Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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Carlo Goldoni auf dem deutschen Theater des 18. Jahrhunderts

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Wind, daß das Theater möcht' davon flügen." Petronio, erbost

über den Hochmut der Sängerin, ruft (ib.) aus : „AnchMo,

Signora, quando sento le smorfie delle cantatrici, crepo dalla

risa — Auch ich, mein Frauenzimmer, wenn ich der Sängerinnen

ihre krummen Mäuler sehe, so krepier ich fast vor

Lachen/* Die Sängerin, am Ende gedemütigt, entschuldigt

(111,3) ihr lächerliches Auftreten mit den Worten : L'aria musicale

influisce cosi. Das wird im Deutschen treffend variiert

„Die musikalischen Noten lehren immer besser singen, als

reden." Manches andere kommt allerdings auch recht steif

und unbeholfen heraus. (1,3 „Andate a sollicitare coteste donne

— Gehen sie ein wenig, zu machen, daß die Weibsbilder

bald kommen." Lelio, der Brighella gegenüber droht, eine

andere Truppe seine dichterischen Erzeugnisse spielen lassen

zu wollen, erhält von diesem (11,1) die kaltblütige Antwort:

„Läse commodi pur — Tun sie, was sie nicht lassen können."

Der deutsche Anselmo giebt die steife Antwort: „Sie pflegen

ihre Gelegenheit."

Die deutsche Sprache des Übersetzers muß nach der

Sitte der Zeit bei den Ausländern in die Lehre gehen : Vitium

Humeur, Amant, Indicium, inventiert, Gusto, Tractament sollen

Laster, Laune, Liebhaber usw. ersetzen. Zwar guckt der

Wiener Dialekt manchmal zwischen den hochdeutschen Worten

treuherzig hervor (Becherl, Liedl, Mänterl, Kämmerl,

Mädel s cameriera, Standelmensch * rivendugliuola), aber dennoch

macht der Ueb. keine Anstalt, die mundartlichen Rollen

des italienischen Originals durch seine heimatliche Mundart

zu ersetzen, sondern giebt sie in steifem Hochdeutsch wieder,

wenn er sie nicht ganz ausläßt. Ja, wie in dem Stücke

„Die schlaue Wittib", so läßt er auch hier behaglich das

Venezianische neben dem Deutschen stehen, sodaß etwa folgender

seinen Lesern unverständliche Mischmasch herauskommt

(11,7)

: „Ich bekenne die Wahrheit, mi tremo dalla colera, e dal

rossor, vendendo in fazza de mio fio scoverte le mie debolezze.

Deine Vermessenheit ist groß, in einer so gefährlichen Conguntura

vor mir dich sehen zu lassen, aber diese sorpresa e

sto scomprimento soll seyn ein Zügel für deine Absichten

und meine Passion usw."

Wenn er das Original übersetzt, so laufen ihm manche

Ungenauigkeiten unter. Pantalone fleht die Geliebte an (11,6)

„Vorava sentir da vü le mie care viscere, do parole — Ich

möchte gern von Dir, geliebtes Leben, ein paar Worte haben."

Üb. : „Ich möchte gern von ihm ein paar Worte haben."

Eugenio will den Hungerpoeten nicht einschüchtern (111,1):

„Non gli voglio dar soggezione — Ich will ihm keine Verhinderung

machen". Soggezione ist Achtung und Furcht,

empfunden in Gegenwart Höherstehender.

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