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PDF 1,45 MB - Evangelische Kirche in Deutschland

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REFORMATION

HEUTE

Beruf

Gerhard Wegner

DIe sozialethische Schriftenreihe zum 500. Jubiläum der Reformation


Beruf

REFORMATION HEUTE

Sozialwissenschaftliches Institut der EKD (SI)

Arnswaldtstraße 6

30159 Hannover

Telefon 0511-554741-0

e-mail: info@si-ekd.de

www.si-ekd.de

Stiftung Sozialer Protestantismus

Schlossstraße 2

57520 Friedewald

Telefon: 02743-9236-0

e-mail: info@ssp-friedewald.de

Autor:

Gerhard Wegner

Herausgeber:

Gerhard Wegner (SI der EKD)

Stiftung Sozialer Protestantismus

ÜBER DEN AUTOR

Gerhard Wegner

Prof. Dr. theol., Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in

Deutschland (SI) und apl. Prof. für Praktische Theologie an der Universität Marburg. Wichtige

Veröffentlichung: Moralische Ökonomie. Perspektiven lebensweltlich basierter Kooperation.

Stuttgart 2014

Redaktion:

Renate Giesler


REFORMATION

HEUTE

AKTUELLE ERSCHEINUNG

Kapitalismus

Diakonie

Inhalt

Der Beruf als Verweltlichung Gottes 9

Entweltlichung des Menschen 11

Beruf und Stand 12

Selbstanspruch und Vergesellschaftung 16

Beruf

REFORMATION HEUTE

Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD

Stiftung Sozialer Protestantismus

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb

des Urhebergesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen sowie für jegliche Speicherung und Verarbeitung in datenverarbeitenden

Systemen. Es ist nicht gestattet, Abbildungen zu digitalisieren. Umschlag und Frontispitz: bokehlicious

/ photocase.com Weitere Bildquellen: cydonna, stormpic, madochab, golffoto, designer111,

andrey-fo, sör alex / photocase.com

Schutzgebühr: 2,95 €

(10 Exemplare für 19,50 €)

© creo-media, Hannover . 2014

creo-media GmbH

Agentur . Druckerei . Verlag

Bischofsholer Damm 89

30173 Hannover

www.creo-media.de

Der Beruf als kritische Kategorie 19

Kommodifizierung der Arbeit 22

Die Krise des Berufs und seine Neuentdeckung 26

Mit mir selbst beschenkt 30

Die Zukunft des Berufs 32

Literatur 34

Layout, Satz, Typographie, Bildbearbeitung und Druckproduktion bei: creo-media

info@creo-media.de


„In Wahrheit gibt es nichts Schöneres als die

Selbstausbeutung, nämlich die Verwendung

der eigenen Kräfte zu selbstgewählten Zwecken,

wenn es sein muss bis zur Erschöpfung.

Das eben ist menschliche Tätigkeit, Freiheit.“

Ralf Dahrendorf 1982

Gerhard Wegner

Beruf

Unbestritten ist die „Erfindung“ des

Berufs in der Wittenberger Reformation

durch Martin Luther eine

der ganz großen religiös-sozialgeschichtlichen

Innovationen gewesen.

Selbst noch eine höchst aktuelle

Studie über Employability und

Beruflichkeit kommt nicht ohne

einen Bezug auf Luther aus (vgl.

Kraus 2007). Dass einen Beruf, d.h.

eine durch Gott beauftragte „Positionierung“

in der Gesellschaft, nun

nicht mehr nur die Obrigkeit und

der Klerus sondern alle Menschen

hatten, war keine Reform mehr; es

war schlicht eine Revolution.

„Wir sollen mit fröhlichem Gewissen in

unserem Berufe bleiben und wissen,

dass durch solche Werke mehr ausgerichtet

wird, als wenn jemand alle

Klöster gestiftet und alle Orden gehalten

hätte; und ob es gleich die allergeringste

Hausarbeit.“ (WA 29, 566, 39)

Die Kloster- und Kirchenberufe

(Priester, Mönch, Nonne, Bischof)

werden in ihrer Höherwertigkeit

zerstört: In ihnen kann ein Christenmensch

nicht mehr rechtschaffen

verbleiben, denn dort lebt man gegen

Evangelium, Freiheit, Liebe und

Vernunft (vgl. Luther: De votis monasticis

1521). Seitdem hört so auch

die vita contemplativa auf, ein Luxus

zu sein: „Mit der Aussonderung

der Arbeit als Rolle, also als Beruf

[…] wird sie zur realen Chance für

alle“ (Dahrendorf 1983, 32).

Dass man einen Beruf hat, gehört

seitdem zu den Grundlagen einer

gerechten Gesellschaft:

„Ein jeder soll ein solches Leben führen,

von dem er weiß, dass es Gott wohl

gefällt, wenn es auch gleich verachtet

und gering sein sollte. Ein Knecht,

eine Magd, ein Vater, eine Mutter sein,

dass sind solche Lebensformen, die

durchs göttliche Wort eingesetzt und

geheiligt sind und Gott wohl gefallen“

(WA 25, 385, 26-29).

In der als „Sinnform Beruf“ fokussierten

Arbeit kommen die religiöse

Berufung durch Gott und die

Ordnung der Gesellschaft sinnfällig

zusammen.

Dahinter stand eine radikale religiöse

Aufwertung des gewöhnlichen,

7


alltäglichen Lebens im Beruf, in

Ehe und Familie, die – modern gesagt

– mit erhöhter Selbstreflektion

einher geht: Dieses Leben konnte

und sollte nun den Absichten Gottes

bzw. seinem Ruhme entsprechend

geführt werden (vgl. Taylor

1996, 391). Die Arbeit wird zu einer

auch geistlich gesehen höchst ernsten

Beschäftigung. „Der Mensch,

der eine körperliche, irdische Arbeit

verrichtet, steht nach lutherischer

Auffassung direkt unter Gott.

Er braucht keinen Mittler, um zu

seinem Heil zu kommen“ (Wingren,

664). Der Mensch ist qua Beruf

folglich zugleich völlig verweltlicht

und entweltlicht: Er ist ganz in dieser

Welt tätig und zugleich ganz

von ihr distanziert bei Gott. Es ist

der Gebrauch der Dinge der diese

Haltung ausdrücklich macht (vgl.

Taylor 1996, 392). Nicht ihr Nutzen

als solcher ist länger das Problem,

sondern die Absicht bei ihrer Verwendung.

Die Folge ist ein mögliches

Zögern: „Wir müssen die Dinge

genießen, während wir Abstand

von ihnen wahren“ (ders., 393). „In

einem gewissen Sinne müssen wir

die Welt lieben, während wir sie

in einem anderen verachten“ (ders.,

394): Ein Sorgen bei gleichzeitiger

Sorglosigkeit, ein „Haben als hätte

man nicht [...]. Ehe und Beruf sind

nichts Zusätzliches, das man wählen

oder unterlassen kann, sondern

sie sind der eigentliche Inhalt des

Lebens, dem wir uns zielbewusst

hingeben sollen. Unsere Herzen

aber sollten die ganze Zeit anderswo

sein“ (ders., 395).

Es ist diese zutiefst paradoxe, geradezu

schwindelerregende Existenzansage,

die das protestantische

Arbeitsethos in Gang hält. Es kann

in verschiedene, ja gegensätzliche

Richtungen ausschlagen: In die

künstlerische, autopoetische Selbststilisierung

als Erfüllung meiner Berufung

mit der Gefahr des Autismus

und zugleich in einen total entleerten,

repetitiven Tätigkeitenstrom

mit dem Ende der Vernichtung

durch Arbeit. Die jeweils geforderte

Identifikation mit der Arbeit – für

den Nächsten – steht stets in einem

Verhältnis zu ihrer potenziellen Vergleichgültigung.

Die Werke haben

mit der Rechtfertigung nichts zu

schaffen. Sie erfolgen nur, weil unser

Nächster sie braucht. Ich selbst

brauche sie nicht. Arbeit macht

folglich durchaus Sinn, weil mit ihr

Zwecke verfolgt werden – aber sie

hat keinen Sinn. Insofern kann und

soll ich sie als Beruf tun – aber ich

selbst bleibe ihr äußerlich. Ich bin

mit ihr ganz Teil der Gesellschaft –

und stehe ganz außerhalb von ihr

und ihr gegenüber.

