13-10-31_Offener Brief SH.pdf - Fachverband Biogas e.V.

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13-10-31_Offener Brief SH.pdf - Fachverband Biogas e.V.

Fachverband Biogas e.V.

Angerbrunnenstraße 12

85356 Freising

Telefon +49(0)81 61/98 46 60

Telefax +49(0)81 61/98 46 70

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Offener Brief an die Medienvertreter von Schleswig-Holstein

31. Oktober 2013

Freising. Und wieder einmal ist der Schwarze Peter bei der Biogasbranche… In den jüngsten

Zeitungsberichten zum Thema Nitratbelastung des Grundwassers wird einseitig auf die

Biogasnutzung eingeschlagen ohne das Problem ganzheitlich zu beleuchten und ohne ansatzweise

nach Lösungen zu suchen.

Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass in bestimmten Regionen Schleswig-

Holsteins Handlungsbedarf bei der Düngung von Ackerflächen besteht und es steht außer

Frage, dass die Gesundheit der Menschen oberste Priorität hat.

Doch anders, als in den Medienberichten der letzten Tage zu lesen war, lässt sich dieses

Problem nicht auf Biogas abwälzen. Als Teil des landwirtschaftlichen Systems gilt für Biogasanlagen

wie für Tierställe: dort, wo ausreichend Fläche vorhanden ist, gibt es keinen

Nährstoffüberschuss. Dieses regional auftretende Problem basiert auf einer hohen Konzentration

landwirtschaftlicher Produktion. Der Fachverband Biogas setzt sich seit Jahren für

sogenannte „standortangepasste Biogasanlagen“ ein, die dort errichtet werden, wo genügend

Substrate und Fläche zur Ausbringung der Gärprodukte vorhanden sind. Richtig eingesetzt

kann die Biogastechnologie dann dazu genutzt werden, regional hohe Nährstoffkonzentrationen

zu reduzieren.

Denn es ist mitnichten so, dass in Biogasanlagen Nährstoffe entstünden, wie es die Zeitungsartikel

suggerieren. Wenn in einer Anlage Mais vergoren wird, dann hat dieser bei seinem

Wachstum dem Boden die Menge an Nährstoffen entzogen, die in einem geschlossenen

Kreislauf bei der Düngung wieder auf das Feld ausgebracht wird.

Und der Einsatz von Gülle in Biogasanlage macht gleich in vielfacher Hinsicht Sinn: die in

den Ställen ohnehin anfallenden Exkremente liefern bei der Verwertung in Biogasanlagen

klimaneutrale Energie; das in offenen Güllebehältern freiwerdende Klimagas Methan wird in

Biogasanlagen aufgefangen und verwertet - und das am Ende entstehende Gärprodukt ist

ein veredelter Dünger, der den Einsatz von zusätzlichem Mineraldünger überflüssig macht,

weniger riecht und zudem hygienisch unbedenklich ist.

Zum Thema Überdüngung hat sich der Fachverband bereits vor einiger Zeit mit seinem

„Gewässerschutz-Papier“ positioniert. Darin werden mehrere Optionen aufgezeigt, Nährstoffe

effizient einzusetzen, unter anderem durch eine reduzierte Düngungsempfehlung und eine

regelmäßige Kontrolle des Nährstoffvorrates im Boden. Beide Aspekte werden auch von

Minister Habeck und Prof. Taube in den Zeitungsberichten genannt. Die Mitglieder des

Fachverbandes sind bestrebt, sich an die Vorgaben der guten fachlichen Praxis zu halten

und sind sich Ihrer Verantwortung für den Schutz unseres Trinkwassers durchaus bewusst.

Zahlreiche Biogasanlagen sind bereits dazu übergegangen, Gärprodukte zu separieren und

mit der im Blockheizkraftwerk anfallenden Wärme zu trocknen. Bei der Abtrennung des

Wassers vom restlichen Gärprodukt entstehen Pellets, die gezielt für die Düngung eingesetzt

werden können – und die nur noch ein Fünftel des vorherigen Gewichts und Volumens ausmachen.

Diese Dünge-Pellets können problemlos in Regionen mit Nährstoffmangel gefahren

werden. Ein idealer Ansatz zu einem effizienten Nährstoffmanagement.

Die häufig einseitige Berichterstattung in Schleswig-Holstein schadet nicht nur der Biogasbranche

im Land, sondern am Ende den gesamten Erneuerbaren Energien und damit einmal

mehr der Energiewende. Biogas ist als speicherbarer Erneuerbarer Energieträger eine wich-


Fachverband Biogas e.V.

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tige Säule im Energiemix der Zukunft, weil es die unstete Einspeisung von Strom aus Wind

und Photovoltaik ausgleichen kann. Erst diese Woche hat das Fraunhofer-Institut für Windenergie

und Energiesystemtechnik (IWES) die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Kombikraftwerk

2“ vorgestellt. Das zeigt, wie die intelligente Verknüpfung verschiedener Erneuerbare

Energien-Anlagen mit Biogas und trotz der Schwankungen in der Stromproduktion aus

Wind und Sonne die Stabilität des Stromnetzes auch im zukünftigen Energieversorgungssystem

sicherstellen kann.

Der Fachverband Biogas e.V. wünscht sich von den Medienvertretern aus Schleswig-

Holstein eine etwas differenziertere Berichterstattung beim Thema Biogasnutzung und steht

für Fragen, Diskussionen und Anregungen jederzeit gerne zur Verfügung.

Kurzinfo Fachverband Biogas e.V.

Der Fachverband Biogas e.V. ist mit rund 4.800 Mitgliedern Europas größte Interessenvertretung

der Biogas-Branche. Er vertritt bundesweit Hersteller, Anlagenbauer und landwirtschaftliche

wie industrielle Biogasanlagenbetreiber. Die Biogas-Branche hat inzwischen über

45.000 Arbeitsplätze zumeist in ländlichen Regionen geschaffen.

www.biogas.org

www.biogas-kanns.de

Kontakt:

Fachverband Biogas e.V.

Andrea Horbelt

Pressesprecherin

Tel. 0 81 61/98 46 63

Mail: andrea.horbelt@biogas.org

Fachverband Biogas e.V.

Bastian Olzem

Referatsleiter Politik

Tel. 030/2 75 81 79 13

Mail: bastian.olzem@biogas.org

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