Skript - Akustischer Ortsführer Wolbeck

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Skript - Akustischer Ortsführer Wolbeck

Akustischer Ortsführer Wolbeck Version 1.1. Ein Rundgang mit acht Stationen.

Textversion

Einführung

Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Herzlich willkommen zum akustischen Ortsführer Wolbeck. Wir laden dich ein auf einen

Spaziergang durch den Ort und zeigen und erläutern dir einige Denkmäler und

Sehenswürdigkeiten. Die Führung wird, je nachdem wie lange du dich an den einzelnen

Orten aufhalten möchtest, mindestens 30-40 Minuten dauern. Wenn du irgendwo länger

verweilen willst, dann drücke einfach solange auf „Pause“.

Bevor es losgeht, beachte bitte noch folgenden Sicherheitshinweis.

Regel die Lautstärke deines MP-3-Players so, dass du noch auf den Verkehr achten und

Radfahrer und Autos noch hören kannst. Gerade wenn du stark befahrene Straßen

überqueren musst, bitten wir dich zu deiner eigenen Sicherheit, den akustischen Ortsführer

zu stoppen.

Nun aber viel Vergnügen und eine angenehme Tour wünschen dir

Die Hörspiel-AG und die Klasse 6e des Gymnasiums Wolbeck!

Station 1: Das Ziegenbocksdenkmal

Das Denkmal wurde errichtet, um einen in der Region außergewöhnlichen Karnevalsbrauch

lebendig zu halten. Im Jahre 1958 fand in Wolbeck der erste offizielle Karnevalsumzug statt

mit einer Ziege als Maskottchen. Daraus wurde der Ziegenbocksmontag, kurz ZiBoMo, wie

der Hauptfeiertag der noch jungen Karnevalsgesellschaft genannt wurde.

Das Ziegenbocksdenkmal wurde von dem damaligen Heimatvereinsvorsitzenden, dem

Zahnarzt Dr. Hermann Peters geschaffen und ein Jahr nach dem ersten Umzug 1959 enthüllt.

Die zahlreichen Ziegen in Wolbeck galten früher als die „Kuh des kleinen Mannes“. Jedes

Jahr am Montag vor dem Rosenmontag wird hier der ZiBoMo mit Tausenden von Menschen,

die aus der ganzen Region kommen, gefeiert. Und immer läuft ein Ziegenbock vor dem

Karnevalszug her und wird geehrt.

[Ein Jahr nach der Einweihung dieses Denkmals durch Pewo, wie man Dr. Peters nannte,

sollte am 22.02.1960 eine Urkunde in den Sockel eingemauert werden. Die fertige Urkunde

verschwand allerdings in dem Festtrubel und tauchte nicht wieder auf. Deshalb wurde eine

neue Urkunde angefertigt, die am Ziegenbocksmontag, dem 06.02.1961 in den

Denkmalsockel eingemauert worden ist.]

Schaue dich gerne hier noch um und gehe dann nach rechts den Bürgersteig entlang an der

Eisdiele vorbei, bis zur Apotheke und dort geradeaus über die Ampel. Du siehst auf der

anderen Straßenseite links ein eisernes Tor. Gehe dadurch in den Park. Rechts liegt ein alter

Friedhof. Gehe weiter in Richtung Tümpel und schaue auf das Gebäude, das links vor dir

liegt. Das ist der Drostenhof, die Station 2.

Drücke solange auf Pause, bis du etwas über den Drostenhof erfahren möchtest.

