Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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und La Chaussee), zwei aus dem Englischen, einer aus einem

anderen italienischen Originale und sechs deutschen Werken,

die sich aus Possen von Hafner, leichteren Stücken von Klemm

und Heufeld und einem Weiße zusammensetzen.

Doch im nächsten Jahre 1766 erscheint wieder eine Goldoniübersetzung

(am 5. April „Der Kavalier und die Dame")

im Verzeichnisse neben sechszehn anderen studierten Stücken,

sechs Wiedergaben aus dem Französischen (darunter ein Crebillon

und zwei Regnard) und zehn deutschen Originalen,

worunter Hafners Burleske „Megära'', I und 11, der Aurelius

von Ayrenhoff, die Jagd von Klemm, Bearbeitungen eines

Schlegelschen Werkes und des Jungen Gelehrten von Lessing

neben leichten Stücken von Heufeld angeführt werden.

„Die verstellte Kranke" (27. Juni) bildet nebst zwei unbedeutenden

Übersetzungen aus dem Französischen und dem

„Kaufmann von London" eine geringe Anzahl von Fremdlingen

in dem Verzeichnisse des Jahres 1767 gegenüber den neun

deutschen Stücken, wo sich unter Burlesken und Schauspielen

leichter Art von Heufeld und Klemm auch eine Bearbeitung

der Minna von Barnhelm durch Weisker findet.

Das Jahr 1768, das die Kampfeszeit darstellt, in der der

Italiener Affligio die regelmäßigen Schauspiele durch extemporierte

Farcen und Bernardone wieder zu verdrängen pflegt

(Siehe S. 15 der Genauen Nachrichten), bringt bezeichnenderweise

nur acht studierte Stücke. (Darunter „Hermann

und Thusnelde" von Ayrenhoff neben vier Übersetzungen

aus dem Französischen von Favart, Voltaire usw.)

Ein Zeichen für die Beliebtheit unseres Venezianers ist es,

daß sich darunter noch zwei Kinder seiner Muse befinden

(„Der wahre Freund" den 2. Jan. und „Der Krieg" am 4. April).

Dann aber erfolgt ein Umschwung. Das regelmäßige

Theater beginnt mit Ostern 1769. Alte „studierte" Stücke

werden durch neue Schauspieler gewissermaßen frisch aufgeputzt,

neue deutsche Originalstücke werden verlangt, und so

machen sich denn die Stephanie, Klemm, Ayrenhoff und andere

an die Arbeit, sodaß mit älteren Stücken von Schlegel

und neueren von Weiße für das Jahr einundzwanzig deutsche

Schauspiele herauskommen. Dazu stellt das „Verzeichniß"

noch Übersetzungen, acht aus dem Französischen, wobei

Voltaire wieder gut zu seinem Rechte kommt, zwei aus dem

Englischen und eine aus. dem Dänischen des Holberg. Aber

auch Goldoni ist nicht ganz vergessen ; denn unter dem 1 7.

Juni wird „Das neugierige Frauenzimmer" aufgezählt.

Auch im Jahre 1770 weicht Goldoni nicht (unter dem

30. Juni „Die Soldatenliebe", unter dem 4. Aug. „Was ist der

Geschmack der Nation"), trotzdem außer dreizehn Übersetzungen

aus dem Französischen und einer aus dem Englischen

nicht weniger als siebenundzwanzig Originalwerke deutscher

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