Der Beruf als

Verweltlichung Gottes

Von vornherein war 1517 deutlich,

dass „Beruf“ nicht auf die erwerbswirtschaftliche

Tätigkeit begrenzt,

sondern in einer ganz weiten Bedeutung

als auf das gesamte gesellschaftliche

Leben ausgeweitet

gilt. Der Beruf bezeichnet eine spezifische

Stellung in der Gesellschaft,

die mit Aufgaben, Rechten und

Pflichten verbunden ist und in der

sich die oder der Einzelne mit seinen

Anlagen und Fähigkeiten einbringt

und sie zum Wohle aller

entfaltet. Der Beruf ist folglich weit

mehr als nur eine weltlich nützliche

Tätigkeit, die funktional verrechnet

und mit Geld bezahlt werden könnte:

Er stellt – im Sinne von Berufung

– Gottesdienst dar.

„Wenn ein jeder seinem Nächsten

diente, dann wäre die ganze Welt voll

Gottesdienst. Ein Knecht im Stall wie

der Knabe in der Schule dienen Gott.

Wenn so die Magd und die Herrin

fromm sind, so heißt das Gott gedient.

So wären alle Häuser voll Gottesdienst

und aus unsern Häusern würden eitel

Kirchen, weil dort Gott gedient wurde.“

(Luther, WA 36, 340, 12-16)

Mit dieser Bestimmung hat die

menschliche Arbeit einen hohen

intrinsischen, ja selbstzweckhaften

Wert gewonnen. Gefasst als Beruf

ruht sie sozusagen in sich selbst –

bzw. in Gott – und wird nicht erst

durch die Anerkennung der mit ihr

erbrachten Leistung oder dem Gewinn

als wertvoll anerkannt. Einen

Beruf zu haben, bedeutet in diesem

Sinne – auch wenn die religiöse Begründung

später entfällt – weit mehr,

als nur irgendeine Arbeit zu verrichten.

Als Beruf wird Arbeit hoch gewürdigt

und das Arbeitsvermögen

der Menschen in besonderer Weise

anerkannt. Auch deswegen gehört

8 9


zum Beruf noch weit mehr, als sich

mit dem Begriff der modernen (Erwerbs-)Arbeit

fassen lässt: Zur Hilfe

am Nächsten berufen zu sein, geht

weit über alle Formen von Erwerbsarbeit

hinaus und denkt „Beruf“

ganz allgemein vom Auftrag Gottes

zur Ausübung von Liebe in der Welt

her.

Die Logik ist: Ich bin mit mir selbst

beschenkt, um mich selbst anderen

zu schenken. Der Beruf entsteht tatsächlich

aus diesem spezifischen

Gabentausch. Das genau ist meine

Berufung und sie soll in meinem

Beruf bzw. meinen Berufen zum

Tragen kommen. Womit ich – in einem

umfassenden Sinn – „begabt“

bin, soll in der gesellschaftlichen

Kooperation nützlich werden. Diese

Berufung schlägt sich in einer persönlichen

inneren Haltung nieder:

In Werten, Tugenden, Vorstellungen

von Ehre und Schande – und ebenso

in Institutionen, in denen diese

Haltung veräußerlicht ist. „Beruf“

impliziert Tüchtigkeit aus eigenem

Antrieb (vgl. Gerhardt 1999, 28),

hinter der man steht, weil sie in sich

selbst Sinn macht. Säkular gesprochen:

Der eigene, einmalige Wesenskern

wird aktiv entfaltet und darin

werden wir uns selbst ansichtig:

„Im selben Prozess, in dem wir uns

selbst verwirklichen, erfahren wir

erst, was dieses selbst ist, das wir

verwirklichen“ (Joas 1996, 122).

Ohne solche Vorstellungen ist die

moderne Arbeitswelt zweifellos

nicht denkbar, aber – und das ist das

Spannende – auch nicht wirklich mit

ihnen: Zuviel Sinnanspruch führt

unweigerlich aus jenen Unternehmen

hinaus, die heute Arbeit formatieren.

Aber nicht nur das: Auch

sozialpolitisch greift diese Vorstellungwelt

– säkularisiert – deutlich.

So gilt nach heutigen Vorstellungen

jemand als arm, der oder die nicht

in der Lage ist, sich gemäß seinen

individuellen Fähigkeiten und Anlagen

entfalten zu können. Nicht nur

das Verfügen über irgendeine Arbeit

oder ein Einkommen allein differenziert

folglich zwischen arm und

nicht-arm, sondern genau das, was

mit einem Beruf gemeint ist. Und

das wäre ganz im Sinne Luthers gewesen.

Geistlich gewendet bedeutet

dies, dass sich Armut und Reichtum

an den Realisierungschancen der

eigenen Berufung entscheiden. Was

das heute bedeuten kann, gilt es allerdings

erst noch zu entdecken. Einen

„Beruf der Armen“ kann es nach

der Reformation nicht mehr geben.

Entweltlichung des Menschen

Gesehen werden muss allerdings

auch, dass in Luthers Denken Verwirklichung

der eigenen Berufung

im Beruf sehr wenig mit „Selbstverwirklichung“

in einem modernen

Sinn zu tun hatte. Es ging um die

Realisierung eines Rufs „von außen“,

von Gott, in meinen Dienst für andere.

Der Christ lebt nicht für sich

selbst, sondern für seinen Nächsten

– wie Luther nicht müde wird

zu wiederholen. Entsprechend greift

hier die Idee der Pflicht, die später

so tragend für preußisch-deutsche

Tugenden wird. Pointiert gesagt:

Nicht für mich selbst arbeite ich,

nicht um mein Selbst durchzusetzen,

sondern um das zu tun, was für

den anderen, den Nächsten, nützlich

und nötig ist. Der Beruf beinhaltet

folglich eine treuhänderische

„Amts“-Struktur. Sie kann bis hin

zur Selbstlosigkeit gesteigert werden,

bis dahin, dass Übel und Unrecht

an sich selbst erlitten werden

muss. Nur für andere ist das Ausüben

von Rache und Recht legitim.

Diese „selbstlose Verantwortungslogik“

ist möglich, weil Luther zwischen

dem „äußerlichen“ Beruf

innerhalb der weltlichen Ordnung

und der geistlichen, „inneren“ Berufung

im Reich Gottes unterscheiden

kann. Geistlich in der Teilhabe an

Gottes Wirklichkeit lebt der Christ

in der Fülle – er oder sie hat alles,

was man braucht. Und geistlich gesehen

sind alle Menschen gleich.

Genau deswegen soll aber eigentlich

auch niemand für seine eigenen

Interessen kämpfen: Passivität und

Genügsamkeit regieren den öffentlichen

Raum. Gestreikt wird erst,

wenn es die Obrigkeit erlaubt (vgl.

Wingren, 664).

Anders gesagt: „Gegen“ die Welt der

alltäglichen Reproduktion tritt die

religiöse Welt, die durch die Inklusion

der Person in einem großen,

übergreifenden Sinnzusammenhang

10 11


gekennzeichnet ist, in dem sie Erfahrungen

der Fülle, der Aufgehobenheit

und des überwältigenden

Sinnzuspruchs machen kann. Während

die alltägliche Sorge dazu führt,

alle möglichen Tätigkeiten anzustrengen

– um die sich immer wieder

reproduzierende fundamentale

Angst um sich selbst zu bewältigen

– artikuliert die religiöse Sicht Erfahrungen

der Ganzheit und der Geborgenheit

des Ichs in einer – in Gottes

– übergreifender Wirklichkeit. Die

alltägliche Welt operiert letztlich mit

mechanischen Antworten auf Angst

und Sorge und untergräbt auf diese

Weise immer wieder eine wirkliche

Freiheit der Menschen. Das religiöse

Grundgefühl rahmt jedoch das alltägliche

Leben – und so gerade auch

die Arbeit – auf eine Weise, das es

als in sich selbst bedeutungsvoll

und wertvoll erscheint. In ihr hat

die Person Anteil an der gesamten

Schöpfung und ist Teil einer größeren,

umfassenden Wirklichkeit. Die

Sorge wird nicht aus der Welt geschafft,

aber sie kann ihren existentiellen

Schrecken verlieren.

Die Motivation zur Arbeit wäre

dann nicht länger die Angst, sondern

könnte die Liebe werden.

„Work is love made visible“ (Wegner

2011). Entsprechend kann man Arbeitsverträge

zumindest immer auch

als „partial gift exchanges“ (Akerlof

1982) begreifen, die dann stets

mehr als einen Tausch Leistung gegen

Geld sondern auch „Hilfe“ beinhalten

können (vgl. Ortmann 2004,

177). Das geht bei Luther so weit,

dass er die Orientierung an Heiligen

als teuflisch erklärt. Wer wie ein

Heiliger leben will, der würde gerade

so – in der Orientierung an einem

Modell – die konkrete Liebe zum

Nächsten preisgeben. Was ich tue,

geschieht dann, um Gott zu gefallen

– und genau damit gebe ich meinen

Nächsten preis (vgl. Wingren, 662).

