Recht für Radfahrer - Manz

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Recht für Radfahrer - Manz

RATGEBER

Inklusive der

aktuellen

Radfahrnovellen

Vergeiner

Recht für

Radfahrer

recht.verständlich


Manz Ratgeber

Recht für Radfahrer


Recht

für Radfahrer

Welche Rechte Sie haben

und was Sie beachten sollten

Ein praktischer Rechtsratgeber

rund ums Fahrrad

von

Dr. Martin Vergeiner


Zitiervorschlag: Vergeiner, Recht für Radfahrer (2013)

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie

der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form

(durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche

Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer

Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Sämtliche Angaben in diesem Ratgeber erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung

ohne Gewähr; eine Haftung der Autoren sowie des Verlages ist ausgeschlossen.

ISBN 978-3-214-00693-8

© 2013 MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH, Wien

Telefon: (01) 531 61-0

E-Mail: verlag@MANZ.at

www.MANZ.at

Datenkonvertierung und Satzherstellung: Anita Frühwirth

Fotonachweise: © TommL – iStockphoto

Druck: Prime Rate Kft., Budapest


Vorwort

Vier von fünf Österreichern benutzen ihr Fahrrad mehrmals im Monat,

fast jeder Zweite sogar öfters in der Woche. Die Gründe dafür sind dabei

sehr unterschiedlich: 86 % unternehmen eine Spazierfahrt oder nutzen das

Fahrrad für sportliche Aktivitäten. Fast die Hälfte erledigt den Einkauf

mit dem Fahrrad. Knapp jeder Dritte radelt zur Arbeit oder zur Ausbildung.

Radfahren ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ein optimales

Training für Fitness und Gesundheit bis ins hohe Alter. Während es bei

Kindern ihre persönliche Entwicklung fördert, hilft es Senioren, länger fit

zu bleiben.

Dessen ungeachtet darf nicht vergessen werden, dass sich allein im Jahr

2012 6.772 Unfälle mit Radfahrern ereignet haben. 52 Radfahrer verloren

dabei ihr Leben. Überwiegend waren die Radler am Unfall selbst schuld.

Dieser Ratgeber möchte auf verständliche Weise vermitteln, was im Straßenverkehr

erlaubt ist und was Sie als Radfahrer besonders beachten sollten.

Neben Darstellung der straßenpolizeilichen Verkehrsregeln stehen

wichtige praktische Tipps rund ums Radfahren im Vordergrund.

Wie viel sich im rechtlichen Bereich des Radfahrens getan hat, zeigt ein

Blick auf die letzten zwei Jahre. Durch verschiedene Änderungen hat der

Gesetzgeber versucht, das Radfahren in Österreich noch attraktiver zu

machen. Sowohl die beiden Radfahrnovellen 2011 und 2013 als auch die

Fahrradverordnungs-Novelle 2013 sind in diesem Ratgeber bereits berücksichtigt.

Neu ist z.B.:

n Helmpflicht für Kinder bis 12 Jahre

n Neues Verkehrszeichen für die Kennzeichnung einer Radfahrerüberfahrt

neben einem Schutzweg

n Vorgezogene Haltelinie für Einspurige

n Begegnungszone und Fahrradstraße

n Radweg und Geh- und Radweg ohne Benützungspflicht

n Handyverbot für Radfahrer

n Beförderung von Kindern in Transportkisten

5


Vorwort

Mein aufrichtiger Dank gilt allen Institutionen und Personen, die mich bei

der Erstellung dieses Ratgebers tatkräftig unterstützt haben. Zugunsten

der leichteren Lesbarkeit sind sämtliche Quellen im Anhang unter „Weiterführende

Informationen“ angegeben.

Wenn Sie durch das Stöbern in diesem Ratgeber das ein- oder andere

„Aha-Erlebnis“ rund um das Thema Fahrrad erfahren, Sie Lust auf mehr

Rad fahren bekommen oder künftig einfach ein wenig sicherer unterwegs

sind, dann erfüllt dieser Ratgeber seinen Zweck.

Denn eines ist wichtig: Radfahren soll Spaß machen!

Bregenz, im Juli 2013

Dr. Martin Vergeiner

6


Gewidmet meiner Familie


Der Autor

Dr. Martin Vergeiner war über viele Jahre als Verkehrsjurist und Leiter

der interdisziplinären Abteilung Verkehrsverhalten im Kuratorium für

Verkehrssicherheit (KFV) in Wien tätig. Immer wieder hat er sich dabei

auch dem Thema „Radfahrer“ gewidmet.

Seit 2006 leitet er den Arbeitsausschuss Verkehrszeichen und Wegweisung

der Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV). Neben

seiner Tätigkeit in der Berufskraftfahrer-Prüfungskommission für das

Land Vorarlberg organisiert er – gemeinsam mit der Universität Wien und

dem KFV – den jährlich stattfindenden Österreichischen Verkehrsrechtstag

(www.verkehrsrechtstag.at).

Außerdem veröffentlicht er regelmäßig Fachartikel in der Zeitschrift für

Verkehrsrecht (ZVR), der deutschen Zeitschrift für Verkehrssicherheit

(ZVS) und der Zeitschrift Recht und Finanzen für Gemeinden (RFG). Im

Jahr 2009 publizierte er das Praktikerhandbuch „Kundmachung durch

Verkehrszeichen“.

Seit 2011 leitet er die Abteilung Allgemeine Verwaltung der Bezirkshauptmannschaft

Bregenz.

8


Inhalt

Vorwort......................................................................................... 5

Was ist ein Fahrrad?............................................................... 15

I. Fahrrad.................................................................................... 15

A. City-, Trekking- und Mountainbike.................................. 15

B. BMX, Roller und Sidewalker........................................... 16

C. Renn(fahr)rad.................................................................... 16

D. Elektrofahrrad................................................................... 17

II. Kein Fahrrad........................................................................... 20

A. Kinderfahrrad.................................................................... 20

B. Einrad................................................................................ 20

C. Motorfahrrad (Moped)...................................................... 21

D. Rollschuhe (Inline-Skates)................................................ 21

E. Scooter, Skate-, Snake- und Kickboard............................ 22

Was heiSSt Rad fahren?........................................................ 25

I. Rad Fahren.............................................................................. 25

II. Schieben eines Fahrrads........................................................ 25

Was muss ich als Fahrer beachten?.............................. 27

I. Körperliche und geistige Verfassung.................................... 27

II. Alkohol..................................................................................... 28

A. Alkohollimits.................................................................... 28

B. Rechtliche Sanktionen...................................................... 29

III. Fahrradhelm........................................................................... 31

A. Sinn eines Fahrradhelms................................................... 31

B. Helmpflicht für Kinder..................................................... 32

C. Helmkauf.......................................................................... 33

D. Sitz und Pflege.................................................................. 35

9


Inhaltsverzeichnis

Wie alt muss ich sein?............................................................ 37

I. Mindestalter und Aufsichtspflicht......................................... 37

II. Vorbereitung von Kindern aufs Radfahren......................... 38

III. Radfahrausweis....................................................................... 40

Wie muss mein Fahrrad ausgerüstet sein?................. 43

I. Das verkehrssichere Fahrrad................................................ 43

II. Vorder- und Rückbremse...................................................... 44

III. Glocke...................................................................................... 45

IV. Vorder- und Rücklicht........................................................... 45

V. Reflektoren.............................................................................. 47

A. Rückstrahler nach vorne und hinten................................. 48

B. Pedalrückstrahler.............................................................. 48

C. Seitliche Rückstrahler....................................................... 48

VI. Tandem.................................................................................... 49

VII. Mehrspuriges Fahrrad........................................................... 49

VIII. Sonderstellung Rennfahrrad................................................. 49

IX. Zusätzliche Empfehlungen..................................................... 50

Wo darf ich Rad fahren?...................................................... 53

I. Gehsteig und Gehweg............................................................. 53

II. Radfahranlagen...................................................................... 53

A. Benützungspflicht von Radfahranlagen............................ 53

B. Radfahr- und Mehrzweckstreifen..................................... 54

C. Radweg und Geh- und Radweg........................................ 55

D. Radfahrerüberfahrt............................................................ 56

III. Fahrbahn................................................................................. 57

A. (Haupt-)Fahrbahn............................................................. 57

B. Nebenfahrbahn.................................................................. 58

C. Schutzweg......................................................................... 58

IV. Fahrradstraße......................................................................... 59

10


Inhaltsverzeichnis

V. Fußgängerzone........................................................................ 60

VI. Wohnstraße............................................................................. 60

VII. Begegnungszone...................................................................... 61

VIII. Spiel- und Rollschuhstraße.................................................... 62

IX. Einbahnstraße......................................................................... 63

X. Selbständiger Gleiskörper..................................................... 64

XI. Wald und Forststraße............................................................ 65

Wie muss ich Rad fahren?.................................................... 69

I. Allgemeines Fahrverhalten.................................................... 69

A. Wahl der Geschwindigkeit............................................... 69

B. Rechtsfahrgebot und Nebeneinanderfahren...................... 70

C. Freihändig und freifüßig fahren ....................................... 71

D. Ziehenlassen..................................................................... 71

E. Fahren mit Hund............................................................... 72

F. Kopfhörer und Handy....................................................... 72

G. Schuhe und barfuß fahren................................................. 73

H. Abstellen von Fahrrädern................................................. 73

II. Verhalten bei Kreuzungen..................................................... 74

A. Rechtsabbiegen................................................................. 74

B. Linksabbiegen................................................................... 75

C. Vorfahren bei Kreuzungen............................................... 76

D. Annäherung an eine Radfahrerüberfahrt.......................... 77

III. Besondere Begegnungssituationen........................................ 77

A. Vorbeifahren an einer Straßenbahn in einer Haltestelle... 77

B. Vorbeifahren an einem Schulbus...................................... 78

IV. Richtiges Verhalten nach einem Unfall................................ 78

A. Radfahrer als Unfallbeteiligter......................................... 78

B. Radfahrer als Zeuge.......................................................... 80

Wann darf ich Kinder mitführen?.................................... 81

I. Beförderung auf dem Fahrrad.............................................. 81

A. Maximale Anzahl.............................................................. 81

B. Mindestalter...................................................................... 81

11


Inhaltsverzeichnis

C. Kindersitzpflicht............................................................... 81

D. Anforderungen an den Kindersitz..................................... 82

E. Helmpflicht....................................................................... 84

II. Beförderung in Anhängern.................................................... 84

A. Behördliche Bewilligung.................................................. 84

B. Verwendung von Kinderanhängern und Helmpflicht....... 85

C. Ausstattung des Kinderanhängers..................................... 85

D. Vorschriften für das Zugfahrrad....................................... 87

E. Ladegewicht...................................................................... 87

Was ist beim Transport von Lasten

zu beachten?................................................................................ 89

I. Allgemeines.............................................................................. 89

II. Fahrradkorb und Gepäckträgertasche ............................... 90

III. Lastenanhänger...................................................................... 90

A. Ausstattung des Lastenanhängers..................................... 90

B. Vorschriften für das Zugfahrrad....................................... 91

C. Ladegewicht...................................................................... 91

IV. Sicherung der Ladung............................................................ 91

Wer hat Vorrang?.................................................................... 93

I. Allgemeine Vorrangbestimmungen...................................... 93

A. Einsatzfahrzeuge............................................................... 93

B. Kreuzungssituationen....................................................... 93

II. Besondere Bestimmungen für Radfahrer............................. 95

A. Nachrang beim Verlassen einer Radfahranlage................ 95

B. Vorrang auf Radfahrerüberfahrten................................... 96

C. Nachrang beim Schutzweg............................................... 97

III. Vorrang und Vorrangverzicht............................................... 97

Wie transportiere ich Fahrräder?................................. 99

I. Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln............ 99

II. Transport mit dem Auto........................................................ 100

12


Inhaltsverzeichnis

Wie sichere ich mein Fahrrad gegen Diebstahl?...... 103

I. Fakten rund um den Fahrraddiebstahl................................ 103

II. Vorsorge beim Kauf............................................................... 104

A. Fahrradkauf....................................................................... 104

B. Wahl des Fahrradschlosses............................................... 104

C. Codierung......................................................................... 105

D. Registrierung..................................................................... 106

E. Fahrradpass....................................................................... 106

F. Fahrradversicherung......................................................... 107

III. Abstellen des Fahrrads........................................................... 108

A. Wahl des Abstellorts......................................................... 108

B. Absperren des Fahrrads.................................................... 109

Wie sichere ich mich als Fahrer für Unfälle ab?... 113

I. Haftpflichtversicherung......................................................... 113

II. Unfallversicherung................................................................. 114

III. Rechtsschutzversicherung...................................................... 115

Anhang: Wichtige VerkehRS zeichen und

Markierungen............................................................................. 117

I. Gefahrenzeichen..................................................................... 117

II. Verbotszeichen........................................................................ 118

A. Allgemeine Fahrverbote................................................... 118

B. Spezielle Fahrverbote für Radfahrer................................. 118

C. Verbot für Fußgänger....................................................... 119

III. Gebotszeichen.......................................................................... 119

A. Radweg............................................................................. 119

B. Geh- und Radweg............................................................. 120

C. Gehweg............................................................................. 121

IV. Vorrangzeichen....................................................................... 122

V. Hinweiszeichen........................................................................ 123

A. Schutzweg bzw. Radfahrerüberfahrt................................ 123

B. Fußgängerzone.................................................................. 124

C. Wohnstraße....................................................................... 125

13


Inhaltsverzeichnis

D. Begegnungszone............................................................... 125

E. Straße und Fahrstreifen für Omnibusse............................ 126

F. Fahrradstraße.................................................................... 126

G. Radfahranlage ohne Benützungspflicht............................ 127

VI. Markierungen......................................................................... 129

A. Radfahrstreifen................................................................. 129

B. Mehrzweckstreifen........................................................... 130

C. Radfahrerüberfahrt............................................................ 130

D. Schutzweg und Radfahrerüberfahrt.................................. 131

E. Vorgezogene Haltelinie.................................................... 131

Weiterführende Informationen....................................... 133

I. Allgemeine Informationen..................................................... 133

II. Mountainbiken in Österreich................................................ 136

III. Spezialinformationen.............................................................. 137

Abkürzungsverzeichnis........................................................ 139

Stichwortverzeichnis............................................................ 141

14


Was ist ein Fahrrad?

I. Fahrrad

Die verschiedenen Typen von Fahrrädern haben in der Vergangenheit

stark zugenommen. So gibt es Fortbewegungsmittel, von denen

man nicht sofort annehmen würde, dass es sich dabei um ein

Fahrrad handelt. Auf der anderen Seite gilt auch nicht alles, was

einem Fahrrad ähnlich schaut, als Fahrrad.

Nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind Fahrräder grundsätzlich

„Fahrzeuge, die mit einer Vorrichtung zur Übertragung

der menschlichen Kraft auf die Antriebsräder ausgestattet sind.“

Auch Elektrofahrräder und Roller gelten in der Regel als Fahrräder.

A. City-, Trekking- und Mountainbike

Als Citybike (Stadtrad) gilt ein Fahrrad, das eher auf bequeme

Alltagstauglichkeit ausgelegt ist als auf Sportlichkeit. Es zeichnet

sich zumeist durch eine hohe Lenkstange und eine aufrechte Sitzposition

mit einem breiten und gepolsterten Sattel, einen geschlossenen

Kettenkasten und durch am Hinterrad befestigte Schutzbleche

aus. Mehrheitlich verfügen Citybikes über Nabenschaltungen

mit Rücktrittbremse. Oft sind Gepäckträger oder Einkaufskorb

vorhanden. Außerdem ist ein tiefer Einstieg möglich.

Das Trekkingbike (Reiserad) ist ein speziell für die Bedürfnisse

von Radreisenden konzipiertes Fahrrad. Reiseräder haben eine andere

Rahmengeometrie als normale Fahrräder und sind auf die

größeren Belastungen durch stabilere Materialien und größere

Wanddicken der Rahmenrohre ausgelegt. Sie haben einen längeren

Radstand und größeren Nachlauf als vergleichbare Serienfahrräder.

Die Sitzposition ist daher nicht mehr so aufrecht wie beim

15


Was ist ein Fahrrad?

Citybike. Trekkingbikes haben meist Kettenschaltungen mit vielen

Gängen, 28-Zoll-Laufräder, Komfortsattel und Federgabel.

Ein Mountainbike ist ein Fahrrad, das besonders auf den Einsatz

abseits befestigter Straßen ausgerichtet ist. Es ist eher Sportgerät

als Verkehrsmittel, weshalb bestimmte Sicherheitsausrüstung

(z.B. Beleuchtung, Klingel und Rückstrahler) oft nicht fix auf dem

Fahrrad montiert ist. Abhängig von der Art der Federungen werden

Hardtail-Räder (ungefederter Hinterteil) und Full-Suspension-

Räder (vollständige Federung vorne und hinten) unterschieden.

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 22 lit. a StVO

B. BMX, Roller und Sidewalker

BMX-Räder (Bicycle Moto Cross) sind meist mit 20-Zoll-Reifen

ausgestattet und dienen dazu, verschiedene Tricks oder Stunts auszuführen.

Werden sie auf Straßen mit öffentlichem Verkehr verwendet,

müssen sie wie jedes andere Fahrrad ausgerüstet sein.

Ein „(Tret-)Roller für Erwachsene“ verfügt über zwei Räder und

wird unmittelbar durch menschliche Kraft angetrieben (Anschieben).

Sidewalker z.B. haben Raddurchmesser bis zu 26 Zoll. Sie

verfügen über eine Standfläche zwischen Vorder- und Hinterreifen,

aber keinen Sitz. Die Fortbewegung erfolgt daher stehend.

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 22 a und c StVO

C. Renn(fahr)rad

Nicht jedes Fahrrad, mit dem schneller gefahren wird, ist automatisch

auch ein Rennfahrrad. Nach der Fahrradverordnung liegt nur

dann ein Rennfahrrad vor, wenn es folgenden Kriterien entspricht:

• maximales Gewicht 12 kg,

• Rennlenker,

• äußerer Felgendurchmesser mindestens 630 mm und

• äußere Felgenbreite höchstens 23 mm.

16


I. Fahrrad

HINWEIS

Rennfahrräder sind bei Tageslicht und guter Sicht von vielen

Ausrüstungsgegenständen ausgenommen (siehe Seite 49).

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 4 Fahrradverordnung

D. Elektrofahrrad

Während der Fahrradabsatz in der Europäischen Union in den letzten

Jahren relativ konstant geblieben ist, hat sich die Anzahl der

jährlich verkauften E-Bikes seit 2008 von rund 300.000 auf rund

900.000 im Jahr 2011 verdreifacht. Inzwischen gibt es sowohl

City- oder Trekkingbikes als auch Mountainbikes mit einer aufladbaren

und abnehmbaren Akku-Einheit zu kaufen.

Trotz Motors gelten auch elektrisch angetriebene Fahrräder als

Fahrräder. Dies aber nur, wenn diese eine höchste zulässige Leistung

von nicht mehr als 600 Watt aufweisen. Außerdem darf die

Bauartgeschwindigkeit höchstens 25 km/h betragen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Elektrofahrrädern:

• Elektrofahrrad mit Tretunterstützung (Pedelec): Bei diesen

Fahrrädern funktioniert der Motor nur, wenn auch die Pedale

betätigt werden. Er unterstützt das Treten also.

• Elektrofahrrad ohne Tretunterstützung (E-Scooter): Hier

funktioniert der Antriebsmotor autonom. Es muss also nicht

getreten werden.

HINWEIS

Mittels einer Anfahrhilfe (als Dreh- oder Druckknopf) kann rasch

eine Geschwindigkeit von ca. 6 km/h erreicht werden. Damit

fällt das Losfahren leichter!

17


Was ist ein Fahrrad?

Abbildung 1: Pedelec (Quelle: KTM2013/Mandl)

Der ÖAMTC hat im Jahr 2013 verschiedene Elektrofahrräder (Pedelecs)

auf Herz und Nieren getestet (siehe Anhang). Insbesondere

bei den Themen Haltbarkeit (Bruchfestigkeit), Bremsen (zu

schwache Bremsleistung) und elektromagnetische Verträglichkeit

(Störwellen übersteigen Grenzwerte) gab es Mängel. Der ÖAMTC

empfiehlt daher:

• Machen Sie sich vor dem Pedelec-Kauf Gedanken über den

Einsatzzweck. Wollen Sie das Fahrrad vorwiegend für Familienausflüge,

auf denen Kinder oder Gepäck transportiert

werden soll, oder für die tägliche Fahrt in die Arbeit nutzen?

• Weder Preis noch Name des Herstellers oder das Abschneiden

in älteren Tests garantieren gute Qualität. Beachten Sie

jeweils die aktuellsten Tests.

• Lassen Sie sich vor Ort vom Fachhändler beraten. Es gilt,

verschiedene Antriebskonzepte, Rahmengeometrien und

andere Feinheiten zu beachten.

• Unverzichtbar ist eine Probefahrt. Dabei können beispielsweise

die Anpassung der Sitz- und Lenkerhöhe, die Ablesbarkeit

der Anzeigen, die Bedienung von Bremsen und

Schaltung etc. überprüft werden.

18


I. Fahrrad

• Kaufen Sie gleich einen passenden Helm mit. Allein die im

Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern höhere Geschwindigkeit

kann bei Stürzen schwere Verletzungen zur Folge

haben. Außerdem ist es möglich, dass Autofahrer die Beschleunigung

und Fahrgeschwindigkeit von Pedelecs unterschätzen.

• Wer vorhat, sein Pedelec mit dem Auto zu transportieren,

muss einen entsprechend stabilen Fahrradträger installieren.

Es muss auch geprüft werden, ob die Stützlast des

PKW überhaupt für das Gewicht eines Pedelecs ausreicht.

Der Akku sollte beim Transport abgenommen und im Wageninneren

verstaut werden.

Auch Segways sind Elektrofahrräder, sofern sie oben angeführten

Kriterien (600 Watt, 25 km/h) entsprechen. Mit Segways darf daher

– wie mit allen Fahrrädern – nicht auf dem Gehsteig gefahren

werden, in Fußgängerzonen dann, wenn diese für Radfahrer geöffnet

sind.

Abbildung 2: Segway (Quelle: Segway Inc.)

Bei Elektrorädern mit einer Leistung von über 600 Watt bzw. einer

Bauartgeschwindigkeit von mehr als 25 km/h handelt es sich zumeist

um Motorfahrräder (siehe Seite 21). Auch die schnellen

Pedelecs (S-Pedelecs) gelten als Mopeds. Dies bedeutet, dass je-

19


Was ist ein Fahrrad?

denfalls Führerschein und Versicherung notwendig sind sowie ein

Sturzhelm getragen werden muss!

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 22 lit. b und d StVO

II. Kein Fahrrad

A. Kinderfahrrad

Kinderfahrräder sind nach der StVO keine Fahrräder! Als Kinderfahrrad

gilt ein Fortbewegungsmittel mit einem äußeren Felgendurchmesser

von höchstens 300 mm und einer erreichbaren Fahrgeschwindigkeit

von höchstens 5 km/h. Üblicherweise entspricht

dies einer Laufradgröße von 12 bis 20 Zoll.

HINWEIS

Da Kinderfahrräder vom Gesetzgeber als „fahrzeugähnliches

Kinderspielzeug“ qualifiziert werden, darf damit nicht auf der

Straße, auf Radfahr- oder Mehrzweckstreifen sowie auf Radwegen,

sehr wohl aber auf Gehsteigen, Gehwegen, in Fußgängerzonen

sowie in Wohn- und Spielstraßen gefahren werden!

Für größere Fahrräder, die nicht den genannten Kriterien entsprechen,

gelten die normalen Regeln für Fahrräder.

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 19 StVO

B. Einrad

Ein Einrad ist ein durch Muskelkraft betriebenes Pedalfahrzeug,

das nur mit einem Punkt (dem Rad) den Boden berührt. Es wird

vor allem als Sportgerät benutzt. Ein Einrad ist daher kein Fahrrad

und zählt nicht zum fahrzeugähnlichen Kinderspielzeug. Es darf

somit auf der Fahrbahn, auf Radfahr- oder Mehrzweckstreifen und

auf Radwegen nicht verwendet werden. Auch Gehsteige, Gehwege,

gemischte Geh- und Radwege sowie Fußgängerzonen sind für

20


II. Kein Fahrrad

Einrad-Fahrer absolut tabu. Erlaubt ist lediglich das Fahren in

Wohn- und Spielstraßen.

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 19 StVO

C. Motorfahrrad (Moped)

Motorfahrräder gibt es mit zwei oder mehr Rädern. Wesentlich ist,

dass Mopeds über einen Antriebsmotor verfügen. Sofern es sich

dabei um einen Hubkolbenmotor handelt, darf dieser einen Hubraum

von maximal 50 cm 3 aufweisen. Die Bauartgeschwindigkeit

von Mopeds darf 45 km/h nicht überschreiten, da es sich sonst in

der Regel um ein Motorrad handelt.

HINWEIS

Da Mopeds Kraftfahrzeuge sind, darf mit diesen auf Radfahrund

Mehrzweckstreifen sowie auf Radwegen nicht gefahren werden.

Motorfahrräder gehören auf die normale Fahrbahn!

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 14 KFG

D. Rollschuhe (Inline-Skates)

Während die klassischen Rollschuhe üblicherweise über zwei hintereinander

liegende Achsen mit insgesamt vier Rollen verfügen,

sind bei den moderneren Inline-Skates die vier bis fünf Rollen in

einer Reihe (in-line) angebracht.

Diese Sport- bzw. Fortbewegungsmittel dürfen auf dem Gehsteig

und Gehweg, aber auch in Fußgängerzonen, Wohnstraßen, Spielstraßen

und Rollschuhstraßen verwendet werden. Außerdem ist

das Skaten auch auf Radwegen und Radfahrstreifen grundsätzlich

erlaubt. Eine Verwendung auf Radfahrstreifen außerhalb des Ortsgebiets

ist verboten.

21


Was ist ein Fahrrad?

HINWEIS

Da Rollschuhfahrer aufgrund ihrer Bewegungen einen erhöhten

Breitenbedarf haben, ist sowohl auf Radwegen als auch auf

Geh- und Radwegen besondere Vorsicht walten zu lassen! Jedenfalls

muss auf Fußgänger und Radfahrer geachtet und die

Geschwindigkeit entsprechend angepasst werden!

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 88a StVO

E. Scooter, Skate-, Snake- und Kickboard

Beim Scooter handelt es sich um eine Weiterentwicklung des

klassischen Trittrollers. Beide verfügen über ein bodennahes

Trittbrett und üblicherweise sowohl über eine Lenk- als auch über

eine Bremsvorrichtung. Allerdings handelt es sich beim Scooter

um kein Fahrrad!

Im Unterschied zu Scootern verfügen Skateboards und die sich

daraus entwickelten Snakeboards und Kickboards über kein direkt

lenkbares Rad und keine wirkliche Bremsvorrichtung. Grundsätzlich

weisen diese drei oder vier Räder auf. Snakeboards unterscheiden

sich vom klassischen Skateboard durch die Zweiteilung

des Standbretts, wobei die Teile aufgrund einer beweglichen Verbindung

eine schlangenlinienartige Fortbewegung ermöglichen.

Kickboards dagegen sind skateboardähnliche Sportgeräte, die üblicherweise

über zwei Vorderräder aber nur ein Hinterrad verfügen.

Der Boarder steht nicht frei auf dem Brett, sondern hält dieses

mittels eines Lenkstangenknaufs unter Kontrolle. Gesteuert wird

durch Gewichtsverlagerung.

Eine Verwendung auf der Fahrbahn, aber auch auf Radfahr- und

Mehrzweckstreifen sowie auf Radwegen ist verboten! Diese Sportgeräte

gehören auf den Gehsteig oder Gehweg, in die Fußgängerzone

und in die Wohn- oder auf die Spielstraße, wobei andere Personen

weder behindert noch gefährdet werden dürfen. Daher Geschwindigkeit

anpassen!

22


II. Kein Fahrrad

Motorisierte Scooter mit einer Bauartgeschwindigkeit von mehr

als 10 km/h werden als Moped eingestuft und erfordern Zulassung

und Kennzeichen (siehe Seite 21). Handelt es sich jedoch um einen

Elektromotor und beträgt die Leistung nicht mehr als 600 Watt

und die Bauartgeschwindigkeit maximal 25 km/h, so handelt es

sich um ein Fahrrad (siehe Seite 17).

HINWEIS

Für Scooter und Co. gilt grundsätzlich ein Mindestalter von zwölf

Jahren! Wer den Radfahrausweis erworben hat, darf schon mit

zehn Jahren allein mit diesen Trendsportgeräten unterwegs

sein. Ansonsten muss er von einer Person begleitet werden, die

mindestens 16 Jahre alt ist!

Relevante gesetzliche Bestimmung: § 2 Abs. 1 Z. 19 StVO

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