nun im 20-Minutentakt. Den<br />

Betrieb führt die Provinzialverwaltung,<br />

die außerdem in Mendoza den größten<br />

der drei noch existierenden Obusbetriebe<br />

Argentiniens unterhält. BUD<br />

Schweiz: Basel/BLT<br />

Keine Beiwagen mehr<br />

Am 1. Dezember 2012 endete bei<br />

der Baselland Transport (BLT) der Einsatz<br />

von Anhängewagen. Solche kamen<br />

lediglich auf der Einsatzlinie 17<br />

(Ettingen – Schifflände – Wiesenplatz)<br />

zum Einsatz. Zuletzt waren bei der BLT<br />

noch die B 1317 bis 1319 sowie 1321<br />

und 1322, die 1961 von FFA/SWP geliefert<br />

wurden, im Einsatz. Sie wurden<br />

2001 von den Basler Verkehrs-Betrieben<br />

(BVB) übernommen. Die Linie 17<br />

wird fortan mit Doppeltraktionen aus<br />

Basel: Anhängerwagen sind bei der BLT seit Dezember 2012 Geschichte.<br />

Der „Schweine-Bw“ B 1322 soll ins Stuttgarter Schweinemuseum kommen<br />

Paris: Probefahrten am Abend vor der Eröffnung auf der neuen Strecke der<br />

Linie T3, hier an der Porte de Vincennes B. KUSSMAGK, D. MADÖRIN (BILD LINKS)<br />

14


Weltweit<br />

einem Be 4/8 und einem Be 4/6 betrieben.<br />

Fallweise können auch Be 6/10,<br />

also die Tango-Trams, zum Einsatz<br />

kommen.<br />

Mit dem Ende des Anhängerwageneinsatzes<br />

verschwindet auch der<br />

große Schweinekopf, der das Heck des<br />

passend rosarot lackierten B 1322<br />

zierte. Ursprünglich machte der Wagen<br />

so Werbung für eine regionale<br />

Bank. Von 1990 bis 2001 war der<br />

Schweinekopf am Heck des B 3 1338<br />

(BVB/SLM 1958) montiert. Während<br />

die B 1317-1319 und der B 1321 nach<br />

Belgrad abgegeben wurden, soll der<br />

Schweinekopf-B 1322 als besonderes<br />

Exponat an das Stuttgarter Schweinemuseum<br />

gehen.<br />

DMA<br />

Frankreich: Paris<br />

Drei Linien verlängert<br />

Innerhalb von einem Monat wurden<br />

im Großraum Paris drei neue Straßenbahnstrecken<br />

mit insgesamt 24 km<br />

Länge neu eröffnet. Den Beginn machte<br />

die Linie T1, die am 15. November<br />

von ihrer westlichen Endstation Gare<br />

de Saint-Denis um 4,9 km und zehn<br />

Haltestellen bis Asnières-Gennevilliers,<br />

Les Courtilles verlängert wurde. In<br />

Gennevilliers wurde die Strecke abschnittsweise<br />

eingleisig durch schmale<br />

Parallelstraßen geführt. Am Gare de<br />

Saint-Denis wurde als Vorleistung bereits<br />

eine Gleiskreuzung für die künftige<br />

Linie T8 verbaut.<br />

Vier Tage später folgte am 19. November<br />

die Verlängerung der Linie T2<br />

von ihrer nördlichen (Tunnel-)Endstation<br />

La Défense um 4,2 km und sieben<br />

Haltestellen bis Pont de Bezons. Die<br />

Strecke verläuft größtenteils auf eigenen<br />

Gleisen im Mittelstreifen rückgebauter<br />

Straßen. An der Strecke entstand<br />

auch ein neuer Betriebshof.<br />

Am 15. Dezember 2012 wurde<br />

schließlich die Linie T3 von ihrer östlichen<br />

Endstation Porte d’Ivry um 14,5<br />

km mit 26 Haltestellen zur Porte de la<br />

Chapelle verlängert. Die T3 verläuft<br />

damit als Zweidrittelkreis entlang des<br />

früheren Festungsrings. Um die Störanfälligkeit<br />

dieser langen und stark nachgefragten<br />

Linie zu mindern, wurde sie<br />

an der Porte de Vincennes geteilt. Von<br />

dort aus fahren die (Teil-)Linien T3a zur<br />

Pont du Garigliano und die T3b zur<br />

Porte de la Chapelle. An der Porte de<br />

Vincennes müssen Umsteiger von der<br />

T3a in die T3b die sechsspurige Cours<br />

de Vincennes überqueren oder die Unterführung<br />

der Métro nutzen. Die T3a<br />

und T3b sind durch eine zweigleisige<br />

Betriebsstrecke verbunden. BEKUS<br />

Alicante: Anfang 2013 wird die 1,5 km lange Pendellinie 4L von Sangueta über die Station La Marina zur Puerta<br />

del Mar eingestellt. Sie war der Ursprung des heutigen Tramnetzes. Seitdem die Hauptlinien aber im neuen Innenstadttunnel<br />

enden, wurde sie nur noch schwach frequentiert. Die Strecke ist durchgehend eingleisig und führt<br />

überwiegend direkt am Mittelmeerufer entlang. Das in La Marina gelegene Depotgelände der alten Kleinbahn, aus<br />

der die heutige Überlandtram in Richtung Benidorm hervorgegangen ist, wird komplett aufgegeben. D. BUDACH<br />

Frankreich: Le Havre<br />

Rückkehr der Tram nach 61 <strong>Jahre</strong>n<br />

Die knapp 180.000 Einwohner<br />

große Hafenstadt, in der Normandie<br />

direkt an der Seinemündung gelegen,<br />

hat am 12. Dezember nach<br />

61 <strong>Jahre</strong>n die Straßenbahn wieder<br />

eingeführt. Um 12:12 Uhr eröffnete<br />

der Bürgermeister den Betrieb. Den<br />

ganzen Tag gab es zahlreiche Veranstaltungen<br />

und für fünf Tage konnte<br />

das gesamte Tram- und Busnetz gratis<br />

benutzt werden.<br />

Unmittelbar am Ärmelkanal liegt<br />

die westliche Endstation La Plage,<br />

wo die beiden Linien A und B beginnen.<br />

Sie führen zunächst gemeinsam<br />

in Richtung Osten längs der Hauptachse<br />

Avenue Foch vorbei an Rathaus,<br />

Unterpräfektur, Justizpalast<br />

und Hauptbahnhof wird das Stadtzentrum<br />

durchquert. Anschließend<br />

schwenkt die Strecke nach Nordosten<br />

und folgt dem schnurgeraden<br />

Cours de la République. Daraufhin<br />

verläuft die Trasse an der Universität<br />

vorbei, steigt bergan und nutzt einen<br />

575 Meter langen Tunnel, der parallel<br />

zum 1955 eröffneten Autotunnel<br />

Jenner konstruiert wurde.<br />

Verzweigung an der Place<br />

Jenner<br />

An der Place Jenner verzweigen sich<br />

die beiden Linien. Die Linie B führt<br />

weiter bergan nach Osten zur Endstelle<br />

Caucriauville – Pré Fleuri und erschließt<br />

große, dicht besiedelte Wohngebiete.<br />

Die Linie A verläuft dagegen<br />

ab Place Jenner durch eher locker bebaute<br />

Wohngebiete sowie Entwicklungsflächen<br />

nach Norden bis Grand<br />

Hameau, in der Nähe des Flughafens.<br />

Hier wurden das Depot und ein großer<br />

P&R-Platz angelegt. Wie in Frankreich<br />

üblich, wurden die von der Tram durchfahrenen<br />

Straßen, z.B. durch Rasengleis<br />

oder neu angepflanzte Bäume<br />

und Sträucher, gestalterisch aufgewertet.<br />

Auf 13 km Netzlänge werden<br />

23 Haltestellen bedient. Während der<br />

Hauptverkehrszeit kommt auf der<br />

von beiden Linien bedienten Innenstadtstrecke<br />

alle vier und auf den Außenästen<br />

alle acht Minuten eine<br />

Bahn. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit<br />

beträgt 19 km/h. Der<br />

Wagenpark besteht aus 22 fünfteiligen<br />

Alstom Citadis 302. Der weitere<br />

Ausbau des Netzes ist geplant. BEKUS<br />

Nordöstlich der Haltestelle Rond-point besitzt die neue Tram von Le Havre<br />

auch eine Tunnelstrecke<br />

B. KUSSMAGK<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

15


Titel<br />

Stück für Stück<br />

unter die Erde<br />

16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>Köln</strong><br />

Im April 1985 verlässt<br />

Tw 3181 an der Rampe<br />

Gutenbergstraße nahe des<br />

Bahnhofs <strong>Köln</strong> West die<br />

gerade neu eröffnete<br />

Tunnelverlängerung vom<br />

Friesenplatz. Hier taucht<br />

bis heute die Linie 5 in den<br />

<strong>Köln</strong>er Untergrund ab, die<br />

Linien 3 und 4 waren auf<br />

dieser Strecke dagegen<br />

nur temporär zu Gast, ehe<br />

sie 1989 den ersten <strong>Köln</strong>er<br />

<strong>Stadtbahn</strong>tunnel mit<br />

hohen Mittelbahnsteigen<br />

erhielten und deshalb mit<br />

Zweirichtungs-Hochflurwagen<br />

ausgestattet wurden<br />

M. BEITELSMANN<br />

<strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau in<br />

<strong>Köln</strong> 1963 begann in der<br />

Domstadt der Tunnelbau zur<br />

Tieferlegung von Straßenbahnstrecken.<br />

Inzwischen ist das<br />

System in ein Niederflur- und<br />

Hochflurnetz geteilt. Letzteres<br />

wartet dringend auf Entlastung<br />

durch die neue Nord-Süd-<br />

<strong>Stadtbahn</strong>, die aber nur Stück<br />

für Stück eröffnet werden kann<br />

Seit dem 9. Dezember 2012 fährt die<br />

<strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>linie 5 bis in die<br />

neue U-Bahn-Haltestelle Rathaus. In<br />

einem Jahr soll sie die nächste Station<br />

Heumarkt erreichen. Nachdem sich die<br />

Gesamtinbetriebnahme der unterirdischen<br />

Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> nach dem Einsturz des<br />

<strong>Köln</strong>er Stadtarchivs am Waidmarkt voraussichtlich<br />

bis 2019 verzögern wird, kann so<br />

zumindest schon ein Teil der Strecke für die<br />

Fahrgäste nutzbar gemacht werden. Die Bauarbeiten<br />

zur Vollendung der Strecke an der<br />

Einsturzstelle konnten bislang immer noch<br />

nicht wieder aufgenommen werden.<br />

Stand am ehemaligen Stadtarchiv<br />

Experten halten es für sehr wahrscheinlich,<br />

dass eine fehlerhaft konstruierte Schlitzwand<br />

für den Einsturz des Stadtarchivs am 3. März<br />

2009 verantwortlich ist. Diese Schlitzwand<br />

ist Teil eines von der Oberfläche aus errichteten<br />

Gleiswechselbauwerks, mit dem die<br />

beiden gebohrten Richtungstunnel des Nord-<br />

Süd-Tunnels etwa in Streckenmitte miteinander<br />

verbunden werden. Wie beim Schildvortrieb<br />

üblich, fällt die Strecke von den<br />

Stationen ausgehend jeweils ab, um die Fahrdynamik<br />

zu verbessern. Da sich nun die<br />

Gleisverbindung genau zwischen zwei Stationen<br />

befindet, recht das Bauwerk in fast<br />

40 m Tiefe herunter.<br />

Nach dem Einsturz des Archivs und den<br />

unmittelbaren Sicherungsmaßnahmen ging<br />

es zunächst darum, in mühsamer Kleinarbeit<br />

KVB: Daten & Fakten<br />

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />

Linienlänge per 31.12.2012:. . . . . . . . . . 240 km<br />

Streckenlänge per 31.12.2012: . . . . . . 194,5 km<br />

Fahrzeuge per 31.12.2012:. . . . . . . . . . . . . . 382<br />

Betriebshöfe: . . . . . . . 3 (zzgl. 5 Abstellanlagen)<br />

Anzahl Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11<br />

Tram-Fahrgäste 2011: . . . . . . . . . . . . 208,2 Mio.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

17


Titel<br />

OBEN Wer die <strong>Stadtbahn</strong> mit dem Dom in Szene<br />

setzen will, der muss dies von der „Schäl<br />

Sick“ (Deutzer Rheinseite) aus tun. Im Oktober<br />

1985 ist hier ein GT8 auf der Linie 7 unterwegs,<br />

die wie auch die Linien 1 und 9 via Deutzer Brücke<br />

die Rheinseite wechselt M. BEITELSMANN<br />

Diese Ansichtskarte vom Alten Markt zeigt genau den Punkt, an dem heute das Ende der ersten<br />

in Betrieb genommenen Stufe der Nord-Süd U-Bahn liegt. Nach den Zerstörungen des Krieges<br />

wurde hier der Straßenbahnbetrieb nicht wieder aufgenommen<br />

SLG. A. REUTHER<br />

einen möglichst großen Teil der historisch<br />

wertvollen Archivalien zu retten. Erst in der<br />

zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte 2012 konnte damit begonnen<br />

werden, die vermutete Unglücksursache<br />

zu verifizieren. Dafür wird derzeit ein<br />

38,7 m tiefer Schacht direkt an der Außenseite<br />

der Schlitzwand entlang gebaut, der bis<br />

Ende 2013 fertig sein soll. Unterhalb des<br />

Grundwasserspiegels werden dann voraussichtlich<br />

im Januar 2014 Taucher die vermutete<br />

Unglücksstelle erreichen können.<br />

Die Beweissicherung ist für die Frage nach<br />

der Haftung elementar, denn die Stadt hofft,<br />

anschließend die Baufirmen für das Unglück<br />

verantwortlich machen zu können. Bisher<br />

verweisen diese darauf, dass es auch andere<br />

mögliche Ursachen gäbe. Ein zügiges Vorankommen<br />

ist auch vor dem Hintergrund von<br />

Verjährungsfristen wichtig. Insgesamt wird<br />

der Schaden resultierend aus dem Archiveinsturz<br />

auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt.<br />

Erst nach eindeutiger Klärung der Unglücksursache<br />

kann damit begonnen werden,<br />

das Gleiswechselbauwerk im Rahmen<br />

seiner eigentlichen Zweckbindung für den<br />

<strong>Stadtbahn</strong>verkehr fertig zu stellen. Zum jetzigen<br />

Zeitpunkt ist es noch schwierig, dafür<br />

einen Termin anzugeben. KVB-Chef Jürgen<br />

Fenske nannte unlängst die Zeitvorstellung<br />

einer Inbetriebnahme des Tunnels im <strong>Jahre</strong><br />

2019 „seriös“. Damit hätte der Archiveinsturz<br />

die Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> um fast zehn<br />

<strong>Jahre</strong> verzögert. Bis dahin ist der Tunnel genau<br />

in der Mitte unterbrochen und kann<br />

auch nicht provisorisch für eine vollständige<br />

Durchfahrt hergerichtet werden.<br />

Inbetriebnahme in »Salami-Taktik«<br />

Am 11. Dezember 2011 ging dennoch das<br />

erste für die Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> neu erstellte<br />

Bauwerk in Betrieb: Es handelt sich<br />

dabei um die U-Bahn-Haltestelle Breslauer<br />

Platz im bestehenden <strong>Stadtbahn</strong>tunnel zwischen<br />

Ebertplatz und Dom/Hbf, die zwecks<br />

Einfädelung der neuen Strecke abgerissen<br />

18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>Köln</strong><br />

UNTEN Am 11. Dezember 2011 ging im bestehenden<br />

<strong>Stadtbahn</strong>tunnel der moderne unterirdische<br />

Bahnhof Breslauer Platz als künftige<br />

Schnittstelle zum Nord-Süd-Tunnel in Betrieb.<br />

Bis 2007 befand sich an dieser Stelle eine einfache,<br />

1970 eröffnete Tunnelstation C. GRONECK<br />

Ein solo fahrender B-Wagen, aufgenommen im Mai 1986 vom Westportal der Südbrücke, auf<br />

der „Rheinuferbahn-Trasse“ südlich des Ubierrings. Dieser Streckenabschnitt wird nach der Gesamtinbetriebnahme<br />

des Nord-Süd-Tunnels nur noch als Betriebsstrecke dienen M. BEITELSMANN<br />

und durch einen dreigleisigen Neubau ersetzt<br />

wurde. Die Bauzeit des komplexen Vorhabens<br />

betrug rund acht <strong>Jahre</strong> inklusive einer<br />

knapp einjährigen Streckenunterbrechung<br />

über die <strong>Jahre</strong> 2006 und 2007.<br />

Auch wenn die Station nun bis auf weiteres<br />

erst einmal nur von den Linien im „alten“<br />

<strong>Stadtbahn</strong>tunnel genutzt wird, veranschaulicht<br />

sie mit ihren Dimensionen schon einmal,<br />

was in Zukunft bei den neuen „Nord-<br />

Süd-Bahnhöfen“ noch zu erwarten ist.<br />

Bezogen auf den eigentlichen Nord-Süd-<br />

Tunnel wurden nach dem Archiveinsturz zunehmend<br />

Rufe nach einer Eröffnung in mehreren<br />

Stufen laut, um zumindest schon einen<br />

Teil der Infrastruktur nutzen zu können. Zunächst<br />

erteilte man dieser Forderung von offizieller<br />

Seite eine recht deutliche Absage,<br />

man war eine Zeit lang noch so optimistisch,<br />

von einer Gesamtinbetriebnahme Ende 2013<br />

auszugehen. Erst als die enormen Zeitverzögerungen<br />

mehr und mehr Gewissheit wurden,<br />

setzte langsam ein Umdenken ein. Resultat<br />

ist, dass die Strecke nun zumindest im<br />

Norden Stück für Stück eröffnet wird.<br />

Die Station Rathaus<br />

Der erste Schritt erfolgte am 9. Dezember<br />

2012, dem Eröffnungstermin der ersten völlig<br />

neuen Station Rathaus. Mit ihr erhält die<br />

<strong>Köln</strong>er Altstadt nach rund 70 <strong>Jahre</strong>n wieder<br />

einen unmittelbaren Schienenanschluss,<br />

nachdem die klassische oberirdische Nord-<br />

Süd-Straßenbahnstrecke vom Hauptbahnhof<br />

über Alter Markt und Heumarkt zum<br />

Chlodwigplatz nach dem Zweiten Weltkrieg<br />

nicht wieder aufgebaut worden war. Seitdem<br />

mussten Anwohner und Besucher entweder<br />

die am Rande der Altstadt gelegenen <strong>Stadtbahn</strong>stationen<br />

Dom/Hbf und Heumarkt<br />

oder aber den Busverkehr nutzen.<br />

Bedient wird die U-Bahn-Haltestelle Rathaus<br />

von der Linie 5, die dafür von ihrer bisherigen<br />

Endstation Reichenspergerplatz in<br />

Textfortsetzung auf Seite 22<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

19


Titel<br />

1983 wurde die „Deutzer U-Bahn“ mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts (im Bild der Eröffnungszug am 10. April an der Rampe südwestlich<br />

des Deutzer Bahnhofs) vollendet. Die Ost-West-Linien 1 und 9 fahren nur auf der „Schäl Sick“ unterirdisch. Sie werden entgegen der<br />

einstigen Planung, die sich auch an der Konstruktion der Tunnelbahnhöfe ablesen lässt, mit Niederflurfahrzeugen bedient SLG. <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

<strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau in <strong>Köln</strong><br />

Das Jahr 2013 markiert das <strong>50</strong>. Jubiläum des <strong>Stadtbahn</strong>-Tunnelbaus<br />

in <strong>Köln</strong>: Am 18. September 1963<br />

begann nahe des Appellhofplatzes der Tunnelbau.<br />

1968 ging dann die erste Teilstrecke von einer heute<br />

nicht mehr vorhandenen Rampe am Friesenplatz<br />

bis Dom/Hbf in Betrieb. Die Straßenbahnen endeten<br />

dort zunächst in einem unterirdischen Wendedreieck,<br />

dessen südwestlicher Schenkel jetzt<br />

wiederum zum Anschluss des neuen Nord-Süd-<br />

Tunnels an die U-Bahn-Haltestelle Dom/Hbf genutzt<br />

werden konnte. So schließt sich der Kreis.<br />

Den ersten Bauarbeiten ging eine Systemdebatte<br />

über die Wahl des „richtigen“ Verkehrssystems<br />

in den Fünfzigerjahren voraus. Man entschied<br />

sich aufgrund der Struktur des vorhandenen Netzes<br />

letztendlich zugunsten einer Unterpflasterstraßenbahn<br />

und gegen ein komplett neues System in Form<br />

einer U-Bahn. Hintergrund war, dass die verkehrstechnisch<br />

problematischen Straßenbahnstrecken<br />

in der Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht<br />

mehr wieder aufgebaut worden waren, so dass dort<br />

erhebliche Netzlücken klafften.<br />

Dieser Mangel schien durch den Bau kurzer Tunnelstrecken<br />

am einfachsten behebbar zu sein. Andererseits<br />

war die <strong>Köln</strong>er Straßenbahn außerhalb der<br />

Innenstadt bereits damals sehr gut ausgebaut, ins-<br />

besondere was die Vorortbahnen vor allem auf der<br />

rechten Rheinseite anging. Eine Einbeziehung der Außenstrecken<br />

in den Tunnelbau erschien daher in den<br />

19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n nicht erforderlich, zumal damals noch<br />

nicht erkennbar war, dass es für derartige Bauvorhaben<br />

Bundeszuschüsse geben würde. Parallele Versuche<br />

zur Implementierung einer Alweg-Einschienenbahn<br />

verliefen im Sande, obwohl zwischen 1957 und<br />

1967 im <strong>Köln</strong>er Norden eine Teststrecke existierte.<br />

Tunnel Stück für Stück<br />

Der fortan in <strong>Köln</strong> beschrittene Weg, Tunnelabschnitte<br />

Stück für Stück zu bauen und über provi-<br />

20<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>Köln</strong><br />

Am 25. August 1974 wurde der unterirdische Bahnhof Ebertplatz als Knotenpunkt zwischen vier Tunnelästen mit diversen Linienbeziehungen<br />

eingeweiht. Inzwischen hat er sein Gesicht völlig verändert und dient mit je zwei hohen und zwei niedrigen Bahnsteigkanten nur noch als „Berührungspunkt“<br />

der systemtechnisch getrennten und betrieblich entflechteten Hoch- und Niederflurlinien des Nord-Süd-Netzes SLG. A. REUTHER<br />

sorische Rampen sofort mit dem oberirdischen Straßenbahnnetz<br />

zu verbinden, war letztendlich sehr erfolgreich.<br />

Allerdings krankt die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> bis<br />

heute daran, dass die ersten Tunnelstrecken in der<br />

Innenstadt vielerlei Zwangspunkte aufweisen. Nachteilig<br />

für die Kapazität sind vor allem diverse schienengleiche<br />

Verzweigungen und die Bündelung sowohl<br />

des Nord-Süd- als auch des Ost-West-Verkehrs<br />

auf dem zentralen Stück zwischen Appellhofplatz,<br />

Neumarkt und Poststraße. Bis heute verweisen zudem<br />

mehrere unterirdische Wendeschleifen sowie<br />

der zunächst ausschließliche Bau von Seitenbahnsteigen<br />

auf das Unterpflasterstraßenbahnkonzept.<br />

Einbeziehung von Eisenbahnen<br />

In den 1970er-<strong>Jahre</strong>n wandte sich der <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>bau<br />

nach erheblicher Einflussnahme des Landes<br />

NRW einem wesentlich leistungsfähigeren Ausbaustandard<br />

zu. Leitbild war es fortan, neue Strecken<br />

so zu bauen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt<br />

für einen echten U-Bahn-Betrieb geeignet wären.<br />

Ebenso wurden die beiden städteverbindenden<br />

Eisenbahnstrecken der ehemaligen <strong>Köln</strong>-Bonner<br />

Eisenbahn (KBE) zwischen <strong>Köln</strong> und Bonn in das Netz<br />

einbezogen.<br />

LINKS Die Tunnelbaustelle im Bereich<br />

der Komödienstraße zeigt die Aufnahme<br />

rechts vom 11. März 1965.<br />

Zwei <strong>Jahre</strong> später, am 19. September<br />

1967 entstand die Aufnahme der<br />

Baustelle am Neumarkt für die Strecke<br />

zum Dom/Hauptbahnhof<br />

A. REUBER, SLG. <strong>STRASSENBAHN</strong>MUSEUM THIELENBRUCH (2)<br />

Das Konzept des Mischbetriebes der Straßenbahn<br />

behielt man gleichzeitig bei. Vor diesem Hintergrund<br />

erfolgte die Entwicklung des bekannten <strong>Stadtbahn</strong>wagens<br />

B als Fahrzeug, welches sowohl für<br />

einen vollwertigen Schnellbahnverkehr als auch auf<br />

Straßenbahnstrecken an der Oberfläche einsetzbar<br />

ist.<br />

Aufgrund des Mischbetriebs mit den damals noch<br />

sehr jungen Düwag-Gelenkstraßenbahnen blieb der<br />

Bau von Hochbahnsteigen aber noch lange aus. Und<br />

es blieb das Manko, dass die meisten in der Epoche<br />

gebauten leistungsfähigen neuen Tunnelstrecken in<br />

der Innenstadt in die Unterpflasterbahn aus den<br />

1960er-<strong>Jahre</strong>n mündeten, die mehr und mehr überlief.<br />

<strong>Stadtbahn</strong>-Konzept setzt sich durch<br />

Das Leitbild des späteren U-Bahn-Betriebs wurde<br />

nach einer Neubewertung der finanziellen Möglichkeiten<br />

in den 1980er-<strong>Jahre</strong>n mehr und mehr obsolet<br />

und wandelte sich zum heute noch aktuellen<br />

<strong>Stadtbahn</strong>konzept. Zeitweilig war es geplant, wie<br />

in Stuttgart und Hannover das gesamte Netz hochflurig<br />

auszubauen. Als jedoch in den 1990er-<strong>Jahre</strong>n<br />

die Niederflurtechnologie serienreif wurde, war man<br />

damit noch nicht sehr weit vorangekommen: Auf<br />

vielen Strecken fuhren nach wie vor Düwag-GTW<br />

mit <strong>Stadtbahn</strong>wagen B im Mischbetrieb. Dies führte<br />

zu erheblichen Diskussionen über die „richtige“<br />

Bahnsteighöhe und mündete letztendlich in einer<br />

Netztrennung. Zunächst wurden die in der Innenstadt<br />

oberirdisch verkehrenden Ost-West-Linien zu<br />

einem Niederflur-Teilnetz herausgelöst (heute Linien<br />

1, 7 und 9), später dann ein weiteres isoliertes<br />

Linienbündel über die Ringstrecke (heute Linien<br />

12 und 15). Der Rest des Netzes blieb Hochflur.<br />

Gebildet wird es aus den Linien 3, 4, 5, 16 und 18,<br />

welche in der Innenstadt die alten Unterpflasterbahntunnel<br />

nutzen, dazu kommt die tangentiale<br />

Linie 13. Inzwischen sind fast alle Haltestellen<br />

an die jeweilige Systemhöhe angepasst.<br />

Die Bahnsteighöhen in <strong>Köln</strong><br />

„Niederflur“ ist übrigens nicht ganz korrekt, denn<br />

die Bahnsteighöhe ist in <strong>Köln</strong> mit 35 cm etwas höher<br />

als bei den meisten richtigen Niederflurbetrieben.<br />

Maßgebend dafür waren wiederum die<br />

Bahnsteige aus dem Unterpflasterbahnzeitalter,<br />

welche sich aus der ersten Stufe der Düwag-GTW<br />

ableiten. Zudem orientieren sind beide Systeme in<br />

<strong>Köln</strong> abgesehen von der Bahnsteighöhe an denselben<br />

<strong>Stadtbahn</strong>-Ausbaustandards, das Niederflurnetz<br />

ist damit nicht wie z. B. in Frankfurt am<br />

Main oder Bonn ein technisch selbstständiges Straßenbahnsystem<br />

mit eigenständigem Aufgabenbereich.<br />

Mit dem zukünftigen Nord-Süd-Tunnel schließlich<br />

erhält die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> endlich die seit<br />

langem dringend benötigte zweite Stammstrecke<br />

im Hochflurnetz. Erste Anläufe zum Bau der Strecke,<br />

die im Wesentlichen der römischen Nord-Süd-<br />

Hauptachse <strong>Köln</strong>s folgt, gab es bereits zu Beginn<br />

des 20. Jahrhunderts. Doch auch beim Nord-Süd-<br />

Tunnel wirken die Entscheidungen aus den Fünfzigerjahren<br />

immer noch nach: Im Norden wird er<br />

per Gleisdreieck an das Netz angeschlossen, ganz<br />

im Sinne der jahrzehntealten Unterpflasterstraßenbahnplanung.<br />

CHRISTOPH GRONECK<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

21


Titel<br />

den neuen Tunnel „umgeklappt“ wurde. Angefahren<br />

wird die neue Station damit nicht<br />

über den Breslauer Platz, sondern über eine<br />

zweite Einfädelung aus dem Bestandsnetz<br />

ausgehend von der U-Bahn-Haltestelle<br />

Dom/Hbf. Dort schließt der Nord-Süd-Tunnel<br />

an einen bereits in den 1960er-<strong>Jahre</strong>n<br />

Aus der <strong>Köln</strong>er Geschichte …<br />

Eröffnung Pferdebahn: . . . . . . . . . . . 20.05.1877<br />

Eröffnung elektrische Tram: . . . . . . . 15.10.1901<br />

Vorortbahn: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20.01.1904<br />

Stilllegung Pferdebahn: . . . . . . . . . . 22.05.1907<br />

Eigentümer<br />

1877–1882: Pferdeeisenbahngesellschaft<br />

E. Hardt & Co.<br />

1879–1882: Gesellschaft F. de la Hault, Brüssel<br />

1882: Vereinigung der beiden<br />

Gesellschaften<br />

1882–1900: <strong>Köln</strong>ische Straßenbahn-Gesellschaft<br />

1900–1960: Stadt <strong>Köln</strong> (in wechselnden<br />

Abteilungen)<br />

seit 1960: <strong>Köln</strong>er Verkehrs-Betriebe AG<br />

vorbereiteten Tunnelstutzen an, der zwischenzeitlich<br />

als Wendeanlage genutzt worden<br />

war.<br />

Da es im Nord-Süd-Tunnel bis auf das unglückliche<br />

Gleiswechselbauwerk am Waidmarkt<br />

keine Gleisverbindungen zwischen<br />

den beiden eingleisigen Tunnelröhren gibt,<br />

musste im Verbindungsbereich zwischen altem<br />

und neuem Tunnel eine provisorische<br />

Weichenverbindung eingebaut werden. Diese<br />

erlaubt es, die Station Rathaus eingleisig<br />

als Stichfahrt anzufahren.<br />

Eine deutliche Bedeutungssteigerung wird<br />

die Stichstrecke erhalten, wenn sie voraussichtlich<br />

wieder ein Jahr später im Dezember<br />

2013 das nächste Etappenziel erreicht,<br />

und zwar die Station Heumarkt. Damit erhält<br />

die Linie 5 Anschluss an die Ost-West-<br />

Linien 1, 7 und 9 – und damit kann im <strong>Köln</strong>er<br />

<strong>Stadtbahn</strong>netz dann jeder beliebige<br />

Punkt mit maximal einem Umstieg erreicht<br />

werden. Auch der Heumarkt wird zunächst<br />

eingleisig angefahren.<br />

Ein echter Röhrenbahnhof<br />

Die meisten bisherigen <strong>Köln</strong>er U-Bahn-Haltestellen<br />

liegen in geringer Tiefenlage und<br />

sind zurückgehend auf die angewendeten offenen<br />

oder abgedeckelten Bauverfahren im<br />

Grundsatz meist eckig. Mit der Station Rathaus<br />

gibt es nun erstmals in <strong>Köln</strong> einen echten<br />

Röhrenbahnhof, wie man ihn etwa aus<br />

einigen Ruhrgebietsstädten oder auch aus<br />

London kennt. Um Bahnsteige ohne Aufweitung<br />

in die eingleisigen Tunnelröhren einfügen<br />

zu können, hatte man sich bei der<br />

Nord-Süd-Bahn extra für einen vergleichsweise<br />

großen Tunnelquerschnitt entschieden.<br />

Die Station liegt direkt hinter dem Rathaus<br />

auf der Westseite des Alter Markt (merke:<br />

der <strong>Köln</strong>er beugt keine Ortsbezeichnungen)<br />

bzw. teilweise noch unter der Bebauung.<br />

Zwei Ausgänge führen vom Verteilergeschoss<br />

an die Oberfläche. Einer davon befindet<br />

sich am südlichen Rand des Platzes.<br />

Der andere zeigt sich aktuell noch als Provisorium,<br />

er wird zukünftig in das wieder<br />

aufzubauende sogenannte „Rote Haus“ integriert,<br />

welches für den <strong>Stadtbahn</strong>bau abgerissen<br />

wurde. Nur so war es möglich, einen<br />

durchgehenden Aufzug von der<br />

Bahnsteigebene bis an die Oberfläche zu realisieren,<br />

und zwar sowohl auf den Alter<br />

Markt als auch auf der anderen Seite zum<br />

etwas höher gelegenen Rathaus. Die Integration<br />

des Zugangs einer unterirdischen<br />

22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Städtebaulich interessant ist die in den<br />

