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Matrix3000 Tolkiens Universum: Mittelerde (Ausgabe 73) (Vorschau)

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ATRIX3000<br />

XMATRIX<br />

NEUES DENKEN<br />

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W I S S E N S C H A F T / P O L I T I K / K U L T U R<br />

Exklusiv: 6 Seiten<br />

Interview aus Washington<br />

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50 plus<br />

Österreich / 7,20 EUR<br />

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<strong>Tolkiens</strong> <strong>Universum</strong><br />

3000<br />

B a n d 7 3 J a n u a r 2 0 1 3 /<br />

F e b r u a r 2 0 1 3 / 6 , 5 0 E U R<br />

<strong>Mittelerde</strong><br />

Top 10<br />

des<br />

verlorenen<br />

Wissens<br />

Alkohol<br />

und<br />

Schwangerschaft<br />

Die<br />

Welt der<br />

Genies<br />

Tage des<br />

Zorns


David Hatcher Childress<br />

Technologie der Götter<br />

€ 26,90 (D) € 27,70 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-234-4<br />

Der Autor führt uns in die erstaunliche Welt der antiken Technologie,<br />

er untersucht die gewaltigen Bauten aus riesigen Steinblöcken und<br />

viele erstaunliche Fundstücke aus aller Welt, von Kristalllinsen sog.<br />

"Ewigen Feuern" und elektrischer Beleuchtung<br />

Dieses Buch liefert eindeutige Beweise, dass auch schon längst<br />

untergegangene Zivilisationen eine fortschrittliche Technologie besessen<br />

haben, welche der heutigen teilweise sogar weit überlegen<br />

war. Es gibt unwiderlegbare Beweise, dass die Menschen der Antike<br />

technische Leistungen vollbracht haben, welche wir nicht einmal mit<br />

der heutigen Technik nachahmen können.<br />

Grazyna Fosar / Franz Bludorf<br />

Intuitive Logik<br />

€ 24,80 (D) € 25,50 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-389-1<br />

„Die größte Gefahr in turbulenten Zeiten ist nicht die Turbulenz.<br />

Es ist das Handeln mit der Logik von gestern.“<br />

Wir alle sind eine Übergangsgeneration, die in turbulenten Zeiten auf dem<br />

Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft ist.<br />

INTUITIVE LOGIK verbindet in einem praktische, analytische und schöpferische<br />

Intelligenz.<br />

Ein Sach- und Arbeitsbuch in einem!<br />

Unsere Generation braucht notwendige Korrekturen im Privatleben, Gesellschaft<br />

und Politik. In diesem Buch wird die intuitive Logik erstmals einem<br />

breiten Leserpublikum bekannt gemacht.<br />

Viktor Farkas<br />

Geheimsache Zukunft<br />

€ 21,90 (D) € 22,50 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-074-6<br />

Erfahren Sie von archäologischen Ungereimtheiten, von der Erinnerung<br />

der Völker, von verschwiegenen Katastrophen und vertuschten<br />

Forschungen, von Rätseln der Evolution, von geheimem Wissen und<br />

vernichteten Erkenntnissen, von der handfesten Supertechnik der<br />

Götter, von den Anderen, die mitten unter uns leben, und von unwiederlegbaren<br />

Beweisen für ihr Wirken, gestern und heute noch...<br />

Gestützt auf solide und großteils kaum bekannte Quellen gibt Farkas<br />

die sensationelle Antwort auf die Überlebensfrage der Menschheit:<br />

Unsere Rettung kommt aus der Vergangenheit! Ein Buch, das tausend<br />

Fragen beantwortet, und ein Muss für jeden, der von den Rätseln<br />

unserer Vergangenheit ebenso fasziniert ist, wie von der Frage<br />

nach dem Überleben der Menschheit.<br />

Jonathan May<br />

Die Macht, Bd.1<br />

€ 23,90 (D) € 24,60 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539069-2<br />

Wer Interesse hat, etwas über Machtkonzentration und Machtmißbrauch<br />

zu erfahren,etwas über die unselige Verbindung zwischen<br />

Logentum, Geheimdiensten, Hochfi nanz und Politik, wird von diesem<br />

Buch begeistert sein. Selten wurden die Themen so deutlich benannt.<br />

Was haben Herrhausen und Barschel gemeinsam, wer mordet im Namen<br />

der RAF, über rasche Selbstmorde in Deutschland...und immer<br />

wieder CIA. Ein Buch das Licht schafft wo Logen und Illuminaten gerne<br />

im dunkeln arbeiten. Ein Buch über Banken, Familien und Geheimdienste.<br />

Seit Jahren ein Bestseller.<br />

Bestelltelefon: 08861 - 5 90 18, E-mail: Info@michaelsverlag.de<br />

MICHAELS VERLAG & VERTRIEB GMBH, Ammergauer Strasse 80, D-86971 Peiting, Fax: 08861 - 6 70 91


Editorial<br />

Franz Bludorf, Chefredakteur<br />

Manchmal sind die täglichen Nachrichten schon reichlich<br />

paradox. Da gibt es eine Bundesregierung, die auf Forderungen<br />

verzichten kann, ohne Schulden zu erlassen, und<br />

Mindereinnahmen verbucht, die angeblich nichts kosten.<br />

Ein olympiareifer Spagat. Da sammelt ein Präsidentschaftskandidat<br />

während einer Naturkatastrophe die letzten<br />

entscheidenden Wählerstimmen, nur weil er „da“ ist.<br />

Trotz maroder Infrastruktur und verbesserungsfähigen Katastrophenmanagements<br />

reicht das für den Wahlsieg, nicht<br />

zuletzt deshalb, weil der Gegner hinter verschlossenen Türen<br />

erklärt hatte, er beabsichtige nicht, sich um Arme und<br />

Bedürftige zu kümmern.<br />

Will man uns eigentlich alle für dumm verkaufen? Natürlich,<br />

und diese Strategie der Mächtigen und Herrschenden<br />

hat Methode, schon seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte.<br />

Wissen von den Menschen fernzuhalten – etwa<br />

durch Bücherverbrennungen – versuchte man schon immer.<br />

Die Devise lautete bereits zu Kaiser Neros Zeiten:<br />

Panem et circenses – Brot und Spiele. Man gebe dem Volk<br />

zu essen (natürlich nicht zu viel und auch nicht zu lecker)<br />

und beriesele es anschließend mit seichter Unterhaltung.<br />

Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass<br />

die „Spiele“ heute statt im Zirkus eher im Privatfernsehen<br />

stattfinden. Ist es also wahr, wie Wissenschaftler behaupten,<br />

dass die Evolution die Menschen immer dümmer werden<br />

lässt, und rauschen wir derzeit mit dem Tempo einer<br />

Achterbahn der dumpfen Unwissenheit entgegen?<br />

Ganz so scheint es nicht zu sein, denn je primitiver die Massenware<br />

der Casting-Shows und Daily Soaps wurde, desto<br />

mehr wurde auch eine Trendwende erkennbar, die – wie so<br />

oft – aus den USA zu uns herüberschwappte. Wo einst ein<br />

Al Bundy mit seinen derben Sprüchen und unartikulierten<br />

Urlauten zum Serienstar aufsteigen konnte, beherrschen<br />

heute skurrile Wissenschaftsnerds mit einem IQ jenseits<br />

der 160 die Comedy-Szene. Der Mensch, so die Aussage,<br />

muss sich seiner Intelligenz nicht mehr schämen.<br />

Bereits die uralten Bilder der Mythologie zeigen uns, dass<br />

für die Helden, je näher sie dem Ziel ihrer abenteuerlichen<br />

Reise kamen, nicht mehr der rohe Kampf, sondern vor<br />

allem die Erkenntnis zählte. Der siegreiche Held ist dabei<br />

oft eine äußerlich eher unscheinbare Gestalt, so wie<br />

David bei seinem legendären Sieg über Goliath – oder wie<br />

Frodo, der Hobbit.<br />

Steht die Menschheit jetzt also auch vor ihrer Reifeprüfung?<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 3


Inhalt<br />

20<br />

„Der kleine Hobbit“, J.R.R. <strong>Tolkiens</strong> 1930 erschienener Fantasy-Roman<br />

für Kinder, ist die Keimzelle des umfassenden Epos „Der Herr<br />

der Ringe“. Das Grauen zeigt sich darin noch in humorvoll gebändigter<br />

Form, Themen wie Machtmissbrauch tauchen nur als vage<br />

Vorahnung auf. Wenig später sollten sich Faschismus und Krieg<br />

ihren Weg bahnen – und die heile Welt des Auenlands schien für<br />

immer verloren. Anlässlich der Premiere von Peter Jacksons erstem<br />

„Hobbit“-Film fragen wir, was das versponnene Märchen um<br />

Zwerge, Elben und Drachen mit der Epoche seines Schöpfers zu tun<br />

hat – und mit unserer.<br />

„The Hobbit“<br />

und das<br />

Tolkien-<br />

<strong>Universum</strong><br />

Die Auslöschung der Erinnerung<br />

Francois Truffauts utopischer Film „Fahrenheit 451“ zeigt eine Welt der Zukunft, in der das Lesen<br />

von Büchern verboten ist, weil man glaubt, die Menschen wären dann weniger glücklich. Doch wir<br />

brauchen gar nicht weit in die Zukunft zu schauen. Vernichtung menschlichen Wissens gab es, seit<br />

es Menschen gab. Meist liegen die Gründe der Wissensvernichtung in moralischem, religiösem oder<br />

politischem Fanatismus. Heutzutage kommen auch noch technische Aspekte hinzu: Datenträger, die<br />

nicht mehr lesbar sind oder von einer neuen Computergeneration nicht mehr unterstützt werden. So<br />

gingen nicht nur heilige Schriften und Geheimwissen früherer Völker unwiederbringlich verloren. Auch<br />

die Saturn-Rakete, die den ersten Menschen zum Mond flog, könnte heute nicht mehr gebaut werden.<br />

54<br />

Richtig essen<br />

mit 50 plus<br />

36<br />

Sie sind über 50 und wollen gesund, vital und fit bleiben? Dann<br />

gilt für Ihre Ernährung: Weniger, aber besser und gezielter!<br />

Prof. Hademar Bankhofer rät Ihnen, was Sie essen müssen, was<br />

Ihr Körper jetzt braucht, worauf Sie besser verzichten sollten.<br />

Inhalt<br />

Politik<br />

Obamas zweite Amtszeit<br />

Amerika – isoliert oder integriert?<br />

Annette Heuser, Leiterin des Washingtoner<br />

Büros der Bertelsmann-Stiftung, im<br />

Gespräch mit Franz Bludorf 8<br />

News 14<br />

Hanno Weber<br />

Tage des Zorns<br />

Europa protestiert gegen Sparpolitik<br />

· Brutale Polizeigewalt · Alles im Plan? 18<br />

Wissen<br />

Roland Roth<br />

Die Auslöschung der Erinnerung<br />

Die Zerstörung von Wissen<br />

seit Anbeginn der Zivilisationen 20<br />

Top 10 des verlorenen Wissens 23<br />

Quantessenz 26<br />

Grazyna Fosar<br />

Smart ist das neue Sexy<br />

Die exzentrische Welt der Nerds<br />

und Wissenschaftsgenies 28<br />

Gesundheit<br />

Hademar Bankhofer<br />

Richtig essen mit 50 plus<br />

Ein Ernährungsprogramm<br />

für die ältere Generation 36<br />

Hellmut Seemann<br />

Schwerwiegendes Erbe<br />

Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) 40<br />

Herwig Schön<br />

ReconnectiveTherapy<br />

Erinnerung an unsere<br />

eigene Vollkommenheit 44<br />

4<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Tage des Zorns<br />

18<br />

Inhalt<br />

Es brodelt in Europa. Am 14. November kam es zu koordinierten Streik- und Protestaktionen in 20<br />

europäischen Ländern. Millionen gingen auf die Straße, um gegen die Sparpolitik der EU zu protestieren.<br />

Massive Übergriffe gegen die letzten Reste des Sozialstaats sind in Europa an der Tagesordnung.<br />

Doch es gibt Anzeichen, dass die Krise sogar gewollt ist. Die Zukunftsabteilung des US-<br />

Geheimdienstes NSA hat die Ereignisse unserer Tage bereits vor mehr als vier Jahren erstaunlich<br />

genau vorhergesagt.<br />

28<br />

Smart ist das<br />

neue Sexy<br />

Ein neuer Trend ist auf dem Vormarsch.<br />

Er heißt „Smart sein“.<br />

Bücherregale voller Bücher sind<br />

nicht mehr so selten wie noch vor<br />

einigen Jahren. Der Hauptslogan<br />

der US-Comedyserie „The<br />

Big Bang Theory“ macht es noch<br />

deutlicher: „Smart ist das neue<br />

Sexy“. Nicht nur Nerds sind in<br />

Mode gekommen, auch ihre Accessoires,<br />

ihre Art des Denkens<br />

und teilweise auch etwas von<br />

ihrem Lebensstil. Falls Sie noch<br />

nicht wissen, was ein Nerd ist –<br />

nach dem Lesen dieses Artikels<br />

werden Sie vielleicht mehr darüber<br />

wissen, als Ihnen lieb ist!<br />

Exklusiv aus Washington<br />

8<br />

Amerika –<br />

isoliert oder integriert?<br />

Momentan ist es ruhig in der US-Hauptstadt. Die Zeit zwischen<br />

den Zeiten. Der neue – alte – Präsident ist gewählt,<br />

aber noch nicht für die neue Amtsperiode vereidigt. Eine<br />

gute Gelegenheit, um ein wenig in die Zukunft zu schauen.<br />

Ist von einer zweiten Amtszeit Obamas mehr zu erwarten<br />

als in den letzten vier Jahren, nach denen ja viele Menschen<br />

enttäuscht waren von einem Präsidenten, der mit<br />

so viel Aufbruchstimmung und Begeisterung ins Amt getragen<br />

worden war?<br />

Hierüber sprach <strong>Matrix3000</strong>-Chefredakteur Franz Bludorf<br />

mit Annette Heuser. Die studierte Politikwissenschaftlerin<br />

leitet das Washingtoner Büro der Bertelsmann-Stiftung<br />

und analysiert als Expertin bereits seit 15 Jahren die<br />

Politik der USA und ihr Verhältnis zu Europa.<br />

Wurzeln<br />

Gabriele Quinque<br />

Mythologie<br />

Nahrung für die Seele 48<br />

Kultur<br />

Roland Rottenfußer<br />

<strong>Mittelerde</strong> reloaded<br />

„The Hobbit“ und das Tolkien-<strong>Universum</strong> 54<br />

Spiritualität<br />

Martin Strübin<br />

Code 20:13<br />

Die Zeichen stehen auf Sturm 58<br />

Rubriken<br />

Editorial 3<br />

Bedenkliches 6<br />

Gedicht 7<br />

Abo 35<br />

Buchempfehlungen 53<br />

Buchbesprechungen 64<br />

Märchen 65<br />

<strong>Vorschau</strong> 66<br />

Impressum 66<br />

Titelbild:<br />

Original-Filmplakat des Films<br />

"Der Hobbit - Eine unerwartete Reise"<br />

© Warner Bros. Pictures Germany 2012<br />

Kinostart in Deutschland: 13. 12. 2012<br />

René Egli<br />

Liebe ist die stärkste Macht<br />

im Kosmos 62<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 5


Bedenkliches<br />

Die Länder der Eurozone sollen<br />

solidarisch sein und einander<br />

in der Krise beistehen, so hört<br />

man immer wieder. Schöne Worte,<br />

und sicher hätte auch niemand etwas<br />

dagegen, wenn einem Land in Not<br />

geholfen würde. Über Griechenland<br />

wurde einmal mehr der Euro-Rettungsschirm<br />

aufgespannt. Da lohnt<br />

es sich, etwas genauer hinzuschauen<br />

und sich vor allem zu fragen: „Cui<br />

bono?“ – „Wem nützt es wirklich?“<br />

Man gibt dem Land zunächst keine<br />

neuen Kredite, um nicht Schulden<br />

durch Schulden zu ersetzen. Statt<br />

dessen verzichten Deutschland und<br />

andere EU-Staaten auf ihre Gewinne<br />

von der Europäischen Zentralbank.<br />

Wohlgemerkt – das ist Geld,<br />

das eigentlich Griechenland hätte<br />

zurückzahlen müssen. Die EU-Staaten<br />

parken ihre Gewinne auf einem<br />

Sonderkonto, mit dessen Hilfe die<br />

Griechen nach und nach Staatsanleihen<br />

zurückkaufen und damit ihre Schulden abbauen<br />

können. Das Ganze klingt nicht einmal unvernünftig. Um<br />

so seltsamer, dass die Regierung alles tut, um den Deal<br />

zu verschleiern. So wird Bundeskanzlerin Merkel nicht<br />

müde, ständig zu wiederholen, einen Schuldenschnitt für<br />

Griechenland würde es mit ihr nicht geben. Also noch mal<br />

zum Mitschreiben: Ich erlasse dir keine Schulden, aber<br />

ich verzichte auf etwas, was ich von dir zu kriegen habe.<br />

Da will natürlich der allbekannte Meister undurchsichtiger<br />

Formulierungen, Finanzminister Schäuble,<br />

nicht nachstehen. Der Steuerzahler würde durch die<br />

Transaktion nicht belastet, so seine Beruhigungsformel<br />

für die Öffentlichkeit. Aber er wäre nicht Schäuble,<br />

wenn da nicht noch etwas nachgekommen wäre. Es sei<br />

lediglich mit „Mindereinnahmen“ im Bundeshaushalt zu<br />

rechnen. Wie denn nun? Wir nehmen weniger ein, aber<br />

es kostet uns nichts. Es gibt zwei Alternativen: Entweder<br />

werden diese Mindereinnahmen anderweitig ausgeglichen<br />

– dann kostet es den Steuerzahler<br />

doch etwas – oder man muss<br />

irgendetwas einsparen, was man mit<br />

dem Geld, immerhin einige hundert<br />

Millionen Euro, hierzulande hätte<br />

finanzieren können. Dann kostet es<br />

den Steuerzahler auch etwas, zwar<br />

nicht Bares, aber vielleicht bessere<br />

Straßen, modernere Schulen etc.<br />

Wenn man politische Entscheidungen<br />

mit derart<br />

verschwurbelten Wortkonstruktionen<br />

undurchsichtig macht,<br />

bleibt immer der Verdacht hängen,<br />

es gebe bei der Sache noch einen<br />

Haken. Und in der Tat gibt es den.<br />

Die Menschen in Griechenland werden<br />

von dem Geld nämlich aller<br />

Franz Bludorf<br />

Voraussicht nach gar nicht viel profitieren.<br />

Sie müssen weiter unter<br />

den auferlegten harten Sparmaßnahmen<br />

stöhnen. Wenn das Geld<br />

zum Rückkauf von Staatsanleihen<br />

verwendet wird, dann bekommt es schließlich der, der<br />

diese Staatsanleihen einst gekauft hat. Und das waren<br />

vor allem amerikanische und britische Hedge-Fonds und<br />

französische Banken. Als vor einigen Monaten die griechischen<br />

Staatsanleihen noch auf Ramschniveau lagen,<br />

kauften sie für 17 Cent pro 1-Euro-Anteil diese Papiere in<br />

großem Stil auf, in der Gewissheit, dass Europa die Griechen<br />

schon nicht in die Pleite schicken würde. Nachdem<br />

die Rettungsmaßnahmen konkreter wurden, zogen die<br />

Kurse natürlich wieder an, und zwar zum Teil bis auf den<br />

doppelten Wert.<br />

Kurz gesagt – Deutschland und andere EU-Staaten<br />

verschaffen durch ihren Verzicht auf ihre EZB-Gewinne<br />

denjenigen Spekulanten, die sich am Niedergang des<br />

griechischen Staates noch bereichern wollten, märchenhafte<br />

Profite, teilweise in dreistelliger Millionenhöhe. Der<br />

Europäische Rettungsschirm entpuppt sich bei genauerem<br />

Hinsehen als Rettungsschirm für Spekulanten!<br />

Rettungsschirm<br />

für<br />

Spekulanten<br />

6<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Gedicht<br />

Ein Traum ist unser Leben...<br />

Ein Traum,<br />

ein Traum ist unser Leben<br />

Auf Erden hier;<br />

Wie Schatten auf den Wogen schweben<br />

Und schwinden wir<br />

Und messen unsere trägen Schritte<br />

Nach Raum und Zeit<br />

Und sind, wir wissen´s nicht, in Mitte<br />

Der Ewigkeit.<br />

Johann Gottfried Herder<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 7


Politik<br />

Obamas zweite Amtszeit<br />

Amerika<br />

– isoliert oder integriert?<br />

Annette Heuser, Leiterin des Washingtoner Büros der<br />

Bertelsmann-Stiftung, im Gespräch mit Franz Bludorf<br />

Momentan ist es ruhig in der US-Hauptstadt. Die Zeit zwischen den Zeiten. Der<br />

neue – alte – Präsident ist gewählt, aber noch nicht für die neue Amtsperiode vereidigt.<br />

Eine gute Gelegenheit, um ein wenig in die Zukunft zu schauen. Ist von einer<br />

zweiten Amtszeit Obamas mehr zu erwarten als in den letzten vier Jahren, nach<br />

denen ja viele Menschen enttäuscht waren von einem Präsidenten, der mit so viel<br />

Aufbruchstimmung und Begeisterung ins Amt getragen worden war?<br />

Hierüber sprach <strong>Matrix3000</strong>-Chefredakteur Franz Bludorf mit Annette Heuser. Die<br />

studierte Politikwissenschaftlerin leitet das Washingtoner Büro der Bertelsmann-<br />

Stiftung und analysiert als Expertin bereits seit 15 Jahren die Politik der USA und<br />

ihr Verhältnis zu Europa.<br />

Begeisterte Obama-Anhänger<br />

feiern am Times Square<br />

in New York den Sieg.<br />

Frau Heuser, wir alle haben<br />

im November eine lange und<br />

spannende Wahlnacht hinter<br />

uns gebracht. Bis in die<br />

Morgenstunden (deutscher<br />

Zeit) war das Rennen ja noch<br />

völlig offen. Wie war die<br />

Atmosphäre dieses Wahlabends<br />

in den USA? Wie<br />

haben Sie das empfunden?<br />

Foto: AP Photo/John Minchillo<br />

• Die Atmosphäre in<br />

Washington war angespannt<br />

und sehr nervös,<br />

allerdings haben die unterschiedlichen<br />

Camps [der<br />

beiden politischen Lager,<br />

Anm. d. Red.] schon frühzeitig<br />

bemerkt, in welche<br />

Richtung die Wahl laufen wird. Das ist ganz erstaunlich,<br />

denn die Umfragen waren ja in den Wochen zuvor derart,<br />

dass jedem Amerikaner suggeriert wurde, es würde ein<br />

ganz schwieriges, ganz enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Es<br />

ist interessant, dass am Wahlabend dann doch bei den Republikanern<br />

die Stimmung relativ verhalten war, dass es<br />

wirklich zu einem Sieg reichen würde. Viele Republikaner<br />

hatten in den letzten zwei Wochen vor der Wahl bereits angefangen<br />

darüber zu spekulieren, wie es um die Zukunft<br />

der Republikanischen Partei bestellt ist und was passieren<br />

wird, wenn Mitt Romney eine Niederlage einfährt in diesem<br />

Präsidentschaftsrennen,<br />

und wie man sich neu aufstellen<br />

kann. Insbesondere ging<br />

es auch darum, wie der Tea-<br />

Party-Flügel der Republikaner<br />

reagieren wird, der ja doch<br />

sehr stark am rechten Rand<br />

operiert, und wie man wieder<br />

zu einem geschlossenen Bild<br />

kommen kann innerhalb der<br />

Republikanischen Partei.<br />

Hat der Wahlsieg Obamas vielleicht<br />

auch ein bisschen damit<br />

zu tun, dass Barack Obama<br />

durch die „bunte Fraktion“ um<br />

ihn herum gewonnen hat, die<br />

aus vielen Minderheiten gebildet<br />

wurde, von Afroamerikanern<br />

über Latinos, Homosexuelle usw.?<br />

• Es ist interessant zu sehen, dass wir bei dieser Wahl,<br />

die natürlich, wie alle amerikanischen Präsidentschaftswahlen<br />

der letzten zwei Jahrzehnte, wieder als „historisch“<br />

betitelt wurde, ganz klar sehen, dass sich die Demokratische<br />

Partei wieder sehr stark etabliert hat als eine<br />

Volkspartei, die ein politisches Zuhause bietet für sehr viele<br />

gesellschaftspolitische Gruppen, ob das jetzt die Schwulen<br />

und Lesben sind, Afroamerikaner oder Hispanics, ob<br />

das die weniger gut ausgebildete Mittel- bis Unterschicht<br />

8<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Politik<br />

Unter Obama haben sich die<br />

Demokraten wieder als<br />

Volkspartei etabliert.<br />

Official White House Photo by Pete Souza<br />

ist oder die hoch ausgebildeten Toptalente<br />

in den USA. Die Demokraten<br />

sind für viele Gesellschaftsschichten<br />

wählbar, während die Republikaner,<br />

ich glaube, das muss man einfach so<br />

hart sagen, sich zu einer Randpartei<br />

der weißen alten Männer entwickelt<br />

haben. Und das ist natürlich ein großes<br />

Problem für die Partei.<br />

Sie sagten, es herrschte eine nervöse,<br />

angespannte Situation, und das galt<br />

natürlich vor allem für die beiden politischen<br />

Lager. Wie haben denn die<br />

Menschen in den USA diesen Wahlabend<br />

erlebt? War das wieder so eine<br />

fieberhafte Spannung wie vor vier Jahren,<br />

als Obama den großen Aufbruch<br />

propagierte, oder war man eher uninteressiert?<br />

• Diese Wahlen wurden natürlich<br />

dadurch, dass sie so extrem in Szene<br />

gesetzt und dramatisiert wurden<br />

durch die amerikanischen Medien,<br />

sehr intensiv verfolgt, und natürlich<br />

gab es auch hier in Washington, wie<br />

auch in vielen anderen Teilen des<br />

Landes, große Wahlparties, und als<br />

das Ergebnis feststand, sind auch<br />

wieder viele Amerikaner auf die Straßen<br />

gegangen, insbesondere vor das<br />

Weiße Haus, und haben gefeiert. Allerdings<br />

muss man sagen, diese Rieseneuphorie,<br />

die mich 2008 immer so<br />

ein bisschen an Fußball-Weltmeisterschaften<br />

in Deutschland erinnert hat,<br />

die haben wir ganz sicher nicht erlebt,<br />

aber ein ganz großes Aufatmen bei<br />

weiten Teilen der Bevölkerung, nicht<br />

nur bei den Demokraten. Man muss<br />

der Fairness halber sagen, es gibt<br />

auch viele Republikaner, die vielleicht<br />

nicht ganz offen, aber dennoch sehr<br />

stark mit Barack Obama und mit der<br />

Mitte in diesem Land sympathisieren<br />

und die ein Problem haben mit dieser<br />

extrem konservativen Tea-Party-Bewegung.<br />

Insofern sehe ich die Chancen<br />

von Barack Obama gar nicht so<br />

schlecht, in den nächsten vier Jahren<br />

auch die eine oder andere Koalition<br />

zu bilden mit den Republikanern, die<br />

ja nach wie vor die Mehrheit im Kongress<br />

haben.<br />

Jedenfalls im Repräsentantenhaus. Da<br />

komme ich gleich zur nächsten Frage.<br />

Viele Menschen sind ja doch von Obamas<br />

erster Amtszeit enttäuscht gewe-<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 9


Politik<br />

Weißes Haus, Situation Room. Bei einer Videokonferenz<br />

koordinieren Präsident Obama und seine Berater das<br />

Krisenmanagement während des Hurricanes „Sandy“. Per<br />

Video zugeschaltet: Heimatschutzministerin Janet Napolitano,<br />

FEMA-Direktor Craig Fugate, Rick Knabb, Direktor des<br />

National Hurrican Center, Transportminister Ray LaHood<br />

und Energieminister Steven Chu.<br />

Ganz oben auf Obamas<br />

Agenda steht das Thema<br />

Konsolidierung.<br />

Das gilt für die Innen- wie für<br />

die Außenpolitik.<br />

10<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

Official White House Photo by Pete Souza


Politik<br />

sen. Wobei ich sagen muss, wenn ich<br />

jetzt einmal für die <strong>Matrix3000</strong>-Redaktion<br />

spreche, hält sich bei uns die Enttäuschung<br />

insofern in Grenzen, weil<br />

wir 2008 schon in unseren Kommentaren<br />

geschrieben haben, dass man nicht<br />

zu viel von ihm erwarten sollte. Viele<br />

Menschen haben ihn, so denke ich, nur<br />

deshalb wiedergewählt, weil sie keine<br />

wirkliche Alternative hatten. Glauben<br />

Sie, dass von der zweiten Amtszeit<br />

Obamas vielleicht mehr zu erwarten<br />

ist, weil er jetzt nicht mehr auf eine<br />

Wiederwahl schauen muss? Könnte er<br />

jetzt versuchen, auch mutiger Pläne<br />

zu schmieden, die vielleicht nicht hundertprozentig<br />

auf seiner Parteilinie<br />

liegen, um aus dieser Blockadesituation<br />

zwischen Weißem Haus und Kongress<br />

herauszukommen?<br />

• Zunächst noch einmal zur ersten<br />

Amtszeit von Barack Obama. Man<br />

muss klar sagen, es hat sich natürlich<br />

gezeigt, dass Obama nicht der politische<br />

Messias ist, für den er zunächst<br />

gehalten wurde, oder das politische<br />

Wunderkind, das alles möglich machen<br />

kann, was in den letzten Jahrzehnten<br />

nicht an Reformen gelungen<br />

ist. Allerdings muss man auch ganz<br />

klar und der Fairness halber sagen,<br />

er hatte de facto nur vier<br />

Jahre, um einen Riesenberg<br />

an Herausforderungen abzuarbeiten,<br />

und das war kaum zu<br />

schaffen. Die Erwartungshaltung<br />

war übergroß, insofern konnte er nur<br />

enttäuschen. Aber er hat es immerhin<br />

geschafft, die Gesundheitsreform auf<br />

den Weg zu bringen, die ganz wichtig<br />

ist für die Amerikaner. Vielleicht<br />

nicht so spektakulär für Europäer und<br />

Deutsche, die so etwas ohnehin schon<br />

kennen, aber jetzt die Versicherungspflicht<br />

und -möglichkeit zu haben für<br />

prinzipiell jeden Amerikaner, auch<br />

für Menschen mit Vorerkrankungen,<br />

die in den letzten Jahren eben keine<br />

Chance hatten, eine Krankenversicherung<br />

abzuschließen, das ist ein<br />

ganz großer Durchbruch. Hieran sind<br />

ja bereits politische Größen wie damals<br />

Bill Clinton in seiner Präsidentschaft<br />

gescheitert. Insofern ist so etwas<br />

nicht zu unterschätzen. Das war<br />

ein großer politischer Kraftakt, und<br />

Barack Obama musste hierfür sehr<br />

viel politisches Kapital aufwenden,<br />

das er dann nicht mehr zur Verfügung<br />

hatte für andere politische Projekte.<br />

Jetzt die zweite Amtszeit und ein doch<br />

relativ klares Wahlergebnis geben<br />

ihm entsprechend die Möglichkeit,<br />

weitere Reformprojekte anzustoßen.<br />

Wichtig ist natürlich nach wie vor das<br />

Thema der Wirtschaftsreformen, die<br />

Arbeitslosigkeit zu senken, und damit<br />

verbunden ein zweites großes Projekt,<br />

nämlich die Bildungsreform, die<br />

Barack Obama eigentlich auch schon<br />

im ersten Teil seiner Amtszeit angehen<br />

wollte, was er nicht geschafft hat.<br />

Partner im Syrien-Konflikt:<br />

Barack Obama und der türkische<br />

Ministerpräsident Recep Tayyip<br />

Erdogan.<br />

Hier geht es in erster Linie<br />

darum, die Qualität der schulischen<br />

Bildung zu erhöhen. Obama hat<br />

angekündigt, mehr Mathematiker und<br />

Naturwissenschaftler einzustellen für<br />

die Schulen. Aber es geht auch um<br />

die Qualität der Hochschulausbildung<br />

und vor allen Dingen, deren Finanzierung<br />

leichter zu machen für die<br />

Studenten, so dass diese nicht mehr<br />

aus dem Studium kommen und Hunderttausende<br />

von Dollar an Schulden<br />

abtragen müssen.<br />

Was uns jetzt natürlich, außerhalb der<br />

USA, besonders interessiert, ist, was<br />

könnten Obamas außenpolitische Perspektiven<br />

sein? Ich denke jetzt einmal<br />

an aktuelle Krisenherde, nicht nur an<br />

die Finanzkrise und an die Beziehungen<br />

zu Europa, wo es ja auch während<br />

seiner ersten Amtszeit ein paar Reibereien<br />

gegeben hat, sondern auch an<br />

Syrien, Iran etc.<br />

• Ganz oben auf Obamas Agenda<br />

steht ganz klar das Thema Konsolidierung.<br />

Das gilt für die Innen- wie<br />

für die Außenpolitik. In der Außenpolitik<br />

bedeutet Konsolidierung, dass<br />

die Amerikaner nach zwei geführten<br />

Kriegen im Irak und in Afghanistan<br />

nun wirklich auch wollen, dass die<br />

Truppen wieder nach Hause kommen,<br />

und Obama hält an seinem Abzugsplan<br />

aus Afghanistan fest, dass also<br />

im Sommer 2014 die amerikanischen<br />

Truppen, soweit möglich, aus dem<br />

Land abziehen und die Sicherheit<br />

übertragen wird an die afghanischen<br />

Sicherheitskräfte. Das nächste große<br />

Thema ist natürlich der Iran. Es gab<br />

vor dem Wahltag eine Gerüchtelage,<br />

dass die Amerikaner möglicherweise<br />

vorhaben, bilaterale Gespräche aufzunehmen<br />

mit iranischen Unterhändlern,<br />

und es ist davon auszugehen,<br />

dass das auch der Fall sein wird in<br />

den nächsten Monaten, einfach, um<br />

den Druck zu erhöhen. Man sieht, die<br />

Sanktionen, die gemeinsam mit den<br />

Europäern gegen den Iran verhängt<br />

worden sind, haben eine große Wirkung<br />

entfaltet, aber das wird sicherlich<br />

nicht ausreichen, um den Iran<br />

davon abzuhalten, zur Nuklearmacht<br />

aufzusteigen. Die nächste große Dauerbaustelle<br />

ist der Konflikt in Syrien<br />

und in diesem Zusammenhang auch<br />

die Frage, welche Verbündeten man<br />

in der Region hat, mit welchen man<br />

den Syrien-Konflikt gemeinsam bewältigen<br />

kann, in erster Linie auf diplomatischem<br />

Weg. Da ist an erster<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 11


Politik<br />

Stelle natürlich die Türkei zu nennen.<br />

Es gibt kaum einen anderen Regierungschef<br />

in der Welt, mit dem Obama<br />

in den letzten Monaten einen engeren<br />

Austausch gepflegt hat als mit<br />

dem türkischen Ministerpräsidenten<br />

Erdogan. Hier müssen auch Hollande,<br />

Cameron und Merkel in die zweite<br />

Reihe treten, weil Obama ganz klar<br />

gesehen hat, dass er in der Türkei<br />

einen sehr verlässlichen Partner<br />

hat, wenn es darum geht, den<br />

Drohneneinsatz über<br />

Afghanistan.<br />

Konflikt mit Syrien als auch den ganzen<br />

Transformationsprozess in der<br />

arabischen Welt zu begleiten.<br />

Da sind wir dann gleich schon bei Obamas<br />

noch in der Wahlnacht gehaltener<br />

Siegesrede, wo er gesagt hat, das<br />

Jahrzehnt des Krieges sei nun vorbei.<br />

Für den oberflächlichen Beobachter<br />

mag es so wirken, als sei schon zu Obamas<br />

erster Amtszeit der Frieden ausgebrochen,<br />

dabei hat er den Krieg nur<br />

weniger sichtbar gemacht. Also anstelle<br />

von großen Haudrauf-Einmärschen<br />

á la Bush hat er halt seine Drohnen geschickt<br />

zu gezielten Tötungseinsätzen,<br />

und das sehr viel massiver als Bush<br />

und alle seine anderen Vorgänger. Wie<br />

sind Obamas Äußerungen in diesem<br />

Zusammenhang zu sehen? Wird er<br />

jetzt wirklich versuchen, sich im Nachhinein<br />

den Friedensnobelpreis noch zu<br />

verdienen, oder werden doch die Weltpolizistengelüste<br />

der Amerikaner auch<br />

unter ihm weiter bestehen bleiben?<br />

• Die USA werden sich ganz sicher<br />

in den nächsten vier Jahren sehr<br />

viel stärker mit den innenpolitischen<br />

Herausforderungen beschäftigen<br />

als mit den großen außenpolitischen<br />

Themen, und die Frage von weiteren<br />

Kriegen in der Welt stellt sich erst<br />

einmal nicht, solange natürlich die<br />

USA nicht angegriffen werden. Es ist<br />

vielmehr eine andere Form der<br />

Kriegsführung, die Obama<br />

etabliert hat und die auch<br />

sehr große Zustimmung im<br />

amerikanischen Volk findet,<br />

und das ist der Einsatz<br />

von Drohnen, wenn man so<br />

will, militärisch-chirurgische<br />

Eingriffe, bei welchen man<br />

darauf setzt, dass möglichst<br />

wenig Zivilisten zu Schaden<br />

kommen. Wenn man es<br />

sich anschaut: 2004 haben die<br />

Amerikaner im Durchschnitt<br />

13 Drohneneinsätze im Jahr<br />

geflogen. Im Jahr 2010 waren<br />

es bereits 122, und neben der<br />

großen Zustimmung in der<br />

amerikanischen Bevölkerung<br />

– 62 Prozent der Amerikaner<br />

finden, dass das eigentlich eine<br />

gute Form ist, gegen den internationalen<br />

Terror vorzugehen –<br />

werden jetzt auch immer stärker<br />

Stimmen laut, die die Frage<br />

stellen, wie viele Zivilisten denn<br />

bei diesen Einsätzen ums Leben<br />

kommen und ob das gerechtfertigt<br />

ist.<br />

Vor allen Dingen auch, inwieweit diese<br />

Einsätze mit den Regierungen der entsprechenden<br />

Länder abgestimmt sind.<br />

Es wurden ja derartige Angriffe geflogen<br />

gegen Länder, mit denen Amerika<br />

nicht im Krieg ist, zum Beispiel gegen<br />

den Jemen oder gegen Pakistan.<br />

• Genau, es geht um extraterritoriale<br />

Verletzungen, die hier begangen werden<br />

und die einfach auch ganz klar gegen<br />

das Völkerrecht verstoßen. Es gibt<br />

aber auch innerhalb der sicherheitspolitischen<br />

Community hier in Washington<br />

eine intensive Debatte, wie lange<br />

diese Drohnenangriffe noch populär<br />

sein werden. Man darf nicht vergessen<br />

– beim Einsatz dieser hochmodernen<br />

Technologien kommt es natürlich<br />

auch dazu, dass abgeworfene Drohnen<br />

in die Hände von terroristischen Gruppen<br />

gelangen, die sich wiederum diese<br />

Technologie zunutze machen könnten,<br />

sie kopieren könnten. Es wird gefragt,<br />

wie die Obama-Administration sich zu<br />

den Drohnenangriffen stellt, wenn auf<br />

einmal auf amerikanische Ziele im Ausland<br />

oder sogar auf das amerikanische<br />

Heimatland Angriffe mit Drohnen von<br />

terroristischer Seite geflogen werden.<br />

Das finde ich eine ganz interessante<br />

Frage, ob man dann immer noch sagt,<br />

dass das ein Mittel der Kriegsführung<br />

ist, das man befürwortet…<br />

Sind denn Vorfälle bekannt geworden,<br />

dass solche Drohnen unbeschädigt in<br />

gegnerische Hände geraten sind?<br />

• Berichte hierüber gibt es immer<br />

wieder. Es braucht dazu nicht viel<br />

Phantasie, sich vorzustellen, dass Terroristen<br />

weltweit ein großes Interesse<br />

haben, diese Technologie zu kopieren<br />

oder zumindest in Ansätzen nachzubauen.<br />

Außerdem gibt es ja noch andere Länder,<br />

wo man so etwas eventuell kaufen<br />

kann, wenn der Preis stimmt.<br />

• In der Tat.<br />

Es wurde in den letzten Tagen vor der<br />

Wahl immer wieder behauptet, das<br />

vorbildliche Krisenmanagement Obamas<br />

während des Hurricanes „Sandy“<br />

habe seine Wiederwahl begünstigt.<br />

Für uns Deutsche ist das ein bisschen<br />

eine Reminiszenz an den Schröder-<br />

Wahlsieg 2002 nach dem Elbhochwasser<br />

in Dresden. Nun habe ich<br />

festgestellt, dass in manchen Korrespondentenberichten,<br />

die ich so während<br />

des Hurricanes verfolgt habe,<br />

Menschen in den betroffenen Gebieten<br />

sich äußerten, das Krisenmanagement<br />

sei alles andere als vorbildlich gewesen.<br />

Viele Leute scheinen durchaus<br />

unzufrieden gewesen zu sein, dass<br />

zum Beispiel Manhattan erst nach fünf<br />

Tagen wieder Strom hatte. Sind die<br />

US-Bürger da jetzt nur auf eine gut<br />

gemachte Show hereingefallen, dass<br />

Obama vor Ort war und ein paar Leute<br />

umarmt hat, oder hat er wirklich am<br />

Katastrophenschutz, der ja unter Bush<br />

praktisch komplett vernachlässigt<br />

worden ist, und auch an der maroden<br />

Infrastruktur der USA etwas verbessert<br />

in den letzten vier Jahren?<br />

• Obama hat das Krisenmanagement<br />

rund um „Sandy“ sehr ernst genommen<br />

und vor allem auch deshalb<br />

12<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Politik<br />

gepunktet gegenüber Romney und den<br />

Republikanern, da diese immer wieder<br />

betont haben, dass die Rolle des Staates<br />

zurückgefahren werden muss.<br />

Dass es durchaus Katastrophensituationen<br />

gibt, wie Ende Oktober, in welchen<br />

die Regierung eine wichtige Rolle<br />

spielen kann, hat Obama dadurch<br />

demonstriert, dass er sehr schnell vor<br />

Ort in New York und New Jersey war.<br />

Noch dazu hat er sich gemeinsam mit<br />

Chris Christie öffentlich gezeigt, dem<br />

Gouverneur von New Jersey, einem<br />

sehr populären Republikaner. Christie<br />

hat während der Katastrophe engen<br />

Schulterschluss mit Obama geübt<br />

und gesagt – egal welches Parteibuch<br />

wir haben, jetzt ist es wichtig, dass<br />

wir zusammenstehen. Chris Christie<br />

hat Obama ausdrücklich gelobt, was<br />

Obama wiederum sicherlich die ein<br />

oder andere Stimme am Wahltag von<br />

seiten der unentschiedenen Wähler<br />

eingebracht hat.<br />

Es war für mich auch sehr erstaunlich,<br />

dass sogar Michael Bloomberg,<br />

der Bürgermeister von New York,<br />

dann zur Wahl Obamas aufgerufen<br />

hatte. Schließlich war Bloomberg<br />

eine Zeitlang sogar ein potentieller<br />

Gegenkandidat gewesen.<br />

• Genau, und er hat die Sache<br />

endlich auf den Punkt gebracht, der<br />

bis dato im Wahlkampf komplett untergegangen<br />

war, dass nämlich das<br />

Thema Klimawandel nicht vergessen<br />

werden darf.<br />

Könnte man sich vorstellen, dass sich<br />

Bloomberg auf diese Weise als möglicher<br />

Zukunftskandidat einer reformierten<br />

Republikanischen Partei profilieren will?<br />

• Das wäre nun wirklich eine sehr<br />

große Überraschung, wenn ein ausgewiesenermaßen<br />

konservativ-liberaler<br />

Mann wie Bloomberg es schaffen<br />

würde, innerhalb von vier Jahren<br />

eine Partei, die so extrem zerstritten<br />

ist wie die Republikaner, hinter sich<br />

zu einen. Ich sehe da eher Chancen<br />

für jemand wie Jeb Bush, den ehemaligen<br />

Gouverneur von Florida und<br />

Bruder von George W. Bush, der ein<br />

extrem intelligenter und gewandter<br />

Politiker ist.<br />

Wenn wir schon ein bisschen über Namen<br />

spekulieren, wie sieht es im Regierungslager<br />

aus? Es gab ja Spekulationen<br />

darüber, ob Hillary Clinton dem Kabinett<br />

wieder angehören wird. Ist da schon etwas<br />

Neueres bekannt?<br />

• Hillary Clinton hat ganz klar<br />

gemacht, und es wäre eine Überraschung,<br />

wenn sie das jetzt wieder<br />

zurücknehmen würde, dass sie nach<br />

dieser Amtsperiode aus dem Amt der<br />

Außenministerin ausscheiden und<br />

sich erst einmal privaten Dingen zuwenden<br />

möchte. Im Moment werden<br />

noch mehrere Kandidaten für das<br />

Amt des Außenministers gehandelt.<br />

Um unser Gespräch nochmals zusammenzufassen:<br />

Wird sich Amerika in den<br />

nächsten vier Jahren eher isolieren,<br />

d. h. auf innenpolitische Themen<br />

zurückziehen, oder mehr in die<br />

Weltgemeinschaft integrieren?<br />

• Beides. Eindeutig werden innenpolitische<br />

Themen im Vordergrund<br />

stehen. Da wird es darum<br />

gehen sicherzustellen, dass die<br />

Gesundheitsreform nicht mehr<br />

aufgeschnürt werden kann, sondern<br />

dass das Ganze in trockenen<br />

Tüchern ist. Dann die Frage, wie<br />

man Steuererleichterungen für<br />

kleine und mittelständische Unternehmen<br />

schaffen kann, um dadurch<br />

Arbeitsplätze zu sichern und<br />

zu schaffen. Die Bildungsreform<br />

ist ein ganz wichtiges Thema und<br />

auch die Einwanderungsreform.<br />

Wenn diese Projekte angegangen<br />

werden, zumindest teilweise erfolgreich,<br />

ist schon sehr viel gewonnen.<br />

In der Außenpolitik ist<br />

das Thema Iran mit das wichtigste<br />

neben dem Abzug aus Afghanistan.<br />

Was Europa betrifft, so ist aber<br />

auch ein großes Freihandelsabkommen<br />

zwischen den USA und<br />

Europa in Vorbereitung. Es wird<br />

gegenwärtig im Rahmen einer High<br />

Level Working Group zwischen der<br />

EU und den USA verhandelt. Es<br />

könnte eines der großen Projekte<br />

zwischen Europa und den USA sein<br />

für das nächste Jahr.<br />

Frau Heuser, ich danke Ihnen für<br />

das Gespräch. ■<br />

Official White House Photo by Pete Souza<br />

Werden die US-Bürger<br />

Drohneneinsätze immer noch<br />

befürworten, wenn eines Tages<br />

auch Angriffe gegen Amerika<br />

geflogen werden?<br />

Annette Heuser<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 13


News<br />

Das „Florida-Syndrom“<br />

Wir alle erinnern uns, wie<br />

George W. Bush im Jahre<br />

2000 nach undurchsichtigen<br />

Stimmauszählungen in<br />

Florida erst durch Gerichtsurteil<br />

am grünen Tisch zum<br />

Präsidenten erklärt wurde.<br />

Auch bei der Wahl 2012 ließen<br />

Parteigänger der Republikaner<br />

wieder nichts unversucht,<br />

um durch fragwürdige Mauscheleien<br />

das Wahlergebnis zu ihren Gunsten zu<br />

beeinflussen.<br />

Dass ganze Wählerlisten in der Mülltonne<br />

landeten oder Bürgern falsche<br />

Adressen von Wahllokalen mitgeteilt<br />

wurden, gehört dabei noch zu den Kleinigkeiten.<br />

Die Beraterfirma Strategic<br />

Allied Consulting (SAC) wurde dabei<br />

ertappt, dass sie Wählerlisten für die<br />

Republikaner sammelte, auf denen<br />

massenweise Namen verstorbener<br />

oder überhaupt nicht existierender<br />

Personen standen.<br />

In 14 US-Bundesstaaten, die größtenteils<br />

von Republikanern regiert werden,<br />

wurden im Laufe des Jahres 2012<br />

Gesetze erlassen, die bestimmten Bevölkerungsschichten<br />

die Teilnahme an<br />

der Wahl erschwerten. Beispielsweise<br />

wurde verfügt, dass sich jeder Wähler<br />

mit Hilfe eines Reisepasses mit Lichtbild<br />

ausweisen müsse. Personalausweise<br />

nach deutschem Vorbild gibt es<br />

in den USA nicht. Nun besitzen Millionen<br />

von US-Bürgern überhaupt keinen<br />

Pass, weil sie z. B. nie ins Ausland gereist<br />

sind. Die Beschaffung eines Passes<br />

ist zeitaufwendig und teuer. Betroffen<br />

sind vor allem Geringverdiener<br />

und Angehörige ethnischer Minderheiten<br />

– klassische Wählerschichten der<br />

Demokraten.<br />

Zynischerweise begründen die Verfechter<br />

dieser offensichtlichen Wahlmanipulationserlasse<br />

ihr Vorgehen<br />

damit, sie wollten auf diese Weise<br />

"Wahlbetrug" erschweren oder ausschließen.<br />

In Texas haben Anhänger<br />

der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung<br />

Freiwillige von Haus zu Haus<br />

geschickt, um Bürger aus Bevölkerungsschichten<br />

zu überprüfen, die<br />

Vor vielen Wahllokalen bildeten<br />

sich bei der US-Präsidentenwahl<br />

lange Schlangen.<br />

den Demokraten nahestehen.<br />

Finden sie dabei<br />

Unregelmäßigkeiten,<br />

etwa weil ein Student<br />

vergessen hat, seine<br />

Adressänderung registrieren<br />

zu lassen, oder<br />

weil es bei der Registrierung<br />

eines Wählers zu<br />

Buchstaben- oder Zahlendrehern<br />

gekommen<br />

ist, so haben sie zwei Fliegen mit einer<br />

Klappe geschlagen. Zum einen ist<br />

ein unliebsamer Wähler von der Wahl<br />

ausgeschlossen worden (bzw. er muss<br />

sich durch die Mühlen der Bürokratie<br />

kämpfen, um wählen zu dürfen), zum<br />

anderen liefert jeder „ertappte Wahlbetrüger“<br />

weitere Argumente für noch<br />

restriktivere Gesetze.<br />

Durch übertrieben penible Identitätskontrollen<br />

vor den Eingängen zu den<br />

Wahllokalen sorgte man auch für unnötig<br />

lange Warteschlangen, die manchen<br />

Wähler davon abschreckten, seine<br />

Stimme abzugeben.<br />

Einen Präsidenten Mitt Romney konnten<br />

die Wähler am 6. November 2012<br />

trotzdem verhindern. Allerdings sollten<br />

die Verantwortlichen in den USA<br />

einmal ernsthaft über die Fairness ihres<br />

Wahlsystems nachdenken.<br />

Zivile Drohnen –<br />

der neue Wachstumsmarkt<br />

In den letzten zehn Jahren haben militärische<br />

Drohnen die Kriegführung<br />

revolutioniert. Der „unsichtbare Krieg“<br />

trug der Tatsache Rechnung, dass auch<br />

die US-Bürger es leid waren, ständig<br />

Soldaten zu Kriegseinsätzen in alle Teile<br />

der Welt schicken zu müssen (siehe<br />

auch das Interview „Amerika – isoliert<br />

oder integriert?“ in dieser <strong>Ausgabe</strong>).<br />

Nun hat die Rüstungsindustrie einen<br />

neuen Wachstumsmarkt entdeckt. Innerhalb<br />

der nächsten vier Jahre sollen<br />

Drohnen in großem Stil<br />

auch zivilen Anwendern<br />

angeboten werden. Experten<br />

schätzen, dass dieser<br />

Markt den Rüstungsfirmen<br />

über 400 Milliarden<br />

Dollar in die Kassen spülen<br />

könnte.<br />

Eine gemeinsam von der<br />

britischen Regierung und<br />

führenden Luftfahrtunternehmen<br />

durchgeführte<br />

Studie ergab, dass viele<br />

Routineaufgaben, auch<br />

gefährlicher Natur, auch<br />

von unbemannten anstelle<br />

von bemannten Flugzeugen<br />

erledigt werden<br />

könnten. Eine mögliche<br />

Anwendung ist z. B. die Überprüfung<br />

von Ölpipelines aus der Luft. Dies von<br />

pilotengesteuerten Flugzeugen erledigen<br />

zu lassen, ist nicht nur teuer, sondern<br />

für die Piloten auch eine zeitaufwendige,<br />

ermüdende und langweilige<br />

Tätigkeit. Drohnen könnten auch bei<br />

Suchaktionen zur Rettung von Schiffbrüchigen<br />

eingesetzt werden oder zur<br />

Überwachung von Fischbeständen.<br />

In manchen Nischenbereichen sind zivile<br />

Drohnen bereits jetzt im Einsatz. In<br />

Japan überfliegen sie die Ruinen des<br />

Atomkraftwerks Fukushima, um die<br />

Zerstörungen zu überprüfen und die<br />

Radioaktivität zu messen. Britische<br />

Antarktisstationen nutzen sie, um Eisund<br />

Schneebedingungen zu checken.<br />

Derzeit stehen einem weiträumigeren<br />

Einsatz ziviler Drohnen noch gesetzliche<br />

Regelungen entgegen, die man<br />

aber in den nächsten drei bis vier Jahren<br />

zu überwinden hofft. Als größtes<br />

Hindernis könnten sich – nicht ganz<br />

unberechtigte – Befürchtungen der<br />

Bevölkerung erweisen, die Drohnen<br />

würden vorrangig über den Städten<br />

zur Überwachung eingesetzt werden.<br />

Es sei noch viel Überzeugungsarbeit<br />

notwendig, so ein Sprecher des Projekts,<br />

aber „die Büchse der Pandora ist<br />

geöffnet.“<br />

14<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


News<br />

Leise, aber tödlich<br />

Wenn jemand mit einem Gewehr<br />

oder einer Pistole schießt, dann<br />

gibt das zunächst einmal einen<br />

lauten Knall, das weiß jeder. Das<br />

Geräusch kann zwar bei Pistolen<br />

noch durch Aufschrauben eines<br />

Schalldämpfers etwas reduziert<br />

werden, doch ein wirklich unbemerkter<br />

Schusswaffeneinsatz ist auch<br />

damit nicht möglich. Für die Special<br />

Forces der US-Armee bei ihren verdeckten<br />

Einsätzen durchaus ein Problem.<br />

Daher diskutieren Pentagon und<br />

Homeland Security in den USA jetzt<br />

den Einsatz sogenannter „Stealth-<br />

Gewehre“. Der Knall beim Schuss<br />

entsteht dadurch, dass das Geschoss<br />

mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs<br />

ist. Das laute Geräusch hat also<br />

die gleiche Ursache wie der Knall eines<br />

Düsenjägers, wenn er die Schallmauer<br />

„Mach 1“ durchbricht. Wenn<br />

ein Geschoss mit langsamerer Geschwindigkeit<br />

unterwegs ist, ohne die<br />

Schallgrenze zu durchbrechen, ist es<br />

automatisch sehr leise abzufeuern.<br />

Inwieweit solche „Stealth-Waffen“ bereits<br />

zum Einsatz kommen, darüber<br />

gibt es widersprüchliche Aussagen.<br />

Das Verteidigungsministerium in Washington<br />

erklärte, man verfüge bislang<br />

nicht über Unterschallgeschosse, die<br />

„für den Gebrauch in Waffen für den<br />

Einsatz bei beliebigen Aktionen des<br />

Verteidigungsministeriums klassifiziert“<br />

seien. Diese eingeschränkte<br />

Formulierung suggeriert, das Special<br />

Operations Command (SOCOM)<br />

des Pentagon könnte Stealth-Waffen<br />

doch bereits besitzen und benutzen.<br />

Die Technologie ist nicht<br />

wirklich neu. Geschosse mit<br />

Unterschallgeschwindigkeit<br />

gibt es schon seit der Zeit<br />

nach dem Zweiten Weltkrieg,<br />

sie eigneten sich<br />

bislang aber nur für den<br />

Einsatz in kleinkalibrigen<br />

Waffen, z. B. in 9-mm-Pistolen.<br />

Als Munition für die klassischen<br />

großkalibrigen Kriegsgewehre<br />

können sie nicht verwendet werden.<br />

Es geht nicht nur um die eventuell<br />

geringere Durchschlagskraft, bei<br />

langsameren Geschossen leiden<br />

auch Treffsicherheit und Reichweite.<br />

Das Geschoss muss schwerer sein,<br />

und es darf nicht zu viel Schießpulver<br />

verwendet werden. Diese Nachteile<br />

will man im Pentagon offenbar durch<br />

die Entwicklung neuartiger Munition<br />

überwinden, für deren Herstellung<br />

anstelle von Messing oder Stahl moderne<br />

Polymer-Werkstoffe verwendet<br />

werden.<br />

EU-Staaten fordern eigene militärische<br />

Kommandostrukturen<br />

Mehrere EU-Staaten, darunter Frankreich,<br />

Deutschland, Spanien, Italien<br />

und Polen, fordern die Schaffung neuer<br />

militärischer Kommandostrukturen innerhalb<br />

der EU. Sie befürworten auch,<br />

im kommenden Jahr in Brüssel eine<br />

Tagung abzuhalten, um „unsere Ambitionen<br />

hinsichtlich der Sicherheits- und<br />

Verteidigungspolitik zu bekräftigen.“<br />

Großbritanniens Premier David Cameron<br />

hat bereits sein Veto gegen diese<br />

Pläne eingelegt.<br />

Die genannten fünf Staaten, auch als<br />

„Weimarer Gruppe“ bekannt, starteten<br />

ihren Vorstoß bei einem gemeinsamen<br />

Treffen in Paris, bei dem sie<br />

auch die Schaffung eines militärischen<br />

EU-Hauptquartiers anregten. „Wir<br />

sind überzeugt, dass die EU, in einem<br />

Großbritanniens Premier David Cameron setzt<br />

sich gegen Militärpläne zur Wehr.<br />

Foto: EPA/Olivier Hoslet<br />

noch zu definierenden Rahmen, echte<br />

zivil-militärische Strukturen aufbauen<br />

muss, um Missionen und Operationen<br />

zu planen und durchzuführen.“, heißt<br />

es in einer Erklärung der Gruppe. „Wir<br />

sollten zeigen, dass wir vorbereitet<br />

sind.“, auf was auch immer. Die fünf<br />

Staaten nannten als mögliche zivilmilitärische<br />

Einsatzgebiete einer EUeigenen<br />

Truppe Somalia, Mali, Libyen,<br />

den Kosovo, Georgien und Afghanistan.<br />

Ganz offenbar sind diese neuen<br />

Strukturen dazu gedacht, europäische<br />

Militäraktionen ohne Mitspracherecht<br />

der USA zu ermöglichen.<br />

EU-Außenministerin Lady Catherine<br />

Ashton hat bereits signalisiert, dass<br />

sie bereit ist, Großbritanniens Widerstand<br />

zu unterstützen, sollte Frankreich<br />

weitere Verbündete für diese<br />

Pläne gewinnen. Die britische Regierung<br />

ist innerhalb<br />

der EU zunehmend<br />

isoliert, seit sie vergangenes<br />

Jahr ähnliche<br />

Pläne blockierte,<br />

mit der Begründung,<br />

eine solche Entscheidung<br />

müsse mit den<br />

USA abgesprochen<br />

werden und dürfe die<br />

Kommandostrukturen<br />

der NATO nicht<br />

auseinanderdividieren.<br />

Kriegswaffen für den<br />

Meistbietenden<br />

4 – 3 – 2 – 1 – Meins! Angesichts der<br />

Eurokrise müssen einige EU-Länder<br />

auch beim Militärhaushalt sparen.<br />

Da bleibt es nicht aus, dass man diese<br />

oder jene teure Militärtechnologie,<br />

großzügig angeschafft in besseren Tagen,<br />

auch einmal loswerden möchte.<br />

Um dies zu erleichtern, wird die EU<br />

jetzt eine spezielle Internetseite mit<br />

dem Namen eQuip einrichten, auf der<br />

überschüssiges Militärgerät an den<br />

Meistbietenden verkauft oder auch untereinander<br />

getauscht werden kann.<br />

Die Namensähnlichkeit mit eBay ist<br />

kein Zufall. eQuip soll auf dem gleichen<br />

Prinzip funktionieren wie die<br />

bekannte Internet-Auktionsplattform.<br />

Der Zeitpunkt für die Einrichtung der<br />

Seite könnte für Waffenhändler nicht<br />

günstiger gewählt sein. Durch den endgültigen<br />

Abzug der NATO-Truppen aus<br />

Afghanistan bis Sommer 2014 dürfte<br />

eine Menge an Panzern, Kampfjets und<br />

anderem schwerem Gerät nicht mehr<br />

gebraucht werden und kann dann über<br />

das „Waffen-EBay“ noch gewinnbringend<br />

an den Mann gebracht werden.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 15


News<br />

EU-Parlamentsgebäude<br />

in Straßburg<br />

EU-Parlamentarier:<br />

Seltsames Demokratieverständnis<br />

Bei zukünftigen Europawahlen<br />

darf es keine Fünf-Prozent-Hürde<br />

mehr geben. So hatte das Bundesverfassungsgericht<br />

entschieden.<br />

Als Begründung hatte es<br />

angeführt, der Zweck der Sperrklausel,<br />

nämlich eine Zersplitterung zu verhindern,<br />

sei ohnehin nicht erfüllbar. Zudem<br />

bestehe im EU-Parlament keine Notwendigkeit,<br />

Koalitionen und Regierungen<br />

zu bilden, die eine Reduzierung der<br />

Parteienlandschaft erfordern könnten.<br />

Doch die Parlamentarier der etablierten<br />

Parteien wollen sich damit nicht<br />

zufrieden geben. Und so arbeiten SPDund<br />

CDU-Parlamentarier derzeit gemeinsam<br />

an Entwürfen für eine Drei-<br />

Prozent-Hürde und suchen auch nach<br />

Verbündeten aus anderen EU-Ländern.<br />

Die Begründungen zeugen von einem<br />

seltsamen Demokratieverständnis. Ein<br />

Strom teure Luxusware –<br />

doch Stromerzeuger vor dem Aus<br />

Berichten zufolge sollen viele deutsche<br />

Kraftwerksbetreiber in massive finanzielle<br />

Schieflage geraten sein. Fast die<br />

Hälfte der Kraftwerke könnten in naher<br />

Zukunft vor dem Aus stehen. 29 Prozent<br />

von ihnen könnten dadurch bis 2014 vom<br />

Netz gehen. Der Grund: Mangelhafte Ertragslage<br />

durch sinkende Strompreise.<br />

Angesichts jährlich bis ins Groteske steigender<br />

Endverbraucherpreise klingt das<br />

kaum glaubhaft, doch es ist wahr. Die<br />

Großhandelspreise für Strom sind tatsächlich<br />

seit längerer Zeit rückläufig, da<br />

immer mehr alternative Energien in die<br />

Stromnetze eingespeist werden und somit<br />

ein Überangebot besteht.<br />

Gleichzeitig ist Strom für viele Menschen<br />

in Deutschland durch die extrem überhöhten<br />

Verbraucherpreise zur unbezahlbaren<br />

Luxusware geworden. Diese<br />

Preispolitik kann man jedoch nicht allein<br />

der Profitgier der Stromerzeuger zuschieben.<br />

Der Hauptgrund für die derzeit<br />

extrem stark steigenden Endverbraucherpreise<br />

für Strom liegt vielmehr in<br />

Beschlüssen der Bundesregierung. Es<br />

wurde beschlossen, industrielle Großverbraucher<br />

von der Netzabgabe zur Finanzierung<br />

der Infrastruktur sowie von<br />

der EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer<br />

Energien zu befreien. Um diese<br />

Entlastung der Großindustrie finanzieren<br />

zu können, wurden die ausfallenden Gelder<br />

für die Stromerzeuger voll auf den<br />

Kleinverbraucher sowie auf Kleinbetriebe<br />

abgewälzt.<br />

völliger Wegfall der Sperrklausel würde<br />

zu einem „Ungleichgewicht“ im Parlament<br />

und zu einer „Verzerrung des<br />

Wahlergebnisses“ führen. Durch eine<br />

Sperrklausel würde dem „Wählerwillen<br />

besser Rechnung getragen.“<br />

Halten wir fest: Wenn tatsächlich alle<br />

abgegebenen Stimmen aller Bürger<br />

für alle angetretenen Parteien gezählt<br />

würden, würde das Wahlergebnis „verzerrt“.<br />

Der Wählerwille wird am besten<br />

ausgedrückt, wenn man die Stimmen<br />

von einigen Prozent der Bevölkerung<br />

unter den Tisch fallen lässt, und unter<br />

dem nicht näher definierten Begriff des<br />

„Ungleichgewichts“ versteht man offenbar<br />

jede Änderung des momentanen<br />

Erster US-Stützpunkt<br />

in Polen eröffnet<br />

Seit dem 9. November 2012 ist es so<br />

weit. Zehn Jahre nach der NATO-Osterweiterung<br />

und auf den Tag genau 23<br />

Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer<br />

hat die US Air Force erstmals die<br />

Grenze des ehemaligen eisernen Vorhangs<br />

überschritten und auf dem polnischen<br />

Luftwaffenstützpunkt Łask in der<br />

Nähe von Łódz Soldaten stationiert. Im<br />

ersten Schritt handelt es sich nur um<br />

eine kleinere Gruppe, deren Aufgabe<br />

hauptsächlich darin besteht, die polnischen<br />

Piloten vor Ort an US-Kampfjets<br />

auszubilden. Im kommenden Jahr soll<br />

allerdings ein größeres Kontingent folgen.<br />

Polen hat bereits seit einigen Jahren<br />

Militärflugzeuge aus den USA bezogen<br />

und außer in Łask auch auf den<br />

Stützpunkten Krzesiny und Powidz, beide<br />

in der Nähe von Poznan, stationiert.<br />

Plan ist es, US-Fliegerstaffeln die bislang<br />

in Deutschland stationiert waren,<br />

Status quo. Was sich mit Sicherheit<br />

konstatieren lässt,<br />

ist ein seltsames Demokratieverständnis<br />

bei unseren<br />

Parlamentariern.<br />

Weshalb wehren sie sich so<br />

vehement dagegen, ein paar<br />

wenige Sitze an Kleinparteien<br />

abzutreten? Weil es in Straßburg<br />

ähnlich wie in Brüssel weniger um Politik<br />

als um lukrative Pöstchen geht,<br />

meist für ausgediente Bundes- und<br />

Landespolitiker. Ohne Sperrklausel<br />

hätten nach der letzten Europawahl sieben<br />

kleine Parteien einen Abgeordneten<br />

nach Straßburg schicken können. Sitze,<br />

die den Großen verloren gegangen wären.<br />

Bei einem Wegfall der Sperrklausel<br />

würde der Stimmanteil der Kleinparteien<br />

eher noch steigen, da viele Bürger<br />

momentan davon abgeschreckt werden,<br />

für solche Parteien zu stimmen, weil sie<br />

befürchten müssen, dass ihre Stimme<br />

unter den Tisch fällt.<br />

u. a. auf den Fliegerhorsten Spangdahlem<br />

und Ramstein, dauerhaft nach Polen<br />

zu verlegen. Der Grund ist natürlich,<br />

dass durch die veränderten politischen<br />

Machtverhältnisse in Europa Deutschland<br />

keine Grenzregion der NATO mehr<br />

ist. Russland empfindet das Vorrücken<br />

der US Air Force auf polnisches Territorium<br />

dementsprechend auch als Provokation<br />

und befürchtet, dies könnte<br />

nur einen weiteren Schritt auf dem Weg<br />

zur Stationierung des umstrittenen Raketenabwehrschilds<br />

darstellen. Insbesondere<br />

wurden die bereits traditionell<br />

schlechten Beziehungen zwischen Polen<br />

und Russland durch die Verlegung<br />

der US-Soldaten nach Polen weiter<br />

belastet. Polens Verteidigungsminister<br />

Tomasz Siemoniak wies die Kritik aus<br />

Moskau schroff zurück und berief sich<br />

darauf, dass es sich um eine NATO-interne<br />

Entscheidung gehandelt habe und<br />

Russland daher kein Vetorecht für sich<br />

beanspruchen könne.<br />

16<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

Zwei polnische F-16-Kampfjets beim<br />

Start vom Luftwaffenstützpunkt Łask.


News<br />

Wir sehen Sie!<br />

Für den Einzelhandel ist nichts<br />

wichtiger, als über Vorlieben,<br />

Neigungen und Bedürfnisse der<br />

Kunden möglichst gut Bescheid zu<br />

wissen. Dem Einfallsreichtum der<br />

Kommerz-Spione sind dabei kaum<br />

Grenzen gesetzt. Fast schon anachronistisch<br />

wirkt die gute alte Payback-<br />

Karte, mit deren Hilfe auch notorische<br />

Barzahler dazu verleitet werden sollen,<br />

für eine Belohnung von ein paar<br />

Cent Rabatt an der Kasse ihren Einkauf<br />

inklusive Kundennamen elektronisch<br />

speichern zu lassen.<br />

Der neueste Hit der Spyware-Technologie<br />

kommt aus Italien. Dort produziert<br />

die Firma Almax SpA neuartige<br />

Schaufensterpuppen, sogenannte<br />

„EyeSee Mannequins“, die nicht mehr<br />

„nur Puppen“ sind, sondern im wahrsten<br />

Sinne des Wortes „Schau“-Fensterpuppen.<br />

Denken Sie daran, wenn<br />

Sie das nächste Mal am Schaufenster<br />

einer Boutique vorbeigehen. Nicht nur<br />

Sie schauen die Waren an, sondern es<br />

kann passieren, dass auch Sie selbst<br />

dabei angeschaut werden!<br />

In einem Auge der Mannequins von<br />

Almax ist nämlich eine Videokamera<br />

eingebaut, die genau registriert und<br />

aufzeichnet, wer die Puppe bzw. das,<br />

was sie trägt, betrachtet. Ein nachgeschalteter<br />

Prozessor führt dann<br />

eine aufwendige Gesichtserkennung<br />

durch. Um wen handelt es sich? Um<br />

einen Mann oder eine Frau? Alt oder<br />

jung? Hell oder dunkelhäutig? Gleichzeitig<br />

werden weitere Daten erhoben,<br />

z. B. wie lange die Person vor der<br />

Ware stehen bleibt.<br />

Auf diese Weise sollen detaillierte<br />

Kundenprofile erstellt<br />

werden, die es dem Händler<br />

ermöglichen, sein Warenangebot den<br />

wahren Käuferschichten anzupassen.<br />

Im Internet ist es seit langem gang<br />

und gäbe, anhand des Surfverhaltens<br />

Persönlichkeitsprofile von Internetnutzern<br />

den Händlern verfügbar zu<br />

machen. Diesen Wettbewerbsnachteil<br />

sollen herkömmliche Ladenbesitzer<br />

mit Hilfe der Almax-Technologie nunmehr<br />

ausgleichen können.<br />

Mittlerweile sind die italienischen<br />

Superpuppen – Stückpreis 4000 Euro<br />

– in mehreren europäischen Ländern<br />

und in den USA bereits im Einsatz.<br />

Datenschützer sind alarmiert. „Menschen<br />

einzig zum Zweck der Profitmaximierung<br />

zu beobachten, ist ein<br />

Tabubruch und könnte als Sammlung<br />

personenbezogener Daten ohne<br />

Einverständnis angesehen werden“,<br />

zitiert Bloomberg TV einen prominenten<br />

Fachanwalt.<br />

Auch die möglichen Weiterentwicklungen<br />

der Technologie sind bedenklich.<br />

Wer sollte die kommerziellen<br />

Datensammler daran hindern,<br />

den Mannequins in Zukunft auch<br />

Ohren zu verpassen – Mikrofone, die<br />

aufzeichnen, was der Kunde sagt, um<br />

auch dies im Computer auszuwerten?<br />

Almax plant so etwas tatsächlich, wie<br />

die Firma verlautbaren ließ.<br />

Und wie soll eigentlich auf diese<br />

Weise das Entwickeln neuer<br />

Marketingstrategien im herkömmlichen<br />

Einzelhandel funktionieren?<br />

Im Internet werden dem Benutzer,<br />

der einen bestimmten Artikel<br />

anklickt, anhand seines Persönlichkeitsprofils<br />

weitere Artikel angeboten,<br />

die ihm möglicherweise gefallen<br />

könnten. Nun kann der Ladeninhaber<br />

ja nicht in Windeseile neue Puppen<br />

mit bestimmten Kleidungsstücken<br />

heranschaffen, wenn das EyeSee-<br />

Mannequin beim Kunden bestimmte<br />

Präferenzen festgestellt hat. Der<br />

Händler kann aber Fernsehmonitore<br />

im Laden haben, die die zusätzlichen<br />

Kaufvorschläge präsentieren, sobald<br />

der Kunde das Geschäft betritt.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 17


Politik<br />

Demonstranten in Paris<br />

protestieren gegen die<br />

Sparpolitik der französischen<br />

Regierung.<br />

©Christian Hartmann/Reuters<br />

Tage des Zorns<br />

Europa protestiert gegen Sparpolitik ·<br />

Brutale Polizeigewalt · Alles im Plan?<br />

Hanno Weber<br />

Es brodelt in Europa. Am 14. November<br />

kam es zu koordinierten Streikund<br />

Protestaktionen in 20 europäischen<br />

Ländern. Millionen gingen auf<br />

die Straße, um gegen die Sparpolitik<br />

der EU zu protestieren. In vielen Ländern<br />

lag das öffentliche Leben lahm.<br />

Generalstreiks in Griechenland, Portugal<br />

und Italien. In Spanien brach<br />

stundenlang der Stromverbrauch<br />

zusammen, weil Industrieanlagen<br />

stillstanden. In Belgien fuhr kein Eisenbahnzug<br />

mehr. In Spanien und<br />

Portugal wurde mehr als die Hälfte<br />

der Flüge gestrichen.<br />

Demonstranten brutal<br />

zusammengeschlagen<br />

Die Polizei ging gegen die Aktionen mit<br />

teilweise extrem brutaler Härte vor.<br />

Nach Berichten von Amnesty International<br />

wurden in Athen, Madrid und<br />

Bukarest friedliche Demonstranten<br />

zusammengeschlagen und getreten<br />

sowie durch Tränengas und Gummigeschosse<br />

verletzt. ATTAC-Mitglieder<br />

bestätigten weitgehend diese Meldungen.<br />

Es kam auch zu willkürlichen<br />

Festnahmen. Verletzten sei zudem<br />

der Zugang zu medizinischer Versorgung<br />

verweigert worden. Amnesty<br />

International berichtet auch über<br />

gewaltsame Übergriffe der Polizei<br />

gegen Journalisten, die nur über die<br />

Proteste berichten wollten (bereits im<br />

Juni 2011 hatte in Athen ein Journalist<br />

sein Gehör verloren, als dicht neben<br />

ihm eine Blendgranate einschlug). In<br />

Portugal setzten Polizeikräfte Hunde<br />

gegen Demonstranten ein und feuerten<br />

sogar scharfe Warnschüsse in die<br />

Luft. Im Lissabon-Vertrag wurde eine<br />

ausdrückliche Erlaubnis für die Polizei<br />

verankert, auf Menschen zu schießen,<br />

um bei Volksaufständen Ruhe und<br />

Ordnung wiederherzustellen. Europas<br />

Machthaber wussten schon damals,<br />

was auf sie zukommen würde, denn<br />

sie wussten, was ihren Bürgern bevorstehen<br />

würde.<br />

In Deutschland gab es einige Solidaritätsveranstaltungen,<br />

während<br />

die Deutsche Bahn sich als Streikbrecher<br />

betätigte, indem sie Belgien<br />

Busse zur Verfügung stellte zur Beförderung<br />

gestrandeter Bahnreisender.<br />

Ansonsten blieb es bei uns relativ<br />

ruhig. Aber die Deutschen haben ihre<br />

Agenda 2010 ja auch schon längst hinter<br />

sich. Was die Europäer jetzt auf die<br />

Barrikaden treibt, sind Angela Merkels<br />

Versuche, diese alte neoliberale<br />

Kahlschlagpolitik Gerhard Schröders<br />

der gezielten Verarmung der Bevölkerung<br />

bei gleichzeitiger Bedienung von<br />

Klientelinteressen nunmehr mit aller<br />

Macht in den Rest Europas zu exportieren.<br />

Und dieser Export fängt längst<br />

an Früchte zu tragen. In Spanien z.<br />

B. werden derzeit mit Billigung der<br />

neofranquistischen Regierung Millionen<br />

kleiner Eigenheimbesitzer von<br />

den Banken gewaltsam auf die Straße<br />

gesetzt, weil sie angesichts von 26%<br />

Arbeitslosigkeit ihre Hypotheken nicht<br />

mehr bedienen können. Die Übernahme<br />

der Häuser bringt den Banken übrigens<br />

gar nichts, da die Objekte nach<br />

dem Platzen der spanischen Immobilienblase<br />

weitgehend unverkäuflich<br />

sind. Leerstehenden Wohnraum gibt<br />

es in Spanien mehr als genug.<br />

Es liegt am System –<br />

und das System hat System!<br />

Solche massiven Übergriffe gegen die<br />

letzten Reste des Sozialstaates auf<br />

einem ganzen Kontinent geschehen<br />

natürlich nicht zufällig. Jedoch sollten<br />

sich auch die „Linken“ davor hüten,<br />

jetzt nur das Argument von der „ka-<br />

18<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Politik<br />

pitalistischen Umverteilung von unten<br />

nach oben“ wieder aus der Mottenkiste<br />

zu holen. Man kann es niemandem<br />

übelnehmen, dass er sich bedient,<br />

wenn er es kann – solange das System<br />

es ihm erlaubt. Und hinter dem<br />

System steckt ein System! Dieses System<br />

ist nicht nur der „Kapitalismus“.<br />

Den gab es schließlich fast überall<br />

schon seit jeher, ohne dass es zu sozialpolitischen<br />

Exzessen kam. Auch die<br />

„Finanzkrise“ müsste es nicht wirklich<br />

geben. Geld ist genug da. Es müsste<br />

nur jemand geben, der dafür sorgt,<br />

dass die Verursacher der „Krise“ nicht<br />

an deren Folgen so üppig verdienen<br />

können – teilweise sogar auf Staatskosten.<br />

Die Krise wird gebraucht – um<br />

etwas anderes vorzubereiten…<br />

Das Szenario der<br />

„konstanten Erneuerung“<br />

Das National Intelligence Council<br />

(NIC), die Zukunftsabteilung der NSA,<br />

hat bereits 2008 einen Report über<br />

mögliche Zukunftsszenarien veröffentlicht,<br />

die u. a. mit Hilfe von Intuitiver<br />

Logik entwickelt worden waren.<br />

Diese Szenarien umreißen die Entwicklung<br />

der Welt bis zum Jahr 2025,<br />

und das teilweise erstaunlich genau,<br />

zumindest was den überprüfbaren<br />

Zeitrahmen bis heute betrifft. Fosar/<br />

Bludorf berichten darüber ausführlich<br />

in ihrem Buch „Intuitive Logik“. Hatte<br />

die NSA massenweise Hellseher und<br />

Zukunftspropheten eingestellt? Ich<br />

bin Skeptiker und glaube eher, die beste<br />

Methode, die Zukunft zu erkennen,<br />

ist es, sie selbst zu gestalten.<br />

Möglicherweise kann man die<br />

Frage, ob die derzeitige Krise<br />

gewollt ist, nicht kategorisch<br />

verneinen. Der NIC-Report<br />

macht deutlich, dass man zwei der<br />

drei Szenarien („Geborgte Zeit“ –<br />

ein Weitermachen wie zuvor, sowie<br />

„Fragmentierte Welt“ – ein Rückfall<br />

in Isolationismus und Kalten Krieg)<br />

nur als abschreckende Beispiele sieht<br />

und statt dessen das dritte klar favorisiert.<br />

Es läuft unter der Überschrift<br />

„Konstante Erneuerung“ und stellt an<br />

den Anfang die Prämisse, dass sich<br />

auf der Welt dringend etwas ändern<br />

muss. Wer dem jetzt vorschnell zustimmt,<br />

der sollte beachten, dass der<br />

NIC-Report in den Jahren vor 2008<br />

erarbeitet wurde, als von der heutigen<br />

Krise noch weit und breit nichts zu<br />

sehen war. Damals also meinten sie,<br />

es müsse sich etwas ändern! Das NIC<br />

konstatiert, dass die Bereitschaft der<br />

Regierungen zum Handeln so lange<br />

nicht wirklich vorhanden sei, wie sie<br />

nicht durch wahrhaft welterschütternde<br />

Ereignisse dazu gezwungen<br />

werden. Und das nicht nur in der Wirtschaft.<br />

Als Beispiel führte man auch<br />

einen Hurricane an, der New York<br />

trifft, die U-Bahn unter Wasser setzt<br />

und eine vorübergehende Schließung<br />

der Wall Street zur Folge hat. War da<br />

nicht gerade irgend so etwas? War<br />

Hurricane „Sandy“ etwa auch gewollt?<br />

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker<br />

und beschränke mich<br />

daher auf die Fakten. Die HAARP-<br />

Anlage in Alaska ist nachweislich zur<br />

Erzeugung und Lenkung von Stürmen<br />

befähigt und kann auch lokal<br />

Erdbeben auslösen. Während „Sandy“<br />

über New York und New Jersey wütete,<br />

gab es in Zentralalaska ein Erdbeben<br />

der Stärke 4, kaum 80 Kilometer von<br />

HAARP entfernt.<br />

Als Nächstes sagt das Szenario<br />

„Konstante Erneuerung“ bis<br />

Ende 2012 international den<br />

Ausbruch schwerer Unruhen voraus,<br />

bei denen die Menschen gegen Sozialabbau<br />

und steigende Lebenshaltungskosten<br />

protestieren. 14 Tage<br />

nach „Sandy“ so geschehen.<br />

Eine Konsolidierung wird übrigens<br />

noch auf sich warten lassen.<br />

Zunächst erwartet das NIC für die<br />

„mittleren Jahre“ ab 2013 eine Wendezeit,<br />

in der die, offenbar gewollte,<br />

neue globalisierte Weltordnung<br />

durch die „Umstände“ erzwungen<br />

wird. Wir werden sehen.<br />

Betrachtet man den NIC-Report<br />

nicht als Zukunftsprognose, sondern<br />

als Agenda, so kann man also nur sagen:<br />

Alles im Plan. ■<br />

Quellen:<br />

Fosar/Bludorf: Intuitive Logik. Peiting 2010.<br />

Global Scenarios to 2025. National Intelligence Council 2008.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 19


Wissen<br />

In Erlangen erinnert eine Tafel im Straßenpflaster<br />

an die nationalsozialistische<br />

Bücherverbrennung.<br />

„Ein Buch ist eine geladene<br />

Waffe im nächsten Haus.<br />

Verbrenne renne es. Nimm den<br />

Schuss aus der Waffe.<br />

Breche den Willen der<br />

Menschen. Wer weiß, wer<br />

das Ziel des belesenen<br />

umschaut, dem fällt die<br />

Häufigkeit auf, in der unschätzbares<br />

Wissen dem<br />

Feuer des Irrglaubens<br />

oder dem Wahn zum Opfer<br />

fielen. Dabei sind die<br />

Bücherverbrennungen<br />

Mannes sein wird. Ich?“<br />

der<br />

römisch-katholi-<br />

(Fahrenheit 451)<br />

schen Kirche oder von<br />

1933 im nationalsozia-<br />

Schon der Apostel<br />

listischen Deutschland<br />

Paulus sorgte mit<br />

nur die bekanntesten<br />

einer<br />

Bücherver-<br />

Tragik-Momente<br />

der<br />

brennung für Aufsehen und<br />

Zerstörung zumeist alten,<br />

ließ unzählige "magische"<br />

unwiederbringlich<br />

verlo-<br />

Bücher vernichten. Im Mittelrenen<br />

Wissens.<br />

alter wurde Jagd auf "Zauberbücher"<br />

gemacht, und die Bücher-<br />

Tragisch ist, dass dieses brechen an einem der wich-<br />

Ver-<br />

Verbrennung von 1933 in Deutschland<br />

war ein Minimalverlust gegenüber der<br />

tigsten Kulturgüter auch<br />

Vernichtung der Schriften aus der antiken<br />

Bibliothek in Alexandria. Und auch<br />

Orwells "1984" zeigt anschaulich, was<br />

mit nicht regime-konformen Büchern<br />

zu geschehen hatte. Heute hat kaum<br />

mehr ein normaler Haushalt neben<br />

Kochbüchern und Trivialliteratur Werke<br />

von literarischer Wichtigkeit daheim zu<br />

liegen. Das erinnert mich immer an das<br />

Zitat von Heinrich Heine: „Das war ein<br />

Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt,<br />

verbrennt man auch am Ende<br />

Menschen.” ...<br />

Eine Bücherverbrennung ist die<br />

demonstrative Zerstörung von Büchern<br />

oder anderen Schriften durch<br />

Feuer. Meist handelt es sich um moralische,<br />

politische oder religiöse<br />

Gründe, die nicht selten staatlich inszeniert<br />

wurden. Diese Bücher mit<br />

ihrem unrühmlichen Ende wurden<br />

meist als blasphemisch, häretisch,<br />

ketzerisch, unmoralisch, obszön oder<br />

gar aufrührerisch bezeichnet und<br />

meist öffentlich verbrannt. Doch wer<br />

sich in der Menschheitsgeschichte<br />

heute noch geschieht, überall auf der<br />

Welt brennen Bücher, weil sie den<br />

ideologischen Anforderungen manch<br />

eines Regimes oder einer Glaubenslehre<br />

nicht ins Bild passen.<br />

"Bücherhinrichtungen" sind ein<br />

Phänomen, das sich durch die gesamte<br />

Menschheitsgeschichte zieht. Erste<br />

Buchexekutionen sind bereits aus der<br />

Antike bekannt, prägten aber vor allem<br />

die Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts,<br />

die Blütezeit der Bücherhin-<br />

richtungen in Europa. Bereits Kaiser<br />

Die<br />

Auslöschung<br />

der<br />

Erinnerung<br />

Die Zerstörung von Wissen<br />

seit Anbeginn der Zivilisationen<br />

Roland Roth<br />

20<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wissen<br />

"Das war ein Vorspiel nur,<br />

dort wo man Bücher verbrennt,<br />

verbrennt man<br />

auch am Ende Menschen."<br />

Heinrich Heine<br />

Wütende Proteste afghanischer<br />

Muslime gegen eine Koranverbrennung<br />

durch radikale Christen<br />

in den USA. Hier prügelt ein Demonstrant<br />

auf ein brennendes Bild<br />

von Präsident Obama ein.<br />

(Foto: Reuters)<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 21<br />

3000


Wissen<br />

Diokletian ließ in Konstantinopel die<br />

Schriften der Christen verbrennen. Im<br />

Mittelalter bezeichnet Autodafé die<br />

Verbrennung ketzerischer Bücher als<br />

Vollstreckung eines Urteils der Inquisition.<br />

In der Neuzeit bedienten sich<br />

französische Revolutionäre und britische<br />

Truppen in Nordamerika dieses<br />

extremen Mittels ihrer Politik und<br />

brannten Teile der Bibliothèque Nationale<br />

bzw. der Library of Congress<br />

nieder. Die Gründe blieben über Jahrhunderte<br />

die gleichen: Die Aussagen<br />

der Bücher seien politisch untragbar,<br />

falsch, gefährlich, verleumderisch,<br />

obszön oder verderblich. Die Versuche,<br />

unerwünschte Bücher zu verbieten,<br />

gipfelten dabei oft in publikumswirksam<br />

inszenierten öffentlichen<br />

Bücherverbrennungen. In moderner<br />

Zeit werden neben Büchern auch andere<br />

missliebige Publikationsformen<br />

wie Tonbänder, Schallplatten, CDs<br />

oder Videobänder verbrannt.<br />

Der chinesische Kaiser Qin<br />

Shihuangdi griff im Zuge der<br />

Reichseinigung zu absolut rigorosen<br />

Maßnahmen. So wurde die Vielfalt<br />

widerstreitender philosophischer<br />

Schulen abgeschafft und verboten.<br />

Lediglich die staatstragende Philosophie<br />

wurde gebilligt. 213 v. Chr. wur-<br />

den die Bücher aller anderen Schulen<br />

verbrannt.<br />

Bei einer Bücherverbrennung<br />

der Taliban in Kabul wurden<br />

nicht einmal historische<br />

<strong>Ausgabe</strong>n des Koran verschont.<br />

Schon das Neue Testament schildert<br />

eine Bücherverbrennung, mit<br />

der bestimmte Kirchen und Christengruppen<br />

bis zur Gegenwart immer<br />

wieder ihr Vorgehen gegen abweichende<br />

Meinungsdarstellungen verglichen<br />

und begründet haben: „Viele<br />

aber, die Zauberei getrieben hatten,<br />

brachten ihre [Zauber-]Bücher zusammen<br />

und verbrannten sie öffentlich<br />

und berechneten, was sie wert<br />

waren und kamen auf fünfzigtausend<br />

Silberdrachmen”. (Apostelgeschichte<br />

19,19 EU) Diese neutestamentliche<br />

Überlieferung beschreibt das Wirken<br />

des Apostels Paulus in Ephesos, wo<br />

er auf seiner dritten Missionsreise<br />

für zwei Jahre Station machte. Die<br />

Wirkung seines missionarischen Eifers<br />

soll nicht zuletzt darin bestanden<br />

haben, dass bekehrte Magier ihre Bücher<br />

zusammentrugen und verbrannten.<br />

Unschätzbares Wissen –<br />

im Wahnsinn verloren<br />

Schon ab dem 4. Jahrhundert gibt es<br />

Nachweise für die Verbrennung von<br />

„Zauberbüchern“ im Rahmen christlicher<br />

Bekehrung. Von ca. 350 bis ins<br />

Mittelalter hinein gibt es Schilderungen,<br />

dass „Zauberbücher“ aufgesucht<br />

und vernichtet wurden. Zwischen<br />

350–400 konnten Besitzer von „Zauberbüchern“<br />

auch mit dem Tode straft werden. Die<br />

be-<br />

"Res gestae" des<br />

Ammianus Marcellinus<br />

(ca. 330 bis ca.<br />

395) berichten von<br />

der Verfolgung und Hinrichtung von<br />

Personen, denen der Besitz von Büchern<br />

mit verbotenem Inhalt vorgeworfen<br />

wurde. Ihre Codices und Rollen<br />

wurden in großer Zahl öffentlich<br />

verbrannt. Bei den Büchern soll es<br />

sich vor allem um Werke der „artes<br />

liberales“, der klassischen antiken<br />

Wissenschaften, gehandelt haben. Infolgedessen<br />

hätten in den „östlichen<br />

Provinzen“ „aus Furcht vor ähnlichen<br />

Schicksalen die Besitzer ihre ganzen<br />

Bibliotheken verbrannt“. Unschätzbares<br />

Wissen ging in diesem Wahnsinn<br />

verloren.<br />

Um 371-372 (oder 374) befahl<br />

Kaiser Valens eine der größten<br />

Büchervernichtungen. Zum<br />

konfiszierten und vernichteten Material<br />

gehörten dabei mehr Schriften<br />

der Artes liberales und des Rechts<br />

als der Magie, dabei ließ der Kaiser<br />

die Bücher der Verdächtigten in ihren<br />

Häusern aufspüren - ein besonders<br />

schwerer Verstoß gegen römisches<br />

Recht. Die Bücherverbrennung fand<br />

in Verbindung mit der Hinrichtung<br />

vieler angesehener Männer, wie etwa<br />

Philosophen und zahlreiche Querdenker,<br />

statt. Bekannt ist auch die<br />

Zerstörung des Serapeum in Alexandria,<br />

Gelehrtensitz und Bibliothek<br />

vieler Jahrhunderte, das 391 in Flammen<br />

aufging; die größere Bibliothek,<br />

das Museion, erlitt bereits 47 v. Chr.<br />

bei der Eroberung Alexandrias durch<br />

Caesars Soldaten Schäden, die letzte<br />

Bezeugung des Gebäudes ist um 380<br />

datiert.<br />

22<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

Bücherverbrennung durch<br />

radikalislamische Taliban<br />

an der Universität von<br />

Kabul (Afghanistan).


Die Top 10 des verlorenen Wissens<br />

Wissen<br />

10. Die Stradivari-Violine<br />

Die berühmtesten Geigen der Welt<br />

wurden von der Stradivari-Familie<br />

etwa zwischen 1650 und 1750 hergestellt.<br />

Bis heute gilt ihr Klang als<br />

unübertroffen, und wenn ein heutiger<br />

Virtuose auf einer echten Stradivari<br />

spielen will, muss er etliche<br />

hunderttausend Euro hinblättern.<br />

Ein vergleichbares Instrument<br />

könnte heute nicht mehr gebaut<br />

werden. Antonio Stradivari, der<br />

Stammvater der Familie, hatte das<br />

Geheimnis an seine Söhne weitergegeben,<br />

die es dann mit ins Grab<br />

nahmen. Ob das verwendete Holz<br />

oder der Lack entscheidend waren,<br />

darüber streiten die Experten bis<br />

heute.<br />

9. Nepenthe<br />

Hierbei handelt es sich um verlorenes<br />

Wissen aus dem antiken Rom und<br />

Griechenland, ein pflanzliches Antidepressivum,<br />

das „die Sorgen verjagen<br />

konnte“. In vielen Werken der<br />

griechischen Literatur, etwa in Homers<br />

Odyssee, ist die Verwendung<br />

des Medikaments erwähnt. Heute<br />

weiß niemand mehr, woraus es bestand.<br />

8. Der Antikythera-Mechanismus<br />

Der Antikythera-Mechanismus ist<br />

eines der mysteriösesten archäologischen<br />

Artefakte. Im 19. Jahrhundert<br />

wurde er vor der griechischen<br />

Insel Antikythera aus<br />

dem Meer geborgen,<br />

wo er<br />

seit dem<br />

1. oder<br />

2. Jahrhundert<br />

v. Chr.<br />

g e l e g e n<br />

h a t t e .<br />

Niemand<br />

hat bis<br />

heute verstanden,<br />

wozu er<br />

diente, möglicherweise als ein mechanischer<br />

Computer. Es hat bis<br />

zum 14. Jahrhundert n. Chr. gedauert,<br />

bis die Menschheit wieder<br />

einen ähnlichen technischen Stand<br />

erreicht hatte.<br />

7. Das Telharmonium<br />

Das Telharmonium gilt als das erste<br />

elektronische Musikinstrument der<br />

Geschichte. Es wurde 1897 entwickelt<br />

und glich einer großen Orgel, deren<br />

Töne über Kabel an Lautsprecher weitergeleitet<br />

wurden. Mit Hilfe von Tasten<br />

und Pedalen konnte der Musiker auch<br />

die Klänge anderer Instrumente nachahmen.<br />

Doch das Gerät erwies sich<br />

als seiner Zeit zu weit voraus. Nach<br />

anfänglichem Interesse verschwand<br />

das Telharmonium wieder in der Versenkung.<br />

Heute existieren nicht einmal<br />

mehr Tonaufnahmen von ihm.<br />

6. Die Bibliothek von Alexandria<br />

Gegründet um 300 v. Chr., beherbergte<br />

die Bibliothek praktisch die Gesamtheit<br />

des damaligen Wissens. Die Größe der<br />

Sammlung ist unbekannt, man schätzt<br />

sie auf eine Million Schriftrollen. Durch<br />

mehrere Brände im ersten und zweiten<br />

Jahrhundert n. Chr. wurde die Bibliothek<br />

vollständig vernichtet.<br />

5. Damaszener Stahl<br />

Stahlklingen aus Damaskus waren ein<br />

unüberwindlich stabiles Metall, das im<br />

Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert im<br />

Nahen Osten sehr verbreitet war. Mit<br />

einem Damaszener Säbel konnte man,<br />

so hieß es, Felsen spalten. Die Technologie,<br />

den Stahl auf Damaszener Art<br />

herzustellen, geriet irgendwann um<br />

1750 in Vergessenheit. Eventuell benö-<br />

tigte man eine spezielle Art von Eisenerz,<br />

das nicht mehr gefunden wurde.<br />

Heutige Wissenschaftler und Techniker<br />

sind nicht mehr in der Lage, gen herzustellen, die den Damaszener<br />

Stahlklin-<br />

Klingen vergleichbar wären.<br />

4. Apollo-Gemini-Raumfahrtprogramm<br />

Sie schafften es angeblich<br />

bis zum Mond und<br />

zurück, doch geblieben<br />

sind davon nur Erinnerungen.<br />

Noch immer<br />

stehen zwei alte Saturn-<br />

V-Raketen herum, und<br />

einige Teile der Raumkapseln<br />

sind auch noch<br />

vorhanden. Doch kein<br />

heutiger Wissenschaftler weiß mehr,<br />

wie man die damaligen Raketen und<br />

Raumschiffe daraus bauen könnte.<br />

Der Stress des Wettlaufs zwischen<br />

NASA und UdSSR führte dazu, dass<br />

über die damaligen Forschungen unzureichend<br />

Buch geführt wurde. Viele<br />

elektronische Datenträger der damaligen<br />

Zeit sind heute nicht mehr lesbar.<br />

3. Silphium<br />

Diesen Namen trug eine pflanzliche<br />

Wunderdroge der alten Römer, die vor<br />

allem zur Geburtenkontrolle verwendet<br />

wurde. Sie wurde aus der Blüte eines<br />

Krauts hergestellt, das an einem bestimmten<br />

Küstenabschnitt des heutigen<br />

Libyen wuchs. Das Medikament half angeblich<br />

auch gegen Warzen, Fieber, Verdauungsstörungen<br />

u. a. Frauen wurden<br />

nicht schwanger, wenn sie nur alle paar<br />

Wochen einmal Silphiumsaft tranken.<br />

Um welche Pflanze es sich handelte, ist<br />

nicht mehr feststellbar, obwohl es sogar<br />

bildliche Darstellungen gibt. Möglicherweise<br />

wurde das Kraut so extensiv ge-<br />

nutzt, daß es damals ausgestorben ist.<br />

2. Römischer Zement<br />

Heutige Rezepte für Mörtel und Zement<br />

gehen auf das 18. Jahrhundert zurück,<br />

aber bereits in der Antike wurde von<br />

Persern, Ägyptern, Assyrern und Römern<br />

ebenfalls Zement benutzt. Ihre<br />

Gebäude haben sich teilweise bis heute<br />

erhalten, was man von heutigen Häusern<br />

nicht erwarten kann. Als Europa<br />

nach der Völkerwanderung für einige<br />

hundert Jahre in ein „dunkles Zeitalter“<br />

eintrat, ging das Rezept verloren.<br />

1.Griechisches Feuer<br />

Hierbei handelte es sich um eine gefürchtete<br />

Kriegswaffe der Antike. In Byzanz<br />

wurde es bis ins 11. Jahrhundert<br />

verwendet. Man beschoss die Feinde<br />

damit wie mit Molotow-Cocktails, es gab<br />

aber auch schon mechanische Flammenwerfer.<br />

Das moderne Gegenstück,<br />

Napalm, wurde erst in den Vierziger Jahren<br />

des 20. Jahrhunderts entwickelt. Die<br />

antike Rezeptur ist verlorengegangen.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 23


Wissen<br />

Gustave Doré: "Paulus<br />

in Ephesus" (um 1866).<br />

Magier verbrennen nach<br />

ihrer Bekehrung durch den<br />

Apostel Paulus in Ephesus<br />

ihre heidnischen Bücher.<br />

Kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 verbrennen nationalsozialistische<br />

Studenten in 70 deutschen Städten Bücher unliebsamer<br />

Autoren, darunter Werke von Kurt Tucholsky, Heinrich Mann, Erich<br />

Kästner, Sigmund Freud und Erich Maria Remarque.<br />

Ende des 5. Jahrhunderts fanden<br />

Studenten in Beirut bei einem „Johannes<br />

mit dem Beinamen ‚Walker‘<br />

aus dem ägyptischen Theben“ im<br />

Zuge einer Hausdurchsuchung Zauberbücher.<br />

Nachdem er sie verbrannt<br />

hatte, wurde er gezwungen, die Namen<br />

von anderen Besitzern anzugeben.<br />

Daraufhin begannen die Studenten<br />

„unterstützt vom Bischof und der<br />

weltlichen Obrigkeit“, eine größere<br />

Suchaktion. Sie fanden bei anderen<br />

Studenten und einigen namhaften<br />

Personen derartige Bücher und verbrannten<br />

sie vor der Kirche.<br />

Bekannt ist auch die Legende aus<br />

dem 13. Jahrhundert, der zufolge die<br />

Bücher des Museion in Alexandria<br />

vom muslimischen Eroberer Emir<br />

Amr ibn al-As auf Befehl des Kalifen<br />

aus Konstantinopel verbrannt und<br />

sechs Monate lang die 4000 Bäder<br />

von Alexandria damit geheizt worden<br />

seien.<br />

Im Jahre 1256 ordnete der Mongolen-Khan<br />

Hülägü die Verbrennung<br />

der großen Bibliothek an,<br />

welche die Assassinen auf Alamut<br />

zusammengestellt hatten. Lediglich<br />

alle Koran-Handschriften und wissenschaftlichen<br />

Werke wurden zuvor<br />

aussortiert. Am 12. Juli 1561 ließ der<br />

Bischof von Yucatán, Diego de Landa,<br />

vor dem Franziskanerkonvent in<br />

Mani alle Götzen und Objekte, von<br />

denen er meinte, dass sie den Maya<br />

zur Teufelsanbetung dienten, auf einem<br />

Scheiterhaufen verbrennen. So<br />

wurden auch sehr viele Bücher der<br />

Maya ein Opfer der Flammen. Nur vier<br />

Codices überlebten die Vernichtung<br />

und geben uns heute einen kleinen<br />

Einblick in die Lebenswelt der Maya.<br />

Welche phantastischen „Götzen“ und<br />

„Objekte“ da auch immer verbrannt<br />

wurden, sie waren unwiederbringliche<br />

Zeugnisse einer großen Kultur.<br />

Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert<br />

Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg<br />

eintraten, wurden in mehreren<br />

Bundesstaaten unter dem Absingen<br />

patriotischer Lieder wahllos aus den<br />

Bücherregalen herausgegriffene<br />

deutsche Bücher verbrannt.<br />

1975 kamen in Kambodscha die<br />

Roten Khmer an die Macht, deren<br />

Führer Pol Pot auf kommunistischer<br />

Basis eine reine Agrargesellschaft<br />

schaffen wollte, in der jeglicher Intellekt<br />

verboten war. Geld wurde abgeschafft,<br />

Bücher wurden verbrannt,<br />

Lehrer, Händler und beinahe die gesamte<br />

intellektuelle Elite des Landes<br />

wurde ermordet, um den Agrarkommunismus<br />

zu verwirklichen. Ein unsagbares<br />

Verbrechen geschah auch<br />

im Mai 1981, als die Jaffna Public<br />

Library in Sri Lanka gestürmt und<br />

niedergebrannt wurde, wobei mehr<br />

als 97.000 Bücher den Flammen zum<br />

Opfer fielen. Dabei wurden auch viele<br />

alte Palmblatt-Manuskripte vernichtet.<br />

Die 1987 gegründete Nasir-i<br />

Khuschra Stiftung in Kabul,<br />

Afghanistan, beinhaltete einen<br />

großen Schatz an Museumsgütern<br />

und Büchern in Arabisch, Englisch<br />

und Paschtu. Die persische Sammlung<br />

war einmalig und enthielt unter<br />

anderem eine frühe <strong>Ausgabe</strong> von Firdausi<br />

Schahname, die ismaelitische<br />

Sammlung der Werke von Hasan-i<br />

Sabbah, Nasir-i Khuschra und Siegel<br />

des ersten Aga Khan. Am 12. August<br />

1998 zerstörten die Taliban Druckerei,<br />

Museum und Bücherei und verschonten<br />

nicht einen Buchband, nicht<br />

einmal eine tausendjährige <strong>Ausgabe</strong><br />

des Korans.<br />

Die erste Bücherverbrennung<br />

des 21. Jahrhunderts<br />

Die wahrscheinlich erste Bücherverbrennung<br />

des 21. Jahrhunderts<br />

ist fast schon als lächerlich zu be-<br />

24<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wissen<br />

zeichnen, wenn der Grund nicht so<br />

unbarmherzig verdeutlicht, wie verblendet<br />

Menschen auch in unserer<br />

modernen Welt sind. Diese Farce<br />

betraf J. K. Rowlings „Harry Potter“.<br />

Pastor George Bender und Mitglieder<br />

der US-amerikanischen christlichen<br />

„Harvest Assembly of God“-Kirche<br />

in Pittsburgh verbrannten während<br />

eines „book burning“-Gottesdienstes<br />

im März 2001 Harry-Potter-Bücher<br />

mit der Begründung, der neue Held<br />

unzähliger Leser verherrliche Zauberei<br />

und Hexentum. Ebenfalls auf<br />

dem Scheiterhaufen landeten CDs<br />

und Videos von Foreigner, AC/DC,<br />

Bruce Springsteen, Pearl Jam, Iron<br />

Maiden und Black Sabbath sowie die<br />

Walt-Disney-Videos „Herkules“ und<br />

„Pinocchio“. Weitere Verbrennungen<br />

fanden in Alamogordo (New Mexico),<br />

Charleston (South Carolina) und Cedar<br />

Rapids (Iowa) statt.<br />

Ebenso unfassbar ist eine Aktion<br />

am 21. Mai 2006, wo zwei Politiker<br />

in Ceccano (Italien) ein<br />

Exemplar des Buches „Sakrileg“ von<br />

Dan Brown verbrannten. Einer der<br />

beiden, Stefano Gizzi, begründete sein<br />

Handeln damit, „Jesus verteidigen“<br />

zu wollen. Der Auslöser für die Verbrennung<br />

war die Tatsache, dass in<br />

dem Buch „Sakrileg“ die These aufgestellt<br />

wird, dass Jesus und Maria<br />

Magdalena ein Ehepaar waren und<br />

gemeinsame Kinder hatten.<br />

Bücherzimmer zugemauert<br />

Bücherverbrennungen waren auch oft<br />

Thema in der Literatur und im Film.<br />

In George Orwells Roman "1984" werden<br />

nicht regime-konforme Werke<br />

eingeäschert und die Verbrennung<br />

„aller Bücher vor 1960" propagiert.<br />

Wenn man von Bücherverbrennung<br />

spricht, sollte man auch "Fahrenheit<br />

451“ erwähnen. Der Roman von Ray<br />

Bradbury erschien erstmals 1953 im<br />

Verlag Ballantine Books (heute Random<br />

House) und wurde seitdem in<br />

zahlreiche Sprachen übersetzt. Er<br />

basiert auf der Kurzgeschichte The<br />

Fire Man von Bradbury, die in Galaxy<br />

Science Fiction (Vol. 1, No. 5, Feb.<br />

1951) erschien. Fahrenheit 451 spielt<br />

in einem Staat, in dem es als schweres<br />

Verbrechen gilt, Bücher zu besitzen<br />

oder zu lesen. Die Gesellschaft<br />

wird vom politischen System abhängig,<br />

anonym und unmündig gehalten.<br />

Drogen und Videowände lassen keine<br />

Langeweile aufkommen. Selbstständiges<br />

Denken gilt als gefährlich, da es<br />

zu anti-sozialem Verhalten führe und<br />

so die Gesellschaft destabilisiere. Bücher<br />

gelten als Hauptgründe für ein<br />

nicht systemkonformes Denken und<br />

Handeln. 1966 wurde Fahrenheit 451<br />

durch den Regisseur François Truffaut<br />

verfilmt.<br />

In Don Quixote von Miguel de Cervantes<br />

verbrennen der Pfarrer und<br />

der Barbier Nikolas einen großen Teil<br />

der Bücher Don Quixotes, da ihn diese<br />

um seinen Realitätssinn gebracht haben.<br />

Als zusätzliche Maßnahme wird<br />

das Bücherzimmer zugemauert.<br />

Wird die Menschheit jemals<br />

aufhören, unschätzbare Vermächtnisse<br />

alter Kulturen<br />

zu verbrennen, zu zerstören oder<br />

der Vergessenheit zu überlassen?<br />

Viele Hinweise auf uralte Kulturen<br />

und verschollene Zivilisationen sind<br />

durch das aggressive Wirken von<br />

nachfolgenden Generationen unwiederbringlich<br />

zerstört worden. So<br />

ist es denn auch kein Wunder, dass<br />

nach Zeitspannen, die Jahrtausende<br />

zurückliegen, kaum noch Spuren etwaiger<br />

Kulturen auffindbar sind, die<br />

möglicherweise die ursprünglichen<br />

Lehrmeister der nachkommenden<br />

Menschengeschlechter waren. Haben<br />

sich einzelne Überlebende großer Katastrophen<br />

eine neue Heimat gesucht<br />

und primitive Eingeborenenstämme<br />

angeleitet, um abermals eine neue<br />

Zivilisation zu begründen? Sind so<br />

die „Wissens-Explosionen“ mancher<br />

Kulturen zu erklären, die bis zu einem<br />

Tag X lediglich Jäger, Sammler oder<br />

Bauern waren, bis eines Tages Lehrmeister<br />

von fernen Gefilden eintrafen,<br />

die den Menschen das notwendige<br />

Wissen brachten, um eine Zivilisation<br />

aufzubauen, wie wir sie heute vorfinden?<br />

Und wie oft ist dies im Verlaufe<br />

der Erdgeschichte schon gesche-<br />

hen? ■<br />

Roland Roth ist freier Schriftsteller und Journalist. Er<br />

befaßt sich seit seiner Jugend mit<br />

den Rätseln der Welt. Sein Interesse<br />

legt er dabei auf Existenz und Ethik<br />

extraterrestrischer Zivilisationen<br />

und der Zukunft der Menschheit im<br />

Kosmos. Er ist Autor zahlreicher<br />

Bücher. Beiträge in Anthologien und<br />

Zeitschriften aus dem In- und Ausland.<br />

Zuletzt Autor des Buches "Technogötter". Roland Roth<br />

ist Herausgeber des interdisziplinären Special-Interest-<br />

Magazins Q`PHAZE – Realität anders!<br />

Informationen: qphaze.alien.de,<br />

E-Mail : roth-verlag@web.de<br />

Die Harvest Assembly of God Kirche<br />

veranstaltete 2001 in Pittsburgh<br />

(Pennsylvania, USA) eine öffentliche<br />

Verbrennung von Büchern, die sie für<br />

"heidnisch" hielt, darunter auch die<br />

"Harry-Potter"-Romane.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 25


Quantessenz<br />

Bild: dpa<br />

Wird die Menschheit immer<br />

dümmer?<br />

Das Wissen der Menschheit verdoppelt<br />

sich derzeit etwa alle fünf Jahre.<br />

Also – so würde man denken, werden<br />

wir immer intelligenter. Doch einer<br />

Studie der Stanford-Universität zufolge<br />

scheint gerade das Gegenteil<br />

der Fall zu sein. Die Menschheit wird<br />

zunehmend dümmer, und entgegen<br />

landläufigen Vorurteilen ist nicht das<br />

Privatfernsehen daran schuld, sondern<br />

– der technische Fortschritt!<br />

Menschliche Intelligenz entstand in<br />

der Frühzeit der Evolution vor Hunderttausenden<br />

von Jahren. Der frühe<br />

Mensch, der weder besonders wehrhaft<br />

noch besonders schnell auf den<br />

Beinen war, musste damals Intelligenz<br />

entwickeln, um zu überleben.<br />

Wer zu dumm war, hatte nicht viele<br />

Chancen, Kinder zu zeugen und so seine<br />

Gene weiterzureichen, da er meist<br />

„Kabel-Bakterien“ im Schlamm des<br />

Meeresgrundes. Bild: Mingdong Dong,<br />

Jie Song and Nils Risgaard-Petersen,<br />

Universität Aarhus<br />

vorher gefressen wurde.<br />

Heutzutage hingegen<br />

wird Intelligenz, auch<br />

wenn es ketzerisch<br />

klingt, nicht mehr so<br />

dringend gebraucht. In<br />

unserer technischen<br />

Fortschrittsgesellschaft<br />

werden viele<br />

Aufgaben, die hohe<br />

Intelligenz erfordern, mittlerweile<br />

von Computern übernommen. Auch<br />

der Dümmste kann in modernen<br />

Sozialsystemen überleben und sich<br />

vermehren. Dies gilt übrigens nicht<br />

erst seit heute. Dem Evolutionsdruck<br />

der „freien Wildbahn“ ist der Mensch<br />

schon seit langem entwachsen. Nach<br />

Ansicht der Stanford-Wissenschaftler<br />

lag der Höhepunkt der Entwicklung<br />

menschlicher Intelligenz daher<br />

vor etwa 500.000 bis 50.000 Jahren.<br />

Danach kam die der Prozess zum<br />

Stillstand, und die Intelligenz begann<br />

ganz allmählich zu verkümmern. Ein<br />

gewöhnlicher Durchschnittsbürger<br />

aus dem antiken Athen – würde er<br />

heute leben – würde vermutlich bei<br />

uns zur geistigen Elite gehören. Er<br />

müsste sich zwar unser modernes<br />

Wissen erst anlesen, seine Fähigkeit<br />

zum Lernen wäre aber höher als<br />

heute.<br />

Stromfressende Bakterien<br />

Eine Forschergruppe um den Biologen<br />

Lars-Peter Nielsen von der Universität<br />

Aarhus sorgte kürzlich für<br />

eine wissenschaftliche Sensation. Auf<br />

dem Meeresgrund der Nordsee, in<br />

der Nähe der dänischen Küste, fanden<br />

sie ungewöhnliche Bakterien, die<br />

in der Lage sind, elektrischen Strom<br />

zu leiten. Bereits vor drei Jahren hatten<br />

die Forscher beobachtet, dass im<br />

Schlamm am Grund des Skagerrak<br />

ein elektrischer Strom mit niedriger<br />

Stromstärke fließt. Lange Zeit hatte<br />

die Wissenschaft keine Erklärung,<br />

was die Ursache für diesen Strom<br />

sein könnte. Jetzt wurde der „Produzent“<br />

identifiziert: Eine bislang unbekannte<br />

Gattung mehrzelliger Bakterien<br />

der Gattung Desulfobulbus, die<br />

lange dünne Fadenstrukturen bis zu<br />

einem Zentimeter Länge bilden. Diese<br />

Kabel-Bakterien, wie sie umgangssprachlich<br />

auch genannt werden, leiten<br />

Elektronen von einem Ende ihres<br />

Körpers zum anderen. Die Bakterien<br />

ernähren sich von diesem Strom,<br />

und bei dieser Gelegenheit fungieren<br />

sie als lebende elektrische Kabel. Es<br />

zeigte sich, dass diese Bakterienart<br />

weltweit vorkommt, und zwar überall<br />

im Küstenbereich der Meere.<br />

In der Zukunft erhofft man sich davon<br />

nicht nur, den von den Bakterien<br />

transportierten Strom anzapfen zu<br />

können, sondern auch neue Erkenntnisse<br />

über bioelektronische Technologien,<br />

mit denen man diese Organismen<br />

imitieren könnte.<br />

Basis für Nanoimplantate – und<br />

zum Abhören von Menschen!<br />

Es ist der futuristische Baustoff<br />

schlechthin – Graphen. Es entsteht aus<br />

modifiziertem Kohlenstoff, dessen Atome<br />

ein bienenwabenförmiges Sechseckmuster<br />

bilden. Graphen läßt sich in<br />

dünnen Schichten herstellen, die nur<br />

die Dicke eines Atoms haben und daher<br />

für Nanotechnologie geeignet sind.<br />

Dabei ist Graphen 126 Mal zugfester<br />

als Stahl, fast so hart wie ein Diamant,<br />

elastisch wie normales Graphit und<br />

hundert Mal leitfähiger als Silikon. Es<br />

eignet sich damit z. B. hervorragend<br />

zum Bau von Nanochips, die auch für<br />

den Einsatz im menschlichen Körper<br />

geeignet sind.<br />

Hauptproblem bei solchen Technologien<br />

ist immer die Energieversorgung.<br />

Gerade bei Implantaten im menschlichen<br />

Körper erweist es sich als aufwendig<br />

und störend, wenn ständig eine<br />

Batterie gewechselt werden muss. Im<br />

Fall von Nanoimplantaten wäre nicht<br />

einmal dies möglich. Nanochips können<br />

im Grunde nur dann funktionieren,<br />

wenn sie sich aus ihrer Umgebung<br />

selbst mit Strom versorgen können.<br />

Forschern der Stanford-Universität<br />

ist jetzt ein Durchbruch gelungen. Sie<br />

konnten erstmals Graphenschichten<br />

herstellen, die piezoelektrisch sind.<br />

Das bedeutet, sie sind in der Lage,<br />

mechanischen Druck in Elektrizität<br />

umzuwandeln. Umgekehrt verformt<br />

sich das Material, wenn man es unter<br />

elektrische Spannung setzt. Diesen Effekt<br />

kennt man bislang hauptsächlich<br />

von Kristallen. Bei den früheren Plattenspielern<br />

z. B. setzte ein im Tonarm<br />

angebrachter Diamant oder Saphir die<br />

Unebenheiten in den Rillen der Schallplatte<br />

in elektrische Impulse um, die<br />

wir dann als Musik hören konnten.<br />

Nanochips aus piezoelektrischem<br />

Graphen könnten z. B. in menschliche<br />

Zähne implantiert werden, zu welchem<br />

Zweck auch immer. Sie würden dort<br />

durch die Kaubewegungen beim Essen<br />

ihre Batterien aufladen können. Es sind<br />

auch noch viele andere Anwendungen<br />

derartiger Nanotechnologien denkbar.<br />

Einige sind durchaus beängstigend…<br />

Bild: Universität Manchester<br />

(Bild: The Independent)<br />

26<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Quantessenz<br />

Foto: The Hindu<br />

Das Stonehenge Indiens?<br />

Thomas Ritter<br />

Diese einzigartige Formation<br />

aus ovalen, aufrecht stehenden<br />

Monolithen war möglicherweise<br />

ein heiliger Platz. Sie erinnert an<br />

vergleichbare Plätze in Europa oder<br />

Afrika und wurde durch den Hobby-<br />

Archäologen K. Venkateswara Rao<br />

kürzlich in den Felsenhügeln nahe<br />

des Dorfes Chittivilasa im Distrikt Srikakulam,<br />

Indien, aufgefunden.<br />

Die Formation besteht aus kreisförmig<br />

angeordneten Monolithen von<br />

jeweils rund 8 m Höhe. Der Durchmesser<br />

dieser Steinringes beträgt<br />

ganze 28 m. Fein ausgearbeitete<br />

Halterungen und Balkenlager beweisen,<br />

dass dieser Ort einst überdacht<br />

war und entweder als Wohnstätte<br />

oder wahrscheinlicher als Heiliger<br />

Platz für die Verehrung prähinduistischer<br />

Gottheiten genutzt wurde.<br />

Eine prähistorische Hütte mit einem<br />

Durchmesser von 3,05 m, die einst<br />

im Steinkreis stand, konnte laut Rao<br />

bereits rekonstruiert werden. Die<br />

gut erhaltenen Monolithen werden<br />

noch heute als „Pandavulapancha“,<br />

„Pandavuladoddi“ oder „Demudurallu“<br />

– die „Steine der Götter“ bezeichnet.<br />

Lokale Legenden berichten, dass<br />

die Pandavas während ihres Exils eine<br />

Zeit lang hier verborgen unter dem<br />

Schutz der Götter gelebt haben sollen.<br />

Bei den Pandavas handelt es sich<br />

um die Protagonisten des indischen<br />

Nationalepos „Mahabharatha“ - fünf<br />

Brüder, welche für das Gute stehen<br />

und von ihren neidischen Vettern um<br />

Thron und Reich gebracht wurden.<br />

Ihre Abenteuer, um das rechtmäßige<br />

Erbe wieder zu erringen, schildert das<br />

Mahabharatha.<br />

Panchavulapancha – die „Betten<br />

der fünf Brüder“, so wird der<br />

Ort von den Einheimischen genannt.<br />

Tatsächlich befindet sich in der<br />

Formation eine natürliche Felshöhle,<br />

aus deren Boden fünf steinerne Liegeflächen<br />

herausgearbeitet worden<br />

sind. Diese „Betten“ wurden exakt<br />

nord-südlich ausgerichtet. In späteren<br />

Zeiten nutzten Einsiedler der<br />

Jain-Religion diese Höhle für Meditationen<br />

und nahmen einige Veränderungen<br />

im Interieur vor. Vor allem<br />

meißelten sie um die steinernen Liegeflächen<br />

Abflusskanäle aus dem<br />

Boden, um diese vor eindringendem<br />

Regenwasser zu schützen. Steinerne<br />

Betten der gleichen Art finden sich<br />

auch in den Jain-Höhlen von Udayagiri<br />

und Kandhagiri in der Nähe von<br />

Bubaneshewar in Odisha. Herr Rao ist<br />

der Ansicht, dass die Jains hier im Distrikt<br />

Srikakulam eine prähistorische<br />

heilige Stätte für ihre Zwecke nutzten,<br />

welche nur 280 km von den Jain-Höhlen<br />

in Udayagiri entfernt liegt.<br />

Die Idee des Hobbyarchäologen,<br />

seine Entdeckung mit den Druiden,<br />

den Priestern des keltischen Kultes,<br />

in Verbindung zu bringen, entbehrt<br />

nicht eines gewissen Humors. Dennoch<br />

wird diese These in Indien von<br />

einigen Enthusiasten ernsthaft erwogen,<br />

obwohl auch hier die meisten<br />

Forscher längst zu der Überzeugung<br />

gelangt sind, dass die Druiden eben<br />

nicht die Erbauer monolithischer Anlagen<br />

waren. Diese weitgehend unbekannten<br />

und unerforschten Baumeister,<br />

welche in Europa, Afrika, aber<br />

auch in Amerika und Asien gewaltige<br />

Steinsetzungen schufen, werden heute<br />

als „Megalithiker“ bezeichnet. Nun<br />

sagt dieser Begriff lediglich aus, dass<br />

die Erbauer solcher Stätten gut mit<br />

großen Steinen umzugehen wussten.<br />

Möglicherweise handelt es sich<br />

bei dem weltweit anzutreffenden Kult<br />

der aufrecht stehenden Steine um die<br />

Hinterlassenschaft einer einstigen,<br />

weltumspannenden Hochkultur aus<br />

fernen Tagen. Auch in Indien sind die<br />

Legenden um den sagenhaften Kontinent<br />

Mu im Pazifik und das nicht minder<br />

legendäre Lemurien im indischen<br />

Ozean bis heute lebendig.<br />

Venkateswara Rao fand jedoch<br />

auch Spuren des Hindusimus in<br />

seinem „indischen Stonehenge“.<br />

Bruchstücke sogenannter Shiva Lingams<br />

verrieten, dass hier einstmals<br />

Shiva, einer der drei Hauptgottheiten<br />

der Hindus, verehrt wurde. Die Steinformation<br />

von Chittivilasa dürfte somit<br />

über Jahrtausende hinweg ein heiliger<br />

Platz für verschiedene Religionen<br />

gewesen sein.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 27


Wissen<br />

Smart<br />

Grazyna Fosar<br />

ist das<br />

neue Sexy<br />

Die exzentrische Welt der Nerds<br />

und Wissenschaftsgenies<br />

28 MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wissen<br />

„Zwei Dinge sind<br />

unendlich: das<br />

<strong>Universum</strong> und<br />

die menschliche<br />

Dummheit.“<br />

Albert Einstein<br />

Ein neuer Trend ist auf dem Vormarsch.<br />

Er heißt „Smart sein“.<br />

Bücherregale voller Bücher sind<br />

nicht mehr so selten wie noch<br />

vor einigen Jahren, und auch<br />

der elektronische Wissensaustausch<br />

kann vernünftige Resultate<br />

bringen. Der Hauptslogan der<br />

US-Comedyserie „The Big Bang<br />

Theory“ macht es noch deutlicher:<br />

„Smart ist das neue Sexy“. Nicht<br />

nur Nerds sind in Mode gekommen,<br />

auch ihre Accessoires, ihre<br />

Art des Denkens und teilweise<br />

auch etwas von ihrem Lebensstil.<br />

Falls Sie noch nicht wissen, was<br />

ein Nerd ist – nach dem Lesen dieses<br />

Artikels werden Sie vielleicht<br />

mehr darüber wissen, als Ihnen<br />

lieb ist! ϑ<br />

Natürlich bedeutet „smart sein“<br />

noch lange keine Genialität, aber<br />

es stimmt ausgesprochen optimistisch,<br />

dass Wissen … jetzt wieder<br />

nicht mehr schadet, wie es lange<br />

Zeit während der letzten ca. 20<br />

Jahre zu beobachten war. Intelligenz<br />

wurde zur neuesten erogenen<br />

Zone.ϑ<br />

Je mehr Menschen versuchen,<br />

sich dem Stil „smart zu sein“ anzupassen,<br />

desto mehr gibt sich die<br />

Wissenschaft Mühe, den Begriff<br />

Genialität zu untersuchen und zu<br />

begreifen. Wie es scheint – bis<br />

jetzt ohne Erfolg.<br />

Es gibt Hypothesen, die mehrere<br />

Faktoren als Vorbedingungen für<br />

Genialität erwähnen. Zuerst wäre<br />

angeblich ein Chaos im Kopf unbedingt<br />

notwendig, auch ein gewisses<br />

Maß an kindlicher Offenheit<br />

für neue Lösungskonzepte, eine<br />

gute Fähigkeit zum Kombinieren,<br />

Neugier, Freiheit des Denkens,<br />

auch Möglichkeiten, um neue,<br />

scheinbar sinnlose Informationen<br />

in sinnvollen Zusammenhängen<br />

zu sehen.<br />

Insbesondere Einstein (Nerds<br />

würden verlangen: „Etwas präziser:<br />

Albert“) verdanken wir das<br />

wunderbare Zitat: „Zwei Dinge<br />

sind unendlich: das <strong>Universum</strong><br />

und die menschliche Dummheit“.<br />

Leonard Euler<br />

GENIES IM FANTASYLAND<br />

Viele bekannte oder sogar berühmte<br />

Genies, die wichtige Entdeckungen<br />

gemacht haben und bis heute als<br />

entscheidende und wichtige Persönlichkeiten<br />

unserer Geschichte und in<br />

der Wissenschaft gelten, waren neben<br />

ihrer Genialität ausgeprägte Exzentriker,<br />

Träumer oder sogar unvernünftige<br />

Enthusiasten in Gebieten, die eher<br />

an Fantasyland erinnern. Und was für<br />

eine Fantasy! Wenn ein Genie schon<br />

etwas Abgefahrenes ausheckt, dann<br />

aber bitte mit Stil! Schauen wir uns<br />

die rasanten Ideen an, die die wahren<br />

Entdeckungen dieser Genies an Originalität<br />

bei weitem übertroffen haben.<br />

Auch ihr Sinn für Humor und exzentrisches<br />

Benehmen sind bis heute bekannt.<br />

Leonhard Euler (1707 – 1783)<br />

Leonhard Euler war einer der größten<br />

Mathematiker der Wissenschaftsgeschichte.<br />

Er gilt als einer der Begründer<br />

der Analysis, wir verdanken ihm<br />

aber auch eine Reihe bis heute gebräuchlicher<br />

mathematischer Symbole,<br />

darunter e für die Basis der natürlichen<br />

Logarithmen (bis heute auch<br />

als „Eulersche Zahl“ bezeichnet) oder<br />

π für die Kreiszahl. ☺<br />

Euler hat allerdings seine eigenen<br />

wichtigen mathematischen<br />

Werke etwas originell interpretiert,<br />

um es höflich auszudrücken.<br />

Seiner Meinung nach waren Integrale,<br />

Differentiale und mathemati-<br />

Links: Historischer Nerd und<br />

moderner Nerd - Wissenschaftslegende<br />

Albert Einstein und Abby<br />

Sciuto - Forensikwissenschaftlerin<br />

und Gothic Girl aus der Kultserie<br />

"Navy CIS". Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 29


)<br />

Wissen<br />

Charles Darwin<br />

"Besser,<br />

als einen Hund zu haben"<br />

(Charles Darwin über die Ehe)<br />

sche Funktionen niedergeschriebene<br />

Gedanken Gottes. Er bemühte sich<br />

lebenslang, mit Hilfe algebraischer<br />

Gleichungen den Beweis zu erbringen,<br />

dass Gott existiert. Man sagt bis<br />

heute, dass der geniale Mathematiker<br />

tatsächlich solche Gleichungen kreiert<br />

habe, doch er hat sich entschieden,<br />

sie nur für sich zu behalten. So<br />

sind uns diese Erkenntnisse bis heute<br />

unbekannt. ☺<br />

Edmond Halley (1656 – 1742)<br />

Der bedeutende britische Astronom<br />

ist heute vor allem bekannt als Entdecker<br />

des bekanntesten Kometen<br />

der Welt, der seinen Namen trägt.<br />

Halley war auch ein enger Freund des<br />

großen Isaac Newton. Gemeinsam<br />

haben sie vermutlich beobachtet, wie<br />

die Äpfel von den Bäumen fallen. ☺<br />

Etwas weniger offiziell hat sich<br />

Edmond Halley allerdings mehr<br />

für die Erde als für den Kosmos<br />

interessiert. Er entdeckte u. a., dass<br />

der Nordpol der Erde seine Lage ändert.<br />

Was die Erde als Ganzes betrifft,<br />

so hatte er eine phantastische Theorie:<br />

Die Erde besteht seiner Meinung<br />

nach aus drei inneren Planeten, die<br />

ineinander verschachtelt sind, so wie<br />

die Puppen einer russischen Matrjoschka.<br />

Auf jeder dieser Kugeln<br />

existiert Leben, so wie wir es von unserer<br />

Version der Erde kennen. Die<br />

inneren Welten wären ungefähr so<br />

groß wie Merkur, Venus und Mars.<br />

Die Aurora Borealis (das Polarlicht)<br />

war in diesem Modell Licht, das sich<br />

aus dem Erdinnern aufsteigend am<br />

Nordpol zeigt. Die inneren Welten<br />

waren für Halley nämlich mit eigenem<br />

Licht versorgt. Diese bizarre Hypothese<br />

des Aufbaus unseres Planeten<br />

stellte Halley im Jahre 1692 auf dem<br />

Treffen der Royal Society vor. Er hatte<br />

zwar keine Beweise für seine phantastische<br />

Theorie, doch sein wissenschaftliches<br />

Renommee war so groß,<br />

dass niemand es wagte, seine Autorität<br />

in Frage zu stellen. Im Gegenteil.<br />

Der bekannte schottische Physiker<br />

und Mathematiker John Leslie (1766<br />

– 1832) griff Halleys Hypothese Jahrzehnte<br />

später auf und erweiterte sie<br />

noch: Für die Beleuchtung der inneren<br />

Erden sorgten seiner Meinung nach<br />

zwei Sonnen mit Namen Pluton und<br />

Proserpina. Hohle-Welt-Hypothesen<br />

hielten sich noch bis ins 20. Jahrhundert<br />

und sind auch heute noch nicht<br />

ausgestorben.<br />

William Herschel (1<strong>73</strong>8 – 1822)<br />

William Herschel war ein weiterer bedeutender<br />

Astronom. Ihm verdankt die<br />

Menschheit die Entdeckung des Planeten<br />

Uranus und seiner zwei Monde.<br />

Als erster führte er eine Klassifizierung<br />

von Galaxien ein. Später gelang<br />

ihm auch erstmals der Nachweis der<br />

Infrarotstrahlung. ☺<br />

Herschel war überzeugt, dass<br />

sowohl die Planeten als auch<br />

die Sonne bevölkert sind. Die<br />

größeren dunklen Flecken auf der<br />

Sonne wären demnach Gebiete mit einer<br />

höheren Besiedlungsdichte.<br />

Unter Herschels Einfluss untersuchte<br />

der bayerische Astronom<br />

Franz von Gruithuisen (1774 – 1852)<br />

den Mond genauer durch sein Teleskop.<br />

Er glaubte allen Ernstes, auf<br />

dem Mond eine leibhaftige Stadt entdeckt<br />

zu haben, die er „Wallwerk“<br />

nannte. Heute weiß man, dass in dieser<br />

Region unseres Trabanten eine<br />

charakteristische Landschaft mit<br />

vielen linearen Strukturen existiert,<br />

die Franz von Gruithuisen an ein Konstrukt<br />

aus vielen Straßen und Häusern<br />

erinnert haben mochte. Auf der Venus<br />

dagegen glaubte er eine reiche grüne<br />

Vegetation entdeckt zu haben. Ups…<br />

Giovanni Schiaparelli (1835-1910)<br />

Der italienische Astronom hat u. a. für<br />

uns den Planetoiden Hesperia entdeckt,<br />

der im Asteroidengürtel zwischen<br />

Mars und Jupiter kreist. Das<br />

war aber auch im Wesentlichen schon<br />

alles. Bis heute bekannt ist er eher<br />

durch seine exzentrischen Ideen. ☺<br />

30<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Lord Kelvin<br />

Wissen<br />

Doch nicht nur technische Unzulänglichkeiten<br />

führten in früheren<br />

Jahrhunderten zu wissenschaftlichen<br />

Irrwegen. Viele phantastische<br />

Hypothesen waren auch Resultat einer<br />

Kollision zwischen Glauben und<br />

Wissenschaft. So gab es z. B. nach<br />

Veröffentlichung der Evolutionstheorie<br />

von Charles Darwin viele Wissenschaftler,<br />

die seine mutige Hypothese<br />

sofort zu Fall bringen wollten. Einer<br />

der berühmtesten Exzentriker dieser<br />

Zeit war William Thomson, uns allen<br />

besser bekannt als Lord Kelvin.<br />

Diese Hypothesen entwickelte der<br />

Wissenschaftler etwas später. Er entdeckte<br />

linienförmige Strukturen auf<br />

dem Mars, die er Marskanäle nannte.<br />

Er war überzeugt, dass sie künstlichen<br />

Ursprungs und von Marsianern<br />

gebaut worden waren. Die zwei Marsmonde,<br />

die damals ebenfalls entdeckt<br />

wurden, bezeichnete er als künstliche<br />

Satelliten. Schiaparelli war davon<br />

überzeugt, dass auf dem Mars eine<br />

hochentwickelte Zivilisation lebt. Ihm<br />

verdanken wir also hauptsächlich das<br />

Bild der kleinen grünen Männchen<br />

vom Mars. Wer hätte das gedacht?<br />

Dagegen sind doch Silvio Berlusconi<br />

und sein Bunga Bunga gar nichts! ☺<br />

Heute weiß man: Es gibt zwar Wasser<br />

auf dem Mars, aber vermutlich<br />

nur unterirdisch oder in Form von Eis<br />

an den Polkappen. Die ausgedehnten<br />

Flussläufe an der Marsoberfläche sind<br />

ausgetrocknet. Ob es Leben auf dem<br />

Mars gab bzw. gibt, ist noch umstritten,<br />

eine Hochzivilisation haben auch<br />

die auf dem Mars gelandeten Raumsonden<br />

jedenfalls nicht entdeckt.<br />

1965 bewiesen Aufnahmen der<br />

US-Raumsonde Mariner 4, daß<br />

Schiaparellis Marskanäle optische<br />

Täuschungen waren, die auf die<br />

noch unzureichende Qualität der Teleskope<br />

des 19. Jahrhunderts zurückzuführen<br />

waren.<br />

Charles Darwin<br />

Edmond Halley<br />

Lord Kelvin (1824 – 1907)<br />

Der britische Physiker Lord Kelvin gehörte<br />

zu den größten Denkern seiner<br />

Zeit. Seiner Genialität verdanken wir<br />

den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik,<br />

die Entdeckung des Argons<br />

(des dritten Edelgases) und die Idee,<br />

ein Telegraphenkabel auf dem Boden<br />

des Atlantiks zu verlegen, um Amerika<br />

und Europa zu verbinden. Bis heute<br />

ist die physikalische Temperaturskala<br />

nach ihm benannt. ☺<br />

Um Darwin eins auszuwischen,<br />

entwickelte Kelvin eine sehr<br />

aparte Hypothese: Vor etwa 100<br />

Millionen Jahren sei die Erde aus der<br />

Sonne herausgerissen worden. Kelvin<br />

kam auf diese Zahl durch Berechnungen<br />

der Abkühlung des Erdkörpers,<br />

die nur ihm bekannt waren. Mit dieser<br />

Zahl jedoch steht und fällt seine gesamte<br />

weitere Argumentation. Eine<br />

solche Zeitspanne wäre für Evolutionsprozesse<br />

nach Darwins Theorie<br />

viel zu kurz gewesen. Kelvins Theorie<br />

geisterte lange Zeit durch die Wissenschaft<br />

und wurde erst dann widerlegt,<br />

als man entdeckte, dass die Sonne<br />

nicht die einzige Wärmequelle der<br />

Erde ist. Auch z.B. die radioaktiven<br />

Elemente, die im Erdkern vorhanden<br />

sind, sind an der Produktion von Wärme<br />

von innen beteiligt.<br />

Übrigens – auch Kelvins Widersacher<br />

Charles Darwin war nicht ganz<br />

ohne. Mit heutigen Begriffen würde<br />

man ihn einen Nerd nennen, wie er im<br />

Buche steht.<br />

Charles Darwin (1809-1882)<br />

Obwohl Darwin heute als einer der<br />

bedeutendsten Wissenschaftler der<br />

Geschichte gilt, deutete sein Werdegang<br />

damals eher weniger auf eine<br />

große Wissenschaftskarriere hin –<br />

ein Schicksal, das er u. a. mit Albert<br />

Einstein teilt. Sein Medizinstudium<br />

Sir Isaac Newton<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 31


Wissen<br />

Woran kann man einen Nerd erkennen?<br />

Ein moderner Nerd ist jemand, der<br />

• bevor der Computer einen Fehler ausgibt,<br />

bereits weiß, was der Fehler ist und wie man ihn behebt<br />

• alle Betriebssysteme installiert und ausprobiert<br />

• ohne ersichtlichen Grund anfängt zu kichern,<br />

da er ständig an andere Dinge denkt<br />

• eine SMS tippen kann, ohne auf die<br />

Handy-Tastatur zu schauen<br />

• eine Weltkarte mit Zeitzonen besitzt, um voraussehen<br />

zu können, wann die E-Mail, die er vor fünf Minuten<br />

nach Sibirien geschickt hat, beantwortet wird<br />

• vermurkste CD-Rohlinge als Untersetzer benutzt,<br />

• sich hauptsächlich von Junk-Food und<br />

koffeinhaltigen Limonadengetränken ernährt<br />

• sich ohne Elektronik am Körper (Smartphone,<br />

Laptop) nackt fühlt<br />

• tageslichtempfindlich ist<br />

• nicht schläft, sondern nur<br />

„in den Energiesparmodus geht“<br />

• Astrophysik als „dunkle Wissenschaft“ bezeichnet<br />

• sein „lokales Gravitationsfeld“ als gestört empfindet,<br />

wenn ihn jemand bei der Arbeit stört<br />

• seine „molekulare Integrität“ verliert, wenn er wütend ist<br />

• intensives Denken als „Verstärkung der<br />

Alpha-Wellen-Aktivität“ bezeichnet<br />

Wichtige Accessoires für das wahre Nerd-<br />

Lebensgefühl: T-Shirt mit<br />

Wissenschaftssprüchen, koffeinhaltige<br />

Erfrischungsgetränke, Comicbücher und<br />

vor allem viel Elektronik.<br />

brach Darwin ab, da es ihn te („Bored!“). Statt dessen begann er<br />

langweilauf<br />

Vorschlag seines Vaters in Cambridge<br />

Theologie zu studieren. Dies<br />

interessierte ihn nicht wesentlich<br />

mehr („Bored!“), doch schaffte er<br />

immerhin mit Mühe und Not einen<br />

Bachelor-Abschluss. Sein Wissen<br />

als späterer Naturforscher erwarb<br />

er im Wesentlichen autodidaktisch<br />

und durch den gelegentlichen Besuch<br />

entsprechender Vorlesungen<br />

während seiner Zeit in Cambridge.<br />

Auch später war er eher Forscher<br />

und Abenteurer als klassischer Wissenschaftler.<br />

Seine Evolutionstheorie<br />

entwickelte er auf weiten Reisen<br />

rund um die Welt, auf denen er die<br />

Pflanzen- und Tierwelt vor Ort studierte.<br />

☺<br />

Charles Darwin galt als äußerst<br />

rationaler Mensch, der Gefühlen<br />

nur wenig Raum gab.<br />

So soll er sogar in der Frage, ob er<br />

heiraten sollte, das Für und Wider<br />

schriftlich eingehend abgewogen<br />

haben. In der Rubrik der Argumente,<br />

die für die Ehe sprechen, findet<br />

man Bemerkungen wie „ständiger<br />

Begleiter und Freundin im Alter“,<br />

was schließlich in dem nicht gerade<br />

sensiblen Vergleich „besser, als einen<br />

Hund zu haben“ gipfelte. In der<br />

Spalte „Not Marry“, in der er also die<br />

Argumente gegen die Ehe aufführte,<br />

notierte er<br />

„Weniger<br />

Geld für Bücher“ und „Unglaublicher<br />

Zeitverlust“.<br />

Letzten Endes entschied sich Charles<br />

Darwin für die Ehe und heiratete<br />

seine Cousine Emma Wedgwood, mit<br />

der er dann zehn Kinder hatte. Offenbar<br />

hatten sich seine Ansichten über<br />

Zeitverluste geändert. Man kann wohl<br />

ohne Übertreibung sagen, dass ein solches<br />

Prachtexemplar von Mann nicht<br />

einmal Darwin hätte vorhersehen können…<br />

☺<br />

Unsere schonungslose Enthüllung<br />

der wahren Gesichter der Genies wäre<br />

natürlich grob unvollständig, wenn<br />

wir nicht auch auf die beiden Männer<br />

eingehen würden, die allgemein als<br />

die größten Wissenschaftler der Geschichte<br />

angesehen werden – Isaac<br />

Newton und Albert Einstein. Beginnen<br />

wir chronologisch mit dem „Ekel aus<br />

Cambridge“.<br />

Isaac Newton (1643-1727)<br />

Sir Isaac Newton war mit Sicherheit<br />

einer der größten Denker unserer<br />

Geschichte, auch wenn er privat ein<br />

wahres Ekel gewesen sein soll. Als<br />

Physiker entdeckte er das Gravitationsgesetz,<br />

er formulierte damit erstmals<br />

ein physikalisches Fundament<br />

für Keplers Theorie der Planetenbewegung.<br />

Er forschte auch über die Mechanik<br />

von Flüssigkeiten und entwickelte<br />

viele neue wertvolle mathematische<br />

Methoden, wenn er sich auch letztendlich<br />

bei der Ausarbeitung der Infinitesimalrechnung<br />

seinem Widersacher<br />

Leibniz geschlagen geben musste. ☺<br />

In der zweiten Hälfte seines Lebens<br />

wandte sich Isaac Newton der Alchemie<br />

und den okkulten Wissenschaften<br />

zu. In der heutigen Zeit der<br />

Finanzkrise und des explodierenden<br />

Goldpreises ein durchaus lukratives<br />

Unterfangen. In spirituellen Kreisen<br />

gilt Newton bis heute als „der letzte<br />

Hermetiker“. Seine Hoffnung war,<br />

dass es möglich wäre nachzuweisen,<br />

dass das Element Antimon eine magnetische<br />

Strahlung emittiert, die sogenannte<br />

Lebenskraft des <strong>Universum</strong>s<br />

anzieht. In Anbetracht dieser Fakten<br />

wäre es interessant, seine Meinung zu<br />

heutigen Entdeckungen wie des Graphens<br />

oder der dunklen Materie zu<br />

hören. Vielleicht wird ihm die Wissenschaft<br />

nach 300 Jahren sogar recht geben?<br />

Oder wie Albert Einstein es ausgedrückt<br />

hätte: „Ich hoffe nur, dass das<br />

alles nicht wahr ist.“<br />

Und das führt uns schon zu dem<br />

Wissenschafts-Superstar schlechthin,<br />

den man als Genie und Spaßvogel<br />

kannte.<br />

Albert Einstein (1879-1955)<br />

Albert Einsteins Entdeckungen in der<br />

Wissenschaft sind so berühmt, dass<br />

32<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wissen<br />

wir sie wohl nicht extra erwähnen<br />

müssen. Dafür gibt es unter seinen<br />

zahlreichen Marotten und Eigenheiten<br />

so einiges, was noch darauf wartet,<br />

erzählt zu werden.<br />

Viele halten das berühmte Foto<br />

von Einstein mit der ausgestreckten<br />

Zunge für eine Montage.<br />

Doch das Bild ist echt. An seinem<br />

72. Geburtstag wurde Einstein an der<br />

Princeton University gebührend gefeiert<br />

und musste sich viele endlos lange<br />

Geburtstagsreden anhören. Einstein<br />

war müde und irritiert. Er versuchte<br />

gerade das Gelände der Universität<br />

in einer Limousine zu verlassen, als<br />

ein Fotograf an die Scheibe klopfte:<br />

„Herr Professor, könnten Sie bitte<br />

für ein Geburtstagsbild lächeln?“ Einstein<br />

streckte ihm daraufhin die Zunge<br />

heraus! Der Fotograf Arthur Sasse<br />

knipste in diesem Moment. Einstein<br />

mochte das Bild so sehr, dass er es<br />

an seine Bekannten als Postkarte<br />

schickte mit der Bemerkung „Das bin<br />

ich“. Auch eine Art, mit Paparazzi umzugehen!<br />

Einmal gab ihm in einer Vorlesung<br />

ein Student den Hinweis: „Herr<br />

Professor, die Fragen für das Examen<br />

in diesem Jahr waren die gleichen wie<br />

im letzten Jahr“. „Das ist richtig.“,<br />

antwortete Einstein, „aber die Antworten<br />

in diesem Jahr sind ganz anders“.<br />

Eines Tages bemerkte Einsteins<br />

Chauffeur, dass er, während er viele<br />

Jahre lang im Hörsaal auf seinen<br />

Fahrgast warten musste, so viel über<br />

Physik gelernt hatte, dass auch er<br />

Vorlesungen halten könnte. Einstein,<br />

der für jeden<br />

Spaß<br />

zu<br />

haben<br />

war,<br />

t a u s c h t e<br />

daraufhin<br />

für<br />

einen<br />

Tag<br />

mit<br />

s e i n e m<br />

Chauffeur die Rollen. Er saß dann<br />

neben dem Katheder in einer Chauffeursuniform,<br />

während sein Fahrer<br />

einen ganz durchschnittlichen, aber<br />

inhaltlich durchaus korrekten Vortrag<br />

hielt. Am Ende stellte jedoch ein<br />

Student eine komplizierte Frage. Der<br />

Chauffeur hatte keine Ahnung, worum<br />

es überhaupt ging, behielt jedoch die<br />

Nerven und den Humor und antwortete<br />

ganz nonchalant: „Ihre Frage ist<br />

so banal, dass sie sogar mein Fahrer<br />

beantworten kann“. Einstein in seiner<br />

Chauffeursrolle stand daraufhin auf<br />

und erklärte dem Studenten die komplizierten<br />

physikalischen Zusammenhänge.<br />

Sein Humor erlaubte ihm auch<br />

zuweilen, bei der Korrektur<br />

schriftlicher Arbeiten seiner<br />

Studenten anzumerken: „Das Ergebnis<br />

ist gut, aber die Beweisführung ist<br />

schlecht“.<br />

Dass Einstein zerstreut war und<br />

nicht allzu viel Wert auf sein Äußeres<br />

legte, ist allgemein bekannt. Als<br />

Student erlebte man ihn öfter, wie er<br />

Besuche abstattete mit einer Serviette<br />

statt eines Schals um den Hals.<br />

Noch als bereits berühmter Professor<br />

trug er fast immer viel zu kurze Hosen.<br />

Einstein war der Meinung, dass<br />

er nur 5% seines Gehirns im Leben<br />

benutzte. Sein Gehirn wog übrigens<br />

1230 Gramm, wie man heute weiß,<br />

war also kleiner als bei einem durchschnittlichen<br />

Mann.<br />

NERDS CHATTEN<br />

NIEMALS OFFLINE<br />

Denken wir nach: Was hatten alle<br />

diese Spaßvögel von Genies gemeinsam?<br />

Sie hatten keine Computer, kein<br />

Internet, kein Facebook, kein Twitter,<br />

keine Videospiele und keine Star-<br />

Trek-Filme. Hätten sie es gehabt, sie<br />

hätten bestimmt dafür geschwärmt.<br />

Und damit kommen wir zu den Nerds.<br />

Sie haben das alles.<br />

Und viele Genies und wichtige Entdecker<br />

des 20. und 21. Jahrhunderts<br />

sind Nerds.<br />

Was also ist ein Nerd?<br />

Ursprung und Bedeutung des Wortes<br />

Nerd sind nicht genau bekannt.<br />

Manche vermuten darin eine Abkürzung<br />

für „non emotional responding<br />

dude“, also „emotional nicht ansprechbarer<br />

Typ“. Man kann ihn auch<br />

etwas altmodischer als Streber oder<br />

Außenseiter bezeichnen. Er interessiert<br />

sich besonders für Computer<br />

sowie für moderne Bereiche in Wissenschaft<br />

und Technik. Nerds haben<br />

meist überdurchschnittliche IQ-Werte<br />

und verfügen oft sogar über ein fast<br />

enzyklopädisches Allgemeinwissen,<br />

Einst typischer Nerd, heute<br />

superreicher Geschäftsmann:<br />

Microsoft-Gründer Bill Gates.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 33


Wissen<br />

mit dem sie ihre Gesprächspartner<br />

bei Unterhaltungen häufig nerven.<br />

Der früher eher von Nicht-Nerds als<br />

negatives Attribut verwendete Begriff<br />

wird mittlerweile von den Nerds<br />

selbst als Auszeichnung betrachtet.<br />

Sie stehen zu ihrer Veranlagung und<br />

fühlen sich dadurch ihren Mitmenschen<br />

überlegen.<br />

Nerds haben in der Regel ausgeprägte<br />

Defizite im sozialen Bereich und<br />

können dadurch nur schwer Beziehungen<br />

zum anderen Geschlecht aufbauen.<br />

Besonders eingefleischte Nerds<br />

sehen in zwischenmenschlichen Beziehungen<br />

sogar Zeitverschwendung.<br />

In der Comedy-Serie „The Big Bang<br />

Theory“ äußert sich der Physiker und<br />

Super-Nerd Dr. Sheldon Cooper etwas<br />

abfällig über Einstein: „Wenn er nicht<br />

so viel Sex gehabt hätte, dann hätten<br />

wir heute schon eine funktionierende<br />

Einheitliche Feldtheorie, möglicherweise<br />

sogar Zeitmaschinen.“<br />

Wer weiß, vielleicht hat er ja sogar<br />

recht? ☺<br />

Es gibt heute kaum noch<br />

Fernsehserien, in denen die Figur<br />

eines Nerds fehlt. Er verleiht der Serie<br />

den gewissen Intelligenz-Touch.<br />

Manchmal kann es sogar ein weiblicher<br />

Nerd sein (oder sagt man „Nerdin“?).<br />

So wie z. B. das Gothic-Girl<br />

Abby in der momentan weltweit beliebtesten<br />

Serie „Navy CIS“. Einerseits<br />

kann sie mit ihrem Wissen ihre Kollegen<br />

zur Verzweiflung treiben, andererseits<br />

vergnügt sie sich in ihrem Labor<br />

zuweilen mit Seilspringen. Da fragt<br />

man sich, was dieses Mädchen macht,<br />

wenn sie „erwachsen“ wird. Auch ihr<br />

Kollege Tim McGee ist ein Nerd, wie<br />

er im Buche steht, der im Dienst Comics<br />

liest und sich zu Halloween als<br />

„Schnee-Elf“ verkleidet. Doch Vorsicht:<br />

Wenn Sie ihn genauer beobachten,<br />

können Sie lernen, wie man sich<br />

Die Welt, mit den Augen eines Nerd gesehen<br />

Wissen Sie eigentlich, was die „beste Zahl“ ist? Warum<br />

bezeichnen viele Leute die Sieben als „magische Zahl“?<br />

Klassische Interpretation: Es gibt sieben Weltmeere,<br />

sieben Weltwunder, sieben Farben im Regenbogen,<br />

Schneewittchen und die sieben Zwerge, Gott schuf die<br />

Welt in sieben Tagen, und die Kirche kennt sieben Todsünden.<br />

Wie würde ein Nerd die Frage nach der „besten Zahl“<br />

beantworten? Es ist für ihn vermutlich die Zahl <strong>73</strong>. Warum?<br />

<strong>73</strong> ist die 21. Primzahl. Vertauscht man die Ziffern,<br />

so erhält man 37, die 12. Primzahl. Außerdem ist 7*3 =<br />

21. Im Dualsystem wird <strong>73</strong> dargestellt als 1001001, was<br />

ein Palindrom ist.<br />

Hornbrille und karierte Flanellhemden<br />

- das typische Nerd-Outfit von Hollywood-<br />

Regisseur Woody Allen.<br />

heute gnadenlos durch unsere Computer-<br />

und Handywelt hackt.<br />

Ein paar bekannte Nerds unserer<br />

Tage: Microsoft-Gründer<br />

Bill Gates (zumindest bis in die<br />

neunziger Jahre), der finnische Star-<br />

Programmierer Linus Thorvalds, Initiator<br />

des Betriebssystems Linux,<br />

aber z. B. auch – aus einem ganz anderen<br />

Bereich – der legendäre Filmregisseur<br />

Woody Allen mit seinen typischen<br />

Nerd-Brillen, den karierten<br />

Flanellhemden und seinem betont<br />

tollpatschigen Auftreten. Vergessen<br />

wir nicht, auch die Bestsellerautorin<br />

Joanne K. Rowling hat ihren Romanhelden<br />

Harry Potter mit einer Nerd-<br />

Brille ausgestattet, damit er besser in<br />

den Zeitgeist passt.<br />

Auch manche Nobelpreisträger,<br />

vor allem aus dem Bereich der Physik<br />

und anderer Naturwissenschaften,<br />

haben zugegeben, dass sie im<br />

privaten Bereich Nerds sind und viele<br />

solche Leute in ihrem Umfeld kennen.<br />

Wahre Nerds sind in den allermeisten<br />

Fällen männlichen Geschlechts und<br />

zeigen vielfach jungenhaft-verspielte<br />

Züge, die mit dem Charakter-<br />

zug der „kindlichen Offenheit“,<br />

wie er von einem echten Genie<br />

gefordert wird, natürlich ausgezeichnet<br />

korrelieren. Sie begeistern<br />

sich in der Regel für<br />

Comic-Hefte über Superman,<br />

Batman und andere Heldenfiguren<br />

der modernen Popkultur,<br />

für Videospiele und Science-<br />

Fiction-Filme. Da sie außerhalb<br />

ihres beruflichen Umfeldes oft<br />

einsam und unausgefüllt sind,<br />

ziehen sie sich im Privatleben<br />

häufig in derartige Phantasie-<br />

Dr. Sheldon Cooper, der nervige<br />

Super-Nerd aus der "Big Bang<br />

Theory", fürchtet sich nicht nur vor<br />

Menschen, sondern auch vor Bakterien.<br />

welten zurück. Der Stereotyp des „verrückten<br />

Wissenschaftlers“ hat viele<br />

Eigenschaften mit den Nerds gemeinsam.<br />

Nicht alle Nerds müssen sofort<br />

Genies sein, aber sie halten sich meist<br />

dafür, und wirkliche Wissenschaftsgenies<br />

sind häufig Nerds. Heute scheint<br />

die Wissenschaft neue Wege gefunden<br />

zu haben, die Menschen zu erreichen,<br />

und dabei ist ganz en passant ein neuer<br />

Lebensstil entstanden.<br />

Es gab im Grunde auch schon in<br />

früheren Zeiten Nerds, was man<br />

leicht erkennt, wenn man die<br />

wesentlichen Charakterzüge in den<br />

Kontext der Zeit projiziert. Werner<br />

Heisenberg z. B. liebte es noch als „erwachsener“<br />

Wissenschaftler, wie ein<br />

jugendlicher Pfadfinder ausgedehnte<br />

Wander- und Radtouren mit dem<br />

Rucksack zu machen. Seine berühmte<br />

Unschärferelation, einen der Grundpfeiler<br />

der modernen Quantenphysik,<br />

entdeckte er nicht etwa im Labor oder<br />

an der Tafel seines Arbeitszimmers,<br />

sondern bei einem Spaziergang am<br />

Strand von Helgoland. Aufgrund der<br />

Tatsache, dass die Menschen in unserer<br />

heutigen Gesellschaft länger<br />

jugendlich bleiben und später altern,<br />

wirkt das typische Nerd-Verhalten<br />

heute gar nicht mehr so außenseiterhaft<br />

wie vielleicht noch zu Einsteins<br />

Zeiten.<br />

Egal, ob vor 300 Jahren oder heute,<br />

Nerds geben unserem Leben erst<br />

die Würze, und ohne sie gäbe es viele<br />

Entdeckungen in Wissenschaft und<br />

Technik nicht. Errungenschaften, die<br />

auch Nicht-Nerds nicht mehr missen<br />

wollen. Obwohl das mit dem Sex vermutlich<br />

nicht so ganz stimmt, wie wir<br />

schon bei Darwin gesehen haben… ■<br />

34<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


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Gesundheit<br />

mit 50 plus<br />

Richtig essen<br />

Ein Ernährungsprogramm<br />

für die ältere Generation<br />

Hademar Bankhofer<br />

Sie sind über 50 und wollen gesund,<br />

vital und fit bleiben? Dann gilt für Ihre<br />

Ernährung: Weniger, aber besser und<br />

gezielter! Prof. Hademar Bankhofer<br />

rät Ihnen, was Sie essen müssen, was<br />

Ihr Körper jetzt braucht, worauf Sie<br />

besser verzichten sollten.<br />

Die Ernährung gezielt umstellen<br />

Wenn man jung ist, macht man sich<br />

über das, was man isst, in den meisten<br />

Fällen keine Gedanken. Solange man<br />

sich wohl fühlt und gesund ist. Manche<br />

glauben, dass sich da im Laufe des Lebens<br />

nicht viel ändert. Genau da aber<br />

liegt der Fehler. Darum werden viele<br />

unnötig krank. Das müsste oft nicht<br />

sein. Wir alle sollten uns bewusst sein:<br />

Ab dem 50. Lebensjahr verändert sich<br />

im Körper Vieles. Die Lebensuhren<br />

laufen anders.<br />

Und daher muss man die Ernährung<br />

gezielt umstellen, den neuen Gegebenheiten<br />

anpassen. Wer möglichst<br />

lange fit, vital und gesund durch die<br />

zweite Hälfte des Lebens gehen möchte,<br />

der muss sich mit einem speziellen<br />

neuen Ernährungsprogramm vertraut<br />

machen.<br />

Vieles wird jetzt anders<br />

Was läuft denn anders im Organismus,<br />

wenn man die 50 überschritten<br />

hat? Da gibt es einige Veränderungen:<br />

Durch Zahnprobleme im Alter<br />

kann die Nahrung im Mund nicht<br />

optimal vorverdaut werden.<br />

Dadurch wird der eigentliche Verdauungstrakt<br />

– Magen und Darm – stärker<br />

beansprucht.<br />

Aber auch hier arbeiten die positiven,<br />

schützenden Bakterien – die man<br />

allgemein als Darmflora bezeichnet –<br />

nicht mehr so gut wie in jungen Jahren.<br />

Viele Vitamine und Mineralstoffe<br />

werden nur mäßig ausgewertet. Und<br />

auch die körpereigene Produktion von Vitalstoffen<br />

läuft nicht mehr so wie früher.<br />

Dazu kommt, dass viele ältere Menschen,<br />

vor allem, wenn sie allein leben,<br />

sehr nachlässig werden, was eine<br />

ausgewogene, vernünftige Ernährung<br />

betrifft. Sie versorgen sich mit viel zu<br />

wenig Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen<br />

und Bioaktiv-Stoffen.<br />

Sie trinken anstelle einer richtigen<br />

Mahlzeit Kaffee und tauchen ein Kipferl<br />

oder eine Semmel ein. Das war’s<br />

dann - oft über längere Zeiträume.<br />

Aber selbst, wenn ältere Menschen<br />

jeden Tag mit Essen versorgt werden,<br />

wie das zum Beispiel<br />

i n<br />

SIE SOLLTEN<br />

ZUMINDEST EINE MAHLZEIT<br />

AM TAG MIT GEMÜSE<br />

AUFWERTEN, AM BESTEN<br />

SCHONEND ZUBEREITET:<br />

GEDÜNSTET ODER<br />

DAMPFGEGART.<br />

einem Alten- oder Seniorenheim oder<br />

im Rahmen einer Hauszustellung der<br />

Fall ist, gibt es ein gravierendes Problem:<br />

Sie essen sehr oft sehr, sehr wenig.<br />

Und auch dadurch sind sie mit lebenswichtigen<br />

Stoffen unterversorgt.<br />

Das Ernährungsprogramm 50 plus:<br />

Achten Sie darauf, dass Sie nicht von<br />

innen her austrocknen. Das kann Organschäden<br />

verursachen, fördert aber<br />

auch Lethargie und Depressionen im<br />

Alter. Ganz abgesehen davon, dass<br />

Flüssigkeitsmangel die Haut rascher<br />

altern lässt. Trinken Sie jeden Tag<br />

mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit:<br />

Leitungswasser, stilles Mineralwasser,<br />

ungesüßte Früchte- oder<br />

Kräutertees oder mit Wasser stark<br />

verdünnte Fruchtsäfte. Stellen Sie am<br />

Morgen 3 Flaschen Mineralwasser bereit.<br />

Die müssen abends leer getrunken<br />

sein. Sonst haben Sie zu wenig für<br />

Ihre Gesundheit getan.<br />

Sie sollten täglich drei Scheiben<br />

Vollkornbrot oder drei Stück Vollkorngebäck<br />

konsumieren. Zusätzlich eine<br />

Portion Reis, am besten Naturreis,<br />

Teigwaren oder Kartoffeln. Auch bei<br />

den Teigwaren sollten Sie den Vollkornprodukten<br />

den Vorzug geben.<br />

Sie sollten zumindest eine<br />

Mahlzeit am Tag mit Gemüse<br />

aufwerten, am<br />

besten schonend zubereitet:<br />

gedünstet oder dampfgegart.<br />

Gut eignen sich Möhren,<br />

Brokkoli, Karfiol, grüne Erbsen,<br />

Spinat. Karotten stärken<br />

mit ihrem Vitamin A sowie<br />

36<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Gesundheit<br />

Betacarotin die Augen, die Atemwege<br />

sowie die Immunkraft. Brokkoli<br />

transportiert mit seinem Bioaktivstoff<br />

Sulforaphan Schadstoffe aus dem Körper,<br />

Karfiol ist mit seinem Vitamin K<br />

wichtig für die Blutgerinnung. Erbsen<br />

liefern Magnesium und machen daher<br />

stark gegen Stressbelastung. Spinat<br />

schützt die Augen mit seinen zahllosen<br />

Carotinoiden vor der gefürchteten<br />

Makula-Degeneration.<br />

Eine Mahlzeit am Tag sollte unbedingt<br />

als Beilage einen knackigen grünen<br />

oder roten Blattsalat aufweisen.<br />

Das Chlorophyll im grünen Salat hält<br />

die Gehirnzellen jung. Die Folsäure<br />

und die Bitterstoffe im roten Blattsalat<br />

sind wichtig für Herz, Kreislauf<br />

und Leber. Ganz abgesehen vom Vitamin<br />

C, das man mit frischen Salaten<br />

aufnimmt. Gemüse ist auch als Lieferant<br />

für Ballaststoffe wichtig, da ab 50<br />

sehr oft auch die Verdauung Probleme<br />

macht.<br />

Dasselbe gilt für frisches Obst.<br />

Ab 50 sollte man täglich Obst<br />

genießen: 2 Äpfel, 2 Orangen,<br />

1 Banane, 2 Kiwis, über den Tag verteilt.<br />

Und dann natürlich das jeweilige<br />

Obst der Saison: Erdbeeren, Kirschen,<br />

Himbeeren usw. Das alte Sprichwort<br />

„Ein Apfel am Tag hält den Arzt fern!“<br />

stimmt natürlich im realen Leben der<br />

heutigen Zeit nicht. Man braucht mehr.<br />

Erst kürzlich haben Untersuchungen<br />

amerikanischer Wissenschaftler ergeben:<br />

Drei Äpfel am Tag oder aber<br />

auch drei Gläser naturtrüber Apfelsaft<br />

liefern genau die Schutzstoffe, die man<br />

Das Chlorophyll im<br />

grünen Salat hält die<br />

Gehirnzellen jung.<br />

braucht, um sich einen Tag lang vor<br />

aggressiven Umweltschadstoffen zu<br />

schützen. Wer im Alter kein frisches<br />

Obst verträgt, kann es als Kompott<br />

genießen.<br />

Hülsenfrüchte und Kohl essen<br />

Einmal die Woche wäre wichtig, dass<br />

man eine Mahlzeit aus Hülsenfrüchten<br />

genießt: aus Erbsen, grünen Bohnen,<br />

weißen großen Bohnen oder Linsen.<br />

Die Linsen sind so wichtig, weil nicht<br />

nur besonders hochwertiges Eisen liefern,<br />

sondern auch Energie für mehr<br />

Vitalität über 50.<br />

Zum Schutz des Darms vor Entzündungen,<br />

Geschwüren und zum Senken<br />

des Krebsrisikos sollte man einmal die<br />

Woche in den Speiseplan ein Kohlgemüse<br />

einbauen: Rotkraut, Kohl, Weiß-<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 37


Gesundheit<br />

kraut,<br />

Sauerkraut. Das ist vor allem im Winter<br />

wichtig, weil diese Gemüsesorten<br />

auch von innen her wärmen.<br />

Genießen Sie täglich Milchprodukte:<br />

einen Becher Naturjoghurt,<br />

ein Glas Buttermilch,<br />

drei Scheiben Käse oder eine Portion<br />

Topfen, bei Übergewicht Magertopfen.<br />

Wechseln Sie die Milchsorten: Greifen<br />

Sie auch zu Schafmilch- oder Ziegenmilch-Produkten,<br />

die man ja auch in<br />

den Supermarkt-Regalen findet. Speziell<br />

die Ziegenmilch ist reich an den<br />

Jungbrunnen-Stoffen Ubichinon und<br />

Orotsäure. Viele Frauen und Männer<br />

über 50 fühlen sich nach dem Trinken<br />

von Frischmilch unwohl. Dann sollte<br />

man darauf verzichten und lieber zu<br />

Joghurt, Sauermilch und Buttermilch<br />

greifen. Da wird es keine Probleme<br />

geben.<br />

Mehr Eiweiß ist im Alter wichtig<br />

Viele ältere Menschen konsumieren<br />

viel zu wenig Eiweiß,<br />

sind dann nicht stressfest und<br />

haben zu wenig Vitalität. Sie<br />

brauchen das Vitamin B12 aus<br />

dem Fleisch. Daher drei Mal<br />

die Woche mageres Fleisch und<br />

zum Frühstück drei Mal die Woche<br />

Putenschinken. Was wenige<br />

wissen: Fleisch, das einige Zeit<br />

in der Tiefkühltruhe oder im Tiefkühlfach<br />

gelegen hat, ist für ältere<br />

Menschen besser verdaubar.<br />

Am ges<br />

ü n -<br />

d e -<br />

sten für<br />

Menschen<br />

der Generation<br />

50<br />

plus ist<br />

Geflügel,<br />

vor allem<br />

Huhn.<br />

Und seitdem<br />

man<br />

weiß, dass das<br />

Cholesterin im Eigelb<br />

dank der schützenden<br />

Funktion vom Lecithin das Cholesterin<br />

im menschlichen Körper nicht<br />

anhebt, ist für die Eiweiß-Zufuhr ab<br />

50 bei einem gesunden Menschen das<br />

tägliche 4-Minuten-Ei zum Frühstück<br />

durchaus legitim.<br />

Jede Woche zweimal sollte Fisch<br />

auf den Tisch kommen: vor allem<br />

Meeresfisch wie Lachs, Hering oder<br />

Makrele. Die darin reichlich vertretenen<br />

Omega-3-Fettsäuren stärken<br />

nicht nur Herz und Kreislauf, sondern<br />

fördern auch im Alter die Produktion<br />

neuer Gehirnzellen. Wer lieber zu heimischem<br />

Fisch aus kontrollierten Gewässern<br />

greift, sollte wissen: Die meisten<br />

Omega-3-Fettsäuren finden sich<br />

im Saibling, Waller und in der Forelle.<br />

VIELE ÄLTERE<br />

MENSCHEN<br />

KONSUMIEREN ZU WENIG<br />

EIWEISS, SIND DANN NICHT<br />

STRESSFEST UND HABEN ZU<br />

WENIG VITALITÄT.<br />

Sehr wichtig ist die tägliche Zufuhr<br />

von gesundheitsförderndem Pflanzenfett<br />

wie Olivenöl, Rapsöl, Leinöl,<br />

Walnussöl. Täglich etwas Butter tut<br />

den Leberzellen gut. Da ein Zuviel an<br />

tierischen Fetten nicht gerade gesundheitsfördernd<br />

ist, macht es Sinn, den<br />

regelmäßigen Konsum von Wurstwaren<br />

deutlich zu reduzieren.<br />

Zurückhaltung bei Genussmitteln<br />

Ein wichtiger Grundsatz für alle ab 50:<br />

Greifen Sie so selten wie möglich zu<br />

Süßigkeiten. Trinken Sie so selten wie<br />

möglich zu viel Alkohol. Am ehesten<br />

noch Rotwein: dem Mann ist ein Viertelliter<br />

pro Tag gestattet, der Frau bloß<br />

ein Achtelliter. Man darf aber nie vergessen:<br />

Zuviel Alkohol, und das noch<br />

regelmäßig, schadet der Leber, den<br />

Nieren und dem Hirn.<br />

Das Allerwichtigste für die Ernährung<br />

ab 50: Nehmen Sie sich<br />

Zeit zum Essen. Jede Mahlzeit<br />

sollte ein Fest sein. Wir können da<br />

eine Menge von den Franzosen lernen.<br />

Ein gutes, gesundes Essen aus einem<br />

hübschen Tischgeschirr, angerichtet<br />

auf einem schönen Tischtuch, gemeinsam<br />

mit Freunden oder lieben Verwandten:<br />

Das ist in reifen Jahren ein<br />

gutes Stück Lebensqualität mit einem<br />

hohen Wohlfühl-Faktor. ■<br />

Prof. Hademar Bankhofer ist einer der führenden<br />

Gesundheitspublizisten im deutschsprachigen<br />

Raum. Millionen kennen ihn aus Fernsehen,<br />

Hörfunk, aus Zeitungskolumnen und aus seinen<br />

Ratgeberbüchern. Er ist Leiter des Internationalen<br />

Bankhofer-Zentrums an der Akademie für<br />

medizinische Kommunikation in Bad Füssing<br />

in Deutschland, pflegt intensive Kontakte zu<br />

mehreren amerikanischen Universitäten und<br />

arbeitet seit über 20 Jahren eng mit dem<br />

Institut für Sozialmedizin an der Universität<br />

Wien zusammen. Er widmet sich überwiegend<br />

der Prävention, und da ganz besonders auch<br />

der gesunden Ernährung. Prof. Bankhofer<br />

moderiert jeden Samstag beim österreichischen<br />

Fernsehsender „Schau TV“ sein halbstündiges<br />

Gesundheits- und Wellness-Magazin „Einfach<br />

Bankhofer“. Sein Standardwerk „Das große Buch der<br />

gesunden Ernährung“, weiters „Der kleine Bankhofer“,<br />

aber auch „Ihre Gesundheit liegt mir am Herzen“ sind<br />

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Gesundheit<br />

In allen Kulturen der Welt ist Alkohol<br />

ein durchaus anerkanntes Genussmittel.<br />

Selbst Tiere wie Elefanten,<br />

Affen, Giraffen, Warzenschweine und<br />

so weiter wandern einmal im Jahr<br />

zu den Marula-Bäumen, um deren<br />

reife und gegorene Früchte zu sich<br />

zu nehmen – selbstverständlich mit<br />

der entsprechenden Auswirkung:<br />

Sie sind kurzerhand alle betrunken.<br />

In der westlichen, sogenannten zivilisierten<br />

Welt zählt Alkohol gar zu<br />

den beliebtesten legalen Drogen. Es<br />

bieten sich unzählige Gelegenheiten,<br />

ein Glas (oder mehrere) zu heben.<br />

Und die liegen nicht zwischen<br />

Weihnachten und Neujahr, sondern<br />

zwischen Neujahr und Weihnachten.<br />

Gesellschaftlich ist der Konsum allerdings<br />

nur so lange auch gesellschaftsfähig,<br />

wie keine ernsthaften<br />

Folgen für andere sichtbar werden.<br />

Was erwachsene Menschen mit ihrer<br />

eigenen Gesundheit und ihren<br />

sozialen Kompetenzen anstellen,<br />

liegt in deren Verantwortung. Allerdings<br />

kann es zu drastischen Folgen<br />

kommen, wenn Frauen sich in der<br />

Schwangerschaft nicht zurückhalten<br />

mögen oder auch ohne Hilfe nicht<br />

können.<br />

Alkohol ist ein Gift.<br />

Konsumieren Schwangere<br />

dieses Gift, kann es die<br />

Entwicklung des<br />

Ungeborenen stören.<br />

Alkohol ist Gift für den Fetus<br />

Alkohol ist schlichtweg ein Gift. Konsumieren<br />

Schwangere dieses Gift,<br />

wird über das Blut die Plazenta damit<br />

gleichermaßen gefüttert und kann so<br />

die Zellentwicklung des Ungeborenen<br />

stören. Nun sollte dieses Ungeborene<br />

erst vollständig entwickelt sein, wenn<br />

es zur Welt kommt. Bis dahin besteht<br />

also in jedem Moment die Gefahr einer<br />

Entwicklungsbeeinträchtigung,<br />

da das Kind den Alkohol auf Grund<br />

dessen wesentlich schlechter verarbeiten<br />

kann als die werdende Mutter<br />

– die maßgeblichen Organe sind<br />

ja noch nicht oder nicht vollständig<br />

vorhanden. Welcher Schaden genommen<br />

werden kann, hängt also von der<br />

Menge des getrunkenen Alkohols ab<br />

und davon, in welchem Schwangerschaftsstadium<br />

sich die Frau befindet.<br />

Und um es deutlich zu sagen:<br />

der Erzeuger spielt dabei keine Rolle.<br />

FAS ist keine genetisch bedingte<br />

Einschränkung! Der Erzeuger kann<br />

also soviel Alkohol konsumieren, wie<br />

er will … falls er im gegebenenfalls<br />

desolaten Zustand seine Spermien<br />

überhaupt noch auf Trab bringen<br />

kann. Nein, es geht hier tatsächlich<br />

nur um die Versorgung des Ungeborenen<br />

durch die werdende Mutter,<br />

da es sich hierbei um eine möglicherweise<br />

stetige Vergiftung des heranwachsenden<br />

Kindes handelt.<br />

Viele Frauen machen sich Sorgen,<br />

weil sie in der Anfangszeit der<br />

Schwangerschaft „ordentlich<br />

zugeschlagen“ haben. Das ist nicht<br />

das Problem. Tausende von Frauen<br />

wissen zunächst nicht, dass sie<br />

schwanger sind und gebären trotzdem<br />

gesunde Kinder. Natürlich unter<br />

der Voraussetzung, nach dem Wissen<br />

Rücksicht auf das werdende neue Leben<br />

zu nehmen. Denn im Laufe der<br />

vierten Woche beginnt das Herz des<br />

Embryos zu schlagen und verbessert<br />

damit durch das Kreislaufsystem seine<br />

Versorgung. Es will aber betont<br />

sein, dass nun keine unnötigen Ängste<br />

entfacht werden sollen. Je offener<br />

man auch mit dem gelegentlichen<br />

Alkoholkonsum gegenüber seinem<br />

Arzt umgeht, desto besser stehen die<br />

Chancen, ein gesundes Kind zu bekommen.<br />

Hier genau entpuppt sich<br />

etwas Erstaunliches: Ärzte fragen oft<br />

nur zögerlich und in Halbsätzen nach<br />

eventuellem Alkoholkonsum. Ganz zu<br />

schweigen nach einem eventuellen<br />

Missbrauch, es sei denn, er ist offensichtlich.<br />

Erwiesenermaßen suchen<br />

jedoch leider nur wenige wirklich abhängige<br />

Frauen die Vorsorgeuntersuchungen<br />

regelmäßig auf.<br />

Die Auswirkungen werden<br />

unterschätzt<br />

Werden Frauen nach ihrem Alkoholkonsumverhalten<br />

direkt gefragt,<br />

reagieren auch diese in den meisten<br />

Fällen nur zögerlich, respektive mit<br />

Lügen. Wobei diese Lügen wahrscheinlich<br />

nicht so gemeint sind, sondern<br />

es ist eher anzunehmen, dass<br />

der „ganz normale“ Alkoholkonsum<br />

nicht als erwähnenswert empfunden<br />

wird. Was ist schon einzuwenden gegen<br />

ein Glas Wein zum Abendessen,<br />

gegen den „Absacker“ vor dem Schlafengehen?<br />

Oder die eine oder andere<br />

Geburtstags-, Betriebs- oder Jubiläumsfeier,<br />

wo wie automatisch Alkoholika<br />

zur Verfügung stehen und auch<br />

angestoßen wird? Das geht dem Arzt<br />

oder der Ärztin nicht anders. Das hat<br />

offensichtlich nicht nur mit der Toleranz<br />

gegenüber der Droge zu tun, sondern<br />

im Besonderen auch damit, dass<br />

die subjektive Wahrnehmung nicht der<br />

Realität entspricht. Wobei hinzugefügt<br />

werden muss, dass Alkoholkonsum in<br />

der Schwangerschaft augenscheinlich<br />

sozial nicht akzeptiert wird. Allerdings<br />

auch nur dann, wenn es offensichtlich<br />

ist. Trotz alledem hilft es nicht, zu einer<br />

kompletten Vermeidung des „Genusses“<br />

zu führen. Stattdessen wird<br />

oft selbst ein geringer Alkoholkonsum<br />

verleugnet.<br />

Die Berliner Charité hat in einer<br />

Analyse feststellen können,<br />

dass von 125 Urinproben<br />

40<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Gesundheit<br />

Hellmut Seemann<br />

Schwerwiegendes<br />

Erbe<br />

Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000<br />

41


Gesundheit<br />

12,5 Prozent der<br />

gynäkologischen Patientinnen<br />

haben ein Alkoholproblem,<br />

aber nur 7 Prozent werden<br />

diagnostiziert.<br />

Einige Merkmale*,<br />

die das Vorliegen von<br />

FASD vermuten lassen:<br />

►Entwicklungsstörungen<br />

►Sprach- und Hörstörungen<br />

►Ess- und Schluckstörungen<br />

(bei Säuglingen)<br />

►Muskelhypotonie<br />

►Epilepsie<br />

►feinmotorische Dysfunktion/<br />

Koordinationsstörungen<br />

►gestörter Schlaf-/Wachrhythmus<br />

►Verhaltensstörungen<br />

►Konzentrationsschwäche,<br />

Lernschwäche<br />

►Intelligenzmangel<br />

►Aggressivität<br />

►Hyperaktivität<br />

►Autismusgestörtes Sozialverhalten<br />

*nicht alle dieser hier aufgeführten Störungen müssen bei<br />

jedem Kind vorhanden sein. Es ist eine Aufzählung der am<br />

häufigsten festgestellten Merkmale bei FASD [FASworld e.V.]<br />

schwangerer Frauen in neun<br />

Fällen (7,2 Prozent) Äthanol<br />

(Alkohol) nachzuweisen war.<br />

Lediglich eine Patientin (0,8<br />

Prozent) hatte anamnestisch<br />

(Befragung im Vorfeld) Alkoholkonsum<br />

angegeben.<br />

Es mangelt an Aufklärung<br />

In einer Serie des<br />

Deutschen Ärzteblatts<br />

zum Thema Alkoholismus<br />

wurde<br />

dargestellt, dass<br />

12,5 Prozent der<br />

gynäkologischen<br />

Patientinnen ein<br />

Alkoholproblem<br />

aufweisen, von<br />

denen jedoch nur<br />

sieben Prozent<br />

diagnostiziert wurden.<br />

Das sollte sich<br />

dahingehend ändern,<br />

dass Frauen grundsätzlich<br />

bereits vor oder<br />

spätestens zu Beginn einer<br />

Schwangerschaft über die Risiken<br />

des Alkoholkonsums aufgeklärt werden.<br />

Weiter ist es ratsam, den Verlauf<br />

der Schwangerschaft auch bezüglich<br />

dieses Konsums im Mutterpass zu<br />

dokumentieren. Denn „Alkoholkonsum<br />

in der Schwangerschaft ist die<br />

wichtigste vermeidbare Ursache<br />

für angeborene Fehlbildungen in<br />

Deutschland. Die frühzeitige Thematisierung<br />

von Risiken könnte zu<br />

einem weniger riskanten Verhalten<br />

der Schwangeren oder zur kompletten<br />

Abstinenz führen, weil nur<br />

ein geringer Anteil der Patientinnen<br />

mit riskantem Konsummuster auch<br />

alkoholabhängig ist. Tatsächlich alkoholkranken<br />

Schwangeren kann<br />

durch eine frühzeitige Intervention<br />

nicht nur zu einem gesunden Kind,<br />

sondern möglicherweise auch zur<br />

Abstinenz verholfen werden“ [Charité<br />

Berlin].<br />

Das fetale Alkoholsyndrom<br />

So kann auch eine spätere Fehldiagnose<br />

beim Kind wesentlich besser<br />

vermieden werden, da es unterschiedlich<br />

ausgeprägte Formen des<br />

FAS gibt. Deswegen unterscheidet<br />

man auch in der Bezeichnung: Die<br />

am deutlichsten erkennbare Form<br />

der Entwicklungsstörung ist das fetale<br />

Alkoholsyndrom. Hingegen werden<br />

geringere Störungen als fetale Alkoholeffekte<br />

bezeichnet (FAE). Dabei<br />

wird es bei dieser Diagnose bereits<br />

schwierig, denn solche Störungen<br />

lassen sich nur verifizieren, wenn der<br />

Alkoholkonsum während der Schwangerschaft<br />

dokumentiert wurde. Weil<br />

keine definitiven Grenzen zwischen<br />

FAS und FAE gezogen werden können,<br />

werden alle bedeutenden Diagnosen<br />

unter dem Sammelbegriff „fetal alcohol<br />

spectrum disorder“, kurz FASD<br />

zusammengefasst.<br />

Ausschlaggebend sind vor allem<br />

Organschäden, veränderte Ausbildungen<br />

im Gesicht und an den Handinnenflächen,<br />

Kleinwuchs – auch ein zu<br />

kleiner Kopf (Mikrozephalie) und, Achtung:<br />

Schäden des zentralen Nervensystems.<br />

Während sich die veränderten<br />

Erscheinungsbilder des Gesichts<br />

im Laufe der Jahre positiv verwachsen<br />

können, bleibt ein zu kleiner Kopf zu<br />

klein. Und die Organ- und Nervensystemschäden<br />

sind ebenso irreversibel.<br />

Das ist insofern fatal, da auf<br />

Grund der Mikrozephalie das<br />

Gehirn nicht vollständig ausgebildet<br />

werden konnte. Resultat ist ein<br />

erheblicher Intelligenzmangel, wodurch<br />

die Kinder es nicht zum Besuch<br />

einer Regelschule schaffen können.<br />

Das zu gering ausgebildete zentrale<br />

Nervensystem verursacht unter anderem<br />

Hyperaktivität und Aggressivität.<br />

Hier öffnet sich ein weiteres Problem:<br />

die Diagnose wird falsch gestellt. Allzu<br />

schnell werden die Kinder mit dem<br />

ADS/ADHS-Syndrom diagnostiziert.<br />

Sie werden möglicherweise mit dem<br />

Medikament Ritalin auf die „Ruhebank“<br />

gesetzt, was natürlich den völlig<br />

falschen Ansatz darstellt – vor allem<br />

angesichts der eventuellen Organschäden.<br />

So werden auffällige Erscheinungen<br />

nur überdeckt, aber es wird<br />

nicht geholfen.<br />

Man muss allerdings auch erwähnen,<br />

dass viele Kinder mit dem<br />

FASD-Syndrom in Pflege- oder Adoptivfamilien<br />

aufgenommen werden. Die<br />

„neuen“ Eltern werden jedoch meist<br />

über die Vorgeschichte des zu betreuenden<br />

Kindes gar nicht oder nur miserabel<br />

informiert. Das ist unverzeihlich,<br />

denn: Die daraus folgende Hilflosigkeit<br />

ist nur allzu verständlich. Zumal das<br />

Baby, das aufgenommen wurde, zunächst<br />

einfach nur so süß ausschaut<br />

wie alle anderen. Niemand ahnt zunächst,<br />

welche Schwierigkeiten dieses<br />

42<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Mögliche Schädigungen des Kindes bei<br />

Fetalem Alkoholsyndrom<br />

Gesundheit<br />

heranwachsende Kind in Zukunft haben<br />

wird. Selbst anfängliche Ess- und<br />

Schluckstörungen werden aus Unwissenheit<br />

falsch interpretiert.<br />

„Wurde in der Schwangerschaft ein<br />

riskanter Alkoholkonsum oder gar die<br />

Alkoholabhängigkeit einer Schwangeren<br />

diagnostiziert, darf die Betreuung<br />

nicht mit der Geburt enden. Für die<br />

Kinder ist die Früherkennung von somatischen<br />

Störungen, wie Seh- oder<br />

Hörstörungen, von essenzieller Bedeutung<br />

für die weitere Entwicklung<br />

und für die Einbindung in spezielle<br />

Förderprogramme.“ [Charité Berlin]<br />

In der Öffentlichkeit kaum bekannt<br />

Wenn also bereits zu Anbeginn eines<br />

neuen Lebens nicht ehrlich mit den<br />

möglichen Einschränkungen umgegangen<br />

wird, ist es nicht erstaunlich,<br />

dass man auch in der Öffentlichkeit<br />

nur wenig davon mitbekommt. Während<br />

es wirklich sehenswerte und<br />

beeindruckende Kampagnen zum Alkoholkonsum<br />

von Jugendlichen und<br />

jungen Erwachsenen im Fernsehen<br />

und auf Plakatwänden zu sehen gibt,<br />

fällt das warnende Mitteilungsbedürfnis<br />

an Schwangere doch eher dürftig<br />

aus. Immerhin wird es nicht völlig vergessen.<br />

So auch die Markierung auf diversen<br />

Alkoholika völlig unterschiedlicher<br />

Abfüller, die darauf hinweist, dass<br />

dieses Getränk nicht für Schwangere<br />

geeignet ist. Auf dem „guten“ Champagner<br />

ist nichts zu finden, jedoch auf<br />

der einen oder anderen Billigvariante<br />

von italienischem Wein im Tetra-Pak<br />

(d.h. längst nicht auf allen Marken!).<br />

Vergleichsweise sieht es bei „Schnäpsen“<br />

aus. Der gute Gedanke ist jedenfalls<br />

durchaus löblich erkennbar. Da<br />

dieser Hinweis, sei er auch noch so<br />

klein, längst nicht auf allen alkoholischen<br />

Getränken zu finden ist, darf<br />

man davon ausgehen, dass es zu diesem<br />

heiklen Thema immer noch keine<br />

klare Entscheidung gegeben hat. Im<br />

Gegensatz dazu gibt es seit Jahren auf<br />

Tabakschachteln jedweder Form einen<br />

deutlich sichtbaren Hinweis auf die<br />

Gesundheitsschädlichkeit. Tabakwerbung<br />

findet sich längst nicht mehr im<br />

TV. Warum gelten diese Regelungen<br />

nicht für alkoholische Getränke?<br />

Fazit ist, dass der gewöhnliche<br />

Alkoholkonsum mit anderen<br />

Augen betrachtet werden sollte.<br />

Nur durch Aufklärung kann man der<br />

Gesellschaft klarmachen, dass die Ablehnung<br />

von alkoholischen<br />

Getränken<br />

auch einen Sinn in<br />

sich birgt: Die eigene<br />

Gesundheit,<br />

respektive die<br />

meines entstehenden<br />

Kindes.<br />

Eine Erhebung<br />

der Deutschen<br />

Hauptstelle für<br />

Suchtfragen bestätigt,<br />

dass lediglich<br />

zwei von zehn<br />

Frauen wirklich<br />

keinen Alkohol<br />

in der Schwangerschaft<br />

zu sich<br />

nehmen – das ist<br />

beachtlich. Entsprechend<br />

sollten<br />

sich auch alte Hausmittelchen wie<br />

Alkohol trinken, um die Kontraktionsbereitschaft<br />

der Gebärmutter zu<br />

senken, oder ein Cocktail aus Alkohol<br />

und Rizinusöl zur Wehenauslösung<br />

selbstverständlich verbieten. Tatsächlich<br />

werden mehr Kinder mit FASD als<br />

mit dem bekannten Down-Syndrom<br />

geboren. Und man kann es nur betonen:<br />

FASD ist die häufigste geistige<br />

Einschränkung, die nicht genetisch<br />

bedingt ist und die völlig vermeidbar<br />

wäre! Jeder Tag<br />

der Abstinenz<br />

zählt für die Entwicklung<br />

des Ungeborenen.<br />

Egal,<br />

wann man damit<br />

beginnt, ist es immer<br />

nur zum Vorteil.<br />

Und der Engel<br />

des<br />

HERRN erschien<br />

der Frau<br />

und sprach zu<br />

ihr: Sieh doch,<br />

du bist unfruchtbar<br />

und gebierst<br />

nicht; aber du<br />

wirst schwanger<br />

werden und einen<br />

Sohn gebären.<br />

Und nun, hüte dich<br />

doch und trinke<br />

weder Wein noch<br />

Rauschtrank und<br />

iss ja nichts Unreines!<br />

(Buch der<br />

Richter 13, 3-4). ■<br />

WON GOLD<br />

Quellen:<br />

FORUMGesundheit.at<br />

meb.uni bonn.de<br />

FASworld.de<br />

BzgA<br />

aerzteblatt.de/lit3904<br />

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Gesundheit<br />

Reconnective<br />

Therapy<br />

Erinnerung an unsere eigene Vollkommenheit<br />

Herwig Schön<br />

44<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Gesundheit<br />

Vordergründig ist der Mensch ein<br />

beklagenswert verwundbares Wesen,<br />

anfällig für Störungen, Erkrankungen<br />

und Schmerzen. Aber in den<br />

Tiefenschichten existiert ein Urbild<br />

unseres heilen Körpers und unserer<br />

heilen Seele. Krankheit kann<br />

also auch definiert werden als die<br />

unterbrochene Verbindung zu diesem<br />

Urbild. ReconnectiveTherapy<br />

arbeitet mit dem Energiekörper des<br />

Menschen, der den materiellen Körper<br />

organisiert und ihm Leben gibt.<br />

Sie ist, wie der Name sagt, „Wiederverbindung“<br />

zwischen der kranken<br />

Oberfläche und der tiefer liegenden<br />

Ebene der Perfektion.<br />

Die Physik hat längst ausführlich<br />

das Verhältnis von Kraft und<br />

Materie untersucht. Man weiß,<br />

dass Materie sich nur dann bewegen<br />

kann, wenn eine Kraft dies bewirkt.<br />

Schauen wir uns das zum Beispiel an<br />

einer Zelle an. Wir sehen, dass diese<br />

aus ganz verschiedenen Elementen<br />

besteht wie Kohlenstoff, Stickstoff,<br />

Wasserstoff, Sauerstoff und Spurenelementen.<br />

Nehme ich diese Stoffe<br />

her und gebe sie im richtigen Mischungsverhältnis<br />

in ein Gefäß, dann<br />

habe ich damit keine Zelle, sondern<br />

nur ein Miteinander dieser Stoffe.<br />

Was eine lebendige Zelle von der reinen<br />

Stofflichkeit, aus der sie besteht,<br />

unterscheidet, ist eine Kraft, die diese<br />

Stoffe so anordnet, dass sich eine Zelle<br />

manifestiert. Diese Kraft nenne ich<br />

den Energiekörper.<br />

Was für eine Zelle gilt, gilt natürlich<br />

auch für einen Verbund von Zellen, wie<br />

es der menschliche Körper ist. Unser<br />

Körper ist Materie, durch eine Kraft<br />

in eine bestimmte Form organisiert.<br />

Diese Kraft ist immer da, es spielt keine<br />

Rolle, ob sie sich innerhalb der materiellen<br />

Welt ausdrückt oder nicht.<br />

Verbindet sie sich mit der stofflichen<br />

Welt, dann nennen wir das „Empfängnis“,<br />

verlässt sie die stoffliche Welt,<br />

nennen wir es „Tod“. Hier können wir<br />

bereits deutlich erkennen, dass der<br />

stoffliche Körper etwas Regiertes ist<br />

und nichts aus sich selbst heraus er-<br />

zeu-<br />

gen kann.<br />

Im Zusammenhang<br />

mit unserem Thema Heilung<br />

bedeutet das, dass der Ursprung von<br />

Krankheit ausschließlich im Energiekörper<br />

zu finden ist und nicht im<br />

stofflichen Körper. Daraus folgt, dass<br />

Heilung am Ursprung einer Erkrankung<br />

nur durch eine Veränderung im<br />

Energiekörper zu erreichen ist.<br />

Der Aufbau des Energiekörpers<br />

Der Energiekörper eines Menschen<br />

ist ein recht komplexes Gebilde, das<br />

ich hier in einigen wesentlichen Aspekten<br />

darstellen will. Er enthält<br />

unter anderem die Information über<br />

Körperstruktur und Funktion auf<br />

zwei verschiedenen Ebenen, die sich<br />

durch ihre Frequenz unterscheiden.<br />

Die eine ist die Information über den<br />

aktuellen Zustand eines Menschen.<br />

Wenn jemand z.B. Krebs hat, dann ist<br />

der Tumor als Information in diesem<br />

Teil des Energiekörpers enthalten.<br />

Auf einer anderen Ebene, die auf einer<br />

deutlich höheren Schwingungsebene<br />

liegt, befindet sich die Information<br />

über perfekte Körperstruktur<br />

und Funktion.<br />

Hier gibt es keine Information<br />

über Krankheit<br />

oder Fehlfunktion<br />

irgendeiner Art. Gemäß<br />

dieser rein strukturellen<br />

Sichtweise kann ein<br />

Mensch nur dann erkranken,<br />

wenn Information<br />

aus dieser Ebene<br />

der Perfektion nicht mit<br />

dem stofflichen Körper<br />

verbunden ist.<br />

Ein anderer Teil des menschlichen<br />

Energiekörpers enthält all<br />

unsere Gedanken und Gefühle<br />

sowie folglich all unsere Erinnerungen.<br />

Genau wie im Bereich von Körperstruktur<br />

und Funktion, existiert<br />

diese Information auf verschiedenen<br />

Schwingungsebenen. Gefühle von<br />

Hass, Neid oder Schuld haben eine<br />

wesentlich niedere Schwingung als<br />

die von Mitgefühl oder Liebe. ReconnectiveTherapy<br />

ist eine Möglichkeit<br />

Information aus den höheren Schwingungsebenen<br />

der Perfektion mit dem<br />

stofflichen Körper zu verbinden.<br />

Dies geschieht über<br />

Resonanz oder Schwingungsanregung.<br />

Heilung als Informationsübertragung<br />

Die Frequenzen der verschiedenen<br />

Ebenen des menschlichen Energiekörpers<br />

sind bei jedem gleich. Das<br />

ist ähnlich wie beim Atommodell, bei<br />

dem die Elektronen in jedem Element<br />

auf dem gleichen Energieniveau zu<br />

finden sind. In einer RCT-Behandlung<br />

aktiviert der Therapeut zum Beispiel<br />

die Frequenz von perfekter Körperstruktur<br />

und Funktion in seinem<br />

eigenen Energiekörper. Da diese<br />

Information beim Patienten auf derselben<br />

Schwingungsebene zu finden<br />

ist, findet hier eine Schwingungsanregung<br />

statt. Dieser Bereich im Energiekörper<br />

des Patienten schwingt<br />

dann stärker, also mit einer höheren<br />

Amplitude. Das führt dazu, dass<br />

Verbindungen von dort in den stofflichen<br />

Körper entstehen. Es ist meine<br />

Erfahrung, dass diese Verbindungen<br />

sich verankern, also bestehen bleiben.<br />

In den 15 Jahren meiner Erfahrungen<br />

mit RCT habe ich noch nie<br />

erlebt, dass so eine Verbindung sich<br />

gelöst hätte.<br />

Unser Körper ist Materie,<br />

durch eine Kraft in<br />

eine bestimmte Form<br />

organisiert.<br />

Informationsübertragung in diesen<br />

Bereichen unterliegt nicht der<br />

Struktur von Zeit. Ich habe erlebt,<br />

dass diese Verbindungen innerhalb<br />

von Sekunden entstehen können.<br />

Dann wird der Körper mit der Information<br />

seiner eigenen Perfektion versorgt<br />

und baut sich entsprechend um,<br />

ein Vorgang, den wir „Heilung“ nennen.<br />

Der Umbauprozess innerhalb der<br />

Stofflichkeit unterliegt dann aber der<br />

Zeit. Nach meiner Erfahrung braucht<br />

der Körper nach einer Behandlung im<br />

Schnitt vier Wochen, um das Wesentliche<br />

dieser Arbeit zu leisten, und dann<br />

kann der Vorgang wiederholt werden.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 45


Gesundheit<br />

Wie wir Erfahrungen kreieren<br />

Als nächstes will ich auf den Heilungsprozess<br />

des Denkens und Fühlens zu<br />

sprechen kommen. Ich durfte lernen,<br />

dass der Mensch mit einer enormen<br />

Kraft ausgestattet ist: der Kraft zu erschaffen.<br />

Diese Kraft ist immer aktiv.<br />

Das heißt: Der Mensch hat nicht die<br />

Wahl, ob er etwas erschaffen will oder<br />

nicht. Die Frage ist nur, ob er es bewusst<br />

tut oder unbewusst. Alles, was<br />

wir erleben, haben wir selber kreiert.<br />

Allein das Wissen um diesen Sachverhalt<br />

kann einen Menschen frei setzen.<br />

Sowie ein Inhalt im Gemüt eines Menschen<br />

mit genügend Energie aufgeladen<br />

wird, manifestiert er sich in der<br />

stofflichen Welt.<br />

Erfüllt sich ein Mensch z.B. einen<br />

materiellen Wunsch, hat<br />

er etwas bewusst erschaffen.<br />

Das trifft jedoch im Fall von Krankheit<br />

so gut wie nie zu, diese Kreationen<br />

kommen aus dem Unterbewusstsein.<br />

Solche Schöpfungen entstammen<br />

meist Überzeugungen, von denen<br />

der Mensch gar nicht weiß, dass er<br />

sie hat. Überzeugungen haben nicht<br />

nur einen sehr klaren Inhalt, sondern<br />

tragen auch eine hohe energetische<br />

Ladung. Hier ein Beispiel, wie eine<br />

solche Überzeugung entstehen kann:<br />

Ein Mensch hat einen anderen sehr<br />

geliebt und ist von diesem unter unangenehmen<br />

Umständen verlassen<br />

worden. Diesen Schmerz konnte er<br />

nicht verarbeiten, und somit entstand<br />

ein emotionales Trauma. Die Überzeugung,<br />

die damit einhergeht ist:<br />

„Nähe ist etwas sehr Gefährliches“.<br />

Diese Art Überzeugungen werden,<br />

wenn überhaupt, nur selten bewusst<br />

kreiert. Sie sind Teil eines Selbstschutzmechanismus<br />

der Psyche, die<br />

sich vor Erinnerungen schützt, die sie<br />

nicht verarbeiten kann.<br />

Überzeugungen können zu<br />

Krankheiten führen<br />

Was kreiert ein Mensch, der so eine<br />

Überzeugung im Unterbewusstsein<br />

hat? Der Inhalt ist, dass Intimität zu<br />

einem anderen Menschen gefährlich<br />

ist. Die energetische Ladung ist<br />

die Furcht aus der Erinnerung an<br />

die Vergangenheit. Das Ergebnis ist:<br />

Sollte er sich wieder einmal öffnen,<br />

wird er eine ähnliche Situation anziehen,<br />

wie die, die seine Überzeugung<br />

verursacht hat. Durchforste einmal<br />

dein Leben nach Situationen, die sich<br />

immer wiederholen und prüfe, ob du<br />

eine verborgene Überzeugung dahinter<br />

entdecken kannst.<br />

Eine solche Überzeugung kann<br />

sehr wohl zu körperlicher Erkrankung<br />

führen. In unserem Beispiel<br />

könnte sie dazu führen, dass sich<br />

das Herz bei diesem Menschen chronisch<br />

verkrampft –einfach deswegen,<br />

weil Intimität zu der natürlichen Bewegung<br />

des Herzens gehört und es<br />

sich zusammenziehen muss, um dem<br />

nicht zu folgen. Das kann zu Starre<br />

der Herzkranzgefäße, dadurch zu<br />

Ablagerungen und schließlich zum<br />

Herzinfarkt führen. Nicht hohes Cholesterin,<br />

hoher Blutdruck oder andere<br />

materielle Ursachen lagen dann<br />

in letzter Konsequenz dem Infarkt<br />

zugrunde, sondern eine unbewusste<br />

Überzeugung.<br />

Die Heilung des Denkens und Fühlens<br />

Jetzt kommen wir zu der Frage, wie<br />

so etwas mit RCT heilen kann. Wie wir<br />

gesehen haben, liegt der Ursprung einer<br />

unbewussten Überzeugung in der<br />

Interpretation einer Erinnerung – mit<br />

dem Ziel, die Psyche vor Überlastung<br />

zu schützen. Die Heilung kann geschehen,<br />

indem diese Interpretation durch<br />

eine andere von höherer Frequenz ersetzt<br />

wird. Hier ein Beispiel aus dem<br />

alltäglichen Leben: Stell dir vor, du<br />

hast einen schweren Arbeitstag hinter<br />

dir und bist mit dem Auto auf dem<br />

Weg nach Hause. Daheim erwarten<br />

dich auch Probleme, du bist also nicht<br />

gerade gut gelaunt. In dieser Situation<br />

nimmt dir jemand sehr grob die Vorfahrt.<br />

Du ärgerst dich und fluchst, und<br />

wenn du nach Hause kommst, ist das<br />

das erste, wovon du sprichst. Deine<br />

Familie muss unbedingt erfahren,<br />

was für ein Idiot besagter Autofahrer<br />

ist, wie gefährlich und verantwortungslos<br />

er fährt. Das ist aber nur eine<br />

von vielen möglichen Interpretationen<br />

dieses Ereignisses, und zwar eine, mit<br />

der du großen Unfrieden erzeugst.<br />

Denkbar wäre auch, an das Erlebnis<br />

mit einer anderen Einstellung heranzugehen.<br />

„Mein Gott, vielleicht geht es<br />

dem noch schlechter als mir!“ Wenn<br />

du so denken kannst, ist alles friedlich<br />

und ruhig, das Ereignis ist schnell vergessen.<br />

Die Heilung der Psyche funktioniert<br />

im Prinzip genauso wie<br />

die Heilung des stofflichen<br />

Körpers. Ein Teil des Energiekörpers<br />

enthält die Gedanken und Gefühle eines<br />

Menschen so wie sie gerade sind.<br />

Zusätzlich gibt es den Bereich der höher<br />

schwingenden Möglichkeiten zu<br />

denken und zu fühlen. Wenn Informationen<br />

aus diesem Bereich zugänglich<br />

gemacht werden, können Ereignisse<br />

aus der Vergangenheit neu interpretiert<br />

werden – und zwar in einer deutlich<br />

höheren Schwingung als zuvor.<br />

Diese Interpretationen dienen dann<br />

nicht mehr dazu, die Psyche zu schützen,<br />

sondern ausschließlich dazu, sie<br />

zu heilen, sie somit auf eine höhere<br />

Schwingungsebene zu heben. Es ist<br />

meine Beobachtung, dass dieser Prozess<br />

fast ausschließlich über das Unterbewusstsein<br />

läuft, da das Bewusstsein<br />

Transformationsprozesse dieser<br />

Größenordnung in aller<br />

Regel nicht aushalten<br />

kann.<br />

46 MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Gesundheit<br />

Wie die Therapie abläuft<br />

Diese Arbeit kann sowohl in der direkten<br />

Begegnung mit dem Patienten<br />

als auch aus der Entfernung durchgeführt<br />

werden. Die Behandlung selbst<br />

dauert nur 1-2 Minuten. Innerhalb<br />

dieses Zeitraums hat der Patient alles<br />

empfangen, was er derzeit aufnehmen<br />

kann. Im Anschluss braucht<br />

das gesamte System aber Zeit, um<br />

die Transformation zu durchlaufen.<br />

In der Regel dauert das vier Wochen.<br />

Danach kann wieder ein Impuls dieser<br />

Art gegeben werden. Ich habe in<br />

meiner Arbeit drastische Heilungen<br />

gesehen wie das Nachwachsen von<br />

Körperteilen oder die Restrukturierung<br />

von Verletzungen des Zentralnervensystems,<br />

worauf Gelähmte<br />

ihre Bewegungsfähigkeit vollkommen<br />

wiedererlangt haben. Ich habe Menschen<br />

gesehen, die von tiefer Depression<br />

zu großer Freude, Kreativität und<br />

Erfüllung gefunden haben und solche,<br />

die innerhalb von Tagen von Krebs<br />

genasen. Es ist aber auch vorgekommen,<br />

dass der Patient trotz langer Behandlungszeit<br />

keinerlei Veränderung<br />

spürte.<br />

Meine Frau Kerstin und ich<br />

führen Behandlungen per Telefon<br />

durch sowie persönlich<br />

in Gruppen. Der Vorteil von Gruppenbehandlungen<br />

besteht darin, dass<br />

die Heilung durch den Resonanzeffekt<br />

noch mehr Kraft entfaltet<br />

– und zwar um so mehr,<br />

je mehr Menschen<br />

zusammenkommen.<br />

Darüber hinaus verbinden<br />

wir bewusste Arbeit mit der RCT. Das<br />

heißt, der Klient bemüht sich um Aufarbeitung<br />

seiner Vergangenheit. Dies<br />

wiederum öffnet Tore für sehr viel<br />

mehr Heilung durch die RCT über<br />

das Unterbewusste. Dafür bieten wir<br />

unsere so genannten Heilungstage<br />

an sowie das dreitägige Programm,<br />

das RCT Intensiv für Heilung. Die<br />

Transformation während dieser<br />

dreitägigen Arbeit ist so stark, dass<br />

sie einer Neugeburt der Teilnehmer<br />

gleichkommt.<br />

Ein neues Paradigma der Heilkunde<br />

Ich habe diese Arbeit ein „neues Paradigma<br />

der Heilkunde“ genannt.<br />

Es beinhaltet ein neues Verständnis<br />

des Phänomens Krankheit und Heilung.<br />

Krankheit ist nicht etwas, das<br />

uns zustößt; wir kreieren sie selbst,<br />

das heißt die Verantwortung für alles,<br />

was uns geschieht, liegt bei uns.<br />

Niemand muss uns „Heilung geben“.<br />

Es ist schon alles da, wir müssen<br />

uns nur daran erinnern. Der „Heiler“<br />

wird nicht mehr als Person aufgefasst,<br />

die uns etwas gibt, sondern als<br />

jemand, der uns „erinnert“. Heilung<br />

ist schlicht ein Prozess beschleunigter<br />

Transformation, die sich auch<br />

ohne den „Heiler“ vollziehen würde,<br />

vielleicht nur<br />

etwas später.<br />

W i r<br />

sind hier, um das Göttliche, das wir<br />

sind, im Körper auszudrücken und zu<br />

leben. Und eine der Möglichkeiten,<br />

das zu aktivieren, besteht daran, uns<br />

gegenseitig daran zu erinnern. ■<br />

Buchtipp:<br />

Herwig Schön: Reconnective Therapy.<br />

Ein neues Paradigma der Heilung –<br />

Rückverbindung mit dem ursprünglichen<br />

Energiekörper – Körperliche und<br />

emotionale Traumen heilen. Windpferd<br />

Verlag, 248 Seiten, Euro 12,90<br />

Herwig Schön, ist seit 1989 als<br />

Heilpraktiker tätig.<br />

Bis 1998 lag sein<br />

Schwerpunkt auf<br />

der klassischen<br />

Homöopathie. Von<br />

1995 bis 1998 lernte<br />

er am Upledger<br />

Institut Cranio-<br />

Sakral-Therapie und parallel dazu<br />

integrative manuelle Therapie bei Dialogs<br />

in contemporary Rehabilitation“ in<br />

Deutschland und den USA. Herwig Schön<br />

entwickelte die Reconnective Therapy. Sein<br />

Hauptstützpunkt ist z.Z. Whidbey Island in<br />

den, USA. Herwig Schön bietet zusammen mit<br />

seiner Frau Kerstin Veranstaltungen in den USA<br />

sowie in Europa an.<br />

www.reconnectivetherapy.com


Wurzeln<br />

Das älteste "Navi" der<br />

Geschichte: Mit Hilfe<br />

des Ariadnefadens fand<br />

Theseus den Weg aus dem<br />

Labyrinth.<br />

Mythologie<br />

Nahrung für die Seele<br />

Gabriele Quinque<br />

48<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wurzeln<br />

Ein langes Stück Schnur ist alles,<br />

was Theseus braucht, um in das Labyrinth<br />

des Minotaurus herein- und<br />

vor allem auch wieder herauszukommen,<br />

nachdem er seine Heldentat<br />

vollbracht hat. Diesen Ariadnefaden<br />

wünscht sich ein Mensch, der<br />

ernsthaft beginnt, sich der<br />

Mythologie zuzuwenden.<br />

Zahllose überlieferte<br />

Legenden werden geringschätzig<br />

belächelt.<br />

In der materiellen Verblendung<br />

der Gegenwart denken<br />

viele Menschen, das seien<br />

nur altertümliche Mythen,<br />

die heute keine Bedeutung<br />

mehr haben. Aufgrund einer<br />

phantastischen Bilderwelt<br />

passen sie nicht in die derzeitige<br />

Logik. Es fehlt der Blick<br />

für die innere Struktur eines<br />

jeden Mythos, da der heutige<br />

Mensch im Wesentlichen<br />

auf die äußere Form einer<br />

Geschichte achtet und sich<br />

unterhalten lassen möchte.<br />

Er will sich sozusagen „unten<br />

halten“. Voreilig verwirft<br />

er die Mythologie als irrational,<br />

wenn von Drachen die<br />

Rede ist, die den Helden in<br />

seiner Kraft prüfen, oder<br />

wenn magische Werkzeuge<br />

auftauchen, die das Werk<br />

des Helden unterstützen. Die<br />

unlogisch und unvernünftig<br />

anmutende Flut von Bildmaterial<br />

in antiken Mythen<br />

findet keine Gnade vor den strengen<br />

Richtern moderner Intellektualität.<br />

Obwohl die Mythen des Altertums<br />

noch als Pflichtlektüre durch die<br />

Gymnasien geistern, wird vieles entmythologisiert,<br />

da man den inhaltlich<br />

wertvollen Zugang nicht mehr findet.<br />

Die Schulen konzentrieren sich<br />

hauptsächlich auf äußeres Wissen,<br />

um den Menschen auf das anstrengende<br />

praktische Leben vorzubereiten.<br />

Auch Psychologen kümmern sich<br />

eigentlich nicht um die Seele, sie therapieren<br />

ihre Klienten hauptsächlich<br />

auf das Ziel hin, alltagstauglich und<br />

unauffällig durch die Welt zu gehen.<br />

Selbst die religiösen Mythen drohen<br />

in einer historisch orientierten Religionswissenschaft<br />

unterzugehen. Die<br />

Perspektive einer geistigen Erhebung<br />

schimmert für das Gros der Bevölkerung<br />

leider kaum noch hindurch. Entmystifiziert<br />

verfehlen auch christliche<br />

Motive ihren heilsamen Zweck und<br />

dienen allenfalls einer sozial-moralischen<br />

Umgangsform. Als Meister<br />

Eckhart im 13. Jahrhundert den Begriff<br />

„Bildung“ der deutschen Sprache<br />

Herkules und die Hydra.<br />

Gemälde von Antonio<br />

Pollaiuolo (1432-1498)<br />

hinzufügte, definierte er das Bild noch<br />

als eine Sache zwischen Mensch und<br />

Gott. Ein Gebildeter sollte jenen uralten<br />

Bildern nachfolgen, die ihn über<br />

den niederen Instinkt in eine erhöhte<br />

Wahrnehmung zu erheben vermochten.<br />

Wer sich jedoch heute für gebildet<br />

hält, meint nicht viel mehr, als dass<br />

er ausreichend über die Bandbreite<br />

menschlicher Handlungen informiert<br />

ist. Allgemeinbildung nennt man dies.<br />

Vielseitig interessiert zu sein gilt als<br />

Gütesiegel. Interesse heißt aber „dazwischen<br />

sein“ und mal hier, mal da<br />

ein Randgeschehen „downzuloaden“.<br />

Nirgends wird dies in solcher<br />

Deutlichkeit gezeigt wie im<br />

Weisheit<br />

Mythos, wenn Mose anfänglich<br />

das Amt des Propheten ausschlagen<br />

will oder Odysseus sich weigert,<br />

gegen Troja in den Krieg zu ziehen.<br />

Auch in den volkstümlichen Varian-<br />

Die Lösung aus dem Kollektiv<br />

Der Mensch hat jedoch eine weitaus<br />

größere Aufgabe zu erfüllen als<br />

glücklich, gesund und reibungslos<br />

die Spanne zwischen Geburt und Tod<br />

hinter sich zu bringen. Nur wenige<br />

spüren dies und richten sich innerlich<br />

zum senkrecht stehenden Kreuz auf,<br />

da sie die Individuation in eine höhere<br />

Bewusstheit anstreben. Eben diesen<br />

Prozess zeigen alle überlieferten<br />

Mythen und Märchen auf. Sie handeln<br />

von dem bewussten<br />

Heraustreten aus der<br />

Herde und künden unermüdlich<br />

von der Bewältigung<br />

schwieriger<br />

bis lebensbedrohender<br />

Aufgaben. Werden<br />

diese harten Prüfungen<br />

von einem Helden<br />

gemeistert, erleben<br />

wir die Rückkehr des<br />

gestärkten Individuums<br />

in die zuvor verlassene<br />

Gemeinschaft.<br />

Es erfolgt das Wiedereingliedern<br />

auf einer<br />

neuen Ebene des Bewusstseins.<br />

Nach seiner<br />

Heldentat erweist<br />

sich der Mensch als<br />

festes Glied einer Kette<br />

und übernimmt die volle<br />

Verantwortung für<br />

das Wohl des Ganzen.<br />

Der Ruf ergeht<br />

Zu Beginn eines jeden<br />

Mythos ergeht der Ruf<br />

zur großen Tat. Doch<br />

meistens hat der zukünftige<br />

Held wenig<br />

Lust, das zu verlassen,<br />

was er für seine<br />

weltliche Ordnung hält. Er sieht sich<br />

einem bedrohlichen Ablösungsprozess<br />

ausgeliefert und klammert sich<br />

fest an die ökonomische Sicherheit.<br />

Ebenso wenig möchte er natürlich<br />

sein Weltbild verlassen, in dem er<br />

sich zu Hause fühlt. Aber an einem<br />

Ruf, der ergangen ist, gibt es nichts<br />

zu rütteln, und weglaufen hat keinen<br />

Zweck. Denn das Schicksal ereilt den<br />

Menschen immer auf jenen Wegen,<br />

die er eingeschlagen hat, um ihm zu<br />

entgehen.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 49


Wurzeln<br />

issen<br />

ten von Sagen und Märchen, trägt das<br />

Verhalten immer dazu bei, das vorherbestimmte<br />

Gesetz einer höheren<br />

Macht erfüllen zu müssen, wie z. B.<br />

im Märchen Dornröschen. Dort wurden<br />

extra alle Spindeln vernichtet,<br />

um einer unguten Prophezeiung zu<br />

entkommen. Aber im entscheidenden<br />

Moment sticht die letzte verbliebene<br />

Spindel gerade deshalb zu, weil sie<br />

einen unbekannten Reiz auf Dornröschen<br />

ausübt.<br />

Das aufgeräumte Weltbild<br />

von Sol und Luna<br />

Der Mythos unterscheidet den männlichen<br />

und den weiblichen Weg. Während<br />

die Heldin demütig auf Erlösung<br />

wartet, großes Seelenleid erträgt<br />

und schließlich durch Liebe und Integration<br />

das hässliche Böse auflöst,<br />

erwartet der Mythos vom Heros in<br />

erster Linie körperliche Stärke, Mut<br />

und Geschicklichkeit. Ein Herkules<br />

kämpft mit seinen Zauberwaffen und<br />

überwindet den Schatten durch Vernichtung<br />

bedrohlicher Ungeheuer.<br />

Beide Möglichkeiten stehen gleichwertig<br />

nebeneinander. Im Mythos<br />

wirken alle Versuche der Geschlechter,<br />

den jeweiligen gegenpolaren<br />

Weg zu beschreiten, ähnlich verpolt<br />

wie deren Ableger, die uns im richtigen<br />

Leben entgegentreten. Wenn ein<br />

Mann sich übermäßig empfindsam<br />

zeigt oder eine Frau sich rücksichtslos<br />

die Karriereleiter emporkämpft,<br />

so gewinnt man oft den Eindruck,<br />

dass etwas Wesentliches verkehrt<br />

läuft. Solche Zerrbilder rühren von<br />

der geschlechtslosen Seele her, die<br />

letztendlich immer beide Seiten der<br />

Medaille erfüllen muss. Da die Seele<br />

jedoch in Raum und Zeit entweder<br />

an eine männliche oder weibliche<br />

Körperlichkeit gebunden ist, kann es<br />

passieren, dass das Gemüt dagegen<br />

aufbegehrt. Das Nichteinverstandensein<br />

mit männlichen oder weiblichen<br />

Archetypen belegt den schwierigen<br />

Wechsel von der einen Seite zur anderen,<br />

zu dem die Seele durch ihre<br />

Inkarnation verpflichtet ist.<br />

Helios als Personifikation<br />

des Mittages. Gemälde<br />

von Anton Raphael Mengs<br />

(1728-1779)<br />

Hinsichtlich dieser Problematik<br />

schärft die Mythologie den<br />

Blick für die archetypischen<br />

Muster, um diesen auf dem eigenen<br />

Lebensweg bereitwilliger folgen zu<br />

können. Der Mythos bleibt auch dort<br />

ehrlich und konsequent, wo die Dinge<br />

einen dramatischen Lauf nehmen.<br />

Wer sich wieder hineinarbeitet in<br />

das mythologische Schauen, verliert<br />

unrealistische Träume von einem<br />

konfliktfreien Dasein, nach dem der<br />

Mensch immer wieder strebt, obwohl<br />

es der allgemeinen Erfahrungen<br />

gänzlich widerspricht. Die Mythologie<br />

richtet unsere Aufmerksamkeit auch<br />

auf die Polarität, an die wir als Menschen<br />

gebunden sind. Ost und West,<br />

Mann und Frau, Krieg und Frieden<br />

sowie alle anderen gegenpolaren<br />

Paare lassen sich niemals innerhalb<br />

der sichtbaren Welt miteinander vermählen.<br />

Allein im Bewusstsein kann<br />

man beiden Seiten die gleiche Chance<br />

zur Verwirklichung einräumen.<br />

Als Folge dieser Einsicht könnte der<br />

Mensch die wesentlichen Gründe seiner<br />

Existenz in der Polarität wieder<br />

erahnen. Das würde vor allem heißen,<br />

äußeres Wissen und innere Weisheit,<br />

Zeitquantität und Zeitqualität wieder<br />

sauber voneinander getrennt wahrzunehmen.<br />

Dann hört man vielleicht<br />

auf, die falsche Instanz anzuklagen,<br />

wenn die Wasser der Meere von dem<br />

Öl aus den schwarzen Tiefen der Erde<br />

verunreinigt werden, um zu zeigen,<br />

dass das Leben selbst vergeht, wenn<br />

man mischt, was nicht gemischt werden<br />

darf. Man kann auch nicht das<br />

Einatmen mit dem Ausatmen mischen,<br />

ohne Probleme zu bekommen.<br />

Die Lebendigkeit der Welt basiert auf<br />

der Spannung von Gegensätzen und<br />

Rhythmen, wie sie uns im Mythos gezeigt<br />

werden.<br />

Die Reifeprüfung<br />

Der nächste Schritt im Mythos wird<br />

für den Menschen in seinem Leben<br />

erfahrbar. Ist der Ruf zur großen Tat<br />

dann schließlich freiwillig oder unfreiwillig<br />

angenommen worden, erhalten<br />

beide, Held und Heldin, echte<br />

Hilfe aus mysteriösen Quellen. Das<br />

kennt jeder, der sich ernsthaft auf<br />

den Weg macht, ein ungewöhnliches<br />

Ziel zu erreichen. Die Fäden der Vorsehung<br />

beginnen ihre Arbeit und ziehen<br />

den Menschen unweigerlich zu<br />

50<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wurzeln<br />

verschiedenen Stationen hin, die besonders<br />

am Anfang der Wanderung<br />

womöglich sogar in ihrer Täuschung<br />

durchschaut werden müssen. Mit der<br />

Zeit lernt man zu fliehen, wenn Frau<br />

Lüge und Herr Schmeichel einem den<br />

Weg versüßen wollen, um das Voranschreiten<br />

im Keim zu ersticken, weil<br />

sie nichts anderes darstellen als die<br />

rücksaugenden Schlingpflanzen eines<br />

soeben verlassenen Weltbildes.<br />

So wächst man auf dem Acker<br />

der Erkenntnis sehr langsam<br />

heran und wird reif für jene<br />

metaphysischen Stationen, die keine<br />

billigen Versprechungen mehr abgeben,<br />

sondern echte Hilfe in Form von<br />

Kraft und Selbstbewusstsein bereitstellen,<br />

damit der Sieg über das Reich<br />

des Unbewussten vom Individuum<br />

selbst erlangt werden kann. Bleibt<br />

diese überirdische Hilfe im Leben eines<br />

Menschen aus, so kann er sicher<br />

sein, dass er bereits an den ersten<br />

Aufgaben gescheitert ist. Vielleicht<br />

hegt er noch die Hoffnung, sich zwar<br />

selbst als Held gebärden zu können,<br />

den schwierigen Drachenkampf aber<br />

lieber an seinen Guru, seinen Therapeuten<br />

oder an das soziale Netz delegieren<br />

zu dürfen. Aber ohne Selbstverantwortung<br />

gibt es auch keinen<br />

Helden.<br />

Genau genommen gehört nur<br />

sehr wenig Symbolkenntnis dazu,<br />

die Strukturen der Mythen auf die<br />

geistige Entwicklung zu übertragen.<br />

Aber das Gros moderner Menschen<br />

hat die kulturbezogenen Mythologien<br />

in verstaubte Bücherregale gestellt,<br />

obwohl in ihnen jene Grundthesen<br />

enthalten sind, die für den Reifungsprozess<br />

der menschlichen Psyche<br />

ebenso notwendig sind wie Vitamine<br />

und Mineralien für den Körper.<br />

Auch die äußere gegenwärtige<br />

Welt ist ein Mythos, der gerade<br />

aufgeführt wird: Aber um das<br />

sehen zu lernen, empfiehlt es sich,<br />

die sogenannten alten Mythen zu<br />

studieren, weil hier unsere emotionale<br />

Verwicklung nicht sogleich aufbegehren<br />

muss, wenn es einmal eng<br />

wird für das Gemüt des Einzelnen.<br />

Eine gute Möglichkeit dazu bietet die<br />

griechische Mythologie. Momentan<br />

gehören die Göttergeschichten vom<br />

Olymp bloß zur Allgemeinbildung und<br />

sind mit ihren verzwickten Verwandtschaftsverhältnissen<br />

für viele gar<br />

nicht so recht nachzuvollziehen. Es<br />

gelingt einem noch ganz gut, die Eifersucht<br />

der Hera, die mächtig unter den<br />

Seitensprüngen ihres Göttergatten<br />

Zeus leidet und die mit dem Thema<br />

der weiblichen List und Rache nicht<br />

gerade zimperlich umgeht, im profanen<br />

menschlichen Leben wiederzuentdecken.<br />

Doch bereits hinsichtlich<br />

der zahlreichen Verwandlungskünste<br />

des großen Gottes<br />

schütteln wir heute<br />

den Kopf und haken<br />

das Ganze als unrealistisch<br />

und unbrauchbar<br />

ab.<br />

Aber spätestens in<br />

einem Gespräch mit<br />

einem Astrologen erfährt<br />

der Klient vielleicht,<br />

dass die griechische<br />

Liebesgöttin<br />

Aphrodite (Venus)<br />

sich ausgerechnet in<br />

seinem Horoskop mit<br />

Zeus (Jupiter) auf das<br />

Herkules<br />

Innigste verbunden<br />

habe und es dadurch<br />

angezeigt sei, dass<br />

der Horoskopeigner<br />

nun Liebe ohne Weihrauch<br />

und Myrrhe nicht so recht genießen<br />

kann. Oder wenn Ares (Mars),<br />

der Kriegsgott, ein unübliches Verhältnis<br />

mit Poseidon (Neptun) pflegt,<br />

kann man daran ablesen, dass der<br />

Betroffene den Krieg nach draußen<br />

projizieren muss, weil er Aggression<br />

im Pantheon seines eigenen Götterdramas<br />

(Horoskop) nicht wahrnehmen<br />

mag. Diese Beispiele zeigen,<br />

wie die Astrologie schon allein wegen<br />

der Sprache, die ihr zugrunde liegt,<br />

zu den olympischen Mythen führt. Es<br />

lohnt sich daher,<br />

diese<br />

als<br />

Träger<br />

d e r<br />

Die Vollwerternährung des Geistes<br />

kann mit Hilfe der tradierten Mysterienschlüssel<br />

wieder an das zu einseitig rationale<br />

Weltbild unserer Zeit angegliedert werden.<br />

Zeitqualität<br />

Oben rechts:<br />

Theseus kämpft mit dem<br />

Minotaurus<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 51<br />

3000


Wurzeln<br />

„Jede Mythologie<br />

transportiert das Größere<br />

und Unaussprechliche<br />

Urprinzipien neu zu beleuchten, um<br />

die Metaphern in ihrem analogen<br />

Zusammenhang besser verstehen<br />

zu lernen. Schließlich erlebt man<br />

auch in einer Trance-Arbeit seinen<br />

eigenen Mythos vor verschiedenen<br />

Hintergründen, die sich häufig an<br />

dem mythologischen Gedankengut<br />

orientieren. Und hier stellt man besser<br />

nicht mehr die Frage nach richtig<br />

oder falsch oder „soll man“ oder<br />

„soll man nicht“, sondern man schaut<br />

seine eigenen Bilder an und erfährt<br />

unmittelbar, was jeder Mythos dem<br />

Menschen schenken möchte: einen<br />

echten, spürbaren Reifeprozess des<br />

Bewusstseins sowie Selbsterkenntnis<br />

in ihrer höchsten Form. Mögen deshalb<br />

die Mythen ihren ursprünglichen<br />

Platz zurückerhalten und unserer Zeit<br />

wieder einen inneren Halt, d.h. Inhalt,<br />

geben.<br />

Der ewig gültige Mythos<br />

Alle sinnvollen Metaphern überdauern<br />

jene Kultur, die sie hervorgebracht<br />

hat. Weisheit, die in Geschichten<br />

mit starken Bildern fixiert ist,<br />

eignet sich besser für die Überlieferung<br />

als belehrende Worte. Sie kann<br />

jederzeit neu erkannt werden von<br />

dem, der sich entsprechend bemüht,<br />

die zeitlose Symbolik zu entschlüsseln.<br />

Wieder und wieder können Mythen<br />

gelesen, aufgeführt, verfilmt und<br />

umgeschrieben werden, solange man<br />

die archetypische Struktur nicht verändert.<br />

Geschieht dies aus Versehen<br />

doch, wird die entsprechende Version<br />

verschwinden, so wie alles vergeht,<br />

wozu der himmlische Geistfunken im<br />

Menschen keine Resonanz findet. Es<br />

ist keine Blasphemie, mythologische<br />

Themen in zeitgemäße Sprache zu<br />

übersetzen,<br />

solange sie<br />

i n h a l t l i c h<br />

in der traditionellen<br />

S y m b o l i k<br />

b l e i b e n .<br />

Jede Mythologie<br />

transportiert<br />

das<br />

G r ö ß e r e<br />

und Unaussprechliche.<br />

Ähnlich wie Kinder gern Erwachsene<br />

spielen, sollten Erwachsene gern<br />

Götter spielen, um ihren Horizont zu<br />

erweitern. Nicht der Mythos muss<br />

zum Menschen herunterdividiert werden,<br />

sondern der Mensch muss hinaufgelangen<br />

in die kosmischen Prinzipien,<br />

die im Mythos fixiert sind.<br />

Einer der vielen Vorzüge der<br />

Mythologie liegt darin, dass<br />

sie wunderbarerweise nur auf<br />

denjenigen läuternd und erhöhend<br />

einwirkt, der sich ihr seelisch und<br />

geistig zuwendet. Dagegen wird sich<br />

der Ahnungslose bei der Lektüre<br />

langweilen, und die junge Leseratte<br />

mag Spannung und Abenteuer herauslesen.<br />

Der Ethnologe erforscht<br />

die äußere Struktur, der Psychologe<br />

findet die Seelenmuster seiner<br />

Klienten wieder, der Hermetiker<br />

begegnet denselben Inhalten wie<br />

in seinen Säulen des Tarot oder im<br />

Tierkreis; und der Alchemist spürt<br />

darin Gleichnisse seiner Laborprozesse<br />

auf. Es wird schließlich möglich,<br />

die inhaltliche Struktur des<br />

Einweihungsweges wahrzunehmen,<br />

die alle Heldenepen durchzieht. Besondere<br />

geistige Schätze können<br />

aus der Mythologie gehoben den, denn wertvolle Zeichen dringen<br />

immer dann in die Wahrnehmung,<br />

wer-<br />

wenn man ihrer bedarf. Alle Mythen<br />

bieten dem Menschen eine Form von<br />

Heilslehre an, die den Weg der irdischen<br />

Seelenpersönlichkeit zurück<br />

in die himmlische Einheit beschreibt.<br />

Wegen der deutlich erkennbaren<br />

Verbindung von Mensch und Gott ist<br />

Mythologie Religion im besten Sinn<br />

des Wortes. ■<br />

Gabriele Quinque ist seit 1987 Autorin<br />

und Seminarleiterin<br />

in den Bereichen<br />

abendländische Mystik,<br />

hermetische Philosophie<br />

und antike Mythologie.<br />

Sie begleitet seit 1989<br />

Klienten in dem von<br />

ihr neu konzipierten<br />

Mysterienschlaf.<br />

Ihr bekanntestes Buch ist Tempelschlaf<br />

– Grundlagen der Trance-Arbeit. In<br />

Splendor Solis – das Purpurbad der Seele<br />

vermittelt sie die alchemistische Lehre der<br />

Rosenkreuzer. Sie ist Gründungsmitglied<br />

des FMG-Förderkreis für Mythologisches<br />

Gedankengut. Kontakt: www.gabrielequinque.de


MATRIX3000<br />

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Kultur<br />

54<br />

<strong>Mittelerde</strong><br />

reloaded<br />

„The Hobbit“ und das Tolkien-<strong>Universum</strong><br />

Roland Rottenfußer<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

Alle Bilder in diesem Artikel ©


Kultur<br />

„Der kleine Hobbit“, J.R.R. <strong>Tolkiens</strong><br />

1930 erschienener Fantasy-Roman<br />

für Kinder, ist die Keimzelle des umfassenden<br />

Epos „Der Herr der Ringe“.<br />

Das Grauen zeigt sich darin noch<br />

in humorvoll gebändigter Form, Themen<br />

wie Machtmissbrauch tauchen<br />

nur als vage Vorahnung auf. Wenig<br />

später sollten sich Faschismus und<br />

Krieg ihren Weg bahnen – und die<br />

heile Welt des Auenlands schien für<br />

immer verloren. Anlässlich der Premiere<br />

von Peter Jacksons erstem<br />

„Hobbit“-Film fragen wir, was das<br />

versponnene Märchen um Zwerge,<br />

Elben und Drachen mit der Epoche<br />

seines Schöpfers zu tun hat – und mit<br />

unserer.<br />

„Die Werke der Menschen werden<br />

uns überdauern, Gimli“, sagte Legolas,<br />

der schöne Elbenkrieger. „Und<br />

doch wird nichts dabei herauskommen,<br />

denke ich, als lauter Hätte-seinkönnen“,<br />

erwiderte der Zwerg. Eine<br />

gewisse satirische Ader kann man<br />

John Ronald Reuel Tolkien, dem Autor<br />

von „Der kleine Hobbit“ und „Der<br />

Herr der Ringe“, nicht absprechen.<br />

Es sind nur kleine Hinweise innerhalb<br />

eines durchweg konstruierten Paralleluniversums,<br />

die darauf hindeuten,<br />

dass der berühmteste Fantasy-Autor<br />

der Weltliteratur mit seinem Mammutwerk<br />

(auch) auf die Menschen<br />

seiner Zeit abzielte. So geißelte Tolkien<br />

die moderne, „zerlegende“ Wissenschaft,<br />

wenn Weißmagier Gandalf<br />

zum Schwarzmagier Saruman sagt:<br />

„Und derjenige, der etwas zerbricht,<br />

um herauszufinden, was es ist, hat<br />

den Pfad der Weisheit verlassen.“<br />

Das (unverfilmte) Ende des „Lord of<br />

the Ring“, in dem das grüne Auenland<br />

durch Umweltverschmutzung<br />

zur Kloake wird, ist eine deutliche<br />

Anspielung auf die Zerstörung der<br />

englischen Landidylle durch die Industrialisierung.<br />

Tolkien, geboren 1892, hatte<br />

in der Umgebung von Birmingham<br />

das persönliche<br />

„Auenland“ seiner Kindheit erlebt.<br />

Sein Vater starb früh. Seine Mutter<br />

legte schon beim Kind John die Liebe<br />

zu den Sprachen (Lateinisch, Französisch,<br />

Deutsch) und zu Sagenstoffen<br />

(Siegfried, Artus-Sagenkreis) an. Tolkien<br />

studierte später u.a. Altnordisch<br />

und Gotisch, um einschlägige Mythenwerke<br />

in den Originalsprachen lesen<br />

zu können. Das Sprachgenie gründete<br />

einen Literaturclub und verfasste erste<br />

Gedichte – u.a. über Feenwesen.<br />

Während seines Studiums klassischer<br />

Philologie soll es die Lektüre eines<br />

altenglischen Gedichts von Cynewulf<br />

(9. Jh.) gewesen sein, die den Anstoß<br />

zu seinem späteren Lebenswerk bildete:<br />

„Heil dir Earandel, strahlendster<br />

Engel, über <strong>Mittelerde</strong> den Menschen<br />

gesandt“.<br />

Im Schatten der Weltkriege<br />

Prägend für <strong>Tolkiens</strong> Werk dürfte auch<br />

seine Teilnahme als junger Offizier am<br />

Ersten Weltkrieg gewesen sein, speziell<br />

an der blutigen Schlacht an der<br />

Somme 1916. Der Einbruch des Bösen<br />

in eine zuvor friedliche Welt stellte ein<br />

zentrales Trauma dar, dessen Spuren<br />

sich in den großen Schlachten des<br />

„Hobbit“ und „Herrn der Ringe“ wie-<br />

der-<br />

finden.<br />

Verletzt, be-<br />

gann<br />

Tolkien während eines Genesungsurlaubs<br />

mit der Kreation einer vollständig<br />

erfundenen Mythologie und<br />

mehrerer Kunstsprachen. Er heiratete<br />

und trat eine Professur in Leeds<br />

an, später in Oxford. Spezialfach: Mittelenglische<br />

Philologie. Wie wir wissen,<br />

verfasste der junge Ehemann und<br />

Vater seinen „Kleinen Hobbit“ als Kinderbuch<br />

für seinen Sohn. Das Buch ist<br />

noch leichter, humorvoller gehalten<br />

als das spätere wuchtige Weltenepos<br />

„Der Herr der Ringe“. Bereits der<br />

„Hobbit“ enthält aber Elemente einer<br />

ernst gemeinten Mythologie, wie sie<br />

postum in der Sammlung „The Silmarillion“<br />

veröffentlicht werden sollten.<br />

Das Entstehungsjahr des „Hobbit“<br />

ist 1937 – quasi der Vorabend<br />

des Zweiten Weltkriegs.<br />

Der Faschismus hatte sich in mehreren<br />

Ländern Europas eingenistet (aus<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 55


Kultur<br />

englischer Sicht: im Osten). Liest man<br />

über die Verwüstung der Seestadt<br />

Esgaroth durch den Drachen Smaug<br />

oder über die monumentale „Schlacht<br />

der fünf Heere“ gegen Ende des Buches,<br />

mag man darin wohl einen prophetischen<br />

Vorgriff auf Bombeninferno<br />

und Vernichtungsschlachten des<br />

Krieges sehen. <strong>Tolkiens</strong> Zugriff auf<br />

das historische Zeitgeschehen war jedoch<br />

eher intuitiv verfremdend. „Der<br />

Herr der Ringe“ entstand zur Gänze<br />

im Schatten des Zweiten Weltkriegs<br />

(und unter dessen Eindruck in der<br />

Nachkriegszeit). Veröffentlicht wurde<br />

das Werk erst 1954. Oft wurde seitdem<br />

versucht, Sauron, den Erzbösewicht<br />

des Tolkien-<strong>Universum</strong>s, mit<br />

Hitler in Verbindung zu bringen. Der<br />

Schriftsteller wehrte sich stets vehement<br />

gegen diese Unterstellung. Sein<br />

Roman beziehe sich auf ein „älteres<br />

und dunkleres Übel“.<br />

Sauron im Kapitalismus<br />

Atmosphärisch spiegelt das „unrealistische“<br />

Werk <strong>Tolkiens</strong> das Jahrhundert<br />

seiner Entstehung aber höchst<br />

präzise wider. Thematisiert es doch<br />

die psychologische „Tiefenstruktur“<br />

von Faschismus und Krieg, die<br />

Verführung durch Macht, aber auch<br />

die verzweifelte Hoffnung, dass sich<br />

durch äußerste Anspannung aller guten<br />

Kräfte das Unheil noch abwenden<br />

ließe. <strong>Tolkiens</strong> Geschichten sind somit<br />

nicht realistisch, aber wahr. Das<br />

erklärt ihre lebhafte Rezeption durch<br />

die Hippie-Generation. Aber auch der<br />

ganz anders geartete Zeitgeist der<br />

neoliberalen Ära verliebte sich neu in<br />

das Mammut-Epos. Peter Jacksons<br />

gelungene Filmtrilogie (2001-2003)<br />

und atemberaubende Computertricks<br />

verhalfen dem Mythos zu neuem<br />

Glanz.<br />

"Ein Ring, sie zu<br />

knechten, sie alle<br />

zu finden, ins Dunkel<br />

zu treiben und<br />

ewig zu binden."<br />

Gerade in den Jahren nach dem<br />

11. September 2001 wuchsen<br />

Macht- und Geldgier bedrohlich<br />

an. Weniger die „Bösen“ (arabische<br />

Terroristen), die „Guten“<br />

selbst erschufen eine Atmosphäre<br />

von Angst, Kontrolle und überhitzter<br />

Kriegsbereitschaft. Wer „Dissident“<br />

gegen den kapitalistischen<br />

Zeitgeist, gegen Sozialabbau und<br />

Überwachungsstaat war, musste<br />

sich an einem denkbar schmalen<br />

Strohhalm von Hoffnung festhalten.<br />

„Eure Fahrt steht auf Messers<br />

Schneide, geht nur um ein Weniges<br />

fehl, und sie wird scheitern, was den<br />

Untergang für alle bedeutet. Und<br />

doch besteht Hoffnung, solange die<br />

Gemeinschaft treu ist.“ (Filmzitat<br />

aus „Die Gefährten“). Heute zeigen<br />

sich Risse im Gewebe der Lüge, das<br />

die neoliberale Meinungsmache<br />

über den Erdball gebreitet hat. Viele<br />

sprechen vom Scheitern des Kapitalismus,<br />

und Widerstand erhebt sich.<br />

Es tut gut, in diesem Zusammenhang<br />

durch Peter Jacksons neue<br />

„Hobbit“-Filme an den ermutigenden<br />

Geist des Tolkien-<strong>Universum</strong>s<br />

erinnert zu werden. Ob Jackson in<br />

seiner Bearbeitung des Stoffes Anspielungen<br />

auf die politische Gegenwart<br />

einflicht, bleibt abzuwarten.<br />

<strong>Vorschau</strong> auf die Hobbit-Filme<br />

Wie können wir uns die neuen Filme<br />

vorstellen? Mittlerweile sickerte ja<br />

durch, dass der Herr der computeranimierten<br />

Fantasy-Welten den<br />

Stoff auf drei Filme strecken will.<br />

Teil 1, „Eine unerwartete Reise“,<br />

dürfte erzählen, wie Hobbit Bilbo<br />

Beutlin von dem Zauberer Gandalf<br />

als 14. Mann für ein wahres Himmelfahrtskommando<br />

rekrutiert<br />

wird. An der Seite von 13 Zwergen<br />

soll er einen Schatz wiedergewinnen,<br />

den ihnen Drache Smaug entrissen<br />

hatte. Die beschwerliche Reise<br />

führt durch wilde Landstriche.<br />

Klobige Trolle, gestelzt sprechende<br />

Elben und gemeine Orks machen<br />

den Reisenden das Leben schwer.<br />

In einer Höhle begegnet Bilbo erstmals<br />

Gollum und stiehlt ihm den<br />

Ring – der allerdings zunächst noch<br />

ohne wichtige Funktion bleibt. Da<br />

Bilbo und die Zwerge im ersten Teil<br />

des Buchs ständig gefangen genommen<br />

werden, sich aber ebenso<br />

regelmäßig wieder befreien können,<br />

dürfte eine dieser Aktionen den<br />

Showdown von Film 1 bilden.<br />

Film 2, englisch „The desolation<br />

of Smaug“ betitelt, dürfte<br />

ganz im Zeichen des Drachen<br />

Smaug stehen. Jackson wird aus der<br />

Kreatur ein computertechnisches<br />

Renommierstück machen. Nachdem<br />

die Zwerge in die Drachenhöhle eindringen<br />

und dem Untier einen goldenen<br />

Kelch entwenden, verwüstet<br />

Smaug, aus der Luft angreifend, eine<br />

ganze Stadt, bevor er selbst getötet<br />

wird. Die Szene verspricht in einem<br />

High-Budget-Film enormen Schauwert.<br />

Schwieriger wird es, sich Film 3<br />

(„There and back again“) vorzustellen.<br />

Für den bleibt als Inhalt nur noch „Die<br />

Schlacht der fünf Heere“ (Menschen,<br />

Orks, Elben, Zwerge und Adler). Die<br />

gibt zwar visuell einiges her, aber<br />

lässt sie sich auf eine Filmlänge von<br />

ca. 2 ½ Stunden strecken? Spekulationen<br />

besagen, Peter Jackson wolle zusätzlich<br />

eine Art erzählerische Brücke<br />

zum Anfang von „Der Herr der Ringe“<br />

bauen. Man darf gespannt sein.<br />

Sexappeal für den „Männerfilm“<br />

Schon die Trailer zu „Eine unerwartete<br />

Reise“ lassen ein Problem erahnen.<br />

Wer interessiert sich für eine<br />

Handlung mit 14 Hauptdarstellern,<br />

die überwiegend hässlich, grotesk<br />

und eher unsympathisch wirken?<br />

Wie kann man den einzelnen Charakteren<br />

– Oin, Gloin usw. – gerecht<br />

werden, sie ausreichend voneinander<br />

differenzieren? Und wie umgehen mit<br />

dem chronischen Frauenmangel der<br />

Vorlage? Da muss, wie die Trailer zeigen,<br />

Cate Blanchett als Elfenkönigin<br />

Galadriel noch mal ran, obwohl die in<br />

der Vorlage gar nicht vorkommt. Sogar<br />

der zum Zeitpunkt der Handlung<br />

noch ungeborene Frodo (Elijah Wood)<br />

soll wieder auftauchen. Ebenso wie<br />

„Blondine“ Legolas, verkörpert durch<br />

den gut aussehenden Orlando Bloom<br />

(„Fluch der Karibik“). Evangeline Lilly<br />

(„Lost“) soll gar eine bei Tolkien gänzlich<br />

unbekannte Figur spielen: die<br />

Elbin „Tauriel“. Ohne ein Fünkchen<br />

Sexappeal erschien den Machern das<br />

Gnomen-Road Movie scheinbar zu<br />

kindlich.<br />

Eine andere Frage, die sich die<br />

erwartungsfrohe Fangemeinde<br />

stellt, ist: Braucht die Welt drei<br />

Filme über den nur knapp 400-seitigen<br />

„Hobbit“? Manche wittern hinter<br />

der Überdehnung des Stoffes plumpe<br />

Geldmache. Internetspötter mutmaßten<br />

sogar, Regisseur Jackson wisse<br />

56<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Kultur<br />

seit seinem mäßig gelungenen „King<br />

Kong“ nicht so recht, was er sonst<br />

mit seinem Leben anfangen solle.<br />

Werden wir also bald fünf Filme über<br />

die nur 128 Seiten starke Tolkien-<br />

Erzählung „Fenaors Fluch“ zu sehen<br />

bekommen? Jackson selbst begründete<br />

die Dreiteilung so: „In ‚Der<br />

Hobbit’ stecken so viele unerzählte<br />

Handlungsstränge und unentdeckte<br />

Welten, dass drei Filme einfach Sinn<br />

machen.“ Wir werden sehen.<br />

Das Böse in uns allen<br />

Größtes Handicap der neuen Filmtrilogie<br />

könnte allerdings die eher untergeordnete<br />

Bedeutung des „Einen<br />

Rings“ sein. Dieser ist im Hobbit-Buch<br />

nicht mehr als eine Art „Tarnkappe“,<br />

die ihren Träger unsichtbar macht.<br />

Im „Herrn der Ringe“ ist er dagegen<br />

das zentrale Symbol des Machtmissbrauchs:<br />

„Ein Ring, sie zu knechten,<br />

sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben<br />

und ewig zu binden.“ Jeder ist<br />

anfällig für die Versuchung der Macht,<br />

lautet die zentrale Botschaft. Jeder<br />

kann unter dem Einfluss des Rings zu<br />

einer hässlichen Spottgeburt der Gier<br />

(Gollum) mutieren. Nur große mentale<br />

Kraft und eine reine Seele schützen<br />

vor dem bösen Zauber. Das Böse ist<br />

also nicht außerhalb von uns, es kann<br />

förmlich in uns hineinkriechen. Erlösung<br />

besteht nicht darin, dass die<br />

Macht die Seite wechselt, sie muss<br />

vielmehr vom Erdboden verschwinden.<br />

In „Der Herr der Ringe“ muss der<br />

Eine Ring daher im Vulkan von Mordor<br />

zerschmelzen. Ohne diese philosophische<br />

Tiefendimension laufen die Hobbit-Filme<br />

Gefahr, nur den Schauwert<br />

der alten Trilogie zu reproduzieren.<br />

Zu wenig wird (neben Einflüssen<br />

der Mythologie) nämlich die<br />

christliche Überzeugung <strong>Tolkiens</strong><br />

bei der Deutung seiner Werke<br />

berücksichtigt. <strong>Tolkiens</strong> Mutter starb,<br />

als er zwölf war. In der Folge fand<br />

der Jugendliche Halt im katholischen<br />

Glauben, pflegte aber auch eine pessimistische<br />

Weltauffassung, die sich<br />

in seinen Hauptwerken wiederfindet.<br />

„Wir wissen: Wir sind aus Gott, aber<br />

die ganze Welt steht unter der Macht<br />

des Bösen“, lautete eines seiner Lieblingszitate<br />

aus der Bibel (1 Joh, 5,19).<br />

Da denkt man unwillkürlich an Sauron<br />

und sein „Evil Empire“ Mordor. Wenn<br />

ein Schriftsteller seine Sache gut<br />

macht, schrieb Tolkien, dann können<br />

„seine Worte ein ferner Abglanz oder<br />

Widerhall des Evangeliums in der realen<br />

Welt sein“.<br />

Tolkien – ein christlicher Autor<br />

Ein Zusammenhang zwischen dem<br />

Evangelium und einer künstlichen<br />

Mythenwelt der Elben, Zwerge und<br />

Orks scheint schwer herzustellen.<br />

Man erinnere sich aber daran, wie<br />

Jesus dem Versucher in der Wüste<br />

entgegentrat. Der Teufel zeigte Jesus<br />

alle Königreiche in ihrem Glanz: „Das<br />

alles werde ich dir geben, wenn du<br />

dich niederwirfst und mich anbetest.“<br />

Jesus widerstand. Frodo ist in „Der<br />

Herr der Ringe“ der unscheinbare Erlöser,<br />

auf dessen schmale Schultern<br />

eine schier unerträgliche Last gebürdet<br />

ist. Doch eine geheimnisvolle<br />

Kraft ist in den Schwachen mächtig.<br />

Wer der Macht widersteht, obwohl sie<br />

für ihn zum Greifen nah ist, der taugt<br />

wohl zum „Messias“. Auch der Opfertod<br />

ist Teil der „Ringe“-Mythologie.<br />

Auch wenn Frodo und Sam am Ende<br />

von Riesenadlern vor den ausbrechenden<br />

Lavamassen gerettet werden:<br />

Was zählt, ist die Bereitschaft,<br />

sich zu opfern.<br />

Ein Autor, der eine eigene Mythologie<br />

und Ersatzreligion<br />

erschaffen hat – kann der ein<br />

„guter Christ“ sein? Machte J.R.R.<br />

Tolkien mit der Kreation einer eigenständigen<br />

Welt nicht Gott selbst Konkurrenz?<br />

Tolkien scheute den Blasphemie-Vorwurf<br />

nicht und gab sich<br />

bescheiden: „Fantasie bleibt ein Menschenrecht:<br />

Wir schaffen in unserem<br />

Maß und in unserer abgeleiteten Art,<br />

weil wir erschaffen wurden; und nicht<br />

nur erschaffen, sondern erschaffen<br />

im Abbild und Ähnlichkeit mit dem<br />

Schöpfer.“ ■<br />

Filmstart „Der Hobbit“: 13 Dezember 2012<br />

Alle Bilder ©<br />

New Line Cinema, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures,<br />

Warner Brother Pictures Germany<br />

Roswitha Stark<br />

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Spiritualität<br />

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20:13<br />

Die Zeichen stehen auf Sturm<br />

Martin Strübin<br />

Nun ist es amtlich: Der Weltuntergang wurde wieder<br />

einmal verschoben.<br />

Allerdings hat sich auch der erhoffte Aufstieg in<br />

die 5. Dimension nicht ereignet, wie er insbesondere von<br />

der esoterischen Gemeinde sehnsüchtig erwartet wurde.<br />

Was diesen beiden extremen Ansichten - Weltuntergang<br />

oder Aufstieg - zugrunde liegen könnte, ist die Hoffnung,<br />

dass sich ein gewaltiges überirdisches Geschehnis ereignen<br />

soll, welches uns die zwingend notwendige Arbeit abnimmt,<br />

eigenverantwortlich das Ruder unserer globalen<br />

Gesellschaft herumzureißen und einen ganzheitlicheren,<br />

spirituelleren Weg als menschlicher Kulturkörper zu beschreiten.<br />

Die Kosmologie der Zeit<br />

Die Kosmologie der Zeit – wie sie uns durch die Hochkultur<br />

der Maya überliefert wurde – ermöglicht es uns, aus den<br />

fraktalen Zeitzyklen die kosmischen Gesetzmäßigkeiten<br />

und den übergeordneten Fahrplan unserer irdischen Entwicklung<br />

abzulesen. Und dies nicht nur auf alltäglich verständliche<br />

und logische Weise, jenseits von esoterischem<br />

Wunschdenken, sondern auch mit wissenschaftlich exakt<br />

nachprüfbaren Mitteln.<br />

Leider wurde diese sinnhafte und richtungweisende<br />

Kosmologie von den meisten Menschen nicht erkannt und<br />

zu ihrem eigenen wie auch zum Segen der Welt genutzt,<br />

sondern wenn überhaupt vordergründig nur belächelt. Und<br />

dennoch waren und sind wir alle diesen extrem beschleunigenden<br />

und frequenzerhöhenden Energien ausgesetzt,<br />

die in den letzten Jahren und besonders 2012 einerseits zu<br />

einem<br />

dramatischen<br />

A n s t i e g<br />

von psychosomatischen<br />

Krankheiten<br />

(vor allem<br />

Krebs und Burn-<br />

Out), Selbstmordraten,<br />

Schicksalsschlägen,<br />

sozialen und wirtschaftlichen<br />

Problemen u. ä. geführt haben,<br />

und andererseits zu einem stark erweiterten<br />

Bewusstsein in allen Bevölkerungsschichten,<br />

also nicht nur bei<br />

spirituell orientierten Menschen. Immer<br />

mehr Menschen erfahren ihren 6. und 7.<br />

Sinn, Telepathie und Empathie greift als<br />

Massenphänomen um sich, Fehler in der<br />

Matrix oder unerklärliche Synchronizitäten<br />

nehmen zu, völlig neue Lebensmodelle und<br />

Seinsweisen greifen wie hochansteckende Viren<br />

um sich. Es findet eindeutig ein kollektiver Erwachungsprozess<br />

statt, der wie ein Lauffeuer immer mehr um sich<br />

greift und auch vor Bankern, Managern, Politikern und<br />

anderen Vertretern der alten Machtstrukturen nicht halt<br />

macht. Schließlich sind wir alle Geschöpfe des universellen<br />

Bewusstseins, und dementsprechend ist jeder in diese<br />

Evolutionsdynamik eingebunden, auch wenn man sich - mit<br />

58<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Spiritualität<br />

Doch wie geht dieser multidimensionale Prozess nun<br />

weiter? Denn der Maya-Kalender hörte am 21.12.12 natürlich<br />

ebenso wenig auf, wie die Zeit oder die Bewegung im<br />

Raum endete. Die Zählung der Sonnen läuft in seiner Tagesgröße<br />

(1 Kin = 1 Tag) einfach weiter wie zuvor. Und die<br />

fraktalen Tzolkin-Zyklen der 9 Unterwelten (LongCount/<br />

Lange Zählung), die sich zur Wintersonnenwende 2012<br />

vollendet haben und dieser ihre Berühmtheit beschert hat,<br />

werden meines Erachtens ebenfalls weiter- bzw. rückwärts<br />

verlaufen.<br />

e n t -<br />

sprec<br />

h e n -<br />

d e n<br />

U m w e -<br />

gen – dank<br />

u n s e r e r<br />

Wahlfreiheit<br />

noch dagegen<br />

wehren kann.<br />

Ein weiteres Indiz<br />

für die exponentiell<br />

ansteigende<br />

Dynamik dieses spirituellen Erwachungsprozesses<br />

ist auch das<br />

Agieren der New-World-Order<br />

Agenten. Da die Tage der Tyrannen<br />

gezählt sind, diese aber nicht<br />

freiwillig das Feld räumen bzw. sich<br />

nach wie vor gegen diese kosmische<br />

Evo- lution sträuben, stehen sie unter enormem<br />

Stress, machen immer mehr Fehler, immer mehr ihrer<br />

bösartigen Pläne scheitern, und ihr lebensfeindliches Wirken<br />

wird von der Weltbevölkerung immer deutlicher enttarnt<br />

und erkannt. Ganz nach dem Motto "Gefahr erkannt,<br />

Gefahr gebannt" wird es ihnen trotz weltumspannenden<br />

hochtechnisierten Mind-Control-Systemen immer weniger<br />

möglich, ihre NWO-Pläne gegen die kollektive Kraft<br />

der Bevölkerung durchzusetzen, da die Menschen ihr Bewusstsein<br />

immer kohärenter miteinander verbinden.<br />

Halbzeit der Schöpfung<br />

Da der Höhepunkt der Zeit sozusagen die Halbzeit der<br />

Schöpfung symbolisiert - der Moment, an dem der Abstieg<br />

des göttlichen Bewusstseins in den tiefsten Punkt der<br />

Materie vollendet wurde, und nun im Umkehrschluss die<br />

erwachenden Geschöpfe kollektiv wieder in die geistigen<br />

Welten aufsteigen dürfen – verläuft die Involution im Gegensatz<br />

zur Evolution nun rückwärts gespiegelt ab.<br />

Als Beispiel würde die 9. universelle Unterwelt, welche<br />

als letzter und höchster Evolutionszyklus die 234 Tage vom<br />

2.5. – 21.12.12 dauerte und die Aufgabe hatte, universelles<br />

Bewusstsein im menschlichen Kollektiv zu installieren, als<br />

1. Involutionszyklus wiederum 234 Tage vom 22.12.12 bis<br />

zum 6.7.13 ablaufen. Oder die 8. galaktische Unterwelt, die<br />

im Jahre 2000 begann und insgesamt knapp 13 Jahre dauerte,<br />

nun den 2. Zyklus von 2013 – 2025 überspannen.<br />

Dies entspricht dem universellen Evolutionsmodell,<br />

dass sich göttliches Bewusstsein die Schöpfung erschaffen<br />

hat, um sich darin in immer komplexeren und bewussteren<br />

Lebensstrukturen auszudrücken. Dabei bewegt sich der<br />

Geist vom Urknall bis Ende 2012 immer tiefer in die Materie,<br />

mit all den entsprechenden Jahrmilliarden dauernden<br />

Prozessen – Erschaffung von Einzellern als erste biologische<br />

Individuen, daraus dann Vielzeller in Form von Säugetieren,<br />

dann Familien, Sippen, Regionen, Nationen und<br />

schließlich planetar, galaktisch und universell bewusste<br />

Kollektivkörper.<br />

Nachdem wir nun als Geschöpfe den Höhepunkt der<br />

absteigenden Evolution am 21.12.12 erreicht haben,<br />

gilt es, diesem in uns zu 100% installierten<br />

göttlichen Geist als Mitschöpfer immer mehr Ausdruck zu<br />

verleihen, und den Jahrmilliarden dauernden Aufstiegsprozess<br />

zu beschreiten. Waren wir in der 1. Hälfte der<br />

Schöpfung noch "Kinder Gottes", die sich auf<br />

der Spielwiese der<br />

Erde austoben durften,<br />

um zu lernen<br />

und das Mensch-<br />

Sein in seinen<br />

m a n n i g f a l t i g e n<br />

Möglichkeiten zu erfahren,<br />

sind wir nun in<br />

der 2. Phase gefordert,<br />

universell erwachsen<br />

zu werden und zu einer<br />

echten Selbstverantwortung<br />

als Mitschöpfer<br />

zu gelangen.<br />

Wir sind gerade dabei,<br />

unseren bisherigen<br />

"kosmischen Welpen-<br />

CAUAC - der blaue Sturm<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 59


Spiritualität<br />

Die Menschheit verliert den<br />

"kosmischen Welpenschutz" und wird<br />

vollumfänglich mit den Konsequenzen<br />

ihrer Taten konfrontiert.<br />

schutz" zu verlieren, und werden vollumfänglich mit<br />

dem Saldo und den Konsequenzen unserer bisherigen<br />

Taten konfrontiert.<br />

Bereits in den vergangenen Jahren (insbesondere<br />

seit 1992) haben wir immer mehr eine Vergeistigung<br />

der Materie erleben dürfen (Umsetzung der<br />

Erkenntnisse aus der Quantenphysik, Spontanmanifestationen,<br />

wundersame Geistheilungen, telepathische<br />

und empathische Erlebnisse, Fehler in der Matrix, subtilere<br />

und feinstofflichere Technologien etc.). Aber nun<br />

geht es um die konkrete Umsetzung im kohärenten Einklang<br />

mit allem Leben innerhalb unserer Galaxie, unseres<br />

Sonnensystems, dem Planeten Erde, den anderen Reichen<br />

und natürlich auch unseres sozialen Miteinanders. Aus<br />

dieser spirituellen Betrachtung stehen wir aktuell vor dem<br />

Ergebnis unseres 16 Mrd. Jahre dauernden Abstieges, insbesondere<br />

vor dem Scherbenhaufen der letzten 5.000 bzw.<br />

400 Jahre.<br />

Und dementsprechend gewaltig sind auch die Herausforderungen,<br />

die von uns nun bewältigt werden müssen,<br />

als erwachende, multidimensionale Lichtwesen, die wir<br />

sind. Das bedeutet natürlich auch, die bisher inaktiven<br />

90% unseres Gehirnpotentiales bzw. unserer DNS, die<br />

mit unvorstellbaren geistig-seelischen Potentialen angereichert<br />

sind, zur alltäglichen Entfaltung zu bringen, auch<br />

wenn dies ein Prozess der nächsten Jahrhunderte (260<br />

Jahre als 3. Spiegelung der 7. planetaren Unterwelt?) oder<br />

Jahrtausende (5.200 Jahre als 4. Spiegelung der 6. nationalen<br />

Unterwelt?) dauern wird.<br />

Krise und Transformation<br />

Abschließend betrachten wir noch zwei spezifische Zeitqualitäten,<br />

die wir der Tzolkin-Matrix für den Zeitenwandel<br />

2012/2013 entnehmen können, um daraus die aktuell<br />

vorherrschenden Entwicklungstendenzen detaillierter zu<br />

erkennen:<br />

1.) Das aktuelle 13-Monde Jahr,<br />

welches vom 26.7.12 bis zum 25.7.13<br />

dauert, steht unter der Zeitenergie<br />

des Blauen Resonanten Sturmes<br />

CAUAC 7, eingebettet in die Welle<br />

von BEN, dem Roten Himmelswanderer,<br />

geführt durch CHUEN,<br />

dem blauen Affen.<br />

Die Zeichen stehen also auf Sturm!<br />

Die bewusste Verbindung zu unserem<br />

seelisch-geistigen Bewusstsein wird<br />

allumfassend transformiert und durch<br />

umwälzende Kräfte gereinigt, so dass<br />

wir immer fähiger werden, in übergeordnete<br />

Wissenswelten aufzusteigen,<br />

sie<br />

z u<br />

erfors<br />

c h e n<br />

und im irdischen<br />

Alltag<br />

in Form von neuen<br />

Lebensweisen zu<br />

verwirklichen, und dadurch<br />

auch eine immer größere Befreiung<br />

aus den Klauen des in der Materie gefangenen Geistes zu<br />

erreichen. Unsere verletzten und traumatisierten Inneren<br />

Kinder, welche uns noch in den Fängen der Angst halten,<br />

sollen wieder geheilt werden und zum Göttlichen Kind auferstehen.<br />

Wir können also damit rechnen, dass wir immer<br />

sensitiver und revolutionärer auf die versklavenden<br />

Maßnahmen der NWO-Vertreter reagieren<br />

und uns nicht mehr länger als ängstliche Schafe auf die<br />

Schlachtbank führen lassen. Aber anstatt weiterhin ohnmächtig<br />

gegen diese Kräfte anzukämpfen, gehen wir in den<br />

höheren Lebensebenen auf ganzheitliche<br />

Lösungsfindung und<br />

setzen sie einfach gemeinsam<br />

und spielerisch magisch um.<br />

Dazu müssen wir uns jedoch<br />

auch von all den aufgezwungenen<br />

und schädlichen Verhaltensweisen<br />

und Dingen befreien<br />

und die wahren Werte des<br />

Lebens wiederentdecken. Wir<br />

sollen immer mehr vom Haben<br />

zum Sein gelangen, und dabei<br />

könnten wir auch schmerzhaft<br />

gezwungen sein, unsere liebgewordene<br />

materielle Komfort-<br />

60<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

BEN - der rote Himmelswanderer


zone zu verlassen. Es ist also<br />

durchaus möglich, dass wir in<br />

dieser Phase noch extremere<br />

Einschnitte sowohl in sozialer<br />

als auch in wirtschaftlicher<br />

Hinsicht erleben werden und die<br />

Preise für Energie (Strom, Benzin,<br />

Nahrungsmittel) dramatisch ansteigen<br />

werden, bei gleichzeitiger<br />

Verstärkung der Rezession in vielen<br />

Ländern.<br />

2.) Das gregorianische Datum, der<br />

1. Januar 2013, trägt rein zufällig - oder<br />

doch in universeller Synchronizität? -<br />

den Tzolkin-Code 20:13 in seiner Jahreszahl.<br />

Ein weiteres Indiz dafür, dass die alte<br />

Zeit zu einem Ende kommt und nun ein neues<br />

Äon anbricht, in dem universelle Gesetzmäßigkeiten<br />

vorherrschen, wie sie in der Tzolkin-Matrix<br />

kodiert enthalten sind.<br />

Die herrschende Zeitenergie des gregorianischen<br />

Jahres ist der Weiße Planetare Spiegel ETZNAB 10, welcher<br />

das planetare Ziel der Welle von MULUC, dem Roten<br />

Mond darstellt, und von CIMI, dem weißen Weltenüberbrücker<br />

geführt wird.<br />

Es wird uns also deutlich der Spiegel vorgehalten, damit<br />

wir die brutal ehrliche Klarheit über den aktuellen<br />

Stand der Dinge erhalten und nicht mehr länger<br />

wegschauen können. Wir werden mit unseren Taten, Gefühlen<br />

und Gedanken ebenso massiv konfrontiert, wie mit<br />

unserem Unterlassenen. Der Weiße Spiegel macht uns bewusst,<br />

wo wir noch in Projektionen gefangen sind und wie<br />

ein Affe unser eigenes Spiegelbild verantwortlich zeigen<br />

und angreifen, anstatt die Ursachen in uns selbst zu erkennen.<br />

Wenn wir diese Lektion lernen und dementsprechend<br />

auch die unverantwortliche, aber bequeme Haltung<br />

sterben lassen, ständig auf andere zu projizieren, erkennen<br />

wir die wahren Ursachen für alles, was wir erleben, in<br />

uns selbst. Erst in dieser tiefen Erkenntnis kommt unser<br />

Leben wieder in Fluss, und wir erinnern uns daran, wer wir<br />

wirklich sind - nämlich unendlich kreatives und schöpferisches<br />

Bewusstsein - und was wir hier und jetzt im Kontext<br />

der universellen Evolution wirklich leben wollen.<br />

Wir werden uns also dramatisch bewusst, dass auch wir<br />

die "bösen Illuminati" oder Manager, Politiker und Banker<br />

sind, dass wir alle verantwortlich für jeden Zustand in<br />

unserer Welt sind und gemeinsam die Ursachen dafür in<br />

den geistigen Feldern erschaffen haben. Und erst durch<br />

diesen erschütternden Prozess, der tief in unserem Sein<br />

unsere wahre Verantwortlichkeit in absoluter Selbstehrlichkeit<br />

und Selbsterkenntnis freisetzt, und dadurch, dass<br />

CHUEN - der blaue Affe<br />

wir diese alten geistigen Programme ersterben lassen,<br />

können wir neue, übergeordnete Ursachen in den morphischen<br />

Feldern setzen, die einen neuen Boden für unseren<br />

menschlichen Kulturkörper erschaffen.<br />

Wir befinden uns wirklich in einer radikalen Zeit, die<br />

uns auffordert, unser Bewusstsein und Lebensweise<br />

in Nullzeit von den Schlacken des gierigen<br />

Materialismus und des alles verschlingenden Egoismus zu<br />

befreien, damit wir ein universelles Zeitalter betreten können,<br />

das uns komplett neue Möglichkeiten und Erfahrungen<br />

bietet. Eine vereinte Welt, die universellen Gesetzmäßigkeiten<br />

folgt, und in der wir Geschöpfe im Bewusstsein<br />

des Schöpfers, des Christus und der ICH-BIN-Gegenwart,<br />

im Einklang mit Allem-Was-Ist leben.<br />

Doch bis es soweit ist, gilt es alle Ebenen des Lebens zu<br />

heilen und zu erleuchten. Ob unsere DNS und unser physischer<br />

Körper, unsere Chakren und Energiekörper oder<br />

unsere kollektive Gesellschaft und der menschliche Kulturkörper,<br />

oder Mutter Erde und das Mineral-, Pflanzenund<br />

Tierreich, ja sogar die vier Elemente sind durch uns<br />

aus dem Gleichgewicht geraten und warten auf ihre Heilung.<br />

Wie viele Sonnenumläufe die Verwirklichung dieser<br />

universellen Vision nach 2012 auch benötigen mag, es liegt<br />

an uns, an jedem einzelnen, sie als erwachende Mitschöpfer<br />

im Hier & Jetzt zu verwirklichen. ■<br />

Martin Strübin, Gründer des Blaubeerwald-Institutes®, arbeitet<br />

zusammen mit seiner Frau Christine als<br />

spiritueller Lehrer und Heiler. Seit über 15<br />

Jahren beschäftigt er sich mit dem Wissen der<br />

alten Maya, insbesondere mit der Zeit-Matrix<br />

des Tzolkin. Seit vielen Jahren leitet er dazu<br />

auch Workshops. Seine DVD „CountDown 2012“<br />

ist 2010 im Schildverlag erschienen. Zudem<br />

veranstalten die Strübins einzigartige Reisen in<br />

die Hochkultur der Maya in Mexiko/Guatemala<br />

und zu Delphinen am Roten Meer, halten international spirituelle<br />

Seminare und Ausbildungen und führen einen ganzheitlichen<br />

Versandhandel mit Gesundheitsprodukten und ganzheitlichen<br />

Systemen.<br />

Kontakt: Blaubeerwald-Institut, Martin Strübin, 92439 Altenschwand,<br />

Tel: 09434 3029, info@blaubeerwald.de,<br />

www.Blaubeerwald.de<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 61


Spiritualität<br />

Liebe<br />

Liebe<br />

…ist die stärkste Macht im Kosmos!<br />

René Egli<br />

Dies ist kein Glaubenssatz, sondern Realität. Ich lade<br />

Sie ein, über die Liebe nicht zu disputieren, sondern<br />

die Liebe auszuprobieren. Wir können stundenlang<br />

vor einem Stromschalter stehen und darüber diskutieren,<br />

wie dieser Schalter nun funktioniert - und ob er überhaupt<br />

funktioniert. Das ist reine Zeitverschwendung. Wir wissen<br />

es, wenn wir auf den Schalter drucken. Nur das Ergebnis<br />

zählt. Große Diskussionen über die Liebe bringen uns nicht<br />

weiter; wir müssen den Schalter betätigen, dann wissen<br />

wir, ob und wie die Liebe funktioniert.<br />

Wenn Liebe die stärkste Macht im Kosmos ist, dann<br />

kann daraus geschlossen werden, dass es kein Problem<br />

gibt, das nicht mit einer genügend großen Portion Liebe<br />

gelöst werden kann. Und genau so ist es. Ob es sich um<br />

Ihre privaten Probleme oder um weltweite Probleme wie<br />

Armut, Drogen, Arbeitslosigkeit etc. handelt - mit Hilfe der<br />

Liebe könnten wir, wenn wir wollten, alle diese Probleme<br />

lösen. Wir wenden uns jetzt den ganz persönlichen Problemen<br />

und Zielen zu - und nicht den weltweiten Problemen.<br />

Das ist keine egoistische Einstellung; da alles EINS<br />

ist, helfen wir mit, die Weltprobleme zu lösen, wenn wir<br />

unsere persönlichen Probleme lösen. Logisch nicht wahr?<br />

Erinnern Sie sich daran, dass ich einmal gesagt habe,<br />

das menschliche Potential bestehe aus zwei Eigenschaften<br />

- Intelligenz und Energie? Und erinnern Sie sich daran,<br />

dass wir beim Thema Loslassen festgestellt haben, wo wir<br />

unnötig Energie blockieren und verlieren? Jetzt können<br />

wir auch diesen Kreis schließen: Liebe führt zu einem Maximum<br />

an Energie und Intelligenz (Bewusstsein). Liebe ist<br />

die Energie im Kosmos, die sich selbst erzeugen kann, die<br />

62 MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Wenn man Liebe hat im<br />

Kampf, so siegt man;<br />

wenn man sie hat bei der<br />

Verteidigung, so ist man<br />

unüberwindlich.<br />

Laotse<br />

also unbegrenzt ist. Und je mehr Energie wir einsetzen<br />

können, desto schneller erreichen wir unsere Ziele. Unsere<br />

Energie ist umso größer, je mehr Liebe wir einsetzen.<br />

Wenn uns also das Loslassen hilft, Energieverlust und Energieblockaden<br />

zu vermeiden, so hilft uns die Liebe, unsere<br />

Energie zu maximieren. Ein Maximum an menschlichem<br />

Potential ist somit dann erreicht, wenn ein Maximum an<br />

Liebe aktiviert wird (denken Sie an Jesus oder an Buddha).<br />

Ein Minimum an menschlichem Potential ist dort feststellbar,<br />

wo ein Maximum an Angst oder Hass vorhanden ist.<br />

Jeder Gedanke der Liebe erhöht Ihr Potential und erhöht<br />

die Energie im Kosmos!<br />

Ich hoffe, Sie spüren langsam, wie die Sache immer<br />

einfacher wird. Alles lässt sich auf das Thema Liebe reduzieren.<br />

Deshalb scheint es mir so unendlich wichtig, dass<br />

wir uns mit diesem Thema beschäftigen - und nicht mit der<br />

Atomenergie und den anderen physikalischen Energien.<br />

Mahathma Gandhi hat schon vor vielen Jahren wie folgt<br />

darauf hingewiesen:<br />

„Das Gesetz der Liebe ist eine viel größere Wissenschaft<br />

als jede andere moderne Wissenschaft.“<br />

Leider betrachten wir die Liebe noch immer nicht als<br />

Wissenschaft; folglich stehen zu deren Erforschung<br />

auch keine Geldmittel zur Verfügung. Sicher hängt<br />

das auch damit zusammen, dass jeder glaubt, er wisse,<br />

was Liebe ist. Tatsache aber- wir haben nur eine ganz kleine<br />

Ahnung von der Funktionsweise und den Möglichkeiten<br />

der Liebe, sonst gäbe es nicht alle die zahlreichen Probleme<br />

und Konflikte.<br />

Da Liebe Einheit bedeutet, bedeutet Liebe auch Abwesenheit<br />

von Konflikt. Wo Einheit ist, herrscht kein Konflikt,<br />

und wo kein Konflikt ist, herrscht Widerstandslosigkeit.<br />

Wenn Sie die Wahl haben, Probleme mit möglichst viel<br />

oder mit möglichst wenig Widerstand zu lösen oder Ziele<br />

mit möglichst viel oder mit möglichst wenig Widerstand zu<br />

erreichen, so dürfte Ihre Entscheidung klar sein: mit möglichst<br />

wenig Widerstand natürlich. Alles andere wäre eine<br />

Energie- und Zeitverschwendung, nicht wahr? Die Praxis<br />

sieht aber anders aus. Oft nehmen wir nicht den Weg des<br />

geringsten Widerstandes, sondern einen viel aufwendigeren<br />

Weg. Der Weg des geringsten Widerstandes ist nämlich<br />

der Weg der Liebe.<br />

Liebe erzeugt keinen Widerstand und führt somit logischerweise<br />

am schnellsten zum Ziel.<br />

Wir meinen zwar oft, Kampf führe am schnellsten zum<br />

Ziel; das ist aber ein Irrtum: eine oberflächliche Betrachtung.<br />

Mit Kampf werden die Probleme nur scheinbar und<br />

kurzfristig gelöst. Mittel- und langfristig schafft man sich<br />

dadurch zusätzliche Probleme. Da aber Kampf mehr Lärm<br />

macht als Liebe, sind wir stärker auf die Kampfstrategie fixiert<br />

als auf die Liebesstrategie. Liebe macht keinen Lärm.<br />

Spiritualität<br />

Dies ist natürlich keine neue Erkenntnis. Schon Laotse hat<br />

sich in seinem berühmt gewordenen Tao-te-king zum Thema<br />

Liebe und Kampf wie folgt geäußert:<br />

Wenn man Liebe hat im Kampf, so siegt man; wenn man<br />

sie hat bei der Verteidigung, so ist man unüberwindlich.<br />

Wen der Himmel retten will, den schützt er durch die<br />

Liebe.<br />

Das erinnert sehr an die japanische Kampfsportart<br />

Aikido, auf die ich bereits in einem früheren Zusammenhang<br />

hingewiesen habe. Meines Wissens nach gibt es<br />

keinen Vertreter einer anderen Kampfsportart, der in der<br />

Lage ist, einen ausgebildeten Aikidoka zu besiegen. Einer<br />

der Grundsätze im Aikido ist der, dass man im Angreifer<br />

keinen Gegner sieht, dass man Einheit sieht und nicht<br />

Trennung. Und das wiederum ist nichts anderes als ein<br />

Gefühl der Liebe. Aus diesem Grunde konnte der Gründer<br />

des Aikido, O-Sensei Morihei Uyeshiba, behaupten, er siege<br />

immer, wie stark sein „Gegner“ auch sei. Er hatte ganz<br />

klar erkannt, dass der wahre Sieg nicht der Sieg über einen<br />

Gegner ist, sondern der Sieg über den Geist der Uneinigkeit<br />

in uns selbst. Wer nämlich einen Geist der Uneinigkeit<br />

hat, wer daran denkt, dass es einen Feind gibt, ist von Anfang<br />

an besiegt<br />

Liebe kennt keine Uneinigkeit. Liebe kenn keine Feinde.<br />

Lassen Sie mich hier noch etwas Entscheidendes<br />

zum Thema Liebe anführen. Wenn ich von Liebe spreche,<br />

so meine ich damit bedingungslose Liebe. Liebe also,<br />

die keine Bedingungen stellt. Die einfach liebt. Nicht die<br />

Liebe, die sagt, ich liebe dich unter der Bedingung, dass du<br />

gut kochen kannst, oder du deine Arbeit gut machst etc. etc.<br />

Wir sprechen von bedingungsloser Liebe. Von Liebe<br />

also, die nicht urteilt; die nicht teilt. Von Liebe, die liebt,<br />

weil alles EINS ist; weil somit alles Gott - oder das Leben –<br />

ist. Wenn alles EINS ist, dann heißt das doch auch: es gibt<br />

nichts außer Gott, außer dem Leben, außer der Schöpferkraft<br />

oder wie immer Sie diese Macht nennen wollen. Sehen<br />

Sie's einmal so: wenn alles Gott ist, dann ist dies DER<br />

Grund, um alles ohne Urteil, also bedingungslos, zu lieben.<br />

Es gibt nichts außer Gott.<br />

Und Gott ist Liebe.<br />

Und Liebe ist absolute Sicherheit.<br />

Angst ist vom Menschen gemachte absolute Unsicherheit.


Bücher<br />

Drei Mysterien<br />

Dieses Buch ist voller Mystik und<br />

Magie. Ein Buch, das unaufdringlich<br />

seinen ihm innewohnenden<br />

Zauber entfaltet und keinen Leser<br />

unberührt lässt.<br />

Wir tauchen beim Lesen dieses<br />

kleinen Büchleins ein in eine eigene<br />

Welt. Eine Welt, die uns verzaubert<br />

und in die Welt zwischen<br />

Legende, Mysterie und History<br />

führt in, der wir mit leuchtenden<br />

Kinderaugen nur staunend und<br />

freudig von den Schätzen nehmen<br />

dürfen, die uns Manfred Kyber<br />

einmal mehr schenkt.<br />

„Der Kelch von Avalon“, genau<br />

wie „Die neunte Stunde“ und<br />

„Der Stern von Juda“ werden den<br />

Leser zukünftig sein Leben lang<br />

begleiten. Vielleicht sind wir dieser<br />

Dramen nicht immer würdig,<br />

aber es bleibt die Hoffnung, dass<br />

wir ihnen entgegenwachsen.<br />

Der Verlag schreibt: Mensch zu<br />

werden, um Mensch zu sein –<br />

in seinen Dramen ist es so, als<br />

reiche der Autor uns von weitest<br />

her die Hand, uns auf diesem<br />

Weg zu begleiten.<br />

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer<br />

dass Sie selten 8,90 besser<br />

anlegen konnten. Dieses Buch,<br />

wenn es Sie ergriffen hat, werden<br />

sie immer wieder verschenken,<br />

auch wenn es sicher nicht<br />

Hip ist oder sich dem Zeitgeist<br />

unterwirft.<br />

Ulrich Heerd<br />

Manfred Kyber<br />

Drei Mysterien<br />

Michaels Verlag 2012<br />

ISBN 978-3-89539-644-1<br />

€ 8,90<br />

Vorgeburtliches<br />

Bewusstsein<br />

Ein bekannter Autor und Psychologe<br />

mit einem kontroversen<br />

Thema. Wie weit wird<br />

unser Leben schon im Mutterleib<br />

vom emotionalen und<br />

gesundheitlichen Zustand der<br />

Mutter und äußeren Ereignissen<br />

beeinflusst? Die neuesten<br />

wissenschaftlichen Studien an<br />

amerikanischen Kliniken zeigen<br />

deutlich, dass man diese<br />

Erkenntnise als immense Hilfe<br />

bei der Therapie vieler Krankheiten<br />

einsetzen kann.<br />

Besonders wichtig in diesem<br />

Zusammenhang ist der Begriff<br />

der Epigenetik. Dieses relativ<br />

junge Forschungsgebiet liefert<br />

zahlreiche Beweise dafür, dass<br />

die vorgeburtlichen Erfahrungen<br />

und die Geburt selbst<br />

unseren Gesundheitszustand,<br />

unseren Charakter und den<br />

Umgang mit schwierigen Lebenssituationen<br />

prägen. Das<br />

Buch ist nicht nur für werdende<br />

Eltern, sondern auch für uns<br />

Erwachsene, um uns besser zu<br />

verstehen und das Wissen über<br />

das „<strong>Universum</strong> des Lebens“<br />

zu erweitern. Sehr empfehlenswert.<br />

Grazyna Fosar<br />

Arthur Janov<br />

Vorgeburtliches Bewusstsein<br />

Das geheime Drehbuch, das unser<br />

Leben bestimmt<br />

Scorpio-Verlag 2012<br />

ISBN 978-3-94216-684-3<br />

€ 19,95<br />

Frei sein<br />

Einer dieser biographischen<br />

Romane die man gerne liest<br />

und die einen fesseln und die<br />

man weiter lesen mag, und<br />

auch wenn einem die Augen<br />

abends zufallen, möchte man<br />

trotzdem weiter lesen.<br />

Das Buch ist die Lebensgeschichte<br />

einer tapferen Frau,<br />

die ihrem Traum treu geblieben<br />

ist.<br />

Frei sein und unter Indianern<br />

leben – was für ein Traum für<br />

ein kleines Mädchen, und dann<br />

folgt das Ende des 2. Weltkrieges,<br />

Misshandlung und ein Leben<br />

in Armut. Sie erhebt sich<br />

aus dem, was vorgegeben erscheint,<br />

und an der Seite ihres<br />

Mannes wandert sie nach Kanada<br />

aus und lebt dort mit den<br />

letzten frei gebliebenen Indianern<br />

in einem selbst gezimmerten<br />

Blockhaus, und wieder<br />

ist das Leben ärmlich. Ist es<br />

das? Oder erlebt sie nicht den<br />

ganzen Reichtum, den sie sich<br />

immer ersehnt hat?<br />

Ein biografischer Roman. Ein<br />

Frauenroman. Ein Roman, der<br />

Mut macht. Ein Roman über<br />

die Erfüllung eines Traumes.<br />

Ulrich Heerd<br />

Karin Stöber<br />

Frei sein<br />

Mein erfüllter Traum<br />

Der ungewöhnliche Lebensweg<br />

einer tapferen Frau<br />

LiberAles Verlag 2012<br />

ISBN 978-3-943133-01-1<br />

€ 16,90<br />

Das Beste von White Eagle<br />

Seit über 55 Jahren begleitet<br />

White Eagle nun eine Vielzahl<br />

von Menschen. Menschen, die<br />

seinen Lehren, seiner Weisheit<br />

folgen und sich diese zu<br />

eigen machen. Menschen, die<br />

durch ihn auf einen klaren,<br />

freudvolleren Weg gestoßen<br />

sind, den sie nun gehen.<br />

Da Gesamtwerk von White<br />

Eagle umfasst zig verschiedene<br />

Bücher. Nun ist mit „Das<br />

Beste von WHITE EAGLE“<br />

ein Werk erschienen, das die<br />

wesentlichen Aussagen und<br />

Passagen seiner wichtigsten<br />

Ansprachen enthält. Ich kenne<br />

kein Werk, das besser und<br />

leichter in die Welt dieses<br />

großen Menschen einführt.<br />

Dieses Buch kann eine ganze<br />

Welt beim Leser entfalten,<br />

eine Welt, die harmonischer,<br />

freundlicher und hoffnungsfroher<br />

ist und an der man mit<br />

Freude mitwirken mag.<br />

Mit dem Wissen, das uns<br />

White Eagle schenkt, wird uns<br />

einmal mehr deutlich das wir<br />

alle unsterbliche Wesen sind.<br />

Ulrich Heerd<br />

White Eagle<br />

Das Beste von WHITE EAGLE<br />

(zwei Bücher in einem)<br />

Verlag Stella Polaris 2012<br />

ISBN 978-3-937980-18-8<br />

€ 19,95<br />

64<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013


Märchen<br />

Das perfekte<br />

Herz<br />

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im<br />

ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein<br />

Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht,<br />

es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und<br />

prahlte noch lauter über sein schönes Herz.<br />

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht mal annähernd<br />

so schön wie meines.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des<br />

alten Mannes an.<br />

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere<br />

ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken.... Genau<br />

gesagt, an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn<br />

an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?<br />

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst<br />

scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt, und deines ist ein<br />

Durcheinander aus Narben und Tränen.“<br />

„Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede<br />

Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines<br />

Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere<br />

Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten,<br />

die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch<br />

ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben<br />

hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen.<br />

Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die<br />

Liebe, die ich für diese Menschen empfinde... und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und<br />

den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“<br />

Der junge Mann stand still da, und Tränen rannen über seine Wangen.<br />

Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein<br />

Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot<br />

an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte<br />

damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste<br />

Ränder hatte.<br />

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die<br />

Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.<br />

Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013 MATRIX 3000 65


<strong>Vorschau</strong><br />

MATRIX3000<br />

<strong>Vorschau</strong> auf <strong>Matrix3000</strong> Band 74, erscheint am 28. 2. 2013<br />

Der Sokrates-Code<br />

Sokrates ist zweifelsohne der bekannteste Weise der griechischen<br />

Antike, und auch sein Lebensweg ist legendär.<br />

Aber haben wir modernen Menschen sein Denken auch<br />

wirklich verstanden? Es zeigt sich, dass hinter Sokrates‘<br />

Begriffswelt ein Code steht, der vielen Interpreten seiner<br />

Aussagen entgangen ist. Erst das chinesische Taiji hilft,<br />

den Sokrates-Code zu knacken. Durch die neue Interpretation<br />

erscheint auch die ursprüngliche Bedeutung der<br />

klassischen Wissenschaften der Antike wie der Geometrie,<br />

der Astronomie und Philosophie in neuem Licht.<br />

Das Geheimnis von Tora Bora<br />

Im östlichen Afghanistan, nahe der pakistanischen Grenze, befindet<br />

sich die Höhle Tora Bora („schwarze Höhle“). Deutsche<br />

Archäologen hatten Gelegenheit, sie eingehend zu erforschen.<br />

Sie fanden ein mehrstöckiges Höhlensystem mit zahlreichen<br />

Verzweigungen, das ab ca. 100 Metern Tiefe in eine vollkommen<br />

andersartige „gespenstische“ Welt führt, in denen man<br />

auch auf Überreste nicht identifizierbarer Lebewesen stieß.<br />

Hausen in der bodenlosen Tiefe möglicherweise bis heute noch<br />

unbekannte Bewohner?<br />

Kultur als Widerstand<br />

Jede wichtige Revolte spiegelte sich in Kunst und Kultur wider.<br />

Es kam, wie in der 68er-Bewegung, zu einer gegenseitigen Befruchtung<br />

zwischen der politischen Aktion und ihrem geistigen<br />

„Überbau“. Kultur ist die Seele des Widerstands – gegen eine<br />

ungerechte Wirtschaftsordnung, Umweltzerstörung und die lebensfeindliche<br />

Ideologie einer „Welt als Ware“. Ohne Fantasie<br />

und Kreativität beherrschen spröde Pamphlete den politischen<br />

Diskurs. Occupy, Globalisierungskritik und neue Protestbewegungen<br />

(z.B. in Afrika und Europa) haben kulturelle Blüten<br />

getrieben, die in den Medien zu wenig beachtet werden. Matrix<br />

3000 präsentiert internationale Protestsänger, subversive Internetkunst,<br />

Ad-Busting, Guerilla-Gardening und andere aktuelle<br />

Phänomene.<br />

Was ist Wahrheit?<br />

Sprache ist unvollkommen. „Mit Worten lässt sich trefflich<br />

streiten...“, sagt Mephisto. Wie lässt sich dann trotzdem „die<br />

Wahrheit“ finden - angesichts einer zudem komplexen und widersprüchlichen<br />

Wirklichkeit? Wir können uns ihr nur nähern,<br />

indem wir ihre Widersprüche gedanklich und emotional nachvollziehen,<br />

Einseitigkeiten aufgeben und lernen, paradox und in<br />

Widersprüchen zu denken und zu fühlen. Dazu bedarf es auch<br />

der Reife, sein „Ego“ und seine „Mein-ung“ in Frage zu stellen.<br />

Denn „jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort<br />

treffen wir uns“, schlägt der Mystiker Rumi vor.<br />

66<br />

MATRIX 3000 Band <strong>73</strong> Januar / Februar 2013<br />

Impressum<br />

<strong>Matrix3000</strong> erscheint zweimonatlich.<br />

ISSN 1 439-4154<br />

ISBN (<strong>Matrix3000</strong> Band <strong>73</strong>): 978-3-89539-887-2<br />

Verlag<br />

MATRIX3000 Verlag GmbH<br />

Ammergauer Straße 80<br />

D-86971 Peiting<br />

Telefon: 0 88 61/59 0 18, Telefax: 0 88 61/67 0 91<br />

info@matrix3000.de, www.matrix3000.de<br />

Redaktion MATRIX3000<br />

Grazyna Fosar<br />

Franz Bludorf<br />

Postfach 242<br />

D-12112 Berlin<br />

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grazyna.fosar@matrix3000.de,<br />

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Redaktionsschluß für die nächste <strong>Ausgabe</strong>,<br />

<strong>Matrix3000</strong> Band 74: 15. 1. 2013<br />

Chefredaktion<br />

Franz Bludorf<br />

Redaktion<br />

Franz Bludorf, Grazyna Fosar, Ulrich Heerd, Ralf Lehnert,<br />

Lisa Rampertshammer, Elke Röder, Roland Rottenfußer<br />

Beiträge von<br />

Hademar Bankhofer, Franz Bludorf, René Egli, Grazyna<br />

Fosar, Ulrich Heerd, Annette Heuser, Gabriele Quinque,<br />

Thomas Ritter, Roland Roth, Roland Rottenfußer, Herwig<br />

Schön, Hellmut Seemann, Martin Strübin, Hanno Weber<br />

Art Direction<br />

Mirjam Schuster<br />

mia@thesigner.com<br />

Bilder: Angaben beim Bild oder Archiv<br />

Druck<br />

Mayr Miesbach GmbH<br />

Vertrieb<br />

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Abo-Bestellung mit Abo-Bestellschein.<br />

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Österreich 7,40 EUR, Schweiz 12,80 SFR,<br />

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Für gewerbliche Inserenten<br />

Thorsten Peters<br />

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Stevia<br />

das grosse Sukrin Backbuch<br />

Dieses Buch ist prall voll mit Backrezepten die mit Stevia zubereitet sind.<br />

Es gibt verschiedene Stevias und in diesem Buch ist es uns erstmalig gelungen<br />

eine erprobte Rezeptsammlung zu veröffentlichen, die auf handelsübliches<br />

Stevia basiert.<br />

Das bedeutet, dass Sie hier keinen besonderen Dossierlöffel benötigen,<br />

sondern mit einer Grammzahl arbeiten.<br />

Eine Situation über die sich jeder Backfreund freuen wird.<br />

Dieses Buch verspricht: Leicht und problemlos süßen, ohne schlechtes Gewissen,<br />

ohne diese unsäglich hohen Kohlenhydrate, weg vom Suchtmittel Nr.<br />

1 hin zu einer gesunden Alternative und das ist natürlich bei einem Backbuch<br />

wesentlich, eine Vielzahl leckerer, leicht nachzubackender Rezepte.<br />

Der Autor und Koch Thomas Janssen ist inzwischen in Deutschland der Fachautor in Sachen Stevia.<br />

Immer wieder hält er Vorträge, gibt Interviews in Zeitschriften, Radio und TV (unteranderem in<br />

SAT 1 und RTL).<br />

Neben seinem Trennkostbuch hat der populäre Koch drei weitere erfolgreiche Bücher verlegt.<br />

Neben – „Das große Stevia Backbuch“ und „Stevia – alles Wissenswertes“ seinen Bestseller<br />

„Stevia - süßes Kochen und Backen mit Stevia“.<br />

das grosse Sukrin Backbuch Thomas Janßen<br />

Stevia<br />

Thomas Janßen<br />

Stevia<br />

das grosse Sukrin Backbuch<br />

ISBN: 978-3-89539-101-9<br />

www.michaelsverlag.de<br />

Stevia_Backbuch.indd 1 04.10.12 11:46<br />

Thomas Janßen<br />

Stevia<br />

Süßes Kochen und Backen mit Stevia<br />

€ 12,80 (D) € 10,20 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-099-9<br />

3. Aufl age<br />

Thomas Janßen<br />

Stevia<br />

das grosse Sukrin Backbuch<br />

ISBN 978-3-89539-101-9<br />

€ 12,80 (D)<br />

issen müsen<br />

hier von<br />

utor beantdas<br />

gesund<br />

Diabetiker<br />

selber an-<br />

Stevia - Wissenswertes Thomas Janßen<br />

Der Autor Thomas Janßen tätig als Küchenchef Dozent<br />

an Volkshochschulen und Trennkostberater erläutert auf<br />

einfachste Art und Weise viele leckere Rezepte, bei denen<br />

vollkommen auf die Verwendung von Zucker verzichtet<br />

wird, so dass sich die Rezepte hervorragend für abnehmwillige<br />

und auch Diabetiker eignen.<br />

Thomas Janßen<br />

Stevia<br />

- Wissenswertes<br />

Die Alternative zum Suchtmittel Nr.1<br />

Trennkost<br />

Für Jedermann und Frau<br />

Trennkost ist keine Diät,<br />

sondern eine Ernährungsform.<br />

Gesundheit und Wohlbefinden hängen von der<br />

richtigen Ernährung ab. Richtiges Essen steigert die<br />

Leistungsfähigkeit, Energie und Lebensfreude. Zudem<br />

spielt sie eine wichtige Rolle, um verschiedenen<br />

Krankheiten vorzubeugen oder deren Symptome zu<br />

lindern.<br />

Die Trennkost hilft ihnen dabei sich bewusst zu ernähren<br />

und somit lange gesund und fit zu bleiben.<br />

Trennkost ist eine vollwertige, gesunde und<br />

ballaststoffreiche Ernährung. Durch ihre Vielfältigkeit ist<br />

die Trennkost für eine dauerhafte Anwendung geeignet.<br />

Viele wertvolle Ernährungstipps helfen Ihnen<br />

auf dem Weg zu Ihrem persönlichen Wohlfühlgewicht!<br />

Trennkost<br />

Thomas Janßen<br />

Dieses Buch ist prall voll mit Backrezepten die mit Sukrin zubereitet sind. Es<br />

gibt verschiedene Stevias und in diesem Buch ist es uns erstmalig gelungen<br />

eine erprobte Rezeptsammlung zu veröffentlichen, die auf handelsübliche<br />

Stevia basiert. Das bedeutet das sie hier keinen besonderen Dossierlöffel<br />

benötigen, sondern mit einer Grammzahl arbeiten.<br />

Eine Situation über die sich jeder Backfreund freuen wird. Dieses Buch verspricht:<br />

Leicht und problemlos süßen, ohne schlechtes Gewissen, ohne diese<br />

unsäglich hohen Kohlehydrate, weg vom Suchtmittel Nr. 1 hin zu einer<br />

gesunden Alternative und das ist natürlich bei einem Backbuch wesentlich,<br />

eine Vielzahl leckerer, leicht nachzubackender Rezepte.<br />

Thomas Janßen<br />

Trennkost<br />

Für Jedermann und Frau<br />

Schlank und abnehmen...<br />

... ohne Diät<br />

9 783895392054<br />

€ 9,90 (D) € 10,20 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-205-4<br />

www.michaelsverlag.de<br />

02.08.12 10:23<br />

Thomas Janßen<br />

Stevia - Wissenswertes<br />

Die Alternative zum Suchtmittel Nr.1<br />

ISBN 978-3-89539-100-2<br />

€ 7,80 (D)<br />

Buchcover_Moderne Trennkost.indd 3 22.03.11 15:15<br />

Thomas Janßen<br />

Trennkost für<br />

Jedermann und Frau<br />

€ 9,90 (D) € 10,20 (A)<br />

ISBN: 978-3-89539-205-4<br />

Alles was Sie über Stevia wissen müssen.<br />

Über 100 Fragen werden hier von dem Koch- und<br />

Bestsellerautor beantwortet. Ein kleines Buch zu einer<br />

großen Pflanze. Das Süßungsmittel das gesund ist,<br />

nicht dick macht, das Diabetiker lieben und als Steviapflanze<br />

selber angebaut werden kann.<br />

Trennkost ist keine Diät, sondern eine Ernährungsform.<br />

Gesundheit und Wohlbefinden hängen von der richtigen Ernährung ab. Richtiges<br />

Essen steigert die Leistungsfähigkeit, Energie und Lebensfreude. Zudem<br />

spielt sie eine wichtige Rolle, um verschiedenen Krankheiten vorzubeugen<br />

oder deren Symptome zu lindern.<br />

Die Trennkost hilft ihnen dabei sich bewusst zu ernähren und somit lange<br />

gesund und fit zu bleiben. Trennkost ist eine vollwertige, gesunde und ballaststoffreiche<br />

Ernährung. Durch ihre Vielfältigkeit ist die Trennkost für eine<br />

dauerhafte Anwendung geeignet.<br />

Bestelltelefon: 08861 - 5 90 18, E-mail: Info@michaelsverlag.de<br />

MICHAELS VERLAG & VERTRIEB GMBH, Ammergauer Strasse 80, D-86971 Peiting, Fax: 08861 - 6 70 91


MVV, Ammergauerstr. 80, 86971 Peiting, PVSt. Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt, B51 151

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