Die elsassische Bourgeoisie

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Die elsassische Bourgeoisie

Vorwort zur zvciten :\ ii flage

Der zweiten Auflage einer Abhandlung, die sich in abstraktem

Gedankengange bewegt, erlaube man ein persönliches

Wort voranzuschicken.

Seit Werner Wittich vor etlichen zehn Jahren über die

deutsche und die französische Kultur im Elsass geschrieben

und sich sein Buch als ein lebendiges Buch erwiesen hat, will

des Werbens um die elsässische Seele und des Streites in

Wort und Schrift kein Ende werden. Das Elsass ist als

Problem entdeckt Des mögen wir froh sein. Wir leben zwar

nicht des naiven Glaubens, dass sich durch Kombination der

verschiedenen Meinungen das Problem in eine Formel werde

timrechnen und dann aus der Theorie in die Wirklichkeit umsetzen

lassen; wir sind einer begründeten Skepsis voll und

darum bescheiden. Uns genügt schon, dass der Widerstreit

der Ansichten nicht anders wirken kann denn im Sinne einer

Befreiung der Geister. Das wird nur von Segen sein.

Die Generation unserer Väter hat seit der Annexion in

Verwirrung und Betäubung gelebt, sie fand den \Veg nicht

zwischen dem, was ihre Seele empfand, und der harten Wirklichkeit,

die sie umgab. Darum war sie verstummt, und man

hörte in der Stille nur die Männer warmblütigen Temperaments

und daneben den widerlichen Chor der Streber und Schwätzer,

der sich wie zu allen Zeiten unter grossen Worten und

mit derbem Ellbogen zur Sonne drängte. Das feinere Elsass

aber blieb still und sprach kein Wort sich auszudrücken.

Es ist nicht gut, wenn in der öffentlichen Meinung nur die

groben Untertöne der Leidenschaft und der Berechnung zu

Gehör kommen und keine feinere Melodie darüberschweht, die

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