Weltbilder im Wandel

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Weltbilder im Wandel

AMBERG

34. Erlanger Universitätstage 2013

in Amberg

Weltbilder im Wandel

19. Februar bis 19. März 2013

Großer Rathaussaal

www.fau.de/

www.amberg.de/


34. Erlanger Universitätstage 2013

in Amberg

Weltbilder im Wandel

Dienstag, 19. Februar

Univ.-Prof. Dr. phil. Hans Dickel

Marcel Duchamp, die Kunst der vierten

Dimension und das Ready made

Dienstag, 26. Februar

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Heber

Die Kopernikanische Wende

Dienstag, 5. März

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Manfred Frasch

Die Darwin’sche (R)Evolution – Ein entscheidender

Umbruch im Verständnis der belebten Natur

Dienstag, 12. März

Univ.-Prof. Dr. theol. Oda Wischmeyer

Die Reformation

Dienstag, 19. März

Univ.-Prof. Dr. phil. Jens Kulenkampff

Kant, ein „Alleszermalmer“?

Großer Rathaussaal

Beginn jeweils 19.30 Uhr

Einlass ab 19 Uhr

Eintritt frei


Vorwort

Seit jeher versucht der Mensch, die Vorgänge und

Regeln unserer Welt zu entschlüsseln, um auf der

Grundlage dieser Erkenntnisse sein Denken und

Wissen über die Wirklichkeit auszubilden. Doch immer

wieder aufs Neue wurden bis dahin vermeintliche

Grundfeste bis ins Mark erschüttert: Mit jeder

bahnbrechenden Entdeckung, mit jedem wichtigen

Neuansatz galt es einmal mehr, die bis dahin geltende

Weltordnung infrage zu stellen und zu neuen Einsichten

zu gelangen.

Die Auseinandersetzung mit diesem durch den jeweiligen

Paradigmenwechsel verursachten Wandel

der Weltbilder sind das Generalthema der diesjährigen

Erlanger Universitätstage, die zwischenzeitlich

ihre 34. Auflage erleben. Damit werden einige dieser

exzeptionellen Brüche in den Blick genommen, die

sich in der Vergangenheit in unterschiedlichen Disziplinen

der Natur- und Geisteswissenschaften ereignet

und damit für großes Aufsehen gesorgt, ja Revolutionen

in Gang gesetzt haben.

Dafür, dass sie uns diese spannenden Fragen näherbringen

und auf diese Weise auch die Entstehung

unseres modernen Weltbildes erläutern, gilt dem Spiritus

Rector der Erlanger Universitätstage, Prof. Dr.

Karl Möseneder, sowie den beteiligten Professoren

der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

mein herzlicher Dank. Dies vor allem auch im

Namen aller Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich im

Rahmen dieser Veranstaltungsreihe sicherlich wieder

sehr zahlreich im Rathaus einfinden werden, um dieser

Vorlesung der besonderen Art beizuwohnen.

Einführung

Weltbilder sind Vorstellungen vom Ganzen der

Wirklichkeit. Sie ändern sich mit dem Fortgang der

Kulturgeschichte. So etwa in der Frühen Neuzeit, als

das geozentrische Weltbild in der Kopernikanischen

Wende durch das heliozentrische abgelöst wurde und

die Erde nicht mehr den Mittelpunkt der Sternenwelt

ausmachte. Die Graphik auf der Vorderseite der

Broschüre zeigt die Darstellung eines Pilgers, der die

Grenze seiner alten Welt durchbricht und in neue,

größere Sphären blickt. Der Holzstich stammt indes

nicht aus dem 16. Jahrhundert, sondern aus einem

Werk über populäre Meteorologie vom Ende des 19.

Jahrhunderts.

Die epochale Wende, die Martin Luther initiierte,

gründete in kirchenkritischen und letztlich theologischen

Gedanken. Sie fanden durch den Buchdruck

rasch weite Verbreitung und führten zu politischen

sowie geistes- und mentalitätsgeschichtlichen Veränderungen.

Auf dem Feld der Philosophie war es

Imanuel Kant, der den modernen Wissenschaften

den Weg bereitete und Grundlagen für ethisch-moralische

Reflexionen lieferte. Epochal nicht allein auf

dem Feld der Biologie wirkte die Entdeckung von

Charles Darwin, daß die Natur eine unendlich lange

Geschichte hat, die sich als Evolution vom Einfachen

zum Komplexen, vom Niederen zum Höheren

entwickelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wies Marcel

Duchamp der Bildenden Kunst die Bahn, als er Gegenstände

des Alltags, etwa einen Flaschentrockner,

für museumswürdig erachtete und das Ready Made

erfand.

Amberg, im Januar 2013

Erlangen, im Januar 2013

Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer

Univ.-Prof. Dr. phil. Karl Möseneder

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Dienstag, 19. Februar

Univ.-Prof. Dr. phil.

Hans Dickel

Prof. Hans Dickel, geb. 1956. Studium der Kunstgeschichte

und Geschichte in Tübingen und Hamburg,

Promotion 1985, Habilitation 1996, Assistent

an der Hochschule der Künste Berlin (1988–1993),

Ausstellungskurator, Gastdozenturen in Harvard und

Prag, Lehrstuhlvertretungen am Kunsthistorischen

Institut der Freien Universität Berlin (1997–2002).

Seit 2002 Professor für Neuere Kunstgeschichte an

der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Mitglied im Interdisziplinären Medienwissenschaftlichen

Zentrum und im Interdisziplinären

Zentrum für Ästhetische Bildung der FAU. Mitorganisator

des Congrès international d‘histoire de l‘art

(Nürnberg 2012).

Marcel Duchamp, die Kunst der vierten

Dimension und das Ready made

„Gibt es etwas Vollendeteres als einen solchen Propeller?“

hatte sich Marcel Duchamp 1912 beim Besuch

des Pariser Luftfahrt-Salons gefragt, um daraus

zu schließen: „Die Malerei ist am Ende.“ Auch seine

Beschäftigung mit der zeitgenössischen Mathematik

und Physik, mit der nicht-euklidischen Geometrie

und der Relativitätstheorie, hatten ihn zu Zweifeln

am Tafelbild als einem weiterhin zeitgenössischen

Medium der bildenden Kunst geführt. Die wenigen

Werke, die Duchamp in den folgenden Jahren schuf,

sein „Großes Glasbild“ (1915–1923) und das Konzept

des Ready mades, werden im Vortrag in ihrer

paradigmatischen Bedeutung für die Kunst der Moderne

erörtert.

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Univ.-Prof. Dr. rer. nat.

Ulrich Heber

Prof. Heber promovierte 1982 an der Universität

Kiel. Dort war er auch bis 1988, dem Jahr seiner Habilitation,

als Hochschulassistent tätig. Seit 1992 ist

Herr Heber Professor für Astronomie und Astrophysik

an der FAU sowie Direktor des Astronomischen

Instituts und der universitären Sternwarte in Bamberg.

Er beschäftigt sich u. a. mit der UV-Spektroskopie,

den späten Stadien der stellaren Evolution, der Milchstraße

und ihrem Halo. Prof. Heber ist Mitglied zahlreicher

einschlägiger internationaler Kommitees und

gutachterlich tätig für die Deutsche Forschungsgemeinschaft,

die Alexander von Humboldt-Stiftung,

den DAAD und die Studienstiftung des deutschen

Volkes.

Dienstag, 26. Februar

Die Kopernikanische Wende

Im Jahre 1609 veröffentlichte Galileo Galilei seine

ersten teleskopischen Beobachtungen und Johannes

Kepler seine Erklärung der Planetenbewegung (die

ersten beiden Keplerschen Gesetze). Diese Erkenntnisse

führten zu einem radikalen Wandel des Weltbildes.

Das geozentrische Weltsystem der Antike wurde

durch das heliozentrische des Nicolaus Copernikus

ersetzt. Galileis berühmter Ausspruch: „Und sie (die

Erde) bewegt sich doch“ wurde jedoch erst 100 Jahre

später von James Bradley bewiesen. Die Erde rückte

aus dem Zentrum der Welt. Die astronomischen

Erkenntnisse der Neuzeit haben gezeigt, welch unbedeutende

Rolle die Erde im Weltall spielt.

An diesem grundlegenden Wandel waren auch

fränkische Astronomen beteiligt. Darunter Regiomontanus

aus Königsberg in Franken als Wegbereiter,

Christopher Clavius aus Bamberg als päpstlicher

Ratgeber und Simon Marius aus Gunzenhausen als

Beobachter.

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Dienstag, 5. März

Univ.-Prof.

Dr. rer. nat.

Manfred Frasch

Herr Prof. Frasch studierte Biochemie an der Universität

Tübingen sowie der LMU München und

promovierte 1995 in Tübingen mit einer Arbeit über

Proteine bei der Verpackung und Regulation der genetischen

Information. Nach einem Postdoc-Aufenthalt

von 1986 bis 1988 an der Columbia University

in New York leitete er eine Nachwuchsgruppe am

Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen

und habilitierte sich 1992 am gleichen Ort

mit einem entwicklungsgenetischen Thema im Fach

Genetik. Von 1991 bis 2006 durchlief er die Professorenlaufbahn

zum Full Professor an der Mount Sinai

School of Medicine in New York und wurde 1993

zum Pew Scholar in the Biomedical Sciences ernannt.

Seit 2007 leitet er den Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie

an der Universität Erlangen-Nürnberg. Die

Forschungsschwerpunkte von Prof. Frasch liegen in

der Aufklärung von Regulationsmechanismen, welche

die Bildung von Herz- und Muskelgeweben aus

undifferenzierten Vorläuferzellen während der Embryonalentwicklung

regulieren.

Die Darwin’sche (R)Evolution –

Ein entscheidender Umbruch im

Verständnis der belebten Natur

In seinem 1859 erschienenen Buch „Über die Entstehung

der Arten“ formulierte Charles Darwin seine

Evolutionstheorie, die zum ersten Mal eine kohärente

wissenschaftliche Erklärung für die Entstehung

der immensen biologischen Vielfalt auf unserer Erde

lieferte. Seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen

prägten seither die Sicht der Menschen auf die Natur

sowie auf ihre eigene Herkunft und führten zu umwälzenden

Veränderungen der Denkmuster auf allen

Gebieten der Biologie. Die Einsichten in die Mechanismen

der Vererbung und die modernen Befunde

über die molekulare Zusammensetzung des Erbmaterials

lieferten weitere Erklärungen und Belege für die

umfassende Bedeutung der Evolutionsvorgänge. Zu

Recht prägte der Genetiker und Evolutionsbiologe T.

Dobzhansky daher den Satz: „Nichts in der Biologie

ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Evolution betrachtet“.

Der Vortrag erläutert an verschiedenen Beispielen

die zentralen Schlussfolgerungen von Darwin und

stellt dar, wie diese durch neuere Untersuchungen

der Paläontologie, Populationsgenetik und Molekularbiologie

weiter ausgebaut und modifiziert wurden.

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Univ.-Prof. Dr. theol.

Oda Wischmeyer

Frau Prof. Wischmeyer promovierte 1973 an der

Universität Heidelberg. Dort erfolgte 1993 auch die

Habilitation. Bald darauf wurde sie als Professorin für

Neues Testament an der Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg berufen. Von 2005 bis 2007

nahm sie das Amt der Dekanin der Theologischen Fakultät

wahr.

Frau Prof. Wischmeyer ist Mitglied der Arbeitsgruppe

„Theologie, Religionswissenschaft“ des Wissenschaftsrates

(2008/09) und an der Lund University

„Member of the Scientific Advisory Board at the

Joint Faculties of Humanities and Theology“.

Dienstag, 12. März

Die Reformation

Zwischen 1517 und 1522 verfasste der Wittenberger

Augustinermönch und Theologieprofessor Martin

Luther in rascher Folge eine Reihe kürzerer Schriften

meist in deutscher, nicht lateinischer Sprache – Thesen,

Briefe, Sendschreiben, Predigten, Streitschriften

und Traktate – zu aktuellen Fragen christlicher Religion,

kirchlicher Praktiken, besonders des Ablasshandels,

ethischer Grundfragen. Diese Schriften hatten

dank des jungen Mediums des Buchdrucks sogleich

in ganz Deutschland eine große öffentliche Resonanz.

Luther wurde sehr schnell „zum meistgelesenen

deutschen Autor“ (Martin Brecht). In elf Wochen

übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament

aus dem griechischen Urtext neu. Auf der Leipziger

Herbstmesse 1522 wurden bereits 3 000 Exemplare

verkauft. Es folgten dauernde Überarbeitungen

und Neuausgaben. Zwölf Jahre später erschien die

Gesamtbibel auf Deutsch, wieder auf der Leipziger

Herbstmesse in 3 000 Exemplaren. Hinzu kamen die

Flugblattpublizistik, das lutherische Gesangbuch und

die Katechismen. Die lutherische Reformation war

zuerst ein theologisch fundiertes Medienereignis auf

der Grundlage des Buchdrucks.

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Univ.-Prof. Dr. phil.

Jens Kulenkampff

Prof. Dr. Jens Kulenkampff, geb. 1946 in Hamburg,

studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte

in Frankfurt am Main und Heidelberg. Er

promovierte 1973 mit einer Arbeit über Kants und

Schillers Ästhetik. Von 1973 bis 1982 war er Wissenschaftlicher

Assistent am Philosophischen Seminar

der Universität Heidelberg. Von 1984 bis 1996

war er Professor für Philosophie an der Gerhard-Mercator-Universität

Duisburg. Seit 1996 war er Ordinarius

für Philosophie an der Friedrich-Alexander-

Universität Erlangen-Nürnberg und ist seit 2011 im

Ruhestand.

Hauptarbeitsgebiete: Philosophie der Neuzeit (insbesondere

Hume und Kant) und der Gegenwart mit

Schwerpunkten in Erkenntnistheorie und Ästhetik

(Hermeneutik, Kunsttheorie), in Geschichtsphilosophie,

Philosophischer Psychologie (insbesondere Theorie

der Person), Handlungstheorie und Moral- und

Staatstheorie.

Dienstag, 19. März

Kant, ein „Alleszermalmer“?

1785 beklagt Moses Mendelssohn den Zustand

der Philosophie, äußert aber zugleich die Hoffnung,

dass die besten Köpfe das Blatt wieder wenden werden.

Dabei erwähnt er auch den „alles zermalmenden

Kant“, „der hoffentlich mit demselben Geiste wieder

aufbauen wird, mit dem er niedergerissen hat“. Auch

Kant selbst hat seine Philosophie gelegentlich als eine

„Revolution der Denkart“ bezeichnet. Die Frage wird

sein, ob Kant tatsächlich ein „Alleszermalmer“ gewesen

ist, was er „niedergerissen“ und durch welche

„Revolution“ er Neues auf den Weg gebracht hat. Aus

heutiger Sicht sind es vor allem zwei Dinge, durch die

Kant unserem Denken eine neue Richtung gegeben

hat: Zum einen hat er unserem Weltverständnis und

damit dem modernen wissenschaftlichen Weltbild

eine neue philosophische Grundlage gegeben. Zum

andern hat er unser Selbstverständnis in moralischer

Hinsicht auf radikale Weise neu bestimmt und damit

ein moralisches Paradigma geschaffen, das nach wie

vor wirksam, wenn auch nicht unumstritten ist.

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Die Vorträge der früheren Erlanger Universitätstage

in Amberg sind als Bücher erschienen und im Buchhandel

erhältlich, zuletzt:

Über die Grenzen von Wissenschaft und Forschung. Fünf Vorträge,

hrsg. von Gunther Wanke (Erlanger Forschungen, Reihe

B, Bd. 28), Erlangen 2005 (ISBN 3-930357-68-2).

Was du ererbt von deinen Vätern hast… – Erbe, Erben, Vererben.

Fünf Vorträge, hrsg. von Helmut Neuhaus (Erlanger

Forschungen, Reihe A, Bd. 112), Erlangen 2006 (ISBN

3-930357-79-8).

Lauter Anfänge. Fünf Vorträge, hrsg. von Helmut Neuhaus

(Erlanger Forschungen, Reihe A, Bd. 117), Erlangen 2008

(ISBN 978-3-930357-89-5).

Wasser. Fünf Vorträge, hrsg. von Helmut Neuhaus (Erlanger

Forschungen, Reihe A, Bd. 119), Erlangen 2009 (ISBN 978-

3-930357-98-7).

Licht. Vier Vorträge, hrsg. von Helmut Neuhaus (Erlanger

Forschungen, Reihe A, Bd. 120), Erlangen 2009 (ISBN 978-

3-930357-95-6).

Ende. Fünf Vorträge, hrsg. von Helmut Neuhaus (Erlanger

Forschungen, Reihe A, Band 122), Erlangen 2010 (ISBN

978-3-941871-03-8).

Klimawandel. Drei Vorträge. Mediengesellschaft. Fünf Vorträge,

hrsg. von Karl Möseneder (Erlanger Forschungen, Reihe A,

Band 124/125), Erlangen 2012 (ISBN 978-9-941871-07-6).

Vor dem Erscheinen: Menschenrechte. Fünf Vorträge, hrsg.

von Karl Möseneder.

Eine Liste mit allen Büchern finden Sie im Internet unter:

http://www.ub.uni-erlangen.de/publikationen/geisteswissenschaften.php

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