Friedrich der Große

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Friedrich der Große

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Friedrich der Große

Festrede

gehalten in der Festsitzung der Akademie der Wissenschaften zur Feier des 200. Geburtstages Friedrichs des Großen

am 2^. Januar im Weißen Saale des Königlichen Schlosses zu Berlin

von

Reinhold Kofer

(Eure

Aaiserliche und königliche Jiiajcftät!

Erlauchte Prinzen des Aöniglichen Dauses!

Hochansehnliche üerfatnmlungl

freudig ein bei Erneuerung einer Huldigung,

den hellen Ton, auf den unser«.' heutige Feier durch die soeben ehrfurchtsvoll und bewegt von uns vernommenen

Worte gesummt ist, klingt das warme Gefühl unserer Herzen

welche die Akademie der Wissenschaften von den Altvordern her als teure Pietätspflicht betrachtet. Seit dein ersten

Jahre nach Konica Friedrichs Co6e hat die Akademie ohne Unterbrechung alljährlich zum tTagc seiner Geburt fein

Gedächtnis gefeiert, ohne Unterschied der Alasse und des Faches haben unsere

den,

Festredner allgemeinen Dankgcfühl

Ausdruck zu leihen gesucht.

?in weiteres für das Andenken ihres erlauchten Wied erHerstellers 511 tun, ist der Akademie lauge Zeit versagt

geblieben. Der hervorragende Staatsmann, der, damals einer unserer tätigsten Mitarbeiter, in der Festsitzung vom

25. Januar ;?87 die Reihe unserer Huldigungen für Friedrichs Manen eröffnete, Graf Ewald Friedrich von Hertzberg,

hatte der Akademie die Aufgabe vorgezeichnct, den festen urkundlichen Unterbau für eine Geschichte Friedrichs des

Anmerkimg.

lieber htm Titel:Einfahrtstor zum Rhein- berger Parke poii G.IV.v.KitoMsborff; Zeichnung von prof. peter l^alm.

yol,ti,,lllllln .Jahrbuch (912,

,


2

Großen herzustellen. Als Minister der auswärtigen Angelegenheiten glaubte l)ertzberg es verantworten 511 können, dle

schätze der Archive alsbald für biefeu vaterländischen Zweck zu erschließen. Die Staatsmänner, die den Grafen

lxrtzberg ablösten, sind andrer Meinung gewesen; sein plan würbe zunächst verworfen und bann vergessen. (£rft dank

dem „großen und freien Sinne", der die Regierung unseres ersten Kaifers kennzeichnetes erhielt die Akademie jenen

ehrenvollen Auftrag, als Grundlage für die Geschichte des fridcrizianischen Zeitalters die Urkunden aus König Friedrichs

Nachlaß in monumentalen Sammlungen der Geffentlichkeit vorzulegen. Der hochherzige, enge Bedenken von sich

weisende Entschluß hat sich voll gerechtfertigt und reich belohnt. Nunmehr gewann die Geschichtsforschung die Möglichfeit

und den INut. an die Abtragung einer Ehrenschuld hcranzugcl?en, und der Zuwachs an zuverlässiger Aunde, die

Verliefung unseres Verständnisses haben bann die Wirkung in die Vreite nicht verfehlt, die in deutschen Herzen tiefeingewurzelte

Volkstümlichkeit des „alten Fritz" lebendig zu halten und immer zu steigern, wir alle aber, denen es

pergönnt war, an diese Arbeit Hand anzulegen, wir machen uns das Vekenntnis zu eigen:

Unsere Feier steht mi Deiche» der Dankbarkeit

Weine tust Hab', mein? Freude ich,

j'rri und für midj im Stillen utiabhöiiijiij.

3ln Heiner ffrcffliii?feit und Oeirlichkeit,

?l>n Hubm m»d IVjdjstum Deines großen Hamens.

-

der Dankbarkeit für das, was der Große König uns gewesen

ist, und für das, was er noch heute uns ist oder fein kann.

Friedrichs dauerndes Erbe in der Gegenwart gehört seinem Volte, gehört uns allein; fein Vildin der Geschichte

ist das Gemeingut vieler geworden, der Vesitz aller derer, deren Teilnahme durch dieses leben in feinen heroischen

Umriffen und mit seinem rein menschlichen Gehalt, mit seinen HVechselfällen, Steigerungen und Gegensätzen angezogen

wurde und gefesselt wird.

Den Kroupriii5cn Friedrich hat bisweilen der trübselige Gedanke beschlichen, daß feinem leben nur eine kurze

Frist zugemessen sei. Ware er gestorben, ohne die "Krone getragen 511 haben, er würde ewig betrauert und ewig ersehnt

in unsenn Andenken fortleben. Denn feine fugend in dem hellen licht der zahlreichen, schon aus erster Frühzeit

überlieferten Zeugnisse würde uns den reichsten Vetrachtungsstosf bieten — dieses junge leben, das nach rauhem Sturm

in ein sonniges IdyU ausgemündet war, dort in Rheinsberg, wo nun doch der Zögling der 2Nusen und Grazien,

anscheinend ganz einem verfeinerten Lebensgenuß ergeben, insgeheim in heißer Ungeduld sich verzehrte, in steter Sorge,

daß die Stunde der Ansprüche feines Staates ungenutzt vorübereilen könnte.

Kaum ist er zum Thron gelangt, da schlagt ihn» diese mit Spannung erwartete Schictsalsstunde. ?r wirft

sich in feine erste große Unternehmung mit dem guten leichten Sinn, mit der hellen Zuoersichtlichkeit, die unser größter

Dichter den Herrscherseelen kongenial nachempfunden hat:

IV Mut nch filhll in königlicher i 3 rnft,

Er zaudert feitiesu>C(js, betritt mit t„sl

Des Stufenthrones untergrab 11e Hcityi,

Keimt die Gefahl und steigt getieft I^inan;

Dt» goldneil Reif« ungeheure last,

Er wagt sie nicht, entschlossen wie gefaßt

Oriictt er sie fröhlich auf das Hilft Haupt

Und traat sie leicht, als wir von


3

Ein zweiter Krieg bringt den ersten Rückschlag d.-s Glücks. Abcr aus einer ernften prüfung geht er gereift

und gefestigt f?en>or un& schreitet neuen Ziegen zu. Der Glanz oon l)chenfnedberg und Soor überstrahlt die T^age van

Alollwitz und Chotusitz. Aber nicht geblendet durch den Erfolg, gewinnt und bewahrt er die klare Einsicht in die

Grenzen feiner Hilfsmittel un&

erkennt, daß ein Entwurf zur

völligenNiederwerfung der feinde

lichen Macht über das Maß feinet

Kräfte hinaufgehen würde. Für

eine Nrkundenveröffcntlichung zur

Geschichte seiner Friedensver.

Handlungen darf er das Motto

wählen:

Sidj selbst besiegen,

königlicher Steg — sui victoria

indicat regem.

Im Äegerkranz glüht

lasse.

er, den Aufgaben bis Friedens

sich zu weihen. ?r widerlegt die

Meinung derer, die vorschnell

geurteilt hatten, daß seine Vorliebe

ausschließlich dem Heerwesen

gelte. c£r bekennt in der

Freude seines friedlichen Schaf

fens, daß wahrhaft regieren das

Glück des Volkes fördern heiße,

daß wahrhaft sich nur im Frieden

regieren

Nun verbündet sich

Europa gegen den König von


Preußen „ihn zu bekämpfen

und ihn 511 bewundern", wie

der Franzose d'Alcmbert gesagt

hat. „Auch der Neberzahl gewachsen"

nee pluribus

— impar

— jubeln seine Vewundercr,

aber einer aus ihrer Zahl, der

23rite (Ühesterfield, setzt hinzu:

„wenn irgendein anderer Mann

in seiner Tage wäre, so würde

ich unbedingt sagen, er ist ver

loren; doch er ist solch ein

Wunder von einem Mann,

Friedlich tcr «Srofjc. QMjjemAIbe poii A. pestie im Srrliner 5(*jloffe. Aufnahme bei pfjütogriipljifi^cn «5SefcUirhuft Berlin

daß ich nur sagen will: ich fürchte, er ist verloren." Heuer Ruhin, Torbeer in überreicher Fülle fällt ihm zu,

aber auch für ihn wird &er Lorbeerkranz „ein Zeichen mehr des Leidens als des Glücks". Fortuna^ glücklichstes

Schoßkind, tute er sich in seinem ersten Kriege lachenden Mundes genannt hatte, wird von immer wuchtigeren

i*


4

Schickfalsschlägen getroffen und gebeugt. Gebeugt, aber nicht gebrochen. Als der Held des Jahrhunderts, doch

frühzeitig zu», Greise geworden, geht er aus dein ungleichen Kampfe hervor, tu Schlachte»» überwunden, im

Kriege unbefugt.

In neuer Friedensarbeit werden die Fäden alle wiederangeknüpft, die der Krieg zerrissen hatte. Nicht bloß

das Zerschlagene aufrichten und das Alle wiederherstellen, auch Neues schaffen wird die tosung. Der alte König

entfaltet die umfassendste Permaltunsstätigfeit. Nicht immer gleich erfolgreich und nicht überall gleich glücklich in der

Wahl seiner 2ni/(cl und feiner Werkzeuge, aber immer selbstbewußt, zielbewußt, stelig, :

lenkt er das Schiff in gerad

liniger Fahrt, ohne Schwankungen, ohne Kurstpedjfel, „mit festem Nlaß".

Derweil behauptet er in (Europa die Großinachtstellung, die er feinem Staate errungen hat. Indem er die

wage des Gleichgewichts Zwischen zwei aufeinander eifersüchtigen Nachbarn, seinen (Regnern aus den» großen Kriege,

in starker Hand halt, setzt er es durch, daß Preußen nicht leer ausgehl, als in (Osteuropa eine große Verschiebung der

Vesitzverhältnisse sich vollzieht. Er gewinnt dank dem Ansehen, das fein Schwert ihm verschafft hat, durch eine diplomatische

Verhandlung nochmals eine große Provinz, die tandverbindung zwischen den auscinanoerliegcnöeu seilen

feiner Monarchie, Uno als am Ausgang feiner Regierung jene beiden Nachbarn sich ein zweites Mal gegen ihn

verbünden, da versteht er es, mit einem neuen Vundesverhältni^, das ihm zunächst nur als ein kärglicher Notbehelf

erscheinen konnte, durch deu deutschen Fürstenbund, am Abend feines Gebens eine große moralische und nationale

Wirkung zu erzielen. Freudig, wie nach dein Tage von Roßbach, richten sich die Augen der Deutschen auf den

preußischen König, Noch fein sinkendes Gestirn erscheint dem nachwachsenden Geschlechle, wieder nach Goethes Ausdruck,

als „der Polarstern, um den sich Deutschland. (Europa, ja die Welt zu drehen schien".

Die Tat Anfang, Mitt' und Ende seiner Regierung, feines Tages, seines Gebens, Zugleich aber führte

dieser starke Gewaltige im Reiche der Tat ein Doppelleben im Seiche der Verachtung, im unendlichen Räume

des Gedankens.

Er weiß es, und wiederholt es fidi immer wieder: der Mensch ist nicht geschaffen zu philosophieren, sondern

511 handeln, und er bewährt diesen Grundsatz. Aber liesinnerlich? Ncigung lenkt ihn immer wieder zur Gedanken

arbeit und zum Schrifttum zurück. Nicht genug, daß er Tag für Tag, vom ersten bis zum legten Jahre feiner

Regierung, die Weisungen an seine Gehilien entwirft, in die Feder diktiert oder eigenhändig niederschreibt. Auch nach

Erledigung dieses Dienstes sucht er den Schreibtisch auf, nicht mehr aus Pflicht, sondern aus eigenen! Trieb, um des

Schreibens willen, daheim, auf Reisen, im Feldlager und im buchstäblichen Sinne zwischen den Schlachten. Als nach

seinein Tode eine Auswahl seiner literarischen Schriften in 25 banden el-schicn, wurde mit Recht gesagt, daß hier von

einem Manne der Tat die Fruchtbarkeit der schreibseligsten Schriftsteller erreicht oder übertroffen worden fei. Er selber

hat von seinem Schreibkitzel, seiner (kman^traison d'Ocriicr, gesprochen. Er scherzt: wäre er nicht durch seine Geburl

zum König bestimmt gewesen, so würde er ein Schriftsteller, ein Gelehrter geworden sein. Er vergleicht sich in feinet

Seßhaftigkeit am Schreibtisch den gelehrten vencdiklinern, nur daß er über Büchern und papier nie ein Asket oder

gar ein Pedant geworden wäre. Seine Frohnaiur hat ihn auch im höchsten Alter nicht ganz verlassen. Er blieb in

der 2Hitle seiner Tischgeoossen der Gesprächige. Mitteilsame, Muntere, ihr „alter sauberer" (U: vii:u\ sorcier), so daß

die Tafelrunde von Sanssouci uns noch heute das klassische Beispiel einer veredelten Geselligkeit ist. wo Geist und Witz

den !?orsitz führen. „Seine Heiterkeit kam von seiner Neberlegenheit", hat die Zarin Katharina pou Friedrich gesagt.

2Nan weiß, wie diese Heberlcgeuhcit auch in ätzendem Spott Ausdruck gefuuöeu hat, tu einem Spott, der.

einmal entfesselt, sich nicht gern l)alt gebieten ließ und der doch die im tiefsten Innern dieses reichen Gemüts

verborgene Frömmigkeit wohl bisweilen übertont, nie aber überwuchert oder gar erstickt Hill. Denn wieder und

wieder ist der Philosoph von Sanssouci aus Herzensbedürfnis zurückgekehrt zu dem grübelnden Nachdenken über

die großen letzten Fragen lind Rätsel, über die „(Ordnung, die der Welt von droben ward zu eigen", um

am lebten Ende, in einer Frömmigkeit jenseits von Uebcrlieferung und Dogma, die engen Grenzen unserer Einsicht

einzugestehen:


FRIEDRICH DER GROSSE. ÖLGEMÄLDE IN DER

ART ANTOINE PESNES IM BERLINER SCHLOSSE


5

Nicht darfst dli Gottes I^eislieit schuldig nennen,

rtait deiner Einsicht schwäche 511 bekennen.

ei$b,eit sonntest preisen.

Müßt' er dir erst fein 311113 «Geheimnis weisen.'

Es war eine Frömmigkeit, die auf bas engste verwandt war mit den t?armo>tien, die der Rex tibicen in

feiner Seele trug. Denn auch die HTufif ' diente ihm zur herzenscrhebung und ward ihm eine Friedensvermittlerin,

wenn es um ihn und in ih»n stürmte.

(Einen Hucrpfeifer und Poeten hatte einst den Kronprinzen Friedrich fein Vater gescholten. Der Querpfeifer

und poet ist auch der König Friedlich allezeit gewesen, auch als er der Täter des Vaterlandes, der Feldherr und

Staatsmann, der Gesetzgeber und Volkswirt, sein eigener Finanzminister und fein eigener Handelsminister geworden war.

Friedrichs Augenblicke gellen jai)tt", mit diesen, Worte, bas damals in ganz (Europa widerhallte, hat in

untrer Akademie ihr Präsident 2Nauperlms die glänzende Formel gefunden für eine auf atemloser Zeitausnutzung

beruhende Arbeitsleistung.

Gewiß ist Vielseitigkeit nicht immer ein tob, und immer nicht das höchste tob. hier aber lag neben der

nach allen Seiten ausgreifenden geistigen Regsamteil, der vielfältigsten geistigen Veranlagung die glücklichste (Ergänzung

nach der Seite bes. Charakters, des Willens. Neben der erstaunlichsten Beweglichkeit die Fähigkeit zu straffestcr

Zusammenfassung. Die Fähigkeit, von der einen Tätigkeit ganz unvermittelt und ganz gesammelt zu einer anderen,

oft völlig entgegengesetzten überzugehen. Friedrich hat selber bezeugt, daß er die Arbeit mit der Feder, die literarische

Produktion nicht bloß zur Abwechslung, sondern ganz eigentlich zur Erl?olung aufgesucht habe, zu einer Erholung,

die ihn nach dieser pause zu der strengen ihm obliegenden Königsarbeit geeigneter gemacht habe-, daß ihm, wenn er

träumerisch auf feiner Flöte improvisierte, oft die glücklichsten Gedanken für seine Staalsgcschäftc gekommen seien.

Diese Spannkraft eines wuchtigen Willens, diese Geschlossenheit und Straffheit seines ganzen Wesens hat sich

dann, wenn er vor großen, nicht den alltäglichen Aufgaben stand, ihm bewährt in dem nie versagenden Mut zum

Entschluß, in dem bellen 23Ikf für die Aufspürung und Erfassung des günstigen Zeitpunktes, in dem Augenmaß für

das Erreichbare, in dem bisweilen fehlgreifenden, aber immer entschiedenen Urteil über Brauchbarkeit ober Nndrauch'

barfett der zur Auswahl stehenden Mittel, in der Unerschöpflichkeit an aushelfenden, andere und ihn selber oft überraschenden

Eingebungen und Antrieben, mit einem Worte in allen den Eigenschaften, die den großen Niann, den

genialen Staatsmann und den genialen Feldherrn ausmachen.

Voll aber offenbarte sich die starke und Tiefe seiner Seelellkräfte erst im Unglück.

Seine Widerstandsfähigkeit gegenüber einem feindlichen Geschick erscheint um so bewunderungswürdiger, als

dieser Fürst von der Natur weich geschaffen war und weich geblieben ist trotz der starken legierung von harte, Strenge

und Rauheit, die das tcben und der 23eruf dem edlen Golde zugesetzt haben. 2 von Sorge, Zweifel und Gefahr

umringt, klagt er,

daß er innerlich unendlich leidet, aber er setzt hinzu, daß er feiner Seele Stockschläge gibt, auf daß

sie geduldig und still werde. Er hält die probe durch, auf die seine Nerven gestellt werden, während jener schier

endlosen Schreckenszeit, von Erwartung zu Erwartung, Spannung zu Spannung, Enttäuschung zu Enttäuschung,

Niederlage zu Niederlage, über ein Trümmerfeld von Entwürfen und Hoffnungen dahinschreitend, den, leiden pertraut,

dem Tode pertraut, dem Tode im Schlachtgewühl unerschrocken sich preisgebend, ja für den letzten dunkelsten

1 Vers sur l'cjiistence «le Dieu. (Kuvrcs de I-'rttlenc le Grand XIV,19.

— 8

Per Asnig schreibt am H.3 11 ''

an den Prinzen

Heinrich:

„J'aimeiCtre emu et snuir que j'ai un cn-ur; il n'? a que trop d'objelä qui cudurctsscni I'ämc, H «>,! l»ni de teir.ps en temps

de lamollir." politische Korrespondenz XXXV,4^.


6

Augenblick dem Code sich weihend. Und scheint er einmal unter der Wucht der Scbicffalsfcbläge zusammenzubrechen,

er richtet sich am neuen (Tage riesengroß wieder auf und hält sich fest au dem kategorischen Imperativ seiner "Königs^

pflicht. Sein sechster Feldzug endet mit dem Perluft zweier Festungen, weilerer Widerstand will ihn» zuerst kaum

moglid) erscheinen. Aber er wird den ihm anvertrauten Kosten nicht aufgeben und leiht dem Schwünge seiner Seele

in erschütternden Versen Ausdruck: „Vaterland, geliebter Haine, dir weih! sich in deiner Vedrangnis mein Herz, mein

trauerndes Herz, und opfert dir die erlöschenden Hefte eines unheilvollen Sehens; statt mich zu verzehren in unfruchtbarer

Sorge, werfe ich mich alsbald wieder in das Feld der Gefahr." Ali! diesem Hort von Crotz und Tapferkeit

in der Vrusl, mit diesen unerschöpflichen Kräften moralischen Widerstandes behauptet er sich sieghaft als der Mann,

der, da alle wankten, noch stand". 1

Die persönliche Größe Friedrichs haben vor hundert Jahren, midi dem jähen falle feines Staates, auch

Preußens Feinde nicht in Zweifel ziehen wollen. Aber in dem Frankreich

Napoleons wurde die Frage aufgeworfen,

ob nicht die Nachwell, die mit einem so ruhmvollen Titel geize, den Namen des Großen einem Fürsten versagen

werde, dessen Schöpfung ebenso vorübergehend gewesen fei wie er selber. Und auch bei uns wagte damals ein so

warmer ehrer Friedrichs, wie Sd)leiermacher, bei dem versuch, das bleibende und vorbildliche an seinem Werke

von dem Zufälligen 11116 vergänglichen zu scheiden, doch nur die allgemein menschlichen

Engenden der Arbeitsamkeit,

Sparsamkeit, Gerechtigkeit. Duldsamkeit, Humanität zu rühmen, die für sich allein den großen Regenten noch nicht

ausmachen.'

Wenn wir am heutigen Cage die Frage nach dem Gegenwartswcrt von Friedrichs

(Erbe uns von neuem

stellen, so haben wir vor der Generation von (8(2 den zwiefachen vorteil Poraus, daß das finstere Gewölk nicht auf

uns lastet, d


7

ZTCodjten die Werkmeister am Umbau unseres Staats wesen 5 vor hundert jähren da?, was- sie von der Vct*

gangcnheit schied, in den Vordergrund stellen vor dein, ums ihnen mit ihr gemeinsam war, die Auffassung dürfte

Ivfielvn bleib.',!, „daß die Kluft

zwischen dem 2Uteu und 6cm Heuen

gar nicht so groß war, als jene es

sich backten, und die Aehnlichkeiten

jedenfalls größer als die Verschieden-

Rotten". 1 3*11 Bereiche der geistigen

"Kultur ein ähnliches Verhältnis. Auch

hier hat bas Aufklärungszeitalter, das

Friedrichs Züge annahm, die grundlegende

Erziehungsarbeit geleistet, den

Noden bereitet, auf dem das Vildungsideal

unserer klassischen Citeraturperiode

Gestalt gewinnen konntet

Am deutlichsten tritt uns der

Zusammenhang mit der vergangen'

heit entgegen in unserer Stellung nach

außen, in unserer Großmachtstellung.

Friedrich der Große hat seinen Staat

den entscheidenden Schritt tun lassen,

indem er ihn einführte in den geschlossenen

Areis der alten großen

iUädite. Das neue Deutsche 2\ti&i

steht imStaaleiisystem,

mit gesteigerten

illaditmitteln, lediglich auf dem alten

Platze Preußens, auf dem Machte

fundament, das Friedrich gelegt hat.

Auf dieser Grundlage ist der T^urm^

bau

King für King emporgeführt

sind die Aufgaben

worden, und schon

gelöst, auf die der Begründer unserer

Großmachtstellung seine Nachfolger

noch selber, unmittelbar oder unter

bestimmten Voraussetzungen, hinge

wiesen halte. Der Körper des preu

ßischen Staates verlor allmählich die

unregelmäßige Gestalt, die den „König

der Grenzen", unc die Zeitgenossen

scherzten, mit Sorge erfüllte, sobald Mc Landkarte vor fein 2tuac trat. Die Kaiferfrone ist feinem £)aufc gewonnen

worden, deren (Erwerbung er erst für den Zeitpunkt als ein erstrebenswertes .?>>el bezeichnet hatte, wo der 5ttiat durch

1 lenz, beschichte der Rgl. .^iiedtich'N''!lI?l'l!N


8

neuen landzuwachs noch flattere Heftigkeit erreich! haben würde, und also ist die Abfolge der Porgänge eben die gewesen,

die sein vorschaucndcr Blkf als die gegebene bezeichnet hatte, anders als im ausgehenden Mittelalter, dessen Kaifer

zunächst nach der Krone und bann erst nach einer l>au3macht gestrebt Ralfen.

Auf dem Wasser ist König Friedrich der Begründer unterer Handelsmarine geworben; denn aus kleinen

Anfängen hat sich während feiner Regierung die prelißiscbe Vabysiottc, wie man in England damals spöttisch sagte,

zu bereits stattlichem Umfang entwickelt. Der König hat aus gewichtigen Gründen an den Bau einer Kriegsflotte

nicht herangehe» wollen, aber doch schon einen ersten Anfang für den Zeitpunkt ins Alige gefaßt, daß

Danzig in

preußischen Vcsitz gelangen würbe. Danzig ist dann, 511 viel späterer Zeit, in der Tat die Wiege unserer Seemacht

geworden, die Wiege, der sie jetzt längst entwachsen ist. Denn wie ciuft in einer Zeit lang andauernden Friedens bas

£)eer geformt und geschult worden ist, das Friedrichs schlachten geschlagen hat, Friedrich I. eiserne Saat, so

ist in unfern lagen eine neue eiserne Saat aufgegangen und herangereift: Deutschlands gepanzerte Schutzwehr zur

See, die eherne» 2Uauern, liinter denen wir uns verteidigen können wie cinsl die Athener hinter jenen „hölzernen Mauern".

