Ehrenmitglieder - Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg

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Ehrenmitglieder - Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg

misericordia

Zeitschrift der Barmherzigen Brüder in Bayern · 66. Jg. · Jan./Feb. 2014 · Internet: www.barmherzige.de

Ehrenmitglieder


Inhalt

Thema: Ehrenmitglieder

Wie wird man Ehrenmitglied? 4

Hermann Hendlmeier 5

Marianne Müller 6

Reinhard Stegmaier 7

Gudrun Kaupper 8

Bayerische Ordensprovinz

München: Dr. Thomas Binsack im Ruhestand 9

Regensburg: Neuer Pflegedirektor 10

Werkstattladen in Nürnberg 11

Treffen der Krankenhaus-MAVs 11

Neue Serie: Zurückgeblättert 12

Barmherzige Brüder weltweit

Schwandorferinnen helfen in Indien 13

Provinzkapitel in Österreich 14

Krankenhaus und Gesundheit

Gütesiegel für Herzkliniken des Ordens 14

Hubschrauber-Landeplatz in Straubing 15

Spiritualität als Hilfe im Heilungsprozess 18

Arbeits- und Lebenswelt Heime

Trauerseminar in Straubing 19

Fachtagung „Inklusives Wohnen“ 22

Kirche und Gesellschaft

2015: Jahr der Orden 22

Neue Serie Hobbys: Bowling 23

Buchbesprechungen 24

Rätsel 26

Unser Titelbild entstand am

19. November 2011, als in Regensburg

zehn neue Ehrenmitglieder

der Barmherzigen Brüder ernannt

wurden. Als Zeichen der Verbundenheit

mit dem Orden bekamen

sie unter anderem einen Granatapfel,

den hier Frater Eduard Bauer

an den ehemaligen Chefarzt des

Sebastianeums in Bad Wörishofen,

Dr. Anton Meier, überreicht.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

beim Kreuzworträtsel in unserer

Ordenszeitschrift sind in diesem

Jahr Tugenden als Lösungswort

zu erraten. Das Wort „Tugend“

wirkt verstaubt. Fragt man junge

Menschen nach seiner Bedeutung,

heben sie fragend die Schultern

und schütteln den Kopf.

Der große katholische Theologe

und Philosoph Thomas von Aquin nennt die Tugend eine Auszeichnung

des Geistes, die es ermöglicht, das Rechte zu tun.

Edle Gesinnung und sachgerechtes Handeln verschmelzen

nach seiner Definition der Tugend miteinander. Die Tugenden

lassen eine „geistliche und reife Persönlichkeit“ entstehen,

die mit steigendem Lebensalter immer neue Bewährungen

zu bestehen hat.

Der Christ ist angesichts eines ständigen Wertewandels aufgerufen,

Modellen einer Tugendethik zu folgen, die ein Leben

unter den Bedingungen der Gegenwart gelingen lassen: Treue,

Solidarität, Demut, Wahrhaftigkeit, Vertrauen, Gehorsam und

Hoffnung auf die Zukunft.

In unserer Ellenbogengesellschaft wirkt der Begriff „Demut“

antiquiert. Wir verbinden damit eher Negatives wie Minderwertigkeitsgefühle,

mangelndes Selbstvertrauen, Unterwürfigkeit

bis hin zu Begriffen wie „bucklige Demut“. Papst

Franziskus lehrt uns eine fundamentale Demut, die nichts

mit falscher Bescheidenheit zu tun hat. Wir müssen den Sinn

wahrer christlicher Demut definieren und neu erkennen. Der

Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Thessalonicher,

in dem es um Anweisungen für das Gemeindeleben

geht: „Prüft alles und behaltet das Gute!“

Das Bemühen um Demut kann aus christlicher Sicht nur über

die Liebe und damit die Einbeziehung des Menschen in seinem

Verhältnis zu Gott, zu den Mitmenschen und zur ganzen

Schöpfung geschehen. Die Demut bildet das Fundament, die

Liebe das Dach; dazwischen müssen die anderen Tugenden

ihren Platz finden.

Wenn Christus beim Abendmahl zu seinen Aposteln sagt:

„ein Beispiel habe ich euch gegeben“, so meint er damit den

demütigen Dienst am anderen Menschen, für den er mit der

Fußwaschung ein Zeichen setzt. Wenn wir am Krankenbett

stehen, kann es uns um Gewinnoptimierung und Erhöhung der

Fallzahlen gehen oder aber auch um den Dienst am kranken

Menschen. In diesem Sinn ein tugendreiches neues Jahr.

Ihr

Frater Eduard Bauer


Thema: Ehrenmitglieder

3

Gottes Ehre unter Menschen

Die zwar ein bisschen altmodische,

aber dafür nicht weniger schöne bayerische

Grußformel „Habe die Ehre“

darf nicht darüber hinweg täuschen,

dass der Begriff „Ehre“ einen negativen

Beigeschmack hat – und das nicht ohne

Grund. Konnte Aristoteles in seiner

„Nikomachischen Ethik“ Ehre noch als

„Ziel des in Geschäften aufgehenden

Lebens“ definieren, haben in den folgenden

Jahrhunderten kleinteilig ausgefeilte

Ehrenkodizes, deren Folgen vom

Duell bis hin zu so genannten Ehrenmorden

reichen, den Begriff nahezu kaputt

gemacht.

Den Tiefpunkt dieser Negativ-Karriere

bildet wahrscheinlich der Nazi-Chefideologe

Alfred Rosenberg, der in seinem

unsäglichen Machwerk „Mythus des 20.

Jahrhunderts“ schreibt, dass die „Idee

der Ehre … Anfang und Ende unseres

ganzen Denkens und Handelns“ sei. Rosenberg

hebt dabei vor allem auf den

Rassenhass gegen die Juden und gegen

andere Minderheiten ab. Nicht umsonst

setzt das Grundgesetz der Bundesrepublik

Deutschland deswegen auch nicht

auf den Begriff der Ehre, sondern auf

den der Würde, die – anders als die Ehre

– jedem Menschen voraussetzungslos

zukommt.

Doch wie passt das alles zusammen mit

dem Gesang der Engel über den Feldern

von Bethlehem „Ehre sei Gott in der Höhe“,

den wir im Weihnachtsevangelium

gehört haben und den wir beim Lobgesang

des Gloria in jeder Eucharistiefeier

wiederholen? Da muss es um etwas ganz

anderes gehen – und das ist auch der

Fall. „Analogie“ nennt man eine solche

Sprechweise in der Philosophie. Gott

die Ehre zu erweisen, das meint, der

grenzenlosen Liebe unseres Schöpfers

und Erlösers zu antworten – mit unseren

begrenzten Mitteln.

Beim frühen Kirchenlehrer Irenäus von

Lyon (135 - 202) gibt es die schöne Formulierung,

dass die Ehre Gottes der lebendige

Mensch sei. Und dazu kommt

Dr. Johannes

Schießl, von

1994 bis 1997

Mitarbeiter der

Barmherzigen

Brüder und von

1998 bis 2012

Chefredakteur

der Münchner

Kirchenzeitung,

ist heute Wissenschaftlicher

Mitarbeiter der

Katholischen

Akademie in

Bayern.

ein Zweites: Alles was dieser Mensch

tut, das tut er letztlich „ad maiorem Dei

gloriam“ – „zur größeren Ehre Gottes“,

wie Ignatius von Loyola (1491-1556),

der Gründer des Jesuiten-Ordens, meint.

Die Frage ist nur: Wie geht das? Die

Antwort ist grundsätzlich gar nicht so

kompliziert, wie man vielleicht denken

könnte. Sie lautet: Indem der Mensch

seinen Nächsten so zu lieben versucht,

wie Gott uns immer schon geliebt hat.

Dass das im Einzelfall nicht immer ganz

leicht ist und einiger Phantasie bedarf,

das steht auf einem anderen Blatt. Aber

im Grundsatz gilt das, was nirgendwo

schöner als im Römerbrief des Apostels

Paulus ins Wort gefasst ist: „Nehmt einander

an, wie auch Christus uns angenommen

hat, zur Ehre Gottes“ (15,7).

Solchermaßen kann man das Wörtchen

Ehre auch heute verwenden.

Darstellung des heiligen Ignatius von Loyola in einem Glasfenster der Kirche Saint-

Honoré d‘Eylau in Paris – an den Seiten das Monogramm AMDG („Ad maiorem Dei

gloriam“ – „zur größeren Ehre Gottes“)

Das muss dann freilich Konsequenzen

haben für unser Verständnis von Ehre

unter Menschen. Da ist der Begriff nur

zu halten, wenn alle menschliche Ehre

bezogen bleibt auf die vorgängige Ehre

Gottes, nur an ihr ist sie zu messen. Und

dann ist kein Mensch mehr aufgrund irgendwelcher

Eigenschaften besonders

herausgehoben, steht keiner mehr auf

einem besonderen Podest, denn es gilt,

was Jesus im Matthäus-Evangelium

(23,8) sagt: „Nur einer ist euer Meister,

ihr alle aber seid Brüder.“

Dr. Johannes Schießl


4

Thema: Ehrenmitglieder

Bei der Ernennung der Ehrenmitglieder im November 2011 entstand dieses

Foto mit (von links) Dr. Anton Meier, Dr. Ernst Graf, Konrad Kammermeier,

Marianne Müller, Prälat Franz Xaver Hirsch, Provinzial Frater Emerich

Steigerwald, Hermann Hendlmeier, Gudrun Kaupper, Reinhard Stegmaier,

Provinzsekretär Frater Eduard Bauer, Erwin Giller und Fritz Manz

Die Ehrenmitglieder der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder

• Dr. Johannes Bienert, Osterhofen, ehem. Chefarzt für Psychiatrie am Bezirksklinikum Mainkofen

• Erwin Giller, Dorfen, ehem. Verwaltungsleiter in Algasing

• Dr. Ernst Graf, Regensburg, ehem. urologischer Belegarzt, Krankenhaus Regensburg

• Dr. Alwin Hechenrieder, Tegernheim, Ltd. Medizinaldirektor i.R., Regierung der Oberpfalz

• Hermann Hendlmeier, Feldkirchen, ehem. Leiter der Landwirtschaft in Straubing

• Prälat Franz Xaver Hirsch, Regensburg

• Konrad Kammermeier, Saal, ehem. Verwaltungsleiter, Krankenhaus Regensburg

• Gudrun Kaupper, Höchstadt (Aisch), ehem. Verwaltungsangestellte in Gremsdorf

• Georg Lippert, Bad Füssing, ehem. Küchenchef im Krankenhaus Regensburg

• Fritz Manz, Pettendorf, ehem. Pflegedirektor im Krankenhaus Regensburg

• Dr. Anton Meier, Bad Wörishofen, ehem. Chefarzt im Sebastianeum Bad Wörishofen

• Marianne Müller, München, ehem. Gesamtleiterin am Krankenhaus München

• Don Cristóbal Navarro Fuentes, Teruel (Spanien), ehem. Generalvikar

• Weihbischof em. Werner Radspieler, Bamberg

• Dr. Gerhard Rey, Lappersdorf, ehem. Gesamtleiter am Krankenhaus Regensburg

• Reinhard Stegmaier, Regensburg, ehem. Leiter des Sozialdienstes am Krankenhaus Regensburg

Wie wird man Ehrenmitglied des Ordens?

Die Bayerische Ordensprovinz der

Barmherzigen Brüder zählt derzeit 16

Ehrenmitglieder (siehe oben), zehn von

ihnen wurden erst im Jahr 2011 ernannt,

im Rahmen des „Jahres der Familie des

heiligen Johannes von Gott“. Zwei Frauen

zählen zu den Ehrenmitgliedern – wir

stellen sie gemeinsam mit zwei Männern

auf den folgenden Seiten vor.

In der Regel sind Ehrenmitglieder bei

ihrer Ernennung bereits im Ruhestand:

das jüngste Ehrenmitglied ist 65 Jahre

alt, die beiden ältesten sind gerade 87

geworden.

Was sind Kriterien für eine Ehrenmitgliedschaft?

In den Generalstatuten des

Ordens (Nummer 29) heißt es: „Die

Hospitalität drängt uns, dass wir Personen

und Gruppen an den geistlichen

Gütern des Ordens teilhaben lassen. Der

General kann daher im Namen unseres

ganzen Ordens natürliche und juristische

Personen, die vom Provinzdefinitorium

vorgeschlagen werden, durch die Ehrenbruderschaft

unserer Gemeinschaft angliedern.“

Es ist also der Generalprior,

der oberste Barmherzige Bruder, der auf

Vorschlag der Provinzleitung ein Ehrenmitglied

ernennt. Folgende Bedingungen

nennen die Generalstatuten dafür:

• Bekenntnis des christlichen Glaubens;

• beispielhaftes Verhalten in Privat-,

Familien- und Berufsleben;

• Wertschätzung für unseren Orden

und bemerkenswerte Förderung

seines Werkes der Hospitalität.

„Äußerliche Privilegien sind mit der

Ernennung zum Ehrenmitglied nicht

verbunden“, erklärt Provinzial Frater

Emerich Steigerwald, es gehe eher um

„geistliche Güter“. Im Mittelpunkt steht

die spirituelle Verbundenheit mit dem

Orden. Ehrenmitglied Reinhard Stegmaier

formulierte es in seiner Dankesrede

am 19. November 2011 so: Die

positiven Erfahrungen und freundschaftlichen

Begegnungen mit den Brüdern

hätten dazu beigetragen, „dass wir uns

in unserer Arbeit … mit dem Auftrag des

Ordens immer mehr identifizieren konnten.“

Er versicherte, dass die Geehrten

„besonders in spiritueller Hinsicht“ die

Weiterentwicklung der Ordensfamilie

auch künftig mittragen wollten.

Neun der zehn 2011 ernannten Ehrenmitglieder

waren Mitarbeiter bzw. Belegarzt

bei den Barmherzigen Brüdern.

Im Durchschnitt waren sie rund 36 Jahre

für eine Ordenseinrichtung tätig. Offenbar

ist in diesen Jahren ein lebendige

Beziehung und eine besondere Nähe

entstanden.

js


Thema: Ehrenmitglieder

5

Landwirt aus Überzeugung

Hermann Hendlmeier, Ehrenmitglied der Barmherzigen Brüder, leitete 37 Jahre lang die

Straubinger Landwirtschaft

„Ich war Landwirt aus Überzeugung“,

sagt Hermann Hendlmeier. 37 Jahre lang

leitete er die Landwirtschaft der Barmherzigen

Brüder in Straubing. 2011 ging

er mit 69 Jahren in Ruhestand. Seine

Liebe zur Natur bereichert auch das

Rentnerdasein. „Ich bin jeden Tag in

Wald und Flur unterwegs. Mir war noch

keinen Tag langweilig.“

Tierhaltung bis 1989

Hermann Hendlmeier stammt aus einer

Landwirtschaft im Landkreis Regensburg.

Für ihn stand immer fest, Landwirt

zu werden. Nach seiner Lehre sammelte

er berufliche Erfahrungen in fünf landwirtschaftlichen

Betrieben, bevor ihn

Prior Frater Silvester 1974 als Leiter der

Straubinger Landwirtschaft einstellte.

Zwölf Brüder lebten zu dieser Zeit in

der Einrichtung. Damals, erinnert sich

Hermann Hendlmeier, war die Haltung

von Rindern (circa 110 Tiere) und

Schweinen (500 Mastschweine und 40

Zuchtsauen) wichtiger Pfeiler der Landwirtschaft.

1989 wurde die Tierhaltung

aufgegeben. „Eine Verpachtung der

Landwirtschaft war nie ein Thema.“ Von

den insgesamt fünf landwirtschaftlichen

Betrieben der Barmherzigen Brüder in

Bayern wurde einzig die Straubinger

Landwirtschaft nicht verpachtet.

Die Entscheidung, den Schwerpunkt auf

Speisekartoffeln zu setzen, hat sich bewährt.

„Wir haben im Gäuboden einen

sehr fruchtbaren Boden“, weiß Hermann

Hendlmeier. Die Anbaufläche für Speisekartoffeln

wurde von 10 auf 45 Hektar

ausgebaut. Insgesamt werden in Straubing

130 Hektar Ackerland bewirtschaftet

(davon 20 Hektar Zuckerrüben und

65 Hektar Getreide). Hinzukommen 11

Hektar Wald, der eine gute wirtschaftliche

Ergänzung zum Ackerbau bedeutet,

und 1,5 Hektar Grünland.

Seit 1975 ist die Straubinger Landwirtschaft

der Barmherzigen Brüder als

Lehrbetrieb anerkannt. Hermann Hendlmeier

bildete während seiner Dienstzeit

circa 90 Lehrlinge aus. Dabei war es ihm

wichtig, die Landwirtschaft als interessantes

Berufsfeld darzustellen. Er legte

bei seinen Lehrlingen auch auf Persönlichkeitsbildung

und die richtige Einstellung

zur Arbeit Wert. Nur ein Landwirt

aus Überzeugung steht Höhen und

Tiefen durch. Der Neubau der Landwirtschaft

auf der gegenüberliegenden Seite

der Äußeren Passauer Straße 1999 war

für Hermann Hendlmeier das schönste

Ereignis, der Brand des Kartoffellagers

am 9. Februar 2009 das schlimmste.

Vertrauen zu den Brüdern

Hermann Hendlmeiers Verhältnis zu den

Barmherzigen Brüdern ist von großem

Vertrauen geprägt. „Sie waren immer

ein fairer, hervorragender Dienstgeber.“

Die christlichen Werte haben ihm

schon seine Eltern auf dem heimischen

Bauernhof vermittelt. Auch heute noch

schaut er gern auf einen Sprung bei Hans

Emmert, Geschäftsführer der Barmherzigen

Brüder Straubing, vorbei. Als Ehrenmitglied

wird er regelmäßig zu Veranstaltungen

eingeladen und fühlt sich

der Gemeinschaft zugehörig.

Hermann Hendlmeier, Ehrenmitglied der Barmherzigen Brüder und langjähriger Leiter

der Straubinger Landwirtschaft, liebt die Natur.

Der Übergang vom Beruf in den Ruhestand

war für Hermann Hendlmeier kein

Problem: „Man muss genauso leben wie

davor auch.“ Er kümmert sich in Feldkirchen

weiterhin um Haus und Garten

und versorgt Schafe und andere Tiere.

Am liebsten verbringt er seine Zeit im

Freien. „Mir gibt die Natur etwas. Ich

freue mich an ihrer Vielfalt.“

Ursula Eisenmann


6

Thema: Ehrenmitglieder

Mit Neugier und

Gerechtigkeitssinn

Ehrenmitglied Marianne Müller arbeitete 44 Jahre lang

im Krankenhaus Barmherzige Brüder München

„Müllerin, jetzt kimmst und packelst

aus!“ So erscholl der Ruf des legendären

Barmherzigen Bruders Sixtus Birner,

wenn er mal wieder ein „Überlebenspaket“

von einem seiner vielen Gönner

bekommen hatte. Der ohnehin stark

übergewichtige Frater Sixtus war Ende

der 1960er Jahre eine zentrale Figur

der Pflegedienstleitung im Krankenhaus

Barmherzige Brüder München und mit

vielen Prominenten befreundet.

Marianne Müller trat 1966 mit 18 Jahren

nach ihrer Ausbildung zur Großhandelskauffrau

bei der Baywa in den Dienst

des Krankenhauses und war zunächst

vor allem mit der Abrechnung für das

neu installierte Bundeswehrkrankenhaus

beschäftigt. Das hinderte Frater

Sixtus aber nicht daran, sich von ihr Tee

kochen oder eben ein Paket auspacken

zu lassen. Was der Bruder nicht mochte,

wurde an den Prior weitergereicht, erinnert

sich Marianne Müller, die 2011

zum Ehrenmitglied der Barmherzigen

Brüder ernannt wurde.

Offen für Innovatives

„Ich habe sehr gern bei den Brüdern

gearbeitet, es war eine schöne Zeit und

ich habe bis heute eine gute Beziehung

zu den Brüdern“, sagt Marianne Müller,

die 44 Jahre im Haus tätig war. Die Brüder

schätzten ihrerseits die zupackende

und zugewandte Art der Mitarbeiterin,

die sich selber als „ehrgeizig, neugierig,

wissbegierig, aufgeschlossen“ charakterisiert

und sich in zahlreichen Kursen

weitergebildet hat. Marianne Müller:

„Ich habe immer alles Neue eingeführt

und gesetzliche Veränderungen, zum

Beispiel die AVR, das Krankenhausfinanzierungsgesetz,

die Bundespflegesatzverordnung

sowie die DRG verwaltungstechnisch

umgesetzt.“ Schon 1969

übernahm sie die Finanzbuchhaltung,

die sie nach und nach auf Elektronische

Datenverarbeitung umstellte. 1983 übertrug

ihr der Orden auch die Leitung der

EDV. Ab 1992 war sie für den Bereich

„Rechnungswesen und Controlling“ verantwortlich,

ehe sie 2001 stellvertretende

Gesamtleiterin und 2005 schließlich

für die letzten Jahre ihres beruflichen

Wirkens auch Gesamtleiterin wurde.

Sie habe es nicht immer einfach gehabt,

stellt Marianne Müller im Rückblick

fest. Denn sie sei „immer ein eigenständiger

Mensch“ geblieben und bekannt

für ihren Gerechtigkeitssinn.

Bevorzugungen

oder

Benachteiligungen

seien nicht ihre Sache.

Immer habe

sie sich für einen

gerechten Umgang

untereinander eingesetzt,

was eine

langjährige Mitarbeiterin

einmal mit

den Worten umschrieb:

„manchmal

hart, aber im-

Marianne Müller

mer gerecht“.

„Hart“ sei vielleicht nicht das richtige

Wort, meint Müller, aber einen „hohen

Anspruch“ habe sie nicht nur an sich,

sondern auch an ihre Mitarbeiter gehabt.

„Das Herz befehle“ ist am ersten Wirkungsort

des heiligen Johannes von Gott

in Granada in Stein gemeißelt, danach

habe sie versucht zu leben.

Ein guter Zusammenhalt in der Abteilung,

im Haus, war der Verwaltungsfachfrau

immer wichtig. Ein Stück weit

liegt dieser Wunsch nach gelingender

Gemeinschaft wohl auch in ihrer Kindheit

begründet: Als sie fünf Jahre alt

war, verloren sie und ihre zwei Brüder

die Mutter. Auch der Vater starb früh,

sodass sie zur Selbstständigkeit gezwungen

wurde und bei den Barmherzigen

Brüdern – mit Prior Angelus Thaler und

Oberin Clarissa Schwarz – eine neue Familie

fand.

Enorm fleißig

Unprätentiös, offen und freundlich geht

Marianne Müller auf andere zu. Die „Familie

des heiligen Johannes von Gott“ ist

für sie nicht nur ein Schlagwort. Sie hat

mit den Prioren das Krankenhaus zum

Wohl der Patienten mitgestaltet: mit dem

humorvollen Angelus Thaler, der Frater

Sixtus einmal mit (Gaudi-) Eintrittskarten

zu einem fiktiven „Wildschweinrennen“

in den Forstenrieder Park schickte,

mit Pater Leodegar Klinger, „der immer

für einen da war“, mit dem jungen Frater

Benedikt Hau und vielen anderen.

Frater Benedikt, heute Provinzökonom,

erinnert sich an den enormen Fleiß, den

Marianne Müller an den Tag legte; aufgrund

ihrer langjährigen Tätigkeit sei sie

zudem „mit allem und jeden vertraut“

gewesen, eine Art „Grande Dame“ des

Hauses.

Noch heute wirkt Marianne Müller im

Vorstand des Stiftungszentrums der

Barmherzigen Brüder mit. Und wo liegen

neben der „Barmherzigkeit“, wie sie

manchmal formuliert, ihre Passionen?

Sie „gartelt“ gerne rund um ihr Reihenhaus

in Aubing und in einem wenige

Kilometer entfernten Schrebergarten.

Dorthin fährt sie meist mit dem Rad –

das Radlfahren liebt sie ebenso wie das

Wandern, aber da zieht ihr Mann nicht

mehr so mit. Der wird dafür von Marianne

Müller nach den neuesten Rezepten

von Alfons Schuhbeck und Co bekocht.

Johann Singhartinger


Thema: Ehrenmitglieder

7

Redaktion der Hauszeitung „intern“,

Hausradio, Imagefilm und TV-Gesundheitsforen

entstanden unter seiner Ägide.

Seit 2007 war er zudem Vorsitzender

des Fördervereins.

Unermüdlicher

Netzwerker

Ehrenmitglied Reinhard Stegmaier (69) leistete

am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg

auf verschiedenen Feldern Aufbauarbeit

Reinhard Stegmaier

Reinhard Stegmaier war und ist ein

unermüdlicher Netzwerker, ein großer

Organisator und Kommunikator, unzählige

Ordensfeste und Gottesdienste hat

er als Dirigent der Chorgemeinschaft

St. Fidelis/St. Pius musikalisch bereichert.

Das Oratorium „Leben und Werk

des Johannes von Gott“ ist dank seiner

Initiative entstanden. Vom heutigen Generalrat

Rudolf Knopp stammte einst die

Idee zu den hauseigenen Kunstausstellungen,

die seit 1993 unter der Reihe

„Kunst im Krankenhaus“ bis heute einen

festen Kulturplatz in Regensburg

besetzen. Seit der Berufung von Frater

Rudolf Knopp nach München kuratierte

und betreute Reinhard Stegmaier bis

über sein Ausscheiden aus dem aktiven

Dienst 2006 das Kulturangebot.

Sozialdienst, Öffentlichkeitsarbeit, Hauszeitung,

Pastoralrat, Chorleitung, Kunst

im Krankenhaus, Festgottesdiens te – all

dies ist am Regensburger Krankenhaus

und über die Region hinaus untrennbar

mit dem Namen Reinhard Stegmaier

verbunden: mehr als 35 Jahre im Dienste

der Barmherzigen Brüder, die im Jahre

2011 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied

gekrönt wurden.

Einsatz für Junge,

Gefährdete und Kranke

Der gebürtige Passauer Reinhard Stegmaier

wurde 1969 nach dem Studium der

Sozialpädagogik und der Kirchenmusik

mit 25 Jahren zum ersten kirchlichen Jugendreferenten

der Diözese für die Stadt

Regensburg berufen. Zwei Jahre später

knüpfte der inzwischen junge Familienvater

Kontakt zum Orden der Barmherzigen

Brüder. „Mit dem damaligen Prior

Donatus Wiedenmann gründete ich die

Initiative ‚Dienst junger Leute im Krankenhaus’.

Es gelang mir rund 60 junge

Menschen zu motivieren, die ihren ehrenamtlichen

Sonntagsdienst am Krankenhaus

leisteten und somit den Pflegedienst

ein wenig entlasteten“, erzählt

Reinhard Stegmaier. Als Prior Frater

Donatus dann ein paar Jahre später anklopfte,

um den jungen Sozialpädagogen

an das Krankenhaus Barmherzige Brüder

zu holen, war der Niederbayer bereits

einige Jahre in der Sozialarbeit am

Bezirkskrankenhaus Regensburg tätig.

Als Reinhard Stegmaier am 1. Mai 1979

den Sozaldienst am Regensburger Krankenhaus

etablierte, den er über 35 Jahre

leiten sollte, gab es noch den „Männer-

und den Frauenbau“ an der Klinik.

„Prior Frater Donatus war damals sehr

vorausschauend, er hatte die Notwendigkeit

des Sozialdienstes gespürt, ganz

im Sinne des Ordensgründers Johannes

von Gott den Menschen in seiner Gesamtheit

zu betrachten und ihm neben

der medizinisch-pflegerischen Betreuung

eine Hilfe bei sozialen und persönlichen

Problemen an die Seite zu stellen“,

fasst Stegmaier das große Hilfs- und Beratungsangebot

zusammen, welches er

im Laufe der Jahre mit der engagierten

Unterstützung seiner Mitarbeiterinnen

bewältigte.

Freude an neuen Aufgaben

Pionierarbeit zu leisten zieht sich wie

ein roter Faden durch sein Arbeitsleben:

Reinhard Stegmaier war von 1989 bis

2002 der Vorsitzende des neugegründeten

Pastoralrates und leitete ab 1991

zudem die Pressestelle des Hauses. Die

Er, der selbst stets als fairer Teamplayer

agierte, ist untrennbar mit der Unterstützung

seitens seiner Frau Maria verbunden,

die als studierte Kirchenmusikerin

neben ihrer Tätigkeit als Leiterin der

Zentralbibliothek des Ordens auch mit

ihren Sopransoli so manchen Festgottesdienst

verschönerte.

Dankbar für Anerkennung

und Öffnung des Ordens

Freudig und überrascht nahm Reinhard

Stegmaier damals den Anruf von

Provinzial Frater Emerich Steigerwald

mit der Kunde der Ehrenmitgliedschaft

entgegen und bilanziert: „Ich bin sehr

dankbar, jahrzehntelang in einer Einrichtung

der Barmherzigen Brüder mit

gestaltet zu haben. Es war wohltuend zu

erleben, wie sich eine Ordensleitung den

Mitarbeitern und Freunden des Ordens

im Laufe der vergangenen Jahrzehnte

geöffnet und zugewandt hat“. Sein

Wunsch sei es auch in Zukunft die Weiterentwicklung

des Ordens zu begleiten,

so der „Familienmensch“ Reinhard

Stegmaier, der im Kreise seiner Lieben,

mit drei Kindern, Schwiegerkindern und

sieben Enkeln, den Ruhestand „aktiv genießt“.

Kirsten Oberhoff


8

Thema: Ehrenmitglieder

Gudrun Kaupper

erinnert sich gerne

Fast viereinhalb Jahrzehnte war die Verwaltungsangestellte

bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf tätig

Sie war gerade einmal 15 Jahre alt,

als sie am 15. November 1954 bei den

Barmherzigen Brüdern Gremsdorf ihren

Dienst antrat: Gudrun Kaupper, Ehrenmitglied

der Barmherzigen Brüder seit

2011. Ihre mittlere Reife hatte sie kurz

zuvor an der Handelsschule in Forchheim

erlangt und war auf Vermittlung

des Arbeitsamtes ihres Heimatortes

Höchstadt/Aisch in die Einrichtung für

Menschen mit Behinderung gekommen.

Eingestellt hatte sie schließlich Prior

Frater Winthir Wallner.

Prior war oberste Instanz

Zwei Ehrenmitglieder unter sich: Gudrun

Kaupper und der mittlerweile emeritierte

Bamberger Weihbischof Werner Radspieler,

der am 8. Januar 2012 in Gremsdorf

zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

„Meine ersten Aufgaben waren, Rechnungen

zu überweisen und diverse Buchungen

durchzuführen“, erinnert sich

Gudrun Kaupper. Mit ihr im Büro arbeitete

noch Frater Eucherius, ein sehr gewandter

Verwaltungsfachmann, den sie

duzen durfte. Eigentlich befanden sich

Leitung und Verwaltung des Hauses in

einer Hand. „Der Prior war nun einmal

die oberste Instanz“, bemerkt Kaupper,

die insgesamt 44 Jahre in der Einrichtung

tätig war. Nach wenigen Monaten

– Frater Eucherius hatte die Einrichtung

verlassen – musste sie bereits alle anfallenden

Büroarbeiten übernehmen. Was

heute mehrere Fachleute in der Finanz-,

Mitarbeiter- und Heimbewohnerverwaltung

tun, hatte sie damals alleine zu erledigen.

Unvergesslich bleibt Gudrun Kaupper

der legendäre Provinzökonom Frater

Clarus Bierler. An jedem Monatsende

musste sie in das damalige Provinzialat

nach Regensburg fahren, um ihre Unterlagen

– vor allem auch die Rechnungsabschlüsse

– vorzulegen und überprüfen

zu lassen. „Seine Büroordnung war von

ganz eigenem Stil. Trotzdem fand er hinter

und zwischen allen Aktenbergen immer

das richtige Schriftstück“, bemerkt

die ehemalige Verwaltungsangestellte.

Gudrun Kaupper war aber in den Anfangsjahren

nicht nur als kompetente

Verwaltungskraft gefragt, sondern sie

hatte ihre Chefs auch zu chauffieren.

„Damals besaßen die Prioren ja noch

keinen Führerschein.“

Frater Pantaleon

und das Autofahren

Sehr gut im Gedächtnis ist Gudrun

Kaupper noch Prior Frater Pantaleon

Forsthuber und im Besonderen sein

Fahrstil. Mitte der 1950er Jahre hat er

während seiner Gremsdorfer Priorenzeit

seinen Führerschein erworben und sich

gleich anschließend ein Auto zugelegt.

„Und dann ist er einfach sehr gerne und

sehr viel gefahren“, sagt Kaupper, und

ergänzt schmunzelnd, „auch wenn er

es nicht so ganz beherrscht hat“. Dafür

habe er umso besser schimpfen können

– und zwar über alles und jeden im Straßenverkehr,

und regelrechte Schweißausbrüche

habe er dabei bekommen.

Noch heute glaubt Gudrun Kaupper,

dass Prior Pantaleon wohl mehr als nur

einen Schutzengel gehabt haben muss.

In Eigenregie hatte sich Frater Pantaleon

Forsthuber auch das Orgelspielen beigebracht.

„Dies war dann auch hin und

wieder nicht zu überhören.“

Im Großen und Ganzen denkt Gudrun

Kaupper sehr gerne an ihre Zeit

in Gremsdorf zurück. „Ich durfte viel

erleben, ich habe so manchen Mitarbeiter

kommen und gehen sehen und habe

Generationen von Barmherzigen Brüdern

kennengelernt.“ Sie hat immerhin

mit neun Prioren und drei Gesamtleitern

zusammengearbeitet. Barmherzige

Brüder im ursprünglichsten Sinne waren

für Gudrun Kaupper die Fratres Hadrian

Heckner, Pachomius Durmann und

Ermin Oggermüller. Sie stellten all ihre

Kraft in den „Dienst am Nächsten“.

„Respektsperson“

Mitarbeiter, die sie noch aus ihrer aktiven

Gremsdorfer Zeit kennen, schildern sie

als eine „Respektsperson“, die äußerst

korrekt ihre Arbeit tat – sie gehörte auch

jahrelang dem Direktorium der Gremsdorfer

Einrichtung an. Gleichzeitig

bleibt aber auch ihr „großes soziales Gewissen“

in Erinnerung. Privat kennt man

sie als „geselligen Menschen“ und Genießerin

kulinarischer Köstlichkeiten.

Noch heute geht Gudrun Kaupper gerne

auf Reisen. Vor kurzem fuhr sie auf der

Donau von Passau bis zum Schwarzen

Meer. Sie war aber auch schon in Neuseeland,

Japan und auf den Galapagosinseln

und hat mit der Transsibirischen

Eisenbahn Russland durchquert.

Mit Leidenschaft löst sie Kreuzworträtsel,

auch regelmäßig die in dieser Zeitschrift.

Und sie hat auch schon gewonnen:

vor zwei Jahren einen zweitägigen

Aufenthalt in Kostenz. Auch dort traf sie

auf einen ehemaligen Prior von Gremsdorf:

Frater Silvester Ganghofer. Und

solche Begegnungen machen Gudrun

Kaupper noch heute eine ganz besondere

Freude.

Johannes Salomon


Thema: Ehrenmitglieder

9

Dr. Thomas Binsack (links) bei der fröhlichen Abschiedsfeier auf der Palliativstation mit einem „Rezeptbuch für den Ruhestand“

Pionier christlicher Hospizarbeit

Dr. Thomas Binsack, Chefarzt der Münchner Palliativstation, ist nun im Ruhestand

Er war ein regelmäßiger Kantinen-Gänger

– bei einem Chefarzt eher ungewöhnlich.

Dort sah man ihn dann beim

Mittagessen im lockeren Gespräch im

Kreise der Kollegen. Manchmal war

ihm auch eine gewisse Anspannung

anzumerken, wenn er eilenden Schrittes

mit leicht vorgebeugtem Oberkörper

zur Essensausgabe kam. Mitunter

klingelte auch sein Telefon. Dr. Thomas

Binsack war immer konzentriert bei der

Sache, sei es am Telefon, im Gespräch,

im Kontakt mit Patienten und Mitarbeitern.

Ende Dezember wechselte er in den

Ruhestand.

Identifikation mit dem Orden

Bei einer kleinen Feier im Münchner

Konvent der Barmherzigen Brüder sagte

Provinzial Frater Emerich Steigerwald,

es falle schwer, „eine Persönlichkeit zu

verabschieden, die überzeugend und

verlässlich gewirkt und sich mit unserem

Ordensauftrag identifiziert hat“. In

23 Jahren hat Dr. Thomas Binsack am

Krankenhaus Barmherzige Brüder München

nicht nur die erste Palliativstation

Bayerns aufgebaut und geleitet, er hat

einiges zum heutigen Stellenwert von

Palliativmedizin und Hospizarbeit in

Bayern beigetragen. Zahlreichen Besuchergruppen

erläuterte er geduldig die

Arbeit auf der Station, in vielen Vorträgen

machte er die Hospizidee bekannt

und stand für Interviews mit der Presse

bereit – Frater Emerich sprach von einer

„quasi missionarischen Aufgabe“.

Hohes Ansehen

Kooperationen, zum Beispiel mit dem

Caritasverband und den Maltesern, waren

dem Palliativmediziner besonders

wichtig, um ein „umfassendes Netz der

Betreuung schwerkranker und sterbender

Menschen“ zu weben, „ganz wesentlich

ergänzt durch das Johannes-Hospiz

in der Notburgastraße“. Auch bei Politik

und Kostenträgern genießt Dr. Binsack

hohes Ansehen, unter anderem als Vorsitzender

des Stiftungsrates der Bayerischen

Stiftung Hospiz.

Im Verein zur Förderung des Johannes-

Hospizes in München ist Thomas Binsack,

so drückte es Provinzial Frater

Emerich aus, als „stiller und umsichtiger

Organisator und Ideengeber sowie

Bezugs- und Vertrauensperson“ tätig.

Auch in Planung und Redaktion des

viermal jährlich erscheinenden Informationsblattes

des Vereins wirkte der

Chefarzt tatkräftig mit. Und die Redaktion

der misericordia hatte – und behält

hoffentlich – in ihm einen aufmerksamen

Leser, der auch mit anerkennenden

Kommentaren nicht geizte.

Es ist wohl seiner festen Verwurzelung

im christlichen Glauben zu verdanken,

dass Dr. Binsack immer „auf dem Teppich“

und ein zugewandter Arzt geblieben

ist – im Übrigen auch ein sehr

menschlicher Kollege, der vielen Mitarbeitern

bei ganz persönlichen, zum

Beispiel gesundheitlichen, Problemen

ohne viel Aufhebens beistand.

„Entlassbrief“ für den Chef

Das Team der Palliativstation kleidete

seinen Dank an den Chef bei einer

Abschiedsfeier in diverse humorvolle

Darbietungen: unter anderem wurden

bayerische Gstanzl und ein Abschieds-

Musical intoniert, ein Rezeptbuch für

den Ruhestand und ein Fotobuch aus 23

Jahren Palliativstation übergeben, eine

„Pflegeüberleitung mit Vorschlägen für

die weitere Therapie“ inszeniert und

Dr. Binsacks Frau Ursula ein „Ärztlicher

Entlassbrief“ ausgehändigt.

Die misericordia-Redaktion schließt

sich an und sagt ebenfalls „Vergelt’s

Gott, Dr. Binsack!“

Johann Singhartinger


10

Bayerische Ordensprovinz

Neuer Pflegedirektor in Regensburg

Seit 1. Januar hat das Krankenhaus Barmherzige

Brüder Regensburg in Ralf Busse

(48) einen neuen Pflegedirektor am Standort

Prüfeninger Straße. Der gelernte Industriemechaniker

stammt aus Nordrhein-

Westfalen und kam über den Zivildienst

zur Pflege.

In über zwanzigjähriger Tätigkeit am

Dürener St. Augustinus Krankenhaus

durchlief Busse verschiedene Positionen

vom Krankenpfleger bis hin zum Pflegedirektor

und Leiter eines stationären

Hospizes.

In den vergangenen drei Jahren war

Busse Geschäftsführer beim Wuppertaler

Klinikverbund St. Antonius und

St. Josef, der zur Hospitalvereinigung

des Kölner Cellitinnen-Ordens gehört.

Davor übte der 48-Jährige beim gleichen

Klinikverbund für zwei Jahre das Amt

des übergeordneten Pflegedirektors aus

und war für fünf Krankenhäuser und eine

Geriatrische Rehabilitation zuständig.

Zusätzlich qualifizierte sich Ralf Busse

als Betriebswirt mit der Fachrichtung

Sozialwesen sowie als Master of Business

Administration (MBA).

Als Beispiel für mögliche Projekte,

die er in den nächsten Jahren angehen

möchte, nannte Ralf Busse eine bessere

Vereinbarkeit von Beruf, Familie und

Freizeit und eine damit verbundene

Entwicklung von neuen Arbeitszeitmodellen

in der Pflege. Außerdem stehen

die Stärkung des Ehrenamtes in der Patientenbetreuung

sowie eine Neuorganisation

der Arbeitsteilung im stationären

Alltag für ihn an oberster Stelle.

Svenja Uihlein

Der neue Pflegedirektor Ralf Busse (Mitte)

zusammen mit Krankenhaus-Geschäftsführer

Dr. Andreas Kestler und Pater Leodegar

Klinger

Geradlinig, zuverlässig und treu

90. Geburtstag von Frater Silvester Ganghofer

Ordensleute leben länger – das ist

wissenschaftlichen Studien zufolge

erwiesen. Dennoch ist es auch

für einen Ordenschristen keine Selbstverständlichkeit,

den 90. Geburtstag in

geistiger und körperlicher Frische zu

erleben, wie das am 7. Januar Frater Silvester

Ganghofer in Kostenz beschieden

war. Ein guter Grund für seine Mitbrüder,

Verwandte und die Kostenzer Hausgemeinschaft,

den Jubilar hochleben zu

lassen.

In seiner Predigt beim Dankgottesdienst

hob Pater Leodegar Klinger hervor,

wie Frater Silvester – sein Taufname

ist Franz Xaver – in seiner niederbayerischen

Herkunftsfamilie schon Kirche

im Kleinen erlebt habe, wie die Mutter

ihm das Kreuz auf die Stirn gezeichnet

habe und wie Frater Silvester in seinem

Ordensleben die Liebe der Familie, die

Liebe Gottes weitergegeben habe an andere

Menschen.

Provinzial Frater Emerich Steigerwald

würdigte in einer kleinen Ansprache

beim Festessen unter anderem Frater

Silvesters Führungsqualitäten durch

„ruhiges und überlegtes, überzeugendes

Handeln“, das er viele Jahre als Prior

und Provinzrat unter Beweis gestellt

habe.

„Sie sind uns ein Vorbild“, sagte der Provinzial,

„Ihr Leben war bestimmt durch

die Haltungen der Geradlinigkeit, der

Zuverlässigkeit und der Treue.“

js

Wir gratulieren

zum 85. Geburstag am 16. Februar

Frater Adelmar Schmid, Neuburg


Bayerische Ordensprovinz

11

Werkstattladen in Nürnberg

In einer bundesweiten Kooperation

von Werkstätten für Menschen mit

Behinderung von Eckernförde bis Altötting

haben sich unter Federführung

der Barmherzigen Brüder verschiedene

Werkstätten zusammengefunden, die

das Projekt „2b 4together“ („to be for together“)

unterstützen: „zusammen-sein,

zusammen-leben, zusammen-wirken,

zusammen-wohnen“. In der Königsstraße

5 in Nürnberg (Ecke Findelgasse),

also in zentraler Lage, wurde ein

Werkstattladen eröffnet. Ein besonders

wichtiger Inhalt dieses Nürnberger Ladenprojektes

ist es, die wertvolle und

hohe Leistung der Beschäftigten der

Werkstätten zu präsentieren. Daher

stehen vielfältige Produkte wie hochwertiges

Holzspielzeug (fagus), Seifen,

Shampoo, Tee, Likör, handgewebte und

nach Wunsch gefertigte Teppiche, Produkte

der Naturwerkstatt sowie Kicker

aus eigener Schreinerei zum Verkauf.

Der Nürnberger Werkstattladen von innen

und – Foto rechts oben – von außen

Darüber hinaus werden die Leistungen

der Fremdproduktion für Firmen wie

Porsche, Siemens, Schaeffler, Krone,

HKS, Weiland etc. präsentiert. So ist die

Behindertenwerkstatt der Barmherzigen

Brüder Straubing beispielsweise Lieferant

für die Automobilindustrie.

Seit Mitte Januar finden in den Geschäftsräumen

unterschiedlichste Veranstaltungen

und Workshops statt. Die

Beschäftigten der Naturwerkstatt der

Barmherzigen Brüder Gremsdorf stellen

beispielsweise ihre mit dem Landesbund

für Vogelschutz entwickelten Insektenhotels

und Nistkästen vor.

Torsten Kabel

Verbundweites MAV-Treffen in Regensburg

Seit vier Jahren treffen sich die Mitarbeitervertretungen

der Verbundkrankenhäuser

der Barmherzigen Brüder halbjährlich

zum Erfahrungsaustausch. Am

21. November 2013 war die Regensburger

MAV Gastgeber für ihre Kolleginnen

und Kollegen aus den Krankenhäusern

Straubing, Schwandorf und München,

dem MVZ Straubing, den Kneipp’schen

Stiftungen Bad Wörishofen und dem Tagungs-

und Erholungshaus Kostenz, die

sich hier angeschlossen haben. Begrüßt

wurden die Vertreter der Häuser durch

die Geschäftsführer Christian Kuhl

und Dr. Andreas Kestler (auf dem Foto

1. und 2. von links). Zum ersten Mal mit

dabei waren der Personalratsvorsitzende

und die stellvertretende Personalratsvorsitzende

des Evangelischen Krankenhauses

Regensburg, das mit seinem

Eintritt im November 2013 das neueste

Mitglied im Krankenhausverbund ist.

Bettina Beck, MAV Regensburg


12

Bayerische Ordensprovinz

Serie „Zurückgeblättert“

Die misericordia

vor 80, 60, 30 Jahren

Manchmal kann der Blick zurück die

Wahrnehmung gegenwärtiger Entwicklungen

schärfen und manchmal ist es

einfach amüsant zu sehen, wie es früher

war. Die misericordia-Redaktion hat

sich deshalb entschlossen, in Ausgaben

der Zeitschrift zurückzublättern, die vor

80, 60 und 30 Jahren erschienen sind.

1934: Gedicht auf dem Titel

1934 ist der sechste Jahrgang der damals

von der Schlesischen Ordensprovinz

herausgegebenen Zeitschrift, die

in Breslau erscheint. Das Januar- wie

das Februar-Heft bieten jeweils über

50 Seiten (ca. DIN A 5) Lesestoff.

Die erste Ausgabe startet mit einem

Neujahrs-Gedicht auf der Titelseite; da

heißt es: „Gottes Segen zum neuen Jahr!

Sei heut mein Wunsch der Leserschar;

Gesundheit, Glück und Seelenfrieden

sei meinen Freunden stets beschieden!

Zugleich mein Dank an alle Guten, hier

wie über des Meeres Fluten! O staunet

nicht, ich bin es ja, die Zeitschrift Misericordia

…“

Offenbar besteht eine gute Zusammenarbeit

mit den anderen deutschsprachigen

Ordensprovinzen (Bayern

und Österreich); so ist ein Beitrag von

Frater Bernhard Schelle aus Algasing

abgedruckt über den „Krankendienst“

– Zitat: „Man vergisst nur zu oft, wie

feinfühlig der Leidende für den leisesten

Ausdruck der Ungeduld und der Nervosität

im Gesichte des Pflegenden ist.“

In der Februar-Ausgabe schreibt Frater

Alfons Fink über die Feier der Weihnacht

im Wiener Krankenhaus: „Der

mächtige Christbaum funkelte und

strahlte in eitel Licht und prächtiger

Fülle, die große Krippe wirkte so anziehend

und stimmungsvoll, dass sich

nach der Feier die Beter nur langsam,

fast zögernd entfernten. Nun gingen die

jüngeren Brüder mit großen Körben in

misericordia Februar 1954: „Drei Bayerische

Barmherzige‘ vor der St. Peterskirche:

Fr. Apollonius, P. Camillus, Fr.

Narzissus“

die einzelnen Krankenzimmer und überreichten

den Patienten von Bett zu Bett

die Geschenkpakete. Dazu kam noch

für jeden einzelnen Kranken ein Paket

Zigaretten …“

1954: Warum gibt es Leid?

Provinzial Frater Theodorich Höfner

wird in der Januar-Ausgabe 1954 gleich

dreifach beglückwünscht: zum neuen

Jahr, zum Namenstag am 3. Januar und

zum 60. Geburtstag am 19. Januar. Die

bayerischen Brüder in Japan berichten

von einem Taifun: „Zwei Stunden lang

trieb dieser gefährliche Geselle über unserm

Haus sein gewaltiges Spiel, wobei

er etwa zehn Bäume entwurzelte …

Dachziegel machten sich selbständig. In

der Nachbarschaft flogen einige Hausdächer

umher ...“

In der Rubrik „Krankenlesung“ schreibt

Andreas Obendorfer über die „Drei ‚Warum?’“

– Warum gibt es überhaupt Leid?

Warum muss ich leiden? Warum musste

Christus leiden? Der Autor endet mit

dem Verslein: „Kommt dir ein Schmerz,

so halte still und frage, was er von dir

will: der liebe Gott, er schickt dir keinen

bloß darum, dass du mögest weinen.“

1984: Von Bayern

nach Japan

Erstmals ist mit dieser Ausgabe aus

der „Monatsschrift“ Misericordia eine

„Zweimonatsschrift“ geworden, was für

die kommenden neun Jahre auch so bleiben

wird. Der Grund dafür: Schriftleiter

Frater Bernhard Binder war 1983 zum

Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz

gewählt worden, was sein zeitliches

Budget für die Redaktionsarbeit naturgemäß

einschränkte.

Ausführlich berichtet Frater Bernhard in

dieser Ausgabe über seine dreiwöchige

Reise zu den japanischen Mitbrüdern,

die in Form einer „Provinzdelegatur“

an die bayerische Provinz angegliedert

waren. „Die Tage meines Aufenthalts

waren reich gefüllt“, schreibt der Provinzial.

„Meine Aufgabe war es, die

derzeitige Situation der Gemeinschaft

kennenzulernen, in Gesprächen eine

gute Meinungsbildung zu fördern und

schließlich Entscheidungen zu treffen.“

Auf dem Titelfoto der ersten Ausgabe 1984

sind zwei junge Japanerinnen zu sehen;

Provinzial und Schriftleiter Frater Bernhard

Binder berichtet in dem Heft über seine

Reise zur japanischen Provinzdelegatur.

js


Barmherzige Brüder weltweit

13

Starkes Ehrenamt:

Medizinische Hilfe in Indien

Anästhesie-Oberärztin Dr. Barbara Dünzl, Anästhesieschwester Elke Fischer und OP-Schwester Maria Klonek vom

Krankenhaus St. Barbara Schwandorf engagierten sich mit pro interplast im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder

in Khandwa.

Körperliche Fehlbildungen wie die

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gelten in

vielen Dritte-Welt-Ländern als Fluch

Gottes. Betroffene Menschen werden

von der Gesellschaft gemieden, Kinder

von ihren Eltern ausgesetzt. Dabei

könnten Ärzte die Fehlbildung gut behandeln.

In Indien muss eine Vielzahl

mittelloser Patienten mit Fehlbildungen

oder unbehandelten schweren Leiden

wie Verbrennungen ohne Hoffnung auf

Hilfe leben. Es gibt keine ausreichende

ärztliche Versorgung oder niemand ist

bereit, die Betroffenen ohne Honorar zu

behandeln oder zu operieren.

Pro interplast hat es sich zur Aufgabe

gemacht, diesen Menschen zu helfen,

in dem der Verein Operationseinsätze

finanziert und organisiert. Ehrenamtliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

wie Dr. Barbara Dünzl, Elke Fischer

und Maria Klonek vom Krankenhaus

St. Barbara Schwandorf verzichten auf

ein Honorar, sie nutzen ihren Urlaub,

um in Entwicklungsländern zu helfen.

Im Oktober 2013 brachen die drei nach

Khandwa/Indien auf, um im kürzlich

eröffneten St. Richard Pampuri Krankenhaus

der Barmherzigen Brüder zu

helfen. Ihr Ziel war es, jene Patienten

zu versorgen, die sonst keine Chance haben,

ihren oftmals mit starken Schmerzen

verbundenen Krankheiten zu entgehen.

„Wir hatten elf arbeitsreiche Tage“,

berichtet Dr. Dünzl. „Begonnen haben

wir mit dem Screening von ca. 170 Patienten.

Aufgrund unseres hochqualifizierten

Teams konnten wir zum Teil drei

OP-Tische betreiben und 115 Eingriffe

an 108 Patienten im Alter von drei Monaten

bis 70 Jahren durchführen.“

Unter den Patienten waren viele Kinder

mit angeborener Lippen-Kiefer-

Gaumenspalte. Kommt ein deutsches

Kind damit zur Welt, wird es bereits

in den ers ten Lebenswochen operiert.

Wenig betuchte indische Eltern können

sich diese Operation nicht leisten. Vorrangig

geht es bei der Operation nicht

darum, ein ästhetisches Äußeres zugewinnen.

Patienten mit Lippen-Kiefer-

Gaumenspalte fällt das Sprechen und

Essen schwer. Durch die Rekonstruktion

der Lippe wird ihre Bewegungsfähigkeit

wieder hergestellt. Der Verschluss des

harten Gaumens verhindert, dass Speisen

in die Kieferhöhlen und Atmungsorgane

eintreten können. Ein großes Problem

stellen auch Verbrennungen dar.

Mit der Art des Kochens auf offenem

Feuer oder mit Kerosin gehen immer

Dr. Barbara Dünzl (2 von rechts) mit deutschen

Kolleginnen, die ebenfalls ehrenamtlich

im Einsatz waren (Foto oben) und im

OP (Foto links)

wieder schlimme Unfälle einher. Betroffene

wurden ebenfalls von den pro

interplast-Mitarbeitern versorgt.

Dr. Barbara Dünzl nimmt bereits seit 17

Jahren an Einsätzen in Entwicklungsländern

teil. Seit 2008 fliegt sie jährlich nach

Indien. Im Vergleich zu früheren Einsätzen

zieht sie ein positives Fazit: „Das

neue St. Richard Pampuri Krankenhaus

ist apparativ sehr gut ausgestattet. Auch

die Apotheke und das Labor lassen fast

keine Wünsche offen. Auffallend war die

großzügige Ausstattung aller Stockwerke

mit Toiletten und Waschgelegenheiten

und die vielen Trinkwasserspender.“

Unter anderem haben der Verein der Indienhilfe

vom heiligen Johannes von Gott

und die gastroenterologische Abteilung

am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf

mitgeholfen, die notwendigen Einrichtungen

für das Krankenhaus in Khandwa

zu spenden.

Caroline Kappes


14

Barmherzige Brüder weltweit / Krankenhaus und Gesundheit

Frater Ulrich Fischer bleibt Provinzial

der Österreichischen Ordensprovinz

Frater Ulrich Fischer (3. von rechts) ist

beim 77. Provinzkapitel vom 13. bis

17. Januar wieder zum Provinzial der

Österreichischen Ordensprovinz gewählt

worden. Am 16. Januar wurden

unter der Leitung von Generalprior Pater

Jesús Etayo (3. von links) außerdem Frater

Richard Binder (2. von rechts) zum

1. Provinzrat, Frater Matthias Meczywor

(2. von links) zum 2. Provinzrat, Frater

Paulus Kohler (links) zum 3. Provinzrat

und Frater Martin Macek (rechts) zum

4. Provinzrat gewählt. Wir gratulieren!

Gütesiegel für Herzkliniken

der Barmherzigen Brüder

Herzinfarktnetze in Straubing, Regensburg und Schwandorf

jetzt akkreditierte Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der

Bayerischen Herzinfarktnetzwerke

Die Herzinfarktnetze Niederbayern-

Mitte (Klinikum St. Elisabeth Straubing)

und Oberpfalz-Mitte (Krankenhaus St.

Dr. Elisabeth Bösl (Mitte), Chefärztin am

Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf,

freut sich zusammen mit ihren Kollegen

Privatdozent Dr. Peter Sick (rechts), Chefarzt

am Krankenhaus Barmherzige Brüder

Regensburg, und Professor Dr. Sebastian

Maier (links), Chefarzt am Klinikum

St. Elisabeth in Straubing, über die Akkreditierungsurkunde

für ihre jeweiligen

regionalen Netzwerke.

Barbara Schwandorf) sowie das Herzinfarktnetz

im Rettungsdienstbereich

Regensburg (Krankenhaus Barmherzige

Brüder Regensburg und Krankenhaus

St. Barbara Schwandorf) können gemeinsam

einen schönen Erfolg vorweisen:

Sie wurden beim Herbstkonvent der

Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen

Herzinfarktnetzwerke in Nürnberg als

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der

Bayerischen Herzinfarktnetzwerke akkreditiert.

Die Akkreditierung bescheinigt, dass die

Herzinfarktnetze wichtige Qualitätsstandards

einhalten und klare Behandlungspfade

für alle an der Herzinfarktversorgung

Beteiligten aufweisen. „Wir sind

stolz, dieses Gütesiegel erhalten zu haben

und freuen uns auf die Fortsetzung

der fruchtbaren Zusammenarbeit mit

den Notärzten, Rettungsdiensten und

Kliniken der Region zum Wohl unserer

Herzinfarkt-Patienten“, sagt Professor

Dr. Sebastian Maier, Vorsitzender der

Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen

Herzinfarktnetzwerke und Chefarzt der

II. Medizinischen Klinik am Klinikum

St. Elisabeth in Straubing stellvertretend

für seine Kollegen der Herzkliniken in

Schwandorf und Regensburg.

Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist

es, Herzinfarktpatienten schnellstmöglich

zu behandeln. Wichtiger Baustein

hierfür sind die Herzkatheter-Zentren

mit 24-Stundenbereitschaft in Straubing

und Regensburg, in Schwandorf während

der Regelarbeitszeit. Je schneller

das Herzkatheter-Team die verschlossenen

Herzkranzgefäße öffnet, desto geringer

ist die Wahrscheinlichkeit, dass

Teile des Herzmuskels absterben und die

Patienten Herzrhythmusstörungen oder

eine Herzschwäche entwickeln.

Einen großen Beitrag zur Beschleunigung

der Abläufe in den drei Herzinfarktnetzen

leistet die EKG-Telemetrie.

Die Rettungsfahrzeuge in den Dienstbereichen

Straubing-Bogen, Schwandorf

und Regensburg sind daher mit telemetriefähigen

12-Kanal-EKGs (Elektrokardiographen)

ausgestattet. Damit stellen

die Notärzte bereits vor Ort fest, ob

ihr Patient einen Herzinfarkt erlitten hat.

Die Daten werden direkt per Funk vom

Einsatzwagen an das jeweilige Herzkatheter-Zentrum

in den Krankenhäusern

der Barmherzigen Brüder übertragen.

Das voralarmierte Herzkatheter-Team

übernimmt dort den Patienten und öffnet

mit einem Herzkatheter die verschlossenen

Herzkranzgefäße.

Ursula Eisenmann


Krankenhaus und Gesundheit

15

Luftrettung wird noch schneller

Bau eines der modernsten Hubschrauber-Landeplätze Deutschlands

auf dem Dach des Straubinger Klinikums St. Elisabeth

Es war eine Baustelle, die aus der Masse

heraussticht: Auf dem Dach des Straubinger

Klinikums St. Elisabeth entstand

einer der modernsten Hubschrauber-

Landeplätze in ganz Deutschland. Das

5,8-Millionen-Euro-Projekt in luftiger

Höhe wird die Luftrettung im ostbayerischen

Raum noch schneller machen.

Ab Februar 2014 soll der ADAC-Rettungshubschrauber

Christoph 15 vom

neuen Dachlandeplatz aus abheben.

Eine derart technisch anspruchsvolle

Konstruktion für einen Hubschrauber-

Landeplatz wie am Straubinger Klinikum

gibt es nur noch am Universitätsklinikum

Mainz, sagt Klinikums-

Geschäftsführer Dr. Christoph Scheu.

Die Konstruktion orientiert sich an der

Technologie von Hochsee-Plattformen.

Die Straubinger ADAC-Luftrettungsstation

wurde im November 1977 am

Klinikum St. Elisabeth in Betrieb genommen.

Sie zählt zu den ältesten der

deutschlandweit 35 Luftrettungsstationen.

Weil der Landeplatz samt Hangar

in die Jahre gekommen war und

den neuen EU-Richtlinien nicht mehr

entsprach, entschieden sich Klinikum

St. Elisabeth und ADAC für einen Neubau.

Eine enge Zusammenarbeit besteht

mit dem Rettungszweckverband Straubing,

dem die Landkreise Straubing-Bogen,

Deggendorf und Regen angehören.

Vorteile für Patienten

und Anwohner

Der Landeplatz auf dem Dach des Klinikums

St. Elisabeth bietet deutliche

Vorteile gegenüber dem Landeplatz

am Boden. Die Rettungskette wird optimiert.

Der Patient muss nicht mehr

vom Hubschrauber in den Krankenwagen

umgelagert und ins Notfallzentrum

gefahren werden, wo erneut eine Umlagerung

nötig ist. Er kommt direkt von

Christoph 15 zum Patientenaufzug, der

ihn schnell und schonend in das Notfallzentrum,

den Schockraum oder das

Herzkatheterlabor bringt.

Auch die Anwohner profitieren vom

neuen Hubschrauber-Landeplatz. Die

Starthöhe von 25 Metern senkt zusammen

mit angepassten Start- und Lande-

Foto oben: Sicherheitshalber wurden vor

Baubeginn Kunstwerke versetzt. Nach

Abschluss der Bauarbeiten wird der Patientengarten

wieder schön hergerichtet.

Foto rechts: Ein großer Spezialtiefenbohrer

schafft im Außenbereich ein 18 Meter

tiefes Loch mit 1,10 Metern Durchmesser

für eine der insgesamt vier Stützen.


16

Krankenhaus und Gesundheit

Die 3D-Skizze zeigt die komplette

Stahlkonstruktion mit Fundament

(die Abkürzung FATO steht für Final

Approach and Take Off Area, also den

Start- und Landeplatz).

anflugschneisen die Lärmbelästigung

durch Christoph 15, was ein Emissionsgutachten

bestätigte.

Mit den Arbeiten für das Fundament

fiel im September 2012 der Startschuss

für den Bau des Hubschrauber-Landeplatzes.

Schwere Baumaschinen rollten

im Patientengarten des Klinikums

St. Elisabeth an und machten ihn zu einer

Baustelle. Nach Abschluss der Maßnahme

wird der Garten wieder schön hergerichtet

und die sicherheitshalber versetzten

Kunstwerke wieder aufgestellt.

Aus Gründen der Statik lagert die Dachlande-Plattform

nicht auf dem Dach des

Klinikums, sondern allein auf einem

Stahlgerüst. Die neue Luftrettungsstation

in 25 Metern Höhe überragt das

Klinikum um sieben Meter. Bei aufwendigen

Spezial-Tiefenbohrungen im Außenbereich

des Klinikums und in zwei

Treppenhäusern, die während der Arbeiten

gesperrt werden mussten, entstanden

mehrere bis zu 18 Meter tiefe Löcher

mit bis zu 1,10 Metern Durchmesser für

die vier Stützen – zwei an der Westseite

des Klinikums und zwei in den großen

Lichtschächten. Auf den Stützen wurden

mit Großkränen die zwei jeweils knapp

40 Meter langen und 88 Tonnen schweren

Hauptträger der Dachkonstruktion

für den Hubschrauber-Landeplatz gehoben.

Zwischen diesen beiden Hauptträgern

wurden die 62 Meter langen

Fachwerkträger eingesetzt.

Gleiche Technik

wie bei Bohrinseln

Damit war der Weg frei für die Montage

der 1200 Quadratmeter großen

Dachlande-Plattform, die von einem

Aluminiumboden überspannt wird.

Die Technik dieses Bodens wird auch

bei Bohrplattformen für die Erdölausbeutung

im Meer verwendet. Insgesamt

wurden rund 500 Tonnen Stahl und Aluminium

verbaut. Beim Richtfest Mitte

August 2013 machten sich die Gäste ein

Bild vom Baufortschritt.

Nach der Fertigstellung dieser tragenden

Stahl-Alu-Konstruktion erfolgte der

Ausbau der Luftrettungsstation mit

Einer von zwei

Hauptträgern der

Dachkonstruktion

wird auf zwei Stützen

montiert.


Krankenhaus und Gesundheit

17

Landeplatz, Hangar, Räumen für die

Crew, gebäudetechnische Ausrüstung

sowie Anbindung der technischen Versorgungsleitungen

ans Klinikum. Auch

eine Tankanlage entsteht auf dem Klinikumsgelände.

Der Treibstoff wird dann

auf den Dach-Landeplatz gepumpt, wo

Christoph 15 betankt wird. So werden

weitere Flüge zum Tanken vermieden.

Beheizbare Alu-Profile halten die Plattform

schnee- und eisfrei und machen

sie bei jedem Wetter für Starts und Landungen

nutzbar. Unter der Plattform ist

aus Gründen des Brandschutzes eine

Hochdrucksprinkleranlage installiert.

Kosten in Höhe

von 5,8 Millionen Euro

Foto links: Der Patientenaufzug erhält

einen Aufbau, damit er ganz hinauf bis zur

Dachlande-Plattform fahren kann.

Foto Mitte: Die Luftaufnahme zeigt rechts

und links die beiden Stützen im Außenbereich

des Klinikums. Auf diesen und

zwei weiteren Stützen – und nicht auf dem

Klinikumsdach – lagern wie auf Stelzen

die beiden Hauptträger der neuen Luftrettungsstation.

Foto unten: Die 1200 Quadratmeter

große, beheizbare Dachlande-Plattform

mit Aluminiumboden ist installiert. Im Hintergrund

ist der Rohbau für Hangar und

Crew-Räume zu sehen.

Die Planung für den Hubschrauber-

Landeplatz stammt von der Firma Sigma

Plan aus Weimar. Sie hat mit dem

ADAC schon öfter Luftrettungsstationen

verwirklicht, aber mit dem Straubinger

Projekt auch Neuland betreten.

Die Kosten für das technologisch anspruchsvolle

Bauvorhaben belaufen sich

auf 5,8 Millionen Euro. 3,5 Millionen

Euro finanziert das Klinikum St. Elisabeth

und 2,3 Millionen Euro trägt der

ADAC. Öffentliche Zuschüsse gibt es

nicht, weil sich der Staat schon vor Jahren

aus der Finanzierung der Luftrettung

zurückgezogen hat.

Die große Bedeutung des ADAC-Rettungshubschraubers

rechtfertigt die

große Investition. Christoph 15 ist

gerade im ländlichen Raum ein wichtiges

Rettungsmittel, da er über große

Entfernungen hinweg den Menschen

Sicherheit und schnelle Hilfe garantiert.

Er ist Tag für Tag von sieben Uhr

morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit.

Das Einsatzgebiet umfasst neben

der Stadt Straubing und dem Landkreis

Straubing-Bogen auch die Landkreise

Deggendorf und Regen mit insgesamt

340 000 Menschen. In weniger als zwei

Minuten ist die Maschine startklar und

ermöglicht bei Notfällen wie Herzinfarkt

oder Schlaganfall ein schnelles

Eingreifen. Auch steigende Einsatzzahlen

von Christoph 15 unterstreichen

seine Bedeutung. 2013 hob der ADAC-

Rettungshubschrauber 1900 Mal ab

(2012: 1700).

Ursula Eisenmann


18

Krankenhaus und Gesundheit

Spiritualität als Hilfe

im Heilungsprozess

Vortrag von Professor Eckhard Frick in Regensburg

Am 10. Dezember 2013 lud das Ethikkomitee am Krankenhaus Barmherzige

Brüder Regensburg zum dritten Gespräch zur Medizinethik ein. Professor

Dr. Eckhard Frick, Jesuit, Psychiater und Professor für Spiritual Care an der

Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Professor für Anthropologische

Psychologie an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten, griff das

Thema „Die Bedeutung der Spiritualität im Heilungsprozess“ auf.

Spiritualität ist laut Professor Frick etwas

anderes als Frömmigkeit, das heißt,

sie lässt sich nicht auf eine bestimmte

Glaubens richtung oder Konfession

einschränken. Sie ist so etwas wie eine

Haltung der Aufmerksam keit gegenüber

der Mitwelt, den Mitmenschen, gegenüber

dem Sinn und Ziel des Lebens und

gegenüber Gott bzw. einem höheren

Wesen.

Viele unserer Zeitgenossen sind mehr

spirituell Suchende (engl. seekers) – im

biblischen Sprachgebrauch „Zeltende“

(Prolog des Johannesevangeliums) – als

„Wohnende“, die in einer Glaubensgemeinschaft

zuhause sind. Und selbst

Menschen, die sich zum Beispiel in einer

Pfarrgemeinde engagieren, können

nebenher Yogakurse belegen. Diesem

Umstand will Spiritual Care (ein adäquater

deutscher Begriff wurde bisher

noch nicht gefunden) Rechnung tragen.

Spiritual Care lässt sich nicht auf Krankenhausseelsorge

reduzieren, also auf

die Arbeit von „Spezialisten“ in Sachen

Spiritualität. Sie ist vielmehr spirituelle

Sorge um den kranken Menschen, an der

auch andere Berufsgruppen beteiligt

sind, die sich direkt um das Wohl des

Patienten kümmern, Ärzte, Pflegende

und Therapeuten. Spiritual Care wird als

Teamarbeit verstanden.

Spirituelle Anamnese

Die spirituellen Bedürfnisse und Ressourcen

des jeweiligen Patienten zu

erkennen, dafür wurde das Instrument

der spirituellen Anamnese entwickelt.

Zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes

wird der Patient, insbesondere bei chronischen

und lebensbedrohenden Krankheiten,

in einem Kurzgespräch nach

seinen (Glaubens-) Überzeugungen

und spirituellen Bedürfnissen gefragt

und danach, welche Unterstützung er in

diesem Bereich benötigt. Unabhängig

vom jeweiligen Bekenntnis, aber auch in

Achtung davor, soll der Patient spirituell

unterstützt werden, um wieder gesund

und heil zu werden. Diese Unerstützung

stellt also eine Kraftquelle für ihn dar.

Die spirituellen Bedürfnisse des Patienten

können sich auch im Krankheitsverlauf

ändern. Gute Begleitung ist zum

Beispiel dann gefragt, wenn der Patient

eine Diagnose erhält, die sein Leben auf

den Kopf stellt, oder wenn ein Rückfall

auftritt.

Dass die Spiritualität einen positiven

Einfluss auf den Genesungs- und Heilungsprozess

des kranken Menschen hat,

verdeutlichte Professor Frick anhand

von Ergebnissen wissenschaftlicher

Untersuchungen, nach denen die Heilung

bei Patienten mit guter spiritueller

Professor Eckard Frick (links) mit Oberarzt

Dr. Heribert Stauder, dem Vorsitzenden

des Regensburger Ethikkomitees

Betreuung besser verlief als bei anderen.

Das brachte übrigens für das Krankenhaus

auch einen finanziellen Vorteil.

Heilung wird in ganz heitlichem Sinn

verstanden: Während der Arzt in der

Regel versucht, den Patienten aktiv zu

„kurieren“ (engl. to cure), versteht sich

Heilung als „heil werden“, als Geschehen-Lassen.

In diesem Sinn kann auch

ein Sterbenskranker heil werden.

Soziales Netz hilfreich

Angehörige und Freunde stören übrigens

bei Spiritual Care nicht. Im Gegenteil:

indem sie dem Patienten ein

soziales Netz knüpfen, sind sie für ihn

äußerst hilfreich. Des Weiteren unterstützen

die in Gesundheitsberufen Tätigen,

Seelsorger – und Gott selbst – das

geistliche Wohlbefinden des Patienten.

Und nicht nur das: auch Personen, die

in Gesundheitsberufen tätig sind, haben

spirituelle Bedürfnisse. Auch für sie

soll nach dem Prinzip der Selbstfürsorge

und zur persönlichen Entwicklung

spirituell gesorgt sein, zum Beispiel

durch die Möglichkeit, sich im Team

über persönliche (Glaubens-) Themen

auszutauschen.

Frater Magnus Morhardt

Am 11. Februar begeht die katholische

Kirche den Welttag der Kranken.


Arbeits- und Lebenswelt Heime

19

Veronika Kurt und Josef Reiseder

am Friedhof St. Peter

Erinnerungsbuch der Verstorbenen gedacht.

Hier finden Trauergottesdienste

statt und Gedenkgottesdienste, um an

die Verstorbenen zu erinnern. Es sind vor

allem die Mitglieder der Wohngruppen

und Kollegen aus den Arbeitsgruppen,

die diese Gottesdienste besuchen. Wie

alle Menschen reagieren auch Menschen

mit Behinderung ganz unterschiedlich

auf seelisches Leid. Und doch fällt es ihnen

oft besonders schwer, mit Abschied

und Trauer zurechtzukommen.

Was hilft mir,

wenn ich traurig bin?

Abschied nehmen

Eindrücke von einem Trauerseminar mit Bewohnerinnen und

Bewohnern der Barmherzigen Brüder Straubing

Behinderten Frauen und Männern wurde lang die Fähigkeit zu trauern abgesprochen,

falsche Fürsorge verhinderte ihre Teilnahme an Beerdigungen.

Aber wenn die Trauer fehlt, können Ängste, Panikstörungen und Depressionen

entstehen.

Bei der ersten Begegnung wird mir klar,

wie regelmäßig Menschen mit Behinderung,

ob geistig oder körperlich,

Abschied nehmen müssen. Viele leben,

umsponnen von einem Kokon der Behütung,

in ihrem Elternhaus oder in Wohngruppen.

Als Mitarbeiter der Werkstätten

führen sie ein intimes Leben mit an

sich fremden Personen: Praktikanten,

Pädagogen und Gruppenleiter erhalten

Familienstatus. Verlässt einer von ihnen

die Stelle, heißt es Abschied nehmen.

Im Rahmen eines Seminars reden Menschen

mit geistiger Behinderung bei den

Barmherzigen Brüdern Straubing über

all diese Abschiede – und über ihre Vorstellung

zu einem Leben nach dem Tod.

Das letzte Geheimnis

Veronika Kurth ist überzeugte Christin.

Sie glaubt, dass gute Menschen in den

Himmel, zu Gott, Jesus und Maria kom-

men, und Adolf Hitler („so als Beispiel“)

wähnt sie in der Hölle. Wenn sie sterben

muss, wird auch ihre Seele „nach oben

wandern“. Ralf Kolar lächelt sie an und

mit der bestechenden Rationalität und

Würde, die Menschen mit Beeinträchtigungen

oft eigen ist, schüttelt er den

Kopf. „Das kann man doch gar nicht

wissen, wie es im Jenseits ist. Uns wird

doch ein Bär aufgebunden.“

Veronika Kurth und Ralf Kolar haben

ihre Eltern nie kennengelernt. Ralf Kolar

sagt, dass er über den Tod seiner Mutter

trotzdem geweint hat. Heute leben beide

in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

in Straubing. Die Einrichtung

der Barmherzigen Brüder gleicht

einem kleinen Stadtteil mit Wohnhäusern,

einem Café und einer Fachschule

für Heilerziehungspflege, Produktionsbetrieben

und einer Kirche. Es gibt

auch einen eigenen Bewohnerfriedhof.

Am Eingang zur Kirche wird in einem

Zurück zu Ralf Kolar und Veronika

Kurth: Die beiden sitzen mit zehn weiteren

Beschäftigten der Barmherzigen

Brüder, Männern und Frauen im Alter

von 22 bis 58 Jahren, in einem Kreis.

Alle haben versprochen, einander nicht

auszulachen. Keiner wird verspottet,

keiner unterbrochen, wenn er erzählt.

Sie erinnern sich, was die Menschen,

von denen sie sich verabschieden mussten,

die sie verloren haben, durch Tod

oder nur durch einen Umzug, mit ihnen

gemacht haben. Robert Uhrmann hat

von seinem Opa Fahrrad fahren gelernt

und eine Betreuerin im Kinderheim

brachte ihm bei, Mühle zu spielen. Ralf

Kolar hat von einem Betreuer gelernt,

freihändig Fahrrad zu fahren. Klaus Maier

lernte von seiner Mama die Uhr zu lesen

und die Schuhbänder zu binden.

Dutzende von Fotos liegen auf Tischen,

jeder greift sich die Bilder heraus, die

ihn ansprechen. Ein Motorroller ohne

Hinterrad. „Das Bild macht mich traurig“,

sagt einer, „der Roller ist so hilflos“.

Einem anderen gefällt eine Aufnahme

von Fußspuren im Sand. „Nur die Spuren

sind noch da, der Mensch ist weg.“

Schließlich das Bild eines Papierschiffchens:

„Es kann nur schwimmen, wenn

man es ins Wasser legt und loslässt.“

„Als meine Mutter und meine Schwester

gestorben sind, wollte ich auch nicht

mehr leben und habe einen Suizidversuch

gemacht“, gesteht einer, der seinen

Namen nicht veröffentlicht sehen will.

Und Klaus Maier erzählt, dass er beide

Eltern verloren hat, und deshalb ein Bild


20

Arbeits- und Lebenswelt Heime

Veronika Kurth, Robert Uhrmann und Klaus Meier stellen Trauer dar.

Josef Reiseder und Anna Schwarz ordnen sich in Gefühlswelten beim Thema „Abschied“ ein. Was kenne ich, was habe ich schon erlebt?

aussuchte, das einen langen, leeren Weg

zeigt. Robert Uhrmann spricht davon,

dass sein Vater und seine Oma nicht

mehr leben. Die Stimmung ist gedrückt.

Andreas Gröner hat glasige Augen. Ralf

Kolar, der sich kurz vorher um einen

rationalen Blick auf die Welt bemühte

und den Tod als Bestandteil des Lebens

erklärte, weint. Betroffene Gesichter bei

den anderen.

Bis heute werden Frauen und Männer


Arbeits- und Lebenswelt Heime

21

Der Tod der Oma, so hat es Helmut

Brandl beobachtet, führte die Famimit

geistiger Behinderung in Traueranlässe

nicht immer einbezogen – aus

Unsicherheit oder aus falsch verstandener

Fürsorge. Von dem Tod eines Angehörigen

erfahren sie häufig erst spät

und können so an der Beerdigung nicht

teilnehmen. Schonend ist dies nicht – im

Gegenteil.

Die Konsequenz aus den neuen Ergebnisse

der Trauerforschung ist befreiend

und fordernd zugleich: Es gibt keine

Regeln. Niemand kann sagen, wann

man die Kleider des Verstorbenen aus

dem Schrank räumen muss, ob man einen

Stapel behalten kann. Ob man nur

noch schwarze Kleidung trägt oder sich

ein eigenes Ritual ausdenken soll. Ob

es besser ist, sich einer Trauergruppe

anzuschließen oder Gedichte zu lesen.

Jeder muss selbst herausfinden, was

hilfreich ist.

Dazu kommt: Können Menschen mit

Behinderung nicht lesen oder nur wenig

sprechen und ihre Trauer nicht in

Worte fassen, können sie auch malen

oder basteln, Gedenkkerzen gießen oder

Bilderrahmen für die Fotos Verstorbener

gestalten. Wichtig ist nur die Zeit, die

dem Gedenken an die Verstorbenen geschenkt

wird.

„Der Tod bedeutet, dass man alleine gelassen

wird. Abschied kann aber auch

heißen, dass Freunde gehen“, sagt

Romano-Marco Schalajo und berichtet,

wie schlimm es für ihn war, wenn

Freunde aus der Wohngruppe gezogen

sind. Die anderen erzählen von verstorbenen

Haustieren, Umzügen oder dem

Wandel des Musikgeschmacks. Veronika

Kurth bedauert den Abschied vom

Sommer. Abschiede sind wichtig, die

erzwungenen wie die freiwilligen oder

die ersehnten. Abschied heißt: Sich

ganz bewusst von etwas zu trennen,

die Trennung zu akzeptieren, loszulassen

und sich auf das Neue einzulassen.

„Am Freitag ist immer Abschied von der

Arbeitswoche“, scherzen gleich mehrere.

„Das ist ein schöner Abschied ins

Wochenende“.

Die Erinnerung bleibt

„Manchmal muss man etwas zurücklassen,

um etwas Neues zu erleben“, sagt

Ralf Kolar und erzählt, wie gut es ihm

in seiner neuen Wohngruppe gefällt -

obwohl er traurig war, als er seine alte

Gruppe verlassen hat und umgezogen ist.

lie und die Verwandten für kurze Zeit

wieder zusammen. Erstaunt registrierte

er, dass bei der Beerdigung noch alle

tief traurig waren. Aber: „Als die Verwandten

mit ins Wirtshaus gefahren

sind, wurde es fröhlicher.“ Menschen,

die sich zum Teil jahrelang nicht mehr

gesehen und gesprochen hatten, fühlten

sich durch die Trauer um einen Menschen

zu ihm gehörig.

Ein Phänomen, das auch andere schildern:

Die Verwandten entdecken sozusagen

durch das Leben und den Tod

des Gestorbenen hindurch, dass sie alle

irgendetwas miteinander zu tun haben.

Gibt es, wenn Menschen mit ihrem Tod

Derartiges bewirken, doch einen Ort der

Seele? Bleibt doch mehr zurück, als ein

Blumenbeet auf dem Friedhof?

Die Gruppe beendet ihr Seminar mit

einem Blick in das Erinnerungsbuch der

Kirche ihrer Einrichtung. Sie liest die

Einträge über Günter, Peter und Sonja,

erinnert sich, wer wo gearbeitet hat und

dass Sonja so gut tanzen konnte. „Das

Leben geht weiter, die Seele geht in den

Himmel hinauf“, sagt Veronika Kurth

und ist sehr ernst.

Ulrike Löw

Gruppenfoto in der Johannes-von-Gott-Kirche

der Barmherzigen Brüder Straubing


22

Arbeits- und Lebenswelt Heime / Kirche und Gesellschaft

Fachtagung zum „Inklusiven

Wohnen“ im September

Die Behindertenhilfe der Barmherzigen Brüder und die Ostbayerische Technische

Hochschule Regensburg suchen nach Perspektiven für Menschen aus

dem autistischen Spektrum und für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Durch das Inkrafttreten der UN-Konvention

über die Rechte von Menschen

mit Behinderung werden die Träger,

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der

Behindertenhilfe sowie die Gesellschaft

vor neue Herausforderungen

gestellt. Neue, inklusive Wohnformen

und Wohnangebote für Menschen mit

geistiger Behinderung und Menschen

mit Autismus sollen konzipiert werden.

