Jahresrückblick 2013 als PDF herunterladen - Bistum

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S T I C H W O R T

T H E M A D E R W O C H E Nr. 27 · 7. Juli 2013

Der Pfarrgarten als Klassenzimmer

Gaimersheimer Mittelschüler erleben „Kirche im Zelt“ / Testlauf im Bistum Eichstätt

Okay, Leute, dann fangen wir

an“, sagt der Typ im grünen

Sweatshirt zu den Schülerinnen

und Schülern der 6c, die ihn mit

einer Mischung aus Skepsis und

Spannung mustern. „Ich bin der

Christoph, 34 Jahre alt und Jugendseelsorger.

Wenn ich ein bisschen

Freizeit hab, dann mach ich gerne

Musik.“ Wenige Meter entfernt

stellt sich gerade ein weiterer

Jugendpfarrer, Bernhard Kroll, der

6d vor. Beide Klassen sitzen auf

Klappbänken unter einem Dach

aus weißer Plane. „Kirche im Zelt“

lautet die Devise im Gaimersheimer

Pfarrgarten, der für etwa

90 Sechstklässler der örtlichen

Mittelschule – eingeteilt in zwei

Gruppen – jeweils drei Tage lang

zum Klassenzimmer geworden ist.

Ein in der Diözese Eichstätt bislang

Projekt, dessen Zukunft noch offen

ist.

„Mit der Schule zusammen

zuarbeiten ist unerlässlich, gerade

in Zeiten der Ganztagsschule“,

meint Hannah Lehner. Die langjährige

Diözesanvorsitzende der

Katholischen Landjugend im

Bistum Eichstätt hat nach ihrem

Lehramts-Studium vorübergehend

eine Projektstelle im Bischöflichen

Jugendamt Eichstätt inne. Ihre

Hauptaufgabe ist es, gemeinsam

mit Pastoralreferent Thomas Bösl

und einem festen Stamm Ehrenamtlicher

„Tage der Orientierung“

(TdO) für Schulklassen anzubieten

(siehe Kasten unten). An ihrem

„Tage der Orientierung“

Fotos: Gess

Gott empfängt Eure Nachrichten, vertraut darauf! Jugendseelsorger

Christoph Witczak aus Schelldorf im Gespräch mit der Klasse 6c. Rechts

im Bild Hannah Lehner vom Bischöflichen Jugendamt Eichstätt, treibende

Kraft bei „Kirche im Zelt“ und Betreuerin bei „Tagen der Orientierung“

Thomas Bösl, Referent für

Schul- und Jugendpastoral,

ließ es sich nicht nehmen, bei

„Kirche im Zelt“ vorbeizuschauen.

„Es wäre klasse, wenn man das

ausweiten könnte“, meint er.

Gemeinsam mit Dr. Peter Nothaft

ist Bösl in der Bischöflichen

Schulabteilung Ansprechpartner

für „Tage der Orientierung“ in allen

Schularten. Für die Organisation

von Besinnungstagen für Hauptschüler

waren früher die katholischen

Jugendstellen zuständig.

Im Zuge von Umstrukuturierungen

„können sie das aber heute nicht

mehr leisten“, erläutert Bösl.

In der Regel finden die „Tage

der Orientierung“, die von der

Diözese bezuschusst werden, in der

neunten Jahrgangsstufe statt und

dauern drei Tage. Neben dem

Jugendhaus Pfünz nennt Bösl

weitere Quartiere: das Jugendhaus

Habsberg, die alte Schule Morsbach

oder die Oase Steinerskirchen.

Rund 30 Gruppen hat

Bösl mit Hannah Lehner in

diesem Schuljahr schon geleitet.

„Schulen, die schon einmal ‘Tage

der Orientierung’ durchgeführt

haben, fragen immer wieder nach“,

verweist er auf die große Nachfrage,

die die Kapazität seines

Teams weit übersteigt. Seit Jahren

engagiert die Schulabteilung Studenten

als zusätzliche Betreuer.

Aber durch das neue Studiensystem,

bei dem Anwesenheitspflicht

herrscht, „können viele nicht drei

Tage lang weg“, klagt Bösl. „Das

ist für uns ein großes Manko.“

Generell können Schulen, so

wie die Mittelschule Gaimersheim,

auch selbst „Tage der

Orientierung“ bestreiten. „Dazu

braucht es aber sehr engagierte

Lehrer oder Mitarbeiter der

Schulpastoral vor Ort“, schränkt

Bösl ein.

gg

Handgelenk baumelt das gelbe

TdO-Bändchen, das alle Teilnehmer

am Ende der Besinnungstage erhalten

und oft lange tragen –

„Gott segne und behüte dich“, steht

darauf.

„Kirche im Zelt“ knüpfe an das

Konzept der TdO an, erläutert

Lehner. Der Schwerpunkt liege auf

der Förderung der Klassengemeinschaft

und des Zusammengehörigkeitsgefühls.

Nur dass die Schüler

und ihre Betreuer dafür nicht

extra in ein Jugendhaus oder eine

Herberge reisen, sondern am Schulort

bleiben. Außerdem werden,

anders als bei den TdO, Jugendseelsorger

mit einbezogen.

Die Idee zu „Kirche im Zelt“

hatte Pfarrer Franz Glötzner schon

vor einigen Jahren vom Katholikentag

in Osnabrück mitgebracht.

Der Schelldorfer Jugendpfleger

Wolfgang Kronauer erarbeitete ein

Konzept, das nun erstmals in die

Praxis umgesetzt wurde und bei

Urvertrauen: Ihre Eltern nannten

die meisten Sechstklässler bei

einer Gruppenarbeit als erste

Anlaufstelle, wenn sie traurig sind.

dem er selbst mit von der Partie

war. Finanziert wurde das Projekt

durch den Fond für Kommmunale

Jugendarbeit des Landratsamts

Eichstätt.

Die Gaimersheimer Mittelschule

bot sich für die Premiere besonders

an, weil es dort eine feste Ansprechpartnerin

für Schulpastoral gibt:

Religionslehrerin Martha Schiener.

„Für uns ist es toll, dass die Martha

dabei ist“, meint Hannah Lehner.

Denn während der gemeinsamen

Tage, in denen die Betreuer

ein Vertrauensverhältnis zu den

Schülern aufbauten, seien „schon

auch Probleme zur Sprache gekommen,

die wir in dieser kurzen

Zeit nicht lösen können“, wie etwa

Unstimmigkeiten innerhalb der

Klassengemeinschaft oder Belastendes

daheim. „Es gibt so viele

Gespräche, die sich sonst nicht

ergeben würden und die auch in

die Tiefe gehen“, bestätigt Schiener.

Und Lehner ergänzt, dass manche

Schüler daheim wenig Gelegenheit

hätten, sich auszusprechen, weil

ihre Eltern beruflich sehr eingespannt

seien. Eine Schülerin etwa

habe erzählt, dass ihr Vater gleich

nach Feierabend zu seinem Zweitjob

aufbreche – bis Mitternacht.

SMS VON GOTT

Gleichzeitig erweist sich bei

„Kirche im Zelt“ aber auch, wie

sehr die Pubertierenden ihre Eltern

noch brauchen. „Toll, dass sie das

so offen zugeben, meint Lehner.

Auf Zetteln sollten die Sechstklässler

die Frage beantworten:

„Wen rufst Du auf dem Handy an,

wenn du traurig bist oder es dir

schlecht geht?“ Die meisten schrieben:

„Meine Mama, meinen Papa.“

Das Handy dient Jugendseelsorger

Witczak auch als Einstieg

in die Gesprächsrunde:„Habt Ihr

gestern eine SMS bekommen?“,

fragt er lächelnd in die Runde und

weiß auch schon den Inhalt der

Nachricht: „Schön dass es dich

gibt. Melde dich, wenn du Hilfe

brauchst. Liebe Grüße von Gott!“

Klar habe nicht Gott diese SMS

verschickt, „sondern die Hannah“,

aber sie sei trotzdem als Einladung

von Gott zu verstehen. Umgekehrt

könnten die Schüler darauf vertrauen,

dass ihre Sorgen, Wünsche

und Gedanken bei Gott ankämen,

so wie sie auch beim Versenden

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