Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

booksnow2.scholarsportal.info

Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

— 104 —

bald, spannt doch ein ! usw/', ihr Siegeslied (2,4) : „So

viel

ich Augen (i. e. Maschen) stricke, so viel sind Herzen mein usw/',

das Klagelied der Luise (1,6): „Wie reizend war mir sonst

die Flur usw.", und ihre flehentliche Bitte (ib.) : „Ich ruf den

Himmel nicht um Rache, um Beystand fleh ich ihn nur an usw."

Einfluß der damaligen deutschen Lyrik auf die Lieder

der

Goldonioperetten.

Diese Lieder sind so recht im Geschmack der damaligen

Zeit gehalten. Die von Hagedorn angebahnte, von Gleim,

Götz, Uz und Genossen zum System ausgebaute Schule konnte

sich um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts des weitesten

Einflusses erfreuen. Daß Heermann den von ihm in den Feudatario

eingestreuten Liedern die Färbung der Modedichtung

gegeben hat, kann nicht befremden.

Die Liebe der Anakreontik geht nicht tief, sie hängt an

der äußeren Gestalt des geliebten Wesens. Küsse sind vor

allem beliebt.

Auch Heermanns Baron ist ein arger Liebhaber des

Küssens; denn er singt (1,12):

,,Ein Kuß, den man mehr raubt, als giebt,

Ein Kuß von einem schönen Kinde,

Das uns gefällt und wieder liebt.

War heut mein liebstes Angebinde."

Bei Liebe, Scherz und Wein, diesen von den Anakreontikern

unermüdlich besungenen Freuden, will der Junker auf

Hoheit und Schätze verzichten (1,7):

„Mich reitzt kein Thron, kein Fürstenhut,

Das Gold macht mich nicht blind,

Ich lobe mir ein Ritterguth,

Wo hübsche Mädchen sind.

Wenn mich bey Liebe, Scherz und Wein

Ein muntres Kind ergetzt,

So mag der

Junker Junker seyn

Der pürscht und jagt und hetzt.

Nicht Hoheit, nicht Schätze ! nein, nein !

Mich reitzen die Mädchen, die Mädchen allein."

singt er wie ein schwärmerischer Anhänger der Anakreontik,

der wie Gleim seines Fürsten Glück nicht beneiden will, wenn

er allen Schönen Wohlgefallen kann, („Wünsche an Herrn

Uz in Ansbach" Anakreont. 1. Teil S. 213), im Schlafen und

im Wachen an nichts als an Mädchen denkt („Geschäfte" ib.)

und sich von dem Berge, der ihm Gold und Silber anpreist,

nicht verlocken läßt, so.ndern um eines Mädchens willen gleich

Gold und Silber verläßt. („Der Wert eines Mädchens" ib.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine