Die elsassische Bourgeoisie

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Die elsassische Bourgeoisie

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häuser mitten ins Dorf und setzt sich sogar frech und aufdringlich

in das verödete Schloss, auf dessen Stu cii sie sich

vordem hinaufgedienert und hinaufgearbeitet hat. Bürgerlichbäuerliche

Atmosphäre! fühlbar jedem, der selbst in solchem

Orte geboren ist. Unter den Einwirkungen dieser Bourgeoisie

erwacht das platte Land zu wirtschaftlichem Leben und \ T ei--

l. chr, pflanzt auch bei sich den spin/as caiIalis/icus ein.

Heerführer des Wirtschaftslebens zu sein, ist bürgerlicher Beruf!

Nun da die Bourgeoisie nicht mehr bloss in den Städten

sich hält, sondern gestaltlos auseinanderrinnt, möchte iiian

erfahren und wissen, oh sich nicht einige besondere Energleen

aus der unförmigen Masse herausheben. Ich glaube deren drei

oder vier zu sehn. In Strassburg ist seit 1566 die Akademie

ein solcher Mittelpunkt, der Energie erzeugte. Nicht genug

dass sie dem Bürgertum eine wachsende Zahl von Kopfarbeitern

zuführte; der Geist, der von ihr ausging, war Kraft und Energie.

Protestantisches Bewusstsein wurde durch sie grossgezogen und

damit einem Johann Friedrich Oberlin und anderen weiten und

überreizten Seelen eine Schranke gesetzt ummd eine Disziplin

gegeben, die sie zu Zucht- und Lehrmeistern über das Volk

erhob. Wohl verlor die Universität seit der grossen Revolution

den einseitig protestantischen Charakter, den sie bis dahin festgehalten;

immerhin wirkte auch jetzt noch in dem angedeuteten

Sinne die theologische Fakultät. Man hat den Strassburger

Theologieprofessoren vorgeworfen, dass sie keine dicken Bücher

geschrieben haben. Sie hatten anderes zu tun, sie erzogen

Menschen zu Männern! Dass sich in Strassburg gerade der

Pfarrersohn in allen bürgerlichen Berufen durchzusetzen weiss,

möge man beachten. Wer das skeptisch-frondierende und nicht

immer durchgreifende Wesen des Strassburgers kennt, wird

die festigenden Einwirkungen der einstmals protestantischen

Akademie, obzwar im Schwinden begriffen, hoch veranschlagen.

Ein zweiter Mittelpunkt, der Geistesbildung in moralische

Energie umzusetzen verstand, war der Gerichtshof in Colmar.

Juristische Gelehrsamkeit im Verein mit historischer Bildung

und würdiges Dekorurn französischen Richterstandes haben hier

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