Es gibt kein sinnvolles religiöses

Streben außerhalb meiner weltlichen

Verantwortungen.

Beruf und Stand

Nun ist das Verständnis des Berufs

bei Luther in der Moderne auch immer

wieder kritisiert worden. Luther

hätte mit dem Konzept des Berufs

im Grunde genommen lediglich die

klassisch mittelalterliche Ordnungsvorstellung

des Standes in eine neue

Begrifflichkeit übersetzt. Die Berufung

erfolge nach Luther in einen

Stand, den man dann ein Leben lang

nicht mehr verlassen könnte. Insofern

würde Luthers Berufsverständnis

in der damaligen Zeit soziale

Ungleichheit massiv legitimieren,

wenn auch zuzugestehen ist, dass

die Art und Weise wie Beruf bzw.

Stand konzipiert wird, inhaltlich

nichts mit Willkür, gegenseitiger

Ausbeutung oder der Legitimation

von hierarchischen Strukturen als

solchen zu tun hätte, sondern mit

der Ausübung von umfassender Fürsorge

und Nächstenliebe. Insofern

ginge es mit Luthers Ständekonzept

letztlich um eine funktionale Ordnung

der Gesellschaft, aber nicht

primär um einen Herrschaftsaufbau.

Für eine moderne, freie Gesellschaft

könnte dieses Denken aber keine Bedeutung

mehr haben.

Eine entsprechende – in der Konsequenz

harte – Deutung von Berufung

und Beruf vertritt noch der

hannoversche Lutheraner und Abt

zu Loccum, Gerhard Uhlhorn, in

seinem Beitrag „Der irdische Beruf

des Christen“ von 1890. Uhlhorn

betont, dass es im Sinne Luthers

eine himmlische Berufung, insofern

einen himmlischen und einen irdischen

Beruf, gebe, die aber nicht

auseinanderfielen. Es sei falsch,

„dass man dem himmlischen Beruf

nur nachkommen könnte mit Verzicht

auf den irdischen, sondern

ineinander“ (Uhlhorn 1990, 138)

und deutlicher noch: „Damit, dass

man seinen irdischen Beruf erfüllt,

erfüllt man auch den himmlischen“

(ders., 138). In diesem Kontext wird

dann auch über einen materiellen

Erfolg als Kriterium einer Berufswahl

diskutiert. Es sei keine Sünde,

danach zu trachten, „durch die Berufserfüllung

vorwärts zu kommen,

wohlhabender zu werden oder sonst

sich emporzuarbeiten. Unchristlich

ist es aber, eben nur darum seinen

Beruf zu erfüllen, um dieses Ziel

zu erreichen“ (ders., 142). Entscheidend

ist:

„Wer aber in seinem irdischen Beruf für

den himmlischen lebt, der weiß, dass

er nie vergeblich arbeitet. Und ob er

12 13


auch sonst noch so geringe Erfolge

hätte, noch so wenige erreicht. Das

eine erreicht er, das höchste, unter der

Erziehung seines Gottes selbst etwas

zu werden, fürs Gottesreich“ (ders.,

142).

Für heutige Leser irritierend ist

dann allerdings die Schlussfolgerung,

die umfassend elaboriert wird:

Dass man einen einmal gewählten

Beruf um dieses Zeugnisses und

dieser Beziehung zum himmlischen

Beruf willen nicht mehr aufgeben

könne. Es gelte auch in einem verfehlten

Beruf:

„Mit Freudigkeit und Gottvertrauen

zu tun, was man kann, auch darin,

auch in dem Tragen alles der Schweren,

was ein verfehlter Beruf mit sich

bringt, sich als Christ zu erweisen, in

der Zuversicht: Denen die Gott lieben,

müssen alle Dinge zum Besten dienen“

(ders., 139).

Wenn auch nicht mehr direkt begrifflich,

so kommt doch der Geist

des Standesdenkens hier noch deutlich

zum Tragen.

Es ist nun interessant, dass Werner

Elert, gewiss kein progressiver Denker,

Uhlhorn in seiner Interpretation

Luthers widersprechen würde. So

sei der Begriff des Berufes ganz und

gar keine Dublette des Standes. Er

sei es deswegen nicht, weil Luther

das Konzept der individuellen Berufung

auch in den Beruf selbst hinein

denken würde: Die Zugehörigkeit

zu einem Beruf im Sinne eines

Standes bürge für sich noch lange

nicht dafür, dass die tägliche Arbeit

auch wirklich Gottesdienst sei. Entscheidend

sei nach Luther, dass das

Motiv zu arbeiten von der Berufung

und damit von Gottes Willen her geprägt

sei. „Der Christ soll nichts tun

ohne göttlichen Auftrag. Dieser Auftrag

wird durch den Beruf erteilt. Es

ist ein Geschenk Gottes, dass er uns

den Nächsten sendet, den Nachbarn

zugesellt, der Obrigkeit und der Familie

einordnet“ (Elert 1958, 67).

Dieser Gedanke erzeuge eine gewisse

Distanz zwischen der Berufung

und dem Beruf und ließe den Menschen

folglich immer wieder fragen,

ob er in seinem Beruf auch wirklich

seine Berufung ausüben könnte.

Genau dies richte nicht nur keine

Schranken im Sinne von Ständen

zwischen den Menschen auf, sondern

lege sie geradezu nieder (vgl.

ders., 67). Die Suche nach der Arbeit,

die meiner Berufung entspricht,

und der richtigen Art und Weise

ihrer Erfüllung subjektiviert und

individualisiert die Arbeitswelten

und zersetzt letztlich jedes Standesdenken.

Zugleich behaftet sie einen

jeden beim Nächsten: „Die Liebe

erfindet und gestaltet menschliches

Handeln innerhalb des Rahmens,

den die Beziehung zum Nächsten

erst schafft, immer wieder neu“

(Wingren, 665).

Hinzu kommt, dass jeder echte Beruf,

weil er aus „göttlicher Berufung“

abgeleitet wird, den Einsatz

der ganzen Person erfordert. „Einen

ethischen Wert der Arbeitsleistung

an und für sich, ohne Rücksicht auf

die Frage, wie viel der Mensch von

seinem Selbst dabei einsetzt, gibt es

hier nicht“ (Elert 1958, 68). Luther

kritisiere in dieser Hinsicht an vielen

Punkten den Grundsatz einer Gesellschaftsordnung

nach Geburtsständen

und durchbreche ihn. Er tut dies

insbesondere mit seiner Forderung

nach Bildungsmöglichkeiten für alle,

gerade auch für Mädchen und Frauen.

Und er verlangt die Bereitstellung

von staatlichen Stipendien für

Kinder armer Eltern. Dies aber hätte

nur Sinn, wenn eine entsprechende

Ausbildung dann später auch in andere

Stände als den der Eltern führen

könne. Insofern nagle Luther den

einzelnen Menschen auf die soziale

Schicht, der er durch seine Geburt

angehört, überhaupt nicht fest (ders.,

73). Später allerdings ändere sich das

und verdunkle das Anliegen Luthers:

„Der Bürger der Lutherzeit ist auch Untertan

– aber er hat in seinem Beruf

wie in seinen Hause Bezirke, in denen

er nach den eigentümlichen Lebensregeln

seines Standes und seiner Familie

frei schalten und walten kann. Der

Bürger der Aufklärungszeit aber ist

nur Untertan“ (ders., 69).

Erst die Reformzeit Anfang des 19.

Jahrhunderts habe dann die selbstständige

Würde des Bürgers, wenn

auch noch begrenzt, wieder hergestellt.

Ebensolches gelte für das

Handwerk, in dem sich ohnehin

ganz viel von Luthers Berufserfassung

bis heute durchgetragen hätte

(vgl. ders., 77).

14 15


Selbstanspruch und

Vergesellschaftung

Nun wird man diesem Versuch, Luthers

Innovation von späteren Verschüttungen

freizuschaufeln, sicherlich

auch kritisch diskutieren

müssen. Die Frage, wie frei von ihrer

Standesgebundenheit Luther die

Menschen wirklich dachte, bleibt im

Raum. Aber der grundsätzliche Ansatz

Luthers, die individuelle Arbeit

als Beruf gesellschaftlich vor dem

Hintergrund der Berufung des eigenen

Selbst durch Gott zu fokussieren,

hat in der Folgezeit eine überhaupt

nicht zu leugnende gewaltige Durchschlagskraft

entwickelt. Letztendlich

ist der Keim dieser Aussagen im späten

19. und 20. Jahrhundert dann

auch aufgegangen und hat zu Formen

des Berufs geführt, in denen der

Anspruch auf die Verwirklichung

des eigenen Selbst immer größere

Bedeutung gewann (vgl. z.B. Kraus

2007, 143ff.). Aber diese Bewegung

beginnt schon viel früher; sie zieht

sich im Grunde seit der Reformation

durch, wenn sie auch immer wieder

durch Herrschaftsanforderungen unterdrückt

worden ist. Wenn ich mich

selbst mit meinen Gaben und Fähigkeiten

von Gott beschenkt begreifen

und damit als berufen verstehen

kann, entsteht ein geradezu explosiver

und exklusiver Selbstanspruch

auf meine Tätigkeit, der in der Lage

ist, gesellschaftliche Schranken zu

sprengen.

