Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie - FreiDok

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94 JENS PETER LAUT

spiele, die C. BROCKELMANN gibt 35 und von denen hier eine eindeutige

und unserem Text (in Z. 15-16) ähnliche Stelle zitiert sei : „giybeniii oldu

gebreite suvar ,er kleidete sich an und bestieg den Rappen' " 36 . Es ist natürlich

möglich, daß bei den Konverba auf -panin ein spezifischer Aspekt

der Vorzeitigkeit vorliegt („sofort nachdem . . ." oder „zögernd . . ."

usw.). Unsere spärlichen Belege lassen allerdings nur den Schluß zu, daß —

wie N. YÜCE für das Altosmanische meint — die Formen auf -°ban und

ihre Erweiterungen „nicht weit von dem - °p-Gerundium ab(weichen)" 37.

Ebenfalls häufig in manichäischen Texten belegt ist das deverbale Affix

-°gh 38 . Auch die Maitrisimit weist einige Bildungen dieser Art auf 39. In.

unserem Fragment ist küzädigli (Z. 1 6) 4° attributiv zu kapig; eine Besonderheit

liegt darin, daß es durch ein eigenes Subjekt (mäniv kaytm)

expandiert ist.

Auffällig ist weiterhin das in Z. 13 zum erstenmal belegte bodi i ,Bodhibaum'

(skr. bodhivrksa). Die meisten buddhistischen Texte geben diesen.

Terminus mit bodi sögüt wieder. Zudem ist in diesen Texten i in der Bedeutung

‚Baum' stets mit einem weiteren Nomen, meist tga g, in einer

Zwillingsformel belegt. Isoliert kommt i nur in einem manichäischen Text

vor 41

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das atü. Fragment sich

deutlich von der Masse der buddhistischen Texte abhebt. Es scheint sich

um einen recht frühen Text zu handeln, der möglicherweise auf eine sogdische

Vorlage zurückgeht. Die Nähe des Textes zu Sprache und Form

manichäischer Texte ist auffallend, doch ist der Text zu kurz, um sichere

Behauptungen aufstellen zu können.

IV. Text42

(1) 1 111111111111b[od]i1111111änätkäkI1111111111111111111

(2) 2 (Leerzeile)

(3) 3 t(ä)l)ri-lär agir uu iddi ol kamag süü üzä gakimuni

35 BROCKELMANN, S. 19-20. 36 loc. cit. 37 YÜCE, S. 28.

38 Vgl. AGr § 111 und ZIEME, S. 75-77. 39 Vgl. MS 2. Teil, S. 180d.

49 Die Lesung küzät- (gegen CLAUSON 758a) ist jetzt durch mehrere Brähmibelege

gesichert. Vgl. auch schon BANG, S. 53, Anm. 1. Mit Phonetik und Etymologie

des Wortes hat sich unlängst CLARK, S. 198, befaßt.

41 M III, Nr. 9, XI. Blatt II r. 12.

42 Transkription und Transliteration des Textes folgen den Regeln des Uigurischen

Wörterbuches (Lfg. 1. Wiesbaden 1977. S. 9-17). Kursiver Druck steht für

unsichere Lesung, Buchstaben in runden Klammern sind Ergänzungen bei Defektivschreibung,

eckige Klammern bezeichnen eine Ergänzung bei zerstörtem Text.

/ steht für ein Graphem, das nicht ergänzt werden konnte. Wir schreiben punktiertes

d oder t für „falsches" T oder D im Text, wobei wir bei den Fremdwörtern auf die

klassische Sanskritform zurückgreifen. Unverbundene Endungen werden durch

einen Bindestrich, die Interpunktion durch zwei Punkte gekennzeichnet.

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