Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie - FreiDok

freidok.uni.freiburg.de

Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie - FreiDok

Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

JENS PETER LAUT

Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie

Originalbeitrag erschienen in:

Ural-altaische Jahrbücher N.F. 3 (1983), S. [88] - 101


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie

Von JENS PETER LAUT (Gießen)

I. Bemerkungen zur Handschrift

II. Inhalt

III. Sprache

IV. Text

V. Übersetzung

VI. Kommentar

VII. Anhang: Die Träume des Bodhisattva

VIII. Bibliographie und Sigla

I. Bemerkungen zur Handschrift

Das hier bearbeitete Fragment befindet sich in der Staatsbibliothek,

Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1 , unter der Signatur Mainz 131. Es trägt

die Fundsigle T II. Y 37 und stammt demnach aus den Funden der

2. Königlich-Preußischen Turfanexpedition in Yarchoto. Diese Ruinenstätte

ist ca. 15 km westlich von Chotscho gelegen. Das Fragment ist ein

Blatt mit den Maßen 25 cm (br) x 17,2 cm (h), wobei wir waagerechte

Lesung zugrundelegen. Es ist möglich, daß unser Blatt eine Seite eines

gehefteten Buches war. Wenn eine Heftung vorgelegen hat, muß sich

diese am Oberrand befunden haben : nur so wäre es möglich, den Text

durch einfaches Umblättern kontinuierlich zu verfolgen. Für buddhistische

Texte ist eine Heftung ungewöhnlich, sie haben normalerweise die

Form von Pothiblättern, Buchrollen oder Faltbüchern 2 . Das Blatt ist

beidseitig mit jeweils 12 (recto) bzw. 11 Zeilen (verso) in uigurischer

Schrift beschrieben. Der Text wurde mit einer breiten Rohrfeder und

schwarzer Tusche geschrieben. Der Duktus ist weitläufig und relativ

groß. Auffällig sind das hochgezogene D sowie die langen Abstriche des

auslautenden Alif, N und Q. Bei der stark zerstörten ersten Zeile der

Vorderseite wird es sich um eine Überschrift handeln, da sie durch eine

Leerzeile von der dritten Zeile abgesetzt ist, in der zudem der Beginn des

Traumtextes anzusetzen ist. Auf der Rückseite befindet sich über der

ersten Zeile die mit dünner Feder und in sehr kleiner Schrift (nachträglich?)

geschriebene Paginierung iki k[tr]k „zweiunddreißig". Diese recht

1 Der Verfasser dankt Herrn Bibliotheksdirektor Dr. George vielmals für die

Erlaubnis zur Veröffentlichung. .

2 Vgl. GABAIN, A. v.: Alt-türkisches Schrifttum, S. 6-9.


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 89

hohe Zahl weist darauf hin, daß wir es mit einem Fragment aus einem

größeren Werk zu tun haben, in dem die Buddhalegende oder zumindest

Teile von ihr enthalten waren.

Das Papier ist hellbraun und von grober Qualität. Zerstörungen durch

Brandflecken, Wurmfraß und Feuchtigkeit finden sich vor allem an den

Rändern. Die Schrift ist, trotz einiger verwischter oder beschädigter

Stellen, weitgehend gut lesbar und kaum ausgeblichen. Die noch schwach

erkennbare Randlinierung ist von roter Farbe. Unter dem Wort orto

(Z. 25) steht ein mit roter Farbe geschriebenes, nicht mehr lesbares Wort.

Zwei diakritische Punkte werden gelegentlich zur Markierung des velaren

k verwendet. Im Fremdwort m(a)hara6 (Z. 17), skr. mahäräja, steht die unpunktierte

Form für skr. h. Unetymologische Verwendung der beiden

Buchstaben D und T in Medialstellung liegt vor im atü. u1- (Z. 3), otgurati

(Z. 12), öyclün (Z. 17), yitür- (Z. 24) und orto (Z. 25). Ob die „Vertauschung"

von D und T in den Fremdwörtern t vsudoclan (Z. 21), skr. äuddhodana,

und sarvatasid (Z. 24-25), skr. sarvärthasiddha, eine inneruigurische

Angelegenheit ist oder auf eine Gebersprache zurückgeführt werden

muß, ist noch unklar. Flexionssuffixe werden gelegentlich vom Wortstamm

getrennt, ohne daß eine Regelmäßigkeit erkennbar wäre. Hyperplene-Schreibungen

liegen vor bei "NK (äv) in Z. 4 und bei "AWNWR

(tikünfir) in Z. 8, defektive Schreibung von anlautendem a- bei 'LP'QWT

(alpagut) in Z. 21. Als Interpunktion werden Doppelpunkte gebraucht.

II. Inhalt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Auch die Bodhi des

äkyamuni Buddha ist nach der buddhistischen Überlieferung von vielen

Vorzeichen angekündigt worden. Unser atü. Fragment beschreibt die

„fünf großen Träume" des Bodhisattva, welche ihn auf die zukünftige

Erlangung der Bodhi hinweisen. Die Darstellung dieser Träume ist weder

einheitlich noch in jeder Buddhabiographie überliefert 3. Neben der Tatsache,

daß es keine allgemeingültige kanonische Buddhabiographie, sondern

nur differierende Zusammenstellungen verschiedener buddhistischer

Schulen gibt, dürfte für diese lückenhafte und uneinheitliche Tradierung

(vgl. Anhang) auch verantwortlich sein, daß die fünf Träume nicht zu

den historischen oder dogmatischen, sondern zu den legendären Bestandteilen

der Buddhavita zählen. Ihre Schilderung läßt sich jedoch bis

in den Pälikanon zurückverfolgen. Spricht hier die Nidänakathä 4, in der

eine zusammenhängende Lebensgeschichte des Buddha enthalten ist,

3 Nicht erwähnt werden die Träume z.B. im Buddhacarita und im Mahäpadänasutta.

Auch fehlen sie im Mahävagga-Abschnitt des Vinayapi-taka.

4 FAUSBOLL, V. (ed.): The Jätaka. Together with its Commentary . . . Vol. 1.

Reprint London 1962. S. 1-94.


90 JENS PETER LAUT

noch lapidar davon, daß der Bodhisattva in der Nacht vor der Bodhi fünf

große Träume sieht 5 , ohne auf deren Inhalt einzugehen, so berichtet der

Aüguttara-Nikäya (AN) ausführlich, indem er den Buddha selbst diese

Träume schildern und kommentieren läßt 8 . Die buddhistische Sanskritliteratur

hat die Träume des Bodhisattva im Mahävastu (MV)', im Lalitavistara

(LVskr.) 8 und im Salighabhedavastu der Mülasarvästivädin

(Sbhv) 9 überliefert.

Zur Verdeutlichung der Gemeinsamkeiten und Differenzen der Überlieferung

sollen zwei zusammenfassende Übersichten der einzelnen Aussagen

in den unterschiedlichen Fassungen im Anhang dienen. Zu den

soeben genannten Texten werden dort vier weitere Versionen gestellt,

die in außerindischen Sprachen überliefert sind:

1. die mongolische Übersetzung des Lalitavistara (LVmo.) 1° ;

2. die chinesische Übersetzung des Vinaya der Mülasarvästivädin (Sbhv

chin.) 11 ;

3. eine birmanische Version der Buddhalegende 12 und

4. eine singhalesische Version der Buddhalegende 13.

Die verschiedenen Versionen variieren auch bei der zeitlichen Einordnung

der Träume. Nidänakathä, AN, MV, die birman. sowie die singhales. Fassung

überliefern das Ereignis als kurz vor der Bodhi stattfindend. Die

beiden Versionen des Lalitavistara jedoch lassen den Bodhisattva die

Träume noch im väterlichen Palast erleben. Sie sind hier der „letzte Auslöser"

für den Entschluß, in die Hauslosigkeit zu gehen. Er begibt sich

vorher noch einmal zu seinem Vater, um dessen Erlaubnis für das Vor-

5 Bodhisatto pi kho tasmirh, rattibhäge pafica mahäsupine disvä . . . (op. cit., p. 69).

6 HARDY, E. (ed.) : The Aüguttara-Nikäya. Pt. 3. Reprint London 1958.

S. 240-242.

7 SENART, Ü. (ed.) : Le Mahävastu. Texte sanscrit . . . T. 2. Paris 1890.

S. 13613-13922.

8 LEFMANN, S. (ed.) : Lalita Vistara. T. 1 (Text). Halle a. 5.1902. 5.19611-19721.

9 GNOM, R. (ed.) : The Gilgit Manuscript of the Saüghabhedavastu. Being the

17th and last Section of the Vinaya of the Mülasarvästivädin. Pt. 1. Roma 1977.

S. 82-83.

10 POPPE, N.: The Twelve Deeds of Buddha. A Mongolian Version of the Lalitavistara.

Mongolian Text, Notes and English Translation. Wiesbaden 1967. S. 29.

(Asiatische Forschungen. 23).

11 Ken pbn shuo i ch'ieh yu pu p'i nai yeh p'o seng shih in:

J. TAKAKUSU und K. WATANABE (ed.) : Taishö shinshü daizökyö. Tokyo 1924-29.

Bd. 24, S. 115 b 24-c 1. Der Verf. schuldet Herrn Prof. Röhrborn (Gießen) Dank

für Hilfe bei der Übersetzung des Chin.

12 BIGANDET, P.: The Life or Legend of Gaudama the Buddha of the Burmese.

With Annotations. The Ways to Nibban, and Notice to the Phongyies or Burmese

Monks. Vol. 1. 3. Aufl. London 1880. S. 80-81.

13 HARDY, S.: Manual of Budhism, in its Modern Development; translated from

Singhalese MSS. 2. Aufl. London/Edinburgh 1880. S. 170-171.


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 91

haben zu erbitten. Nachdem seine Bitte abgeschlagen wird, beschließt

und verwirklicht der Bodhisattva seine bekannte Flucht aus dem Palast 14.

Der Inhalt des atü. Fragmentes weicht von dem aller anderen genannten

Versionen beträchtlich ab (vgl. Anhang). Der gravierendste

Unterschied ist, daß die „fünf verschiedenartigen, sehr großen Träume"

(uig. Zitat) unseres Textes inhaltlich eine Art Paraphrase des ersten Traumes

der anderen Fassungen sind. Was dort als ein Traum erscheint, ist

in der atü. Version in fünf Einzelträumen überliefert. Von diesen stimmen

nur die ersten beiden Bilder — die Erde als Lagerstätte und der Sumeruberg

als Kopfkissen — mit den uns bekannten überein. Der Himmel als

Decke (Bild 3) sowie Sonne und Mond in der rechten bzw. linken Hand

des Bodhisattva (Bild 4 u. 5) haben in den anderen Versionen keine

Parallele 15 . Alle Traumbilder werden in der atü. Version von Säkyamuni

als Vorzeichen für seine bevorstehende Bodhi interpretiert 16 . Dies und

die Reduzierung der Träume auf das Bild eines „kosmischen Buddha"

können als Indiz dafür gelten, daß unser Text in einem mahäyänistischen

Umfeld entstanden ist. Auch der in unserem Text auftretende Beiname

des Prinzen Gautama, Sarvärthasiddha (uig. sarvatasid, Z. 24-25), der

erst in späterer Zeit (bes. in MV und LVskr.) als Variante des Namens

Siddhärtha (in Pälitexten wird nur Siddhattha gebraucht) erscheint,

deutet darauf hin 17.

In der atü. Version träumt der Bodhisattva die fünf Träume noch vor

seiner Flucht und nicht direkt vor der Erleuchtung. Dies kommt der

Schilderung des LV am nächsten, der als einziger der angeführten Texte

das Ereignis zeitlich ebenfalls vor der Flucht überliefert (s. o.). Als direkte

Vorlage der atü. Version ist der LV jedoch auszuschließen, weil dessen

Traum- und Fluchtschilderung von der unseres Textes erheblich abweicht.

Da der atü. Text fragmentarisch ist, wissen wir nicht, ob und wie die Erzählung

von der Flucht des Bodhisattva weiter ausgeführt wird. Dennoch

ist deutlich, daß die atü. Version eine auffallende Kürze und Gedrängtheit

zeigt. Es fehlen Personen, Namen und Bilder, die in anderen Texten unabdingbar

sind, etwa der Diener Chandaka und das Pferd des Prinzen,

Kanthaka, dessen Hufe die vier Weltenhüter (skr. dikpeila) in die Hände

nehmen. Andererseits kommt das Bild der vier Mahäräjadeva (= dikpäla),

die für den Prinzen ein Tor öffnen, nur in der atü. Fluchtschilde-

14

Vgl. z. B. die zusammenfassende Übersetzung der Fluchtschilderung des

LVskr. in: WALDSCHMIDT, S. 95-116.

15 Ein ähnliches Bild findet sich LVskr. 209 21-210 1 : candrasüryävapi devaputrau

vämadaksinayo13, pärävayoly, sthitävapa4yat „auch Sonne und Mond, die beiden Götter,

sah er zur Rechten und zur Linken stehen". Es handelt sich hierbei um eine Vision

des Bodhisattva kurz vor seiner Flucht. Vgl. WALDSCHMIDT, S. 104.

16 Ebenso Sbhv, Sbhv chin., LVskr., LVmo. und, als einziger Hinayänatext, die

birman. Buddhalegende. Jedem Traum ist eine besondere Bedeutung zugesprochen

in AN, MV und der singhales. Legende.

17 Vgl. BHSD, s. v. sarvärthasiddha, S. 586a.


92 JENS PETER LAUT

rung vor. Die Begegnung des Bodhisattva mit seinem schlafenden Vater

kurz vor dem Ausritt wird u. W. nur in einer tibetischen Quelle ähnlich

geschildert 18.

Überhaupt ist die Buddhalegende in den erhaltenen Texten der atü.

Literatur nur spärlich bezeugt. Lassen wir die in der Maitrisimit" erwähnten

Episoden aus dem Leben des Säkyamuni Buddha außer Betracht,

so sind nur zwei Fragmente bekannt, die die Buddhalegende behandeln.

F. W. K. MÜLLER hat ein Bruchstück veröffentlicht, das in

manchen Passagen mit dem chinesischen Lalitavistara parallel geht 20.

A. VON LE COQ verdanken wir die Erschließung des Fragmentes einer

Version des berühmten ersten Ausrittes des Bodhisattva (Begegnung mit

dem Greis) 21 . Aufgrund eindeutiger Indizien 22 konnte LE COQ nachweisen,

daß es sich dabei um einen manichäischen Text handelt und „daß auch

der Buddhismus in dem synkretistischen Religionssystem des Mani (jedenfalls

in diesen Gegenden) einen wichtigen Platz eingenommen hat" 23.

III. Sprache

Die Frage, ob auch unser Fragment manichäischer Provenienz ist,

läßt sich vom Inhalt her nicht definitiv beantworten. Es gibt aber einige

sprachliche Besonderheiten des Textes, die ihn von der Masse der uigurisch-buddhistischen

Texte trennen, und einige Züge, die das Fragment

in die Nähe der manichäischen (oder christlichen?) Texte rücken. Auffällig

ist zunächst die Form des Fremdwortes sarvatasicl (Z. 24-25). Dieses

Wort kann nicht auf toch. Vermittlung zurückgeführt werden, wie toch.

AAB sarvärthasiddhe zeigt 24 . Der „Wanderweg" des skr. sarvärthasiddha

ins Alttürkische könnte durchaus über die Gändhäri gegangen sein : denn

hier ist skr. r vor t zuweilen assimiliert 25. Eine direkte Übernahme aus

diesem Nordwestpräkrit in das Atü. ist allerdings wohl auszuschließen.

War die Mittlersprache unseres Textes also das Sogdische, welches ja in

18 Vgl. ROCKHILL, S. 25. 19 Vgl. etwa Tafel 13 v. 6-30 (MS, 1. Teil, S. 51-52).

20 MÜLLER, F. W. K.: Uigurica II. Berlin 1911. S. 4-7. (AKPAW. Phil.-hist.

Cl. 1910, 3.)

21 LE COQ : ChristManManus, S. 1208-1211.

22 Die Interpunktion kann nicht mehr den absoluten Wert beanspruchen, den

LE COQ ihr beimessen wollte (op. cit., S. 1204).

23 loc. cit. LE COQ vermutete im übrigen, daß sein Text eine Übersetzung eines

„manichäischen Prototyps vielleicht in soghdischer Sprache" sein könne (vgl. op.

cit., S. 1205, Anm. 1). Vielleicht gilt dies auch für unseren Text.

24 Zwei weitere Belege dieses Namens im Atü. gehen dagegen auf die toch. Form

zurück : ETS, S. 72 25 : s(a)rva-artaside (SRV"'RT'SYDY) und Agon, p. 203 24 : sarvartaside

(S'RV'RD'SYDY). Obwohl der Beleg in unserem Text nur im Casus obliquus vorliegt

(S'RV'T'SYTYQ), legen wir sarvatasid und nicht sarvataside zugrunde, da wir

eine sogd. Vorlage vermuten. In sogd. Texten liegt ja meist Verlust von skr. auslautendem

-a vor.

25 Vgl. BURROW, S. 13 (§ 37).


Abb. 1


Abb. 2


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 93

einer frühen Missionsphase für die Türken eine bedeutende Rolle gespielt

hat"? In diesen Fragenkomplex gehört auch die zum Teil völlig

untürkische Syntax unseres Fragmentes. Ist die Nachstellung von Attributen

(Z. 4 avsiz ulug) und die Stellung von Verbalergänzungen am Satzende

(Z. 3 ol kamag süü üzä ; Z. 12 bilgä biligin, Z. 24-25 sarvatasidig) auf

das Bemühen des türkischen Übersetzers zurückzuführen, die Sprache

seiner Quelle möglichst wortgetreu zu kopieren? Ein extremer Fall ist

z. B. in den Zeilen 12-15 zu finden, wo nicht nur das direkte Objekt, sondern

auch die adverbialen Bestimmungen dem Verb folgen. Ähnlich „untürkische

Gebilde" hat auch BANG in nestorianischen Texten konstatiert

27 . Zu den sprachlichen Besonderheiten gehören ferner die beiden

Konverba turupanin (Z. 15) und [ün]üpänin (Z. 19). Diese sehr seltene

Bildung auf -panin ist bisher hauptsächlich aus manichäischen Texten.

bekannt". Zwei Belege in einem buddhistischen Text liegen in der Maitrisimit

vor". Funktion und Bildung dieses Konverbs werden durchaus

verschieden erklärt. Nach A. VON GABAINS Analyse liegt eine Nominalisierung

des Konverbs auf -pan vor : „Ganz ungewöhnlich ist die Anfügung

eines Possessivums +i samt der Akk.-Endung +n . . ." 3°. Dieser Erklärung

steht e. TEKINS Deutungsversuch gegenüber 31. Er versteht -panin

ebenfalls als Erweiterung des Konverbs auf -pan, faßt das Segment 1-1,n

jedoch, wohl nach dem Vorgang von BANGITOÖLU 32 , als Instrumental auf.

Den Beweis für eine derartige Annahme bleiben beide schuldig; TEKINS

„semantischer Instrumental" 33 bleibt eine dubiose Annahme. Wir möchten

uns der vorsichtigen Stellungnahme von P. ZIEME anschließen, der,

ohne weitere morphologische Analyse, von „erweiterte(n) Formen des

Konverbs " spricht 34 . Ebenso wie TEKIN übersetzt ZIEME seine

Beispiele zeitlich indifferent. Die Belege unseres Textes sind jedoch eindeutig

vorzeitig zu übersetzen. Die Vorzeitigkeit gilt auch für die meisten

altosmanischen Belege des Konverbs auf -ubanln. Dies zeigen die Bei-

26 Zur Frage des Buddhismus bei den Westtürken vgl. A. v. GABAIN : Türkenmission,

S. 167; Dies.: Buddhismus in Zentralasien, S. 497-501. Auf die wichtige

Rolle der Sogder unter den östlichen Türken der Mongolei hat E. G. PULLEYBLANK

(in: TP 41 [1952], 317-356) hingewiesen. Gerade auch die Entdeckung der Stele von

Bugut, deren sogd. Inschrift die Errichtung eines Samgha unter den Köktürken

der ersten Dynastie erwähnt, zeigt, daß ein bedeutender buddhistischer Einfluß

der Sogder auf die östlichen Türken, wahrscheinlich intensiver als der im Westen,

vorhanden war. Vgl. dazu S. G. KLJA§TORNYJ und V. A. Liv§ic : The Sogdian In,-

scription of Bugut Revised (in: AOH 26 [1972], 69-102); L. BAZIN : Tures et Sogdiens

(in: Mgauges linguistiques offerts ä 1 mile Benveniste. Louvain 1975. S. 37-

45) ; S. G. Ku-A§TORNYJ : Einige Probleme der Geschichte der alttürkischen Kultur

Zentralasiens (in: AoF 2 [1975], 119-128).

27 BANG, S. 43ff. und S. 51ff.

28 M II, S. 12 u 2-3; M III, Nr . 10 v. 4, Nr. 16 r. 4,6 und Nr. 35 v. 7.

29 Tafel 23 r. 13 (MS. 1. Teil, S. 71). 30 AGr, S. 395, Anm. 38.

31 Vgl. MS 1. Teil, S. 71, Anm. 2 312* 32 BANGUOöLU, S. 130 (§ 213).

33 Vgl. MS 1. Teil, S. 71, Anm. 2 312' 34 ZIEME, S. 163.


94 JENS PETER LAUT

spiele, die C. BROCKELMANN gibt 35 und von denen hier eine eindeutige

und unserem Text (in Z. 15-16) ähnliche Stelle zitiert sei : „giybeniii oldu

gebreite suvar ,er kleidete sich an und bestieg den Rappen' " 36 . Es ist natürlich

möglich, daß bei den Konverba auf -panin ein spezifischer Aspekt

der Vorzeitigkeit vorliegt („sofort nachdem . . ." oder „zögernd . . ."

usw.). Unsere spärlichen Belege lassen allerdings nur den Schluß zu, daß —

wie N. YÜCE für das Altosmanische meint — die Formen auf -°ban und

ihre Erweiterungen „nicht weit von dem - °p-Gerundium ab(weichen)" 37.

Ebenfalls häufig in manichäischen Texten belegt ist das deverbale Affix

-°gh 38 . Auch die Maitrisimit weist einige Bildungen dieser Art auf 39. In.

unserem Fragment ist küzädigli (Z. 1 6) 4° attributiv zu kapig; eine Besonderheit

liegt darin, daß es durch ein eigenes Subjekt (mäniv kaytm)

expandiert ist.

Auffällig ist weiterhin das in Z. 13 zum erstenmal belegte bodi i ,Bodhibaum'

(skr. bodhivrksa). Die meisten buddhistischen Texte geben diesen.

Terminus mit bodi sögüt wieder. Zudem ist in diesen Texten i in der Bedeutung

‚Baum' stets mit einem weiteren Nomen, meist tga g, in einer

Zwillingsformel belegt. Isoliert kommt i nur in einem manichäischen Text

vor 41

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das atü. Fragment sich

deutlich von der Masse der buddhistischen Texte abhebt. Es scheint sich

um einen recht frühen Text zu handeln, der möglicherweise auf eine sogdische

Vorlage zurückgeht. Die Nähe des Textes zu Sprache und Form

manichäischer Texte ist auffallend, doch ist der Text zu kurz, um sichere

Behauptungen aufstellen zu können.

IV. Text42

(1) 1 111111111111b[od]i1111111änätkäkI1111111111111111111

(2) 2 (Leerzeile)

(3) 3 t(ä)l)ri-lär agir uu iddi ol kamag süü üzä gakimuni

35 BROCKELMANN, S. 19-20. 36 loc. cit. 37 YÜCE, S. 28.

38 Vgl. AGr § 111 und ZIEME, S. 75-77. 39 Vgl. MS 2. Teil, S. 180d.

49 Die Lesung küzät- (gegen CLAUSON 758a) ist jetzt durch mehrere Brähmibelege

gesichert. Vgl. auch schon BANG, S. 53, Anm. 1. Mit Phonetik und Etymologie

des Wortes hat sich unlängst CLARK, S. 198, befaßt.

41 M III, Nr. 9, XI. Blatt II r. 12.

42 Transkription und Transliteration des Textes folgen den Regeln des Uigurischen

Wörterbuches (Lfg. 1. Wiesbaden 1977. S. 9-17). Kursiver Druck steht für

unsichere Lesung, Buchstaben in runden Klammern sind Ergänzungen bei Defektivschreibung,

eckige Klammern bezeichnen eine Ergänzung bei zerstörtem Text.

/ steht für ein Graphem, das nicht ergänzt werden konnte. Wir schreiben punktiertes

d oder t für „falsches" T oder D im Text, wobei wir bei den Fremdwörtern auf die

klassische Sanskritform zurückgreifen. Unverbundene Endungen werden durch

einen Bindestrich, die Interpunktion durch zwei Punkte gekennzeichnet.


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 95

(4) 4 bodisit(i)v beg törlügin tül kördi arjsiz ulug . . äu

(5) 5 ilki ulug tül kördi yagiz yer-ig tögäköä tögän-

(6) 6 ür bolur .. ikinti ulug tül kördi .. sumer tagig yas-

(7) 7 tuköa yast(a)nur bolur . . üöünö ugurlug tül kördi . .

(8) 8 üstünki kök t(ä)urig ägüköä ägünür bolur . . törtün

(9) 9 ulug tül kördi .. oudun smar ayasmta kün. t(ä)u[ri]

(10) 10 tutar .. be ginö ulug tül kördi .. soltin smar aya-

(11) 11 sinta ay t(ä)rjri tutar .. bo beg törlüg agir tüllärig

(12) 12 bügürü kördi bodisit(i)v bilgä biligin . . otgurati m(ä)n

(13) 13 [bu]lgay m(ä)n v(a)örazan örgün üzä bodi 1 alten bur[ha]n

(14) (Paginierung) iki k[ir]k

(15) 1 kutm .. tegin ötrü turupamn k(ä)ntü atin tutunti üz-

(16) 2 ä münti .. mäniu kaum küzädigli ol kapig-öa

(17) 3 üngäy m(ä)n örgün smar tört m(a)haraö t(ä)uri-lär

(18) 4 TWK'N kapigm ünsüzin aha berdi-lär .. tegin ötrü

(19) 5 [ün]üpänin kauinay adakinta yinöürü töpün yükünti

(20) 6 körüulär amte kutl[u]g-lar agir ayag-ka tägimlig

(21) 7 gudoclan ha[n]imiz .. alpagut ur(u)uut ärän-lärin batik

(22) 8 kapern.] //rgurup ogim küzädür .. yarik yogik

(23) 9 agiruja sürjülärin yerkä tayanip süöig udiyur . .

(24) 10 birök uudin odunsar amrak ögükin yitürgäy sarvata-

(25) 11 sichg t(ä)uri-lär sizni bogumig ol kün orto üdün

V. übersetzung43

(1) . . . Bodhi (? ) . . . indisch . . . (2) (Leerzeile) (3) Die Götter schickten

einen tiefen Schlummer über alle diese Truppen. (3-4) Der Bodhisattva

Säkyamuni sah fünf verschiedenartige, sehr große Träume. (4-5) Er sah

zuerst (folgenden) großen Traum: (5-6) Er breitet die Erde wie eine Matratze

für sich aus. (6) Zweitens sah er (folgenden) großen Traum: (6-7)

Er legt den Sumeruberg wie ein Kopfkissen für sich zurecht. (7) Drittens

sah er (folgenden) glückverheißenden Traum: (8) Er hüllt den hoch oben

befindlichen Himmel wie eine Bettdecke um sich. (8-9) Viertens sah er

(folgenden) großen Traum : (9-10) In seiner rechten Hand hält er die

Sonne. (10) Fünftens sah er (folgenden) großen Traum: (10-11) In seiner

linken Hand hält er den Mond. (11-12) Diese fünf verschiedenen, bedeutungsschweren

Träume deutete der Bodhisattva in übernatürlicher Weise

durch seine Weisheit: (12-13) „Erlangen werde ich sicherlich auf dem

Vajräsanathron unter dem Bodhibaum die Buddha-

43 Zerstörung bzw. Abbruch des Textes werden mit drei Punkten bezeichnet'

Eckige Klammern geben Ergänzungen des transkribierten Textes wieder. Worte

in runden Klammern sind Erklärungen oder Zusätze zum besseren Verständnis

des Textes.


96 JENS PETER LAUT

(14) (Blatt) zweiunddreißig

(15-16) würde. Dann stand der Prinz auf, nahm sich sein Pferd und stieg

hinauf: (16-17) „Durch dieses Tor, welches mein Vater bewacht, will ich

nach Osten aufbrechen!" (17-18) Die vier Mahäräjagötter öffneten lautlos

das . . . -Tor für ihn. (18-19) Dann [brach] der Prinz [auf] und verneigte

sich vor seinem (schlafenden) Vater. (20-22) „Seht nun, Edle ! Der äußerst

verehrungswürdige Suddhodana, unser König, [versieht 1 das Stadttor

mit Kriegern, Generälen und Männern und bewacht (auch selbst) seinen

Sohn. (22-23) Wegen der Schwere seiner Rüstung und seines Helmes

stützt er sich mit seinen Lanzen auf den Boden und schläft süß. (24-25)

Wenn er dann vom Schlaf erwacht, wird er seinen Liebling, den Sarvärthasiddha,

verloren haben." (25) „Zur Mittagszeit jenes Tages, an dem Euch

die Götter befreit haben . . ."

VI. Kommentar

(Z. 4 u. 12) bodisit(i)v: Lies so ? Diese Form ist für das Atü. zum erstenmal

belegt. Oder ist von PWDYSVTY auszugehen? Dann könnte es sich um

die Übernahme eines obliquen Kasus des Sogd. handeln, wie er im Vimalakirtinirdegasütra

Z. 66 u. 121 vorliegt: pwtys ßty 44. Auch beim atü. tamu

‚Hölle' (sogd. tm-) ist es möglich, daß eine oblique Form des Sogd. vorliegt.

(Z. 4) austz ulug: Dies ist neben ulug (Z. 5, 6, 9, 10) die Bezeichnung

der Träume, welche dem in den Sanskrit- und Pälitexten üblichen mahei

,groß, bedeutend' entspricht. Der atü. Text weist jedoch auch die zwei

Adjektiva ugurlug (Z. 7) ‚glückverheißend' und agar (Z. 11) ‚bedeutungsschwer'

auf. Dies ist möglicherweise eine Reminiszenz daran, daß nach

buddhistischer Auffassung von den sechs Arten der Träume nur die als

wahr gelten, welche als Vorzeichen und nicht etwa wegen Besessenheit

oder Krankheit geträumt werden45.

(Z. 7) yast(a)n-: Von den bei CLAUSON (974 b) angegebenen Bedeutungen

kommt für unsere Textstelle nur ,to make (something) a pillow or support`

in Betracht. Gleiche Verwendung liegt auch in KB 2727 und 5974 vor.

(Z. 10) bügürü kör-: bügür- ist ein bislang nicht belegtes denominales

Verb von bügü ,Zauber, übernatürliche Kraft'. Seine Bedeutung ist offenbar

,in übernatürlicher Weise etwas tun', in unserem Beleg zusammen

mit kör- in der Bedeutung : ,in übernatürlicher Weise deuten'. Zu kör-

,einschätzen, interpretieren, deuten' vgl. etwa M III Nr. 4, r. 10; Nr. 13,

v. 8 und HT, 5. Kap., Z. 37. Unser Text verwendet bügür- wohl deshalb,

um zu zeigen, daß nur die spirituelle Kraft eines Bodhisattva die merk-

44 BSTBL, S. 22 u. 26. Im sogdischen Mahäparinirvänasütra, Z. 22, ist die Form

pwöysßty belegt (vgl. GERSHEVITCH, § 1446).

45 Vgl. dazu HORNER, S. 128.


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 97

würdigen Traumbilder in der vorliegenden Weise zu deuten vermag. Eine

ähnliche Formulierung auch in Kuan, Z. 207-208: kuansi im pusar bügü

biligin alkuni körür bügülönür „der Bodhisattva Avalokitegvara deutet,

alles durch seine übernatürliche Weisheit".

(Z. 16) kapig-Ca: Vgl. RÖHRBORN/SERTKAYA Zeile 123. Die Lesung

wird durch unseren Beleg bestätigt.

(Z. 18) TWIeet : Es muß sich um ein qualifizierendes Nomen für kapig

handeln, Palast( ?)-Tor o. ä. Wenn die Lesung dieses mir unbekannten

Wortes stimmt, handelt es sich um ein Fremdwort, wie der hintere Vokal

in Verbindung mit dem Zeichen K zeigt.

(Z. 18) ünsüzin: Eine ähnliche Formulierung auch in Buddhacarita V,

82: "The city gatehouses . . . opened noiselessly . . . ”.46

(Z. 20-25) körüulär . . .: Es ist möglich, daß der Bodhisattva selbst

diese Worte spricht. Unklar ist, wer angeredet wird : bezieht sich die Anrede

kutlug-lar (Z. 20) auf die vier Dikpäla? Es könnte sich aber auch

um ein stilistisches Mittel des Autors handeln, um die Aufmerksamkeit

der Leser oder Hörer für diese wichtige Stelle zu wecken. In diesem Fall

bezöge sich kutlug-lar ,Edle, Würdige', auf ein religiöses Publikum, seien

es Laien oder Mönche 47.

(Z. 24) yitürgäy: Wir übersetzen mit Fut. II, was dem Kontext angemessen

erscheint. Zu erwarten wäre yitürmig bolgay o. ä.

(Z. 25) Der Sinn der letzten Zeile ist nicht klar. Unzweifelhaft wird

nun der Bodhisattva (sizni) angeredet. Doch wer ist der Sprecher und

worauf wird mit dem Passus kün orto üdün Bezug genommen?

VII. Anhang : Die Träume des Bodhisattva

in den verschiedenen Überlieferungen

AN MV LVskr.48 Sbhv

1. Die Erde ist das

Bett, der Himälaya

das Kissen des Bodhisattva.

Auf dem

östl. Meer ruht

seine linke, auf

dem westl. seine

rechte Hand, auf

dem südl. Meer ruhen

seine Füße.

1. Entspricht AN,

aber der Sumeruberg

ist sein Kopfkissen.

1. Er bewegt mit

Händen und

Füßen die vier

Ozeane, die Erde

ist sein Bett, der

Meruberg sein

Kopfkissen.

1. Die Erde ist sein

Bett, der Sumeruberg

sein Kopfkissen,

sein linker

Arm ist in das Ost-,

sein rechter in das

Westmeer eingetaucht,

seine beiden

Füße liegen im

Südmeer.

46 JOHNSTON, Pt. 2, S. 78. 47 Vgl. BOMBACI, S. 24.

48 Der LVskr. enthält nicht fünf, sondern zehn Träume. Die hier nicht angeführten

Träume tragen typische Züge des Mahäyäna (der Buddha als Retter aller

Wesen) und dürften spätere Zusätze sein.


98 JENS PETER LAUT

AN MV LVskr.48 Sbhv

2. Eine Grasart

wächst aus seinem

Nabel bis zum

Himmel empor.

2, Entspricht AN. 2. Er sieht ein

Licht. Die tiefe

Dunkelheit ist vertrieben.

Ein Sonnenschirm

entspringt

der Erde

und beleuchtet die

Dreiwelt. Durch

Berührung mit

diesem Licht wird

das Leid gemildert.

2. Entspricht AN.

3. Weiße Würmer

mit schwarzen

Köpfen kriechen

an seinen Beinen

hinauf und bedecken

sie bis zu

den Kniescheiben.

3. Rötliche Wesen

mit weißen Köpfen

bedecken seine

Beine bis zu den

Knien.

3. Schwarz-weiße

Wesen berühren

seine Füße.

3. Weiße Vögel

mit schwarzen

Köpfen lassen sich

zu seinen Füßen

nieder, bis sie seine

Kniescheiben bedecken.

4. Vier Vögel von

verschiedener Farbe

kommen aus

allen 4 Richtungen

geflogen und werden

weiß, als sie

sich zu seinen

Füßen setzen.

4. Vier Geier fliegen

aus den 4 Richtungen

herbei, küssen

seine Fußsohlen,

werden weiß und

entfernen sich.

4. Vierfarbige

Vögel werden zu

einfarbigen.

4. Verschiedenfarbige

Vögel kommen

aus den 4

Richtungen und

werden vor ihm

einfarbig.

5. Er steigt einen

hohen Exkrementenberg

hinauf,

ohne sich zu beschmutzen.

5. Entspricht AN. 5. Entspricht AN. 5. Er besteigt einen

Exkrementenberg.

LVmo.49 Sbhv chin. Birm. Legende Singhal. Legende

1. Die Erde ist sein

Bett, der Sumeruberg

sein Kopfkissen.

Er bewegt

die vier Ozeane

mit Händen und

Füßen.

1. Er sieht seinen

Körper auf die

Erde gebettet. Der

Sumeruberg ist

sein Kissen, die

linke Hand geht in

das Ost-, die rechte

in das Westmeer.

Beide Füße gehen

in das Südmeer.

1. Entspricht AN. 1. Die Erde ist sein

Bett, der Himälaya

sein Kissen.

Die vier Meere

fließen über, bis sie

seine Hände und.

Füße erreicht haben.

Der Cakravälafelsen

berührt

seine Finger.

49 Eine scharfe Trennung der Traumbilder ist nicht möglich, da nicht angegeben

ist, wieviel Träume vorliegen. Gehören also Traum 2 und 3 zusammen (vgl. LVskr.)

oder muß Traum 1 in drei Traumbilder unterteilt werden ?


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 99

LVmo. 4 9 Sbhv chin. Birm. Legende Singhal. Legende

2. Er vertreibt die

Dunkelheit in der

Welt.

2. Er sieht aus seinem

Herzen das

KuAagras des guten

Omens hoch

hinausgehen bis

in den Bereich der

Leere.

2. Entspricht AN. 2. Aus seinem Nabel

schießt ein

Pfeil empor, der

immer länger wird,

bis er den Brahmaloka

erreicht.

3. Ein Sonnenschirm

entspringt

der Erde und bedeckt

die ganze

Welt.

3. Viele weiße Vögel

mit schwarzen

Köpfen verneigen

sich vor ihm und

wollen sich in die

Luft erheben, über

steigen aber nicht

sein Knie.

3. Weiße Ameisen

bedecken seine

Beine bis zum

Knie.

3. Unzählige Würmer

mit weißen

Körpern und

schwarzen Köpfen

kriechen über seine

Füße und gelangen

zum Knie.

4. Entspricht Sbhv. 4. Entspricht AN. 4. Verschiedenfarbige

Vögel fliegen

aus den 4

Richtungen zu

ihm und werden

goldfarben, als sie

sich ihm nähern.

5. Er geht über

einen Haufen aus

verschiedenartigem

Schmutz hinweg.

5. Entspricht AN. 5. Er besteigt einen

16 Meilen hohen

Schmutzberg, ohne

daß seine Fußsohlen

beschmutzt

werden.

Agon s. SHÖGAITO, M.

AGr s. GABAIN, A. v., 1974.

VII. Bibliographie und Sigla

AN s. Anm. 6.

ARAT, R. R.: Eski Türk eiiri. Ankara 1965. (Türk Tarih Kurumu yayinlari. 7, 45.)

— Kutadgu Bilig. I. Metin. 2. Aufl., Ankara 1979.

BANG, W.: Türkische Bruchstücke einer nestorianischen Georgspassion. In : Le

Museon 39 (1926), 41-75.

BANGITOÖLU, T.: Altosmanische Sprachstudien zu Süheyl-ü Nevbahar. Breslau

1938.

BHSD s. EDGERTON, F.

BOMBACI, A.: Qutluy bolzun.! A Contribution to the History of the Concept of

Fortune among the Turks. [II]. In : UAJb 38 (1966), 13-43.

BROCKELMANN, C.: Altosmanische Studien I. Die Sprache .MyqpäAäs .

und Ahmedis.

In: ZDMG 73 (1919), 1-29.


100 JENS PETER LAUT

BSTBL s. MACKENZIE, D. N.

BURROW, T. : The Language of the Kharosthi Documents from Chinese Turkestan.

Cambridge 1937.

ChristManManus s. LE COQ, A. v., 1909.

CLARK, L. V. : The Manichean Turkic Pothi-Book. In : Altorientalische Forschungen

9 (1982), 145-218.

CLAUSON, Sm G. : An Etymological Dictionary of Pre-Thirteenth-Century Turkish.

Oxford 1972.

EDGERTON, F.: Buddhist Hybrid Sanskrit. Grammar and Dictionary. Vol. 2:

Dictionary. New Haven 1953.

ETS s. ARAT, R. R., 1965.

GABAIN, A. v. : Die uigurische Übersetzung der Biographie Hüen-tsangs. I. Bruchstücke

des 5. Kapitels. Berlin 1935. (In: SPAW. Phil.-hist. Klasse. 1935, 7.

151-180.)

- Alt-türkisches Schrift bum. Berlin 1950. (In : SDAW. Phil.-hist. Klasse. 1948, Nr. 3.)

- Buddhistische Türkenmission. In: Asiatica. Festschrift Friedrich Weller .. .

Leipzig 1954. 161-173.

- Der Buddhismus in Zentralasien. In: Religionsgeschichte des Orients in der

Zeit der Weltreligionen. Leiden/Köln 1961. 496-514. (Handbuch der Orientalistik.

1. Abt., Bd. 8,2.)

- Alttürkische Grammatik. Dritte Auflage. Wiesbaden 1974. (Porta Linguarum.

Orientalium. N. S. 15.)

GERSHEVITCH, I.: A Grammar of Manichean. Sogdian. Oxford 1961.

HORNER, I. B.: Milinda's Questions. Vol. 2. Translated from the Pali . . . London

1964. (Sacred Books of the Buddhists. 23.)

HT s. GAGAIN, A. v., 1935.

JOHNSTON, E. H. (ed.) : AAvaghffl's Buddhacarita or Acts of the Buddha. Complete

Sanskrit Text with English Translation . . . Reprint Delhi 1978.

KB s. ARAT, R. R., 1979.

KERN, H.: Der Buddhismus und seine Geschichte in Indien. Eine Darstellung der

Lehren und Geschichte der buddhistischen Kirche . . . Bd. 1,1. Leipzig 1882.

Kuan s. TEKIN, S., 1960.

LE COQ, A. v. : Ein christliches und ein manichäisches Manuskriptfragment in

türkischer Sprache aus Turfan (Chinesisch-Turkistan). In : SKPAW. 1909, 48.

1202-1218.

- Türkische Manichaica aus Chotscho. II. Berlin 1919. (APAW. Phil.-hist. Klasse

1919, 3.)

- Türkische Manichaica aus Chotscho. III. Berlin 1922. (APAW. Phil.-hist.Klasse

1922, 2.)

LVmo. s. Anm. 10.

LVskr. s. Anm. 8.

M II s. LE COQ, A. v., 1919.

M III s. LE COQ, A. v., 1922.

MACKENZIE, D. N.: The Buddhist Sogdian. Texts of the British Library. Leiden-

Teheran-Liege 1976. (Acta Iranica. 3. Ser., 3.)

MS s. TEKIN, ► ., 1980.

MV s. Anm. 7.


Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie 101

ROCKHILL, W. W. : The Life of the Buddha and the Early History of his Order.

Derived from Tibetan Works in the bkah-hgyur and bstan-hgyur. Reprint

San Francisco 1976.

RÖHRBORN, K.: Uigurisches Wörterbuch. Sprachmaterial der vorislamischen türkischen

Texte aus Zentralasien. Lieferung 1-3. Wiesbaden 1977-1981.

— und 0. SERTKAYA : Die alttürkische Inschrift am Tor-Stüpa von Chü-yungkuan.

In: ZDMG 130 (1980), 304-339.

— Zum Wanderweg des altindischen Lehngutes im Alttürkischen. In: Studien zur

Geschichte und Kultur des vorderen Orients. Festschrift für Bertold Spuler .. .

Leiden 1981, 337-343.

Sbhv s. Anm. 9.

Sbhv chin. s. Anm. 11.

SHÖGAITO, M.: Uigurugo, uigurugobunken no kenkyü. 1. "Kannonkyö ni fusawashii

sanpen no Avadäna" oyobi "Agonkyö" ni tsuite. Köbe 1982. (Köbe

shigaikokugo daigaku kenkyü sösho. 12.)

TEKIN, e.: Uygurca metinler I. Kuansi im pusar (ses isiten iläh). Vap hua ki affig

nom 9eVeki sudur (Saddharmapundarika-sütra). Erzurum 1960. (Atatürk Üniversitesi

yayinlari. Arastirmalar serisi. Edebiyat ve filoloji. 2.)

— Maitrisimit nom bitig. Die uigurische Übersetzung eines Werkes der buddhistischen

Vaibhäsika-Schule. Teil 1-2. Berlin 1980. (Akademie der Wiss. der DDR.

Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie. Schriften zur Geschichte

und Kultur des Alten Orients. Berliner Turfantexte. 9.)

THOMAS, E. J.: The Life of Buddha as Legend and History. Reprint London 1956.

WALDSCHMIDT, E.: Die Legende vom Leben des Buddha. In Auszügen aus den

heiligen Texten. Aus dem Sanskrit, Pali und Chinesischen übersetzt und eingeführt

von Ernst Waldschmidt. Berlin 1929.

YüCE, N.: Gerundien im Türkischen. Eine morphologische und syntaktische Untersuchung.

Diss. phil. Mainz 1973. Ungedruckt.

ZIEME, P.: Untersuchungen zur Schrift und Sprache der manichäisch-türkischen

Turfantexte. [Berlin 1969.] (Ungedruckte Dissertation der Sektion Asienwissenschaften

der Humboldt-Universität Berlin.)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine