Jahresrückblick 2013 als PDF herunterladen - Bistum

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Nr. 44 · 3. November 2013

T H E M A D E R W O C H E 5

Ich hätte ihm nie

Steine in den Weg

gelegt.

Luise Wohner, Mutter des

Priesters und Religionslehrers

Michael Wohner

2008, als kleiner Junge vor

dem Einschlafen am liebsten Geschichten

aus der Bibel hörte. Ein

Vorbild sei ihm aber auch immer

sein Onkel, der 2003 verstorbene

Domvikar Ludwig Langwieser,

gewesen. Auch der frühe Tod des

Vaters habe wohl den Weg ihres

Sohns („damals machte er gerade

Abitur“) beeinflusst.

Im Gegensatz zu anderen

Priestereltern sieht Rita Raffelt aus

Schwabach ihren Sohn nur einmal

im Jahr, denn Pater Gabriel ist

Kartäuser-Mönch. Schon mit 16

hatte er seiner Mutter eröffnet, dass

er sich gerne dieser Gemeinschaft

anschließen würde, was er mit 20,

nach dem Abitur, auch tat. Anfangs

sei die Vorstellung, dass ihr Sohn

in einem so „schweren“ Orden sein

Leben verbringe, schlimm gewesen,

gesteht Raffelt. Aber sie habe

gemerkt, dass es sein Weg sei, und

sich „innerlich überwunden“. Heute

weiß sie: „Wir sind verbunden in

Gott.“ Und freut sich zugleich über

Wir haben uns sehr

gefreut und wir

unterstützen ihn.

Renate und Reinhard Alberter,

Eltern von Dekanatsjugendseelsorger

Michael Alberter

jeden Brief ihres Sohnes: „Das ist

wie ein Festtag für mich.“

„Wir haben halt einfach den

Glauben gelebt“ , so lautet die simple

Erklärung von Antonie und Johann

Klein aus Sengenthal bei Neumarkt,

warum sie gleich zweifache Priestereltern

geworden sind. Den Lebensentwurf

ihrer Söhne Roland und

Christian akzeptieren sie ganz

selbstverständlich: „Die beiden

müssen glücklich sein. Wenn’s

ihnen gut geht, geht’s uns auch

gut.“ Außerdem kommen die

Kleins gar nicht erst zum Grübeln:

Drei „Leih-Enkel“ aus der Nachbarschaft,

denen sie von der

ersten Lebenswoche an Großeltern-

Ersatz waren, halten sie auf Trab.

„SIE IST SEHR GLÜCKLICH“

Maria Kargl gehört der Gebetsgemeinschaft

an, seit sie vor 37

Jahren nach Dietfurt heiratete und

darauf angesprochen wurde, ob

sie mitbeten wolle um Berufungen.

„Wir waren sechs Kinder daheim“,

erzählt sie, „und ich dachte, es

wäre doch schön, wenn einer von

uns in einen Orden ginge. Und dann

ist das wirklich passiert. Meine

Schwester trat nach ihrer Lehre

1979 ins Kloster Schönbrunn ein.“

Für die Eltern sei es zunächst nicht

leicht gewesen, dass die Tochter

fortging, zumal kurz zuvor ein Sohn

tödlich verunglückt war. Aber als

die Schwester an Allerheiligen

erstmals in ihrer Ordenstracht

heimgekommen war, „da haben

wir uns wirklich gefreut“, erinnert

sich Kargl. Heute erlebe sie ihre

Schwester, die als Küchenmeisterin

arbeitet, als eine „sehr glückliche

Ordensfrau, die mit keinem von

uns tauschen möchte.“

Ein Teilnehmer aus der Pfarrei

Heideck erzählt, dass dort seit

1981 täglich Rosenkranz gebetet

wird – für Pfarrer Stübinger „das

Berufungsgebet schlechthin“. Als

Jugendlicher habe er den Rosenkranz

als „etwas für ältere Damen“

gehalten, gesteht Stübinger,

„Inzwischen weiß ich ihn sehr

zu schätzen.“

Beim Kaffeetrinken erscheint

auch der Bischof, der mit den Mitgliedern

der Gebetsgemeinschaft

zum Abschluss ihres Diözesantags

eine Vesper in der Schutzengelkirche

feiert. „Die Gebetsgemeinschaft

hat einen großen Wert, um

die Bedeutung der Berufungen

wachzuhalten“, stellt er im Gespräch

mit der KiZ fest. „Denn diese fallen

nicht vom Himmel. Sie müssen

gepflegt und gefördert werden.“

Gabi Gess

Z U M

T H E M A

Was ist vor Ort zu tun?

