Jahresrückblick 2013 als PDF herunterladen - Bistum

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Kirchenzeitung

für das Bistum Eichstätt

Rückblick 2013


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J A H R E S R Ü C K B L I C K Nr. 51/52 · 22./29. Dezember 2013

Foto: L’Osservatore Romano

Das Jahr 2013 im Bistum Eichstätt

Papstwechsel bewegt die Gläubigen / Willibaldswoche und erste diözesane Jugendwallfahrt

Das Ende 2012 ausgerufene Jahr

des Glaubens bildete die Brücke

ins Jahr 2013. „Was können wir

dazu anbieten?“, lautete die Überlegung

in manchem Pfarrgemeinderat

im Bistum. In Eichstätt wurde

unterdessen ein neues diözesanes

Klimaschutzkonzept vorgestellt.

In Ingolstadt schlossen sich

gleich 17 katholische Kindertages -

einrichtungen zu einer gemeinnützigen

Gesellschaft zusammen.

Und dann kam der 11. Februar –

der Tag, an dem die Medien weltweit

verkündeten: Papst Benedikt

XVI. tritt zurück. Im Eichstätter

Dom und zahlreichen weiteren Kirchen

im Bistum fanden Dankgottesdienste

für sein Wirken statt. Am

Abend des 13. März freuten sich

ganz besonders die Neuendettelsauer

Katholiken: Der neue Papst

wählte den Namen ihres Pfarrpatrons

– Franziskus.

Der Berufsverband der Pfarrhaushälterinnen

feierte auf dem

Hirschberg sein 40-jähriges Bestehen.

Der Berufsverband der Pfarrsekretärinnen

wurde zehn Jahre alt,

die Telefonseelsorge in Ingolstadt

20 Jahre, die Malteser im Bistum

50 Jahre. In der diözesanen Erwachsenenbildung

ging der Lotse

von Bord: Dr. Bertram Blum nutzte

den Diözesantag der Büchereiarbeit,

sich persönlich zu verabschieden.

Die Frauenseelsorgereferentin der

Diözese, Barbara Bagorski, wurde

zur Ordinariatsrätin und Leiterin

der Arbeitsgruppe „Geschlechtergerechtigkeit“

ernannt.

Drei Neupriester bekam das Bistum

Eichstätt 2013: Karsten Junk,

Florian Leppert und Markus Müller

empfingen im Dom die Weihe.

Auch zwei neue ständige Diakone

gehören zum Eichstätter Klerus:

Raymund Fobes und Thomas Rieger

wurden in Monheim geweiht.

Nach Altötting ging es im Mai

bei der Sternwallfahrt der Diözese.

Abgesagt werden mussten dagegen

viele Fronleichnamsprozessionen

im Bistum – wegen Dauerregens.

Das Motiv der Blütenteppiche, die

zum Teil in den Kirchen ausgelegt

wurden, zeigte mitunter das Logo

des Eucharistischen Kongresses,

der im Juni in Köln stattfand.

Den Auftakt zur Willibaldswoche

bildete heuer ein „Tag der Frauen“.

Bei allen Begegnungen mit den

Gläubigen, ob im Gottesdienst oder

im Festzelt, warb der Bischof um

Unterschriften für die Bürgerinitiative

„One of us“ zum Schutz des

menschlichen Lebens. Ein denkwürdiger

Tag für die Abtei Plankstetten

war die Einweihung des

generalsanierten Konventgebäudes,

an der auch Ministerpräsident

Horst Seehofer teilnahm.

Wo und wie die Bistumspatrone

Willibald und Walburga ihre Kindheit

und Jugend verbrachten, das

erschloss sich einer Reisegruppe,

die nach Südengland fuhr. Unterwegs

war auch der Eichstätter Diö-

Foto: Franzetti

Foto: Klenk

Begegnung in Rom: Papst

Franziskus und Bischof

Gregor Maria (Abb. o. l.).

Startschuss zur Kindergartenkooperation

in Ingolstadt

(Abb. l.).

Spurensuche in Südengland

(Abb. u. l.).

Schlüsselübergabe in

Plankstetten (Abb. r.).

Fröhliche Kinder beim 100.

Geburtstag ihrer Pfarrkirche

Pollenfeld (Abb. u. r.).

Foto: Frank Foto: Gess


Nr. 51/52 · 22./29. Dezember 2013

J A H R E S R Ü C K B L I C K 7

Foto: Franzetti

Foto: Kreitmeir

zesanrat, der in der tschechischen

Partnerdiözese Leitmeritz seine

Herbstvollversammlung hielt und

bei der Unterzeichnung eines Memorandums

zur Partnerschaft durch

die beiden Bischöfe zugegen war.

Ein ereignisreiches Jahr war

2013 für die jungen Leute im Bistum:

Im Frühjahr waren sie unter

dem Motto „Nightfever“ erstmals

zur Anbetung in die Ingolstädter

Moritzkirche eingeladen. Schüler

aller Schularten beteiligten sich an

einem Kunstprojekt zum Jahr des

Glaubens. Anlässlich der bundesweiten

72 Stunden-Aktion des

Bundes der Deutschen Katholischen

Jugend (BDKJ) fanden quer durchs

Bistum Aktionen statt. Der Erlös

ging an Kinderheime ebenso wie

an Flutopfer in Niederbayern. Am

Weltjugendtag in Rio nahm eine

kleine Gruppe aus dem Bistum

Eichstätt teil. Leinen los! hieß es

bei der ersten diözesanen Jugendwallfahrt

auf dem Brombachsee

mit dem neuen Diözesanjugendpfarrer

Christoph Witczak.

Zu feiern gab es allerhand: 50

Jahre etwa wurden die Ingolstädter

Kirchen Herz Jesu und St. Josef,

das Gotteshaus St. Nikolaus in

Wendelstein sowie die Pfarrei Rednitzhembach.

Viel älter, stolze 250

Jahre, ist die Wehrkirche St. Vitus

in Kottingwörth. 100. Geburtstag

feierte die Pfarrkirche St. Walburga

in Beilngries, wo heuer auch die

Kolpingsfamilie auf ihr 150-jähriges

Bestehen anstoßen konnte. 100.

Geburtstag feierte die Kolpingsfamilie

Herrieden.

Wenn die Gläubigen an Silvester

das Jahr in Gottes Hand zurücklegen

und ein Danklied anstimmen,

schlagen sie dazu noch das alte

Gotteslob auf. Die neuen Exemplare,

die eigentlich ab Advent verwendet

werden sollten, kommen

erst im neuen Jahr. Gabi Gess

Partnerschaft mit

Leitmeritz (Abb. o. r.).

Primizsegen

(Abb. r.).

Glaubenszeuginnen

bei der Willibaldswoche

(Abb. u. r.).

Schiffsgottesdienst

bei der diözesanen

Jugendwallfahrt

(Abb. u.).

Erwachsenenbildner

(Abb. l.): Dr. Bertram

Blum (r.) mit seinem

Nachfolger Dr. Ludwig

Brandl (l.) und

Stefan Eß vom

St. Michaelsbund.

Fröhliche Stimmung

beim Eucharistischen

Kongress in Köln

(Abb. o. l.).

Foto: Heim Foto: pde

Foto: Heberling

Foto: Leykamm

VERSTORBENE 2013

Pfarrer i. R. Ludwig Körner

(97) wurde am 4. Januar zu

Grabe getragen, sein Todestag

war der 30. Dezember 2012.

Pfarrer i. R. Josef Worsch (91)

verstarb am 10. Januar. Am

30. Januar starb Hans Heppner

(77), langjähriger Vorsitzende

der Ackermanngemeinde und

Diözesanratsmitglied aus Wemding,

am 4. Februar starb der

langjährige Schulleiter der Realschule

Rebdorf, Pater Alfons

Sattler (81). Die Pfarrei Illschwang

trauerte um ihren am 11. Februar

verstorbenen Pfarradministrator

Pater Bernhard Sirch (69). Am

6. März verstarb Pfarrer i. R.

Willibald Appel (80), am 10.

April Pfarrer i. R. Hans Hummel

(71) und am 12. April der Plankstettener

Altabt Dominikus

Madlener (89). Mitten aus einem

aktiven Leben als Pfarrer von

Denkendorf, Dörndorf und Zandt

wurde Franz Glötzner gerissen.

Er verstarb am 25. Mai im Alter

von erst 60 Jahren. red


4

T E R M I N

T H E M A D E R W O C H E Nr. 14 · 7. April 2013

Ein Beruf mit vielen Facetten

Langjährige Pfarrhaushälterinnen erzählen / Eichstätter Berufsverband wird 40 Jahre alt

Die sieben Frauen, die zum

Einkehrtag in die Abtei St.

Walburg in Eichstätt gekommen

sind und gerade im Speiseraum ihren

Kaffee trinken, sind zwischen 42

und 84. Sie kommen aus verschiedenen

Ecken der Diözese Eichstätt,

aber sie haben (oder hatten) alle den

selben Beruf: Pfarrhaushälterin.

Wie sie zu dieser Aufgabe gekommen

sind, was ihnen daran

gefällt, welche Herausforderungen

es zu meistern gibt, erzählten sie –

stellvertretend für viele Kolleginnen

– der KiZ anlässlich des

bevorstehenden Jubiläums „40

Jahre Berufsverband der Pfarrhaushälterinnen

im Bistum Eichstätt“.

Während sich viele Verbandsmitglieder

im Ruhestand befinden,

steht Johanna Adlkofer (61) noch

im Berufsleben. Seit etwa 20 Jahren

führt sie den Haushalt von Pfarrer

Bernhard Oswald. Sechs Jahre war

das oberpfälzische Batzhausen ihr

Dienstort, dann die Pfarrei St. Pius

in Ingolstadt und nun, seit knapp

zwei Jahren, die Münsterpfarrei im

Herzen Ingolstadts. Als gelernte

Köchin arbeitete Adlkofer lange in

Eichstätt: im Internat der Knabenrealschule

Rebdorf, bei den Englischen

Fräulein und im Salesianum.

Dann „wollte ich einfach was

Neues ausprobieren“, erklärt sie,

warum sie Pfarrhaushälterin wurde.

Wohnte eine solche früher selbstverständlich

im Pfarrhaus, so entscheiden

sich heute immer mehr

Geistliche für eine Teilzeit-Angestellte.

Eine von ihnen ist Monika

Geißler aus Altenveldorf. Die

Mutter dreier erwachsener Kinder

ist seit zehn Jahren Haushälterin bei

Dekan Elmar Spöttle in Velburg.

„Für mich wars der ideale Wiedereinstieg

nach der Kinderphase“, erzählt

die gelernte Hauswirtschafterin

Im Bistumshaus Schloss Hirschberg

blicken die Pfarrhaushälterinnen

der Diözese Eichstätt

mit ihrem Geistlichen Beirat

Pfarrer Peter Tontarra auf die

Gründung ihres eigenen Berufsverbands

vor 40 Jahren zurück.

Am Freitag, 26. April, um 9.30

Langjährige Pfarrhaushälterinnen

und Mitglieder im

Vorstand des

Eichstätter Berufsverbands

(v. l.): Leni

Hollweck, Johanna

Adlkofer, Christine

Weigl, Elisabeth

Harrer (Vorsitzende),

Andrea Knipfer,

Monika Geißler und

Erika Schmidt.

im ländlichen Bereich, die täglich

von neun bis 13 Uhr im Pfarrhaus

sauber macht, kocht und Gäste bewirtet.

Die 50-Jährige ist für ihren

Chef aber längst auch zu einer

Vertrauten geworden. „Er kommt

auch mal Sonntags bei uns daheim

vorbei und umgekehrt grillen wir

mal mit der ganzen Familie bei ihm“,

berichtet Geißler, die seit kurzem

Oma ist. Ganz klar, dass Dekan

Spöttle ihr erstes Enkelkind taufte.

ÜBER UMWEGE

Elisabeth Harrer (62) aus

Neumarkt, die Vorsitzende der

Eichstätter Berufsgemeinschaft

der Pfarrhaushälterinnen, entschied

sich mit 29 Jahren für ihren heutigen

Beruf. Die gebürtige Meckenhausenerin

hatte nach dem Realschulabschluss

als Angestellte bei

der Raiffeisenbank gearbeitet, dann

aber im Krankenhaus der Barmherzigen

Brüder in München eine

Ausbildung zur Krankenschwester

absolviert und später in einer

Münchner Sozialstation gearbeitet.

Während dieser Zeit fand sie Anschluss

an die Cursillo-Bewegung,

„und ich hab’ begonnen, mich zu

fragen, wohin mein Lebensweg

Jubiläum mit Bischof

Uhr wird Bischof Dr. Gregor

Maria Hanke OSB den Festgottesdienst

zelebrieren.

Um 14.30 Uhr hält die Referentin

für Frauenseelsorge im Bistum,

Barbara Bagorski, ein Impuls-

Referat mit dem Titel „Den

Glauben Leben“.

vb

führen sollte“. Die Antwort fand sie

1980 bei einer Bekannten, deren

Bruder Richard Distler gerade eine

Haushälterin für seine erste Pfarrstelle

in Hitzhofen suchte. So zog

sie mit ihm in das schöne alte Pfarrhaus,

das sich schnell mit Leben

füllte: „Im Keller traf sich die Jugend,

wir haben eine Bücherei eingerichtet

und mit einem Krankenpflegeverein

angefangen.“ Weil es

keine Pfarrsekretärin gab, übernahm

Harrer auch die Büroarbeit.

„Was mich überraschte, war das

Vertrauen, das die Leute dem Pfarrhaus

entgegen bringen“, sagt sie.

Als nach knapp zehn Jahren der

Umzug in die Neumarkter Hofpfarrei

anstand, sei ihr der Abschied

sehr schwer gefallen.

In Neumarkt fand sie eine etablierte

Pfarrei mit festen Strukturen

vor. Das nahm ihr ein Stück beruflicher

Vielfalt, schaffte ihr aber

Freiraum für eine neue Aufgabe –

das Engagement in der Berufsgemeinschaft

der Pfarrhaushälterinnen.

Über die Diözesanebene hinaus

war Harrer zwei Amtsperioden

lang (1994 bis 2002) Bundesvorsitzende.

In dieser Funktion gehörte

sie einige Jahre lang dem Zentralkomitee

der deutschen Katholiken

an. „Das war schon eine interessante

Zeit“, meint sie rückblickend.

DER ANFANG WAR SCHWER

Magdalena Hollweck könnte

über ihre 53 Berufsjahre „fast einen

Roman schreiben“. Die 84-Jährige

ist Gründungsmitglied im Berufsverband

der Pfarrhaushälterinnen.

Die Landwirtstochter wuchs in

Richthofen am Fuß des Habsbergs

auf. „Da kamen wir öfters auch ins

Pfarrhaus, wo die Schwester des

Geistlichen, Fräulein Rosa, waltete.

Sie wurde mir zum Vorbild.“ Nach

dem Krieg wurde Hollweck Jugendführerin

im Dekanat Velburg. Bei

einem Glaubenskurs im damaligen

Diözesanjugendhaus Sandsee erzählte

sie Jugendpfarrer Dr. Alois

Brems von ihrem Wunsch, in einem

Pfarrhaus das Kochen lernen zu

wollen. „Sofort sagte er mir, ich

könnte als zweite Hilfe zu seinem

Bruder Rupert Brems und seiner

Schwester Maria nach St. Moritz in

Ingolstadt gehen.“ 30 Mark Lohn

gab es damals, 1951, im Monat.

Frauen, die einen

Pfarrhaushalt führen,

leisten einen

kirchlichen Dienst,

denn mit ihrer Sorge

machen sie den

Priester frei für seine

pastoralen Aufgaben.

aus einem Beschluss der Würzburger

Synode (1971-75)

1953 trat Hollweck eine besser bezahlte

Stelle in einem Schweizer

Krankenhaus an. Weil aber ihre

Mutter schwer erkrankte, kehrte

sie in die Heimat zurück und nahm

das Angebot des damaligen

Kaplans der Ingolstädter Münsterpfarrei,

Hans Meyer, an, seine

Haushälterin zu werden. „Der

Anfang war sehr schwer“, erinnert

sie sich daran, dass sie an allen

Ecken und Enden sparen musste.

„Viel besser wurde es dann, als

der Kaplan 1961 Militärpfarrer in

Roth wurde“. Rund zehn Jahre

dauerte der Einsatz bei den Solda-

Foto: Gess


Nr. 14 · 7. April 2013

T H E M A D E R W O C H E 5

ten, davon drei Jahre in Fürstenfeldbruck.

Der Pfarrer genoss es,

dass ihm die Haushälterin ein gemütliches

Heim bereitete, aber die

umtriebige Leni Hollweck füllte

sich nicht ausgelastet und hätte sich

gerne einen Nebenjob gesucht.

Weil ihr Chef dagegen war, übernahm

sie Ehrenämter und kümmerte

sich als Babysitterin um die Kinder

der Offiziere.

1971 wurde Meyer Münsterpfarrer

in Ingolstadt. 1992 ging er in

Ruhestand, 2008 verstarb er. Hollweck

zog in eine kleine Wohnung

mitten in Ingolstadt und ist „immer

noch neugierig auf Vieles“.

BÜRO UND ZELTLAGER

Andrea Knipfer, mit 42 die

Jüngste in der Runde, ist seit 18

Jahren Haushälterin von Pfarrer Erich

Schredl (Ingolstadt/St. Augustin).

Sie kennt ihn, seit er Kaplan in

ihrer Heimatpfarrei Deining war.

Nachdem er mit der gelernten

Bürokauffrau in der Deininger

Landjugend stets gut zusammengearbeitet

hatte, warb er sie gleich

als Haushälterin an, als er die

Pfarrei Walting übertragen bekam.

Knipfer ließ sich auf das Wagnis

ein, „obwohl ich im Büro besser

verdient hätte“. Aber die Vielseitigkeit

ihres neuen Berufs entschädigte

sie dafür. Weil es in Walting

neben dem Pfarrer keine Hauptamtlichen

gab, war sie nicht nur

Haushälterin, sondern leitete auch

Jugendgruppen, fuhr mit auf Zeltlager

und führte das Pfarrbüro. Sie

mochte das Pfarrhaus, den großen

Garten und die Leute, die sie vor in

ihre Gemeinschaft aufgenommen

hatten. Am nächsten Dienstsitz in

Spalt musste sie fünf Jahre warten,

bis eine Stelle im Pfarrbüro frei

wurde. Was sie aber nahtlos fortsetzte,

war die Jugend- und Ministrantenarbeit.

Elf Jahre währte die

Zeit in Spalt, bis 2010 der Ruf nach

Ingolstadt kam – und Knipfer erneut

begann, sich neben der Hausarbeit

Nischen zu erschließen.

So hilft sie etwa im Pfarrbüro der

Münsterpfarrei aus, nutzt das

vielfältige kirchliche Angebot in

Ingolstadt und hat das Gefühl, gut

leben zu können: „Es stimmt schon,

wir verdienen nicht viel. Aber weil

ich im Pfarrhaus lebe und esse,

passt der Nettolohn unterm Strich“.

„DA HÄNGST IN DER LUFT“

Für Erika Schmidt (70), die aus

Großhöbing bei Greding stammt,

stand schon als Zwölfjährige fest,

dass sie ihrem Bruder Karl, damals

Seminarist in Eichstätt, einmal den

Pfarrhaushalt führen würde. Karl

aber bremste zunächst ihre Ambitionen:

„Als Pfarrhaushälterin, da

hängst du immer in der Luft“. Aber

sie zog trotzdem mit nach Allersberg,

wo ihr Bruder eine Kaplansstelle

antrat. Die nächste berufliche

Station war der Habsberg, wo Erika

Schmidt beschloss, selbst noch

einmal die Schulbank zu drücken.

Regelmäßig besuchte sie Kurse in

Regensburg und machte die Prüfung

als Hauswirtschaftsmeisterin. Auf

dem Habsberg war sie aber nicht

nur für Küche und Sauberkeit

zuständig, sondern auch fürs Büro.

„Es war keine Seltenheit, dass man

Sonntags beim Kochen noch 50

Messen aufschrieb“, erzählt sie.

1976 verließen die Geschwister

Schmidt den Habsberg und zogen

ins Pfarrhaus nach Mündling. 1992

schließlich übernahm Pfarrer

Schmidt die Leitung der Diasporapfarrei

Heldmannsberg mit Kuratie

Pommelsbrunn. Als „Mädchen für

alles“ sei sie in allen Pfarreien

schnell integriert gewesen, meint

Erika Schmidt, „ich hatte keine

Scheu, auf Leute zuzugehen“. Als

ihr Bruder 2006 in den Ruhestand

ging, zogen die beiden nach Greding.

Die 70-Jährige genießt die Teilnahme

an den regelmäßigen

Treffen, zu denen der Ortspfarrer

alle Geistlichen aus der Seelsorgeeinheit

einlädt – vom Ruheständler

bis zum Kaplan. Sie fühlt sich

wohl in deren Welt, die in 46 Jahren

auch zu ihrer eigenen geworden ist.

„DAS WÄR’ WAS FÜR MICH“

Christine Weigl ist erst 45, aber

schon mehr als ihr halbes Leben

lang Pfarrhaushälterin. Die gebürtige

Schnufenhofenerin, für die Heirat

und Familie nach eigener Aussage

nie ein Thema waren, lebt und

arbeitet seit 1988 im Pfarrhaus von

Edmund Wolfsteiner. In ihrer Freizeit

malt und fotografiert sie und hilft

mit beim Schmücken des Gotteshauses.

Die Kirchenzeitung ist

übrigens nicht ganz unschuldig an

ihrem Lebensweg: Denn in ihrem

letzten Ausbildungsjahr an der

Hauswirtschaftsschule St. Marien

in Neumarkt las Weigl in der KiZ

einen Bericht über einen jungen

Geistlichen, der auf der Suche nach

einer Haushälterin für seine erste

Pfarrstelle war. „Das könnte doch

was für mich sein“, überlegte die

religiös interessierte junge Frau und

bewarb sich erfolgreich. Auf fünf

Jahre Berg folgten 13 Jahre

Treuchtlingen „und jetzt sind wir

schon wieder sechs Jahre in Nürnberg-Reichelsdorf“.

Gabi Gess

Z U M

T H E M A

Ein Beruf im Wandel

Der Trend geht heute

eindeutig zur Teilzeit-

Haushälterin. Eine von

ihnen ist Monika Geißler,

deren Arbeitsplatz das

Velburger Pfarrhaus ist.

Die Mutter von drei

Kindern ist gelernte

Hauswirtschafterin.

Das Berufsbild Pfarrhaushälterin

„war früher ganz anders

als heute“, lautet das Urteil

von Magdalena Hollweck. In

den Nachkriegsjahren, als viele

Heimkehrer und Flüchtlinge zu

Priestern geweiht wurden, sei die

Nachfrage nach Haushälterinnen

groß gewesen. Für christlich erzogene

junge Frauen vom Land,

die sich in der Landwirtschaft

oder als Dienstmägde ihr Geld

verdienten, sei es ein sozialer

Aufstieg gewesen, Pfarrhaushälterin

zu werden“, meint Elisabeth

Harrer, „auch wenn sie meist

nicht mehr verdienten als vorher“,

und oft eisernes Sparen angesagt

war, wie Hollweck aus ihrer

Zeit in einem Kaplanshaushalt

noch weiß. Zudem sei damals

große Distanz zum Priester erwünscht

gewesen. „Miteinander

spazieren gehen“, das wäre nicht

drin gewesen“, erzählt die 84-

Jährige.

Vor 40 Jahren, als der Eichstätter

Berufsverband entstand, bot

sich Pfarrhaushälterinnen ein

weites Betätigungsfeld. „Sekretärinnen

gabs damals nur in

großen Pfarreien“, erzählt Elisabeth

Harrrer, „es gab keine Gemeindereferentinnen,

höchstens

eine Pfarrschwester“. Gerade auf

dem Land habe eine Pfarrhaushälterin

vielfältige Fähigkeiten

und Neigungen einbringen

können, vom Jugendchor bis zur

Seniorenarbeit. „Auf allen Gebieten

war man gefordert“, bestätigt

Leni Hollweck und meint,

mit Blick auf die vielen jungen

Kapläne, die im Pfarrhaus wohnten:

„Manchmal hat man auch ein

bissel Mutter sein müssen“. Heute

dagegen seien die meisten Neupriester

schon etwas älter, schon

einem anderen Beruf nachgegangen,

„und wollen Selbständigkeit“.

Wenn überhaupt, so stellten

sie eine Teilzeit-Haushälterin ein.

Die aktuellen Zahlen: Von insgesamt

noch 113 aktiven Pfarrhaushälterinnen

im Bistum üben

nur 30 ihre Arbeit in Vollzeit aus.

Von den 83 Teilzeit-Pfarrhaushälterinnen

gehören 21 dem

Berufsverband an. Viele Gründungsmitglieder

sind bereits verstorben.

„Als wir mit Diözesanwallfahrten

der Pfarrhaushälterinnen

anfingen, da sind wir

aus den einzelnen Bezirken

jeweils mit Bussen gefahren“, erinnert

sich Erika Schmidt.

„Heute bringen wir insgesamt gerade

noch 50 Leute zusammen“.

Zum Positiven entwickelt hat

sich dagegen das Finanzielle:

„Der bayerische Landesverband

der Pfarrhaushälterinnen hat sich

sehr für einen Tarifvertrag mit

dem Klerusverband eingesetzt“,

berichtet Harrer. Die Abwicklung

der Gehälter erfolgt über

die Besoldungsstelle der Diözese

und auch in Sachen Urlaubsanspruch

„ist alles geregelt“,

freut sich Andrea Knipfer. Die

appelliert zugleich an alle Pfarrhaushälterinnen,

ganz gleich

ob Voll- oder Teilzeit, sich dem

Berufsverband anzuschließen

„Wie sollen wir ohne Mitglieder

die Beiträge für den Landesund

Bundesverband bezahlen,

der sich wiederum für unsere

Bezahlung nach Tarif einsetzt?“.

gg

Foto: Schön


14

Der Vater der italienischen Oper

Am 14. Juni wird der 250. Geburtstag des Komponisten Johann Simon Mayr gefeiert

Die Gemeinde der Klassikliebhaber

bemisst die Größe

eines Komponisten gerne an seiner

gegenwärtigen Präsenz im allgemeinen

musikalischen Bewusstsein.

So gesehen ist Johann Simon

Mayr ein glückloser, weil weithin

vergessener Tonsetzer. Und dass er

sich das Jahr seines 250. Geburtstages

mit den ungleich populäreren

Jubilaren Wagner und Verdi teilen

muss, scheint die Legende vom

unbekannten Erfinder der italienischen

Oper zu stützen.

Die zurzeit nicht nur in und um

Ingolstadt, sondern weit darüber

hinaus stattfindenden Veranstaltungen

(siehe auch Kasten unten)

strafen allerdings diese und einige

weitere Mayr-Legenden Lügen.

JUNGES TALENT

Johann Simon Mayr wurde am

14. Juni 1763 in Mendorf bei

Altmannstein, das im Landkreis

Eichstätt, aber im Bistum Regensburg

liegt, geboren. Der Lehrerssohn

erhielt schon früh musikalische

Unterweisung durch seinen

Vater, der in der Pfarrkirche

St. Leodegar die Orgel spielte –

eines der wenigen noch erhaltenen

Instrumente des Ingolstädter Orgelbauers

Caspar König (1675-1765).

Ab dem siebten Lebensjahr wurde

Mayr im nahen Benediktinerkloster

Weltenburg erzogen und wechselte

1774 an das Jesuitenkolleg in

Ingolstadt. Dort studierte er Theologie,

Philosophie, Medizin und

Foto: Simon Mayr-Gesellschaft

K U N S T U N D K U LT U R Nr. 23 · 9. Juni 2013

Johann Simon Mayr (1763-1845) bei der Arbeit. Eine Lithographie von

G. B. Crotta aus dem 19. Jahrhundert.

Jura. Er war Schüler des Rechtsgelehrten

Adam Weishaupt, der

1776 die Geheimgesellschaft der

Illuminaten gründete. Die spielten –

wenngleich Mayr nie Mitglied

war – eine Rolle bei der Entscheidung

nach Italien zu gehen.

Mayr begleitete seinen Arbeitgeber

und Gönner Thomas de Bassus,

dessen Schloss der hauptsächliche

Treffpunkt der Illuminaten war, auf

dessen Flucht vor der Polizei.

ORATORIEN UND OPERN

Ab 1789 studierte Mayr in

Bergamo beim Kapellmeister der

Kirche Santa Maria Maggiore,

Carlo Lenzi, dann bei Fernando

Bertoni, dem Kapellmeister des

Markusdoms in Venedig. Mayr

komponierte anfänglich fast ausschließlich

Kirchen- und Kammermusik,

zumeist Messen und

Oratorien, zur Opernkomposition

musste er bekehrt werden. Wie jede

Konversion zeitigte auch diese

vehemente Leidenschaft, die sich bei

Mayr mit großer handwerklicher

Kunst und auch Fleiß verband.

Rund 60 Opern und 600 Kirchenund

Kammermusikstücke hat er

wohl geschrieben. Es gibt einen

Brief, in dem Mayr seinen Verleger

Ricordi wissen lies, er wolle seine

Kirchenmusiken nicht gedruckt

sehen. Treppenwitz der Musikgeschichte:

Eben jener Verlag,

Ricordi in München, hat 2012 mit

der Internationalen Simon Mayr-

Gesellschaft, der Stadt Ingolstadt

sowie der Katholischen Universität

Eichstätt-Ingolstadt einen Kooperationsvertrag

geschlossen, der die

„quellenkritische Gesamtausgabe

der Werke Mayrs“ vereinbart.

Giovanni Simone Mayr, der nie

mehr in seine Heimat zurückkehrte

und ein Angebot Napoleons, als

Operndirektor nach Paris zu

kommen, ausschlug, erarbeitete

S E R V I C E

Eröffnet wurde der Reigen der Jubiläumsveranstaltungen

zu Johann Simon Mayrs

250. Geburtstag bereits im Januar des Jahres

mit einem Konzert des Georgischen Kammerorchesters,

das Ouvertüren Mayrs darbot.

Im März war im Stadttheater Ingolstadt an

drei Abenden ein Gastspiel der Mayr-Oper

„Adelasia ed Aleramo“ mit der Hofkapelle

München zu sehen. Auch die etablierten Reihen

„Mittwochsklassik um halb sieben“ und die

sonntägliche „Orgelmatinee“ widmeten und

widmen sich Werken Mayrs.

An diesem Sonntag findet um 9 Uhr in der

Kirche St. Leodegar in Mayrs Geburtsort

Mendorf ein Gedenkgottesdienst statt, bei

dem die „Messa per la Settimana Santa in g“

zur Aufführung kommt. Um 19 Uhr findet ein

Festakt im Simon Mayr-Dorfgemeinschaftshaus

statt. Vom 13.-15. Juni veranstaltet die

Simon Mayr-Forschungsstelle der Katholischen

Universität Eichstätt-Ingolstadt im Stadtmuseum

Ingolstadt ein Symposium zum

Thema „Johann Simon Mayr und seine

Vorbilder, Zeitgenosssen, Nachfolger“.

Am 14. Juni um 19.30 Uhr findet im Festsaal

des Stadttheaters Ingolstadt die konzertante

Aufführung der Mayr-Oper „Ginevra di

Scozia“ statt. Es spielt das Münchner Rundfunkorchester.

Die Schirmherrschaft hat der

bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer

übernommen. Das selbe Konzert wird zwei

Tage später im Teatro Donizetti in Bergamo

gegeben, voran geht ein Gedenkgottesdienst

in der Basilika Santa Maria Maggiore. Einen

Mitschnitt der Ingolstädter Aufführung sendet

BR-Klassik am 23. Juni um 19.05 Uhr.

Die „Messe in Es-Dur“ von Mayr ist bei

einem Kirchenkonzert in der Ingolstädter Pfarrkirche

St. Josef am 13. Juni um 19.30 Uhr zu

hören. Der Markt Altmannstein und die Freunde

der Musik Johann Simon Mayrs laden am

23. Juni um 10 Uhr zum Gedenkgottesdienst

in die Heilig Kreuz-Kirche in Altmannstein

ein, der Kirchenchor hat die „Missa per la

Domenica di Palme“ von Mayr einstudiert.

Weitere Konzerte in Altmannstein, auf

Schloss Sandersdorf, in der Abtei Scheyern,

Aufführungen im Festsaal des Ingolstädter

Stadttheaters, im Ingolstädter Liebfrauenmünster,

aber auch über die Region hinaus,

etwa in Altötting, beim Ebracher Musiksommer

oder an der Kammeroper Hamburg folgen bis

Dezember.

red

Weitere Infos unter „www.simon-mayr.de“.


Nr. 23 · 9. Juni 2013

K U N S T U N D K U LT U R 15

sich den Ruf des „Vaters der

italienischen Oper“ und muss als

einer der bedeutendsten Komponisten

dieser Gattung im frühen

19. Jahrhundert bezeichnet werden.

„PAPA MAYR“

In gewisser Weise verdankt sich

dieser Ruhm auch der Tatsache,

dass Mayr als Kind seiner Zeit ein

Mann zwischen den Welten war.

Nicht nur war er ebenso sehr

Deutscher wie Italiener, katholisch

geformt und klassisch gebildet.

Er vereinte Frömmigkeit und

Aufklärung, was sich schon an

der Wahl klassischer antiker Stoffe

für seine Werke zeigt. Mayr war

einer, „der Glaube und Bildung

zu verbinden trachtete, an das

Gutwerden des Menschen durch

Erkenntnis glaubte“, so sieht es

auch der Präsident der Internationalen

Simon Mayr-Gesellschaft e. V.

Ingolstadt, Rainer Rupp. So erkläre

sich auch Mayrs Einsatz für die

musikalische Bildung armer,

aber begabter Kinder. Der große

Gaetano Donizetti (1797-1848)

profitierte von diesem Denken und

der leidenschaftlichen Begabung

Mayrs als Musiklehrer. Er genoss

die besondere musikalische Förderung,

wie die Musikgeschichte weiß,

mit beträchtlichem Erfolg, und

verehrte Mayr zeitlebens wie einen

Vater. Donizettis Grab, befindet

sich übrigens neben dem Mayrs –

der starb 1845, 85-jährig und

erblindet, Guiseppe Verdi hielt die

Totenrede – in der Basilika

Santa Maria Maggiore in Bergamo.

Die „Vaterfigur“ Mayr ist auch

Die Pfarrkirche

St. Leodegard

in Mendorf,

das im Landkreis

Eichstätt liegt,

aber dem Bistum

Regensburg

gehört.

aufs Schönste belegt in einer

Äußerung Rossinis, der schrieb

„Die Komponisten unserer Tage

sollen die Opern unseres Papa

Mayr studieren“.

MAYR-RENAISSANCE

Dann aber war es erst einmal

eine lange Zeit sehr still um das

Werk des Mendorfer Meisters. Zu

seinem 200. Geburtstag 1963

machte das Münchner Rundfunkorchester

mit der Aufführung der

Oper „Medea in Corinto“ im

Münchner Herkulessaal einen ersten

Anlauf zur Rehabilitierung oder

weiteren Verbreitung des Mayrschen

Oeuvres. Bis auf das Patronat für

Das Grabmal

Johann Simon Mayrs

in der Basilika

Santa Maria Maggiore

in Bergamo.

eine Realschule in Riedenburg

ereignete sich bezüglich Popularisierung

zunächst nichts. Es sollte

bis in die 90er-Jahre dauern bis

dieses Unterfangen klarere Formen

annahm. 1995, im Jahr von Mayrs

150. Todestag, wurde in Ingolstadt

die Simon Mayr Gesellschaft gegründet,

seit 2000 gibt es ein regelmäßig

erscheinendes Mitteilungsblatt

für die heute rund 290 Mitglieder,

15 Prozent kommen aus

dem Ausland. Einen Simon Mayr-

Freundeskreis gibt es in Altmannstein

seit 1987, seit 2002 trägt die

städtische Sing- und Musikschule

Ingolstadt den Namen des Komponisten.

2007 entsteht die Simon

Mayr-Forschungsstelle an der

Katholischen Uni, nachdem schon

seit Anfang der neunziger Jahre

wissenschaftliche Symposien und

Ausstellungen zu Mayr organisiert

wurden, Fachpublikationen erschienen

und natürlich Aufführungen

stattfanden. Zeitweise arbeitete in

der Region auch eine Simon Mayr

Kultur GmbH an der „Mayr-

Renaissance“ mit. Dass Mayrs

Geburtsort die Bedeutung seines

großen Sohnes längst erkannt und

gewürdigt hat, muss nicht eigens

erwähnt werden.

In den vergangenen Jahren folgte

dann auch eine Entdeckung altneuer

Noten auf die nächste Premiere,

Wieder- oder Neuaufführung;

viele Tonträger und Partituren erschienen.

Und Mayrs Messen

wurden wieder dort gehört, wo sie

hingehören, in den Rahmen der

Liturgie. Etwa eben, am Pfingstsonntag

im Ingolstädter Münster,

wo die „Missa Es-Dur für Soli,

Fotos: Heberling

B U C H T I P P

Schatzsuche

Ein ambitioniertes Projekt:

ein Kinderbuch über die Musikgeschichte

der Region. Da gibt

es so einiges zu berichten,

was selbst ältere Zielgruppen

in Erstaunen versetzen kann.

Die Musikwissenschaftlerin

Dr. Iris Winkler hat gemeinsam

mit Studenten den Versuch

gewagt, auf unterhaltsame,

manchmal spielerische Weise,

in einfacher Sprache und

mittels Comics von musikalischen

Größen zu berichten,

die weit über Eichstätt hinaus

Aufmerksamkeit erregten und

bis heute Anerkennung finden.

Die bekannteste der vorgestellten

Musikerpersönlichkeiten

ist Johann Simon

Mayr – die Herausgeberin ist

wissenschaftliche Mitarbeiterin

an der Simon Mayr-Forschungsstelle

der Katholischen Universität

Eichstätt-Ingolstadt –,

einen nicht weniger interessantern

Lebenslauf haben Raymund

Schlecht (1811-1891)

oder Joseph Meck, Eichstätter

Hofkapellmeister von 1717-

1758 zu bieten. Dazu gibts

Exkurse über die Musik in der

Benediktinerabtei Ottobeuren

und den Orgelbauer Karl

Joseph Riep (1710-1775), eine

Notenlehre, ein hilfreiches

Glossar musikalischer Fachbegriffe

und Notensätze von

Werken Schlechts und Mayrs.

hebe

Iris Winkler (Hrsg.): Musikalische

Schatzsuche in Eichstätt,

Ingolstadt-Venedig-

Bergamo und Ottobeuren;

Chronarium

Verlag,

Landau/

Isar 2012,

geb., 83 S.,

mit zahlr.

Abb.,

16,95 Euro,

ISBN:

978-3-93

8820-08-7.

Chor, Bläser und Orgel“ als Ergebnis

eines Mitmachprojektes für

sangesfreudige und bildungsfähige

Stimmen zur Aufführung kam. Das

ist, wie man so sagt, große Oper und

fordert die Hör- und Feiergewohnheiten

der Gottesdienstbesucher

heraus. Michael Heberling


14

„Bei uns haben alle ihren Platz“

Ausstellung „Alle inklusive“ als Schluss- und Höhepunkt des Projekts der Behindertenpastoral

Sie sind nicht mehr wiederzuerkennen,

die schlichten Stühle

aus Kiefernholz, die vor gut einem

halben Jahr bei einem Gottesdienst

im Eichstätter Dom übergeben

wurden an Vertreter von Pfarrgemeinden

oder Vereinen und an

Behinderteneinrichtungen (die KiZ

berichtete). Sie wurden mit Stoff

überzogen, mit Pappmaché verkleidet,

auf Podeste montiert und

erstrahlen in kunterbunten Farben.

Nicht weniger strahlt der Hauptverantwortliche

für die Aktion, der

gleich in der ehemaligen Johanniskirche

am Eichstätter Domplatz die

Ausstellung „Alle inklusive?“ eröffnen

wird: Pfarrer Alfred Grimm,

Leiter der Behindertenpastoral im

Bistum Eichstätt. Seit 2011 wird er

unterstützt von vier Inklusions- und

Seelsorgebeauftragten, die ihren

Sitz in verschiedenen Regionen des

Bistums haben und die die Vorbereitung

der Kunstausstellung

„Alle inklusive“ mitgetragen haben.

Das Projekt „war für uns als neue

Dienststelle schon eine Art Feuertaufe“,

meint Grimm. Die Ergebnisse,

die nun eine Woche lang

in der Johanniskirche zu betrachten

sind, „haben meine Erwartungen

weit übertroffen“, freut er sich.

Die Stuhl-Aktion unter dem

Motto „Mein Platz in der Kirche“,

Fotos: Gess

Wenn die Bewohner der Behinderteneinrichtung Dr. Löw in Neukirchen in

die Pfarrkirche St. Peter und Paul kommen, dann „geht die Sonne auf“,

heißt es in der Erklärung zu dem Stuhl (r.), den Firmlinge aus Neukirchen mit

ihrer Religionslehrerin Angelika Gleiß (sie ist auch eine von vier Inklusionsbeauftragten

im Bistum) gestaltet haben. Den linken Stuhl haben Menschen

mit Behinderung mit ihren Betreuern gebaut: „Wir fühlen uns in der Pfarrei

so willkommen, als wären wir Könige!“

bei der Pfarreien gemeinsam mit

Menschen mit Behinderung überlegten,

wo und wie sie füreinander

einen Platz gestalten können,

war begleitet von einem zweiten

Kreativprojekt unter dem Leitwort

„Gott und der Mensch“. Dabei

W O R T L A U T

Vom christlichen Menschenbild her besitzt jeder Mensch einen

absoluten Wert und ist von unserem Schöpfer gewollt. Diese

Botschaft ist Grund zu einer großen Hoffnung, die unseren Glauben

mittragt. Wir wissen uns vom Glauben her ermutigt, auch unüberwindbare

Krankheiten, Behinderungen, ja selbst den Tod als Teil unseres

menschlichen Lebens zu begreifen. Diese Botschaft gibt auch die

Kraft gegen die Vorstellungen von perfekten Menschen anzugehen. Wir

brauchen eine Kultur der Achtsamkeit im Zusammenleben der Menschen.

Ein wichtiges Anliegen ist es in diesem Zusammenhang, Menschen

mit Behinderungen mehr Zugang und Beteiligung am gesellschaftlichen,

aber auch am kirchlichen Leben zu ermöglichen. Sie

sind in ihrem Lebenszeugnis auch eine Stärke für jede Gemeinschaft.

Menschen mit Behinderungen stehen unter einem großen Rechtfertigungsdruck,

wenn deren Eltern das Recht auf Schadenersatz zugesprochen

bekommen, weil Ärzte sie vor der Geburt nicht über die zu

erwartende Behinderung ihres Kindes aufgeklärt haben. Mit Nachdruck

formulieren wir deshalb noch einmal die Forderung, dass die vorgeburtliche

Diagnostik ausschließlich dazu dienen darf, bei einer zu

erwartenden Behinderung des Embryos frühzeitig eine Therapie einzuleiten

und die Eltern auf diese besondere Situation nach der Geburt

ihres Kindes vorzubereiten.

Aus dem Wort der deutschen Bischöfe „unBehindert Leben und

Glauben teilen. Zur Situation der Menschen mit Behinderungen“ vom

12. März 2003.

D A S R E L I G I Ö S E T H E M A Nr. 25 · 23. Juni 2013

sollten Menschen mit und ohne

Behinderung gemeinsam Kunstobjekte

zum Thema Gottesbild und

Menschenbild anfertigen. Für beide

Aufgaben fanden sich bistumsweit

je etwa zehn Teams.

Einige von ihnen stellen ihre Arbeit

bei der Ausstellungseröffnung

vor. So berichtet etwa Gemeindereferentin

Elisabeth Löhlein aus

der Ingolstädter Pfarrei St. Pius

von einer Idee, die die Firmlinge in

die Tat umsetzten: Sie überzogen

einen Stuhl mit dem gleichen Stoff,

mit dem auch die Kirchenbänke in

St. Pius bespannt sind, und brachten

damit zum Ausdruck: Ihr gehört

dazu, seid Teil unserer Gemeinde.

Umgekehrt gestalteten Menschen

mit Behinderung einen Stuhl für

die Pfarrei St. Pius, der über und

über mit bunten Handabdrücken

versehen ist. Sie leben in der

Dr. Wilhelm Reissmüller-Wohnstätte

der Ingolstädter Lebenshilfe und

kommen regelmäßig zum Pfarrgottesdienst

in St. Pius. „Im Rahmen

unseres Pfarrfests werden die Stühle

übergeben“, kündigt Löhlein an.

Auch Studenten der Katholischen

Universität Eichstätt-Ingolstadt

(KU) waren mit von der Partie:

In Zusammenarbeit mit der Eichstätter

Caritas-Tagesstätte Lichtblick

für psychisch kranke Menschen

und dem Caritas-Kinderdorf

Marienstein gestalteten sie ein

Kunstobjekt in Glasmaltechnik.

Das Thema Inklusion sei für die

angehenden Lehrer „brandheiß“,

verweist Edgar Mayer vom Lehrstuhl

für Grundschulpädagogik

darauf, dass Kinder mit sonderpädagogischen

Förderbedarf seit

2011 gesetzlichen Anspruch auf den

Besuch einer Regelschule haben.

Der Präsident der KU, Professor

Richard Schenk, ist selbst bei der

Ausstellungseröffnung dabei und

betont: „Das Thema Inklusion ist

an der KU ein wichtiges Thema“,

zu dem geforscht werde und

Senioren aus der Pfarrei Rednitzhembach und Schüler der Lebenshilfe

Schwabach gestalteten den linken Stuhl: „Wir möchten nicht zwischen den

Stühlen sein, sondern unseren festen Platz haben“. In einem Gottesdienst

werden sie den Stuhl an Bewohner von Regens Wagner/Zell übergeben

und deren Werk (Abb. r.) entgegennehmen. Der Stuhl drückt aus, wie wichtig

die Hände für Gehörlose sind.


Nr. 25 · 23. Juni 2013

D A S R E L I G I Ö S E T H E M A 15

Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB sprach ebenso ein Grußwort wie Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger, die stellvertretende

Landrätin Rita Böhm und Universitätspräsident Professor Richard Schenk (Abb. Mitte, mit Edgar Mayer von Lehrstuhl für Grundschulpädagogik). Im Bild

rechts zeigen Frauen aus dem Wohnheim der Lebenshilfe Weißenburg (mit einem Mitarbeiter des Hauses) ihre ganz persönlichen Engel. Für die musikalische

Umrahmung sorgten die Kellergang-Band der Jurawerkstätten Neumarkt und das Veh-Harfen Ensemble der Offenen Behindertenarbeit St. Vinzenz Ingolstadt.

Ideen entwickelt würden. Ein Kurs

in Gebärdensprache, den Pfarrer

Grimm für Studierende anbot,

stand bereits auf dem Programm.

Bischof Dr. Gregor Maria Hanke

OSB dankt in seiner Ansprache dem

Leiter der Behindertenpastoral, der

die Anliegen der Inklusion in den

Pfarreien „wie ein Fackelläufer ins

Ordinariat und ins Bischofshaus

trägt“. Er verweist auf das Wort der

deutschen Bischöfe „unBehindert

Leben und Glauben teilen“, das vor

zehn Jahren erschien. Es fordere alle

Christen auf, „sich einzumischen

und für die Würde und Rechte von

Menschen mit Behinderung zu

kämpfen“.

Eine Umfrage der diözesanen

Dienststelle „Pastoral für und mit

Menschen mit Behinderung“ habe

ergeben, dass Menschen mit Behinderung

darunter litten, immer

nur von ihrer Behinderung her

gesehen zu werden. Sie wünschten

Manche Menschen mit

Behinderung können gar nicht auf

einem Stuhl ohne Gurte und Spezialhalterungen

sitzen. Vielen sei das

nicht bewusst, meint Alfred Grimm,

der Leiter der Behindertenpastoral.

sich, nicht Objekte der Seelsorge

zu sein sondern Partner, Fachleute

in eigener Sache. Nicht nur in

baulicher und technischer Hinsicht

gelte es Barrieren abzubauen,

sondern auch in den Köpfen.

Dies ist auch das Anliegen

des Sachausschusses Behindertenpastoral

im Eichstätter Diözesanrat,

der vor zehn Jahren entstand.

Die stellvertretende Vorsitzende

Agathe Herrmann-Schmidt hält

bei der Ausstellungseröffnung eine

berührende, persönliche Rede. Sie

erzählt darin, wie sie einst als junge,

hochmotivierte Lehrerin an einer

Gehörlosenschule einen Elternabend

hielt und dann von einem

gehörlosen Vater gesagt bekam:

„Ich habe zu Ihnen kein Vertrauen,

weil Sie nicht gehörlos sind.“

Zunächst sei sie irritiert, ja gekränkt

gewesen, „aber kurz darauf

begegnete mir ein Wort aus dem

Korintherbrief: ‘Allen bin ich alles

geworden’. Und da hab’ ich plötzlich

die Vorbehalte der Gehörlosen

verstanden: Es genügt nicht,

sich in einen Stuhlkreis zu setzen

und jedem einen Platz zu geben,

sondern es braucht einen Prozess,

sich gegenseitig mit neuen

Augen zu sehen“. Irgendwann, so

ihre Hoffnung, „sind wir vielleicht

auch in der Lage, die Plätze zu

tauschen“.

Gabi Gess

Die Ausstellung „Alle inklusive“

ist letztmals am Sonntag, 23. Juni,

in der ehemaligen Johanniskirche

in Eichstätt zu sehen. An diesem Tag

findet um 15 Uhr im Dom auch

der Abschlussgottesdienst zu dem

Projekt der Behindertenpastoral

statt. Infos unter „www.bistumeichstaett.de/behindertenpastoral/

alle-inklusive/“. Ein Hörfunkbeitrag

von Radio K1 ist ebenfalls auf der

Internetseite der Diözese abrufbar.

Im wahrsten Sinne gespickt mit Symbolik ist der Stuhl Abb. l.), den die

Ingolstädter Pfarrei St. Augustin gemeinsam mit einer Gruppe der

Lebenshilfe anfertigte: „Ich fühle einen Stich ...“. Rechts im Bild ein weiterer

Stuhl aus Ingolstadt: Firmlinge aus der Pfarrei St. Pius haben ihn gestaltet.

Zur Ausstellungseröffnung konnten sie aber nicht kommen, weil zeitgleich

die 72-Stunden-Aktion des BDKJ lief.

Pfarrei und Kindergarten Holnstein sowie die örtliche Regens Wagner-

Einrichtung bekamen zwei Stühle – und verbanden sie mittels Zwischenstück

kurzerhand zu einer Bank unter dem Motto „Bei uns haben alle Platz“.

Fotos: Gess


4

S T I C H W O R T

T H E M A D E R W O C H E Nr. 27 · 7. Juli 2013

Der Pfarrgarten als Klassenzimmer

Gaimersheimer Mittelschüler erleben „Kirche im Zelt“ / Testlauf im Bistum Eichstätt

Okay, Leute, dann fangen wir

an“, sagt der Typ im grünen

Sweatshirt zu den Schülerinnen

und Schülern der 6c, die ihn mit

einer Mischung aus Skepsis und

Spannung mustern. „Ich bin der

Christoph, 34 Jahre alt und Jugendseelsorger.

Wenn ich ein bisschen

Freizeit hab, dann mach ich gerne

Musik.“ Wenige Meter entfernt

stellt sich gerade ein weiterer

Jugendpfarrer, Bernhard Kroll, der

6d vor. Beide Klassen sitzen auf

Klappbänken unter einem Dach

aus weißer Plane. „Kirche im Zelt“

lautet die Devise im Gaimersheimer

Pfarrgarten, der für etwa

90 Sechstklässler der örtlichen

Mittelschule – eingeteilt in zwei

Gruppen – jeweils drei Tage lang

zum Klassenzimmer geworden ist.

Ein in der Diözese Eichstätt bislang

Projekt, dessen Zukunft noch offen

ist.

„Mit der Schule zusammen

zuarbeiten ist unerlässlich, gerade

in Zeiten der Ganztagsschule“,

meint Hannah Lehner. Die langjährige

Diözesanvorsitzende der

Katholischen Landjugend im

Bistum Eichstätt hat nach ihrem

Lehramts-Studium vorübergehend

eine Projektstelle im Bischöflichen

Jugendamt Eichstätt inne. Ihre

Hauptaufgabe ist es, gemeinsam

mit Pastoralreferent Thomas Bösl

und einem festen Stamm Ehrenamtlicher

„Tage der Orientierung“

(TdO) für Schulklassen anzubieten

(siehe Kasten unten). An ihrem

„Tage der Orientierung“

Fotos: Gess

Gott empfängt Eure Nachrichten, vertraut darauf! Jugendseelsorger

Christoph Witczak aus Schelldorf im Gespräch mit der Klasse 6c. Rechts

im Bild Hannah Lehner vom Bischöflichen Jugendamt Eichstätt, treibende

Kraft bei „Kirche im Zelt“ und Betreuerin bei „Tagen der Orientierung“

Thomas Bösl, Referent für

Schul- und Jugendpastoral,

ließ es sich nicht nehmen, bei

„Kirche im Zelt“ vorbeizuschauen.

„Es wäre klasse, wenn man das

ausweiten könnte“, meint er.

Gemeinsam mit Dr. Peter Nothaft

ist Bösl in der Bischöflichen

Schulabteilung Ansprechpartner

für „Tage der Orientierung“ in allen

Schularten. Für die Organisation

von Besinnungstagen für Hauptschüler

waren früher die katholischen

Jugendstellen zuständig.

Im Zuge von Umstrukuturierungen

„können sie das aber heute nicht

mehr leisten“, erläutert Bösl.

In der Regel finden die „Tage

der Orientierung“, die von der

Diözese bezuschusst werden, in der

neunten Jahrgangsstufe statt und

dauern drei Tage. Neben dem

Jugendhaus Pfünz nennt Bösl

weitere Quartiere: das Jugendhaus

Habsberg, die alte Schule Morsbach

oder die Oase Steinerskirchen.

Rund 30 Gruppen hat

Bösl mit Hannah Lehner in

diesem Schuljahr schon geleitet.

„Schulen, die schon einmal ‘Tage

der Orientierung’ durchgeführt

haben, fragen immer wieder nach“,

verweist er auf die große Nachfrage,

die die Kapazität seines

Teams weit übersteigt. Seit Jahren

engagiert die Schulabteilung Studenten

als zusätzliche Betreuer.

Aber durch das neue Studiensystem,

bei dem Anwesenheitspflicht

herrscht, „können viele nicht drei

Tage lang weg“, klagt Bösl. „Das

ist für uns ein großes Manko.“

Generell können Schulen, so

wie die Mittelschule Gaimersheim,

auch selbst „Tage der

Orientierung“ bestreiten. „Dazu

braucht es aber sehr engagierte

Lehrer oder Mitarbeiter der

Schulpastoral vor Ort“, schränkt

Bösl ein.

gg

Handgelenk baumelt das gelbe

TdO-Bändchen, das alle Teilnehmer

am Ende der Besinnungstage erhalten

und oft lange tragen –

„Gott segne und behüte dich“, steht

darauf.

„Kirche im Zelt“ knüpfe an das

Konzept der TdO an, erläutert

Lehner. Der Schwerpunkt liege auf

der Förderung der Klassengemeinschaft

und des Zusammengehörigkeitsgefühls.

Nur dass die Schüler

und ihre Betreuer dafür nicht

extra in ein Jugendhaus oder eine

Herberge reisen, sondern am Schulort

bleiben. Außerdem werden,

anders als bei den TdO, Jugendseelsorger

mit einbezogen.

Die Idee zu „Kirche im Zelt“

hatte Pfarrer Franz Glötzner schon

vor einigen Jahren vom Katholikentag

in Osnabrück mitgebracht.

Der Schelldorfer Jugendpfleger

Wolfgang Kronauer erarbeitete ein

Konzept, das nun erstmals in die

Praxis umgesetzt wurde und bei

Urvertrauen: Ihre Eltern nannten

die meisten Sechstklässler bei

einer Gruppenarbeit als erste

Anlaufstelle, wenn sie traurig sind.

dem er selbst mit von der Partie

war. Finanziert wurde das Projekt

durch den Fond für Kommmunale

Jugendarbeit des Landratsamts

Eichstätt.

Die Gaimersheimer Mittelschule

bot sich für die Premiere besonders

an, weil es dort eine feste Ansprechpartnerin

für Schulpastoral gibt:

Religionslehrerin Martha Schiener.

„Für uns ist es toll, dass die Martha

dabei ist“, meint Hannah Lehner.

Denn während der gemeinsamen

Tage, in denen die Betreuer

ein Vertrauensverhältnis zu den

Schülern aufbauten, seien „schon

auch Probleme zur Sprache gekommen,

die wir in dieser kurzen

Zeit nicht lösen können“, wie etwa

Unstimmigkeiten innerhalb der

Klassengemeinschaft oder Belastendes

daheim. „Es gibt so viele

Gespräche, die sich sonst nicht

ergeben würden und die auch in

die Tiefe gehen“, bestätigt Schiener.

Und Lehner ergänzt, dass manche

Schüler daheim wenig Gelegenheit

hätten, sich auszusprechen, weil

ihre Eltern beruflich sehr eingespannt

seien. Eine Schülerin etwa

habe erzählt, dass ihr Vater gleich

nach Feierabend zu seinem Zweitjob

aufbreche – bis Mitternacht.

SMS VON GOTT

Gleichzeitig erweist sich bei

„Kirche im Zelt“ aber auch, wie

sehr die Pubertierenden ihre Eltern

noch brauchen. „Toll, dass sie das

so offen zugeben, meint Lehner.

Auf Zetteln sollten die Sechstklässler

die Frage beantworten:

„Wen rufst Du auf dem Handy an,

wenn du traurig bist oder es dir

schlecht geht?“ Die meisten schrieben:

„Meine Mama, meinen Papa.“

Das Handy dient Jugendseelsorger

Witczak auch als Einstieg

in die Gesprächsrunde:„Habt Ihr

gestern eine SMS bekommen?“,

fragt er lächelnd in die Runde und

weiß auch schon den Inhalt der

Nachricht: „Schön dass es dich

gibt. Melde dich, wenn du Hilfe

brauchst. Liebe Grüße von Gott!“

Klar habe nicht Gott diese SMS

verschickt, „sondern die Hannah“,

aber sie sei trotzdem als Einladung

von Gott zu verstehen. Umgekehrt

könnten die Schüler darauf vertrauen,

dass ihre Sorgen, Wünsche

und Gedanken bei Gott ankämen,

so wie sie auch beim Versenden


Nr. 27 · 7. Juli 2013

T H E M A D E R W O C H E 5

Z U M

T H E M A

Willibald in der Schule

Woher stammte der heilige

Willibald? Welche Pilgerreisen

unternahm er, ehe er

schließlich der erste Bischof von

Eichstätt wurde?

Für die Viertklässler der

Eitensheimer Grundschule sind

Wunibald. „Die Kinder fanden

ihn wirklich toll“, erzählt Oettl,

die nicht nur Religionsunterricht

in den Klassen eins bis vier gibt,

sondern zum Mitarbeiterteam

der bischöflichen Schulabteilung

Eichstätt gehört.

Foto: Gess

Gemeinsam schaffen wirs!: Das Kranspiel ist ganz schön knifflig und

fördert den Zusammenhalt der Klassengemeinschaft.

einer SMS oder einer Mail darauf

vertrauten, dass die ihren Weg

durchs Netz finde.

ZUSAMMENHALT ALS ZIEL

Etwa 20 Prozent der Schüler

kenne er von Veranstaltungen

für Firmlinge, meint der frisch

berufene Diözesanjugendpfarrer

Witczak, dessen Dienstsitz derzeit

noch die Jugendstelle Schelldorf

ist. Bei „Kirche im Zelt“ treffe er

aber auch Jugendliche, „die sonst

über die Jugendarbeit nicht zu

erreichen sind“.

Bernhard Kroll, Stadtjugendseelsorger

in Ingolstadt, beobachtet

lächelnd, wie sich die 6d mit

vereinten Kräften am Kranspiel

versucht. Acht Holzklötze müssen

dabei aufeinandergetürmt werden –

mittels eines Hakens, der von allen

Schülern gleichzeitig gesteuert

wird. „Hier gehts auch darum,

sich auf den anderen einzulassen“,

stellt Kroll fest, während ein lauter

Triumphschrei ertönt: Aufgabe

erfolgreich gelöst!

Vom „Schülersalat“ über das

„Klassenbingo“ bis zum abschließenden

„Spiel ohne Grenzen“

Eine filzige

Angelegenheit:

Aus Wolle und

Schmierseife

formten

die Schüler lustige

Figuren.

Ganz nebenbei

kamen sie mit

ihren Betreuern –

drei pro Klasse –

ins Gespräch über

Gott und die Welt.

reichen die Mitmach-Angebote bei

„Kirche im Zelt“. All dies dient dem

Ziel, Sozialkompetenz zu schulen.

Religionslehrerin Schiener hat für

die Gaimersheimer Schüler schon

zahlreiche „Tage der Orientierung“

angeboten und weiß: Der Zusammenhalt

in der Klasse wird

spürbar besser. Daneben verstehe

sich „Kirche im Zelt“ aber auch

als Grundlage für Gespräche über

Gott und die Welt, meint Lehner. Es

gehe darum, „einfach da zu sein“.

Während des gemeinsamen Bastelns

seien Fragen gekommen: Warum

arbeitest Du bei der Kirche?

Glaubst Du daran, dass es Gott gibt?

Alle vier Klassen durften bei

„Kirche im Zelt“ Luftballons

steigen lassen. und konnten einen

Zettel mit auf die Reise schicken,

auf dem sie ein Gebet oder einen

guten Wunsch für den Finder des

Ballons geschrieben haben. Lehner

blickte dabei einem besonders

coolen Sprücheklopfer über die

Schulter – und war „total überrascht“:

Auf seinem Zettel stand

ganz schlicht: „Lieber Gott, ich

danke Dir, dass du für mich

da bist.“

Gabi Gess

Foto: vb

Nur einen Tag

mussten die Eitensheimer

Viertklässler

warten, bis sie von

Religionslehrerin

Marianne Oettl ihre

Probearbeit zurückbekamen.

Auch

Fragen zum Bistumspatron

wurden darin

gestellt. Für Florian,

Isabelle, Valentin

und Josefine (v. l.) ist

der heilige Willibald

kein Unbekannter. Als

Ministranten begegnen

sie seiner Statue regelmäßig

in der Kirche.

solche Fragen kein Problem. Von

ihrer Religionslehrerin Marianne

Oettl haben sie in den vergangenen

Wochen viel über den Bistumspatron

gehört. „Jesu Botschaft

weitertragen“ ist ein Kapitel ihres

Religionsbuchs überschrieben.

Darin erfahren die Kinder nicht

nur, wie viele Christen es heute

auf der ganzen Welt gibt und was

sie alle miteinander verbindet,

sondern auch, wie die ersten

Christen lebten und wie das

Christentum zu uns nach Bayern

kam. Die Mädchen und Buben begegnen

dem heiligen Bonifatius

und dessen angelsächsischen

Landsleuten Willibald und

Walburga. Die Probearbeit, die

Oettl gerade in ihrer Klasse geschrieben

hat, zeigt das Interesse

der Kinder am Thema: auf zwölf

von 18 Arbeiten steht eine Eins.

Mit ihren Schülern hat die

Religionslehrerin auch den

50-minütigen Dokumentarfilm

„Mission Bayern“ angeschaut,

der vor einem halben Jahr

in Eichstätt Premiere hatte und

bereits im Fernsehen ausgestrahlt

wurde. Er wurde an Originalschauplätzen

gedreht und beschreibt

die Pionierarbeit des

heiligen Willibald und seiner

Geschwister Walburga und

Nicht nur in der vierten Klasse,

sondern auch in anderen Jahrgangsstufen

lasse sich das Wirken

der Bistumspatrone vermitteln,

gibt Barbara Buckl, die stellvertretende

Leiterin der Schulabteilung,

Auskunft. Dies werde

sich auch nicht ändern, wenn

zum übernächsten Schuljahr

ein neuer Lehrplan komme.

„Die Diözesanheiligen haben

immer wieder ihre Bedeutung

und ihren Platz und es finden

sich ganz viele Anknüpfungspunkte“

– nicht zuletzt in der jetzt

beginnenden Willibaldswoche.

Die Schulabteilung erarbeitet

derzeit Hand in Hand mit

der Medienzentrale des Bistums

didaktisches Begleitmaterial für

die Fernsehdokumentation „Mission

Bayern“. Aspekte, die im

Film angerissen, aber nicht

weiter vertieft werden, kämen

dabei zur Sprache, kündigt

Studiendirektor i. K. Richard

Baumeister an. Das könne zum

Beispiel die Bedeutung von

Klöstern im Mittelalter sein, oder

die Geschichte des Pilgerwesens.

„Auch die Ökumene ist natürlich

ein wichtiger Punkt“, fügt

Baumeister hinzu. Zielgruppe

seien die Jahrgangsstufen fünf

bis zehn aller Schularten. gg

Foto: Gess


30_13 - 08_Musterseiten Bistum 23.07.13 13:54 Seite 8

8

Ich hatte furchtbares Herzklopfen“,

schreibt Lena Thiermann.

Die 18-jährige Eichstätterin

war „zur richtigen Zeit am richtigen

Ort“ und erlebte die Ankunft von

Papst Franziskus in Rio de Janeiro

hautnah (siehe Foto S. 13). Seit

Mitte Juli ist Thiermann in Rio,

um beim Weltjugendtag (WJT) als

Volunteer, als freiwillige Helferin,

mit anzupacken und Pilgergruppen

zu betreuen. Über Facebook berichtet

sie der Kirchenzeitung von

ihren ersten Erfahrungen.

Die Stimmung sei großartig

gewesen, als der Papst nur knapp

zwei Meter neben ihr vorbei gefahren

sei. „Aber trotz der Freude

die herrschte, kam bei uns auch

Sorge um den Heiligen Vater auf,

weil er offenbar so viel Vertrauen in

seine Pilger setzt, dass er in einem

offenen Auto durch die Menge

gefahren ist.“ Viele Pilger meinten

dies sei „verrückt“, schreibt

Thiermann. Sie selber bezeichnet

die Fahrt im offen Papamobil als

„sehr mutig und vertrauensvoll“.

Thiermann ist zusammen mit

ihrer Freundin Veronika Hiendl

und dem Schwabacher Benedikt

Rampelt nach Brasilien geflogen.

Die Drei kennen sich vom Weltjugendtag

in Madrid. Damals waren

sie als Pilger mit dabei, diesmal

sind sie als Volunteer noch näher

dran am Geschehen.

K I R C H E U N D W E LT Nr. 30 · 28. Juli 2013

Herzklopfen und Weißwurst im Glas

Was Jugendliche aus dem Bistum Eichstätt beim Weltjugendtag erleben

Fotos: Ann-Kathrin Tönnes (2), Kopf

Walzer trifft Samba: Bei der Missionarischen Woche in der Diözese

Coroatá tauschten sich Eichstätter Pilger und brasilianische Jugendliche

über Kultur und Bräuche aus.

„Mein

Arbeitsplatz“,

schreibt Veronika

Kopf. Die 24-jährige

Studentin aus

Eichstätt ist

Volunteer im

Pressezentrum in

den weißen Zelten

am Ende

des Strands.

nach São Luis. Endstation nach gut

30 Stunden Reise: die Diözese

Coroatá im Nordosten des Landes.

Auf dem Programm standen dort

neben dem Besuch von Basisgemeinden

sowie mehrerer sozialer

Einrichtungen auch die Besichtigung

verschiedener Sehenswürdigkeiten

und ein interkultureller

Abend mit Samba- und Walzereinlagen.

Hannah Lehner vom

Bischöflichen Jugendamt Eichstätt

hatte für die Tage der Begegnung

eigens Weißwürste im Glas mit

eingepackt. Schließlich sollten die

Brasilianer sich im Zutzeln üben.

FRISCHE KOKOSMILCH

„Die letzten Tage waren einfach

überwältigend. Wer das nicht mit

eigenen Augen sieht, kann sich

wahrscheinlich nur sehr schwer

vorstellen, was wir erlebt haben“,

fasst eine Bamberger Pilgerin ihre

Eindrücke zusammen. Bereits der

Empfang sei „eine große Überraschung“

gewesen, heißt es in

einem anderen Bericht der Bamberger

BDKJ-Pressesprecherin

Ann-Kathrin Thönnes. Etwa 200

Menschen hätten die deutschen

Gäste trommelnd, klatschend, singend,

jubelnd und tanzend begrüßt.

Bei ihren Gastfamilien bekamen

die Eichstätter und Bamberger

Einblicke in den Alltag der Ein-

FACEBOOK-NACHRICHTEN

Sieben Stunden dauert der

Arbeitstag von Veronika Kopf.

Die 24-Jährige aus Anzing bei

München studiert in Eichstätt und

ist bereits WJT-erfahren: in Köln

2005 war sie mit der Pfarrjugend

dabei, in Sydney 2008 mit dem

Bund der Deutschen Katholischen

Jugend Bayern und in Madrid vor

zwei Jahren als Einzelpilgerin.

Diesmal ist sie als Volunteer vor Ort

und hat ihren Arbeitsplatz gleich in

Strandnähe, im Presse-Zentrum.

Kopf ist in der Social Media-

Redaktion und kümmert sich

um eine Facebook-Seite und bedient

auch einen Twitter-Account,

einen Kurznachrichten-Dienst.

„Mit meiner Jobzuteilung bin ich

sehr zufrieden“, schreibt Kopf an

die KiZ. „Die ersten Tage hier

waren noch sehr entspannt, weil wir

immer nur höchstens halbtags Infoveranstaltungen

hatten – der Rest

der Zeit stand zur freien Verfügung.

Die Ingolstädterin Franziska Gampenrieder (r.) ist eine von fünf Pilgern

aus dem Bistum Eichstätt, die gemeinsam mit Jugendlichen aus Bamberg

nach Brasilien geflogen ist.

Daher konnte ich schon sehr viele

Sehenswürdigkeiten besuchen und

die Stadt erkunden.“ Mittlerweile

hat der WJT begonnen und Kopf ist

nun täglich von acht bis 15 Uhr

oder aber in der Schicht von 15 bis

22 Uhr im Einsatz, schreibt Berichte

und stellt Fotos auf die Internetseiten.

Von der Hilfsbereitschaft

der Brasilianer ist sie begeistert:

„Wenn sie das Gefühl haben, man

hat etwas nicht richtig verstanden,

wiederholen sie es so lange und

langsamer, bis man wirklich weiß,

was sie einem sagen wollen.“

Große Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft

erlebten auch die fünf

Eichstätter Pilger die zusammen

mit einer 24-köpfigen Gruppe aus

der Erzdiözese Bamberg nach

Brasilien gereist sind. Von Frankfurt

aus ging es über São Paolo

heimischen. Und natürlich durften

auch kulinarische Besonderheiten

nicht fehlen. So berichten die Pilger

in einem Internet-Tagebuch von

„frischer Kokosmilch“ bei einem

Stopp am Straßenrand, von „sehr

guten gerösteten Cashewkernen“

und von Reis und Fisch.

Nach der Missionarischen Woche

in der Diözese Coroatá flogen die

29 Eichstätter und Bamberger

Anfang der Woche weiter nach Rio.

Wie die Deutsche Bischofskonferenz

meldet, sind rund 2.000 Jugendliche

aus Deutschland beim WJT angemeldet.

Mehr über den Eröffnungsgottesdienst,

die Messe mit Papst

Franziskus, die Arbeit der Helfer

und die Erlebnisse der Pilger, lesen

sie in der kommenden Ausgabe der

KiZ.

Andrea Franzetti


Nr. 32/33 · 11./18. August 2013

Einen Lötkolben und einen

Meterstab hatten Michael

Plitzner und Benedikt Grammer

bei der Besteigung der Türme des

Eichstätter Doms mit dabei: einfache

Technik, Hilfsmittel für ihre

Untersuchungen an den Glocken.

Ihr eigentliches Gepäck aber

bestand aus Hightech-Geräten, aus

sensiblen Mikrofonen, Beschleunigungssensoren

und auch einem

Computer. Drei Tage lang waren

die Mitarbeiter des Europäischen

Kompetenzzentrums für Glocken

der Hochschule Kempten im Bistum

Eichstätt unterwegs, zunächst in

Kastl und anschließend in Eichstätt.

DIAGRAMME IM LABOR

Fünf Glocken des Domgeläuts

nahmen sie genauer unter die Lupe.

Diplom-Ingenieur Plitzner verkabelte

dabei unter anderem die

Marienglocke aus dem Jahr 1299.

Vor einem Jahr waren mehrere der

18 Domglocken saniert worden

(die KiZ berichtete). Ausgehend von

umfangreichen Untersuchungen

hatten einige Glocken neue

Klöppel, neue Läutemotoren und

restaurierte Joche erhalten. Ziel der

umfangreichen Revision damals:

die Belastung der Glocken zu

reduzieren und bessere Klänge erzielen.

Ob das Ziel erreicht wurde,

wollten Plitzner und sein Assistent

Grammer nun überprüfen.

Immer wieder läuteten in diesen

Tagen außerplanmäßig einzelne

Glocken, brachten die Techniker

das Geläut mit dem Motor oder

von Hand in Schwung, um Daten

zu sammeln. In der Glockenstube

platzierten sie ein kleines Richtmikrofon

in genau demselben

Abstand zur Glocke wie bei der

ersten Messung vor vier Jahren

(daher der Meterstab). Am Klöppel

befestigten sie einen Beschleunigungssensor

und von außen an

der Glocke brachten sie einen

Dehnungsmessstreifen (daher der

Lötkolben) an. Alles Geräte und

Software die auch im Maschinenund

Automobilbau zum Einsatz

kommen, erläuterte Plitzner. Die

Programme und Messapparate

würden für Crash-Tests und

Materialprüfungen verwendet.

Von allen Messpunkten aus

führten Kabel zu einem Rechner,

der die Daten sammelte. Im Labor

an der Hochschule in Kempten

erfolgt später die eigentliche

A U S D E M B I S T U M 5

Crashtest-Programm im Dom

Glockenkompetenzzentrum Kempten nimmt Eichstätter Geläut unter die Lupe

Foto: Franzetti

Auswertung der Daten und der

Vergleich zu den vorherigen

Messungen. Doch bereits nach

den ersten Untersuchungen zeigte

sich Plitzner zufrieden. Es gäbe

wohl „nur noch minimalen

Optimierungsbedarf“ im Bereich

der Läutemaschine. Eichstätts

Glockensachverständiger Thomas

Winkelbauer lobte den neuen

E I N B I L D – EI N W O R T – EI N M E N S C H

OSTERN IM SOMMER

Mitten im Sommer feiert die Kirche am

15. August das Fest der Aufnahme Mariens in

den Himmel.

Aufnahme in den Himmel setzt das Sterben

voraus.

Das Foto zeigt einen Ausschnitt aus dem Hauptportal

des Eichstätter Doms.

Der Künstler hält in einem farbigen Steinrelief

(um 1400) den Moment des Sterbens Mariens fest:

Maria liegt auf dem Sterbebett. Um sie sind betend

die zwölf Apostel versammelt. In der Mitte steht alle

überragend Jesus und trägt die Seele seiner sterbenden

Mutter wie ein kleines Kind auf seinem Arm.

Kontroll-

Messung:

Benedikt

Grammer,

Diplom-Ingenieur

Michael

Plitzner und

Eichstätts

Glockensachverständiger

Thomas Winkelbauer

(v. l.) an

der Marienglocke

im Dom.

Text: Domkapitular Josef Blomenhofer, Dompfarrer. Foto: pde

Klang und das viel harmonischere

Läuten nach der Revision. Der

Aufwand habe sich gelohnt,

sowohl in finanzieller als auch

in untersuchungstechnischer Hinsicht.

Von den Ergebnissen der

Messungen am Dom würden

auch andere Kirchen im Bistum

profitieren. Die Messergebnisse

ließen sich besonders für die

Berechnung der Klöppel und

Anschlagwinkel nutzen.

ZWÖLFUHRLÄUTEN

Das sanierte und neu eingestellte

Geläut des Doms ist am

Donnerstag, 15. August, um 12 Uhr

im Radio zu hören. Die Sendung

„Zwölfuhrläuten“ auf Bayern 1

kommt an Maria Himmelfahrt aus

der Domstadt. Andrea Franzetti

Das Bild bringt den christlichen Glauben zum

Ausdruck: Der Tod Mariens geht in eins mit ihrer

Aufnahme in den Himmel. Das Sterben ist ein Hineingeboren-werden

in die ewige Gemeinschaft mit Gott.

So feiert die katholische Kirche mitten im Sommer

ein österliches Fest.

Das Bild sagt mir: Ich muss vor dem Tod nicht in

Angst und Schrecken verfallen. Mein Sterben ist ein

Aufgenommen-werden ins ewige Leben.

Dieser Glaube bereichert mein Leben schon hier

auf Erden. Er schenkt mir Gelassenheit in der Hetze,

Zuversicht, wenn es ausweglos scheint, und Kraft in

schwierigen Situationen.

Den Geistlichen Impuls „Ein Bild – ein Wort – ein Mensch, der dahintersteht“ finden Sie jede Woche

auch im Internet unter „www.bistum-eichstaett.de/geistlicher-impuls“.


8

Noch knapp eine Woche bis zur

großen bundesweiten Sozialaktion

des Bundes der Deutschen

Katholischen Jugend (BDKJ). „Wir

freuen uns, dass sich im Bistum

Eichstätt über 50 Aktionsgruppen

mit mehr als eintausend Teilnehmenden

angemeldet haben“,

stellt Christoph Raithel vom Eichstätter

BDKJ-Diözesanvorstand fest.

„Was uns besonders begeistert, ist

die Vielfältigkeit der Projekte. In

vielen Gemeinden wird richtig

‘Hand angelegt’, renoviert und

neugebaut, was das Zeug hergibt.

Es gibt aber auch viele Projekte,

bei denen sich Jugendliche mit

anderen Menschen beschäftigen.“

Dass sich in den einzelnen Gruppen

nicht nur katholische Jugendliche

engagieren, zeige, „dass die Aktion

breit aufgestellt ist“. Und das ist

wahrlich nicht übertrieben. Die KiZ

hat sich im Vorfeld bei beteiligten

Gruppen nach ihren Plänen für den

13. bis 16. Juni erkundigt.

„Schenke Senioren deine Zeit

und erfahre ihre Lebensgeschichte“,

so lautet zum Beispiel

der Auftrag der Dekanatsjugend

Herrieden für die drei Aktionstage.

Zwei Gruppen werden dabei im

Plausch mit alten Menschen die

Ohren spitzen: zum einen ein Team

des BDKJ-Dekanatsvorstands, zum

anderen eine etwas jüngere Truppe

aus Neuendettelsau, die überwiegend

aus Ministranten besteht.

Ihre Gesprächspartner finden die

Jugendlichen in Altenheimen, aber

auch in der eigenen Familie. Wie

haben die alten Leute einst ihre

Schul- und Lehrzeit oder ihre erste

große Liebe erlebt? Welche Rolle

spielte der Glaube, der Kirchgang?

Wie verbrachten sie ihre Freizeit

A U S D E M B I S T U M Nr. 23 · 9. Juni 2013

Mit Pinsel, Kochtopf und Notizblock

Was sich Jugendgruppen im Bistum zur 72-Stunden-Aktion einfallen lassen / Start am 13. Juni

S E R V I C E

Zum Auftakt-Gottesdienst

der 72-Stunden-Aktion im

Bistum Eichstätt sind alle

Interessierten eingeladen. Er

findet am Sonntag, 9. Juni,

um 10.30 Uhr im Eichstätter

Dom statt und wird zelebriert

vom jüngst ernannten Diözesanjugendpfarrer

Christoph

Witczak. Die Feier wird von der

BDKJ-Band umrahmt, die zum

Einzug den offiziellen Song

zu der bundesweiten Jugendaktion

spielen wird. red

Probekochen in

Ornbau (Abb. o.).

Die Pfarrjugend lädt

Senioren zum dreigängigen

italienischen Menü ein.

Julia Oppel vom BDKJ-

Vorstand Herrieden

(Abb. r.) wird ihre

Oma Anna interviewen,

wie sich deren Leben als

Jugendliche gestaltete.

Sie schließt sich damit

einer Erzähl-Aktion

der Dekanatsjugend

Herrieden an.

und wie konnten sie sich überhaupt

verabreden, wo es doch damals

weder Handys noch Internet gab?

Auch die Gruppe „Kirchenmäuse“

aus Gaimersheim, bestehend

aus elf- und zwölfjährigen

Ministrantinnen, findet „dass Jung

und Alt zusammengehören und dass

es keine Berührungsängste und Vorurteile

vor dem jeweils anderen

geben darf“. Deshalb haben die

Mädels sich mit Gemeindereferentin

Pia Lang vorgenommen, die 72-

Stunden-Aktion im Caritas-Seniorenheim

St. Elisabeth zu verbringen.

Rekordverdächtig ist die Altersspanne

einer Teilnehmergruppe aus

Winkelhaid-Burgthann: „Wir sind

zwischen 15 und 65 Jahren,

vom Schüler bis zum Rentner“,

informiert Julia Wolf, die sich

als Gruppenleiterin in der Pfarrei

engagiert. Zusammen möchte das

Team ein kleines Waldgrundstück

hinter dem Pfarrheim zum Freiluft-

Treff mit Grillmöglichkeit machen.

Wo kann man im Altmühltal

Produkte aus dem fairen Handel

erwerben? Darüber möchte die

Kolpingjugend im Diözesanverband

Eichstätt informieren. Ein zehnköpfiges

Team hat dazu eine Broschüre

zusammengestellt, die es

während der Aktionstage unter die

Leute bringen möchte. „Wir haben

uns bereits in den vergangenen

zwei Jahren sehr viel mit dem

Thema Fair Trade auseinandergesetzt“,

berichtet Julia Mayer von

der Diözesanleitung. Vom 13. bis

zum 16. Juni wollen die Kolping-

Mitglieder in die Diözese ausschwärmen

und regionale und fair

gehandelte Produkte mitnehmen.

„Wir bringen Essen mit und Kaffee

und stellen uns auf die Marktplätze“,

kündigt Mayerhöfer die

Fotos: vb

Aktion an, die von Sponsoren

unterstützt wird.

Nicht ganz uneigennützig ist die

geplante Aktion der Pfadfinder aus

Gunzenhausen. Die Mitglieder des

Stammes St. Marien wollen ihren

Lagerraum auf dem Zeltplatz Altmühlsee

Pavillon renovieren und

den Außenwänden ein wenig neue

Farbe verpassen. Ebenfalls zu Pinsel

und Farbeimer greifern die Ministranten

aus Röttenbach. Wie Oberministrantin

Annika Pflock erklärt,

soll im Rahmen der 72-Stunden

Aktion das Jugendhaus Fiegenstall

auf Vordermann gebracht werden.

Unterstützt werden die Minis dabei

von rund 20 Mitgliedern der Jugendgruppe

Power On aus Röttenbach

und der Katholischen Landjugendbewegung

Nassenfels.

Alleinerziehenden Müttern unter

die Arme zu greifen, das hat sich

die Pfarrjugend St. Anton in Ingolstadt

vorgenommen. Fünf Familien

wollen die 25 Jugendlichen und

jungen Erwachsenen unterstützen:

hier kleine Renovierungsarbeiten

übernehmen, dort ein Kinderbett

zusammenbauen. Auch einen

Ausflug mit den Kindern in den Zoo

soll es geben, kündigt Ansprechpartnerin

Heidi Stachel an. Mit

einem Kuchenverkauf hatte sich

die Gruppe bereits ein finanzielles

dafür Polster geschaffen.

In Ornbau soll ein Hauch von

Bella Italia wehen. Das zumindest

erhoffen sich die rund 20 Jugendlichen

aus der Pfarrei die ein

italienisches Mittagsmenü kochen

wollen. Zum Essen haben sie rund

30 Senioren eingeladen. Gekocht

wird im Pfarrheim und nach dem

Essen sind noch eine Bilderpräsentation

zu Italien, Sketche sowie

Kaffee und Kuchen vorgesehen.

Gut möglich, dass die eine

oder andere Gruppe während

der 72-Stunden-Aktion Lob von

prominenter Seite erfährt: In Eichstätt

startet am Samstagmorgen

(15. Juni) ein Bus, der den ganzen

Tag im Bistum unterwegs ist.

An Bord sind – zumindest zeitweise

– die Schirmherren der

Aktion, Sozialministerin Christine

Haderthauer, Dompropst em.

Johann Limbacher und Bischof

Dr. Gregor Maria Hanke OSB.

Einladung erging auch an die

Mitglieder des Domkapitels, informiert

BDKJ-Referentin Stephanie

Bernreuther.

af/gg


Nr. 37 · 15. September 2013

Am 3. und 4. Oktober wird mit

einer zweitägigen Wanderung

der neue Ökumenische Pilgerweg,

der von Eichstätt nach Heidenheim

am Hahnenkamm führt, erstmals

von einer Wallfahrergruppe komplett

beschritten, nachdem in den vergangenen

zwei Jahren bereits auf

Teilstrecken „probegepilgert“ wurde

(die KiZ berichtete). Der Zweckverband

Kloster Heidenheim und

das bayerische Pilgerbüro laden

gemeinsam zu dieser Erstbegehung

ein.

Der neue Pilgerweg verbindet

zwei kirchliche Zentren, die im

Frühmittelalter eine Schlüsselrolle

bei der Christianisierung in Bayern

und Franken spielten. Er folgt den

Spuren der südenglischen Heiligen

Willibald, Walburga, Wunibald und

Sola, die dort im achten Jahrhundert

im Auftrag des heiligen Bonifatius

missionierten.

SPIRITUELLE ERFAHRUNG

Auf zum Teil schmalen Pfaden

erschließt der Weg eine abwechslungsreiche

Landschaft inmitten

des Naturparks Altmühltal und der

Region Altmühlfranken. Bedeutende

Kulturdenkmäler säumen den Weg.

Vom Eichstätter Dom aus, wo die

Wanderung am 3. Oktober um

9 Uhr beginnt, geht es über den

Altmühltal-Panoramaweg zunächst

zum legendären Sezzi (siehe

Kasten), dem historischen Treffpunkt

der Heiligen bei Bieswang,

und dann weiter zur Michaeliskirche

nach Suffersheim (Laufstrecke

etwa 22 Kilometer), wo sich

bis Ende des 14. Jahrhunderts das

Grab der heiligen Gunthildis befand.

Die Heilige wurde um das Jahr 1000

in Suffersheim geboren. In Legenden

wird sie als fromme Dienstmagd,

mildtätige Frau und Nothelferin

für krankes Vieh beschrieben.

Nach einer Übernachtung im

Evangelischen Bildungshaus Pappenheim

(Bustransfer und Unterkunft

sind organisiert) beginnt

der zweite Pilgertag an der ökumenischen

St. Gunthildiskapelle bei

Suffersheim, dem „Schneckenhaus

Gottes“, von wo aus der Weg an

den Ruinen der mittelalterlichen

Wallfahrtskapelle vorbei durch das

liebliche Schambachtal zum Nagelberg

führt. Vorbei an Treuchtlingen

markieren Wettelsheim, die Steinerne

Rinne bei Wolfsbronn und die

Hochfläche des Hahnenkamm den

zweiten Streckenabschnitt (insgesamt

28 Kilometer), bevor die Pilgertour

am Nachmittag mit einer

Münsterführung in Heidenheim

ihren krönenden Abschluss findet.

Die Leitung an beiden Tagen hat

Heinz Ottinger aus Weißenburg

übernommen, Initiator und geistiger

Vater des Pilgerweges sowie ausgewiesener

Kenner der Region.

„Die Geschichte unserer Diözese

hat dort begonnen“, begründet er

U N T E R W E G S 31

An der Wiege der Bistumsgeschichte

Ökumenischer Pilgerweg von Eichstätt nach Heidenheim wird erstmals komplett begangen

Blick ins Weite: Bereits zweimal wurden Teilstücke des Ökumenischen Pilgerwegs von großen Gruppen begangen.

Z U

T H E M A

seinen jahrelangen Einsatz für das

Projekt. Die Teilnehmer der ersten

offiziellen Pilgerwanderung finden

auf der insgesamt 51 Kilometer

langen Strecke regelmäßig Hinweisschilder.

Geistliche Impulse unterwegs

setzen Domvikar Reinhard

Kürzinger, der Leiter der Diözesan-

Pilgerstelle Eichstätt und Dekan

Klaus Kuhn (Heidenheim). In der

Einladung zur Pilgerwanderung

heißt es: „Der neue Weg ist dem

AUF DER SUCHE NACH SEZZI

Nach dem Tod des heiligen

Willibald besiegelte König

Arnulf von Kärnten im Jahr 889

eine Urkunde, mit der er der

Kirche von Eichstätt neben einem

Teil des Weißenburger Reichsforstes

auch einen Ort schenkte,

der mit Sezzi bezeichnet wurde

und in der Nähe der heutigen

Ortschaft Bieswang liegt. Dort

sollte nach Arnulfs Wunsch eine

Kirche errichtet werden zu Ehren

der Heiligen Bonifatius, Willibald,

Wunibald und Sola, mit

denen sich Willibald mehrfach

getroffen haben soll.

„Ob tatsächlich eine Kirche

gebaut worden ist, wissen wir

nicht“, sagt Heinz Ottinger,

der Initiator des Ökumenischen

Pilgerwegs von Eichstätt nach

Heidenheim. Er ist auf den

Ort Sezzi (möglicherweise

abgeleitet von dem lateinischen

Begriff seccessio = Abtretung)

gestoßen, als er eine wissenschaftliche

Arbeit des Weißenburger

Gymnasiallehrers und

anerkannten Siedlungsforschers

Professor DDr. Friedrich Eigler

las. Gemeinsam mit ihm, mit

Vertretern der Stadt Pappenheim

und des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen

„haben wir

diesen Punkt dann lokalisiert“.

Demnach lag der Treffpunkt von

Willibald, Wunibald und Sola

etwa einen Kilometer östlich

von Bieswang am Schnittpunkt

der alten Römerstraße mit

mehreren Flurwegen. „Es liegt

mir sehr viel daran, diesem Ort

auf dem Pilgerweg einen besonderen

Stellenwert zu geben“,

sagt Ottinger. Kürzlich war er

Teilnehmer an einer Studienfahrt

nach England – über die

er in der KiZ berichtete) und

hat dabei auch Bischof Dr. Gregor

Maria Hanke OSB seine Vorstellungen

von einem Denkmal

erläutert.

gg

ökumenischen Gedanken fest

verbunden. Er will an eine jahrhundertealte

Pilgertradition auf

dieser Strecke anknüpfen und

Wandern wieder als spirituelle Erfahrung

erlebbar machen. Dabei

soll dieser Weg aber auch einem

lebendigen Austausch zwischen

katholischen und evangelischen

Christen dienen, so dass er buchstäblich

vom Getrenntsein zu einem

Miteinandergehen“ führt.

Die Teilnehmergebühr beträgt

55 Euro für Übernachtung im

Doppelzimmer, 62 Euro im Einzelzimmer.

Der Preis umfasst auch

Abendessen, Frühstück und Bustransfer

zwischen Suffersheim und

Pappenheim. Gabi Gess

Weitere Informationen und Anmeldung

über die Diözesanpilgerstelle

Eichstätt, Tel. 08421/50690;

E-Mail: „pilgerbuero@bistum-eich

staett.de“ oder beim Dekanat

Heidenheim, Tel. 09833/275; E-

Mail: „dekanathdh@freenet.de“.

Foto: Ottinger


4

T H E M A D E R W O C H E Nr. 41 · 13. Oktober 2013

Partnerschaft auf festem Grund

Der Diözesanrat Eichstätt tagte im Partnerbistum Leitmeritz / Memorandum unterzeichnet

Jede Menge Premieren für die

Bistümer Eichstätt und Leitmeritz

gab es am ersten Oktoberwochenende.

Die wichtigsten: Zum

ersten Mal in seiner Geschichte

tagte der Eichstätter Diözesanrat

außerhalb seines Bistums, und zum

ersten Mal haben beide Bistümer

ihre jahrzehntelangen Beziehungen

auf eine neue Grundlage gestellt.

Die Diözesanbischöfe Gregor Maria

Hanke OSB und Jan Baxant unterzeichneten

nach einem feierlichen

Pontifikalamt im Dom St. Stephan

in Leitmeritz ein Memorandum zur

Bistumspartnerschaft.

LEITMERITZER LAGEBERICHT

Fast 60 Teilnehmer hatten sich

auf den Weg nach Nordböhmen

gemacht, neben dem Bischof auch

die Domkapitulare Alfred Rottler

und Prälat Christoph Kühn, Weltkirchebeauftragter

des Bistums

Eichstätt.

Gleich am ersten Abend

schilderten Bischof Baxant und

sein Generalvikar Stanislav Pribyl

den Gästen aus Eichstätt die

pastorale Situation in der Diözese

Leitmeritz. Der Neuaufbau des

geistlichen Lebens in Tschechien

müsse sehr langsam und Schritt für

Schritt erfolgen, erklärte Bischof

Baxant. Dabei sprach er der

Eichstätter Delegation seinen Dank

dafür aus, dass diese das Bistum

Leitmeritz in seinen Bemühungen

unterstützten. Generalvikar Pribyl

lieferte nicht nur eine Menge

Z U M

T H E M A

Besiegelt:

Die Bischöfe von

Eichstätt und

Leitmeritz unterzeichnen

das

Memorandum zur

Partnerschaft der

beiden Diözesen in

einem feierlich Akt

(Abb. o.).

Vor dem Pontifikalamt

hielten die

beiden Oberhirten für

ein paar Augenblicke

betend vor dem

Allerheiligsten inne

(Abb. r.).

Aus erster Hand wollten die Eichstätter

Informationen und einen Austausch

darüber, wie Partnerschaft gelingen kann.

„Menschen in der Mitte Europas – Nachbar

sein – zum Nächsten werden“ war ein

Podiumsgespräch überschrieben, in dem Dr.

Jan Heinzl, Geschäftsführer der Sdruzeni

Ackermanngemeinde in Tschechien und

Eichstätts Diözesanratsvorsitzender Christian

Gärtner, moderiert von KiZ-Redaktionsleiter

Michael Heberling, zunächst ihre jeweiligen

Organisationen und Gremien vorstellten, um

dann die wichtigsten aktuellen Herausforderungen

in ihrem Land und ihrer Region zu

beleuchten. Ein dritter Gesprächspartner aus

dem nahen deutschen Bistum Dresden-

Meißen, zu dem sowohl Eichstätt als auch

Leitmeritz Beziehungen pflegen, musste seine

Teilnahme kurzfristig absagen.

Fotos: Heberling

aktueller Zahlen, sondern verstand

es auch, die gegenwärtige Situation

aus den historischen Entwicklungen

heraus verständlich zu machen.

Heute sind im gesamten Bistum

rund zwölf Prozent der 1,3 Millionen

Einwohner katholisch. Die 437

Pfarreien werden von 77 Diözesanpriestern

und 40 Ordenspriestern

betreut. Auch wenn nur 7,9 Promille

der Gesamtbevölkerung in der

Diözese regelmäßig Gottesdienste

besuchen, so Pribyl, „ist der Glaube

in unserer Diözese dennoch lebendig“.

Die Bemühungen um eine

wirtschaftliche Konsolidierung der

Diözese, die durch die politische

und staatsrechtliche Lage im Land

unumgänglich wurden, schilderte

der Generalvikar eindrücklich.

VERSTEHEN LERNEN

In dem nun unterzeichneten

Memorandum wird die Verbindung

zwischen beiden Diözesen, die auf

Kontakte Heimatvertriebener aus

den Gebieten in Nordböhmen bis in

die ersten Nachkriegsjahre zurückreicht,

urkundlich besiegelt.

Die Bischöfe betonen, dass die

Diözesanpartnerschaft vor dem

Hintergrund historischer und kultureller

Anknüpfungspunkte einem

interkulturellen und weltkirchlichen

Denken und Arbeiten den

Rahmen vorgeben und die Einheit

im Glauben und in Werken der

christlichen Liebe fördern wolle.

Der Text des Memorandums verweist

auch ausdrücklich auf die

ERSCHEINUNGEN DER KRISE, VISIONEN DER HOFFNUNG

Foto: pde/Staudt

Den Zustand seines Landes schilderte Jan

Heinzl ungeschminkt. Wenngleich die Entwicklung

nach der Wende im Großen und

Ganzen als positiv bezeichnet werden könne,

falle in allen gesellschaftlichen Bereichen

ein „Fehlen“, der „Verlust“ ins Auge: ein

„Verlust an Staat, an Nation, an Religion“, das

„Fehlen von Überzeugungen, von Sicherheiten,

von Perspektiven“. „Krisenerscheinungen und

resultierende Entsolidarisierungstendenzen“

machte auch Christian Gärtner in seinem Land

aus. Wenn Partnerschaft, wenn Nachbarschaft,

gelingen solle, darin waren sich Gärtner und

Heinzl einig, dann nicht administrativ und

strukturell, sondern nur, indem es „um den

Einzelnen geht, um das Persönliche“.


Nr. 41 · 13. Oktober 2013

T H E M A D E R W O C H E 5

im Zweiten Vatikanischen Konzil

formulierte Vision einer Weltkirche,

die der Zunahme der

gegenseitigen Verflechtungen unter

den Menschen dient.

Ziel der Begegnung und des

Austauschs sei es nicht, Konzepte

voneinander zu kopieren. „Ziel ist

vielmehr, dass wir einander so

begegnen, dass wir den anderen in

seinem Anderssein wahrzunehmen

lernen, vielleicht auch beginnen

verstehen zu lernen.“ Angestrebt ist

ein Austausch darüber, wie das

jeweilige Bistum aus dem Glauben

Antworten auf die Lebensfragen zu

finden sucht. Zur „Sicherstellung

der Kontinuität der kommunikativen

Lernprozesse“ werden in jedem

Bistum Verantwortliche benannt.

Die Fachlichkeit der Solidaritätsprojekte

soll durch die Kooperation

Leitmeritz/Eichstätt (hebe)

Wenngleich die Agenda des Diözesanrats

bei seiner Leitmeritz-

Reise allein schon mit den

Programmpunkten gut gefüllt war,

die die Partnerschaft betreffen,

nahmen sich die Räte ausgiebig

Zeit, der üblichen Geschäftsordnung

einer Vollversammlung

annähernd gerecht zu werden.

Zentral dabei: der ausführliche

Bericht des Diözesanbischofs.

Zunächst gab Bischof Hanke

seine Eindrücke vom dritten Dialogforum

im Gesprächsprozess der

Deutschen Bischofskonferenz in

Stuttgart wieder. Er beklagte

einerseits eine „inhaltliche und

methodische Unschärfe“, begrüßte

andererseits, dass die Delegierten

mit klaren Hausaufgaben auseinandergegangen

seien. Hanke

berichtete vom letzten Treffen der

Bischofskonferenz, bei dem unter

anderem das Thema Geschlechtergerechtigkeit

besprochen und Fragen

zum bevorstehenden Reformationsgedenken

behandelt worden seien.

Generalvikar Stanislav Pribyl gab den Eichstätter Diözesanräten eine

Einführung in die Situation des Bistums Leitmeritz.

Im Wallfahrtsort

Hejnice war

die Eichstätter

Reisegruppe

untergebracht,

vor der Basikika

Maria Heimsuchung

stellte

man sich zum

Gruppenbild auf.

Nur für einen

ganz kurzen

Gang durch die

Leitmeritzer

Innendstadt

(Abb. r.)

blieb Zeit.

mit den zuständigen Hilfswerken

gewährleistet werden.

Hautnah mit der Realität kamen

die Eichstätter bei Exkursionen zu

sozialen und pastoralen Projekten

an sieben verschiedenen Orten in

Berührung (siehe S. 13). Den Abschluss

bildete ein Empfang in der

Bischofsstadt im Anschluss an den

Pontifikalgottesdienst. „Ich fühle

mich wie bei einem Verwandten-

Das ganz normale Vollversammlungsgeschäft

In Hejnice machte der Diözesanrat seine Arbeit (fast) wie immer

Zu den Vorgängen um die Inhaftierung

eines Eichstätter Diözesanpriesters

wegen Missbrauchsvorwürfen

sagte Hanke: „Wir halten

uns in dieser Angelegenheit an die

Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz,

vertrauen auf die Objektivität

des Verfahrens und beten,

dass die Wahrheit ihren Weg findet.“

Ausführlich tauschte sich die

Versammlung über die Informationen

des Bischofs zur Überplanung

der Seelsorgeeinheiten aus. Sie

seien, so Hanke „die relevanten

pastoralen Handlungsebenen der

Zukunft“. Nach der gut verlaufenen

Neustrukturierung der Dekanate und

der Einrichtung der Dekanatsbüros

sei das Bistum „in der Pastoral noch

nicht ganz im oberen Bereich“.

Nicht der Priestermangel sei der

Grund für neue Überlegungen,

sondern vielmehr der „Gläubigenmangel“.

„Wir müssen weg vom

Modell der versorgten Kirche,

unsere Verantwortung für das

größere Ganze erkennen und die

Liebe zur Kirche wiedererwecken“,

appellierte der Bischof an die

Diözesanräte. Weihepriestertum und

allgemeines Priestertum müssten in

intensiver Zusammenarbeit „Kirche

als durchbeteten Raum erhalten“.

besuch“, fasste Bischof Hanke

gegenüber der KiZ seine Eindrücke

zusammen. Er habe viel gehört und

gesehen „was uns für unsere Arbeit,

unser Kirchesein, förderlich sein

kann“.

hebe/pde

Weitere Berichte, Videos, einen

Hörfunkbeitrag und eine Bildergalerie

zur Leitmeritzfahrt des

Diözesanrats gibt es im Internet

unter „www.bistum-eichstaett.de“.

Der Bischof berichtet.

Angesichts von Kirchenstiftungen

die in mehrfacher Hinsicht

an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit

kämen, müsse auch über

Fusionierungen nachgedacht werden.

Der mit den Vorbereitungen zur

Überplanung beauftragte Seelsorgeamtsleiter

Domkapitular Alfred

Rottler erklärte ergänzend, dass

im kommenden Jahr drei Teams

alle Seelsorgeeinheiten besuchen

würden, um den Ist-Stand zu

erheben.

Fotos: Heberling


4

Z U M

T H E M A

Einen Kreis von etwa 700

Frauen und Männern bildet

die Gebetsgemeinschaft für geistliche

Berufungen des Bistums

Eichstätt. Sie werden nach Auskunft

von Sekretärin Thekla

Schmidt jedes Jahr angeschrieben

um ihre Mitgliedschaft zu bestätigen.

„Wir haben auch in anderen

Diözesen Mitglieder“, informiert

Schmidt, „auch aus Österreich

und der Schweiz“. Neben dem

Diözesantag stehen jährlich Besinnungstage

in der Fastenzeit (in

Schwabach und Eichstätt) sowie

eine Wallfahrt auf dem Programm.

T H E M A D E R W O C H E Nr. 44 · 3. November 2013

Als unser Sohn Priester wurde ...

Angehörige erzählten beim Jahrestreffen der Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe in Eichstätt

Sie sind gern gesehene Gäste im

Priesterseminar, die Mitglieder

der Gebetsgemeinschaft für geistliche

Berufe, die das Jesuitenrefektorium

bis auf den letzten

Platz füllen. Ihr Jahrestreffen sei

„ein wichtiger Tag für uns“, meint

Regens Christoph Wölfle, der auch

diözesaner Leiter der Gebetsgemeinschaft

ist, denn „natürlich ist

es ganz in unserem Interesse, dass

wir genügend Berufungen haben“.

127 Frauen und Männer aus dem

ganzen Bistum sind an diesem

Samstag nach Eichstätt gekommen

– Seniorinnen und Senioren, die seit

Jahrzehnten der Gebetsgemeinschaft

die Treue halten, aber auch vereinzelt

junge Leute. Die 25-jährige

Schwabacherin Julia Schröder etwa

ist seit drei Jahren Mitglied und

setzt ihre Hoffnungen besonders

darauf, dass die kirchliche Jugendarbeit

vor Ort durch aufgeschlossene

Kapläne und Pfarrer gestärkt wird.

„Man kann nicht immer nur

jammern und einfordern“, begründet

Julia ihr Engagement in der

Gebetsgemeinschaft, die Berufungen

nicht nur durch das Gebet fördern

möchte, sondern auch „indem ich

jungen Menschen, die sich auf

den Weg gemacht haben, Mut zuspreche“

oder „indem ich mich in

meinem Umfeld positiv für geistliche

Berufe einsetze“, wie der Kreis

seine Aufgaben selbst definiert.

Diözesanbeauftragter der Gebetsgemeinschaft

ist der ehemalige

Subregens und jetzige Pfarrer von

Ellingen, Domvikar Dr. Thomas

Stübinger. Er hat am Vormittag

mit der Gebetsgemeinschaft einen

Gottesdienst in der Schutzengelkirche

gefeiert und moderiert

nun auch das Treffen im Jesuitenrefektorium.

Neben den vielen „geistigen

Priestereltern“, deren Gebet vielleicht

auch seine eigene Berufung

einst mit angestoßen habe, „haben

wir heute mal richtige Priestereltern

zu Gast“, weist Stübinger

auf ein halbes Dutzend Ehepaare

und einige Mütter im Saal hin. Sie

wurden eingeladen, um Auskunft

zu geben, wie sie den Weg ihrer

Söhne miterlebt haben. Das Thema

„Priestermütter, Priesterväter“ des

Gemeinschaftsaufgabe

Der Bischof begrüßte die Mitglieder der Gebetsgemeinschaft, ehe er mit

ihnen zum Abschluss des Jahrestreffens eine Vesper feierte.

Außerdem erhalten die Mitglieder

regelmäßig Rundbriefe

Sowohl das Zweite Vatikanische

Konzil als auch die Würzburger

Synode heben die Sorge um Berufungen

als Gemeinschaftsaufgabe

der Gläubigen hervor. So wird in

einem Konzilstext (Dekret über

die Ausbildung der Priester) das

Gebet als bewährtes Mittel empfohlen.

Auch die Synode betont,

dass jeder zum Gebet um kirchliche

Berufe aufgerufen sei, „die

einzelnen, die Familien, besondere

Gebetskreise, die Gemeinde als

ganze“.

gg

diesjährigen Diözesantreffens sei

aber nicht seine eigene Idee gewesen,

sondern „vom Chef“ angeregt

worden, berichtet Stübinger.

Schon im Vorschulalter

erzählte er

Passagen aus der

Predigt nach.

Katharina Löhr, Mutter von

Pfarrer Dr. Christian Löhr

Bischof Dr. Gregor Maria Hanke

OSB habe ihm einen Brief des

griechisch-katholischen Großerzbischofs

von Kiew weitergeleitet –

ein Schreiben an alle Priestermütter,

denen der Oberhirte dafür dankt,

dass sie den Boden für die Berufung

ihres Sohns bereiteten.

„Wie ging es Ihnen, als Ihr

Sohn sagte: Ich werde Priester?“.

Mit dieser Frage reicht Stübinger

das Mikrofon an Rosa Schrollinger

aus Neumarkt weiter. Sie weiß

noch, dass sie vor Freude geweint

hat – auch wenn ihr bewusst war,

dass ihr Sohn Robert vor keiner

Fotos: Gess

leichten Aufgabe stand. „Ich bete

jeden Tag, dass er die Kraft hat,

gesund zu bleiben und seine

Aufgaben zu bewältigen“. Einen

anderen Weg wählte ihr zweiter

Sohn, Thomas, der ebenfalls Theologie

studierte: Er wurde Pastoralreferent

und gründete eine Familie.

Beide Söhne seien auf ihre

Weise zufrieden, berichten Rosa

Schrollinger und ihr Mann Otto.

INNERLICH ÜBERWUNDEN

„Wir waren verhältnismäßig

entspannt und gelassen“, berichtet

Renate Alberter aus Aberzhausen

bei Heideck über den Tag, als Sohn

Michael, ein gelernter Bankkaufmann,

der Familie eröffnete, er

wolle Priester werden. „Zugleich

haben wir uns wirklich sehr gefreut

und seinen Entschluss unterstützt.“

2010 wurde er geweiht. Seinen Weg

mitzuverfolgen, sei „spannend,

schön, aber auch sorgenvoll“, sagt

die Mutter. Denn „die Realität

ist nicht immer leicht“.

Manchmal zeichnet sich die

Priesterlaufbahn schon früh ab. So

erinnern sich die Eltern von Subregens

Christoph Wittmann, „dass

er schon als Kindergartenkind

in die Kirche wollte, sobald er die

Glocken hörte“. Katharina Löhr

aus München, Mutter des Rother

Pfarrers Dr. Christian Löhr, weiß

noch gut, dass ihr Sohn im Vorschulalter

ganze Passagen aus der

Sonntagspredigt daheim nacherzählte

und den Gottesdienst nachspielte.

Und Luise Wohner erzählt,

dass ihr Sohn Michael, Priester seit

Für uns gab’s – und

gibt’s – keinen

Sonntag ohne

Gottesdienst.

Antonie und Johann Klein,

zweifache Priestereltern


Nr. 44 · 3. November 2013

T H E M A D E R W O C H E 5

Ich hätte ihm nie

Steine in den Weg

gelegt.

Luise Wohner, Mutter des

Priesters und Religionslehrers

Michael Wohner

2008, als kleiner Junge vor

dem Einschlafen am liebsten Geschichten

aus der Bibel hörte. Ein

Vorbild sei ihm aber auch immer

sein Onkel, der 2003 verstorbene

Domvikar Ludwig Langwieser,

gewesen. Auch der frühe Tod des

Vaters habe wohl den Weg ihres

Sohns („damals machte er gerade

Abitur“) beeinflusst.

Im Gegensatz zu anderen

Priestereltern sieht Rita Raffelt aus

Schwabach ihren Sohn nur einmal

im Jahr, denn Pater Gabriel ist

Kartäuser-Mönch. Schon mit 16

hatte er seiner Mutter eröffnet, dass

er sich gerne dieser Gemeinschaft

anschließen würde, was er mit 20,

nach dem Abitur, auch tat. Anfangs

sei die Vorstellung, dass ihr Sohn

in einem so „schweren“ Orden sein

Leben verbringe, schlimm gewesen,

gesteht Raffelt. Aber sie habe

gemerkt, dass es sein Weg sei, und

sich „innerlich überwunden“. Heute

weiß sie: „Wir sind verbunden in

Gott.“ Und freut sich zugleich über

Wir haben uns sehr

gefreut und wir

unterstützen ihn.

Renate und Reinhard Alberter,

Eltern von Dekanatsjugendseelsorger

Michael Alberter

jeden Brief ihres Sohnes: „Das ist

wie ein Festtag für mich.“

„Wir haben halt einfach den

Glauben gelebt“ , so lautet die simple

Erklärung von Antonie und Johann

Klein aus Sengenthal bei Neumarkt,

warum sie gleich zweifache Priestereltern

geworden sind. Den Lebensentwurf

ihrer Söhne Roland und

Christian akzeptieren sie ganz

selbstverständlich: „Die beiden

müssen glücklich sein. Wenn’s

ihnen gut geht, geht’s uns auch

gut.“ Außerdem kommen die

Kleins gar nicht erst zum Grübeln:

Drei „Leih-Enkel“ aus der Nachbarschaft,

denen sie von der

ersten Lebenswoche an Großeltern-

Ersatz waren, halten sie auf Trab.

„SIE IST SEHR GLÜCKLICH“

Maria Kargl gehört der Gebetsgemeinschaft

an, seit sie vor 37

Jahren nach Dietfurt heiratete und

darauf angesprochen wurde, ob

sie mitbeten wolle um Berufungen.

„Wir waren sechs Kinder daheim“,

erzählt sie, „und ich dachte, es

wäre doch schön, wenn einer von

uns in einen Orden ginge. Und dann

ist das wirklich passiert. Meine

Schwester trat nach ihrer Lehre

1979 ins Kloster Schönbrunn ein.“

Für die Eltern sei es zunächst nicht

leicht gewesen, dass die Tochter

fortging, zumal kurz zuvor ein Sohn

tödlich verunglückt war. Aber als

die Schwester an Allerheiligen

erstmals in ihrer Ordenstracht

heimgekommen war, „da haben

wir uns wirklich gefreut“, erinnert

sich Kargl. Heute erlebe sie ihre

Schwester, die als Küchenmeisterin

arbeitet, als eine „sehr glückliche

Ordensfrau, die mit keinem von

uns tauschen möchte.“

Ein Teilnehmer aus der Pfarrei

Heideck erzählt, dass dort seit

1981 täglich Rosenkranz gebetet

wird – für Pfarrer Stübinger „das

Berufungsgebet schlechthin“. Als

Jugendlicher habe er den Rosenkranz

als „etwas für ältere Damen“

gehalten, gesteht Stübinger,

„Inzwischen weiß ich ihn sehr

zu schätzen.“

Beim Kaffeetrinken erscheint

auch der Bischof, der mit den Mitgliedern

der Gebetsgemeinschaft

zum Abschluss ihres Diözesantags

eine Vesper in der Schutzengelkirche

feiert. „Die Gebetsgemeinschaft

hat einen großen Wert, um

die Bedeutung der Berufungen

wachzuhalten“, stellt er im Gespräch

mit der KiZ fest. „Denn diese fallen

nicht vom Himmel. Sie müssen

gepflegt und gefördert werden.“

Gabi Gess

Z U M

T H E M A

Was ist vor Ort zu tun?

Die Beauftragten für

die Berufungspastoral

in den Dekanaten sammelten

in Gruppenarbeit

Vorschläge. Im Bild (v. r.)

Pfarrer Hans Zeltsperger,

Dekanatsjugendseelsorger

Michael Harrer,

Regens Christoph Wölfle,

Schwester Gunda

Reichhold und Pfarrer Dr.

Thomas Stübinger.

Imposante Seminargebäude, in

denen sich weniger als zehn

Priesteramtskandidaten verlieren –

für den Regens des Eichstätter

Priesterseminars, Christoph Wölfle,

eine ebenso düstere wie reale

Prognose, denn „die Zahlen der

Seminaristen gehen kontinuierlich

zurück auf einen Grad, der

mittlerweile besorgniserregend

ist“. Deshalb „müssen wir einfach

schauen, dass wir künftig

mehr Energie in die Berufungspastoral

stecken und dazu auch in

die Fläche gehen“.

Mit diesem Anliegen ist Wölfle

in den Dekanaten im Bistum vorstellig

geworden und hat die

Bildung von kleinen Teams aus

Pfarrern, Kaplänen, pastoralen

Mitarbeitern oder Ordensleuten

angeregt, die sich mit der Frage

beschäftigen: Was müssen wir in

unserem Umfeld bieten, dass

Berufungspastoral gelingen kann?

Zweimal pro Jahr sollen sich die

Verantwortlichen künftig zum

Austausch treffen. Nun kamen

einige von ihnen im Priesterseminar

zu einer ersten Bestandsaufnahme

zusammen. Eine Quintessenz

daraus: Berufungsarbeit

ist immer auch Beziehungsarbeit.

Subregens Christoph Wittmann

berichtete von einer Neuausrichtung

des Interessentinnenkreises

für Glaubens- und Lebensfragen,

der die konkrete Option für

ein Ordensleben stärker in den

Blick nehme als bisher und zur

Entscheidungsfindung beitragen

wolle. Im Programm seien etwa

auch Besuche im Kloster geplant.

„Die Flyer kommen demnächst

raus und es wäre mein Wunsch,

dass ihr dafür werbt.“

Werbung fürs Ordensleben

macht auch Gunda Reichhold,

eine Arme Schulschwester aus

Neumarkt, gerne. Zum Beispiel

wenn sie die Schülerinnen der

Kinderpflege-Schule trifft. Übers

Unterrichten hinaus „erzähle ich

auch von unserem Orden“, berichtet

sie. Dabei wolle sie den

jungen Leuten auch vermitteln,

„dass ich mich nicht als Exotin

fühle“. Dieses „Exoten-Verständnis“

von einem Leben im

Priester- oder Ordensstand zu

überwinden, ist auch das Anliegen

von Pfarradministrator Michael

Krüger aus Gungolding. Er versuche

vorzuleben, „dass das

ganz normal ist, dass es lebbar

und machbar ist“.

„SICHTBAR SEIN“

Jugendpfarrer Michael Harrer

stellt fest, dass Offenheit von

Seiten der Jugendlichen durchaus

da sei, nur bleiben die Geistlichen

zu oft unsichtbar in den

Lebenswelten der Jugendlichen.

„Die Pfarrer sollen sich sehen

lassen, greifbar sein, und sei es nur

beim Fußballturnier.“ Denn dabei

ergäben sich auch Gespräche

am Rande. Auch die diözesane

Jugendwallfahrt, die kürzlich an

den Brombachsee führte, sei eine

solche Gelegenheit gewesen.

„Schade, wenn da keiner kommt,

denn da wären aufgeschlossene

junge Leute da.“

Die verstärkte Zusammenarbeit

mit Religionslehrern wurde ebenfalls

angeregt. Pfarrer Dr. Thomas

Stübinger schließlich bat darum,

die Gebetsgemeinschaft für geistliche

Berufe ins Gespräch zu

bringen. In der Nachbardiözese

Regensburg zähle diese immerhin

mehr als zehnmal so viele Mitglieder

wie im Bistum Eichstätt.

gg

Foto: Gess

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