11 | 2013 - Spital Region Oberaargau

sro.ch

11 | 2013 - Spital Region Oberaargau

info 2|13

Rettungsdienst: Zeit ist Herz 8

Schnellere Hilfe bei Herzinfarkt

Brust-Screening 10

Früherkennungsprogramm wird eingeführt

Gastroenterologie 15

Neuer Chefarzt: Betreuung auf persönlicher Ebene


2

inhalt

editorial 3

Leitbild Mitarbeitende gestalten neues LeitbilD 5

Stiftung SRO Forschungsprojekt Psychotherapie 7

Rettungsdienst Zeit ist Herz 8

Radiologie Früherkennung durch Brust-ScreeninG 10

Belegärztin Chirurgie Praxis Chirurgie Würbel öffnet ihre Türen 13

Gastroenterologie Betreuung auf persönlicher Ebene 15

Chirurgie und Orthopädie Neue Leitende ärzte 17

dahlia oberaargau ag Thomas Nuspel wird neuer Geschäftsleiter 19

Grundausbildung Wir investieren auch in die Nachwuchskräfte 21

Masterplan Spitalneubau ist auf Kurs 22

Mitarbeiter-Portrait Sport, Bewegung und Beruf ideal kombinierT 25

dahlia oberaargau ag Aus eigener Kraft aktiv werden 26

Rezept Mozarttorte ‹‹Anna›› 29

ärztlicher tipp Im Winter haben Erkältungsviren Hochsaison 30

Titelbild Noémie Anna Ryf und Iris Zürcher, im zweiten Lehrjahr Fachfrau Gesundheit EFZ

Impressum

Herausgeber

SRO AG, St. Urbanstrasse 67, 4901 Langenthal

Tel. 062 916 31 31, Fax. 062 916 31 12

info@sro.ch, www.sro.ch

Projektleitung

Manuela Leuenberger

Texte

Brigitte Meier, Aarwangen

Fotos

Plüss Werbeagentur AG, Langenthal

www.pluess-ag.com

Konzept/Grafik

Plüss Werbeagentur AG, Langenthal

www.pluess-ag.com

Inserate

PEAK Media, Langenthal

www.peak-media.ch

Druck

Merkur Druck AG, Langenthal

www.merkurdruck.ch

Auflage

64'000 Exemplare (Postversand in über 100

Versorgungsgemeinden)

SRO AG

St. Urbanstrasse 67

4901 Langenthal

Telefon 062 916 31 31

www.sro.ch

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit

schriftlicher Genehmigung der SRO AG.


3

EDITORIAL SRO – MENSCHEN MIT

EINER GEMEINSAMEN AUFGABE

In der SRO AG treffen Menschen mit unterschiedlicher

kultureller Herkunft, Biografie

und Werthaltung aus allen Altersgruppen

aufeinander.

Im vergangenen Jahr liessen sich rund

8’500 Personen, etwas über sieben Prozent

mehr als im Jahr zuvor, in der SRO

AG stationär behandeln. Für die meisten

war der Spitaleintritt und die Gründe die

dazu führten etwas Aussergewöhnliches.

Alltag ist diese Welt dagegen für die rund

1’200 Mitarbeitenden der SRO AG.

Aufgabe eines Spitals ist es, den Gesundheitszustand

der Patienten und damit

deren Lebensqualität zu verbessern. Wie

erfolgreich dies im Einzelfall geschieht,

bewertet die Patientin oder der Patient.

Obwohl objektive Indikatoren zur Verfügung

stehen, ist es schlussendlich das

subjektive Empfinden des einzelnen Menschen,

welches ihm das Gefühl vermittelt,

wo er sich im Kontinuum zwischen den

beiden Polen «völlig gesund» und «völlig

krank» befindet. Konnte in früheren Zeiten

von einem Patienten erwartet werden,

dass er brav den Anweisungen von Arzt

und Pflege folgte, so ist dies, auch als

Resultat der gesellschaftlichen und informationstechnologischen

Entwicklungen,

heute nicht mehr der Fall. Der Patient ist,

sofern es sein Gesundheitszustand zulässt,

als mündiger Mensch integriert in

das Zusammenwirken der Personen, die

seine gesundheitliche Verfassung verbessern

wollen. Er ist selbst an diesem Prozess

beteiligt und trägt damit eine Mitverantwortung.

In den letzten Jahren verstärkten sich

auch die Kooperationsbeziehungen zwischen

den im Spital tätigen Berufsgruppen.

Lange Zeit waren diese kaum existent.

Ärzteschaft, Pflege und Verwaltung

funktionierten «in eigenen Welten» und

zeichneten sich durch ungleiche Selbstverständnisse

aus. Die Gründe, die zu diesem

Wandel führten sind unter anderem

im erhöhten wirtschaftlichen Druck auf

die Spitäler, im ständig schneller werdenden

technologischen Fortschritt und in

der fortschreitenden Spezialisierung der

Arzt- und Pflegeberufe zu finden. Allein

die Verbindung der Schweizer Ärztinnen

und Ärzte (FMH) führt auf ihrer Website

45 Fachgesellschaften auf. Dies führt zu

einer vermehrten Arbeitsteilung bei der

Leistungserstellung. Die häufig an Mehrfacherkrankungen

leidenden Patienten,

eine Folge der demografischen Entwicklung,

verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Mit den bisher gemachten Ausführungen

möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und

Leser, zeigen, dass sich die Spitäler in

einem fundamentalen Wandel befinden.

Ich bin überzeugt, dass dieser Prozess

eine positive Wirkung für Patienten und

Mitarbeitende haben wird. In der SRO AG

hat man erkannt, dass es für den Wandel

mehr braucht als strategische und strukturelle

Festlegungen. Damit der einzelne

Mitarbeitende im Sinne des Ganzen agieren

kann, braucht es einen gemeinsamen

Sinnhorizont. Das neue Leitbild, an

dem momentan in der SRO AG gearbeitet

wird, soll dazu beitragen. Mehr darüber

erfahren Sie im Beitrag von Dr. med. Kurt

Bachmann in dieser Ausgabe des SROinfo-

Magazins.

Claudia Graf

Departementsleiterin Pflege und

Behandlung,

Mitglied der Spitaldirektion

notfallnummern

Notfallarzt Region Oberaargau

und Niederbipp

0900 57 67 47 (1.98 Fr. / Min.)

Hausarztpraxis jura süd Niederbipp

(kleine Notfälle, tagsüber)

032 633 71 71

Notfallzentrum Spital Langenthal

062 916 31 31

Rettungsdienst

144

Zahnärztlicher Notfalldienst

062 922 05 85

Toxikologisches Institut

(Vergiftungsnotfälle)

145

Polizei

117

Feuerwehr

118

Rega

1414

Notruf für alle Fälle

Polizei, Feuer, Sanität

112

Faszinierende Medizin | ab 20.00 Uhr Spital Langenthal

19. November 2013

Psychische Krisen sind (heute) normal! –

Welche professionellen und innovativen

Hilfen bietet dann die Psychiatrie SRO?

verschiedene Referenten

10. Dezember 2013

Gastroenterologie

Prof. Dr. med. Radu Tutuian, Gastroenterologie

14. Januar 2014

Schweres Übergewicht – der Chirurg hilft.

Dr. med. Bernhard Wetz, Co-Chefarzt Chirurgie


Leitbild Mitarbeitende gestalten

neues Leitbild Zielsetzung ist ein griffiges Leitbild, das für

die SRO-Mitarbeitenden identitätsstiftend und verbindlich ist und von ihnen in Workshops

erarbeitet wird. Anliegen und Feststellungen einer


7

Stiftung SRO Forschungsprojekt

Psychotherapie Mit ihrem Projekt leisten die Psychiatrischen

Dienste SRO einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung effektiver und

effizienter Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die Stiftung SRO unterstützt damit erstmals ein Forschungsprojekt.

In der von der Stiftung SRO unterstützten Studie, die derzeit

an den Psychiatrischen Diensten des Spitals Region Oberaargau

durchgeführt wird, werden die Wirkfaktoren von Psychotherapie

genauer untersucht. Dr. Kurt Bachmann, Chefarzt Psychiatrie,

hat dieses Projekt lanciert und der Stiftung SRO vorgestellt.

«Das hat uns überzeugt. Zudem ist es ein Novum, dass wir ein

Forschungsprojekt unterstützen. Interessant aus unserer Sicht

ist auch, dass Kurt Bachmann dieses Projekt an Tagungen und

Kongressen präsentiert», sagt Stiftungsratspräsident Daniel

Steiner. Zudem sei die Studie eine Weiterbildungsmöglichkeit

und damit ein Argument, gute Mitarbeiter in der Psychiatrie zu

rekrutieren. «Vorerst ist die Unterstützung von Fr. 130’000.–

für das Jahr 2013 befristet. Je länger die Studie durchgeführt

werden kann, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis. Ende

Jahr entscheidet der Stiftungsrat auf der Basis eines Zwischenberichtes

über eine allfällige Weiterführung», erklärt Daniel

Steiner.

Bedeutung der psychotherapeutischen Wirkfaktoren

«Anhand diverser Fragebogen, die von den Patienten zu

Therapiebeginn, nach jeder Psychotherapiesitzung sowie bei

Therapieabschluss ausgefüllt werden, untersuchen wir das

Zusammenspiel der in der Literatur diskutierten Wirkfaktoren

mit Patientenmerkmalen, Psychotherapietechniken und dem

Therapieerfolg. Mit den durchgeführten Messungen überprüfen

wir gleichzeitig die Behandlungsqualität», sagt Dr. phil. Mario

Pfammatter, wissenschaftlicher Projektleiter, Psychiatrische

Dienste SRO und betont: «Aufgrund der hohen Relevanz der

dabei untersuchten Fragen repräsentiert dieses Projekt eine

Speerspitze der aktuellen Psychotherapieforschung». Über

60 Jahre Forschung und zahlreich durchgeführte Studien zeigen:

Psychotherapie stellt einen hochwirksamen Behandlungsansatz

bei psychischer Erkrankung dar. «Eine psychotherapeutische

Behandlung ist bei den meisten psychischen Störungen

schneller, stärker und nachhaltiger wirksam als der natürliche

Heilungsprozess oder Placebo. Auch im Vergleich zur Psychopharmaka

schneidet Psychotherapie besser ab: Medikamente

und psychotherapeutische Verfahren erzielen häufig gleich

hohe Effekte; die Wirkung von Psychotherapie ist jedoch nachhaltiger.

Während die Wirksamkeit von Psychotherapie damit

heute ausser Frage steht, bleibt weitgehend unklar wie Psychotherapie

wirkt. Oft erzielen unterschiedliche Psychotherapiemethoden

eine ähnliche Wirkung: So sind bei depressiven

Störungen eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische

Kurzzeittherapie gleich wirksam. Dies deutet

auf gemeinsame Wirkfaktoren der verschiedenen Verfahren

hin. Die Untersuchung von Wirkfaktoren der Psychotherapie

nimmt derzeit einen zentralen Stellenwert in der Psychotherapieforschung

ein. Nur die genaue Kenntnis dieser Wirkfaktoren

erlaubt ein passgenau auf die individuellen Problembedingungen

und Voraussetzungen beim einzelnen Patienten zugeschnittenes

und damit möglichst wirksames und gleichzeitig

effizientes Vorgehen», informiert Mario Pfammatter.

