Die elsassische Bourgeoisie

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Die elsassische Bourgeoisie

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Ironie, die uns ermöglicht, was uns nicht gefällt. unter Hohn

und Spott abzuwehren. Daher sind wir in unserer Gesamtheit

ein Menschenschlag von nüchterner und sogar negativer Art,

dessen wirkliche Spannkraft aber weit hinauszielt über solchen

Durchschnitt, in dem sich nur die nach aussen gerichteten.

defensiven Eigenschaften unseres Stammes darstellen.

Über den der Oberfläche zugewendeten Eigenschaften des

Widerstandes ist man geneigt zu übersehen, was dahinter

unsere Seele an Weite und Feuer birgt. Oh wir die geniale

Ursprünglichkeit des Gemütes haben, weiss ich nicht; aber

dass wir fremde Welten in uns aufzunehmen und schöpferisch

umzugestalten wissen, lehrt unsere Geschichte. Wir haben

Boden, in dem fremder Same oft besser gedeiht als zu Hause,

und Flügel weit genug, auch den grössten Gedanken emporzutragen.

Von reproduktiver Befähigung, ohne innere Geschlossenheit,

schwanken wir in Extremen. Wir sind negativ

und doch hitzigen Temperaments, von einer Schwerfälligkeit,

die empört, und doch auch wieder von einer Feinheit, die

sich nicht verleugnet, bei aller Nüchternheit nicht ohne Schwung.

Wir tragen in uns eine Welt VOfl Gegensätzen!

Lasst aus allen Richtungen den Geist des Herrn wehen

über diesen Kreuzplatz der Geschichte, der das Elsass ist

unser Saitenspiel ist reich genug, mit dem richtigen Tone zu

antworten Wir antworten nicht immer. Wir ziehen uns auf

unsere Defensive zurück aus Angst, uns an die Fremde zu

verlieren; aber dann laufen wir Gefahr zu verkümmern. Was

Grosses in uns ruht, weckt stets die Fremde. Das ist der

Pendel-schlag unseres Lebens. Er regelt sich nicht von selbst,

sondern richtet sich nach dem Takte, den wir ihm aufzwingen.

Unruhig schwankt er jetzt hin und hei. Man möchte von

der Vergangenheit retten, soviel sich retten lässt, und doch

dem Tage gerecht werden. Den Ausgleich zu finden, sind

nicht die Gelehrten berufen, noch weniger die Schwätzer, dazu

sind auserwählt die führenden Klassen der Gesellschaft. Solche

Probleme löst nicht die Wissenschaft, sondern das Leben.

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