Flyer zur Ausstellung - Museen der Stadt Nürnberg

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Flyer zur Ausstellung - Museen der Stadt Nürnberg

Der Eichmann-Prozess

in Jerusalem

Eine Ausstellung im

Justizpalast

Nürnberg

13. Februar - 14. März 2014

Yad Vashem

Jerusalem

Oberlandesgericht

Nürnberg

Mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreises Yad Vashem e.V.,

Berlin, der Dokumentations- und Forschungsstelle an der Justizakademie

Nordrhein-Westfalen und der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg


»Mit mir hier stehen 6 Millionen

Ankläger«

„Mit mir hier stehen 6 Millionen Ankläger“ ist ein Auszug

aus dem Eröffnungsplädoyer von Generalstaatsanwalt

Gideon Hausner. Als Leiter einer Arbeitsgruppe vertrat

er die Anklage gegen Adolf Eichmann in dem vom 11.

April bis 15. Dezember 1961 dauernden Strafprozess

vor dem Bezirksgericht in Jerusalem. Der Prozess endete

mit dem Schuldspruch des Angeklagten in nahezu

allen 15 Anklagepunkten und mit seiner Verurteilung

zum Tode.

In der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 1962 wurde Adolf

Eichmann in Israel durch den Strang hingerichtet. Seine

Asche verstreute man über dem Meer.

Chefankläger Gideon Hausner

Die Ausstellung wurde 2011 von der Erinnerungs- und

Forschungsstelle Yad Vashem Jerusalem zum 50.

Jahrestag des Eichmann-Prozesses entworfen. Da die

Ausstellung zunächst nur in hebräischer und englischer

Sprache vorlag, erfolgte mit Unterstützung des Justizministeriums

von Nordrhein-Westfalen eine Übersetzung

in die deutsche Sprache. Seitdem wurde die Ausstellung

in mehreren Obergerichten und Einrichtungen im In- und

Ausland gezeigt.


Eichmann - „Spediteur der Endlösung

der Judenfrage“

Adolf Eichmann wurde

1906 in Solingen geboren.

1932 trat er der NSDAP

und der SS bei. Nachdem

er zunächst für den SD

tätig war, zeichnete sich

seine Rolle, die er später

bei der Entscheidung über

das Schicksal der Juden

spielen sollte, bereits mit

der Übernahme der Leitung

der „Zentralstelle für

jüdische Auswanderung“

der Gestapo im Jahr 1939

ab. Ab Anfang 1941 trug

das „Judenreferat“ im

Reichssicherheitshauptamt

die Bezeichnung IV

B4. Hier wirkte er zunächst an breit angelegten

Programmen zur Emigration europäischer Juden mit.

Nachdem sich diese politische Linie schließlich zum

eigentlichen Plan der systematischen Ermordung der

jüdischen Bevölkerung verändert hatte, übernahm

Eichmann im Rahmen der hierfür erforderlichen, groß

angelegten logistischen Planungen die Aufgaben als

„Spediteur der Endlösung der Judenfrage“. Sein Büro

traf sämtliche Anordnungen über Zeit und Ort der

Abreise sowie die Anzahl der zur Deportation in die

Vernichtungslager Polens bestimmten Juden. Mehrfach

besuchte Eichmann die Todeslager persönlich und war

über deren Zweck nachweislich genau informiert.

Als Heydrichs Referent für “Judenfragen“ nahm

Eichmann auch an der berüchtigten Wannsee-Konferenz

im Januar 1942 teil. Bei dieser Konferenz wurden die

Absprachen zu den Zuständigkeiten und zur weiteren

Koordinierung der bereits begonnenen Deportationsund

Vernichtungsaktionen an Juden getroffen. Eichmann

führte handschriftlich das Protokoll, welches er mit

verschleiernden und irreführenden NS-Begriffen durchsetzte.


Flucht nach Argentinien

Nach dem Krieg geriet

Eichmann für kurze Zeit

in amerikanische Gefangenschaft,

konnte jedoch

fliehen und untertauchen.

1950 gelang ihm mit Hilfe

eines Ausweises des Internationalen

Roten Kreuzes

unter dem Namen

„Ricardo Klement“ die

Flucht nach Argentinien.

Zwei Jahre später konnte

ihm seine Familie nach

Südamerika folgen, wo

1955 sein vierter Sohn Ausweisdokument des Roten Kreuzes

Ricardo Francisco geboren

wurde. Eichmann fand in seiner neuen Heimat

eine Anstellung als Elektriker im LKW-Werk eines

deutschen Autokonzerns.

Nachdem sich die Hinweise

auf seinen Aufenthaltsort

noch in den

1950er Jahren verdichtet

hatten, wurde Eichmann

im Rahmen einer „Kommando-Aktion“

vom

israelischen Geheimdienst

am 11. Mai 1960

aus Argentinien entführt.

Er wurde zunächst fast

zwei Wochen an einem

geheimen Ort festgehalten,

bis man ihn schließlich

heimlich nach Israel Eichmann in Argentinien

brachte. Der M ossad

handelte dabei mit der ausdrücklichen Zustimmung

des israelischen Premierministers David Ben Gurion,

der die Knesset und die erstaunte Weltöffentlichkeit

am 23. Mai 1960 von der Verhaftung Eichmanns in

Kenntnis setzte. Es folgten Monate erheblicher

diplomatischer Verstimmungen zwischen Israel und

Argentinien, das seine Souveränität verletzt sah, die

aber noch im Verlauf des Strafverfahrens beigelegt

werden konnten.


Das Verfahren

Als Generalstaatsanwalt Gideon Hausner am 21.

Februar 1961 beim Bezirksgericht in Jerusalem die

Anklage gegen Eichmann einreichte, umfasste diese

15 Anklagepunkte, die sich in vier Kategorien

unterteilen lassen: Verbrechen gegen das jüdische

Volk, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen

und Mitgliedschaft in einer verbrecherischen

Organisation. Das Strafverfahren 40/61

dauerte vom 11. April bis zum 15. Dezember 1961.

Unmittelbar nach der Ankunft Eichmanns in Israel

richtete die israelische Polizei eine Spezialeinheit ein.

Dem „Polizei-Büro 06“ gehörten fast 40 Polizeibeamte

an. Seine Aufgabe war es, den Prozess gegen

Eichmann vorzubereiten. In monatelanger Arbeit

stellte die Spezialeinheit für das Verfahren ca. 1.600

Dokumente sowie eine Liste von 108 Überlebenden,

Historikern und Forschern zusammen, die als Zeugen

vernommen werden sollten.

„Wir nannten unsere Aktivität nicht

Arbeit, sondern Dienst.“

(Michael Goldmann, Ermittlungsoffizier des „Büro 06“ und Überlebender des Holocaust)

Das Gericht setzte sich aus den drei Berufsrichtern

Moshe Landau (Vorsitzender), Benjamin Halevi und

Yitzak Raveh zusammen. Zu den Vertretern der

Staatsanwaltschaft gehörte neben Gideon Hausner

auch Gabriel Bach. Mit der Verteidigung beauftragte

Eichmann den deutschen Rechtsanwalt Dr. Robert

Servatius, der bereits in verschiedenen „Nürnberger

Prozessen“ als Verteidiger mitgewirkt hatte.

Noch in seinem Schlusswort sah sich Eichmann als

„Opfer“ der politischen Verhältnisse im NS-Staat, der

nur den Befehlen der „Führerschicht“ gefolgt sei.

Dem Argument des Befehlsnotstandes, aber auch

allen sonstigen Einwendungen folgte das Gericht

jedoch nicht. Es veru r t ei l t e Eichmann am 15.

Dezember 1961 zum Tode. Seine Berufung wurde am

29. Mai 1962 verworfen; am 31. Mai 1962 wies Staatspräsident

Yitzhak Ben-Zvi sämtliche Gnadengesuche

zurück. Noch in derselben Nacht wurde das Urteil

vollstreckt.


Ausstellungseröffnung:

Donnerstag, 13. Februar 2014, 18.00 Uhr

Ort: Justizpalast Nürnberg, Sitzungssaal 600

Begrüßung: Peter Küspert

Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg

Grußworte:

- Prof. Dr. Winfried Bausback

Justizminister des Freistaates Bayern

- Dr. Ulrich Maly

Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

- Michael Dreßler

Vorstandsmitglied der Rechtsanwaltskammer Nürnberg

Nürnberg und Jerusalem - Probleme der Ahndung des

Zivilisationsbruchs“

Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Benz, Historiker, ehemaliger

Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung

der Technischen Universität Berlin

anschließend Besichtigung der Ausstellung und Empfang

Zugang:

Ostbau des Justizpalastes

Bärenschanzstraße 72

(links neben dem Zugang zum

Memorium Nürnberger Prozesse)

Ausstellung:

Ausstellungsort:

Öffnungszeiten:

Führungen:

Inforrmationen:

Justizpalast Nürnberg

- Hauptgebäude -

Fürther Str. 110

90429 Nürnberg

Montag bis Donnerstag 8 Uhr bis 17 Uhr

Freitag

8 Uhr bis 15 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Memorium Nürnberger Prozesse

Tel.: 0911/321-79372

E-Mail: memorium@stadt.nuernberg.de

www.justiz.bayern.de/gericht/olg/n/

www.rak-nbg.de

www.memorium-nuernberg.de

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