Ilias diachronica Ny (13) - FreiDok

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Ilias diachronica Ν (13) 7

enthält neben anderen erstaunlichen Sätzen auch diese (Borchardt 1959, 52 f.

[Ende 1944]):

„Sie [die ‘Iliosdichtung’] erscheint dem eindringenden Auge als eine im Einzelnen

meisterhaft bedachte, im Ganzen aus reicher Phantasie geborene freie Manteldichtung,

die einen andersartigen Körper rahmenartig umfaßt, aber auch als

lebendiger Rahmen in ihn einwächst und überall ihn mit sich selber überwebt.

61. Dieser Körper ist ein noch rhapsodisch zusammen- und weitergeschriebener,

dennoch nicht mehr ausschließlich rhapsodisch geborener und bestimmter

Grundstock von Einzelstücken verschiedenartigster Verfasserschaft und

sehr verschiedenen Alters. – Nicht rhapsodisch, sondern bereits dichterisch an

seiner Entstehung ist, daß die Teilstücke nicht mehr mechanisch mit Hinblick

auf zeitlich kausalen Anschluß aufgereiht und in den Lücken verglichen, sondern

mit Hinblick auf eine vorschwebende Zielsetzung aus mannigfachen Möglichkeiten

zweckmäßig gewählt und dann im Sinne eines Ganzen disponiert

worden sind, auch nicht immer in grader zeitlicher Ordnung, sondern mit vorgreifenden

und zurückgreifenden Brechungen des Verlaufs. ...

62. Homeros hat die Einzelstücke des von ihm der äußern Technik nach noch

rhapsodisch disponierten und syngraphierten Buches nach vielen Rücksichten

hin aus der vermutlich reichen Fülle wirkungsbewiesener, glänzender, oder

auch nur als Füllmittel brauchbarer Leistungen gewählt, die[,] in der aödischen

Hochblüte des 10. Jahrhunderts erzeugt, in den Händen der sammelnden Rhapsoden

und durch sie der Fahrenden Leute waren. ...“

V.

Zu Grundlagen und Form der Textrestitution sei an dieser Stelle nur das Nötigste

angemerkt (im übrigen s. Tichy 2010).

Als Textgrundlage dient in erster Linie die Edition Arthur Ludwichs, daneben

ist – mit der methodisch gebotenen Vorsicht – Wests Edition benutzt. Fachliteratur

zur (unitarischen) Homeranalyse wurde zum Teil bereits herangezogen,

gelegentlich auch implizit berücksichtigt, aber noch ohne Abgleichung der

beiderseitigen Ergebnisse.

Wenn eine restituierte 1. Vershälfte ausnahmsweise zwei Choriamben umfasst,

sind hier beide – insgesamt also drei – im Druck hervorgehoben. Dieser

seltene Verstyp ist, wo er auftritt, wohl bewusst gewählt und dient zur Akzentsetzung

bzw. auch Absatzmarkierung. [Nachtrag zu Tichy 2010: Drei Choriamben

enthält bereits der erste Vers des Musenprooimions zum Schiffskatalog,

Β 484; im Schiffskatalog zeigen diese Besonderheit Vers 505, 522, 546, 569, 719;

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