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Station 2: Der Drostenhof

Der Drostenhof gilt als das wohl bedeutendste Denkmal in Westfalen der Renaissance, eine

Kunstepoche des 15. und 16. Jahrhunderts. Das Ehepaar Dirk von Merveldt und Drüke von

Nagel begann mit dem Bau im Jahre 1545. Der älteste Bauteil ist das Torhaus und liegt direkt

an der Münsterstraße, das Haupthaus wurde um 1557 fertiggestellt. In einer alten Chronik

kann man nachlesen, wie hart die Bauzeit gewesen sein muss. Dort heißt es:

„Ein Eigenhöriger des Dirk von Merveldt hatte sich mit seinen schwer mit Steinen beladenen

Wagen in einem Sumpf festgefahren, ein Pferd war durch die übermächtige Anstrengung

verendet. Der Leibeigene stand händeringend und weinend dabei, als durch Zufall plötzlich

der Bischof Kettler neben ihm stand. Dieser erkundigte sich nach den Umständen, gab ihm

Geld und befahl ihm, die abgetriebenen Pferde abzuspannen, den Wagen stehen zu lassen und

nach Hause zu gehen. Auf die Erwiderung des Bauern, dass sein Herr dieses schwer bestrafen

würde, antwortete der Bischof: Sagen Sie ihm, Kettler selbst habe es befohlen.“

Nach dem zweiten Weltkrieg diente der Drostenhof als Unterkunft für Flüchtlinge. Heute

wohnen hier noch immer Nachfahren der Merveldts und bis vor kurzem befand sich im

rechten Teil des Gebäudes das Westpreußische Landesmuseum.

Laufe nun am Teich entlang durch den Park. Der Teich ist ein Rest der ehemaligen Gräfte. Im

Park selbst, der heute zu Spaziergängen einlädt, steckt noch ein Teil der früheren Umwallung

Wolbecks. Im hinteren Teil siehst du einen Spielplatz. Lass ihn rechts liegen und gehe den

befestigten Weg entlang bis zum Tor. Während du weiter durch den Park läufst, erzählen wir

dir etwas über „Hexenwolbeck“

Hexenwolbeck

In der Neuzeit wurden auch im Münsterland viele Menschen, besonders Frauen, wegen

angeblicher Hexerei angeklagt, gefoltert, verurteilt und hingerichtet. Auch in Wolbeck soll es

sich so verhalten haben, auch wenn es kaum noch konkrete Zeugnisse dazu gibt.

Ein sehr schlimmer und seltsamer Fall ereignete sich im Jahre 1631. Er nahm in Albersloh,

wenige Kilometer südlich von Wolbeck, seinen Anfang. Dort zeigte eine Frau namens Fenna

Drost ihre eigene 13-jährige Tochter Ennecke in Wolbeck wegen Zauberei an. Das Mädchen

wurde befragt und erzählte abenteuerliche Geschichten über Hexerei und Teufelspakt und

einem rätselhaften Zusammentreffen mit einer Frau namens Trine Ostkamp, die es in die

Kunst der Hexerei eingeführt habe. (Swinegels: Mein Hexentraum)

Tatsächlich ging es auch hier um eine verhexte Kuh, die tot im Stall gelegen haben soll…

Die Behörden hatten Bedenken, ein noch minderjähriges Mädchen als Hexe zu verurteilen.

Deshalb klagten sie Trine Ostkamp, die angebliche Hexen-Lehrerin des Mädchens, an. Sie

wurde hier in Wolbeck eingesperrt, verhört und gefoltert. Schließlich kam sie ums Leben,

wie, das weiß man nicht genau. In einem Schreiben an den Wolbecker Drosten Dietrich

Hermann von Merveldt wurde lediglich festgestellt, dass ihr Hals gebrochen sei und zwar

„rein und geheill.“

Wenn du am Tor bist, dann geh bitte nach rechts auf die Drostenhofstraße. Folge ihrem

Verlauf und biege nach ca. zwei Minuten ab nach rechts auf die Hofstraße. Du siehst auf der

rechten Seite ein großes Haus. Das war das Kurhaus von Wolbeck. Laufe bitte an der

gleichnamigen Bushaltestelle vorbei und drücke auf Pause, bis du auf der Brücke bist, von

der du einen guten Blick auf das Kurhaus hast.

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Station 3: Das Kurhaus

1892 errichtete Sanitätsrat Dr. Wilhelm Lackmann das Kurhaus an der Angel in Wolbeck.