Um die beabsichtigte Veränderung traditioneller

Betreuungsformen kritisch

zu begleiten und zu unterstützen, veranstalten

die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften

der Ostbayerischen

Technischen Hochschule Regensburg

(OTH Regensburg) und die Barmherzige

Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe

GmbH am 23. und 24. September

2014 eine wissenschaftliche

Fachtagung zum Thema „Inklusives

Wohnen für Menschen aus dem autistischen

Spektrum und für Menschen mit

geistigen Behinderungen – Internationale

Erfahrungen und Perspektiven“.

Anerkannte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

sowie Spezialisten aus

den USA, Schweden, Norwegen, den

Niederlanden und Deutschland werden

ihre Erkenntnisse und Erfahrungen mit

inklusiven Wohnformen auf der Fachtagung

präsentieren.

Eine Anmeldung ist bis 30. Juli möglich.

Weitere Informationen und Anmeldeformulare

gibt es im Internet beim Zentrum

für Weiterbildung und Wissensmanagement

der OTH Regensburg:

www.zww-regensburg.de

(Navigationspunkt „Fachtagungen“)

Der Flyer zu der Fachtagung am 23. und

24. September in Regensburg

Kirche feiert 2015 als Jahr der Orden

(KNA) 2015 feiert die katholische

Kirche ein Mottojahr zu geistlichen

Berufungen. Das kündigte Papst Franziskus

Ende November vor Leitern von

Ordensgemeinschaften im Vatikan an.

Bei dem Empfang für 120 Mitglieder der

Vereinigung männlicher Ordensoberer

betonte er die große Bedeutung der Orden

für das Leben der katholischen Kirche

und die Verbreitung des Glaubens.

Die Orden versammelten „Männer und

Frauen, die die Welt aufwecken können“,

so Franziskus. Ihr Leben sei eine

prophetische Mission und die „konkreteste

Form“ der Nachfolge Christi: „Gott

ruft uns, unser Nest zu verlassen und an

die Grenzen der Welt gesandt zu werden“,

so der Papst. Allerdings sei von

jedem Christen eine „Radikalität“ in der

Umsetzung des Glaubens verlangt.

Derzeit blühten die Orden vor allem

in Weltregionen, in denen die Kirche

noch jung sei, führte Franziskus aus.

Dies verlange von den Orden eine besondere

Kompetenz im interkulturellen

Dialog. Der Papst mahnte die Oberen,

diese kulturelle Vielfalt auch in der Zusammensetzung

des Leitungspersonals

umzusetzen. Ordensmitglieder aus verschiedenen

Kulturkreisen brächten auch

unterschiedliche Ausdrucksformen von

Charisma mit.

Orden müssten jede Art von Heuchelei

und Klerikalismus vermeiden, so

der Papst. Die spirituelle Bildung von

Ordensangehörigen sei ein Werk der

geistlichen Kunst und keine Polizeiarbeit,

betonte er: „Das Ziel ist, Ordensleute

zu formen, die ein zärtliches

Herz haben, und keines, das vom Essig

sauer geworden ist.“ Der Ordensdienst

verlangt nach seinen Worten Geschwisterlichkeit

innerhalb der Gemeinschaft.

Unterschiede und Konflikte müssten

ausgehalten werden.

Am 2. Februar begeht die katholische

Kirche den Tag des geweihten Lebens.


Kirche und Gesellschaft

23

Bowling: Jagd nach

dem perfekten Spiel

Christian Fiedler, Verwaltungsmitarbeiter im Altenund

Pflegeheim St. Raphael der Barmherzigen Brüder

in Königstein im Taunus, berichtet über sein Hobby

Ich habe elf Jahre lang aktiv Bowling

im Verein BV Rebstock, BC Frankfurt

West, gespielt. Bowling entstand in den

Vereinigten Staaten aus dem europäischen

Kegeln. Das Kegeln selbst war

schon im antiken Ägypten bekannt und

verbreitete sich im Mittelalter in Westeuropa.

Im Bowlingsport heißen die „Kugeln“

Bowlingball. Man unterscheidet grundsätzlich

zwei Arten von Bowlingbällen:

Strike- und Sparebälle (auch Hausbälle,

siehe Kasten). Das Gewicht eines Bowlingballs

liegt zwischen 6 und 16 lbs

(Pfund/Pound; 1 lb = 0,45 Kilogramm).

Bowlingbälle unterscheiden sich auch

durch ihre Oberfläche. Bowlingbahnen

Serie Hobbys

waren früher aus lackiertem Holz, heute

sind sie aus Kunststoff. Alle Bahnen

werden mit einem sogenannten Ölmus-

Bowlingregeln

Die zehn Pins (Kegel) sind als gleichseitiges Dreieck mit einer Kantenlänge

von 36 Inch (91,44 cm) angeordnet; eine Spitze des Dreiecks zeigt zum Spieler.

Ein Spiel (Game) besteht aus zehn Durchgängen (Frames). Ziel ist es,

in jedem Frame die maximale Anzahl an Pins, also alle zehn, umzuwerfen.

Dazu hat ein Spieler pro Frame maximal zwei Würfe. Räumt ein Spieler beim

ersten Wurf alle zehn Pins ab, so nennt man das Strike. Werden alle Pins erst

mit Hilfe des zweiten Wurfes in einem Frame abgeräumt, so ist das ein Spare.

Können auch mit dem zweiten Wurf nicht alle Pins abgeräumt werden, so

spricht man von einem Open Frame (offener Durchgang). Für die wertenden

Punkte werden nun pro Frame die umgeworfenen Pins gezählt. Bei einem

Spare werden zusätzlich zu den zehn Punkten (für zehn Pins) auch die Punkte

des nächsten Wurfs gezählt, die höchste erreichbare Punktzahl ist hierfür

also 20 (Spare, im nächsten Frame ein Strike). Beim Strike werden sogar die

nächsten zwei Würfe mitgezählt, so dass sich die Höchstpunktzahl je Frame

auf 30 erhöht (drei Strikes in Folge). Wird im letzten Frame des Spiels ein

Spare erzielt, darf noch ein dritter Ball geworfen werden, um das Ergebnis

zu ermitteln. Wird ein Strike geworfen, folgen noch zwei Extrawürfe. Das

höchste zu erreichende Ergebnis sind damit 300 Pins (perfektes Spiel).

Quelle: Wikipedia

Dieses Foto von Christian Fiedler im

Vereinstrikot entstand nach einem anstrengenden

Ligatag.

ter versehen. Das Öl wird mit einer Ölmaschine

aufgebracht.

Bowling ist ein Teamsport, wenn er im

Verein und in Ligarunden gespielt wird.

Ligaspiele finden im Winterhalbjahr,

meist an Sonntagen, statt. Dabei steht

der Gewinn möglichst vieler Spiele im

Vordergrund, um am Ende einer Ligasaison

aufzusteigen. Bowling ist auch

ein guter Ausgleich zum Alltag. Im

Gegensatz zum Freizeitbowling ist der

Ligabetrieb beim Bowling ein recht anstrengender

Sport.

Wenn man Bowling aktiv spielt, ist das

auch sehr kostenintensiv, denn zu einer

eigenen Ausrüstung gehören Bowlingschuhe,

verschiedene Bowlingbälle und

diverse Kleinigkeiten. Spiele im Ligabetrieb

werden vom Verein getragen.

Trainingsspiele müssen meistens aus

eigener Tasche bezahlt werden.

In meiner aktiven Zeit im Bowlingsport

gelang mir am 4. März 2000 ein „perfektes

Spiel“, das heißt ein Spiel mit den

maximalen 300 Punkten (siehe Kasten).

Probieren Sie Bowling einfach mal aus:

Ein paar Freunde mitnehmen und einen

Abend auf der Bowlingbahn verbringen.

Viel Spaß dabei!

Christian Fiedler


24

Kirche und Gesellschaft

Buchbesprechung

Der Tod ist ein Philosoph

„Herr, lehre doch mich, dass ein Ende

mit mir haben muss, und mein Leben

ein Ziel hat und ich davon muss“ – so

formuliert Johannes Brahms im dritten

Satz seines Deutschen Requiems die

Zeilen aus Psalm 39 und wandelt sie in

großartige Musik. Mit dieser Musik im

Ohr habe ich die Gedanken zum Tod

in 13 Kapiteln des Philosophen, Mathematikers

und Autors Tobias Hürter

gelesen. Ausgelöst durch einen Absturz

bei einer Wanderung in den Bergen an

Allerheiligen 2011 und 37 Meter freien

Fall, durch wenige Sekunden sicheren

Wissens über das eigene Ende, macht

er sich auf einen neuen Weg und auf

die Suche nach Freund Hein. „Es gab

einiges zu verarbeiten für mich, und

das Schreiben dieses Buches war Teil

des Verarbeitungsprozesses.“ Ergebnis

ist eine flüssig lesbare Zusammenstellung

historischer, philosophischer,

wissenschaftlicher, theologischer und

persönlicher, humorvoller literarischer

Wanderungen.

Hürter beschreibt weitere Zeugnisse

der Todes-Erfahrung. Er streift durch

die Literatur von Homer bis Homo

Faber, von Buddha bis zum Brandner

Kaspar, er analysiert unser Bild vom Tod

in früherer Zeit und in den modernen

Medien, entdeckt Neues in alten Werken

und stellt die uralte Erkenntnis der

Sterblichkeit dem modernen Wunsch

der Unsterblichkeit gegenüber.

Mit vielen eingängigen Zitaten und

pointenreichen Gedankengängen lässt

Hürter den Leser teilhaben an der tiefgreifenden

Lebenserfahrung, die dieser

Unfall für ihn auslöste. Er philosophiert

darüber, „warum viele Menschen zwar

wissen, dass sie sterben müssen – aber

nicht daran glauben können…“ und

„was mit uns geschieht, wenn wir sterben.“

Er macht die Erfahrung, dass

sein Leben mit körperlichen Einschränkungen

durch die Verletzungen und den

langsamen Heilungsprozess sich verändert

hat und durchaus reicher wurde und

findet Antworten auf die Frage, „warum

man sein Selbst nicht so wichtig nehmen

sollte.“

Immer wieder beschreibt Hürter die

tiefgreifende, existentielle Erfahrung

aus diesen Sekunden an der Hand des

Todes und stellt sie teilweise durchaus

(selbst) ironisch den Gedanken anderer

gegenüber. Zum Schluss findet er Kriterien

für ein gutes, ein „richtiges Leben“:

Der hat richtig gelebt, der „im Angesicht

des Todes nicht bedauert, so gelebt zu

haben.“ Damit kann er „den Gedanken

an den Tod als heilsamen Schrecken

nehmen, als freundliche Mahnung, sich

darauf zu konzentrieren, worauf es wirklich

ankommt, statt sich im Unwesentlichen

zu verlieren.“ „Todsischer“ wird

jeder Leser für sich erkennen, dass der

Tod „mehr ist als Physiologie und metaphysische

Spekulation“ und wird sich

Gedanken machen, welche Bedeutung

Leben und Tod für ihn haben. Hürter

ermöglicht seinen Lesern, sich der Endlichkeit

ihres Lebens bewusst zu werden

und es als Geschenk anzunehmen.

„Du lebst nur zweimal“ – mit diesem

Zitat von James Bond beginnt Hürter

seine Betrachtungen – jetzt feiert er jedes

Jahr zwei Mal Geburtstag.

Tobias Hürter

Der Tod ist ein Philosoph

Piper Verlag, München 2013

160 Seiten, 17,99 Euro

Dr. Susanne Roller

Seligsprechung des deutschen Ordensmannes

Klemens Fuhl rückt näher

(KNA) Die Seligsprechung des deutschen

Ordensmanns Klemens Fuhl

(1874-1935) rückt näher. Der Vatikan

erkannte dem einstigen Generaloberen

der Augustiner aus dem unterfränkischen

Aidhausen Anfang Dezember

den sogenannten heroischen Tugendgrad

zu. Damit bestätigte er, dass Fuhl

die christlichen Tugenden für seine Zeit

in vorbildlicher Weise gelebt hat. Der

Papst habe den entsprechenden Erlass

gebilligt, so der Vatikan. Zum Abschluss

des Seligsprechungsprozesses steht nun

noch die Anerkennung einer unerklärlichen

Heilung als Wunder aus, das auf

Fürsprache Fuhls gewirkt wurde.

Fuhl, der am 18. Juni 1874 in Aidhausen

mit dem Taufnamen Vinzenz geboren

wurde, trat 1893 in Münnerstadt in den

Orden der Augustiner-Emeriten ein.

1920 wurde er Provinzial der deutschen

Ordensprovinz und 1931 Generaloberer

seines Ordens.

Er starb 1935 während einer Visitationsreise

in der bolivianischen Hauptstadt

La Paz an der Höhenkrankheit; 1953

wurden seine Gebeine in die Augustinerkirche

nach Würzburg überführt.


Kirche und Gesellschaft

25

Buchbesprechung

Dieser Mensch war ich

Dieses Buch begleitet, tröstet, ärgert,

überrascht, macht nachdenklich, motiviert.

Menschen an ihrem Lebensende

blicken zurück, manche im Groll, einige

mit Gottvertrauen, andere verzweifelt,

gleichgültig, zufrieden, ja heiter. Es ist

kein Buch, welches man an einem Stück

lesen kann, so nahe gehen einem Personen

und Schilderungen. Am Textende

steht meistens der Name, das Alter, oft

auch Sterbedatum und Krankheitsbild.

Es sind Menschen von nebenan, wie die

Mutter dreier Töchter, die das Meer liebt

und als Engel wiederkommen möchte.

Da schreibt der einsame Archivar, der

auf die Liebe im Jenseits hofft, oder der

Fluglotse, der Trost in der Bibel findet.

Eine Supermarktverkäuferin hätte so

gerne noch das Geheimnis eines seltsamen

Kunden gelüftet. Anrührend auch

der italienische Restaurantbesitzer, der

sein Sterbebett hinter der Garderobe aufstellen

lässt. „Seither müssen die Gäste

halt ihren Mantel über den Stuhl hängen.

Dafür kann ich alles hören und riechen.

Hier fühle ich mich wohl (...)“.