1970er-<strong>Jahre</strong>n stadtbahnmäßig ausgebaute<br />

Gürtel strecke im Verlauf der Linie 13<br />

im Stadtteil Nippes, hier beim Kreuzungsbahnhof<br />

Neusser Straße/Gürtel im<br />

November 1985. Die aufgeständerte Bauweise<br />

war u. a. geplanten Straßenbaumaßnahmen<br />

geschuldet, die aber nur zum<br />

Teil dann gar nicht realisiert wurden<br />

M. BEITELSMANN (2)<br />

<strong>Köln</strong><br />

Mit der Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> soll das Fahrplanangebot der Linie 16 bis zum abgebildeten<br />

Rodenkirchen auf einen Fünf-Minuten-Takt verdichtet werden. Dafür muss dort noch eine Wendeanlage<br />

gebaut werden. Ob es in diesem Zusammenhang zu einem Vorlaufbetrieb im südlichen<br />

Tunnelabschnitt kommt, harrt noch einer endgültigen Entscheidung<br />

C. GRONECK<br />

Station in ein Gebäude, etwas, was wiederum<br />

z.B. in London weit verbreitet ist, wird<br />

für <strong>Köln</strong> ebenfalls etwas Neues sein.<br />

Vorlaufbetrieb auch im Süden?<br />

Theoretisch ist der Nord-Süd-Tunnel demnächst<br />

auch von Süden aus befahrbar: Die<br />

Verbindungsstrecke zur Rheinuferbahn mit<br />

der <strong>Stadtbahn</strong>linie 16 ist fast fertig, im<br />

Herbst 2012 wurden die Abzweigweichen<br />

nördlich der Haltestelle Schönhauser Straße<br />

eingebaut. Die Entscheidung zur vorgezogenen<br />

Inbetriebnahme des nördlichen Streckenteils<br />

bis Rathaus bzw. Heumarkt schloss<br />

dennoch das südliche Pendant zunächst aus.<br />

Grund dafür ist das schlechtere Verhältnis<br />

von Aufwand und Nutzen. Im Gegensatz zur<br />

nördlichen Teilstrecke kann die südliche<br />

nicht durch Umschichtung bestehender Betriebsleistung<br />

bedient werden. Zudem reicht<br />

sie nicht ganz bis in den inneren Stadtkern<br />

hinein, provisorischer Endpunkt wäre zunächst<br />

die Haltestelle Severinstraße.<br />

Da andererseits auch die U-Bahnhaltestellen<br />

der südlichen Teilstrecke spätestens<br />

2014 vollständig fertiggestellt sein werden,<br />

kam das Thema einer vorgezogenen Inbetriebnahme<br />

2012 erneut auf die politische<br />

Lange Zeit prägten die breiten Düwag-GT8 mit ihren großen markanten Scheinwerfern den<br />

<strong>Stadtbahn</strong>verkehr im <strong>Köln</strong>er Untergrund und an der Oberfläche, hier eine Doppeltraktion im<br />

April 1985 auf der Westrampe der Severinsbrücke. Im Sommer 2006 endete diese Ära, und<br />

seither stehen bei der <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> ausschließlich Zweirichtungswagen zum Einsatz<br />

Die 1968 in sehr nüchternem Design<br />

eröffnete Station Dom/Hbf im <strong>Jahre</strong> 2003.<br />

Inzwischen besitzt sie ebenso wie die<br />

angrenzenden Stationen Hochbahnsteige,<br />

die Niederflurlinie 12 fährt nun über<br />

die Ringstrecke<br />

SLG. A. REUTHER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

23


Titel<br />

Die untere Ebene der Station Friesenplatz, damals noch mit langen Tiefbahnsteigen für GT8-Doppeltraktionen,<br />

am Eröffnungstag im April 1985. Inzwischen sind bis auf Reichensperger Platz und<br />

Appelhofplatz/Zeughaus alle Tunnelstationen des Hochflurnetzes mit Hochbahnsteigen ausgestattet<br />

Futuristisch mutet das Zwischengeschoss<br />

der ersten eröffneten Station Rathaus der<br />

neuen Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> an, von welchem<br />

die Rolltreppen zum Bahnsteig hinabführen<br />

C. GRONECK, SLG. A. REUTHER (BILD LINKS)<br />

Tagesordnung. Im Gegensatz zur Nordstrecke<br />

war diesmal die KVB treibende Kraft der<br />

Initiative, und zwar aus durchaus pragmatischen<br />

Erwägungen: Sobald die Haltestellen<br />

fertig sind, beginnt die Gewährleistungsfrist.<br />

Wird die Strecke dann jedoch erst einmal in<br />

den Dornröschenschlaf versetzt, können versteckte<br />

Mängel möglicherweise nicht rechtzeitig<br />

entdeckt werden. Bis zur mutmaßlichen<br />

Gesamtinbetriebnahme im <strong>Jahre</strong> 2019<br />

wäre es dann für die meisten Gewerke schon<br />

zu spät, um noch Nacharbeiten einfordern<br />

zu können.<br />

Pro vorgezogene Inbetriebnahme<br />

Auch aus verkehrstechnischer Sicht gibt es<br />

ein wichtiges Argument für die vorgezogene<br />

Inbetriebnahme im Süden, trotz der nicht<br />

wirklich zentral liegenden Endstation. Das<br />

<strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>netz fährt zunehmend an<br />

der Kapazitätsgrenze, den enormen Fahrgaststeigerungen<br />

der vergangenen <strong>Jahre</strong> steht<br />

bislang keine entsprechende Erhöhung des<br />

Angebotes in den Spitzenzeiten entgegen.<br />

Grund dafür ist weniger, dass man nicht will,<br />

sondern mehr, dass man nicht kann: Eine<br />

Verlängerung der Züge scheitert an der In-<br />

24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>Köln</strong><br />

Ein vom Dom/Hbf kommendes B-Wagen-Doppel kurz vor Einfahrt in die vorläufige Endstation<br />

Rathaus der <strong>Stadtbahn</strong>linie 5. Erst im <strong>Jahre</strong> 2019 wird nach aktuellem Stand auch die fertige<br />

Strecke zwischen Breslauer Platz/Hbf und Rathaus im Linienbetrieb genutzt werden C. GRONECK<br />

frastruktur; und sowohl die zentrale Tunnelstrecke<br />

über Neumarkt als auch die am<br />

Neumarkt oberirdisch kreuzende Ost-West-<br />

Strecke sind mit tagsüber jeweils 30 Fahrten<br />

pro Stunde und Richtung voll ausgelastet.<br />

Eine von punktueller Überlastung besonders<br />

betroffene Linie ist eben die 16, die nach Fertigstellung<br />

des Nord-Süd-Tunnels in diesen<br />

verlegt und gleichzeitig auf ihrem<br />

zentralen Abschnitt<br />

Seit 9. Dezember<br />

2012 in Betrieb und<br />

von der <strong>Stadtbahn</strong>linie<br />

5 genutzt: das<br />

westliche Gleis der<br />

Station Rathaus<br />

C. GRONECK<br />

Schnitt durch die<br />

U-Bahn-Haltestelle<br />

Rathaus QUELLE: KVB<br />

von Reichenspergerplatz bis Rodenkirchen<br />

auf einen 5-Minuten-Takt verdichtet werden<br />

soll. Heute fährt sie tagsüber alle zehn Minuten.<br />

Mit der Inbetriebnahme des südlichen<br />

Tunnelstücks wäre diese Taktverdichtung im<br />

Süden schon vor der Gesamtinbetriebnahme<br />

des Tunnels möglich.<br />

Gemäß der ausgearbeiteten Planung zur<br />

Teilinbetriebnahme würde die Linie 16 auf ihrem<br />

heutigen Linienweg im 10-Minuten-Takt<br />

zunächst noch unverändert bleiben. Dazu<br />

käme eine temporäre Linie 17, die die Linie<br />

16 im südlichen Stadtgebiet zum gewünschten<br />

5-Minuten-Takt überlagern und dann in<br />

Nördliche Einfädelung<br />

der Nord-Süd-<br />

Bahn am Hauptbahnhof<br />

(blau: bestehende<br />

Strecke aus den<br />

1960er-<strong>Jahre</strong>n,<br />

schwarz: Nord-Süd-<br />

Bahn, noch ohne Verkehr;<br />

rot: Nord-Süd-<br />

Bahn in Betrieb). Der<br />

eingleisige Verkehr<br />

bis Rathaus wird im<br />

Dezember 2013 um<br />

eine Station nach<br />

Süden bis zum Heumarkt<br />

verlängert<br />

GRAFIK: CHRISTOPH LÜTZ<br />

25


Titel<br />

Die Stationen am nordwestlichen<br />

Ende der Linie 5 erhalten schrittweise<br />

Hochbahnsteige, so auch die Haltestelle<br />

Margaretenstraße, wie diese Aufnahme<br />

vom 25. August 2012 zeigt<br />

C. GRONECK<br />

den Nord-Süd-Tunnel bis Severinstraße fahren<br />

würde. Dort bestünde dann Anschluss an<br />

die kreuzenden <strong>Stadtbahn</strong>linien 3 und 4.<br />

Inbetriebnahme 2015?<br />

Auch beim Südvorlauf wäre aufgrund der fehlenden<br />

Weichen im Tunnel ein Stichstreckenbetrieb<br />

nötig, aufgrund der größeren Länge<br />

allerdings auf beiden Streckengleisen immer<br />

abwechselnd. In Höhe der Tunnelrampe nahe<br />

Schönhauser Straße müsste dafür eine doppelte<br />

Gleisverbindung eingebaut werden. Da<br />

mit einer Ausnahme alle neuen U-Bahn-Haltestellen<br />

Mittelbahnsteige haben, wäre die<br />

Fahrgastleitung bei einem derartigen „Gleiswechselbetrieb“<br />

dennoch beherrschbar. Eine<br />

Inbetriebnahme könnte nach aktuellem Stand<br />

im Dezember 2015 erfolgen. Voraussetzung<br />

dafür ist, dass die notwendigen Arbeiten zeitnah<br />

beauftragt werden. Neben dem Einbau<br />

der Gleisverbindung betrifft dies Anpassung<br />

der Sicherungstechnik und Stromversorgung<br />

sowie den Bau einer Wendeanlage für die Linie<br />

17 am anderen, südlichen Ende in Rodenkirchen.<br />

Letztere entfaltet ihre Wirkung<br />

auch über den Vorlaufbetrieb hinaus, da die<br />

Taktverdichtung bestehen bleiben würde,<br />

dann allerdings als Teil der in den neuen Tunnel<br />

verlegten Linie 16.<br />

Pferdefuß: Die Kosten<br />

Trotz des Engagements der KVB sieht es für<br />

den Südverlauf derzeit nicht gut aus. Grund<br />

dafür sind im Wesentlichen die hohen Kosten,<br />

sowohl die einmaligen als auch die des<br />

nachfolgenden Betriebsaufwands. Zusätzlich<br />

investiert werden müssten 7,8 Millionen<br />

Euro, davon rund 2,5 Millionen für die sowieso<br />

nötige Wendeanlage. Dies wäre wahr-<br />

Neben Tunnelstrecken, unabhängigen Innenstadttrassen und klassischen Straßenbahnabschnitten<br />

befährt die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> auch zahlreiche aus den<br />

Vorortbahnen hervorgegangene Außenstrecken mit Überlandflair. Auf dem<br />

Außenast der heutigen Niederflurlinie 7 nach Frechen, hier am 7. Januar 1986<br />

(damals noch Linie 2) bei Stüttgenhof – vormalig „<strong>Köln</strong>-Frechen-Benzelrather<br />

Eisenbahn“, heute HGK – findet sogar noch Mischbetrieb mit Güterzügen statt<br />

M. BEITELSMANN<br />

26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


<strong>Köln</strong><br />

Ausgebaute Linie 5 erfolgreich<br />

Auch am nordwestlichen Ende der <strong>Stadtbahn</strong>linie<br />

5 wurde in den vergangenen <strong>Jahre</strong>n gebaut. Das<br />

größte Vorhaben war die Ende 2010 eröffnete<br />

Streckenverlängerung ins Gewerbegebiet Butzweilerhof.<br />

Ersten Zählungen zufolge konnte sie<br />

für erhebliche Fahrgaststeigerungen sorgen. Im<br />

November 2011 wurden im gesamten Areal etwa<br />

8.<strong>50</strong>0 Fahrgäste gezählt, davon 5.700 auf dem<br />

neuen Abschnitt der Linie 5 und der Rest an den<br />

diversen Bushaltestellen.<br />

Gegenüber der letzten Verkehrszählung 2009<br />

kurz vor Einführung der <strong>Stadtbahn</strong> waren dies<br />

etwa 3.000 zusätzliche Nutzer, also ein Zuwachs<br />

um mehr als <strong>50</strong> Prozent. Die höchste Frequenz<br />

verzeichnete die Endhaltestelle Sparkasse Am But-<br />

zweilerhof mit 2.600 Ein- und Aussteigern pro Tag.<br />

Die Haltestellen entlang der bestehenden Strecke<br />

der Linie 5 erhalten sukzessive Hochbahnsteige.<br />

Dabei wurden an mehreren Stellen auch die Gleise<br />

erneuert, weswegen es in den vergangenen<br />

<strong>Jahre</strong>n einige längere Streckensperrungen gab.<br />

Seit dem 2. Juli 2012 ist die Haltestelle Margaretastraße<br />

fertig, seit dem 20. Oktober 2012 die<br />

Haltestelle Liebigstaße. Im nächsten Jahr soll die<br />

Haltestelle Gutenbergstraße folgen, nachdem der<br />

eigentlich ebenfalls 2012 geplante Bau aufgrund<br />

unbefriedigender Ausschreibungsergebnisse nicht<br />

zustande gekommen ist. Es fehlt dann anschließend<br />

nur noch die U-Bahn-Haltestelle Appellhofplatz/<br />

Zeughaus.<br />

CHG<br />

Der <strong>Köln</strong>er Nord-Süd-Tunnel: Der Abzweig südlich<br />

Bonner Wall wird an die Rheinuferbahn<br />

(Linie 16) anschließen, ab Marktstraße entsteht<br />

eine oberirdische Neubaustrecke entlang<br />

der Bonner Straße<br />

KVB<br />

scheinlich in der Politik noch vermittelbar.<br />

Bedeutsamer sind aber die Folgekosten, die<br />

auf 8,32 Millionen Euro pro Jahr kalkuliert<br />

sind, davon allein 5,93 Millionen für den Betrieb<br />

der Infrastruktur.<br />

Modifikationen im Busnetz sind wiederum<br />

noch nicht sinnvoll möglich, da eine Abbindung<br />

von Buslinien wie nach vollständiger<br />

Streckeninbetriebnahme vorgesehen im Zwischenzustand<br />

für viele heutige Direktfahrer<br />

zu einem Doppelumstieg führen würde.<br />

Verzichtet man auf die vorgezogene Inbetriebnahme,<br />

kostet das immerhin auch noch<br />

1,69 Millionen Euro pro Jahr für Instandhaltung,<br />

Bewachung und investive Bauwerksicherung.<br />

Selbst bei Berücksichtigung<br />

dieser sowieso anfallenden Kosten würde die<br />

Linie 17 oder besser gesagt vor allem der Betrieb<br />

der neuen U-Bahn-Haltestellen aber zu<br />

jährlichen Mehrkosten in Höhe von rund<br />

6,63 Millionen Euro führen.<br />

Entscheidung auf 2013 vertagt<br />

Viel Geld also für eine recht kurze Linie. Allerdings<br />

hat der insgesamt sehr profitable<br />

Stadtwerke-Mutterkonzern die Nord-Süd-<br />

Bahn insgesamt bereits in seiner Finanzplanung<br />

berücksichtigt, denn eigentlich sollte<br />

sie ja bereits fertig sein. Aus diesem<br />

Grund würde auch die Vorinbetriebnahme<br />

nicht zu einer Belastung<br />

des städtischen Haushalts führen. Ein<br />

Teil der Politik möchte die Überschüsse der<br />

Stadtwerke allerdings in größerem Rahmen<br />

für die Stadt abschöpfen, ein anderer wiederum<br />

den Stadtwerken für freie Investitionstätigkeit<br />

sichern. Beide Positionen sind<br />

nicht unbedingt miteinander kompatibel, sie<br />

führten aber letztendlich zu einer Blockadesituation<br />

im Herbst 2012. SPD und CDU beschlossen<br />

im Verkehrsausschuss gegen die<br />

Stimmen von Grünen und FDP, die Entscheidung<br />

über den Südvorlauf auf die Haushaltsberatungen<br />

im Jahr 2013 zu vertagen.<br />

Selbst wenn man sich doch noch zu einem<br />

positiven Beschluss durchringen sollte, ist<br />

der Eröffnungstermin im Jahr 2015<br />

wohl nicht mehr zu halten.<br />

CHRISTOPH GRONECK<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

27


Betriebe<br />

Generationswechsel<br />

an der Elbe<br />

Symbolcharakter hat<br />

diese Aufnahme vom<br />

7. Oktober 2012. Einträchtig<br />

stehen ein<br />

Magdeburger Tatra-<br />

Wagen und der NGT<br />

1358 in Sudenburg<br />

nebeneinander. Ab<br />

Ende Januar 2013<br />

wird es das regulär<br />

nicht mehr geben<br />

M. SPERL<br />

28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Magdeburg<br />

Abschied von den T/B6A2 in Magdeburg Nach dem T4-Ende im<br />

Oktober 2012 endet auf den Tram-Gleisen der Landeshauptstadt von<br />

Sachsen-Anhalt in diesen Tagen auch der Planeinsatz der Tatra-T6.<br />

Die MVB planen für alle Tatras eine offizielle Verabschiedung<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

29


Betriebe<br />

Eigentlich sollten die T6A2 von Tatra<br />

in Magdeburg bereits am 15. Dezember<br />

2012 aus dem regulären Einsatz<br />

ausscheiden. Spätestens an diesem Tag<br />

stand jedoch fest: Die Wagen werden noch<br />

länger benötigt. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses<br />

im Dezember war der 27. Januar<br />

2013 als letzter Planeinsatztag von<br />

Tatrawagen im Personenverkehr der Magdeburger<br />

Verkehrsbetriebe (MVB) vorgesehen.<br />

An diesem Tag wollen die MVB alle ihre<br />

Tatras offiziell aus dem Liniendienst verabschieden.<br />

Aus diesem Anlass sollen auf der<br />

Linie 3 dann noch einmal ausschließlich Tatras<br />

verkehren, voraussichtlich T4. In der<br />

zweiten Dezemberhälfte 2012 rollten die T6<br />

Der erste T6A2 trifft am 4. Dezember 1989 am<br />

August-Bebel-Damm in Magdeburg ein D. PAUKE<br />

noch vereinzelt auf den Linien 1 und 10<br />

durch Magdeburg. Ursprünglich sollten sie<br />

schon nach der Eröffnung der neuen Strecke<br />

nach Reform im Depot bleiben. Aber die<br />

Inbetriebnahme der letzten NGT6D und der<br />

letzten ex Berliner B6A2, die die Pärchen mit<br />

den NGT der allerersten Serie bilden, verzögerte<br />

sich etwas. Und so waren die T6 (und<br />

ein B6) noch nicht entbehrlich.<br />

T6 kommen in die Stadt<br />

Insgesamt verfügte Magdeburg über zwölf<br />

T6A2 des Baujahres 1989. Der erste (1275)<br />

wurde am 3. Dezember 1989 an der damaligen<br />

Entladrampe am August-Bebel-Damm<br />

nahe der Havelstraße entladen. Den Magdeburgern<br />

wurden die neuen Wagen (1275,<br />

1277, 1279, 1280) am 20. Februar 1990<br />

erstmals auf dem Alten Markt präsentiert.<br />

Zu den zwölf Tw (1275 bis 1286) gesellten<br />

sich sechs Beiwagen (2143 bis 2148),<br />

ebenfalls Baujahr 1989. Bemerkenswert ist,<br />

dass jeweils die Hälfte der Wagen nicht di-<br />

30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Magdeburg<br />

Ein Bild aus den letzten Einsatztagen: zwei T6-<br />

Züge stehen am 18. Dezember 2012 an der Endstelle<br />

Sudenburg im Kroatenweg; links Tw 1276<br />

und 1277, rechts Tw 1278 und 1279 D. PAUKE<br />

rekt nach Magdeburg geliefert wurde, sondern<br />

einen Umweg über Schwerin nahm.<br />

Von dort kamen sie 1990 nach Magdeburg<br />

– ohne zuvor in Schwerin im Einsatz gewesen<br />

zu sein.<br />

Ihren ersten Einsatz hatten die direkt angelieferten<br />

drei Großzüge am 2. Mai 1990<br />

auf der damaligen Linie 7, die „Schweriner“<br />

folgten im Sommer desselben <strong>Jahre</strong>s, anfangs<br />

bis zum Herbst 1990 übrigens in der Ursprungslackierung<br />

rot/weiß. Zwischen 1995<br />

und 1997 wurden alle Wagen in der MVB-<br />

Hauptwerkstatt modernisiert, außer 1286,<br />

den ein Unfall zuvor außer Gefecht setzte.<br />

Dadurch konnten nur noch fünf Großzüge<br />

gebildet werden.<br />

Bestand bis März 2012 komplett<br />

Nach einem Brandschaden des Bw 2143 am<br />

11. März 2012 bei einem Einsatz auf der<br />

Fußballinie 15 (Sitz angesteckt) kam er nicht<br />

wieder zum Einsatz, so dass im Frühjahr<br />

2012 noch folgende T/B6-Züge im Einsatz<br />

waren: 1278 + 1279 + 2144, 1280 + 1281<br />

+ 2145, 1284 + 1285 + 2147; 1276 + 1277,<br />

1282 + 1283 sowie 1275 + 2148.<br />

Im Sommer 2012 endete dann die Ära der<br />

Großzüge in Magdeburg, die meisten B6A2<br />

wurden abgestellt, bis auf einen: 2148. Beheimatet<br />

waren zuletzt alle Trieb- und Beiwagen<br />

im Betriebshof Nord. Was aus den T6<br />

und B6 nach ihrer Außerdienststellung wird,<br />

war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.<br />

Viele Straßenbahnfreunde hoffen,<br />

dass ein T6 und ein B6 als historische Wagen<br />

im Bestand bleiben können. Wir werden<br />

darüber berichten. DITMAR PAUKE<br />

Mit dem letzten einsatzfähigen original Magdeburger Beiwagen vom Typ B6A2 – dem 2148 –<br />

ist Tw 1275 am 7. Okto ber 2012 im Bereich des August-Bebel-Damms unterwegs. Ab Februar<br />

2013 werden nur die aus Berlin übernommenen modernisierten B6 eingesetzt werden M. SPERL<br />

Magdeburger T6<br />

12 Triebwagen. . . 1275 bis 1286 (Baujahr 1989)<br />

6 Beiwagen . . . . . 2143 bis 2148 (Baujahr 1989)<br />

Davon im zweiten Halbjahr 2012<br />

noch im Einsatz:<br />

1275 + 2148, 1276 + 1277, 1278 + 1279,<br />

1280 + 1281, 1282 + 1283, 1284 + 1285<br />

(jeweils vorwiegend auf den Linie 1 und 10)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

31


Betriebe<br />

Im Klassiker nach Neuss<br />

Düsseldorfs Linie U75 im Porträt Mit einer echten U-Bahn hat sie nicht viel zu tun – meist verkehrt<br />

die U75 als klassische Straßenbahn. Dabei geht es durch den Neusser Hafen, über den Rhein<br />

und durch enge Häuserschluchten. Und sie bietet auch die letzten Düsseldorfer Klassiker: die GT8SU<br />

Am Neusser Ende der U75 müffelt es<br />

oft, am Düsseldorfer Ende staut es<br />

sich oft. Zwischendrin Hafen, Alleen,<br />

Rheinbrücke, Tunnel und enge<br />

Straßen – kurz: Alles, was man für eine spannende<br />

Tour braucht! Die U75 ist eine klassische<br />

Durchmesserlinie, die durch ihren<br />

„Knicks“ nach Neuss aber eine leichte L-<br />

Form aufweist. Sie schafft die 16 Kilometer<br />

lange Fahrt von Neuss nach Eller in 43 Minuten.<br />

Und vor allem wochentags ist sie Hochburg<br />

der letzten Düsseldorfer Klassiker: Fast alle<br />

Kurse sind mit GT8SU-Doppelzügen aus den<br />

Baujahren 1973 und 1974 bestückt. Nur vereinzelt<br />

verirren sich die jüngeren B80-Doppel<br />

auf die U75. Wenn die B-Wagen zu Messezeiten<br />

auf der U78 gebraucht werden, ist die<br />

U75 sogar fest in den Händen der GT8SU.<br />

Eintönig wird es dann trotzdem nicht: Die<br />

meisten Wagen versprühen mit ihrem rotweißen<br />

Lack, den roten Ledersitzen und der<br />

beigen Wandverkleidung zwar noch typisches<br />

1970er-<strong>Jahre</strong>-Flair. Aber: Die insgesamt noch<br />

32 einsatzbereiten GT8SU werden nach und<br />

nach einer kleinen Modernisierung unterzogen.<br />

Neben neuen Sitzen, neuer Wandverkleidung<br />

und neuen Kupplungen bekommen<br />

sie auch eine neue Lackierung in grau/rot.<br />

Daran kann selbst der Laie sofort erkennen,<br />

dass der Wagen einer Frischzellenkur unterzogen<br />

wurde. Die ersten modernisierten Pärchen<br />

sind schon unterwegs, der Rest folgt im<br />

Laufe des <strong>Jahre</strong>s 2013. So sollen die aufgemöbelten<br />

GT8SU noch bis 2017 in Düsseldorf<br />

im Einsatz stehen – die ersten Wagen<br />

sind dann immerhin 44 <strong>Jahre</strong> alt!<br />

Noch wesentlich älter sind die Wurzeln<br />

der heutigen U75. Als Deutschland noch<br />

32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Düsseldorf<br />

Die GT8SU 3224 und 3221<br />

biegen vor der Kulisse der<br />

Düsseldorfer Bunkerkirche<br />

in die Burgunderstraße ein.<br />

Hier an der Haltestelle<br />

Handweiser liegt auch<br />

der Anschluss zum Rheinbahn-Betriebshof<br />

Heerdt<br />

ALLE FOTOS: C. LÜCKER<br />

Spektakulär: Zwischen Heinrich-Heine-Allee und Hauptbahnhof verkehren die Linien U78 und<br />

U79 parallel zur U75, so wie hier an der Station Steinstraße/Königsallee. Von hier gehts zur „Kö“<br />

Daten & Fakten: Linie U75<br />

Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 km<br />

Spurweite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />

Fahrzeugeinsatz . . . . . . . GT8SU, Bj. 1973/74<br />

B80D, Bj. 1981–1993<br />

Takt der Linie U75 . . . . . Mo. bis Fr.: 10 Min.<br />

Sa.: 10/15 Min.<br />

So., Feiertage: 15/20 Min.<br />

Tarif Gesamtstrecke. . . . . . VRR-Preisstufe B<br />

Einzelticket: 4,90 Euro<br />

Tagesticket: 11,30 Euro<br />

Nicht für alle Fahrgäste sind die hochflurigen <strong>Stadtbahn</strong>wagen auf der U75 gleich gut geeignet,<br />

wie diese Szene an der Blücherstraße in Neuss zeigt<br />

einen Kaiser hatte, hatte Düsseldorf auch<br />

schon eine Straßenbahnanbindung in das benachbarte<br />

Neuss. Ab 1901 fuhr die Straßenbahn<br />

zunächst über den Rheindeich nach<br />

Neuss. Da man aber befürchtete, dass der<br />

Deich die Last der Straßenbahnen auf Dauer<br />

nicht unbeschadet überstehen würde, wurde<br />

die Tram ab 1912 durch den Düsseldorfer<br />

Ortsteil Heerdt geführt. Mit Eröffnung<br />

der Südbrücke 1929 bekam Neuss einen<br />

zweiten Schienenanschluss und die beiden<br />

Strecken wurden zu einer Ringlinie Düsseldorf<br />

– Heerdt – Neuss – Südfriedhof – Düsseldorf<br />

zusammengefasst. Zwar wurde der<br />

Ringverkehr zwischendurch immer mal wieder<br />

getrennt, aber erst in den 1980er-<strong>Jahre</strong>n<br />

endete er gänzlich.<br />

Auf dem Ast Neuss – Heerdt – Düsseldorf<br />

fuhr schließlich bis 1993 die Linie 705, seit<br />

der Tunnelverlängerung bis zur Ronsdorfer<br />

Straße in Düsseldorf trägt diese die heutige<br />

Bezeichnung U75. Anfangs verkehrte sie<br />

noch zwischen Neuss Stadthalle und Düsseldorf-Eller.<br />

Ende der 1990er wurde die U75<br />

aber zum Neusser Hauptbahnhof zurück gezogen,<br />

weil die hochflurigen <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />

besonders in der Neusser Fußgängerzone<br />

zu mächtig erschienen.<br />

Die Fahrt beginnt: Ab in den Hafen<br />

Heute beginnt die Fahrt der U75 also am<br />

Neusser Hauptbahnhof. Nach Verlassen der<br />

zweigleisigen Kehranlage lässt sie rechts die<br />

Ausläufer der Neusser Fußgängerzone liegen<br />

– hier trifft die U75 auf die Straßenbahnlinie<br />

709 aus Düsseldorf. Direkt hinter<br />

dem Halt am Hauptbahnhof trennen sich die<br />

Wege der beiden Linien auch schon wieder<br />

– die 709 wendet am Theodor-Heuss-Platz.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

33


Betriebe<br />

Auch bei Sonnenschein<br />

wären weite Teile des<br />

Neusser Hafens nicht<br />

einladender ...<br />

Während der Fahrt über die vierspurige<br />

Düsseldorfer Straße eröffnet sich rechts<br />

schnell der Blick auf die Becken des Neusser<br />

Hafens. Die direkte Umgebung ist hier überwiegend<br />

unbebaut. Aber weiter im Hintergrund<br />

ist eine Menge los: Neben Containern<br />

und Industrieanlagen bestimmen hier vor<br />

allem Umschlag- und Produktionshallen das<br />

Bild. Hier bekommt man schnell einen<br />

Eindruck über die Ausmaße des Neusser<br />

Hafens.<br />

„Schnell“ ist in diesem Fall auch wörtlich<br />

zu nehmen, denn für die U75 geht es ohne<br />

Halt weiter. Unter einigen großen Verteilerbrücken<br />

hindurch, auf denen der Autoverkehr<br />

umher wuselt, erreicht die Bahn die<br />

Haltestelle Blücherstraße im Barbaraviertel.<br />

Haltestellenschild neben der Straße, einfache<br />

Wartehalle – reicht!<br />

Schnell die Türen zu!<br />

Linkerhand stehen ein paar höhere, weniger<br />

schmucke Wohnhäuser, direkt dahinter hat<br />

sich die Industrie bis zu den angrenzenden<br />

Im Bereich der Stationen Tonhalle und Ronsdorfer Straße sind auf dem Linienplan die Tunnelportale angedeutet<br />

GRAFIK: R. SCHWANDL<br />

34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Düsseldorf<br />

Bahngleisen ausgebreitet. Auf der rechten<br />

Seite ist neben Hallen, Tanks und Fabriken<br />

von den Hafenbecken nicht viel zu sehen.<br />

Augenscheinlich lebt hier auch nicht gerade<br />

die vornehmste Neusser Klientel. Und:<br />

hier müffelt es wirklich! Was aber nichts mit<br />

den Bewohnern zu tun hat, sondern viel<br />

mehr an der in der Nähe angesiedelten Ölmühle<br />

liegt. Bei ungünstigem Wind ist der<br />

faulige Gestank sogar in der ganzen Stadt zu<br />

riechen. Wobei sich die Neusser Politiker gerade<br />

erst mächtig gefreut haben, weil es in<br />

den am meisten betroffenen Stadtgebieten<br />

im Schnitt „nur noch“ rund zweieinhalb<br />

Stunden am Tag stinkt! Glückwunsch …<br />

Ein einziger Steigungsabschnitt<br />

Zum Glück klappen sich die Türen der<br />

GT8SU oder B80 rasch wieder zu. Vorbei an<br />

einigen alten Backsteinbauten rauschen die<br />

Wagen weiter inmitten der Hauptstraße.<br />

Während links schmuddelige Reihenhäuser<br />

vorbei ziehen, erheben sich rechts die Silos<br />

der besagten Ölmühle. Nach einem leichten<br />

Linksknick hält die U75 unter einer großen<br />

Eisenbahnbrücke am Hochbahnsteig der<br />

Haltestelle Am Kaiser. Bis zur Haltestelle<br />

Tonhalle/Ehrenhof wird das übrigens der letzte<br />

Hochbahnsteig sein, über den die Fahrgäste<br />

mühelos in die Bahn und aus der Bahn<br />

raus kommen. Apropos: Der einzige Anlass<br />

Am Kaiser auszusteigen dürfte die Verknüpfung<br />

zum Bus und zur S-Bahn sein. Direkt<br />

über der Haltestelle rattern außerdem die Regionalzüge<br />

in Richtung Düsseldorf hinweg.<br />

Die U75 kommt – abgesehen von den Tunnelrampen<br />

in der Düsseldorfer City – vollständig<br />

ohne nennenswerte Steigungen aus.<br />

Jetzt erklimmen die Wagen auf eigenem<br />

Gleiskörper dennoch einen kleinen Berg.<br />

Rechts und links sorgen noch mehr Zubringerstraßen<br />

und noch mehr Brücken für allerlei<br />

Auto-Getümmel, bevor die Bahn einige<br />

Bahngleise überquert und auf der anderen<br />

Seite wieder leicht bergab rollt.<br />

Das GT8SU-Doppel aus Wagen 3224 und 3221 hat den Belsenplatz erreicht. Die anderen <strong>Stadtbahn</strong>linien<br />

verkehren auf der Strecke im Hintergrund, zum Beispiel nach Krefeld<br />

Vereinzelt fahren auch B80-Doppel auf der U75, so wie hier Wagen 4004, erste B-Wagen-Serie,<br />

mit seinem jüngeren Kollegen 4224 im Neusser Hafen hinter der Haltestelle Blücherstraße<br />

Über die Stadtgrenze<br />

zur Bunker-Kirche<br />

Kurz vor der Haltestelle Vogesenstraße erreicht<br />

die U75 schließlich Düsseldorfer Stadtgebiet.<br />

Es mag Zufall sein, aber schon wird<br />

die Umgebung hübscher! Nach ein paar hundert<br />

Metern kommt die Linie an der Haltestelle<br />

Handweiser an. Auf der linken Seite führen<br />

die Gleise inmitten einer Häuserreihe<br />

durch die Einfahrt eines alten Backsteinhauses.<br />

Man würde nicht ahnen, dass sich ausgerechnet<br />

hinter dieser unscheinbaren Einfahrt<br />

die Hauptwerkstatt der Rheinbahn befindet.<br />

Gerade am Wochenende kann man auch immer<br />

wieder regulär Wagen der U75 hier einrücken<br />

sehen, weil zu bestimmten Zeiten nur<br />

jeder zweite Kurs bis nach Neuss durchfährt.<br />

Neben der Haltestelle zeigt sich noch ein<br />

anderes, interessantes Gebäude: Die Düsseldorfer<br />

Bunkerkirche St. Sakrament. Sie ist<br />

nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Luftschutzbunker<br />

entstanden. Dieses in dieser<br />

Form weltweit einmalige Bauwerk gilt deshalb<br />

auch als die „stabilste Kirche der Welt“.<br />

Auf eigener Fahrbahn<br />

Weiter geht die Fahrt in Richtung Düsseldorfer<br />

City durch den Stadtteil Heerdt. Auf<br />

eigenem Gleiskörper inmitten der zweispurigen<br />

Heerdter Landstraße ziehen die Bahnen<br />

an lockerer Wohnbebauung und einigen<br />

Gewerbebetrieben vorbei. Unterwegs sammelt<br />

die U75 an den Haltestellen Aldekerkstraße<br />

und Heesenstraße Fahrgäste ein. Am<br />

Nikolaus-Knopp-Platz ist das Zentrum von<br />

Heerdt erreicht. Abgesehen von einigen Altbauten<br />

und der Kirche St. Benediktus ist die<br />

Umgebung hier aber eher unspektakulär.<br />

Straßenbahnfreunden, die mit dem Auto<br />

nach Düsseldorf reisen, sei die nächste Haltestelle<br />

Dominikus-Krankenhaus empfohlen<br />

– hier bietet die Stadt nämlich kostenlose<br />

Park+Ride-Plätze an – und von hier aus erreicht<br />

man die Innenstadt per Bahn in nicht<br />

mal zehn Minuten.<br />

Im weiteren Verlauf wird die Sicht wieder<br />

freier. Die U75 verlässt ihren eigenen Gleiskörper<br />

und rollt, vorbei an einem ausgedehnten<br />

Sportplatz, unter einer Allee und unter<br />

einigen Autobrücken bis zur Haltestelle<br />

Drususstraße. Hier lohnt sich ein Blick links<br />

der Strecke: Zum Teil reich verzierte, mehrgeschossige<br />

Gründerzeitbauten warten nur<br />

darauf, als Motiv „eingefangen“ zu werden.<br />

Die Hauptschlagader in die City<br />

Mit einem Linksknick nimmt die U75 als<br />

klassische „Straßen-Bahn“ Kurs auf den Belsenplatz<br />

in Oberkassel. Hier ist was los! Ein-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

35


Betriebe<br />

Das Flair der 1970er-<strong>Jahre</strong> versprühen die letzten noch unmodernisierten GT8SU auch im Inneren<br />

– die modernisierte Variante weist zum Beispiel blaue Polstersitze auf<br />

gerahmt von schmucken Bauten mit hippen<br />

Cafés und Restaurants sorgen hier vor allem<br />

die Bahnen für pulsierendes Leben. Zur U75<br />

gesellen sich jetzt nämlich die U70 und U76<br />

von und nach Krefeld, die U74 Richtung Lörick/Meerbusch<br />

und Holthausen/Benrath<br />

und die U77 Richtung Am Seestern und<br />

Holthausen. Der Belsenplatz versprüht mit<br />

seinem alten Bahnhofsgebäude zudem noch<br />

etwas Fernbahnhofsflair. Und wer es nicht<br />

mehr bis in die Düsseldorfer Altstadt schafft,<br />

der kann sich in der Brauerei im alten Bahnhof<br />

sogar schon mal vorab ein Bierchen gönnen<br />

… Dann geht’s natürlich erst recht nur<br />

noch per Bahn weiter – die Auswahl ist ja<br />

jetzt groß genug.<br />

Und das ist auch gut so, großstädtisch und<br />

entsprechend fahrgastreich ist die Umgebung:<br />

Überwiegend mächtige Altbauten prägen<br />

das Bild rechts und links der vierspurigen<br />

Luegallee, in dessen Mitte sich auf<br />

eigenem Bahnkörper und eingerahmt von<br />

Bäumen im dichten Takt die Bahnen schnurgrade<br />

in Richtung Innenstadt schieben. Einen<br />

Zwischenstopp auf dieser Hauptschlagader<br />

gibt es noch am Barbarossaplatz,<br />

ehe die Bahnen den Luegplatz erreichen. Hier<br />

bietet sich zugleich auch die letzte Möglichkeit,<br />

auf dieser Rheinseite auszusteigen. Anschließend<br />

fährt die U75 nämlich über die<br />

imposante Oberkasseler Brücke, eine Stahlträgerbrücke,<br />

die den Rhein überspannt. Dieses<br />

Streckenstück lohnt sich ganz besonders:<br />

Von hier aus hat man einen perfekten Blick<br />

auf die Düsseldorfer Skyline mit den Rheinbrücken,<br />

dem Fernsehturm und der Rheinpromenade.<br />

Modernes LZB-System<br />

Wer nicht nur auf den Sound der GT8SU<br />

oder B80, sondern auch auf klassische Musik<br />

steht, der sollte an der Tonhalle am<br />

Rheinufer nicht vorbei fahren. An der Haltestelle<br />

Tonhalle/Ehrenhof erreicht man diese<br />

– und das sogar über einen Hochbahnsteig,<br />

damit die Herren in feinen Anzügen<br />

und die Damen in hochhackigen Schuhen ihren<br />

Konzertabend nicht mit einer Kletterpartie<br />

aus der Bahn beginnen müssen.<br />

In diesem Bereich fahren und bremsen die<br />

<strong>Stadtbahn</strong>en übrigens schon automatisch<br />

über das LZB-System. Der Fahrer muss nur<br />

die Start-Taste im Wagen drücken und schon<br />

rattert die Bahn in den Innenstadt-Tunnel<br />

und in die unterirdische Haltestelle Heinrich-<br />

Heine-Allee, an der nun auch die Linien U78<br />

und U79 dazu stoßen. Teilweise müssen hier<br />

Ordner die Fahrgastmassen in Schach halten,<br />

weil sonst nichts mehr geht oder fährt.<br />

Oben drüber tobt nämlich Tag und Nacht<br />

Frisch modernisiert sind die Wagen 3234 und<br />

3203 als sie im September 2012 über die Düsseldorfer<br />

Stadtgrenze gen Neuss Hauptbahnhof<br />

rollen<br />

36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Düsseldorf<br />

Halt mal!<br />

Entlang der U75 befinden sich auch einige touristische Ziele. An der Heinrich-<br />

Heine-Allee erreicht man die Düsseldorfer Altstadt, bekannt für ihre Partymeilen.<br />

Wenige Fußminuten davon entfernt liegt die Rheinpromenade. Hier<br />

sei ein Spaziergang in den architektonisch sehr spannenden Medienhafen hinter<br />

dem Rheinturm empfohlen. In dem sieht man Düsseldorf übrigens aus über<br />

170 Metern Höhe.<br />

Das Schloss Eller unweit der Endstelle Vennhauser Allee ist ein Muss für Kulturliebhaber.<br />

Und richtig rund geht’s so: Ab Hauptbahnhof mit der Linie 709<br />

nach Neuss und von dort aus mit der U75 zurück. So überquert man auf einer<br />

Ringstrecke gleich zweimal den Rhein.<br />

An der Haltestelle Steinstraße/Königsallee bitte nur mit gut gedeckter Kreditkarte<br />

aussteigen – hier gehts nämlich zur legendären Edel-Flaniermeile „Kö“.<br />

Und für die Freunde guter Küche? Pizzeria Lupo – Düsseldorfs wohl bekannteste<br />

Pizzeria in der Altstadt. Köstliche Pizza aus dem Steinofen, Bolker<br />

Straße 52, Haltestelle Heinrich-Heine-Allee.<br />

Auch bei schlechtem Wetter hat man auf der Oberkasseler Rheinbrücke<br />

einen perfekten Blick auf die Düsseldorfer Skyline mit dem markanten<br />

Fernsehturm<br />

die legendäre Düsseldorfer Altstadt. Hier<br />

wird immer gefeiert. Natürlich mit echtem<br />

Düsseldorfer Alt-Bier. Nach was anderem<br />

sollte man hier auch nicht fragen …<br />

Für eine Tunnelstrecke ist der Abschnitt<br />

bis zum Hauptbahnhof über Steinstraße/Königsallee<br />

und Oststraße hochinteressant: Die<br />

Bahnen verkehren hier nämlich in zwei verschiedenen<br />

Ebenen. Das bedeutet: Alle Wagen<br />

Richtung Hauptbahnhof fahren parallel<br />

auf der unteren Ebene, die Wagen in die<br />

Gegenrichtung auf der oberen. Es kann also<br />

durchaus vorkommen, dass direkt neben der<br />

U75 zum Beispiel ein Zug der U78 durch den<br />

Tunnel braust. Am Hauptbahnhof ist das<br />

Spektakel vorbei – die Ebenen werden wieder<br />

vereint und die U75 hat die nächsten<br />

Tunnelstationen Handelszentrum und Kettwiger<br />

Straße für sich allein. An der Ronsdorfer<br />

Straße erblickt sie wieder das Tageslicht,<br />

übrigens unweit des ehemaligen<br />

Düwag-Werks, in dem vor allem in der<br />

Nachkriegszeit noch zahlreiche Straßenbahn-Klassiker<br />

gebaut worden sind.<br />

Hier fädeln sich auch die Gleise der oberirdischen<br />

Betriebsstrecke ein, über die auch<br />

Straßenbahnen an der nächste Haltestelle<br />

Lierenfeld Betriebshof selbigen erreichen<br />

können.<br />

Die Enstelle Vennhauser Allee in Eller ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Südosten. Hier warten<br />

die beiden Düsseldorfer Linien 715 und U75 auf neue Fahrgäste<br />

Die U75 bekommt Gesellschaft<br />

Dass gleich beide Düsseldorfer Betriebshöfe<br />

an der Strecke der U75 liegen, hat einen entscheidenden<br />

Vorteil: So können die mittlerweile<br />

doch recht störanfälligen GT8SU bei<br />

Bedarf relativ einfach auf beiden Strecken -<br />

ästen ausgetauscht werden.<br />

Über die Erkrather Straße geht es im Straßenplanum<br />

weiter durch dicht bebautes<br />

Gebiet bis zur Schlesischen Straße. Jetzt bekommt<br />

die U75 Gesellschaft: Die Straßenbahnlinie<br />

715 wird sie bis zur Endstelle begleiten.<br />

Gerade auf diesem letzten Abschnitt<br />

kommt die U75 wie eine gewöhnliche Straßenbahn<br />

daher – hier müssen sich die Bahnen<br />

deshalb auch mal in die eine oder andere<br />

Autoschlange stellen.<br />

An den Haltestellen Am Hackenbruch und<br />

Jägerstraße müssen die Fahrgäste sogar direkt<br />

von der Straße aus in die hohen <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />

steigen.<br />

Bis zum Schluss: Straßenbahn pur!<br />

Die Bahnen folgen der recht schmalen und<br />

dicht bebauten Zeppelinstraße, ehe sie die S-<br />

Bahn-Strecke Solingen – Dortmund unterqueren<br />

und nach einem Linkschwenk auf dem<br />

recht idyllischen Gertrudisplatz an der Haltestelle<br />

Eller Mitte zum stehen kommen. Vor<br />

den alten Häusern wirken die <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />

zwar etwas bullig, der Fahrgastandrang<br />

rechtfertigt ihren Einsatz aber allemal.<br />

Eng geht es auf dem restlichen Streckenstück<br />

zu: Die U75 schlängelt sich durch die<br />

Häuserschluchten von Alt-Eller.<br />

Erst an der Vennhauser Allee wird die<br />

Sicht wieder freier: Hier erreichen die Bahnen<br />

nämlich ihre großzügig angelegte doppelgleisige<br />

Endschleife, wobei die U75 das<br />

äußere Gleis nutzt und die Niederflurwagen<br />

der 715 das innere Gleis befahren. Die Endstelle<br />

ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt<br />

im Westen der Stadt. Nachdem die Fahrgäste<br />

aus- oder in die zahlreichen Buslinien umgestiegen<br />

sind, befährt die U75 die halbe<br />

Schleife, um an der Abfahrthaltestelle neue<br />

Fahrgäste Richtung Neuss aufzunehmen.<br />

Und dann beginnt die spannende Fahrt aufs<br />

Neue …<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

37


Betriebe<br />

Zur ersten Probefahrt kam am 13. Dezember 2012 der Tw 1 zur Endstelle<br />

Lichtenhainer Wasserfall (kleine Bilder). Danach testete Matthias<br />

Rzehak die Strecke nochmals mit dem Tw 4 OVPS (LINKS) UND M. FÖRSTER (RECHTS)<br />

Wieder zum<br />

Wasserfall!<br />

Kirnitzschtalbahn wieder komplett<br />

in Betrieb Seit dem 14. Dezember 2012<br />

verkehren die Züge der Kirnitzschtalbahn<br />

wieder bis zum Lichtenhainer Wasserfall.<br />

Alle Hochwasserschäden vom Sommer 2010<br />

sind behoben. Bis zum 28. März 2013<br />

gilt nun der reguläre Winterfahrplan<br />

Mit einer Motorschneefräse rücken die Mitarbeiter der Oberelbischen<br />

Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) dem<br />

Schnee im Bereich der Endstelle Lichtenhainer Wasserfall<br />

zu Leibe. Dann ist es am Donnerstag, dem 13. Dezember<br />

2012, soweit: Erstmals seit dem Hochwasser im August 2010 erreicht<br />

ein Wagen der Kirnitzschtalbahn wieder ihren regulären Endpunkt.<br />

Seit Freitag, dem 14. Dezember, pendeln die Fahrzeuge des liebenswerten<br />

Meterspurbetriebes wieder tagtäglich zwischen Bad<br />

Schandau und Lichtenhainer Wasserfall. Gleichzeitig gilt damit erstmals<br />

seit 2009/10 der normale Winterfahrplan auf der acht Kilometer<br />

langen Strecke in der Hinteren Sächsischen Schweiz.<br />

38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Kirnitzschtalbahn<br />

Am Nachmittag des 7. August 2010 richtete eine Flutwelle der Kirnitzsch<br />

zwischen Hinterhermsdorf und Bad Schandau schwere Zerstörungen<br />

an, von denen auch die Kirnitzschtalbahn betroffen war.<br />

Neben den Fahrzeugen des Linienverkehrs standen auch alle historischen<br />

Fahrzeuge etwa achshoch im Schmutzwasser des Flusses.<br />

Der Abschnitt vom Stadtpark Bad Schandau bis zum Beuthenfall,<br />

der vorletzten Haltestelle, war bereits seit dem 28. August 2010 wieder<br />

in Betrieb. Unterbrochen wurde dieser am 21. August 2012: Aufgrund<br />

erneuter Unwetterschäden gab es am 21. und 22. August 2012<br />

keinen Verkehr. Nach zweieinhalb <strong>Jahre</strong>n Bauzeit bedient die OVPS<br />

nun aber wieder die gesamte Strecke im Kirnitzschtal. Zuvor waren<br />

zwischen Haidemühle und Lichtenhainer Wasserfall auf etwa<br />

240 Meter Länge die Gleise und Oberleitung sowie eine Stützmauer<br />

erneuert worden.<br />

Bis zum Ende des Winterfahrplanes am 28. März verkehrt die<br />

Straßenbahn täglich zwischen 9.<strong>50</strong> und 16.<strong>50</strong> Uhr sieben Mal im<br />

Rhythmus von einer Stunde und zehn Minuten ab Bad Schandau.<br />

Die letzte Abfahrt ab Lichtenhainer Wassserfall ist 17.20 Uhr.<br />

Am 27. Mai 2013 wird der sächsische Kleinbetrieb übrigens 115<br />

<strong>Jahre</strong> alt. Derzeit laufen bei der OVPS und dem Förderverein Planungen,<br />

ob und wie man auf dieses Jubiläum genau eingeht. Details<br />

werden danach auf www.ovps.de bekanntgegeben. PM/AM<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

39


Betriebe<br />

Mit Blick auf die<br />

große Bucht<br />

Die neue Tram in Brest Sie ist eine Revolution im ÖPNV und<br />

verändert das Bild der Stadt am Ende der Bretagne – die 2012 neu<br />

eröffnete Tramlinie 1. Der Beitrag schildert die Vorgeschichte, den<br />

Bau, die Einweihung und gibt einen Ausblick auf neue Pläne<br />

40


Frankreich: Brest<br />

Die Pont de Recouvrance über den Fluss<br />

Penfeld, rechts das Stadtzentrum von Brest,<br />

links das Recouvrance-Viertel, in das eine<br />

Tram fährt. Der Mittelteil der Brücke kann<br />

angehoben werden<br />

C. D. LEROUX<br />

Die 1944 zerstörte Pont National über den<br />

Fluss Penfeld war als Drehbrücke ausgeführt<br />

und ist der Vorläufer der heutigen Pont de<br />

Recouvrance<br />

SLG. V. LECAENNAIS<br />

Farbe hat die neue Straßenbahn nach<br />

Brest gebracht – und Chrom. Farbe,<br />

weil der Himmel über der Bretagne<br />

nicht immer blau und Häuser des neuen<br />

Brest beton- oder granitfarben sind. Und<br />

da hellen die neuen anisgelben Tramzüge den<br />

Alltag auf. Obwohl Alstom-Citadis-Züge in<br />

mehreren Städten Europas und anderer Kontinente<br />

verkehren, in Brest wirken sie besonders<br />

edel: Das machen die verchromten<br />

Einfassungen der Fensterflächen von Front<br />

bis Heck. Und viel Chrom findet sich auch<br />

im Innern der Züge, an den Haltestangen,<br />

den Griffen im Stehbereich in Form von<br />

Schiffshaken, in den Dachluken – und nicht<br />

zuletzt an den Haltestellen, auf den Deckeln<br />

der Abfallbehälter.<br />

Stolz ist man in Brest auf diese Revolution<br />

im ÖPNV. Mit 156.000 Einwohnern ist die<br />

Stadt Brest, Hafen an der gleichnamigen 1<strong>50</strong><br />

km 2 großen Rade de Brest (Bucht von Brest),<br />

größte Kommune des Ballungsraumes Brest<br />

Métropole Océan (BMO), zu dem acht Gemeinden,<br />

darunter Brest, Guipavas, Plougastel-Daoulas,<br />

Plouzané, Le Relecq-Kerhuon<br />

(insgesamt 221.000 Einwohner) gehören.<br />

Plougastel-Daoulas, mit 11.000 Einwohnern<br />

zweitgrößte Kommune, liegt elf Kilometer<br />

südöstlich auf dem anderen Ufer des Flusses<br />

Elorn, was die Problematik des ÖPNV im<br />

Großraum deutlich macht. Hinzu kommt,<br />

dass Brest – nach praktisch totaler Zerstörung<br />

1943/44 mit breiten Straßenachsen, wie<br />

Rue de Siam, Rue Jean-Jaurès und uniformen<br />

Betonblöcken wieder aufgebaut – zum Indi-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

41


Betriebe<br />

Chrom und Glamour<br />

in der Stadt<br />

Die Gesamtlänge der neuen Straßenbahn-Linie<br />

Brest mit drei Endstationen beträgt 14,3 km mit<br />

28 Haltestellen. 26 Prozent der Bevölkerung des<br />

Großraums, ein Drittel der Arbeitsplätze liegen<br />

im Einzugsbereich (4<strong>50</strong> Meter) der neuen Straßenbahn.<br />

20 Straßenbahnzüge vom Alstom-Typ<br />

„Citadis 302“ wurden beschafft, man rechnet mit<br />

49.<strong>50</strong>0 Fahrgästen täglich. Man erhofft eine Erhöhung<br />

des Verkehrsaufkommens um 27 Prozent,<br />

eine Beschleunigung des ÖPNV um 21 Prozent.<br />

60 Prozent der frei werdenden Bus-Kapazitäten<br />

wurden neu verteilt: 14 Buslinien „bedienen“ direkt<br />

die neue Straßenbahnlinie. VLC<br />

Der neuen Tram von Brest auf Dach geschaut: Von der Pont de Recouvrance kommend ist ein<br />

Zug in der Rue de Siam angekommen<br />

BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: V. LECAENNAIS<br />

Auf der nun vom Durchgangsverkehr befreiten Rue Jan Jaures begegnen sich in Höhe der Haltestelle<br />

Octroi am 6. September 2012 die Wagen 1004 und 1013<br />

A. REUTHER<br />

vidualverkehr einlud: Über 70 Prozent der<br />

Käufer des Einzelhandels der Innenstadt kamen<br />

mit dem Auto ...<br />

Damit ist jetzt Schluss. Es sieht so aus, als<br />

hätten die Planer versucht, Geschäfte und<br />

Besucher, Gewerbe und Kunden via Tramway<br />

miteinander zu verbinden. Von einer<br />

„révolution urbaine“ spricht man in Brest,<br />

wenn es um das Zusammenspiel von Stadtentwicklung<br />

und Straßenbahn-Bau geht. Auf<br />

dem linken Ufer des Flusses Penfeld hat die<br />

französische Marine auf dem Plateau de Capucins<br />

zwölf Hektar geräumt, wo Wohnungen<br />

und Büros entstehen, zudem ein neues<br />

Sportzentrum und andere Einrichtungen,<br />

welche die Gewichte in der Stadt neu verteilen.<br />

Doch auch das „alte“ Brest, mit Um-<br />

gestaltung der Hallen der Place Saint-Louis<br />

und der (endlich!) ersten Fußgängerzone von<br />

1,5 km, am unteren Ende der Rue de Siam,<br />

haben deutlich gewonnen.<br />

West-Ost-Trasse mit Gabelung<br />

In Richtung Westen und Meer liegt die Endstation<br />

der neuen Straßenbahn nach 14,3 km<br />

und 28 Haltestellen an der Porte de Plouzané.<br />

Zur Gemeinde Plouzané gehören das<br />

Meeresforschungsinstitut Ifremer, die Technopole<br />

Brest-Iroise und der Betriebshof<br />

CEMT.<br />

Durch das Stadtviertel Saint-Pierre, wo bis<br />

2014 die künftige Veranstaltungshalle aus<br />

dem Boden wächst, führt die Route zum Plateau<br />

de Capucins, dem Entwicklungsgebiet.<br />

Ziel der neuen tramway ist auch, „beide Ufer<br />

miteinander zu verbinden“. Das geschieht<br />

auf der mächtigen Pont de Recouvrance<br />

(1954), die sich jetzt ÖPNV und Individualverkehr<br />

teilen – mit einer klaren Vorfahrt<br />

für den ÖPNV.<br />

Auf dem rechten Ufer des Penfeld wertet<br />

die Tramway-Trasse die Einkaufsmeile im<br />

Stadtzentrum auf, erreicht das St. Martin-<br />

Viertel und den Rond-Point de Strasbourg<br />

(P+R-Platz), bevor sie sich nach der Haltestelle<br />

Pontanézen in zwei Äste teilt: Nach<br />

Norden durch das Industrieviertel Kergaradec<br />

zur Porte de Gouesnou, wo die Route<br />

Nationale 12 die Bretagne mit dem knapp<br />

600 Kilometer entfernten Paris verbindet;<br />

nach Süden, zur Porte de Guipavas, zwei<br />

Haltestellen.<br />

Die Gemeinde Guipavas hat 13.900 Einwohner<br />

und den Flughafen. 26 Prozent der<br />

Bevölkerung des Großraums, ein Drittel der<br />

Arbeitsplätze, liegen im Einzugsbereich (4<strong>50</strong><br />

Meter) der neuen Straßenbahn. Man rechnet<br />

mit 49.<strong>50</strong>0 Fahrgästen täglich, erhofft<br />

ein um 27 Prozent erhöhtes Verkehrsaufkommen,<br />

eine Beschleunigung des ÖPNV<br />

um 21 Prozent. 60 Prozent der frei werdenden<br />

Bus-Kapazitäten sind neu verteilt. 14<br />

Buslinien „bedienen“ direkt die neue Straßenbahnlinie.<br />

Neue Tramway ist Rückkehr<br />

Für Brest bedeutet die neue Tramway die<br />

Rückkehr eines alten Verkehrsmittels in moderner<br />

Gestalt. Denn zwischen 1897, mit<br />

maximal drei Linien und 15 km Gesamtlänge<br />

(1920) bis zur Zerstörung der Stadt<br />

1944 – und damit länger als in anderen französischen<br />

Städten – verkehrten in der Hafenstadt<br />

schon Straßenbahnen, bis 1970<br />

auch Trolleybusse.<br />

Im <strong>Jahre</strong> 1980 scheiterte das erste Projekt<br />

für den Bau einer neuen Straßenbahn. Proteste<br />

der Gewerbetreibenden und eine gescheiterte<br />

Volksabstimmung (80 Prozent<br />

„nein“) führten zum „Aus“.<br />

42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Frankreich: Brest<br />

Der Gelenkzug 1017 vom Typ Citadis 302 überwindet am 6. September 2012 die Steigung von der Rue du Sam zum Place Liberté. Dieser Bereich<br />

von Brest steht nur der Straßenbahn und den Fußgängern/Fahrradfahrern zur Verfügung<br />

A. REUTHER<br />

Blick durch die Fahrerkabine auf das Armaturenbrett des Alstom-Citadis<br />

302 und die Geschäftsstraßen der Hafenstadt im Westen Frankreichs<br />

Nächtliche Straßenbahn in Brest an der Haltestelle Château. Die Citadis<br />

sind mit mit bullaugenähnlichem Deckendekor versehen<br />

Auch dieses Mal gehörten Einzelhändler<br />

zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens.<br />

Doch OB François Cuillandre, der auch Vorsitzender<br />

des Großraums Brest Metropole<br />

Océan ist, hatte bereits zur Kommunalwahl<br />

im März 2001 das Projekt Tramway im<br />

Wahlprogramm und damit durch die Wähler<br />

billigen lassen.<br />

Auch beim zweiten Anlauf gab es Hindernisse:<br />

Die auseinandergezogene Struktur des<br />

Ballungsraums war ein Argument, mit dem<br />

Gegner aus Nachbargemeinden versuchten,<br />

bis in letzter Minute das Projekt zu verhindern:<br />

Mit abgetrennten Busspuren sei der<br />

ÖPNV flüssiger zu machen. Dass bessere Verkehrsverhältnisse<br />

in Brest, Universitätsstadt<br />

und Oberzentrum der westlichen Bretagne,<br />

das sich verstärkt im Konkurrenzkampf zu<br />

der ganz im Osten liegenden bretonischen<br />

Hauptstadt Rennes befindet, dem Image der<br />

Stadt nützen würde, hat klar die Oberhand<br />

behalten: 52 Ja- und 29 Nein-Stimmen.<br />

Entscheidungen und Bau<br />

in Rekordzeit<br />

Erkannt wurde, dass auch in Brest der ausschließlich<br />

busgestützte ÖPNV an seine<br />

Grenzen geraten ist. Drei P+R-Plätze am<br />

Rand der Stadt, Fort Montbarey (148 Plätze),<br />

Porte de Gouesnou (200 Plätze), Porte<br />

de Guipavas (229 Plätze) und einer oberhalb<br />

der Innenstadt, an der Place de Strasbourg<br />

mit 2<strong>50</strong> Plätzen,v sollen Automobilisten zum<br />

Umsteigen in den ÖPNV bewegen.<br />

Auf wie viel Schienen die Tramway de Brest<br />

verkehrt, war zunächst offen. Bei der Grundsatzentscheidung<br />

am 17. Dezember 2004<br />

wollte und konnte man sich nicht auf eine<br />

„klassische“ Straßenbahn (tramway fer) oder<br />

eine „Straßenbahn auf Gummirädern“ (tram<br />

sur pneus, mit zentraler Führungsschiene) wie<br />

in Caen und Nancy festlegen. Bei den Kostenschätzungen<br />

lag die „Gummivariante“ mit<br />

214 Mio. Euro vor der „Eisenvariante“ mit<br />

240 Mio. Euro, wobei letztere von der BMO-<br />

Führung favorisiert und am 9. Februar 2007<br />

gewählt wurde. Immerhin gibt es beiderseits<br />

des Flusses Penfeld Rampen mit bis zu 8,25<br />

Prozent zu bewältigen.<br />

Den Baubeginn markierten zwei spektakuläre<br />

Aktionen: Am 21. Juni 2010 wurde<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

43


Betriebe<br />

In der Nähe des Rathauses (Hôtel de Ville) und der Haltestelle Liberté liegen bereits die Weichen für die angedachte zweite Linie<br />

Etappen der Renaissance<br />

1897 Gründung der Verkehrsgesellschaft<br />

Compagnie de Transport de Brest (CTB),<br />

ab 1898 verkehren Straßenbahnen<br />

1901 in Brest verkehren drei Straßenbahninien<br />

1920 Gesamtlänge des Straßenbahnnetzes<br />

15 km<br />

1944 bei der totalen Zerstörung der Stadt wird<br />

auch das Straßenbahnnetz zerstört<br />

1970 Einstellung Trolleybusverkehr<br />

1986 Umbenennung der städtischen Verkehrsgesellschaft<br />

in bibus<br />

2001 bibus wird als erstes Netz in Frankreich<br />

nach ISO 14001 zertifiziert<br />

2004 Vertrag für bibus mit Keolis bis 2008<br />

verlängert, Entscheidung für den Bau<br />

einer Straßenbahn<br />

2011 am 23. Mai rollt in Aytré bei La Rochelle<br />

der erste Zug für Brest aus dem Alstom-<br />

Werk. Er trifft am 7. September 2011 in<br />

Brest ein. Zuvor wird das Mittelteil der<br />

Pont de Recouvrance ersetzt<br />

2012 Einweihung der neuen Tramway<br />

am 23. Juni<br />

VLC<br />

der Grundstein für Depot und Wartungszentrum<br />

gelegt, am 22. Juli 2010 in der rue<br />

Siam (Stadtzentrum) symbolisch das erste<br />

Gleis geschweißt. Und in Rekordzeit von<br />

zweieinhalb <strong>Jahre</strong>n kam die Straßenbahn in<br />

Brest auf die Schienen.<br />

20 Züge von Alstom<br />

Die gemeinsame Bestellung des rollenden<br />

Materials für zwei Städte sorgte bei einem<br />

GART-Verkehrswesen-Kongress in Paris am<br />

15. September 2009 für Aufsehen: François<br />

Cuillandre (Brest) und François Rebsamen<br />

(Dijon) bestellten 52 Straßenbahn-Züge bei<br />

Alstom: 32 für Dijon und 20 für Brest. Beide<br />

Trams haben dasselbe Design – entwickelt<br />

von APD und dem Designer Eric Rhinn in<br />

Lyon – nur die Farben sind unterschiedlich:<br />

anisgelb für Brest, cassisrot für Dijon.<br />

Vorteil der gemeinsamen Bestellung: Brest<br />

und Dijon zahlen pro Zug nur 2,08 Mio.<br />

Euro. Die Citadis-302-Züge sind neuester<br />

Bauart, zu 98 Prozent recycling-fähig, weil<br />

aus vielen Composit-Materialien. Der<br />

Stromverbrauch des Antriebs wurde zehn<br />

Prozent sparsamer.<br />

Bei Alstom betont man, dass ein Passagier<br />

mit Sitzplatz viermal weniger als ein Bus und<br />

zehn Mal weniger als ein Auto verbraucht.<br />

Auch der Geräuschpegel in der Stadt soll sinken,<br />

um rund fünf Dezibel. Kein Wunder,<br />

dass man entlang der Strecke Hinweise auf<br />

die Gehsteige druckte: Achtung, die Straßenbahn<br />

hat Vorfahrt und ist leise.<br />

Besonderen Wert legten die Designer nicht<br />

nur auf das chice Äußere der neuen Straßenbahnzüge,<br />

sondern auch auf die Innengestaltung:<br />

Auch hier viel Chrom, von den<br />

Benutzern geschätzt, wie Schifferknoten (noeud<br />

marin) als Haltegriffe, Dachluken, die<br />

aus Schiffen stammen könnten und Ansagen,<br />

die sich mit Tageszeit und Gezeiten des<br />

benachbarten Meeres verändern. Und dann<br />

die Farben der Sitze, in den einzelnen Modulen<br />

unterschiedlich, 2 + 1-Anordung der<br />

Sitze in bestimmten Bereichen und daneben<br />

Ablageflächen, „eine Straßenbahn zum Leben“,<br />

wie es ein Fahrgast ausdrückt.<br />

Und auch die Strecke sorgt für Abwechslung:<br />

Rasengleis auf der Hälfte der Trasse,<br />

entlang der Strecke wurden 1.600 Bäume und<br />

70.000 m 2 Sträucher gepflanzt. Hinzu kommen<br />

elf recht unterschiedliche Kunstwerke.<br />

Der erste der 20 Citadis traf am 7. September<br />

2011 über die Pont de l’Iroise in Brest<br />

ein, ab 18. Oktober 2011 gab es Testfahr-<br />

44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Frankreich: Brest<br />

Im aktuellen Nahverkehrsplan von Brest ist die neue Straßenbahn an erster Stelle mit einer roten Linie eingezeichnet<br />

Im Obergeschoss des CEMT ist die Leitstelle PCC (Poste de Commandement<br />

centralisé) untergebracht, mit Rundblick auf das gesamte Gelände<br />

von Depot und Wartungszentrum<br />

Blick in das CEMT an der Porte de Plouzané für die Wartung und<br />

Instandsetzung der Citadis. Alle Anlagen sind auch für Züge mit 44 Meter<br />

Gesamtlänge ausgelegt<br />

ten. Ersten Kontakt konnten die Brester am<br />

21./22./23. Dezember 2011 nehmen, als zwei<br />

Züge in der rue de Siam, im Herzen der<br />

Stadt, und an der Haltestelle Liberté (zugänglich)<br />

ausgestellt waren. 9.000 Besucher<br />

wurden gezählt.<br />

Spektakuläre Rückkehr der Tram<br />

Viel Sonnenschein und etwas Regen begleitete<br />

dann die Rückkehr der Straßenbahn<br />

nach Brest am Festwochenende im Juni<br />

2012. 95.000 Fahrgäste nutzten nach der offiziellen<br />

Eröffnung durch OB François Cuillandre<br />

und Minister Jean-Yves Le Drian die<br />

Mitfahrgelegenheit. Die Brester entdeckten<br />

gleichzeitig das neue Gesicht ihrer Stadt, v.a.<br />

mit der 1,5 km langen Fußgängerzone in der<br />

Rue de Siam. Mit der Rückkehr der Tramway,<br />

68 <strong>Jahre</strong> nach der Zerstörung der Stadt<br />

im Herbst 1944, ging auch die wichtigste<br />

Baumaßnahme seit dem Wiederaufbau zu<br />

Ende. 14,3 km ist die Strecke lang, spektakulärster<br />

Punkt ist die Überquerung des Flusses<br />

Penfeld auf der Pont de Recouvrance, deren<br />

87,5 Meter langes und 480 Tonnen<br />

schweres Mittelteil 2011 erneuert wurde und<br />

die nun zusätzliche Fußgänger- und Radfahrer-„Balkone“<br />

hat. Allein diese Operation<br />

kostete 15 Mio. Euro der Gesamtkosten<br />

von rund 390 Mio. Euro (vor Steuern).<br />

Ihre erste Bewährungsprobe hatte die neue<br />

Tram von Brest dann im Juli 2012 bei den<br />

„Tonnerres de Brest“ zu bestehen, einem großen<br />

Treffen historischer und moderner Schiffe<br />

in der Hafenstadt mit der weiten Bucht von<br />

Brest und dabei entdeckten auch Autofahrer<br />

die P + R-Plätze an der neuen Trasse.<br />

Depot CEMT an Bunkerstandort<br />

Elf deutsche Bunker und 16,5 Tonnen<br />

Sprengstoff mussten beseitigt werden, bevor<br />

am 21. Juni 2010 der Grundstein für das Depot<br />

und Wartungszentrum (CEMT, Centre<br />

d’Exploîtation et de Maintenance du Tramway)<br />

am westlichen Ende der Trasse gelegt<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

45


Betriebe<br />

Symbolisches Schild: „Vorrang für die Straßenbahn“ im Viertel Pontanézen im Nordosten von Brest, wo die Straßenbahnlinie bereits da ist, aber<br />

neue Wohnhäuser gerade erst hochgezogen werden. Solche Schilder gibt es im ganzen Stadtgebiet<br />

werden konnte. Nach Plänen des Architekturbüros<br />

Ferrand-Sigal Architectes (1986 in<br />

Lyon gegründet, bereits an den Depots Grenoble-Gières,<br />

Straßburg-Neudorf und Meyzieu<br />

bei Lyon beteiligt) entstand auf 4,5 Hektar<br />

Fläche ein Depot und Wartungszentrum<br />

mit 7.000 m 2 Gebäudefläche, 20.000 m 2<br />

Gleisanlagen, Park- und Abstellplätzen sowie<br />

22.000 m 2 Grünflächen.<br />

Viel Platz, viel Grün und Nachhaltigkeit:<br />

Regenwasser wird gesammelt, Waschwasser<br />

recycelt. Doppelte thermische Isolierung, Installation<br />

von 960 Sonnenpaneelen mit<br />

1.279 m 2 Fläche, die jährlich 165.000 KWh<br />

produzieren und 80 Tonnen CO 2<br />

einsparen<br />

sollen. Viel natürliches Licht vom Dach im<br />

Werkstattbereich. Von den 17 beteiligten Betrieben<br />

kamen 53 % aus Brest, 12 % aus<br />

dem Département Finistère, 12 % aus der<br />

Région Bretagne, nur 23 % von außerhalb.<br />

Gérard Cabon zeigt stolz das CEMT, das<br />

viel Platz und noch viele Erweiterungsmöglichkeiten<br />

hat: 30 Busse sind bereits ständig<br />

stationiert, 15 weitere Straßenbahnen finden<br />

hier Platz ,und auch wenn die Züge durch<br />

ein zusätzliches Modul auf sechs (von 32,7<br />

auf 44 Meter) verlängert würden, reichen die<br />

Dimensionen der Anlagen noch immer.<br />

Starke Bürgerbeteiligung<br />

Hatte eine demokratisch zusammengesetzte<br />

Jury von 120 Personen im Mai 2008 Design<br />

und Farben der neuen Straßenbahn bestimmt,<br />

so konnten die Bürger im Mai 2011 die Namen<br />

von 18 Haltestellen aus 40 Vorschlägen<br />

auswählen, 176.000 Stimmen wurden abgegeben.<br />

Über 100.000 Gäste registrierte das<br />

Besucherzentrum in den drei <strong>Jahre</strong>n vor der<br />

Eröffnung der neuen Straßenbahn.<br />

Und die zweite Linie?<br />

Zwei Weichen in der Nähe des Rathauses,<br />

an der Place de la Liberté, stellen die Frage<br />

nach der zweiten Straßenbahnlinie. Da gibt<br />

es bisher nur Planungen und eine Sicherheit:<br />

Sie wird vom SNCF-Bahnhof, wo Anschluss<br />

an das TGV-Netz besteht, in Richtung Norden<br />

führen, über die Place de la Liberté, vermutlich<br />

nach Lambézellec.<br />

Bisher fahren da Gelenkbusse, teilweise<br />

auf abgetrennter Trasse. Diese könnte zu einer<br />

etwa 9 km langen Tram-Linie ausgebaut<br />

werden, wobei der geschätzte Kostenrahmen<br />

von 200 Mio. Euro die Baupläne vor 2020<br />

für wenig realistisch erscheinen lässt.<br />

Maire-Adjoint Alain Masson, zuständig<br />

für Großprojekte und nachhaltige Entwicklung,<br />

sieht es jedenfalls so. Vorher geht der<br />

ÖPNV in die Luft: Eine Seilbahn mit drei Kabinen,<br />

410 Meter lang und 60 Meter über<br />

dem Fluss Penfeld, soll Ende 2014 die beiden<br />

Ufer verbinden, von der projektierten neuen<br />

Médiathèque zum Entwicklungsgebiet Les<br />

Capucins 15 Mio. Euro zahlt der Ballungsraum<br />

BMO dafür, Betreiber wird ebenfalls<br />

Bibus und daher sieht Monsieur Masson keine<br />

Konkurrenz zur Straßenbahn, sondern<br />

eine Ergänzung.<br />

Ein Wermutstropfen fiel in die Entscheidung<br />

für die Tram. Seit 2003 gibt es keine Zuschüsse<br />

der Regierung in Paris mehr für Sraßenbahn-Projekte.<br />

Dennoch hat das Beispiel<br />

anderer Großstädte im französischen Westen,<br />

mit Tram-Neubauten, wie Nantes (erste<br />

neue Straßenbahn Frankreichs überhaupt,<br />

1985), Caen (2002), Le Mans (2007), Angers<br />

(2011) das positive Votum in Brest überhaupt<br />

erst möglich gemacht. Und die Straba<br />

in Brest fährt 2012, rechtzeitig vor der nächsten<br />

Kommunalwahl 2014. Zur Finanzierung<br />

wurde das Versement Transport (VT), das<br />

die Unternehmen der Region bezahlen, von<br />

1,05 % der Lohnsumme auf 1,60 % erhöht.<br />

Vorfahrt für die Tram<br />

Die Straßenbahn hat Vorfahrt und ist leise<br />

– Dreiecke mit diesem Hinweis hat man entlang<br />

der Strecke in den Boden geprägt. In der<br />

Tat: Neuer Glanz und Chrom ist in die Hafenstadt<br />

Brest eingezogen und durchquert sie<br />

täglich von 5.30 Uhr bis nach Mitternacht.<br />

Die Straßenbahn ist erstaunlich leise, die<br />

Farbe variiert nach Tageszeit und frische Luft<br />

weht durch die alte Hafenstadt.<br />

Viel Wert hat man auf Details und das<br />

Wohlfühlen gelegt und so ist man in Brest<br />

stolz, nicht nur Frankreichs neueste Straßenbahn<br />

zu haben, sondern auch die Erste<br />

in der Bretagne. Dass man in Brest im Département<br />

Finistère, am „Ende der Welt“ ist,<br />

bekommt damit eine ganz neue Bedeutung.<br />

VICTOR LECAENNAIS<br />

46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Nächster Halt: …<br />

Der Dresdner Tw 2608 erreicht am 31. Mai 2011 von der Messe kommend die Haltestelle Alberthafen. Dahinter das ehemalige Gebäude der<br />

Hafenverwaltung, heute Gaststätte „Fischhaus Alberthafen“ sowie links im Bild der Portalkran von 1964<br />

MICHAEL SPERL<br />

Nächster Halt:<br />

Alberthafen<br />

Ab 1906 wurde das Terrain an der Elbe westlich<br />

von Dresdens Stadtzentrum unweit der<br />

Weißeritzmündung aufgeschüttet und hier<br />

der Städtische Vieh- und Schlachthof errichtet.<br />

Zu dessen Eröffnung 1910 konnte eine<br />

Anbindung des Ostra-Geheges an das städtische<br />

Straßenbahnnetz realisiert werden, die<br />

bis 1964 in einem weiten Bogen über die<br />

Waltherstraße und Magdeburger Straße und<br />

weiter über die Schlachthofbrücke verlief.<br />

Ab Gleisdreieck Friedrichstadt, Vorwerkstraße<br />

wurde ab 1964 eine direkte Strecke zum<br />

Schlachthof genutzt, die infolge des maroden<br />

Zustandes der alten Schlachthofbrücke jedoch<br />

1979 eingestellt werden musste. In deren<br />

etwa 600 m Meter verlängerten Verlauf<br />

entstand 2010/11 eine Neubaustrecke zum<br />

einstigen Schlachthof, wo seit 1999 die Messe<br />

Dresden ihr Domizil in den denkmal -<br />

geschützten Hallen hat. Im Verlauf dieser<br />

Trasse wurde unweit des Osttores zum Alberthafen<br />

die gleichnamige Haltestelle eingerichtet.<br />

In den Anfangsjahren offiziell als König-<br />

Albert-Hafen bezeichnet, entfiel der Adelstitel<br />

nach Ende der Monarchie als Namenszusatz.<br />

Da die dem Finanzministerium unterstellte<br />

Generaldirektion der Königlich Sächsischen<br />

Staatseisenbahnen als Bauherr und Betreiber<br />

des Binnenhafens fungierte, lag es nahe, beim<br />

Bau den Aushub des ursprünglich 1100 m x<br />

1<strong>50</strong> m messenden Hafenbeckens für die zeitgleich<br />

realisierte Aufschüttung des Ablaufberges<br />

am Rangierbahnhof Friedrichstadt zu<br />

verwenden.<br />

Zu beiden Seiten des Hafenbeckens entstanden<br />

Anschlussgleise mit Verbindung zum<br />

Rangierbahnhof, wofür die Hafeneinfahrt<br />

bis heute von einer markanten Stahlträgerbrücke<br />

überspannt wird. Trotz Modernisierung<br />

durch Aufbau neuer Portalkräne war<br />

das Frachtvolumen nach dem Zweiten Weltkrieg<br />

rückläufig, nach 1990 wurde daher das<br />

Hafenbecken teilweise verfüllt, die Gleis- und<br />

Krananlagen weiter rationalisiert, um den<br />

aktuellen Erfordernissen insbesondere unter<br />

Einbeziehung des Umschlages auf Lkw zu genügen.<br />

An die Anfangszeit des Albert hafens<br />

erinnern heute ein museal genutzter Elbeschleppkahn<br />

von 1913, ein Ladekran von<br />

1964 und einige Güterwagen aus der Zeit der<br />

Jahrhundertwende. MICHAEL SPERL<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

47


Fahrzeuge<br />

Verstreut in alle Richtungen<br />

Deutsche Gebrauchtwagen in Europa Nach 1990 gaben zahlreiche ostdeutsche Betriebe ihre<br />

Gotha- und Tatra-Wagen an Städte in Osteuropa ab. Teil 3 dieser »Exportwagen«-Geschichte beinhaltet<br />

aber auch die von Dessau, Nordhausen und Halle weiterververkauften »West-Triebwagen«<br />

Einige Worte vorangestellt. Nahezu<br />

ausschließlich handelt es sich – aufgrund<br />

der vom Rat für gegenseitige<br />

Wirtschaftshilfe (RGW) beschlossenen<br />

Beschaffungs-Grundlagen – bei den von<br />

nachstehend aufgeführten Trambetrieben<br />

veräußerten Fahrzeugen um Tatrawagen. Sowohl<br />

der T4D als auch der KT4D sind als begehrte<br />

Einheiten in viele Länder weiterverkauft<br />

worden, die mit diesen Wagen oftmals<br />

ihre eigenen – nach Aussagen der jeweiligen<br />

Betriebe häufig minderwertiger gefertigten –<br />

Tatra-Trams ersetzten. So tauschte z.B. das<br />

westrumänische Arad seine als T4R („R“<br />

steht für Rumänien) gelieferten Fahrzeuge<br />

auf diese Weise vollständig gegen typgleiche<br />

T4D („D“ steht für Deutschland) aus. In<br />

Ausnahmefällen gingen jedoch auch originale<br />

DDR-Produkte ins Ausland.<br />

Nehmen wir noch einmal das Beispiel<br />

Arad, dem wir bereits mehrfach in unseren<br />

Dokumentationen begegneten. Es erhielt aus<br />

Zwickau und Halberstadt Zweiachser des<br />

Typs Gotha, von denen jedoch nur einige<br />

vom VEB Gotha selbst stammten. Die meisten<br />

wurden – gewissermaßen im Lizenzbau<br />

– bei CKD Tatra in Prag gefertigt. Aktuell<br />

steht in Arad nur noch jeweils eine Einheit<br />

dieses Typs für Sonderfahrten zur Verfügung.<br />

Da viele Orte, die von deutschen Trambetrieben<br />

Fahrzeuge erhalten haben, im Gebiet<br />

der ehemaligen Sowjetunion liegen und<br />

die dortige Geographie nicht jedem unbedingt<br />

geläufig sein wird, sind in diesen Fällen<br />

zur allgemeinen Einordnung nähere An-<br />

48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Exporttrams<br />

Triebwagen 42 war in Dresden der 224 008 und kommt uns im Mai 2008 auf der Strada Prim riei<br />

unmittelbar vor dem Rathaus an der Piata Unirii auf der Linie 1R entgegen<br />

1996 gelangten zwei Gotha-Wagen aus Zwickau nach Jewpatoria (Krim). Mit bunter Lackierung<br />

steht Triebwagen 010 (ex 9<strong>50</strong>) im August 2012 vor den Depothallen<br />

P. PAUKER<br />

Noch immer unverzichtbar in Oradea (Großwardein):<br />

Insgesamt 32 Berliner KT4D kamen<br />

1997, davon steht 2012 gut die Hälfte noch immer<br />

im Dienst: 217 ist ex Berlin 9048, Piata Unirii<br />

2008 BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: A. MAUSOLF<br />

Auch in das nordost-rumänische Iasi gelangten Hallenser T4D. An der Philharmonie trifft im Herbst<br />

2000 der ehemals Hallenser Tatra 1054 – in Iasi lief er unter der Nummer 231 – den ehemaligen<br />

Darmstädter DWM-Sechsachser 22, der hier die Nummer 102 erhielt<br />

gaben zur Lage und Größe der betreffenden<br />

Städte bei der jeweils erstmaligen Nennung<br />

hinzugefügt. Die Nennung ggf. vorhanden<br />

gewesener Bezeichnungen in deutscher Sprache<br />

erfolgt lediglich aufgrund der Tatsache,<br />

dass diese vielen Leser eher eine örtliche Einordnung<br />

ermöglichen.<br />

Schaltradwagen bis heute im Einsatz<br />

Aus den beeindruckend umfangreichen Tatra-Flotten<br />

der Großstädte gingen teilweise<br />

erhebliche Fahrzeugmengen nahezu um die<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

49


Fahrzeuge<br />

Zweiachser vom Typ Gotha (auch von CKD gebaut) waren bei den Fahrgästen und der CTP in<br />

Arad als verlässliche Fahrzeuge beliebt. Im Oktober 1997 rollen 924 und 997, beide aus Zwickau<br />

stammend, über den Bulevard Revolutiei. Heute ist nur noch eine Einheit betriebsfähig<br />

Im Herbst 1999 verlässt KT4D 04 – ex Berlin 9013 und seit 1997 fern der ersten Heimat – in<br />

Cluj (Klausenburg) die Haltestelle Hauptbahnhof und macht sich auf den Weg durch die lange<br />

Strada Horia, die in die historische Altstadt führt. Die Tram allerdings biegt vorher ab …<br />

ganze Welt, doch auch kleinere Betriebe tätigten<br />

Verkäufe. Zwickaus Engagement ist<br />

hier besonders hervorzuheben, dessen Schaltradwagen<br />

sich in Arad großer Beliebtheit erfreuten<br />

– im ukrainischen Jewpatoria laufen<br />

sie noch immer im Regelverkehr!<br />

Unser Augenmerk gilt dem Export von<br />

Trambahnen, weshalb lediglich in einigen<br />

markanten Ausnahmefällen Veräußerungen<br />

innerhalb Deutschlands genannt werden.<br />

Wir beginnen den dritten Teil der Dokumentation<br />

von Fahrzeugabgaben deutscher<br />

Betriebe ab 1990 mit der Bundeshauptstadt.<br />

Berlin – In den <strong>Jahre</strong>n 1989/90 gingen insgesamt<br />

80 Berliner KT4D (vierachsige Kurzgelenk-<br />

Einrichtungswagen) an die Nachbarstadt<br />

Potsdam, von wo aus viele später<br />

in den Export gelangten. Die internationalen<br />

Aktivitäten Berlins begannen im <strong>Jahre</strong><br />

Oradea: In der Strada Olimpiadei kommt uns<br />

im Sommer 2007 der ex-Berliner 9023 als<br />

Wagen 213 auf der Linie 3R entgegen<br />

<strong>50</strong> <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Exporttrams<br />

Potsdamer KT4D gehören zu den Export-Wagen<br />

der ersten Stunde: Als die ersten 1996<br />

im rumänischen Ploiesti eintrafen, war der<br />

dortige Trambetrieb gerade ein Jahrzehnt<br />

alt! Im Oktober 1997 entstand dieses Bild<br />

im kleinen Altstadtkern der Erdölstadt<br />

1997, als erste Fahrzeuge dieses Typs in<br />

Richtung Osteuropa veräußert wurden. Die<br />

empfangenden Städte waren Oradea (Großwardein),<br />

Cluj (Klausenburg), die einander<br />

benachbarten Donaustädte Galati und Braila<br />

in Rumänien sowie Almaty (russisch Alma<br />

Ata), die größte Stadt Kasachstans mit 1,3<br />

Mio. Einwohnern.<br />

Im Einzelnen erhielten Oradea 32, Cluj<br />

26, Galati 32, Braila 20 und Almaty <strong>50</strong> Einheiten.<br />

Im <strong>Jahre</strong> 1998 folgte die südwest-rumänische<br />

Stadt Craiova mit zehn KT4D,<br />

1999/2000 Constanta am Schwarzen Meer<br />

mit 16 Einheiten derselben Type, von denen<br />

jedoch nur 15 in den Linieneinsatz gelangten.<br />

Der Trambetrieb in Constanta wurde<br />

allerdings gerade einmal acht <strong>Jahre</strong>, nachdem<br />

die Triebwagen aus Berlin angekommen<br />

waren, noch 2008 eingestellt.<br />

Insgesamt 32 modernisierte Einheiten der<br />

Type KT4D gingen schließlich zwischen<br />

2006 und 2010 in die Hafenstadt Stettin<br />

nach Polen. Zwei Triebwagen gelangten über<br />

Konkrete Abgaben Berlins<br />

Jahr Stückzahl Betrieb<br />

1997 32 Oreda<br />

1997 26 Klausenburg<br />

1997 32 Galati<br />

1997 20 Braila<br />

1997 <strong>50</strong> Almaty<br />

1998 10 Craiova<br />

1999/00 16 Constanta<br />

2006/10 3 Stettin<br />

o.A. 2 Szeged<br />

die Firma Gerätebau Mittenwalde nach Szeged<br />

in Ungarn, deren weitere Geschichte allerdings<br />

unbekannt blieb.<br />

Neben den Kurzgelenkwagen ging eine<br />

weitere in Berlin verbreitete Type als Gebrauchtwagen<br />

auf eine lange Reise: Der<br />

Großraumwagen T6A2 – ebenfalls von CKD<br />

Prag gebaut – verließ 2007/08 die Spree in<br />

Richtung Stettin, wo insgesamt 54 Fahrzeuge<br />

eine neue Heimat fanden. Sechs modernisierte<br />

Wagen gingen 2011 ins schwedische<br />

Norrköping.<br />

Potsdam – Auch die überzählig gewordenen<br />

KT4D aus Potsdam waren bereits früh gefragt.<br />

Die ersten gingen 1996 in die rumänische<br />

Erdölstadt Ploiesti 60 km nördlich<br />

von Bukarest. Bis 1998 standen dort bereits<br />

24 Fahrzeuge im Einsatz. 2002 folgten weitere<br />

acht Fahrzeuge, die fast alle modernisiert<br />

waren und vormals in Berlin verkehrten.<br />

Neben der siebenbürgischen Großstadt<br />

Cluj (Klausenburg), die 2009 zehn Einheiten<br />

(vormals Berlin) erhielt, gingen die Potsdamer<br />

KT4D auch nach Ungarn, wo Szeged<br />

von 2004 bis 2010 dreizehn Einheiten (vormals<br />

Berlin) erhielt und nach Kasachstan,<br />

wo Temirtau 2009 zwölf Einheiten, ebenfalls<br />

überwiegend vormals Berliner Wagen,<br />

bekam. Um in der Industriestadt mit knapp<br />

180.000 Einwohnern eingesetzt werden zu<br />

können, wurden die Fahrzeuge auf die russische<br />

Breitspur umgerüstet.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

51


Fahrzeuge<br />

Chemnitz – Vierachsige Tatra-Großraumwagen<br />

gingen 1998 nach Wladikawkas,<br />

Hauptstadt der russischen Republik Nord-<br />

Ossetien, die 14 Wagen erhielt, 2000/01<br />

nach Ufa, Hauptstadt der Republik Baschkortostan<br />

im europäischen Teil Russlands,<br />

in die 44 Einheiten gelangten.<br />

2002 erhielt Almaty 24 Wagen und<br />

schließlich gingen sechs vierachsige Beiwagen<br />

2011 nach Barnaul, die Hauptstadt der<br />

russischen Altai-Region in Westsibirien. Die<br />

Beiwagen wurden dort in Triebwagen umgebaut.<br />

Ihr exakter Einsatzort ist noch nicht<br />

bekannt. Sowohl Barnaul als auch Bijsk sind<br />

möglich.<br />

Cottbus – Die Exportverkäufe begannen<br />

nach Abgaben an Schöneiche, Brandenburg<br />

und Görlitz im <strong>Jahre</strong> 1999, als zwölf KT4D<br />

in die russische Exklave Kaliningrad gingen.<br />

OBEN Ein wenig weiter außerhalb der Arader<br />

Innenstadt begegnet uns schließlich noch der<br />

solo fahrende ehemals Hallenser 1107, der seit<br />

2004 in Rumänien verkehrt<br />

LINKS 2002 kamen noch zwölf Leipziger T4D<br />

und einige Beiwagen nach Brasov (Kronstadt).<br />

Im Sommer 2004 war der ex-LVB-1842 als Wagen<br />

47 auf der Linie 101 auf dem Weg zum<br />

Hauptbahnhof. 2006 endete der Straßenbahnverkehr,<br />

alle Fahrzeuge wurden verschrottet<br />

Es folgten drei im <strong>Jahre</strong> 2000 an Liepaja (Libau,<br />

Lettland), sechs im <strong>Jahre</strong> 2004 an Tallinn<br />

(Estland), vier im <strong>Jahre</strong> 2006 ins russische<br />

Piatigorsk, sechs Einheiten gelangten ab<br />

2005 schließlich nach Szeged, eine davon mit<br />

Niederflurmittelteil (einige ehemals Erfurt).<br />

Um hier eingesetzt werden zu können, mussten<br />

die Fahrzeuge umgespurt werden. Sie erhielten<br />

vor Ort aus Dresden erworbene T4D-<br />

Drehgestelle.<br />

Dessau – Von den 1992 aus Duisburg übernommenen<br />

14 Achtachsern verkaufte Dessau<br />

1997 vier Einheiten ins schwedische<br />

Norrköping. Aktuell fährt mit Triebwagen<br />

64 noch eine Einheit hiervon in stark modernisiertem<br />

Zustand. Die übrigen wurden<br />

entweder verschrottet oder ins dänische<br />

Trammuseum Skjoldenæsholm als Ersatzteilspender<br />

abgegeben.<br />

Dresden – Richtung Osteuropa verließen die<br />

ersten Dresdner T4D im <strong>Jahre</strong> 1996 die Stadt<br />

52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Exporttrams<br />

OBEN Halberstadt gab 1995 drei Gotha-Tw nach<br />

Arad ab. Übriggeblieben ist davon Tw 37. Hier<br />

ist er für eine Baustelleninspektion im Frühjahr<br />

2006 auf dem Weg nach Ghioroc. In Mandruloc<br />

wird der Gegenzug abgewartet. Die Hitze<br />

plagte dabei nicht nur die Gleisbaurotte<br />

RECHTS Oradea im Mai 2008 : Reges Leben rund<br />

um den KT4D 225 an der Endstelle Nufarul<br />

Stückzahlen exportierter<br />

Trieb- und Beiwagen<br />

Berlin . . . . . . . . . 280<br />

Chemnitz . . . . . . . 88<br />

Cottbus . . . . . . . . 31<br />

Dessau . . . . . . . . . . 4<br />

Dresden . . . . . . . 294<br />

Erfurt . . . . . . . . . . 59<br />

Franfurt (Oder) . . . . 1<br />

Gera. . . . . . . . . . . 26<br />

Halberstadt . . . . . . 3<br />

Halle (Saale). . . . 226<br />

Jena . . . . . . . . . . . . 6<br />

Leipzig . . . . . . . . 2<strong>50</strong><br />

Nordhausen . . . . . . 3<br />

Potsdam. . . . . . . . 67<br />

Schöneiche. . . . . . . 4<br />

Zwickau . . . . . . . . 21<br />

Summe . . . . . 1363<br />

an der Elbe: Rostow am Don – mit einer Million<br />

Einwohnern die einzige Stadt Russlands,<br />

die Tramverkehr auf Normalspur betreibt<br />

– lautete das Ziel für zwölf Einheiten, die inzwischen<br />

sämtlich verschrottet wurden.<br />

1997/98 gingen über die bremischen Häfen<br />

insgesamt 60 Trieb- und 35 Beiwagen in die<br />

nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang.<br />

Die Donauhafenstadt Galati in Ost-Rumänien<br />

erhielt 2000 zwölf Trieb- und vier<br />

Beiwagen, es folgten Botosani weiter im<br />

Norden des Landes in den <strong>Jahre</strong>n 2001 und<br />

2002 mit 25 Einheiten sowie Oradea im<br />

Westen Rumäniens in den <strong>Jahre</strong>n 2003 und<br />

2004 mit insgesamt elf Triebwagen und 25<br />

Beiwagen. Zuvor hatte 2002 Wladikawkas<br />

16 Triebwagen bekommen und Almaty<br />

zehn. Vier Triebwagen gingen schließlich<br />

2005 noch ins ungarische Szeged nahe der<br />

rumänischen Grenze, ohne dort bislang zum<br />

Einsatz gelangt zu sein. 2007 erhielt Craiova<br />

im süd-westrumänischen Oltenien 13 Einheiten<br />

(darunter elf TB4D, die überwiegend<br />

als Ersatzteilspender dienen), und 2011 Botosani<br />

noch einmal elf Wagen.<br />

2010 und 2011 bekam Barnaul im Altai<br />

acht Triebbeiwagen, die dort in vollwertige<br />

Triebwagen umgerüstet wurden und auch in<br />

der Stadt Bijsk zum Einsatz kommen. Schlussendlich<br />

erhielt Dnepropetrovsk – mit gut ei-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

53


Fahrzeuge<br />

Oradea: Die rumänischen Sommer sind heiß – da muss die frische Ware<br />

am Obststand ständig gekühlt werden! Das wird mit Akribie auch so<br />

gehandhabt, während 2008 der ehemals Dresdner 224 055 als Wagen<br />

39 am Rande der Altstadt auf der Linie 1N seine Runden dreht, hier<br />

vor der National-Bibliothek an der Strada Independentei<br />

ner Million Einwohnern drittgrößte Stadt der<br />

Ukraine – 29 Trieb- und neun Triebbeiwagen.<br />

Erfurt – Vier KT4D gingen ab 1996 als Versuchseinheiten<br />

zur CKD nach Prag. Im <strong>Jahre</strong><br />

2003 erhielt Liepaja acht Wagen. Ab 2006<br />

folgten 32 Wagen nach Tallinn, weiterhin elf<br />

nach Lvov (Lemberg, Ukraine) und vier nach<br />

Piatigorsk.<br />

Frankfurt (Oder) – Ein modernisierter KT4D<br />

ging 2006 nach Tallinn – es blieb bei diesem<br />

Einzelstück.<br />

Gera – Ein hier zu Fahrschulzwecken umgebauter<br />

KT4D ging 2004 ins nordböhmische<br />

Liberec (Reichenberg), ein weiterer nach<br />

Liepaja. Tallinn erhielt ab 1996 insgesamt<br />

13 Einheiten, Lwiw (Lemberg) im <strong>Jahre</strong><br />

2008 elf.<br />

Halberstadt – Arad erhielt 1995 drei vom<br />

VEB Gotha gefertigte Zweiachser, von denen<br />

jüngst noch Triebwagen 42 als Arbeitswagen<br />

diente. Triebwagen 37 steht für Sonderfahrten<br />

nach wie vor verlässlich zur<br />

Verfügung.<br />

Halle (Saale) – Im <strong>Jahre</strong> 1997 begannen die<br />

Abgaben der Hallenser T4D: Zunächst erhielt<br />

Kaliningrad (Königsberg i. Pr.) 30 Triebwagen.<br />

Ab 1998 gingen insgesamt 27 T4D<br />

und zwei B4D nach Iasi im Nordosten Rumäniens,<br />

die sämtlich inzwischen ausgemustert<br />

sind. Auch Arad erhielt ab 1998 vierzig<br />

Trieb- und 17 Beiwagen, hiervon wurden bisher<br />

lediglich wenige ausgemustert.<br />

Nachdem im <strong>Jahre</strong> 2000 bereits 19 Triebwagen<br />

vom Typ T4D (Baujahre 1972–1981)<br />

nach Sofia gelangt waren, erhielt dieser<br />

Betrieb 2011 weitere 24 Trieb- und 20 Beiwagen<br />

des Baujahres 1981, die in der ersten<br />

Hälfte der 1990er <strong>Jahre</strong> modernisiert worden<br />

waren. Belgrad erhielt 2001 einen T4D,<br />

im <strong>Jahre</strong> 2002 Piatigorsk 18 Einheiten.<br />

2003 kam dann noch einmal ein Geschäft<br />

mit Iasi zustande: 27 vierachsige Einrichtungs-Gelenkwagen<br />

der MF Esslingen, die<br />

aus Stuttgart übernommen worden waren<br />

(teilweise über Freiburg), fanden in Rumäniens<br />

Nordosten eine neue Heimat und<br />

54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Exporttrams<br />

Obwohl sie nicht im eigentlichen Mittelpunkt der Stadt verkehrt, befährt die Tram in Cluj reizvolle<br />

Orte. In unserem Bild vom Winter 2000 fährt Triebwagen 46 am ungarischen Staatstheater<br />

vorbei, das in unmittelbarer Nähe des Somes-Ufers liegt<br />

Oradea: Auf dem Gelände des in der Nähe von Nufarul gelegenen Depots der Tram steht der<br />

nur noch für Fahrschulzwecke genutzte KT4D 230. Der rechts sichtbare Turmwagen befand<br />

sich zu diesem Zeitpunkt noch im Einsatz! Frühjahr 2008<br />

schließlich erhielt das Trammuseum im britischen<br />

Crich im <strong>Jahre</strong> 2005 einen T4D in<br />

Zweirichtungsversion.<br />

Jena – Sechs Gotha-Zweiachser – einige von<br />

ihnen waren zuvor aus Görlitz übernommen<br />

worden, wohin sie wiederum aus anderen<br />

Städten gelangt waren – wurden zwischen<br />

2003 und 2006 nach Istanbul abgegeben, einige<br />

gingen 2010 weiter nach Bursa.<br />

Leipzig – In der Messestadt verkehren nur<br />

noch modernisierte T4D-Züge. Doch die<br />

nicht modernisierten Wagen stehen in alle<br />

Himmelsrichtungen verstreut weiter im Verkehr,<br />

wobei ihr Einsatz an mehreren Orten<br />

wiederum bereits Geschichte ist. Inzwischen<br />

verlassen auch modernisierte T4D ihren ursprünglichen<br />

Heimatort. Die jüngsten Abgaben<br />

datieren von 2010: Sofia erhielt 15<br />

modernisierte Züge und zusätzlich noch einen<br />

Triebwagen.<br />

Seit über 15 <strong>Jahre</strong>n gehen Leipziger T4D<br />

in die Welt. Mitte 1995 erhielt Voronez (Woronesch,<br />

Russland, der Betrieb wurde im<br />

April 2009 eingestellt) 14 Triebwagen, Lipzek<br />

– ebenfalls Russland – ein Jahr später 15<br />

Einheiten, die inzwischen sämtlich nicht<br />

mehr verkehren. Der größte Posten ging mit<br />

weit über 100 Trieb- und 60 Beiwagen 1997<br />

nach Pjöngjang. Craiova in Rumänien erhielt<br />

2001 siebzehn Züge, Brasov (Kronstadt)<br />

ein Jahr später zwölf Trieb- und sechs<br />

Beiwagen. Mit dem Ende der Tram gingen<br />

die Fahrzeuge 2007 dort auf den Schrott. Almaty<br />

schließlich übernahm zehn T4D im<br />

<strong>Jahre</strong> 2008.<br />

Nordhausen – Nach über zwei Jahrzehnten<br />

Einsatz in Nordhausen gelangten drei der<br />

1991 aus Stuttgart übernommenen Esslinger<br />

GT4 – alle drei 1997 modernisiert – nach<br />

Iasi, wo dieser Typ bereits seit 1997 im Einsatz<br />

steht. Inzwischen erprobt der Verkehrsbetrieb<br />

sogar die Modernisierung dieser<br />

Type in einem Eigenprojekt. Bei der<br />

Firma Remarul Pascani wurde im Sommer<br />

2012 eine ehemals Stuttgarter Einheit entsprechend<br />

hergerichtet. Ob weitere Umbauten<br />

geplant sind, ließ sich bis Redaktionsschluss<br />

offiziell nicht ermitteln.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

55


Fahrzeuge<br />

Das rumänische Arad hat Trams aus so vielen Städten wie sonst kein Ort erhalten. Auch Halle zählt zu den „Exportstädten“. Triebwagen 1111 steht<br />

seit 2005 bei der CTP im Einsatz und ist auf dem Bild vom Sommer 2008 auf dem eingleisigen Teil der Linie 2 in der Strada Preparandiei unterwegs<br />

Ab 1997 gingen insgesamt 60 Dresdner Tatra-<br />

Wagen auf den langen Weg nach Nordkorea.<br />

In Pjöngjang – der Hauptstadt des Landes –<br />

fanden sie eine neue Heimat. Die Verschiffung<br />

erfolgte 1998 über die bremischen Häfen auf<br />

dem linken Weserufer<br />

Schöneiche – Neben Jena gelangten auch aus<br />

Schöneiche Gotha-Zweiachser nach Istanbul.<br />

Zwischen 2003 und 2010 waren es insgesamt<br />

vier Einheiten. Und wie bei Jena, hatte<br />

auch Schöneiche einige dieser Wagen aus<br />

einer anderen Stadt erhalten: In diesem Fall<br />

kamen sie gebraucht aus Cottbus.<br />

Zwickau – Bereits 1995/1996 erhielt Arad<br />

insgesamt zehn Gotha-Trieb- und neun Beiwagen,<br />

die ein gutes Jahrzehnt im Linienbetrieb<br />

verkehrten. Einige dieser Einheiten<br />

hatte Zwickau 1972 aus Halle bzw. 1989<br />

aus Plauen übernommen. Die letzten Fahrzeuge<br />

verabschiedete man in Arad 2005 aus<br />

dem regulären Personenverkehr. Nur der<br />

Sonderzug 914/990 – bekannt als Kinderund<br />

Weihnachtsbahn – verkehrt aktuell noch<br />

sporadisch. Zu Arbeitswagen wurden umgebaut<br />

die Triebwagen 922 und 958 als<br />

Reinigungs- bzw. Vegetationspflegewagen<br />

sowie der Beiwagen 994, der als Transportwagen<br />

dient.<br />

Auch die ukrainische Stadt Jewpatoria an<br />

der Schwarzmeerküste erhielt 1996 zwei Gotha-Triebwagen<br />

des Baujahres 1960 in der<br />

Zweirichtungsversion. Es handelte sich um<br />

die Zwickauer Triebwagen 909 und 9<strong>50</strong>, die<br />

in Jewpatoria die Nummern 9 und 10 erhielten.<br />

Beide Fahrzeuge werden nach wie<br />

vor eingesetzt.<br />

wird fortgesetzt · ANDREAS MAUSOLF<br />

Ein herzlicher Dank für seine wertvolle<br />

Unterstützung geht an Andreas Günther,<br />

Dresden.<br />

56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


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Fahrzeuge<br />

Schluss mit Olympia<br />

Münchens Maximum-<br />

Dreh gestell-Tw nach 1945<br />

In diversen umgebauten und<br />

modernisierten Varianten prägten<br />

die Maximum-Wagen das<br />

Münchner Stadtbild auch nach<br />

dem Zweiten Weltkrieg. Erst<br />

1972 war die Ära zu Ende<br />

Für die Münchner Straßenbahn wurden<br />

zwischen 1898 und 1930 insgesamt<br />

5<strong>50</strong> Triebwagen mit Maximum-<br />

Drehgestellen gebaut. Über ihre<br />

Beschaffung und Bauformen berichtete wir<br />

im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 1/2013.<br />

Dabei war auch bereits der Umbau von vier<br />

A-Wagen zu Zwillingswagen in den <strong>Jahre</strong>n<br />

1936/37 (Wagen Nr. 351 II und 352 II , geführt<br />

in Type Z4.2) erwähnt. Einer dieser Züge<br />

überstand den Zweiten Weltkrieg und war<br />

noch bis 1954 (in den letzten <strong>Jahre</strong>n als Personalzug<br />

der Hauptwerkstätte) im Einsatz.<br />

Ein Zug aus Zwillingswagen der Type B und zusätzlichem<br />

Beiwagen wartet 1951 im Betriebshof<br />

Hofmannstraße als E-Zug auf seinen<br />

Einsatz im Berufsverkehr P. BOEHM, SLG. A. REUTHER<br />

Ebenso wurden bereits die ab 1943 im<br />

Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW)<br />

Neuaubing aus kriegszerstörten Wagen der<br />

Type E entstandenen Fahrzeuge der Type G<br />

vorgestellt. Nun geht es mit der Entwicklung<br />

nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter.<br />

Notbauten der Type K<br />

Um nach Kriegsende möglichst schnell einen<br />

Ersatz für weitere stark beschädigte Vierachser<br />

zu bekommen, entstanden in den <strong>Jahre</strong>n<br />

1945/46 in der weitgehend unbeschädigt gebliebenen<br />

Waggonfabrik Rathgeber 28 Holzaufbauten<br />

einfachster Bauform, die auf Rahmen<br />

ausgebrannter Triebwagen der Baureihen<br />

E und F gesetzt wurden. Die Wagen erhielten<br />

den Serienbuchstaben K, unterschieden in<br />

K1.8 (18 Wagen) mit Untergestellen der Baureihe<br />

E und K2.10 (zehn Wagen) mit solchen<br />

der Baureihe F. Zunächst mit Nummern ab<br />

701 bezeichnet, erhielten sie noch während<br />

Tw 499 in der Seitenansicht nach Umbau zum<br />

Einrichtungswagen mit neuer Sicherheitsverglasung<br />

in den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n. In die Unterhaltung<br />

ihrer Maximumwagen investierte die<br />

Münchner Straßenbahn noch viele <strong>Jahre</strong> erhebliche<br />

Summen SLG. P. H. PRASUHN, ARCHIV A. REUTHER<br />

58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Maximumwagen München<br />

der Anlieferung die direkt an die Type G anschließende<br />

Reihe 686 bis 714.<br />

In den Maßen, der Motorisierung und<br />

dem Platzangebot glichen sie den Spenderfahrzeugen.<br />

Zur Materialersparnis gab es<br />

nur vier Seitenfenster, dazwischen waren die<br />

Lattenwände durchgehend gesetzt. Im Innenraum<br />

fehlten die Trennwände zu Plattform<br />

und es gab durchgehende Längssitze<br />

mit 28 Plätzen. Zusätzlich standen 54 Stehplätze<br />

zur Verfügung. Mit einem braunen<br />

Anstrich versehen, boten die Notaufbauten<br />

ein recht trostloses Bild, halfen aber die Lücken<br />

im Fahrpark aufzufüllen. In gleicher<br />

Form wurden im Übrigen auch zweiachsige<br />

Beiwagen bei Rathgeber aufgebaut, die hinter<br />

den Triebwagen zum Einsatz kamen.<br />

Die Wagen ab den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n<br />

Von den Triebwagen der Erstserien A und B<br />

standen nach dem Zweiten Weltkrieg nur<br />

noch wenige im Einsatz. Ein Großteil war bereits<br />

in den 1930er-<strong>Jahre</strong>n ausgemustert, viele<br />

auch im Krieg zerstört worden. Die B-Triebwagen,<br />

die ihre beiden 36-kW-Motoren<br />

immer behalten hatten, erwiesen sich für den<br />

eigentlich notwendigen Einsatz mit zwei Beiwagen<br />

als zu schwach. In Orientierung an die<br />

1936/37 entstandenen Zwillingstriebwagen<br />

sollten die noch vorhandenen 28 Stück entsprechend<br />

umgebaut werden, aber keine Übergangsmöglichkeit<br />

erhalten. 1947 entstand bei<br />

Rathgeber ein Probezug, dem 1948 dann 13<br />

Serienzüge folgten. Die innen liegenden Führerstände<br />

wurden ausgebaut, die Türöffnungen<br />

auf der linken Seite verkleidet, so dass die<br />

Züge nur noch als Einrichtungswagen einzusetzen<br />

waren.<br />

Der hintere Tw verlor seinen Stromabnehmer<br />

und der rückwärtige Fahrerstand diente<br />

nur noch Rangierzwecken. Durch eine neu<br />

eingebaute Zwillingsschaltung war es möglich,<br />

die Motoren des hinteren Triebwagens<br />

vom Führerstand des ersten Wagens mit zu<br />

steuern. Neu war bei den Zügen auch die indirekt<br />

wirkende Druckluftbremse. Den Zwillingen<br />

konnte zusätzlich noch ein zweiachsiger<br />

Beiwagen angehangen und damit das<br />

notwendige Platzangebot erreicht werden.<br />

Neue Sicherheitsforderungen ab 1956<br />

Auch wenn 19<strong>50</strong> die Auslieferung neuer<br />

dreiachsiger Großraumwagen begann, konnte<br />

auf die Maximumtriebwagen noch lange<br />

nicht verzichtet werden. Viele von ihnen erlebten<br />

die sich bis Anfang 1955 hinziehende<br />

Umstellung von Rolle auf Bügel und erhielten<br />

einen Scherenstromabnehmer. Lediglich<br />

die Triebwagen der Reihe A, mittlerweile<br />

weit über <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> alt, fielen der Ablieferung<br />

von Großraumzügen zum Opfer. Sofern sie<br />

nicht in Dienstwagen umgebaut wurden, erfolgte<br />

bis 1960 die Ausmusterung. Die zu<br />

Zwillingszügen umgebauten B-Wagen schieden<br />

1956 aus dem Bestand aus, nachdem sie<br />

Triebwagen 673 gehört zur Type G und damit zu den 19 Wagen der Type E, die nach Kriegsschäden<br />

1943 einen neuen Wagenkasten bekamen. 1957 war er auf der Line 5 eingesetzt, die als letzte<br />

Linie im Januar 1955 von Stange auf Scherenbügel umgestellt wurde D. WALTKING, SLG. A. REUTHER<br />

Type D nach Modernisierung der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> als Einrichtungswagen<br />

E-Triebwagen nach Modernisierung in den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n in der Seitenansicht SLG. A. REUTHER (2)<br />

auch nur noch zum Teil überhaupt einen<br />

Scherenstromabnehmer erhalten hatten. Ein<br />

Großteil der äußerst robusten Fahrgestelle<br />

überlebte aber und lebte unter modernisierten<br />

Triebwagen der Type D weiter. Bei dem<br />

im SM 1/2013, S. 44/45, erwähnten F 1.9-<br />

Tw Nr. 626 wurde 1956 nicht nur der Motor<br />

getauscht, sondern auch das Fahrgestell<br />

des Typ 9 gegen eines der Bauart 8, was die<br />

angegebene Änderung der Typenbezeichnung<br />

von F 1.9 auf F 1.8 erklärlich macht.<br />

Das Inkrafttreten der neuen Betriebsordnung<br />

für Straßenbahnen (BO Strab) 1956 sah mit<br />

einer Frist bis Ende 1959 die Ausrüstung<br />

aller noch länger einsetzbaren Straßenbahnwagen<br />

mit Schienenbremsen und Sicherheitsverglasung<br />

vor. Die Münchner Verkehrsbetriebe<br />

waren darauf gut vorbereitet,<br />

denn bereits 1953 hatte ein großes Modernisierungsprogramm<br />

aller Maximumwagen<br />

und natürlich auch der zugehörigen zweiachsigen<br />

Beiwagen begonnen. Die Fahrzeu-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

59


Fahrzeuge<br />

Die 1953 entstandene Aufnahme zeigt einen Zug aus Trieb- und Beiwagen mit Notaufbauten der<br />

Typen K und k. Während der Triebwagen bereits eine Verblechung des Lattenkastens besitzt, zeigt<br />

sich der Beiwagen noch in der Ursprungsausführung<br />

SLG. P. H. PRASUHN, ARCHIV A. REUTHER<br />

F-Triebwagen nach Modernisierung mit gummigefassten Scheiben und Schienenbremsen<br />

Erhaltene Personenund<br />

Postwagen<br />

Nummer Typ Bemerkung<br />

Tw 256 Type A2.2 Zustand 1926, Rath -<br />

geber 1901<br />

Tw 490 Type D6.3 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

Neuaufbau 1955,<br />

Rathgeber 1911<br />

Tw 532 Type E2.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

LHW 1926 (Denkmal<br />

HW Ständlerstraße)<br />

Tw 539 Type E2.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

LHW 1925/26<br />

Tw 624 Type E3.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

Schöndorff 1926<br />

Tw 642 Type F2.10 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

HAWA 1929/30<br />

Tw 670 Type G1.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />

Neuaufbau 1944, LHW<br />

1925/26<br />

Atw 2942 Type FK 1.8 Turmwagen, ex Post -<br />

wagen, MAN 1926<br />

Atw 2946 Type TU1.8 Turmwagen, ex Post -<br />

wagen, MAN 1926<br />

Atw 2970 ex 676, Zustand 1970er-<strong>Jahre</strong>,<br />

Type G1.8 Neubau 1944, LHW<br />

1926 (1977–2010 im<br />

Tramwaymusem Graz)<br />

Atw 2973 ex 680, Zustand 1970er-<strong>Jahre</strong>,<br />

Type G1.8 Neuaufbau 1944, LHW<br />

1926<br />

G-Triebwagen im Endzustand als Einrichtungswagen mit Sicherheitsverglasung und Schienenbremsen<br />

SLG. A. REUTHER (2)<br />

ge erhielten Fensterrahmen aus Metall und<br />

darin in Gummi gefasste Scheiben aus Sicherheitsglas.<br />

Es gab nun einheitlich fünf Seitenfenster,<br />

drei große und zu den Plattformen<br />

hin zwei kleinere, die zusätzlich mit<br />

einer Lüftungsklappe ausgestattet waren.<br />

Die Schiebetüren zwischen Plattformen<br />

und Innenraum entfielen. Die Zielanzeigen<br />

wurden vereinheitlicht und generell ein beleuchteter<br />

Kasten für die gestanzte Maske<br />

mit der Nummer über dem Fahrtzielfeld angeordnet.<br />

Die Maximumgestelle erhielten<br />

eine Magnetschienenbremse zwischen den<br />

Radsätzen, die Druckluftsbremse als Betriebsbremse<br />

blieb aber erhalten.<br />

Verbunden war mit der Modernisierung<br />

auch ein Umbau zu Einrichtungswagen, d. h.<br />

die Türöffnungen auf der linken Fahrzeugseite<br />

wurden verblecht und der nun hintere<br />

Führerstand ausgebaut.<br />

Veränderungen bei Type D, F und G<br />

Bei den Triebwagen der Type D erfolgte durch<br />

die Hauptwerkstätte der Verkehrsbetriebe ein<br />

Neubau der Plattformen mit Vergrößerung.<br />

Die Wagenlänge erhöhte sich dabei auf 10,60<br />

Meter. Bei 25 Triebwagen erfolgte ein Austausch<br />

der blattgefederten MAN-Untergestelle<br />

durch Bökergestelle ausgemusterter B-<br />

Wagen mit Schraubenfedern. Natürlich<br />

hatten die Umbauten auch eine Änderung der<br />

Typenbezeichnung zur Folge: Aus D3.4 wurde<br />

D6.4, D4.5 und D5.5 zu D6.5, D2.6 zuerst<br />

zu D6.6 und später D6.3, D1.7 zu D6.7<br />

und später D6.3 sowie D1.4 zu D6.4.<br />

Die E-Triebwagen behielten ihre Typenbezeichnungen<br />

und Fensteranordnungen. Bei<br />

der Type F wurden die Quersitze durch<br />

Längssitze ersetzt um bei allen Vierachsern<br />

ein einheitliches Platzangebot zu bekommen.<br />

Das Einzelstück F1.9 erhielt 1958 andere Motoren<br />

und daher die neue Typenbezeichnung<br />

F1.8. Die im Krieg aufgebauten G-Triebwagen<br />

durchliefen das Modernisierungsprogramm<br />

in gleicher Weise wie die übrigen Vierachser.<br />

Sogar die nur notdürftig aufgebauten<br />

K-Wagen, deren unansehnlicher Lattenkasten<br />

bereits zu Beginn der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> verblecht<br />

worden war, erhielten noch neue Fenster<br />

und Schienenbremsen. Trotz ihres eher<br />

provisorischen Charakters erwiesen sie sich<br />

als sehr robust. Ein Exemplar diente von 1952<br />

bis 1958 als Fahrschulwagen und gehörte in<br />

dieser Zeit zum Dienstwagenbestand. Anschließend<br />

kehrte er nach Modernisierung<br />

in den Personenverkehr zurück.<br />

Das Ende naht<br />

In der modernisierten Form liefen die vorhandenen<br />

Maximumwagen bis in die 1960er-<strong>Jahre</strong><br />

hinein weiterhin in großer Stückzahl. Die<br />

60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Maximumwagen München<br />

Im Juli 1976 entstand diese Aufnahme des Museumswagens 256 auf<br />

dem Gelände der Hauptwerkstätte Ständlerstraße. Er ist der ein zige<br />

erhaltene Tw vom Typ A<br />

STADTWERKE MÜNCHEN, SLG. MVG-MUSEUM<br />

Notwendigkeit zur Rationalisierung setzte ihnen<br />

dann nach und nach ein Ende. Da sich die<br />

älteren Züge wegen der Handbetätigten Schiebetüren<br />

nicht auf schaffnerlosen Betrieb umbauen<br />

ließen, wurden sie durch weitere Großraumwagen,<br />

aber auch durch eine größere<br />

Serie von Gelenkzügen ersetzt. Eine größere<br />

Stückzahl wurde für den erwarteten Mehrverkehr<br />

während der Olympischen Spiele 1972<br />

noch als Reserve hinterstellt, kam dann aber<br />

so gut wie nicht mehr zum Einsatz. Noch im<br />

gleichen Jahr schieden sie aus dem Betriebsbestand<br />

aus. Etliche Exemplare machten sich<br />

noch viele <strong>Jahre</strong> als Dienstwagen nützlich.<br />

Museal erhaltene Maximumwagen<br />

In München sind sechs Triebwagen aus verschiedenen<br />

Baureihen als historische Fahrzeuge<br />

erhalten geblieben, allen voran ein 1901<br />

gebauter A-Wagen im Zustand von 1926, der<br />

zur 100-Jahr-Feier 1976 der Münchner Straßenbahn<br />

rekonstruiert wurde. Die übrigen<br />

zeigen sich alle im modernisierten Zustand<br />

der 1960er-<strong>Jahre</strong> und dienen sowohl als fahrfähiges<br />

Sonderfahrzeug, als auch als stationäres<br />

Objekt im Straßenbahnmuseum.<br />

Maximumwagen für die Post<br />

Die Behandlung der Münchner Maximumwagen<br />

wäre unvollständig ohne die Erwähnung<br />

der Poststraßenbahn. Zunächst wurden<br />

für diesen Dienst aus Personenwagen<br />

umgebaute Zweiachser eingesetzt, 1926 lieferte<br />

MAN acht speziell für die Beförderung<br />

von Paketkarren eingerichtete Zweirichtungstriebwagen.<br />

Die 8,76 Meter langen<br />

Zu den erhaltenen Münchner Maximumwagen gehört auch der Tw 532 vom Typ E. Er wurde im<br />

Mai 2010 vor der Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße aufgestellt<br />

K. ONNICH<br />

Zweirichtungswagen liefen auf Maximumgestellen<br />

des gleichen Herstellers und waren<br />

mit zwei Siemens-Motoren zu 60 kW ausgerüstet.<br />

Sie hatten fünf mit Rolltoren verschließbare<br />

Abteile, in die von der Seite die<br />

Paketwagen hinein geschoben und herausgezogen<br />

werden konnten.<br />

Ein Triebwagen war stark genug, noch einen<br />

zweiachsigen Beiwagen und einen zweiten<br />

Tw antriebslos mitzuschleppen. Zur Verbesserung<br />

der Beschleunigung verzichte man<br />

später auf das Zwischenkuppeln des Beiwagens.<br />

Der Postbetrieb mit Straßenbahnen endete<br />

im Juni 1959. Die zu diesem Zeitpunkt<br />

noch vorhandenen acht Vierachser, welche<br />

die Typenbezeichnung P2.8 trugen, wurden<br />

als Dienstwagen weiterverwendet. Ihr zuvor<br />

gelber Anstrich änderte sich dabei in grau.<br />

Sie wurden bis 1968 ausgemustert. Es blieb<br />

keines dieser interessanten Fahrzeuge erhalten.<br />

Allerdings gibt es im Bestand der Arbeitswagen<br />

zwei Fahrzeuge, die auf Untergestellen<br />

von Posttriebwagen aufgebaut<br />

worden sind.<br />

AXEL REUTHER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

61


Geschichte<br />

62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Einst & Jetzt<br />

Einst<br />

& Jetzt<br />

Wien 1956: Am 1. November fährt<br />

ein Zug der Linie 331 im 20. Bezirk<br />

durch die Stromstraße und passiert<br />

die Unterführung der Nordwestbahn.<br />

Der K 2399 führt an diesem<br />

Tag ausnahmsweise die ehemaligen<br />

Dampftramway-Beiwagen 2<strong>50</strong> und<br />

236 mit, die auf dieser Strecke bis<br />

1910 von Dampftramwayloks gezogen<br />

wurden. Planmäßig kamen<br />

sie damals nur noch auf der Linie<br />

132 zum Einsatz und wurden bis<br />

1959 abgestellt. Heute fährt hier<br />

die Linie 31, die teilweise mit Niederflurwagen<br />

der Type B betrieben<br />

wird. Liniensignal und Zielangabe<br />

waren vor mehr als <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong>n deutlich<br />

besser erkennbar …<br />

Die Umgebung hat sich im gezeigten<br />

Blickwinkel lange Zeit nicht<br />

wesentlich verändert, das rechts<br />

hinten erkennbare Hochhaus am<br />

Höchstädtplatz mit 83 m Höhe<br />

entstand erst in den <strong>Jahre</strong>n 2004<br />

bis 2006.<br />

BILD EINST: ALFRED LUFT<br />

TEXT/BILD JETZT: WOLFGANG KAISER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013 63


Geschichte<br />

Der Tw 1158 hat im September 1988 aus der Straße des Komsomol in die Kötzschauer Straße zurückgedrückt. Hier wartet er neben dem ehemaligen<br />

Depot Kleinzschocher darauf, baustellenbedingt rückwärts durch die 1926 eröffnete Schleife zur Haltestelle zu fahren<br />

L. GROSS<br />

Ein Depot mit drei Endstellen<br />

Leipzig: Wechselhafte Geschichte in Kleinzschocher Zum Wenden von Linienzügen war das<br />

Depot Kleinzschocher zu klein. Deshalb gab es in seiner Nachbarschaft zu unterschiedlichen Zeiten<br />

verschiedene Endstellen. Die Betriebsabwicklung war interessant und abwechslungsreich<br />

Von der ab 1898 bis 1921 existierenden<br />

Kuppelendstelle Kleinzschocher<br />

auf der Plagwitzer bzw. Dieskaustraße<br />

sowie von der vorherigen,<br />

zwischen 1898 und 1902 erfolgten Nutzung<br />

der Umfahrung vor dem Gasthof „Reichsverweser“<br />

erfuhr der Leser des STRASSEN-<br />

BAHN-<strong>MAGAZIN</strong> bereits in der Ausgabe<br />

7/2012 auf den Seiten 64 bis 67.<br />

Das Rangieren im verhältnismäßig engen<br />

Straßenraum vor dem Gasthof dürfte aber<br />

damals zu massiven Kritiken in der Öffentlichkeit<br />

geführt haben. Trotz der unruhigen<br />

Zeit zu Anfang der 1920er-<strong>Jahre</strong> nahm man<br />

deshalb 1921 an der Ringstraße ein eigenwillig<br />

gestaltetes Gleisdreieck in Betrieb (sie-<br />

Zum Turn- und Sportfest im Sommer 1987 benutzten<br />

die Sonderlinien 4E und 5E die Gleisschleife<br />

L. GROSS<br />

64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Leipzig<br />

Im Jahr 1934 wird wegen Bauarbeiten in Großzschocher erneut das Dreieck Ringstraße genutzt. Auch Linie 5 verlängerte man hierher. Sie fuhr<br />

zu dieser Zeit fast immer nur als Solo-Triebwagen<br />

SLG W. GOLZSCH<br />

he Skizze). Zwecks Kosteneinsparung nutzte<br />

man nämlich zum Wenden den Anfang der<br />

dahinter liegenden eingleisigen Strecke nach<br />

Großzschocher mit. So konnte man auf den<br />

Einbau einer eingleisigen Abzweigung (mit<br />

fünf Herzstücken) verzichten.<br />

Das in den 1920er-<strong>Jahre</strong>n gebaute Wendedreieck in der Ringstraße und die Gleisschleife von 1926<br />

ZEICHNUNG: P. SCHAEFER<br />

Eine Schleife muss her!<br />

Auch die Rangiertechnologie war dort<br />

eigenwillig: Man befuhr bei der Ankunft aus<br />

der Stadt vom landwärtigen Gleis in die Ringstraße<br />

ein, bei Abfahrt wurde rückwärts ins<br />

Eingleisige der Großzschocherschen „Hauptstraße“<br />

gefahren, um von dort über die im<br />

Dreieck noch liegende Endweiche auf das<br />

stadtwärtige Gleis nach Leipzig zu gelangen.<br />

Jetzt konnte man auch mittels dieses Wendemanövers<br />

günstig aus den Depotgleisen 1<br />

bis 4 Richtung Leipzig gelangen. Nach Nutzung<br />

des Endstellendreiecks durch die Linie 1<br />

konnte man im Nachgang zwei der drei Gleiswechsel<br />

vor dem Straßenbahnhof ausbauen.<br />

Der an der Kötschauer Straße liegenden Gleiswechsel<br />

wurde hingegen noch lange benötigt,<br />

er lag bis zum Jahr 1978. Die Vorzüge einer<br />

Gleisschleife gegenüber einem Gleisdreieck<br />

sind jedem Straßenbahner bekannt. Die Nachteile<br />

des Dreiecks Ringstraße vermehrten sich<br />

noch zusätzlich durch die Mitbenutzung der<br />

eingleisigen Strecke. Die Fachleute der ab<br />

1917 vereinigten Großen Leipziger Straßenbahn<br />

(GLSt) erkundeten nach 1921 die Möglichkeit<br />

zur Schaffung einer Schleife in unmittelbarer<br />

Nähe des Depots, besonders als<br />

dann 1925 in Leipzig der Boom zur Schaffung<br />

besserer Verkehrsanlagen einsetzte. Finanzkredite<br />

waren wieder erhältlich.<br />

Die erste, aber wieder verworfene Variante<br />

sah die Schaffung einer doppelgleisigen<br />

Endschleife mit unterschiedlichen Befahrungsrichtungen<br />

vor. Dazu hätte man zwei<br />

doppelgleisige Abzweigungen benötigt. Für<br />

die dann gefundene – weitaus bessere – Lösung<br />

war bald noch im Jahr 1925 Baubeginn.<br />

Die neue Schleife Kleinzschocher führte<br />

über die Straßenzüge der Miltitzer Straße (der<br />

heutigen Pörstener Straße), der Luckauer<br />

Straße und der Kötschauer Straße (siehe Skiz-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

65


Geschichte<br />

Quellen und Dank<br />

• LVB-Archivunterlagen<br />

• Leipziger Straßenbahn-Geschichte, Bd. 1,<br />

Ausgabe 1996, S. 487 (unter Federführung von<br />

K. Adam)<br />

• LVB-Fahrzeugarchiv 1872–1997<br />

(Bd. 2 der Straßenbahn-Geschichte)<br />

• LVB-Kundenmagazin „Traffix“, Ausgabe 2/10,<br />

S. 15 (verfasst v. S. Weise)<br />

Der Autor bedankt sich bei Frau R. Sturm (LVB-<br />

Archiv), P. Schreier sowie den Herren M. Mitdank,<br />

R. R. Scholze und L. Groß für ihre Unterstützung.<br />

Im Jahr 1925 wird vor der Halle I des Depots Kleinzschocher ein Triebwagen der Type 20 vom<br />

Werkstattpersonal für den Einsatz auf Linie 3 gereinigt<br />

SLG. W. GOLZSCH<br />

ze). Sie wurde am 2. Juli 1926 eingeweiht.<br />

Die Schleife erhielt erst später, um 1932, in<br />

der Kötschauer Straße ein Umfahrungsgleis.<br />

Zum gleichen Zeitpunkt entschloss sich die<br />

GLSt die Linie 5 – neben der Linie 1 – wieder<br />

bis Kleinzschocher verkehren zu lassen.<br />

»Comeback« für Gleisdreieck<br />

In der Ringstraße fanden im gleichen Jahr<br />

wohnbaumäßige Erschließungsarbeiten<br />

statt. Jetzt – ohne Linienverkehr – konnte<br />

man dort ohne Probleme die Anlage außer<br />

Betrieb nehmen, die Gleise blieben aber weitgehend<br />

liegen. Dies sollte sich zwei <strong>Jahre</strong> später,<br />

1928, als wertvoll erweisen. Das Gleisdreieck<br />

bekam ein zweites Comeback.<br />

Großzschocher, inzwischen zu Leipzig gehörend,<br />

drängte auf den Einbau des zweiten<br />

Straßenbahngleises sowie auf eine verbesserte<br />

Straßenführung der Dieskaustraße (diese<br />

hieß jetzt auch in Großzschocher so).<br />

An eine Weiterführung des Betriebes der<br />

Straßenbahn war in der engen Straße nicht<br />

zu denken, auch war die Leistung von Schienenersatzverkehr<br />

zu dieser Zeit eine Illusion.<br />

Aber die GLSt wollte ihre Fahrgäste<br />

soweit wie möglich an die Baustelle heranfahren;<br />

so erinnerte man sich an das Gleisdreieck<br />

Ringstraße. Die Linie 3 wurde nun<br />

bis hierher verkürzt gefahren, aber zusätzlich<br />

verlängerte man die Linie 5 nach hier.<br />

Ein damaliger „toller“ Service des Verkehrsbetriebes.<br />

Nach Beendigung der Baumaßnahme baute<br />

man auf der Dieskaustraße die Gleisbögen<br />

aus, dafür aber hinter dem bisherigen<br />

Dreieck (aus Richtung Leipzig gesehen) neu<br />

66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Der Tw 1158 drückt im September 1988 als Linie 4E aus der „Straße des Komsomol“ in die Kötzschauer<br />

Straße zurück, links das ehemalige Wohn- und Dienstgebäude des Depots L. GROSS<br />

einen Gleiswechsel ein. Diesem sollte sogar<br />

eine längere Liegezeit beschieden sein, denn<br />

er wurde erst 1945 wieder entfernt.<br />

Ein »richtiges« Gleisdreieck<br />

Im Jahr 1933 beschäftigte man sich bei der<br />

GLSt mit den Planungen zur Streckenverlängerung<br />

in Großzschocher (von der Kirche<br />

bis zur zukünftigen Schleife am Rande<br />

des Ortsteiles Windorf). Die traditionelle<br />

Endstelle an der Kirche musste dabei demontiert<br />

werden. Es war wiederum kein<br />

Straßenbahnverkehr möglich.<br />

Die guten Dienste des Interims-Dreieckes<br />

Ringstraße im Jahr 1928 waren bei den Verkehrstechnologen<br />

im Gedächtnis haften geblieben.<br />

In der Ringstraße lag noch das Gleisstück<br />

(aus dem Einbaujahr 1921). Also lag<br />

es auf der Hand, es wieder anzubinden. Diesmal<br />

aber – bei besserer Finanzlage – mit dem<br />

Einbau einer eingleisigen Abzweigung und<br />

einer neuen Weiche – zu einem richtigen<br />

Gleisdreieck. Auch wurde das Gleisstück<br />

Ringstraße verlängert. Neben den Linien 3<br />

und 4 wollte man 1934 erneut die Linie 5<br />

zusätzlich hier enden lassen.<br />

Wie an Gleisdreiecken üblich, stieß man nun<br />

1934 vom landwärtigen Gleis der Dieskaustraße<br />

in die Ringstraße zurück. Zusammen<br />

mit dem 1928 eingebauten Gleiswechsel war<br />

man selbst bei anstehenden Überholmanövern<br />

ziemlich flexibel geworden.<br />

Im Rahmen der vom nationalsozialistischen<br />

Staat verfügten Stahleinsparungen und<br />

der nun in Leipzig einsetzenden Welle von<br />

Gleisdemontagen aus früheren Straßenbahnstrecken<br />

wurde auch das Gleisdreieck<br />

in Kleinzschocher 1938 endgültig ausgebaut.<br />

»Erfahre München!«, so heißt das<br />

neue Spiel der MVG, und so lautet<br />

auch die Aufgabe für zwei bis fünf<br />

Spieler ab 10 <strong>Jahre</strong>n. Jeder Spieler<br />

muss mit seiner Tram einen<br />

geheimen Streckenauftrag verfolgen<br />

und sich den Schienenweg<br />

zum Ziel legen. Beim Bauen können<br />

aber andere Weichensteller<br />

in die Quere kommen ...<br />

Das unterhaltsame Brettspiel von<br />

Spieleautor Stefan Dorra wurde<br />

speziell für München und die<br />

Münchner Verkehrsgesellschaft<br />

(MVG) weiterentwickelt und<br />

be sticht durch eine detailreiche,<br />

liebevolle Gestaltung sowie eine<br />

hochwertige Verarbeitung.<br />

Im Eröffnungsjahr<br />

des Straßenbahnhofs<br />

Kleinzschocher<br />

1906 entstand diese<br />

Aufnahme. Vor dem<br />

Depot lagen zu diesem<br />

Zeitpunkt<br />

lediglich Umfahrgleise<br />

SLG. W. GOLSCH<br />

Nutzung der Gleisschleife<br />

Wegen Verschleiß und fehlender Ersatzmöglichkeiten<br />

wurde im Jahr 1949 aus der<br />

Schleife eine Umfahrungsweiche entfernt. Es<br />

verbleib nur ein Abstellstumpf. 1960 wurde<br />

die fehlende Weiche wieder eingebaut. Für<br />

den Abtransport der Besucher der Radrennbahn<br />

und für die am 1. August 1960<br />

nach Kleinzschocher verlängerte Linie 8 benötigte<br />

man das Umfahrungsgleis.<br />

Heute wird die Gleisschleife nicht mehr im<br />

Linienverkehr befahren. Bei Umleitungen<br />

oder baubedingten Streckeneinkürzungen<br />

enden dann die Linien 1, 2 oder 3 hier.<br />

PETER SCHÄFER


Geschichte<br />

Die schmalsten Elektrischen<br />

Betriebe mit weniger als 800 mm Spurweite Trams oder straßenbahnähnliche Betriebe auf<br />

Gleisen unter einem Meter Spurweite waren weltweit eine Seltenheit. Die schmalsten von ihnen stellt<br />

dieser Beitrag vor – Miniatur- und Vergnügungsstrecken bleiben dabei außen vor<br />

68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Trams auf ganz schmaler Spur<br />

Schmalspurbahnen üben seit vielen<br />

Jahrzehnten einen ganz besonderen<br />

Reiz aus. Mit ihren meist nur in geringer<br />

Stückzahl gebauten Fahrzeugen<br />

und ihrer Linienführung faszinieren sie den<br />

Tramfreund. Dieser Beitrag erinnert an die<br />

schmalsten öffentlichen elektrischen Bahnen<br />

mit einer Spurweite von unter 800 mm. Miniatur-<br />

und Vergnügungsbahnen, aber auch<br />

elektrisch betriebene Werks-, Minen-, Feldund<br />

Waldbahnen bleiben hingegen außen vor.<br />

Bahnen mit 7<strong>50</strong> mm Spurweite<br />

Von den vielen Strecken mit 7<strong>50</strong>-mm-Spur<br />

wird weltweit nur noch eine solche Strecke<br />

elektrisch betrieben. Dabei handelt es sich<br />

um die Waldenburgerbahn in der Schweiz.<br />

Nachdem die Züge auf der am 30. Oktober<br />

1880 eingeweihten Schmalspurbahn 73 <strong>Jahre</strong><br />

lang von Dampfloks geführt wurden, fand<br />

1953 die Elektrifizierung der 13,1 km langen<br />

Strecke von der Kantonshauptstadt Liestal<br />

nach Waldenburg statt. Heute verkehrt<br />

sie als modern ausgebaute effektive Überlandbahn<br />

mit <strong>50</strong> Zugpaaren pro Tag. Zum<br />

Einsatz kommen dabei die elektrischen<br />

Triebwagen BDe 4/4 11 bis 14 (Baujahr<br />

1986) sowie 15 bis 17 (Baujahr 1993). Eine<br />

immer wieder diskutierte Umspurung auf<br />

1000 mm ist zurzeit vom Tisch: Bis 2030<br />

wird es bei der jetzigen Betriebsform bleiben.<br />

Lediglich der Unterbau wird bei Erneuerungen<br />

von Kunstbauten für die Meterspur vorbereitet.<br />

Dann wäre eine Verbindung von<br />

Liestal mit der gegenwärtig in Pratteln endenden<br />

Basler Tramlinie 14 sinnvoll.<br />

Der im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

11/2011 für die Waldenburgerbahn genannte<br />

Superlativ „Schmalste der Schweiz“<br />

muss aber erweitert werden, denn tatsächlich<br />

handelt es sich bei ihr inzwischen um die<br />

schmalste elektrische Bahn der Welt.<br />

Doch das war nicht immer so! Eine andere<br />

elektrische 7<strong>50</strong>-mm-Bahn fuhr einst in<br />

Spanien: die Ferrocarril Granada a Sierra<br />

Nevada. 1925 eröffnet, führte sie vom Stadtrand<br />

von Granada (Straßenbahnanschluss)<br />

in abenteuerlicher Linienführung 21 km weit<br />

hinauf in die wilde Natur der Sierra Nevada.<br />

Wie gefährdet die Strecke an manchen<br />

Stellen war, erlebte der Autor selbst, als der<br />

Fahrer seinen Tw nur wenige Zentimeter vor<br />

einem Felsbrocken auf dem Gleis zum Stehen<br />

brachte. Wäre der Wagen entgleist, wäre<br />

er möglicherweise von der schmalen Trasse<br />

in die Tiefe gestürzt!<br />

Zwar wurde die Bahn nach 19<strong>50</strong> noch um<br />

drei Kilometer verlängert, der Wagenpark von<br />

vier vierachsigen Tw und sechs vierachsigen<br />

Bw blieb jedoch unverändert. 1974 erfolgte<br />

die Stilllegung. Der Tw 3 ist gut gepflegt bei<br />

San Juan als Denkmal erhalten geblieben.<br />

Seit einigen <strong>Jahre</strong>n wird der Wiederaufbau<br />

in Meterspur bei gleichzeitiger Verlängerung<br />

bis zum 35 km entfernten Wintersportort<br />

Pradollano von Naturschützern und<br />

der Partei der Grünen propagiert und z.T.<br />

detailliert geplant. Die Realisierung dürfte<br />

aber angesichts der prekären finanziellen Situation<br />

des Landes auf absehbare Zeit unwahrscheinlich<br />

sein.<br />

Bahnen mit 760 mm Spurweite<br />

Die 760-mm-Spur, auch bosnische genannt,<br />

war und ist die Spurweite der meisten<br />

Schmalspurbahnen in der früheren Habsburger<br />

Monarchie und ihrer Nachfolgestaaten.<br />

Einen hohen Bekanntheitsgrad hat<br />

die seit 1911 elektrisch betriebene Mariazellerbahn<br />

in Österreich. Sie wird seit Dezember<br />

2010 von der Niederösterreichische<br />

Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖ-<br />

VOG) betrieben. Wie die 1913 bereits mit<br />

elektrischem Betrieb eröffnete Lokalbahn<br />

Mixnitz – St. Erhard in der Steiermark handelt<br />

es sich bei der Mariazellerbahn um eine<br />

Eisenbahn.<br />

In der dalmatinischen Hafenstadt<br />

Dubrovnik begegnen sich im<br />

Sommer 1969 die Triebwagen 3<br />

und 8. Diese Tram an der Adria wies<br />

eine Spurweite von nur 760 mm auf<br />

H. MAASS<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

69


Geschichte<br />

Einer Überland-Tram glich die 7<strong>50</strong>-mm-Strecke Granada a Sierra Nevada in Spanien, hier ein<br />

Triebwagen im April 1965 in einer Unterwegsstation<br />

J. ZIMMER<br />

Die einzige elektrische Straßenbahn mit<br />

760 mm Spurweite in Österreich fuhr in<br />

Ybbs. Von 1907 bis 1953 pendelten die Tw<br />

1 und 2 zwischen dem Stadtplatz und dem<br />

drei Kilometer entfernten Bahnhof Ybbs-<br />

Kennelbach im Anschluss von und zu den<br />

Zügen der Westbahn. Beide Tw wurden nach<br />

der Stilllegung 1954 von der Lokalbahn<br />

Mixnitz – St. Erhard übernommen. Der Tw<br />

1 wurde später verschrottet, der Tw 2 hingegen<br />

im <strong>Jahre</strong> 1969 an den „Verein Kärntner<br />

Eisenbahnfreunde“ abgegeben. Heute<br />

befindet er sich im „Historama Ferlach“.<br />

Als Nachfolgerin einer Materialbahn eröffnete<br />

die elektrische Lokalbahn Payerbach<br />

– Hirschwang (Höllentalbahn) in Niederösterreich<br />

1926 den Personen- und Güterverkehr.<br />

Vor allem Touristen schätzten die<br />

Verbindung von der Semmering- zur Rax-<br />

Seilbahn. Aus technischen Gründen musste<br />

der Personenverkehr 1963 eingestellt werden,<br />

der Güterverkehr hielt sich 19 <strong>Jahre</strong> länger.<br />

Die beiden 1926 beschafften vierachsigen<br />

Elektrotriebwagen 1 und 2 gingen 1964<br />

an die Zillertalbahn, wo die Wagenkästen abgewrackt<br />

und die Fahrgestelle zu Güterwagen<br />

umgebaut wurden. Auf einem heute von<br />

der ÖGLB als Museumsbahn betriebenen,<br />

fünf Kilometer langen Abschnitt verkehrt seit<br />

2005 wieder ein elektrischer Triebwagen. Er<br />

entstand aus dem Wagenkasten eines noch<br />

vorhandenen Beiwagens und eines originalen<br />

Unterteils, welches aus dem Zillertal zurückgeholt<br />

worden war.<br />

Elektrisch ins Trentschiner Bad<br />

In der Slowakei verkehrt die Lokalbahn<br />

Trencianske Teplá – Trencianske Teplice<br />

(Trentschin-Teplitz bzw. Trentschiner Bad)<br />

zur Verbindung des bedeutenden Thermalbades<br />

mit der Staatsbahnstrecke Bratislava<br />

– Zilina. Die 5,7 km lange Bahn fährt seit ihrer<br />

Eröffnung 1909 bis heute elektrisch, ursprünglich<br />

von den Ungarischen, ab 1918<br />

von den Tschechoslowakischen sowie von<br />

1993 bis 2011 von den Slowakischen Staatsbahnen<br />

betrieben.<br />

Zur Eröffnung standen drei zweiachsige<br />

Tw und drei Bw zur Verfügung. Sie wurden<br />

Anfang der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> an die elektrische<br />

Waldbahn Lubochna abgegeben, Tw 3 und<br />

Bw 11 befinden sich heute im Technischen<br />

Museum in Brünn. Der Wagenpark wurde<br />

1951 durch drei neue, in der Zwischenzeit<br />

mehrfach umgebaute, modernisierte und<br />

umgenummerte vierachsige Tw ersetzt, von<br />

den 1951/54 gelieferten drei vierachsigen Bw<br />

sind zwei in Steuerwagen und einer in einen<br />

Tw umgebaut worden. Die Bahn sollte mehrmals<br />

stillgelegt werden, denn die Slowakische<br />

Staatsbahnen wollten den Betrieb nicht<br />

weiterführen. Der Verkehr wurde in den letzten<br />

<strong>Jahre</strong>n mehrfach ausgedünnt und die<br />

Buskonkurrenz bekam ihre Chance. Im<br />

Fahrplanjahr 1969/70 z.B. verkehrten werktags<br />

28, sonntags 34 Zugpaare, 24 Stunden<br />

durchgehend, im Winterhalbjahr 2011 waren<br />

nur montags bis freitags vier Züge übrig<br />

geblieben und mit Fahrplanwechsel im Dezember<br />

2011 wurde der Verkehr durch die<br />

Slowakischen Eisenbahnen ganz eingestellt.<br />

Im Januar 2012 hat die Trencianska Elektrická<br />

Zeleznica (TREZ) den Betrieb übernommen.<br />

Sie ist Teil der „Ciernohronská Zeleznica“<br />

(Schwarzgraner Waldbahn) und<br />

führt ca. einmal im Monat sowie bei besonderen<br />

Anlässen und auf Bestellung Fahrten<br />

mit den Tw 411 902 und 411 903 durch.<br />

Im Bereich von Tschechien<br />

Das Gebiet um die Stadt Ostrava (Mährisch<br />

Ostrau) entwickelte sich im 19. Jahrhundert<br />

durch umfangreiche Kohlevorkommen zu<br />

einem bedeutenden Zentrum der Eisen- und<br />

Stahlindustrie, des Maschinenbaus und der<br />

chemischen Industrie. Das Stadtgebiet<br />

erschloss seit 1894 eine normalspurige<br />

Dampf-, seit 1901 eine elektrifizierte Straßenbahn,<br />

die heute ein Netz von 15 Linien<br />

betreibt.<br />

Im nordöstlichen Umland entstand ab 1904<br />

ein dampfbetriebenes, ab 1909 elektrisches<br />

760-mm-Schmalspurnetz der Lokalbahn<br />

Mährisch Ostrau – Karwin (L.O.K.), der<br />

Schlesischen Landeseisenbahnen (S.L.E.B.)<br />

und der Städt. Elektrischen Oderberg von zusammen<br />

fast 70 km Länge. Es erstreckte sich<br />

70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Trams auf ganz schmaler Spur<br />

Der von der elektrischen Erstausstattung der Waldenburgerbahn (7<strong>50</strong> mm) stammende Tw 1 aus dem <strong>Jahre</strong> 1953 in Hölstein<br />

G. JÄKLE<br />

In Mährisch Ostrau trafen sich bis 1973 noch schmal- und regelspurige<br />

Fahrzeuge (Gleis rechts im Bild). Von der 760-mm-Lokalbahn Ostrau –<br />

Karwin stammt der 1909 gebaute Tw 424<br />

G. JÄKLE<br />

Der von den Tschechoslowakischen Staatsbahnen als 411.901 geführte<br />

760-mm-Triebwagen am Bahnsteig in Trencianske Tepla zur Fahrt<br />

nach Trencianske Teplice<br />

J. ZIMMER<br />

bis Hrusov (Hruschau), Bohumin (Oderberg),<br />

Karwiná (Karwin) und Frystát (Freistadt). Die<br />

wechselnden politischen Verhältnisse in diesem<br />

Grenzgebiet wirkten sich auf die Bahnen<br />

aus: Es gab Zugehörigkeit zu Österreich, der<br />

Tschechoslowakei, Polen, Deutschland (Gau<br />

Sudetenland), Streckenunterbrechungen,<br />

wechselnde Verwaltungen usw. Im Jahr 1949<br />

fusionierten alle Schmalspurstrecken mit dem<br />

Verkehrsbetrieb Ostrava.<br />

1914 war der Ausbau des Netzes abgeschlossen.<br />

Zwar erfolgte noch 1953 eine kurze<br />

Verlängerung in Frystát, aber schon ab<br />

1952 hatte die etappenweise Stilllegung der<br />

Schmalspurstrecken begonnen. Linie 18<br />

Hrusov – Bohumin fuhr bis 1973 als letzte<br />

schmalspurige Elektrische.<br />

S.L.E.B und L.O.K beschafften für ihre Linien<br />

zwischen 1909 und 1920 insgesamt 23<br />

ähnliche vierachsige Trieb-, zehn vierachsige<br />

und 14 zweiachsige Beiwagen. Der Verkehrsbetrieb<br />

Ostrava erweiterte den Wagenpark<br />

noch 1948/54, als die ersten Stilllegungen bereits<br />

begonnen hatten, um acht vierachsige<br />

Trieb- und zwölf vierachsige Beiwagen.<br />

Elektrisch auf 760 mm in Ungarn<br />

Ab 1905 erschloss eine 760-mm-Schmalspurbahn<br />

die Theiss-Tiefebene im Osten<br />

Ungarns zwischen der Provinzhauptstadt<br />

Nyiregyháza und Dombrád, Balsa, Sárospatak.<br />

In Nyiregyháza verlief die Bahn mitten<br />

durch die Stadt, was lag also näher, als<br />

die Stadtstrecke zu elektrifizieren, was 1911<br />

geschah. Die so entstandene elektrische Straßenbahn<br />

begann am Hauptbahnhof und<br />

führte über den Bessenyei tér bis zum acht<br />

Kilometer entfernten Kurort Sóstó. Neben<br />

den Dampf- und Dieselzügen verkehrte die<br />

Straßenbahn im Durchschnitt alle 30 bis 60<br />

Minuten.<br />

Im <strong>Jahre</strong> 1949 übernahmen die Ungarischen<br />

Staatseisenbahnen die Lokalbahn und<br />

führte den Straßenbahnbetrieb zunächst unverändert<br />

weiter, ab 1960 nur noch bis zur<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

71


Geschichte<br />

Der 1962 gebaute Tw 14 der Tram von Dubrovnik (760 mm) ist im Juni 1969 mit dem 1910 gebauten<br />

Sommer-Beiwagen 26 am Bahnhof von Dubrovnik unterwegs<br />

H. MAASS<br />

Ein vierachsiger Triebwagen der Schlesischen Kleinbahnen A.G. noch mit offenen Plattformen<br />

in Gleiwitz. Die Spurweite der Gleise betrug damals 785 mm<br />

SLG. J. ZIMMER<br />

Trams/tramähnliche Betriebe mit weniger als 800 mm Spurweite<br />

Spurweite Name des Betriebes Land Länge in km elektrischer Betrieb 1<br />

7<strong>50</strong> Waldenburgerbahn Schweiz 13 seit 1953<br />

7<strong>50</strong> Ferrocarril Granada a Sierra Nevada Spanien 21 1925–1974<br />

760 Ybbser Straßenbahn Österreich 3 1907–1953<br />

760 Höllentalbahn Österreich 5 seit 1926<br />

760 Lokalbahn Trencianske Teplice Slowakei 6 seit 1909<br />

760 Lokalbahn Ostrau-Karwin 2 Tschechien ca. 1909–1973<br />

760 Nyíregyháza-Schmalspurbahn Ungarn 8 1912–1969<br />

760 Straßenbahn Szátmar Nemeti 3 (damals Ungarn) 5 1900–1906<br />

760 Straßenbahn Sarajevo Bosnien 6 1895–1960<br />

760 Straßenbahn Dubrovnik Kroatien o.A. 1910–1970<br />

760 Straßenbahn Piran Slowenien 5 1912–1953<br />

762 Sangi Hokusei-Line Japan 20 seit 1931<br />

762 Kintetsu Utsube Hachioji Japan 7 seit 1943<br />

762 Kurobe Gorge-Eisenbahn Japan 20 seit 1963<br />

785 Schlesische Kleinbahnen A.G. Preußen/Polen ca. 200 km 1898–1952<br />

1<br />

Strecken teils schon früher eröffnet, Jahr gibt Aufnahme des elektrischen Betriebes an<br />

2<br />

einschließlich Schlesischen Landeseisenbahnen (S.L.E.B.) und der Städt. Elektrischen Oderberg<br />

3<br />

die Stadt Szátmar Nemeti lag nach dem Ersten Weltkrieg in Rumänien – Satu Mare<br />

Stadtmitte. 1969 stellten sie ihn jedoch ganz<br />

ein. Die Schmalspurbahn wurde 1980 aus<br />

der Stadt herausgenommen und parallel zur<br />

Staatsbahn um die Stadt herum geleitet. Seit<br />

Dezember 2009 ist sie stillgelegt.<br />

Der Wagenpark der Straßenbahn bestand<br />

aus zwei- später auch vierachsigen Triebwagen,<br />

die z.T. aus Benzin-VT umgebaut waren.<br />

Heute steht Tw 812 als Denkmal im<br />

Stadtzentrum.<br />

Etliche <strong>Jahre</strong> früher hatte es eine ähnliche<br />

Straßenbahn in der ungarischen, seit 1920<br />

jedoch zu Rumänien gehörigen Stadt Szátmar<br />

Nemeti (Satu Mare) gegeben. Auch hier<br />

verkehrte eine Dampf-Schmalspurbahn<br />

durch die Innenstadt, die 1900 auf den ersten<br />

fünf Kilometern elektrifiziert wurde. Der<br />

elektrische Betrieb mit fünf Triebwagen endete<br />

bereits 1906.<br />

Im südslawischen Gebiet<br />

Im späteren Jugoslawien (wortwörtlich übersetzt:<br />

Südslawien) entstanden zu österreichischer<br />

Zeit drei Straßenbahnbetriebe mit<br />

760 mm Spurweite.<br />

In der bosnischen Landeshauptstadt Sarajevo<br />

wurde der weit außerhalb der Stadt<br />

angelegte Bahnhof der Bosnabahn seit 1895<br />

mit einer elektrischen Straßenbahn gleicher<br />

Spurweite mit der Innenstadt verbunden, mit<br />

sechs Kilometer Länge erreichte sie ihre<br />

größte Ausdehnung. Interessanterweise gab<br />

es bis in die 1920er-<strong>Jahre</strong> einen umfangreichen<br />

innerstädtischen Güterverkehr mit zwei<br />

Elloks. Vorhanden waren 15 Trieb- und acht<br />

Beiwagen. 1960 erfolgten die Stilllegung des<br />

Schmalspur- und die Eröffnung des Normalspurbetriebes.<br />

An der Adriaküste<br />

Dubrovnik, die dalmatinische Hafenstadt an<br />

der Adria mit ihrer als UNESCO-Weltkulturerbe<br />

anerkannten Altstadt, ist eine der<br />

schönsten Städte am Mittelmeer und wird<br />

deshalb viel besucht. Seit 1910 fuhr dort eine<br />

elektrische Straßenbahn mit zwei Linien: die<br />

Bahnhofslinie 1 (Pile – Bhf) und die Hafenlinie<br />

2 (Pile – Hafen).<br />

Zur Eröffnung wurden fünf zweiachsige<br />

Triebwagen beschafft, 1912 und 1928 jeweils<br />

drei und 1962 letztmals vier, dazu kamen<br />

ab 1910 zehn Beiwagen, meist offene<br />

Sommer-Bw, die vor allem bei Touristen sehr<br />

beliebt waren.<br />

Die Straßenbahn war immer frequentiert,<br />

aber ein schwerer Unfall führte zum abrupten<br />

Ende im <strong>Jahre</strong> 1970. Verschiedene Wagen<br />

haben z.B. im Technischen Museum Zagreb<br />

sowie im Historama Ferlach in Kärnten<br />

bis heute überlebt.<br />

Eine weitgehend unbekannte Straßenbahn<br />

verkehrte ab 1912 in der Hafenstadt Piran<br />

(Istrien) im heutigen Slowenien. Die fünf Kilometer<br />

lange Bahn verband die beiden<br />

Stadtteile Piran und Portoroz und endete am<br />

72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Trams auf ganz schmaler Spur<br />

Der 760-mm-Straßenbahnbetrieb in Ybbs war nicht nur der in Österreich auf den schmalsten Gleisen geführte, sondern auch einer der kürzesten<br />

weltweit, hier 1953 am Endpunkt in der Innenstadt<br />

H. HERRMANN<br />

Bahnhof der Schmalspurbahn Triest – Porec<br />

(Parenzo). Nach deren Stilllegung 1935 fuhr<br />

die Straßenbahn noch 18 <strong>Jahre</strong> weiter bis<br />

1953. Der Wagenpark von fünf Trieb- und<br />

zwei Beiwagen ging anschließend an die damals<br />

noch schmalspurige Tram Sarajevo.<br />

Bahnen mit 762 mm Spurweite<br />

Das Eisenbahnnetz in Japan ist fast gänzlich<br />

in Kapspur (1067 mm) angelegt. Einige wenige<br />

Privatbahnen sowie das ab 1964 entstandene<br />

Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsnetz<br />

sind normalspurig ausgeführt.<br />

Einst gab es aber auch ca. 30 Strecken mit<br />

einer Spurweite von 762 mm, von denen<br />

nach den 1920er-<strong>Jahre</strong>n viele auf Kapspur<br />

umgebaut oder stillgelegt und nur wenige<br />

elektrifiziert wurden. Von diesen existieren<br />

heute noch drei.<br />

Ausgangspunkt der Sangi Hokusei-Line<br />

ist Nishi-Kuwana, 30 km südwestlich von<br />

Nagoya an der Strecke nach Ise-Toba. Die<br />

1931 eröffnete Bahn ist mit 20,4 km die<br />

längste elektrische Schmalspurbahn und<br />

führt durch dichtbesiedeltes Gebiet nach<br />

Ageki. Die Züge verkehren durchgehend<br />

oder auf Teilstrecken alle 15 bis 60 Minuten.<br />

Die Fahrzeit beträgt eine Stunde.<br />

Nur 14 km weiter südlich an der gleichen<br />

Strecke beginnt in Yokkaichi die Kintetsu<br />

Utsube Hachioji-Line, eine 5,7 km kurze<br />

Strecke nach Utsube mit einer 1,3 km langen<br />

Abzweigung nach Nishihino. Die Bahn<br />

wurde 1912 eröffnet und 1943 elektrifiziert.<br />

Betrieben wird sie im 15- bis 30-Minuten-<br />

Takt mit einer Fahrzeit von 18 Minuten.<br />

Auf beiden genannten japanischen Linien<br />

fahren ausschließlich Dreiwagen-Triebzüge<br />

verschiedener Serien aus den <strong>Jahre</strong>n<br />

1954 bis 1977.<br />

Die dritte elektrische Schmalspurbahn Japans<br />

ist die Kurotetsu (Kurobe Gorge-Eisenbahn).<br />

Sie schließt in Unazuki Onsen an die<br />

kapspurige Chitetsu (Toyama Chiho-Eisenbahn)<br />

an und führt entlang des Kurobeflusses<br />

durch ursprüngliche Gebirgsgegenden der<br />

Japanischen Alpen auf einer bogen- und steigungsreichen<br />

Strecke in <strong>50</strong> Minuten zum 20,1<br />

km entfernten Kurort Keyakidaira mit seinen<br />

heißen Thermalquellen. Die Bahn diente ursprünglich<br />

zum Bau des 1963 fertiggestellten<br />

Kurobe-Staudammes. Für den Personen- und<br />

Güterverkehr sind 23 vierachsige Elloks vorhanden.<br />

Täglich verkehren ca. 20 Züge.<br />

Bahnen mit 785 mm Spurweite<br />

Im damals zu Preußen gehörenden Oberschlesien<br />

entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts<br />

eine große Anzahl von Industriebahnen<br />

zur Versorgung der Kohlegruben<br />

und Hüttenwerke. Ihre Spurweite von 30<br />

preußischen Zoll (= 785 mm) fand sich einst<br />

auch z.B. im Rhein-Sieg-Gebiet (z.B. Bröltalbahn).<br />

Für den Verkehr in den rasant wachsenden<br />

Städten Oberschlesiens setzte man auf den<br />

785-mm-Strecken zunächst auf Pferde- und<br />

Dampf-, aber schon ab 1898 auf elektrischen<br />

Betrieb. Die „Oberschlesische Dampfstraßenbahn<br />

GmbH“ setzte schon 1902 auf einem<br />

fast 100 km langen Überlandnetz 90<br />

vierachsige Trieb- und 70 Beiwagen ein. Das<br />

Konkurrenzunternehmen „Oberschlesische<br />

Kleinbahnen und Elektrizitätswerke A.G.“<br />

fuhr gleichzeitig auf 30 km gleicher Schmalspur<br />

mit ca. 30 Trieb- und 30 Beiwagen. Beide<br />

Gesellschaften fusionierten später zur<br />

Schlesischen Kleinbahnen A.G.<br />

Befriedigen konnten die schmalspurigen<br />

Straßenbahnen auf Dauer nicht – so wurde<br />

die unabhängige „Städtische Straßenbahn<br />

Beuthen“ schon 1912 in Normalspur eröffnet.<br />

Die vorgesehene Umspurung des Gesamtnetzes<br />

zog sich lange hin, vor allem bedingt<br />

durch den Ersten Weltkrieg und die<br />

anschließende Teilung Oberschlesiens. Abgesehen<br />

von einem kurzen Abschnitt in Kattowitz<br />

1912 begann sie 1928 mit der Strecke<br />

Gleiwitz – Hindenburg (Zabrze) und war<br />

erst 1952 beendet. Heute betreiben die<br />

„Tramwaje Slaskie“ ein hochinteressantes<br />

normalspuriges Stadt- und Überlandnetz von<br />

30 Linien. JÖRG ZIMMER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

73


n Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />

Straßenbahnen<br />

fuhren 53 <strong>Jahre</strong><br />

durch Flensburg.<br />

Nur drei Fahrzeuge<br />

sind der Nachwelt<br />

erhalten geblieben<br />

– alle im dänischen<br />

Trammuseum<br />

Skjoldenæsholm.<br />

Der Triebwagen 36<br />

(unten), von dem<br />

Helmut Gieramm<br />

dieses Kartonmodell<br />

gebaut hat,<br />

wurde kürzlich in<br />

Gera renoviert.<br />

Die Übergabefahrt<br />

zeigt ein Film bei<br />

Youtube im Internet:<br />

www.youtube.com/<br />

watch?v=IU-NEM8zJ-U<br />

Gieramms<br />

Flensburger Papp-Tw<br />

40 <strong>Jahre</strong> nach dem Aus n Kaum etwas<br />

erinnert noch an Deutschlands nördlichste<br />

Straßenbahn. Ein Triebwagen überlebte in<br />

Dänemark, der fährt nun auch auf H0-Gleis<br />

Die meisten von uns bringen<br />

Flensburg mit der<br />

Verkehrssünderdatei, dem<br />

Rumhandel und vielleicht<br />

noch mit einem Erotikartikelversand<br />

in Verbindung, nur wenige erinnern<br />

sich noch, dass sich dort bis 1973<br />

der nördlichste Straßenbahnbetrieb<br />

Deutschlands befand. Von den Flensburger<br />

Straßenbahnen haben nur<br />

wenige Fahrzeuge die Stilllegung<br />

langfristig überdauert. Durch glückliche<br />

Umstände gelangte ein Triebwagen<br />

aus dem Jahr 1926 in das<br />

Sporvejsmuseet Skjoldenaesholm in<br />

Dänemark.<br />

Nach ausgiebigem Dornröschenschlaf<br />

wurde dieser Wagen 36 in<br />

langer, aufwändiger Arbeit in der<br />

Straßenbahnwerkstatt Gera wieder<br />

74 strassenbahn magazin 2|2013


Fahrzeugbau<br />

Der Karton-Bastelbogen des Triebwagen 36 ist relativ einfach gehalten.<br />

Am Aufbau des Wiener M-Modells sind einige Umbauten vorzunehmen<br />

Alle Türen und Fenster des Wiener H0-Modells müssen verschlossen und<br />

teilweise gespachtelt werden. Aufs Dach kommen neue Widerstände<br />

für den Fahrbetrieb hergerichtet.<br />

Im April 2012 hatte ich in Gera Gelegenheit,<br />

an der Übergabefahrt<br />

zum Museum teilzunehmen – der<br />

Triebwagen sah dabei aus wie neu.<br />

Seit Juni 2012 können Besucher in<br />

Skjoldenaesholm diesen herrlichen<br />

Holzwagen, der in der Hannoverschen<br />

Waggonfabrik entstand, nun<br />

im Fahrbetrieb erleben.<br />

Hobbyfreund Gottfried Kuře aus<br />

Traun in Oberösterreich stellte jetzt<br />

mit Hilfe meiner Bilder einen fotorealistischen<br />

Kartonbausatz im Maßstab<br />

1:87 her. Als Grundlage diente das<br />

M-Modell der Wiener Linien. Es ist<br />

von der Charakteristik her dem Flensburger<br />

Wagen ähnlich. Mit diesem<br />

H0-Modell, einer Feile, Klebstoff, etwas<br />

Kunststoff, ein wenig Farbe, Zeit<br />

und Geschicklichkeit lässt sich das<br />

Flensburger Modell gut nachbauen.<br />

Für die Fortbewegung dient der<br />

Reko-Antrieb von Halling. Da ich plane,<br />

den Triebwagen vorbildgerecht<br />

mit einem Verbandstyp-II-Beiwagen<br />

einzusetzen, habe ich gleich auch<br />

meine Magnetkupplung angebracht.<br />

Zu meiner Freude kann der Flensburger<br />

H0-Triebwagen nun auf meiner<br />

Dachbodenanlage seine Runden<br />

drehen. Ich habe davon einen kleinen<br />

Film gedreht und ins Internet gestellt:<br />

www.youtu.be/vNM_j7_hge8 HG<br />

Alle Gehäusevorsprünge und Lampen werden abgeschliffen und bei Bedarf<br />

verspachtelt, dann können die Kartonteile aufgeklebt werden<br />

Das Kartonmodell des Flensburger Triebwagen 36 läßt sich leicht mit Antrieben von Halling und PMT motorisieren. Leider gibt es den von Gottfried<br />

Kuře entwickelten Bastelbogen bisher nicht zu kaufen. Statt des vergriffenen Wiener M-Modells ist auch das des Typ N geeignet H. GieRAMM (7)<br />

strassenbahn magazin 2|2013 75


Straßenbahn im Modell<br />

Gotha, ET <strong>50</strong>: Aus Teilen des Lowa-Bausatzes (Plattformen) und Gotha-<br />

Karosserien (Seitenwände) von Herrmann & Partner wurde dieser Tw<br />

angefertigt. Die etwas verblasste Farbe war ja in der DDR öfter zu sehen<br />

Tatra, Zweirichtungs-Tw: In Halle wurde so ein Fahrzeug auf Linien ohne<br />

Wendemöglichkeiten eingesetzt. Mein Umbau entstand aus zwei Bausätzen.<br />

Die mittlere Tür hat vorbildentsprechend nur drei Elemente<br />

Bineks Umbauten<br />

Besondere Tramfahrzeuge n Mit Säge und Klebetube bastelt sich der<br />

Wiener Gymnasiallehrer Straßenbahnmodelle, die so nicht jeder hat<br />

Berliner Großraumwagen 8001: Für meinen Prototyp stand mir nur ein<br />

Vorbildfoto zur Verfügung. Das Modell entstand aus Teilen des Lowa-<br />

Bausatzes von Technomodell, der Antrieb stammt von Halling. Das Modell<br />

ist etwas zu hoch, um einen 25-Zentimeter-Radius befahren zu können<br />

Chemnitz, 2x-Züge: Die Fahrzeuge entstanden aus Gogtram-Modellen<br />

für einen Freund. Dazu mussten die Gehäuse um ein Fenster verlängert<br />

werden. Die Tw haben einen KSW-Antrieb. Die H0e-Spurweite ist nicht<br />

vorbildgerecht, denn alle Chemnitzer Fahrzeuge sind normalspurig<br />

Peter Binek, Lehrer für Mathematik,<br />

Physik und Ethik an<br />

einem Gymnasium in Wien,<br />

hat sich dem Umbau von<br />

handelsüblichen Straßenbahnmodellen<br />

verschrieben. Mit der Zeit hat er<br />

sich so eine beachtliche Sammlung<br />

geschaffen. Der 52-Jährige stellt hier<br />

seine Fahrzeuge vor.<br />

Schienenfahrzeuge haben mich<br />

schon früh fasziniert – auch weil ich<br />

sie als Schüler nur selten benutzen<br />

konnte. Zu meiner Wiener Schulzeit<br />

fuhren noch viele Oldtimer. Fotografiert<br />

habe ich aber leider die<br />

neuen Fahrzeuge. Mit fünf <strong>Jahre</strong>n<br />

bekam ich dann meine erste Märklin-Eisenbahn,<br />

aus der im Laufe der<br />

<strong>Jahre</strong> eine große Anlage wurde, die<br />

ich nach dem Studium aber abgebaut<br />

habe, denn nachdem um 1980<br />

die ersten Trammodelle angeschafft<br />

wurden, war mir klar, dass da mit<br />

Wechselstrom nichts zu machen<br />

war. Weil mir eine reine Tramanlage<br />

aber viel zu aufwändig war, habe<br />

ich eine neue knapp vier Quadratmeter<br />

große Gleichstromanlage mit<br />

einer eingleisigen Nebenbahnstrecke,<br />

H0e-Feldbahn und H0e-Straßenbahn<br />

aufgebaut. Hier werden<br />

auch meine Straßenbahnmodelle<br />

probegefahren. Zur Zeit plane ich<br />

an Modulen für Straßenbahn (H0/<br />

H0e) und Schmalspurbahn (H0e). Ein<br />

erstes Teil ist schon fertig und war<br />

2009 bei „Kleine Bahn ganz groß“<br />

in Nürnberg zu sehen.<br />

Wertvolles aus der Kiste<br />

Am liebsten baue ich Industriemodelle<br />

um. Im Lauf von drei Jahrzehnten<br />

sind so einige Fahrzeuge entstanden,<br />

teils auch im Freundeskreis<br />

verschenkt oder getauscht worden.<br />

Meine Restekiste birgt manch wertvolles<br />

Teil, sodass ich nicht immer<br />

gleich ein neues Fahrzeug „schlachten“<br />

oder einen Bausatz plündern<br />

muss. Hilfreich sind auch Hersteller,<br />

Chemnitz, 4x-Triebwagen: Ausgehend von drei Gogtram-Karosserien<br />

wurden die Plattformen aus Plastic-Sheet gefertigt. Fahrgestelle gibt es<br />

noch keine, da muss mein Freund Bernd Wetzel erst mal austüfteln, was<br />

am besten passt. Insgesamt wurden zwei Tw und ein Bw gebaut<br />

Schöneiche, 4x-Triebwagen: Die Modelle entstanden aus Resten vom<br />

Gotha-Tw und Seitenwänden vom Lowa-Zug von H&P. Es wurde wieder<br />

nur nach Fotos gearbeitet, sodass nicht jede Abmessung stimmt. Die<br />

Fahrgestelle werden noch gebaut. Ein ein passender Bw ist in Planung<br />

P. Binek (10)<br />

76 strassenbahn magazin 2|2013


Fahrzeugbau<br />

wenn sie vollendete Umbauten ihrer<br />

Modelle zu Gesicht bekommen<br />

– an manches Einzelteil kann man<br />

dann leichter herankommen. Mittlerweile<br />

wage ich mich auch an aufwändigere<br />

Fahrzeuge wie etwa den<br />

Chemnitzer 4x-Triebwagen, der bis<br />

auf die Seitenwände ein Eigenbau<br />

ist. Ich verwende dafür am liebsten<br />

Halling-Antriebe, denn den Lieferanten<br />

habe ich ja hier in Wien gleich<br />

vor der Haustüre. Lackiert wird meist<br />

mit Autolacken für die Grundfarbe.<br />

Die zweite Farbe und Zierlinien trage<br />

ich mit einem Pinsel und Farben<br />

von Revell und Humbrol auf. Zierlinien<br />

malen sich leichter, wenn man<br />

sie aus selbstklebenden Linien oder<br />

ganz dünnem aufgeklebtem Plastic-<br />

Sheet vorher anfertigt. Manche der<br />

Anregungen für meine Trammodelle<br />

kam von Bernd Wetzel aus Chemnitz,<br />

den ich Mitte der 1980er-<strong>Jahre</strong> kennengelernt<br />

habe. Seine Spezialität<br />

sind Antriebe und Fahrgestelle, die<br />

er auch für mich baut.<br />

Leider lässt mir mein Lehrerberuf und<br />

die Tätigkeit als Organist nur wenig<br />

Zeit für die Modellstraßenbahn, aber<br />

die soll ja auch ein entspannendes<br />

Hobby bleiben. PETER BINEK<br />

Beerdigungs-Tatra: Alles Mögliche wurde ja in der früheren DDR mit der<br />

Straßenbahn transportiert, warum nicht auch eine Trauergesellschaft<br />

mit Sarg? Dieses Fantasiemodell ist ohne Angetrieb. Der Sarg entstand<br />

im Eigenbau, die Kerzenleuchter bestehen aus den Resten einer Leiter<br />

Güter-Triebwagen: Das Modell ist eine Resteverwertung von den Chemnitzer<br />

2x-Zügen mit den Seitenwänden von alten Kleinbahn-Güterwagen.<br />

Das Fahrgestell und die Blenden stammen von Halling<br />

Tatra, 8x-Tw mit Niederflur-Mittelteil: Schon bevor es die Bausätze der slowakischen Firma Yozo und die<br />

Barnet-Modelle gab, habe ich mich selbst an diesem Umbau versucht. Aus H&P-Bausätzen und viel Kleben und<br />

Feilen entstand dieser Tw mit niederflurigem Mittelteil, das entsprechende Ausnehmungen für die Bodenplatte,<br />

die beidseitig in das Mittelteil hineingeschoben wird, hat. Der Antrieb stammt von Hallings Wiener E<br />

Neuheiten &<br />

Neuigkeiten<br />

Modelle mit<br />

Geschichte<br />

n Auch in diesem Jahr findet neben<br />

der Spielwarenmesse wieder<br />

das Treffen und der Stammtisch der<br />

„Tramway and Light Railway Society“<br />

(TLRS) in Nürnberg statt. Die<br />

Veranstaltung (1. und 2. Februar)<br />

wird wie gewohnt im Betriebshof<br />

St. Peter durchgeführt und steht<br />

diesmal unter dem Motto „Mein<br />

Modell – meine Geschichte“.<br />

Die deutschsprachige Abteilung<br />

der TLRS lädt alle Modelltrambahner,<br />

die ein Modell mit einer<br />

besonderen Geschichte haben, zu<br />

dem Wettbewerb ein. Die ersten<br />

fünf Modelle werden mit einer Urkunde<br />

ausgezeichnet. Das Gewinnermodell<br />

erhält ein Erinnerungsgeschenk.<br />

Umfassende Auskünfte<br />

und Anmeldungen per E-Mail über<br />

rene.felgentreu@web.de<br />

Ihre Anlage<br />

gewinnt<br />

n Haben Sie auch eine Tramanlage<br />

gebaut? Dann bringen Sie doch<br />

den Gleisplan zu Papier, machen<br />

ein paar scharfe Fotos und schreiben<br />

Sie uns einige Zeilen dazu.<br />

Die besten Arbeiten werden hier<br />

veröffentlicht und mit einem Freiabonnement<br />

für zwölf Ausgaben<br />

des <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

ausgezeichnet! Senden Sie ihren<br />

Vorschlag an: <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

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strassenbahn magazin 2|2013 77


Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />

0 89 – 13 06 99-720<br />

ö 0 89 – 13 06 99-700<br />

: redaktion@geramond.de<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />

Hier ist der Forchbahn-Tw CFe 2/2 4 nahe der Zürcher Haltestelle Balgrist auf<br />

der fotogenen Steigungsstrecke in der Forchstraße unterwegs R. SCHREMPF<br />

Zu »100 <strong>Jahre</strong> Forchbahn«<br />

(SM 12/2012)<br />

Gemeinsame Trasse<br />

mit Obussen<br />

Ich finde die Linienbeschreibung sehr<br />

interessant, einige Details hätte man noch<br />

hinzufügen können. So teilt sich die Forchbahn<br />

zwischen Kreuzplatz und Hegibachplatz<br />

in Zürich die Trasse nicht nur mit der<br />

Straßenbahn, sondern auch mit der Obuslinie<br />

31, wo Doppelgelenkobusse zum<br />

Einsatz kommen.<br />

Die Forchbahn führt übrigens auch am<br />

Tram-Museum vorbei, wo u.a. der Anhängewagen<br />

B 119 der Forchbahn (ex Lausanner<br />

Tram) ausgestellt ist. Das Dach des<br />

Depots dient als Parkplatz einer P & R-Anlage<br />

und war Vorbild für weitere ähnliche<br />

Projekte. Robert Schrempf, Linz<br />

Zu »Stimmen Sie ab«<br />

(SM 1/2013)<br />

Ja zu Frankreichs Trams<br />

Gegen die ausgiebige Präsentation der<br />

zahlreichen neuen Trambetriebe in Frankreich<br />

spricht aus meiner Sicht überhaupt<br />

nichts. Freuen würde ich mich, wenn Sie<br />

bei der Gelegenheit aber auch regelmäßig<br />

Vergleiche zu deutschen Betrieben herausstellen<br />

würden: Was machen die neuen<br />

Betriebe in Frankreich besonders gut, was<br />

ist innovativ, was wäre hierzulande nachahmenswert?<br />

Was ist vielleicht nicht ganz<br />

so gelungen bei der Umsetzung? Gibt es<br />

beachtenswerte Unterschiede z. B. bei Ti-<br />

cketkauf, Fahrgastinformation, Fahrzeugdesign<br />

etc.?<br />

Eine weitere Anregung meinerseits<br />

wäre ein Artikel über den heutigen Einsatz<br />

von Beiwagen in Straßenbahnbetrieben.<br />

Johannes Osing, Bünde<br />

Zu »Nächster Halt: Beethovengang«<br />

(SM 12/2012)<br />

Gezogen von Pferden<br />

oder Dampfloks<br />

Als Wiener hat mich der Bericht zum<br />

„Beethovengang“ natürlich sehr interessiert.<br />

Liest man den Artikel, so glaubt man,<br />

dass die Zahnradbahn durch die Straßenbahn<br />

ersetzt worden wäre, was ja aber<br />

nicht stimmt. Die Linie D ist Nachfolgerin<br />

einer sehr interessanten frühen Betriebsform.<br />

Denn die „Neue Wiener Tramwaygesellschaft“<br />

(NWT bzw. in älterer Literatur<br />

teils auch mit NWTG abgekürzt)<br />

betrieb die für die Kahlenbergbahn konzessionierte<br />

Strecke bis zum Liechtenwerderplatz<br />

mit Dampf, die restliche innerstädtische<br />

Strecke zum Schottenring durfte<br />

aber nur mit Pferdebahnwagen befahren<br />

werden. Um Umsteigen zu vermeiden,<br />

wurde ein durchgehender Betrieb mit<br />

„Mixtewagen“ eingerichtet, die sowohl<br />

von Pferden als auch mit Dampflokomotiven<br />

gezogen werden konnten.<br />

Die NWT betrieb hauptsächlich Strecken<br />

am „Gürtel“, wo kurz vor und nach<br />

der Schleifung des „Linienwalles“ (der<br />

zweiten, äußeren Stadtbefestigung) – und<br />

auch außerhalb dieses „Gürtels“ – mehr<br />

Platz war, weshalb teilweise Dampfbahnen<br />

zugelassen wurden.<br />

Die im Text von André Rogalla als heute<br />

im Einsatz befindlich genannten E 2 /c 3 -<br />

Garnituren gibt es nicht. Beiwagen des<br />

Typs c 3 und c 4 fuhren vielmehr lange mit<br />

E 1 -Triebwagen. Heute bestimmen auf der<br />

Linie „D“ die E 2 /c 5 -Garnituren und ULF<br />

das Bild.<br />

Naja, und die „nach Holz duftenden“<br />

c 3 -Beiwagen sind leider so ein Kapitel für<br />

sich ... Die Einrichtung ist praktisch seit <strong>50</strong><br />

<strong>Jahre</strong>n unverändert und wurde auch wenig<br />

gepflegt. Für mich als Dauerbenützer<br />

der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien<br />

sind die c 3 eigentlich ein Übel, weil sie extrem<br />

unfreundlich wirken (die wesentlich<br />

jüngeren c 4 sind aber auch nicht wesentlich<br />

attraktiver). Ing. Erich Pfleger, Wien<br />

Zu »Krefelds Linie 044«<br />

(SM 10/2012)<br />

Eingleisig durch Linn<br />

Nachdem in der Oktober-Ausgabe ein<br />

so schöner Bericht über die Krefelder Linie<br />

044 zu lesen und zu sehen war (bei youtube<br />

gibt es übrigens eine Fahrerstandsmitfahrt<br />

vom Rheinhafen nach Hüls), muss<br />

ich doch – ohne Beckmesser zu spielen –<br />

eine Bemerkung zum Redaktionsartikel<br />

im November-Heft auf Seite 3 machen.<br />

Das Bild, das dort die dunkle Wolke des<br />

brennenden Compo-Werks eindrucksvoll<br />

zeigt, ist nicht ganz korrekt beschrieben:<br />

Der M8C 8<strong>50</strong> fährt nicht durch die Sollbrüggenstraße,<br />

sondern er fährt zur Haltestelle<br />

„Sollbrüggenstraße“ auf der Uerdinger<br />

Straße in Richtung Krefeld,<br />

nachdem er gerade die Haltestelle „Bockumer<br />

Platz“ verlassen hat.<br />

Doch zum Artikel über die Linie 044 im<br />

Heft 10/2012: Auf Seite 27 wird die Haltestelle<br />

„Moritzplatz“ genannt und behauptet,<br />

um die Moritzkirche sei ein richtiges kleines<br />

Stadtteilzentrum zu finden. Man mag<br />

über das „Stadtteilzentrum“ geteilter Meinung<br />

sein, aber eine Moritzkirche gibt es<br />

nicht: Es ist die Pauluskirche, die dort seit<br />

über 100 <strong>Jahre</strong>n steht. Geteilter Meinung<br />

kann man wohl auch mit Fug und Recht<br />

über die Feststellung sein: „... auch der ,König<br />

Palast‘, in dem die Eishockeymannschaft<br />

der Krefelder Pinguine ihre Heimspiele austrägt,<br />

ist von hier aus gut zu erreichen“.<br />

Wollte man bis dorthin zu Fuß von der Haltestelle<br />

„Oranierring“ gehen, wäre man gewiss<br />

fast eine halbe Stunde unterwegs.<br />

Wenn dann auf Seite 30 geschrieben<br />

wird, dass die Linie 144 den Ortskern von<br />

Linn nördlich umfährt und gesagt wird:<br />

„… in den alten Gassen wäre auch kaum<br />

Platz für sie“, so sei erwähnt, dass die Bahn<br />

durch die „alten Gassen“ tatsächlich einmal<br />

gefahren ist – und zwar zweigleisig!<br />

Manfred Jülicher, Neukirchen-Vluyn<br />

Zum <strong>STRASSENBAHN</strong><br />

JAHRBUCH 2013<br />

Foto von Sonderfahrt<br />

Im Abschnitt zu Magdeburg ist beim<br />

Bildtext auf Seite 43 unten offensichtlich<br />

ein Fehler unterlaufen. Das Foto von Ronald<br />

Glembotzky zeigt keine T6-Doppeltraktion<br />

auf einer Verstärkungslinie, sondern<br />

den aus Tw 1275 und Bw 2148<br />

gebildeten T6-Hängerzug bei einer Foto-<br />

Sonderfahrt am 7. Oktober 2012 am Universitätsplatz.<br />

Das „S“ steht in Magdeburg<br />

für Sonderfahrten.<br />

Ditmar Pauke, Magdeburg<br />

Ergänzend zum Leserbrief von Jürgen Niemeyer im SM 1/2013 hier die<br />

Aufnahme vom OEG-Arbeitsfahrzeug 19, flankiert von den Tw 71 (355)<br />

und rechts 74 (365)<br />

J. NIEMEYER<br />

78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013


Regionale Tramgeschichte<br />

vom Feinsten<br />

Nur <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> lang prägte die „Elektrische“ den Nahverkehr<br />

in der Nibelungenstadt. Am 29. Januar 1956<br />

fuhren die Wormser zum letzten Mal mit ihrer 1906 in<br />

Betrieb genommenen Tram.<br />

Wie von der Buchreihe gewohnt, holt der Autor anhand<br />

von zahlreichen, qualitativ sehr ansprechenden<br />

Fotografien und Dokumenten diese Zeit vor die Augen<br />

der Betrachter bzw. Leser. Dabei stellt er die drei Wormser<br />

Linien detailliert vor, die einst zwischen Vorstadtbahnhof<br />

und Eckernbertstraße, Barbarossaplatz und<br />

den Stadtteilen Hochheim und Pfiffligheim pendelten.<br />

Die Aufnahmen spiegeln den Alltag der Straßenbahnfahrer<br />

ebenso wider wie den der Fahrgäste. Voller<br />

Stolz tragen die Fahrer und Schaffner ihre prächtigen<br />

Uniformen. Aller siebeneinhalb Minuten rasselten sie<br />

damit durch die Stadt.<br />

Mit Wehmut blicken wir Tramfreunde heute auf den<br />

„Aufbruch von Worms in die Moderne“ zurück. Die<br />

über die Jahrzehnte marode gewordene Bahn nahm<br />

Fotografisches Feuerwerk<br />

Mit einem niemals endenden<br />

Füllhorn an wertvollen Aufnahmen<br />

scheinen die beiden Autoren<br />

eines Bildbandes über die<br />

Straßenbahn Wuppertal – Solingen<br />

ans Werk gegangen zu<br />

sein!<br />

Ende November 2012 stellten<br />

die unter Tram-Freunden<br />

hinlänglich bekannten Autoren<br />

Jürgen Eidam und Wolfgang R. Reimann ein von außen<br />

eher unscheinbares „Büchlein“ vor. Doch bereits beim<br />

in die Hand nehmen des Werkes beginnt die Überraschung:<br />

224 stabile Seiten im Format A5 bringen ein<br />

gewisses Gewicht auf die Waage. Und ein erstes „Daumenkino“<br />

durch den Band zeigt, er ist durchaus auch<br />

„gewichtigen Inhalts“.<br />

Die Autoren bieten ein fotografisches Feuerwerk an<br />

Aufnahmen der bis 1969 zwischen den bergischen<br />

Großstädten verkehrenden Linien 5 und 25, wobei der<br />

Schwerpunkt auf den 1960er- und 1970er-<strong>Jahre</strong>n liegt.<br />

Doch natürlich sind ältere Motive der Strecke(n) sowie<br />

auch Aufnahmen nach der Stilllegung des reizvollen<br />

Abschnittes rund um die Kohlfurther Brücke enthalten,<br />

womit auch die Aktivitäten des Vereins „Bergische Museumsbahnen<br />

e.V.“ (BMB) keinesfalls zu kurz kommen.<br />

Das wird vom Rezensenten ausdrücklich begrüßt,<br />

„kranken“ doch die Bücher vieler älterer Autoren daran,<br />

zwar die Vergangenheit bis ins kleinste Detail, aber die<br />

Gegenwart nur ungenügend genau zu beleuchten.<br />

Diesem Vorwurf brauchen sich die Herren Eidam<br />

und Reimann nicht stellen. Wer sie kennt, den verwundert<br />

das allerdings nicht, gehörte Letzterer doch am<br />

16. Dezember 1969 zu den Gründungsmitgliedern der<br />

BMB. Die Autoren haben also nicht nur fotografisch,<br />

sondern auch mit ihrer Hände Arbeit dazu beigetragen,<br />

dass die „Bergische“ nicht in Vergessenheit gerät.<br />

Mit Liebe und Herzblut beleuchten sie die ca. 20 Kilometer<br />

von der Dönberger Straße im Elberfelder Norden<br />

durch das Zentrum Elberfelds mit dem damals neu<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

mit einem großen<br />

Rundkorso von der<br />

Stadt Abschied, Omnibuslinien<br />

ersetzten die<br />

Straßenbahn. Ihnen ist<br />

das Schlusskapitel gewidmet. Doch auch Planung, Bau<br />

und Betrieb der Wormser Tram stellt der Autor kenntnisreich<br />

vor, der die eingesetzten Straßenbahnwagen<br />

ebenfalls nicht außer Acht lässt. Zur Illustration des Buches<br />

dienen neben Fotografien sowohl Fahrpläne, Streckennetzpläne<br />

und Bauzeichnungen als auch Fahrkarten<br />

sowie Zeitungsberichte im Faksimile. Damit ist das<br />

Buch nicht nur für Wormser, sondern auch für alle Tramfreunde<br />

ein wertvolles Nachschlagewerk. A. MARKS<br />

Häussler, Ralph: Die Wormser Straßenbahn,<br />

128 Seiten, 16,5 x 23,5 cm, Softcover, 220<br />

Schwarzweißaufnahmen, Suttonverlag, Erfurt<br />

2012, ISBN 978-3-95400-119-4, Preis 18,95 EUR<br />

gestalteten Döppersberg hinauf<br />

zu den Südhöhen bis nach Cronenberg,<br />

von dort weiter bis<br />

nach Sudberg einerseits sowie<br />

über die Kohlfurth bis nach Solingen<br />

andererseits.<br />

Die über <strong>50</strong>0 in den Bildband<br />

aufgenommenen Farb- und<br />

Schwarzweißaufnahmen sind<br />

sauber und kontrastreich gedruckt.<br />

Die Wiedergabequalität ist sehr gut! Schade ist<br />

deshalb, dass kein einziges Bild des Buches eine ganze<br />

Seite ausfüllt. Im „Zigaretten-Schachtel-Format“ wirken<br />

viele Motive etwas verschenkt. Wäre hier weniger mehr<br />

gewesen?<br />

Andererseits macht gerade die reichhaltige Bebilderung<br />

das Wesen dieses Buches aus. Der Betrachter<br />

glaubt, fast von jedem Meter der Strecke eine Aufnahme<br />

geboten zu bekommen. Apropos, was bietet das<br />

Buch: Der Käufer erhält keinesfalls nur Fotografien,<br />

sondern erwirbt gleichzeitig auch eine detaillierte Bauchronik<br />

und Darstellung der Entwicklung. Die Verwendung<br />

des Begriffes „Bildband“ ist daher eher eine „Tiefstapelei“.<br />

Die in einer Dachzeile über jeder Seite abgedruckten<br />

Inhaltsangaben geben einen sofortigen Überblick zum<br />

Inhalt der betreffenden Seite. Dadurch verwirren sie jedoch<br />

teilweise, weil der Leser den Überblick verliert, in<br />

welchem Kapitel er sich gerade befindet bzw. Kapitelüberschriften<br />

völlig untergehen.<br />

Dennoch: Es spricht nichts gegen den Kauf dieses<br />

Bandes – Liebhaber der Straßenbahnen im Bergischen<br />

müssen sich dieses Buch zulegen! A. MARKS<br />

Jürgen Eidam, Wolfgang R. Reimann: Mit 5 und<br />

25 unterwegs. Eine Straßenbahn-Zeitreise von<br />

Wuppertal nach Solingen, 224 Seiten, 23 x 17 cm,<br />

Hartpappeinband, 525 Farb- sowie SW-Fotos,<br />

Verlag Wolfgang R. Reimann, Remscheid 2012,<br />

ISBN 978-3-9815166-1-6, Preis 29,80 EUR<br />

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Termine · Impressum<br />

Nummer 280 • 2/2013 • Februar • 44. Jahrgang<br />

27. Januar, Stuttgart: Die Straßenbahn-<br />

Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt – Hbf<br />

– Straßenbahnwelt) und 23 (Straßenbahnwelt<br />

– Charlottenplatz – Ruhbank/Fernsehturm<br />

und zurück) gehen auf Tour.<br />

Details siehe unter www.strassenbahnwelt.com<br />

oder www.shb-ev.info.<br />

1. Februar, Nürnberg: 16 Uhr Vorbereitung<br />

Modellstraßenbahn-Ausstellung der<br />

TLRS im Vortragsraum der VAG in St. Peter;<br />

19 Uhr „TLRS-Stammtisch“ – Sonderfahrt<br />

vom Vorplatz des Nürnberger Hauptbahnhofes,<br />

18.45 Uhr ist der Zustieg an der<br />

Haltestelle St. Peter in Richtung Hauptbahnhof<br />

möglich.<br />

2. Februar, Nürnberg: 10 bis 17 Uhr<br />

Modellstraßenbahn-Ausstellung der TLRS<br />

im Vortragsraum der VAG – Motto: „Mein<br />

Modell meine Geschichte“<br />

2. Februar, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Gelände des<br />

Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />

von 10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung<br />

der Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />

und der historischen Wagen; bis 15<br />

Uhr stündlich Führungen, Eintrittspreis: 3<br />

EUR pro Person.<br />

2., 9., 16. und 23. Februar, Erfurt: regulärer<br />

Einsatz des musealen Gotha-Ge-<br />

In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postleitzahlgebiet 0<br />

Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />

Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />

Hermann Sack, 04107 Leipzig, Harkortstr.<br />

7<br />

Postleitzahlgebiet 1<br />

Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />

Französische Str. 13/14 · Struppe &<br />

Winckler Berlin, 10117 Berlin,<br />

Kronenstr. 42 · Loko Motive Fachbuchhandlung,<br />

10777 Berlin, Regensburger<br />

Str. 25 · Modellbahnen & Spielwaren<br />

Michael Turberg, 10789 Berlin,<br />

Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />

Flügelrad, 10963 Berlin, Stresemannstr.<br />

107 · Modellbahn-Pietsch,<br />

12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />

Postleitzahlgebiet 2<br />

Boysen + Mauke, 22772 Hamburg,<br />

Postfach 570333 · Buchhandlung<br />

Bernd Kohrs, 22927 Großhansdorf,<br />

Eilbergweg 5A · Roland Modellbahnstudio,<br />

28217 Bremen, Wartburgstr.<br />

59<br />

Postleitzahlgebiet 3<br />

Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />

Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />

Hannover, Breite Str. 7 · Buchhandlung<br />

Graff, 38012 Braunschweig, Postfach<br />

2243 · Pfankuch Buch, 38023 Braunschweig,<br />

Postfach 3360<br />

Postleitzahlgebiet 4<br />

Buchhaus Antiquariat, 40217 Düsseldorf,<br />

Friedrichstr. 24-26 · Menzels Lokschuppen,<br />

40217 Düsseldorf, Friedrichstr.<br />

6 · Goethe-Buchhandlung,<br />

40549 Düsseldorf, Will stätterstr. 15 ·<br />

Modellbahnladen Hilden, 40704 Hilden,<br />

Postfach 408 · Buchhandlung<br />

Irmgard Barnes, 42855 Remscheid,<br />

80<br />

Termine<br />

lenkzuges der EVAG vom Domplatz (auf der<br />

Seite der Wendeschleife), Stadtrundfahrt veranstaltet<br />

von Erfurt Tours, Fahrkarten vor Ort<br />

im Wagen.<br />

3., 10., 17. und 24. Februar, Stuttgart:<br />

Die Straßenbahn-Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt<br />

– Hbf – Straßenbahnwelt) und<br />

23 (Straßenbahnwelt – Charlottenplatz –<br />

Ruhbank/Fernsehturm und zurück) gehen<br />

auf Tour. Details siehe unter www.strassenbahnwelt.com<br />

oder www.shb-ev.info.<br />

9. Februar, Gmunden: Nostalgiefahrten<br />

mit Tw 5, Abfahrt vom Franz-Josef Platz jeweils<br />

um 13.58, 14.58, 15.58, 16.58 und<br />

17.58 Uhr. Weitere Informationen siehe<br />

www.gmundner-strassenbahn.at<br />

2. März 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Gelände des<br />

Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />

von 10–17 Uhr geöffnet; Besichtigung der<br />

Museumshallen, des Werkstattbereiches und<br />

der historischen Wagen; bis 15 Uhr stündlich<br />

Führungen, Eintritt: 3 EUR pro Person.<br />

16. März, Stuttgart: Lange Nacht der Museen,<br />

voraussichtlich nächtlicher Sonderverkehr,<br />

Details auf www.shb-ev.info<br />

6. April, Essen/Gelsenkirchen: Die historische<br />

Straßenbahnen der VhAG EVAG,<br />

Hastener Str. 41 · Rolf Kerst Fachbuchhandlung,<br />

47051 Duisburg, Ton -<br />

hallenstr. 11a · Fach buchhandlung Jürgen<br />

Donat, 47058 Duis burg,<br />

Ottilienplatz 6 · WIE – MO, 48145<br />

Münster, Warendorfer Str. 21<br />

Postleitzahlgebiet 5<br />

Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />

<strong>50</strong>676 <strong>Köln</strong>, Blaubach 6-8 · Modellbahn-Center<br />

Hüner bein, 52062<br />

Aachen, Markt 11-15 · Mayersche<br />

Buchhandlung, 52064 Aachen, Matthiashofstr.<br />

28-30 · Buchhand lung<br />

Carl Machwirth, 55221 Alzey, Postfach<br />

1380 · Buchhandlung Karl Kersting,<br />

58095 Hagen, Bergstr. 78 · A. Stein -<br />

sche Buchhand lung, 59457 Werl,<br />

Postfach 6064<br />

Postleitzahlgebiet 6<br />

Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />

Solms str. 75 · Thalia Medienservice,<br />

65205 Wies baden, Otto-von-Guericke-Ring<br />

10 · Buch handlung Dr. Kohl,<br />

67059 Ludwigs hafen, Ludwigstr. 44-<br />

46 · Modelleisen bahnen Alexander<br />

Schuhmann, 69214 Eppelheim, Schützenstr.<br />

22<br />

Postleitzahlgebiet 7<br />

Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />

70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />

· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />

70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />

96 · W. Kohlhammer Verlag, 70565<br />

Stuttgart, Heßbrühlstr. 69 · Buchhandlung<br />

Albert Müller, 70597 Stutt gart,<br />

Epplestr. 19C · Eisen bahn-Treffpunkt<br />

Schweickhardt, 71334 Waiblingen,<br />

Biegel wiesenstr. 31 · Osiandersche<br />

Buch handlung, 72072 Tübingen, Unter<br />

dem Holz 25 · Buch verkauf Alfred<br />

Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />

Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />

Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />

Junginger, 73312 Geis lingen, Karlstr.<br />

14 · Buchhandlung Robert Baier,<br />

74564 Crailsheim, Karlstr. 27 · Service<br />

rund ums Buch Uwe Mumm, 75180<br />

Pforzheim, Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />

Mössner, 79261 Gutach,<br />

Landstr. 16 A<br />

Postleitzahlgebiet 8<br />

Fachbuchhandlung Schweitzer Sortiment,<br />

80295 München, Postfach ·<br />

Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />

80634 München, Schulstr. 19 ·<br />

Buchhandlung & Antiquariat Heinrich<br />

Hugen dubel, 80636 München, Albrechtstr.<br />

14 · Buch handlung Am Gasteig,<br />

81669 München, Ro sen heimer<br />

Str. 12 · Adler Präzisonsmodelle,<br />

82054 Sauerlach, Hirschbergstr. 33 ·<br />

Augsburger Lok schuppen, 86199<br />

Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />

Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />

hausen, Ingolstädter Str. 54<br />

Postleitzahlgebiet 9<br />

Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />

Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />

Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />

Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />

Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />

Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />

Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />

Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />

94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />

Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />

Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />

Österreich<br />

Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />

Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />

1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />

Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />

Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />

BOGESTRA und MVG fahren im Stundentakt<br />

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Gelsenkirchen Hbf, zwischen Essen Hbf<br />

und Zeche Zollverein sogar alle 30 Minuten.<br />

Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />

Infos: www.vhag-bogestra.de<br />

20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage<br />

in der Sächsischen Schweiz, regulärer<br />

Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn<br />

sowie Tag der offenen Tür im Depot<br />

mit Besichtigung der Werkstatt.<br />

20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />

Dresden auf dem Gelände<br />

des Betriebshofes Trachenberge hat von<br />

10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung der<br />

Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />

und der historischen Wagen; Achtung: an<br />

beiden Tagen keine Führungen; Eintrittspreis:<br />

3 EUR pro Person.<br />

1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten<br />

auf Kirnitzschtalbahn mit historischen<br />

Fahrzeugen. Es gilt der normale Fahrpreis<br />

zzgl. eines Obolus von 1 € pro Fahrt, den<br />

Fahrplan gibt es unter www.ovps.den<br />

25. Mai, Augsburg: 18.30 Uhr Themenabend<br />

des Stadtarchivs, Vortrag von Tobias<br />

Brenner: Wie die Tram nach Augsburg<br />

kam, Ort: Depot Lechhausen<br />

Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />

17 · Buchhandlung Mora wa,<br />

1127 Wien, Postfach 99 · Buchhandlung<br />

Johannes Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />

Kramergasse 2-4<br />

Belgien<br />

Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />

1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />

Naeyer 423/1 · Ferivan Modelbouw,<br />

2170 Merksem (Antwer pen), Postbus<br />

55<br />

Schweiz<br />

Zeitschriftenagentur Huber & Lang,<br />

3000 Bern 9 Postfach<br />

Tschechien<br />

Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />

Klimentska 32<br />

Dänemark<br />

Peter Andersens Forlag, 2640 Hedehusene,<br />

Brandvaenget 60<br />

Spanien<br />

Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />

de Elche 5<br />

Großbritannien<br />

A B O U T, GU46 6LJ, Yateley, 4 Borderside<br />

Luxemburg<br />

G.A.R. Dokumentation, 8398 Roodt,<br />

Nouspelterstrooss 2<br />

Niederlande<br />

van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />

Den Haag, Westeinde 57 · Railpress<br />

Papendrecht, 2951 GN, Alblasserdam,<br />

Plantageweg 27-D · NVBS Winkel,<br />

3800 BJ, Amersfoort, Postbus 1384 ·<br />

Norsk Modelljernbane AS, 6815 ES,<br />

Arnheim, Kluizeweg 474<br />

www.strassenbahn-magazin.de<br />

Redaktionsanschrift:<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />

Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700<br />

redaktion@strassenbahn-magazin.de<br />

Verantw. Redakteur:<br />

André Marks, andre.marks@geramond.de<br />

Redaktion:<br />

Michael Krische (Redaktionsleitung),<br />

Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />

Redaktion Journal/aktuelle Meldungen:<br />

Philipp Krammer,<br />

philipp.krammer@geramond.de<br />

Redaktion Straßenbahn im Modell:<br />

Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />

jobandelow@geramond.de<br />

Redaktionsteam:<br />

Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />

Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />

Ronald Glembotzky, Dr. Martin Pabst,<br />

Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl<br />

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />

ABO –HOTLINE<br />

Leserservice, GeraMond-Programm<br />

Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)<br />

Fax 0180 – 532 16 20 (14 ct/min.)<br />

leserservice@strassenbahn-magazin.de<br />

Gesamtanzeigenleitung:<br />

Helmut Kramer<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.270<br />

helmut.kramer@verlagshaus.de<br />

Anz.-leitung <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Helmut Gassner<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.520<br />

helmut.gassner@verlagshaus.de<br />

Anzeigendispo <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130<br />

anzeigen@verlagshaus.de<br />

www.verlagshaus-media.de<br />

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />

Layout: Axel Ladleif<br />

Litho: Cromika, Verona<br />

Druck: Stürtz GmbH,<br />

Alfred-Nobel-Straße 33, 97080 Würzburg<br />

Verlag:<br />

GeraMond Verlag GmbH,<br />

Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />

Geschäftsführung:<br />

Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />

Herstellungsleitung:<br />

Sandra Kho<br />

Vertrieb Zeitschriften:<br />

Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />

MZV, Moderner Zeitschriftenvertrieb<br />

GmbH & Co. KG, Unterschleißheim<br />

Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

Preise: Einzelheft Euro 8,<strong>50</strong> (D), Euro 9,<strong>50</strong> (A),<br />

sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />

<strong>Jahre</strong>sabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />

im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />

Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />

land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />

handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />

sowie direkt beim Verlag.<br />

© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />

enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />

geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />

der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />

Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung<br />

übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />

Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />

verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />

11a, 80797 München.<br />

ISSN 0340-7071 • 10815<br />

Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

80


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Bitte informieren Sie mich künftig gern per E-Mail, Telefon oder Post über interessante<br />

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oder per Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.),<br />

per E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />

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** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie


<strong>Vorschau</strong><br />

Liebe Leser,<br />

Sie haben<br />

Freunde, die<br />

sich ebenso<br />

für die<br />

Straßenbahn<br />

mit all Ihren<br />

Facetten begeistern<br />

wie Sie? Dann empfehlen<br />

Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />

über jeden neuen Leser<br />

TOPTHEMA M/N-Wagen – die »Ersatzklassiker«<br />

Mit dem Ausscheiden der letzten Düwag-Einheitswagen aus dem Plandienst rückten die <strong>Stadtbahn</strong>wagen vom<br />

Typ M/N mehr und mehr in den Fokus der Straßenbahnfreunde. Für viele hat Düwags hochflurige Drehgestellkonstruktion<br />

der 1970er-<strong>Jahre</strong> längst „Klassiker-Status“ – auch, weil sich die Reihen dieser Fahrzeuge bei deutschen<br />

Betrieben merklich lichten. Im nächsten Heft erfahren Sie, wo die interessanten M- und N-Wagen bereits verschwunden<br />

sind, wo das Ende bevorsteht und auf welchen Linien sie heute und in Zukunft noch zu erleben sind.<br />

Das Chemnitzer Modell<br />

Bisher fuhren Chemnitzer Trams auf Eisenbahngleisen nur<br />

von Altchemnitz bis nach Stollberg. Demnächst sollen sie<br />

jedoch auch in Chemnitzer Hauptbahnhof fahren und innerhalb<br />

der Bahnhofshalle halten. Von dort wären weitere<br />

Strecken für die Straßenbahnwagen erreichbar. Der Beitrag<br />

stellt den aktuellen Baustand und alle Planungsdetails vor.<br />

Geschichte: Skandal von<br />

bundesweitem Ausmaß<br />

Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />

S. GLEISBERG<br />

Vor 40 <strong>Jahre</strong>n war geplant, die Straßenbahn in Mannheim<br />

und Ludwigshafen zugunsten einer Stadtschnellbahn<br />

komplett abzuschaffen. Das hätte eine langjährige und<br />

millionenschwere Um- bzw. Neubauphase bedeutet. Doch<br />

die Vernunft (und finanzielle Sachzwänge) siegten – das<br />

Szenario wurde in seiner ursprünglich angedachten Form<br />

sinnvoller Weise nicht umgesetzt.<br />

Aktuell: Fußballclub-Werbung<br />

auf Straßenbahnen<br />

Für manche Besucher einer Stadt ist es eine Provokation, für<br />

viele Einheimische Teil ihres Stolzes auf die geliebte Heim-<br />

Mannschaft: Trams mit Werbung für Fußballmannschaften.<br />

Der humorvolle Beitrag lädt ein zu einem fotografischen<br />

Streifzug durch die ganze Republik – von der 1. Bundesliga<br />

bis in die Niederungen der Viertklassigkeit …<br />

Österreich: Große Ziele,<br />

wenig Geld in Graz<br />

Die Stadtverwaltung Graz setzt auch in Zukunft auf die<br />

Tram. Aber die Finanzierung des geplanten Netzausbaus<br />

bereitet Probleme. Gleichzeitig muss die Beförderungs-<br />

Kapazität der Straßenbahn erhöht werden. Im Rahmen der<br />

Fuhrparkerneuerung sind dazu längere Fahrzeuge vorgesehen.<br />

So wird der Variabahn-Bestand bis zum Jahr 2015 auf<br />

45 Wagen steigen.<br />

M. KOCHEMS<br />

M. KOCHEMS<br />

André Marks,<br />

verantwortlicher Redakteur<br />

Ende gut …<br />

Land steht hinter<br />

»Karlsruher Modell«<br />

Die Landesregierung Baden-Württemberg<br />

stehe „voll und ganz“ hinter<br />

dem „Karlsruher Modell“, informierte<br />

die Staatssekretärin des<br />

Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur,<br />

Gisela Splett, kürzlich auf<br />

skeptische Äußerungen von Karlsruhes<br />

Oberbürgermeister Heinz Fenrich<br />

und VBK-Geschäftsführer Dr. Walter<br />

Casazza.<br />

„Dem Verkehrsministerium und der<br />

Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg<br />

sind die Besonderheiten des<br />

Karlsruher Systems durchaus vertraut“,<br />

so Splett. „Deshalb wird es<br />

auch nicht zu einer wettbewerblichen<br />

Vergabe der durch die Karlsruher Innenstadt<br />

führenden regionalen <strong>Stadtbahn</strong>linien<br />

kommen, sofern die Stadt<br />

dies nicht wünscht.“ Ein Brechen der<br />

Linien am Karlsruher Hauptbahnhof<br />

stehe nicht zur Diskussion.<br />

Auf Linien, die das Karlsruher Innenstadtnetz<br />

nicht berühren und die keine<br />

Zweisystemfahrzeuge erfordern,<br />

werde sich hingegen die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />

(AVG) mittelfristig<br />

dem Wettbewerb stellen müssen, wie<br />

es für die Deutsche Bahn AG üblich<br />

ist. Andere Lösungen seien, so die<br />

Staatssekretärin, vergaberechtlich<br />

nicht zulässig.<br />

Im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung<br />

der AVG stellten Ende 2012 Vertreter<br />

des Ministeriums dieses Konzept vor,<br />

wonach der Einsatz der Mehrsystem-<br />

<strong>Stadtbahn</strong>en auf den Eisenbahngleisen<br />

nicht in Frage gestellt sei.<br />

PM/AM<br />

DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 3/2013 erscheint am 22. Februar 2013<br />

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Das besondere Bild<br />

Das besondere Bild<br />

Die Brandenburger Verkehrsbetriebe erhielten zur Modernisierung ihres Wagenparks aus dem Waggonbau Gotha ab 1958 neue Fahrzeuge,<br />

deren Bestand bis zum Ende der DDR durch Zuführung von Gebrauchtfahrzeugen aus anderen Betrieben auf maximal 89 Wagen<br />

anwuchs. Bis 1998 kamen die Gothaer Zweiachser noch planmäßig zum Einsatz. Der 1964 gelieferte T2-62 Nr. 51 II zeigt sich hier als<br />

„OS“-Zug auf dem Bahnhofsvorplatz noch fast werksneu vor der Abfahrt nach Kirchmöser. Daneben wartet im Mittelgleis der Lindner-<br />

Bw 88 auf neue Einsätze, während ganz rechts ein komplett aus Lindner-Wagen gebildeter Zug der Linie 2 abfahrbereit steht. Die beiden<br />

abgebildeten Beiwagen schieden 1967 bzw. 1968 aus dem Bestand, die letzten Vorkriegswagen konnten sich in der Havelstadt hingegen<br />

noch bis <strong>Jahre</strong>sende 1977 in Betrieb halten. Letzter Vertreter der Lindnerwagen in Brandenburg ist heute der 1912 gebaute, betriebs fähige<br />

Museums-Tw 30.<br />

AUFNAHME: PETER MIERSCH/ SLG. M. SPERL<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />

83


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