Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

booksnow2.scholarsportal.info

Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

:

— 106 —

:

„das war so weiß als Wachs". Wohl ist die Edelfrau (vergleiche

Thomsens Loblied in den Dorfdeputierten) zart und

fein, aber Hanne ist noch schöner. Eine Reihe solcher vortrefflicher

Merkmale weiß Röschen in Weißens „Jagd" von

ihrem Toffel aufzuzählen („Die Jagd" 1,1).

Bezeichnend für die sozialen Zustände dieser Zeit ist die

Stellung, die der Junker in diesen Gedichten einnimmt.

Gretchen in den „Dorfdeputierten" freut sich darauf, wenn sie

bei dem „Junkerchen" in Gunst kommen kann, die Männer

vermögen nichts gegen den Verführer ihrer Frauen und müssen zuletzt

noch um Verzeihung bitten. Auch Gleims Bauern ergeben

sich in ihr Schicksal. Der „arme Arbeitsmann" will sein Los

tragen, „wie Gott es fügt" (Gleim Lied des arm. Arbeitsmannes,

Anakr. 1. 7. S. 300). Das „Lied des Pflügers"

(Anakr. 1.7. 301) atmet dieselbe ruhige Ergebenheit wie „Des

Bauern Danklied" an den lieben Gott. So ist es denn nicht

befremdend, wenn die Dorfdeputierten trotz allem, was der

Junker an ihren Weibern versucht hat, am Schlüsse demütig

geloben

„Was unser armes Dorf vermag

An Zinnßen, und an Früchten,

Versprechen wir auf jeden Tag

Gebührend zu entrichten."

Im großen und ganzen sind diese B^uernlieder der Anakreontiker

alle in einem Tone gehalten, der oft mit den Begriffen

von Poesie und Kunst im Widerspruche steht, und

man kann beobachten, wie sich das noch durch die Gedichte

von Voß, Bürger und Schubart hinzieht, um erst mit Hebel

einer künstlerischen Auffassung Platz zu machen.

Der damit nahe gelegte Gegensatz zwischen Stadt und

Land ist von dieser Dichterschule stets geliebt und behandelt

worden. Hagedorn läßt in dem Gedichte „Der Mai" (Anakr.

1,131) die „Dörfer voll hüpfender Freude", die „Städte zum

Neide reizen". Daß Kleist, der Sänger des „Frühlings", der

ursprünglich „Landleben", dann „Landlust" heißen sollte, es

an der dichterischen Ausnutzung der Gegensätze zwischen

Stadt und Land nicht hat fehlen lassen, bedarf wohl nicht

der Erörterung. Auch Gleim ist natürlich ,,vergnügt mit seinem

Schäferleben" (Göttinger Musenalmanach 1771).

Recht anschaulich beutet Weiße in der noch nachher zu

besprechenden Operette „Der Krieg" diesen Gegensatz aus,

wenn er Dora in überschwänglichen Tönen ein Loblied auf

„die gute Stadt" singen läßt, wo man Kopfzeug, Schuh, Haar

und Gesicht ändert, auf „die kluge Stadt", wo man Komplimente

und amour machen lernt, Julchen aber in scharfem

Gegensatze die Verse in den Mund legt

„Nichts ist mir an der Stadt gelegen!

Mein Dorf ist mir die ganze Welt."

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine