Ein Bruchstück einer alttürkischen Buddhabiographie - FreiDok

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96 JENS PETER LAUT

(14) (Blatt) zweiunddreißig

(15-16) würde. Dann stand der Prinz auf, nahm sich sein Pferd und stieg

hinauf: (16-17) „Durch dieses Tor, welches mein Vater bewacht, will ich

nach Osten aufbrechen!" (17-18) Die vier Mahäräjagötter öffneten lautlos

das . . . -Tor für ihn. (18-19) Dann [brach] der Prinz [auf] und verneigte

sich vor seinem (schlafenden) Vater. (20-22) „Seht nun, Edle ! Der äußerst

verehrungswürdige Suddhodana, unser König, [versieht 1 das Stadttor

mit Kriegern, Generälen und Männern und bewacht (auch selbst) seinen

Sohn. (22-23) Wegen der Schwere seiner Rüstung und seines Helmes

stützt er sich mit seinen Lanzen auf den Boden und schläft süß. (24-25)

Wenn er dann vom Schlaf erwacht, wird er seinen Liebling, den Sarvärthasiddha,

verloren haben." (25) „Zur Mittagszeit jenes Tages, an dem Euch

die Götter befreit haben . . ."

VI. Kommentar

(Z. 4 u. 12) bodisit(i)v: Lies so ? Diese Form ist für das Atü. zum erstenmal

belegt. Oder ist von PWDYSVTY auszugehen? Dann könnte es sich um

die Übernahme eines obliquen Kasus des Sogd. handeln, wie er im Vimalakirtinirdegasütra

Z. 66 u. 121 vorliegt: pwtys ßty 44. Auch beim atü. tamu

‚Hölle' (sogd. tm-) ist es möglich, daß eine oblique Form des Sogd. vorliegt.

(Z. 4) austz ulug: Dies ist neben ulug (Z. 5, 6, 9, 10) die Bezeichnung

der Träume, welche dem in den Sanskrit- und Pälitexten üblichen mahei

,groß, bedeutend' entspricht. Der atü. Text weist jedoch auch die zwei

Adjektiva ugurlug (Z. 7) ‚glückverheißend' und agar (Z. 11) ‚bedeutungsschwer'

auf. Dies ist möglicherweise eine Reminiszenz daran, daß nach

buddhistischer Auffassung von den sechs Arten der Träume nur die als

wahr gelten, welche als Vorzeichen und nicht etwa wegen Besessenheit

oder Krankheit geträumt werden45.

(Z. 7) yast(a)n-: Von den bei CLAUSON (974 b) angegebenen Bedeutungen

kommt für unsere Textstelle nur ,to make (something) a pillow or support`

in Betracht. Gleiche Verwendung liegt auch in KB 2727 und 5974 vor.

(Z. 10) bügürü kör-: bügür- ist ein bislang nicht belegtes denominales

Verb von bügü ,Zauber, übernatürliche Kraft'. Seine Bedeutung ist offenbar

,in übernatürlicher Weise etwas tun', in unserem Beleg zusammen

mit kör- in der Bedeutung : ,in übernatürlicher Weise deuten'. Zu kör-

,einschätzen, interpretieren, deuten' vgl. etwa M III Nr. 4, r. 10; Nr. 13,

v. 8 und HT, 5. Kap., Z. 37. Unser Text verwendet bügür- wohl deshalb,

um zu zeigen, daß nur die spirituelle Kraft eines Bodhisattva die merk-

44 BSTBL, S. 22 u. 26. Im sogdischen Mahäparinirvänasütra, Z. 22, ist die Form

pwöysßty belegt (vgl. GERSHEVITCH, § 1446).

45 Vgl. dazu HORNER, S. 128.

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