Die Autorin selbst überrascht ebenfalls:

Christiane zu Salm nannten die Medien

einst die „Pop-Prinzessin“, als sie noch

Geschäftsführerin beim Musiksender

MTV und später beim Privatsender 9Live

war. Heute engagiert sich die erfolgreiche

Medienmanagerin und Kunstsammlerin

verstärkt für soziale Projekte

und ist ehrenamtlich als ambulante

Sterbebegleiterin im Lazarus-Hospiz in

Berlin tätig. Eine Art Nahtod erfahrung

bei einem Skiunfall brachte sie zum Innehalten

und zwang sie zur Auseinandersetzung

mit dem Thema Tod.

Sechs Monate dauerte dann ihre Ausbildung

zur Sterbebegleiterin. Die

intensivs te Übung kam für die Teilnehmer

gegen Kursende, als sie gebeten

wurden, spontan ihren eigenen Nachruf

in einer Viertelstunde aufzuschreiben.

Dies war der Anlass für die Mutter zweier

Töchter, bei ihren späteren, regelmäßigen

Besuchen im Hospiz Sterbende

zu bitten ihr ihren Nachruf zu diktieren.

Das Leben vom Ende aus betrachten,

es schildern, wie es wirklich war, mit

so manch überraschenden Geständnissen,

das zeigen die 80 autorisierten

Lebensrückblicke, die Christiane zu

Salm mit einer lebendigen Einleitung

versehen herausgegeben hat. Und die

Autorin gewinnt den Lebensresümées

sogar Tröstliches ab: „Ein erfülltes Leben

muss kein vollkommenes Leben

gewesen sein, und das finde ich eine

wunderbare, beruhigende Erkenntnis“,

sagte zu Salm in einem ZDF-Interview.

Kirsten Oberhoff

Christiane zu Salm

Dieser Mensch war ich - Nachrufe auf

das eigene Leben

Goldmann Verlag, München 2013

256 Seiten, 17,99 Euro

Jahresziehung 2013

Die Gesamtleiterin der Kneipp‘schen Stiftungen in Bad Wörishofen,

Christiane-Maria Rapp (siehe nebenstehendes Foto

mit Kneipp-Büste) hat den Jahresgewinner des misericordia-

Rätsels gezogen: Josef Hofmann aus Regensburg kann sich

über einen Wochenend-Aufenthalt im Kneippianum für zwei

Personen freuen. Wir gratulieren!

Christiane-Maria Rapp ist seit fast 16 Jahren Gesamtleiterin

der Kneipp-Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in Bad

Wörishofen. Die verheiratete Mutter von zwei Töchtern (19

und 16 Jahre) ist in Tauberbischofsheim geboren und in einem

Winzerdorf zwischen Pforzheim und Karlsruhe aufgewachsen.

Als gelernte Hotelfachfrau hat sie in vielen Hotels im In- und

Ausland gearbeitet, ehe sie sich vor 20 Jahren in Bad Wörishofen

niederließ. Ehrenamtlich engagiert sich Christiane-Maria

Rapp unter anderem im kirchlichen Bereich.


26

Rätsel

Tugend gesucht

Die Lösung aus dem letzten Heft:

Die zahlreichen Einsendungen zum Kreuzworträtsel im vergangenen Jahr haben die

misericordia-Redaktion veranlasst, auch in diesem Jahr wieder ein Kreuzworträtsel

anzubieten. Die Lösungswörter kommen aus dem Bereich der „Tugenden“. Viel

Spaß beim Rätseln!

Bitte schicken Sie eine Postkarte oder eine E-Mail mit dem Lösungswort des unten

stehenden Kreuzworträtsels und Ihrer Adresse an

Barmherzige Brüder

Bayerische Ordensprovinz

Postfach 20 03 62

80003 München

bzw. an redakteur@barmherzige.de

Zu gewinnen gibt es ein Buch, eine CD oder DVD im Wert von bis zu 25 Euro.

Einsendeschluss: 13. Februar 2014

Zweite Chance: Bei der Jahresziehung wird unter allen richtigen Einsendungen

des Jahrgangs 2014 der Besuch eines kulturellen Ereignisses in München für zwei

Personen (inkl. Übernachtung) ausgelost.

Gewonnen hat

Astrid Knobloch, Radolfzell

Wir gratulieren!

Eine Beschreibung der Bittermelone

finden Sie auf Seite 27.

Informationen zur Ziehung des Jahresgewinnes

2013 finden Sie auf der vorstehenden

Seite 25!

Abkömmling

Flagge

franz.

Mehrzahlartikel

vordringlich

noch annehmbar

Nachahmung

einer

Hupe

Zahnersatzteil

persönliches

Fürwort

Gotteshaus

gemütlich,

wohnlich

Medikament

medizinisch:

Stirn

Schiff

in

Gefahr

französisch:

auf,

über

med.:

geronnenes

Blut

1

4

5

Abk.:

Kreistag

ein

Halbedelstein

Höhenzug

im

Weserbergland

Verstand

Haremswächter

orientalisches

Fleischgericht

Zuckerkrankheit

besondere

Fertigkeit

Medikamentenform

Vorname

von

Annan

(UNO)

Passionsspielort

in Tirol

kleine

Fruchtart

Widerspruch

alte

japan.

Goldmünze

medizinisch:

Schweiß

Materialverlust

am

Reifen

2

Hexe der

Theseus-

Sage

degen.

Gelenkerkrankung

Heilpflanze

Fremdwortteil:

vor

Teil

des

Auges

3

Adelstitel

Sakrament

Zettel

franz.,

span.

Fürwort:

du

Zahlwort

Kleidung

d. Korpsstudenten

griechische

Landschaft

internationales

Notrufzeichen

Abk.:

South

Carolina

Kolloid

lauter

Anruf

Sache

(abwertend)

Sohn

Noahs

(A.T.)

ältestes

christl.

Fest

1 2 3 4 5

Heilige

Stadt

DEIKE-PRESS-1712-1


Rätsel

27

Pflanze des Monats

Die Bittermelone

In den Ländern, in denen die Bittermelone,

auch Balsambirne, Balsamgurke,

oder Bittergurke genannt, aufgrund

des tropischen Klimas gedeiht, ist sie

als Nahrungsmittel weit verbreitet. Die

Pflanze gehört zur Familie der Kürbisgewächse.

Ursprünglich in China und

Indien beheimatet, wird sie heutzutage

auch in Südamerika, USA, Afrika und

Europa angebaut.

Der Name der Pflanze bezieht sich auf

den bitteren Geschmack der Frucht. Geerntet

wird die Bittermelone das ganze

Jahr über. Wenn die frischen Früchte zubereitet

werden, sind diese an den Enden

abzuschneiden, dann zu schälen, zu halbieren,

zu entkernen und schließlich zu

kochen, zu blanchieren oder zu braten.

Die Frucht enthält unter anderem Charantin

(strukturelle Komponente in der

Zellmembran von Pflanzen, ähnlich dem

Cholesterin in der Zellmembran von

Tieren) sowie ein bestimmtes Eiweiß,

das in seinem Aufbau Insulin ähnelt.

Sowohl beim Verzehr der Früchte, dem

Genuss des Saftes als auch bei Einnahme

eines Extrakts zeigt sich eine

blutzuckersenkende Wirkung. Es kann

sinnvoll sein, die Bittermelone als bilanzierte

Diät bei Diabetes einzusetzen.

Ferner wurden immunmodulatorische

und entzündungshemmende Eigenschaften

nachgewiesen. Es zeigen sich

außerdem antivirale, antibakterielle und

antikarzinogene Wirkungen.

In der traditionellen Medizin der indigenen

Bevölkerung wird die Bittermelone

In eigener Sache

seit langer Zeit als Heilpflanze angebaut.

In Guam und Brasilien wurden Wickel

der gepulverten Blätter für bösartige

Geschwüre, in Indien Salben aus der

ganzen Pflanze für Ekzeme, Krätze und

andere Hautkrankheiten verwendet. Im

Kongo dienen die Blätter gegen Koliken

und Fadenwürmer und in Japan

als Heilmittel für Kopfschmerzen und

Verstopfung. Den Bewohnern von Haiti

dienen sie als Insektizid und auf Puerto

Rico als Antidiabetikum. Das Samenöl

wird außerdem bei Haarverlust und als

Aphrodisiakum eingesetzt.

Neben Diabetes mellitus werden mit der

Bittermelone Magen-Darm-Beschwerden

sowie Gelbsucht und Hepatitis behandelt.

In der Türkei werden die frischen

Früchte über 15 Tage in Olivenöl

eingelegt oder getrocknet, mit Honig

vermischt und bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren

eingesetzt. Auch

bei Wunden und Verbrennungen sowie

bei Mamma-Karzinom, Rheuma und

infektbedingtem Fieber wird sie verwendet.

Die Pflanzenextrakte (Früchte,

Blätter) eignen sich zur Bekämpfung

von Insekten und Würmern.

Siegfried Bäumler, Arzt

misericordia-Bezieher, die die Zeitschrift direkt vom Johann von Gott Verlag

zugesendet bekommen und keine Einzugsermächtigung erteilt haben, werden

herzlich gebeten, den fälligen Abo-Beitrag von 15 Euro auf das Konto des

Johann von Gott Verlags zu überweisen. Die Kontonummer finden Sie im

nebenstehenden Impressum. DANKE! – Wenn Sie schon bezahlt haben,

sagen wir „Vergelt’s Gott“!

Impressum

Herausgeber und Verlagsinhaber:

Barmherzige Brüder

Bayerische Ordensprovinz KdöR

Südliches Schloßrondell 5

80638 München

Postfach 200362, 80003 München

Telefon: 089/1793-100

Telefax: 089/1793-120

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Frater Eduard Bauer (feb, verantwortlich)

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Johann Singhartinger (js)

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Kirsten Oberhoff (kio)

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Redaktion der Hauszeitschriften: Die

Mise ricordia erscheint zum Teil mit den

Hauszeitschriften unserer Einrichtungen,

die für deren Inhalt selbst verantwortlich

sind.

Grund-Layout: Astrid Riege - grafica

Fotos: ADAC (17 Mitte), altrofoto.de (Titel,

2, 4, 10 unten), Dr. Barbara Dünzl (13),

Katharina Ebel (3), Ursula Eisenmann (5,

14 unten, 15, 17 oben und unten), etagef

(16 oben), Christian Fiedler (23 rechts),

flagstaffotos/Wikimedia commons (23

links), G. Freihalter/Wikimedia commons

(3 unten), Torsten Kabel (11 oben), Karin

Kövi (25 unten), Klaus Macht (11 unten),

Frater Magnus Morhardt (18), Kirsten

Oberhoff (7, 9), Peter Roggenthin (19-21),

Johannes Salomon (8), Frater Johnson Sebastian

(14 oben), Sigma Plan (16 unten),

Johann Singhartinger (6), Stadt

Schwandorf (28), Svenja Uihlein (10

oben), H. Zell/Wikimedia commons (27).

Verlag: Johann von Gott Verlag

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Erscheint zehn Mal jährlich.

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28

· Arbeits- und Lebenswelt Heime

Serie Städte und Orte

Schwandorf – Stadt im Seenland

In der Großen Kreisstadt Schwandorf leben knapp 30.000

Einwohner. Die Stadt bildet den lebendigen Mittelpunkt der

Tourismusregion „Oberpfälzer Seenland“. Sie bietet viele

Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und sportlichen Betätigung.

Das kulturelle Leben ist ausgerichtet auf Vielfalt und

Qualität. Das gut ausgebaute allgemeinbildende Schulwesen

wird durch zahlreiche Einrichtungen der berufsbezogenen

Aus- und Fortbildung ergänzt. Die breite Palette der medizinischen,

sozialen und kirchlichen Einrichtungen kommt nahezu

allen Bedürfnissen entgegen.

Zum Leben und Wohnen bietet Schwandorf als familienfreundliche

Kommune mit günstigen Baulandpreisen und

modernen Senioreneinrichtungen ein optimales Umfeld für

alle Generationen. Die Stadt hat sich mit über 11500 sozialversichtungspflichtig

Beschäftigten zu einem bedeutsamen

Gewerbe- und Industriestandort entwickelt.

wandern, Wasserski fahren, Segeln, Surfen, Tauchen – die

größten Seen Ostbayerns, wie zum Beispiel der Steinberger

See, der Murner See oder der Brückelsee machen das möglich.

Das Krankenhaus St. Barbara Schwandorf wurde 1931 mit

zunächst 110 Betten durch die Niederbronner Schwestern erbaut.

2008 wurde das Haus Teil des Krankenhausverbunds der

Barmherzigen Brüder. Heute ist das Krankenhaus St. Barbara

das leistungsstarke medizinische Zentrum für die Stadt und

den Landkreis Schwandorf. Mit 230 Betten ist es das größte

Krankenhaus im Landkreis und verfügt über alle wichtigen

medizinischen Leistungsbereiche.

Lothar Mulzer/Hans Werner Robold

Besonders lohnenswert ist ein Blick tief unter die Erdoberfläche,

denn hier erwartet den Besucher eine außergewöhnliche,

bayernweit einzigartige bauhistorische Sehenswürdigkeit:

Weit über 130 bis zu 500 Jahre alte Felsenkeller zeugen von

einem ehemals blühenden Braugewerbe im Ort. Erbaut als

Gär- und Lagerkeller für Bier, erlebten sie eine wechselvolle

Geschichte. Das geheimnisvolle unterirdische „Labyrinth“ aus

60 Räumen kann bei Führungen besichtigt werden. Darüber

hinaus gibt es Erlebnisführungen mit Schauspieleinlagen zur

Geschichte der „Kellerdiebe“ und im Felsenkeller an der Fronberger

Straße regelmäßig kulturelle Veranstaltungen.

Das Oberpfälzer Seenland ist die perfekte Urlaubsregion für

jeden, der sich gerne ins nasse Vergnügen stürzt: Baden, Boots-

130 bis zu 500 Jahre alte Felsenkeller gibt es in der Schwandorfer

„Unterwelt“ zu entdecken.

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