Das alles waren und sind Akte der Testamentsvollstreckung, die Fortführung feines wertes in der Richtung,

die der Große König gewiesen halte, allerdings weit hinaus über die Strecke des Weges, die fein Auge noch zu

erkennen vermochte. Und der seither zurückgelegte Teil der Fahr! ist so ausgedehnt gewesen, daß die unmittelbare

Empfindung für den «Zusammenhang mit 6»x Vergangenheit uns schon verloren ging und daß der Ausgangspunkt

erst durch die historische Betrachtung uns aneber nahegebracht werden muß.

l)eller und lebendiger stehen vor unferm 23lü die großen Vildcr, für die Friedrichs leben den Rahmen

geboten hat,

so viele im vollsten Sinne volkstümlich gewordene Szenen dieses gewaltigen historischeu Schauspiels. ?in republikanischer

Staatsmann und Geschichtsforscher' hat sich zu der enthusiastischen Auffassung bekannt, daß über allen materiellen Gewinn

ihres geschichtlichen kebens hinaus eine Nation unberechenbar reicher sei durch ihre großen Erinnerungen, daß jeder grimme

Fcldzug, jede heißmnstrillene Schlacht eine nationale Bereicherung darstelle. Solchen Reichtums haben wir bei uns die Fülle.

Immerhin sind Erinnerungen Imponderabilien, rein ideale Güter. Aber was uns in Fleisch und Blut übergegangen

ist, wenn auch den meisten heute unbewußt, bas ist der Niederschlag, den Friedrichs Wesen und Wirken inunferm

Natioualcharakter hinterlassen hat. Preußens Geschichte ist von einem Vertreter der Rassentl^orie' als Veispiel dafür angeführt

worden, wie im hellen (ich! der Geschichte eine neue Rasse, mit neuen Eigenschaften ausgestattet, emporkommen

kann. Unsere aus so verschiedenen deutschen Stämmen gemischte „neue Abart der germanischen Rasse" hat einen ihr Wesens

lichen Zug doch erst erhalten in der Epoche, da alle Einwohner des Hohenzollernslaates sich als Preußen 511 fühlen und ohne

Unterschied ftdi Preußen zu nennen begannen. Zu °* Disziplin der harten Schule Friedrich-Wilhelms I. traten Selbstbewußtsein,

Schwung und Stolz, damals als nach Goethes Wahrnehmung der geborene Preuße fein Teil an der Glorie des

Großen Königs sich zueignete und als neben „Tüchtigkeit, Strenge, Schärfe, Tätigkeit und Ausdauer" auch „wert, Würde

und Starrsinn" die hervorstechenden Züge des preußischen Nationalcharaklers würben. Daß die Preußen sich seitdem als ein

Volk, ein einheitliches l?olk, ein ruhmvolles Volt fühlen, hat Ernst Moritz Arndt, dessen Urteil über die Persönlichkeit

Friedrichs so befangen war, in unbefangenster Weise anerkannt, wenn er den Preußen nachrühmte, daß sie nach dein riefen

Fall von 18Oh im Gegensatz zu den übrigen Deutschen, „den Bürgern kleiner Staaten und Teilnehmern kleiner Perljältnifte",

ohne Ehre nicht mehr glücklich sein konnten, weil sie einen unsterblichen Hamen, einen großen Ruhm wiedercinzulösen litten.

So ist der Große König feinem Volk ein Erzieher gewesen, was aber weiß uns dieser Erzieher noch heul'

zu lehren und zu raten?

t>cnifd*c Geis« sich in ihnen uiiiertrenuli* pcnnäbltrn", nn& i}.von Treitschke bat in feiner Deutschen Geschichte diesen Gedanken der Derformun«

&es preußischen Staates mit dem Reichtum deutscher Vildlmg näher ausaefiihrt. Vabei aber darf nicht Überfein werden, daß die

deutsche yil&itng des 2hiffl5rnit9S3eitaIt«rs, d. h. eine aeistiae Bewegung, u>ie nach A. k?arnacf§ Urteil (Geschichte der Kgl.


TAFEL

MIT

ANDENKEN

AN

FRIEDRICH

DE&

GROSSEN,

AUFGESTELLT

IM

WEISSEN

SAALE

DES

BERLINER

SCHLOSSES

BEI

DER

FESTSITZUNG

DER

AKADEMIE

DER

WISSENSCHAFTEN

ZUR

FEIER

DES

200.

GEBURTSTAGES

FRIEDRICHS

DES

GROSSEN AM

24.

JANUAR

1912/

UNTER

DIESEN

ANDENKEN BEFANDEN

SICH

FRIEDRICHS

DEGEN,

HUT,

SCHÄRPE,

HANDSCHUHE,

STOCK,

FLÖTE,

FERNROHR,

ZEICHNUNGEN

AUS

DEM

HOHENZOLLERN-MUSEUM, EIGEN

HÄNDIGE

MANUSKRIPTE

AUS

DEM

GEHEIMEN

STAATSARCHIV,

ERSTE

AUS-

GABE!^

SEINER

WERKE

AUS

DER

KÖNIGLICHEN

HAUSBIBLIOTHEK,

POR-

ZELLANE

UND

GLÄSER

SEINER

MANUFAKTUREN

AUS

DEN

KÖNIGLICHEN

SCHLÖSSERN

UND

DEM

KUNSTGEWERBE-MUSEUM, PLÄNE

SEINER

BAUTEN,

KUPFERSTICHE

USW.

