Gottesbild(er) Der Philosoph Platon war mit einigen seiner Schüler ...

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Gottesbild(er) Der Philosoph Platon war mit einigen seiner Schüler ...

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag, 26.05.2013/St. Augustin, Coburg/Roland Huth, Dekan

Gottesbild(er)

Sprichwörter 8,22-31 Römerbrief 5,1-5 Johannes 16,12-15

Der Philosoph Platon war mit einigen seiner Schüler ins Gespräch vertieft. Da

fragte ihn einer: Meister, was ist eigentlich der Mensch? Platon und seine Anhänger

begannen, diese Frage nach allen Regeln der Philosophie zu erörtern.

Am Ende der ganzen Überlegungen stand fest: Der Mensch gehört zum Tierreich;

mit wenigen anderen Kreaturen teilt er die Eigenschaft, auf zwei Beinen

zu gehen. Das einzig Unterscheidende: Er besitzt weder Fell noch Federn. Noch

während die Gruppe laut darüber diskutierte, kam der gewiefte Athener

Diogenes dazu. Er hörte, um welche Frage es ging und dass Platon und seine

Gruppe auf das Ergebnis gekommen waren, der Mensch sei ein fell- und federloser

Zweibeiner aus dem Tierreich. Darauf schnappte sich Diogenes einen

grade vorbeilaufenden Gockel, rupfte ihm die Federn aus, stellte ihn in den

Kreis der Denker und rief: Da, verehrter Platon, da hast du deinen Menschen!

Der Meister und seine Schülererzählt man – wussten nicht, was sie Diogenes

darauf antworten sollten. Alles Philosophieren hatte sie eigentlich nur weiter

weg gebracht von der Wahrheit dessen, was nun der Mensch wirklich sei!

„Seht, den Menschen!“ Diese wahre Begebenheit aus der griechischen Philosophie

kann ganz gut eine Brücke bauen zu dem heutigen Fest des Dreifaltigkeitssonntags.

Da stellt sich die Kirche – dogmatisch festgelegt – nebst den Theologen,

Predigerinnen und Predigern hin und sagt zu dem gläubigen Volk: „Seht

da, unseren Gott!“ Dass sich dabei ja schon seit Platon alle nachfolgenden

Generationen abmühen mit einer ordentlichen Definition der Spezies Mensch,

mag etwas trösten. Grade auch dann, wenn wir uns recht schwer tun davon zu

reden, wer und was unser Gott ist. Wir versuchen, uns damit einem Geheimnis

zu nähern, etwas von dem greifbar machen wollen, was in der

Unbegreiflichkeit grundgelegt wurde.

„Gott ist dreifaltig einer, der Vater schuf die Welt. Der Sohn hat uns erlöset, der

Geist uns auserwählt. Dies glaub ich und so leb ich, und will im Tod vertraun,

dass ich in meinem Leibe soll meinen Gott anschaun!“ Dieser Liedtext von

Marie-Luise Thurmair ist unser oft gesungenes Bekenntnis zur Dreifaltigkeit.

Hinter der Größe und der Erhabenheit dieses Bekenntnisses, hinter der Notwendigkeit

der Definition des seit den Ursprüngen des Christentums

Geglaubten liegt zugleich auch unsere Erkenntnis: Unser christliches Reden

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vom dreifaltigen Gott ist nicht weniger unbeholfen wie Platons Rede vom

Menschen. Die Theologie und Dogmengeschichte kann uns erschließen: Ja, es

ist schon irgendwie folgerichtig den einen Gott in drei unterschiedlichen

Personen und doch eben eins bleibendem Wesen entdecken zu dürfen. Es

braucht die Mühe – und dies ist der entscheidende Punkt, sich von zwei Seiten

dieser dogmatisch festgelegten Wahrheit zu nähern…damit sie uns nicht fremd

bleibt oder immer fremder wird.

Zum Einen: Wir brauchen einen guten, einen soliden Blick in die biblische

Offenbarung. Alle Rede von Gott – grade ab der Zeit des öffentlichen Auftretens

Jesu – entfaltet unser Gottesbild noch einmal neu. Bedeutet aber nicht

den Abschied vom monotheistischen Gottesglauben. Jesus erdet die Beziehung

zu Gott in einer entscheidend anderen und existentiellen Art und Weise. Und

die logische Konsequenz des Bekenntnisses über ihn: „Wahrer Mensch und

wahrer Gott“ führt uns den Schritt weiter: Vom Schöpfer Gott, von dem, der

mit seinem auserwählten Volk zieht - „am Tag in einer Wolkensäule und in der

Nacht in einer Feuersäule“ wie es im Buch Exodus heißt -, zum begreifbaren,

angreifbaren, im menschlichen Antlitz erlebbaren Gott: in Jesus Christus. Was

sich hier tut, das revolutioniert die Gottesbilder aller vorhergehenden Zeiten –

und aller nachfolgenden Zeiten. Hier wiederholt sich nicht etwa ein Halbgottglaube

der griechischen oder römischen Religionen. Hier stellen sich die ersten

Christen hin und behaupten – für damalige Zeiten mehr als kühn -: Jesus ist

Gottes Sohn! Und dabei kommt der zweite wichtige Aspekt der Annäherung

dazu: Sie können dies nur tun, weil sie hinter aller Theologie, hinter allem, was

ihnen Jesus erschlossen hat, eines spüren: Unser Gottesbild erschließt sich

auch und grade durch die lebendige, durch die gelebte Beziehung: Von Jesus

Christus zu Gott, seinem Vater. Und genauso notwendig von jedem und jeder

Einzelnen Gott selbst gegenüber. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat

unter uns gewohnt“ ist wohl dafür das eindrücklichste Bekenntnis, das wir

sprechen können.

Die notwenige Konsequenz aus dem Leben und Verkünden Jesu – und damit

kommen wir zur dritten göttlichen Person – ist der Heilige Geist. Hier spannt

sich der unendliche Bogen von Gottesbeziehung – vom Urgrund der Schöpfung

bis zu jeder personalen Gottesbeziehung hier bei uns – bis in die Ewigkeit. Das

Versprechen Jesu: Ich lasse euch nicht allein, ich sende euch den Beistand, den

Heiligen Geist“ ist die unendlich tiefe Beziehungsfestigung zwischen Gott und

Mensch.

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Liebe Geschwister!

Die Lehre von und der Glaube an den dreifaltigen Gott ist darum keine blanke

Ausgeburt von Theologenhirnen. Es ist Ausdruck tiefer Erfahrung und natürlich

auch zugleich ein theologischer Deutungs- und Festlegungsversuch. Dies annähernd

verstehen zu wollen und glauben und leben zu können, dazu braucht

es den immer neuen Blick in die Heilige Schrift und die lebendige Beziehung zu

Gott. Nicht, dass es unserer Definition von Gott so geht, wie der versuchten

Definition Platons vom Menschen - und wir am Ende mit einem gerupften

Gockel auf zwei Beinen dastehen!

Amen.

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