Gleichzeitig jedoch impliziert er

eine Spannung, die in Luthers Verständnis

bereits ausgearbeitet ist:

Zwischen diesem Eigenanspruch

meines Selbst und meiner Angewiesenheit

auf die anderen, unter

denen und für die ich meine Berufung

ausüben soll. Diese Spannung

wird vor allem dann brisant, wenn

näher nach dem Vorgang der Berufung

gefragt wird. Gott selbst ruft

ja auch in der biblischen Überlieferung

nur wenige Menschen direkt in

seinen Dienst. In der Regel sind es

andere Menschen, die faktisch die

Berufung von Menschen nicht nur

beeinflussen, sondern auch aussprechen.

„Der Mund Gottes, der die Berufung

ausspricht, sind meistens die

Eltern und Erzieher“ (Elert 1958, 74).

Sie sind nach Luther dazu gehalten,

Rücksicht auf Anlage und Neigung

der Menschen zu nehmen, aber auch

die jeweils nachwachsende Generation

in die Berufungen einzuführen.

Weil das so ist, ist der Beruf auch

keine Privatangelegenheit eines einzelnen

Menschen. „Der gegenseitige

Dienst, den sich zwei von gleicher

Bereitschaft erfüllte Einzelne leisten,

ist stets auch Dienst am Ganzen,

gleichviel, ob sie es wissen und

wollen oder nicht“ (ders., 75). Und

ausgehend von diesem Gedanken erfolgt

dann noch einmal sehr deutlich

die Forderung nach einer sozialen

Unterordnung. In einer modernisierten

Fassung würde man von der

kooperativen Ausübung des Berufs

und einer ebensolchen Verwirklichung

seiner eigenen Anlagen reden.

Schon bald entwickelt sich als faktische

Säkularisierung dieses ganzen

Prozesses die moderne Berufsbildungspädagogik.

Es kommt zu einer

nachhaltigen pädagogischen Bestimmung

des Berufs am Übergang vom

19. zum 20. Jahrhundert, „die auch

den durch den Rückgang der religiösen

Bedeutung frei werdenden Bedeutungsüberschuss

dieses Begriffs

nutzen konnte“ (Kraus 2007, 149).

Einen Abschluss findet dieser Prozess

mit dem Berufsbildungsgesetz

von 1969.

Die Gedanken Luthers über Beruf

und Berufung waren in ihrer Durchschlagskraft

innovativ, aber die Aufwertung

der Arbeit als solcher ist

auch vor Luther ein genereller Zug

im christlichen Glauben gewesen.

Schon Paulus war stolz darauf, seinen

Lebensunterhalt mit eigener

Hände Arbeit zu verdienen und Müßiggang

wurde breit abgelehnt. Tendenziell

wurden im Christentum, so

bilanziert Michael Kittner, alle Menschen

zum „ökonomischen Subjekt“

gemacht(vgl. Kittner 2005, 37). Das

impliziere ein Empowerment des

Einzelnen:

„Die unmittelbare Konsequenz des

christlichen Gedankenguts für den besonderen

Fall der abhängigen Arbeit

liegt auf der Hand: Wenn das Arbeitsvermögen

Ausdruck der vor Gott gleichen

Persönlichkeit jedes einzelnen

Menschen ist, dann unterliegt es der

von ihm selbst zu verantwortenden

Entscheidung dieses einzelne, wie er

dieses sein Arbeitsvermögen einsetzt.

Daraus folgt mit Zwangsläufigkeit,

dass die Entscheidung darüber, ob jemand

in Diensten eines anderen tätig

wird, von ihm selbst zu treffen ist.“

(ders., 38)

Es ist dann diese Dynamik, die sich

in der Entwicklung der modernen

Wirtschaftsordnung mit all ihren

Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen

und der modernen Gesellschaft

in einer Art von Berufsutopie

umsetzt, die kein geringerer als

16 17


Georg Simmel in seiner Soziologie

auf den Punkt gebracht hat. Er analysiert

Gesellschaft prozessual als

einen Vergesellschaftungsprozess, in

dem die Menschen, wie er es sagt,

mit den ihr innerpersönliches Leben

bestimmten Besonderheiten für

das Leben als Ganzes zum Tragen

kommen müssen. Erst dann funktioniere

Gesellschaft wirklich. Schon

hier klingt das, was mit Berufung

gemeint ist, durch. Aber dann heißt

es noch klarer:

„Eine bewusste Zuspitzung gewinnt

dieses Verhalten mit der Kategorie des

Berufes. Das Altertum hat zwar diesen

Begriff im Sinne der persönlichen

Differenziertheit und der arbeitszeitlich

gegliederten Gesellschaft nicht

gekannt. Was ihm aber zugrunde liegt:

Dass das sozialwirksame Tun der einheitliche

Ausdruck der inneren Qualifikation

ist, dass sich das Ganze und

bleibende der Subjektivität vermöge

ihrer Funktion in der Gesellschaft

praktisch objektiviert – das bestand

auch im Altertum“ (Simmel 1992, 60).

In dieser Vorstellung drückt sich

mithin aus, „dass die Individualität

des Einzelnen in der Struktur der

Allgemeinheit eine Stelle findet, ja,

dass diese Struktur gewissermaßen

von vornherein, trotz der Unberechenbarkeit

der Individualität, auf

diese und ihre Leistung angelegt ist“

(Simmel 1992, 61).

Entgegen den Erfahrungen der totalen

Anonymität beruhe der Beruf

auf dem Grund eines inneren Rufes:

„Einer als ganz persönlich empfundenen

Qualifikation. Damit es überhaupt

einen Beruf gebe, muss jene, wie auch

immer entstandene Harmonie zwischen

dem Bau- und Lebensprozess

der Gesellschaft auf der einen Seite,

den individuellen Beschaffenheit und

Impulsen auf der anderen vorhanden

sein. Auf ihr, als allgemeine Voraussetzung,

ruht schließlich die Vorstellung,

dass für jede Persönlichkeit eine Position

und Leistung innerhalb der Gesellschaft

bestehe, zu der sie ‚berufen‘ ist

und der Imperativ, solange zu suchen,

bis man sie findet.“ (Simmel 1992, 60)

Es ist die Subjektivität, die sich

selbst vergesellschaften will, die

sich im Beruf findet und die in einer

qualifizierten Berufsvorstellung bis

heute präsent ist. Eine gerechte Gesellschaft

ist dementsprechend eine,

in der Menschen einem Beruf, d.h.

ihrer Berufung oder Bestimmung

nachgehen können.

Der Beruf als kritische

Kategorie

Und auch wenn das Konzept des Berufs

im Zuge der Herausbildung der

modernen Gesellschaft immer weiter

seines explizit religiösen Charakters

entkleidet worden ist, so wird

es doch in dieser Hinsicht selbst im

20. Jahrhundert immer wieder auch

re-aktualisiert. So betont z B. der

Erzbischof von Canterbury William

Temple in dem für die Diskussion

in Großbritannien herausragenden

Text „Christianity and Social Order“

(Temple 1942), ganz wie Uhlhorn,

dass es möglich ist, auch schlechte

Arbeit anzunehmen, wenn dies in

einer Berufung vorgesehen ist oder –

anders gesagt – als Pflicht erscheint.

Aber weiter heißt es:

„Of course, this does not justify an order

of society which offers to many

men only such forms of livelihood as

require a miracle of grace to appear

as forms of true vocation. But we must

recognize that the source of my vocation

is in God and not in me. It is His

call to me. And when it is said that we

need to create or restore a sense of vocation

in relation to all the activities

of men, it does not mean chiefly that

every individual should be able to find

there his self-expression or self-fulfilment

otherwise than by self-sacrifice.

But it does mean, first that he should

do his work, interesting or dreary, ‘as

unto the Lord‘, and secondly that the

alternatives presented be such as shall

not make this insuperably difficult

apart from a true miracle of grace”

(Temple 1942, 75).

Die Berufung realisiert sich in „Freedom,

Fellowship and Service”, was

schließlich heißt: „The aim of a

christian social order is the fullest

possible development of individual

personality in the widest and deepest

possible fellowship” (ders., 97).

Mit diesen Maximen im Hinterkopf

wird dann im 19. und 20. Jahrhundert

von vielen christlichen Sozialethikern

Kritik an Arbeitsformen

geübt, in denen so etwas wie ein

qualifizierter Beruf bzw. eine wirkliche

Berufung gar nicht mehr erfahren

werden kann. William Temple

forderte in dieseRichtung: „Every citizen

should have a voice in the conduct

of a business or industry which

18 19


is carried on by means of his labour,

and the satisfaction of knowing that

his labour is directed to the well -

being of the community” (ders., 97).

Der Weg zu einer grundsätzlichen

Kritik des Kapitalismus ist dann

nicht mehr weit:

„To many it appears evident that we

have allowed the making of profits […]

to get into the first place which properly

belongs to the supply of human

needs […]. We have inverted the ‘natural

order’. Instead of finance existing

to faciliate production and production

existing to supply needs, the supply of

needs is made the means to profitable

production; and production itself is

controlled as much as it is faciliated

by finance” (ders., 96).

Entsprechende Äußerungen finden

sich auch in sozialethischen Texten

am Ende des 20. Jahrhunderts. Arbeitslosigkeit

und Armut werden in

der Logik dieser Argumentation als

Verschwendung von Gottes Gaben

begriffen. So z.B. in einer herausragenden

Stellungnahme der Anglican

Church von 1997 zur Frage der Arbeitslosigkeit

(“Unemployment and

the future of work”): „Society as a

whole suffers if the gifts of God are

wasted, because they are meant to

compliment one another. No one

can achieve their full potential unless

we all do so together […]. No

one should be left out of the common

task. No one should be told

that their contribution is not wanted”

(Anglican Church 1997, 71f.)

Und: „The whole idea of a vocation

or calling will seem quite unrealistic

to many people who are now unemployed.

That is another reason why

unemployment is so abhorrent to

the christian understanding of work

and society” (dies., 162). An einer

anderen Stelle wird gute Arbeit für

alle gefordert. „A better way of putting

it would be to say that we all

have a calling to serve one another

and no one should be denied the opportunity

to carry it out” (dies., 81).

Berufung ist in dieser Sichtweise

ein nicht nur auf den inneren Menschen

bezogenes, spirituelles Geschehen,

sondern kann ausdrücklich

äußerlich erfahren werden: Am

Verfügen über einen Arbeitsplatz

überhaupt – aber dann auch daran,

ob sich dort gute Arbeit gestalten

lässt. Wer über diese Möglichkeiten

nicht verfügt und dementsprechend

daran gehindert ist, eigene Fähigkeiten

einbringen zu können, der oder

die ist in einem zugleich religiösen

wie sozialen Sinne arm.

Capabilities

Diese Überlegungen finden sich

inhaltlich fast bruchlos wieder in

höchst modernen Diskussionen über

Befähigungs- und Teilhabegerechtigkeit,

wie sie z.B. in Denkschriften

der EKD und vor allen Dingen in

den Texten Amartia Sens und Martha

C. Nussbaums prominent erörtert

werden. In den beiden letzten

Fällen ist die religiöse Begründung

längst abgestreift oder vergessen,

aber der Kern dessen, was mit der

Reformation in die Welt gekommen

ist, bleibt deutlich als implizierte

Basis erhalten. All diese Konzepte

gehen davon aus, dass Menschen

über inhärente grundlegende Fähigkeiten

verfügen, die durch andere

im Ausbildungs- und Bildungsprozess

und später in der gesellschaftlichen

Teilhabe sozusagen nach

außen befördert werden müssen, damit

Menschen zur Verwirklichung

ihrer Fähigkeiten in der gesellschaftlichen

Kooperation in der Lage sind.

Genau dies mache ihre Würde aus.

„The notion of dignity is closely related

to the idea of active striving. It is

thus a close relative of the notion of

basic capability, something inherent

in the person that exerts a claim that

it should be developed” (Nussbaum

2011, 31). Die menschliche Würde

erfordere, dass alle Menschen zwar

in der Hinsicht gleich behandelt

werden sollen, dass ihre Fähigkeiten

eine Chance auf Entwicklung

bekommen - zugleich aber aus demselben

Grund auch unterschiedliche

Behandlung erfahren, weil die Fähigkeiten

eben verschieden sind:

„If people are considered as citizens,

the claims of all citizens are equal.

Equality holds a primitive place in the

theory at this point, although its role

will be confirmed by its fit with the rest

of the theory. From the assumption of

equal dignity, it does not follow that

all the centrally important capabilities

are to be equalized. Treating people as

equals may not entail equalizing the

living conditions of all” (dies., 31).

Der Befähigungsansatz impliziert

folglich – wie der Berufungsansatz –

nicht, dass alle Menschen materiell

gleich wären, sondern im Gegenteil,

dass sie gerade ungleich sind und

die Entwicklung ihrer Fähigkeiten

so vorangetrieben werden muss,

dass sie sie sich im gesellschaftlichen

Prozess kooperativ ergänzen.

20 21


Kommodifizierung der Arbeit

Nur allzu deutlich ist, dass sich

die ursprünglichen Impulse Luthers

nach 1517 kaum eins zu eins

in seinem Sinne umgesetzt haben

und dies vielleicht sogar noch weniger

in den späteren Entwicklungen

im 17. und 18. Jahrhundert, in

der Zeit höchst autoritärer Machtstaaten,

der Fall gewesen ist. Die

große Krise des Berufungs- bzw. Berufsgedankens

setzte jedoch noch

nicht zu dieser Zeit, sondern mit

dem Beginn des 19. Jahrhunderts,

dem Aufkommen der Industrialisierung

und der modernen kapitalistischen

Wirtschaftsstruktur, ein.

Hier tritt das ein, was Luther schon

in gewisser Hinsicht vorausgesehen

und kritisiert hatte, nämlich

die Unterordnung der in sich selbst

begründeten Berufungswirklichkeit

unter ihr äußere Erfolgs- und Profitabilitätskriterien.

Die Arbeit wurde

aus ihren eigenen Bezügen (so

auch aus Ständen und Gilden) herausgelöst

und in einer brutalen

Weise den sich entwickelten Märkten

ausgesetzt. Auch Christenmenschen

haben diesen Prozess, in der

Hoffnung, er würde zur Überwindung

der Armut führen, unterstützt.

Prominent ist der Text „Über die

Armengesetze“ (1786) von Joseph

Townsend, in dem für eine radikale

Vermarktlichung der Arbeitskraft

plädiert wird: „Hoffnung und Furcht

sind die Triebfedern des Fleißes.

Sie zu spannen, ist Aufgabe eines

guten Politikers. Aber unsere Gesetze

mindern die eine und zerstören

die andere“ (Townsend 2011, 14).

Diesen Prozess hat Karl Polanyi in

seinem Buch „The Great Transformation“

(Polanyi 1978) sehr anschaulich

für England beschrieben;

entsprechende Analysen finden sich

lange vorher ebenso bei Karl Marx.

Klassisch sind die Formulierungen

im Kommunistischen Manifest:

„In demselben Maße, worin sich die

Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt,

entwickelt sich das Proletariat,

die Klasse der modernen Arbeiter,

die nur so lange leben, als sie Arbeit

finden, als ihre Arbeit das Kapital

vermehrt. Diese Arbeiter, die sich

stückweise verkaufen müssen, sind

eine Ware wie jeder andere Handwerksartikel

und daher gleichmäßig

allen Wechselfällen der Konkurrenz,

allen Schwankungen des Marktes

ausgesetzt. Die Arbeit der Proletarier

hat durch die Ausdehnung der Maschinerie

und die Teilung der Arbeit

allen selbständigen Charakter und

damit allen Reiz für die Arbeiter

verloren. Er wird ein bloßes Zubehör

der Maschine, von dem nur der

einfachste und eintönigste am leichtesten

erlernte Handgriff erlernt

wird“ (zitiert bei Jones 2012, 261).

Die Utopie reklamiert jedoch die alten

Ideale: „An die Stelle der alten

bürgerlichen Gesellschaft mit ihren

Klassen und Klassengegensätzen

tritt eine Assoziation, worin die

freie Entwicklung eines jeden die

Bedingung für die freie Entwicklung

aller ist,“ (ders., 277). Das, was religiös

im Beruf realisiert werden soll,

die freie Entfaltung des Selbst im

Interesse anderer, wird nun säkular

zum Ziel einer kommunistischen

Gesellschaft. Es ginge um die „Verschränkung

der produktiven Tätigkeit

aller zu einem produzierenden

und sich selbst genießenden Gemeinwesen“

(Joas 1996, 138). „Jeder

von uns hätte in seiner Produktion

sich selbst und den anderen doppelt

bejaht“ (Marx 1968, 462).

Der Charakter der Arbeit hatte sich

in einer Weise gewandelt, dass die

Vorstellung von Berufung und Beruf

nicht mehr plausibel waren:

„Die Arbeit von anderen Aktivitäten

des Lebens zu trennen und sie dem

Gesetz des Marktes zu unterwerfen,

bedeutet alle organisatorischen Formen

des Seins auszulöschen und sie

durch eine andere Organisationsform

zu ersetzen, eine atomistische und individualistische

Form.“ (Polanyi 1978,

224)

Alle bisherigen Formen gemeinschaftlicher

Sicherung und damit

auch der Wertschätzung der Arbeit

werden durch die sich ausbreitenden

Märkte mit ihren anonymen

Zwängen zerstört.

„Die Herstellung von Gütern bedeutete

hier weder die Bestrebungen zur

gegenseitigen Hilfe noch die Sorge

des Haushaltsvorstandes für jene, deren

Bedürfnisse er zu befriedigen hat,

22 23


noch den Stolz des Handwerkers auf

sein Gewerbe noch die Zufriedenheit

über öffentliches Lob, sondern nichts

anderes als das einfache Gewinnstreben,

mit der der Mann, dessen Beruf

Kaufen und Verkaufen ist, so untrennbar

verbunden ist“ (ders., 110).

Die menschliche Gesellschaft, so Polanyis

Folgerung, war zu einem Beiwerk

des Wirtschaftssystems herabgesunken

(ders., 111).

In den Debatten konservativer

Christen ist deutlich die Abscheu

vor diesem Verlust der Beruflichkeit,

der Individualität und in dieser

Hinsicht der Vermassung festzustellen.

Sie erkennen, dass hier

von ursprünglichen Ideen und Ordnungsstrukturen

abgewichen wird,

sind aber weitgehend nicht in der

Lage, die strukturellen Ursachen

wirklich zu erfassen oder gar durch

Reformen aus der Welt schaffen zu

können.

In der Folge setzt eine bis heute anhaltende

Auseinandersetzung über

die Rückgewinnung der Arbeitstätigkeit

als in sich selbst sinnvolle

Berufsverfassung ein. Polanyi

berichtet, dass sich zumindest in

England die Industriearbeiterklasse

noch lange fragte, ob die Rettung

nicht in der Rückkehr zur ländlichen

Lebensform und zum Handwerk

läge (ders., 229). Aber diese

Wünsche blieben angesichts der

ökonomischen Überlegenheit der

neuen Wirtschaftsformen illusionär.

Die alten Standesbande mussten

gesprengt werden – es brauchte die

Befreiung von vorkapitalistischen

Zwängen, um Akkumulation zu ermöglichen

und so die Produktivität

zu revolutionieren.

„Nur in einem generalisieren System

der Warenproduktion und des

Warentauschs, das den Verkauf und

die Fähigkeit zu arbeiten selbst (‚Arbeitskraft‘)

mit einschloss, war es

möglich, dass sich das ‚Ökonomische‘

von den anderen Lebenssphären

separierte“ (Jones 2012, 224).

Und erst dies setzt die Revolution

der Bedürfnisse in Gang. Erst die

Herrschaft des Tauschwerts sprengt

alle Grenzen, die der Gebrauchswert

„natürlich“ etabliert.

Insofern konnte das, was sich mit

dem Berufsideal verband, langfristig

nur innerhalb der neuen Dynamik –

kaum gegen sie – reklamiert werden.

Die Kämpfe hierum waren lang und

komplex. In sie gingen vielfältige

Interessen ein. Zentral sind auf der

einen Seite die Kapitalinteressen,

die Berufsauffassungen instrumentalisieren

und revolutionieren, und

auf der anderen Seite die unmittelbaren

Interessen der Arbeitenden,

die auf Aspekte der Beruflichkeit

im eigenen Interesse zurückgreifen,

um ihre Autonomie und die

Aufrechterhaltung des Arbeitsvermögens

verteidigen zu können. Polanyi

zeigt eindrucksvoll, wie diese

Auseinandersetzung zur Konstituierung

der Arbeiterbewegung im 19.

Jahrhundert führte und welch große

Rolle in dieser Hinsicht gerade religiöse

Begründungstraditionen für

den Wert der Arbeit hatten. Was der

Berufsvorstellung noch inhärent

war, nämlich den Wert des einzelnen

Menschen herauszustellen und

ihn letztlich zum Kriterium der Arbeit

zu machen, verschwindet angesichts

von Industrialisierung und

Kapitalisierung für die Masse der

Menschen immer deutlicher.

24 25


Die Krise des Berufs und

seine Neuentdeckung

Seinen Höhepunkt findet diese Entwicklung

im 20. Jahrhundert in der

Herausbildung rein maschinengetriebener

Arbeitstätigkeiten wie im

Taylorismus und Fordismus. Hier

werden die Arbeitenden – wissenschaftlich

unterstützt – endgültig

zu Anhängseln der Maschinen gemacht

und ihre Tätigkeit erscheint,

von außen gesehen, als in sich

selbst sinnlos, weil sie auf rein

technische Handgriffe reduziert ist.

„Seine eigene mechanisierte Arbeit

kann kein Fabrikarbeiter mehr als

seinen ‚Beruf‘ auslegen“ (Wingren,

667). Entsprechend setzten Widerstandsbewegungen

ein, die in

Deutschland in den 70er und 80er

Jahren mit Prozessen der Humanisierung

der Arbeit einhergingen

und so auch zu einer Wiederentdeckung

der Beruflichkeit führten.

„Die protestantische Arbeitsmoral

kann im Licht des christlichen

Glaubens nur solche Berufsarbeit

interpretieren, die noch ein elementares

Maß an persönlichen Beziehungen

und individueller Entscheidungsfreiheit

enthält“ (ders.,

667). Dies setzte der Fähigkeit der

Kirchen Grenzen, Fabrikarbeiter

überhaupt zu verstehen, geschweige

denn ihnen auf irgendeine Weise

zu „helfen“.

Kritisch muss man aus protestantischer

Sicht aber auch sagen, dass

in den Formen der tayloristischfordistischen

Verstümmelung des

Menschen auch ein Teil der Wirkungsgeschichte

protestantischer

Arbeitsaskese zu finden ist. Die

religiös begründeten Impulse eines

asketischen Sich-Auslieferns

an den Gegenstand der Arbeit, der

Verzicht auf jede Form von Ablenkung

und der extremen Konzentration

von Aufmerksamkeit – einst

übernommen aus klösterlichen

Meditationstechniken und Verhaltensweisen

– schlagen sich säkular

in der Auslieferung des Menschen

an die Maschine nieder. Gab es hier

ursprünglich noch einen rahmenden

religiösen Sinn, so kann er nun

nur noch von einer anderen äußeren

Instanz – durch die Steigerung

des Konsums – kommen. Die Arbeit

selbst wird sinnlos und soll es auch

sein. Auch die mit dem Taylorismus

einhergehenden Menschenbilder,

die den Menschen im Wesentlichen

als faul und lediglich extrinsisch

zu motivieren darstellen, haben in

protestantischen Diskursen viele

Anhaltspunkte gehabt. An der epochalen

Erziehung der Menschen zur

modernen Arbeit hat der Protestantismus

jedenfalls im Guten wie im

Bösen gehörigen Anteil.

In die Krise ist diese Produktionsweise

nicht aus Erwägungen der

Humanität geraten, sondern als

sie ihre Produktivitätsgrenzen erreichte.

Sie hingen eng mit dem

Übergang von einer Massenproduktion

zu anspruchsvolleren Individual-

und Kleinserienproduktionen

zusammen. Qualität in diesen Bereichen

ließ sich unter den neuen

Anforderungen nicht mehr durch

Ausschaltung der Subjektivität bzw.

der individuellen Intelligenz der

Arbeitenden erreichen, sondern nur

noch durch ihre bessere Nutzung.

Ende der 80er-/Anfang der 90er-

Jahre führte dies zu geradezu revolutionären

Umstellungen in der Arbeitswelt

(z.B. der Einführung von

autonomer und teilautonomer Gruppenarbeit

in der Automobilindustrie

(vgl. Senghaas-Knobloch 1996)) in

denen der Selbstorganisationskraft

der Arbeitenden sehr viel mehr zugetraut

wurde als bisher und sich

insofern der humane Faktor besser

durchsetzen konnte. Auf diese Weise

wurden beträchtliche Produktivitätssteigerungen

erzielt. All dies

liefert Beispiele dafür, „wie sehr Autonomie

in die Heteronomie hineingetrieben

werden kann“ (Dahrendorf

1983, 35).