Patientenorientierte Projekte

Die Stiftung SRO hat keine regelmässigen Einnahmen und erhält

vorwiegend kleinere Beiträge aus privaten Spenden, Schenkungen

oder Legaten. In den letzten Jahren wurden diverse innovative

Projekte realisiert wie die Startfinanzierung für die kardiale

Rehabilitation oder die Notfallpraxis in Langenthal. Es handelt

sich ausnahmslos um Leistungen, die über die Grundaufgaben

eines Spitals hinausgehen und nicht über das ordentliche Budget

finanziert werden können. Oft sind es kleine, aber wichtige

Dinge: «Etwa wenn wir Patienten mit Blumenschmuck oder

Weihnachtsgeschenken erfreuen können», sagt Daniel Steiner.

Dr. Mario Pfammatter,

wissenschaftlicher

Projektleiter Psychiatrische

Dienste SRO

Text:

Brigitte Meier


8

Zeit ist Herz Dem Rettungsdienst der

Rettungsdienst

SRO AG stehen in allen Ambulanzfahrzeugen neue EKG-Geräte zur Verfügung. Dadurch

verbessert sich die Notfallversorgung von Herzinfarktpatienten im Oberaargau.

Der direkte Transport nach einem schweren Herzinfarkt ins Inselspital optimiert die

Prognose.

Dr. Patrick Hilti,

Belegarzt Kardiologie

«Unsere gesamte Flottenlinie von sieben Ambulanzfahrzeugen

wurde mit einheitlichen Geräten ausgerüstet. Dank modernster

Diagnosetechnik können die Rettungssanitäter bereits am Einsatzort

ein vollwertiges EKG erstellen. Die neuen Geräte sind

eine Kombination zwischen einem Defibrillator und einem EKG-

Monitor. Das vereinfacht das Handling für den einzelnen Mitarbeiter

und verbessert die Notfallversorgung von Herzinfarkt-

Patienten im Oberaargau», sagt Elmar Rollwage, Ressortleiter

des Rettungsdienstes. «Die verkürzte Transportzeit vom Wohnort

direkt ans Inselspital ist vor allem ein grosser Nutzen für

jene Patienten, die sich an der Peripherie unseres Einsatzgebietes

befinden», attestiert Dr. Patrick Hilti, Belegarzt Kardiologie.

Behandlungskette

Die gesamte Behandlung eines Herzinfarkts ist geregelt durch

einen gemeinsam erarbeiteten, standardisierten Ablauf. Dabei

kommt der interdisziplinären Koordination zentrale Bedeutung

zu. «Jedes einzelne Glied in der Behandlungskette muss stark

sein. Dies ist ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit

zwischen Rettungsdienst, Notfallstation, Intensivstation

und Kardiologie in Langenthal bis hin zur Einlieferung ins Inselspital

in Bern», erläutert Elmar Rollwage.

«Liegt bei entsprechenden Symptomen ein Verdacht auf einen

Herzinfarkt vor, wird der Patient sofort monitorisiert und erhält

ein 12-Kanal-EKG. Anschliessend folgen weitere Massnahmen

wie Infusion und erste Medikamente. Wir senden das EKG über

ein mobiles Modem via Handyverbindung an den Server und informieren

den Notfallarzt telefonisch, dass die Daten zur weiteren

Diagnosestellung elektronisch übermittelt wurden», erklärt

Elmar Rollwage.

Der diensthabende Notfallarzt kann das übermittelte EKG sofort

übers Internet abrufen. «Dieses wird mit dem Oberarzt

oder Leitenden Arzt gemeinsam interpretiert, und wenn es sich

um einen grossen Herzinfarkt handelt, entscheidet das Notfallteam,

über den direkten Transport mit Blaulicht und Martinshorn

ans Inselspital Bern, wo die Kardiologen umgehend

eine Herzkatheteruntersuchung vornehmen», informiert Peter

Schott, Leitender Arzt Medizin. Der gesamte Informationsfluss

wie Anmeldung und Übermittlung läuft über das Notfallzentrum

SRO. Während des Transports erhält der Patient weitere Medikamente

und am Monitor wird sein Herzrhythmus überwacht.

Die erfassten Parameter können bei Bedarf ins SRO gesendet

werden. «Die Rettungssanitäter verfügen über einen sehr

hohen Ausbildungsstandard. In kritischen Situationen können

sie auch während dem Patiententransport jederzeit mit dem

Arzt Rücksprache nehmen», betont Peter Schott.

Gemäss den Ausführungen von Patrick Hilti liegt bei einem

Grossteil der Patienten nur ein kleinerer Herzinfarkt (im Verhältnis

9:1) oder eine Durchblutungsstörung des Herzens vor.

Diese Patienten werden wie bisher auf die Notfallstation in

Langenthal transportiert. Sie profitieren von weiteren Abklärungen

sowie einer Stabilisierung und Beruhigung der Durchblutungsstörung

durch eine medikamentöse Vorbehandlung

auf der Intensivstation. In einem zweiten Schritt werden die

Patienten ans Inselspital Bern verlegt.

Schnellere Hilfe durch einheitlich ausgerüstete

Ambulanzflotte

Die Investition von rund 600’000 Franken für die Neubeschaffung

der EKG-Geräte verdeutlicht den hohen Stellenwert in diesem

Rettungsbereich. Elmar Rollwage bezeichnet die einheitlich

ausgerüstete Ambulanzflotte als Meilenstein in der weiteren

Qualitätsverbesserung der Notfallversorgung im Oberaargau:

«Vom «einfachen» Notfallpatienten, wo nur der Blutdruck gemessen

oder die Sauerstoffsättigung überprüft wird bis hin zu


9

links: Elmar

Rollwage, Ressortleiter

Rettungsdienst

rechts: Dr. Peter

Schott (links) im

Gespräch mit einem

Assistenten

Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt, kann mit demselben

Gerät ein EKG gemacht und je nach Diagnosestellung ein

Intensivtransport durchgeführt werden.»

Seit Februar sind die neuen Geräte im Betrieb und wurden

gemäss dem Ressortleiter rund 50 Mal bei Verdacht auf Herzinfarkt

oder Herz-Rhythmus-Störungen eingesetzt. Von den

15 Patienten, welche dann auch tatsächlich einen Herzinfarkt

erlitten, wurden 12 direkt ins Zentrumsspital geführt.

Jede Minute zählt

«Man weiss, dass die Langzeitprognose von grossen Herzinfarkten

mit vollständigem Verschluss des Herzkranzgefässes

stark vom Zeitpunkt des Infarktes bis zur Behandlung abhängt.

Durch die Einführung des Systems mit der EKG-Übermittlung

wird ein unnötiger Zeitverlust massiv reduziert. Ein zentraler

Punkt in unserem weitläufigen Einzugsgebiet», argumentiert

Patrick Hilti. Das Ausmass eines Herzinfarktes wird bestimmt

durch die Grösse des verstopften Gefässes und durch den Zeitfaktor.

«Entscheidend ist, wie lange das betroffene Herzmuskelgewebe

aufgrund des Gefässverschlusses nicht mehr mit

Blut und Sauerstoff versorgt wird. Je rascher gehandelt wird,

desto früher kann das verstopfte Gefäss im Herzkatheterlabor

eröffnet werden, umso kleiner fällt die Gewebeschädigung aus

und verbessert den weiteren Genesungsverlauf des Patienten

und seine spätere Belastbarkeit. Nach der Herzkatheteruntersuchung

am Inselspital Bern erfolgt die weitere Betreuung

am SRO Spital Langenthal mit Optimierung der medikamentösen

Therapie, Einstellung der Herzkreislauf-Risikofaktoren und

Planung einer Rehabilitation, welche in der Regel ambulant in

Langenthal durchgeführt wird. Diese Behandlungskette verbessert

den Erfolg der Interventionen wesentlich und nachhaltig.

Bei optimaler Behandlung kann der Patient die Klinik nach

wenigen Tagen wieder verlassen», erklärt Patrick Hilti und ergänzt:

«Die bisherige Behandlung war schon sehr gut. Durch

die Umwandlung der Akutspitäler Huttwil und Niederbipp in Gesundheitszentren

und aufgrund der geänderten internationalen

Richtlinien bestand jedoch Handlungsbedarf im Oberaargau,

damit auch jene Menschen, die an der Peripherie des Einzugsgebiets

leben, schnelle Hilfe erhalten.»

Zeitfaktor ist absolut relevant

«Bis anhin fuhr die Ambulanz beispielsweise nach Huttwil und

führte den Patienten nach einem ersten, deutlich weniger aussagekräftigen

EKG nach Langenthal in die Notfallstation. Erst

wenn nach weiteren Untersuchungen und einem erneuten EKG

ein schwerer Herzinfarkt diagnostiziert wurde, erfolgte die Verlegung

nach Bern mit entsprechendem Zeitverlust», resümiert

Peter Schott und bekräftigt: «Aus diesem Grund ist es entscheidend,

dass wir die Zeitkadenz vom Auftreten des Herzinfarktes

bis hin zur Herzkatheterintervention so klein wie möglich

halten. Oft geht bereits Zeit verloren, wenn sich die Patienten

nicht sofort melden. Deshalb versuchen wir von dem Zeitpunkt

an, wo die Rettung Kontakt zum Patienten hat, möglichst rasch,

effizient und lückenlos eine Diagnose zu stellen. Im Fall eines

schweren Herzinfarkts wird der Patient unverzüglich ins Inselspital

transportiert. Das erhöht die Überlebenschance bis zum

Eingriff. Andernfalls ist für den weiteren Verlauf mit Komplikationen

zu rechnen. Zudem reduziert sich die Lebenserwartung.»

«Beim Herzinfarkt hat sich erwiesen, dass sich das Sterberisiko

durch eine klar definierte standardkonforme Behandlung deutlich

reduziert», ergänzt Patrick Hilti und betont: «Eine verkürzte

Wegzeit verbessert die mittel- und langfristige Prognose nach

einem schweren Herzinfarkt.»

Text:

Brigitte Meier


10

Radiologie

Früherkennung durch

Brust-Screening Ab 2013 wird auch im Kanton Bern ein

Früherkennungsprogramm für Brustkrebs eingeführt. Frauen ab 50 Jahren wird diese Untersuchung

im Abstand von zwei Jahren angeboten. Dr. med. Petra Sattar, Leitende Ärztin

Radiologie, informiert über das Mammografie-Screening am SRO Spital Langenthal.

links: Dr. Petra

Sattar, leitende Ärztin

Radiologie

Seit Mitte August erhalten sämtliche Frauen zwischen 50 und

74 Jahren, zunächst verteilt über die kommenden zwei Jahre,

eine persönlich an sie adressierte Einladung zur Mammografie-

Untersuchung. Sie entscheiden selbst, ob sie daran teilnehmen

wollen oder nicht. Die Mammografie ist eine spezielle Röntgenaufnahme

der Brust mit einer minimen Strahlenbelastung.

Die Durchführung von Brustkrebs-Früherkennungsprogrammen

wird auch Mammografie-Screening genannt. Die Zahl der Brustkrebsfälle

in der Schweiz steigt mit über 5’000 neuen Erkrankungen

pro Jahr stetig an. Umgerechnet auf die Bevölkerung

erkrankt jede zehnte Frau einmal an Brustkrebs. Mit dem Alter

nimmt das Erkrankungsrisiko zu: 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen

betreffen Frauen, die über 50-jährig sind. «Auch

mit einem Screening lässt sich Brustkrebs nicht verhindern,

aber es ermöglicht das Erkennen von Tumoren im Frühstadium,

lange bevor sie tastbar oder durch andere Symptome erkennbar

sind. Eine Früherkennung erhöht die Heilungschancen und

die Lebenserwartung der betroffenen Frauen», erklärt Dr. med.

Petra Sattar. Durch frühzeitige Behandlung können Nebenwirkungen

sowohl in der Krankheitsphase als auch später reduziert

und die Lebensqualität dadurch gesteigert werden. Als

eine Auswirkung der guten Diagnostik verzeichnet die Schweiz

die geringste Mortalität weltweit.

Digitale Methode

«Die Früherkennung von Brustkrebs mit einem systematischen

Mammografie-Screening ist derzeit die wichtigste verfügbare

Methode», betont Petra Sattar, die seit zwölf Jahren in der

SRO AG tätig ist. Zu den Schwerpunkten der Leitenden Ärztin

gehören in der Diagnostischen Radiologie Mammografie und

bildgesteuerte Infiltrationstherapien. Während ihrer langjährigen

Berufserfahrung hat sie die technischen Entwicklungen

und Fortschritte hautnah miterlebt: «Die Qualität und Präzision

der Röntgenuntersuchung hat sich in den vergangenen Jahren

deutlich verbessert. Im Unterschied zur herkömmlichen Mammografie

werden bei der digitalen Methode die Aufnahmen

elektronisch auf dem Computer gespeichert und können auf

dem Bildschirm betrachtet, bei Bedarf vergrössert und nachbearbeitet

werden. Bei der klassischen Variante werden die

Röntgenaufnahmen auf Filmen entwickelt. Die digitale Mammografie

benötigt nicht nur eine geringere Strahlendosis, sondern

macht auch krankhafte Veränderungen besser erkennbar,

etwa Verkalkungen bei Frauen mit dichtem Brustgewebe», informiert

die Ärztin. Eine ergänzende Untersuchungsmethode

zur Mammografie bietet der Ultraschall. «Dies vor allem bei einer

drüsenreichen Brust und zur Abklärung bei unklaren Herdund

Tastbefunden. Zur Früherkennung von Brustkrebs ist die

Sonographie allein jedoch nicht geeignet», erklärt Petra Sattar.

Vorteile und Nutzen überwiegen Nachteile und

Risiken

Auch für die Mammografie-Geräte bestehen hohe Qualitätsanforderungen.

Sie müssen den europäischen und schweizerischen

Normen entsprechen und regelmässig kontrolliert werden.

Das SRO verfügt über eine computergestützte Bildanalyse

zur präziseren Auswertung. «Das macht das Screening noch

effektiver, erhöht die Trefferquote und vermindert Fehldiagnosen.

Trotzdem ist kein bildgebendes Verfahren völlig unfehlbar;

es kann vorkommen, dass ein falsch positiver oder falsch negativer

Befund erhoben wird», erläutert die Radiologin. Wenn Auffälligkeiten

vorliegen, werden diese vertieft abgeklärt, um die

Art der Veränderungen festzustellen. Grösstenteils stellt sich

heraus, dass die Veränderungen gutartig sind und kein Brustkrebs

vorliegt. «Die Mammografie entdeckt auch kleine «Knoten»,

die sich eventuell wieder zurückbilden und für die betroffene

Frau keine Bedeutung haben. Für die Frauen ist es wichtig

zu wissen, dass es sich um Momentaufnahmen handelt. Es

ist auch nicht auszuschliessen, dass sich nach einer Kontrolle


11

Mammografie-Gerät

ohne Befund kurz darauf ein Tumor bildet», gibt Petra Sattar zu

bedenken und ergänzt, dass die heutigen Frauen gut informiert

sind und Gewissheit wollen; deshalb ist ein Grossteil positiv eingestellt

gegenüber der Früherkennungsuntersuchung.

Hohe Qualitätsanforderungen

Die Früherkennungsprogramme unterliegen hohen Qualitätsnormen

und die Untersuchungen werden nur in zugelassenen

Spitälern/Röntgeninstituten durchgeführt. Das SRO Langenthal

erfüllt den geforderten Standard. Von den Radiologen wird

verlangt, dass sie jährlich eine bestimmte Anzahl von Mammografien

befunden und entsprechend ausgebildet sind. Ärzte

und Ärztinnen, welche die Mammografien beurteilen, müssen

Erfahrung und regelmässige Weiterbildung vorweisen. Im SRO

sind Dr. Hanspeter Vogt, Chefarzt Frauenklink, und Dr. Regina

Cap, Leitende Ärztin Frauenklinik, als ausführende Gynäkologen

qualifiziert. Diese mussten ebenso wie die Radiologen

zusätzliche Kurse machen. Petra Sattar absolvierte u. a. eine

Weiterbildung im Referenzzentrum in Berlin und zeigt sich

beeindruckt von dieser Institution: «Neben der Schulung bezüglich

Screening haben wir täglich 200 bis 300 Mammografien

gelesen. Dort arbeiten nur speziell geschulte Radiologinnen

und die beiden Leiterinnen beschäftigen sich explizit mit

den Patientinnen bezüglich Brustscreening und weiteren Abklärungen.»

Wie läuft eine Untersuchung ab?

Speziell ausgebildete Fachpersonen für radiale Diagnostik

(Fachkräfte für Medizinisch-technische Radiologie)

führen das Screening durch. Sie empfangen die

Patientinnen und sind ihnen nötigenfalls beim Ausfüllen

des Gesundheitsfragebogens behilflich. Diese Angaben

benötigt die Radiologin für die spätere Beurteilung der

Mammografie.

Von jeder Brust werden je zwei Röntgenaufnahmen gemacht.

Für die Röntgendarstellung wird die Brust zwischen

Röntgenröhre und Filmtisch gelegt und vorsichtig

zusammengedrückt. Dieser Moment wird von einigen

Patientinnen als unangenehm empfunden, ist jedoch

sehr kurz. Unabhängig voneinander beurteilen zwei

Radiologen die Aufnahmen – bei Bedarf wird eine Drittmeinung

eingeholt. Deshalb erfolgt zum Zeitpunkt der

Untersuchung auch keine Besprechung mit einem Arzt.

Spätestens nach acht Tagen werden die Patientin und

der von ihr angegebene Arzt schriftlich über das Resultat

informiert.

Die Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt die

Untersuchungskosten von rund Fr. 200.–. Patientinnen

bezahlen lediglich 10 Prozent oder rund Fr. 20.–.

Broschüre und weitere Informationen:

www.brustscreening-bern.ch

Text:

Brigitte Meier


13

Belegärztin Chirurgie

Praxis Chirurgie

Würbel öffnet ihre Türen Nach über

14 Jahren als Leitende Ärztin Chirurgie in der SRO AG hat Dr. med. Helga Würbel eine

neue Herausforderung angenommen und ihre allgemein-chirurgische Einzelpraxis in den

Räumen der HasliPraxis Langenthal eröffnet. Als Belegärztin wird sie ihre Patienten

weiterhin im SRO-Spital operieren.

Dr. Helga Würbel,

Praxis Chirurgie

Würbel, Belegärztin

Nach wie vor fühlt sich Helga Würbel mit dem Spital SRO und

der Region stark verbunden. «Ich bin in Langenthal geboren

und aufgewachsen. Schon während dem Studium kam für mich

kein anderes Fachgebiet als die Chirurgie in Frage. Glücklicherweise

brachte ich neben manuellem Geschick auch jene Entscheidungsfreudigkeit

mit, die man als Chirurgin benötigt», erzählt

die Medizinerin. Diese wurde ihr vom damaligen Chefarzt Chirurgie

Dr. Kurt Hänni bescheinigt. Er war und ist ihr «Chirurgen-

Götti» in Langenthal. «Von seiner Schule habe ich viel mitgenommen

und profitiert ebenso von der langjährigen, erfolgreichen

Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger und heutigen Chefarzt

Chirurgie, Dr. med. Thomas Kinsbergen», konstatiert Helga

Würbel. Sie war bereits 1989 / 1990 Assistenzärztin Chirurgie im

SRO und von 1994 – 1996 Oberärztin. Von 1999 – 2013 war sie als

Leitende Ärztin Chirurgie im Spital Langenthal tätig. Am 1. Juli

eröffnete sie ihre eigene Praxis Chirurgie Würbel.

Lebensquelle Sonne

Lichtdurchflutete, helle Räume heissen die Besucher beim Betreten

der Praxis Chirurgie Würbel an der St. Urbanstrasse 40

willkommen. Wie viel Wärme und Energie die Sonne vermittelt

hat Helga Würbel besonders in schwierigen Lebenssituationen

erfahren. Für sie bildet die Sonne ein zentrales Element. Deren

Kraft inspirierte sie nicht nur für ihr Logo, sondern auch für die

moderne Einrichtung der Praxis. Da ist eine maisgelbe Untersuchungsliege,

dort ein Blumenarrangement in sonnengelben

Farbtönen und sogar die Brillenfassung der Ärztin ist gelborange.

«Von Beginn an fühlte ich mich heimisch und glücklich

in diesem Ambiente. Seit 24 Jahren war ich immer an öffentlichen

Spitälern tätig. Nun habe ich einen langgehegten Traum

verwirklicht und kann Patienten in meiner Praxis empfangen;

selbständig, nach meinem eigenen Rhythmus und daher unter

weniger Druck behandeln», sagt die Fachärztin FMH für Chirurgie.

Ambulante Kleineingriffe erfolgen in Lokalanästhesie. In

einem dafür eingerichteten Nebenraum in ihrer Praxis werden

beispielsweise Muttermale, Talgdrüsen oder eingewachsene

Zehennägel operiert. Wenn es der Patient wünscht, kann er

sich von leiser Musik berieseln lassen.

Allgemeine Chirurgie

Bei grösseren Eingriffen, die eine Narkose/Teilnarkose erfordern,

wird in der SRO AG eine Voruntersuchung gemacht und

die Operation im SRO-Spital durchgeführt. «Als Belegärztin operiere

und betreue ich alle meine Patienten selber und besuche

sie täglich während des Spitalaufenthalts. Zudem veranlasse

ich den Austritt und die Nachkontrolle. Im Normalfall übernimmt

der Hausarzt die weitere Betreuung. Nur in speziellen

Fällen findet diese in meiner Praxis statt», erklärt Helga Würbel.

Die Allgemeine Chirurgie beinhaltet alles, was mit Weichteilen

zu tun hat. Ein grosses Gebiet betrifft Krampfadern, Gallenblasenoperationen,

Hernien aber auch Hämorrhoiden, Schilddrüsenoperationen,

Sacralfisteln usw. Helga Würbel war die

erste Ärztin im Spital Langenthal, die einen Leistenbruch im

SRO laparoskopisch, das heisst mit Schlüssellochchirurgie operiert

hat. Sie operiert auch Kinder, beispielsweise mit Leistenbrüchli

oder Vorhautverengungen. Eine Anmeldung erfolgt in

der Regel via Hausarzt/Kinderarzt oder als Selbstanmeldung

direkt in der Praxis.

Im Wartebereich steht eine Skulptur, die von ihrem Lebenspartner

kreiert wurde. Auch darauf freut sich Helga Würbel: «Mehr

Zeit zu haben für Partnerschaft, Kunst und Musse. Für Haus und

Garten und zum Nähen von aufwendigen Kostümen», sagt die

passionierte Fasnächtlerin.

Weitere Informationen: www.chirurgie-wuerbel.ch

Text:

Brigitte Meier


Gastroenterologie Betreuung auf

persönlicher Ebene Seit November 2013 ist

Prof. Dr. Radu Tutuian als Chefarzt im SRO tätig und intensiviert damit die Zusammen arbeit

zwischen SRO und dem Inselspital Bern, wo der Gastroenterologe neben hochspezialisierter

Medizin in der Forschung und Ausbildung weiterarbeitet.

15

links: Besprechung

neues Gastroenterologisches

Zentrum

SRO

rechts: Prof. Dr. med.

Radu Tutuian, neuer

Chefarzt Gastroenterologisches

Zentrum

SRO

«Ziel ist, das gastroenterologische Angebot am SRO Langenthal

auszubauen und den Patienten neben der Grundversorgung den

Zugang zu spezialisierten Untersuchungen in der Region zu bringen»,

erklärt Prof. Dr. Tutuian. Damit werden Synergien genutzt

und die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen SRO und

Inselspital verstärkt. Dadurch profitieren beiden Seiten, aber in

erster Linie die Patienten. Ihnen wird ein breiteres Spektrum an

Abklärungen und Interventionen wohnortsnah angeboten. Falls

komplexe Behandlungen im Inselspital erforderlich sind, sieht

sich der Gastroenterologe auch dort als Bezugsperson.

Grundversorgung im Spital Langenthal

Die Gastroenterologie befasst sich neben der Diagnostik auch mit

der Therapie und der Prävention von Erkrankungen des Magen-

Darm-Traktes. Das Angebot im Spital SRO ist gross. Zentraler

Stellenwert in der Abklärung von Erkrankungen der Verdauungsorgane

besitzt die Darmspiegelung. Die wichtigste Untersuchung

bei der Dickdarmkrebsvorsorge ist die Kolonoskopie. Ziel der Vorsorgekolonoskopie

ist es, Vorläufer von Dickdarmkrebs zu entdecken

und gleich zu entfernen. Finden sich bereits entwickelte

Tumoren, bestehen zeit- und wohnortsnahe Möglichkeiten, das

Stadium zu bestimmen und einen interdisziplinären Therapieplan

zusammenzustellen. «Es ist viel wert, wenn man die Anzahl

schlafloser Nächte bis zum Entscheid reduzieren kann», weiss

Radu Tutuian.

Zu seinem Schwerpunkt zählen Funktionsstörungen des Magen-

Darm-Traktes. Dabei handelt es sich um Erkrankungen bei denen

die Strukturen normal sind, jedoch nicht richtig funktionieren.

«Diese Patienten sind verunsichert, weil trotz ausführlicher Diagnostik

keine Ursachen gefunden werden. Ein gutes Beispiel ist

das Reizdarmsyndrom welches Lebensqualität und Leistungsfähigkeit

einschränkt. Vielen Patienten ist es wichtig, sich in ihrem

Leiden verstanden zu fühlen und mit ihrem Arzt Therapieansätze

zu finden», erklärt der Spezialist.

Radu Tutuian ist seit 2009 Leitender Arzt Gastroenterologie in

der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin (UVCM)

am Inselspital Bern. Dort wird er weiterhin 40 % tätig sein. Forschung

und Ausbildung sind ihm wichtig. «Ich gebe gerne Wissen

weiter. Das habe ich wohl von meinen Eltern, die beide Lehrer

waren, übernommen», meint er lächelnd. Teilweise bietet er für

seine Patienten im Inselspital gastroenterologische Sprechstunden

an. «Es ist mir ein Anliegen, den Patienten, die ich seit Beginn

meiner Tätigkeit am Inselspital betreue, Kontinuität anzubieten»,

betont Prof. Dr. Tutuian, der mit seinem Oberarzt im SRO tätig ist.

«Für mich ist dies eine spannende Abwechslung zur hochspezialisierten

Medizin und ich freue mich auf diese neue Aufgabe, in

einem überschaubaren, persönlichen Spital», sagt Radu Tutuian,

der in Rumänien (Transsilvanien) aufgewachsen und in eine deutsche

Schule gegangen ist. «Meine Familie besuche ich jedes Jahr

und geniesse das Fischen entlang kilometerlangen Flüssen. Ich

tauche und reise auch gerne», sagt Radu Tutuian, der sehr gut

Schweizerdeutsch spricht.

Seine erste Stelle trat er 1997 am Universitätsspital in Basel an,

dann arbeitete er sechs Jahre in den USA. Damit hängt seine

Spezialisierung für die Gastroenterologie zusammen: «An der

Medical University South Carolina, Charleston, war Prof. Donald

Castell mein Chef und Mentor. Daraus entwickelte sich eine

Freundschaft, die wir seit vielen Jahren pflegen», erzählt Radu

Tutuian. Vor dem Inselspital war er am Universitätsspital Zürich

(2005– 2008) und am Kantonsspital Baden (2008 – 2009) tätig.

«Für viele mag dieses Konstrukt als ein gewagter Spagat zwischen

Grundversorgung und akademischer Medizin erscheinen.

Es ist aber nicht die Arbeit einer einzigen Person, sondern das

Produkt der Zusammenarbeit und nicht selbstverständlichen Unterstützung

der Spitalleitung des SRO Langenthal und der Klinikdirektoren

der UVCM am Inselspital Bern», erklärt Prof. Dr. Tutuian.

Text:

Brigitte Meier


Orthopädie Medizinisch wollte er

nichts anderes als Orthopädie

Dr. med. Alexander Schug,

Leitender Arzt Orthopädie

Seit April 2013 ist Dr. med. Alexander

Schug Leitender Arzt am SRO Spital.

Zu seinen hauptsächlichen Aufgaben

gehört die Allgemeine Orthopädie und

Traumatologie mit dem Spezialgebiet

der Knie- und Fusschirurgie.

«Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit an der

orthopädischen Klinik im SRO habe ich

festgestellt, dass die gut informierten

Patienten genau wissen was sie wollen»,

sagt der 48-jährige Arzt, der seine grosse

berufliche Erfahrung unter anderem an

englischen Universitätskliniken erworben

hat: «In fachlicher, menschlicher und

kultureller Hinsicht war England für mich

eine Bereicherung.»

Nach seinem Studium an der Gutenberg

Universität Mainz und der Universität des

Saarlandes, Homburg, hat er ein Jahr in

London gearbeitet. «Das hat mir so gefallen,

dass ich nach dem Facharzt für

Orthopädie den Clinical Fellowship for

Chirurgie Viszeralchirurgie ist ihre

Leidenschaft

17

Knee Surgery an der Radcliffe University Clinic in Oxford absolviert

habe», erklärt Alexander Schug. An der Universitätsklinik

Aachen erlangte er 2006 den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Dann zog es ihn nach Brighton, wo er als Chefarzt

(Consultant) für Traumatologie am Royal Sussex County

Hospital tätig war (2008 – 2010). Weitere Stationen waren Düsseldorf

/ Neuss und das Medizinische Zentrum Aachen.

An den Wochenenden fährt er mit dem ICE nach Hause, seine

Frau und sein Sohn wohnen noch in Aachen. «Das ist schnell,

komfortabel und ideal zum Abschalten», sagt der Arzt, der gewohnt

ist, zu reisen und an diversen Orten zu leben. «In der

Schweiz war ich bisher nur auf der Durchfahrt. Deshalb muss ich

mich zuerst mal an den Dialekt gewöhnen», sagt er schmunzelnd.

«Medizinisch gesehen, wollte ich nie etwas anderes machen

als Orthopädie. Dies auch im Zusammenhang mit meinen sportlichen

Aktivitäten. Ich war im Sportinternat Kaiserslautern und

habe von Leichtathletik über Kampfsport bis Mountainbike verschiedenste

Sportarten ausgeübt. Auch in Langenthal trainiere

ich regelmässig im Fitnesscenter und vielleicht lerne ich in

den schönen Schweizer Bergen endlich Snowboarden», meint

Alexander Schug augenzwinkernd.

Cornelia Derungs,

Leitende Ärztin

Chirurgie

Cornelia Derungs ist seit Juli 2013 Leitende Ärztin mit

Schwerpunkt Allgemein- und Viszeralchirurgie. Die Mutter

eines kleinen Sohnes schätzt es, dass ihr im SRO ermöglicht

wird, mit einem 60 %-Pensum zu arbeiten.

Ihre gesamte Ausbildung hat die Fachärztin FMH für Chirurgie

im Kantonsspital Aarau absolviert. Cornelia Derungs besitzt die

FMH-Weiterbildungstitel Allgemeinchirurgie und Traumatologie

sowie Viszeralchirurgie. Während ihrer zwölfjährigen Berufserfahrung

erlangte sie insbesondere auf dem Notfalldienst eine

breite allgemeinchirurgische Ausbildung. Im SRO wird auf ihren

Wunsch hin die Viszeral- und Allgemeinchirurgie, ohne spezialisierte

Unfallchirurgie, ihr Schwerpunkt sein. «Viszeralchirurgie

beschäftigt sich mit Erkrankungen der Weichteilorgane des

Bauchraumes. Blinddarmentzündung und Leistenbrüche sind

häufig, aber auch komplizierte Dickdarmdivertikel und Tumorerkrankungen

beschäftigen uns», sagt Cornelia Derungs, die

immer fasziniert war von der Bauchchirurgie: «Der Darm an

und für sich, ist etwas sehr Zartes, Feines. Operieren ist nur

ein Teil der Arbeit, ein filigranes und schönes Handwerk. Allein

damit ist es nicht getan; entscheidend ist die Gesamtbetreuung

vor, während und vor allem auch nach dem Eingriff. Individuelle

Schicksale, gerade bei Darmkrebs, erfordern Einfühlungsvermögen

und eine intensive Begleitung», erläutert die Chirurgin.

«Seit meiner Tätigkeit im Kantonsspital Aarau kenne ich Thomas

Kinsbergen, Chefarzt Chirurgie im SRO. Unter ihm hat sich die

Bauchchirurgie in Langenthal auf hohem Niveau entwickelt und

das SRO wurde mit dem provisorischen Leistungsauftrag für

hochspezialisierte Medizin in der Rektumchirurgie (Dickdarm/

Mastdarm) betraut. Ich möchte dazu beitragen, dass sich dieses

Gebiet in den nächsten fünf Jahren etablieren kann», betont

Cornelia Derungs, die in Brugg aufgewachsen ist und nun mit

ihrer Familie in Langenthal wohnt. Schwimmen ist ihr Lieblingssport

und brachte ihr auch privat Glück: Sie hat dadurch ihren

Mann kennengelernt, der als Schwimmcoach arbeitet: «Für

mich besitzt die Familie einen hohen Stellenwert.»

Text:

Brigitte Meier


19

dahlia oberaargau ag

Thomas Nuspel wird

neuer Geschäftsleiter Der bisherige

Ressortleiter Finanzen und Rechnungswesen der SRO AG wird in seiner Funktion als

Geschäftsleiter die dahlia oberaargau ag mit ihren vier Standorten operativ führen.

Thomas Nuspel war seit 1999 bei der SRO AG tätig.

Neue Ansprechstelle ‹‹Beratung und Aufnahme››

in der dahlia oberaargau ag

dahlia oberaargau führt seit dem 1. Juli für alle Standorte

eine zentrale Beratungsstelle in Wiedlisbach, die unter

der Telefonnummer 032 636 57 57 kontaktiert werden

kann. Die Stelle «Beratung und Aufnahme» ist die Anlaufstelle

bei Fragen oder Unklarheiten zur Anmeldung

für einen Pflegeplatz in der dahlia. Ein kompetentes

Team informiert alle Interessierten unverbindlich über

die verschiedenen Angebote in einem unserer Häuser

in Herzogenbuchsee, Huttwil, Niederbipp und Wiedlisbach.

Diese neue Dienstleistung erleichtert auch den

Sozialdiensten, Ärzten sowie unseren Partnerorganisationen

wie Spitex und Pro Senectute den Kontakt und

die Vermittlung von neuen Bewohnern.

«Trotz dem interessanten Aufgabenbereich

und meinem guten Team reifte

in mir der Wunsch, nach 14 Jahren

nochmals etwas Neues zu machen.

Als sich die Möglichkeit ergab, bei der

dahlia ag die Funktion als Geschäftsleiter

zu übernehmen, habe ich diese Herausforderung

mit Freude angenommen»,

erklärt Thomas Nuspel. Für ihn bedeutet

dieser Wechsel eine grundlegende Veränderung.

Bisher standen fachliche Aspekte

im Fokus und die Führungsposition beschränkte

sich auf den Bereich Finanzen

und Rechnungswesen. «Nun überträgt

man mir die Gesamtverantwortung an der

Spitze eines Unternehmens. Dies fordert

mich heraus und ist gleichzeitig motivierend»,

konstatiert Thomas Nuspel.

Aus seiner bisherigen Tätigkeit im Umfeld

des Rechnungswesens, ist ihm das dahlia

bestens vertraut. «Ich habe die finanziellen

Belange der Langzeitpflege, die früher

im SRO integriert war, betreut. Schon damals

vertrat ich die Meinung, dass dieser

Bereich eine eigene Leitung benötigt. Mit

der Beteiligung durch den Verein dahlia

wurde das Outsourcing schliesslich realisiert.

Als Mitglied der dahlia-Geschäftsleitung

lernte ich das Team kennen und

schätzen. Die gute Zusammenarbeit war

mit ein Grund für meine Entscheidung»,

argumentiert Thomas Nuspel, der im solothurnischen

Lohn-Ammannsegg wohnt

und fügt an: «Zudem ist die dahlia mit vier

Standorten etabliert in der Region und

ein lebendiger, spannender Betrieb. Mit

der Realisierung des Neubaus in Herzogenbuchsee

und des geplanten Demenzdorfes

Wiedlisbach stehen bedeutende

Projekte in der Entwicklung der dahlia

oberaargau ag an.»

Der Kreis schliesst sich

Damit die dahlia weiterhin prächtig gedeiht

und sich Bewohner und Mitarbeitende

entsprechend dem Slogan «wohl und geborgen

fühlen», ist ein Top-Team gefragt.

«Ein Unternehmen lebt von den Mitarbeitern,

insbesondere ein personalintensiver

Betrieb wie die dahlia ag. Umso zentraler

ist die Personalpolitik mit entsprechenden

Entwicklungsmöglichkeiten für die

Mitarbeiter sowie das Formulieren und

Erreichen von Zielsetzungen», betont der

48-Jährige. Als Ausgleich zu seinem Bürojob

ist der Hobbykoch oft mit dem Bike im

Buechiberg anzutreffen. Im Winter trainiert

er im Fitnesscenter oder fährt Ski.

Thomas Nuspel bezieht sein Büro in Herzogenbuchsee.

«Bevor das SRO-Rechnungswesen

an die Gaswerkstrasse in

Langenthal dislozierte, waren wir während

mehreren Jahren in Herzogenbuchsee

stationiert. Nun kehre ich wieder

dahin zurück und damit schliesst sich der

Kreis», sagt der neue Geschäftsleiter.

Für die Betreuung und Pflege mit über 300 Plätzen an

vier Standorten bietet die dahlia ag neben dem Daueraufenthalt

für Langzeitpflege und für Menschen mit

einer Demenzerkrankung unter anderem auch Kurzaufenthalte

zur Entlastung von pflegenden Angehörigen,

Übergangspflege nach einem Spitalaufenthalt sowie

Tages / Nachtaufenthalte an.

Das Angebot umfasst auch einen Daueraufenthalt

für Menschen ab ca. 50. Altersjahr mit psychischen

Behinderungen oder mit einer geistigen und

körperlichen Behinderung.

Erreichbar ist die Ansprechstelle von Montag bis

Freitag 8 –12 Uhr und 13 –17 Uhr

Adresse:

Beratung und Aufnahme, dahlia oberaargau ag,

Bergstrasse 1, 4537 Wiedlisbach,

Telefon: 032 636 57 57

E-Mail:

aufnahme@dahlia-oberaargau.ch, www.dahlia.ch

Text:

Brigitte Meier


Grundausbildung Wir investieren auch in

die Nachwuchskräfte Mit dem vielseitigen

Angebot von Ausbildungsplätzen leistet die SRO AG regional einen bedeutenden Beitrag

zur beruflichen Zukunft der Jugend. Was nicht alle wissen: Neben Gesundheitsberufen

werden auch Kaufleute, Koch/Köchin oder Logistiker/in ausgebildet.

21

Stefanie Brunner,

Gesamtausbildungsverantwortliche

SRO AG

«Das SRO bietet auch eine tolle Ausbildung für Kaufleute EFZ», schwärmt die Gesamtausbildungsverantwortliche

Stefanie Brunner. Pro Lehrjahr werden zwei Lernende

ausgebildet. Sie durchlaufen halbjährlich sechs verschiedene Abteilungen: Patientenadministration,

Personaladministration, Marketing, Leistungsabrechnung, Buchhaltung

und Lohnadministration. Speziell erwähnenswert sind die paramedizinischen Einsätze,

welche alle Lernenden während ihrer kaufmännischen Ausbildung absolvieren. Dadurch

erhalten sie Einblick in andere Bereiche wie beispielsweise Rettungsdienst, Notfall

oder Küche. Schnuppertage finden jeweils in den Frühlings- und Herbstferien statt.

In Zusammenarbeit mit der Firma Ammann AG, Langenthal, werden Informatiker ausgebildet.

«Dort absolvieren unsere Lernenden das Basislehrjahr», sagt Stefanie Brunner

und weist darauf hin, dass im SRO neben der Lehre als Koch/Köchin auch die Zusatzausbildung

als Diätkoch/Diätköchin möglich ist. Auch die Ausbildung zum Logistiker/

in EFZ beinhaltet abwechslungsreiche Aufgaben, unter anderem die Verarbeitung von

Wareneingang und -ausgang, das Erfassen von Bestellungen und zahlreiche persönliche

Kundenkontakte.

Pflege vermittelt wurden, lernen wir nun den Umgang mit Infusionen,

Blutentnahmen sowie das Katheterisieren», erklären die

aufgestellten jungen Frauen.

«In der FaGe-Ausbildung entspricht die Schnupperwoche einem

Berufswahlpraktikum. Anmeldung und zusätzliche Informationen

sind auf www.myoda.ch verfügbar», ergänzt Stefanie

Brunner und zeigt sich erfreut, dass im SRO erstmals auch eine

Medizinische Praxisassistentin ausgebildet wird, und zwar im

Gesundheitszentrum Jura Süd in Niederbipp.

Für Studiengänge an der Höheren Fachschule (HF) und an der

Fachhochschule (FH) bietet die SRO AG in diversen medizinischen

Gebieten jährlich mehrere Plätze für die Praxisausbildung

an. Eine detaillierte Liste ist unter www.sro.ch abrufbar.

Lehrstellen im Überblick

Schnuppern als wichtige Entscheidungsgrundlage

«Unsere Lernenden werden von unserem Fachpersonal praxisorientiert und kompetent

in ihrem neuen Aufgabengebiet ausgebildet», betont Stefanie Brunner und begrüsst

zwei angehende Fachfrauen Gesundheit EFZ in der Gesprächsrunde. Iris Zürcher, Wyssachen

und Noémie Anna Ryf, Langenthal sind im zweiten Lehrjahr und versprühen

geradezu Enthusiasmus, wenn sie von ihrer Ausbildung erzählen. Iris hat verschiedene

Berufsrichtungen geschnuppert, ist jedoch überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu

haben: «Wir lernen, dass es zentral ist, den Patienten während seiner Krankheit fachlich

und menschlich zu unterstützen. Ich pflege gerne Menschen und es ist ein schönes

Gefühl, wenn es ihnen besser geht. Natürlich erlebt man auch schwierige Momente.

Um diese zu verarbeiten, ist ein gutes Team wichtig. Wenn mich etwas sehr belastet,

bespreche ich das mit der Abteilungsleiterin.» Noémie Anna, ist wie ihre Kollegin

fasziniert von ihrem Beruf, besonders von der Medizinaltechnik und sagt: «Zum Glück

werden die Schattenseiten von den Sonnenseiten überstrahlt.» Bereits als Kind war

klar, dass sie wie ihr Vater einmal im Spital arbeiten wollte: «Die Schnupperwoche hat

mich in meiner Entscheidung bestätigt», sagt die 18-Jährige, die den Patientenkontakt

besonders schätzt. «Nachdem uns im ersten Lehrjahr vor allem die Grundlagen in der

– Fachfrau/-mann Gesundheit EFZ

– Koch/Köchin EFZ

– Diätkoch/-köchin EFZ

– Kauffrau/Kaufmann EFZ

– Logistiker/in EFZ

– Informatiker/inEFZ

– Medizinische/r Praxisassistent/in EFZ

Bewerbungen für eine Lehrstelle bitte an folgende

Adresse senden:

SRO AG, Stefanie Brunner, Human Resources,

St. Urbanstrasse 67, 4901 Langenthal

Informationen über Lehrstellen und weitere Ausbildungen

sind unter www.sro.ch sowie auf dem

Lehrstellennachweis Lena ersichtlich.

Text:

Brigitte Meier


22

Masterplan

Spitalneubau

ist auf Kurs Die SRO AG wird den Neubau am 2. Dezember

übernehmen. Im Januar 2014 werden die ersten Operationen im neuen Operationstrakt

durchgeführt. Als erstes bezieht die Psychiatrie das Haus Ost, darauf folgen das

Labor und die Physiotherapie im Haus West.

Zuständig für Bau und Infrastruktur der SRO AG ist Hansruedi Zgraggen, als Bauchef

Masterplan macht er die Gesamtplanung, trifft täglich Entscheide und trägt grosse

Verantwortung. Das geht nicht ohne ein Generalplanerteam und das Zusammenspiel

zwischen allen Involvierten. Eine der vielen Herausforderungen sind auch die

Nutzer: «Wenn sie erkennen, wie das entsteht, was bisher nur virtuell ersichtlich

war, tauchen Fragen und Wünsche auf. Sämtliche Pläne sind eingescannt und dokumentieren,

was abgemacht wurde und was die Nutzer unterschrieben haben.»

An wöchentlichen Sitzungen bespricht er Pendenzen und Probleme mit dem Architekten.

Zudem findet jeden Dienstag eine Bausitzung mit Architekten, Bauleiter,

Planern und Handwerkern statt.

Entscheidungsfreudigkeit und Gelassenheit

Hansruedi Zgraggen zeichnet sich durch Erfahrung und Gelassenheit aus. Er war auch bei

der Sanierung des Bettenhochhauses vor zehn Jahren dabei. Die Planung einer solchen

Grossbaustelle muss minuziös und bis ins letzte Detail erfolgen. Trotzdem sind Feuerwehrübungen

manchmal unvermeidlich. «Die meisten Brände können gelöscht werden

bevor es richtig brennt», sagt er schmunzelnd. Aufgrund des strengen Winters erfolgen

leichte Verzögerungen beispielsweise beim Bezug der stationären Psychiatrie.

Zentraler Bereich Sterilisation

Im Neubau, der westlich des Bettenhochhauses hochgezogen worden ist, entstehen

im Obergeschoss sechs Operationssäle und der Aufwachraum. Die Räume für die

Physio- und Ergotherapie sowie für die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA)

werden im Erdgeschoss gebaut. Mit zwei Aufzügen ist die ZSVA direkt mit den Operationssälen

verbunden. Auf der Schmutzseite kommen die gebrauchten Instrumente durch

eine Schleuse nach unten und werden neu aufbereitet. Ein «Sauberlift» bringt das Sterilgut

wieder in die Operationsabteilung. Durch diese wichtige Massnahme werden die

erforderlichen lufttechnischen Bedingungen im Operationsbereich erhalten.

«Auch die Operationssäle sind absolut auf dem neusten Stand. Der komplexe Bereich

wird räumlich unterteilt, da zwei Druckluftsysteme nötig sind. Erst wenn die Testläufe

erfolgreich und allfällige Mängel behoben sind, werden die alten Operationssäle ausser

Betrieb gesetzt. Im Innenausbau und medizintechnisch sind wir etwas in Verzug, deshalb

wird die Inbetriebnahme des Operationstraktes etwas hinausgeschoben», erklärt der engagierte

Projektleiter. Im Rahmen des bewilligten Masterplans übernimmt der Kanton

Bern zwei Drittel der budgetierten Gesamtkosten von rund 100 Millionen Franken.

Weitere Planung in Etappen bis 2016

Ein Ende der Bautätigkeit ist nicht abzusehen. Sobald die Operationssäle, die Sterilisation,

das Labor und die Physiotherapie bezogen sind, folgen 2014 Sanierungen

und Umzüge innerhalb der bestehenden Spitalstrukturen. Ein Spital während des

laufenden Betriebs im Innenbereich auszubauen ist sehr anspruchsvoll, vor allem

bezüglich Hygiene. «Das Labor wird zu einer Bettenzentrale und die bisherigen

Operationssäle zu einer Tagesklinik umgebaut», sagt Hansruedi Zgraggen und dokumentiert

seine Ausführungen anhand der grossformatigen Pläne. Wie er weiter

ausführt, werden die Umnutzungen etappenweise umgesetzt: «Die Räume, wo

sich heute die Physiotherapie und die Orthopädie befinden, werden auch nächstes

Jahr saniert, damit das Rückenzentrum dort einziehen kann. Das bisherige

Zentrallager des Spitals wird in eine neue Dialyseabteilung umfunktioniert.» Als

separates Projekt ist eine neue Intensivstation geplant, die ab 2016 auf dem Dach

des Neubaus realisiert und an zwei Aufzüge angedockt werden soll. Erst wenn alle

aktuellen Arbeiten abgeschlossen sind, soll der Haupteingang erneuert werden.

Physiotherapie, Physio-Fit und Ergotherapie

unter einem Dach

Die wesentlichste Veränderung betrifft die Integration des

Physiotherapie-Ambulatoriums der SRO: «Das Physio-Fit zieht

mit 10 Mitarbeitenden vom Aufhabenweg in den Neubau. Das

vergrössert das 13-köpfige Spitalteam und gleichzeitig wird

das Angebot breiter. Ideal ist auch, dass die Kolleginnen von

der Ergotherapie auf gleichem Boden sind. Häufig benötigen

Patienten beide Therapien, die wir gemeinsam besprechen»,

erklärt Susanne Sommerhalder, Ressortleiterin Therapien und

Beratungen.

«Mit einem konkreten Konzept haben wir die Organisationsund

Führungsstruktur festgelegt. Zudem verfügen wir über

mehr Möglichkeiten einander auszuhelfen. Der gegenseitige

Austausch sowie die fachlichen Kontakte werden vereinfacht.

Fachgruppen haben sich damit auseinandergesetzt, welche Geräte

und was für Material die unterschiedlichen Räume wie der

medizinische Trainingstherapieraum oder der Gruppengymnastikraum

benötigen. Spezialgebiete wie die Beckenboden-Rehabilitation

oder manuelle Lymphdrainage stellen entsprechende

Anforderungen an den Raum», sagt Susanne Sommerhalder

und freut sich, dass nicht nur die Geräte auf dem neusten Stand

sind, sondern auch deutlich mehr Einzelbehandlungsräume

verfügbar sind. Das wird von den Patienten geschätzt und ermöglicht

zusätzliche Angebote.

Kürzere Wege, effizientere Abläufe,

attraktive Geräte

«Wir haben eine gute Fachlichkeit und können diese mit der

modernen Infrastruktur besser und professioneller präsentieren.

Neben Einzelbehandlungsräumen stehen ein grosser

Trainingsraum, ein Gruppenraum, zwei spezielle Räume für die

Behandlung von neurologischen Patienten und ein Schulungsraum

für Vorträge und Weiterbildungen zur Verfügung», sagt die

Ressortleiterin.

Einige Geräte werden mitgenommen, etliche müssen ergänzt

oder revidiert werden, wieder andere sind neu wie das Laufband,

welches dank einer Spezialvorrichtung auch für Menschen

mit eingeschränkter Bewegung geeignet ist. Das Gruppenangebot

wird attraktiver durch zusätzliche Ausdauergeräte

wie Liegevelos, Stepper und Crosstrainer. Der Zeptor ist ein

Vibrationsgerät zum Stimulieren der Muskulatur. Er aktiviert

und reguliert verschiedene Bereiche des Nervensystems und

verbessert das motorische Lernen und die Bewegungskontrolle.

Neu wird eine Kletterwand installiert. Gemäss Untersuchungen

ist therapeutisches Klettern wirkungsvoll für diverse

Krankheitsbilder.

Eine Kerngruppe hat sich speziell mit den Arbeitsabläufen auseinandergesetzt

und hat beispielsweise den standardmässigen

Inhalt einer Musterkabine definiert und eingerichtet. „Als Nutzer

schätzen wir, dass wir einbezogen wurden und aktiv mitbestimmen

konnten. Die Zusammenarbeit mit der Projektleitung

hat sich gut entwickelt; es ist spannend, das mitzuerleben»,


23

Übersichtsplan

SRO-Areal

zeigt sich Susanne Sommerhalder erfreut. Beim Umzug wird

Hand in Hand mit dem technischen Dienst gearbeitet. Der Zeitplan

sieht vor, dass die Physiotherapie in der zweiten Januarwoche

und das Physio-Fit anfangs März 2014 einziehen.

Psychiatrie zieht zuerst in den Neubau

Die stationäre Psychiatrie im Haus Ost wird am 5. Dezember

eröffnet. Die Patienten der Psychiatrischen Kriseninterventionsstation

(KIS) werden von Niederbipp nach Langenthal auf

zwei Stationen verlegt. Mit dem Neubau verdoppelt sich die

Bettenzahl von 16 auf 34 Betten. Als weiteren Vorteil der Integration

der stationären Psychiatrie ins Zentrumspital Langenthal

nennt Dr. Kurt Bachmann, Chefarzt Psychiatrie, die grössere

Behandlungsbreite von psychisch erkrankten Menschen mit

somatischen Zusatzerkrankungen: «Patienten können «unter

einem Dach» behandelt werden, weil verschiedene Fachkompetenzen

im gleichen Haus sind.» Sein grösstes Anliegen ist,

dass die Hausärzte ihre Patienten nicht mehr nach Münsingen,

sondern wieder nach Langenthal einweisen. «Es ist unser Ziel,

möglichst viele Menschen aus dem Oberaargau im SRO Spital

behandeln zu können», sagt Kurt Bachmann. Für die stationäre

Behandlung von psychisch erkrankten Menschen werden nicht

nur Bettenstationen benötigt, sondern auch Therapieräume,

beispielsweise für die Ergotherapie, Mal-, Musik- und Bewegungstherapie

sowie ein Werkatelier.

Text:

Brigitte Meier


25

Mitarbeiter-Portrait Sport, Bewegung und

Beruf ideal kombiniert Als Gymnasiast zog

sich Benjamin Jäggi beim Volleyballspielen einen Bänderriss zu und kam erstmals mit

einem Physiotherapeuten in Kontakt. Im richtigen Moment: Das weckte sein vorhandenes

Interesse am Bewegungsapparat und Medizin vollends.

Benjamin Jäggi,

Physiotherapeut

Benjamin Jäggi plant einen Trip nach Amsterdam. Sein Faible für

die Niederlande kommt nicht von ungefähr. «Die Mutter meiner

Freundin stammt aus Holland und deshalb interessieren mich

Land und Leute. Inzwischen verstehe ich auch holländisch», erklärt

der Physiotherapeut. Er ist in Wangen an der Aare mit zwei

Geschwistern aufgewachsen und nicht der Jüngste der Familie

wie sein Vorname vermuten lässt. «Aber sonst meistens. Sei es

im Gymnasium Solothurn oder im Studium an der Fachhochschule

Bern», sagt der 24-Jährige lachend. Wen wunderts: Er ist

auch der Benjamin im Physio-Fit-Team.

Entscheidende Begegnung

Schon früh interessierten ihn Themen rund um Medizin, Gesundheit

und Bewegungsapparat. «Eigentlich wollte ich einmal

Arzt werden», erzählt Benjamin Jäggi. Als er sich in einem Volleyballmatch

die Bänder gerissen hat, musste der Fuss operiert

werden. «Nach dem Unfall war ich fasziniert von der Behandlung

des Physiotherapeuten, wie kompetent er mich unterstützt

und meine Rekonvaleszenz gefördert hat. Er wurde für mich ein

wichtiger Ansprechpartner. Dem Bewegungsprofi entging mein

Interesse nicht und so hat er mich ausführlich über seine Tätigkeit

informiert. Das war ausschlaggebend für meine Berufswahl»,

erinnert sich Benjamin Jäggi.

Der polysportive Typ spielt Unihockey, Tennis und fährt Ski.

Bewegung und Sport bilden einen wichtigen Ausgleich zum

beruflichen Alltag. Zusammen mit seiner Freundin unternimmt

er ausgedehnte Bike-Touren. Während dem Studium hat er im

Gasthof Löwen in Berken serviert. «Dort bin ich auf den Geschmack

gekommen und geniesse bei besonderen Gelegenheiten

gerne einen edlen Single-Malt-Whisky. Auch deshalb möchte

ich einmal nach Schottland oder Irland reisen», verrät der junge

Mann. Sein grösster Wunsch ist jedoch ein längerer Aufenthalt

in Neuseeland.

Während dem vierjährigen Studium absolvierte er auch ein Praktikum

im Spital SRO. Nach dem Abschluss arbeitete er bis zum

Eintritt in die Rekrutenschule 3,5 Monate im Physio-Fit Langenthal

und seit April 2012 ist er fest angestellt. «Anfänglich war

der Wechsel von stationären Betrieben ins ambulante Physio-Fit

eine ziemliche Umstellung. Neben dem anderen Rhythmus sind

auch die Voraussetzungen und Problemstellungen der Patienten

anders. Ihre körperliche Beweglichkeit und Mobilität sind oftmals

vorhanden, so dass man aktiv mit ihnen arbeiten kann. Der Austausch

im Team und die abwechslungsreiche Arbeit gefallen mir.

Am schönsten ist es, wenn man die Fortschritte step by step

beobachten kann. Vor allem wenn der Patient die Besserung selber

realisiert und sich darüber freut», berichtet der Physiotherapeut.

Bei chronischen Leiden, die man nicht immer heilen kann,

sei es schwieriger, Erfolge zu messen. Hier gehe es darum, die

Schmerzen zu lindern, möglichst viel Selbstständigkeit und Lebensqualität

zu verbessern oder zu erhalten. Die Zielsetzungen

sind unterschiedlich: «Freuen sich ältere Patienten darüber, dass

sie wieder schmerzfrei die Treppe hinaufsteigen können, steht

bei jüngeren Patienten oft das Erreichen eines sportlichen Ziels

im Vordergrund», argumentiert Benjamin Jäggi.

Weiterbildung als Sportphysiotherapeut

Als Physiotherapeut kann er Beruf und Sport ideal kombinieren.

Momentan absolviert er eine Weiterbildung als Sportphysiotherapeut

in Bad Zurzach. In dieser Ausbildung geht es vorwiegend

um leistungsorientiertes Training und Rehabilitation. «Ich kann

schon einiges davon anwenden und meine Methoden optimieren.

Beispielsweise bei einer Patientin, die dem OL-Nationalkader

angehört. Natürlich biete ich mein Wissen neben Spitzensportlern

genauso ambitionierten Amateursportlern und allen

Breitensportlern an», betont Benjamin Jäggi. So schätzen es

insbesondere seine Kollegen vom Tennisclub, wenn er sich auch

ihren Problemen widmet.

Text:

Brigitte Meier


26

dahlia oberaargau ag Aus eigener Kraft

aktiv werden Marte Meo stammt aus dem Lateinischen und

bedeutet . Als erste schweizerische Alters- und Pflegeinstitution

hat die dahlia ag die Methode der Entwicklungsförderung nach Maria Aarts an allen

vier Standorten flächendeckend eingeführt.

links: Urs

Neuenschwander,

Bereichsleiter dahlia

oberaargau ag

rechts: Therese

Niklaus, Marte-Meo-

Therapeutin und

lizenzierte Marte-

Meo-Supervisorin

«Marte Meo beginnt dort, wo der Mensch steht. Wir unterstützen

ihn, seine Kompetenzen und Aktivität aufzubauen.

Überall dort, wo es um Interaktionen, um soziale, emotionale

und kommunikative Weiterentwicklung von Mitarbeitenden

geht wirkt Marte Meo als Empowerment-Instrument», betont

Urs Neuenschwander, Leiter Pflege und Betreuung. Nach einer

Weiterbildungsreise im März 2011 nach Aachen, Deutschland,

wo Marte Meo in der Seniorenresidenz am Haarbach erfolgreich

praktiziert wird, entschied die dahlia-Geschäftsleitung,

das Marte-Meo-Konzept in Herzogenbuchsee, Huttwil, Niederbipp

und Wiedlisbach umzusetzen.

Schweizerischer Pionierbetrieb für Marte Meo

im Altersbereich

Mit einem Ausbildungskonzept unter der Leitung von Therese

Niklaus Loosli, Dr. med. und lizenzierte Marte-Meo-Supervisorin,

absolvieren das Kader und die Mitarbeiter der dahlia

den sechstägigen Marte-Meo-Anwenderkurs mit Zertifikatsabschluss.

Therese Niklaus vermittelt zusammen mit Claudia

Berther, Pflegefachfrau, Marte Meo praxisnah, damit nicht nur

professionell Tätige, sondern auch Freiwillige und Angehörige

von dieser Methodik profitieren und Sicherheit erlangen.

Sie sagt: «Alle können lernen, Marte Meo zu nutzen. Es verblüfft

mich immer wieder, wie viel mit einfachsten Kommunikations-Elementen

erreicht werden kann.» Die Methode hilft

Interaktions-Momente mit Bewohnern und deren Angehörigen

bewusst zu nutzen. Gleichzeitig werden die interaktiven Fähigkeiten

der Mitarbeitenden unterstützt und damit die Entwicklung

der gesamten Institution. «Die Methode ist ideal geeignet,

dass Mitarbeitende unterschiedlicher Qualifikationsstufen und

Kulturen voneinander lernen und sich gegenseitig stärken können.

Seit der Einführung von Marte Meo haben die Kurzabsenzen

abgenommen», sagt Urs Neuenschwander. Wenn die Mitarbeitenden

mit belastenden Pflegesituationen anders umgehen,

führe dies zu einer ruhigen Atmosphäre. Dadurch verändert

sich die Haltung auf beiden Seiten und wirkt sich auf mehreren

Ebenen positiv aus:

– Die Bewohner erfahren eine zielorientierte und effektive

Form der Hilfe.

– Erfolgserlebnisse werden konkret sichtbar und ermutigen für

weitere Schritte.

– Das Erkennen von eigenen Ressourcen schafft Motivation für

Entwicklungen.

«Mich überzeugt diese Methode, weil sie ressourcen- und lösungsorientiert

schafft. Die Erfahrungen sind eindrücklich und

motivierend zugleich. Marte Meo ist ein wesentlicher Bestandteil

unserer täglichen Arbeit geworden», bekräftigt Urs Neuenschwander.

Marte-Meo-Basiselemente

Im dahlia werden vorwiegend folgende Elemente angewendet:

1. Finden einer guten Anfangs- und Endsituation in der Kommunikation

und Interaktion

2. Die Initiativen (Emotional-/Handlungsebene) des Bewohners

werden wahrgenommen. Was oder wem spendet er Aufmerksamkeit?

Wie zeigt sich die Initiative?

3. Bestätigung und Benennung dessen, was für den Bewohner

momentan relevant ist. Dies hilft bezüglich Kontaktaufnahme.

Der Bewohner fühlt sich ernst genommen und spürt

das entgegengebrachte Interesse.

4. Abwechselnde Kommunikation bedeutet, dass man sich

gegenseitig austauscht und auf verbale und nicht verbale

Kommunikation des anderen reagiert und agiert.

5. Die vorhandenen Kompetenzen der Bewohner werden beachtet

und aktiv mit einbezogen. Durch partnerschaftliches

Lenken und Leiten gelingt es beispielsweise, den Pflegeprozess

zu optimieren.


27

Marte-Meo-Methode

Die inzwischen weltweit etablierte

Marte-Meo-Methode wurde in

den 70er Jahren von der Holländerin

Maria Aarts ursprünglich

für die Entwicklungspsychologie

erforscht und weiterentwickelt.

Inzwischen hat man festgestellt,

dass sich diese Methode nicht

nur in der Arbeit mit Kindern und

Jugendlichen, sondern auch für

den Altersbereich eignet. Ziel ist,

Menschen verbal und/oder nonverbal

durch Gespräche, Gestik

und Führung in Alltagssituationen

zu unterstützen.

Ausbildung mit Filmaufnahmen

Mit einfachen Methoden werden Persönlichkeit und Fähigkeit

der Bewohner gestärkt. Um solche Momente besser erkennen

zu können, werden Alltagssituationen anhand kurzer Filmaufnahmen

festgehalten und analysiert. Im dahlia werden nur Bewohner

mit deren schriftlichen Einwilligung und/oder der zuständigen

Angehörigen, gefilmt. Therese Niklaus zitiert Maria

Aarts «Seeing is believing». Im Vordergrund der Videoanalyse

steht das Erkennen vorhandener Fähigkeiten der Bewohner.

Dadurch wird das lösungsorientierte Handeln der Betreuenden

unterstützt. Dank einer positiven Sichtweise werden auch

schwierige Situationen motiviert und gezielt angegangen.

Gleichzeitig erlebe man die Momente mit den Bewohnern bewusster

und dadurch entsteht eine Atmosphäre, in welcher sie

sich wohl und wertgeschätzt fühlen. Während dem Erzählen ist

die Begeisterung von Urs Neuenschwander spürbar: «Im Pflegealltag

sind Strukturen und Programm vielmals klar definiert.