Hier bekam man vor allem Wasserkuren. Direkt am Fluss war ein guter Ort, um diese

durchzuführen. Es wurden Krankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht, Gicht und Rheuma

behandelt. 1895 und 1924 kamen zwei weitere Anbauten hinzu, sodass hier in 50 Zimmern

bis zu 80 Personen untergebracht werden konnten.

Nachdem Wilhelm Lackmann gestorben war, übernahm sein Sohn Wilhelm Junior die

Leitung des Kurhauses, bis der Betrieb 1958 wahrscheinlich wegen mangelnder

Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde. Aus dem Gebäude wurde zunächst ein Altenheim und

später wurde es in Wohnungen aufgeteilt und vermietet.

In den 1960er Jahren wurde Wolbeck zum Kneippkurort. Dafür bekam der Ort 1965 eine

zentrale Wasserversorgung und der Dorstenhofpark, durch den du eben gegangen bist, wurde

ausgebaut. Ursprünglich wurde hier ein Kurzentrum geplant, doch es erwies sich als zu

schwierig und zu teuer um es zu realisieren. Wolbeck konnte sich nicht richtig als Kurort

durchsetzen. 1969 zum Beispiel gab es hier nur insgesamt 12 Kurgäste. Schließlich wurde

kein Antrag auf Verlängerung des Kurorttitels gestellt und seit 1976 ist Wolbeck kein

offizieller Kurort mehr.

Vor über einhundert Jahren hatte dieses Kurhaus einen heute noch berühmten Patienten

beherbergt. Der Dichter Jakob van Hoddis war im Jahre 1912 für einige Wochen hier zur

Nervenbehandlung. Er schrieb das berühmte Gedicht „Weltende“.

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

In allen Lüften hallt es wie Geschrei.

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Wenn du mehr über den jüdischen Dichter Jakob van Hoddis, seinen Aufenthalt hier in

Wolbeck, sein Werk und sein eigenes tragisches „Weltende“ erfahren möchtest, dann höre dir

folgenden Beitrag der HörspielAG an. Er dauert etwa 20 Minuten. Wenn du deinen Rundgang

direkt weiter fortsetzen möchtest, dann überspringe einfach den folgenden Track.

Überquere die Fußgängerampel und laufe den Angelpfad hinunter. Du machst jetzt einen

Spaziergang zum Ursprung Wolbecks. Während du weiterläufst, hörst du, wie der Ort zu

seinem Namen „Wolbeck“ kam.

Die erste urkundliche Erwähnung ist datiert auf das Jahr 1185. Aus dieser Urkunde geht

hervor, dass es hier zwei Bauernhöfe gab, die dem Bischof Hermann aus Münster gehörten.

Der Bischof sicherte Erträge dieser Bauernhöfe dem Kloster Marienfeld zu, das in der Nähe

von Harsewinkel, etwa 40 Kilometer von hier entfernt liegt. In der Urkunde steht „iuxta

Walbeke“, also „in der Nähe von Walbeke“, was übersetzt so viel wie „Waldbach“ heißt und

woraus später dann „Wolbeck“ wurde. Noch heute gibt es hier viel Wald. Der Tiergarten, der

direkt hinter dem Kurhaus beginnt, ist noch immer ein riesiges Erholungs- und Waldgebiet

mit einer Naturwaldzelle. Mit dem Bach ist wahrscheinlich die Angel gemeint.

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Du kommst bald zu einer Fußgängerbrücke. Dort findest du zwei grüne Informationstafeln,

die Nummer 6 des Wolbecker Spaziergangs. Von hier aus siehst du eine kleinere Erhebung.

Hier stand einmal die alte Burg von Wolbeck. Drücke auf Pause, bist du etwas über die alte

Burg erfahren möchtest.

Station 4: Die alte Burg

Auf diesem Erdhügel, auch Motte genannt, ließ der damalige Bischof Ludolf von Holte im 13.

Jahrhundert eine Burg errichten. Heute kann man noch gut erahnen, wo sie gestanden hat.

Von den Gebäuden, den zwei Meter dicken Außenmauern und dem achteckigen Turm sind

zwar keine Überreste mehr zu sehen, es existiert nur noch ein Brunnen. Der Bischof weilte

häufig hier in Wolbeck und wohnte wahrscheinlich im ersten Stockwerk der Burg, was

damals nicht sehr komfortabel war. Heute nennt man dieses Gelände auch ,,Tripps Hügel“,

weil die Familie Tripp auf diesem Grundstück einen Bauernhof errichtet hat.

Man weiß nicht sicher, ob es hier nicht schon vorher eine andere, noch ältere Burg gab. Der

Sage nach sollen die Meinhövel im Jahre 915 die Stadt Münster, damals genannt

Mimigernaford, erobert haben, bis schließlich Ludolf von Holte sie bei der Schlacht von

Ermen, dem heutigen Lüdinghausen schlug. Zu diesem Streit zwischen den Meinhövels und

dem Bischof gibt es eine alte Sage:

„Um 1240 lebte auf ihrer Burg zu Wolbeck eine Witwe von Meinhövel. Die war eine stolze

und aufgeblasene Frau, die sich nicht die geringste Beleidigung gefallen ließ. Nun ereignete

es sich, dass einige Landsknechte des Bischof Ludolph dieser Frau eine Kuh von der Weide

entwendeten. Sie wurde darüber sehr sehr zornig. Anstatt sich beim Bischofe über diese Tat

zu beklagen und die Bestrafung der Schuldigen zu verlangen, rief sie ihre kampflustigen

Söhne zusammen und sie kämpften mit viel Verstärkung gegen die Truppen des Bischofs. Der

konnte dieser großen Macht nur wenige Streiter entgegenstellen. Am 12. Juni 1242 kam es bei

Ermen, unweit von Lüdinghausen zur Schlacht. Auf beiden Seiten wurde tapfer gekämpft.

Schließlich aber mussten die Bischöflichen der Übermacht weichen. Doch plötzlich, so heißt

es in der Sage, erschien ein weißer unbekannter Ritter, der in den vordersten Reihen der

Bischöflichen focht. Alles warf er vor sich nieder, niemand konnte ihm etwas entgegensetzen

und die verloren geglaubte Schlacht endete doch mit einem vollständigen Siege für den

Bischof. So fiel Wolbeck dem Bischof zu.“

Wenn auch mancher glaubt, dass die Meinhövel die Gründer Wolbecks seien, so war es wohl

tatsächlich der Bischof Ludolf von Holte.

Wenn du hier noch ein wenig verweilen willst, dann lausche doch folgender Gruselgeschichte,

die in der alten Burg zu Wolbeck spielt. Möchtest du den Rundgang direkt fortsetzen, dann

überspringe einfach den nächsten Track.

Gruselgeschichte

Es gab einst eine Burg, die ragte über einem kleinen Dorf empor.

Es war ein idyllischer Hügel mit weiten Wiesen und blühenden Blumen. Nachts schien der

Mond, wie auf jeder anderen Burg. Aber wenn der Mond verdeckt hinter den Wolken lag,

dann …

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Es war in einer Nacht, wie ich sie gerade beschrieben habe, als ein paar Ruinenforscher in

Wolbeck ankamen. Sie gingen hoch auf den Hügel mit Taschenlampen. Das vermoderte

Burgtor öffnete sich von selbst. Sie traten ein und guckten sich jeden Winkel an und drangen

weiter vor. Die Taschenlampen fingen an zu flackern, schließlich gingen sie ganz aus. Die

Ritterrüstungen fingen an sich zu bewegen, sie zogen ihre Schwerter und schnürten Säcke

über den Köpfen der Forscher zu. Sie warfen die Forscher in den Burggraben.

Nun, die Taschenlampen sind von der Erde verschüttet worden. Und wenn ihr fleißig grabt,

dann findet ihr sie und auch die Säcke.