Einen weiteren Schub erhielten

diese Entwicklungen, als sich seit

den 90er Jahren immer mehr Formen

von Projektarbeit, verbunden

mit flexibleren Arbeitszeiten (z.B.

Vertrauensarbeitszeit), Arbeit nach

Zielvereinbarungen usw. durchsetzten.

Sie prägen heute in vielen

Bereichen die Arbeitswelt, insbesondere

bei Höherqualifizierten. Die

vielzitierte „Organisatorische Revolution“

in der Arbeitswelt euphorisiert

diese Zusammenhänge, die

sich als Freisetzung individueller

Intelligenz und vor allem intrinsischer

Motivation beschreiben lassen.

Die Reduktion der die Arbeitsvermögen

einengenden Fokussierungen

auf klar abgrenzbare und entsprechend

überwachbare Teiltätigkeiten

hin zur Schaffung umfassenderer

Arbeitsmöglichkeiten und (Selbst)

Verwirklichungsformen der Arbeitenden

waren zumindest eine zeitlang

mit Händen zu greifen und für

viele Beobachter überraschend. So

konnte es sogar heißen: „In den Betrieben

vollzieht sich ein […] aufre-

26 27


gender Prozess: Die Freisetzung der

Intelligenz der Mitarbeiter […]. Wir

erleben den Aufstand der Person

gegen Fremdbestimmtheit. Dies ist

die Parallele zur Renaissance, die

schließlich in die Reformation mündete.

Mit der gegenwärtigen zweiten

Renaissance scheint ein Reformationsklima

verbunden“ (Schmidtchen

1996, 31, 33). Eine Wiedergeburt

dessen, was mit Beruflichkeit gemeint

war, deutete sich an.

Die Unternehmen reagierten hiermit

auch auf veränderte Wünsche

der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,

die nicht mehr bereit waren,

sich entmenschlichten und zerstückelten

Arbeitsbedingungen zu

fügen. So ist insgesamt festzustellen,

dass in den letzten dreissig Jahren

das klassische Phänomen der

Entfremdung in der Arbeitswelt,

das noch im Zusammenhang der

tayloristisch-fordistischen Arbeitsorganisation

in den 60er und 70er

Jahren breit diagnostiziert wurde,

in vielen Bereichen in den Hintergrund

getreten ist. Auch wurde es

zusehends mühseliger, weil konfliktreicher,

dauerhafte, kleinteilige

Kontrollen der konkreten Arbeitsleistung

auszuüben. Es legte sich

deswegen nahe, Arbeitnehmer viel

deutlicher als bisher unmittelbar

den Marktbedingungen, d.h. den

direkten Kundenwünschen, auszusetzen

und ihnen das entsprechende

Abarbeiten zu überlassen (mit allen

Folgen). Mit Konzepten der „flachen

Hierarchie“ (lean production, lean

management) wurde versucht, die

subjektive Identifikation der Arbeitenden

mit ihrer Arbeit zu erhöhen,

indem man ihnen ein höheres Maß

an Gestaltungsverantwortung übertrug.

Zeitweise führte dies dazu,

dass über die Abschaffung von Leitung

bzw. Chefs generell diskutiert

wurde. Mit dem Ende der 90er Jahre

und dem Beginn des 21. Jahrhunderts

kam diese Entwicklung allerdings

auch wiederrum an gewisse

Produktivitätsgrenzen und es ließen

sich Formen der Wiedereinführung

von tayloristischen Arbeitsverfahren

– mit allerdings größeren Anteilen

von Selbststeuerung – feststellen.

Aber es ist richtig, wenn Schmidtchen

1996 feststellt:

„Das preußisch-puritanische Modell

der Verhaltenskontrolle versagte in

dem Umfang, in dem Mitarbeiter auf

Kommunikation angewiesen waren,

wenn sie Arbeit richtig und fehlerfrei

ausführen sollten, wenn sie ihre Erfahrung

und Intelligenz selbständig bei

der Arbeit wirksam werden lassen und

nicht nur Befehle ausführen. Mehr

und mehr zeigte sich, dass Mitarbeiter,

die nur weisungsgebundene und repetitive

Tätigkeiten auszuführen hatten,

von ihrer Intelligenz keinen Gebrauch

machen konnten“ (Schmidtchen 1996,

38).

Und weiter: „Passivität und Misstrauen

sind Blockaden für den Informationsfluss

im Betrieb. Es zeigt

sich, dass geeignete Organisationsstrukturen,

die zu einem aktiven

Bewältigungsstil ermutigen, Selbstwertgefühl

und Anerkennung im Betrieb

steigern, kurz, Orientierungsstabilität

generieren“ (ders., 75). Und

es liegt auf der Hand, dass all dies

mit der Bestätigung von Beruflichkeit

als Hauptquelle intrinsischer

Arbeitsmotivation einhergeht. Wo

die Arbeitskraft der Beteiligten demgegenüber

als reine, auswechselbare

Ressource betrachtet wird, sind Maschinen

im Endeffekt billiger.

Die hier aufscheinende höchst ambivalente

Situation bestimmt die

heutigen Arbeitswelten. Den Arbeitenden

werden weitaus mehr Freiheiten

zugestanden und Räume der

Selbstorganisation überlassen, als

dies früher der Fall war. Die Stärkung

von „Bottom-up“- gegenüber

„Top-down“-Beziehungen, die Förderung

von Netzwerken mit der Ausbildung

von Heterarchien gegenüber

Hierarchien, die große Bedeutung,

die heute kommunikative Aushandlungsprozesse

gegenüber Anweisungen

haben – all dies stärkt die Erfahrung

von Freiheit und Autonomie

und ermöglicht positive, nicht entfremdete

Arbeitserfahrung.

Dennoch bleibt die Situation asymmetrisch.

Selbstständigkeit und

Autonomie der Arbeitenden sind

nun auch zu Ressourcen des Managements

geworden. Mit ihrer Nutzung

lassen sich Qualitätsgewinne

machen und Volatilitäten in den

Produktionsabläufen abfangen. Das,

was vorher widerständig zum Tragen

kam, ist nun vereinnahmt. „Du

kannst alles machen, was Du willst,

aber sei profitabel!“ lautet das Credo.

Die Einsicht in die eigene Abhängigkeit

wird nun zur Zustimmung umformatiert.

Das „Müssen“ soll sich

nun als ein „Wollen“ darstellen. Aus

mehr Freiheit erwächst mehr Druck.

Daran scheitern nicht wenige der

Arbeitenden.

28 29


Was nun auf den Plan tritt, ist die

Idee einer „neuen Beruflichkeit“

(Kraus 2007). Sie unterscheidet sich

in der Zuordnung von Identifikation

und Distanzierung und variiert

damit alte lutherische Unterscheidungen

– ohne sie freilich noch zu

kennen. Neue Beruflichkeit ist charakterisiert

u.a. durch eine geringe

Institutionalisierung, eher abstrakte

Qualifikationen, hohe Flexibilitäten,

Individualisierung und Selbstorganisationsfähigkeiten,

Dekontextualisierungstendenzen

beruflicher Lernprozesse

und geringe Begrenzungen

(vgl. Meyer 2002, 82). Wenn man

dies ins Religiöse übersetzen will:

Es steigert sich zugleich die Entweltlichung

des Menschen – er oder

sie abstrahiert sein oder ihr Selbst

immer deutlicher von den konkreten

Lebenswelten der Arbeit – und

die Verweltlichung: Der entschlossene

und höchst effiziente Zugriff auf

die konkrete Situation.

Mit mir selbst beschenkt

Aber damit ist es mit dem Schicksal

der Beziehung von Berufung und

Beruf in der Moderne nicht getan.

Wie sich schon in den fast prophetischen

Äußerungen von Georg Simmel

zeigt, kommt es in der Moderne

zur Herausbildung eines auf sich

selbst bezogenen Individualismus

als Reaktion auf das Wegbrechen

von klassischen Gemeinschaftsformen

und entsprechenden natürlichen

Vergesellschaftungen. Die

Menschen der Moderne sind gezwungen,

Authentizität und persönliche

Erfahrung in der Ausarbeitung

ihrer eigenen Biografie in

den Vordergrund zu stellen und beständig

ihre eigenen Normativitäten

zu entwickeln. Je länger diese Entwicklung

anhält, desto mehr wird

um die Anerkennung von vormals

abweichendem Verhalten als gesellschaftlich

tolerierbar gerungen.

Inklusion, konsequent gedacht, erfordert

die Anerkennung gerade des

möglicherweise irritierend anderen:

Auch er oder sie ist mit sich selbst

beschenkt.

„Die soziostrukturell bedingte Freisetzung

des Individuums konfrontiert

vor diesem Hintergrund die Menschen

nun aber im steigenden Maße mit der

Herausforderung sich Lebensführungsgewissheiten

anzueignen, die sie in einer

unübersichtlichen Welt manövrierfähig

halten sollen“ (Höhn 2013, 70).

Zugespitzt: Die Menschen der Moderne

sind darauf angewiesen, ihre

Identität selbst zu konstruieren und

beständig wieder neu zu erfinden.

Insofern wendet sich die gesellschaftliche

Komplexität, Risikohaftigkeit

und Vielfalt im Einzelnen

nach innen und führt zu einer immer

weitergehenden Entwicklung

der Innenwelten der Menschen, der

Entfaltung ihres Selbst, das in vielfältiger

Weise ansprüchlich nach

außen gekehrt wird. Die berufliche

Arbeitswelt reagiert auf diese Bestrebungen

und nutzt sie zugleich.

Auch die gesellschaftlichen Imperative

wie Selbstständigkeit, Mitgestaltung

und Kreativität, sowie

letztlich auch des eigenen unternehmerischen

Handelns treiben die

wirtschaftliche Entwicklung voran.

„Während Verhalten früher überwiegend

durch Außenimpulse (Vorbilder)

gesteuert wurde, so verstärkt sich heute

die Bedeutung der Selbstdisziplin.

Parallel hierzu muss sich ein verantwortlicher

Umgang mit den gewachsenen

Optionen und freier Spielräume

ergeben und zwar in Richtung einer

moralischen Selbststeuerung“ (Weibler

2008, 37).

In diesem Kontext stellt sich nun die

Frage nach inneren Orientierungsleistungen

im risikobehafteten Lebensumfeld

in einer ganz neuen und

entscheidenden Form (vgl. ders. 37).

Wenn man diese Situation auf die

klassischen Begrifflichkeiten umdeutet,

dann zeigt sich heute mehr

denn je, dass Menschen sich über

ihre eigene „Berufung“ klar werden

müssen – also darüber, wer sie wirklich

sind und was sie wirklich wollen.

Und es ist leicht vorauszusagen,

dass es in dieser Hinsicht Pathologien

des reinen Selbstbezuges geben

kann, die in einer qualifizierten Vorstellung

von Berufung als einer triangulären

Beziehung zwischen mir,

dem anderen und Gott aufgefangen

werden könnten. Dabei scheint es

so zu sein, dass sich der religiöse

Selbstbezug der Menschen sozusagen

in ein Selbstgespräch zurückgezogen

hat, aber auf diese Weise

ganz und gar nicht verschwunden

ist. Die Grundidee aber, dass ich mit

mir selbst begabt bin und den Auftrag

und auch das Recht habe, diese

Eigensinnigkeit auszuarbeiten und

in die gesellschaftliche Kooperation

einzubringen, bleibt nach wie

vor nicht nur wichtig, sondern ist

höchst attraktiv für die Arbeits- und

Gesellschaftsgestaltung.

30 31


Die beschriebene Spannung stellt

sich als eine Kluft zwischen der

Freisetzung eines Überschusses an

Selbstverwirklichungsmöglichkeiten

in der Arbeit und ihrer Reduktion

durch immer wieder neue organisatorische

Formatierungen dar.

So kommt es heute immer wieder zu

früher ungeahnten Formen arbeitsbezogener

beruflicher Begeisterung

– aber dann auch zu entsprechenden

frustrierenden Entzauberungsvorgängen

des eigenen Engagements. Das

Ineinanderwirken der individuellen

und organisatorischen Arbeitsvermögen

und Produktivkräfte führt

stets zugleich zu Formen von Identifikation

und Leistungssteigerung

wie auch zu neuen Formen von

Enttäuschung, Leiden und Belastung.

Arbeitsbezogene Pathologien

nehmen in der letzten Zeit auf breiter

Front zu: Dass es sich dabei nur

um Umstellungs- und Eingewöhnungsprobleme

handelt, wird immer

zweifelhafter. Damit steht in der

gesellschaftlichen Diskussion zurzeit

eine Diskussion über die Kehrseite

der zunehmenden Freiheit in

der Arbeitswelt – nämlich über neue

Formen von Selbstausbeutung, Arbeitssuchtverhalten,

Burnout-Phänomene

und die Zunahme von psychischen

Erkrankungen – an.

Die Zukunft des Berufs

Menschen treten heute den Unternehmen

selbstbewusster als früher

gegenüber und das ist gut so. Sie

suchen persönliche Gewinne im Zuwachs

an Selbstbestätigung, Kompetenz,

guten Beziehungen und Spaß

an der Sache (vgl. Schmidtchen

1996, 43).

„Ein dynamisches Verhältnis von Person

und Betrieb wird angestrebt. Die

selbständig denkende und evaluierende

Person greift lenkend und verbessernd

in das Betriebsgeschehen ein. So

kann der Mitarbeiter seinem Selbstbild

Genüge tun, seine Persönlichkeit kann

im Betriebsgeschehen wachsen, Anerkennung

finden und auch für andere

lebensweltliche Zusammenhänge Stabilität

gewinnen“ (ders., 46).

Dies wäre die Rückkehr des Berufs.

Allerdings impliziert diese Entwicklung

auch beträchtliche Gefahren,

da in ihr die heilsame Distanz zum

eigenen Tun, die im ursprünglichen

religiösen Konzept konstitutiv war,

verloren gehen kann. Arbeit kann

dann – so absurd das klingen mag –

zum Selbstgenuss werden und Formen

der Sucht annehmen. Dann

braucht es Entziehungskuren. Zu

viel Sinnstiftung sollten wir von der

Arbeit nicht erwarten.

Deswegen: Nicht „Sei, der Du bist!“

wäre die Aufforderung, sondern:

„Werde, der Du sein sollst!“. Beruf in

diesem Sinne speist sich aus dem

Bezug zu meinem Selbst aus Gott,

das fremd und eigen zugleich ist. Es

ist nicht nur die stete Frage an mich

selbst, die mich umtreibt (vgl. Gerhardt

1999, 30), sondern die Infragestellung

meiner selbst, die eine

selbstbewusste, tätige Individualität

als bewusst akzeptierte Abhängigkeit

frei setzt. „Es ist aber eben diese

Fähigkeit zur Selbstbegrenzung,

die Möglichkeit, sich in bewusster

Erkenntnis seiner eigenen Grenzen

selbst zu etwas zu bestimmen, die

zu der durch nichts einzuschränkenden

Würde des Menschen führt“

(ders., 138).

Nichts anderes ist aber auch der

Ausgangspunkt der lutherischen Erwägungen

gewesen. Falk Wagner beschließt

seine große Studie zur Berufung

wie folgt:

„Unter den gegenwärtigen Bedingungen

einer fortgeschrittenen Industriegesellschaft

ist es zwar nur

in wenigen Fällen möglich, die auf

Erwerbstätigkeit ausgerichtete Berufsausübung

auf eine besondere

Berufung zurückzuführen. Jedoch

ist es nicht aussichtslos, die Berufstätigkeit

in den Rahmen der durch

die Berufung initiierten Freiheitsverwirklichung

zu stellen. Die Berufstätigkeit

wird sich dann in solchen

sozioökonomischen Strukturen realisieren,

in denen der arbeitende

Mensch die Möglichkeit erhält, von

seiner anerkannten Freiheit Gebrauch

zu machen“ (Wagner, 713).

Stand hinter der Berufungsvorstellung

einst die beruhigende – aber

auch zutiefst einengende – Vorstellung

eines Schöpfungskosmos, in

dem für jedes Wesen ein Platz vorgesehen

ist, sodass „Selbsterkenntnis

in der Einsicht in diese Bestimmung

und der Einnahme dieses Platzes

bestünde“ (Joas 1996, 121), so wird

sie heute geradezu umgekehrt zum

Imperativ, alle Verhältnisse umgestoßen,

in denen der Mensch in der

Entfaltung seiner kommunikativen

Fähigkeiten gehindert ist.

32 33


Literatur:

Anglican Church: Unemployment and the future of Work. London 1997

Akerlof, George A.: Labor Contracts as Partial Gift Exchange. In: The Quarterly Journal of Economics

Vol. XCVII Nov. 1982 No. 4, S. 543-568

Dahrendorf. Ralf: Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht. In: Joachim Matthes (Hg.):

Krise der Arbeitsgesellschaft. Verhandlungen des 21. Deutschen Soziologentages in Bamberg

1982. Frankfurt / New York 1983, S. 25-37

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Hier Band 2: Soziallehren und Sozialwirkungen des Luthertums.

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