Oft fühlen sich demente Menschen von diesem überfordert und

«wehren» sich dagegen.» Mittels Filmsequenzen demonstriert

er die Wirkungsweise, wenn Zeit gegeben wird für die Kontaktaufnahme,

wenn man das Gegenüber aufmerksam beobachtet

und seine Pflegevorrichtung mit freundlicher Stimme benennt,

bevor man beispielsweise mit Anziehen beginnt. Dies gibt dem

Bewohner Sicherheit, eine akustische Orientierung und er fühlt

sich wahrgenommen. Freude teilen, sich über ein Lächeln oder

einen Händedruck freuen und den Bewohner loben: «Sie sind

selber aufgestanden. Das haben Sie gut gemacht.» Die Wirkung

ist erstaunlich, abgesehen vom Zeitgewinn. Durch den besseren

Zugang funktioniert vieles einfacher, auch bei dementen

Menschen und beeinflusst deren Kooperation positiv. «Bewusst

erlebt, wird jeder Moment ganz anders und die Qualität der Arbeit

eine ganz andere.»

Weniger ist mehr

«Spannend wie die angewendeten Elemente in verschiedenen

Situationen und Interaktionen wirken und helfen, absolut

komplexe Theorien und Methoden ganz einfach auf den Punkt

zu bringen, der auch Angehörigen vermittelt werden kann»,

erklärt Therese Niklaus. Oft werden demente Menschen auch

mit einfachen Fragen wie «Möchten Sie Kaffee?» überfordert.

Hält man jedoch die Tasse in den Händen und sagt: «Ich habe

hier Kaffee» und beobachtet das Gegenüber, fragt man je nach

Reaktion: Hätten Sie gerne eine Tasse und überreicht diese

oder bietet allenfalls Hilfe zum Halten an. Manchmal genügt

es, das letzte Wort zu wiederholen, damit die Person realisiert:

«Ich werde gehört.» Wenn die Betreuungspersonen durch Achtsamkeit

und Aufmerksamkeit die Bewohner dort abholen, wo

sie stehen, ihre Ressourcen erkennen und mit den Elementen

der Marte-Meo-Methode diese Momente bewusst erleben,

profitieren beide Beteiligten. Betreute und Pflegende erleben

sich selbstsicherer. Zudem können so Betreuende die Arbeit,

die sie leisten, selber besser wertschätzen.

Text:

Brigitte Meier


29

Rezept Mozarttorte ‹‹Anna›› Eine Torte

mit diesem klingenden Namen schmeckt auch Diabetikern köstlich und ist zudem glutenfrei.

Deshalb, und weil Gewürze wie Zimt und Nelken in die kommende Adventszeit passen,

stellt Anna Wüthrich, langjährige Mitarbeiterin in der SRO-Küche, dieses Gebäck vor.

Mozarttorte

Zutaten

200 g Butter

40 g Fruchtzucker (200 g Zucker)

1 El Assugrinpulver

2 EL Wasser

5 Eigelbe

1 Prise Nelkenpulver

5 g Zimt

150 g Mandeln, gemahlen

200 g Haselnüsse, gemahlen

10 Eiweiss, geschlagen

Zubereitung

Butter mit dem Fruchtzucker und Assugrinpulver

schaumig rühren, Wasser beifügen und die Eier unterschlagen.

Nelkenpulver, Zimt, Mandeln und Haselnüsse

darunter rühren und alles gut mischen. Zuletzt das

steif geschlagene Eiweiss darunterziehen. Die doppelte

Anzahl Eiweiss wird deshalb benötigt, damit auch ohne

Backpulver ein luftiges Volumen entsteht. Den Teig in

eine gefettete Springform einfüllen und bei 180 Grad im

vorgeheizten Backofen 40 bis 50 Minuten backen. Mit

Puderzucker weihnächtlich verzieren, beispielsweise

mit einer Sternschablone.

Anna Wüthrich, Mitarbeiterin

SRO-Küche

Wenn es verlockend nach frisch gebackenem

Kuchen und traditionellen Gewürzen

duftet, gleich ob daheim oder

aus der Spitalküche, werden wir in

vorweihnächtliche Stimmung versetzt.

«Von unseren Patienten wird die aromatische

Mozarttorte schon seit vielen

Jahren geschätzt. Wenn die Torte nicht

für Diabetiker gebacken wird, kann sie

mit Zucker anstelle von Fruchtzucker

und Assugrinpulver zubereitet werden.

Ausserdem enthält das Rezept kein

Mehl und eignet sich deshalb auch für

Menschen mit Zöliakie, die sich glutenfrei

ernähren müssen», erklärt Anna

Wüthrich und fügt an: «Dieses Gebäck

passt gut in die Adventszeit und ist einfach

und schnell zubereitet.»

Backen ist eine grosse Leidenschaft von Anna Wüthrich. Ideen für kulinarische Köstlichkeiten

entwickeln sich oft wenn sie unterwegs ist beim Walking. Sie backt sehr

gerne für die Patienten, verwöhnt aber auch ihre Freunde und Bekannten mit selbst

gemachtem Gebäck. «Etwa mit Berner Züpfe für den Sonntagsbrunch oder hauchzarten

Wein-Bretzeli. Die passen wunderbar zur gebrannten Creme», erzählt die

ideenreiche Frau, die gerne Neues ausprobiert und ihre Kreativität auch an ihrem

Arbeitsort entfalten kann.

Seit 34 Jahren ist sie als treue Mitarbeiterin in der SRO-Küche tätig. Frühmorgens

fährt Anna Wüthrich mit dem Flyer-E-Bike von ihrer Wohnung im Schoren Langenthal

ins Spital. Ihr Arbeitstag beginnt um 6.40 Uhr, damit das Frühstück für die Patienten

rechtzeitig bereitgestellt ist. «Anfänglich war ich in der Hauptküche tätig. Seitdem

ich in der «kalten» Diätküche eingesprungen bin ist diese mein Einsatzgebiet. Meistens

sind wir ein Dreierteam. Mir gefällt, dass ich eigene Ideen einbringen kann.

So kreiere ich fantasievolle Schmetterlinge und Blümchen aus Gemüse, garniere

den Salat appetitlich und dekoriere belegte Brötchen», sagt die in Ursenbach aufgewachsene

Anna Wüthrich.

Entsprechend der ärztlichen Verordnung werden bestimmte Kostformen und Diäten

zusammengestellt, beispielsweise für Dialysepatienten, die von der Ernährungsberatung

bestellt werden. Nach Möglichkeit werden Patientenwünsche berücksichtigt.

«Es gibt immer etwas zum Vorbereiten, etwa laktosefreie Salatsaucen für Patienten

mit Milchzuckerunverträglichkeit. In den letzten Jahren haben die verschiedenen

Allergien stark zugenommen», weiss die langjährige Mitarbeiterin. Nachmittags

werden kalte Gerichte, beispielweise Käse- oder Fleischteller für das Abendessen

angerichtet. Natürlich darf das weitherum berühmte Birchermüesli à la SRO nicht

fehlen. «Unter anderem verleiht ihm etwas Kondensmilch die feine Konsistenz», verrät

Anna Wüthrich.

Tipp: Die Mozarttorte lässt sich problemlos einfrieren

und kann im Voraus gebacken werden.

Text:

Brigitte Meier


30

Ärztlicher Tipp Im Winter haben

Erkältungsviren Hochsaison

Erkältungen sind der häufigste Grund für einen Arztbesuch und die Hauptursache

für ein Fehlen am Arbeitsplatz.

Dr. Michael Waber,

Hausarzt in der Hasli-

Praxis Langenthal

Die Erkältung ist ein Sammelbegriff für Infektionserkrankungen

der Nasen-, Kiefer-, Stirnhöhlen und der Atemwege. Ausgelöst

wird sie zu 90 % durch Viren. Die Beschwerden sind vielfältig;

das kann zu Beginn Niesreiz, Schnupfen oder eine verstopfte

Nase sein. In der Folge können sich Fieber, schmerzhafte Entzündungen

der Kiefer- oder Stirnhöhlen, Kopf- / Halsschmerzen

oder Husten dazugesellen. Bei starker Erkältung, wenn Schwellungen

die Gänge zwischen den Höhlen verstopfen, oder das

Immunsystem die Erreger nicht wirkungsvoll bekämpfen kann,

können sich aus der Erkältung bakterielle Infekte entwickeln

(Sinusitis, Bronchitis, Lungenentzündung, Angina, Mittelohrentzündung).

Die durch Viren verursachte Grippe, unterscheidet sich von

der Erkältung dadurch, dass sofort zu Beginn Fieber über 38°C,

verbunden mit Gliederschmerzen auftritt. Starke Kopfschmerzen,

ausgeprägte Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühle sowie

Husten sind häufige Begleiterscheinungen. Eher selten sind hingegen

Schnupfen, verstopfte Nase und Niesen. Eine Erkältung

sollte man, nicht nur um die Beschwerden zu lindern, sondern

auch um Komplikationen vorzubeugen, möglichst früh massvoll

behandeln. Da über 100 verschiedene Viren als Auslöser in Frage

kommen, gibt es keine ursächliche Therapie, also kein spezifisches

Medikament und auch keine Impfung. Eine Behandlung

ist somit nur symptomorientiert möglich:

Bei Schnupfen und verstopfter Nase gilt es, die Gänge freizumachen,

um die Atmung und den Sekretabfluss zu erleichtern:

Befeuchten der Nasenschleimhäute mit Meersalzspülungen

oder Inhalieren mit ätherischen Ölen oder mit Tee. Diese Massnahmen

können auch vorbeugend angewendet werden. Bei fehlendem

Effekt zusätzlich abschwellend wirkende Medikamente

einsetzen (bis maximal eine Woche).

Lindernd bei Halsschmerzen ist warmer Tee, Honigmilch und

Halswickel sowie Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee. Hilft dies

nicht, kann mit Lutschtabletten, Rachenspray oder Paracetamol

behandelt werden.

Mit Fieber aktiviert der Körper das eigene Immunsystem und

versucht, den «kälteliebenden» Viren den Garaus zu machen.

Liegt die Temperatur nicht über 38,5°Celsius, muss das Fieber

nicht unterdrückt werden. Andernfalls bieten sich kalte Wadenwickel,

viel Flüssigkeitszunahme und fiebersenkende Mittel wie

Paracetamol an.

Kiefer- oder Stirnhöhlenschmerzen lassen sich wiederum

mit abschwellend wirkenden Medikamenten sowie mit entzündungshemmenden

Tabletten behandeln.

Husten ist primär ein Abwehrmechanismus des Körpers und

sollte nur unterdrückt werden, wenn er trocken ist und den

Schlaf behindert. Geeignete Hustentropfen dämpfen den Hustenreiz.

Bei Auswurf können schleimfördernde Medikamente

versucht werden. Das Inhalieren von speziellen Substanzen

durch den Mund oder Teelösungen sind auch hier empfehlenswert.

Generell als Prophylaxe wie in der Erkrankungsphase, sollten

reichlich Gemüse und Obst (Vitamin C) konsumiert werden.

Nicht nachgewiesen ist indessen der Nutzen von Multivitaminpräparaten.

Dauert eine Erkältung länger als eine Woche, ohne

sich abzuschwächen, ist ärztlicher Rat angebracht.

Dr. Michael Waber, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH

HasliPraxis, Langenthal

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine