JAHRESBERICHT - Gymnasium Liestal

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JAHRESBERICHT - Gymnasium Liestal

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«Weisch no?»

Erinnerungen von Schülerinnen und Schülern des ersten Jahrgangs des Gymnasiums Liestal, gesammelt und

als Versuch von «Oral History» niedergeschrieben von Rolf Zaugg, Klasse 1–4c (1963–1966), Prof. Dr. phil.,

Historiker

31. Oktober 2013

Literaturbegegnung: Der Schriftsteller, Kabarettist

und Liedermacher Franz Hohler besucht das

Gymnasium Liestal. Rund 120 Schüler/-innen

diskutieren mit dem Autor, reagieren auf seine

Texte und tragen eigene vor, und zwar zum Thema

Schöpfungsgeschichten. Den Anlass hat die

Fachschaft Religionswissenschaften initiiert und

in Zusammenarbeit mit Deutschlehrern/-innen

durchgeführt.

2. November 2013

50 Jahre Gymnasium Liestal: Nach Jahren des

Unterbruchs steigt das mit Spannung erwartete

Gymfest, das den diesjährigen Festreigen

abschliesst. Rund 1000 Gäste bestaunen und

geniessen die fantasievollen Angebote der engagierten

Klassen: Kulinarisches, Tanz, Spiel, Quiz,

Musik und vieles mehr.

Es war ein schönes Jubeljahr!

> Mehr zum Gymfest auf Seite 49

ist der Typus D zu einer Art Unterseminar

geworden, was ja

eigentlich auch eine bildungspolitische

Absicht des Kantons

war. Der Lehrermangel in Baselland

war sehr gross, und

schon kurz nach Eröffnung

des Gymnasiums begann die

Planung für das kantonale Lehrerseminar.

Josua Oehler und Dr. Rudolf Häusler, Oktober 2013

Josua Oehler: Das junge Lehrerseminar

war zu Beginn eine

Abteilung des Gymnasiums

Liestal. Der Übertritt nach

der Matur erfolgte sozusagen

nahtlos. Der Typus D war aus

meiner Sicht eine optimale

Vorbereitung fürs Seminar.

Was ich mir an Musik- und

Kunstwissen aneignen konnte,

prägte mich stark. War es das

Vertrauen in die Liestaler Seminarausbildung

oder der Lehrermangel,

dass ich für meine Erstanstellung

nicht einmal eine

Probelektion halten musste?

Wir Burschen konnten damals

während der Seminarzeit, obwohl

sie nur drei Semester

dauerte, gleich noch die Sommerrekrutenschule

besuchen,

während die Mädchen ein

Sozialpraktikum absolvierten.

Auf meine Bewerbung hin besuchten

mich der Allschwiler

Schulpflegepräsident und der

Rektor während des Ausgangs

im Restaurant Kanonenkugel

gleich vis-à-vis der Liestaler

Kaserne und sie erklärten mir

nach einem kurzen Gespräch

und dem Bezahlen des Café

Crème zu meiner grossen

Überraschung, ich sei dann

also gewählt!

Am 16. April 1963 sitzen wir 82 Schülerinnen und Schüler des 1. Jahrgangs

des neu gegründeten Gymnasiums Liestal in der Aula auf Burg in

Liestal erwartungsvoll, zumeist etwas eingeschüchtert oder zumindest

beeindruckt, sonntäglich gewandet und mäuschenstill.

Wir haben im Februar 1963 nach einer Aufnahmeprüfung, der allerdings

mehr die Rolle einer Orientierungsprüfung zukam, den mit legendärer

«Schnapsmatrize» vervielfältigten und per Handschrift ergänzten «Aufnahmeentscheid»

erhalten. (siehe Interview Oehler/Häusler, S. 29) Die

Ermahnung in der Handschrift des Rektors «Wird sich gehörig anstrengen

müssen». gilt dann für uns alle sofort mit Schulbeginn als Leitmotiv.

In meiner Klasse überleben von den 20 Schülerinnen und Schülern

angesichts solcher Leistungsansprüche nur 8 Schüler das 1. Schuljahr;

zum Trost erhalten Einzelne der nicht Beförderten das Maturitätszeugnis

an einem Basler Gymnasium, an welches sie nach geltendem Schulabkommen

immer noch prüfungsfrei wechseln können, teilweise sogar

ein halbes Jahr vor uns … Tatsächlich haben wir aus Liestal nach erfolgreicher

Maturitätsprüfung 1966 unser Studium an den schweizerischen

Universitäten dafür nur unter dem Vorbehalt aufnehmen können, dass

unser Gymnasium noch die eidgenössische Anerkennung erhalten müsse.

Verschiedene Maturandinnen und Maturanden von 1966 berichten

auch, dass man ihnen an den Hochschulen – vor allem in Basel – anfänglich

mit einem gewissen Misstrauen bezüglich der Liestaler Maturität

begegnet sei.

Am 16. April 1963 sind in der Aula auf Burg die Lehrerinnen (zwei!)

und Lehrer «unseres» Gymnasiums vor uns platziert, deren Fotos und

ausführlichen Lebensläufe die Interessierten bereits aus den offiziellen

Verlautbarungen in der «Basellandschaftlichen Zeitung» (BZ) kennen.

Man stelle sich vor, in der «BZ», deren normale Ausgabe damals täglich

jeweils nur 8 bis 12 Seiten umfasst, füllen die Mitteilungen der Lehrerwahlen

fürs Gymnasium Liestal durch den Regierungsrat des Kantons

Basel-Landschaft manchmal eine ganze Seite. Die Suche nach Lehrern

scheint angesichts des Oberlehrermangels in der Schweiz ein Kraftakt

gewesen zu sein, wie mir einer der Lehrer der 1. Stunde noch nach 50

Jahren eindrücklich schildert: «Man musste auch an den Realschulen

und den wenigen progymnasialen Abteilungen des Kantons die Lehrer

‹zusammenkratzen›.» Diese Lehrer erweisen sich für uns Schülerinnen

und Schüler nicht als die schlechtesten. Mein Lieblingslehrer im Progymnasium

Liestal, Dr. Robert Schläpfer, ist bereits zuvor als Konrektor

für die Aufbauarbeit des Gymnasiums gewählt worden. Die Wahl des

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