Trennung und Scheidung bei einer Option für die ... - FreiDok

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Trennung und Scheidung bei einer Option für die ... - FreiDok

Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

HEINRICH POMPEY

Trennung und Scheidung bei einer Option für die

Unauflöslichkeit der Ehe

Originalbeitrag erschienen in:

Lebendige Seelsorge 39 (1988), S. 40-46


HEINRICH POMPEY

Trennung und Scheidung bei einer Option

für die Unauflöslichkeil der Ehe

Die Begleitung bei Eheschließung wie Ehetrennung,

bei Hochzeit und Scheidung zählt heute

zu den verantwortungsvollsten Aufgaben, die

kirchliche Berater und Seelsorger unserer Gesellschaft

leisten. Darum sei unter der kirchlich

überlieferten Perspektive der Unauflöslichkeit

der Ehe die heutige Trennungs- und Scheidungs-

„wirk"-lichkeit näher angeschaut.

1. BLICKRICHTUNG KIRCHLICHER EHEBERATUNG

UND -BEGLEITUNG

Scheidung und Trennung erweisen sich erlebnismäßig

wie faktisch für die Ehepartner wie für

ihre Kinder als Unheil bzw. Übel (Malum), auch

wenn in der Gesellschaft ein permamentes Verharmlosungs-

und Umdeutungsbemühen im

Gange ist. Menschen von diesem Übel zu erlösen,

von diesem Leid zu befreien, zumindest in

dieser Not beizustehen, ist heute ein wichtiger

Dienst. Sicher kann dies nicht geschehen, wenn

Ratsuchende und Berater ein „Malum" (na Übel)

ein „Bonum" (d. h. ein schätzenswertes Gut)

nennen bzw. dieses Übel verharmlosen oder als

erstrebenswerte Emanzipation hinstellen. Darüber

hinaus ziehen Trennung und Scheidung

noch eine Kette von Leid und weiteren Übeln

nach sich.' Befragen sich Geschiedene tief und

ehrlich, dann werden sie die böse „Wirk"-lichkeit

der Trennung, die über ihre Ehe und Familie

gekommen ist, kaum als etwas Gutes ansehen

und erleben, sondern höchstens als das geringere

Übel betrachten, weil Ehe und Familie so nicht

mehr lebbar waren. Zutiefst bleiben die Beteiligten

einer Trennung von der Sehnsucht nach einer

gelingenden Ehe und Familie beseelt und

vom eigentlichen Gutsein einer gelingenden Ehe

und Familie überzeugt, nicht nur weil Ehe und

Familie das denkbar größte Maß seelisch-emotionaler

Geborgenheit und Sicherheit schenken,

sondern weil in ihnen auch die seelisch-emotionale

Grundprägung des Menschen erfolgt. Ehe

und Familie sind für das sozial-emotionale Leben

und Überleben der Menschen unersetzlich.

Umfragen machen immer wieder deutlich; daß

Ehe und Familie als Institution und als anstrebenswerte

Lebensgemeinschaft hoch im Kurs stehen

— entsprechend einem sehr tiefen Grundbedürfnis

der Menschen. Dies wird deutlich in einer

Zusammenstellung der verschiedenen Umfrageergebnisse

zur nichtehelichen Lebensgemeinschaft

in der Bundesrepublik seitens des

Ministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit

(1985). Selbst von den eine Million Paaren,

die derzeit unverheiratet in der Bundesrepublik

zusammenleben, sind nur acht Prozent grundsätzlich

gegen die Ehe. Für fast 70 Prozent der Befragten

stellt die derzeitige Lebensgemeinschaft

primär eine voreheliche Partnerschaft dar.' Für

zwei Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die in nichtehelichen Gemeinschaften leben,

steht das Ideal der Ehe — eine treue, dauerhafte

Beziehung bis zum Tod — außer Zweifel. Lediglich

sind sich die Partner unsicher, ob sie mit

diesem Partner die Gemeinschaft der Ehe lebenslang

leben können. 3

I Im Sinne eines Transgenerationeneffekts kann die Trennungserfahrung

der Elternbeziehung, bis in die nächsten Generationen hineinwirken.

So kommen in Ehen von Scheidungskindern gehäuft Tren•

nungen oder große eheliche Beziehungsunsicherheiten vor. In der

Eheberatung und -seelsorge läßt sich immer wieder feststellen, daß

scheidungswillige Partner gehäuft geschiedene Eltern hatten. Diese

Kausalkette des Übels ist seelsorg,lich und durch christliche Sozialarbeit

in ihren Anfängen zu unterbrechen.

2 Nichteheliche Lehensxemeinschaften in der Bundesicpublik Denise:1,

lind. Bd. 170, Schrihenrcihe dcs Rundemninisters fiir Familie

und Gesundheit, Stuttgart 1985, 30-33.

3 So bringt gerade die Gruppe der nichtehelich. Partnerschaften symp

tornatisch besonders klar den Wunsch nach der gelingenden, überlic.

ferten Struktur der Ehe zum Ausdruck. Wenn die beteiligten Partner

die für ein glückliches Gelingen der Ehe notwendigen Grundfähigkeiten

bzw. Grundhaltungen iWert und Einstellung kennen würden

und leben könnten, dann wäre das Wagnis Ehe auch für sie möglich.

Die von vielen Heiratswilligen artikulierte Sorge angesichts des massenhaften

Scheiterns der Ehen in unserer Gesellschaft ist bekanntlich

nicht unberechtigt

40


Ebenso wie die Ehe wird auch die Familie hoch

geschätzt. 83 Prozent aller Frauen und 76 Prozent

aller Männer sagen heute: „Für mich ist

meine Familie das Wichtigste." Dies geht aus einer

repräsentativen Umfrage des Hamburger

Sample-Instituts hervor.' Noch 1976 hatten bei

einer Allensbach-Umfrage 36 Prozent aller Männer

und 37 Prozent aller Frauen behauptet, „daß

man keine Familie braucht, um wirklich glücklich

zu sein". 5

Wenn Berater kirchlicher Stellen und Seelsorger

der Gemeinden einen Versöhnungsdienst und

keine reine Trennungsberatung leisten, dann

entsprechen sie den tiefsten Sehnsüchten der

Menschen. Kommt also ein Paar oder ein einzelner

mit einer Trennungs- bzw. Scheidungsabsicht,

muß der Berater wissen, daß diese Ansicht

„vordergründiger" Natur ist. Hintergründig heißt

der Gedanke an Trennung und Scheidung: Erlöse

uns von diesem übel und befreie uns zu einem

neuen Leben in Ehe und Familie. Die Partner

nehmen die Trennung und Scheidung in Kauf,

weil sie keine Alternative und keine Möglichkeit

der Verlebendigung ihrer Ehe und Familie sehen.

Diese Sehnsucht nach dem hohen Gut von Ehe

und Familie dürfen Seelsorger und Berater nicht

vergessen, auch wenn der Glaube an ein Gelingen

von Ehe und Familie im konkreten Einzelfall

beiden Partnern oder einem Partner verlorengegangen

ist. Christliche Seelsorger wie Ehe- und

Familienberater dürfen sich nicht von vornherein

auf das übel der Trennung fixieren lassen

bzw. von diesen bösen „Wirk"-lichkeiten ihr

Denken und Helfen besetzen lassen, das heißt

trennungsbesessen sein. Nicht der Favorisierung

der Trennung, sondern der Leben schenkenden

Neuausrichtung von Ehe und Familie gilt die

Handlungspriorität.

II. DIE PSYCHOSOZIALE BESCHREIBUNG DER

TRENNUNGS- UND SCHEIDUNGSWIRKLICHKEIT

die Trennung von einzelnen Lebensphasen (Pubertät,

Midlifecrisis, Klimakterium, Auszug der

Kinder aus dem Elternhaus usw.),

—eine Krankheit mit irreversiblen Folgen für das

private wie für das berufliche Leben,

die Trennung von Heimat und Elternhaus,

—Tod und Sterben als die radikalsten und endgültigsten

Formen der Trennung und Scheidung,

zum Beispiel von Eltern, Geschwistern, Freunden

und sogar eigenen Kindern usw.

Trennung und Scheidung sind „Wirk"-lichkeiten

des Lebens, die unbestritten ein übel darstellen,

die vielfach keine Rückkehr zum ursprünglichen

Gutsein der Gemeinschaft erlauben, jedoch eine

Überwindung der bösen Trennungs-„wirk"-lichkeiten

zu guten neuen Lebensmöglichkeiten hin

herausfordern. Gelingt der Schritt der Annahme

einer unabdingbaren Trennung, dann kann eine

Lebensreife erworben werden, die nachfolgende,

unumgängliche Trennungswirklichkeiten leichter

bewältigen und voraussehbaren Trennungswirklichkeiten

besser entgegentreten läßt. Vor

allem wenn sie „lebensnormal" sind, liegen sie in

der, wenn auch harten Logik des Lebens begründet

und sind auf Dauer zumindest einsichtig und

dadurch leichter annehmbar. Viele Formen von

Trennung und Scheitern ereignen sich aber auch

schicksalhaft oder schuldhaft. Sie überkommen

unabänderlich einen Menschen, und Menschen

tragen die Veranwortung für die entstandene

Trennungs-„wirk"-lichkeit. Scheidung von Ehe

und Familie gehört eher der Gruppe der oft

schuldhaft bedingten, aber an sich ungewollten

Trennungs-„wirk"-lichkeiten an, die nicht der

Lebensnorm und -logik entsprechen. Sie sind

schuldhaft, weil verantwortungslos eine Ehe geschlossen

wurde, das heißt, ein Paar hat die Götzenbilder

voneinander und von der Ehe vor der

Heirat nicht realistisch korrigiert und damit

auch das ja zum Kind auf eine unverantwortli-

Seelsorge und Lebensberatung kennen vielfältige

Situationen der Trennung und Scheidung

menschlicher Beziehungen. Das Leid der Trennung

und Scheidung ist eine allgemeine anthropologische

„Wirk"-lichkeit, die alle Leidensbereiehe

der Ratsuchenden in Seelsorge und Beratung

durchzieht. Sei es:

4 Vgl. Srodmi DER FAMILIE, 30 119831, Nr. 6, 69.

5 Die Bedeutung der Familie nimmt nach der Sarnplc-Unfrage sogar

itoth zu. 65 Prozent der Bundesbürger haben den Eindruck, daß

Bedeutung der Familie noch wachsen wird (bei den Verheiraten sind

es sogar mehr als 70 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der Deut.

sehen hält die Familie in ihrer heutigen Form für die bestmögliche

Art der Lebensgemeinschaft: 72 Prozent aller Männer und 66 Prozent

aller befragten Frauen. Darüber hinaus ist die Familie für die Bundesbürger

eine Stätte der Geborgenheit: „Nur in der Familie fühle ich

mich wirklich geborgen", sagen 76 Prozent aller Frauen und 74 Pro -

zent aller Männer, vgl. STIMME DER FAMILIE 30 (1983) I Ne • 6 69.

41


ehe Llti:rnbeziehung gegründet. Die Schuld - die

Schuldrealität oder das Schuldgefühl - findet ihren

vielfältigen sprachlichen Ausdruck:

- als Selbstvorwurf wegen Unachtsamkeit bei

der Eheschließung,

- als Unzufriedenheit über die eigene Unzulänglichkeit

und die eigenen Charakterschwächen,

die bei diesem Konflikt wieder deutlich wurden,

- als Fremdvorwürfe von Angehörigen, Nachbarn,

Kindern usw., seien sie ausgeprochen oder

durch Blicke kundgetan,

- als Selbstkritik, weil man es nicht geschafft

hat, das ja zum Partner um der Kinder willen

durchzuhalten',

- als negative Gestimmtheit, weil man sich gegenüber

dem Partner oder der Umwelt als Versager

fühlt.

Es stellt sich die Faage, ob diese psychisch-moralische

„Wirklichkeit im Blick auf ein versöhntes

Auseinander bzw. Zueinander und im Blick

auf eine Verankerung dieses Sich-schuldig-Fühlens

in der Beziehung des Menschen zu Gott von

Berater oder Seelsorger übergangen werde» darf.

Kurz sei noch an einige psychosoziale Erhebungen

zum Leid und übel von Trennung und

Scheidung erinnert:

- Im Jahr kommen auf 100 Eheschließungen in

der Bundesrepublik ca. 30 Eheauflösungen.

- Die Zahl der Stiefkinder aus geschiedenen

Ehen beläuft sich derzeit auf 420000.' Insgesamt

lebten 1982 1329000 Kinder unter 18 Jahren

von einem Elternteil getrennt.'

- Die Gründe der Trennung einer Ehe liegen in

SO Prozent der Fälle in der Bekanntschaft mit einem

anderen Partner, in 20 Prozent der Fälle in

einer Alkohol- oder anderen Drogenabhängigkeit

und in 30 Prozent der Fälle in der persönlichen

Einstellungs- und Lebensveränderung des

einen oder anderen Partners.'

Die Gründe und Wirkungen ihrer mißlungenen

Ehe und Familie sind den Partnern zum Teil bewußt,

werden erahnt oder auch verdrängt. Viele

Gründe und Wirkungen lassen sich vertauschen.

Der Alkohol kann Folge der mißlungenen ehelichen

Beziehung sein wie aber auch Ursache für

ein Mißlingen. Ganz gleich, was Ursache und

Wirkung ist, der Satz: "Ich will mich trennen"

muß angesichts dieser komplexen Leidenswirklichkeit

nicht unbedingt bedeuten: „Ich will

mich von meinem Partner trennen", sondern

heißt zunächst: „Ich will mich von einem unerträglichen

Zustand trenner-N

Kaum jemand hat nach Scheidung keine

emotionalen Probleme. Der Entlastung folgt der

Verlassenheitsdruck und das Verlassenheitsgefühl.'°

Viele beschleicht ein Gefühl, vom Partner

bzw. vom Schicksal betrogen zu sein. Aggression

und Wut wechseln mit Trauer und Depression,

Selbst- und Fremdvorwürfe plagen die Beroffenen

bis weit in die neuen Lebenskonflikte hinein.

Dazu kommt Ärger bei der Neueinrichtung

der Lebensverhältnisse, der Wohnung evtl. beim

Arbeitsplatz, bei der Arbeitsplatzveränderung

bzw. bei der Stellensuche. Spürbar werden finanzielle

Einschränkungen, sei es wegen der Alimente

oder wegen der nur begrenzt möglichen

außerhäuslichen Erwerbstätigkeit. Für manche

Mutter folgt ein Bittgang zum Sozialamt.

Sozial und gesellschaftlich sind Rollenwechsel zu

vollziehen: von der Ehefrau zur Geschiedenen,

vom Kind zum Scheidungswaisen bzw. Stiefkind.

Erwartungen, Verpflichtungen und Lebenskontaktmöglichkeiten,

zum Beispiel gegenüber der

eigenen Familie, der Nachbarschaft, der Wohngemeinde,

den Kollegen, ändern sich. Dies bedeutet

eine zum Teil radikale Neugestaltung der

Umwelt hei gleichzeitig notwendiger psychischer

Stabilisierung der Persönlichkeit."

Da sich Kinder zuticf,t nach dri 1:inheil von Vater und Mutier ich

nen. ,ignali,icren e.ie immer wit dcr, u ie ccfuin c, wate, wenn Kid,

1 hem d,h zu,ammen ,cicn, SihliAlich bedeutet die Trennung der

hern fin die Kinder einen ent, heidenden cnuaionalen Vcrlu,t an

Sicherheit und Warme miwie cine lbedrohung der 1 igen; de, Kinde,

materieller wre sozialer Hrn.sicht Die Sc huldvorwürft die ,. El

tern Nand lt unnung ,ind wv,entlich tiefgehender al , hei der norma

len rennuni dcf Kinder ,iin ihren Litern in der rohertat kw hei de•

ren Partnersuche ; denn bei rmet normalen Ablo, ung,trennung he•

mein die begründete Hoffnung, dar; alle, wieder gut werden kann,

wenn auch in anderer Form.

7 Vgl STIMM! D1 lt FAMULI!, 32 11985), Nr. 7, 83.

Vgl Cmouc. Koiati ,por,u,t Nz (1984), 7.

9 v g l Wcnn Paare mch trcnnen in: WI cc zum

N,M. ccc ci , 3 , (198ci), 442-449, 446.

Va 5, >and cr , chrocken und :1W:erordentlich betroffen, wenn der Partneu

,ein, Trennung , wLin, che 'atißert oder sah einfach auf und davon

mado Andere denken mnethvh an Trennung spechur) aber nicht

dai über. I vit 1c ereignet mch die Trennung durch Verflaehung

fIcl eheiahen I■e:Achung daß die f ornialc Scheidung f lir

0311,11,1 1 ,4 Ander, denken standig uher die Trennung ‚‚cm i, und

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In der liciat Ling von Ehepartnern hei Scheidung,b , icla kommt die

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8, teiltgien eond Die normalt emotionale ccibund,,, nur

cm , i aili n ohung ein 1 hernteil 11.1 crhocn, paart h

71,1 CiFtTit, SitIldd , WI( du, II lahi.i1131tCn

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dcrl 43,11 1 cben•rahr,ehnti hehlung der I kern al,

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42


III. THWLOGISCH-KIRCHLICH ORI.RI MEM.

ASPEKTE. DLR UN/11.17 S.LN „WIRK"•

LICHKEIT VON TRLNN.. .C, UND SCHEIDUNG

1. Die grundlegende Unheils-„wirk"-lichkeit des

Scheiterns menschlicher Beziehungen aus

christlich-theologischer Sicht

Versöhnung, den die kirchlich-christliche Beratung

und Seelsorge auch bei Scheidungs- 'und

Trennungswunsch wahrnimmt, Glaube, Hoffnung

und Liebe in einer konkreten Leidenssituation

zu verlebendigen, kann ein Mensch bereits

hier und jetzt anfanghaft wieder auferstehen ZU

neuen, innerlich verwandelnden Lebensmöglichkeiten.

13

Das Scheitern menschlicher Beziehungen in seinen

vielfältigen Formen hat letztlich seinen 2. Die verfehlten Bedingungen des Gelingens der

christlich-anthropologischen Grund darin, daß Lhe nach der christlich-anthropologischen

nach biblischer und theologischer Tradition die Überlieferung

lebensvolle, gelingende Beziehung des Menschen

zu Gott, zum Nächsten, zu sich selbst sowie zur In der zweitausendjährigen sozialen Lebenswis-

Natur, zur Lebens- und Arbeitswelt einer sehwe- senserkenntnis bzw. Lebensweisheit der Kirche

ren Grundstörung anheimgefallen ist, die zu ei- haben sich einige weitere Mindestrealitäten für

ner Scheidung bzw. Trennung des Menschen eine gelingende eheliche Partnerschaft als unabvon

Gott führte. Am Ursprung allen Unheils weislich herausgestellt, die leider nur einen statistand

und steht ein Ur-Nein, ein Ur-Mißtrauen. sehen, starren, abstrakten Niederschlag in der

Der Mensch will nicht mehr an das Gutsein Got- kirchenrechtlichen Beschreibung der ehelichen

tes, der Schöpfung und der eigenen Person glau- Wirklichkeit und bedauerlicherweise gar keine

hien, nicht mehr hoffen, daß dieses Gutsein Resonanz in der Ehepastoral und Eheberatung

wachsen und eine lebensvolle Zukunft haben finden. Nach ihr kommt eine Ehe nur durch eiwird,

sowie nicht mehr Gott, die Schöpfung und nen Konsens, das heißt gegenseitige Abstimsich

selbst liebend annehmen, wie sie sind (Gen mung bzw. Stimmigkeit und Gleichsinnigkeit,

3,4-6). 0 Diese Grundbeziehungsstörung wirkt rechtmäßig zustande, der einen Willensakt darsich

nach christlichem Verständnis in jeder Art stellt (CIC 1057), der durch das Freisein von

Unfrieden, Unversöhnlichkeit, mangelnder Beja- Zwängen, von Furcht und Täuschung (C1C 185)

hung, hoffnungsloser Lebenssicht, fehlender sowie durch Erkennen und Kennen des Wesens

Liebe, Unbarmherzigkeit und Trennungsabsicht der Ehe und der unverzichtbaren Bedingungen

usw. fort, sei es in der Beziehung des Menschen

zu Gott, zum Nächsten, zu sich selbst oder zur

Gesamtheit der Schöpfung.

Doch Gott läßt sich von seinem la zum Menschen

nicht abbringen und reagiert auf diese

Trennungs-„wirk"-lichkeit mit einen Bundesschluß.

Er hält seine Treue gegenüber den Menschen

weiterhin heilvoll durch, um so die Beziehung

Gott — Mensch wieder zu neuem Leben zu

erwecken. Es ist ein universaler Heilsbund, der

seine größte Entfaltung in der Menschwerdung

seines Sohnes und der Stiftung der Gemeinschaft

der Glaubenden, Hoffenden und Liebenden, das

heißt der Kirche, findet und der seine reale Abbildung

in jedem ehelichen Bund erfährt.

So wie der Mensch in Freiheit den Akt des Ur-

Mißtrauens setzte, so muß er in Freiheit auch

den Akt des Vertrauens setzen, will er aus dem

Unheilszusammenhang, das heißt aus dem Teufelskreis,

heraustreten. Gelingt es im Dienst der

finden Es ist bekannt, daß Kinder aus geschiedenen Eher zunehmend

ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen müss., c.: nut der

Irennung. von Vater oder Mutter nicht fertig werden lungvr hen°,

gen drei bis fünf Jahre, um die emotionalen Probleme der Scheidung

der Eltern zu verarbeiten. Mädchen bewältigen diese, Leid in etw,

kürzerer Zeit, vgl. DK bariper Zeitschrift für dir Mitglieder der FU•

mei Ersatzkasse (19S6) NI. 2, 97. Mit psychosozialen Spätfolgen ist zu

rechnen, die in den vielfältigen 1 rennungserfahrungen des Lebens der

Kinder ihren Niederschlag finden können, insbesondere die eigene

eheliche Beziehung belasten.

12 Zur differenzierten Beschreibung des bezichungstheologisehen An.at

z.es vgl H. Posten , Theotogr,ch-prehologisch,

der •ecl,or.szlichert Kraning. in: Clik1,111.1 s ABC — ntl -rt reers,

GIN 191,6, Nr. 6, Gr 4, 179-209, 195-202.

13 Glaube, Hoffnung und liebe sind nicht machbar, sondern stellen in

Intensität und Unifang ein Gnadengeschenk dar. Trotzdem erha!ten

sie während eines Gesprächs einen entscheidenden Im-a- und zwar

durch die sog. ,,ficles eia eredaut' des Beraters, d a , h t :fs, durch den

in einer Grundhaltung (intentitil und Grundhandlung aztio' zur T,

gewordenen Glauben. Ein Ratsuchender und Leidender kann nur an

seine guten Lebensmöglichkeiten glauben. wenn zuvor der Kgleiter -

nicht Immer direkt ausgesprochen - einen Akt des GIal.bens an d:e

guten Lebensmöglichkeit. seines Karsuchenden setzt Ein hein.:en

der Ausgang psychosozialer Beratung kommt nicht z.1.. , tunde wenn

der Berater seinen Klienten innerlich aufgegeben ha: und er nicht

recht fur ihn hofft Ein Leidender kann nic sieh sen, ander, u , 3

seine Lebensrealitäten annehmen lernen wenn nich, cci errem.3nd

ihn liebend angenommen hat. Einer muls ihm in der bebenden Annahme

seiner selbst %orangeherr.

43


kinel ehelichen Gemeinschaft geprägt sein muß

(CIC 126). Außerdem setzt die effektive Gleichsinnigkeit

und Gleichstimmigkeit hinreichenden

Vernunftgebrauch, eine hinreichende psychische

Beschaffenheit der Person für das Leben dieser

Ehe sowie ein Urteilsvermögen, das frei ist von

schweren emotionalen wie kognitiven Mängeln

(C1C 1101), voraus.

Versucht man hinter die kirchlich-rechtliche

Festschreibung auf das zugrundeliegende psychosoziale

Lebenswissen zurückzuschließen, dann

kommt — vereinfacht gesagt — eine Ehe als Gemeinschaft

eines Mannes und einer Frau nur zustande

bzw. kann nur lebensvoll gelingen, wenn

ein Konsentire, das heißt ein alle Sinne umfassendes,

Gemüt und Leib einschließendes Stimmigsein

und Abstimmen bzw. eine entsprechende

Gleichsinnigkeit, vorliegt, das von der

Komplementarität oder Konkordanz der Charaktereigenschaften

bis zum Bedürfniskonsens reichen

kann. Dies ist psychologisch nie nur ein

punktuell-rechtlich abprüfbares Ereignis, sondern

eine prozeßhafte "Wirk"-lichkeit, die das

einmal ge , prochene und geprüfte ja permament

neu einfordert. -

Die Gleichsinnigkeit und Stimmigkeit, das heißt

das stimmig Konsentire als Grundlage eines

treuen und lebenslangen Bundes eines Mannes

und einer Frau, treten nach dieser

Lebenswissenstradition der Kirche nur ein:

al wenn die Partner frei sind von Zwängen,

Furcht und Täuschung — diese können innerpsychischer

wie zwischenmenschlicher Art sein —

sowie,

b) wenn sie klar erkennen und kennen, was die

Ehe' bedeutet und von welchen Bedingungen sie

abhängt (C1C 125/126), zum Beispiel was zum

glücklichen Gelingen nötig ist.

Dies wiederum setzt voraus, daß sie a) über hinreichende

Intelligenz verfügen, insbesondere die

Urteilsfähigkeit, sowie b) weder psychisch noch

sonst wie beeinträchtigt sind und die psychische

wie somatische Reife vorhanden ist, um einen

Ehebund leben zu können (C1C 1101,2).

Sind diese Faktoren gewährleistet, ist auch psychologisch

einsichtig, daß ein eheliches, emotionales,

kognitives, leibliche-s Gleichsinnig- und

Stimmigsein dauerhaft mit diesem Partner möglich

ist. Im Blick auf die kirchliche Ehekrisenvorbeugung

wie Ehekrisenbegleitung dürften damit

auch die zentralen Elemente einer ehelichen

Partnerschaft bzw. eirannnerschaftsfähigkeit

durch die genannten Bc—agungen mitbeschrieben

sein." Werden aber die sogenannten zentralen

Grund-„wirk"-lichkeiten einer ehelichen

Stimmigkeit und Gleichsinnigkeit nicht beachtet

bzw. werden sie in der ehelichen Beziehung

nicht weiter kultiviert, dann wird eine solche

verantwortungslose Verfehlung unweigerlich

Trennung und Scheidung in verdrängter oder offen

geforderter Weise heraufbeschwören.

3. Linschätzung V011 Tiennung und Scheidung

aus dieser theologischen und kiiehlichanthropologischen

Sicht

Bei einem Großteil der Paare, die vor dem Faktum

einer mißlingenden ehelichen Beziehung

und damit vor der Frage nach Trennung und

Scheidung stehen, läßt sich vielfach ausmachen

— auch wenn diese dem Paar von vornherein

nicht bewußt ist —, daß Glaube, Hoffnung und

Liebe im eben beschriebenen Sinne die eheliche

Beziehung wirkmächtig nicht erfaßt hatten und/

oder daß eine Gleichsinnigkeit und Gleichstimmigkeit

im Sinne eines klaren Kennens und Erkennens

des Partners und der ehelich-familiären

‚Wirk-lichkeiten bzw. ein freies Wollen und

Entscheiden für diesen Partner und für diese Ehe

bereits in den Anfangsbemühungen steckengeblieben

bzw. überhaupt nicht vollzogen waren.

Wenn also in den basalen theologischen Grundhaltungen

und den anthropologischen Grundhandlungen

derartige Mängel vorliegen, ist zu

fragen, ob überhaupt eine Ehe zustande kam und

ob damit zwingend und logischerweise überhaupt

die Frage nach Trennung und Scheidung

zu stellen ist. Wo nichts gebunden war, kann

nichts getrennt werden. Das Paar steht dagegen

vor der Frage, ob es die formal eingegangene eheliche

Beziehung in ihren Wurzeln, das heißt ra-

14 nie, bcsehri thung der Bedingungen einer gchniendi n Ehi gilt auf

einen über eitausendiahrigen t, hehung , und Vei itikation910,1;

:ur od. und stellt sonnt eine sog heyriindetc Alliag, theotic dar Da,

Ksi.hrteheni anthropologische lehen.wi , scn dir Kirche zum Gchn

gtri cliclichcr P.Irtncrschalt ist ZNZI in sich Kren , r , vat, lipsd.,

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- Fc•,..chnri ui 'nil W. Arnold, Munclun 191-1, 146-15'


dikal heilen'' bzw. die, heilvollen und letztlich

verbindenden Grum' '‘,tri überhaupt erst einmal

kultivieren will.

Es ist in der Beratungspraxis ein verhängnisvoller .

Irrtum zu meinen, wenn zwei zu diesem Konsens

noch nicht gefunden haben, müßten sie

auseinandergehen, anstatt überhaupt erst einmal

die Möglichkeit des Konsens, das heißt die

Gleichstimmigkeit und Gleichsinnigkeit, im

oben beschriebenen Sinne zu versuchen. Sicher

ist der fehlgeschlagene erste Versuch eine Belastung

für dieses Bemühen. Doch wenn die basalen

„Wirklichkeiten der Ehe in dieser Beziehung

nicht zum Tragen kamen und von diesen

Partnern nicht gelebt werden konnten, ist die

Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch, daß eine

neue Partnerschaft gelingt, sondern daß eine

neue eheliche Partnerschaft bereits wieder in ihren

Grundlagen bedroht ist, wie die Scheidungszahlen

von Wiederverheirateten belegen.

Beratung bei Trennung und Scheidung — unabhängig

davon, ob ein Konsentire vorhanden war

oder nicht — muß den Versuch der Heilung an

den Wurzeln, das heißt der „sanatio in radice"

unternehmen, will sie eine echte Art der Versöhnung

darstellen im Sinne des versöhnten Auseinanders

wie des versöhnten Zueinanders in der

begonnenen ehelichen Beziehung bzw. in einer

anderen Beziehung. Die Kausalketten des Bösen

müssen unterbrochen werden. Wird die „sanatio

in radicc", die radikale Heilung einer Beziehung

bzw. die Befähigung zum Gelingen menschlicher

Beziehungen bewußt und willentlich verweigert,

dann liegt objektiv eine schwere, schuldhafte

Verfehlung vor, auch wenn sie von dem Betroffenen

nur als kleineres übel erlebt und angesehen

wird. Zu einem solchen übel kann es keine

leicht-„fertige" Zustimmung und Ent-Schuldigung

durch Seelsorge und christliche Beratung

geben.

Waren Glaube, Hoffnung und Liebe gegeben und

mit einem Gleichsinnig- und Gleichstimmigsein

verbunden und wurden sie bewußt und willentlich

verfehlt, dann liegt ein Schuldigsein vor, das

nicht einfach psychologisch wegrationalisiert

und wegemotionalisiert werden darf, weil sonst

eine böse „Wirk"-lichkeit zurückbleibt, die vielfältige

Formen menschlichen Leidens hervorrufen

kann. Nur ein Bekenntnis zur Wahrheit dieses

Unrechts wird die Betroffenen zu neuen, Jebensvollen

Möglichkeiten befreien, sei es im

Sinne eines versöhnten Auseinanders oder eines

versöhnten Zueinanders. In einem solchen Fall

bleiben Trennung und Scheidung theologisch

wie christlich-anthropologisch eine radikale Verfehlung

von Liebe, Treue, Hingabe, Annahme

und Gehorsam (Kol 3,18ff ; 1 Petr 3,1-7 ;

Thess 2,8-15 ; Tit 2,1-6).

Auch die Kirche weiß seit ihren Anfängen um

das Scheitern menschlicher Beziehungen. Sc)

nimmt die Kirche das schuldhafte wie unschuldige

Scheitern von Ehen und Familien schmerzvoll

zur Kenntnis, aus dem es keinen Ausweg

mehr gibt, sei es bei einer ehebrecherischen Beziehung

zu einem anderen Partner (C1C 1152)

bzw. wenn „einer der Gatten eine schwere Gefahr

für Seele und Leib des anderen Gatten oder

der Kinder herbeiführt oder auf andere Weise

das gemeinschaftliche Leben unerträglich

macht" (CIC 1153). In diesem Fall erlaubt die

Kirche die Praxis der sogenannten Trennung von

Tisch (das heißt häuslicher Gemeinschaft) und

Bett (das heißt der sexuellen Gemeinschaft).

Da aber die Ehe nicht nur eine Privatangelegenheit

der Brautleute ist, sondern ein öffentliches

Zeichen der Liebe und Treue Gottes (Hos

2,2]-22), steht es der Kirche nicht zu, die Ehe,

die in besonderer Weise in den Bund Gottes mit

dem Menschen hineingenommen und gleichzeitig

Zeichen dieses Bundes ist, aufzulösen. Gott

selbst ist es, der die Eheleute verbunden hat (Mk

10,9), und nicht die Kirche oder einer ihrer Vertreter.

„Was Gott verbunden hat, kann der

Mensch nicht trennen" (Mk ]0,91)C

15 Die ."Jnatio in radkc 1161-116511, rwar ein 1,,henrechtli

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IV. GLINEINDLICIIL ASPI KTI: DLS HUI I.NS

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Bereits im Vorfeld der Trennung müßten im

Blick auf die zunehmende Scheidungspraxis in

unserer Gesellschaft Pfarrer und verantwortliche

Gemeindemitglieder sensibilisiert werden, zum

Beispiel bei einem Hausbsuch oder einem anderen

Gemeindekontakt, auffallende Ehe- und Familienstörungen

aufzugreifen und auf mögliche

Hilfen aufmerksam zu machen, bevor eine böse

„Wirklichkeit der Trennung die einzelnen Partner

voll besetzt. Eine entsprechende Not könnten

Seelsorger bei ihren Hausbesuchen heraushören,

wenn die Ehepartner über zentrale Inhalte

ihrer Gespräche berichten. Dabei sollten sie

möglicherweise verdrängte Gedanken zum Mißlingen

der Ehe zur Sprache bringen, Ebenfalls

müßten offene Kreise von Eheleuten und Familien

in den Gemeinden initiiert werden, die die

Trennungsgefährdeten, die Schuldigen wie Unschuldigen

und die Versöhnten wie die unversöhnt

Getrennten aufnehmen.

Die Kirche und ihre Gemeinden stehen hei ihren

Bemühungen um das Wfrvon Ehe und Familie

fast allein ; denn Staat c tesellschaft versagen

im Blick auf Stabilisierung von Ehe und Familie

heute fast total bzw, beschränken sich auf finanzielle

Maßnahmen wie auf eine rein gerichtliche

Regelung des Problems. Mit Recht sagt die amerikanische

Sozialarbeiterin Isolina Rica' über die

heute rein richterlich ausgerichtete staatliche

Scheidungshilfe: Sie schneidet wie ein guter

Chirurg eine Beziehung entzwei, die Beziehung

von Mann und Frau, und versucht eine andere

mit ein paar Stichen zu festigen, die Beziehung

zwischen Eltern und Kindern. Dabei machen

viele Ehepaare nach der Scheidung die Erfahrung,

„daß die Operation selbst zwar erfolgreich

war, der Patient aber in dem nachoperativen

Durcheinander sich nicht mehr erholte". Darf

sich unsere Gesellschaft so einfach aus der Affäre

ziehen bei einem Problem, das sie selbst mitbewirkt

und begünstigt?

17 1 Ric t Al■ //Je ihrin und r nnoth rItiatit

Idribtr, München 194, S 22

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