STRASSENBAHN MAGAZIN Köln: 50 Jahre Stadtbahn (Vorschau)
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Österreich: € 9,<strong>50</strong><br />
2/2013 | Feb. € 8,<strong>50</strong><br />
Schweiz: sFr. 15,90<br />
NL: LUX: € € 9,90<br />
Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift<br />
9,90<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
Schmal aber fein: Trams auf<br />
den kleinsten Spurweiten<br />
Linienporträt U75: In Oldies<br />
von Düsseldorf nach Neuss<br />
Abschied in Magdeburg:<br />
Tatra-Tw haben ausgedient<br />
<strong>Köln</strong>: <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong><br />
<strong>Stadtbahn</strong><br />
Von den ersten U-Strab-Strecken<br />
zum neuen Nord-Süd-Tunnel
Faszination Nahverkehr<br />
GT8SU<br />
GT8S 3052<br />
Jetzt am Kiosk oder unter:<br />
www.strassenbahn-magazin.de
Einsteigen, bitte …<br />
Viele Ziele, viele Nummern?<br />
Stimmen Sie ab<br />
Zum Fahrplanwechsel im Dezember<br />
2012 wurde in München die neue<br />
Straßenbahnlinie 22 eingeführt (siehe<br />
auch Meldung Seite 12). Am<br />
Karlsplatz beginnen somit nun an ein und<br />
demselben Bahnsteig gleich drei verschiedene<br />
Tramlinien, die den Weg auf ein und<br />
derselben Strecke in Richtung Nordwesten<br />
nehmen. Einziger Unterschied: Während<br />
die als Linie 20 bezeichneten Bahnen die<br />
Gesamtstrecke bis zum Bahnhof Moosach<br />
befahren, enden die Bahnen der nur zeitweise<br />
eingesetzten Linien 21 (am Westfriedhof)<br />
und 22 (an der Hochschule) bereits<br />
an Zwischenwendeschleifen. Jedem<br />
Ziel seine Linie – dem einen Fahrgast mag<br />
es helfen, den anderen verwirrt es.<br />
In <strong>Köln</strong> findet man das andere Extrem:<br />
Dort wurde im Jahr 2007 „bereinigt“, die<br />
nur zeitweise fahrenden Verstärkungslinien<br />
wurden aus dem Liniennetz der <strong>Stadtbahn</strong><br />
rigoros verbannt und jeder Kurs<br />
Welche Liniennummern sollten „Kurzläufer“ haben, die nicht bis<br />
zur regulären Endstelle einer Stammlinie fahren?<br />
• Nach Möglichkeit sollten eigene Liniennummern vergeben werden,<br />
auch wenn diese Linien dann nur selten oder zeitweise fahren<br />
• Zu viele Liniennummern verwirren nur. Die Stammliniennummer und<br />
die Fahrtzielangabe der Endstation des Kurses reichen völlig aus<br />
• Die Fahrtzielangabe ist entscheidend, die Stammliniennummer sollte<br />
aber zusätzlich um ein „E“ ergänzt oder durchgestrichen sein<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
fährt seither konsequent unter der Stammliniennummer.<br />
Auf den Aushangfahrplänen<br />
geben Kreuze, Sternchen, Rauten,<br />
Kreise oder Halbkreise per Fußnoten die<br />
Endstationen der Fahrten an, die nicht den<br />
kompletten Linienweg bedienen – und das<br />
sind eine ganze Menge. „Spitzenreiter“ ist<br />
die Linie 18, die allein in Fahrtrichtung<br />
Süden fünf verschiedene planmäßige Ziele<br />
besitzt – und unter der Woche tagsüber<br />
keinen einzigen Kurs, der wirklich von<br />
Linienende zu Linienende fährt. Viele Ziele,<br />
eine Linie – dem einen Fahrgast mag es<br />
helfen, den anderen verwirrt es.<br />
Zahlreiche Betriebe ergänzen – mal<br />
mehr, mal weniger konsequent – bei<br />
„Kurzläufern“ die Linienummer um<br />
ein vor- oder nachgestelltes „Einsatzwagen-E“.<br />
Manchmal, so in Hannover oder<br />
Essen, wird in guter alter Straßenbahntradition<br />
auch noch auf die diagonal durchgestrichene<br />
Stammliniennummer zurückgegriffen.<br />
Die „halbe Linie“ signalisiert, dass<br />
zwar auf dem Weg dieser Linie, aber nicht<br />
bis zu deren regulären Endstation<br />
gefahren wird – dem einen<br />
Fahrgast mag es helfen, den<br />
anderen verwirrt es.<br />
Eigene Liniennummern<br />
oder ergänzte/durchgestrichene<br />
Stammliniennummern<br />
– was ist die sinnvollste<br />
Kennzeichnungs-Variante für<br />
„Kurzläufer“? Ich bin auf<br />
Ihre Meinung gespannt!<br />
Selber Bahnsteig,<br />
selbe Strecke, selbe<br />
Richtung – nur andere<br />
Endstationen. Wie<br />
die Linie 20 und die<br />
neue Linie 22 wendet<br />
auch die Linie 21 am<br />
Münchener Karlsplatz,<br />
hier mit einer P-Wagen-Garnitur.<br />
Oder<br />
handelt es sich<br />
bei der 20/21/22<br />
eigentlich nur<br />
um eine Linie?<br />
P. KRAMMER<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
3
Inhalt<br />
Inhalt<br />
TITEL<br />
Der <strong>Köln</strong>er Weg in den Untergrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />
Betriebe<br />
Stück für Stück unter die Erde . . . . . . . . . . . . . . 16<br />
TITEL<br />
<strong>Köln</strong>: <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau – 1963 begann in der Domstadt der<br />
Tunnelbau zur Tieferlegung von Straßenbahnstrecken. Inzwischen ist<br />
das System in ein Niederflur- und Hochflurnetz geteilt. Letzteres wartet<br />
dringend auf Entlastung durch die neue Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong>, die<br />
aber nur Stück für Stück eröffnet werden kann<br />
TITEL<br />
Generationswechsel an der Elbe . . . . . . . . . . . 28<br />
Abschied von den T/B6A2 in Magdeburg – Nach dem T4-Ende<br />
im Oktober 2012 endet auf den Tram-Gleisen der Landeshauptstadt<br />
von Sachsen-Anhalt in diesen Tagen auch der Planeinsatz der Tatra-<br />
T6. Die MVB planen für alle Tatras eine offizielle Verabschiedung<br />
In Klassikern nach Neuss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />
TITEL<br />
Düsseldorfs Linie U75 im Porträt – Mit einer echten U-Bahn hat<br />
sie nicht viel zu tun – meist verkehrt die U75 als klassische Straßenbahn.<br />
Dabei geht es durch den Neusser Hafen, über den Rhein und<br />
durch enge Häuserschluchten. Und sie bietet auch die letzten Düsseldorfer<br />
Klassiker: die GT8SU<br />
Wieder zum Wasserfall! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38<br />
Kirnitzschtalbahn wieder komplett in Betrieb – Seit dem<br />
14. Dezember 2012 verkehren die Züge der Kirnitzschtalbahn wieder<br />
bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Alle Hochwasserschäden vom Sommer<br />
2010 sind behoben. Bis zum 28. März 2013 gilt nun der reguläre<br />
Winterfahrplan<br />
RUBRIKEN<br />
»Einsteigen, bitte …« . . . . 3<br />
Bild des Monats. . . . . . . . . 6<br />
Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt. . . . . . . . . . . 47<br />
Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 62<br />
Forum, Bücher,<br />
Termine, Impressum. . . . . . 78<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild . . . . . . 83<br />
Mit Blick auf die große Bucht . . . . . . . . . . . . . . . 40<br />
Die neue Tram in Brest – Sie ist<br />
eine Revolution im ÖPNV und<br />
verändert das Bild der Stadt am<br />
Ende der Bretagne – die 2012 neu<br />
eröffnete Tramlinie 1. Der Beitrag<br />
schildert die Vorgeschichte, den Bau,<br />
die Einweihung und gibt einen Ausblick<br />
auf neue Pläne<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 2<br />
Alte Bekannte und ihre neue Heimat in Osteuropa 48<br />
Ein Dreiwagen-Zug aus Fuchs-Vierachsern passiert im März 1969<br />
auf der OEG-Strecke zwischen Heidelberg und Mannheim den<br />
Wasserturm und das Einfahrsignal in Edingen<br />
W. WALPER<br />
Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />
Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />
Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />
historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die<br />
Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />
und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />
Münchens Maximum-Triebwagen nach 1945 58<br />
Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />
erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und<br />
spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />
Fahrzeuge<br />
Verstreut in alle Richtungen. . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />
Deutsche Gebrauchtwagen in Europa – Nach 1990 gaben zahlreiche<br />
ostdeutsche Betriebe ihre Gothas und Tatras an Städte in Osteuropa<br />
ab. Teil 3 dieser „Exportwagen“-Geschichte beinhaltet aber auch<br />
die von Dessau, Nordhausen und Halle weiterververkauften „West-Tw“<br />
Schluss mit Olympia. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58<br />
Münchens Maximum- Dreh gestell-Tw nach 1945 – In diversen<br />
umgebauten und modernisierten Varianten prägten die Maximum-<br />
Wagen das Münchner Stadtbild auch nach dem Zweiten Weltkrieg.<br />
Erst 1972 war die Ära zu Ende<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
Gieramms Flensburger Papp-Tw . . . . . 74<br />
Aus Pappe gebaut und auf H0-Gleis fahrend erinnert Tw 36<br />
an die einst nördlichste Straßenbahn Deutschlands<br />
Bineks Umbauten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76<br />
Mit Säge und Klebetube bastelt sich ein Wiener Gymnasiallehrer<br />
Straßenbahnmodelle, die so nicht jeder hat<br />
Geschichte<br />
Ein Depot mit drei Endstellen . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />
Wechselhafte Geschichte in Kleinzschocher – Zum Wenden von<br />
Linienzügen war das Depot Kleinzschocher zu klein. Deshalb gab es in<br />
seiner Nachbarschaft verschiedene Endstellen. Die Betriebsabwicklung<br />
war interessant und abwechslungsreich<br />
Die schmalsten Elektrischen. . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />
Weniger als 800 mm Spurweite – Trams und straßenbahnähnliche<br />
Betriebe auf Gleisen unter einem Meter Spurweite waren weltweit<br />
eine Seltenheit. Die schmalsten von ihnen stellt dieser Beitrag vor<br />
Titelmotiv<br />
GT8 Nr. 3511 taucht im<br />
April 1985 über die gerade<br />
neu eröffnete Rampe<br />
Gutenbergstraße in den<br />
Untergrund ab.<br />
Vor <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong>n begann in<br />
<strong>Köln</strong> der Tunnelbau zur Tieferlegung<br />
von Straßenbahnstrecken<br />
in der Innenstadt<br />
MICHAEL BEITELSMANN<br />
TITEL<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
5
Bild des Monats<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Frankfurt (Main)<br />
Bild des Monats<br />
Seit in Frankfurt (Main) im<br />
Liniendienst nur noch türkis<br />
– offiziell „subara vista<br />
blue“ – lackierte oder mit<br />
Ganzwerbung versehene<br />
NGT zum Einsatz kommen,<br />
hat „Mainhattan“ für<br />
Tramfreunde an Attraktivität<br />
verloren. Im vergangenen<br />
Winter änderte sich das<br />
noch einmal: Wegen Wagenmangels<br />
wurden zwischen<br />
Dezember 2011 und März<br />
2012 Linienkurse mit restaurierten<br />
Düwag-Gelenkwagen<br />
aus dem Museumsbestand<br />
gefahren. So kam<br />
u.a. der 1963 gebaute Einrichtungs-Achtachser<br />
112<br />
(Typ N) noch einmal zu<br />
Plandienst-Ehren. Michael<br />
Beitelsmann nahm ihn<br />
an der Haltestelle Oberschweinstiege<br />
auf.<br />
Mehr zu den Einsätzen der<br />
Frankfurter Museumswagen<br />
sowie eine Vorausschau auf<br />
die entscheidenden Ereignisse<br />
und möglichen Überraschungen<br />
im neuen Straßenbahn-Jahr<br />
liefert Ihnen das<br />
aktuelle <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
JAHRBUCH 2013!<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie und aus aller Welt<br />
Cottbus: Wiederinbetriebnahme der Strecke durch die Bahnhofstraße<br />
Straßenbahnnetz wieder komplett<br />
Nach 21 Monaten Bauzeit fahren<br />
seit dem 4. Dezember 2012 wieder<br />
Straßenbahnen durch die ca. 800 m<br />
lange Bahnhofstraße. Gleichzeitig endete<br />
der Schienenersatzverkehr auf<br />
der Linie 1, womit das Cottbuser Straßenbahnnetz<br />
nun wieder vollständig<br />
in Betrieb ist. Während der baubedingten<br />
Vollsperrung der Bahnhofstraße<br />
mussten die Linien 2, 3 und 4 über die<br />
Stadtpromenade geleitet werden.<br />
Tw 141 erreicht im Einsatz auf der<br />
Wochenendlinie 5 auf der neu<br />
gestalteten Bahnhofstraße die<br />
Haltestelle August-Bebel-Straße<br />
Mit den ersten Entwürfen zur Umgestaltung<br />
der Bahnhofstraße wurde<br />
im Frühjahr 2009 zum Zeitpunkt der<br />
Stilllegungsdiskussion der Straßenbahn<br />
begonnen. Dementsprechend<br />
war ursprünglich kein Wiedereinbau<br />
von Gleisen vorgesehen. Das änderte<br />
sich erst mit dem Stadtverordnetenbeschluss<br />
vom 24. Juni 2009, der das<br />
Ende der Straßenbahndiskussion markierte.<br />
Ende 2009 konnten Cottbusver-<br />
KTNF6 146 erklimmt – hier noch auf „Schnee-”, bald aber auf Rasengleistrasse<br />
– die erneuerte Nordrampe der Bahnhofsbrücke M. KEUCHEL (3)<br />
kehr und die Stadtverwaltung die Planungen<br />
schließlich wieder aufnehmen.<br />
Mit dem 8,4 Mio. Euro teuren Umbau<br />
sollte die Bahnhofstraße von ihrem<br />
Charakter als Verkehrsschneise entbunden<br />
und vom Autoverkehr entlastet<br />
werden.<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
Berichterstattung über<br />
neue Trams in Frankreich<br />
Im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
1/2013 haben wir in der Rubrik<br />
„Einsteigen, bitte …“ den Umfang der<br />
Berichterstattung im Heft über neue<br />
Tram-Betriebe in Frankreich thematisiert.<br />
Sie als Leser waren eingeladen, dazu<br />
Ihre Wünsche anzugeben.<br />
Im Vergleich zur Abstimmung im Heft<br />
davor fiel das Ergebnis sehr knapp aus:<br />
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer –<br />
genauer gesagt 52,4 Prozent – sprachen<br />
sich dafür aus, über die neuen Betriebe<br />
auf mehreren Seiten illustriert mit tollen<br />
Aufnahmen ausführlich zu berichten.<br />
46,6 Prozent der Abstimmenden würde<br />
dagegen eine kurze Berichterstattung im<br />
Journal-Teil genügen. Eine klare Absage<br />
erhielten reine Fotoseiten ohne tiefgreifende<br />
Berichte und Erklärungen:<br />
Lediglich 0,9 Prozent der an der Online-<br />
Umfrage teilnehmenden Leser wären mit<br />
Kurzmeldungen im Journal sowie<br />
zusätzlichen Bildseiten zufrieden.<br />
Als Fazit strebt die Redaktion – neben<br />
der gewohnt aktuellen Berichterstattung<br />
im Journal (z.B. Le Havre, Seite 15) – in<br />
loser Folge einzelne gut recherchierte<br />
und attraktiv bebilderte längere Beiträge<br />
zu neuen Trambetrieben in Frankreich<br />
an. Den Beginn macht in diesem Heft<br />
Brest auf den Seiten 40-46. SM<br />
Orientierung am<br />
historischen Vorbild<br />
Die Reduzierung des Autoverkehrs ermöglichte<br />
eine ganz neue Querschnittsaufteilung,<br />
die sich mit zehn<br />
Metern Breite, großzügigen Seitenräumen<br />
und zwei Baumreihen wieder am<br />
histo rischen Vorbild orientiert und die<br />
angrenzenden Gebiete deutlich aufwertet.<br />
Anlieger konnten städtische<br />
Grundstücksstreifen erwerben und<br />
wieder Vorgärten anlegen.<br />
Auf der nur noch dreistreifigen Fahrbahn<br />
liegen die Gleise jetzt straßenbündig<br />
auf den äußeren Fahrstreifen. In der<br />
Mitte sind alternierende Linksabbiegestreifen<br />
für richtungskonformes Abbiegen<br />
oder Mittelinseln angeordnet. Die<br />
Höchstgeschwindigkeit ist auf 30 km/h<br />
begrenzt. An den Haltestellen August-<br />
Bebel-Straße und Stadtmuseum (früher:<br />
Wilhelm-Külz-Straße) wurden 38 m lange,<br />
barrierefreie Bahnsteige mit Wartehallen<br />
und dynamischer Fahrgastinformation<br />
eingerichtet.<br />
Rasengleis<br />
am „Bahnhofsberg“<br />
Nachdem Cottbusverkehr im Sommer<br />
2012 vom Infrastrukturministerium einen<br />
Zuwendungsbescheid über 75 %<br />
der 0,6 Mio. Euro Baukosten erhielt,<br />
8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Deutschland<br />
In der Wendeschleife Lutherstraße stehen die KTNF6 135 (der erste „Langläufer“)<br />
und 133 am 4. Dezember um 16.30 Uhr zur Eröffnungsfahrt bereit<br />
konnte während der Sperrpause der<br />
Bahnhofstraße auch die unmittelbar<br />
angrenzende 200 m lange und <strong>50</strong> ‰<br />
steile Nordrampe des Brückenbauwerks<br />
über die Bahngleise – auch<br />
„Bahnhofsberg“ genannt – neu gestaltet<br />
werden. Rasengleise ersetzen<br />
seither die alten Großflächenplatten.<br />
Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />
änderte sich auch das Liniennetz:<br />
Neben der Wiederinbetriebnahme<br />
der Linie 1 (Jessener Straße –<br />
Stadtpromenade – Schmellwitz Anger),<br />
wird auch die Blockumfahrung<br />
Lutherstraße nahe des Hauptbahnhofs,<br />
wo neuerdings im Abendverkehr<br />
die Bahnen der Linie 2 (Sandow –<br />
Bahnhofstraße – Sachsendorf) wenden,<br />
wieder planmäßig fahren. Die Bedienung<br />
der weiterführenden Strecke<br />
nach Sachsendorf verbleibt dann der<br />
Linie 4 (Neu Schmellwitz – Stadtpromenade<br />
– Sachsendorf), die wie gewohnt<br />
auch tagsüber fährt.<br />
Linie 2 bzw. Linie 5 durch<br />
die Bahnhofstraße<br />
Am Wochenende ersetzt die Linie 5<br />
(Sandow – Bahnhofstraße – Jessener<br />
Straße) wie bisher die Linien 1 und 2.<br />
Mangels direkter Gleisverbindung am<br />
Hauptbahnhof von der Bahnhofstraße<br />
nach Westen in Richtung Jessener<br />
Straße, muss die Linie 5 ebenfalls die<br />
Blockumfahrt Lutherstraße benutzen.<br />
Darüber hinaus fährt nach wie vor die<br />
altbekannte Linie 3 auf der Relation<br />
Ströbitz – Stadtpromenade – Madlow.<br />
Die Bedienung der Bahnhofstraße teilen<br />
sich damit die Linien 2 (unter der<br />
Woche) und 5 (am Wochenende).<br />
2013 stehen weitere Baumaßnahmen<br />
an: Die neue Umsteigeanlage am<br />
Gelsenkirchener Platz wird vollendet;<br />
an der Haltestelle Görlitzer Straße wird<br />
ein behindertengerechter Bahnsteig<br />
errichtet; die Gleisanlage an der Stadtpromenade<br />
wird modernisiert und<br />
zwei Gleichrichterunterwerke werden<br />
erneuert. Der zweite Bauabschnitt der<br />
Umsteigeanlage Madlow kann erst<br />
nach Abschluss des (bereits seit 2010)<br />
laufenden Planfeststellungsverfahrens<br />
gebaut werden.<br />
M. KEUCHEL<br />
Stuttgart<br />
Weihnachtsmarkt-<br />
Shuttle zum Wasen<br />
An den letzten beiden Adventssamstagen<br />
bot die Stuttgarter Straßenbahnen<br />
AG (SSB) erstmals einen so<br />
genannten „Weihnachtsmarkt-Shuttle“<br />
vom Cannstatter Wasen in die Innenstadt<br />
per <strong>Stadtbahn</strong> an. Der Festplatz<br />
Cannstatter Wasen wurde an den<br />
beiden Tagen zum P&R-Platz umfunktioniert.<br />
Der Parkschein galt als Ticket<br />
im Weihnachtsmarkt-Shuttle, der an<br />
beiden Tagen von 11 bis 20 Uhr im 15-<br />
Minutentakt fuhr. Im Gegensatz zur Linie<br />
U11 befuhr der Weihnachtsmarkt-<br />
Shuttle die Innenstadtschleife allerdings<br />
im Uhrzeigersinn, also in<br />
Richtung Charlottenplatz, Rotebühlplatz,<br />
Hauptbahnhof.<br />
PKR<br />
Plauen<br />
Streckennetz komplett,<br />
Liniennetz neu<br />
Nach dem Abschluss der Bauarbeiten<br />
auf der Strecke zur Plamag kehrte<br />
nach neun Monaten der Straßenbahnverkehr<br />
auf das komplette Streckennetz<br />
zurück. Bis zum 25. November<br />
fuhr die Baustellenlinie E7 zwischen<br />
der Südvorstadt und der provisorischen<br />
Endhaltestelle Morgenbergstraße<br />
mit KT4D-Heck-an-Heck-Traktionen.<br />
Die abschließenden Bauarbeiten<br />
dauerten bis zum 3. Dezember.<br />
Zum 4. Dezember ist ein neues Liniennetz<br />
in Kraft getreten. Die Linien auf<br />
den Streckenästen zum Oberen Bahnhof<br />
und zur Plamag wurden getauscht.<br />
Die Linien 1 und 6 verkehren damit<br />
zum Oberen Bahnhof und die Linie 5<br />
zur Plamag. Zudem wurde der gewohnte<br />
werktägliche Zehn-Minutentakt<br />
auf einen Zwölf-Minutentakt gedehnt.<br />
Wie sich in den ersten Betriebswochen<br />
zeigte, ist mit dem neuen<br />
Fahrplan aber auch der planmäßige<br />
Einsatz von KT4D-Doppeltraktionen<br />
zurückgekehrt.<br />
Montags bis freitags werden zwischen<br />
6:30 bis 7:30 Uhr zusätzliche<br />
Kurse zwischen Preißelpöhl und Neundorf,<br />
wo besonders viele Schüler unterwegs<br />
sind, eingesetzt. Um bei Bedarf<br />
die Einsatzzeiten kurzfristig anpassen<br />
zu können, wurden diese<br />
Fahrten aber nicht in den Fahrplänen<br />
gekennzeichnet. Am Wochenende<br />
blieb zwar der samstägliche 15-Minutentakt<br />
erhalten, sonntags fahren die<br />
Straßenbahnen jetzt aber nur noch<br />
alle 30 statt alle 20 Minuten. DAM<br />
Erfurt<br />
60-Meter-Züge an den<br />
Adventssamstagen<br />
An den vier Adventssamstagen<br />
2012 wurden aufgrund des hohen<br />
Fahrgastaufkommens 60-Meter-Combino-Züge,<br />
zumeist gebildet aus einem<br />
Combino Advanced und einem Combi-<br />
Plauen: Im neuen Liniennetz fährt nun die Linie 5 anstatt der beiden Linien<br />
1 und 6 zur Plamag. Tw 225 erklimmt bei winterlichen Bedingungen das<br />
neun Monate lang gesperrte Streckenstück zur Endstelle D. MÖSCHKE<br />
Bremen<br />
Mit einer internen Feier begingen<br />
die Bremer Straßenbahn<br />
AG (BSAG), Bombardier und Kiepe<br />
am Nikolaus-Tag die Ablieferung<br />
der letzten Einheit des Straßenbahn-Typs<br />
GT8N1 mit der<br />
Nummer 3143. Damit stehen<br />
nun alle Fahrzeuge im Einsatz.<br />
Unter der Bezeichnung „NOSE”<br />
– eine Abkürzung für „Nachfrageorientierter<br />
Straßenbahneinsatz”<br />
– hat der Vorstand der<br />
BSAG darüber hinaus eine interne<br />
Arbeitsgruppe gebildet, welche<br />
den ab 2016 vorgesehenen<br />
Ersatz der ersten Generation<br />
Niederflur-Tw vom Typ GT8N vorbereiten<br />
soll.<br />
AMF<br />
Oberhausen<br />
Die Realisierung einer neuen<br />
Straßenbahnstrecke von der<br />
Neuen Mitte bis zur derzeitigen<br />
Endstation Essen Unterstraße<br />
wird weiter vorangetrieben. Am<br />
17. Dezember beschloss der Rat<br />
der Stadt, die „Standardisierte<br />
Bewertung“ zu aktualisieren<br />
und das Planfeststellungsverfahren<br />
neu aufzurollen. Das Projekt<br />
wurde bereits 2005 zur Baureife<br />
gebracht, sodass auf den alten<br />
Unterlagen aufgebaut werden<br />
kann. Im Sommer 2012 hatte<br />
Nordrhein-Westfalen die 77 Mio.<br />
Euro teure und 3,3 km lange<br />
Strecke beim Bund zur Förderung<br />
angemeldet.<br />
PKR<br />
Mannheim<br />
Am 6. Dezember wurde die<br />
130 Meter lange und 2,7 Mio.<br />
Euro teure Wendeschleife Wallstadt<br />
Ost samt Betriebsgebäude<br />
eingeweiht. Durch die Schleife,<br />
die von Wallstadt aus gesehen<br />
jenseits der Autobahn liegt, kann<br />
die Linie 4 seit dem 10. Dezember<br />
im Berufsverkehr alle zehn<br />
Minuten bis Wallstadt fahren.<br />
Auch wurde die weiterführende<br />
Überlandstrecke nach Heddesheim<br />
abschnittsweise zweigleisig<br />
ausgebaut, was zunächst der<br />
Fahrplanstabilität der langen Linie<br />
4 (Bad Dürkheim – Ludwigshafen<br />
– Mannheim – Heddesheim)<br />
dienen soll.<br />
PKR<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
9
Aktuell<br />
Während die Tramstrecke vom Naturkundemuseum<br />
zur Schleife Schwartzkopffstraße vor der Stilllegung<br />
steht, entsteht eine neue Trasse zum Hbf R. SCHWANDL<br />
Berliner Straßenbahn<br />
Eine Strecke weniger, ein Typ mehr<br />
Erfurt: An den vier<br />
Adventssamstagen wurden<br />
Doppeltraktionen aus<br />
jeweils zwei fünfteiligen<br />
Combinos eingesetzt!<br />
R. GLEMBOTZKY<br />
10<br />
Die Strecke vom U-Bahnhof Naturkundemuseum<br />
zur Schleife Schwartzkopffstraße<br />
entlang der Chausseestraße<br />
wird im Januar oder im Februar –<br />
je nach Beginn der Bauarbeiten an<br />
der Kreuzung Invalidenstraße Ecke<br />
Chausseestraße – außer Betrieb genommen<br />
und endgültig stillgelegt.<br />
Hintergrund ist die Tramverlängerung<br />
zum Hauptbahnhof, wohin künftig die<br />
derzeit zur Schwartzkopffstraße fahrende<br />
Linie umgelenkt werden wird. Für<br />
etwa eineinhalb <strong>Jahre</strong> wird auch der<br />
Streckenabschnitt zwischen den U-<br />
Bahnhöfen Naturkundemuseum und<br />
Oranienburger Tor baustellenbedingt<br />
außer Betrieb genommen. Die Tram in<br />
der Chausseestraße, die bereits 1874 als<br />
Pferdebahn vom Oranienburger Tor zum<br />
Weddingplatz eröffnet wurde, gehört zu<br />
den ältesten Strecken des Berliner Straßenbahnnetzes.<br />
no Basic, eingesetzt. Diese Zugbildung<br />
erfolgt in Erfurt sonst nur zu Einsätzen<br />
bei Großveranstaltungen; im Regelbetrieb<br />
werden sonst „nur“ ca. <strong>50</strong> m lange<br />
Combino-Traktionen aus Fünteilern<br />
und Dreiteilern („Bambinos”) gebildet.<br />
Im Jahr 2011 wurden erstmals<br />
60 m lange Combino-Doppeltraktionen<br />
für den Weihnachtsmarkt- und<br />
Einkaufsverkehr an den Adventssamstagen<br />
eingesetzt. Zusätzlich verkehrte<br />
an den Adventswochenenden die Sonderlinie<br />
7 von der Thüringenhalle über<br />
Domplatz zur Messe/ega.<br />
Bereits am 1. Dezember hat die Erfurter<br />
Verkehrsbetriebe AG (EVAG) ihren Fahrplanwechsel<br />
vollzogen. Die Straßenbahnen<br />
fahren seitdem sonntags bis<br />
donnerstags ab ca. 22:30 Uhr nur noch<br />
alle 30 statt alle 20 Minuten. Die Linie 5<br />
Seit Anfang Dezember sind die ersten Zweirichtungs-<br />
Flexitys (F6Z) auf der Linie M2 unterwegs, hier an der<br />
Haltestelle Mollstraße/Prenzlauer Allee B. KUSSMAGK<br />
Im Dezember begann dagegen<br />
der Einsatz der ersten fünfteiligen<br />
Zweirichtungs-Flexitys im Zweirichtungsbetrieb.<br />
Diese Wagen fuhren<br />
zuvor schon auf der Linie M5, wurden<br />
aber wegen technischer Schwierigkeiten<br />
bislang nur als Einrichtungs-Wagen<br />
eingesetzt. Der Zweirichtungsbetrieb<br />
dieses Typs begann<br />
auf der Linie M2, die am Alexanderplatz<br />
stumpf wendet.<br />
BEKUS<br />
endet bis auf Weiteres am Hauptbahnhof<br />
statt am Brühler Garten. ROG<br />
Nürnberg U-Bahn<br />
U1 wird nicht<br />
vollautomatisch<br />
In Nürnberg wird es langfristig sowohl<br />
vollautomatischen als auch konventionellen<br />
U-Bahn-Betrieb geben.<br />
Während die U-Bahnlinie U3 seit ihrer<br />
Einführung im Jahr 2008 fahrerlos unterwegs<br />
ist und die U2 im Jahr 2009<br />
auf vollautomatischen Betrieb adaptiert<br />
wurde, war die Zukunft der ältesten<br />
und verkehrsstärksten U-Bahnlinie<br />
U1 noch offen. Da für die U1, deren erster<br />
Abschnitt 1972 in Betrieb ging, in<br />
den nächsten <strong>Jahre</strong>n in Neufahrzeuge<br />
und die Ertüchtigung des Zugsicherungssystems<br />
investiert werden soll,<br />
musste eine Systementscheidung getroffen<br />
werden. Wie ein Gutachten ergab,<br />
ist für die U1 die Beibehaltung des<br />
konventionellen Betriebs die günstigere<br />
Alternative. Eine Automatisierung<br />
der U1 hat sogar einen Kosten-Nutzen-<br />
Faktor, der kleiner als 1 ist, ergeben<br />
und wäre demnach volkswirtschaftlich<br />
nicht sinnvoll. Damit werden in Nürnberg<br />
in den nächsten <strong>Jahre</strong>n wieder<br />
konventionelle U-Bahnen beschafft.<br />
Zuletzt nahm die Nürnberger Verkehrs-<br />
Aktiengesellschaft (VAG) 2011 13 sowohl<br />
vollautomatisch als auch konventionell<br />
steuerbare U-Bahnen vom Typ<br />
DT 3-F in Betrieb. Diese sind zwar flexibel<br />
auf allen drei Linien einsetzbar, dafür<br />
aber verhältnismäßig teuer. PKR<br />
Leipzig<br />
Zehn-Minutentakt an<br />
Samstagen<br />
Zum diesjährigen Fahrplanwechsel<br />
wurde bei den Straßenbahnlinien 3, 4<br />
und 12 der Samstags-Takt zwischen 10<br />
und 18 Uhr im Rahmen eines Pilotversuchs<br />
von einem 15- auf einen Zehn-<br />
Minuten-Takt verdichtet. Damit die<br />
Fahrgäste bereits an den vier Adventssamstagen<br />
vom verbesserten Takt profitieren<br />
konnten, wurde der Fahrplan-<br />
Die Nürnberg-<br />
Fürther U-Bahnlinie<br />
U1, hier an<br />
der Hochbahnstation<br />
Muggenhof,<br />
wird nicht<br />
automatisiert,<br />
sondern auch<br />
künftig konventionell<br />
betrieben<br />
werden<br />
P. KRAMMER<br />
Leipzig: Wegen<br />
des gewachsenen<br />
Einkaufsverkehrs<br />
fahren<br />
die Linien 3, 4<br />
und 12 seit Ende<br />
November<br />
samstags alle<br />
zehn statt zuvor<br />
alle 15 Minuten<br />
J. KARKUSCHKE
Deutschland<br />
wechsel schon am 25. November vollzogen.<br />
Im restlichen Straßenbahnnetz<br />
sowie auf den wichtigsten Buslinien<br />
bleibt der 15-Minuten-Takt vorerst erhalten.<br />
Nach Auswertung des für ein<br />
Jahr laufenden Versuches werden die<br />
Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) entscheiden,<br />
ob das neue Angebot beibehalten<br />
oder sogar auf weitere Linien<br />
ausgedehnt wird. Hintergrund für die<br />
Taktausweitung ist, dass die Fahrgastzahlen<br />
in den vergangenen <strong>Jahre</strong>n an<br />
Samstagen überproportional gestiegen<br />
sind.<br />
JEK<br />
Düsseldorf<br />
Spaziergänge im neuen<br />
Wehrhahn-Tunnel<br />
Am 8. und 9. Dezember konnte sich<br />
die Düsseldorfer Bevölkerung ein Bild<br />
vom Südabschnitt der Wehrhahn-Linie<br />
machen. Auf einer 1,1 km langen Strecke<br />
konnte vom künftigen U-Bahnhof<br />
Graf-Adolf-Platz bis zur Tunnelrampe<br />
am S-Bahnhof Bilk spaziert werden.<br />
Dieser per Schildvortrieb aufgefahrene<br />
Abschnitt ist mittlerweile im Rohbau<br />
fertig, sodass vor Beginn der Gleisverlegungsarbeiten<br />
ein Besichtigungstermin<br />
eingeschoben werden konnte.<br />
Nach offiziellen Angaben nutzten insgesamt<br />
7.000 Düsseldorfer Bürger das<br />
Angebot. Als Wehrhahn-Linie entsteht<br />
derzeit als Ersatz für die darüber liegende<br />
Straßenbahnstrecke ein 3,4 km<br />
langer Tunnel zwischen den S-Bahnhöfen<br />
Wehrhahn und Bilk.<br />
PKR<br />
Magdeburg<br />
Neubaustrecke nach<br />
Reform eröffnet<br />
Nach fast 15 Monaten Bauzeit wurde<br />
am 15. Dezember die 3,6 km lange<br />
Straßenbahnstrecke nach Reform eröffnet.<br />
Die neue Strecke erschließt mit<br />
acht neuen barrierefreien Haltestellen<br />
die Wohngebiete rund um die Bereiche<br />
Neue Strecke in Magdeburg eröffnet: Tw 1360 im Einsatz auf der Linie 9 Richtung Reform<br />
Hopfengarten, Reform und den Bördepark.<br />
Die bisherige Fahrzeit vom Bördepark<br />
in das Stadtzentrum verkürzt<br />
sich um 14 Minuten, da das Umsteigen<br />
vom Bus weitgehend entfällt. Einige<br />
Restarbeiten sind noch zu erledigen.<br />
Auch die bisherige Endstelle Leipziger<br />
Chaussee (Rebenweg) soll 2013 umgestaltet<br />
und um das Ausweichgleis<br />
reduziert werden. Die neue Strecke<br />
wird von der Linie 9 (Reform – Neustädter<br />
See) und im Berufsverkehr zusätzlich<br />
von der Linie 3 (Olvenstedt –<br />
Reform) befahren. Zu den meisten Zeiten<br />
gibt es einen Zehn-Minutentakt. In<br />
Randzeiten übernimmt die Linie 93<br />
(Olvenstedt – Reform) die Bedienung<br />
der Strecke. Um Parallelverkehr zu vermeiden,<br />
wurde auch das Busnetz im<br />
Süden Magdeburgs angepasst<br />
Der erste Linienzug wurde mit einem<br />
Feuerwerk an der neuen Endschleife<br />
begrüßt. Auch der historische<br />
Triebwagen 138 kam mit der Musiklore<br />
762 zum Einsatz. Am Bördepark, einem<br />
großen Einkaufszentrum am südlichen<br />
Stadtrand, gab es ein Bürgerfest.<br />
Am Eröffnungstag sollten die Bahnen<br />
alle 7,5 Minuten zum Nulltarif fahren,<br />
wobei der Takt durch den großen Andrang<br />
schnell zur Makulatur wurde. Die<br />
Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB)<br />
setzten deshalb am Nachmittag auf<br />
den Linien 3 und 9 zusätzliche Züge<br />
zwischen Reform und Hbf ein. Am Tag<br />
nach der Eröffnung fuhren außerdem<br />
zwei historische Züge als Linie 9E von<br />
Reform zum Bahnhof Neustadt. DP<br />
Rostock<br />
S-Bahn zum Seehafen<br />
eingestellt<br />
Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />
wurde die S-Bahn zum Rostocker<br />
Seehafen, auf der zuletzt Dieseltriebzüge<br />
im Stundentakt zwischen<br />
Rostock Hbf und Seehafen Nord pendelten,<br />
eingestellt. Die Strecke hatte<br />
nicht nur am Hauptbahnhof, sondern<br />
auch am Haltepunkt Dierkow, wo die<br />
Linien 3 und 4 wenden, eine Verknüpfung<br />
mit der Straßenbahn. Obwohl der<br />
namensgebende Haltepunkt jetzt aufgelassen<br />
wurde, wird die dortige Endstelle<br />
weiterhin HP Dierkow heißen.<br />
Noch zu Beginn des Jahrtausends<br />
war eine Verknüpfung der Seehafen-S-<br />
Bahn mit der Rostocker Straßenbahn<br />
geplant. Die Straßenbahn zur Kurt-<br />
Schumacher-Straße sollte weiter auf die<br />
Gleise zum Seehafen geführt werden.<br />
Am Seehafen hätte die Bahn von der etwas<br />
im Abseits gelegenen Endstelle<br />
D. PAUKE<br />
Seehafen Nord zum Fähranleger weitergeführt<br />
werden sollen. Die Stadt<br />
Rostock setzt sich nach wie vor für eine<br />
Wiederinbetriebnahme der S-Bahn zum<br />
Seehafen sowie weiterhin für deren Verlängerung<br />
zum Fähranleger ein. Beim<br />
zuständigen Landesministerium zog<br />
man aber aufgrund mäßiger Fahrgastzahlen<br />
und hohen Einsparungsdrucks<br />
die Abbestellung des Verkehrs vor. Dabei<br />
war noch 2010, als die DB die Ausschreibung<br />
der Rostocker S-Bahn gewann,<br />
eine Aufwertung der S-Bahn zum<br />
Seehafen geplant: Elektrotriebzüge, die<br />
über den Hauptbahnhof hinaus bis Warnemünde<br />