DAS

GANZE

ÜBERRAGT

VON

EINER

VERKLEINERTEN

KOPIE

SEINES

DENKMALS

VON

RAUCH

IN

BERLIN


9

=^5

Xiidjidaß mit im einzelnen Falle die frage stellen dürfen, nne Friedrich der Große sich bei dieser Gelegenheit

verhalten haben würde; denn der Satz ist unbestreitbar, daß die großen ntänner nicht ab Hörbilder in die Weltgeschichte

hineingesetzt sind, sondern als

Ausnahme». 1

Wohl aber wird jeder

Staat aus dein schätze feiner Heberlieferungen

eine Summe von allgemeinen

Grundsätzen, (Erfahrungen, kehren und

Beispielen, von Antrieben und war

nungen sich entnehmen können. Unb

was Friedrich 311 dieseni Schatze polt*

lischer Erbweisheit beigesteuert hat, das

ist zum guten Teil bis heute als laufende

im Verkehr geblieben, dank der

scharfen prägung, die seine golönen

Worte durch die Verbrüderung von

treffenden! Urteil und unnachahmlichem

Ausdruck erhalten haben.

Worte,

die in Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft gleichen Klang

und gleichen IDert haben werden. Sein

©ebot, daß keine Konfession der anbern

2Ibbruch tun dürfe, weil hier ein jeöer

nach seiner Fasson selig werden müsse,

wird für alle Seiten einem jeden eine

Mahnung sein, nicht bloß Dom Staate

Duldung für sich zu verlangen, sondern

selber gegen Andersgläubige duldsam

zu fein; wie denn bas aus Friedrichs

Geist geborene preußische Tandrecht

neben die Bürgschaft für

eine „voll

fomntene Glaubens- und Gewissensfreiheil"

die Verpflichtung gestellt hat

zu „Gehorsam gegen die Gesetze, (Treue

gegen den Staat und sittlich guter Gesinnung

gegen die Mitbürger". Ein

preußischer Richter hat dieser Cage „als

die schönste deutsche Nebcrsetzung des

alten sandekteusatzes Suum cuique"

Friedrichs Worte bezeichnet: „Die Gc-.

Friedrich der (Srogp. Miinnotbüjle «o» l?, Sti'ii&otD im Scfitl DOn Frau Ded. ©bcrregierutigsrat Deltiriitf

Aufnahme der pbolö^tapHicten (StfeÜidfdft, Setiin

richte muffen nur wissen, daß der geringste Bauet, ja, was Noch mehr ist, der Bettler, ebensowohl ein INensch ist, wie

Seine Majestät, indem vor der Justiz alle Ceute gleich sind." B Auch unsere moderne soziale Gesetzgebung hat manchen

1

3. SiirctyarM, Die

liiftoiiföe Größe (Weltgeschichtliche Betrachtung!,',,, S. 23-*).

— 3 vfr. 170113c in der Deutschen Juristenzeitung

com (5. Januar \$\2.

t)olfniicUcrtiO"^it"i(t? 1912- 2


10

in

Grundgedanken schon in Friedrichs herrsch erb rorgezeichnet gefunden. Hub sein Wort, daß (Erfahrung unb

S hat ein französischer Diplomat nur zu richtig festgestellt, daß

Friedrichs Epigonen Geist und Grundsätze seiner Regierung nidit ergriffen hatten, vergessen waren vor allem feine

beiden großen Leitsätze, daß, wer nicht tvrwürtsfommt in Europa, zurückkommt und daß die Reputation eine Sache

Dort unbezahlbarem wert sei und mehr gelte als selbst die JUadit. Vergessen auch seine Anschauungen über den wert

und Unwert von Vündnissen mit dem ewig gülligen Endurteil: „Die besten Alliierten, so wir haben, sind unsere

eignen Truppen." 3

Was für unser Heer der „König iloune'tablo" bedeutet hat und bedeutet, das ist zur Porfetcr seines Geburt«'

tages den Angehörigen des Heeres aus berufenem Munde dargelegt worden, weit aber über den Kreis des Heeres

hinaus reicht heute, wie vor anderthalb Jahrhunderten, Friedrichs Mahnruf an die Kleinmütigen, die da zagen, noch

ehe im Krieg oder int Frieden eine Schlacht verloren, und fein Sammelruf au das letzte Aufgebot nach einer verlorenen

Schlacht.

¦

Unsere Feier ist eine Erinnerungsfeier an ernste Zeit ernster Zeil. König Friedrich hatte die Hoffnung

ausgesprochen, daß dereinst sein Staat auf stärkerer Machtgrundlage und mit besseren Grenzen der straffen Anspannung

eher werde entbehren können- bis dahin werde die kosung lauten: „Toujours en vedette!" Die Losung gilt weiter.

Noch heute müssen wir wie damals, um Friedrichs Worte zu wiederholen, scharf „auf unsere Nachbarn achten, und

bereit sein, uns von heute auf morgen gegen die verderblichen Anschläge eines Feilides u verteidigen".

In der Ueberlicferuug seines Kaufes fand König Friedrich die Devise vor: „Meine Pflicht ist mein Vergnügen

— mon devoir rät mon phisir." Diesem Wahlspruch der Großmutter, der philosophischen Königin Sophie-

Charlotte, stand zur Seite die Mahnung des Katers; „Zur Arbeit sind die Fürsten geboren." Der Sohn hat das

Wort weitergegeben. Indem er sich als den ersten Diener des Staates bezeichnete, sagte er sich auch, daß der Dienst

am Staat nichl ausgeübt werden kann ohne die gewissenhafteste Stetigfeit und ohne die sorgfältigste Vorbereitung.

Deshalb warnte er seinen Thronfolger: „Entweder soll man an die Regierung der Staaten sich nicht heranwagen ober

man soll den hochherzigen Entschluß fassen, sich der Aufgabe würdig 311 machen und alle Kenntnisse zu erwerben, die

zur Ausbildung eines Fürsten gehören, und soll sich in edlem Ehrgeiz dazu anfeuern, feiner der Mühen und keiner

der Sorgen sich zu entziehen, die das Regieren erfordert." wer hat mehr sich auf heilere tebenskunsl, auf einen verfeirterten

Lebensgenuß verstanden, als der Philosoph von Sanssouci, der sich selbst wohl als eine epikureisch gerichtete

Natur bezeichnet hat! „Zu Sparta hielt ich hoch Athens gepflegte Sitte!" Ader die Schule von Athen lehrte neben

der Freude am (eben und an der Schönheit auch den herbsten politischen Idealismus, und den größten aller Athener

1 Acta Jk>rusiica (^ciie „l^fbütbenoroianifation mit) allgemeine

*

5taatii>eitualtuitg"), IX, 35'). iMgmarrf, C9cl>anfcn und

-~ 3 politische 0Iorrcfpouben3 IV,

(Eriimcrunarti I, 2:0.


FRIEDRICH DER GROSSE.

ÖLGEMÄLDE VON J. H. CHR. FRANKE IM BESITZE DER

FIRMA DELBRÜCK SCHICKLER & CIE. AUFNAHME DER

PHOTOGRAI'HISCHEN GESELLSCHAFT IN BERLIN


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läßt bor große attische Geschichtsschreiber i>65 heroische IDovt sprechen, daß das die edelsten Seelen sind, die bei voller

Empfänglichkeit für den Genuß und klarer Vorstellung Don bevorstehenden 2^ühsalcn und (Dpfern sich doch nicht verleiten

lassen, der Gefahr aus dem N)egc 511 gehen. Dieser in der edelsten Bedeutung antiken Gesinnung hat der l)eld

des \8. Jahrhunderts nichts nachgegeben, wenn er in dunkelster stunde erklärte: „Gewiß, ich kenne den Xpert der

?vuhe, den 2?eiz der Geselligkeit, die Freuden des Gebens. Auch ich wünsche glücklich zu sein, wenn irgend jemand.

jriebrid) der


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Gesinnung, diesem vaterländischen Gesamtgefühl, das nicht den Acker oder fünf 3°^? Gchsen und auch nicht Weib und

liinb als Hindernis ansieht , 1 diefer Vaterlandsliebe als der alles zusammenhaltenden Kraft ini Staatslebcn hat der

„erste Diener des Staates" den ergreifendsten Aufdruck gegeben in einet seiner letzten Schriften, den „Briefen über die

Vaterlandsliebe" Don \7~ l ).

Had^ einer begeisternden Aufzählung all der wohltaten, die jeder einzelne dem Paterlande

verdankt, weiht er sich dein Vaterlande mit dein Gelübde: „Ich bekenne, daß ich dir alles schulde, auch bin ich

dir auf bas innigste und unlösbarste

verbunden."

Das ist es und vieles andere, was uns der Große König heute noch 311 sagen weiß.

Dem Daterlande gilt in der Urkunde seine-, letzten Willens das letzte Wort, das Wort, das auch das Schluß,

wort unserer Feier, hier an dieser durch historische (Erinnerungen geweihten Stätte, sein soll: „IHeine letzten Wünsche

im Augenblick meines letzten Atemzuges werden dein Glücke dieses Reiches gelten. 2Högc es der glücklichste aller

Staaten fein durch die 21Til6e der Gesetze, der bestverwaltete in seinen! Haushalt, der am tapfersten verteidigte dank einem

l)ecre, das nur Lhre und edlen Kur^m atmet, und möge dieses Aeich blühen und dauern bis an das Ende der Zeiten."

1

Worte dcZ Briefes Stsmarcfs an 21. von Koon vom 20, November \873.

iluffcdEirung br$ «Pröfjni itii Kubictlj.jimniet: bes pofabclttißr Stabtfdfloffes. von 71. £. Ktiigcr unrfj i>. ©ontnift iui KSnigl. Kiifferftidiftibinctl,Berlin


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