Die Beauftragten für

die Berufungspastoral

in den Dekanaten sammelten

in Gruppenarbeit

Vorschläge. Im Bild (v. r.)

Pfarrer Hans Zeltsperger,

Dekanatsjugendseelsorger

Michael Harrer,

Regens Christoph Wölfle,

Schwester Gunda

Reichhold und Pfarrer Dr.

Thomas Stübinger.

Imposante Seminargebäude, in

denen sich weniger als zehn

Priesteramtskandidaten verlieren –

für den Regens des Eichstätter

Priesterseminars, Christoph Wölfle,

eine ebenso düstere wie reale

Prognose, denn „die Zahlen der

Seminaristen gehen kontinuierlich

zurück auf einen Grad, der

mittlerweile besorgniserregend

ist“. Deshalb „müssen wir einfach

schauen, dass wir künftig

mehr Energie in die Berufungspastoral

stecken und dazu auch in

die Fläche gehen“.

Mit diesem Anliegen ist Wölfle

in den Dekanaten im Bistum vorstellig

geworden und hat die

Bildung von kleinen Teams aus

Pfarrern, Kaplänen, pastoralen

Mitarbeitern oder Ordensleuten

angeregt, die sich mit der Frage

beschäftigen: Was müssen wir in

unserem Umfeld bieten, dass

Berufungspastoral gelingen kann?

Zweimal pro Jahr sollen sich die

Verantwortlichen künftig zum

Austausch treffen. Nun kamen

einige von ihnen im Priesterseminar

zu einer ersten Bestandsaufnahme

zusammen. Eine Quintessenz

daraus: Berufungsarbeit

ist immer auch Beziehungsarbeit.

Subregens Christoph Wittmann

berichtete von einer Neuausrichtung

des Interessentinnenkreises

für Glaubens- und Lebensfragen,

der die konkrete Option für

ein Ordensleben stärker in den

Blick nehme als bisher und zur

Entscheidungsfindung beitragen

wolle. Im Programm seien etwa

auch Besuche im Kloster geplant.

„Die Flyer kommen demnächst

raus und es wäre mein Wunsch,

dass ihr dafür werbt.“

Werbung fürs Ordensleben

macht auch Gunda Reichhold,

eine Arme Schulschwester aus

Neumarkt, gerne. Zum Beispiel

wenn sie die Schülerinnen der

Kinderpflege-Schule trifft. Übers

Unterrichten hinaus „erzähle ich

auch von unserem Orden“, berichtet

sie. Dabei wolle sie den

jungen Leuten auch vermitteln,

„dass ich mich nicht als Exotin

fühle“. Dieses „Exoten-Verständnis“

von einem Leben im

Priester- oder Ordensstand zu

überwinden, ist auch das Anliegen

von Pfarradministrator Michael

Krüger aus Gungolding. Er versuche

vorzuleben, „dass das

ganz normal ist, dass es lebbar

und machbar ist“.

„SICHTBAR SEIN“

Jugendpfarrer Michael Harrer

stellt fest, dass Offenheit von

Seiten der Jugendlichen durchaus

da sei, nur bleiben die Geistlichen

zu oft unsichtbar in den

Lebenswelten der Jugendlichen.

„Die Pfarrer sollen sich sehen

lassen, greifbar sein, und sei es nur

beim Fußballturnier.“ Denn dabei

ergäben sich auch Gespräche

am Rande. Auch die diözesane

Jugendwallfahrt, die kürzlich an

den Brombachsee führte, sei eine

solche Gelegenheit gewesen.

„Schade, wenn da keiner kommt,

denn da wären aufgeschlossene

junge Leute da.“

Die verstärkte Zusammenarbeit

mit Religionslehrern wurde ebenfalls

angeregt. Pfarrer Dr. Thomas

Stübinger schließlich bat darum,

die Gebetsgemeinschaft für geistliche

Berufe ins Gespräch zu

bringen. In der Nachbardiözese

Regensburg zähle diese immerhin

mehr als zehnmal so viele Mitglieder

wie im Bistum Eichstätt.

gg

Foto: Gess

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