Gehe nun über die Fußgängerbrücke und überquere die Angel. Laufe den Weg entlang…

Biege an der Straße rechts ab. Nach etwa 60 Metern erreichst du die Kirche. Drücke auf

„Pause“,und laufe so lange, bis du einen guten Blick auf die Kirche hast.

Station 5: Die Kirche Sankt Nikolaus

Du bist nun an der katholischen Sankt Nikolaus-Kirche. Sie wurde um 1300 gebaut. Der

frühgotische dreischiffige Bau besaß ursprünglich einen romanischen Turm, der durch einen

Brand zerstört wurde. Man kann noch gut erkennen, dass der heutige Turm auf den

Mauerresten des alten Turms aufgebaut wurde.

Wenn du in die Kirche hineingehen möchtest, dann beachte vor allem den barocken Hochaltar

aus Sandstein, der die Grablegung Christi zeigt. Johann Conrad Schlaun, der Architekt des

Münsteraner Schlosses und des Erbdrostenhofes, hat ihn entworfen.

Über der Mitte des Hauptschiffes hängt das große Wolbecker Holzkreuz, das wahrscheinlich

aus dem 15. Jahrhundert stammt. Über dieses Kreuz erzählte man sich folgende alte Legende:

„Ein Landsknecht sah eines Abends einen hellen Schein in dem Fluss, der Angel. Pastor und

Bewohner eilten an die Stelle, wo das Licht bleicher und bleicher wurde. Am Ufer fanden die

Wolbecker das Kruzifix, das sie sogleich in die Kirche trugen.“

Drücke nun auf „Pause“, wenn du in die Kirche gehst. Danach kannst du deine Tour

fortsetzen.

Gehe nun um die Kirche herum. Du kommst dann zum südlichen Hauptportal der Kirche. An

dem Fachwerkhaus, das vor dir liegt, die ehemalige Dorfschenke, gehst du rechts die Straße

herunter. Schon nach etwa 10 Metern erreichst du die Neustraße 15.

Station 6: Das Zibomo Museum

An der ersten Station, dem Ziegendenkmal am Marktplatz hast du schon etwas über den

außergewöhnlichen Karnevalsbrauch hier erfahren. Seit 2004 hat die Wolbecker

Karnevalsgesellschaft sogar ein eigenes Museum.

Eine Schule nahe der Kirche ist schon 1337 erwähnt. In dem Gebäude des Zibomo-Museums

war seit 1892 eine Jungenschule untergebracht, die bis 1956 genutzt wurde. Danach gab es

hier eine Pfarrbücherei.

Gehe jetzt die Neustraße zurück in Richtung Kirche. Biege nach dem kleinen Parkplatz rechts

ab. An der Gaststätte „Kiepe“ überquere bitte die Hofstraße. Gehe in die Wallstraße. Nach

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einigen Metern siehst du links einige Gedenktafeln an der Mauer. Darunter befindet sich auch

das Schild des Wolbecker Spaziergangs Nummer 9. Drücke die Pausetaste, bis du dort

angekommen bist.

Station 7: Die ehemalige Synagoge

Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts lebten vorübergehend aus Münster ausgewiesene Juden in

Wolbeck. 1739 ließen sich einige jüdische Familien dauerhaft nieder. 1839 gab es in Wolbeck

regelmäßigen jüdischen Schulunterricht, 18 Jahre später wurde eine Synagogengemeinschaft

gebildet, zu der neben Wolbeck auch Telgte, Havixbeck und Nottuln gehörten. Unter den um

1933 insgesamt etwa 2100 Wolbeckern gab es 28 jüdische Bürger. Wann genau die

Synagoge, die hier mal stand, erbaut wurde, weiß man nicht sicher, es muss Anfang des 19.

Jahrhunderts gewesen sein. Vielleicht war es auch nur ein zur Synagoge umfunktioniertes

Wohnhaus.

