Jahresrückblick 2013 als PDF herunterladen - Bistum

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T E R M I N

T H E M A D E R W O C H E Nr. 14 · 7. April 2013

Ein Beruf mit vielen Facetten

Langjährige Pfarrhaushälterinnen erzählen / Eichstätter Berufsverband wird 40 Jahre alt

Die sieben Frauen, die zum

Einkehrtag in die Abtei St.

Walburg in Eichstätt gekommen

sind und gerade im Speiseraum ihren

Kaffee trinken, sind zwischen 42

und 84. Sie kommen aus verschiedenen

Ecken der Diözese Eichstätt,

aber sie haben (oder hatten) alle den

selben Beruf: Pfarrhaushälterin.

Wie sie zu dieser Aufgabe gekommen

sind, was ihnen daran

gefällt, welche Herausforderungen

es zu meistern gibt, erzählten sie –

stellvertretend für viele Kolleginnen

– der KiZ anlässlich des

bevorstehenden Jubiläums „40

Jahre Berufsverband der Pfarrhaushälterinnen

im Bistum Eichstätt“.

Während sich viele Verbandsmitglieder

im Ruhestand befinden,

steht Johanna Adlkofer (61) noch

im Berufsleben. Seit etwa 20 Jahren

führt sie den Haushalt von Pfarrer

Bernhard Oswald. Sechs Jahre war

das oberpfälzische Batzhausen ihr

Dienstort, dann die Pfarrei St. Pius

in Ingolstadt und nun, seit knapp

zwei Jahren, die Münsterpfarrei im

Herzen Ingolstadts. Als gelernte

Köchin arbeitete Adlkofer lange in

Eichstätt: im Internat der Knabenrealschule

Rebdorf, bei den Englischen

Fräulein und im Salesianum.

Dann „wollte ich einfach was

Neues ausprobieren“, erklärt sie,

warum sie Pfarrhaushälterin wurde.

Wohnte eine solche früher selbstverständlich

im Pfarrhaus, so entscheiden

sich heute immer mehr

Geistliche für eine Teilzeit-Angestellte.

Eine von ihnen ist Monika

Geißler aus Altenveldorf. Die

Mutter dreier erwachsener Kinder

ist seit zehn Jahren Haushälterin bei

Dekan Elmar Spöttle in Velburg.

„Für mich wars der ideale Wiedereinstieg

nach der Kinderphase“, erzählt

die gelernte Hauswirtschafterin

Im Bistumshaus Schloss Hirschberg

blicken die Pfarrhaushälterinnen

der Diözese Eichstätt

mit ihrem Geistlichen Beirat

Pfarrer Peter Tontarra auf die

Gründung ihres eigenen Berufsverbands

vor 40 Jahren zurück.

Am Freitag, 26. April, um 9.30

Langjährige Pfarrhaushälterinnen

und Mitglieder im

Vorstand des

Eichstätter Berufsverbands

(v. l.): Leni

Hollweck, Johanna

Adlkofer, Christine

Weigl, Elisabeth

Harrer (Vorsitzende),

Andrea Knipfer,

Monika Geißler und

Erika Schmidt.

im ländlichen Bereich, die täglich

von neun bis 13 Uhr im Pfarrhaus

sauber macht, kocht und Gäste bewirtet.

Die 50-Jährige ist für ihren

Chef aber längst auch zu einer

Vertrauten geworden. „Er kommt

auch mal Sonntags bei uns daheim

vorbei und umgekehrt grillen wir

mal mit der ganzen Familie bei ihm“,

berichtet Geißler, die seit kurzem

Oma ist. Ganz klar, dass Dekan

Spöttle ihr erstes Enkelkind taufte.

ÜBER UMWEGE

Elisabeth Harrer (62) aus

Neumarkt, die Vorsitzende der

Eichstätter Berufsgemeinschaft

der Pfarrhaushälterinnen, entschied

sich mit 29 Jahren für ihren heutigen

Beruf. Die gebürtige Meckenhausenerin

hatte nach dem Realschulabschluss

als Angestellte bei

der Raiffeisenbank gearbeitet, dann

aber im Krankenhaus der Barmherzigen

Brüder in München eine

Ausbildung zur Krankenschwester

absolviert und später in einer

Münchner Sozialstation gearbeitet.

Während dieser Zeit fand sie Anschluss

an die Cursillo-Bewegung,

„und ich hab’ begonnen, mich zu

fragen, wohin mein Lebensweg

Jubiläum mit Bischof

Uhr wird Bischof Dr. Gregor

Maria Hanke OSB den Festgottesdienst

zelebrieren.

Um 14.30 Uhr hält die Referentin

für Frauenseelsorge im Bistum,

Barbara Bagorski, ein Impuls-

Referat mit dem Titel „Den

Glauben Leben“.

vb

führen sollte“. Die Antwort fand sie

1980 bei einer Bekannten, deren

Bruder Richard Distler gerade eine

Haushälterin für seine erste Pfarrstelle

in Hitzhofen suchte. So zog

sie mit ihm in das schöne alte Pfarrhaus,

das sich schnell mit Leben

füllte: „Im Keller traf sich die Jugend,

wir haben eine Bücherei eingerichtet

und mit einem Krankenpflegeverein

angefangen.“ Weil es

keine Pfarrsekretärin gab, übernahm

Harrer auch die Büroarbeit.

„Was mich überraschte, war das

Vertrauen, das die Leute dem Pfarrhaus

entgegen bringen“, sagt sie.

Als nach knapp zehn Jahren der

Umzug in die Neumarkter Hofpfarrei

anstand, sei ihr der Abschied

sehr schwer gefallen.

In Neumarkt fand sie eine etablierte

Pfarrei mit festen Strukturen

vor. Das nahm ihr ein Stück beruflicher

Vielfalt, schaffte ihr aber

Freiraum für eine neue Aufgabe –

das Engagement in der Berufsgemeinschaft

der Pfarrhaushälterinnen.

Über die Diözesanebene hinaus

war Harrer zwei Amtsperioden

lang (1994 bis 2002) Bundesvorsitzende.

In dieser Funktion gehörte

sie einige Jahre lang dem Zentralkomitee

der deutschen Katholiken

an. „Das war schon eine interessante

Zeit“, meint sie rückblickend.

DER ANFANG WAR SCHWER

Magdalena Hollweck könnte

über ihre 53 Berufsjahre „fast einen

Roman schreiben“. Die 84-Jährige

ist Gründungsmitglied im Berufsverband

der Pfarrhaushälterinnen.

Die Landwirtstochter wuchs in

Richthofen am Fuß des Habsbergs

auf. „Da kamen wir öfters auch ins

Pfarrhaus, wo die Schwester des

Geistlichen, Fräulein Rosa, waltete.

Sie wurde mir zum Vorbild.“ Nach

dem Krieg wurde Hollweck Jugendführerin

im Dekanat Velburg. Bei

einem Glaubenskurs im damaligen

Diözesanjugendhaus Sandsee erzählte

sie Jugendpfarrer Dr. Alois

Brems von ihrem Wunsch, in einem

Pfarrhaus das Kochen lernen zu

wollen. „Sofort sagte er mir, ich

könnte als zweite Hilfe zu seinem

Bruder Rupert Brems und seiner

Schwester Maria nach St. Moritz in

Ingolstadt gehen.“ 30 Mark Lohn

gab es damals, 1951, im Monat.

Frauen, die einen

Pfarrhaushalt führen,

leisten einen

kirchlichen Dienst,

denn mit ihrer Sorge

machen sie den

Priester frei für seine

pastoralen Aufgaben.

aus einem Beschluss der Würzburger

Synode (1971-75)

1953 trat Hollweck eine besser bezahlte

Stelle in einem Schweizer

Krankenhaus an. Weil aber ihre

Mutter schwer erkrankte, kehrte

sie in die Heimat zurück und nahm

das Angebot des damaligen

Kaplans der Ingolstädter Münsterpfarrei,

Hans Meyer, an, seine

Haushälterin zu werden. „Der

Anfang war sehr schwer“, erinnert

sie sich daran, dass sie an allen

Ecken und Enden sparen musste.

„Viel besser wurde es dann, als

der Kaplan 1961 Militärpfarrer in

Roth wurde“. Rund zehn Jahre

dauerte der Einsatz bei den Solda-

Foto: Gess

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