fahren, sollten eigentlich ab<br />
Dezember 2012 eingesetzt werden. PKR<br />
Mainz<br />
Linien <strong>50</strong> und 51 fahren<br />
öfter<br />
Seit dem 9. Dezember besteht zwischen<br />
den Haltestellen Gemarkungsgrenze<br />
in Finthen und Hechtsheim Bürgerhaus,<br />
also auf der langen gemeinsamen<br />
Stammstrecke der Mainzer<br />
Hauptlinien <strong>50</strong> und 51, montags bis<br />
freitags ganztägig ein 7,5-Minutentakt.<br />
Zuvor fuhren die Bahnen an<br />
Schultagen vormittags nach dem Auslaufen<br />
des Berufsverkehrs und an<br />
Düsseldorf: Am 8. und 9. Dezember wurde der „Wehrhahn-Tunnel“, hier<br />
zwischen Bilk und Kirchplatz, zum Spazierweg<br />
R. SCHWANDL<br />
Rostock: Obwohl der namensgebende Haltepunkt aufgelassen wurde,<br />
heißt die Endstelle der Linien 3 und 4 weiterhin HP Dierkow P. KRAMMER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
11
Aktuell<br />
Mainz: Die Linien <strong>50</strong> und 51 kommen werktags öfter. Variobahnen sollen<br />
vor allem auf Kursen mit Busanschluss nach Nieder-Olm fahren P. KRAMMER<br />
schulfreien Tagen ganztags alle 10 Minuten.<br />
Der neue 7,5-Minutentakt gilt<br />
nun unabhängig von den Schulzeiten.<br />
Auf den jeweils letzten zwei Stationen<br />
in Finthen zu den Endstellen Römerquelle<br />
und Poststraße fahren die Straßenbahnen<br />
damit alle 15 Minuten. Die<br />
fassungsstarken Variobahnen – die<br />
neunte und letzte traf im Dezember in<br />
Mainz ein – werden zudem vorrangig<br />
Solaris: Die Salzburger<br />
Lokalbahn<br />
orderte weitere<br />
26 Solaris/Cegelec-<br />
Gelenk-Obusse im<br />
„MetroStyle“<br />
R. SCHREMPF<br />
auf den Kursen, die an der Haltestelle<br />
Mühldreieck Anschluss an die Buslinie<br />
66 Richtung Nieder-Olm haben, eingesetzt.<br />
PKR<br />
Industrie<br />
Solaris<br />
26 „MetroStyle“ für<br />
Salzburg<br />
Die Salzburg Lokalbahn (SLB) erneuert<br />
und erweitert in den kommenden<br />
<strong>Jahre</strong>n ihre Obusflotte und orderte bei<br />
Solaris 26 neue Gelenkobusse. Die elektrische<br />
Ausrüstung liefert Cegelec. In<br />
Salzburg fahren bereits 25 Solaris Trollino<br />
18, die ab 2009 geliefert wurden.<br />
Während die ersten 15 Fahrzeuge noch<br />
die klassische Gestaltung aufweisen,<br />
sind die zehn zuletzt in Dienst gestellten<br />
Obusse im attraktiven Tram-Look<br />
„MetroStyle“ ausgeführt, den auch alle<br />
neuen Obusse aufweisen werden. Die<br />
Auslieferung der neuen Niederflur-<br />
Obusse erfolgt bis 2017. Es besteht<br />
eine Option über 14 weitere Fahrzeuge.<br />
Zudem wurden vier gebrauchte Solaris/Cegelec-Gelenkobusse<br />
(ex La-Chaux<br />
-de-Fonds Nr. 141 – 144, Baujahr 2005)<br />
erworben, die bei Ekova in Ostrava revidiert<br />
werden.<br />
Zuletzt testeten die SLB während<br />
der Salzburger Verkehrstage Anfang<br />
Oktober 2012 den fabrikneuen Zürcher<br />
Doppelgelenk-Obus 78 auf der<br />
stark frequentierten Linie 3. Danach<br />
kam der von Hess und Kiepe gefertigte<br />
25 m lange Obus in Linz zum<br />
Testeinsatz.<br />
ROS<br />
München<br />
Zwei neue<br />
Tramlinien<br />
Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember<br />
wurde das Münchner Tramangebot<br />
u.a durch die Einführung zweier<br />
zusätzlicher Linien optimiert (siehe<br />
SM 12/2012). Die neue Linie 22 sorgt<br />
für eine Verdichtung des Straßenbahnverkehrs<br />
im stark nachgefragten Abschnitt<br />
zwischen Hauptbahnhof und<br />
dem Hochschulgelände an der Lothstraße.<br />
Hier waren die Bahnen der Linien<br />
20 und 21 in den Spitzenzeiten<br />
oft hoffnungslos überfüllt und der<br />
Fahrplan geriet regelmäßig völlig aus<br />
dem Takt. Die Linie 22 bedient lediglich<br />
den kurzen Abschnitt zwischen<br />
Karlsplatz (Stachus) und der ehemaligen<br />
Haltestelle Lothstraße, die seit<br />
9. Dezember den Namen Hochschule<br />
München trägt. Dort wenden und halten<br />
die Bahnen der Linie 22 in einer<br />
neu errichteten Schleife, die erst wenige<br />
Tage vor der Eröffnung fertig gestellt<br />
wurde. Sie durchfahren dabei<br />
auch einen neuen Gebäudekomplex<br />
der Hochschule. Die Linie 22 ist nur an<br />
Vorlesungstagen bis ca. 18:30 Uhr im<br />
Einsatz. In den öffentlichen Fahrplänen<br />
sind dabei zunächst nur Fahrten<br />
Die Linie 12 und die neue Linie 28 am Scheidplatz (oben). Für die neu eingeführte<br />
Linie 22 wurde am Hochschulgelände an der Lothstraße eine<br />
neue Wendeschleife mit Hausdurchfahrt errichtet (unten) M. KRISCHE (2)<br />
montags bis donnerstags im Zehn-Minuten-Takt<br />
eingetragen. In der Regel<br />
wird aber bereits jetzt im Fünf-Minutentakt<br />
und auch an Freitagen gefahren.<br />
Zwischen Karlsplatz und Hochschule<br />
kommt aufgrund der Überlagerung mit<br />
den Linien 20 und 21 dann alle zweieinhalb<br />
Minuten eine Tram. Der Fünf-Minu-<br />
tentakt der Linie 22 soll aber erst dann<br />
verbindlich im Fahrplan auftauchen,<br />
wenn die dafür nötige Fahrzeugverfügbarkeit<br />
garantiert werden kann;<br />
noch sind die Variobahnen (Typ S 1.4/<br />
1.5) hier ein Unsicherheitsfaktor.<br />
Die zweite neu eingeführte Linie ist<br />
die 28. Sie ergänzt die Linie 27 im Abschnitt<br />
Sendlinger Tor – Kurfürstenplatz,<br />
fährt aber nicht wie die Linie 27<br />
zum Petuelring, sondern wie die Tangentiallinie<br />
12 weiter durch die Belgradstraße<br />
zum Scheidplatz. Damit<br />
besitzt der einstige Tram- und jetzige<br />
U-Bahnknoten im Norden Schwabings<br />
nach über drei Jahrzehnten wieder<br />
eine direkte regelmäßige Straßenbahnverbindung<br />
zur Innenstadt. Die<br />
Linie 28 ist montags bis freitags zwischen<br />
9 und 19 Uhr im Zehn-Minuten-Takt<br />
im Einsatz. Durch die Überlagerungen<br />
mit den Linien 27 bzw. 12<br />
wird auf ihrem gesamten Linienweg<br />
ein Fünf-Minutentakt geboten.<br />
In den Spitzenzeiten sind im<br />
Münchner Netz nun 90 Straßenbahnen<br />
im Liniendienst unterwegs. Wenn<br />
nicht genug einsatzfähige Fahrzeuge<br />
zur Verfügung stehen, was in den<br />
ersten beiden Wochen nach dem Fahrplan<br />
wechsel einmal passierte, entfallen<br />
nicht in den öffentlichen Fahrplantabellen<br />
auftauchende Verstärkungskurse<br />
der Linien 15 oder 22. MIK<br />
12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Industrie · Weltweit<br />
Stadler: Der erste DT 8.12, Wagen 3<strong>50</strong>1, absolvierte am 12. Dezember seine<br />
Premierenfahrt im Stuttgarter Netz H.-J. KNUPFER, R. SCHREMPF (BILD RECHTS)<br />
Innsbruck: Mit der Strecke zur Höttinger Au fährt erstmals seit 1974, als<br />
die Haller Linie eingestellt wurde, wieder eine Straßenbahn über den Inn<br />
Stadler<br />
Premiere des DT 8.12<br />
in Stuttgart<br />
Das erste Fahrzeug der neuen<br />
<strong>Stadtbahn</strong>serie für Stuttgart, Wagen<br />
3<strong>50</strong>1, ist am 7. Dezember dort eingetroffen,<br />
nachdem es bereits auf der Innotrans<br />
in Berlin gezeigt worden war.<br />
Bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG<br />
(SSB) läuft die Serie von zunächst 20<br />
Wagen unter der Bezeichnung S-DT<br />
8.12, beim Hersteller Stadler, Berlin,<br />
unter dem Produktnamen Tango. Der<br />
DT 8.12 ist eine technische und optische<br />
Weiterentwicklung des seit 1985<br />
für Stuttgart gebauten <strong>Stadtbahn</strong>typs<br />
S-DT 8.4 ff, der speziell für die dortigen<br />
langgezogenen und großen Steigungen<br />
entwickelt wurde. Nach Abschluss<br />
der Probefahrten in Stuttgart wird das<br />
Erstlingsfahrzeug 2013 zur weiteren<br />
Auswertung und Prüfung nochmals<br />
zurück zum Hersteller gehen. Mit den<br />
nächsten beiden Wagen soll ab Februar<br />
2013 in Stuttgart das Verhalten bei<br />
Doppeltraktion getestet werden. Die<br />
technische Abnahme durch die Stuttgarter<br />
Aufsichtsbehörde wird folgen.<br />
Ein erster Teil der neuen Fahrzeuge<br />
wird ab September 2013 benötigt,<br />
wenn die verlängerte Linie U12 zum<br />
Hallschlag in Betrieb geht. HJK<br />
Bombardier<br />
Zwölf weitere Flexity<br />
Outlook für Krefeld<br />
Die Stadtwerke Krefeld (SWK) MO-<br />
BIL GmbH hat am 28. Dezember 2012<br />
die Bestellung von weiteren zwölf Niederflurwagen<br />
des Typs Flexity Outlook<br />
bei Bombardier bekannt gegeben. Die<br />
komplett niederflurigen und 30 m<br />
langen Zweirichtungsbahnen entsprechen<br />
technisch und optisch den 19<br />
bereits in den <strong>Jahre</strong>n 2009 und 2010<br />
nach Krefeld gelieferten Fahrzeugen;<br />
lediglich in der Innenraumgestaltung<br />
soll es kleine Änderungen geben. Die<br />
zwölf jetzt bestellten Bahnen kosten<br />
rund 30 Mio. Euro und sollen in der<br />
zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte 2014 geliefert<br />
werden. Die SWK löst damit allerdings<br />
nur einen Teil der Option auf insgesamt<br />
19 weitere Flexity Outlook ein.<br />
Dafür sollen nun einige der ursprünglich<br />
komplett zur Ablösung vorgesehenen<br />
20 N8C-<strong>Stadtbahn</strong>wagen (Baujahre<br />
1980/81) zur Deckung des Wagenbedarfs<br />
in Spitzenzeiten – z.B. für<br />
Zusatzkurse an Schultagen – und als<br />
Fahrzeugreserve langfristig im Einsatzbestand<br />
verbleiben.<br />
MIK<br />
Weltweit<br />
Österreich: Innsbruck<br />
Erste Etappe für Ost-<br />
West-Linie<br />
Nach drei <strong>Jahre</strong>n Bauzeit eröffneten<br />
die Innsbrucker Verkehrsbetriebe<br />
und Stubaitalbahn GmbH am 14. Dezember<br />
2012 den ersten 1,6 km langen<br />
Abschnitt des Tram-Westkorridors.<br />
Nach dem Einweihungsfest mit Pendelverkehr<br />
zwischen Hauptbahnhof<br />
und Höttinger Au / West mit Niederflur-<br />
und Nostalgie-Triebwagen wurde<br />
am Folgetag der Planbetrieb aufgenommen.<br />
Die Linie 3 wendet nun nicht<br />
mehr über den Innenstadtring, sondern<br />
fährt ab der Anichstraße, statt<br />
über den Marktgraben zurück nach<br />
Amras, über die Universitätsbrücke bis<br />
zur Höttinger Au. Zurück in die Innenstadt<br />
befährt die Linie 3 nun dieselbe<br />
Route, vorbei an der Triumphpforte<br />
und am Hauptbahnhof, wofür die Südhälfte<br />
des Innenstadtrings auf einer<br />
Länge von rund 1,3 km mit einem<br />
zweiten Gleis ergänzt wurde. Obwohl<br />
sich die Linien 1 und 3 an der Gleiskreuzung<br />
Anich-/Bürgerstraße und am<br />
Gleisdreieck Museums-/Bruneckerstraße<br />
begegnen, gibt es keine Verknüpfung<br />
mit kurzen Umsteigewegen. Die<br />
zum Teil separierte Trasse wird von parallel<br />
führenden Buslinien mitbenutzt.<br />
Die Stadt Innsbruck investierte 31,2<br />
Mio. Euro.<br />
Die Strecke zur Höttinger Au ist die<br />
erste Etappe für eine neue Ost-West-<br />
Linie, die dem Verlauf der ehemaligen<br />
Obuslinie und derzeitigen Buslinie O<br />
folgen soll. Ab März 2013 wird am<br />
nächsten Abschnitt zum Technik-Campus<br />
der Universität weitergebaut. ROS<br />
Österreich: Wien<br />
Neuerungen im<br />
Straßenbahnnetz<br />
Zeitgleich mit der Teilinbetriebnahme<br />
des neuen Hauptbahnhofs wurde<br />
am 9. Dezember die Linie D über eine<br />
300 m lange Neubaustrecke zu dessen<br />
Osteingang verlängert. Mit der Weiterführung<br />
der Linie 71 über bestehende<br />
Gleise vom Schwarzenbergplatz zur<br />
Börse setzten die Wiener Linien zeitgleich<br />
die zweite Phase ihres Ringlinienkonzeptes<br />
um. Am anderen Ende<br />
Bombardier: Krefeld hat weitere zwölf Niederflurwagen<br />
vom Typ Flexity Outlook bestellt. Sie entsprechen<br />
bis auf wenige Innenraumdetails diesen bereits in den<br />
<strong>Jahre</strong>n 2009/2010 gelieferten 19 Fahrzeugen<br />
F. FREDENBAUM<br />
Wien: Zur besseren Erschließung des<br />
neuen Hauptbahnhofs hat die Linie D<br />
am 9. Dezember eine 300 m lange<br />
Neubaustrecke erhalten<br />
R. SCHREMPF<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Aktuell<br />
wurde die Linie 71 zur Haltestelle Zentralfriedhof<br />
3. Tor verkürzt und gab<br />
den weiterführenden Abschnitt nach<br />
Kaiserebersdorf an die bis dorthin verlängerte<br />
Linie 6 ab. Dadurch können<br />
im Zulauf auf den U-Bahnhof Simmerhing<br />
dichtere Intervalle angeboten<br />
werden.<br />
ANZEIGE<br />
Ihre Prämie<br />
Noch mehr Auswahl unter<br />
www.strassenbahnmagazin.de/abo<br />
Am 22. Dezember folgte die Betriebsaufnahme<br />
der 9,5 Kilometer langen<br />
Linie 25, die als neue Querverbindung<br />
im Norden Wiens von Floridsdorf<br />
über die Knotenpunkte Kagran (U1),<br />
Erzherzog-Karl-Straße (S-Bahn) und<br />
Donauspital (U2) bis zur Oberdorfstra-<br />
Mendoza: Die neue <strong>Stadtbahn</strong> nutzt eine<br />
alte Eisenbahntrasse, was der Strecke aber<br />
abschnittsweise nicht anzumerken ist D. BUDACH<br />
ße führt. Die neue Linie verdichtet den<br />
Takt im Bereich des dicht bebauten<br />
Donaufelds und erschließt über eine<br />
1,1 Kilometer lange Neubaustrecke in<br />
der Tokiostraße das Stadtentwicklungsgebiet<br />
Kagran West. Zwischen<br />
Kagran und Oberdorfstraße übernahm<br />
die Linie 25 den bisherigen Linienverlauf<br />
der Linie 26. Zeitgleich mit der Eröffnung<br />
der U-Bahnlinie U2 in die Seestadt<br />
Aspern wird mit der Verlängerung<br />
der Linie 26 vom Kagraner Platz<br />
zur künftigen U2-Station Hausfeldstraße<br />
im Dezember 2013 eine weitere,<br />
4,6 Kilometer lange Neubaustrecke<br />
folgen.<br />
ROS<br />
Frankreich: Nizza<br />
Citadis werden<br />
verlängert<br />
Bei der 2007 eröffneten Straßenbahn<br />
von Nizza sollen 15 der 28 33 m<br />
langen Citadis 302 durch Einfügen von<br />
zwei zusätzlichen Segmenten zum<br />
44 m langen Typ Citadis 402 umgebaut<br />
werden. Hintergrund ist, dass<br />
die täglichen Fahrgastzahlen auf der<br />
8,7 km langen Linie von anfangs<br />
65.000 auf mehr als 90.000 angestiegen<br />
sind, womit an Werktagen ganztägig<br />
21 Alstom Citadis 302 in Vier-<br />
Minuten-Intervallen unterwegs sind.<br />
Eine im Frühjahr 2013 fertigzustellende<br />
Streckenverlängerung um 4<strong>50</strong> m<br />
verspricht einen weiteren Fahrgastzuwachs.<br />
Seit Juni 2012 befindet sich der<br />
im Alstom-Werk La Rochelle verlängerte<br />
Wagen 028 im Testbetrieb und mittlerweile<br />
ist auch der in Nizza verlängerte<br />
Wagen 027 vorhanden. Für die<br />
behördliche Zulassung des Umbautyps<br />
ist eine Laufleistung von 5.000 km erforderlich.<br />
Diese wird im Zuge von<br />
Fahrerschulungen erbracht, wobei an<br />
Werktagen jeweils ein Triebwagen als<br />
„Tramway Ecole“ im Netz zu beobachten<br />
ist. Mit der Zulassung für den<br />
Fahrgastbetrieb wurde für Ende 2012<br />
gerechnet. Nizza besitzt eine Sonderbauform<br />
des französischen Standard-<br />
Niederflurwagens, mit dem zwei<br />
fahrleitungslose Abschnitte im Stadtzentrum<br />
mit historisch wertvoller Bebauung<br />
im Batteriebetrieb befahren<br />
werden können.<br />
WOK<br />
Argentinien: Mendoza<br />
Neue <strong>Stadtbahn</strong> mit<br />
U2-Tw aus San Diego<br />
In der argentinischen Großstadt<br />
Mendoza, am Fuße der Anden gelegen,<br />
ging in diesem Jahr eine 12 km<br />
lange <strong>Stadtbahn</strong>-Linie, die die Trasse<br />
einer früheren Fernbahn benutzt, in<br />
Betrieb. Die Strecke wurde in europäischer<br />
Normalspur zweigleisig ausgebaut<br />
und elektrifiziert. 15 Haltestellen<br />
werden bedient, darunter auch vier<br />
der alten Bahnhöfe. In der Innenstadt<br />
liegt die Strecke in der Mitte der breiten<br />
Avenida Belgrano, abgetrennt von<br />
den Fahrbahnen und zum Teil eingepflastert<br />
mit Rillenschienen.<br />
Aus dem US-amerikanischen San<br />
Diego wurden zunächst elf in den<br />
1980er-<strong>Jahre</strong>n gebaute Siemens/Düwag-Triebwagen<br />
des aus Frankfurt am<br />
Main bekannten Typs U2 gekauft. Die<br />
Fahrzeuge befinden sich noch in sehr<br />
gutem Zustand und konnten in Mendoza<br />
ohne größere Umbauten in Betrieb<br />
gehen. Eine Option über zunächst<br />
weitere 24 Fahrzeuge, zuzüglich vier<br />
Tw als Ersatzteilspender, wurde inzwischen<br />
eingelöst. Die Wagen werden<br />
ebenfalls aus San Diego nach Mendoza<br />
verschifft und über die Anden transportiert.<br />
Die zusätzlichen Wagen sind<br />
für diverse Ausbaupläne vorgesehen,<br />
die in naher Zukunft den Umbau vier<br />
weiterer brachliegender Bahntrassen<br />
auf <strong>Stadtbahn</strong>betrieb vorsehen.<br />
Am 29. April 2012 wurde ein provisorischer<br />
öffentlicher Betrieb mit nur<br />
wenigen täglichen Abfahrten aufgenommen.<br />
Seit 8. Oktober 2012 fahren<br />
die Züge nun im 20-Minutentakt. Den<br />
Betrieb führt die Provinzialverwaltung,<br />
die außerdem in Mendoza den größten<br />
der drei noch existierenden Obusbetriebe<br />
Argentiniens unterhält. BUD<br />
Schweiz: Basel/BLT<br />
Keine Beiwagen mehr<br />
Am 1. Dezember 2012 endete bei<br />
der Baselland Transport (BLT) der Einsatz<br />
von Anhängewagen. Solche kamen<br />
lediglich auf der Einsatzlinie 17<br />
(Ettingen – Schifflände – Wiesenplatz)<br />
zum Einsatz. Zuletzt waren bei der BLT<br />
noch die B 1317 bis 1319 sowie 1321<br />
und 1322, die 1961 von FFA/SWP geliefert<br />
wurden, im Einsatz. Sie wurden<br />
2001 von den Basler Verkehrs-Betrieben<br />
(BVB) übernommen. Die Linie 17<br />
wird fortan mit Doppeltraktionen aus<br />
Basel: Anhängerwagen sind bei der BLT seit Dezember 2012 Geschichte.<br />
Der „Schweine-Bw“ B 1322 soll ins Stuttgarter Schweinemuseum kommen<br />
Paris: Probefahrten am Abend vor der Eröffnung auf der neuen Strecke der<br />
Linie T3, hier an der Porte de Vincennes B. KUSSMAGK, D. MADÖRIN (BILD LINKS)<br />
14
Weltweit<br />
einem Be 4/8 und einem Be 4/6 betrieben.<br />
Fallweise können auch Be 6/10,<br />
also die Tango-Trams, zum Einsatz<br />
kommen.<br />
Mit dem Ende des Anhängerwageneinsatzes<br />
verschwindet auch der<br />
große Schweinekopf, der das Heck des<br />
passend rosarot lackierten B 1322<br />
zierte. Ursprünglich machte der Wagen<br />
so Werbung für eine regionale<br />
Bank. Von 1990 bis 2001 war der<br />
Schweinekopf am Heck des B 3 1338<br />
(BVB/SLM 1958) montiert. Während<br />
die B 1317-1319 und der B 1321 nach<br />
Belgrad abgegeben wurden, soll der<br />
Schweinekopf-B 1322 als besonderes<br />
Exponat an das Stuttgarter Schweinemuseum<br />
gehen.<br />
DMA<br />
Frankreich: Paris<br />
Drei Linien verlängert<br />
Innerhalb von einem Monat wurden<br />
im Großraum Paris drei neue Straßenbahnstrecken<br />
mit insgesamt 24 km<br />
Länge neu eröffnet. Den Beginn machte<br />
die Linie T1, die am 15. November<br />
von ihrer westlichen Endstation Gare<br />
de Saint-Denis um 4,9 km und zehn<br />
Haltestellen bis Asnières-Gennevilliers,<br />
Les Courtilles verlängert wurde. In<br />
Gennevilliers wurde die Strecke abschnittsweise<br />
eingleisig durch schmale<br />
Parallelstraßen geführt. Am Gare de<br />
Saint-Denis wurde als Vorleistung bereits<br />
eine Gleiskreuzung für die künftige<br />
Linie T8 verbaut.<br />
Vier Tage später folgte am 19. November<br />
die Verlängerung der Linie T2<br />
von ihrer nördlichen (Tunnel-)Endstation<br />
La Défense um 4,2 km und sieben<br />
Haltestellen bis Pont de Bezons. Die<br />
Strecke verläuft größtenteils auf eigenen<br />
Gleisen im Mittelstreifen rückgebauter<br />
Straßen. An der Strecke entstand<br />
auch ein neuer Betriebshof.<br />
Am 15. Dezember 2012 wurde<br />
schließlich die Linie T3 von ihrer östlichen<br />
Endstation Porte d’Ivry um 14,5<br />
km mit 26 Haltestellen zur Porte de la<br />
Chapelle verlängert. Die T3 verläuft<br />
damit als Zweidrittelkreis entlang des<br />
früheren Festungsrings. Um die Störanfälligkeit<br />
dieser langen und stark nachgefragten<br />
Linie zu mindern, wurde sie<br />
an der Porte de Vincennes geteilt. Von<br />
dort aus fahren die (Teil-)Linien T3a zur<br />
Pont du Garigliano und die T3b zur<br />
Porte de la Chapelle. An der Porte de<br />
Vincennes müssen Umsteiger von der<br />
T3a in die T3b die sechsspurige Cours<br />
de Vincennes überqueren oder die Unterführung<br />
der Métro nutzen. Die T3a<br />
und T3b sind durch eine zweigleisige<br />
Betriebsstrecke verbunden. BEKUS<br />
Alicante: Anfang 2013 wird die 1,5 km lange Pendellinie 4L von Sangueta über die Station La Marina zur Puerta<br />
del Mar eingestellt. Sie war der Ursprung des heutigen Tramnetzes. Seitdem die Hauptlinien aber im neuen Innenstadttunnel<br />
enden, wurde sie nur noch schwach frequentiert. Die Strecke ist durchgehend eingleisig und führt<br />
überwiegend direkt am Mittelmeerufer entlang. Das in La Marina gelegene Depotgelände der alten Kleinbahn, aus<br />
der die heutige Überlandtram in Richtung Benidorm hervorgegangen ist, wird komplett aufgegeben. D. BUDACH<br />
Frankreich: Le Havre<br />
Rückkehr der Tram nach 61 <strong>Jahre</strong>n<br />
Die knapp 180.000 Einwohner<br />
große Hafenstadt, in der Normandie<br />
direkt an der Seinemündung gelegen,<br />
hat am 12. Dezember nach<br />
61 <strong>Jahre</strong>n die Straßenbahn wieder<br />
eingeführt. Um 12:12 Uhr eröffnete<br />
der Bürgermeister den Betrieb. Den<br />
ganzen Tag gab es zahlreiche Veranstaltungen<br />
und für fünf Tage konnte<br />
das gesamte Tram- und Busnetz gratis<br />
benutzt werden.<br />
Unmittelbar am Ärmelkanal liegt<br />
die westliche Endstation La Plage,<br />
wo die beiden Linien A und B beginnen.<br />
Sie führen zunächst gemeinsam<br />
in Richtung Osten längs der Hauptachse<br />
Avenue Foch vorbei an Rathaus,<br />
Unterpräfektur, Justizpalast<br />
und Hauptbahnhof wird das Stadtzentrum<br />
durchquert. Anschließend<br />
schwenkt die Strecke nach Nordosten<br />
und folgt dem schnurgeraden<br />
Cours de la République. Daraufhin<br />
verläuft die Trasse an der Universität<br />
vorbei, steigt bergan und nutzt einen<br />
575 Meter langen Tunnel, der parallel<br />
zum 1955 eröffneten Autotunnel<br />
Jenner konstruiert wurde.<br />
Verzweigung an der Place<br />
Jenner<br />
An der Place Jenner verzweigen sich<br />
die beiden Linien. Die Linie B führt<br />
weiter bergan nach Osten zur Endstelle<br />
Caucriauville – Pré Fleuri und erschließt<br />
große, dicht besiedelte Wohngebiete.<br />
Die Linie A verläuft dagegen<br />
ab Place Jenner durch eher locker bebaute<br />
Wohngebiete sowie Entwicklungsflächen<br />
nach Norden bis Grand<br />
Hameau, in der Nähe des Flughafens.<br />
Hier wurden das Depot und ein großer<br />
P&R-Platz angelegt. Wie in Frankreich<br />
üblich, wurden die von der Tram durchfahrenen<br />
Straßen, z.B. durch Rasengleis<br />
oder neu angepflanzte Bäume<br />
und Sträucher, gestalterisch aufgewertet.<br />
Auf 13 km Netzlänge werden<br />
23 Haltestellen bedient. Während der<br />
Hauptverkehrszeit kommt auf der<br />
von beiden Linien bedienten Innenstadtstrecke<br />
alle vier und auf den Außenästen<br />
alle acht Minuten eine<br />
Bahn. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit<br />
beträgt 19 km/h. Der<br />
Wagenpark besteht aus 22 fünfteiligen<br />
Alstom Citadis 302. Der weitere<br />
Ausbau des Netzes ist geplant. BEKUS<br />
Nordöstlich der Haltestelle Rond-point besitzt die neue Tram von Le Havre<br />
auch eine Tunnelstrecke<br />
B. KUSSMAGK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
15
Titel<br />
Stück für Stück<br />
unter die Erde<br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>Köln</strong><br />
Im April 1985 verlässt<br />
Tw 3181 an der Rampe<br />
Gutenbergstraße nahe des<br />
Bahnhofs <strong>Köln</strong> West die<br />
gerade neu eröffnete<br />
Tunnelverlängerung vom<br />
Friesenplatz. Hier taucht<br />
bis heute die Linie 5 in den<br />
<strong>Köln</strong>er Untergrund ab, die<br />
Linien 3 und 4 waren auf<br />
dieser Strecke dagegen<br />
nur temporär zu Gast, ehe<br />
sie 1989 den ersten <strong>Köln</strong>er<br />
<strong>Stadtbahn</strong>tunnel mit<br />
hohen Mittelbahnsteigen<br />
erhielten und deshalb mit<br />
Zweirichtungs-Hochflurwagen<br />
ausgestattet wurden<br />
M. BEITELSMANN<br />
<strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau in<br />
<strong>Köln</strong> 1963 begann in der<br />
Domstadt der Tunnelbau zur<br />
Tieferlegung von Straßenbahnstrecken.<br />
Inzwischen ist das<br />
System in ein Niederflur- und<br />
Hochflurnetz geteilt. Letzteres<br />
wartet dringend auf Entlastung<br />
durch die neue Nord-Süd-<br />
<strong>Stadtbahn</strong>, die aber nur Stück<br />
für Stück eröffnet werden kann<br />
Seit dem 9. Dezember 2012 fährt die<br />
<strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>linie 5 bis in die<br />
neue U-Bahn-Haltestelle Rathaus. In<br />
einem Jahr soll sie die nächste Station<br />
Heumarkt erreichen. Nachdem sich die<br />
Gesamtinbetriebnahme der unterirdischen<br />
Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> nach dem Einsturz des<br />
<strong>Köln</strong>er Stadtarchivs am Waidmarkt voraussichtlich<br />
bis 2019 verzögern wird, kann so<br />
zumindest schon ein Teil der Strecke für die<br />
Fahrgäste nutzbar gemacht werden. Die Bauarbeiten<br />
zur Vollendung der Strecke an der<br />
Einsturzstelle konnten bislang immer noch<br />
nicht wieder aufgenommen werden.<br />
Stand am ehemaligen Stadtarchiv<br />
Experten halten es für sehr wahrscheinlich,<br />
dass eine fehlerhaft konstruierte Schlitzwand<br />
für den Einsturz des Stadtarchivs am 3. März<br />
2009 verantwortlich ist. Diese Schlitzwand<br />
ist Teil eines von der Oberfläche aus errichteten<br />
Gleiswechselbauwerks, mit dem die<br />
beiden gebohrten Richtungstunnel des Nord-<br />
Süd-Tunnels etwa in Streckenmitte miteinander<br />
verbunden werden. Wie beim Schildvortrieb<br />
üblich, fällt die Strecke von den<br />
Stationen ausgehend jeweils ab, um die Fahrdynamik<br />
zu verbessern. Da sich nun die<br />
Gleisverbindung genau zwischen zwei Stationen<br />
befindet, recht das Bauwerk in fast<br />
40 m Tiefe herunter.<br />
Nach dem Einsturz des Archivs und den<br />
unmittelbaren Sicherungsmaßnahmen ging<br />
es zunächst darum, in mühsamer Kleinarbeit<br />
KVB: Daten & Fakten<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />
Linienlänge per 31.12.2012:. . . . . . . . . . 240 km<br />
Streckenlänge per 31.12.2012: . . . . . . 194,5 km<br />
Fahrzeuge per 31.12.2012:. . . . . . . . . . . . . . 382<br />
Betriebshöfe: . . . . . . . 3 (zzgl. 5 Abstellanlagen)<br />
Anzahl Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11<br />
Tram-Fahrgäste 2011: . . . . . . . . . . . . 208,2 Mio.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
17
Titel<br />
OBEN Wer die <strong>Stadtbahn</strong> mit dem Dom in Szene<br />
setzen will, der muss dies von der „Schäl<br />
Sick“ (Deutzer Rheinseite) aus tun. Im Oktober<br />
1985 ist hier ein GT8 auf der Linie 7 unterwegs,<br />
die wie auch die Linien 1 und 9 via Deutzer Brücke<br />
die Rheinseite wechselt M. BEITELSMANN<br />
Diese Ansichtskarte vom Alten Markt zeigt genau den Punkt, an dem heute das Ende der ersten<br />
in Betrieb genommenen Stufe der Nord-Süd U-Bahn liegt. Nach den Zerstörungen des Krieges<br />
wurde hier der Straßenbahnbetrieb nicht wieder aufgenommen<br />
SLG. A. REUTHER<br />
einen möglichst großen Teil der historisch<br />
wertvollen Archivalien zu retten. Erst in der<br />
zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte 2012 konnte damit begonnen<br />
werden, die vermutete Unglücksursache<br />
zu verifizieren. Dafür wird derzeit ein<br />
38,7 m tiefer Schacht direkt an der Außenseite<br />
der Schlitzwand entlang gebaut, der bis<br />
Ende 2013 fertig sein soll. Unterhalb des<br />
Grundwasserspiegels werden dann voraussichtlich<br />
im Januar 2014 Taucher die vermutete<br />
Unglücksstelle erreichen können.<br />
Die Beweissicherung ist für die Frage nach<br />
der Haftung elementar, denn die Stadt hofft,<br />
anschließend die Baufirmen für das Unglück<br />
verantwortlich machen zu können. Bisher<br />
verweisen diese darauf, dass es auch andere<br />
mögliche Ursachen gäbe. Ein zügiges Vorankommen<br />
ist auch vor dem Hintergrund von<br />
Verjährungsfristen wichtig. Insgesamt wird<br />
der Schaden resultierend aus dem Archiveinsturz<br />
auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt.<br />
Erst nach eindeutiger Klärung der Unglücksursache<br />
kann damit begonnen werden,<br />
das Gleiswechselbauwerk im Rahmen<br />
seiner eigentlichen Zweckbindung für den<br />
<strong>Stadtbahn</strong>verkehr fertig zu stellen. Zum jetzigen<br />
Zeitpunkt ist es noch schwierig, dafür<br />
einen Termin anzugeben. KVB-Chef Jürgen<br />
Fenske nannte unlängst die Zeitvorstellung<br />
einer Inbetriebnahme des Tunnels im <strong>Jahre</strong><br />
2019 „seriös“. Damit hätte der Archiveinsturz<br />
die Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> um fast zehn<br />
<strong>Jahre</strong> verzögert. Bis dahin ist der Tunnel genau<br />
in der Mitte unterbrochen und kann<br />
auch nicht provisorisch für eine vollständige<br />
Durchfahrt hergerichtet werden.<br />
Inbetriebnahme in »Salami-Taktik«<br />
Am 11. Dezember 2011 ging dennoch das<br />
erste für die Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> neu erstellte<br />
Bauwerk in Betrieb: Es handelt sich<br />
dabei um die U-Bahn-Haltestelle Breslauer<br />
Platz im bestehenden <strong>Stadtbahn</strong>tunnel zwischen<br />
Ebertplatz und Dom/Hbf, die zwecks<br />
Einfädelung der neuen Strecke abgerissen<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>Köln</strong><br />
UNTEN Am 11. Dezember 2011 ging im bestehenden<br />
<strong>Stadtbahn</strong>tunnel der moderne unterirdische<br />
Bahnhof Breslauer Platz als künftige<br />
Schnittstelle zum Nord-Süd-Tunnel in Betrieb.<br />
Bis 2007 befand sich an dieser Stelle eine einfache,<br />
1970 eröffnete Tunnelstation C. GRONECK<br />
Ein solo fahrender B-Wagen, aufgenommen im Mai 1986 vom Westportal der Südbrücke, auf<br />
der „Rheinuferbahn-Trasse“ südlich des Ubierrings. Dieser Streckenabschnitt wird nach der Gesamtinbetriebnahme<br />
des Nord-Süd-Tunnels nur noch als Betriebsstrecke dienen M. BEITELSMANN<br />
und durch einen dreigleisigen Neubau ersetzt<br />
wurde. Die Bauzeit des komplexen Vorhabens<br />
betrug rund acht <strong>Jahre</strong> inklusive einer<br />
knapp einjährigen Streckenunterbrechung<br />
über die <strong>Jahre</strong> 2006 und 2007.<br />
Auch wenn die Station nun bis auf weiteres<br />
erst einmal nur von den Linien im „alten“<br />
<strong>Stadtbahn</strong>tunnel genutzt wird, veranschaulicht<br />
sie mit ihren Dimensionen schon einmal,<br />
was in Zukunft bei den neuen „Nord-<br />
Süd-Bahnhöfen“ noch zu erwarten ist.<br />
Bezogen auf den eigentlichen Nord-Süd-<br />
Tunnel wurden nach dem Archiveinsturz zunehmend<br />
Rufe nach einer Eröffnung in mehreren<br />
Stufen laut, um zumindest schon einen<br />
Teil der Infrastruktur nutzen zu können. Zunächst<br />
erteilte man dieser Forderung von offizieller<br />
Seite eine recht deutliche Absage,<br />
man war eine Zeit lang noch so optimistisch,<br />
von einer Gesamtinbetriebnahme Ende 2013<br />
auszugehen. Erst als die enormen Zeitverzögerungen<br />
mehr und mehr Gewissheit wurden,<br />
setzte langsam ein Umdenken ein. Resultat<br />
ist, dass die Strecke nun zumindest im<br />
Norden Stück für Stück eröffnet wird.<br />
Die Station Rathaus<br />
Der erste Schritt erfolgte am 9. Dezember<br />
2012, dem Eröffnungstermin der ersten völlig<br />
neuen Station Rathaus. Mit ihr erhält die<br />
<strong>Köln</strong>er Altstadt nach rund 70 <strong>Jahre</strong>n wieder<br />
einen unmittelbaren Schienenanschluss,<br />
nachdem die klassische oberirdische Nord-<br />
Süd-Straßenbahnstrecke vom Hauptbahnhof<br />
über Alter Markt und Heumarkt zum<br />
Chlodwigplatz nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
nicht wieder aufgebaut worden war. Seitdem<br />
mussten Anwohner und Besucher entweder<br />
die am Rande der Altstadt gelegenen <strong>Stadtbahn</strong>stationen<br />
Dom/Hbf und Heumarkt<br />
oder aber den Busverkehr nutzen.<br />
Bedient wird die U-Bahn-Haltestelle Rathaus<br />
von der Linie 5, die dafür von ihrer bisherigen<br />
Endstation Reichenspergerplatz in<br />
Textfortsetzung auf Seite 22<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
19
Titel<br />
1983 wurde die „Deutzer U-Bahn“ mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts (im Bild der Eröffnungszug am 10. April an der Rampe südwestlich<br />
des Deutzer Bahnhofs) vollendet. Die Ost-West-Linien 1 und 9 fahren nur auf der „Schäl Sick“ unterirdisch. Sie werden entgegen der<br />
einstigen Planung, die sich auch an der Konstruktion der Tunnelbahnhöfe ablesen lässt, mit Niederflurfahrzeugen bedient SLG. <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
<strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Stadtbahn</strong>bau in <strong>Köln</strong><br />
Das Jahr 2013 markiert das <strong>50</strong>. Jubiläum des <strong>Stadtbahn</strong>-Tunnelbaus<br />
in <strong>Köln</strong>: Am 18. September 1963<br />
begann nahe des Appellhofplatzes der Tunnelbau.<br />
1968 ging dann die erste Teilstrecke von einer heute<br />
nicht mehr vorhandenen Rampe am Friesenplatz<br />
bis Dom/Hbf in Betrieb. Die Straßenbahnen endeten<br />
dort zunächst in einem unterirdischen Wendedreieck,<br />
dessen südwestlicher Schenkel jetzt<br />
wiederum zum Anschluss des neuen Nord-Süd-<br />
Tunnels an die U-Bahn-Haltestelle Dom/Hbf genutzt<br />
werden konnte. So schließt sich der Kreis.<br />
Den ersten Bauarbeiten ging eine Systemdebatte<br />
über die Wahl des „richtigen“ Verkehrssystems<br />
in den Fünfzigerjahren voraus. Man entschied<br />
sich aufgrund der Struktur des vorhandenen Netzes<br />
letztendlich zugunsten einer Unterpflasterstraßenbahn<br />
und gegen ein komplett neues System in Form<br />
einer U-Bahn. Hintergrund war, dass die verkehrstechnisch<br />
problematischen Straßenbahnstrecken<br />
in der Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht<br />
mehr wieder aufgebaut worden waren, so dass dort<br />
erhebliche Netzlücken klafften.<br />
Dieser Mangel schien durch den Bau kurzer Tunnelstrecken<br />
am einfachsten behebbar zu sein. Andererseits<br />
war die <strong>Köln</strong>er Straßenbahn außerhalb der<br />
Innenstadt bereits damals sehr gut ausgebaut, ins-<br />
besondere was die Vorortbahnen vor allem auf der<br />
rechten Rheinseite anging. Eine Einbeziehung der Außenstrecken<br />
in den Tunnelbau erschien daher in den<br />
19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n nicht erforderlich, zumal damals noch<br />
nicht erkennbar war, dass es für derartige Bauvorhaben<br />
Bundeszuschüsse geben würde. Parallele Versuche<br />
zur Implementierung einer Alweg-Einschienenbahn<br />
verliefen im Sande, obwohl zwischen 1957 und<br />
1967 im <strong>Köln</strong>er Norden eine Teststrecke existierte.<br />
Tunnel Stück für Stück<br />
Der fortan in <strong>Köln</strong> beschrittene Weg, Tunnelabschnitte<br />
Stück für Stück zu bauen und über provi-<br />
20<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>Köln</strong><br />
Am 25. August 1974 wurde der unterirdische Bahnhof Ebertplatz als Knotenpunkt zwischen vier Tunnelästen mit diversen Linienbeziehungen<br />
eingeweiht. Inzwischen hat er sein Gesicht völlig verändert und dient mit je zwei hohen und zwei niedrigen Bahnsteigkanten nur noch als „Berührungspunkt“<br />
der systemtechnisch getrennten und betrieblich entflechteten Hoch- und Niederflurlinien des Nord-Süd-Netzes SLG. A. REUTHER<br />
sorische Rampen sofort mit dem oberirdischen Straßenbahnnetz<br />
zu verbinden, war letztendlich sehr erfolgreich.<br />
Allerdings krankt die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> bis<br />
heute daran, dass die ersten Tunnelstrecken in der<br />
Innenstadt vielerlei Zwangspunkte aufweisen. Nachteilig<br />
für die Kapazität sind vor allem diverse schienengleiche<br />
Verzweigungen und die Bündelung sowohl<br />
des Nord-Süd- als auch des Ost-West-Verkehrs<br />
auf dem zentralen Stück zwischen Appellhofplatz,<br />
Neumarkt und Poststraße. Bis heute verweisen zudem<br />
mehrere unterirdische Wendeschleifen sowie<br />
der zunächst ausschließliche Bau von Seitenbahnsteigen<br />
auf das Unterpflasterstraßenbahnkonzept.<br />
Einbeziehung von Eisenbahnen<br />
In den 1970er-<strong>Jahre</strong>n wandte sich der <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>bau<br />
nach erheblicher Einflussnahme des Landes<br />
NRW einem wesentlich leistungsfähigeren Ausbaustandard<br />
zu. Leitbild war es fortan, neue Strecken<br />
so zu bauen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt<br />
für einen echten U-Bahn-Betrieb geeignet wären.<br />
Ebenso wurden die beiden städteverbindenden<br />
Eisenbahnstrecken der ehemaligen <strong>Köln</strong>-Bonner<br />
Eisenbahn (KBE) zwischen <strong>Köln</strong> und Bonn in das Netz<br />
einbezogen.<br />
LINKS Die Tunnelbaustelle im Bereich<br />
der Komödienstraße zeigt die Aufnahme<br />
rechts vom 11. März 1965.<br />
Zwei <strong>Jahre</strong> später, am 19. September<br />
1967 entstand die Aufnahme der<br />
Baustelle am Neumarkt für die Strecke<br />
zum Dom/Hauptbahnhof<br />
A. REUBER, SLG. <strong>STRASSENBAHN</strong>MUSEUM THIELENBRUCH (2)<br />
Das Konzept des Mischbetriebes der Straßenbahn<br />
behielt man gleichzeitig bei. Vor diesem Hintergrund<br />
erfolgte die Entwicklung des bekannten <strong>Stadtbahn</strong>wagens<br />
B als Fahrzeug, welches sowohl für<br />
einen vollwertigen Schnellbahnverkehr als auch auf<br />
Straßenbahnstrecken an der Oberfläche einsetzbar<br />
ist.<br />
Aufgrund des Mischbetriebs mit den damals noch<br />
sehr jungen Düwag-Gelenkstraßenbahnen blieb der<br />
Bau von Hochbahnsteigen aber noch lange aus. Und<br />
es blieb das Manko, dass die meisten in der Epoche<br />
gebauten leistungsfähigen neuen Tunnelstrecken in<br />
der Innenstadt in die Unterpflasterbahn aus den<br />
1960er-<strong>Jahre</strong>n mündeten, die mehr und mehr überlief.<br />
<strong>Stadtbahn</strong>-Konzept setzt sich durch<br />
Das Leitbild des späteren U-Bahn-Betriebs wurde<br />
nach einer Neubewertung der finanziellen Möglichkeiten<br />
in den 1980er-<strong>Jahre</strong>n mehr und mehr obsolet<br />
und wandelte sich zum heute noch aktuellen<br />
<strong>Stadtbahn</strong>konzept. Zeitweilig war es geplant, wie<br />
in Stuttgart und Hannover das gesamte Netz hochflurig<br />
auszubauen. Als jedoch in den 1990er-<strong>Jahre</strong>n<br />
die Niederflurtechnologie serienreif wurde, war man<br />
damit noch nicht sehr weit vorangekommen: Auf<br />
vielen Strecken fuhren nach wie vor Düwag-GTW<br />
mit <strong>Stadtbahn</strong>wagen B im Mischbetrieb. Dies führte<br />
zu erheblichen Diskussionen über die „richtige“<br />
Bahnsteighöhe und mündete letztendlich in einer<br />
Netztrennung. Zunächst wurden die in der Innenstadt<br />
oberirdisch verkehrenden Ost-West-Linien zu<br />
einem Niederflur-Teilnetz herausgelöst (heute Linien<br />
1, 7 und 9), später dann ein weiteres isoliertes<br />
Linienbündel über die Ringstrecke (heute Linien<br />
12 und 15). Der Rest des Netzes blieb Hochflur.<br />
Gebildet wird es aus den Linien 3, 4, 5, 16 und 18,<br />
welche in der Innenstadt die alten Unterpflasterbahntunnel<br />
nutzen, dazu kommt die tangentiale<br />
Linie 13. Inzwischen sind fast alle Haltestellen<br />
an die jeweilige Systemhöhe angepasst.<br />
Die Bahnsteighöhen in <strong>Köln</strong><br />
„Niederflur“ ist übrigens nicht ganz korrekt, denn<br />
die Bahnsteighöhe ist in <strong>Köln</strong> mit 35 cm etwas höher<br />
als bei den meisten richtigen Niederflurbetrieben.<br />
Maßgebend dafür waren wiederum die<br />
Bahnsteige aus dem Unterpflasterbahnzeitalter,<br />
welche sich aus der ersten Stufe der Düwag-GTW<br />
ableiten. Zudem orientieren sind beide Systeme in<br />
<strong>Köln</strong> abgesehen von der Bahnsteighöhe an denselben<br />
<strong>Stadtbahn</strong>-Ausbaustandards, das Niederflurnetz<br />
ist damit nicht wie z. B. in Frankfurt am<br />
Main oder Bonn ein technisch selbstständiges Straßenbahnsystem<br />
mit eigenständigem Aufgabenbereich.<br />
Mit dem zukünftigen Nord-Süd-Tunnel schließlich<br />
erhält die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> endlich die seit<br />
langem dringend benötigte zweite Stammstrecke<br />
im Hochflurnetz. Erste Anläufe zum Bau der Strecke,<br />
die im Wesentlichen der römischen Nord-Süd-<br />
Hauptachse <strong>Köln</strong>s folgt, gab es bereits zu Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts. Doch auch beim Nord-Süd-<br />
Tunnel wirken die Entscheidungen aus den Fünfzigerjahren<br />
immer noch nach: Im Norden wird er<br />
per Gleisdreieck an das Netz angeschlossen, ganz<br />
im Sinne der jahrzehntealten Unterpflasterstraßenbahnplanung.<br />
CHRISTOPH GRONECK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
21
Titel<br />
den neuen Tunnel „umgeklappt“ wurde. Angefahren<br />
wird die neue Station damit nicht<br />
über den Breslauer Platz, sondern über eine<br />
zweite Einfädelung aus dem Bestandsnetz<br />
ausgehend von der U-Bahn-Haltestelle<br />
Dom/Hbf. Dort schließt der Nord-Süd-Tunnel<br />
an einen bereits in den 1960er-<strong>Jahre</strong>n<br />
Aus der <strong>Köln</strong>er Geschichte …<br />
Eröffnung Pferdebahn: . . . . . . . . . . . 20.05.1877<br />
Eröffnung elektrische Tram: . . . . . . . 15.10.1901<br />
Vorortbahn: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20.01.1904<br />
Stilllegung Pferdebahn: . . . . . . . . . . 22.05.1907<br />
Eigentümer<br />
1877–1882: Pferdeeisenbahngesellschaft<br />
E. Hardt & Co.<br />
1879–1882: Gesellschaft F. de la Hault, Brüssel<br />
1882: Vereinigung der beiden<br />
Gesellschaften<br />
1882–1900: <strong>Köln</strong>ische Straßenbahn-Gesellschaft<br />
1900–1960: Stadt <strong>Köln</strong> (in wechselnden<br />
Abteilungen)<br />
seit 1960: <strong>Köln</strong>er Verkehrs-Betriebe AG<br />
vorbereiteten Tunnelstutzen an, der zwischenzeitlich<br />
als Wendeanlage genutzt worden<br />
war.<br />
Da es im Nord-Süd-Tunnel bis auf das unglückliche<br />
Gleiswechselbauwerk am Waidmarkt<br />
keine Gleisverbindungen zwischen<br />
den beiden eingleisigen Tunnelröhren gibt,<br />
musste im Verbindungsbereich zwischen altem<br />
und neuem Tunnel eine provisorische<br />
Weichenverbindung eingebaut werden. Diese<br />
erlaubt es, die Station Rathaus eingleisig<br />
als Stichfahrt anzufahren.<br />
Eine deutliche Bedeutungssteigerung wird<br />
die Stichstrecke erhalten, wenn sie voraussichtlich<br />
wieder ein Jahr später im Dezember<br />
2013 das nächste Etappenziel erreicht,<br />
und zwar die Station Heumarkt. Damit erhält<br />
die Linie 5 Anschluss an die Ost-West-<br />
Linien 1, 7 und 9 – und damit kann im <strong>Köln</strong>er<br />
<strong>Stadtbahn</strong>netz dann jeder beliebige<br />
Punkt mit maximal einem Umstieg erreicht<br />
werden. Auch der Heumarkt wird zunächst<br />
eingleisig angefahren.<br />
Ein echter Röhrenbahnhof<br />
Die meisten bisherigen <strong>Köln</strong>er U-Bahn-Haltestellen<br />
liegen in geringer Tiefenlage und<br />
sind zurückgehend auf die angewendeten offenen<br />
oder abgedeckelten Bauverfahren im<br />
Grundsatz meist eckig. Mit der Station Rathaus<br />
gibt es nun erstmals in <strong>Köln</strong> einen echten<br />
Röhrenbahnhof, wie man ihn etwa aus<br />
einigen Ruhrgebietsstädten oder auch aus<br />
London kennt. Um Bahnsteige ohne Aufweitung<br />
in die eingleisigen Tunnelröhren einfügen<br />
zu können, hatte man sich bei der<br />
Nord-Süd-Bahn extra für einen vergleichsweise<br />
großen Tunnelquerschnitt entschieden.<br />
Die Station liegt direkt hinter dem Rathaus<br />
auf der Westseite des Alter Markt (merke:<br />
der <strong>Köln</strong>er beugt keine Ortsbezeichnungen)<br />
bzw. teilweise noch unter der Bebauung.<br />
Zwei Ausgänge führen vom Verteilergeschoss<br />
an die Oberfläche. Einer davon befindet<br />
sich am südlichen Rand des Platzes.<br />
Der andere zeigt sich aktuell noch als Provisorium,<br />
er wird zukünftig in das wieder<br />
aufzubauende sogenannte „Rote Haus“ integriert,<br />
welches für den <strong>Stadtbahn</strong>bau abgerissen<br />
wurde. Nur so war es möglich, einen<br />
durchgehenden Aufzug von der<br />
Bahnsteigebene bis an die Oberfläche zu realisieren,<br />
und zwar sowohl auf den Alter<br />
Markt als auch auf der anderen Seite zum<br />
etwas höher gelegenen Rathaus. Die Integration<br />
des Zugangs einer unterirdischen<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Städtebaulich interessant ist die in den<br />
1970er-<strong>Jahre</strong>n stadtbahnmäßig ausgebaute<br />
Gürtel strecke im Verlauf der Linie 13<br />
im Stadtteil Nippes, hier beim Kreuzungsbahnhof<br />
Neusser Straße/Gürtel im<br />
November 1985. Die aufgeständerte Bauweise<br />
war u. a. geplanten Straßenbaumaßnahmen<br />
geschuldet, die aber nur zum<br />
Teil dann gar nicht realisiert wurden<br />
M. BEITELSMANN (2)<br />
<strong>Köln</strong><br />
Mit der Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> soll das Fahrplanangebot der Linie 16 bis zum abgebildeten<br />
Rodenkirchen auf einen Fünf-Minuten-Takt verdichtet werden. Dafür muss dort noch eine Wendeanlage<br />
gebaut werden. Ob es in diesem Zusammenhang zu einem Vorlaufbetrieb im südlichen<br />
Tunnelabschnitt kommt, harrt noch einer endgültigen Entscheidung<br />
C. GRONECK<br />
Station in ein Gebäude, etwas, was wiederum<br />
z.B. in London weit verbreitet ist, wird<br />
für <strong>Köln</strong> ebenfalls etwas Neues sein.<br />
Vorlaufbetrieb auch im Süden?<br />
Theoretisch ist der Nord-Süd-Tunnel demnächst<br />
auch von Süden aus befahrbar: Die<br />
Verbindungsstrecke zur Rheinuferbahn mit<br />
der <strong>Stadtbahn</strong>linie 16 ist fast fertig, im<br />
Herbst 2012 wurden die Abzweigweichen<br />
nördlich der Haltestelle Schönhauser Straße<br />
eingebaut. Die Entscheidung zur vorgezogenen<br />
Inbetriebnahme des nördlichen Streckenteils<br />
bis Rathaus bzw. Heumarkt schloss<br />
dennoch das südliche Pendant zunächst aus.<br />
Grund dafür ist das schlechtere Verhältnis<br />
von Aufwand und Nutzen. Im Gegensatz zur<br />
nördlichen Teilstrecke kann die südliche<br />
nicht durch Umschichtung bestehender Betriebsleistung<br />
bedient werden. Zudem reicht<br />
sie nicht ganz bis in den inneren Stadtkern<br />
hinein, provisorischer Endpunkt wäre zunächst<br />
die Haltestelle Severinstraße.<br />
Da andererseits auch die U-Bahnhaltestellen<br />
der südlichen Teilstrecke spätestens<br />
2014 vollständig fertiggestellt sein werden,<br />
kam das Thema einer vorgezogenen Inbetriebnahme<br />
2012 erneut auf die politische<br />
Lange Zeit prägten die breiten Düwag-GT8 mit ihren großen markanten Scheinwerfern den<br />
<strong>Stadtbahn</strong>verkehr im <strong>Köln</strong>er Untergrund und an der Oberfläche, hier eine Doppeltraktion im<br />
April 1985 auf der Westrampe der Severinsbrücke. Im Sommer 2006 endete diese Ära, und<br />
seither stehen bei der <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> ausschließlich Zweirichtungswagen zum Einsatz<br />
Die 1968 in sehr nüchternem Design<br />
eröffnete Station Dom/Hbf im <strong>Jahre</strong> 2003.<br />
Inzwischen besitzt sie ebenso wie die<br />
angrenzenden Stationen Hochbahnsteige,<br />
die Niederflurlinie 12 fährt nun über<br />
die Ringstrecke<br />
SLG. A. REUTHER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
23
Titel<br />
Die untere Ebene der Station Friesenplatz, damals noch mit langen Tiefbahnsteigen für GT8-Doppeltraktionen,<br />
am Eröffnungstag im April 1985. Inzwischen sind bis auf Reichensperger Platz und<br />
Appelhofplatz/Zeughaus alle Tunnelstationen des Hochflurnetzes mit Hochbahnsteigen ausgestattet<br />
Futuristisch mutet das Zwischengeschoss<br />
der ersten eröffneten Station Rathaus der<br />
neuen Nord-Süd-<strong>Stadtbahn</strong> an, von welchem<br />
die Rolltreppen zum Bahnsteig hinabführen<br />
C. GRONECK, SLG. A. REUTHER (BILD LINKS)<br />
Tagesordnung. Im Gegensatz zur Nordstrecke<br />
war diesmal die KVB treibende Kraft der<br />
Initiative, und zwar aus durchaus pragmatischen<br />
Erwägungen: Sobald die Haltestellen<br />
fertig sind, beginnt die Gewährleistungsfrist.<br />
Wird die Strecke dann jedoch erst einmal in<br />
den Dornröschenschlaf versetzt, können versteckte<br />
Mängel möglicherweise nicht rechtzeitig<br />
entdeckt werden. Bis zur mutmaßlichen<br />
Gesamtinbetriebnahme im <strong>Jahre</strong> 2019<br />
wäre es dann für die meisten Gewerke schon<br />
zu spät, um noch Nacharbeiten einfordern<br />
zu können.<br />
Pro vorgezogene Inbetriebnahme<br />
Auch aus verkehrstechnischer Sicht gibt es<br />
ein wichtiges Argument für die vorgezogene<br />
Inbetriebnahme im Süden, trotz der nicht<br />
wirklich zentral liegenden Endstation. Das<br />
<strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong>netz fährt zunehmend an<br />
der Kapazitätsgrenze, den enormen Fahrgaststeigerungen<br />
der vergangenen <strong>Jahre</strong> steht<br />
bislang keine entsprechende Erhöhung des<br />
Angebotes in den Spitzenzeiten entgegen.<br />
Grund dafür ist weniger, dass man nicht will,<br />
sondern mehr, dass man nicht kann: Eine<br />
Verlängerung der Züge scheitert an der In-<br />
24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>Köln</strong><br />
Ein vom Dom/Hbf kommendes B-Wagen-Doppel kurz vor Einfahrt in die vorläufige Endstation<br />
Rathaus der <strong>Stadtbahn</strong>linie 5. Erst im <strong>Jahre</strong> 2019 wird nach aktuellem Stand auch die fertige<br />
Strecke zwischen Breslauer Platz/Hbf und Rathaus im Linienbetrieb genutzt werden C. GRONECK<br />
frastruktur; und sowohl die zentrale Tunnelstrecke<br />
über Neumarkt als auch die am<br />
Neumarkt oberirdisch kreuzende Ost-West-<br />
Strecke sind mit tagsüber jeweils 30 Fahrten<br />
pro Stunde und Richtung voll ausgelastet.<br />
Eine von punktueller Überlastung besonders<br />
betroffene Linie ist eben die 16, die nach Fertigstellung<br />
des Nord-Süd-Tunnels in diesen<br />
verlegt und gleichzeitig auf ihrem<br />
zentralen Abschnitt<br />
Seit 9. Dezember<br />
2012 in Betrieb und<br />
von der <strong>Stadtbahn</strong>linie<br />
5 genutzt: das<br />
westliche Gleis der<br />
Station Rathaus<br />
C. GRONECK<br />
Schnitt durch die<br />
U-Bahn-Haltestelle<br />
Rathaus QUELLE: KVB<br />
von Reichenspergerplatz bis Rodenkirchen<br />
auf einen 5-Minuten-Takt verdichtet werden<br />
soll. Heute fährt sie tagsüber alle zehn Minuten.<br />
Mit der Inbetriebnahme des südlichen<br />
Tunnelstücks wäre diese Taktverdichtung im<br />
Süden schon vor der Gesamtinbetriebnahme<br />
des Tunnels möglich.<br />
Gemäß der ausgearbeiteten Planung zur<br />
Teilinbetriebnahme würde die Linie 16 auf ihrem<br />
heutigen Linienweg im 10-Minuten-Takt<br />
zunächst noch unverändert bleiben. Dazu<br />
käme eine temporäre Linie 17, die die Linie<br />
16 im südlichen Stadtgebiet zum gewünschten<br />
5-Minuten-Takt überlagern und dann in<br />
Nördliche Einfädelung<br />
der Nord-Süd-<br />
Bahn am Hauptbahnhof<br />
(blau: bestehende<br />
Strecke aus den<br />
1960er-<strong>Jahre</strong>n,<br />
schwarz: Nord-Süd-<br />
Bahn, noch ohne Verkehr;<br />
rot: Nord-Süd-<br />
Bahn in Betrieb). Der<br />
eingleisige Verkehr<br />
bis Rathaus wird im<br />
Dezember 2013 um<br />
eine Station nach<br />
Süden bis zum Heumarkt<br />
verlängert<br />
GRAFIK: CHRISTOPH LÜTZ<br />
25
Titel<br />
Die Stationen am nordwestlichen<br />
Ende der Linie 5 erhalten schrittweise<br />
Hochbahnsteige, so auch die Haltestelle<br />
Margaretenstraße, wie diese Aufnahme<br />
vom 25. August 2012 zeigt<br />
C. GRONECK<br />
den Nord-Süd-Tunnel bis Severinstraße fahren<br />
würde. Dort bestünde dann Anschluss an<br />
die kreuzenden <strong>Stadtbahn</strong>linien 3 und 4.<br />
Inbetriebnahme 2015?<br />
Auch beim Südvorlauf wäre aufgrund der fehlenden<br />
Weichen im Tunnel ein Stichstreckenbetrieb<br />
nötig, aufgrund der größeren Länge<br />
allerdings auf beiden Streckengleisen immer<br />
abwechselnd. In Höhe der Tunnelrampe nahe<br />
Schönhauser Straße müsste dafür eine doppelte<br />
Gleisverbindung eingebaut werden. Da<br />
mit einer Ausnahme alle neuen U-Bahn-Haltestellen<br />
Mittelbahnsteige haben, wäre die<br />
Fahrgastleitung bei einem derartigen „Gleiswechselbetrieb“<br />
dennoch beherrschbar. Eine<br />
Inbetriebnahme könnte nach aktuellem Stand<br />
im Dezember 2015 erfolgen. Voraussetzung<br />
dafür ist, dass die notwendigen Arbeiten zeitnah<br />
beauftragt werden. Neben dem Einbau<br />
der Gleisverbindung betrifft dies Anpassung<br />
der Sicherungstechnik und Stromversorgung<br />
sowie den Bau einer Wendeanlage für die Linie<br />
17 am anderen, südlichen Ende in Rodenkirchen.<br />
Letztere entfaltet ihre Wirkung<br />
auch über den Vorlaufbetrieb hinaus, da die<br />
Taktverdichtung bestehen bleiben würde,<br />
dann allerdings als Teil der in den neuen Tunnel<br />
verlegten Linie 16.<br />
Pferdefuß: Die Kosten<br />
Trotz des Engagements der KVB sieht es für<br />
den Südverlauf derzeit nicht gut aus. Grund<br />
dafür sind im Wesentlichen die hohen Kosten,<br />
sowohl die einmaligen als auch die des<br />
nachfolgenden Betriebsaufwands. Zusätzlich<br />
investiert werden müssten 7,8 Millionen<br />
Euro, davon rund 2,5 Millionen für die sowieso<br />
nötige Wendeanlage. Dies wäre wahr-<br />
Neben Tunnelstrecken, unabhängigen Innenstadttrassen und klassischen Straßenbahnabschnitten<br />
befährt die <strong>Köln</strong>er <strong>Stadtbahn</strong> auch zahlreiche aus den<br />
Vorortbahnen hervorgegangene Außenstrecken mit Überlandflair. Auf dem<br />
Außenast der heutigen Niederflurlinie 7 nach Frechen, hier am 7. Januar 1986<br />
(damals noch Linie 2) bei Stüttgenhof – vormalig „<strong>Köln</strong>-Frechen-Benzelrather<br />
Eisenbahn“, heute HGK – findet sogar noch Mischbetrieb mit Güterzügen statt<br />
M. BEITELSMANN<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
<strong>Köln</strong><br />
Ausgebaute Linie 5 erfolgreich<br />
Auch am nordwestlichen Ende der <strong>Stadtbahn</strong>linie<br />
5 wurde in den vergangenen <strong>Jahre</strong>n gebaut. Das<br />
größte Vorhaben war die Ende 2010 eröffnete<br />
Streckenverlängerung ins Gewerbegebiet Butzweilerhof.<br />
Ersten Zählungen zufolge konnte sie<br />
für erhebliche Fahrgaststeigerungen sorgen. Im<br />
November 2011 wurden im gesamten Areal etwa<br />
8.<strong>50</strong>0 Fahrgäste gezählt, davon 5.700 auf dem<br />
neuen Abschnitt der Linie 5 und der Rest an den<br />
diversen Bushaltestellen.<br />
Gegenüber der letzten Verkehrszählung 2009<br />
kurz vor Einführung der <strong>Stadtbahn</strong> waren dies<br />
etwa 3.000 zusätzliche Nutzer, also ein Zuwachs<br />
um mehr als <strong>50</strong> Prozent. Die höchste Frequenz<br />
verzeichnete die Endhaltestelle Sparkasse Am But-<br />
zweilerhof mit 2.600 Ein- und Aussteigern pro Tag.<br />
Die Haltestellen entlang der bestehenden Strecke<br />
der Linie 5 erhalten sukzessive Hochbahnsteige.<br />
Dabei wurden an mehreren Stellen auch die Gleise<br />
erneuert, weswegen es in den vergangenen<br />
<strong>Jahre</strong>n einige längere Streckensperrungen gab.<br />
Seit dem 2. Juli 2012 ist die Haltestelle Margaretastraße<br />
fertig, seit dem 20. Oktober 2012 die<br />
Haltestelle Liebigstaße. Im nächsten Jahr soll die<br />
Haltestelle Gutenbergstraße folgen, nachdem der<br />
eigentlich ebenfalls 2012 geplante Bau aufgrund<br />
unbefriedigender Ausschreibungsergebnisse nicht<br />
zustande gekommen ist. Es fehlt dann anschließend<br />
nur noch die U-Bahn-Haltestelle Appellhofplatz/<br />
Zeughaus.<br />
CHG<br />
Der <strong>Köln</strong>er Nord-Süd-Tunnel: Der Abzweig südlich<br />
Bonner Wall wird an die Rheinuferbahn<br />
(Linie 16) anschließen, ab Marktstraße entsteht<br />
eine oberirdische Neubaustrecke entlang<br />
der Bonner Straße<br />
KVB<br />
scheinlich in der Politik noch vermittelbar.<br />
Bedeutsamer sind aber die Folgekosten, die<br />
auf 8,32 Millionen Euro pro Jahr kalkuliert<br />
sind, davon allein 5,93 Millionen für den Betrieb<br />
der Infrastruktur.<br />
Modifikationen im Busnetz sind wiederum<br />
noch nicht sinnvoll möglich, da eine Abbindung<br />
von Buslinien wie nach vollständiger<br />
Streckeninbetriebnahme vorgesehen im Zwischenzustand<br />
für viele heutige Direktfahrer<br />
zu einem Doppelumstieg führen würde.<br />
Verzichtet man auf die vorgezogene Inbetriebnahme,<br />
kostet das immerhin auch noch<br />
1,69 Millionen Euro pro Jahr für Instandhaltung,<br />
Bewachung und investive Bauwerksicherung.<br />
Selbst bei Berücksichtigung<br />
dieser sowieso anfallenden Kosten würde die<br />
Linie 17 oder besser gesagt vor allem der Betrieb<br />
der neuen U-Bahn-Haltestellen aber zu<br />
jährlichen Mehrkosten in Höhe von rund<br />
6,63 Millionen Euro führen.<br />
Entscheidung auf 2013 vertagt<br />
Viel Geld also für eine recht kurze Linie. Allerdings<br />
hat der insgesamt sehr profitable<br />
Stadtwerke-Mutterkonzern die Nord-Süd-<br />
Bahn insgesamt bereits in seiner Finanzplanung<br />
berücksichtigt, denn eigentlich sollte<br />
sie ja bereits fertig sein. Aus diesem<br />
Grund würde auch die Vorinbetriebnahme<br />
nicht zu einer Belastung<br />
des städtischen Haushalts führen. Ein<br />
Teil der Politik möchte die Überschüsse der<br />
Stadtwerke allerdings in größerem Rahmen<br />
für die Stadt abschöpfen, ein anderer wiederum<br />
den Stadtwerken für freie Investitionstätigkeit<br />
sichern. Beide Positionen sind<br />
nicht unbedingt miteinander kompatibel, sie<br />
führten aber letztendlich zu einer Blockadesituation<br />
im Herbst 2012. SPD und CDU beschlossen<br />
im Verkehrsausschuss gegen die<br />
Stimmen von Grünen und FDP, die Entscheidung<br />
über den Südvorlauf auf die Haushaltsberatungen<br />
im Jahr 2013 zu vertagen.<br />
Selbst wenn man sich doch noch zu einem<br />
positiven Beschluss durchringen sollte, ist<br />
der Eröffnungstermin im Jahr 2015<br />
wohl nicht mehr zu halten.<br />
CHRISTOPH GRONECK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
27
Betriebe<br />
Generationswechsel<br />
an der Elbe<br />
Symbolcharakter hat<br />
diese Aufnahme vom<br />
7. Oktober 2012. Einträchtig<br />
stehen ein<br />
Magdeburger Tatra-<br />
Wagen und der NGT<br />
1358 in Sudenburg<br />
nebeneinander. Ab<br />
Ende Januar 2013<br />
wird es das regulär<br />
nicht mehr geben<br />
M. SPERL<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Magdeburg<br />
Abschied von den T/B6A2 in Magdeburg Nach dem T4-Ende im<br />
Oktober 2012 endet auf den Tram-Gleisen der Landeshauptstadt von<br />
Sachsen-Anhalt in diesen Tagen auch der Planeinsatz der Tatra-T6.<br />
Die MVB planen für alle Tatras eine offizielle Verabschiedung<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
29
Betriebe<br />
Eigentlich sollten die T6A2 von Tatra<br />
in Magdeburg bereits am 15. Dezember<br />
2012 aus dem regulären Einsatz<br />
ausscheiden. Spätestens an diesem Tag<br />
stand jedoch fest: Die Wagen werden noch<br />
länger benötigt. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses<br />
im Dezember war der 27. Januar<br />
2013 als letzter Planeinsatztag von<br />
Tatrawagen im Personenverkehr der Magdeburger<br />
Verkehrsbetriebe (MVB) vorgesehen.<br />
An diesem Tag wollen die MVB alle ihre<br />
Tatras offiziell aus dem Liniendienst verabschieden.<br />
Aus diesem Anlass sollen auf der<br />
Linie 3 dann noch einmal ausschließlich Tatras<br />
verkehren, voraussichtlich T4. In der<br />
zweiten Dezemberhälfte 2012 rollten die T6<br />
Der erste T6A2 trifft am 4. Dezember 1989 am<br />
August-Bebel-Damm in Magdeburg ein D. PAUKE<br />
noch vereinzelt auf den Linien 1 und 10<br />
durch Magdeburg. Ursprünglich sollten sie<br />
schon nach der Eröffnung der neuen Strecke<br />
nach Reform im Depot bleiben. Aber die<br />
Inbetriebnahme der letzten NGT6D und der<br />
letzten ex Berliner B6A2, die die Pärchen mit<br />
den NGT der allerersten Serie bilden, verzögerte<br />
sich etwas. Und so waren die T6 (und<br />
ein B6) noch nicht entbehrlich.<br />
T6 kommen in die Stadt<br />
Insgesamt verfügte Magdeburg über zwölf<br />
T6A2 des Baujahres 1989. Der erste (1275)<br />
wurde am 3. Dezember 1989 an der damaligen<br />
Entladrampe am August-Bebel-Damm<br />
nahe der Havelstraße entladen. Den Magdeburgern<br />
wurden die neuen Wagen (1275,<br />
1277, 1279, 1280) am 20. Februar 1990<br />
erstmals auf dem Alten Markt präsentiert.<br />
Zu den zwölf Tw (1275 bis 1286) gesellten<br />
sich sechs Beiwagen (2143 bis 2148),<br />
ebenfalls Baujahr 1989. Bemerkenswert ist,<br />
dass jeweils die Hälfte der Wagen nicht di-<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Magdeburg<br />
Ein Bild aus den letzten Einsatztagen: zwei T6-<br />
Züge stehen am 18. Dezember 2012 an der Endstelle<br />
Sudenburg im Kroatenweg; links Tw 1276<br />
und 1277, rechts Tw 1278 und 1279 D. PAUKE<br />
rekt nach Magdeburg geliefert wurde, sondern<br />
einen Umweg über Schwerin nahm.<br />
Von dort kamen sie 1990 nach Magdeburg<br />
– ohne zuvor in Schwerin im Einsatz gewesen<br />
zu sein.<br />
Ihren ersten Einsatz hatten die direkt angelieferten<br />
drei Großzüge am 2. Mai 1990<br />
auf der damaligen Linie 7, die „Schweriner“<br />
folgten im Sommer desselben <strong>Jahre</strong>s, anfangs<br />
bis zum Herbst 1990 übrigens in der Ursprungslackierung<br />
rot/weiß. Zwischen 1995<br />
und 1997 wurden alle Wagen in der MVB-<br />
Hauptwerkstatt modernisiert, außer 1286,<br />
den ein Unfall zuvor außer Gefecht setzte.<br />
Dadurch konnten nur noch fünf Großzüge<br />
gebildet werden.<br />
Bestand bis März 2012 komplett<br />
Nach einem Brandschaden des Bw 2143 am<br />
11. März 2012 bei einem Einsatz auf der<br />
Fußballinie 15 (Sitz angesteckt) kam er nicht<br />
wieder zum Einsatz, so dass im Frühjahr<br />
2012 noch folgende T/B6-Züge im Einsatz<br />
waren: 1278 + 1279 + 2144, 1280 + 1281<br />
+ 2145, 1284 + 1285 + 2147; 1276 + 1277,<br />
1282 + 1283 sowie 1275 + 2148.<br />
Im Sommer 2012 endete dann die Ära der<br />
Großzüge in Magdeburg, die meisten B6A2<br />
wurden abgestellt, bis auf einen: 2148. Beheimatet<br />
waren zuletzt alle Trieb- und Beiwagen<br />
im Betriebshof Nord. Was aus den T6<br />
und B6 nach ihrer Außerdienststellung wird,<br />
war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.<br />
Viele Straßenbahnfreunde hoffen,<br />
dass ein T6 und ein B6 als historische Wagen<br />
im Bestand bleiben können. Wir werden<br />
darüber berichten. DITMAR PAUKE<br />
Mit dem letzten einsatzfähigen original Magdeburger Beiwagen vom Typ B6A2 – dem 2148 –<br />
ist Tw 1275 am 7. Okto ber 2012 im Bereich des August-Bebel-Damms unterwegs. Ab Februar<br />
2013 werden nur die aus Berlin übernommenen modernisierten B6 eingesetzt werden M. SPERL<br />
Magdeburger T6<br />
12 Triebwagen. . . 1275 bis 1286 (Baujahr 1989)<br />
6 Beiwagen . . . . . 2143 bis 2148 (Baujahr 1989)<br />
Davon im zweiten Halbjahr 2012<br />
noch im Einsatz:<br />
1275 + 2148, 1276 + 1277, 1278 + 1279,<br />
1280 + 1281, 1282 + 1283, 1284 + 1285<br />
(jeweils vorwiegend auf den Linie 1 und 10)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
31
Betriebe<br />
Im Klassiker nach Neuss<br />
Düsseldorfs Linie U75 im Porträt Mit einer echten U-Bahn hat sie nicht viel zu tun – meist verkehrt<br />
die U75 als klassische Straßenbahn. Dabei geht es durch den Neusser Hafen, über den Rhein<br />
und durch enge Häuserschluchten. Und sie bietet auch die letzten Düsseldorfer Klassiker: die GT8SU<br />
Am Neusser Ende der U75 müffelt es<br />
oft, am Düsseldorfer Ende staut es<br />
sich oft. Zwischendrin Hafen, Alleen,<br />
Rheinbrücke, Tunnel und enge<br />
Straßen – kurz: Alles, was man für eine spannende<br />
Tour braucht! Die U75 ist eine klassische<br />
Durchmesserlinie, die durch ihren<br />
„Knicks“ nach Neuss aber eine leichte L-<br />
Form aufweist. Sie schafft die 16 Kilometer<br />
lange Fahrt von Neuss nach Eller in 43 Minuten.<br />
Und vor allem wochentags ist sie Hochburg<br />
der letzten Düsseldorfer Klassiker: Fast alle<br />
Kurse sind mit GT8SU-Doppelzügen aus den<br />
Baujahren 1973 und 1974 bestückt. Nur vereinzelt<br />
verirren sich die jüngeren B80-Doppel<br />
auf die U75. Wenn die B-Wagen zu Messezeiten<br />
auf der U78 gebraucht werden, ist die<br />
U75 sogar fest in den Händen der GT8SU.<br />
Eintönig wird es dann trotzdem nicht: Die<br />
meisten Wagen versprühen mit ihrem rotweißen<br />
Lack, den roten Ledersitzen und der<br />
beigen Wandverkleidung zwar noch typisches<br />
1970er-<strong>Jahre</strong>-Flair. Aber: Die insgesamt noch<br />
32 einsatzbereiten GT8SU werden nach und<br />
nach einer kleinen Modernisierung unterzogen.<br />
Neben neuen Sitzen, neuer Wandverkleidung<br />
und neuen Kupplungen bekommen<br />
sie auch eine neue Lackierung in grau/rot.<br />
Daran kann selbst der Laie sofort erkennen,<br />
dass der Wagen einer Frischzellenkur unterzogen<br />
wurde. Die ersten modernisierten Pärchen<br />
sind schon unterwegs, der Rest folgt im<br />
Laufe des <strong>Jahre</strong>s 2013. So sollen die aufgemöbelten<br />
GT8SU noch bis 2017 in Düsseldorf<br />
im Einsatz stehen – die ersten Wagen<br />
sind dann immerhin 44 <strong>Jahre</strong> alt!<br />
Noch wesentlich älter sind die Wurzeln<br />
der heutigen U75. Als Deutschland noch<br />
32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Düsseldorf<br />
Die GT8SU 3224 und 3221<br />
biegen vor der Kulisse der<br />
Düsseldorfer Bunkerkirche<br />
in die Burgunderstraße ein.<br />
Hier an der Haltestelle<br />
Handweiser liegt auch<br />
der Anschluss zum Rheinbahn-Betriebshof<br />
Heerdt<br />
ALLE FOTOS: C. LÜCKER<br />
Spektakulär: Zwischen Heinrich-Heine-Allee und Hauptbahnhof verkehren die Linien U78 und<br />
U79 parallel zur U75, so wie hier an der Station Steinstraße/Königsallee. Von hier gehts zur „Kö“<br />
Daten & Fakten: Linie U75<br />
Linienlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 km<br />
Spurweite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />
Fahrzeugeinsatz . . . . . . . GT8SU, Bj. 1973/74<br />
B80D, Bj. 1981–1993<br />
Takt der Linie U75 . . . . . Mo. bis Fr.: 10 Min.<br />
Sa.: 10/15 Min.<br />
So., Feiertage: 15/20 Min.<br />
Tarif Gesamtstrecke. . . . . . VRR-Preisstufe B<br />
Einzelticket: 4,90 Euro<br />
Tagesticket: 11,30 Euro<br />
Nicht für alle Fahrgäste sind die hochflurigen <strong>Stadtbahn</strong>wagen auf der U75 gleich gut geeignet,<br />
wie diese Szene an der Blücherstraße in Neuss zeigt<br />
einen Kaiser hatte, hatte Düsseldorf auch<br />
schon eine Straßenbahnanbindung in das benachbarte<br />
Neuss. Ab 1901 fuhr die Straßenbahn<br />
zunächst über den Rheindeich nach<br />
Neuss. Da man aber befürchtete, dass der<br />
Deich die Last der Straßenbahnen auf Dauer<br />
nicht unbeschadet überstehen würde, wurde<br />
die Tram ab 1912 durch den Düsseldorfer<br />
Ortsteil Heerdt geführt. Mit Eröffnung<br />
der Südbrücke 1929 bekam Neuss einen<br />
zweiten Schienenanschluss und die beiden<br />
Strecken wurden zu einer Ringlinie Düsseldorf<br />
– Heerdt – Neuss – Südfriedhof – Düsseldorf<br />
zusammengefasst. Zwar wurde der<br />
Ringverkehr zwischendurch immer mal wieder<br />
getrennt, aber erst in den 1980er-<strong>Jahre</strong>n<br />
endete er gänzlich.<br />
Auf dem Ast Neuss – Heerdt – Düsseldorf<br />
fuhr schließlich bis 1993 die Linie 705, seit<br />
der Tunnelverlängerung bis zur Ronsdorfer<br />
Straße in Düsseldorf trägt diese die heutige<br />
Bezeichnung U75. Anfangs verkehrte sie<br />
noch zwischen Neuss Stadthalle und Düsseldorf-Eller.<br />
Ende der 1990er wurde die U75<br />
aber zum Neusser Hauptbahnhof zurück gezogen,<br />
weil die hochflurigen <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />
besonders in der Neusser Fußgängerzone<br />
zu mächtig erschienen.<br />
Die Fahrt beginnt: Ab in den Hafen<br />
Heute beginnt die Fahrt der U75 also am<br />
Neusser Hauptbahnhof. Nach Verlassen der<br />
zweigleisigen Kehranlage lässt sie rechts die<br />
Ausläufer der Neusser Fußgängerzone liegen<br />
– hier trifft die U75 auf die Straßenbahnlinie<br />
709 aus Düsseldorf. Direkt hinter<br />
dem Halt am Hauptbahnhof trennen sich die<br />
Wege der beiden Linien auch schon wieder<br />
– die 709 wendet am Theodor-Heuss-Platz.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
33
Betriebe<br />
Auch bei Sonnenschein<br />
wären weite Teile des<br />
Neusser Hafens nicht<br />
einladender ...<br />
Während der Fahrt über die vierspurige<br />
Düsseldorfer Straße eröffnet sich rechts<br />
schnell der Blick auf die Becken des Neusser<br />
Hafens. Die direkte Umgebung ist hier überwiegend<br />
unbebaut. Aber weiter im Hintergrund<br />
ist eine Menge los: Neben Containern<br />
und Industrieanlagen bestimmen hier vor<br />
allem Umschlag- und Produktionshallen das<br />
Bild. Hier bekommt man schnell einen<br />
Eindruck über die Ausmaße des Neusser<br />
Hafens.<br />
„Schnell“ ist in diesem Fall auch wörtlich<br />
zu nehmen, denn für die U75 geht es ohne<br />
Halt weiter. Unter einigen großen Verteilerbrücken<br />
hindurch, auf denen der Autoverkehr<br />
umher wuselt, erreicht die Bahn die<br />
Haltestelle Blücherstraße im Barbaraviertel.<br />
Haltestellenschild neben der Straße, einfache<br />
Wartehalle – reicht!<br />
Schnell die Türen zu!<br />
Linkerhand stehen ein paar höhere, weniger<br />
schmucke Wohnhäuser, direkt dahinter hat<br />
sich die Industrie bis zu den angrenzenden<br />
Im Bereich der Stationen Tonhalle und Ronsdorfer Straße sind auf dem Linienplan die Tunnelportale angedeutet<br />
GRAFIK: R. SCHWANDL<br />
34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Düsseldorf<br />
Bahngleisen ausgebreitet. Auf der rechten<br />
Seite ist neben Hallen, Tanks und Fabriken<br />
von den Hafenbecken nicht viel zu sehen.<br />
Augenscheinlich lebt hier auch nicht gerade<br />
die vornehmste Neusser Klientel. Und:<br />
hier müffelt es wirklich! Was aber nichts mit<br />
den Bewohnern zu tun hat, sondern viel<br />
mehr an der in der Nähe angesiedelten Ölmühle<br />
liegt. Bei ungünstigem Wind ist der<br />
faulige Gestank sogar in der ganzen Stadt zu<br />
riechen. Wobei sich die Neusser Politiker gerade<br />
erst mächtig gefreut haben, weil es in<br />
den am meisten betroffenen Stadtgebieten<br />
im Schnitt „nur noch“ rund zweieinhalb<br />
Stunden am Tag stinkt! Glückwunsch …<br />
Ein einziger Steigungsabschnitt<br />
Zum Glück klappen sich die Türen der<br />
GT8SU oder B80 rasch wieder zu. Vorbei an<br />
einigen alten Backsteinbauten rauschen die<br />
Wagen weiter inmitten der Hauptstraße.<br />
Während links schmuddelige Reihenhäuser<br />
vorbei ziehen, erheben sich rechts die Silos<br />
der besagten Ölmühle. Nach einem leichten<br />
Linksknick hält die U75 unter einer großen<br />
Eisenbahnbrücke am Hochbahnsteig der<br />
Haltestelle Am Kaiser. Bis zur Haltestelle<br />
Tonhalle/Ehrenhof wird das übrigens der letzte<br />
Hochbahnsteig sein, über den die Fahrgäste<br />
mühelos in die Bahn und aus der Bahn<br />
raus kommen. Apropos: Der einzige Anlass<br />
Am Kaiser auszusteigen dürfte die Verknüpfung<br />
zum Bus und zur S-Bahn sein. Direkt<br />
über der Haltestelle rattern außerdem die Regionalzüge<br />
in Richtung Düsseldorf hinweg.<br />
Die U75 kommt – abgesehen von den Tunnelrampen<br />
in der Düsseldorfer City – vollständig<br />
ohne nennenswerte Steigungen aus.<br />
Jetzt erklimmen die Wagen auf eigenem<br />
Gleiskörper dennoch einen kleinen Berg.<br />
Rechts und links sorgen noch mehr Zubringerstraßen<br />
und noch mehr Brücken für allerlei<br />
Auto-Getümmel, bevor die Bahn einige<br />
Bahngleise überquert und auf der anderen<br />
Seite wieder leicht bergab rollt.<br />
Das GT8SU-Doppel aus Wagen 3224 und 3221 hat den Belsenplatz erreicht. Die anderen <strong>Stadtbahn</strong>linien<br />
verkehren auf der Strecke im Hintergrund, zum Beispiel nach Krefeld<br />
Vereinzelt fahren auch B80-Doppel auf der U75, so wie hier Wagen 4004, erste B-Wagen-Serie,<br />
mit seinem jüngeren Kollegen 4224 im Neusser Hafen hinter der Haltestelle Blücherstraße<br />
Über die Stadtgrenze<br />
zur Bunker-Kirche<br />
Kurz vor der Haltestelle Vogesenstraße erreicht<br />
die U75 schließlich Düsseldorfer Stadtgebiet.<br />
Es mag Zufall sein, aber schon wird<br />
die Umgebung hübscher! Nach ein paar hundert<br />
Metern kommt die Linie an der Haltestelle<br />
Handweiser an. Auf der linken Seite führen<br />
die Gleise inmitten einer Häuserreihe<br />
durch die Einfahrt eines alten Backsteinhauses.<br />
Man würde nicht ahnen, dass sich ausgerechnet<br />
hinter dieser unscheinbaren Einfahrt<br />
die Hauptwerkstatt der Rheinbahn befindet.<br />
Gerade am Wochenende kann man auch immer<br />
wieder regulär Wagen der U75 hier einrücken<br />
sehen, weil zu bestimmten Zeiten nur<br />
jeder zweite Kurs bis nach Neuss durchfährt.<br />
Neben der Haltestelle zeigt sich noch ein<br />
anderes, interessantes Gebäude: Die Düsseldorfer<br />
Bunkerkirche St. Sakrament. Sie ist<br />
nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Luftschutzbunker<br />
entstanden. Dieses in dieser<br />
Form weltweit einmalige Bauwerk gilt deshalb<br />
auch als die „stabilste Kirche der Welt“.<br />
Auf eigener Fahrbahn<br />
Weiter geht die Fahrt in Richtung Düsseldorfer<br />
City durch den Stadtteil Heerdt. Auf<br />
eigenem Gleiskörper inmitten der zweispurigen<br />
Heerdter Landstraße ziehen die Bahnen<br />
an lockerer Wohnbebauung und einigen<br />
Gewerbebetrieben vorbei. Unterwegs sammelt<br />
die U75 an den Haltestellen Aldekerkstraße<br />
und Heesenstraße Fahrgäste ein. Am<br />
Nikolaus-Knopp-Platz ist das Zentrum von<br />
Heerdt erreicht. Abgesehen von einigen Altbauten<br />
und der Kirche St. Benediktus ist die<br />
Umgebung hier aber eher unspektakulär.<br />
Straßenbahnfreunden, die mit dem Auto<br />
nach Düsseldorf reisen, sei die nächste Haltestelle<br />
Dominikus-Krankenhaus empfohlen<br />
– hier bietet die Stadt nämlich kostenlose<br />
Park+Ride-Plätze an – und von hier aus erreicht<br />
man die Innenstadt per Bahn in nicht<br />
mal zehn Minuten.<br />
Im weiteren Verlauf wird die Sicht wieder<br />
freier. Die U75 verlässt ihren eigenen Gleiskörper<br />
und rollt, vorbei an einem ausgedehnten<br />
Sportplatz, unter einer Allee und unter<br />
einigen Autobrücken bis zur Haltestelle<br />
Drususstraße. Hier lohnt sich ein Blick links<br />
der Strecke: Zum Teil reich verzierte, mehrgeschossige<br />
Gründerzeitbauten warten nur<br />
darauf, als Motiv „eingefangen“ zu werden.<br />
Die Hauptschlagader in die City<br />
Mit einem Linksknick nimmt die U75 als<br />
klassische „Straßen-Bahn“ Kurs auf den Belsenplatz<br />
in Oberkassel. Hier ist was los! Ein-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
35
Betriebe<br />
Das Flair der 1970er-<strong>Jahre</strong> versprühen die letzten noch unmodernisierten GT8SU auch im Inneren<br />
– die modernisierte Variante weist zum Beispiel blaue Polstersitze auf<br />
gerahmt von schmucken Bauten mit hippen<br />
Cafés und Restaurants sorgen hier vor allem<br />
die Bahnen für pulsierendes Leben. Zur U75<br />
gesellen sich jetzt nämlich die U70 und U76<br />
von und nach Krefeld, die U74 Richtung Lörick/Meerbusch<br />
und Holthausen/Benrath<br />
und die U77 Richtung Am Seestern und<br />
Holthausen. Der Belsenplatz versprüht mit<br />
seinem alten Bahnhofsgebäude zudem noch<br />
etwas Fernbahnhofsflair. Und wer es nicht<br />
mehr bis in die Düsseldorfer Altstadt schafft,<br />
der kann sich in der Brauerei im alten Bahnhof<br />
sogar schon mal vorab ein Bierchen gönnen<br />
… Dann geht’s natürlich erst recht nur<br />
noch per Bahn weiter – die Auswahl ist ja<br />
jetzt groß genug.<br />
Und das ist auch gut so, großstädtisch und<br />
entsprechend fahrgastreich ist die Umgebung:<br />
Überwiegend mächtige Altbauten prägen<br />
das Bild rechts und links der vierspurigen<br />
Luegallee, in dessen Mitte sich auf<br />
eigenem Bahnkörper und eingerahmt von<br />
Bäumen im dichten Takt die Bahnen schnurgrade<br />
in Richtung Innenstadt schieben. Einen<br />
Zwischenstopp auf dieser Hauptschlagader<br />
gibt es noch am Barbarossaplatz,<br />
ehe die Bahnen den Luegplatz erreichen. Hier<br />
bietet sich zugleich auch die letzte Möglichkeit,<br />
auf dieser Rheinseite auszusteigen. Anschließend<br />
fährt die U75 nämlich über die<br />
imposante Oberkasseler Brücke, eine Stahlträgerbrücke,<br />
die den Rhein überspannt. Dieses<br />
Streckenstück lohnt sich ganz besonders:<br />
Von hier aus hat man einen perfekten Blick<br />
auf die Düsseldorfer Skyline mit den Rheinbrücken,<br />
dem Fernsehturm und der Rheinpromenade.<br />
Modernes LZB-System<br />
Wer nicht nur auf den Sound der GT8SU<br />
oder B80, sondern auch auf klassische Musik<br />
steht, der sollte an der Tonhalle am<br />
Rheinufer nicht vorbei fahren. An der Haltestelle<br />
Tonhalle/Ehrenhof erreicht man diese<br />
– und das sogar über einen Hochbahnsteig,<br />
damit die Herren in feinen Anzügen<br />
und die Damen in hochhackigen Schuhen ihren<br />
Konzertabend nicht mit einer Kletterpartie<br />
aus der Bahn beginnen müssen.<br />
In diesem Bereich fahren und bremsen die<br />
<strong>Stadtbahn</strong>en übrigens schon automatisch<br />
über das LZB-System. Der Fahrer muss nur<br />
die Start-Taste im Wagen drücken und schon<br />
rattert die Bahn in den Innenstadt-Tunnel<br />
und in die unterirdische Haltestelle Heinrich-<br />
Heine-Allee, an der nun auch die Linien U78<br />
und U79 dazu stoßen. Teilweise müssen hier<br />
Ordner die Fahrgastmassen in Schach halten,<br />
weil sonst nichts mehr geht oder fährt.<br />
Oben drüber tobt nämlich Tag und Nacht<br />
Frisch modernisiert sind die Wagen 3234 und<br />
3203 als sie im September 2012 über die Düsseldorfer<br />
Stadtgrenze gen Neuss Hauptbahnhof<br />
rollen<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Düsseldorf<br />
Halt mal!<br />
Entlang der U75 befinden sich auch einige touristische Ziele. An der Heinrich-<br />
Heine-Allee erreicht man die Düsseldorfer Altstadt, bekannt für ihre Partymeilen.<br />
Wenige Fußminuten davon entfernt liegt die Rheinpromenade. Hier<br />
sei ein Spaziergang in den architektonisch sehr spannenden Medienhafen hinter<br />
dem Rheinturm empfohlen. In dem sieht man Düsseldorf übrigens aus über<br />
170 Metern Höhe.<br />
Das Schloss Eller unweit der Endstelle Vennhauser Allee ist ein Muss für Kulturliebhaber.<br />
Und richtig rund geht’s so: Ab Hauptbahnhof mit der Linie 709<br />
nach Neuss und von dort aus mit der U75 zurück. So überquert man auf einer<br />
Ringstrecke gleich zweimal den Rhein.<br />
An der Haltestelle Steinstraße/Königsallee bitte nur mit gut gedeckter Kreditkarte<br />
aussteigen – hier gehts nämlich zur legendären Edel-Flaniermeile „Kö“.<br />
Und für die Freunde guter Küche? Pizzeria Lupo – Düsseldorfs wohl bekannteste<br />
Pizzeria in der Altstadt. Köstliche Pizza aus dem Steinofen, Bolker<br />
Straße 52, Haltestelle Heinrich-Heine-Allee.<br />
Auch bei schlechtem Wetter hat man auf der Oberkasseler Rheinbrücke<br />
einen perfekten Blick auf die Düsseldorfer Skyline mit dem markanten<br />
Fernsehturm<br />
die legendäre Düsseldorfer Altstadt. Hier<br />
wird immer gefeiert. Natürlich mit echtem<br />
Düsseldorfer Alt-Bier. Nach was anderem<br />
sollte man hier auch nicht fragen …<br />
Für eine Tunnelstrecke ist der Abschnitt<br />
bis zum Hauptbahnhof über Steinstraße/Königsallee<br />
und Oststraße hochinteressant: Die<br />
Bahnen verkehren hier nämlich in zwei verschiedenen<br />
Ebenen. Das bedeutet: Alle Wagen<br />
Richtung Hauptbahnhof fahren parallel<br />
auf der unteren Ebene, die Wagen in die<br />
Gegenrichtung auf der oberen. Es kann also<br />
durchaus vorkommen, dass direkt neben der<br />
U75 zum Beispiel ein Zug der U78 durch den<br />
Tunnel braust. Am Hauptbahnhof ist das<br />
Spektakel vorbei – die Ebenen werden wieder<br />
vereint und die U75 hat die nächsten<br />
Tunnelstationen Handelszentrum und Kettwiger<br />
Straße für sich allein. An der Ronsdorfer<br />
Straße erblickt sie wieder das Tageslicht,<br />
übrigens unweit des ehemaligen<br />
Düwag-Werks, in dem vor allem in der<br />
Nachkriegszeit noch zahlreiche Straßenbahn-Klassiker<br />
gebaut worden sind.<br />
Hier fädeln sich auch die Gleise der oberirdischen<br />
Betriebsstrecke ein, über die auch<br />
Straßenbahnen an der nächste Haltestelle<br />
Lierenfeld Betriebshof selbigen erreichen<br />
können.<br />
Die Enstelle Vennhauser Allee in Eller ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Südosten. Hier warten<br />
die beiden Düsseldorfer Linien 715 und U75 auf neue Fahrgäste<br />
Die U75 bekommt Gesellschaft<br />
Dass gleich beide Düsseldorfer Betriebshöfe<br />
an der Strecke der U75 liegen, hat einen entscheidenden<br />
Vorteil: So können die mittlerweile<br />
doch recht störanfälligen GT8SU bei<br />
Bedarf relativ einfach auf beiden Strecken -<br />
ästen ausgetauscht werden.<br />
Über die Erkrather Straße geht es im Straßenplanum<br />
weiter durch dicht bebautes<br />
Gebiet bis zur Schlesischen Straße. Jetzt bekommt<br />
die U75 Gesellschaft: Die Straßenbahnlinie<br />
715 wird sie bis zur Endstelle begleiten.<br />
Gerade auf diesem letzten Abschnitt<br />
kommt die U75 wie eine gewöhnliche Straßenbahn<br />
daher – hier müssen sich die Bahnen<br />
deshalb auch mal in die eine oder andere<br />
Autoschlange stellen.<br />
An den Haltestellen Am Hackenbruch und<br />
Jägerstraße müssen die Fahrgäste sogar direkt<br />
von der Straße aus in die hohen <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />
steigen.<br />
Bis zum Schluss: Straßenbahn pur!<br />
Die Bahnen folgen der recht schmalen und<br />
dicht bebauten Zeppelinstraße, ehe sie die S-<br />
Bahn-Strecke Solingen – Dortmund unterqueren<br />
und nach einem Linkschwenk auf dem<br />
recht idyllischen Gertrudisplatz an der Haltestelle<br />
Eller Mitte zum stehen kommen. Vor<br />
den alten Häusern wirken die <strong>Stadtbahn</strong>wagen<br />
zwar etwas bullig, der Fahrgastandrang<br />
rechtfertigt ihren Einsatz aber allemal.<br />
Eng geht es auf dem restlichen Streckenstück<br />
zu: Die U75 schlängelt sich durch die<br />
Häuserschluchten von Alt-Eller.<br />
Erst an der Vennhauser Allee wird die<br />
Sicht wieder freier: Hier erreichen die Bahnen<br />
nämlich ihre großzügig angelegte doppelgleisige<br />
Endschleife, wobei die U75 das<br />
äußere Gleis nutzt und die Niederflurwagen<br />
der 715 das innere Gleis befahren. Die Endstelle<br />
ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt<br />
im Westen der Stadt. Nachdem die Fahrgäste<br />
aus- oder in die zahlreichen Buslinien umgestiegen<br />
sind, befährt die U75 die halbe<br />
Schleife, um an der Abfahrthaltestelle neue<br />
Fahrgäste Richtung Neuss aufzunehmen.<br />
Und dann beginnt die spannende Fahrt aufs<br />
Neue …<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
37
Betriebe<br />
Zur ersten Probefahrt kam am 13. Dezember 2012 der Tw 1 zur Endstelle<br />
Lichtenhainer Wasserfall (kleine Bilder). Danach testete Matthias<br />
Rzehak die Strecke nochmals mit dem Tw 4 OVPS (LINKS) UND M. FÖRSTER (RECHTS)<br />
Wieder zum<br />
Wasserfall!<br />
Kirnitzschtalbahn wieder komplett<br />
in Betrieb Seit dem 14. Dezember 2012<br />
verkehren die Züge der Kirnitzschtalbahn<br />
wieder bis zum Lichtenhainer Wasserfall.<br />
Alle Hochwasserschäden vom Sommer 2010<br />
sind behoben. Bis zum 28. März 2013<br />
gilt nun der reguläre Winterfahrplan<br />
Mit einer Motorschneefräse rücken die Mitarbeiter der Oberelbischen<br />
Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz (OVPS) dem<br />
Schnee im Bereich der Endstelle Lichtenhainer Wasserfall<br />
zu Leibe. Dann ist es am Donnerstag, dem 13. Dezember<br />
2012, soweit: Erstmals seit dem Hochwasser im August 2010 erreicht<br />
ein Wagen der Kirnitzschtalbahn wieder ihren regulären Endpunkt.<br />
Seit Freitag, dem 14. Dezember, pendeln die Fahrzeuge des liebenswerten<br />
Meterspurbetriebes wieder tagtäglich zwischen Bad<br />
Schandau und Lichtenhainer Wasserfall. Gleichzeitig gilt damit erstmals<br />
seit 2009/10 der normale Winterfahrplan auf der acht Kilometer<br />
langen Strecke in der Hinteren Sächsischen Schweiz.<br />
38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Kirnitzschtalbahn<br />
Am Nachmittag des 7. August 2010 richtete eine Flutwelle der Kirnitzsch<br />
zwischen Hinterhermsdorf und Bad Schandau schwere Zerstörungen<br />
an, von denen auch die Kirnitzschtalbahn betroffen war.<br />
Neben den Fahrzeugen des Linienverkehrs standen auch alle historischen<br />
Fahrzeuge etwa achshoch im Schmutzwasser des Flusses.<br />
Der Abschnitt vom Stadtpark Bad Schandau bis zum Beuthenfall,<br />
der vorletzten Haltestelle, war bereits seit dem 28. August 2010 wieder<br />
in Betrieb. Unterbrochen wurde dieser am 21. August 2012: Aufgrund<br />
erneuter Unwetterschäden gab es am 21. und 22. August 2012<br />
keinen Verkehr. Nach zweieinhalb <strong>Jahre</strong>n Bauzeit bedient die OVPS<br />
nun aber wieder die gesamte Strecke im Kirnitzschtal. Zuvor waren<br />
zwischen Haidemühle und Lichtenhainer Wasserfall auf etwa<br />
240 Meter Länge die Gleise und Oberleitung sowie eine Stützmauer<br />
erneuert worden.<br />
Bis zum Ende des Winterfahrplanes am 28. März verkehrt die<br />
Straßenbahn täglich zwischen 9.<strong>50</strong> und 16.<strong>50</strong> Uhr sieben Mal im<br />
Rhythmus von einer Stunde und zehn Minuten ab Bad Schandau.<br />
Die letzte Abfahrt ab Lichtenhainer Wassserfall ist 17.20 Uhr.<br />
Am 27. Mai 2013 wird der sächsische Kleinbetrieb übrigens 115<br />
<strong>Jahre</strong> alt. Derzeit laufen bei der OVPS und dem Förderverein Planungen,<br />
ob und wie man auf dieses Jubiläum genau eingeht. Details<br />
werden danach auf www.ovps.de bekanntgegeben. PM/AM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
39
Betriebe<br />
Mit Blick auf die<br />
große Bucht<br />
Die neue Tram in Brest Sie ist eine Revolution im ÖPNV und<br />
verändert das Bild der Stadt am Ende der Bretagne – die 2012 neu<br />
eröffnete Tramlinie 1. Der Beitrag schildert die Vorgeschichte, den<br />
Bau, die Einweihung und gibt einen Ausblick auf neue Pläne<br />
40
Frankreich: Brest<br />
Die Pont de Recouvrance über den Fluss<br />
Penfeld, rechts das Stadtzentrum von Brest,<br />
links das Recouvrance-Viertel, in das eine<br />
Tram fährt. Der Mittelteil der Brücke kann<br />
angehoben werden<br />
C. D. LEROUX<br />
Die 1944 zerstörte Pont National über den<br />
Fluss Penfeld war als Drehbrücke ausgeführt<br />
und ist der Vorläufer der heutigen Pont de<br />
Recouvrance<br />
SLG. V. LECAENNAIS<br />
Farbe hat die neue Straßenbahn nach<br />
Brest gebracht – und Chrom. Farbe,<br />
weil der Himmel über der Bretagne<br />
nicht immer blau und Häuser des neuen<br />
Brest beton- oder granitfarben sind. Und<br />
da hellen die neuen anisgelben Tramzüge den<br />
Alltag auf. Obwohl Alstom-Citadis-Züge in<br />
mehreren Städten Europas und anderer Kontinente<br />
verkehren, in Brest wirken sie besonders<br />
edel: Das machen die verchromten<br />
Einfassungen der Fensterflächen von Front<br />
bis Heck. Und viel Chrom findet sich auch<br />
im Innern der Züge, an den Haltestangen,<br />
den Griffen im Stehbereich in Form von<br />
Schiffshaken, in den Dachluken – und nicht<br />
zuletzt an den Haltestellen, auf den Deckeln<br />
der Abfallbehälter.<br />
Stolz ist man in Brest auf diese Revolution<br />
im ÖPNV. Mit 156.000 Einwohnern ist die<br />
Stadt Brest, Hafen an der gleichnamigen 1<strong>50</strong><br />
km 2 großen Rade de Brest (Bucht von Brest),<br />
größte Kommune des Ballungsraumes Brest<br />
Métropole Océan (BMO), zu dem acht Gemeinden,<br />
darunter Brest, Guipavas, Plougastel-Daoulas,<br />
Plouzané, Le Relecq-Kerhuon<br />
(insgesamt 221.000 Einwohner) gehören.<br />
Plougastel-Daoulas, mit 11.000 Einwohnern<br />
zweitgrößte Kommune, liegt elf Kilometer<br />
südöstlich auf dem anderen Ufer des Flusses<br />
Elorn, was die Problematik des ÖPNV im<br />
Großraum deutlich macht. Hinzu kommt,<br />
dass Brest – nach praktisch totaler Zerstörung<br />
1943/44 mit breiten Straßenachsen, wie<br />
Rue de Siam, Rue Jean-Jaurès und uniformen<br />
Betonblöcken wieder aufgebaut – zum Indi-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
41
Betriebe<br />
Chrom und Glamour<br />
in der Stadt<br />
Die Gesamtlänge der neuen Straßenbahn-Linie<br />
Brest mit drei Endstationen beträgt 14,3 km mit<br />
28 Haltestellen. 26 Prozent der Bevölkerung des<br />
Großraums, ein Drittel der Arbeitsplätze liegen<br />
im Einzugsbereich (4<strong>50</strong> Meter) der neuen Straßenbahn.<br />
20 Straßenbahnzüge vom Alstom-Typ<br />
„Citadis 302“ wurden beschafft, man rechnet mit<br />
49.<strong>50</strong>0 Fahrgästen täglich. Man erhofft eine Erhöhung<br />
des Verkehrsaufkommens um 27 Prozent,<br />
eine Beschleunigung des ÖPNV um 21 Prozent.<br />
60 Prozent der frei werdenden Bus-Kapazitäten<br />
wurden neu verteilt: 14 Buslinien „bedienen“ direkt<br />
die neue Straßenbahnlinie. VLC<br />
Der neuen Tram von Brest auf Dach geschaut: Von der Pont de Recouvrance kommend ist ein<br />
Zug in der Rue de Siam angekommen<br />
BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: V. LECAENNAIS<br />
Auf der nun vom Durchgangsverkehr befreiten Rue Jan Jaures begegnen sich in Höhe der Haltestelle<br />
Octroi am 6. September 2012 die Wagen 1004 und 1013<br />
A. REUTHER<br />
vidualverkehr einlud: Über 70 Prozent der<br />
Käufer des Einzelhandels der Innenstadt kamen<br />
mit dem Auto ...<br />
Damit ist jetzt Schluss. Es sieht so aus, als<br />
hätten die Planer versucht, Geschäfte und<br />
Besucher, Gewerbe und Kunden via Tramway<br />
miteinander zu verbinden. Von einer<br />
„révolution urbaine“ spricht man in Brest,<br />
wenn es um das Zusammenspiel von Stadtentwicklung<br />
und Straßenbahn-Bau geht. Auf<br />
dem linken Ufer des Flusses Penfeld hat die<br />
französische Marine auf dem Plateau de Capucins<br />
zwölf Hektar geräumt, wo Wohnungen<br />
und Büros entstehen, zudem ein neues<br />
Sportzentrum und andere Einrichtungen,<br />
welche die Gewichte in der Stadt neu verteilen.<br />
Doch auch das „alte“ Brest, mit Um-<br />
gestaltung der Hallen der Place Saint-Louis<br />
und der (endlich!) ersten Fußgängerzone von<br />
1,5 km, am unteren Ende der Rue de Siam,<br />
haben deutlich gewonnen.<br />
West-Ost-Trasse mit Gabelung<br />
In Richtung Westen und Meer liegt die Endstation<br />
der neuen Straßenbahn nach 14,3 km<br />
und 28 Haltestellen an der Porte de Plouzané.<br />
Zur Gemeinde Plouzané gehören das<br />
Meeresforschungsinstitut Ifremer, die Technopole<br />
Brest-Iroise und der Betriebshof<br />
CEMT.<br />
Durch das Stadtviertel Saint-Pierre, wo bis<br />
2014 die künftige Veranstaltungshalle aus<br />
dem Boden wächst, führt die Route zum Plateau<br />
de Capucins, dem Entwicklungsgebiet.<br />
Ziel der neuen tramway ist auch, „beide Ufer<br />
miteinander zu verbinden“. Das geschieht<br />
auf der mächtigen Pont de Recouvrance<br />
(1954), die sich jetzt ÖPNV und Individualverkehr<br />
teilen – mit einer klaren Vorfahrt<br />
für den ÖPNV.<br />
Auf dem rechten Ufer des Penfeld wertet<br />
die Tramway-Trasse die Einkaufsmeile im<br />
Stadtzentrum auf, erreicht das St. Martin-<br />
Viertel und den Rond-Point de Strasbourg<br />
(P+R-Platz), bevor sie sich nach der Haltestelle<br />
Pontanézen in zwei Äste teilt: Nach<br />
Norden durch das Industrieviertel Kergaradec<br />
zur Porte de Gouesnou, wo die Route<br />
Nationale 12 die Bretagne mit dem knapp<br />
600 Kilometer entfernten Paris verbindet;<br />
nach Süden, zur Porte de Guipavas, zwei<br />
Haltestellen.<br />
Die Gemeinde Guipavas hat 13.900 Einwohner<br />
und den Flughafen. 26 Prozent der<br />
Bevölkerung des Großraums, ein Drittel der<br />
Arbeitsplätze, liegen im Einzugsbereich (4<strong>50</strong><br />
Meter) der neuen Straßenbahn. Man rechnet<br />
mit 49.<strong>50</strong>0 Fahrgästen täglich, erhofft<br />
ein um 27 Prozent erhöhtes Verkehrsaufkommen,<br />
eine Beschleunigung des ÖPNV<br />
um 21 Prozent. 60 Prozent der frei werdenden<br />
Bus-Kapazitäten sind neu verteilt. 14<br />
Buslinien „bedienen“ direkt die neue Straßenbahnlinie.<br />
Neue Tramway ist Rückkehr<br />
Für Brest bedeutet die neue Tramway die<br />
Rückkehr eines alten Verkehrsmittels in moderner<br />
Gestalt. Denn zwischen 1897, mit<br />
maximal drei Linien und 15 km Gesamtlänge<br />
(1920) bis zur Zerstörung der Stadt<br />
1944 – und damit länger als in anderen französischen<br />
Städten – verkehrten in der Hafenstadt<br />
schon Straßenbahnen, bis 1970<br />
auch Trolleybusse.<br />
Im <strong>Jahre</strong> 1980 scheiterte das erste Projekt<br />
für den Bau einer neuen Straßenbahn. Proteste<br />
der Gewerbetreibenden und eine gescheiterte<br />
Volksabstimmung (80 Prozent<br />
„nein“) führten zum „Aus“.<br />
42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Frankreich: Brest<br />
Der Gelenkzug 1017 vom Typ Citadis 302 überwindet am 6. September 2012 die Steigung von der Rue du Sam zum Place Liberté. Dieser Bereich<br />
von Brest steht nur der Straßenbahn und den Fußgängern/Fahrradfahrern zur Verfügung<br />
A. REUTHER<br />
Blick durch die Fahrerkabine auf das Armaturenbrett des Alstom-Citadis<br />
302 und die Geschäftsstraßen der Hafenstadt im Westen Frankreichs<br />
Nächtliche Straßenbahn in Brest an der Haltestelle Château. Die Citadis<br />
sind mit mit bullaugenähnlichem Deckendekor versehen<br />
Auch dieses Mal gehörten Einzelhändler<br />
zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens.<br />
Doch OB François Cuillandre, der auch Vorsitzender<br />
des Großraums Brest Metropole<br />
Océan ist, hatte bereits zur Kommunalwahl<br />
im März 2001 das Projekt Tramway im<br />
Wahlprogramm und damit durch die Wähler<br />
billigen lassen.<br />
Auch beim zweiten Anlauf gab es Hindernisse:<br />
Die auseinandergezogene Struktur des<br />
Ballungsraums war ein Argument, mit dem<br />
Gegner aus Nachbargemeinden versuchten,<br />
bis in letzter Minute das Projekt zu verhindern:<br />
Mit abgetrennten Busspuren sei der<br />
ÖPNV flüssiger zu machen. Dass bessere Verkehrsverhältnisse<br />
in Brest, Universitätsstadt<br />
und Oberzentrum der westlichen Bretagne,<br />
das sich verstärkt im Konkurrenzkampf zu<br />
der ganz im Osten liegenden bretonischen<br />
Hauptstadt Rennes befindet, dem Image der<br />
Stadt nützen würde, hat klar die Oberhand<br />
behalten: 52 Ja- und 29 Nein-Stimmen.<br />
Entscheidungen und Bau<br />
in Rekordzeit<br />
Erkannt wurde, dass auch in Brest der ausschließlich<br />
busgestützte ÖPNV an seine<br />
Grenzen geraten ist. Drei P+R-Plätze am<br />
Rand der Stadt, Fort Montbarey (148 Plätze),<br />
Porte de Gouesnou (200 Plätze), Porte<br />
de Guipavas (229 Plätze) und einer oberhalb<br />
der Innenstadt, an der Place de Strasbourg<br />
mit 2<strong>50</strong> Plätzen,v sollen Automobilisten zum<br />
Umsteigen in den ÖPNV bewegen.<br />
Auf wie viel Schienen die Tramway de Brest<br />
verkehrt, war zunächst offen. Bei der Grundsatzentscheidung<br />
am 17. Dezember 2004<br />
wollte und konnte man sich nicht auf eine<br />
„klassische“ Straßenbahn (tramway fer) oder<br />
eine „Straßenbahn auf Gummirädern“ (tram<br />
sur pneus, mit zentraler Führungsschiene) wie<br />
in Caen und Nancy festlegen. Bei den Kostenschätzungen<br />
lag die „Gummivariante“ mit<br />
214 Mio. Euro vor der „Eisenvariante“ mit<br />
240 Mio. Euro, wobei letztere von der BMO-<br />
Führung favorisiert und am 9. Februar 2007<br />
gewählt wurde. Immerhin gibt es beiderseits<br />
des Flusses Penfeld Rampen mit bis zu 8,25<br />
Prozent zu bewältigen.<br />
Den Baubeginn markierten zwei spektakuläre<br />
Aktionen: Am 21. Juni 2010 wurde<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
43
Betriebe<br />
In der Nähe des Rathauses (Hôtel de Ville) und der Haltestelle Liberté liegen bereits die Weichen für die angedachte zweite Linie<br />
Etappen der Renaissance<br />
1897 Gründung der Verkehrsgesellschaft<br />
Compagnie de Transport de Brest (CTB),<br />
ab 1898 verkehren Straßenbahnen<br />
1901 in Brest verkehren drei Straßenbahninien<br />
1920 Gesamtlänge des Straßenbahnnetzes<br />
15 km<br />
1944 bei der totalen Zerstörung der Stadt wird<br />
auch das Straßenbahnnetz zerstört<br />
1970 Einstellung Trolleybusverkehr<br />
1986 Umbenennung der städtischen Verkehrsgesellschaft<br />
in bibus<br />
2001 bibus wird als erstes Netz in Frankreich<br />
nach ISO 14001 zertifiziert<br />
2004 Vertrag für bibus mit Keolis bis 2008<br />
verlängert, Entscheidung für den Bau<br />
einer Straßenbahn<br />
2011 am 23. Mai rollt in Aytré bei La Rochelle<br />
der erste Zug für Brest aus dem Alstom-<br />
Werk. Er trifft am 7. September 2011 in<br />
Brest ein. Zuvor wird das Mittelteil der<br />
Pont de Recouvrance ersetzt<br />
2012 Einweihung der neuen Tramway<br />
am 23. Juni<br />
VLC<br />
der Grundstein für Depot und Wartungszentrum<br />
gelegt, am 22. Juli 2010 in der rue<br />
Siam (Stadtzentrum) symbolisch das erste<br />
Gleis geschweißt. Und in Rekordzeit von<br />
zweieinhalb <strong>Jahre</strong>n kam die Straßenbahn in<br />
Brest auf die Schienen.<br />
20 Züge von Alstom<br />
Die gemeinsame Bestellung des rollenden<br />
Materials für zwei Städte sorgte bei einem<br />
GART-Verkehrswesen-Kongress in Paris am<br />
15. September 2009 für Aufsehen: François<br />
Cuillandre (Brest) und François Rebsamen<br />
(Dijon) bestellten 52 Straßenbahn-Züge bei<br />
Alstom: 32 für Dijon und 20 für Brest. Beide<br />
Trams haben dasselbe Design – entwickelt<br />
von APD und dem Designer Eric Rhinn in<br />
Lyon – nur die Farben sind unterschiedlich:<br />
anisgelb für Brest, cassisrot für Dijon.<br />
Vorteil der gemeinsamen Bestellung: Brest<br />
und Dijon zahlen pro Zug nur 2,08 Mio.<br />
Euro. Die Citadis-302-Züge sind neuester<br />
Bauart, zu 98 Prozent recycling-fähig, weil<br />
aus vielen Composit-Materialien. Der<br />
Stromverbrauch des Antriebs wurde zehn<br />
Prozent sparsamer.<br />
Bei Alstom betont man, dass ein Passagier<br />
mit Sitzplatz viermal weniger als ein Bus und<br />
zehn Mal weniger als ein Auto verbraucht.<br />
Auch der Geräuschpegel in der Stadt soll sinken,<br />
um rund fünf Dezibel. Kein Wunder,<br />
dass man entlang der Strecke Hinweise auf<br />
die Gehsteige druckte: Achtung, die Straßenbahn<br />
hat Vorfahrt und ist leise.<br />
Besonderen Wert legten die Designer nicht<br />
nur auf das chice Äußere der neuen Straßenbahnzüge,<br />
sondern auch auf die Innengestaltung:<br />
Auch hier viel Chrom, von den<br />
Benutzern geschätzt, wie Schifferknoten (noeud<br />
marin) als Haltegriffe, Dachluken, die<br />
aus Schiffen stammen könnten und Ansagen,<br />
die sich mit Tageszeit und Gezeiten des<br />
benachbarten Meeres verändern. Und dann<br />
die Farben der Sitze, in den einzelnen Modulen<br />
unterschiedlich, 2 + 1-Anordung der<br />
Sitze in bestimmten Bereichen und daneben<br />
Ablageflächen, „eine Straßenbahn zum Leben“,<br />
wie es ein Fahrgast ausdrückt.<br />
Und auch die Strecke sorgt für Abwechslung:<br />
Rasengleis auf der Hälfte der Trasse,<br />
entlang der Strecke wurden 1.600 Bäume und<br />
70.000 m 2 Sträucher gepflanzt. Hinzu kommen<br />
elf recht unterschiedliche Kunstwerke.<br />
Der erste der 20 Citadis traf am 7. September<br />
2011 über die Pont de l’Iroise in Brest<br />
ein, ab 18. Oktober 2011 gab es Testfahr-<br />
44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Frankreich: Brest<br />
Im aktuellen Nahverkehrsplan von Brest ist die neue Straßenbahn an erster Stelle mit einer roten Linie eingezeichnet<br />
Im Obergeschoss des CEMT ist die Leitstelle PCC (Poste de Commandement<br />
centralisé) untergebracht, mit Rundblick auf das gesamte Gelände<br />
von Depot und Wartungszentrum<br />
Blick in das CEMT an der Porte de Plouzané für die Wartung und<br />
Instandsetzung der Citadis. Alle Anlagen sind auch für Züge mit 44 Meter<br />
Gesamtlänge ausgelegt<br />
ten. Ersten Kontakt konnten die Brester am<br />
21./22./23. Dezember 2011 nehmen, als zwei<br />
Züge in der rue de Siam, im Herzen der<br />
Stadt, und an der Haltestelle Liberté (zugänglich)<br />
ausgestellt waren. 9.000 Besucher<br />
wurden gezählt.<br />
Spektakuläre Rückkehr der Tram<br />
Viel Sonnenschein und etwas Regen begleitete<br />
dann die Rückkehr der Straßenbahn<br />
nach Brest am Festwochenende im Juni<br />
2012. 95.000 Fahrgäste nutzten nach der offiziellen<br />
Eröffnung durch OB François Cuillandre<br />
und Minister Jean-Yves Le Drian die<br />
Mitfahrgelegenheit. Die Brester entdeckten<br />
gleichzeitig das neue Gesicht ihrer Stadt, v.a.<br />
mit der 1,5 km langen Fußgängerzone in der<br />
Rue de Siam. Mit der Rückkehr der Tramway,<br />
68 <strong>Jahre</strong> nach der Zerstörung der Stadt<br />
im Herbst 1944, ging auch die wichtigste<br />
Baumaßnahme seit dem Wiederaufbau zu<br />
Ende. 14,3 km ist die Strecke lang, spektakulärster<br />
Punkt ist die Überquerung des Flusses<br />
Penfeld auf der Pont de Recouvrance, deren<br />
87,5 Meter langes und 480 Tonnen<br />
schweres Mittelteil 2011 erneuert wurde und<br />
die nun zusätzliche Fußgänger- und Radfahrer-„Balkone“<br />
hat. Allein diese Operation<br />
kostete 15 Mio. Euro der Gesamtkosten<br />
von rund 390 Mio. Euro (vor Steuern).<br />
Ihre erste Bewährungsprobe hatte die neue<br />
Tram von Brest dann im Juli 2012 bei den<br />
„Tonnerres de Brest“ zu bestehen, einem großen<br />
Treffen historischer und moderner Schiffe<br />
in der Hafenstadt mit der weiten Bucht von<br />
Brest und dabei entdeckten auch Autofahrer<br />
die P + R-Plätze an der neuen Trasse.<br />
Depot CEMT an Bunkerstandort<br />
Elf deutsche Bunker und 16,5 Tonnen<br />
Sprengstoff mussten beseitigt werden, bevor<br />
am 21. Juni 2010 der Grundstein für das Depot<br />
und Wartungszentrum (CEMT, Centre<br />
d’Exploîtation et de Maintenance du Tramway)<br />
am westlichen Ende der Trasse gelegt<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
45
Betriebe<br />
Symbolisches Schild: „Vorrang für die Straßenbahn“ im Viertel Pontanézen im Nordosten von Brest, wo die Straßenbahnlinie bereits da ist, aber<br />
neue Wohnhäuser gerade erst hochgezogen werden. Solche Schilder gibt es im ganzen Stadtgebiet<br />
werden konnte. Nach Plänen des Architekturbüros<br />
Ferrand-Sigal Architectes (1986 in<br />
Lyon gegründet, bereits an den Depots Grenoble-Gières,<br />
Straßburg-Neudorf und Meyzieu<br />
bei Lyon beteiligt) entstand auf 4,5 Hektar<br />
Fläche ein Depot und Wartungszentrum<br />
mit 7.000 m 2 Gebäudefläche, 20.000 m 2<br />
Gleisanlagen, Park- und Abstellplätzen sowie<br />
22.000 m 2 Grünflächen.<br />
Viel Platz, viel Grün und Nachhaltigkeit:<br />
Regenwasser wird gesammelt, Waschwasser<br />
recycelt. Doppelte thermische Isolierung, Installation<br />
von 960 Sonnenpaneelen mit<br />
1.279 m 2 Fläche, die jährlich 165.000 KWh<br />
produzieren und 80 Tonnen CO 2<br />
einsparen<br />
sollen. Viel natürliches Licht vom Dach im<br />
Werkstattbereich. Von den 17 beteiligten Betrieben<br />
kamen 53 % aus Brest, 12 % aus<br />
dem Département Finistère, 12 % aus der<br />
Région Bretagne, nur 23 % von außerhalb.<br />
Gérard Cabon zeigt stolz das CEMT, das<br />
viel Platz und noch viele Erweiterungsmöglichkeiten<br />
hat: 30 Busse sind bereits ständig<br />
stationiert, 15 weitere Straßenbahnen finden<br />
hier Platz ,und auch wenn die Züge durch<br />
ein zusätzliches Modul auf sechs (von 32,7<br />
auf 44 Meter) verlängert würden, reichen die<br />
Dimensionen der Anlagen noch immer.<br />
Starke Bürgerbeteiligung<br />
Hatte eine demokratisch zusammengesetzte<br />
Jury von 120 Personen im Mai 2008 Design<br />
und Farben der neuen Straßenbahn bestimmt,<br />
so konnten die Bürger im Mai 2011 die Namen<br />
von 18 Haltestellen aus 40 Vorschlägen<br />
auswählen, 176.000 Stimmen wurden abgegeben.<br />
Über 100.000 Gäste registrierte das<br />
Besucherzentrum in den drei <strong>Jahre</strong>n vor der<br />
Eröffnung der neuen Straßenbahn.<br />
Und die zweite Linie?<br />
Zwei Weichen in der Nähe des Rathauses,<br />
an der Place de la Liberté, stellen die Frage<br />
nach der zweiten Straßenbahnlinie. Da gibt<br />
es bisher nur Planungen und eine Sicherheit:<br />
Sie wird vom SNCF-Bahnhof, wo Anschluss<br />
an das TGV-Netz besteht, in Richtung Norden<br />
führen, über die Place de la Liberté, vermutlich<br />
nach Lambézellec.<br />
Bisher fahren da Gelenkbusse, teilweise<br />
auf abgetrennter Trasse. Diese könnte zu einer<br />
etwa 9 km langen Tram-Linie ausgebaut<br />
werden, wobei der geschätzte Kostenrahmen<br />
von 200 Mio. Euro die Baupläne vor 2020<br />
für wenig realistisch erscheinen lässt.<br />
Maire-Adjoint Alain Masson, zuständig<br />
für Großprojekte und nachhaltige Entwicklung,<br />
sieht es jedenfalls so. Vorher geht der<br />
ÖPNV in die Luft: Eine Seilbahn mit drei Kabinen,<br />
410 Meter lang und 60 Meter über<br />
dem Fluss Penfeld, soll Ende 2014 die beiden<br />
Ufer verbinden, von der projektierten neuen<br />
Médiathèque zum Entwicklungsgebiet Les<br />
Capucins 15 Mio. Euro zahlt der Ballungsraum<br />
BMO dafür, Betreiber wird ebenfalls<br />
Bibus und daher sieht Monsieur Masson keine<br />
Konkurrenz zur Straßenbahn, sondern<br />
eine Ergänzung.<br />
Ein Wermutstropfen fiel in die Entscheidung<br />
für die Tram. Seit 2003 gibt es keine Zuschüsse<br />
der Regierung in Paris mehr für Sraßenbahn-Projekte.<br />
Dennoch hat das Beispiel<br />
anderer Großstädte im französischen Westen,<br />
mit Tram-Neubauten, wie Nantes (erste<br />
neue Straßenbahn Frankreichs überhaupt,<br />
1985), Caen (2002), Le Mans (2007), Angers<br />
(2011) das positive Votum in Brest überhaupt<br />
erst möglich gemacht. Und die Straba<br />
in Brest fährt 2012, rechtzeitig vor der nächsten<br />
Kommunalwahl 2014. Zur Finanzierung<br />
wurde das Versement Transport (VT), das<br />
die Unternehmen der Region bezahlen, von<br />
1,05 % der Lohnsumme auf 1,60 % erhöht.<br />
Vorfahrt für die Tram<br />
Die Straßenbahn hat Vorfahrt und ist leise<br />
– Dreiecke mit diesem Hinweis hat man entlang<br />
der Strecke in den Boden geprägt. In der<br />
Tat: Neuer Glanz und Chrom ist in die Hafenstadt<br />
Brest eingezogen und durchquert sie<br />
täglich von 5.30 Uhr bis nach Mitternacht.<br />
Die Straßenbahn ist erstaunlich leise, die<br />
Farbe variiert nach Tageszeit und frische Luft<br />
weht durch die alte Hafenstadt.<br />
Viel Wert hat man auf Details und das<br />
Wohlfühlen gelegt und so ist man in Brest<br />
stolz, nicht nur Frankreichs neueste Straßenbahn<br />
zu haben, sondern auch die Erste<br />
in der Bretagne. Dass man in Brest im Département<br />
Finistère, am „Ende der Welt“ ist,<br />
bekommt damit eine ganz neue Bedeutung.<br />
VICTOR LECAENNAIS<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Nächster Halt: …<br />
Der Dresdner Tw 2608 erreicht am 31. Mai 2011 von der Messe kommend die Haltestelle Alberthafen. Dahinter das ehemalige Gebäude der<br />
Hafenverwaltung, heute Gaststätte „Fischhaus Alberthafen“ sowie links im Bild der Portalkran von 1964<br />
MICHAEL SPERL<br />
Nächster Halt:<br />
Alberthafen<br />
Ab 1906 wurde das Terrain an der Elbe westlich<br />
von Dresdens Stadtzentrum unweit der<br />
Weißeritzmündung aufgeschüttet und hier<br />
der Städtische Vieh- und Schlachthof errichtet.<br />
Zu dessen Eröffnung 1910 konnte eine<br />
Anbindung des Ostra-Geheges an das städtische<br />
Straßenbahnnetz realisiert werden, die<br />
bis 1964 in einem weiten Bogen über die<br />
Waltherstraße und Magdeburger Straße und<br />
weiter über die Schlachthofbrücke verlief.<br />
Ab Gleisdreieck Friedrichstadt, Vorwerkstraße<br />
wurde ab 1964 eine direkte Strecke zum<br />
Schlachthof genutzt, die infolge des maroden<br />
Zustandes der alten Schlachthofbrücke jedoch<br />
1979 eingestellt werden musste. In deren<br />
etwa 600 m Meter verlängerten Verlauf<br />
entstand 2010/11 eine Neubaustrecke zum<br />
einstigen Schlachthof, wo seit 1999 die Messe<br />
Dresden ihr Domizil in den denkmal -<br />
geschützten Hallen hat. Im Verlauf dieser<br />
Trasse wurde unweit des Osttores zum Alberthafen<br />
die gleichnamige Haltestelle eingerichtet.<br />
In den Anfangsjahren offiziell als König-<br />
Albert-Hafen bezeichnet, entfiel der Adelstitel<br />
nach Ende der Monarchie als Namenszusatz.<br />
Da die dem Finanzministerium unterstellte<br />
Generaldirektion der Königlich Sächsischen<br />
Staatseisenbahnen als Bauherr und Betreiber<br />
des Binnenhafens fungierte, lag es nahe, beim<br />
Bau den Aushub des ursprünglich 1100 m x<br />
1<strong>50</strong> m messenden Hafenbeckens für die zeitgleich<br />
realisierte Aufschüttung des Ablaufberges<br />
am Rangierbahnhof Friedrichstadt zu<br />
verwenden.<br />
Zu beiden Seiten des Hafenbeckens entstanden<br />
Anschlussgleise mit Verbindung zum<br />
Rangierbahnhof, wofür die Hafeneinfahrt<br />
bis heute von einer markanten Stahlträgerbrücke<br />
überspannt wird. Trotz Modernisierung<br />
durch Aufbau neuer Portalkräne war<br />
das Frachtvolumen nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
rückläufig, nach 1990 wurde daher das<br />
Hafenbecken teilweise verfüllt, die Gleis- und<br />
Krananlagen weiter rationalisiert, um den<br />
aktuellen Erfordernissen insbesondere unter<br />
Einbeziehung des Umschlages auf Lkw zu genügen.<br />
An die Anfangszeit des Albert hafens<br />
erinnern heute ein museal genutzter Elbeschleppkahn<br />
von 1913, ein Ladekran von<br />
1964 und einige Güterwagen aus der Zeit der<br />
Jahrhundertwende. MICHAEL SPERL<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
47
Fahrzeuge<br />
Verstreut in alle Richtungen<br />
Deutsche Gebrauchtwagen in Europa Nach 1990 gaben zahlreiche ostdeutsche Betriebe ihre<br />
Gotha- und Tatra-Wagen an Städte in Osteuropa ab. Teil 3 dieser »Exportwagen«-Geschichte beinhaltet<br />
aber auch die von Dessau, Nordhausen und Halle weiterververkauften »West-Triebwagen«<br />
Einige Worte vorangestellt. Nahezu<br />
ausschließlich handelt es sich – aufgrund<br />
der vom Rat für gegenseitige<br />
Wirtschaftshilfe (RGW) beschlossenen<br />
Beschaffungs-Grundlagen – bei den von<br />
nachstehend aufgeführten Trambetrieben<br />
veräußerten Fahrzeugen um Tatrawagen. Sowohl<br />
der T4D als auch der KT4D sind als begehrte<br />
Einheiten in viele Länder weiterverkauft<br />
worden, die mit diesen Wagen oftmals<br />
ihre eigenen – nach Aussagen der jeweiligen<br />
Betriebe häufig minderwertiger gefertigten –<br />
Tatra-Trams ersetzten. So tauschte z.B. das<br />
westrumänische Arad seine als T4R („R“<br />
steht für Rumänien) gelieferten Fahrzeuge<br />
auf diese Weise vollständig gegen typgleiche<br />
T4D („D“ steht für Deutschland) aus. In<br />
Ausnahmefällen gingen jedoch auch originale<br />
DDR-Produkte ins Ausland.<br />
Nehmen wir noch einmal das Beispiel<br />
Arad, dem wir bereits mehrfach in unseren<br />
Dokumentationen begegneten. Es erhielt aus<br />
Zwickau und Halberstadt Zweiachser des<br />
Typs Gotha, von denen jedoch nur einige<br />
vom VEB Gotha selbst stammten. Die meisten<br />
wurden – gewissermaßen im Lizenzbau<br />
– bei CKD Tatra in Prag gefertigt. Aktuell<br />
steht in Arad nur noch jeweils eine Einheit<br />
dieses Typs für Sonderfahrten zur Verfügung.<br />
Da viele Orte, die von deutschen Trambetrieben<br />
Fahrzeuge erhalten haben, im Gebiet<br />
der ehemaligen Sowjetunion liegen und<br />
die dortige Geographie nicht jedem unbedingt<br />
geläufig sein wird, sind in diesen Fällen<br />
zur allgemeinen Einordnung nähere An-<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Exporttrams<br />
Triebwagen 42 war in Dresden der 224 008 und kommt uns im Mai 2008 auf der Strada Prim riei<br />
unmittelbar vor dem Rathaus an der Piata Unirii auf der Linie 1R entgegen<br />
1996 gelangten zwei Gotha-Wagen aus Zwickau nach Jewpatoria (Krim). Mit bunter Lackierung<br />
steht Triebwagen 010 (ex 9<strong>50</strong>) im August 2012 vor den Depothallen<br />
P. PAUKER<br />
Noch immer unverzichtbar in Oradea (Großwardein):<br />
Insgesamt 32 Berliner KT4D kamen<br />
1997, davon steht 2012 gut die Hälfte noch immer<br />
im Dienst: 217 ist ex Berlin 9048, Piata Unirii<br />
2008 BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: A. MAUSOLF<br />
Auch in das nordost-rumänische Iasi gelangten Hallenser T4D. An der Philharmonie trifft im Herbst<br />
2000 der ehemals Hallenser Tatra 1054 – in Iasi lief er unter der Nummer 231 – den ehemaligen<br />
Darmstädter DWM-Sechsachser 22, der hier die Nummer 102 erhielt<br />
gaben zur Lage und Größe der betreffenden<br />
Städte bei der jeweils erstmaligen Nennung<br />
hinzugefügt. Die Nennung ggf. vorhanden<br />
gewesener Bezeichnungen in deutscher Sprache<br />
erfolgt lediglich aufgrund der Tatsache,<br />
dass diese vielen Leser eher eine örtliche Einordnung<br />
ermöglichen.<br />
Schaltradwagen bis heute im Einsatz<br />
Aus den beeindruckend umfangreichen Tatra-Flotten<br />
der Großstädte gingen teilweise<br />
erhebliche Fahrzeugmengen nahezu um die<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
49
Fahrzeuge<br />
Zweiachser vom Typ Gotha (auch von CKD gebaut) waren bei den Fahrgästen und der CTP in<br />
Arad als verlässliche Fahrzeuge beliebt. Im Oktober 1997 rollen 924 und 997, beide aus Zwickau<br />
stammend, über den Bulevard Revolutiei. Heute ist nur noch eine Einheit betriebsfähig<br />
Im Herbst 1999 verlässt KT4D 04 – ex Berlin 9013 und seit 1997 fern der ersten Heimat – in<br />
Cluj (Klausenburg) die Haltestelle Hauptbahnhof und macht sich auf den Weg durch die lange<br />
Strada Horia, die in die historische Altstadt führt. Die Tram allerdings biegt vorher ab …<br />
ganze Welt, doch auch kleinere Betriebe tätigten<br />
Verkäufe. Zwickaus Engagement ist<br />
hier besonders hervorzuheben, dessen Schaltradwagen<br />
sich in Arad großer Beliebtheit erfreuten<br />
– im ukrainischen Jewpatoria laufen<br />
sie noch immer im Regelverkehr!<br />
Unser Augenmerk gilt dem Export von<br />
Trambahnen, weshalb lediglich in einigen<br />
markanten Ausnahmefällen Veräußerungen<br />
innerhalb Deutschlands genannt werden.<br />
Wir beginnen den dritten Teil der Dokumentation<br />
von Fahrzeugabgaben deutscher<br />
Betriebe ab 1990 mit der Bundeshauptstadt.<br />
Berlin – In den <strong>Jahre</strong>n 1989/90 gingen insgesamt<br />
80 Berliner KT4D (vierachsige Kurzgelenk-<br />
Einrichtungswagen) an die Nachbarstadt<br />
Potsdam, von wo aus viele später<br />
in den Export gelangten. Die internationalen<br />
Aktivitäten Berlins begannen im <strong>Jahre</strong><br />
Oradea: In der Strada Olimpiadei kommt uns<br />
im Sommer 2007 der ex-Berliner 9023 als<br />
Wagen 213 auf der Linie 3R entgegen<br />
<strong>50</strong> <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Exporttrams<br />
Potsdamer KT4D gehören zu den Export-Wagen<br />
der ersten Stunde: Als die ersten 1996<br />
im rumänischen Ploiesti eintrafen, war der<br />
dortige Trambetrieb gerade ein Jahrzehnt<br />
alt! Im Oktober 1997 entstand dieses Bild<br />
im kleinen Altstadtkern der Erdölstadt<br />
1997, als erste Fahrzeuge dieses Typs in<br />
Richtung Osteuropa veräußert wurden. Die<br />
empfangenden Städte waren Oradea (Großwardein),<br />
Cluj (Klausenburg), die einander<br />
benachbarten Donaustädte Galati und Braila<br />
in Rumänien sowie Almaty (russisch Alma<br />
Ata), die größte Stadt Kasachstans mit 1,3<br />
Mio. Einwohnern.<br />
Im Einzelnen erhielten Oradea 32, Cluj<br />
26, Galati 32, Braila 20 und Almaty <strong>50</strong> Einheiten.<br />
Im <strong>Jahre</strong> 1998 folgte die südwest-rumänische<br />
Stadt Craiova mit zehn KT4D,<br />
1999/2000 Constanta am Schwarzen Meer<br />
mit 16 Einheiten derselben Type, von denen<br />
jedoch nur 15 in den Linieneinsatz gelangten.<br />
Der Trambetrieb in Constanta wurde<br />
allerdings gerade einmal acht <strong>Jahre</strong>, nachdem<br />
die Triebwagen aus Berlin angekommen<br />
waren, noch 2008 eingestellt.<br />
Insgesamt 32 modernisierte Einheiten der<br />
Type KT4D gingen schließlich zwischen<br />
2006 und 2010 in die Hafenstadt Stettin<br />
nach Polen. Zwei Triebwagen gelangten über<br />
Konkrete Abgaben Berlins<br />
Jahr Stückzahl Betrieb<br />
1997 32 Oreda<br />
1997 26 Klausenburg<br />
1997 32 Galati<br />
1997 20 Braila<br />
1997 <strong>50</strong> Almaty<br />
1998 10 Craiova<br />
1999/00 16 Constanta<br />
2006/10 3 Stettin<br />
o.A. 2 Szeged<br />
die Firma Gerätebau Mittenwalde nach Szeged<br />
in Ungarn, deren weitere Geschichte allerdings<br />
unbekannt blieb.<br />
Neben den Kurzgelenkwagen ging eine<br />
weitere in Berlin verbreitete Type als Gebrauchtwagen<br />
auf eine lange Reise: Der<br />
Großraumwagen T6A2 – ebenfalls von CKD<br />
Prag gebaut – verließ 2007/08 die Spree in<br />
Richtung Stettin, wo insgesamt 54 Fahrzeuge<br />
eine neue Heimat fanden. Sechs modernisierte<br />
Wagen gingen 2011 ins schwedische<br />
Norrköping.<br />
Potsdam – Auch die überzählig gewordenen<br />
KT4D aus Potsdam waren bereits früh gefragt.<br />
Die ersten gingen 1996 in die rumänische<br />
Erdölstadt Ploiesti 60 km nördlich<br />
von Bukarest. Bis 1998 standen dort bereits<br />
24 Fahrzeuge im Einsatz. 2002 folgten weitere<br />
acht Fahrzeuge, die fast alle modernisiert<br />
waren und vormals in Berlin verkehrten.<br />
Neben der siebenbürgischen Großstadt<br />
Cluj (Klausenburg), die 2009 zehn Einheiten<br />
(vormals Berlin) erhielt, gingen die Potsdamer<br />
KT4D auch nach Ungarn, wo Szeged<br />
von 2004 bis 2010 dreizehn Einheiten (vormals<br />
Berlin) erhielt und nach Kasachstan,<br />
wo Temirtau 2009 zwölf Einheiten, ebenfalls<br />
überwiegend vormals Berliner Wagen,<br />
bekam. Um in der Industriestadt mit knapp<br />
180.000 Einwohnern eingesetzt werden zu<br />
können, wurden die Fahrzeuge auf die russische<br />
Breitspur umgerüstet.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
51
Fahrzeuge<br />
Chemnitz – Vierachsige Tatra-Großraumwagen<br />
gingen 1998 nach Wladikawkas,<br />
Hauptstadt der russischen Republik Nord-<br />
Ossetien, die 14 Wagen erhielt, 2000/01<br />
nach Ufa, Hauptstadt der Republik Baschkortostan<br />
im europäischen Teil Russlands,<br />
in die 44 Einheiten gelangten.<br />
2002 erhielt Almaty 24 Wagen und<br />
schließlich gingen sechs vierachsige Beiwagen<br />
2011 nach Barnaul, die Hauptstadt der<br />
russischen Altai-Region in Westsibirien. Die<br />
Beiwagen wurden dort in Triebwagen umgebaut.<br />
Ihr exakter Einsatzort ist noch nicht<br />
bekannt. Sowohl Barnaul als auch Bijsk sind<br />
möglich.<br />
Cottbus – Die Exportverkäufe begannen<br />
nach Abgaben an Schöneiche, Brandenburg<br />
und Görlitz im <strong>Jahre</strong> 1999, als zwölf KT4D<br />
in die russische Exklave Kaliningrad gingen.<br />
OBEN Ein wenig weiter außerhalb der Arader<br />
Innenstadt begegnet uns schließlich noch der<br />
solo fahrende ehemals Hallenser 1107, der seit<br />
2004 in Rumänien verkehrt<br />
LINKS 2002 kamen noch zwölf Leipziger T4D<br />
und einige Beiwagen nach Brasov (Kronstadt).<br />
Im Sommer 2004 war der ex-LVB-1842 als Wagen<br />
47 auf der Linie 101 auf dem Weg zum<br />
Hauptbahnhof. 2006 endete der Straßenbahnverkehr,<br />
alle Fahrzeuge wurden verschrottet<br />
Es folgten drei im <strong>Jahre</strong> 2000 an Liepaja (Libau,<br />
Lettland), sechs im <strong>Jahre</strong> 2004 an Tallinn<br />
(Estland), vier im <strong>Jahre</strong> 2006 ins russische<br />
Piatigorsk, sechs Einheiten gelangten ab<br />
2005 schließlich nach Szeged, eine davon mit<br />
Niederflurmittelteil (einige ehemals Erfurt).<br />
Um hier eingesetzt werden zu können, mussten<br />
die Fahrzeuge umgespurt werden. Sie erhielten<br />
vor Ort aus Dresden erworbene T4D-<br />
Drehgestelle.<br />
Dessau – Von den 1992 aus Duisburg übernommenen<br />
14 Achtachsern verkaufte Dessau<br />
1997 vier Einheiten ins schwedische<br />
Norrköping. Aktuell fährt mit Triebwagen<br />
64 noch eine Einheit hiervon in stark modernisiertem<br />
Zustand. Die übrigen wurden<br />
entweder verschrottet oder ins dänische<br />
Trammuseum Skjoldenæsholm als Ersatzteilspender<br />
abgegeben.<br />
Dresden – Richtung Osteuropa verließen die<br />
ersten Dresdner T4D im <strong>Jahre</strong> 1996 die Stadt<br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Exporttrams<br />
OBEN Halberstadt gab 1995 drei Gotha-Tw nach<br />
Arad ab. Übriggeblieben ist davon Tw 37. Hier<br />
ist er für eine Baustelleninspektion im Frühjahr<br />
2006 auf dem Weg nach Ghioroc. In Mandruloc<br />
wird der Gegenzug abgewartet. Die Hitze<br />
plagte dabei nicht nur die Gleisbaurotte<br />
RECHTS Oradea im Mai 2008 : Reges Leben rund<br />
um den KT4D 225 an der Endstelle Nufarul<br />
Stückzahlen exportierter<br />
Trieb- und Beiwagen<br />
Berlin . . . . . . . . . 280<br />
Chemnitz . . . . . . . 88<br />
Cottbus . . . . . . . . 31<br />
Dessau . . . . . . . . . . 4<br />
Dresden . . . . . . . 294<br />
Erfurt . . . . . . . . . . 59<br />
Franfurt (Oder) . . . . 1<br />
Gera. . . . . . . . . . . 26<br />
Halberstadt . . . . . . 3<br />
Halle (Saale). . . . 226<br />
Jena . . . . . . . . . . . . 6<br />
Leipzig . . . . . . . . 2<strong>50</strong><br />
Nordhausen . . . . . . 3<br />
Potsdam. . . . . . . . 67<br />
Schöneiche. . . . . . . 4<br />
Zwickau . . . . . . . . 21<br />
Summe . . . . . 1363<br />
an der Elbe: Rostow am Don – mit einer Million<br />
Einwohnern die einzige Stadt Russlands,<br />
die Tramverkehr auf Normalspur betreibt<br />
– lautete das Ziel für zwölf Einheiten, die inzwischen<br />
sämtlich verschrottet wurden.<br />
1997/98 gingen über die bremischen Häfen<br />
insgesamt 60 Trieb- und 35 Beiwagen in die<br />
nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang.<br />
Die Donauhafenstadt Galati in Ost-Rumänien<br />
erhielt 2000 zwölf Trieb- und vier<br />
Beiwagen, es folgten Botosani weiter im<br />
Norden des Landes in den <strong>Jahre</strong>n 2001 und<br />
2002 mit 25 Einheiten sowie Oradea im<br />
Westen Rumäniens in den <strong>Jahre</strong>n 2003 und<br />
2004 mit insgesamt elf Triebwagen und 25<br />
Beiwagen. Zuvor hatte 2002 Wladikawkas<br />
16 Triebwagen bekommen und Almaty<br />
zehn. Vier Triebwagen gingen schließlich<br />
2005 noch ins ungarische Szeged nahe der<br />
rumänischen Grenze, ohne dort bislang zum<br />
Einsatz gelangt zu sein. 2007 erhielt Craiova<br />
im süd-westrumänischen Oltenien 13 Einheiten<br />
(darunter elf TB4D, die überwiegend<br />
als Ersatzteilspender dienen), und 2011 Botosani<br />
noch einmal elf Wagen.<br />
2010 und 2011 bekam Barnaul im Altai<br />
acht Triebbeiwagen, die dort in vollwertige<br />
Triebwagen umgerüstet wurden und auch in<br />
der Stadt Bijsk zum Einsatz kommen. Schlussendlich<br />
erhielt Dnepropetrovsk – mit gut ei-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
53
Fahrzeuge<br />
Oradea: Die rumänischen Sommer sind heiß – da muss die frische Ware<br />
am Obststand ständig gekühlt werden! Das wird mit Akribie auch so<br />
gehandhabt, während 2008 der ehemals Dresdner 224 055 als Wagen<br />
39 am Rande der Altstadt auf der Linie 1N seine Runden dreht, hier<br />
vor der National-Bibliothek an der Strada Independentei<br />
ner Million Einwohnern drittgrößte Stadt der<br />
Ukraine – 29 Trieb- und neun Triebbeiwagen.<br />
Erfurt – Vier KT4D gingen ab 1996 als Versuchseinheiten<br />
zur CKD nach Prag. Im <strong>Jahre</strong><br />
2003 erhielt Liepaja acht Wagen. Ab 2006<br />
folgten 32 Wagen nach Tallinn, weiterhin elf<br />
nach Lvov (Lemberg, Ukraine) und vier nach<br />
Piatigorsk.<br />
Frankfurt (Oder) – Ein modernisierter KT4D<br />
ging 2006 nach Tallinn – es blieb bei diesem<br />
Einzelstück.<br />
Gera – Ein hier zu Fahrschulzwecken umgebauter<br />
KT4D ging 2004 ins nordböhmische<br />
Liberec (Reichenberg), ein weiterer nach<br />
Liepaja. Tallinn erhielt ab 1996 insgesamt<br />
13 Einheiten, Lwiw (Lemberg) im <strong>Jahre</strong><br />
2008 elf.<br />
Halberstadt – Arad erhielt 1995 drei vom<br />
VEB Gotha gefertigte Zweiachser, von denen<br />
jüngst noch Triebwagen 42 als Arbeitswagen<br />
diente. Triebwagen 37 steht für Sonderfahrten<br />
nach wie vor verlässlich zur<br />
Verfügung.<br />
Halle (Saale) – Im <strong>Jahre</strong> 1997 begannen die<br />
Abgaben der Hallenser T4D: Zunächst erhielt<br />
Kaliningrad (Königsberg i. Pr.) 30 Triebwagen.<br />
Ab 1998 gingen insgesamt 27 T4D<br />
und zwei B4D nach Iasi im Nordosten Rumäniens,<br />
die sämtlich inzwischen ausgemustert<br />
sind. Auch Arad erhielt ab 1998 vierzig<br />
Trieb- und 17 Beiwagen, hiervon wurden bisher<br />
lediglich wenige ausgemustert.<br />
Nachdem im <strong>Jahre</strong> 2000 bereits 19 Triebwagen<br />
vom Typ T4D (Baujahre 1972–1981)<br />
nach Sofia gelangt waren, erhielt dieser<br />
Betrieb 2011 weitere 24 Trieb- und 20 Beiwagen<br />
des Baujahres 1981, die in der ersten<br />
Hälfte der 1990er <strong>Jahre</strong> modernisiert worden<br />
waren. Belgrad erhielt 2001 einen T4D,<br />
im <strong>Jahre</strong> 2002 Piatigorsk 18 Einheiten.<br />
2003 kam dann noch einmal ein Geschäft<br />
mit Iasi zustande: 27 vierachsige Einrichtungs-Gelenkwagen<br />
der MF Esslingen, die<br />
aus Stuttgart übernommen worden waren<br />
(teilweise über Freiburg), fanden in Rumäniens<br />
Nordosten eine neue Heimat und<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Exporttrams<br />
Obwohl sie nicht im eigentlichen Mittelpunkt der Stadt verkehrt, befährt die Tram in Cluj reizvolle<br />
Orte. In unserem Bild vom Winter 2000 fährt Triebwagen 46 am ungarischen Staatstheater<br />
vorbei, das in unmittelbarer Nähe des Somes-Ufers liegt<br />
Oradea: Auf dem Gelände des in der Nähe von Nufarul gelegenen Depots der Tram steht der<br />
nur noch für Fahrschulzwecke genutzte KT4D 230. Der rechts sichtbare Turmwagen befand<br />
sich zu diesem Zeitpunkt noch im Einsatz! Frühjahr 2008<br />
schließlich erhielt das Trammuseum im britischen<br />
Crich im <strong>Jahre</strong> 2005 einen T4D in<br />
Zweirichtungsversion.<br />
Jena – Sechs Gotha-Zweiachser – einige von<br />
ihnen waren zuvor aus Görlitz übernommen<br />
worden, wohin sie wiederum aus anderen<br />
Städten gelangt waren – wurden zwischen<br />
2003 und 2006 nach Istanbul abgegeben, einige<br />
gingen 2010 weiter nach Bursa.<br />
Leipzig – In der Messestadt verkehren nur<br />
noch modernisierte T4D-Züge. Doch die<br />
nicht modernisierten Wagen stehen in alle<br />
Himmelsrichtungen verstreut weiter im Verkehr,<br />
wobei ihr Einsatz an mehreren Orten<br />
wiederum bereits Geschichte ist. Inzwischen<br />
verlassen auch modernisierte T4D ihren ursprünglichen<br />
Heimatort. Die jüngsten Abgaben<br />
datieren von 2010: Sofia erhielt 15<br />
modernisierte Züge und zusätzlich noch einen<br />
Triebwagen.<br />
Seit über 15 <strong>Jahre</strong>n gehen Leipziger T4D<br />
in die Welt. Mitte 1995 erhielt Voronez (Woronesch,<br />
Russland, der Betrieb wurde im<br />
April 2009 eingestellt) 14 Triebwagen, Lipzek<br />
– ebenfalls Russland – ein Jahr später 15<br />
Einheiten, die inzwischen sämtlich nicht<br />
mehr verkehren. Der größte Posten ging mit<br />
weit über 100 Trieb- und 60 Beiwagen 1997<br />
nach Pjöngjang. Craiova in Rumänien erhielt<br />
2001 siebzehn Züge, Brasov (Kronstadt)<br />
ein Jahr später zwölf Trieb- und sechs<br />
Beiwagen. Mit dem Ende der Tram gingen<br />
die Fahrzeuge 2007 dort auf den Schrott. Almaty<br />
schließlich übernahm zehn T4D im<br />
<strong>Jahre</strong> 2008.<br />
Nordhausen – Nach über zwei Jahrzehnten<br />
Einsatz in Nordhausen gelangten drei der<br />
1991 aus Stuttgart übernommenen Esslinger<br />
GT4 – alle drei 1997 modernisiert – nach<br />
Iasi, wo dieser Typ bereits seit 1997 im Einsatz<br />
steht. Inzwischen erprobt der Verkehrsbetrieb<br />
sogar die Modernisierung dieser<br />
Type in einem Eigenprojekt. Bei der<br />
Firma Remarul Pascani wurde im Sommer<br />
2012 eine ehemals Stuttgarter Einheit entsprechend<br />
hergerichtet. Ob weitere Umbauten<br />
geplant sind, ließ sich bis Redaktionsschluss<br />
offiziell nicht ermitteln.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
55
Fahrzeuge<br />
Das rumänische Arad hat Trams aus so vielen Städten wie sonst kein Ort erhalten. Auch Halle zählt zu den „Exportstädten“. Triebwagen 1111 steht<br />
seit 2005 bei der CTP im Einsatz und ist auf dem Bild vom Sommer 2008 auf dem eingleisigen Teil der Linie 2 in der Strada Preparandiei unterwegs<br />
Ab 1997 gingen insgesamt 60 Dresdner Tatra-<br />
Wagen auf den langen Weg nach Nordkorea.<br />
In Pjöngjang – der Hauptstadt des Landes –<br />
fanden sie eine neue Heimat. Die Verschiffung<br />
erfolgte 1998 über die bremischen Häfen auf<br />
dem linken Weserufer<br />
Schöneiche – Neben Jena gelangten auch aus<br />
Schöneiche Gotha-Zweiachser nach Istanbul.<br />
Zwischen 2003 und 2010 waren es insgesamt<br />
vier Einheiten. Und wie bei Jena, hatte<br />
auch Schöneiche einige dieser Wagen aus<br />
einer anderen Stadt erhalten: In diesem Fall<br />
kamen sie gebraucht aus Cottbus.<br />
Zwickau – Bereits 1995/1996 erhielt Arad<br />
insgesamt zehn Gotha-Trieb- und neun Beiwagen,<br />
die ein gutes Jahrzehnt im Linienbetrieb<br />
verkehrten. Einige dieser Einheiten<br />
hatte Zwickau 1972 aus Halle bzw. 1989<br />
aus Plauen übernommen. Die letzten Fahrzeuge<br />
verabschiedete man in Arad 2005 aus<br />
dem regulären Personenverkehr. Nur der<br />
Sonderzug 914/990 – bekannt als Kinderund<br />
Weihnachtsbahn – verkehrt aktuell noch<br />
sporadisch. Zu Arbeitswagen wurden umgebaut<br />
die Triebwagen 922 und 958 als<br />
Reinigungs- bzw. Vegetationspflegewagen<br />
sowie der Beiwagen 994, der als Transportwagen<br />
dient.<br />
Auch die ukrainische Stadt Jewpatoria an<br />
der Schwarzmeerküste erhielt 1996 zwei Gotha-Triebwagen<br />
des Baujahres 1960 in der<br />
Zweirichtungsversion. Es handelte sich um<br />
die Zwickauer Triebwagen 909 und 9<strong>50</strong>, die<br />
in Jewpatoria die Nummern 9 und 10 erhielten.<br />
Beide Fahrzeuge werden nach wie<br />
vor eingesetzt.<br />
wird fortgesetzt · ANDREAS MAUSOLF<br />
Ein herzlicher Dank für seine wertvolle<br />
Unterstützung geht an Andreas Günther,<br />
Dresden.<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Exklusiv und gratis<br />
nur für Abonnenten –<br />
die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«<br />
2013 erhalten Sie als Abonnent von <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition<br />
»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –<br />
zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken<br />
– sind aus hochwertigem Chromokarton,<br />
12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.<br />
Sie sind noch nicht Abonnent?<br />
Dann bestellen Sie am besten heute noch Ihr Vorteilspaket unter:<br />
www.strassenbahn-magazin.de/abo Telefon 0180-532 16 17 *<br />
Fax 0180-532 16 20 *<br />
* (14 ct/min.)
Fahrzeuge<br />
Schluss mit Olympia<br />
Münchens Maximum-<br />
Dreh gestell-Tw nach 1945<br />
In diversen umgebauten und<br />
modernisierten Varianten prägten<br />
die Maximum-Wagen das<br />
Münchner Stadtbild auch nach<br />
dem Zweiten Weltkrieg. Erst<br />
1972 war die Ära zu Ende<br />
Für die Münchner Straßenbahn wurden<br />
zwischen 1898 und 1930 insgesamt<br />
5<strong>50</strong> Triebwagen mit Maximum-<br />
Drehgestellen gebaut. Über ihre<br />
Beschaffung und Bauformen berichtete wir<br />
im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 1/2013.<br />
Dabei war auch bereits der Umbau von vier<br />
A-Wagen zu Zwillingswagen in den <strong>Jahre</strong>n<br />
1936/37 (Wagen Nr. 351 II und 352 II , geführt<br />
in Type Z4.2) erwähnt. Einer dieser Züge<br />
überstand den Zweiten Weltkrieg und war<br />
noch bis 1954 (in den letzten <strong>Jahre</strong>n als Personalzug<br />
der Hauptwerkstätte) im Einsatz.<br />
Ein Zug aus Zwillingswagen der Type B und zusätzlichem<br />
Beiwagen wartet 1951 im Betriebshof<br />
Hofmannstraße als E-Zug auf seinen<br />
Einsatz im Berufsverkehr P. BOEHM, SLG. A. REUTHER<br />
Ebenso wurden bereits die ab 1943 im<br />
Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW)<br />
Neuaubing aus kriegszerstörten Wagen der<br />
Type E entstandenen Fahrzeuge der Type G<br />
vorgestellt. Nun geht es mit der Entwicklung<br />
nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter.<br />
Notbauten der Type K<br />
Um nach Kriegsende möglichst schnell einen<br />
Ersatz für weitere stark beschädigte Vierachser<br />
zu bekommen, entstanden in den <strong>Jahre</strong>n<br />
1945/46 in der weitgehend unbeschädigt gebliebenen<br />
Waggonfabrik Rathgeber 28 Holzaufbauten<br />
einfachster Bauform, die auf Rahmen<br />
ausgebrannter Triebwagen der Baureihen<br />
E und F gesetzt wurden. Die Wagen erhielten<br />
den Serienbuchstaben K, unterschieden in<br />
K1.8 (18 Wagen) mit Untergestellen der Baureihe<br />
E und K2.10 (zehn Wagen) mit solchen<br />
der Baureihe F. Zunächst mit Nummern ab<br />
701 bezeichnet, erhielten sie noch während<br />
Tw 499 in der Seitenansicht nach Umbau zum<br />
Einrichtungswagen mit neuer Sicherheitsverglasung<br />
in den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n. In die Unterhaltung<br />
ihrer Maximumwagen investierte die<br />
Münchner Straßenbahn noch viele <strong>Jahre</strong> erhebliche<br />
Summen SLG. P. H. PRASUHN, ARCHIV A. REUTHER<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Maximumwagen München<br />
der Anlieferung die direkt an die Type G anschließende<br />
Reihe 686 bis 714.<br />
In den Maßen, der Motorisierung und<br />
dem Platzangebot glichen sie den Spenderfahrzeugen.<br />
Zur Materialersparnis gab es<br />
nur vier Seitenfenster, dazwischen waren die<br />
Lattenwände durchgehend gesetzt. Im Innenraum<br />
fehlten die Trennwände zu Plattform<br />
und es gab durchgehende Längssitze<br />
mit 28 Plätzen. Zusätzlich standen 54 Stehplätze<br />
zur Verfügung. Mit einem braunen<br />
Anstrich versehen, boten die Notaufbauten<br />
ein recht trostloses Bild, halfen aber die Lücken<br />
im Fahrpark aufzufüllen. In gleicher<br />
Form wurden im Übrigen auch zweiachsige<br />
Beiwagen bei Rathgeber aufgebaut, die hinter<br />
den Triebwagen zum Einsatz kamen.<br />
Die Wagen ab den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n<br />
Von den Triebwagen der Erstserien A und B<br />
standen nach dem Zweiten Weltkrieg nur<br />
noch wenige im Einsatz. Ein Großteil war bereits<br />
in den 1930er-<strong>Jahre</strong>n ausgemustert, viele<br />
auch im Krieg zerstört worden. Die B-Triebwagen,<br />
die ihre beiden 36-kW-Motoren<br />
immer behalten hatten, erwiesen sich für den<br />
eigentlich notwendigen Einsatz mit zwei Beiwagen<br />
als zu schwach. In Orientierung an die<br />
1936/37 entstandenen Zwillingstriebwagen<br />
sollten die noch vorhandenen 28 Stück entsprechend<br />
umgebaut werden, aber keine Übergangsmöglichkeit<br />
erhalten. 1947 entstand bei<br />
Rathgeber ein Probezug, dem 1948 dann 13<br />
Serienzüge folgten. Die innen liegenden Führerstände<br />
wurden ausgebaut, die Türöffnungen<br />
auf der linken Seite verkleidet, so dass die<br />
Züge nur noch als Einrichtungswagen einzusetzen<br />
waren.<br />
Der hintere Tw verlor seinen Stromabnehmer<br />
und der rückwärtige Fahrerstand diente<br />
nur noch Rangierzwecken. Durch eine neu<br />
eingebaute Zwillingsschaltung war es möglich,<br />
die Motoren des hinteren Triebwagens<br />
vom Führerstand des ersten Wagens mit zu<br />
steuern. Neu war bei den Zügen auch die indirekt<br />
wirkende Druckluftbremse. Den Zwillingen<br />
konnte zusätzlich noch ein zweiachsiger<br />
Beiwagen angehangen und damit das<br />
notwendige Platzangebot erreicht werden.<br />
Neue Sicherheitsforderungen ab 1956<br />
Auch wenn 19<strong>50</strong> die Auslieferung neuer<br />
dreiachsiger Großraumwagen begann, konnte<br />
auf die Maximumtriebwagen noch lange<br />
nicht verzichtet werden. Viele von ihnen erlebten<br />
die sich bis Anfang 1955 hinziehende<br />
Umstellung von Rolle auf Bügel und erhielten<br />
einen Scherenstromabnehmer. Lediglich<br />
die Triebwagen der Reihe A, mittlerweile<br />
weit über <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> alt, fielen der Ablieferung<br />
von Großraumzügen zum Opfer. Sofern sie<br />
nicht in Dienstwagen umgebaut wurden, erfolgte<br />
bis 1960 die Ausmusterung. Die zu<br />
Zwillingszügen umgebauten B-Wagen schieden<br />
1956 aus dem Bestand aus, nachdem sie<br />
Triebwagen 673 gehört zur Type G und damit zu den 19 Wagen der Type E, die nach Kriegsschäden<br />
1943 einen neuen Wagenkasten bekamen. 1957 war er auf der Line 5 eingesetzt, die als letzte<br />
Linie im Januar 1955 von Stange auf Scherenbügel umgestellt wurde D. WALTKING, SLG. A. REUTHER<br />
Type D nach Modernisierung der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> als Einrichtungswagen<br />
E-Triebwagen nach Modernisierung in den 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong>n in der Seitenansicht SLG. A. REUTHER (2)<br />
auch nur noch zum Teil überhaupt einen<br />
Scherenstromabnehmer erhalten hatten. Ein<br />
Großteil der äußerst robusten Fahrgestelle<br />
überlebte aber und lebte unter modernisierten<br />
Triebwagen der Type D weiter. Bei dem<br />
im SM 1/2013, S. 44/45, erwähnten F 1.9-<br />
Tw Nr. 626 wurde 1956 nicht nur der Motor<br />
getauscht, sondern auch das Fahrgestell<br />
des Typ 9 gegen eines der Bauart 8, was die<br />
angegebene Änderung der Typenbezeichnung<br />
von F 1.9 auf F 1.8 erklärlich macht.<br />
Das Inkrafttreten der neuen Betriebsordnung<br />
für Straßenbahnen (BO Strab) 1956 sah mit<br />
einer Frist bis Ende 1959 die Ausrüstung<br />
aller noch länger einsetzbaren Straßenbahnwagen<br />
mit Schienenbremsen und Sicherheitsverglasung<br />
vor. Die Münchner Verkehrsbetriebe<br />
waren darauf gut vorbereitet,<br />
denn bereits 1953 hatte ein großes Modernisierungsprogramm<br />
aller Maximumwagen<br />
und natürlich auch der zugehörigen zweiachsigen<br />
Beiwagen begonnen. Die Fahrzeu-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
59
Fahrzeuge<br />
Die 1953 entstandene Aufnahme zeigt einen Zug aus Trieb- und Beiwagen mit Notaufbauten der<br />
Typen K und k. Während der Triebwagen bereits eine Verblechung des Lattenkastens besitzt, zeigt<br />
sich der Beiwagen noch in der Ursprungsausführung<br />
SLG. P. H. PRASUHN, ARCHIV A. REUTHER<br />
F-Triebwagen nach Modernisierung mit gummigefassten Scheiben und Schienenbremsen<br />
Erhaltene Personenund<br />
Postwagen<br />
Nummer Typ Bemerkung<br />
Tw 256 Type A2.2 Zustand 1926, Rath -<br />
geber 1901<br />
Tw 490 Type D6.3 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
Neuaufbau 1955,<br />
Rathgeber 1911<br />
Tw 532 Type E2.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
LHW 1926 (Denkmal<br />
HW Ständlerstraße)<br />
Tw 539 Type E2.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
LHW 1925/26<br />
Tw 624 Type E3.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
Schöndorff 1926<br />
Tw 642 Type F2.10 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
HAWA 1929/30<br />
Tw 670 Type G1.8 Zustand 1960er-<strong>Jahre</strong>,<br />
Neuaufbau 1944, LHW<br />
1925/26<br />
Atw 2942 Type FK 1.8 Turmwagen, ex Post -<br />
wagen, MAN 1926<br />
Atw 2946 Type TU1.8 Turmwagen, ex Post -<br />
wagen, MAN 1926<br />
Atw 2970 ex 676, Zustand 1970er-<strong>Jahre</strong>,<br />
Type G1.8 Neubau 1944, LHW<br />
1926 (1977–2010 im<br />
Tramwaymusem Graz)<br />
Atw 2973 ex 680, Zustand 1970er-<strong>Jahre</strong>,<br />
Type G1.8 Neuaufbau 1944, LHW<br />
1926<br />
G-Triebwagen im Endzustand als Einrichtungswagen mit Sicherheitsverglasung und Schienenbremsen<br />
SLG. A. REUTHER (2)<br />
ge erhielten Fensterrahmen aus Metall und<br />
darin in Gummi gefasste Scheiben aus Sicherheitsglas.<br />
Es gab nun einheitlich fünf Seitenfenster,<br />
drei große und zu den Plattformen<br />
hin zwei kleinere, die zusätzlich mit<br />
einer Lüftungsklappe ausgestattet waren.<br />
Die Schiebetüren zwischen Plattformen<br />
und Innenraum entfielen. Die Zielanzeigen<br />
wurden vereinheitlicht und generell ein beleuchteter<br />
Kasten für die gestanzte Maske<br />
mit der Nummer über dem Fahrtzielfeld angeordnet.<br />
Die Maximumgestelle erhielten<br />
eine Magnetschienenbremse zwischen den<br />
Radsätzen, die Druckluftsbremse als Betriebsbremse<br />
blieb aber erhalten.<br />
Verbunden war mit der Modernisierung<br />
auch ein Umbau zu Einrichtungswagen, d. h.<br />
die Türöffnungen auf der linken Fahrzeugseite<br />
wurden verblecht und der nun hintere<br />
Führerstand ausgebaut.<br />
Veränderungen bei Type D, F und G<br />
Bei den Triebwagen der Type D erfolgte durch<br />
die Hauptwerkstätte der Verkehrsbetriebe ein<br />
Neubau der Plattformen mit Vergrößerung.<br />
Die Wagenlänge erhöhte sich dabei auf 10,60<br />
Meter. Bei 25 Triebwagen erfolgte ein Austausch<br />
der blattgefederten MAN-Untergestelle<br />
durch Bökergestelle ausgemusterter B-<br />
Wagen mit Schraubenfedern. Natürlich<br />
hatten die Umbauten auch eine Änderung der<br />
Typenbezeichnung zur Folge: Aus D3.4 wurde<br />
D6.4, D4.5 und D5.5 zu D6.5, D2.6 zuerst<br />
zu D6.6 und später D6.3, D1.7 zu D6.7<br />
und später D6.3 sowie D1.4 zu D6.4.<br />
Die E-Triebwagen behielten ihre Typenbezeichnungen<br />
und Fensteranordnungen. Bei<br />
der Type F wurden die Quersitze durch<br />
Längssitze ersetzt um bei allen Vierachsern<br />
ein einheitliches Platzangebot zu bekommen.<br />
Das Einzelstück F1.9 erhielt 1958 andere Motoren<br />
und daher die neue Typenbezeichnung<br />
F1.8. Die im Krieg aufgebauten G-Triebwagen<br />
durchliefen das Modernisierungsprogramm<br />
in gleicher Weise wie die übrigen Vierachser.<br />
Sogar die nur notdürftig aufgebauten<br />
K-Wagen, deren unansehnlicher Lattenkasten<br />
bereits zu Beginn der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> verblecht<br />
worden war, erhielten noch neue Fenster<br />
und Schienenbremsen. Trotz ihres eher<br />
provisorischen Charakters erwiesen sie sich<br />
als sehr robust. Ein Exemplar diente von 1952<br />
bis 1958 als Fahrschulwagen und gehörte in<br />
dieser Zeit zum Dienstwagenbestand. Anschließend<br />
kehrte er nach Modernisierung<br />
in den Personenverkehr zurück.<br />
Das Ende naht<br />
In der modernisierten Form liefen die vorhandenen<br />
Maximumwagen bis in die 1960er-<strong>Jahre</strong><br />
hinein weiterhin in großer Stückzahl. Die<br />
60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Maximumwagen München<br />
Im Juli 1976 entstand diese Aufnahme des Museumswagens 256 auf<br />
dem Gelände der Hauptwerkstätte Ständlerstraße. Er ist der ein zige<br />
erhaltene Tw vom Typ A<br />
STADTWERKE MÜNCHEN, SLG. MVG-MUSEUM<br />
Notwendigkeit zur Rationalisierung setzte ihnen<br />
dann nach und nach ein Ende. Da sich die<br />
älteren Züge wegen der Handbetätigten Schiebetüren<br />
nicht auf schaffnerlosen Betrieb umbauen<br />
ließen, wurden sie durch weitere Großraumwagen,<br />
aber auch durch eine größere<br />
Serie von Gelenkzügen ersetzt. Eine größere<br />
Stückzahl wurde für den erwarteten Mehrverkehr<br />
während der Olympischen Spiele 1972<br />
noch als Reserve hinterstellt, kam dann aber<br />
so gut wie nicht mehr zum Einsatz. Noch im<br />
gleichen Jahr schieden sie aus dem Betriebsbestand<br />
aus. Etliche Exemplare machten sich<br />
noch viele <strong>Jahre</strong> als Dienstwagen nützlich.<br />
Museal erhaltene Maximumwagen<br />
In München sind sechs Triebwagen aus verschiedenen<br />
Baureihen als historische Fahrzeuge<br />
erhalten geblieben, allen voran ein 1901<br />
gebauter A-Wagen im Zustand von 1926, der<br />
zur 100-Jahr-Feier 1976 der Münchner Straßenbahn<br />
rekonstruiert wurde. Die übrigen<br />
zeigen sich alle im modernisierten Zustand<br />
der 1960er-<strong>Jahre</strong> und dienen sowohl als fahrfähiges<br />
Sonderfahrzeug, als auch als stationäres<br />
Objekt im Straßenbahnmuseum.<br />
Maximumwagen für die Post<br />
Die Behandlung der Münchner Maximumwagen<br />
wäre unvollständig ohne die Erwähnung<br />
der Poststraßenbahn. Zunächst wurden<br />
für diesen Dienst aus Personenwagen<br />
umgebaute Zweiachser eingesetzt, 1926 lieferte<br />
MAN acht speziell für die Beförderung<br />
von Paketkarren eingerichtete Zweirichtungstriebwagen.<br />
Die 8,76 Meter langen<br />
Zu den erhaltenen Münchner Maximumwagen gehört auch der Tw 532 vom Typ E. Er wurde im<br />
Mai 2010 vor der Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße aufgestellt<br />
K. ONNICH<br />
Zweirichtungswagen liefen auf Maximumgestellen<br />
des gleichen Herstellers und waren<br />
mit zwei Siemens-Motoren zu 60 kW ausgerüstet.<br />
Sie hatten fünf mit Rolltoren verschließbare<br />
Abteile, in die von der Seite die<br />
Paketwagen hinein geschoben und herausgezogen<br />
werden konnten.<br />
Ein Triebwagen war stark genug, noch einen<br />
zweiachsigen Beiwagen und einen zweiten<br />
Tw antriebslos mitzuschleppen. Zur Verbesserung<br />
der Beschleunigung verzichte man<br />
später auf das Zwischenkuppeln des Beiwagens.<br />
Der Postbetrieb mit Straßenbahnen endete<br />
im Juni 1959. Die zu diesem Zeitpunkt<br />
noch vorhandenen acht Vierachser, welche<br />
die Typenbezeichnung P2.8 trugen, wurden<br />
als Dienstwagen weiterverwendet. Ihr zuvor<br />
gelber Anstrich änderte sich dabei in grau.<br />
Sie wurden bis 1968 ausgemustert. Es blieb<br />
keines dieser interessanten Fahrzeuge erhalten.<br />
Allerdings gibt es im Bestand der Arbeitswagen<br />
zwei Fahrzeuge, die auf Untergestellen<br />
von Posttriebwagen aufgebaut<br />
worden sind.<br />
AXEL REUTHER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
61
Geschichte<br />
62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Einst & Jetzt<br />
Einst<br />
& Jetzt<br />
Wien 1956: Am 1. November fährt<br />
ein Zug der Linie 331 im 20. Bezirk<br />
durch die Stromstraße und passiert<br />
die Unterführung der Nordwestbahn.<br />
Der K 2399 führt an diesem<br />
Tag ausnahmsweise die ehemaligen<br />
Dampftramway-Beiwagen 2<strong>50</strong> und<br />
236 mit, die auf dieser Strecke bis<br />
1910 von Dampftramwayloks gezogen<br />
wurden. Planmäßig kamen<br />
sie damals nur noch auf der Linie<br />
132 zum Einsatz und wurden bis<br />
1959 abgestellt. Heute fährt hier<br />
die Linie 31, die teilweise mit Niederflurwagen<br />
der Type B betrieben<br />
wird. Liniensignal und Zielangabe<br />
waren vor mehr als <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong>n deutlich<br />
besser erkennbar …<br />
Die Umgebung hat sich im gezeigten<br />
Blickwinkel lange Zeit nicht<br />
wesentlich verändert, das rechts<br />
hinten erkennbare Hochhaus am<br />
Höchstädtplatz mit 83 m Höhe<br />
entstand erst in den <strong>Jahre</strong>n 2004<br />
bis 2006.<br />
BILD EINST: ALFRED LUFT<br />
TEXT/BILD JETZT: WOLFGANG KAISER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013 63
Geschichte<br />
Der Tw 1158 hat im September 1988 aus der Straße des Komsomol in die Kötzschauer Straße zurückgedrückt. Hier wartet er neben dem ehemaligen<br />
Depot Kleinzschocher darauf, baustellenbedingt rückwärts durch die 1926 eröffnete Schleife zur Haltestelle zu fahren<br />
L. GROSS<br />
Ein Depot mit drei Endstellen<br />
Leipzig: Wechselhafte Geschichte in Kleinzschocher Zum Wenden von Linienzügen war das<br />
Depot Kleinzschocher zu klein. Deshalb gab es in seiner Nachbarschaft zu unterschiedlichen Zeiten<br />
verschiedene Endstellen. Die Betriebsabwicklung war interessant und abwechslungsreich<br />
Von der ab 1898 bis 1921 existierenden<br />
Kuppelendstelle Kleinzschocher<br />
auf der Plagwitzer bzw. Dieskaustraße<br />
sowie von der vorherigen,<br />
zwischen 1898 und 1902 erfolgten Nutzung<br />
der Umfahrung vor dem Gasthof „Reichsverweser“<br />
erfuhr der Leser des STRASSEN-<br />
BAHN-<strong>MAGAZIN</strong> bereits in der Ausgabe<br />
7/2012 auf den Seiten 64 bis 67.<br />
Das Rangieren im verhältnismäßig engen<br />
Straßenraum vor dem Gasthof dürfte aber<br />
damals zu massiven Kritiken in der Öffentlichkeit<br />
geführt haben. Trotz der unruhigen<br />
Zeit zu Anfang der 1920er-<strong>Jahre</strong> nahm man<br />
deshalb 1921 an der Ringstraße ein eigenwillig<br />
gestaltetes Gleisdreieck in Betrieb (sie-<br />
Zum Turn- und Sportfest im Sommer 1987 benutzten<br />
die Sonderlinien 4E und 5E die Gleisschleife<br />
L. GROSS<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Leipzig<br />
Im Jahr 1934 wird wegen Bauarbeiten in Großzschocher erneut das Dreieck Ringstraße genutzt. Auch Linie 5 verlängerte man hierher. Sie fuhr<br />
zu dieser Zeit fast immer nur als Solo-Triebwagen<br />
SLG W. GOLZSCH<br />
he Skizze). Zwecks Kosteneinsparung nutzte<br />
man nämlich zum Wenden den Anfang der<br />
dahinter liegenden eingleisigen Strecke nach<br />
Großzschocher mit. So konnte man auf den<br />
Einbau einer eingleisigen Abzweigung (mit<br />
fünf Herzstücken) verzichten.<br />
Das in den 1920er-<strong>Jahre</strong>n gebaute Wendedreieck in der Ringstraße und die Gleisschleife von 1926<br />
ZEICHNUNG: P. SCHAEFER<br />
Eine Schleife muss her!<br />
Auch die Rangiertechnologie war dort<br />
eigenwillig: Man befuhr bei der Ankunft aus<br />
der Stadt vom landwärtigen Gleis in die Ringstraße<br />
ein, bei Abfahrt wurde rückwärts ins<br />
Eingleisige der Großzschocherschen „Hauptstraße“<br />
gefahren, um von dort über die im<br />
Dreieck noch liegende Endweiche auf das<br />
stadtwärtige Gleis nach Leipzig zu gelangen.<br />
Jetzt konnte man auch mittels dieses Wendemanövers<br />
günstig aus den Depotgleisen 1<br />
bis 4 Richtung Leipzig gelangen. Nach Nutzung<br />
des Endstellendreiecks durch die Linie 1<br />
konnte man im Nachgang zwei der drei Gleiswechsel<br />
vor dem Straßenbahnhof ausbauen.<br />
Der an der Kötschauer Straße liegenden Gleiswechsel<br />
wurde hingegen noch lange benötigt,<br />
er lag bis zum Jahr 1978. Die Vorzüge einer<br />
Gleisschleife gegenüber einem Gleisdreieck<br />
sind jedem Straßenbahner bekannt. Die Nachteile<br />
des Dreiecks Ringstraße vermehrten sich<br />
noch zusätzlich durch die Mitbenutzung der<br />
eingleisigen Strecke. Die Fachleute der ab<br />
1917 vereinigten Großen Leipziger Straßenbahn<br />
(GLSt) erkundeten nach 1921 die Möglichkeit<br />
zur Schaffung einer Schleife in unmittelbarer<br />
Nähe des Depots, besonders als<br />
dann 1925 in Leipzig der Boom zur Schaffung<br />
besserer Verkehrsanlagen einsetzte. Finanzkredite<br />
waren wieder erhältlich.<br />
Die erste, aber wieder verworfene Variante<br />
sah die Schaffung einer doppelgleisigen<br />
Endschleife mit unterschiedlichen Befahrungsrichtungen<br />
vor. Dazu hätte man zwei<br />
doppelgleisige Abzweigungen benötigt. Für<br />
die dann gefundene – weitaus bessere – Lösung<br />
war bald noch im Jahr 1925 Baubeginn.<br />
Die neue Schleife Kleinzschocher führte<br />
über die Straßenzüge der Miltitzer Straße (der<br />
heutigen Pörstener Straße), der Luckauer<br />
Straße und der Kötschauer Straße (siehe Skiz-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
65
Geschichte<br />
Quellen und Dank<br />
• LVB-Archivunterlagen<br />
• Leipziger Straßenbahn-Geschichte, Bd. 1,<br />
Ausgabe 1996, S. 487 (unter Federführung von<br />
K. Adam)<br />
• LVB-Fahrzeugarchiv 1872–1997<br />
(Bd. 2 der Straßenbahn-Geschichte)<br />
• LVB-Kundenmagazin „Traffix“, Ausgabe 2/10,<br />
S. 15 (verfasst v. S. Weise)<br />
Der Autor bedankt sich bei Frau R. Sturm (LVB-<br />
Archiv), P. Schreier sowie den Herren M. Mitdank,<br />
R. R. Scholze und L. Groß für ihre Unterstützung.<br />
Im Jahr 1925 wird vor der Halle I des Depots Kleinzschocher ein Triebwagen der Type 20 vom<br />
Werkstattpersonal für den Einsatz auf Linie 3 gereinigt<br />
SLG. W. GOLZSCH<br />
ze). Sie wurde am 2. Juli 1926 eingeweiht.<br />
Die Schleife erhielt erst später, um 1932, in<br />
der Kötschauer Straße ein Umfahrungsgleis.<br />
Zum gleichen Zeitpunkt entschloss sich die<br />
GLSt die Linie 5 – neben der Linie 1 – wieder<br />
bis Kleinzschocher verkehren zu lassen.<br />
»Comeback« für Gleisdreieck<br />
In der Ringstraße fanden im gleichen Jahr<br />
wohnbaumäßige Erschließungsarbeiten<br />
statt. Jetzt – ohne Linienverkehr – konnte<br />
man dort ohne Probleme die Anlage außer<br />
Betrieb nehmen, die Gleise blieben aber weitgehend<br />
liegen. Dies sollte sich zwei <strong>Jahre</strong> später,<br />
1928, als wertvoll erweisen. Das Gleisdreieck<br />
bekam ein zweites Comeback.<br />
Großzschocher, inzwischen zu Leipzig gehörend,<br />
drängte auf den Einbau des zweiten<br />
Straßenbahngleises sowie auf eine verbesserte<br />
Straßenführung der Dieskaustraße (diese<br />
hieß jetzt auch in Großzschocher so).<br />
An eine Weiterführung des Betriebes der<br />
Straßenbahn war in der engen Straße nicht<br />
zu denken, auch war die Leistung von Schienenersatzverkehr<br />
zu dieser Zeit eine Illusion.<br />
Aber die GLSt wollte ihre Fahrgäste<br />
soweit wie möglich an die Baustelle heranfahren;<br />
so erinnerte man sich an das Gleisdreieck<br />
Ringstraße. Die Linie 3 wurde nun<br />
bis hierher verkürzt gefahren, aber zusätzlich<br />
verlängerte man die Linie 5 nach hier.<br />
Ein damaliger „toller“ Service des Verkehrsbetriebes.<br />
Nach Beendigung der Baumaßnahme baute<br />
man auf der Dieskaustraße die Gleisbögen<br />
aus, dafür aber hinter dem bisherigen<br />
Dreieck (aus Richtung Leipzig gesehen) neu<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Der Tw 1158 drückt im September 1988 als Linie 4E aus der „Straße des Komsomol“ in die Kötzschauer<br />
Straße zurück, links das ehemalige Wohn- und Dienstgebäude des Depots L. GROSS<br />
einen Gleiswechsel ein. Diesem sollte sogar<br />
eine längere Liegezeit beschieden sein, denn<br />
er wurde erst 1945 wieder entfernt.<br />
Ein »richtiges« Gleisdreieck<br />
Im Jahr 1933 beschäftigte man sich bei der<br />
GLSt mit den Planungen zur Streckenverlängerung<br />
in Großzschocher (von der Kirche<br />
bis zur zukünftigen Schleife am Rande<br />
des Ortsteiles Windorf). Die traditionelle<br />
Endstelle an der Kirche musste dabei demontiert<br />
werden. Es war wiederum kein<br />
Straßenbahnverkehr möglich.<br />
Die guten Dienste des Interims-Dreieckes<br />
Ringstraße im Jahr 1928 waren bei den Verkehrstechnologen<br />
im Gedächtnis haften geblieben.<br />
In der Ringstraße lag noch das Gleisstück<br />
(aus dem Einbaujahr 1921). Also lag<br />
es auf der Hand, es wieder anzubinden. Diesmal<br />
aber – bei besserer Finanzlage – mit dem<br />
Einbau einer eingleisigen Abzweigung und<br />
einer neuen Weiche – zu einem richtigen<br />
Gleisdreieck. Auch wurde das Gleisstück<br />
Ringstraße verlängert. Neben den Linien 3<br />
und 4 wollte man 1934 erneut die Linie 5<br />
zusätzlich hier enden lassen.<br />
Wie an Gleisdreiecken üblich, stieß man nun<br />
1934 vom landwärtigen Gleis der Dieskaustraße<br />
in die Ringstraße zurück. Zusammen<br />
mit dem 1928 eingebauten Gleiswechsel war<br />
man selbst bei anstehenden Überholmanövern<br />
ziemlich flexibel geworden.<br />
Im Rahmen der vom nationalsozialistischen<br />
Staat verfügten Stahleinsparungen und<br />
der nun in Leipzig einsetzenden Welle von<br />
Gleisdemontagen aus früheren Straßenbahnstrecken<br />
wurde auch das Gleisdreieck<br />
in Kleinzschocher 1938 endgültig ausgebaut.<br />
»Erfahre München!«, so heißt das<br />
neue Spiel der MVG, und so lautet<br />
auch die Aufgabe für zwei bis fünf<br />
Spieler ab 10 <strong>Jahre</strong>n. Jeder Spieler<br />
muss mit seiner Tram einen<br />
geheimen Streckenauftrag verfolgen<br />
und sich den Schienenweg<br />
zum Ziel legen. Beim Bauen können<br />
aber andere Weichensteller<br />
in die Quere kommen ...<br />
Das unterhaltsame Brettspiel von<br />
Spieleautor Stefan Dorra wurde<br />
speziell für München und die<br />
Münchner Verkehrsgesellschaft<br />
(MVG) weiterentwickelt und<br />
be sticht durch eine detailreiche,<br />
liebevolle Gestaltung sowie eine<br />
hochwertige Verarbeitung.<br />
Im Eröffnungsjahr<br />
des Straßenbahnhofs<br />
Kleinzschocher<br />
1906 entstand diese<br />
Aufnahme. Vor dem<br />
Depot lagen zu diesem<br />
Zeitpunkt<br />
lediglich Umfahrgleise<br />
SLG. W. GOLSCH<br />
Nutzung der Gleisschleife<br />
Wegen Verschleiß und fehlender Ersatzmöglichkeiten<br />
wurde im Jahr 1949 aus der<br />
Schleife eine Umfahrungsweiche entfernt. Es<br />
verbleib nur ein Abstellstumpf. 1960 wurde<br />
die fehlende Weiche wieder eingebaut. Für<br />
den Abtransport der Besucher der Radrennbahn<br />
und für die am 1. August 1960<br />
nach Kleinzschocher verlängerte Linie 8 benötigte<br />
man das Umfahrungsgleis.<br />
Heute wird die Gleisschleife nicht mehr im<br />
Linienverkehr befahren. Bei Umleitungen<br />
oder baubedingten Streckeneinkürzungen<br />
enden dann die Linien 1, 2 oder 3 hier.<br />
PETER SCHÄFER
Geschichte<br />
Die schmalsten Elektrischen<br />
Betriebe mit weniger als 800 mm Spurweite Trams oder straßenbahnähnliche Betriebe auf<br />
Gleisen unter einem Meter Spurweite waren weltweit eine Seltenheit. Die schmalsten von ihnen stellt<br />
dieser Beitrag vor – Miniatur- und Vergnügungsstrecken bleiben dabei außen vor<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Trams auf ganz schmaler Spur<br />
Schmalspurbahnen üben seit vielen<br />
Jahrzehnten einen ganz besonderen<br />
Reiz aus. Mit ihren meist nur in geringer<br />
Stückzahl gebauten Fahrzeugen<br />
und ihrer Linienführung faszinieren sie den<br />
Tramfreund. Dieser Beitrag erinnert an die<br />
schmalsten öffentlichen elektrischen Bahnen<br />
mit einer Spurweite von unter 800 mm. Miniatur-<br />
und Vergnügungsbahnen, aber auch<br />
elektrisch betriebene Werks-, Minen-, Feldund<br />
Waldbahnen bleiben hingegen außen vor.<br />
Bahnen mit 7<strong>50</strong> mm Spurweite<br />
Von den vielen Strecken mit 7<strong>50</strong>-mm-Spur<br />
wird weltweit nur noch eine solche Strecke<br />
elektrisch betrieben. Dabei handelt es sich<br />
um die Waldenburgerbahn in der Schweiz.<br />
Nachdem die Züge auf der am 30. Oktober<br />
1880 eingeweihten Schmalspurbahn 73 <strong>Jahre</strong><br />
lang von Dampfloks geführt wurden, fand<br />
1953 die Elektrifizierung der 13,1 km langen<br />
Strecke von der Kantonshauptstadt Liestal<br />
nach Waldenburg statt. Heute verkehrt<br />
sie als modern ausgebaute effektive Überlandbahn<br />
mit <strong>50</strong> Zugpaaren pro Tag. Zum<br />
Einsatz kommen dabei die elektrischen<br />
Triebwagen BDe 4/4 11 bis 14 (Baujahr<br />
1986) sowie 15 bis 17 (Baujahr 1993). Eine<br />
immer wieder diskutierte Umspurung auf<br />
1000 mm ist zurzeit vom Tisch: Bis 2030<br />
wird es bei der jetzigen Betriebsform bleiben.<br />
Lediglich der Unterbau wird bei Erneuerungen<br />
von Kunstbauten für die Meterspur vorbereitet.<br />
Dann wäre eine Verbindung von<br />
Liestal mit der gegenwärtig in Pratteln endenden<br />
Basler Tramlinie 14 sinnvoll.<br />
Der im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
11/2011 für die Waldenburgerbahn genannte<br />
Superlativ „Schmalste der Schweiz“<br />
muss aber erweitert werden, denn tatsächlich<br />
handelt es sich bei ihr inzwischen um die<br />
schmalste elektrische Bahn der Welt.<br />
Doch das war nicht immer so! Eine andere<br />
elektrische 7<strong>50</strong>-mm-Bahn fuhr einst in<br />
Spanien: die Ferrocarril Granada a Sierra<br />
Nevada. 1925 eröffnet, führte sie vom Stadtrand<br />
von Granada (Straßenbahnanschluss)<br />
in abenteuerlicher Linienführung 21 km weit<br />
hinauf in die wilde Natur der Sierra Nevada.<br />
Wie gefährdet die Strecke an manchen<br />
Stellen war, erlebte der Autor selbst, als der<br />
Fahrer seinen Tw nur wenige Zentimeter vor<br />
einem Felsbrocken auf dem Gleis zum Stehen<br />
brachte. Wäre der Wagen entgleist, wäre<br />
er möglicherweise von der schmalen Trasse<br />
in die Tiefe gestürzt!<br />
Zwar wurde die Bahn nach 19<strong>50</strong> noch um<br />
drei Kilometer verlängert, der Wagenpark von<br />
vier vierachsigen Tw und sechs vierachsigen<br />
Bw blieb jedoch unverändert. 1974 erfolgte<br />
die Stilllegung. Der Tw 3 ist gut gepflegt bei<br />
San Juan als Denkmal erhalten geblieben.<br />
Seit einigen <strong>Jahre</strong>n wird der Wiederaufbau<br />
in Meterspur bei gleichzeitiger Verlängerung<br />
bis zum 35 km entfernten Wintersportort<br />
Pradollano von Naturschützern und<br />
der Partei der Grünen propagiert und z.T.<br />
detailliert geplant. Die Realisierung dürfte<br />
aber angesichts der prekären finanziellen Situation<br />
des Landes auf absehbare Zeit unwahrscheinlich<br />
sein.<br />
Bahnen mit 760 mm Spurweite<br />
Die 760-mm-Spur, auch bosnische genannt,<br />
war und ist die Spurweite der meisten<br />
Schmalspurbahnen in der früheren Habsburger<br />
Monarchie und ihrer Nachfolgestaaten.<br />
Einen hohen Bekanntheitsgrad hat<br />
die seit 1911 elektrisch betriebene Mariazellerbahn<br />
in Österreich. Sie wird seit Dezember<br />
2010 von der Niederösterreichische<br />
Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖ-<br />
VOG) betrieben. Wie die 1913 bereits mit<br />
elektrischem Betrieb eröffnete Lokalbahn<br />
Mixnitz – St. Erhard in der Steiermark handelt<br />
es sich bei der Mariazellerbahn um eine<br />
Eisenbahn.<br />
In der dalmatinischen Hafenstadt<br />
Dubrovnik begegnen sich im<br />
Sommer 1969 die Triebwagen 3<br />
und 8. Diese Tram an der Adria wies<br />
eine Spurweite von nur 760 mm auf<br />
H. MAASS<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
69
Geschichte<br />
Einer Überland-Tram glich die 7<strong>50</strong>-mm-Strecke Granada a Sierra Nevada in Spanien, hier ein<br />
Triebwagen im April 1965 in einer Unterwegsstation<br />
J. ZIMMER<br />
Die einzige elektrische Straßenbahn mit<br />
760 mm Spurweite in Österreich fuhr in<br />
Ybbs. Von 1907 bis 1953 pendelten die Tw<br />
1 und 2 zwischen dem Stadtplatz und dem<br />
drei Kilometer entfernten Bahnhof Ybbs-<br />
Kennelbach im Anschluss von und zu den<br />
Zügen der Westbahn. Beide Tw wurden nach<br />
der Stilllegung 1954 von der Lokalbahn<br />
Mixnitz – St. Erhard übernommen. Der Tw<br />
1 wurde später verschrottet, der Tw 2 hingegen<br />
im <strong>Jahre</strong> 1969 an den „Verein Kärntner<br />
Eisenbahnfreunde“ abgegeben. Heute<br />
befindet er sich im „Historama Ferlach“.<br />
Als Nachfolgerin einer Materialbahn eröffnete<br />
die elektrische Lokalbahn Payerbach<br />
– Hirschwang (Höllentalbahn) in Niederösterreich<br />
1926 den Personen- und Güterverkehr.<br />
Vor allem Touristen schätzten die<br />
Verbindung von der Semmering- zur Rax-<br />
Seilbahn. Aus technischen Gründen musste<br />
der Personenverkehr 1963 eingestellt werden,<br />
der Güterverkehr hielt sich 19 <strong>Jahre</strong> länger.<br />
Die beiden 1926 beschafften vierachsigen<br />
Elektrotriebwagen 1 und 2 gingen 1964<br />
an die Zillertalbahn, wo die Wagenkästen abgewrackt<br />
und die Fahrgestelle zu Güterwagen<br />
umgebaut wurden. Auf einem heute von<br />
der ÖGLB als Museumsbahn betriebenen,<br />
fünf Kilometer langen Abschnitt verkehrt seit<br />
2005 wieder ein elektrischer Triebwagen. Er<br />
entstand aus dem Wagenkasten eines noch<br />
vorhandenen Beiwagens und eines originalen<br />
Unterteils, welches aus dem Zillertal zurückgeholt<br />
worden war.<br />
Elektrisch ins Trentschiner Bad<br />
In der Slowakei verkehrt die Lokalbahn<br />
Trencianske Teplá – Trencianske Teplice<br />
(Trentschin-Teplitz bzw. Trentschiner Bad)<br />
zur Verbindung des bedeutenden Thermalbades<br />
mit der Staatsbahnstrecke Bratislava<br />
– Zilina. Die 5,7 km lange Bahn fährt seit ihrer<br />
Eröffnung 1909 bis heute elektrisch, ursprünglich<br />
von den Ungarischen, ab 1918<br />
von den Tschechoslowakischen sowie von<br />
1993 bis 2011 von den Slowakischen Staatsbahnen<br />
betrieben.<br />
Zur Eröffnung standen drei zweiachsige<br />
Tw und drei Bw zur Verfügung. Sie wurden<br />
Anfang der 19<strong>50</strong>er-<strong>Jahre</strong> an die elektrische<br />
Waldbahn Lubochna abgegeben, Tw 3 und<br />
Bw 11 befinden sich heute im Technischen<br />
Museum in Brünn. Der Wagenpark wurde<br />
1951 durch drei neue, in der Zwischenzeit<br />
mehrfach umgebaute, modernisierte und<br />
umgenummerte vierachsige Tw ersetzt, von<br />
den 1951/54 gelieferten drei vierachsigen Bw<br />
sind zwei in Steuerwagen und einer in einen<br />
Tw umgebaut worden. Die Bahn sollte mehrmals<br />
stillgelegt werden, denn die Slowakische<br />
Staatsbahnen wollten den Betrieb nicht<br />
weiterführen. Der Verkehr wurde in den letzten<br />
<strong>Jahre</strong>n mehrfach ausgedünnt und die<br />
Buskonkurrenz bekam ihre Chance. Im<br />
Fahrplanjahr 1969/70 z.B. verkehrten werktags<br />
28, sonntags 34 Zugpaare, 24 Stunden<br />
durchgehend, im Winterhalbjahr 2011 waren<br />
nur montags bis freitags vier Züge übrig<br />
geblieben und mit Fahrplanwechsel im Dezember<br />
2011 wurde der Verkehr durch die<br />
Slowakischen Eisenbahnen ganz eingestellt.<br />
Im Januar 2012 hat die Trencianska Elektrická<br />
Zeleznica (TREZ) den Betrieb übernommen.<br />
Sie ist Teil der „Ciernohronská Zeleznica“<br />
(Schwarzgraner Waldbahn) und<br />
führt ca. einmal im Monat sowie bei besonderen<br />
Anlässen und auf Bestellung Fahrten<br />
mit den Tw 411 902 und 411 903 durch.<br />
Im Bereich von Tschechien<br />
Das Gebiet um die Stadt Ostrava (Mährisch<br />
Ostrau) entwickelte sich im 19. Jahrhundert<br />
durch umfangreiche Kohlevorkommen zu<br />
einem bedeutenden Zentrum der Eisen- und<br />
Stahlindustrie, des Maschinenbaus und der<br />
chemischen Industrie. Das Stadtgebiet<br />
erschloss seit 1894 eine normalspurige<br />
Dampf-, seit 1901 eine elektrifizierte Straßenbahn,<br />
die heute ein Netz von 15 Linien<br />
betreibt.<br />
Im nordöstlichen Umland entstand ab 1904<br />
ein dampfbetriebenes, ab 1909 elektrisches<br />
760-mm-Schmalspurnetz der Lokalbahn<br />
Mährisch Ostrau – Karwin (L.O.K.), der<br />
Schlesischen Landeseisenbahnen (S.L.E.B.)<br />
und der Städt. Elektrischen Oderberg von zusammen<br />
fast 70 km Länge. Es erstreckte sich<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Trams auf ganz schmaler Spur<br />
Der von der elektrischen Erstausstattung der Waldenburgerbahn (7<strong>50</strong> mm) stammende Tw 1 aus dem <strong>Jahre</strong> 1953 in Hölstein<br />
G. JÄKLE<br />
In Mährisch Ostrau trafen sich bis 1973 noch schmal- und regelspurige<br />
Fahrzeuge (Gleis rechts im Bild). Von der 760-mm-Lokalbahn Ostrau –<br />
Karwin stammt der 1909 gebaute Tw 424<br />
G. JÄKLE<br />
Der von den Tschechoslowakischen Staatsbahnen als 411.901 geführte<br />
760-mm-Triebwagen am Bahnsteig in Trencianske Tepla zur Fahrt<br />
nach Trencianske Teplice<br />
J. ZIMMER<br />
bis Hrusov (Hruschau), Bohumin (Oderberg),<br />
Karwiná (Karwin) und Frystát (Freistadt). Die<br />
wechselnden politischen Verhältnisse in diesem<br />
Grenzgebiet wirkten sich auf die Bahnen<br />
aus: Es gab Zugehörigkeit zu Österreich, der<br />
Tschechoslowakei, Polen, Deutschland (Gau<br />
Sudetenland), Streckenunterbrechungen,<br />
wechselnde Verwaltungen usw. Im Jahr 1949<br />
fusionierten alle Schmalspurstrecken mit dem<br />
Verkehrsbetrieb Ostrava.<br />
1914 war der Ausbau des Netzes abgeschlossen.<br />
Zwar erfolgte noch 1953 eine kurze<br />
Verlängerung in Frystát, aber schon ab<br />
1952 hatte die etappenweise Stilllegung der<br />
Schmalspurstrecken begonnen. Linie 18<br />
Hrusov – Bohumin fuhr bis 1973 als letzte<br />
schmalspurige Elektrische.<br />
S.L.E.B und L.O.K beschafften für ihre Linien<br />
zwischen 1909 und 1920 insgesamt 23<br />
ähnliche vierachsige Trieb-, zehn vierachsige<br />
und 14 zweiachsige Beiwagen. Der Verkehrsbetrieb<br />
Ostrava erweiterte den Wagenpark<br />
noch 1948/54, als die ersten Stilllegungen bereits<br />
begonnen hatten, um acht vierachsige<br />
Trieb- und zwölf vierachsige Beiwagen.<br />
Elektrisch auf 760 mm in Ungarn<br />
Ab 1905 erschloss eine 760-mm-Schmalspurbahn<br />
die Theiss-Tiefebene im Osten<br />
Ungarns zwischen der Provinzhauptstadt<br />
Nyiregyháza und Dombrád, Balsa, Sárospatak.<br />
In Nyiregyháza verlief die Bahn mitten<br />
durch die Stadt, was lag also näher, als<br />
die Stadtstrecke zu elektrifizieren, was 1911<br />
geschah. Die so entstandene elektrische Straßenbahn<br />
begann am Hauptbahnhof und<br />
führte über den Bessenyei tér bis zum acht<br />
Kilometer entfernten Kurort Sóstó. Neben<br />
den Dampf- und Dieselzügen verkehrte die<br />
Straßenbahn im Durchschnitt alle 30 bis 60<br />
Minuten.<br />
Im <strong>Jahre</strong> 1949 übernahmen die Ungarischen<br />
Staatseisenbahnen die Lokalbahn und<br />
führte den Straßenbahnbetrieb zunächst unverändert<br />
weiter, ab 1960 nur noch bis zur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
71
Geschichte<br />
Der 1962 gebaute Tw 14 der Tram von Dubrovnik (760 mm) ist im Juni 1969 mit dem 1910 gebauten<br />
Sommer-Beiwagen 26 am Bahnhof von Dubrovnik unterwegs<br />
H. MAASS<br />
Ein vierachsiger Triebwagen der Schlesischen Kleinbahnen A.G. noch mit offenen Plattformen<br />
in Gleiwitz. Die Spurweite der Gleise betrug damals 785 mm<br />
SLG. J. ZIMMER<br />
Trams/tramähnliche Betriebe mit weniger als 800 mm Spurweite<br />
Spurweite Name des Betriebes Land Länge in km elektrischer Betrieb 1<br />
7<strong>50</strong> Waldenburgerbahn Schweiz 13 seit 1953<br />
7<strong>50</strong> Ferrocarril Granada a Sierra Nevada Spanien 21 1925–1974<br />
760 Ybbser Straßenbahn Österreich 3 1907–1953<br />
760 Höllentalbahn Österreich 5 seit 1926<br />
760 Lokalbahn Trencianske Teplice Slowakei 6 seit 1909<br />
760 Lokalbahn Ostrau-Karwin 2 Tschechien ca. 1909–1973<br />
760 Nyíregyháza-Schmalspurbahn Ungarn 8 1912–1969<br />
760 Straßenbahn Szátmar Nemeti 3 (damals Ungarn) 5 1900–1906<br />
760 Straßenbahn Sarajevo Bosnien 6 1895–1960<br />
760 Straßenbahn Dubrovnik Kroatien o.A. 1910–1970<br />
760 Straßenbahn Piran Slowenien 5 1912–1953<br />
762 Sangi Hokusei-Line Japan 20 seit 1931<br />
762 Kintetsu Utsube Hachioji Japan 7 seit 1943<br />
762 Kurobe Gorge-Eisenbahn Japan 20 seit 1963<br />
785 Schlesische Kleinbahnen A.G. Preußen/Polen ca. 200 km 1898–1952<br />
1<br />
Strecken teils schon früher eröffnet, Jahr gibt Aufnahme des elektrischen Betriebes an<br />
2<br />
einschließlich Schlesischen Landeseisenbahnen (S.L.E.B.) und der Städt. Elektrischen Oderberg<br />
3<br />
die Stadt Szátmar Nemeti lag nach dem Ersten Weltkrieg in Rumänien – Satu Mare<br />
Stadtmitte. 1969 stellten sie ihn jedoch ganz<br />
ein. Die Schmalspurbahn wurde 1980 aus<br />
der Stadt herausgenommen und parallel zur<br />
Staatsbahn um die Stadt herum geleitet. Seit<br />
Dezember 2009 ist sie stillgelegt.<br />
Der Wagenpark der Straßenbahn bestand<br />
aus zwei- später auch vierachsigen Triebwagen,<br />
die z.T. aus Benzin-VT umgebaut waren.<br />
Heute steht Tw 812 als Denkmal im<br />
Stadtzentrum.<br />
Etliche <strong>Jahre</strong> früher hatte es eine ähnliche<br />
Straßenbahn in der ungarischen, seit 1920<br />
jedoch zu Rumänien gehörigen Stadt Szátmar<br />
Nemeti (Satu Mare) gegeben. Auch hier<br />
verkehrte eine Dampf-Schmalspurbahn<br />
durch die Innenstadt, die 1900 auf den ersten<br />
fünf Kilometern elektrifiziert wurde. Der<br />
elektrische Betrieb mit fünf Triebwagen endete<br />
bereits 1906.<br />
Im südslawischen Gebiet<br />
Im späteren Jugoslawien (wortwörtlich übersetzt:<br />
Südslawien) entstanden zu österreichischer<br />
Zeit drei Straßenbahnbetriebe mit<br />
760 mm Spurweite.<br />
In der bosnischen Landeshauptstadt Sarajevo<br />
wurde der weit außerhalb der Stadt<br />
angelegte Bahnhof der Bosnabahn seit 1895<br />
mit einer elektrischen Straßenbahn gleicher<br />
Spurweite mit der Innenstadt verbunden, mit<br />
sechs Kilometer Länge erreichte sie ihre<br />
größte Ausdehnung. Interessanterweise gab<br />
es bis in die 1920er-<strong>Jahre</strong> einen umfangreichen<br />
innerstädtischen Güterverkehr mit zwei<br />
Elloks. Vorhanden waren 15 Trieb- und acht<br />
Beiwagen. 1960 erfolgten die Stilllegung des<br />
Schmalspur- und die Eröffnung des Normalspurbetriebes.<br />
An der Adriaküste<br />
Dubrovnik, die dalmatinische Hafenstadt an<br />
der Adria mit ihrer als UNESCO-Weltkulturerbe<br />
anerkannten Altstadt, ist eine der<br />
schönsten Städte am Mittelmeer und wird<br />
deshalb viel besucht. Seit 1910 fuhr dort eine<br />
elektrische Straßenbahn mit zwei Linien: die<br />
Bahnhofslinie 1 (Pile – Bhf) und die Hafenlinie<br />
2 (Pile – Hafen).<br />
Zur Eröffnung wurden fünf zweiachsige<br />
Triebwagen beschafft, 1912 und 1928 jeweils<br />
drei und 1962 letztmals vier, dazu kamen<br />
ab 1910 zehn Beiwagen, meist offene<br />
Sommer-Bw, die vor allem bei Touristen sehr<br />
beliebt waren.<br />
Die Straßenbahn war immer frequentiert,<br />
aber ein schwerer Unfall führte zum abrupten<br />
Ende im <strong>Jahre</strong> 1970. Verschiedene Wagen<br />
haben z.B. im Technischen Museum Zagreb<br />
sowie im Historama Ferlach in Kärnten<br />
bis heute überlebt.<br />
Eine weitgehend unbekannte Straßenbahn<br />
verkehrte ab 1912 in der Hafenstadt Piran<br />
(Istrien) im heutigen Slowenien. Die fünf Kilometer<br />
lange Bahn verband die beiden<br />
Stadtteile Piran und Portoroz und endete am<br />
72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Trams auf ganz schmaler Spur<br />
Der 760-mm-Straßenbahnbetrieb in Ybbs war nicht nur der in Österreich auf den schmalsten Gleisen geführte, sondern auch einer der kürzesten<br />
weltweit, hier 1953 am Endpunkt in der Innenstadt<br />
H. HERRMANN<br />
Bahnhof der Schmalspurbahn Triest – Porec<br />
(Parenzo). Nach deren Stilllegung 1935 fuhr<br />
die Straßenbahn noch 18 <strong>Jahre</strong> weiter bis<br />
1953. Der Wagenpark von fünf Trieb- und<br />
zwei Beiwagen ging anschließend an die damals<br />
noch schmalspurige Tram Sarajevo.<br />
Bahnen mit 762 mm Spurweite<br />
Das Eisenbahnnetz in Japan ist fast gänzlich<br />
in Kapspur (1067 mm) angelegt. Einige wenige<br />
Privatbahnen sowie das ab 1964 entstandene<br />
Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsnetz<br />
sind normalspurig ausgeführt.<br />
Einst gab es aber auch ca. 30 Strecken mit<br />
einer Spurweite von 762 mm, von denen<br />
nach den 1920er-<strong>Jahre</strong>n viele auf Kapspur<br />
umgebaut oder stillgelegt und nur wenige<br />
elektrifiziert wurden. Von diesen existieren<br />
heute noch drei.<br />
Ausgangspunkt der Sangi Hokusei-Line<br />
ist Nishi-Kuwana, 30 km südwestlich von<br />
Nagoya an der Strecke nach Ise-Toba. Die<br />
1931 eröffnete Bahn ist mit 20,4 km die<br />
längste elektrische Schmalspurbahn und<br />
führt durch dichtbesiedeltes Gebiet nach<br />
Ageki. Die Züge verkehren durchgehend<br />
oder auf Teilstrecken alle 15 bis 60 Minuten.<br />
Die Fahrzeit beträgt eine Stunde.<br />
Nur 14 km weiter südlich an der gleichen<br />
Strecke beginnt in Yokkaichi die Kintetsu<br />
Utsube Hachioji-Line, eine 5,7 km kurze<br />
Strecke nach Utsube mit einer 1,3 km langen<br />
Abzweigung nach Nishihino. Die Bahn<br />
wurde 1912 eröffnet und 1943 elektrifiziert.<br />
Betrieben wird sie im 15- bis 30-Minuten-<br />
Takt mit einer Fahrzeit von 18 Minuten.<br />
Auf beiden genannten japanischen Linien<br />
fahren ausschließlich Dreiwagen-Triebzüge<br />
verschiedener Serien aus den <strong>Jahre</strong>n<br />
1954 bis 1977.<br />
Die dritte elektrische Schmalspurbahn Japans<br />
ist die Kurotetsu (Kurobe Gorge-Eisenbahn).<br />
Sie schließt in Unazuki Onsen an die<br />
kapspurige Chitetsu (Toyama Chiho-Eisenbahn)<br />
an und führt entlang des Kurobeflusses<br />
durch ursprüngliche Gebirgsgegenden der<br />
Japanischen Alpen auf einer bogen- und steigungsreichen<br />
Strecke in <strong>50</strong> Minuten zum 20,1<br />
km entfernten Kurort Keyakidaira mit seinen<br />
heißen Thermalquellen. Die Bahn diente ursprünglich<br />
zum Bau des 1963 fertiggestellten<br />
Kurobe-Staudammes. Für den Personen- und<br />
Güterverkehr sind 23 vierachsige Elloks vorhanden.<br />
Täglich verkehren ca. 20 Züge.<br />
Bahnen mit 785 mm Spurweite<br />
Im damals zu Preußen gehörenden Oberschlesien<br />
entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts<br />
eine große Anzahl von Industriebahnen<br />
zur Versorgung der Kohlegruben<br />
und Hüttenwerke. Ihre Spurweite von 30<br />
preußischen Zoll (= 785 mm) fand sich einst<br />
auch z.B. im Rhein-Sieg-Gebiet (z.B. Bröltalbahn).<br />
Für den Verkehr in den rasant wachsenden<br />
Städten Oberschlesiens setzte man auf den<br />
785-mm-Strecken zunächst auf Pferde- und<br />
Dampf-, aber schon ab 1898 auf elektrischen<br />
Betrieb. Die „Oberschlesische Dampfstraßenbahn<br />
GmbH“ setzte schon 1902 auf einem<br />
fast 100 km langen Überlandnetz 90<br />
vierachsige Trieb- und 70 Beiwagen ein. Das<br />
Konkurrenzunternehmen „Oberschlesische<br />
Kleinbahnen und Elektrizitätswerke A.G.“<br />
fuhr gleichzeitig auf 30 km gleicher Schmalspur<br />
mit ca. 30 Trieb- und 30 Beiwagen. Beide<br />
Gesellschaften fusionierten später zur<br />
Schlesischen Kleinbahnen A.G.<br />
Befriedigen konnten die schmalspurigen<br />
Straßenbahnen auf Dauer nicht – so wurde<br />
die unabhängige „Städtische Straßenbahn<br />
Beuthen“ schon 1912 in Normalspur eröffnet.<br />
Die vorgesehene Umspurung des Gesamtnetzes<br />
zog sich lange hin, vor allem bedingt<br />
durch den Ersten Weltkrieg und die<br />
anschließende Teilung Oberschlesiens. Abgesehen<br />
von einem kurzen Abschnitt in Kattowitz<br />
1912 begann sie 1928 mit der Strecke<br />
Gleiwitz – Hindenburg (Zabrze) und war<br />
erst 1952 beendet. Heute betreiben die<br />
„Tramwaje Slaskie“ ein hochinteressantes<br />
normalspuriges Stadt- und Überlandnetz von<br />
30 Linien. JÖRG ZIMMER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
73
n Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />
Straßenbahnen<br />
fuhren 53 <strong>Jahre</strong><br />
durch Flensburg.<br />
Nur drei Fahrzeuge<br />
sind der Nachwelt<br />
erhalten geblieben<br />
– alle im dänischen<br />
Trammuseum<br />
Skjoldenæsholm.<br />
Der Triebwagen 36<br />
(unten), von dem<br />
Helmut Gieramm<br />
dieses Kartonmodell<br />
gebaut hat,<br />
wurde kürzlich in<br />
Gera renoviert.<br />
Die Übergabefahrt<br />
zeigt ein Film bei<br />
Youtube im Internet:<br />
www.youtube.com/<br />
watch?v=IU-NEM8zJ-U<br />
Gieramms<br />
Flensburger Papp-Tw<br />
40 <strong>Jahre</strong> nach dem Aus n Kaum etwas<br />
erinnert noch an Deutschlands nördlichste<br />
Straßenbahn. Ein Triebwagen überlebte in<br />
Dänemark, der fährt nun auch auf H0-Gleis<br />
Die meisten von uns bringen<br />
Flensburg mit der<br />
Verkehrssünderdatei, dem<br />
Rumhandel und vielleicht<br />
noch mit einem Erotikartikelversand<br />
in Verbindung, nur wenige erinnern<br />
sich noch, dass sich dort bis 1973<br />
der nördlichste Straßenbahnbetrieb<br />
Deutschlands befand. Von den Flensburger<br />
Straßenbahnen haben nur<br />
wenige Fahrzeuge die Stilllegung<br />
langfristig überdauert. Durch glückliche<br />
Umstände gelangte ein Triebwagen<br />
aus dem Jahr 1926 in das<br />
Sporvejsmuseet Skjoldenaesholm in<br />
Dänemark.<br />
Nach ausgiebigem Dornröschenschlaf<br />
wurde dieser Wagen 36 in<br />
langer, aufwändiger Arbeit in der<br />
Straßenbahnwerkstatt Gera wieder<br />
74 strassenbahn magazin 2|2013
Fahrzeugbau<br />
Der Karton-Bastelbogen des Triebwagen 36 ist relativ einfach gehalten.<br />
Am Aufbau des Wiener M-Modells sind einige Umbauten vorzunehmen<br />
Alle Türen und Fenster des Wiener H0-Modells müssen verschlossen und<br />
teilweise gespachtelt werden. Aufs Dach kommen neue Widerstände<br />
für den Fahrbetrieb hergerichtet.<br />
Im April 2012 hatte ich in Gera Gelegenheit,<br />
an der Übergabefahrt<br />
zum Museum teilzunehmen – der<br />
Triebwagen sah dabei aus wie neu.<br />
Seit Juni 2012 können Besucher in<br />
Skjoldenaesholm diesen herrlichen<br />
Holzwagen, der in der Hannoverschen<br />
Waggonfabrik entstand, nun<br />
im Fahrbetrieb erleben.<br />
Hobbyfreund Gottfried Kuře aus<br />
Traun in Oberösterreich stellte jetzt<br />
mit Hilfe meiner Bilder einen fotorealistischen<br />
Kartonbausatz im Maßstab<br />
1:87 her. Als Grundlage diente das<br />
M-Modell der Wiener Linien. Es ist<br />
von der Charakteristik her dem Flensburger<br />
Wagen ähnlich. Mit diesem<br />
H0-Modell, einer Feile, Klebstoff, etwas<br />
Kunststoff, ein wenig Farbe, Zeit<br />
und Geschicklichkeit lässt sich das<br />
Flensburger Modell gut nachbauen.<br />
Für die Fortbewegung dient der<br />
Reko-Antrieb von Halling. Da ich plane,<br />
den Triebwagen vorbildgerecht<br />
mit einem Verbandstyp-II-Beiwagen<br />
einzusetzen, habe ich gleich auch<br />
meine Magnetkupplung angebracht.<br />
Zu meiner Freude kann der Flensburger<br />
H0-Triebwagen nun auf meiner<br />
Dachbodenanlage seine Runden<br />
drehen. Ich habe davon einen kleinen<br />
Film gedreht und ins Internet gestellt:<br />
www.youtu.be/vNM_j7_hge8 HG<br />
Alle Gehäusevorsprünge und Lampen werden abgeschliffen und bei Bedarf<br />
verspachtelt, dann können die Kartonteile aufgeklebt werden<br />
Das Kartonmodell des Flensburger Triebwagen 36 läßt sich leicht mit Antrieben von Halling und PMT motorisieren. Leider gibt es den von Gottfried<br />
Kuře entwickelten Bastelbogen bisher nicht zu kaufen. Statt des vergriffenen Wiener M-Modells ist auch das des Typ N geeignet H. GieRAMM (7)<br />
strassenbahn magazin 2|2013 75
Straßenbahn im Modell<br />
Gotha, ET <strong>50</strong>: Aus Teilen des Lowa-Bausatzes (Plattformen) und Gotha-<br />
Karosserien (Seitenwände) von Herrmann & Partner wurde dieser Tw<br />
angefertigt. Die etwas verblasste Farbe war ja in der DDR öfter zu sehen<br />
Tatra, Zweirichtungs-Tw: In Halle wurde so ein Fahrzeug auf Linien ohne<br />
Wendemöglichkeiten eingesetzt. Mein Umbau entstand aus zwei Bausätzen.<br />
Die mittlere Tür hat vorbildentsprechend nur drei Elemente<br />
Bineks Umbauten<br />
Besondere Tramfahrzeuge n Mit Säge und Klebetube bastelt sich der<br />
Wiener Gymnasiallehrer Straßenbahnmodelle, die so nicht jeder hat<br />
Berliner Großraumwagen 8001: Für meinen Prototyp stand mir nur ein<br />
Vorbildfoto zur Verfügung. Das Modell entstand aus Teilen des Lowa-<br />
Bausatzes von Technomodell, der Antrieb stammt von Halling. Das Modell<br />
ist etwas zu hoch, um einen 25-Zentimeter-Radius befahren zu können<br />
Chemnitz, 2x-Züge: Die Fahrzeuge entstanden aus Gogtram-Modellen<br />
für einen Freund. Dazu mussten die Gehäuse um ein Fenster verlängert<br />
werden. Die Tw haben einen KSW-Antrieb. Die H0e-Spurweite ist nicht<br />
vorbildgerecht, denn alle Chemnitzer Fahrzeuge sind normalspurig<br />
Peter Binek, Lehrer für Mathematik,<br />
Physik und Ethik an<br />
einem Gymnasium in Wien,<br />
hat sich dem Umbau von<br />
handelsüblichen Straßenbahnmodellen<br />
verschrieben. Mit der Zeit hat er<br />
sich so eine beachtliche Sammlung<br />
geschaffen. Der 52-Jährige stellt hier<br />
seine Fahrzeuge vor.<br />
Schienenfahrzeuge haben mich<br />
schon früh fasziniert – auch weil ich<br />
sie als Schüler nur selten benutzen<br />
konnte. Zu meiner Wiener Schulzeit<br />
fuhren noch viele Oldtimer. Fotografiert<br />
habe ich aber leider die<br />
neuen Fahrzeuge. Mit fünf <strong>Jahre</strong>n<br />
bekam ich dann meine erste Märklin-Eisenbahn,<br />
aus der im Laufe der<br />
<strong>Jahre</strong> eine große Anlage wurde, die<br />
ich nach dem Studium aber abgebaut<br />
habe, denn nachdem um 1980<br />
die ersten Trammodelle angeschafft<br />
wurden, war mir klar, dass da mit<br />
Wechselstrom nichts zu machen<br />
war. Weil mir eine reine Tramanlage<br />
aber viel zu aufwändig war, habe<br />
ich eine neue knapp vier Quadratmeter<br />
große Gleichstromanlage mit<br />
einer eingleisigen Nebenbahnstrecke,<br />
H0e-Feldbahn und H0e-Straßenbahn<br />
aufgebaut. Hier werden<br />
auch meine Straßenbahnmodelle<br />
probegefahren. Zur Zeit plane ich<br />
an Modulen für Straßenbahn (H0/<br />
H0e) und Schmalspurbahn (H0e). Ein<br />
erstes Teil ist schon fertig und war<br />
2009 bei „Kleine Bahn ganz groß“<br />
in Nürnberg zu sehen.<br />
Wertvolles aus der Kiste<br />
Am liebsten baue ich Industriemodelle<br />
um. Im Lauf von drei Jahrzehnten<br />
sind so einige Fahrzeuge entstanden,<br />
teils auch im Freundeskreis<br />
verschenkt oder getauscht worden.<br />
Meine Restekiste birgt manch wertvolles<br />
Teil, sodass ich nicht immer<br />
gleich ein neues Fahrzeug „schlachten“<br />
oder einen Bausatz plündern<br />
muss. Hilfreich sind auch Hersteller,<br />
Chemnitz, 4x-Triebwagen: Ausgehend von drei Gogtram-Karosserien<br />
wurden die Plattformen aus Plastic-Sheet gefertigt. Fahrgestelle gibt es<br />
noch keine, da muss mein Freund Bernd Wetzel erst mal austüfteln, was<br />
am besten passt. Insgesamt wurden zwei Tw und ein Bw gebaut<br />
Schöneiche, 4x-Triebwagen: Die Modelle entstanden aus Resten vom<br />
Gotha-Tw und Seitenwänden vom Lowa-Zug von H&P. Es wurde wieder<br />
nur nach Fotos gearbeitet, sodass nicht jede Abmessung stimmt. Die<br />
Fahrgestelle werden noch gebaut. Ein ein passender Bw ist in Planung<br />
P. Binek (10)<br />
76 strassenbahn magazin 2|2013
Fahrzeugbau<br />
wenn sie vollendete Umbauten ihrer<br />
Modelle zu Gesicht bekommen<br />
– an manches Einzelteil kann man<br />
dann leichter herankommen. Mittlerweile<br />
wage ich mich auch an aufwändigere<br />
Fahrzeuge wie etwa den<br />
Chemnitzer 4x-Triebwagen, der bis<br />
auf die Seitenwände ein Eigenbau<br />
ist. Ich verwende dafür am liebsten<br />
Halling-Antriebe, denn den Lieferanten<br />
habe ich ja hier in Wien gleich<br />
vor der Haustüre. Lackiert wird meist<br />
mit Autolacken für die Grundfarbe.<br />
Die zweite Farbe und Zierlinien trage<br />
ich mit einem Pinsel und Farben<br />
von Revell und Humbrol auf. Zierlinien<br />
malen sich leichter, wenn man<br />
sie aus selbstklebenden Linien oder<br />
ganz dünnem aufgeklebtem Plastic-<br />
Sheet vorher anfertigt. Manche der<br />
Anregungen für meine Trammodelle<br />
kam von Bernd Wetzel aus Chemnitz,<br />
den ich Mitte der 1980er-<strong>Jahre</strong> kennengelernt<br />
habe. Seine Spezialität<br />
sind Antriebe und Fahrgestelle, die<br />
er auch für mich baut.<br />
Leider lässt mir mein Lehrerberuf und<br />
die Tätigkeit als Organist nur wenig<br />
Zeit für die Modellstraßenbahn, aber<br />
die soll ja auch ein entspannendes<br />
Hobby bleiben. PETER BINEK<br />
Beerdigungs-Tatra: Alles Mögliche wurde ja in der früheren DDR mit der<br />
Straßenbahn transportiert, warum nicht auch eine Trauergesellschaft<br />
mit Sarg? Dieses Fantasiemodell ist ohne Angetrieb. Der Sarg entstand<br />
im Eigenbau, die Kerzenleuchter bestehen aus den Resten einer Leiter<br />
Güter-Triebwagen: Das Modell ist eine Resteverwertung von den Chemnitzer<br />
2x-Zügen mit den Seitenwänden von alten Kleinbahn-Güterwagen.<br />
Das Fahrgestell und die Blenden stammen von Halling<br />
Tatra, 8x-Tw mit Niederflur-Mittelteil: Schon bevor es die Bausätze der slowakischen Firma Yozo und die<br />
Barnet-Modelle gab, habe ich mich selbst an diesem Umbau versucht. Aus H&P-Bausätzen und viel Kleben und<br />
Feilen entstand dieser Tw mit niederflurigem Mittelteil, das entsprechende Ausnehmungen für die Bodenplatte,<br />
die beidseitig in das Mittelteil hineingeschoben wird, hat. Der Antrieb stammt von Hallings Wiener E<br />
Neuheiten &<br />
Neuigkeiten<br />
Modelle mit<br />
Geschichte<br />
n Auch in diesem Jahr findet neben<br />
der Spielwarenmesse wieder<br />
das Treffen und der Stammtisch der<br />
„Tramway and Light Railway Society“<br />
(TLRS) in Nürnberg statt. Die<br />
Veranstaltung (1. und 2. Februar)<br />
wird wie gewohnt im Betriebshof<br />
St. Peter durchgeführt und steht<br />
diesmal unter dem Motto „Mein<br />
Modell – meine Geschichte“.<br />
Die deutschsprachige Abteilung<br />
der TLRS lädt alle Modelltrambahner,<br />
die ein Modell mit einer<br />
besonderen Geschichte haben, zu<br />
dem Wettbewerb ein. Die ersten<br />
fünf Modelle werden mit einer Urkunde<br />
ausgezeichnet. Das Gewinnermodell<br />
erhält ein Erinnerungsgeschenk.<br />
Umfassende Auskünfte<br />
und Anmeldungen per E-Mail über<br />
rene.felgentreu@web.de<br />
Ihre Anlage<br />
gewinnt<br />
n Haben Sie auch eine Tramanlage<br />
gebaut? Dann bringen Sie doch<br />
den Gleisplan zu Papier, machen<br />
ein paar scharfe Fotos und schreiben<br />
Sie uns einige Zeilen dazu.<br />
Die besten Arbeiten werden hier<br />
veröffentlicht und mit einem Freiabonnement<br />
für zwölf Ausgaben<br />
des <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
ausgezeichnet! Senden Sie ihren<br />
Vorschlag an: <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong>, „Ihre Anlage gewinnt“,<br />
Postfach 40 02 09,<br />
D-80702 München.<br />
AnZeiGen<br />
Neue Straßenbahn-Modelle<br />
FLEXITY 2 Flexity<br />
1<strong>50</strong> €<br />
Motorisiert<br />
Standmodell 195 €<br />
TS: T t<br />
BERLIN<br />
!<br />
Stand-<br />
Mit<br />
145 € modell190 € Antrieb<br />
NEU ab Februar<br />
TramShop, Rolf Hafke, Sieben-Schwaben-Weg 22, <strong>50</strong>997 <strong>Köln</strong><br />
t 0 22 33-92 23 66 F 0 22 33-92 23 65 m Hafke.Koeln@t-online.de<br />
www.bus-und-bahn-und-mehr.de<br />
DÜWAG-<br />
Verschiedene<br />
Varianten<br />
Jetzt<br />
lieferbar!<br />
Foto: Archiv Stadtwerke Bielefeld<br />
– <br />
✕<br />
Gelenkwagen GT6<br />
Bielefeld<br />
!<br />
Mehr Infos im Internet<br />
oder Infoblatt anfordern<br />
Sie finden uns im Internet oder fordern Sie einfach unsere kostenlose<br />
Versandliste an vom: Versandhandel BUS UND BAHN UND MEHR<br />
Geschwister-Scholl-Straße 20 · 33613 Bielefeld · Telefon 0521-89892<strong>50</strong><br />
Fax 03221-1235464 · E-Mail: info@bus-und-bahn-und-mehr.de<br />
strassenbahn magazin 2|2013 77
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />
0 89 – 13 06 99-720<br />
ö 0 89 – 13 06 99-700<br />
: redaktion@geramond.de<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Hier ist der Forchbahn-Tw CFe 2/2 4 nahe der Zürcher Haltestelle Balgrist auf<br />
der fotogenen Steigungsstrecke in der Forchstraße unterwegs R. SCHREMPF<br />
Zu »100 <strong>Jahre</strong> Forchbahn«<br />
(SM 12/2012)<br />
Gemeinsame Trasse<br />
mit Obussen<br />
Ich finde die Linienbeschreibung sehr<br />
interessant, einige Details hätte man noch<br />
hinzufügen können. So teilt sich die Forchbahn<br />
zwischen Kreuzplatz und Hegibachplatz<br />
in Zürich die Trasse nicht nur mit der<br />
Straßenbahn, sondern auch mit der Obuslinie<br />
31, wo Doppelgelenkobusse zum<br />
Einsatz kommen.<br />
Die Forchbahn führt übrigens auch am<br />
Tram-Museum vorbei, wo u.a. der Anhängewagen<br />
B 119 der Forchbahn (ex Lausanner<br />
Tram) ausgestellt ist. Das Dach des<br />
Depots dient als Parkplatz einer P & R-Anlage<br />
und war Vorbild für weitere ähnliche<br />
Projekte. Robert Schrempf, Linz<br />
Zu »Stimmen Sie ab«<br />
(SM 1/2013)<br />
Ja zu Frankreichs Trams<br />
Gegen die ausgiebige Präsentation der<br />
zahlreichen neuen Trambetriebe in Frankreich<br />
spricht aus meiner Sicht überhaupt<br />
nichts. Freuen würde ich mich, wenn Sie<br />
bei der Gelegenheit aber auch regelmäßig<br />
Vergleiche zu deutschen Betrieben herausstellen<br />
würden: Was machen die neuen<br />
Betriebe in Frankreich besonders gut, was<br />
ist innovativ, was wäre hierzulande nachahmenswert?<br />
Was ist vielleicht nicht ganz<br />
so gelungen bei der Umsetzung? Gibt es<br />
beachtenswerte Unterschiede z. B. bei Ti-<br />
cketkauf, Fahrgastinformation, Fahrzeugdesign<br />
etc.?<br />
Eine weitere Anregung meinerseits<br />
wäre ein Artikel über den heutigen Einsatz<br />
von Beiwagen in Straßenbahnbetrieben.<br />
Johannes Osing, Bünde<br />
Zu »Nächster Halt: Beethovengang«<br />
(SM 12/2012)<br />
Gezogen von Pferden<br />
oder Dampfloks<br />
Als Wiener hat mich der Bericht zum<br />
„Beethovengang“ natürlich sehr interessiert.<br />
Liest man den Artikel, so glaubt man,<br />
dass die Zahnradbahn durch die Straßenbahn<br />
ersetzt worden wäre, was ja aber<br />
nicht stimmt. Die Linie D ist Nachfolgerin<br />
einer sehr interessanten frühen Betriebsform.<br />
Denn die „Neue Wiener Tramwaygesellschaft“<br />
(NWT bzw. in älterer Literatur<br />
teils auch mit NWTG abgekürzt)<br />
betrieb die für die Kahlenbergbahn konzessionierte<br />
Strecke bis zum Liechtenwerderplatz<br />
mit Dampf, die restliche innerstädtische<br />
Strecke zum Schottenring durfte<br />
aber nur mit Pferdebahnwagen befahren<br />
werden. Um Umsteigen zu vermeiden,<br />
wurde ein durchgehender Betrieb mit<br />
„Mixtewagen“ eingerichtet, die sowohl<br />
von Pferden als auch mit Dampflokomotiven<br />
gezogen werden konnten.<br />
Die NWT betrieb hauptsächlich Strecken<br />
am „Gürtel“, wo kurz vor und nach<br />
der Schleifung des „Linienwalles“ (der<br />
zweiten, äußeren Stadtbefestigung) – und<br />
auch außerhalb dieses „Gürtels“ – mehr<br />
Platz war, weshalb teilweise Dampfbahnen<br />
zugelassen wurden.<br />
Die im Text von André Rogalla als heute<br />
im Einsatz befindlich genannten E 2 /c 3 -<br />
Garnituren gibt es nicht. Beiwagen des<br />
Typs c 3 und c 4 fuhren vielmehr lange mit<br />
E 1 -Triebwagen. Heute bestimmen auf der<br />
Linie „D“ die E 2 /c 5 -Garnituren und ULF<br />
das Bild.<br />
Naja, und die „nach Holz duftenden“<br />
c 3 -Beiwagen sind leider so ein Kapitel für<br />
sich ... Die Einrichtung ist praktisch seit <strong>50</strong><br />
<strong>Jahre</strong>n unverändert und wurde auch wenig<br />
gepflegt. Für mich als Dauerbenützer<br />
der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien<br />
sind die c 3 eigentlich ein Übel, weil sie extrem<br />
unfreundlich wirken (die wesentlich<br />
jüngeren c 4 sind aber auch nicht wesentlich<br />
attraktiver). Ing. Erich Pfleger, Wien<br />
Zu »Krefelds Linie 044«<br />
(SM 10/2012)<br />
Eingleisig durch Linn<br />
Nachdem in der Oktober-Ausgabe ein<br />
so schöner Bericht über die Krefelder Linie<br />
044 zu lesen und zu sehen war (bei youtube<br />
gibt es übrigens eine Fahrerstandsmitfahrt<br />
vom Rheinhafen nach Hüls), muss<br />
ich doch – ohne Beckmesser zu spielen –<br />
eine Bemerkung zum Redaktionsartikel<br />
im November-Heft auf Seite 3 machen.<br />
Das Bild, das dort die dunkle Wolke des<br />
brennenden Compo-Werks eindrucksvoll<br />
zeigt, ist nicht ganz korrekt beschrieben:<br />
Der M8C 8<strong>50</strong> fährt nicht durch die Sollbrüggenstraße,<br />
sondern er fährt zur Haltestelle<br />
„Sollbrüggenstraße“ auf der Uerdinger<br />
Straße in Richtung Krefeld,<br />
nachdem er gerade die Haltestelle „Bockumer<br />
Platz“ verlassen hat.<br />
Doch zum Artikel über die Linie 044 im<br />
Heft 10/2012: Auf Seite 27 wird die Haltestelle<br />
„Moritzplatz“ genannt und behauptet,<br />
um die Moritzkirche sei ein richtiges kleines<br />
Stadtteilzentrum zu finden. Man mag<br />
über das „Stadtteilzentrum“ geteilter Meinung<br />
sein, aber eine Moritzkirche gibt es<br />
nicht: Es ist die Pauluskirche, die dort seit<br />
über 100 <strong>Jahre</strong>n steht. Geteilter Meinung<br />
kann man wohl auch mit Fug und Recht<br />
über die Feststellung sein: „... auch der ,König<br />
Palast‘, in dem die Eishockeymannschaft<br />
der Krefelder Pinguine ihre Heimspiele austrägt,<br />
ist von hier aus gut zu erreichen“.<br />
Wollte man bis dorthin zu Fuß von der Haltestelle<br />
„Oranierring“ gehen, wäre man gewiss<br />
fast eine halbe Stunde unterwegs.<br />
Wenn dann auf Seite 30 geschrieben<br />
wird, dass die Linie 144 den Ortskern von<br />
Linn nördlich umfährt und gesagt wird:<br />
„… in den alten Gassen wäre auch kaum<br />
Platz für sie“, so sei erwähnt, dass die Bahn<br />
durch die „alten Gassen“ tatsächlich einmal<br />
gefahren ist – und zwar zweigleisig!<br />
Manfred Jülicher, Neukirchen-Vluyn<br />
Zum <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
JAHRBUCH 2013<br />
Foto von Sonderfahrt<br />
Im Abschnitt zu Magdeburg ist beim<br />
Bildtext auf Seite 43 unten offensichtlich<br />
ein Fehler unterlaufen. Das Foto von Ronald<br />
Glembotzky zeigt keine T6-Doppeltraktion<br />
auf einer Verstärkungslinie, sondern<br />
den aus Tw 1275 und Bw 2148<br />
gebildeten T6-Hängerzug bei einer Foto-<br />
Sonderfahrt am 7. Oktober 2012 am Universitätsplatz.<br />
Das „S“ steht in Magdeburg<br />
für Sonderfahrten.<br />
Ditmar Pauke, Magdeburg<br />
Ergänzend zum Leserbrief von Jürgen Niemeyer im SM 1/2013 hier die<br />
Aufnahme vom OEG-Arbeitsfahrzeug 19, flankiert von den Tw 71 (355)<br />
und rechts 74 (365)<br />
J. NIEMEYER<br />
78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013
Regionale Tramgeschichte<br />
vom Feinsten<br />
Nur <strong>50</strong> <strong>Jahre</strong> lang prägte die „Elektrische“ den Nahverkehr<br />
in der Nibelungenstadt. Am 29. Januar 1956<br />
fuhren die Wormser zum letzten Mal mit ihrer 1906 in<br />
Betrieb genommenen Tram.<br />
Wie von der Buchreihe gewohnt, holt der Autor anhand<br />
von zahlreichen, qualitativ sehr ansprechenden<br />
Fotografien und Dokumenten diese Zeit vor die Augen<br />
der Betrachter bzw. Leser. Dabei stellt er die drei Wormser<br />
Linien detailliert vor, die einst zwischen Vorstadtbahnhof<br />
und Eckernbertstraße, Barbarossaplatz und<br />
den Stadtteilen Hochheim und Pfiffligheim pendelten.<br />
Die Aufnahmen spiegeln den Alltag der Straßenbahnfahrer<br />
ebenso wider wie den der Fahrgäste. Voller<br />
Stolz tragen die Fahrer und Schaffner ihre prächtigen<br />
Uniformen. Aller siebeneinhalb Minuten rasselten sie<br />
damit durch die Stadt.<br />
Mit Wehmut blicken wir Tramfreunde heute auf den<br />
„Aufbruch von Worms in die Moderne“ zurück. Die<br />
über die Jahrzehnte marode gewordene Bahn nahm<br />
Fotografisches Feuerwerk<br />
Mit einem niemals endenden<br />
Füllhorn an wertvollen Aufnahmen<br />
scheinen die beiden Autoren<br />
eines Bildbandes über die<br />
Straßenbahn Wuppertal – Solingen<br />
ans Werk gegangen zu<br />
sein!<br />
Ende November 2012 stellten<br />
die unter Tram-Freunden<br />
hinlänglich bekannten Autoren<br />
Jürgen Eidam und Wolfgang R. Reimann ein von außen<br />
eher unscheinbares „Büchlein“ vor. Doch bereits beim<br />
in die Hand nehmen des Werkes beginnt die Überraschung:<br />
224 stabile Seiten im Format A5 bringen ein<br />
gewisses Gewicht auf die Waage. Und ein erstes „Daumenkino“<br />
durch den Band zeigt, er ist durchaus auch<br />
„gewichtigen Inhalts“.<br />
Die Autoren bieten ein fotografisches Feuerwerk an<br />
Aufnahmen der bis 1969 zwischen den bergischen<br />
Großstädten verkehrenden Linien 5 und 25, wobei der<br />
Schwerpunkt auf den 1960er- und 1970er-<strong>Jahre</strong>n liegt.<br />
Doch natürlich sind ältere Motive der Strecke(n) sowie<br />
auch Aufnahmen nach der Stilllegung des reizvollen<br />
Abschnittes rund um die Kohlfurther Brücke enthalten,<br />
womit auch die Aktivitäten des Vereins „Bergische Museumsbahnen<br />
e.V.“ (BMB) keinesfalls zu kurz kommen.<br />
Das wird vom Rezensenten ausdrücklich begrüßt,<br />
„kranken“ doch die Bücher vieler älterer Autoren daran,<br />
zwar die Vergangenheit bis ins kleinste Detail, aber die<br />
Gegenwart nur ungenügend genau zu beleuchten.<br />
Diesem Vorwurf brauchen sich die Herren Eidam<br />
und Reimann nicht stellen. Wer sie kennt, den verwundert<br />
das allerdings nicht, gehörte Letzterer doch am<br />
16. Dezember 1969 zu den Gründungsmitgliedern der<br />
BMB. Die Autoren haben also nicht nur fotografisch,<br />
sondern auch mit ihrer Hände Arbeit dazu beigetragen,<br />
dass die „Bergische“ nicht in Vergessenheit gerät.<br />
Mit Liebe und Herzblut beleuchten sie die ca. 20 Kilometer<br />
von der Dönberger Straße im Elberfelder Norden<br />
durch das Zentrum Elberfelds mit dem damals neu<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
mit einem großen<br />
Rundkorso von der<br />
Stadt Abschied, Omnibuslinien<br />
ersetzten die<br />
Straßenbahn. Ihnen ist<br />
das Schlusskapitel gewidmet. Doch auch Planung, Bau<br />
und Betrieb der Wormser Tram stellt der Autor kenntnisreich<br />
vor, der die eingesetzten Straßenbahnwagen<br />
ebenfalls nicht außer Acht lässt. Zur Illustration des Buches<br />
dienen neben Fotografien sowohl Fahrpläne, Streckennetzpläne<br />
und Bauzeichnungen als auch Fahrkarten<br />
sowie Zeitungsberichte im Faksimile. Damit ist das<br />
Buch nicht nur für Wormser, sondern auch für alle Tramfreunde<br />
ein wertvolles Nachschlagewerk. A. MARKS<br />
Häussler, Ralph: Die Wormser Straßenbahn,<br />
128 Seiten, 16,5 x 23,5 cm, Softcover, 220<br />
Schwarzweißaufnahmen, Suttonverlag, Erfurt<br />
2012, ISBN 978-3-95400-119-4, Preis 18,95 EUR<br />
gestalteten Döppersberg hinauf<br />
zu den Südhöhen bis nach Cronenberg,<br />
von dort weiter bis<br />
nach Sudberg einerseits sowie<br />
über die Kohlfurth bis nach Solingen<br />
andererseits.<br />
Die über <strong>50</strong>0 in den Bildband<br />
aufgenommenen Farb- und<br />
Schwarzweißaufnahmen sind<br />
sauber und kontrastreich gedruckt.<br />
Die Wiedergabequalität ist sehr gut! Schade ist<br />
deshalb, dass kein einziges Bild des Buches eine ganze<br />
Seite ausfüllt. Im „Zigaretten-Schachtel-Format“ wirken<br />
viele Motive etwas verschenkt. Wäre hier weniger mehr<br />
gewesen?<br />
Andererseits macht gerade die reichhaltige Bebilderung<br />
das Wesen dieses Buches aus. Der Betrachter<br />
glaubt, fast von jedem Meter der Strecke eine Aufnahme<br />
geboten zu bekommen. Apropos, was bietet das<br />
Buch: Der Käufer erhält keinesfalls nur Fotografien,<br />
sondern erwirbt gleichzeitig auch eine detaillierte Bauchronik<br />
und Darstellung der Entwicklung. Die Verwendung<br />
des Begriffes „Bildband“ ist daher eher eine „Tiefstapelei“.<br />
Die in einer Dachzeile über jeder Seite abgedruckten<br />
Inhaltsangaben geben einen sofortigen Überblick zum<br />
Inhalt der betreffenden Seite. Dadurch verwirren sie jedoch<br />
teilweise, weil der Leser den Überblick verliert, in<br />
welchem Kapitel er sich gerade befindet bzw. Kapitelüberschriften<br />
völlig untergehen.<br />
Dennoch: Es spricht nichts gegen den Kauf dieses<br />
Bandes – Liebhaber der Straßenbahnen im Bergischen<br />
müssen sich dieses Buch zulegen! A. MARKS<br />
Jürgen Eidam, Wolfgang R. Reimann: Mit 5 und<br />
25 unterwegs. Eine Straßenbahn-Zeitreise von<br />
Wuppertal nach Solingen, 224 Seiten, 23 x 17 cm,<br />
Hartpappeinband, 525 Farb- sowie SW-Fotos,<br />
Verlag Wolfgang R. Reimann, Remscheid 2012,<br />
ISBN 978-3-9815166-1-6, Preis 29,80 EUR<br />
Lesen<br />
Sie noch oder<br />
sammeln<br />
<br />
Sie schon?<br />
Diese hochwertigen Acryl-Sammelkassetten<br />
helfen Ihnen, Ihre <strong>STRASSENBAHN</strong>-<br />
<strong>MAGAZIN</strong>-Ausgaben zu ordnen. In jede<br />
Kassette passt ein kompletter Jahrgang.<br />
1 Acryl-Kassette<br />
€ 18,95<br />
Best.-Nr. 7<strong>50</strong>00<br />
15% gespart bei 5 Acryl-Kassetten<br />
€ 79,95<br />
Best.-Nr. 7<strong>50</strong>01<br />
Jetzt bestellen unter:<br />
www.strassenbahn-magazin.de oder<br />
Telefon 0180-532 16 17<br />
(14 Cent/Minute von 8-18 Uhr)
Termine · Impressum<br />
Nummer 280 • 2/2013 • Februar • 44. Jahrgang<br />
27. Januar, Stuttgart: Die Straßenbahn-<br />
Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt – Hbf<br />
– Straßenbahnwelt) und 23 (Straßenbahnwelt<br />
– Charlottenplatz – Ruhbank/Fernsehturm<br />
und zurück) gehen auf Tour.<br />
Details siehe unter www.strassenbahnwelt.com<br />
oder www.shb-ev.info.<br />
1. Februar, Nürnberg: 16 Uhr Vorbereitung<br />
Modellstraßenbahn-Ausstellung der<br />
TLRS im Vortragsraum der VAG in St. Peter;<br />
19 Uhr „TLRS-Stammtisch“ – Sonderfahrt<br />
vom Vorplatz des Nürnberger Hauptbahnhofes,<br />
18.45 Uhr ist der Zustieg an der<br />
Haltestelle St. Peter in Richtung Hauptbahnhof<br />
möglich.<br />
2. Februar, Nürnberg: 10 bis 17 Uhr<br />
Modellstraßenbahn-Ausstellung der TLRS<br />
im Vortragsraum der VAG – Motto: „Mein<br />
Modell meine Geschichte“<br />
2. Februar, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Gelände des<br />
Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />
von 10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung<br />
der Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />
und der historischen Wagen; bis 15<br />
Uhr stündlich Führungen, Eintrittspreis: 3<br />
EUR pro Person.<br />
2., 9., 16. und 23. Februar, Erfurt: regulärer<br />
Einsatz des musealen Gotha-Ge-<br />
In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postleitzahlgebiet 0<br />
Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />
Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />
Hermann Sack, 04107 Leipzig, Harkortstr.<br />
7<br />
Postleitzahlgebiet 1<br />
Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />
Französische Str. 13/14 · Struppe &<br />
Winckler Berlin, 10117 Berlin,<br />
Kronenstr. 42 · Loko Motive Fachbuchhandlung,<br />
10777 Berlin, Regensburger<br />
Str. 25 · Modellbahnen & Spielwaren<br />
Michael Turberg, 10789 Berlin,<br />
Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />
Flügelrad, 10963 Berlin, Stresemannstr.<br />
107 · Modellbahn-Pietsch,<br />
12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />
Postleitzahlgebiet 2<br />
Boysen + Mauke, 22772 Hamburg,<br />
Postfach 570333 · Buchhandlung<br />
Bernd Kohrs, 22927 Großhansdorf,<br />
Eilbergweg 5A · Roland Modellbahnstudio,<br />
28217 Bremen, Wartburgstr.<br />
59<br />
Postleitzahlgebiet 3<br />
Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />
Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />
Hannover, Breite Str. 7 · Buchhandlung<br />
Graff, 38012 Braunschweig, Postfach<br />
2243 · Pfankuch Buch, 38023 Braunschweig,<br />
Postfach 3360<br />
Postleitzahlgebiet 4<br />
Buchhaus Antiquariat, 40217 Düsseldorf,<br />
Friedrichstr. 24-26 · Menzels Lokschuppen,<br />
40217 Düsseldorf, Friedrichstr.<br />
6 · Goethe-Buchhandlung,<br />
40549 Düsseldorf, Will stätterstr. 15 ·<br />
Modellbahnladen Hilden, 40704 Hilden,<br />
Postfach 408 · Buchhandlung<br />
Irmgard Barnes, 42855 Remscheid,<br />
80<br />
Termine<br />
lenkzuges der EVAG vom Domplatz (auf der<br />
Seite der Wendeschleife), Stadtrundfahrt veranstaltet<br />
von Erfurt Tours, Fahrkarten vor Ort<br />
im Wagen.<br />
3., 10., 17. und 24. Februar, Stuttgart:<br />
Die Straßenbahn-Oldtimerlinien 21 (Straßenbahnwelt<br />
– Hbf – Straßenbahnwelt) und<br />
23 (Straßenbahnwelt – Charlottenplatz –<br />
Ruhbank/Fernsehturm und zurück) gehen<br />
auf Tour. Details siehe unter www.strassenbahnwelt.com<br />
oder www.shb-ev.info.<br />
9. Februar, Gmunden: Nostalgiefahrten<br />
mit Tw 5, Abfahrt vom Franz-Josef Platz jeweils<br />
um 13.58, 14.58, 15.58, 16.58 und<br />
17.58 Uhr. Weitere Informationen siehe<br />
www.gmundner-strassenbahn.at<br />
2. März 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Gelände des<br />
Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat<br />
von 10–17 Uhr geöffnet; Besichtigung der<br />
Museumshallen, des Werkstattbereiches und<br />
der historischen Wagen; bis 15 Uhr stündlich<br />
Führungen, Eintritt: 3 EUR pro Person.<br />
16. März, Stuttgart: Lange Nacht der Museen,<br />
voraussichtlich nächtlicher Sonderverkehr,<br />
Details auf www.shb-ev.info<br />
6. April, Essen/Gelsenkirchen: Die historische<br />
Straßenbahnen der VhAG EVAG,<br />
Hastener Str. 41 · Rolf Kerst Fachbuchhandlung,<br />
47051 Duisburg, Ton -<br />
hallenstr. 11a · Fach buchhandlung Jürgen<br />
Donat, 47058 Duis burg,<br />
Ottilienplatz 6 · WIE – MO, 48145<br />
Münster, Warendorfer Str. 21<br />
Postleitzahlgebiet 5<br />
Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />
<strong>50</strong>676 <strong>Köln</strong>, Blaubach 6-8 · Modellbahn-Center<br />
Hüner bein, 52062<br />
Aachen, Markt 11-15 · Mayersche<br />
Buchhandlung, 52064 Aachen, Matthiashofstr.<br />
28-30 · Buchhand lung<br />
Carl Machwirth, 55221 Alzey, Postfach<br />
1380 · Buchhandlung Karl Kersting,<br />
58095 Hagen, Bergstr. 78 · A. Stein -<br />
sche Buchhand lung, 59457 Werl,<br />
Postfach 6064<br />
Postleitzahlgebiet 6<br />
Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />
Solms str. 75 · Thalia Medienservice,<br />
65205 Wies baden, Otto-von-Guericke-Ring<br />
10 · Buch handlung Dr. Kohl,<br />
67059 Ludwigs hafen, Ludwigstr. 44-<br />
46 · Modelleisen bahnen Alexander<br />
Schuhmann, 69214 Eppelheim, Schützenstr.<br />
22<br />
Postleitzahlgebiet 7<br />
Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />
70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />
· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />
70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />
96 · W. Kohlhammer Verlag, 70565<br />
Stuttgart, Heßbrühlstr. 69 · Buchhandlung<br />
Albert Müller, 70597 Stutt gart,<br />
Epplestr. 19C · Eisen bahn-Treffpunkt<br />
Schweickhardt, 71334 Waiblingen,<br />
Biegel wiesenstr. 31 · Osiandersche<br />
Buch handlung, 72072 Tübingen, Unter<br />
dem Holz 25 · Buch verkauf Alfred<br />
Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />
Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />
Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />
Junginger, 73312 Geis lingen, Karlstr.<br />
14 · Buchhandlung Robert Baier,<br />
74564 Crailsheim, Karlstr. 27 · Service<br />
rund ums Buch Uwe Mumm, 75180<br />
Pforzheim, Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />
Mössner, 79261 Gutach,<br />
Landstr. 16 A<br />
Postleitzahlgebiet 8<br />
Fachbuchhandlung Schweitzer Sortiment,<br />
80295 München, Postfach ·<br />
Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />
80634 München, Schulstr. 19 ·<br />
Buchhandlung & Antiquariat Heinrich<br />
Hugen dubel, 80636 München, Albrechtstr.<br />
14 · Buch handlung Am Gasteig,<br />
81669 München, Ro sen heimer<br />
Str. 12 · Adler Präzisonsmodelle,<br />
82054 Sauerlach, Hirschbergstr. 33 ·<br />
Augsburger Lok schuppen, 86199<br />
Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />
Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />
hausen, Ingolstädter Str. 54<br />
Postleitzahlgebiet 9<br />
Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />
Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />
Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />
Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />
Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />
Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />
Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />
Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />
94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />
Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />
Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />
Österreich<br />
Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />
Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />
1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />
Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />
BOGESTRA und MVG fahren im Stundentakt<br />
zwischen Essen-Holsterhausen und<br />
Gelsenkirchen Hbf, zwischen Essen Hbf<br />
und Zeche Zollverein sogar alle 30 Minuten.<br />
Zustieg mit einem gültigen VRR-Ticket.<br />
Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage<br />
in der Sächsischen Schweiz, regulärer<br />
Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn<br />
sowie Tag der offenen Tür im Depot<br />
mit Besichtigung der Werkstatt.<br />
20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum<br />
Dresden auf dem Gelände<br />
des Betriebshofes Trachenberge hat von<br />
10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung der<br />
Museumshallen, des Werkstattbereiches<br />
und der historischen Wagen; Achtung: an<br />
beiden Tagen keine Führungen; Eintrittspreis:<br />
3 EUR pro Person.<br />
1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten<br />
auf Kirnitzschtalbahn mit historischen<br />
Fahrzeugen. Es gilt der normale Fahrpreis<br />
zzgl. eines Obolus von 1 € pro Fahrt, den<br />
Fahrplan gibt es unter www.ovps.den<br />
25. Mai, Augsburg: 18.30 Uhr Themenabend<br />
des Stadtarchivs, Vortrag von Tobias<br />
Brenner: Wie die Tram nach Augsburg<br />
kam, Ort: Depot Lechhausen<br />
Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />
17 · Buchhandlung Mora wa,<br />
1127 Wien, Postfach 99 · Buchhandlung<br />
Johannes Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />
Kramergasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1 · Ferivan Modelbouw,<br />
2170 Merksem (Antwer pen), Postbus<br />
55<br />
Schweiz<br />
Zeitschriftenagentur Huber & Lang,<br />
3000 Bern 9 Postfach<br />
Tschechien<br />
Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />
Klimentska 32<br />
Dänemark<br />
Peter Andersens Forlag, 2640 Hedehusene,<br />
Brandvaenget 60<br />
Spanien<br />
Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />
de Elche 5<br />
Großbritannien<br />
A B O U T, GU46 6LJ, Yateley, 4 Borderside<br />
Luxemburg<br />
G.A.R. Dokumentation, 8398 Roodt,<br />
Nouspelterstrooss 2<br />
Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />
Den Haag, Westeinde 57 · Railpress<br />
Papendrecht, 2951 GN, Alblasserdam,<br />
Plantageweg 27-D · NVBS Winkel,<br />
3800 BJ, Amersfoort, Postbus 1384 ·<br />
Norsk Modelljernbane AS, 6815 ES,<br />
Arnheim, Kluizeweg 474<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Redaktionsanschrift:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />
Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700<br />
redaktion@strassenbahn-magazin.de<br />
Verantw. Redakteur:<br />
André Marks, andre.marks@geramond.de<br />
Redaktion:<br />
Michael Krische (Redaktionsleitung),<br />
Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />
Redaktion Journal/aktuelle Meldungen:<br />
Philipp Krammer,<br />
philipp.krammer@geramond.de<br />
Redaktion Straßenbahn im Modell:<br />
Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />
jobandelow@geramond.de<br />
Redaktionsteam:<br />
Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />
Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />
Ronald Glembotzky, Dr. Martin Pabst,<br />
Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl<br />
Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />
ABO –HOTLINE<br />
Leserservice, GeraMond-Programm<br />
Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)<br />
Fax 0180 – 532 16 20 (14 ct/min.)<br />
leserservice@strassenbahn-magazin.de<br />
Gesamtanzeigenleitung:<br />
Helmut Kramer<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.270<br />
helmut.kramer@verlagshaus.de<br />
Anz.-leitung <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />
Helmut Gassner<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.520<br />
helmut.gassner@verlagshaus.de<br />
Anzeigendispo <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130<br />
anzeigen@verlagshaus.de<br />
www.verlagshaus-media.de<br />
Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />
Layout: Axel Ladleif<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz GmbH,<br />
Alfred-Nobel-Straße 33, 97080 Würzburg<br />
Verlag:<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />
Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />
Herstellungsleitung:<br />
Sandra Kho<br />
Vertrieb Zeitschriften:<br />
Dr. Regine Hahn<br />
Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />
MZV, Moderner Zeitschriftenvertrieb<br />
GmbH & Co. KG, Unterschleißheim<br />
Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />
Preise: Einzelheft Euro 8,<strong>50</strong> (D), Euro 9,<strong>50</strong> (A),<br />
sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />
<strong>Jahre</strong>sabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />
im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />
Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />
sowie direkt beim Verlag.<br />
© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />
geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />
der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />
Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung<br />
übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />
Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
80
12x <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
+ Geschenk<br />
Ihr<br />
Willkommensgeschenk<br />
GRATIS!<br />
GT8SU<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-Tasse<br />
Auf der neuen <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-Tasse ist der<br />
Triebwagen der Siebengebirgs- und Siegburger Bahn<br />
abgebildet. Die Tasse ist in limitierter Auflage erschienen.<br />
✁<br />
Mein Vorteilspaket<br />
✓ Ich spare 10% (bei Bankeinzug sogar 12%)!<br />
✓ Ich erhalte mein Heft 2 Tage vor<br />
dem Erstverkaufstag (nur im Inland)<br />
bequem nach Hause und verpasse<br />
keine Ausgabe mehr!<br />
✓ Ich kann nach dem ersten Jahr<br />
jederzeit abbestellen und erhalte<br />
zuviel bezahltes Geld zurück!<br />
✓ Zusätzlich 2013 in jeder Ausgabe:<br />
Ein Exemplar der Fotoedition<br />
✗<br />
»Die schönsten Straßenbahnen«<br />
❑ JA, ich möchte mein <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-Vorteilspaket<br />
Bitte schicken Sie mir das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> ab sofort druckfrisch und mit 10% Preisvorteil für<br />
nur €7,65* pro Heft (<strong>Jahre</strong>spreis: €91,80*) monatlich frei Haus. Ich erhalte als Will kommens geschenk<br />
die neue <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-Tasse**. Versand erfolgt nach Bezahlung der ersten Rechnung.<br />
Ich kann das Abo nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen.<br />
Bitte informieren Sie mich künftig gern per E-Mail, Telefon oder Post über interessante<br />
❑ Neuigkeiten und Angebote (bitte ankreuzen).<br />
Sie möchten noch mehr sparen?<br />
TW 316<br />
Das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-Vorteilspaket<br />
Dann zahlen Sie per Bankab bu chung (nur im Inland möglich)<br />
und Sie sparen zusätzlich 2 % des Abopreises!<br />
Ja, ich will sparen und zahle künftig per Bankabbuchung<br />
❑ pro Quartal nur €22,<strong>50</strong> ❑ pro Jahr nur €89,90<br />
WA-Nr. 620SM60182 – 62189179<br />
Ihr Geschenk<br />
Vorname/Nachname<br />
Straße/Hausnummer<br />
PLZ/Ort<br />
Telefon<br />
E-Mail (für Rückfragen und weitere Infos)<br />
✗<br />
Datum/Unterschrift<br />
Kreditinstitut<br />
Kontonummer<br />
✗<br />
Datum/Unterschrift<br />
Bankleitzahl<br />
Bitte ausfüllen, ausschneiden oder kopieren und gleich senden an:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Leserservice, Postfach 1280, 82197 Gilching<br />
oder per Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.),<br />
per E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />
www.strassenbahn-magazin.de/abo<br />
* Preise inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten<br />
** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie
<strong>Vorschau</strong><br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Freunde, die<br />
sich ebenso<br />
für die<br />
Straßenbahn<br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
TOPTHEMA M/N-Wagen – die »Ersatzklassiker«<br />
Mit dem Ausscheiden der letzten Düwag-Einheitswagen aus dem Plandienst rückten die <strong>Stadtbahn</strong>wagen vom<br />
Typ M/N mehr und mehr in den Fokus der Straßenbahnfreunde. Für viele hat Düwags hochflurige Drehgestellkonstruktion<br />
der 1970er-<strong>Jahre</strong> längst „Klassiker-Status“ – auch, weil sich die Reihen dieser Fahrzeuge bei deutschen<br />
Betrieben merklich lichten. Im nächsten Heft erfahren Sie, wo die interessanten M- und N-Wagen bereits verschwunden<br />
sind, wo das Ende bevorsteht und auf welchen Linien sie heute und in Zukunft noch zu erleben sind.<br />
Das Chemnitzer Modell<br />
Bisher fuhren Chemnitzer Trams auf Eisenbahngleisen nur<br />
von Altchemnitz bis nach Stollberg. Demnächst sollen sie<br />
jedoch auch in Chemnitzer Hauptbahnhof fahren und innerhalb<br />
der Bahnhofshalle halten. Von dort wären weitere<br />
Strecken für die Straßenbahnwagen erreichbar. Der Beitrag<br />
stellt den aktuellen Baustand und alle Planungsdetails vor.<br />
Geschichte: Skandal von<br />
bundesweitem Ausmaß<br />
Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />
S. GLEISBERG<br />
Vor 40 <strong>Jahre</strong>n war geplant, die Straßenbahn in Mannheim<br />
und Ludwigshafen zugunsten einer Stadtschnellbahn<br />
komplett abzuschaffen. Das hätte eine langjährige und<br />
millionenschwere Um- bzw. Neubauphase bedeutet. Doch<br />
die Vernunft (und finanzielle Sachzwänge) siegten – das<br />
Szenario wurde in seiner ursprünglich angedachten Form<br />
sinnvoller Weise nicht umgesetzt.<br />
Aktuell: Fußballclub-Werbung<br />
auf Straßenbahnen<br />
Für manche Besucher einer Stadt ist es eine Provokation, für<br />
viele Einheimische Teil ihres Stolzes auf die geliebte Heim-<br />
Mannschaft: Trams mit Werbung für Fußballmannschaften.<br />
Der humorvolle Beitrag lädt ein zu einem fotografischen<br />
Streifzug durch die ganze Republik – von der 1. Bundesliga<br />
bis in die Niederungen der Viertklassigkeit …<br />
Österreich: Große Ziele,<br />
wenig Geld in Graz<br />
Die Stadtverwaltung Graz setzt auch in Zukunft auf die<br />
Tram. Aber die Finanzierung des geplanten Netzausbaus<br />
bereitet Probleme. Gleichzeitig muss die Beförderungs-<br />
Kapazität der Straßenbahn erhöht werden. Im Rahmen der<br />
Fuhrparkerneuerung sind dazu längere Fahrzeuge vorgesehen.<br />
So wird der Variabahn-Bestand bis zum Jahr 2015 auf<br />
45 Wagen steigen.<br />
M. KOCHEMS<br />
M. KOCHEMS<br />
André Marks,<br />
verantwortlicher Redakteur<br />
Ende gut …<br />
Land steht hinter<br />
»Karlsruher Modell«<br />
Die Landesregierung Baden-Württemberg<br />
stehe „voll und ganz“ hinter<br />
dem „Karlsruher Modell“, informierte<br />
die Staatssekretärin des<br />
Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur,<br />
Gisela Splett, kürzlich auf<br />
skeptische Äußerungen von Karlsruhes<br />
Oberbürgermeister Heinz Fenrich<br />
und VBK-Geschäftsführer Dr. Walter<br />
Casazza.<br />
„Dem Verkehrsministerium und der<br />
Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg<br />
sind die Besonderheiten des<br />
Karlsruher Systems durchaus vertraut“,<br />
so Splett. „Deshalb wird es<br />
auch nicht zu einer wettbewerblichen<br />
Vergabe der durch die Karlsruher Innenstadt<br />
führenden regionalen <strong>Stadtbahn</strong>linien<br />
kommen, sofern die Stadt<br />
dies nicht wünscht.“ Ein Brechen der<br />
Linien am Karlsruher Hauptbahnhof<br />
stehe nicht zur Diskussion.<br />
Auf Linien, die das Karlsruher Innenstadtnetz<br />
nicht berühren und die keine<br />
Zweisystemfahrzeuge erfordern,<br />
werde sich hingegen die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft<br />
(AVG) mittelfristig<br />
dem Wettbewerb stellen müssen, wie<br />
es für die Deutsche Bahn AG üblich<br />
ist. Andere Lösungen seien, so die<br />
Staatssekretärin, vergaberechtlich<br />
nicht zulässig.<br />
Im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung<br />
der AVG stellten Ende 2012 Vertreter<br />
des Ministeriums dieses Konzept vor,<br />
wonach der Einsatz der Mehrsystem-<br />
<strong>Stadtbahn</strong>en auf den Eisenbahngleisen<br />
nicht in Frage gestellt sei.<br />
PM/AM<br />
DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 3/2013 erscheint am 22. Februar 2013<br />
82<br />
… oder schon 2 Tage früher mit bis zu 36 % Preisvorteil und Geschenk-Prämie! Jetzt sichern unter www.strassenbahn-magazin.de<br />
Plus Geschenk<br />
Ihrer Wahl:<br />
z.B. DVD »Trams<br />
im Wirtschafts -<br />
wunderland«
Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
Die Brandenburger Verkehrsbetriebe erhielten zur Modernisierung ihres Wagenparks aus dem Waggonbau Gotha ab 1958 neue Fahrzeuge,<br />
deren Bestand bis zum Ende der DDR durch Zuführung von Gebrauchtfahrzeugen aus anderen Betrieben auf maximal 89 Wagen<br />
anwuchs. Bis 1998 kamen die Gothaer Zweiachser noch planmäßig zum Einsatz. Der 1964 gelieferte T2-62 Nr. 51 II zeigt sich hier als<br />
„OS“-Zug auf dem Bahnhofsvorplatz noch fast werksneu vor der Abfahrt nach Kirchmöser. Daneben wartet im Mittelgleis der Lindner-<br />
Bw 88 auf neue Einsätze, während ganz rechts ein komplett aus Lindner-Wagen gebildeter Zug der Linie 2 abfahrbereit steht. Die beiden<br />
abgebildeten Beiwagen schieden 1967 bzw. 1968 aus dem Bestand, die letzten Vorkriegswagen konnten sich in der Havelstadt hingegen<br />
noch bis <strong>Jahre</strong>sende 1977 in Betrieb halten. Letzter Vertreter der Lindnerwagen in Brandenburg ist heute der 1912 gebaute, betriebs fähige<br />
Museums-Tw 30.<br />
AUFNAHME: PETER MIERSCH/ SLG. M. SPERL<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 2 | 2013<br />
83
Alle DB-Lokomotiven<br />
auf einen Blick!<br />
nur<br />
€ 9,90<br />
Jetzt am Kiosk oder unter:<br />
www.eisenbahnwelt.de