Vier Tage vor der Reichsprogromnacht, dem 9. November 1938, wurde das Haus verwüstet

und geschändet. Fenster wurden eingeschlagen und Gebetsrollen, Teppiche und andere Möbel

auf der Straße verteilt und zerstört. 1941 wurde die Synagoge abgerissen. Im selben Jahr

erfolgte die Deportation der letzten 15 Juden, die damals noch in Wolbeck lebten. Wir führen

dich nun zur nächsten Station, dem ehemaligen jüdischen Friedhof, der heute eine

Gedenkstätte der Mahnung und Erinnerung ist.

Gehe die Straße weiter entlang und am Ende rechts runter zurück zum Drostenhof. Du gehst

jetzt aber nicht durch den Park, sondern weiter die Straße entlang hinter dem

Drostenhofgebäude her. Überquere am Ende die Straße „Am Steintor“, achte hier besonders

auf den Verkehr. Gehe auf dem schmalen Bürgersteig einige Meter nach links und biege dann

rechts ab in den „Helmut-Pins-Weg“.

Mit diesem Weg wird an den 1922 in Wolbeck geborenen Helmut Pins erinnert, der den

Holocaust überlebt hat und als einziger Jude nach Wolbeck zurückgekehrt ist. Da er sich hier

aber nicht mehr heimisch fühlte, wanderte er nach Israel aus, wo er 1987 starb.

Wenn du den Weg weiter gehst, kommt nach etwa 30 Metern auf der linken Seite ein kleines

Rasenstück, das ist der ehemalige Friedhof.

Station 8: Der jüdische Friedhof

Der jüdische Friedhof wurde im 18. Jahrhundert zwischen den beiden früheren Stadtgräben

erbaut. Heute sieht man nur noch die Gedenktafeln für die ermordeten und vertriebenen Juden

aus Wolbeck. Der linke Gedenkstein stammt aus dem Jahre 1968. Die gläserne Tafel rechts

wurde 2006 errichtet. Hier stehen alle Namen der aus Wolbeck stammenden Juden, die

deportiert und ermordet wurden.

Gehe den Weg weiter durch das Wohngebiet und halte dich links. An der nächsten Straße

biege links ab in die Franz von Waldeck-Straße. Sie ist benannt nach einem auf der Burg

Wolbeck lebenden Bischof, der um 1534 gegen die Wiedertäufer kämpfte.

Am Ende der Straße gelangst du dann wieder zum Marktplatz mit dem Ziegenbocksdenkmal,

unserem Ausgangspunkt der Tour.

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Wir hoffen, dass dir unser kleiner Streifzug durch die teilweise traurige und teilweise

närrische Ortsgeschichte, mit den kleinen Anekdoten, Sagen, Geschichten und Gedichten

gefallen hat. Unsere Recherchen zu diesem Rundgang stammen aus drei wichtigen

Quellen: Erstens aus dem Buch von Gudrun Beckmann-Kircher: „Wolbeck – In

Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte und Geschichten“, zweitens aus unseren

Recherchen vor Ort, den Gedenktafeln und Schildern des „Wolbecker Spaziergangs“, und

schließlich drittens aus zusätzlichen Internetrecherchen. Wir hoffen, dass du viel Neues

über Wolbeck erfahren hast und bedanken uns, dass du unser Angebot ausprobiert hast.

Wir würden uns freuen, wenn du uns weiter empfiehlst.

Deine Klasse 6e und die Hörspiel-AG des Gymnasium Wolbeck! Eine Produktion aus dem

Jahr 2013.

Urheberrechtshinweis:

Das Skript wurde verfasst von der Klasse 6e (Schuljahr 2012/13) des Gymnasiums Wolbeck

unter der Leitung von Herrn Dr. Geister. Die benutzten Quellen werden oben genannt.

Die Musik wurde komponiert von Herrn Geister. Das Lied „Mein Hexentraum“ (Musik:

Trad./ Text: E. Drees) stammt von der Lüdinghauser Gruppe „Swinegels“. Wir bedanken uns

beim Autor Everhard Drees für die freundliche Genehmigung, Ausschnitte des Stückes für

dieses Projekt verwenden zu dürfen!

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