Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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Aufführung). Auch „Das Muttersöhnchen'' hört das Publikum

sich nur zweimal an (in der Kochschen Spielperiode von 1759

—64 12mal !), die schon etwas bejahrte „Pamela" gefällt ebenfalls

bloß dreimal (4. 6. 73 bis 25. 10. 73), (1759—64 18mal!)

Einige verschwinden ganz, so „Der Schmeichler'', schon 1769

— 70 nicht mehr auf dem Spielplane, und „Die neugierigen

Frauenzimmer", 1769—70 zuerst (25. May 1769) auf der

Kochschen Bühne gegeben (bei Seyler beliebt, lOmal aufgeführt).

Im großen und ganzen aber sieht man deutlich, daß die

alten Stücke nicht mehr so recht ziehen („Ein grosser Haufen

hatte seit einiger Zeit einen Ekel gegen alle Stücke von

Ooldoni bekommen," behauptet das „Schreiben über die Leipziger

Bühne 1770" S. 94 sogar).

Aber Koch weiß sich zu helfen. Wie wir schon gesehen

haben (S. 95), paßt er sich dem Geschmack des Publikums

an und läßt sich von Heermann aus dem „Feudatario" des

Goldoni die Operette „Die Dorfdeputierten" zurecht schneiden,

die Seyler, der wohl von dem Weimarer Dichter für die heimatliche

Bühne schon gleich darauf das Manuscript erhalten

hat, allerdings schon einen Monat nachher hat spielen können.

So wird denn die neue Operette am 15. Juni 1772 zum

erstenmale in Deutschland von Koch gegeben und bis zum

24. Juni 74 neunmal, ja, nach der Erstaufführung noch fast

unmittelbar hintereinander zweimal aufgeführt.

Doch der unermüdliche Bühnenleiter arbeitet in rührigster

Weise daran, sein Publikum anzuziehen, indem er getreu im

Fahrwasser des Geschmackes sich hält.

Die Operette „Der Krieg."

Sie wird schon am 17. August 1772 auf die Bühne gebracht.

Über die Entstehungsgeschichte dieser neuen komischen

Oper berichtet Minor in anschaulicher Weise (Christian Felix

Weiße und seine Beziehungen zur deutschen Literatur des

achtzehnten Jahrhunderts. Innsbruck 1880. S. 176 ff.):

„Koch ließ sich die Operetten, welche in Berlin, seinem

nunmehr fast beständigen Aufenthalte, allein volle Häuser

machten, viel kosten. So forderte er auch Ramler zu einer

Umarbeitung des Goldonischen Krieges auf. Schon im Jahre

1768 hatte er auf dieses Stück viel Geld verwendet, und es

am 15. Januar, am 26. Januar und am 15. Februar aufgeführt.

(Wohl nach der Bearbeitung von Laudes, 1770 gedruckt

unter dem Titel : Der Krieg oder das Soldatenleben.) Hiller

hatte die Lieder gesetzt, (die schon in der Goldonischen La

guerra vorhanden sind) die Steinbrecherin entzückte in der

Rolle der Bäuerin. — Al^er die Kritik verbat sich nicht nur

Goldoni überhaupt, sondern auch den Krieg insbesondere, da

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