DAS DRUCKEN IN 3D - Börse Stuttgart

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DAS DRUCKEN IN 3D - Börse Stuttgart

handeln

„Sell in Summer“ funktioniert langfristig

Durchschnittliche DAX-Performance

auf Monatsbasis seit 1959 (in %)

2,0

1,0

0,0

–1,0

–2,0

0,64

0,18

DAX-Verlauf 2012

1,40

1,30

1,15

0,89 0,79

0,52

–0,33 0,01

–0,20

–2,10

Jan. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez.

8.000

7.500

7.000

6.500

6.000

unterschritten wird. Ist das der Fall, wartet er bis Jahresende

und startet eine neue Runde. Das ist nicht sehr

unterhaltsam, kann aber erfolgreich sein.

Ebenso einfach ist der Grundsatz „Sell in Summer“.

Die Idee dahinter: August und September sind

statistisch die schwächsten Monate an der Aktienbörse.

Warum also nicht rechtzeitig alles verkaufen, Urlaub

machen und im Herbst erneut einsteigen, wenn alles

überstanden ist? „In den Sommermonaten fehlen der

Börse häufig die Impulse“, erklärt Handelsexperte Paul,

„es gibt weniger Unternehmensnachrichten, viele Familien

sind in den Ferien, und es wird eher Geld abgezogen

als investiert.“ Statistisch ist das belegt, aber wer diesem

Rat folgt, muss mitunter damit rechnen, eine ausgeprägte

Rallye zu verpassen. Darauf verweist auch der Frankfurter

Analyst Röhle und gibt zu bedenken, „dass die Vergangenheit

niemals verlässlich Prognosen für die Zukunft

erlaubt“.

Wem „Sell in Summer“ ein zu grobes Maß ist, der

sieht sich die 200-Tage-Linien seiner Aktien an – eine

Methode, an der sich viele Investoren orientieren. Bei der

200-Tage-Linie wird für jeden Tag der Mittelwert der

Schlusskurse der vergangenen 200 Handelstage berechnet,

anschließend werden die einzelnen Durchschnittskurse

miteinander verbunden. Anhand der Linie beobachtet

der Anleger also den gleitenden Durchschnitt der

vergangenen 200 Tage und wartet auf eine Trendwende.

Beginnt die Linie zu fallen und notiert der Kurs aktuell

darunter, wird verkauft. Setzt der Durchschnitt hingegen

Die Betrachtung seit 1959 zeigt:

Der Juli macht auf lange Sicht

die Verluste im Mai wett, der

September entpuppt sich als

der Minusmonat schlechthin.

Dass aber Statistik wenig als

Kurzfristindikator taugt, belegt

der Kursverlauf des DAX im

Jahr 2012: Abwärts ging es bereits

von März an, und die Rallye

zwischen Mai und September

hätte man verpasst, wäre man

der Regel entsprechend erst im

Oktober wieder eingestiegen.

Quellen: Finanzen.net,

Deutsche Börse

ZUERST

TESTEN

Wer ohne Risiko

testen möchte,

welche Strategie

zu ihm passt,

kann sich auf

der Internetseite

der Börse

Stuttgart anmelden

und dort

verschiedene

Musterportfolios

mit den jeweils

ausgewählten

Werten zusammenstellen.

Dann heißt

es abwarten:

Verläuft der Test

für eine Strategie

im Sinne des

Anlegers, lässt

sich das schon

ausprobierte

Vorgehen mit

echtem Kapital

in die Tat umsetzen.

zu einem Höhenflug an und der

aktuelle Kurs liegt darüber, dann

wird gekauft. „Das funktioniert

recht gut“, meint der Münchner

Aktienexperte Stocker, „allerdings

erfordert diese Regel viel Flexibilität

vom Anleger – er muss min destens

wöchentlich die 200-Tage-

Linien seiner Titel prüfen.“

Eine eigenständige Aktienauswahl,

wie sie Value- und Growth-

Ansatz dem Investor abverlangen,

übernimmt bei rein regelgebundenen

Strategien der Markt selbst.

„Top-Flop“ ist eine dieser Strategien,

und auch sie ist im Kern ganz

einfach: Der Anleger setzt im ersten

Halbjahr auf die fünf oder zehn

Verlierer des abgelaufenen Vorjahres,

denn sie haben Aufholpotenzial.

Dann schichtet er im Juni auf

die bisherigen Gewinner des laufenden

Jahres um, denn sie haben

ein positives Momentum.

Auch dieses Vorgehen hat in der

Vergangenheit schon zu guten

Ergebnissen geführt. „Wer eine

solche regelbasierte Strategie

verfolgt, muss sie allerdings sehr

strikt anwenden und darf sich nicht

von der aktuellen Nachrichtenlage

verunsichern lassen“, sagt UniCredit-Analyst

Stocker.

Aber die eine groSSe Wahrheit

gibt es leider nicht: Letztlich

kommt es immer darauf an, dass

sich der Investor mit seiner Strategie

wohlfühlt. „Eine Flop-Strategie

passt nicht zu mir, wenn ich mit

solchen Werten im Depot nicht

mehr ruhig schlafen kann“, sagt

Handelsexperte Norbert Paul.

„Dann sollte ich besser eine Top-

Top-Strategie mit Umschichtungen

in die jeweiligen Gewinner des

Halbjahres fahren – oder es gleich

mit einem ganz anderen Ansatz

versuchen.“ CARSTEN MICHAEL

20 marktmacher 01/2013

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