Jahresrückblick 2013 als PDF herunterladen - Bistum

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„Bei uns haben alle ihren Platz“

Ausstellung „Alle inklusive“ als Schluss- und Höhepunkt des Projekts der Behindertenpastoral

Sie sind nicht mehr wiederzuerkennen,

die schlichten Stühle

aus Kiefernholz, die vor gut einem

halben Jahr bei einem Gottesdienst

im Eichstätter Dom übergeben

wurden an Vertreter von Pfarrgemeinden

oder Vereinen und an

Behinderteneinrichtungen (die KiZ

berichtete). Sie wurden mit Stoff

überzogen, mit Pappmaché verkleidet,

auf Podeste montiert und

erstrahlen in kunterbunten Farben.

Nicht weniger strahlt der Hauptverantwortliche

für die Aktion, der

gleich in der ehemaligen Johanniskirche

am Eichstätter Domplatz die

Ausstellung „Alle inklusive?“ eröffnen

wird: Pfarrer Alfred Grimm,

Leiter der Behindertenpastoral im

Bistum Eichstätt. Seit 2011 wird er

unterstützt von vier Inklusions- und

Seelsorgebeauftragten, die ihren

Sitz in verschiedenen Regionen des

Bistums haben und die die Vorbereitung

der Kunstausstellung

„Alle inklusive“ mitgetragen haben.

Das Projekt „war für uns als neue

Dienststelle schon eine Art Feuertaufe“,

meint Grimm. Die Ergebnisse,

die nun eine Woche lang

in der Johanniskirche zu betrachten

sind, „haben meine Erwartungen

weit übertroffen“, freut er sich.

Die Stuhl-Aktion unter dem

Motto „Mein Platz in der Kirche“,

Fotos: Gess

Wenn die Bewohner der Behinderteneinrichtung Dr. Löw in Neukirchen in

die Pfarrkirche St. Peter und Paul kommen, dann „geht die Sonne auf“,

heißt es in der Erklärung zu dem Stuhl (r.), den Firmlinge aus Neukirchen mit

ihrer Religionslehrerin Angelika Gleiß (sie ist auch eine von vier Inklusionsbeauftragten

im Bistum) gestaltet haben. Den linken Stuhl haben Menschen

mit Behinderung mit ihren Betreuern gebaut: „Wir fühlen uns in der Pfarrei

so willkommen, als wären wir Könige!“

bei der Pfarreien gemeinsam mit

Menschen mit Behinderung überlegten,

wo und wie sie füreinander

einen Platz gestalten können,

war begleitet von einem zweiten

Kreativprojekt unter dem Leitwort

„Gott und der Mensch“. Dabei

W O R T L A U T

Vom christlichen Menschenbild her besitzt jeder Mensch einen

absoluten Wert und ist von unserem Schöpfer gewollt. Diese

Botschaft ist Grund zu einer großen Hoffnung, die unseren Glauben

mittragt. Wir wissen uns vom Glauben her ermutigt, auch unüberwindbare

Krankheiten, Behinderungen, ja selbst den Tod als Teil unseres

menschlichen Lebens zu begreifen. Diese Botschaft gibt auch die

Kraft gegen die Vorstellungen von perfekten Menschen anzugehen. Wir

brauchen eine Kultur der Achtsamkeit im Zusammenleben der Menschen.

Ein wichtiges Anliegen ist es in diesem Zusammenhang, Menschen

mit Behinderungen mehr Zugang und Beteiligung am gesellschaftlichen,

aber auch am kirchlichen Leben zu ermöglichen. Sie

sind in ihrem Lebenszeugnis auch eine Stärke für jede Gemeinschaft.

Menschen mit Behinderungen stehen unter einem großen Rechtfertigungsdruck,

wenn deren Eltern das Recht auf Schadenersatz zugesprochen

bekommen, weil Ärzte sie vor der Geburt nicht über die zu

erwartende Behinderung ihres Kindes aufgeklärt haben. Mit Nachdruck

formulieren wir deshalb noch einmal die Forderung, dass die vorgeburtliche

Diagnostik ausschließlich dazu dienen darf, bei einer zu

erwartenden Behinderung des Embryos frühzeitig eine Therapie einzuleiten

und die Eltern auf diese besondere Situation nach der Geburt

ihres Kindes vorzubereiten.

Aus dem Wort der deutschen Bischöfe „unBehindert Leben und

Glauben teilen. Zur Situation der Menschen mit Behinderungen“ vom

12. März 2003.

D A S R E L I G I Ö S E T H E M A Nr. 25 · 23. Juni 2013

sollten Menschen mit und ohne

Behinderung gemeinsam Kunstobjekte

zum Thema Gottesbild und

Menschenbild anfertigen. Für beide

Aufgaben fanden sich bistumsweit

je etwa zehn Teams.

Einige von ihnen stellen ihre Arbeit

bei der Ausstellungseröffnung

vor. So berichtet etwa Gemeindereferentin

Elisabeth Löhlein aus

der Ingolstädter Pfarrei St. Pius

von einer Idee, die die Firmlinge in

die Tat umsetzten: Sie überzogen

einen Stuhl mit dem gleichen Stoff,

mit dem auch die Kirchenbänke in

St. Pius bespannt sind, und brachten

damit zum Ausdruck: Ihr gehört

dazu, seid Teil unserer Gemeinde.

Umgekehrt gestalteten Menschen

mit Behinderung einen Stuhl für

die Pfarrei St. Pius, der über und

über mit bunten Handabdrücken

versehen ist. Sie leben in der

Dr. Wilhelm Reissmüller-Wohnstätte

der Ingolstädter Lebenshilfe und

kommen regelmäßig zum Pfarrgottesdienst

in St. Pius. „Im Rahmen

unseres Pfarrfests werden die Stühle

übergeben“, kündigt Löhlein an.

Auch Studenten der Katholischen

Universität Eichstätt-Ingolstadt

(KU) waren mit von der Partie:

In Zusammenarbeit mit der Eichstätter

Caritas-Tagesstätte Lichtblick

für psychisch kranke Menschen

und dem Caritas-Kinderdorf

Marienstein gestalteten sie ein

Kunstobjekt in Glasmaltechnik.

Das Thema Inklusion sei für die

angehenden Lehrer „brandheiß“,

verweist Edgar Mayer vom Lehrstuhl

für Grundschulpädagogik

darauf, dass Kinder mit sonderpädagogischen

Förderbedarf seit

2011 gesetzlichen Anspruch auf den

Besuch einer Regelschule haben.

Der Präsident der KU, Professor

Richard Schenk, ist selbst bei der

Ausstellungseröffnung dabei und

betont: „Das Thema Inklusion ist

an der KU ein wichtiges Thema“,

zu dem geforscht werde und

Senioren aus der Pfarrei Rednitzhembach und Schüler der Lebenshilfe

Schwabach gestalteten den linken Stuhl: „Wir möchten nicht zwischen den

Stühlen sein, sondern unseren festen Platz haben“. In einem Gottesdienst

werden sie den Stuhl an Bewohner von Regens Wagner/Zell übergeben

und deren Werk (Abb. r.) entgegennehmen. Der Stuhl drückt aus, wie wichtig

die Hände für Gehörlose sind.

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