Entwurf zur Stellungnahme

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Entwurf zur Stellungnahme

WASSER

ABFALL

REGELBLÄTTER

ÖWAV-Regelblatt 518

Wien 2008

REGELWERK

des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV)

Anforderungen an den Betrieb von

Kompostierungsanlagen

Entwurf zur Stellungnahme

In Kommission bei:

ON Österreichisches Normungsinstitut

A-1020 Wien, Heinestraße 38


Dieses Regelblatt ist das Ergebnis ehrenamtlicher, technisch-wissenschaftlicher

Gemeinschafts arbeit.

Dieses Regelblatt ist eine wichtige, jedoch nicht die einzige Erkenntnisquelle für eine fachgerechte

Lösung. Durch seine Anwendung entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln oder

für die richtige Anwendung im konkreten Fall. Eine etwaige Haftung der Urheber ist ausgeschlossen.

Es wird darauf hingewiesen, dass alle Angaben in diesem Regelblatt trotz

sorgfältigster Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen.

© 2008 by Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband.

Alle Rechte vorbehalten.

Printed in Austria 2008

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des

Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verbandes unzulässig und strafbar.

Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Entwurf zur Stellungnahme

Selbstverlag des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes, Wien

In Kommission bei ON Österreichisches Normungsinstitut, 1020 Wien

Satz und Layout: Mag. Fritz Randl (ÖWAV)

Druck: Druckerei Fischer KG, 1010 Wien


Vorwort

Das Ziel der Kompostierung ist der möglichst zügige und verlustarme Abbau der organischen

Ursprungssubstanzen und deren Überführen in stabile, pflanzenfreundliche Humussubstanzen.

Die Anwendung des erzeugten Komposts, also das Zurückführen organischer Substanz

in den natürlichen Stoffkreislauf, erfordert, dass dieser Kompost hohe Qualität aufweist.

Bei geeigneter Ausgangsmaterialzusammensetzung und bei Einhaltung günstiger Rottebedingungen

können in reifem Kompost bis zu 40 % der organischen Substanz als Huminsäuren

vorliegen. Die auffälligen und wesentlichen Eigenschaften der Huminstoffe sind deren Widerstand

gegen einen biologischen Abbau, ihre hohe Kationenaustauschkapazität und ihre sorptive

Bindung an mineralische Bodenbestandteile. Ein Freisetzen von Nährstoffen wird erst mit

dem Abbau der Huminstoffe möglich. Da Huminstoffe jedoch gegenüber mikrobiellem Abbau

weitgehend resistent sind, stellen sie eine sehr langsam fließende Nährstoffquelle dar.

Biologische Abbauprozesse laufen in der Natur selbstständig ab. Der Prozess bedarf jedoch

in dem Moment unserer Unterstützung, wenn der Charakter der organischen Substanz, deren

große Menge, deren Struktur oder auch unsere Zeitvorgabe diesen natürlichen Ablauf nicht

mehr zulassen. Wir müssen dann Geräte und verfahrenstechnische Hilfsmittel einsetzen, um

den aeroben Rotteprozess überhaupt zu ermöglichen bzw. ihn zu optimieren. Wir sprechen

deshalb auch von einem technischen Kompostierprozess. Ein solcher technischer Kompostierprozess

verursacht auch Emissionen (Lärm, Geruch, Staub, Sickerwasser, Pilzsporen),

welche allerdings unter Kenntnis ihrer naturwissenschaftlich-technisch bedingten Ursachen

weitgehend beherrschbar sind.

Dieses Regelblatt soll dem Praktiker helfen, den Rotteprozess besser zu verstehen, und

dadurch gezielter in den Prozess eingreifen zu können. Damit erhält er ein Werkzeug, um

einerseits die Qualität seines Endprodukts zu verbessern und andererseits die Prozessab läufe

dahingehend zu optimieren, dass dabei möglichst geringe Emissionen verursacht werden.

Wien, im XXX 2009

ÖSTERREICHISCHER

WASSER- UND ABFALLWIRTSCHAFTSVERBAND

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ÖWAV-Regelblatt 518 3


An der Erstellung des ÖWAV-Regelblatts 518 haben mitgewirkt:

Als Leiter:

DI Erwin Binner, Universität für Bodenkultur Wien

Ausschussmitglieder:

DI Florian Amlinger, Kompost – Entwicklung & Beratung DI Florian Amlinger, Perchtoldsdorf

Alexander Bradl, Beratungsbüro Alexander Bradl, Wien

GF Ing. Ludwig Bretterebner, Abfallwirtschaftsverband Liezen

DI Wolfgang H. Eberhard, Amt der Vorarlberger Landesregierung, Bregenz

Techn. Dir. DI Werner Folk, Mürzverband, Kapfenberg

DI Gerhard Hampejs, Fachhochschulen OÖ. Studienbetriebs GmbH, Wels

DI Erwin Huter, Niederösterreichische Umweltanwaltschaft, St. Pölten

DI Dr. Christoph Lampert, Umweltbundesamt GmbH, Wien

DI Dr. Michael Loidl, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,

Wien

GF Ing. Horst Müller jun., Technisches Büro für Umwelttechnik Müller Abfallprojekte GmbH,

Weibern

DI Andreas Öhlinger, Umweltbundesamt GmbH, Wien

StAL DI Gerhard Pilz, Strabag Umweltanlagen GmbH, Linz

DI Christian Rolland, MA 22 – Umweltschutz, Wien

DI Dr. Nina Spatny, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,

Wien

DI Dr. Angelika Stüger-Hopfgartner, Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Graz

Univ.-Lektor DI Manfred Swoboda, Landwirtschaftskammer Niederösterreich, St. Pölten

DI Dr. Erwin Szlezak, Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, St. Pölten

GF Robert Tulnik, ARGE Kompost & Biogas Österreich, Linz

Dipl.-Biol. Dr. Martin Wellacher, KOMPTECH GmbH, Frohnleiten

Paul Zarzer, Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Linz

Mag. Gerhard Ziehenberger, Saubermacher Dienstleistungs AG, Graz-Puntigam

Für den ÖWAV:

DI Mathias Ottersböck, Referent für den Fachbereich Abfallwirtschaft im ÖWAV, Wien

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4 ÖWAV-Regelblatt 518


Inhaltsverzeichnis

1 Begriffe............................................................................................................................ 7

2 Rechtliche Grundlagen................................................................................................ 13

3 Fachliche und technische Grundlagen...................................................................... 15

3.1 Anforderungen an den Standort................................................................................. 15

3.2 Einfluss von Sammlung und Transport...................................................................... 15

3.3 Anforderungen an die Aufbereitung........................................................................... 16

3.4 Der Rotteprozess.......................................................................................................... 16

3.4.1 Allgemeines.................................................................................................................... 16

3.4.2 Hauptrotte (Intensivrotte)............................................................................................... 18

3.4.3 Nachrotte........................................................................................................................ 18

3.4.4 Nachlagerung (Kompostreife)........................................................................................ 19

3.5 Emissionen, Immissionen und Maßnahmen zu deren Verminderung..................... 19

3.5.1 Geruchsemissionen....................................................................................................... 19

3.5.2 Flüssige Emissionen...................................................................................................... 19

3.5.3 Staub- und Keimemissionen.......................................................................................... 20

3.5.4 Lärmemissionen............................................................................................................. 20

3.6 Übersicht über prinzipielle Systeme.......................................................................... 20

3.6.1 Rotteführung.................................................................................................................. 21

3.6.2 Aufsetzen der Mieten..................................................................................................... 21

3.6.3 Umsetzen / Auflockern................................................................................................... 22

3.6.4 Rottebelüftung................................................................................................................ 22

3.6.5 Bewässerung................................................................................................................. 24

4 Anforderungen an den Betrieb................................................................................... 25

4.1 Ausgangsmaterialien................................................................................................... 25

4.2 Anforderungen an die Anlagenbereiche.................................................................... 27

4.2.1 Anlieferung..................................................................................................................... 27

4.2.2 Aufbereitung................................................................................................................... 29

4.2.3 Hauptrotte...................................................................................................................... 31

4.2.4 Nachrotte........................................................................................................................ 34

4.2.5 Endaufbereitung (Feinaufbereitung)............................................................................... 36

4.2.6 Nachlagerung................................................................................................................. 37

4.3 Maschinelle und technische Ausstattung.................................................................. 38

4.4 Qualitätssicherung, Aufzeichnung und Bilanzierung............................................... 39

4.4.1 Qualitätssicherung......................................................................................................... 39

4.4.2 Aufzeichnung und Bilanzierung...................................................................................... 40

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ÖWAV-Regelblatt 518 5


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6 ÖWAV-Regelblatt 518


1 Begriffe

Abfallbesitzer

Alle natürlichen und juristischen Personen, die die tatsächliche Verfügungsgewalt über Abfälle haben

Abluft (im Zusammenhang mit der Rotte)

mit Stoffwechselprodukten (z. B. CO 2

, Geruchsstoffe, Wasserdampf) der am biologischen Abbau beteiligten

Mikroorganismen angereicherte, das Rottegut verlassende Luft

Aufbereitung

a) Vorbehandlung der Kompostausgangsmaterialien vor dem biologischen Prozess, Abtrennung von

Störstoffen; Zerkleinerung; Mischung und Homogenisierung von Materialien bzgl. Wassergehalt,

C/N-Verhältnis, Kornstruktur, Luftporenvolumen und organischer Masse für optimales biologisches

Abbauverhalten

b) Die Endaufbereitung der Komposte erfolgt in der Regel durch Absiebung der Grobfraktion. Bei Bedarf

kann z. B. eine Hartstoffabscheidung oder Windsichtung durchgeführt werden

aerober Abbau

Ab- bzw. Umbau von organischen Substanzen durch Mikroorganismen unter Vorhandensein von mikrobiell

verfügbarem Sauerstoff

anaerober Abbau (= Vergärung)

Ab- bzw. Umbau von organischen Substanzen durch Mikroorganismen unter Abwesenheit von mikrobiell

verfügbarem Sauerstoff

Ballaststoff

Störstoffreste (z. B. Steine, Glas, Kunststoff, Metall), die nach der Endaufbereitung im Kompost verbleiben

und eine Qualitätsminderung des Komposts darstellen

Belüftung

Versorgung des Rotteguts mit Sauerstoff durch natürliche Konvektion bzw. durch Zwangsbelüftung

Bewässerung

verfahrenstechnisch bedingte Wasserzugabe zur Steuerung des Wasserhaushalts während der biologischen

Ab- bzw. Umbauprozesse

Biofilter

Festbettfilter (z. B. Kompost, Rindenmulch), mit dem Abluft, die vorwiegend mit organischen Inhaltsstoffen

(z. B. Geruchsstoffe) belastet ist, durch Sorption und biologische Abbauprozesse gereinigt wird

biogene Abfälle

Abfälle, die aufgrund ihres hohen organischen, biologisch abbaubaren Anteils für die biologische Verwertung

gemäß Abfallverzeichnisverordnung, BGBl. II 89/2005 i. d. g. F., geeignet sind

Biotonne

Sammelgefäß für die Aufnahme von Bioabfall aus Haushalten

biologischer Abbau

molekularer Abbau einer Substanz durch komplexe Einwirkungen lebender Organismen (biologische

Stoffwechselreaktionen)

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Charge

räumlich abgegrenzte Menge eines definierten Materials oder Gemisches

EDM

Im Rahmen des Gesamtvorhabens „Elektronisches Daten-Management (EDM)“ wird ein umfassendes

Gesamtsystem als Basis für effizientes e-Government aufgebaut. Gemäß AWG 2002 i. d. g. F. besteht

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die gesetzliche Verpflichtung, im Bereich Abfallwirtschaft spezifische anlagenrelevante Daten für diesen

Teilbereich zu identifizieren und zu erfassen. Dafür wurde als erster Schritt das Elektronische Register für

Anlagen- und Personen-Stammdaten (eRAS) erstellt. Dieses Register ist seit 10. Jänner 2005 in Betrieb

Eingangsbereich

Bereich auf dem Betriebsgelände, in dem die Ausgangsmaterialien zur Kompostierung angeliefert und

kontrolliert werden

Eigenüberwachung

Überwachung und Dokumentation von Betrieb, Verfahrensablauf, übernommenen und abgegebenen

Materialien einer Anlage durch den Anlagenbetreiber

Einhausung

Einschließen von Anlagenteilen in ein Gebäude mit dem Ziel der besseren Erfassung und Behandlung

von Emissionen

Emission

Von Punktquellen oder diffusen Quellen innerhalb der Anlage ausgehende direkte oder indirekte Freisetzung

von Stoffen (fest, flüssig, gasförmig), Lärm, Erschütterungen oder Wärme in die Luft, das Wasser

oder den Boden

Fertigkompost

Kompost, der für den vorgesehenen Anwendungsbereich aufbereitet wurde

Feuchtmasse (FM), Frischmasse

Materialmasse in naturfeuchtem Zustand

freies Luftporenvolumen

Anteil der gesamten luftgefüllten Hohlräume des Rotteguts am Gesamtvolumen, angegeben in Vol.-%

Fremdüberwachung, externe Güteüberwachung

externe Überwachung von Prozessen oder Produkten durch eine befugte Stelle

Frischkompost

Kompost, bei dem die leicht abbaubare Substanz weitgehend abgebaut wurde und die temperaturbedingte

Hygienisierung abgeschlossen ist

Frischluft

Sauerstoffreiche Luft, die als Zuluft(komponente) in zwangsbelüfteten Rottesystemen verwendet wird

Geruchsbelästigung

Beeinträchtigungen des menschlichen Wohlbefindens durch emittierte Geruchsstoffe in regelmäßigen

oder unregelmäßigen Abständen über einen gewissen Zeitraum

gesamter organischer Kohlenstoff (TOC)

Gesamtgehalt an organisch gebundenem Kohlenstoff

geschlossenes System (Rottereaktor)

Ausgestaltung der Verfahrenstechnik zur aeroben Behandlung von biogenen Abfällen in Form von geschlossenen

Anlagenteilen

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GLN (Global Location Number)

Eine im Wege des elektronischen Datenmanagements (EDM) zugewiesene 13-stellige Nummer, die

eine Person, einen Standort oder eine Anlage/Anlagenteil identifiziert

Glühverlust (GV)

Maß für den Gesamtgehalt an organischer Masse (oTM), bestimmt durch Verbrennung bei 550 °C

8 ÖWAV-Regelblatt 518


Grünabfälle

pflanzliche Rückstände, z. B. aus Gärten, öffentlichen Anlagen, Friedhöfen und aus der Gewässerpflege

Grundwasser

Wasser, das unter der Erdoberfläche in Hohlräumen einen Wasserkörper bildet

GTIN (Global Trade Item Number)

13-stellige Identifikationsnummer, mit der im elektronischen Datenmanagement (EDM) Abfallarten gemäß

Abfallverzeichnisverordnung eindeutig identifiziert werden können

Hauptrotte (Intensivrotte)

Hauptphase und thermophile Prozessphase der Kompostierung, in der ein kontinuierlicher und zügiger

aerober Ab- und Umbau leicht abbaubarer organischer Substanz erfolgt. Gekennzeichnet ist diese

Phase durch intensive Temperaturentwicklung und hohen Sauerstoffbedarf

Humifizierung

Umwandlung von Abbaurückständen organischer Masse in hochpolymere stabile Humusstoffe

Huminstoffe

hochmolekulare Verbindungen, die während der Humifizierungsprozesse entstehen

Hygienisierung

Verfahrensschritt mit dem Ziel der Abtötung von für Menschen, Tiere oder Pflanzen pathogenen Keimen

sowie von Unkrautsamen zur Erreichung der seuchenhygienischen Unbedenklichkeit

Immission

Stoffe (fest, flüssig, gasförmig), Lärm, Erschütterungen oder Wärme, welche auf die Umwelt einwirken

Keime

gebräuchliche Bezeichnung für lebensfähige Mikroorganismen aller Art

Gesamtkohlenstoff (TC)

Summe aus organisch (TOC) und anorganisch gebundenem (TIC) Kohlenstoff

Kompost

Rotteprodukt nach weitgehend abgeschlossener aerober Rotte. Im Sinne dieses Regelblatts werden als

Ausgangsmaterialien biogene Abfälle verwendet

Kompostierung

gesteuerte aerobe biologische Umwandlung biogener Abfälle in ein stabiles, huminstoffreiches Material

Kompostmiete

in einer bestimmten Form aufgeschüttete Kompostrohstoffe zum Zweck der Rotte oder aufgeschütteter

Kompost zum Zweck der Lagerung

Kompostreife

abschließender Prozessabschnitt der Kompostierung, bei dem überwiegend Humifizierungsprozesse

ablaufen. Während dieser Phase wird die Pflanzenverträglichkeit erreicht

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Kompostvlies

wasserdampfdurchlässiges Kunststoffgewebe zum Abdecken von Kompostmieten, um Regenwasser

abzuhalten

Lagerbereich

Bereich auf dem Betriebsgelände einer Kompostierungsanlage, in dem Ausgangsmaterialien, Komposte,

Betriebsmittel oder Rückstände zeitlich begrenzt gelagert werden

ÖWAV-Regelblatt 518 9


mesophil

Temperaturbereich von ca. 25 °C bis 45 °C

Mineralisierung

Prozess des Abbaus organischer Substanz zu CO 2

und Wasser und damit verbundene relative Erhöhung

des Mineralstoffanteils

Nachrotte

an die Hauptrotte anschließende Rottephase, in der die bereits verlangsamt ablaufenden Abbauvorgänge

durch Um- und Aufbauprozesse ergänzt werden

Oberflächenabfluss

umfasst den Anteil des Niederschlags, der nicht in den Boden infiltriert, sondern unmittelbar, auch kleinräumig,

von der betrachteten Fläche abfließt

Oberflächenwasser

Wasser, das sich offen und ungebunden auf der Erdoberfläche sammelt

organische Substanz

Substanz belebten Ursprungs (Mensch, Tier, Pflanze)

organische Trockenmasse (oTM)

nach vollständigem Entzug von Wasser und Abzug der mineralischen Bestandteile verbleibende organische

Masse (wird als Glühverlust (GV) bestimmt)

pathogener Mikroorganismus

Mikroorganismus, der bei Pflanzen, Tieren oder Menschen Krankheiten herbeiführen kann

Porenvolumen

Maß für die gesamten luft- oder wassergefüllten Hohlraumanteile des Rotteguts

Problemstoff

gefährlicher Abfall, der üblicherweise in privaten Haushalten sowie, nach Art und Menge vergleichbar,

bei anderen Abfallbesitzern anfällt

psychrophil

Temperaturbereich zwischen ca. 0 °C und 25 °C

Qualitätssicherung

Teil des Qualitätsmanagements, das zur Vertrauensbildung auf die Erfüllung von Qualitätsanforderungen

gerichtet ist

Reststoffe

bei einem Produktionsverfahren zurückbleibende Stoffe. Wenn sie keiner Verwertung zugeführt werden

können, müssen sie als Abfall entsorgt werden

Reifkompost

Kompost, bei dem die organische Substanz weitgehend ab- und umgebaut wurde und in einer stabilen

pflanzenverträglichen Form vorliegt

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Rottefläche

offene oder überdachte Fläche, auf der die Mietenkompostierung erfolgt

Rottegut

sich in Rotte befindliche aufbereitete biogene Abfälle

10 ÖWAV-Regelblatt 518


Rotteprozess

biologischer, überwiegend aerober Ab- und Umbauprozess, der in Abhängigkeit vom jeweiligen Rottesystem

und Kompostausgangsmaterial unterschiedlich verläuft

Schadstoffe

Substanzen, die aufgrund ihrer Eigenschaft und Konzentration Boden, Pflanzen, Tiere oder Menschen

schädigen können

Selbsterhitzung

durch mikrobiologischen Ab- und Umbau bedingte Erwärmung des Rotteguts

Sickerwasser

aus dem Rottekörper austretendes kontaminiertes Press- und Prozesswasser, gegebenenfalls vermehrt

um Niederschlags- oder Bewässerungswasser

Siebrest

bei der Absiebung verbleibender Rest (Siebüberlauf)

Stand der Technik

der auf einschlägigen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Entwicklungsstand fortschrittlicher

Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen, deren Funktionstüchtigkeit erprobt und wirtschaftlich

vertretbar ist. Bei der Bestimmung des Stands der Technik sind insbesondere jene vergleichbaren Verfahren,

Einrichtungen oder Betriebsweisen heranzuziehen, welche am wirksamsten zur Erreichung

eines allgemein hohen Schutzniveaus für die Umwelt insgesamt sind

Staub

festes Aerosol, fein zerriebenes Material (Teilchengröße unter 200 Mikrometer), das nach Aufwirbeln

längere Zeit zur Ablagerung braucht

Stellgröße

vorgegebene Einstellungen im Zuge der Rotteführung (z. B. Ventilatorlaufzeit und -drehzahl, Klappenstellungen,

Beregnungszyklen)

Stickstoffgehalt (N ges.

)

Stickstoff liegt im Rottegut großteils in Form von organischen Stickstoffverbindungen (N org.

) vor. Gemeinsam

mit den mineralischen, leicht wasserlöslichen Stickstoffformen Ammoniumstickstoff (NH 4

-N) und

Nitratstickstoff (NO 3

-N) bildet er den Gesamtstickstoff (N ges.

)

Störstoffe

unerwünschte Inhaltsstoffe im Inputmaterial (z. B. Steine, Glas, Kunststoff, Metall), die den Rotteprozess

stören können bzw. deren Reste für den Ballaststoffanteil im Kompost verantwortlich sind

Strukturmaterial

Material, das durch Beimischung zu strukturarmen Kompostrohstoffen, wie Bioabfällen oder Klärschlamm,

zu einer nachhaltigen Erhöhung des Porenvolumens des Materialgemisches führt (z. B. Astwerk,

Häckselgut Holzspäne, Rinden)

Tafelmiete

flächige Materialschüttung mit trapezförmigem oder rechteckigem Querschnitt

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thermophil

Temperaturbereich > 45 °C

Trockenmasse (TM)

nach Trocknung bei 105 °C bis zur Gewichtskonstanz verbleibende Masse

ÖWAV-Regelblatt 518 11


Trockenstabilisierung

durch Trocknung hervorgerufenes Unterbinden biologischer Prozesse

Umluft

Abluft, die als Zuluft(komponente) in zwangsbelüfteten Rottesystemen verwendet wird

Umsetzen

mechanisches Durchmischen des Rotteguts, um eine Homogenisierung und eine Vergrößerung des

Porenvolumens sowie neue mikrobiell zugängige Kontaktoberflächen zu erreichen

Vergärung

anaerober Ab- bzw. Umbau organischer Substanz durch Mikroorganismen zu Biogas (Methan (CH 4

),

Kohlendioxid (CO 2

)), Wasser (H 2

O) und Gärrest

Wassergehalt (WG)

im Zuge der Trocknung bei 105 °C bis zur Gewichtskonstanz entwichenes Wasser

Zeilenmiete

zeilenförmige Materialschüttung mit dreieckigem oder trapezförmigem Querschnitt

Zuluft

Lufteintrag in zwangsbelüftete Rottesysteme. Als Zuluft wird Frischluft, Umluft oder eine Mischung aus

beiden verwendet

Zwischenlager

Teil innerhalb einer Kompostierungsanlage, in der Abfälle ggf. vorbereitend behandelt, für die weitere

Behandlung zusammengestellt oder gelagert werden

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12 ÖWAV-Regelblatt 518


2 Rechtliche Grundlagen

Tabelle 1:

Wichtigste Rechtsgrundlagen für den Betrieb von Kompostierungsanlagen

Bundesgesetze Gesetzblatt Randbedingungen

1 Abfallwirtschaftsgesetz 2002 – AWG 2002 i. d. g. F. I/102/2002

i. d. F.

I/54/2008

Rechtsgrundlage für die Genehmigung

nicht gewerblicher Anlagen;

Sammler- und Behandlerberechtigung

Definition für biogene Abfälle

Herkunft der Ausgangsmaterialien

Bedingungen für das „Abfallende“

1.1 Verordnung über die getrennte Sammlung biogener

Abfälle

68/1992

456/1994

1.2 Verordnung über Qualitätsanforderungen an Komposte II/292/2001

aus Abfällen (Kompostverordnung)

1.3 Verordnung über mobile Anlagen zur Behandlung II/472/2002 Genehmigungspflicht für mobile

von Abfällen

Anlagen, z. B. vorbereitende Behandlungsschritte

(z. B. häckseln)

1.4 Verordnung über ein Abfallverzeichnis

II/570/2003 Zuordnung der Ausgangsmaterialien

(Abfallverzeichnisverordnung)

II/89/2005

1.5 Verordnung über die Nachweispflicht für Abfälle II/618/2003 Art und Form der Aufzeichnungs-

(Abfallnachweisverordnung 2003)

und Meldepflichten

1.6 Abfallbilanzverordnung ?

2 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz – ASchG 450/1994 bei gewerblichen Anlagen mit

I/147/2006 ArbeitnehmerInnen

2.1 Allgemeine Arbeitnehmerschutzverordnung – AAV 218/1983

706/1995

2.2 Betriebsbewilligung nach dem Arbeitnehmerschutzgesetz

116/1976

(tw. Gesetzesrang)

3 Arbeitsinspektionsgesetz 1993 – ArbIG 27/1993

I/159/2001

4 Bundesluftreinhaltegesetz I/137/2002

5 Forstgesetz 1975 – ForstG 1975 440/1975 wenn Anlagen im Wald liegen

I/55/2007

5.1 2. Verordnung gegen forstschädliche Luftverunreinigungen

199/1984

6 Gewerbeordnung 1994 – GewO 1994 194/1994 für komposterzeugende gewerbliche

I/33/2007

Betriebsanlagen;

Berufsrecht

7 Tiermaterialiengesetz – TMG I/141/2003 Zulassung von TNP-Betrieben

i. d. F.

I/13/2006

8 EG-TNP-Verordnung 1774/2002 Behandlungsvorschriften für tierische

Nebenprodukte (TNP)

9 Umweltförderungsgesetz 185/1993

I/24/2007

10 Umweltinformationsgesetz – UIG 495/1993 Auskunftspflicht der Behörden

I/76/2003

11 Verordnung explosionsfähige Atmosphären BGBl. II Nr.

(VEXAT)

309/2004

12 Wasserrechtsgesetz 1959 – WRG 1959 215/1959 Mit anzuwenden im AWG-Verfahren

I/123/2006

bei Versickerungen etc.

12.1 Allgemeine Abwasseremissionsverordnung – AAEV 186/1996

12.2 Grundwasserschwellenwertverordnung – GSwV 502/1991

II/213/1997

II/147/2002

12.3 Verordnung betreffend Anlagen zur Lagerung und II/4/1998

Leitung wassergefährdender Stoffe

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12.4 Indirekteinleiterverordnung – IEV II/222/1998

II/523/2006

12.5 AEV Abfallbehandlung II/9/1999

ÖWAV-Regelblatt 518 13


Landesgesetze

1 Baugesetze inkl. Bautechnik

2 Bodenschutzgesetze Ausbringung der Komposte

3 Natur- und Landschaftsschutzgesetze bei AWG-Verfahren mit anzuwenden

4 Raumordnungsgesetze

5 Umweltschutzgesetze

Richtlinien

Richtlinie des BMLFUW über den Stand der Technik

bei Kompostierungsanlagen

Technische Mindestanforderungen

im Anlagenbau

Grundwasserschongebietsverordnungen können zusätzliche Bewilligungspflichten und Verbote

vorsehen. Wasserrechtliche Schutzgebietsbescheide können Einschränkungen bzw.

auch Verbote mit sich führen. Zudem sind anlagenspezifische Bescheide zu berücksichtigen.

Relevante ÖNORMEN:

• ÖNORM S 2007: Biologische Abfallbehandlung – Benennungen und ihre Definitionen

• ÖNORM S 2100: Abfallverzeichnis

• ÖNORM S 2201: Kompostierbare Abfälle – Qualitätsanforderungen

• ÖNORM S 2205: Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

• ÖNORM S 2206: Anforderungen an ein Qualitätssicherungssystem für die Herstellung

von Komposten – Teil 1: Grundlagen, Teil 2: Qualitätssicherungsorganisation

• ÖNORM EN 13725: Luftbeschaffenheit – Bestimmung der Geruchsstoffkonzentration mit

dynamischer Olfaktometrie

• ONR 192206: Umsetzung der Qualitätssicherung auf Kompostanlagen

Relevante sonstige Regelwerke:

• ÖWAV-Regelblatt 513: Betrieb von Biofiltern

• VDI 3475 Blatt 1: Emissionsminderung, Biologische Abfallbehandlungsanlagen – Kompostierung

und Vergärung, Anlagenkapazität mehr als ca. 6.000 Mg/a

• VDI 3475 Blatt 2: Emissionsminderung, Biologische Abfallbehandlungsanlagen – Kompostierung

und (Co-)Vergärung, Anlagenkapazität bis ca. 6.000 Mg/a

Entwurf zur Stellungnahme

14 ÖWAV-Regelblatt 518


3 Fachliche und technische Grundlagen

3.1 Anforderungen an den Standort

Bei der Standortwahl von Kompostierungsanlagen ist das örtliche Raumordnungskonzept zu

beachten.

Details betreffend topografisch bzw. geologisch bedingt gefährdeter Flächen, insbesondere

Hochwassersicherheit und erhöhten Grundwasserschutzes, werden im Genehmigungsverfahren

abgehandelt. Im 30-jährlichen Hochwasserabflussbereich und in Grundwasserschutzgebieten

dürfen Anlagen nicht errichtet werden.

Da die Standortwahl starke Auswirkungen auf den Betrieb von Kompostierungsanlagen hat,

ist für den jeweiligen Einzelfall auf wirtschaftliche und arbeitsrechtliche Gesichtspunkte (Investitions-

und Betriebskosten, technischer Aufwand, Flächenbedarf, Möglichkeiten zur Abwärmenutzung,

Betriebs- und Sozialräume), Anbindung und Verfügbarkeit notwendiger Infrastruktur

(Strom, Gas, Trink-, Nutz- und Löschwasser, Abwasser, Telefon, Verkehrswege und deren

Instandhaltung) und möglicherweise auftretende Emissionen (Geruch, Staub, Sickerwasser)

Rücksicht zu nehmen.

Aufgrund möglicher Geruchsemissionen ist ein Mindestabstand zu Siedlungsgebieten einzuhalten

und die meteorologische und topografische Situation zu beachten (siehe Richtlinie

Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 4.1.6). Für den Betrieb der Anlage sind vor

allem die kleinklimatischen Gegebenheiten wichtig.

Kompostsickerwässer dürfen nicht in das Grundwasser oder in Oberflächengewässer gelangen,

da sie organisch hoch belastet sind. Gemäß der Richtlinie Stand der Technik der Kompostierung

(Kapitel 4.2) sind entsprechende Abdichtungs-, Behandlungs- und Verwertungssysteme

unabhängig von Ausgangsmaterial und Standort erforderlich. Für den Betrieb ergibt sich daraus

die Notwendigkeit einer entsprechenden Reinigung und Wartung des Abwassersystems.

3.2 Einfluss von Sammlung und Transport

Öffentlichkeitsarbeit (Abfallberatung, Einflussnahme auf das Trennverhalten), Sammlung (Art

und Größe der Gebinde, Einzugsgebiet, Abfuhrintervalle) und Transport (Art des Sammelfahrzeugs)

der biogenen Abfälle haben maßgeblichen Einfluss auf den Rotteprozess und die

Kompostqualität. Unbestritten ist der positive Einfluss einer getrennten Sammlung auf Ballastund

Schadstoffkonzentrationen im Kompost. Hingegen können lange Sammelintervalle mögliche

negative Effekte auf den Rotteprozess (vor allem bei Biotonnematerial) haben.

Der biologische Abbau beginnt bereits in den Sammelgefäßen. Da diese in der Regel luftundurchlässig

sind, überwiegen anaerobe Prozesse. Die dabei gebildeten niederen Carbonsäuren

werden unter diesen Milieubedingungen kaum abgebaut, wodurch es einerseits zu

einer starken Versäuerung der biogenen Abfälle (Abnahme des pH-Werts) und andererseits

zu Geruchsemissionen kommen kann. Beides führt zu erhöhten Anforderungen an den Betrieb

von Kompostierungsanlagen. Beim Entladen der Sammelfahrzeuge werden vermehrt

Geruchsstoffe und Aerosole freigesetzt, weshalb auf den Anrainer- und Arbeitnehmerschutz

zu achten ist.

Entwurf zur Stellungnahme

Aus den angeführten Gründen liegt das optimale Sammelintervall – vor allem während der

heißen Jahreszeit – bei 7 Tagen, in der kühleren Jahreszeit kann die Sammlung im 14-tägigen

Rhythmus erfolgen.

Auch die Art der eingesetzten Sammelfahrzeuge hat Einfluss auf Ausgangsmaterialeigenschaften

und Emissionen. Durch starkes Pressen bzw. ständiges Bewegen des Bioabfalls wird

Wasser freigesetzt, Struktur zerstört und damit die Rohmaterialaufbereitung erschwert.

ÖWAV-Regelblatt 518 15


3.3 Anforderungen an die Aufbereitung

Die Aufbereitung stellt den ersten Verfahrensabschnitt in der Kompostierungsanlage dar. In

der Regel handelt es sich dabei um eine rein mechanische Verarbeitung. Biologische Vorbehandlungsverfahren

für geeignete Materialien, wie zum Beispiel eine anaerobe Vergärung in

Biogasanlagen oder unter bestimmten Voraussetzungen eine Vorfermentation unter Zusatz

von speziellen Fermentationsmitteln, sind jedoch zulässig.

Nach der Übernahme der angelieferten Materialien in der Kompostierungsanlage in Verbindung

mit der Eingangskontrolle und einer kurzfristigen Zwischenlagerung sind diese einer

zügigen Verarbeitung zuzuführen. Damit werden einerseits die Voraussetzungen für die Herstellung

gleich bleibend hoher Qualität und die Nachvollziehbarkeit von Herkunft und Qualität

der verarbeiteten Materialien gewährleistet. Andererseits wird durch rasche Verarbeitung die

Bildung anaerober Stoffwechselprodukte vermindert.

Die Aufbereitung der verschiedenen Ausgangsmaterialien dient primär der biologisch-physikalischen

Substratoptimierung mit dem Ziel eines möglichst verlustarmen und umweltgerechten

Rotteverlaufs, der Gewährleistung des erforderlichen Gasaustausches bzw.

Wärme abtransports im gesamten Rottekörper und des Erreichens der erforderlichen Strukturstabilität.

Weiters beeinflusst de Materialaufbereitung die angestrebte Produktqualität hinsichtlich

Schadstoffbelastung, Nährstoffniveau und Bildung stabiler Humusstoffe.

In der Aufbereitung erfolgt die Konditionierung der Ausgangsmaterialien für den Rotteprozess.

Als wesentliche Verfahrensschritte dienen hiezu – nach einer gegebenenfalls erforderlichen

manuellen Aussortierung von sichtbar groben Störstoffen – die Dosierung zu geeigneten Massenströmen,

die Zerkleinerung, die Klassierung bzw. eventuell eine Sortierung und abschließende

Mischung, gegebenenfalls unter Zuführung von Wasser oder Zuschlagsstoffen bzw.

Homogenisierung der einzelnen Materialströme zum Rottesubstrat.

Die verschiedenen Verfahrensschritte in der Aufbereitung umfassen somit einerseits Störstoffabtrennung

(manuelle Auslese, Siebung, Metallabscheidung, Windsichtung zur Hartstoff- und

Leichtfraktionsabscheidung) und andererseits den erforderlichen Aufschluss bzw. die Abstimmung

auf geeignete physikalische Eigenschaften im Ausgangsmaterial.

3.4 Der Rotteprozess

3.4.1 Allgemeines

Ziel der technischen Kompostierung ist ein rascher, aber verlustarmer Ab- und Umbau der

organischen Ursprungssubstanzen in stabile organische Verbindungen (Huminstoffe). Zuvor

leicht lösliche Nährstoffe und Kohlenstoff werden dabei in Huminstoffe eingebaut bzw. daran

adsorbiert und sind damit nur noch schwer auswaschbar. In Form von Kompost können dem

Boden organische Substanzen und Nährstoffe zugeführt sowie die Bodenstruktur positiv beeinflusst

werden.

Als Rotteprozess bezeichnet man den verfahrenstechnisch gesteuerten oder geregelten Abbau

bzw. Umbau organischer Substanz unter Luftzufuhr. Im Sinne der technischen Kompostierung

(im Unterschied zu Prozessen in der Natur) ist der Rotteprozess jener biologische Prozessschritt,

der nur unter Zuhilfenahme von Geräten und verfahrenstechnischen Maßnahmen

optimal und emissionsarm ablaufen kann. Im Fall offener Systeme werden im Allgemeinen

steuernde Maßnahmen angewendet, im Fall geschlossener Systeme wird der Prozess meist

geregelt. Wesentliche Kennzeichen des Rotteprozesses sind:

Entwurf zur Stellungnahme

• intensiver Sauerstoffverbrauch (Bildung von CO 2

)

• Selbsterhitzung auf für die Hygienisierung erforderliche Temperatur

• Freisetzung von Wasser (Verdunstung, Sickerwasser)

16 ÖWAV-Regelblatt 518


• Bildung von Huminsäuren (Kompostqualität)

• Bildung von niederen Carbonsäuren (pH-Absenkung, Geruch)

• Bildung von Ammonium-/Ammoniakstickstoff (Austrag über Sickerwasser oder Luft)

• Bildung von unangenehm riechenden Stoffwechselprodukten.

Die organischen Ausgangsstoffe sind hochmolekulare, native (natürliche) Kohlenstoff-/Wasserstoff-/Stickstoffverbindungen.

Leicht abbaubar sind Zucker, Fette, Stärke und Proteine.

Schwer abbaubar sind Lignin, Wachse, Harze, Gerbstoffe und Huminstoffe. Dazwischen

liegen Hemizellulose und Zellulose. Das Mischungsverhältnis dieser Bestandteile hat unmittelbaren

Einfluss auf die Betriebsführung (z. B. Abbaugeschwindigkeit, rasche Selbsterhitzung,

Wasser verlust). Eine möglichst vielfältige Ausgangsmaterialzusammensetzung hat sich im

Hinblick auf die Bildung stabiler Huminstoffe als wichtig herausgestellt.

Für die Mikroorganismen müssen Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) ausreichend verfügbar

sein. Günstig ist ein C/N-Verhältnis von 35 : 1 bis 20 : 1. Bei zu weitem C/N-Verhältnis

stagniert der Abbau, bei zu engem erhöht sich die Gefahr von Stickstoffemissionen (Ammonium/Ammoniak).

Durch den mikrobiellen Abbauprozess während der Rotte (Freisetzung von

CO 2

) verengt sich das C/N-Verhältnis. Im ausgereiften Kompost beträgt das C/N-Verhältnis

etwa 15 : 1 bis 10 : 1.

Im Zuge des Rotteprozesses wird die in den Abfallstoffen enthaltene abbaubare organische

Substanz von aeroben Mikroorganismen unter Sauerstoffaufnahme als Energie- und Nährstoffquelle

verwertet. Wesentlich dafür ist ein ausreichender Wassergehalt, weil Mikroorganismen

Nährstoffe und Sauerstoff nur in gelöster Form aufnehmen können. Bei zu geringem Wassergehalt

kommt der Abbau daher zum Stillstand – man spricht von Trockenstabilisierung.

Beim biologischen Abbau wird ein Teil des Kohlenstoffs in die Zellsubstanz der Mikroorganismen

eingebaut, der überwiegende Rest zu Kohlendioxid (CO 2

) und Wasser (H 2

O) abgebaut.

Beides geschieht unter Abgabe von Wärme. In der Bioabfallkompostierung ist diese Selbsterhitzung

aus drei Gründen erwünscht. Zum Ersten kommt es zu einer Änderung der Mikroorganismenzusammensetzung

(thermophile Mikroorganismen lösen mesophile ab) und damit

zum Abbau der vielfältig zusammengesetzten organischen Substanz, zum Zweiten kommt es

neben der antibiotischen Wirkung durch Aktinomyceten auch zu einer thermischen Hygienisierung

des Materials. Drittens wird die Huminstoffbildung günstig beeinflusst.

Zunächst werden leicht verfügbare Verbindungen abgebaut bzw. entsteht daraus neue Biomasse

(Mikroorganismen, Vorläufersubstanzen von Huminstoffen). Erst wenn die Temperaturen

wieder unter 60 °C absinken, entwickelt sich eine aus Bakterien, Actinomyceten und

Pilzen bestehende Mischpopulation, die auch schwerer verfügbare organische Substanzen

verwerten kann. Es ist daher sehr wichtig, dass die erzeugte Wärme (bei Bioabfall ca.

14 MJ/kg 1) abgebauter oTM) ausreichend abgeführt werden kann. Bei der offenen Mietenkompostierung

reicht in der Regel die Wärmeabfuhr über die Mietenoberfläche – auch bei Einsatz

von semipermeablen Vliesabdeckungen – aus. Bei geschlossenen Systemen mit Abluftkreislaufführung

sind dafür entsprechende technische Einrichtungen für den Wärmeaustausch

erforderlich. Eine Unterdimensionierung kann in geschlossenen Rottehallen zu Betriebszuständen

führen, die arbeitsrechtlich unzulässig und bautechnisch sehr bedenklich sind.

Humifizierung ist im Gegensatz zur Mineralisierung ein aufbauender Prozess. Der Aufbau

stabiler Huminsubstanzen beginnt bereits während der Intensivrotte. Der Huminstoffaufbau

wird von den herrschenden Milieubedingungen wesentlich beeinflusst. Dieser wird durch eine

vielfältige Ausgangsmaterialzusammensetzung, ausreichende Sauerstoffversorgung und die

höheren Temperaturbereiche während der Intensivrotte gefördert. Mit zunehmender Rottedauer

und der damit einhergehenden Abnahme der Rottetemperaturen werden aus Tonmineralien

und Huminstoffen Ton-Humus-Komplexe gebildet.

Entwurf zur Stellungnahme

1)

Großtechnische Überprüfungen im Biokompostwerk Esslingen (Austrian Energy & Environment 96/96)

ÖWAV-Regelblatt 518 17


Abbildung 1:

Darstellung von Temperatur, Kohlenstoffabbau, Ammoniumbildung und pH-

Wert über die Rottedauer (Quelle: ABF-BOKU)

Aus verfahrenstechnischen Gründen ist es hilfreich, die Kompostierung in die Prozessschritte

• Hauptrotte (Intensivrotte)

• Nachrotte

• Nachlagerung (Kompostreife)

zu unterteilen.

Eine exakte, gegenseitige Abgrenzung dieser Prozessschritte ist aufgrund der biologischen

Natur des Prozesses nicht möglich. Allerdings lassen sich die wesentlichen, für die einzelnen

Prozessschritte charakteristischen Kriterien gut darstellen (siehe Abbildung 1).

3.4.2 Hauptrotte (Intensivrotte)

• Abbau leicht verfügbarer Kohlenstoffverbindungen (Eiweiße, Fette, einfache Kohlehydrate)

unter thermophilen Bedingungen

• hoher Sauerstoffverbrauch – hohe Kohlendioxidbildung

• intensive Selbsterhitzung

• Bildung geruchsintensiver Stoffwechselprodukte (niedere Carbonsäuren, Schwefelverbindungen,

Stickstoffverbindungen)

• Dauer 5 bis 10 Wochen

• Beschleunigung durch technische Maßnahmen möglich.

3.4.3 Nachrotte

Entwurf zur Stellungnahme

• Abbau/Umbau schwerer verfügbarer Kohlenstoffverbindungen (Zellulosen, Hemizellulosen)

unter mesophilen Bedingungen

• Sauerstoffverbrauch bzw. Kohlendioxidbildung (Abbauleistung) gehen zurück

• Temperatur dauerhaft unter 40 °C

• Dauer ca. 8 Wochen

• Beschleunigung durch technische Maßnahmen nur bedingt möglich.

18 ÖWAV-Regelblatt 518


3.4.4 Nachlagerung (Kompostreife)

• Aufbau von stabilen Huminstoffen und Bildung von Tonmineralhumuskomplexen. Der Kompost

wird pflanzenverträglich und entwickelt seine bodenverbessernden Eigenschaften

• Sauerstoffverbrauch geht noch weiter zurück

• Temperaturen erreichen Umgebungsniveau

• Dauer einige Monate

• Beschleunigung durch technische Maßnahmen nicht möglich.

3.5 Emissionen, Immissionen und Maßnahmen zu deren Verminderung

Die Kompostierung ist mit Emissionen verbunden. Gemäß Richtlinie „Stand der Technik der

Kompostierung“ sind verfahrenstechnische, betriebliche oder bauliche Maßnahmen danach

auszurichten, störende Emissionen auf ein zumutbares Ausmaß zu reduzieren. Im Einzelfall

besteht die Möglichkeit, höhere Emissionen/Immissionen standortabhängig zuzulassen, sofern

dies aufgrund entsprechender Sachverständigengutachten vertretbar ist.

3.5.1 Geruchsemissionen

Bei Kompostierungsverfahren sind selbst bei ordnungsgemäßer Betriebsführung und Anlagenausstattung

Geruchsemissionen aufgrund unvermeidlicher Stoffwechselprodukte nicht

gänzlich auszuschließen. Mögliche Geruchsquellen sind der Anlieferungs-, Aufbereitungsund

Lagerbereich der biogenen Abfälle sowie der Rottebereich.

Verminderung von Geruchsemissionen:

Neben baulichen Maßnahmen (geschlossene Anlagenbauteile, Erfassung und Reinigung der

Abluft über Biofilter) können Geruchsemissionen durch sorgfältige Betriebsführung verringert

werden. Dazu zählen unter anderem Sauberkeit in der Anlage (Reinigung, rasche Sickerwasserabfuhr),

möglichst rasche und sorgfältige Aufbereitung der Ausgangsmaterialien und

optimierte Rotteführung (günstiger Wassergehalt, ausreichende Sauerstoffversorgung des

Rotteguts, zeitgerechtes Umsetzen).

3.5.2 Flüssige Emissionen

Folgende flüssige Emissionen können bei der Kompostierung auftreten:

• Presswasser (freigesetzt durch mechanische Beanspruchung und Eigengewicht), fällt

hauptsächlich bei der Anlieferung (bis zu 20 l/t FM) an

• Prozesswasser (Bildung beim Abbau von organischer Substanz), fällt hauptsächlich

während der Intensivrotte (bis zu 80 l/t FM) an

• Kondenswasser (Austrag aus Rottegut in die Atmosphäre über die wassergesättigte Abluft),

Kondensat fällt bei der Abkühlung von Abluft aus geschlossenen Systemen an

• verschmutztes niederschlagsbedingtes Abwasser von offenen Flächen (Anlieferung, Aufbereitung,

Rotteflächen)

• unverschmutztes und geringfügig verschmutztes Niederschlagswasser von Dachflächen

und Verkehrswegen

• Abwasser aus der Anlagenreinigung.

Entwurf zur Stellungnahme

Da die Kompostierung von biogenen Abfällen aufgrund des enormen Wasseraustrags über

die Abluft meist eine negative Wasserbilanz aufweist (Ausnahme in niederschlagsreichen Gebieten),

kann das gesammelte Abwasser fast immer zur Gänze (Ausnahme ölverunreinigtes

Abwasser aus dem Garagenbereich) in den Rotteprozess rückgeführt werden. Über den gesamten

Rotteprozess ergibt sich ein Wasserbedarf von ca. 250 l/t Rottegut. Sinnvollerweise

ist durch bauliche Maßnahmen sicherzustellen, dass belastetes und unbelastetes Abwasser

getrennt erfasst werden. Beim Anfeuchten des Rotteguts ist zu beachten, dass bereits hygie-

ÖWAV-Regelblatt 518 19


nisiertes Rottegut nicht mit Abwasser aus noch nicht hygienisierten Bereichen wiederinfiziert

wird.

Geeignete betriebliche Maßnahmen zur Verringerung bzw. zum Umgang mit Sickerwasser

sind das Abdecken der Mieten mittels Geotextilien bzw. die Reinigung der Ablaufrinnen und

-leitungen. Als Unterstützung für eine rasche Sickerwasserabfuhr aus Intensivrottemieten können

bei Bedarf Unterlagsmatten aus strukturreichen Materialien eingesetzt werden.

3.5.3 Staub- und Keimemissionen

Staub- und Keimemissionen treten meist unter den gleichen Bedingungen auf. Vor allem die

Bewegung von trockenem Material und das Befahren von nicht gereinigten Flächen, aber

auch Windverfrachtungen sind mögliche Ursachen. Die Gefahr von Staubentwicklung und

Keimemissionen nimmt bei Wassergehalten < 40 % deutlich zu. Bei Wassergehalten < 30 %

muss von einer möglichen Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden.

Neben baulichen Maßnahmen, wie Kapselung von Anlagenteilen mit besonderer Staubentwicklung

(z. B. Zerkleinerungsaggregate, Siebe) und Einhaltung von Mindestabständen zu

Wohngebieten (200 m) und sensiblen Einrichtungen wie Krankenhäusern (1.000 m), sind als

betriebliche Maßnahmen vor allem das Sauber- und Feuchthalten sensibler Bereiche (Fahrwege,

Rottegut) erforderlich. Als Personenschutz sind bei Tätigkeiten mit Staubentwicklung

(Umsetzen, Sieben) persönliche Schutzausrüstung (Staubmasken, Handschuhe) bzw. klimatisierte

und schutzbelüftete Fahrerkabinen zur Verfügung zu stellen und zu verwenden.

Als betriebliche Maßnahmen gegen eine Gefährdung durch Keimemissionen gelten zusätzlich

die arbeitstägliche Aufarbeitung des angelieferten Biotonnematerials, die Reinigung von Geräten

und eine ordnungsgemäß geführte Hauptrotte.

Als personenbezogene Maßnahmen sind regelmäßige Informationen und Unterweisungen

der Arbeitnehmer bezüglich Arbeitsplatzsicherheit und -hygiene durchzuführen und eine

arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung sicherzustellen. Möglichkeiten

zur Körperreinigung, zum Ablegen der Arbeitskleidung vor Verlassen des Betriebs sowie zur

regelmäßigen Reinigung der Arbeitskleidung sind bereitzustellen.

3.5.4 Lärmemissionen

Lärmemissionen werden in Kompostierungsanlagen von Aufbereitungsaggregaten, Umsetzgeräten

aber auch von Lüftungsgebläsen u. dgl. verursacht. Weitere Lärmemissionen verursacht

der dem Betrieb zugeordnete Verkehr. Neben baulichen Maßnahmen, wie Kapselung

bzw. Abschirmung sensibler Anlagenteile und Einhaltung von Mindestabständen zu Wohngebieten,

sind als arbeitnehmerbezogene Maßnahme geeignete Schutzausrüstungen (Gehörschutz)

zu verwenden und zum Schutz der Anrainer die Betriebszeiten einzuhalten.

3.6 Übersicht über prinzipielle Systeme

Da die technische Ausführung von Rottesystemen höchst unterschiedlich sein kann, diese

jedoch immer Kombinationen aus wenigen, auch bei unterschiedlichen Herstellern ähnlichen

Grundelementen darstellt, wird nach einem systematischen Überblick auf diese Grundelemente

eingegangen:

Entwurf zur Stellungnahme

• Bauliche Hülle:

offen

überdacht

umhaust

geschlossen (Reaktor)

20 ÖWAV-Regelblatt 518


• Belüftungsart: passiv / aktiv

saugend / drückend

Frischluft / Umluft

kontinuierlich / diskontinuierlich

• Mietenform: Zeilenmiete (z. B. Dreiecksmiete)

Tafelmiete (z. B. Trapezmiete)

• Mietenbewegung: statisch / dynamisch

seltenes Umsetzen / regelmäßiges Umsetzen / ständige Bewegung

• Rotteführung: manuell / automatisiert

gesteuert / geregelt.

Die in Österreich häufigsten Systeme sind:

• offene Kompostieranlagen: z. B. manuell gesteuerte, passiv belüftete, regelmäßig umgesetzte

Dreiecksmieten

• geschlossene Kompostieranlagen: z. B. automatisierte Tunnelrotteanlagen mit aktiver kontinuierlicher

Belüftung.

3.6.1 Rotteführung

Es wird zwischen gesteuerten und geregelten Prozessen unterschieden.

Unter einem gesteuerten Prozess versteht man die Behandlung des Materials nach einem

vorab festgelegten Ablauf ohne direkte Rückwirkung der Messgrößen auf die Stellgrößen. Die

Beeinflussung des Rotteverlaufs erfolgt durch das Betriebspersonal. Alarme und Meldungen

dienen als Hilfestellung beim Über- oder Unterschreiten vorgegebener Wertebereiche.

Als manuell gesteuert werden Prozesse bezeichnet, bei denen keine Online-Messungen eingesetzt

werden. Damit basiert die Prozessbeeinflussung ausschließlich auf Handmessungen,

Beobachtungen sowie Entscheidungen und der Erfahrung des Betriebspersonals.

Als geregelt werden Prozesse dann bezeichnet, wenn eine oder mehrere Messgrößen zu

einer automatisierten Veränderung von Stellgrößen führen.

Die Rotteführung erfolgt in der Regel durch Mischvarianten der oben genannten Prozesse.

In der Betriebsbeschreibung ist anzugeben, welche Parameter zur Steuerung oder Regelung

herangezogen werden.

Die wichtigsten Messgrößen als Basis für die Prozessregelung/Prozesssteuerung sind Temperatur

und Wassergehalt des Rotteguts sowie Temperatur und Sauerstoffgehalt der Rotteluft.

Weitere Messgrößen, die für die Rotteführung herangezogen werden können, sind z. B. pH-

Wert, Nitrat-, Ammonium- und Gesamtstickstoffkonzentration im Eluat, Rottegrad, Geruch und

Faustprobe.

Die wichtigsten Stellgrößen sind Ventilatorlaufzeit bzw. -drehzahl zur Beeinflussung der Luftmenge,

Klappenstellungen zur Veränderung des Frischluft-Umluft-Mischungsverhältnisses

und Beregnungszyklen zur Beeinflussung der Materialfeuchte.

Entwurf zur Stellungnahme

3.6.2 Aufsetzen der Mieten

Die mechanische Konditionierung des Rotteguts ist der Aufbereitung zuzuordnen. Das Aufsetzen

des bereits mechanisch vorbehandelten und abgemischten Materials soll jedoch als

Teil des Rottesystems an dieser Stelle erwähnt werden.

Die wichtigsten Varianten sind entweder Aufsetzen mittels Radlader oder Aufsetzen mittels

Förderband. Aufsetzen mittels Radlader bietet den Vorteil, rasch und flexibel aufsetzen zu

können, während der Eintrag mittels Förderbändern im Allgemeinen den Eintrag von fertig

ÖWAV-Regelblatt 518 21


aufbereitetem Material in mehreren Schichten erlaubt, was beim ersten Umsetzvorgang zu

einer systematischen Durchmischung beiträgt.

Weiters ist bei allen Systemen auf mögliche Beeinträchtigungen des Belüftungssystems zu

achten. Herabfallendes nasses Material entwässert beim Aufprall und kann Belüftungsrinnen

oder -düsen verstopfen. Radladerreifen bzw. -schaufeln können auch frisch gereinigte Belüftungssysteme

verstopfen.

Viele Rottesysteme beugen diesen Effekten mittels Verschleißschichten aus Hackschnitzeln,

Strukturmaterial oder Kies über den Belüftungselementen oder über die gesamte Rottebettbreite

vor. Sollte im Rottesystem keine ausreichende Vorsorge vor derartigen Beeinträchtigungen

des Belüftungssystems gegeben sein, so kann die Aufbringung einer Schicht strukturreichen

Materials unmittelbar vor dem Aufsetzen der Miete erfolgen.

Wesentlich für die Rotte sind die Gleichmäßigkeit der Schüttung sowie die mögliche Beeinträchtigung

des Belüftungssystems durch bodengebundene Eintragssysteme, vor allem beim

Aufsetzen mittels Radlader.

Jede Charge (Miete) soll sowohl hinsichtlich ihrer Materialzusammensetzung, als auch ihrer

biologischen Entwicklung (Alter) homogen sein. Bei Tafelmieten, also auch bei Tunnels und

Boxen, ist ein flächiges Aufsetzen in mehreren Lagen anzustreben. Auf eine rasche Fertigstellung

der Miete ist zu achten, wobei als Zielsetzung eine Miete oder Lage in einem Arbeitsgang

aufgesetzt werden soll. Bei längeren Aufsetz- bzw. Sammelzyklen ist ein Homogenisierungsschritt

für die Charge erforderlich.

3.6.3 Umsetzen / Auflockern

Durch Umsetzen wird eine Durchmischung, Homogenisierung und Auflockerung erreicht, was

Gasaustausch, Wärmeabfuhr und Wasserverdunstung fördert. Weiters ist eine gleichmäßige

Befeuchtung des Rotteguts nur während des Umsetzprozesses möglich. Es ist jedoch zu beachten,

dass durch das Umsetzen auch eine Zerkleinerung des Rotteguts erfolgt und damit

das Luftporenvolumen verringert wird. Umsetzsysteme sind ein sehr wesentlicher Teil der

meisten Rottesysteme und sollten dem Betreiber ausreichend Spielraum für Eingriffe bieten.

Übliche Umsetzsysteme sind z. B. bodengebundene selbstfahrende Umsetzer für Zeilen- oder

Tafelmieten, schienengeführte Becherwerk- oder Schaufelradumsetzer und Systeme mit vertikaler

Schnecke für Tafelmieten.

Zeilenmieten ohne Seitenversatz und Anlagen mit Auflockerungsschnecke bieten gegenüber

den anderen Systemen den Vorteil, dass die Auflockerung individuell je Miete unabhängig

vom Gesamtablauf erfolgen kann.

3.6.4 Rottebelüftung

Ein essenzieller und somit allen Rottesystemen gemeinsamer Verfahrensbestandteil ist die

Belüftung des Rotteguts.

Die einfachste Form der Belüftung ist die passive oder konvektive Belüftung. Die Eingriffsmöglichkeiten

beschränken sich auf die geeignete Wahl der Mietengeometrie, die Materialaufbereitung

(z. B. Strukturmaterialanteil) sowie auf bedarfsgerechtes Umsetzen.

Entwurf zur Stellungnahme

Für eine Zwangsbelüftung existieren Systeme mit wenigen zentralen Ventilatoren und einer

Zuteilung der Luft zu einzelnen Mieten über Klappen oder mit Einzelventilatoren je Miete. Die

Anpassung der Luftmenge an den Bedarf erfolgt entweder durch Drehzahlregelung bzw. Einund

Ausschalten der Ventilatoren oder durch Öffnen und Schließen von Belüftungsklappen.

22 ÖWAV-Regelblatt 518


In der Folge werden wesentliche Aspekte zwangsbelüfteter Systeme beschrieben.

Eine sehr verbreitete Form der Belüftung stellt die Druckbelüftung dar. Dabei wird Luft entweder

mit geringem Druck unter dem Rottegut verteilt, oder mit höheren Drücken durch düsenartige

Öffnungen in das Rottegut eingebracht.

Druckbelüftungssysteme können mit Verschleißschichten zur besseren Luftverteilung und

zum Schutz der Luftaustrittsöffnungen (Verstopfung) ausgestattet sein. Diese bestehen bei

Systemen mit geringem Druck, wie perforierten Zwischenböden (z. B. Spaltböden, Lochplatten),

aus Strukturmaterial, bei Systemen mit hohem Druck, wie Rohr- und Rinnensystemen,

aus Kies bzw. Hackschnitzeln.

Neben den Rohr- und Rinnensystemen sind Belüftungssysteme mit perforierten Zwischenböden

und einem Luftverteilraum unter dem Rottegut vor allem bei Tunnelrotteanlagen verbreitet.

Durch die geringe Strömungsgeschwindigkeit im Luftverteilraum erfolgt eine gleichmäßige

Luftverteilung bei geringem Druckverlust.

Wesentlich ist die Qualität der Luftverteilung, welche sich durch Verschmutzung im laufenden

Betrieb verschlechtert. Regelmäßige Inspektion und Reinigung bzw. Wartung sind eine

Grundvoraussetzung für einen gleichmäßig gut funktionierenden Rotteprozess.

Da bei der Druckbelüftung die Entwässerung vielfach gegen die Luftrichtung erfolgt, ist besonders

auf den Aspekt der Entwässerung hinzuweisen. Bei mangelhafter Entwässerung wird der

Prozess durch aufgestautes Wasser gestört oder die Belüftung kommt zum Erliegen.

Die dritte Grundform der Belüftung ist die Saugbelüftung. Dabei wird Luft unter dem Rottegut

abgesaugt, sodass die nachströmende Luft zu einer Zwangsbelüftung führt. Die technische

Ausführung ist mit jener bei Druckbelüftungssystemen weitgehend identisch.

Sowohl bei saug- als auch bei druckbelüfteten Systemen werden neben Frischluftsystemen

auch Umluftsysteme eingesetzt. Bei Umluftsystemen wird die Luft nach Durchtritt durch das

Rottegut ganz oder teilweise wieder zurückgeführt und als Zuluft für die Miete eingesetzt.

Dadurch kann einerseits der Austrag von Energie und Feuchtigkeit verringert bzw. vergleichmäßigt

werden, andererseits besteht die Gefahr von Prozessbeeinträchtigungen durch Sauerstoffmangel

bzw. Anreicherung von CO 2

in der Umluft. In Umluftsystemen sollte daher stets

der O 2

- und/oder CO 2

-Gehalt der Luft geregelt bzw. überwacht werden. Den Messsystemen

kommt dabei eine wesentliche Aufgabe zu.

Weiters sind folgende allgemeine Zusammenhänge zu beachten:

Belüftung führt neben Sauerstoffeintrag immer auch zu verstärktem Energie- und Wasseraustrag

aus der Miete. Vor allem für zwangsbelüftete Systeme gilt:

• Belüftung verstärkt die Austrocknung

• Kontinuierliche Belüftung führt aufgrund der verstärkten Bildung bevorzugter Luftkanäle zu

ungleichmäßigerer Austrocknung als diskontinuierliche Belüftung

• Saugbelüftung wirkt gleichmäßiger auf Luft- und Wasserverteilung im Rottekörper als

Druckbelüftung

• Geregelte Systeme sind weniger fehleranfällig als ungeregelte Systeme (keine bzw. reine

Zeitsteuerung).

Entwurf zur Stellungnahme

Wesentlich für den Betrieb der Anlage ist immer die Beachtung der individuellen Grenzen

jedes Belüftungssystems (Auslegungsparameter, spezifische Kenngrößen).

ÖWAV-Regelblatt 518 23


3.6.5 Bewässerung

Ein weiterer essenzieller Verfahrensschritt ist die Befeuchtung des Rotteguts. Diese erfolgt

bei einigen Rottesystemen während, bei anderen zwischen den Umsetzvorgängen bzw. in

Kombination.

Bei der offenen Kompostierung erfolgt die Befeuchtung meist während bzw. unmittelbar vor

dem Umsetzen. Folgende Methoden werden in Österreich angewendet:

• Vakuumfass

• stationäre Kreis- oder Sektorenregner oder mobile Beregnungssysteme

• Schleppschlauch

• Injektion.

Bei offenen Mieten können Niederschläge den Wasserhaushalt stark beeinflussen. Eine Vernässung

ist durch geeignete Maßnahmen (z. B. Abdeckung mit Kompostvliesen, Membranen

etc.) zu vermeiden.

Zusätzlich zum Wassereintrag über die Oberfläche kann bei geschlossenen Systemen während

des Umsetzens und durch Konditionierung (Befeuchtung) der Zuluft Einfluss auf den

Wasserhaushalt genommen werden.

Damit unter realen Bedingungen (Verschmutzung, Verkalkung, Abnutzung von Düsen) die

Qualität der Verteilung sichergestellt werden kann, ist eine regelmäßige Wartung erforderlich.

Entwurf zur Stellungnahme

24 ÖWAV-Regelblatt 518


4 Anforderungen an den Betrieb

4.1 Ausgangsmaterialien

Tabelle 2:

Ausgangsmaterialien (Qualitätsmerkmale)

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Die Ausgangsmaterialien unterscheiden sich hinsichtlich Wassergehalt, Nährstoffverhältnis

(C/N-Verhältnis), Struktureigenschaften (Porenvolumen, Strukturstabilität) und Störstoffgehalt.

Diese Eigenschaften haben Einfluss auf Lagerfähigkeit, Emissionsverhalten, Abbauverhalten

und Endproduktqualität.

Worauf ist besonders zu achten?

Die angelieferten Ausgangsmaterialien sind nach ihren unterschiedlichen physikalischen und

chemischen Eigenschaften getrennt zu lagern, sodass eine gezielte Ausgangsmaterialmischung

erfolgen kann.

2 Problembereiche

2.1 Abschätzung der Materialeigenschaften

Die Materialeigenschaften weisen auch innerhalb der jeweiligen Ausgangsmaterialgruppen

(z. B. Biotonnematerial) beträchtliche Schwankungen auf. Daher können den einzelnen

Ausgangsmaterialgruppen keine exakten Kennzahlen zugeordnet werden. In Tabelle 3 sind

wesentliche Ausgangsmaterialien charakterisiert; nicht angeführte Abfälle, die sich in Anlage 1

der Kompostverordnung befinden, sind in jedem Einzelfall zu bewerten.

3 Lösungsvorschläge

3.1 Materialübernahme

Die Abfälle sind von einer sachkundigen Person zu übernehmen und nach ihrer Qualität einem

geeigneten Zwischenlager zuzuweisen ( Festlegung von Öffnungszeiten).

Strukturreiche Materialien weisen in der Regel ein weites C/N-Verhältnis und geringen Wassergehalt

auf.

Strukturarme Materialien weisen in der Regel höhere Stickstoff- und Wassergehalte auf.

Durch die getrennte Lagerung können bei der Aufbereitung durch bewusstes Mischen die

Rotteguteigenschaften (C/N-Verhältnis, Wassergehalt, Luftporenvolumen) eingestellt werden.

4 Verweise (auf direkt betroffene Gesetze, Verordnungen und Richtlinien)

4.1 Kompostverordnung, Anlage 1 „Ausgangsmaterialien und Zuschlagstoffe für Komposte“

4.3 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 3

4.4 ÖNORM S 2201 – Biogene Abfälle – Qualitätsanforderungen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Gesetze und Verordnungen)

5.1 Abfallnachweisverordnung i. d. g. F.

5.2 Abfallverzeichnisverordnung i. d. g. F.

5.3 Verordnung über die getrennte Sammlung biogener Abfälle

5.4 TNP-Verordnung (EG) Nr. 1774/2002

5.5 Tiermaterialiengesetz – TMG

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 25


Tabelle 3: Qualitätsmerkmale wesentlicher Ausgangsmaterialien

biogene Abfälle aus

Haushalten aus der

getrennten Sammlung

„Biotonne“

Küchen- und Speiseabfälle

aus Großküchen

und Gastronomie

organische Abfälle aus

dem Garten- und Grünflächenbereich

Straßenbegleitgrün

organische Abfälle aus

der Gewässerpflege

Ausgangsmaterial

Nummer gem.

KompostVO

101

92101

92101

Herkunft Wassergehalt Struktur C/N-Verhältnis

Ausgangsmaterialgruppe

Schlüsselnummer

innerstädtisch

Randgebiete/

ländlich

hoch

Störstoffe/

Schadstoffe

gering eng hoch

etwas besser etwas weiter gering

Lagerfähigkeit Anmerkung

schlecht

leicht verfügbare OS

intensive Selbsterhitzung

pflanzliche 103/107

92103

92107

92402

sehr hoch sehr gering eng Salzgehalt schlecht

tierische 108 / 109

92404

92405

102

92102

eng

Grasschnitt, Gemüse,

viel Stickstoff

103

92103

hoch gering

eng

gering schlecht

Laub

Geruch

102

92102

mittel

Fallobst 103 92103 hoch gering eng gering schlecht senkt pH-Wert

Baum-, Strauchschnitt,

Häckselgut

105 92105 67 gering gut weit gering gut

Mähgut 102 92102

< 8.000 KFZ

gering schlecht bis

mittel bis hoch gering eng bis mittel

> 8.000 KFZ

hoch

mittel

Baum- und

Strauchschnitt

Rechengut

Böschungsmähgut

Baum- und

Strauchschnitt

Unterwasserpflanzen

105

105

102

105

115

92105 67

92102

92105 67

92115

gering gut weit gering gut

hoch

mittel

gering

hoch

wechselnd

gering

gut

gering

wechselnd

eng

weit

eng

Friedhofsabfälle 116 92116 gering gut weit mittel gut

Klärschlamm

Rückstand aus anaeroben

Behandlungsanlagen

biologisch abbaubare

Verpackung und Werkstoffe

Kommunaler Klärschlamm

201

Faulschlamm

(rein pflanzlich)

211

92201

92212

92211

sehr hoch sehr gering eng

hoch

gering

gering

gering

gering bis

hoch

wechselnd

mittel

gut

schlecht

schlecht

sehr hoch sehr gering eng gering schlecht

118 92118 gering hoch weit

Wirtschaftsdünger Stallmist 2) hoch gering wechselnd gering schlecht

gering bis

mittel

mittel

Mengenanteil auf Struktur

abstimmen

Mengenanteil auf Struktur

abstimmen,

TNP-VO, TMG beachten

schwerer verfügbare OS

(langsamer Abbau)

Schadstoff- und Störstoffgehalt

von Verkehrsdichte und

Mahdmethode abhängig;

durch Vor-Ort-Lagerung

Trocknung möglich

jahreszeitlich wechselnd,

sorgfältige Abtrennung von

Störstoffen,

durch Vor-Ort-Lagerung ist

Trocknung möglich

sorgfältige Abtrennung von

Störstoffen

Schadstoffgrenzwerte (KoVO,

Anlage 1) für Schlamm beachten

nur wenn Input in Vergärung

nach KoVO (Anlage 1)

sorgfältige Abtrennung von

Fehlwürfen (Störstoffen), nur

begrenzter Anteil möglich

Stand der Technik d. Kompostierung

(4.3.2.5) beachten,

Eigenschaften abhängig vom

Einstreu

Entwurf zur Stellungnahme

1)

.....verschiedene Kategorien zu berücksichtigen

2)

.....Laut den gemachten Erfahrungen bzw. den Laboranalysen tritt bei der Pferdemistkompostierung keine Beeinflussung der Qualität oder eine Prozesshemmung durch mögliche organische Schadstoffe aufgrund der Verwendung

von Medikamenten auf (Auskunft RAB GmbH vom 14.8.2006)

26 ÖWAV-Regelblatt 518


4.2 Anforderungen an die Anlagenbereiche

4.2.1 Anlieferung

Tabelle 4:

Bereichsbeschreibung Anlieferung

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Ziel der Anlieferung ist die Qualitätskontrolle der gesammelten biogenen Abfälle bei der Übergabe

vom Sammler an den Kompostanlagenbetreiber

Worauf ist besonders zu achten?

• Die angelieferten Materialien sind hinsichtlich ihrer Tauglichkeit zur Kompostierung zu prüfen

(Sichtung). Ungeeignete Materialien (z. B. entspricht nicht Kompostverordnung, starke Verunreinigung

durch Störstoffe) werden zurückgewiesen

• Geeignete Materialien werden nach mengenmäßiger Erfassung (Gewicht oder Volumen)

übernommen (Abrechnung), den entsprechenden Lagerbereichen zugewiesen und dort bis

zur Aufbereitung zwischengelagert

• Da die Anlieferung von Baum- und Strauchschnitt starken jahreszeitlichen Schwankungen

unterliegt, muss vorgesorgt werden, dass auch in anfallsarmen Perioden ausreichend Struktur

sichergestellt werden kann (z. B. ein Zwischenlager für 30 bis 50 % des Jahresanfalls)

2 Problembereiche

2.1 Materialübernahme

In Abhängigkeit vom angestrebten Endprodukt dürfen nur bestimmte Materialien gemäß

Kompostverordnung Anlage 1 verwendet werden.

2.2 Geruch

Bereits bei der Bereitstellung zur Abfuhr (z. B. Biotonne, Containerlagerbox) kommt es zu

Abbauvorgängen. Sowohl beim Entladen des Sammelfahrzeugs als auch bei der Zwischenlagerung

können die dabei entstandenen geruchsintensiven Stoffwechselprodukte freigesetzt

werden.

2.3 Press- und Sickerwasser

Durch Abbauvorgänge und das Eigengewicht der gesammelten Abfälle (speziell bei Biotonnematerial)

ist im Transportfahrzeug mit Presswasser zu rechnen, dass beim Entleeren freigesetzt

wird. Durch die im Presswasser gelösten Abfallinhaltstoffe ist die Gefahr von Grund- und Oberflächenwasserkontamination

und Geruchsemission gegeben.

2.4 Strukturmateriallagerung

Während der Zwischenlagerung von Baum- und Strauchschnitt sind Abbauvorgänge zu erwarten.

Dadurch verliert das Material an Struktur und kann bei zu intensivem Abbau seine

Aufgabe (Schaffung eines für die Sauerstoffversorgung des Rotteguts ausreichenden Luftporenvolumens)

nicht mehr erfüllen.

3 Lösungsvorschläge

3.1 Materialübernahme

• Anwesenheit einer sachkundigen Person bei der Übernahme ( Festlegung von Öffnungszeiten)

• Aufzeichnung von Herkunft, Materialgruppe bzw. Schlüsselnummer des Abfalls, Menge,

Name des Anlieferers und des Datums

• Kontrolle und Aufzeichnung der übernommenen Materialströme (z. B. Zuordnung des geeigneten

Zwischenlagers)

• Störstoffauslese

• getrennte Zwischenlager für strukturarmes (z. B. Biotonne, Küchenabfälle, Marktabfälle, Gras)

und strukturreiches Material (z. B. Baum-, Strauchschnitt, Garten-, Park- und Friedhofsabfälle).

Strukturreiche Materialien weisen in der Regel ein weites C/N-Verhältnis und einen

geringen Wassergehalt auf, während strukturarme Materialien höhere Stickstoff- und Wassergehalte

aufweisen. Durch die getrennte Lagerung können bei der Aufbereitung bewusst die

Rotteguteigenschaften (C/N-Verhältnis, Wassergehalt, Luftporenvolumen) verbessert werden.

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 27


3.2 Geruch

• Mindestentfernung zu Anrainern und klimatische Verhältnisse beachten, dies verringert

gleichzeitig Lärm- und Staub- und Keimimmissionen

• Verkürzung des Sammelintervalls (je länger die Lagerung dauert, desto intensiver sind die

Abbauvorgänge)

• möglichst kurze Lagerung von Abfällen mit geringer Struktur und daher hohem Geruchspotenzial

(Biotonne, Küchenabfälle, Gras, Klärschlamm, pastöse Abfälle). Diese Abfälle sind

möglichst arbeitstäglich nach entsprechender Aufbereitung der Rotte zuzuführen

• Übernahme von Klärschlamm vorzugsweise in stabilisierter Form. Die Stabilisierung kann

durch biologische (Faulung oder aerob) oder chemische Behandlung (Kalk- oder Polymerzugabe)

erfolgen

• Sauberhalten der Anlieferungs- und Lagerflächen (Feststoffe und Sickerwasser); wegen der

besseren Zugänglichkeit sind Flachbunker Tiefbunkern vorzuziehen

• Einhausung des Übernahmebereichs (geruchsbelastete Luft kann gezielt erfasst und behandelt

werden); die Tore sind nur zur Ein- und Ausfahrt zu öffnen

3.3 Press- und Sickerwasser

• flüssigkeitsdichte Anlieferungs- und Lagerflächen für Abfälle mit geringem Wasserhaltevermögen

• ausreichend Gefälle zur raschen Ableitung von Press- und Prozesswässern in flüssigkeitsdichte

Speicher bzw. Kläranlagen

• Verkürzung des Sammelintervalls (je länger die Lagerung in der Biotonne dauert, desto

höhere Presswassermengen sind zu erwarten)

• möglichst kurze Lagerung von Abfällen mit hohem Wassergehalt (Biotonne, Küchenabfälle,

Klärschlamm, pastöse Abfälle). Diese Abfälle sind möglichst arbeitstäglich nach entsprechender

Aufbereitung der Rotte zuzuführen

• eventuell Abdeckung (z. B. Kompostvlies oder Häckselgut) oder

• eventuell Überdachung (Niederschlagsschutz). Bei Niederschlägen von > 1.300 mm/a und

Übernahmemengen von > 3.000 t Gesamtinput sind die Vorgaben der Richtlinie zum Stand

der Technik der Kompostierung (Pkt. 5.1.3) anzuwenden

3.4 Strukturmateriallagerung

• Abtrennung von eventuell enthaltenen strukturarmen Bestandteilen (Gras, krautige Pflanzen)

nach der Anlieferung

• Vermeiden einer zu intensiven Zerkleinerung des Strukturmaterials (fördert den Abbau, vermindert

Luftporenvolumen)

4 Verweise (auf direkt betroffene Gesetze, Verordnungen und Richtlinien)

4.1 Kompostverordnung, § 9, Tabellen der Ausgangsmaterialien in Anlage 1, Anlage 6 „Dokumentation“

4.2 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 5.1

4.3 Abfallnachweisverordnung i. d. g. F.

4.4 Abfallverzeichnisverordnung i. d. g. F.

4.5 Abfallbilanzverordnung

4.6 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Gesetze und Verordnungen)

5.1 Wasserrechtsgesetz (WRG) i. d. g. F.

5.2 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz i. d. g. F.

Entwurf zur Stellungnahme

28 ÖWAV-Regelblatt 518


4.2.2 Aufbereitung

Tabelle 5: Bereichsbeschreibung Aufbereitung

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Ziel der Aufbereitung ist es, für den aeroben Ab- und Umbau einen möglichst günstigen Zustand

herzustellen. Dazu ist es erforderlich, ausreichend Luftporenvolumen, Strukturstabilität,

Wassergehalt und Nährstoffverteilung (C/N-Verhältnis) zur Verfügung zu stellen. Im Hinblick auf

die Förderung der Huminstoffbildung ist besonderes Augenmerk auf eine möglichst vielfältige

Ausgangsmaterialzusammensetzung zu legen.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Aufbereitung ist die Abtrennung von Störstoffen. Dies geschieht

in Abhängigkeit von der Anlagengröße händisch bzw. mit spezieller Maschinentechnik (z. B.

Vorabsiebung, Magnetabscheider, Windsichter).

Worauf ist besonders zu achten?

• Um einen günstigen Materialzustand herzustellen, ist es notwendig, die Strukturmaterialien

(z. B. Baum- und Strauchschnitt, Siebüberlauf) je nach Beschaffenheit zu zerkleinern. Durch

Verwendung von geeigneten Aufbereitungsmaschinen (vor allem bei Anlagen mit größerer

Kapazität) kann eine kontinuierliche Qualität der Ausgangsmischung gewährleistet werden

• Der Auswahl des richtigen Aggregats kommt in Abhängigkeit von der zu zerkleinernden

Materialien eine besondere Bedeutung zu. Wesentlich ist das Herstellen einer möglichst

großen Oberfläche für die Mikroorganismen bei gleichzeitig ausreichender Strukturstabilität

(Luftporenvolumen). Daher ist langsam laufenden Aggregaten gegenüber schnell laufenden

der Vorzug zu geben

• Grundsätzlich sind Arbeitsablauf und maschinentechnische Ausrüstung so zu wählen, dass

die zu kompostierenden Materialien arbeitstäglich aufbereitet werden können. Durch ein

günstiges Mischungsverhältnis, schonende Aufbereitung und fallweise Zumischung von Zuschlagstoffen

können unerwünschte Emissionen (z. B. Sickerwasser, Geruch) weitestgehend

vermieden werden

2 Problembereiche

2.1 Störstoffabtrennung

• Aus hygienischen und ästhetischen Gründen ist der manuelle Umgang mit Abfällen auf das

unbedingt nötige Mindestmaß (Aussortieren von Störstoffen) zu beschränken

2.2 Zerkleinerung

In diesem Bereich besteht große Gefahr für MitarbeiterInnen durch die Maschinen selbst (im

Bereich der Aufgabe und des Auswurfs, Lärm, Staub etc.). Weiters kann es von diesem Bereich

ausgehend zu Anrainerbeschwerden kommen.

• Emissionen: Staub- und Keimemissionen, Steine und Hartteile, Windverfrachtung von Biound

Kunststoff, Geruch, Lärm

• Verletzungsgefahr: Sicherheitsbestimmungen der Hersteller beachten (welche Sicherheitsvorschriften

sind noch zu beachten?)

• zu intensive Zerkleinerung: zu geringes Luftporenvolumen

2.3 Mischen

• Mischungsverhältnis (Wassergehalt, C/N-Verhältnis, Oberfläche)

• ungeeignetes Strukturmaterial (Luftporenvolumen, Wassergehalt)

• Bei der Mitverarbeitung von Speiseresten sind die EG-TNP Verordnung und das Tiermaterialiengesetz

zu beachten

2.4 Einsetzbarkeit der Geräte

• schlechte Befahrbarkeit bzw. Standfestigkeit des Untergrunds nach Niederschlägen

3 Lösungsvorschläge

Grundsätzlich sind Aufbereitungsanlagen (in Abhängigkeit von den Jahresinputmengen) einzelnen

Aggregaten vorzuziehen.

Entwurf zur Stellungnahme

3.1 Störstoffabtrennung

• Speziell in größeren Anlagen sollten Geräte wie z. B. Siebe und Magnetabscheider verwendet

werden. Die manuelle Störstoffauslese an Sortierbändern für biogene Abfälle sollte auf das

unbedingt notwendige Mindestausmaß beschränkt werden

ÖWAV-Regelblatt 518 29


3.2 Zerkleinerung

• Emissionen: Abstand, Personenschutz, Prallwand, Netze, rasche Aufbereitung, Einhausung,

Betriebszeiten

• Verletzungsgefahr: Sicherheitsdatenblätter, Betriebsanleitung, Schutz der Arbeitskraft beim

Häcksler (Mund, Staubschutz)

• zu intensive Zerkleinerung: Im Besonderen sollten Schritte gesetzt werden, dass nur die notwendigen

Materialströme zerkleinert werden (z. B. Vorabsiebung)

• langsam laufende Aggregate quetschende Zerkleinerung

3.3 Mischen

• Die Qualität der Ausgangsmischung kann durch Verwendung spezieller Mischgeräte verbessert

werden.

• nicht zu lange Lagerung des Strukturmaterials

• ausgewogenes Verhältnis zwischen Biotonne-, Strukturmaterial und Wasserzugabe

3.4 Einsetzbarkeit der Geräte

• Auf einen verbesserten Bodenaufbau in diesem Bereich sollte geachtet werden, da es in

diesem zu besonderer Beanspruchung kommt

4 Verweise (auf direkt betroffene Gesetze, Verordnungen und Richtlinien)

4.1 Kompostverordnung, §§ 9, 13 und 14

4.2 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 5.2

4.3 ArbeitnehmerInnenschutzvorschriften

4.4 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Gesetze und Verordnungen)

5.1 Verordnung über mobile Anlagen zur Behandlung von Abfällen

5.2 Verordnung explosionsfähige Atmosphären – VEXAT

5.3 Tiermaterialiengesetz (TMG)

5.4 TNP-Verordnung (EG) 1774/2002, Anhang 6/II

5.5 Bundesluftreinhaltegesetz i. d. g. F.

5.6 Baugesetze der Länder

Entwurf zur Stellungnahme

30 ÖWAV-Regelblatt 518


4.2.3 Hauptrotte

Tabelle 6:

Bereichsbeschreibung Hauptrotte

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Die Hauptrotte ist jener Rotteabschnitt, in dem ein intensiver Abbau der mikrobiell leicht verfügbaren

organischen Substanzen und der dabei entstehenden Abbauprodukte erfolgt. Sie

ist gekennzeichnet durch hohen Sauerstoffverbrauch, sehr starke Selbsterhitzung und einen

damit verbundenen starken Wasseraustrag.

Die Hauptrotte wird im Sinne der Prozessführung und hinsichtlich der abzugrenzenden

Anforderungen an die anschließende Nachrotte als thermophile Prozessphase definiert. Sie

ist dann als abgeschlossen anzusehen, wenn die Temperatur dauerhaft 40 °C (z. B. Selbsterhitzungstest

oder Beurteilung der Rottetemperaturaufzeichnungen) nicht mehr übersteigt.

1.1 Wesentliche Anforderungen an die Hauptrotte:

• Abbau/Umbau der leicht abbaubaren organischen Substanzen mit Augenmerk auf eine

möglichst hohe Endproduktqualität (Förderung der Bildung von Huminstoffen)

• Die Herstellung eines geruchsarmen Rottezwischenprodukts (Frischkompost) in einer oder

mehreren Verfahrensstufe(n)

• temperaturbedingte Hygienisierung durch Maßnahmen, die gewährleisten, dass das gesamte

Material der erforderlichen Temperatur (> 55 °C) über die notwendige Zeit ausgesetzt

ist (siehe Tabelle 4-9 der Richtlinie „Stand der Technik der Kompostierung“)

• Minimierung der Emission von Geruch, Staub und klimarelevanten Gasen (z. B. CH 4

) durch

Maßnahmen zur Optimierung der Rottebedingungen

Die Möglichkeiten zur Prozesssteuerung hängen vom gewählten Hauptrotteverfahren ab.

1.2 Folgende Verfahrenstypen kommen zum Einsatz:

• offene Mietenkompostierung vorwiegend mit regelmäßiger Materialumsetzung mittels mobilen

Mietenumsetzgeräten, meistens ohne integrierte Zwangsbelüftung, Sonderform mittels

Abdeckung der Mieten mit semipermeablen Membranen

• eingehauste Mietenkompostierung vorzugsweise mit integrierter Intensivbelüftung und

regelmäßiger Materialumsetzung; bei der so genannten Wendetechnik erfolgt die Kompostierung

in einer geschlossenen Rottehalle im Druck- oder Saugbetrieb, das Rottegut wird

regel mäßig – z. B. wöchentlich – umgesetzt und systematisch nachbefeuchtet. Andernfalls

handelt es sich um statisch belüftete Tafelmieten ohne Materialumsetzung, wo das Rottegut

lediglich im Druck- oder Saugbetrieb belüftet wird

• Tunnelkompostierung, geschlossene Intensivrotte im Chargenbetrieb, mit künstlichem Zuund

Umluftbetrieb, Rückverregnung von Prozesswasser, nach Größe und Leistungsfähigkeit

den jeweiligen Standortgegebenheiten anpassbar – auch in Container- oder Boxenbauweise,

automatische Prozesssteuerung nach Temperatur- und Sauerstoffmilieu; automatisierter

Ein- und Austrag mittels Förderband- oder Schubbodensystemen, in kleineren

Anlagen auch mittels Radlader

• Zeilenkompostierung, in seitlich ummauerten Zeilenmieten mit obligatorischem Umsetzen

und Zwangsbelüftung in einer geschlossenen Rottehalle, allenfalls mit Temperatursteuerung

1.3 Worauf ist besonders zu achten?

• Sicherstellung eines kontinuierlichen Prozessablaufs bzw. kontinuierlicher Abbau der leicht

abbaubaren Substanzen

• Sicherstellung des Gasaustausches (Sauerstoffversorgung und Abfuhr von Stoffwechselprodukten

wie z. B. CO 2

, CH 4

etc.)

• Aufrechterhaltung von Struktur und Wassergehalt

• ausreichende Wärmeabfuhr zur Beeinflussung der Mietentemperatur

• regelmäßige Reinigung von Anlageteilen und Geräten

• Verringerung der Bildung von Kondensat- und Sickerwasser bzw. deren ordnungsgemäße

Behandlung

• Maßnahmen der Abluftbehandlung bzw. Emissionsminderung

• Maßnahmen zum Korrosionsschutz

2 Problembereiche

2.1 Trockenstabilisierung des Rotteguts (durch mangelhafte Bewässerung und/oder zu intensive

Belüftung)

2.2 Mangelhafte Sauerstoffversorgung des Rotteguts und dadurch vermehrte Bildung von anaeroben

Zonen

2.3 Überwiegen der Mineralisierung (Abbauvorgänge) gegenüber der Humifizierung (Um- und

Aufbauvorgänge)

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 31


2.4 Temperaturen über 70 °C

2.5 Mangelhafte Hygienisierung

2.6 Geruchsemissionen aufgrund der beim Abbau entstehenden Stoffwechselprodukte

2.7 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen im Zuge der Materialmanipulation

2.8 Flüssige Emissionen, Grundwassergefährdung durch z. B. Prozess-, Kondens- und Niederschlagswasser

2.9 Gasförmige Emissionen, insbesondere klimarelevante Gase z. B. Methan (CH 4

)

2.10 Lärm durch Belüftungs- und Umsetzaggregate

2.11 Korrosion von Anlagenteilen

3 Lösungsvorschläge

Die hier angeführten Lösungsvorschläge sind immer im Hinblick auf den Gesamtprozess zu

sehen. So können Maßnahmen zur Verminderung von Problemen in einem Bereich zu einer

Verschärfung von Problemen in anderen Bereichen führen.

3.1 Trockenstabilisierung

• Aufrechterhaltung eines ausreichenden Wassergehalts (z. B. durch Wasserzugabe im Zuge

des Umsetzens und/oder durch Oberflächenbewässerung)

• angepasste (nicht zu große) Luftmengen bei zwangsbelüfteten Systemen

• Konditionierung der Zuluft bzw. Umluftbetrieb

3.2 Mangelhafte Sauerstoffversorgung

• Verbesserung der Auflockerung beim Umsetzen (eventuell durch Verbesserung der maschinentechnischen

Ausstattung). Radlader sind zum Umsetzen prinzipiell weniger geeignet und

erfordern besondere Geschicklichkeit des Personals

• Erhöhen des Strukturmaterialanteils bereits bei der Aufbereitung bzw. durch Zumischen von

Siebüberlauf während der Rotte

• Änderung der Mietengeometrie unter Berücksichtigung der klimatischen Gegebenheiten

(z. B. Temperatur, Niederschlag, Wind)

• bei zu hohem Wassergehalt Auflegen der Miete auf eine Strukturmatte (dies fördert die Wasserabfuhr),

Einstellen der künstlichen Bewässerung und Abdecken der Mieten zum Schutz

vor dem Eindringen von Niederschlag

• Erhöhung des Zuluftmenge bei zwangsbelüfteten Rottesystemen

3.3 Überwiegen der Mineralisierung

• Reduktion der Belüftung auf ein für den biologischen Abbau und den Wärmeaustrag erforderliches

Maß

3.4 Temperaturen über 70 °C

• ausreichende Wasserzugabe (der Hauptanteil der Wärmeabfuhr erfolgt über Verdunstung)

• Umsetzen

• Erhöhung der Luftzufuhr bei zwangsbelüfteten Rottesystemen

3.5 Hygiene

• Einhaltung der geforderten Hygienisierungsbedingungen (Wassergehalt, Höhe und/oder

Zeitdauer Temperatur, siehe Tabelle 4-9 der Richtlinie „Stand der Technik der Kompostierung“)

• mindestens ein Umsetzvorgang während der Hygienisierungsphase bei der offenen Mietenkompostierung

• Verhindern einer Reinfektion durch organisatorische und/oder bauliche Maßnahmen. Geeignete

Maßnahmen sind beispielsweise das mechanische Reinigen von Geräten wie Radlader

und Umsetzgerät zur Vermeidung der Kontamination durch Materialverfrachtungen bzw.

Unterlassen der Verwendung von Sickerwasser aus Anlagenbereichen vor der Hygienisierungsphase

zum Befeuchten von bereits hygienisiertem Material

3.6 Geruchsemissionen

• alle Maßnahmen zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung (siehe Punkt 2.2)

• Sauberkeit (Vermeiden von Material- und Sickerwasserresten in allen Anlagebereichen)

• Berücksichtigen der Witterungsverhältnisse beim Umsetzen (Inversionswetterlagen, Windrichtung)

3.7 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen

• Vermeidung von Austrocknung

• Sauberkeit, Reinigung der Fahrwege

• Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse bei der Materialmanipulation

• Maßnahmen zur besseren Störstoffabtrennung bei der Aufbereitung

Entwurf zur Stellungnahme

32 ÖWAV-Regelblatt 518


3.8 Flüssige Emissionen

• alle Maßnahmen zur Steuerung des Wasserhaushalts (Schutz vor Niederschlag, Reinigung

und Wartung der Sickerwasserabfuhreinrichtungen)

3.9 Gasförmige Emissionen

• alle Maßnahmen zur Vermeidung mangelhafter Sauerstoffversorgung (siehe Punkt 2.2)

3.10 Lärm

• organisatorische Maßnahmen durch Festlegung geeigneter Betriebszeiten und Koordination

der Anlieferung, damit die Materialaufbereitung innerhalb dieser Betriebszeiten erfolgen

kann

3.11 Korrosionsschutz

• Beachtung der Materialwahl und geeigneter Anstriche der Geräte bei Anschaffung

• Reinigung und Wartung von Anlagenteilen und Geräten

• Abstellung der Geräte in von Niederschlag geschützten Bereichen

4 Verweise (auf direkt betroffene Gesetze, Verordnungen und Richtlinien )

4.1 Kompostverordnung, Anlage 6

4.2 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 5.3

4.3 ÖNORM EN 13725 – Bestimmung der Geruchsstoffkonzentration

4.4 ÖWAV-Regelblatt 513 – Betrieb von Biofiltern

4.5 VDI 3475 – Emissionsminderung – Biologische Abfallbehandlungsanlagen – Kompostierung

4.6 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Gesetz und Verordnungen)

5.1 Tiermaterialiengesetz (TMG)

5.2 Wasserrechtsgesetz (WRG), §§ 34 (1) und 54 (1, 2)

5.3 ArbeitnehmerInnenschutzvorschriften

5.4 Brandschutzvorschriften

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 33


4.2.4 Nachrotte

Tabelle 7:

Bereichsbeschreibung Nachrotte

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Die Nachrotte ist jener Rotteabschnitt, in dem im Anschluss an die Hauptrotte die Humifizierung

zum Fertigkompost erfolgt. Im Unterschied zur Hauptrotte ist die Nachrotte durch geringeren

Sauerstoffverbrauch, geringere Selbsterhitzung und nur noch geringen Wasseraustrag gekennzeichnet.

Sie verläuft im mesophilen bis psychrophilen Temperaturbereich < 40 °C (z. B. Selbsterhitzungstest

oder Beurteilung der Rottetemperaturaufzeichnungen).

Je nach Beschaffenheit des Inputmaterials (z. B. Strukturanteil, C/N-Verhältnis), der Prozessführung

während der Haupt- und Nachrotte sowie der gewünschten Reife des Endprodukts sind

unterschiedliche Nachrottezeiten erforderlich.

1.1 Wesentliche Anforderungen an die Nachrotte:

• Abbau/Umbau der mittel bis schwer abbaubaren Substanzen (z. B. Zellulose, Lignin) bzw.

Aufbau von Huminstoffen und Tonmineralhumuskomplexen

• Abbau der mikrobiellen Biomasse und seuchenhygienisch relevanter Keime

• Herstellung eines für den jeweiligen Anwendungsbereich geeigneten Endprodukts (z. B.

Pflanzenverträglichkeit) ggf. vor einer Feinaufbereitung

• Minimierung der Emission von Geruch, Staub und klimarelevanten Gasen (z. B. CH 4

, N 2

O)

durch Maßnahmen zur Optimierung der Rottebedingungen

Die Möglichkeiten zur Prozesssteuerung hängen vom gewählten Nachrotteverfahren ab.

Die Nachrotte erfolgt meist in Zeilen- oder Tafelmieten, teilweise auch in offenen Boxen oder

geschlossenen Hallen. Grundsätzlich sind auch alle Verfahrenstypen der Hauptrotte für die

Nachrotte geeignet, insbesondere für die Nachrotte von anaerob vorbehandelten organischen

Materialien. Die bauliche Ausführung bzw. die maschinelle Ausstattung der Nachrotte ist dabei

auch von der Leistungsfähigkeit der Hauptrotte abhängig.

1.2 Folgende Verfahrenstypen kommen zum Einsatz:

• Offene Mietenkompostierung vorwiegend mit regelmäßiger Materialumsetzung mittels mobilen

Mietenumsetzgeräten, meistens ohne integrierte Zwangsbelüftung,

– vorwiegend auf offenem Mutterboden, insbesondere in Abhängigkeit von der hydrogeologischen

Eignung des Standorts, oder

– mit einer flüssigkeitsdichten Basisabdichtung der Rottefläche.

• Sonderform mittels Abdeckung der Mieten mit semipermeablen Membranen

Jedenfalls erforderlich sind:

• Erfassung und geordnete Beseitigung des anfallenden Oberflächen- und Sickerwassers von

befestigten Flächen, sofern die Reinigung und Wiederverwertung am Standort nicht möglich

ist, oder

• Überdachung der Rottefläche in Abhängigkeit von der Kapazität der Nachrotte und der

Jahresniederschlagsmenge des Standortes

1.3 Worauf ist besonders zu achten?

• Sicherstellung eines fortschreitenden Ab- und Umbaus der organischen Substanz

• Sicherstellung des Gasaustausches (z. B. Sauerstoffversorgung und Abfuhr von Stoffwechselprodukten,

CO 2

)

• Aufrechterhaltung von Struktur und Wassergehalt

• Kontrolle von Feuchtigkeit (Faustprobe) und Geruch

• Einstellung der optimalen Materialfeuchtigkeit etwa zwischen 45 und 55 % i. d. FM bzw. Vermeidung

von Trockenstabilisierung bzw. Vernässung

• Einstellung der Endfeuchtigkeit auf die nachfolgenden Verwendungs- oder Verarbeitungsschritte

(z. B. Feinaufbereitung, Nachlagerung, Absackung, Ausbringung)

• Verringerung der Bildung von Kondensat- und Sickerwasser bzw. deren ordnungsgemäße

Behandlung

• Maßnahmen der Emissionsminderung

• Maßnahmen zum Korrosionsschutz

Entwurf zur Stellungnahme

2 Problembereiche

2.1 Trockenstabilisierung des Rotteguts (durch mangelhafte Bewässerung und/oder zu intensive

Belüftung)

2.2 Mangelhafte Sauerstoffversorgung des Rotteguts und dadurch vermehrte Bildung von

anaeroben Zonen

2.3 Temperaturen über 40 °C

2.4 Mangelhafte Hygienisierung

34 ÖWAV-Regelblatt 518


2.5 Geruchsemissionen (Emissionen in der Nachrotte werden im Wesentlichen vom Reifestadium

des Komposts beeinflusst)

2.6 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen im Zuge der Materialmanipulation

2.7 Gasförmige Emissionen, insbesondere klimarelevante Gase, z. B. Lachgas (N 2

O)

2.8 Lärm durch Belüftungs- und Umsetzaggregate

2.9 Korrosion von Anlagenteilen

3 Lösungsvorschläge

Die hier angeführten Lösungsvorschläge sind immer im Hinblick auf den Gesamtprozess zu

sehen. So können Maßnahmen zur Verminderung von Problemen in einem Bereich zu einer

Verschärfung von Problemen in anderen Bereichen führen.

3.1 Trockenstabilisierung

• Aufrechterhaltung eines ausreichenden Wassergehalts (z. B. durch Wasserzugabe im Zuge

des Umsetzens und/oder durch Oberflächenbewässerung)

3.2 Mangelhafte Sauerstoffversorgung

• Verbesserung der Auflockerung beim Umsetzen (eventuell durch Verbesserung der maschinentechnischen

Ausstattung). Radlader sind zum Umsetzen prinzipiell weniger geeignet und

erfordern besondere Geschicklichkeit des Personals

• bei zu hohem Wassergehalt Zumischen von trockenen bzw. strukturgebenden Material (z. B.

Siebüberlauf). Auflegen der Miete auf eine Strukturmatte (dies fördert die Wasserabfuhr), Einstellen

der künstlichen Bewässerung und Abdecken der Mieten zum Schutz vor dem Eindringen

von Niederschlag

3.3 Temperaturen über 40 °C

• dosierte Wasserzugabe (ein zu hoher Wasseranteil kann in der Nachrotte aufgrund geringerer

Temperaturen nicht mehr ausgetragen werden)

• Umsetzen

3.4 Hygiene

• Verhindern einer Reinfektion durch organisatorische und/oder bauliche Maßnahmen. Geeignete

Maßnahmen sind beispielsweise das mechanische Reinigen von Geräten wie Radlader

und Umsetzgerät zur Vermeidung der Kontamination durch Materialverfrachtungen bzw.

Unterlassen der Verwendung von Sickerwasser aus Anlagenbereichen vor der Hygienisierungsphase

zum Befeuchten von bereits hygienisiertem Material

3.5 Geruchsemissionen

• alle Maßnahmen zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung (siehe Punkt 3.2)

• Sauberkeit (Vermeiden von Material- und Sickerwasserresten in allen Anlagebereichen)

• nach Möglichkeit Berücksichtigen der Witterungsverhältnisse beim Umsetzen (Inversionswetterlagen,

Windrichtung)

3.6 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen

• Vermeidung von Austrocknung

• Sauberkeit, Reinigung der Fahrwege

• Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse bei der Materialmanipulation

• Abdeckung der Mieten

3.7 Gasförmige Emissionen

• alle Maßnahmen zur Vermeidung mangelhafter Sauerstoffversorgung (siehe Punkt 3.2)

3.8 Lärm

• organisatorische Maßnahmen durch Festlegung geeigneter Betriebszeiten

3.9 Korrosionsschutz

• Reinigung und Wartung von Geräten

4 Verweise (auf direkt betroffene Richtlinien und Gesetze)

4.1 Kompostverordnung, Anlage 6

4.2 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 5.3

4.3 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Richtlinien und Gesetze)

5.1 Tiermaterialiengesetz (TMG)

5.2 Wasserrechtsgesetz (WRG), § 54 (1, 2)

5.3 Arbeitnehmerinnenschutzvorschriften

5.4 Brandschutzvorschriften

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 35


4.2.5 Endaufbereitung (Feinaufbereitung)

Tabelle 8:

Bereichsbeschreibung Endaufbereitung (Feinaufbereitung)

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

In der Endaufbereitung wird der aus der Rotte kommende Kompost je nach Anwendung oder

Kundenwunsch nachbehandelt (Korngrößeneinstellung, Fremdstoffabtrennung usw.).

Ziel ist die Herstellung eines optimierten Endprodukts für den jeweiligen Anwendungsbereich.

Die abgesiebte Grobfraktion kann bei der Ausgangsmaterialaufbereitung (siehe Kapitel 4.2.2)

als Strukturmaterial eingesetzt werden. Zu stark verunreinigte bzw. überschüssige Grobfraktionen

müssen aus der Anlage ausgeschleust werden. Nach einer Abtrennung von Störstoffen ist

eine thermische Verwertung der Grobfraktion möglich.

2 Problembereiche

2.1 Ungünstiger Wassergehalt

• zu trockenes Material (Windverfrachtungen, Verunreinigungen, Staubbelastung)

• zu feuchtes Material (schlechter Abscheidegrad)

2.2 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen

• Witterungseinfluss bei der Aufbereitung im Freien (Wind, Niederschlag)

2.3 Lärm durch Aufbereitungsaggregate

3 Lösungsvorschläge

3.1 Ungünstiger Wassergehalt

• sorgfältige Einflussnahme auf den Wasserhaushalt während der Nachrotte: Das Material sollte

einen Wassergehalt von ca. 30 % bis 35 % aufweisen

• Der Auswahl der Siebtechnik kommt eine wesentliche Bedeutung zu (bei geringerem Wassergehalt

sind Trommelsiebe gut geeignet, bei höherem Wassergehalt sind Sternsiebe effektiver)

3.2 Materialverfrachtung sowie Staub- und Keimemissionen

• Staubschutzmasken für Personal

• Wassergehalt in der Nachrotte erhöhen

• Staub und Keime mit Sprühnebelvorrichtungen binden

• Kapselung und Entstaubung

• Einhausung (bringt Wetterunabhängigkeit)

• geeignete Umzäunung

3.3 Lärm

• Kapselung oder Schallisolierung

• Einhausung

• Betriebszeiten einhalten

4 Verweise (auf direkt betroffene Gesetze, Verordnungen und Richtlinien )

4.1 Kompostverordnung (abgetrennte Störstoffanteile)

4.2 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kapitel 5.5

4.3 Abfallnachweisverordnung i. d. g. F. (Fehlchargen, Störstoffentsorgung)

4.4 ArbeitnehmerInnenschutzvorschriften

4.5 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Gesetze und Verordnungen)

–––

Entwurf zur Stellungnahme

36 ÖWAV-Regelblatt 518


4.2.6 Nachlagerung

Tabelle 9:

Bereichsbeschreibung Fertigkompostlagerung

1 Anforderung (Ziel und Zweck)

Die Lagerung dient dazu, den Zeitraum zwischen Endaufbereitung und Anwendung des Komposts

ohne nachteilige Auswirkungen auf die Qualität zu überbrücken.

Prinzipiell ist damit ein Nachreifen des Komposts verbunden, eine bereits erfolgte Deklaration

darf dadurch aber nicht verändert werden.

Die Möglichkeiten zur Abgabe des Fertigkomposts sind auf die anlagenspezifischen Zielsetzungen

(z. B. Loseware, Sackware) abzustimmen.

Worauf ist besonders zu achten?

• Qualität der Deklaration muss erhalten bleiben

• Schutz vor Austrocknung und Vernässung (Gefahr der Nährstoffauswaschung)

• Sicherstellung der Sauerstoffversorgung

• Verhindern von nachträglichen Verunreinigungen (Unkrautsamen)

2 Problembereiche

2.1 Ungünstiger Wassergehalt

2.2 Materialverfrachtung und Staubemissionen

2.3 Sicherstellung der Sauerstoffversorgung

2.4 Nachträgliche Verunreinigung (z. B. Anflug und Reinfektion durch Samen, Keime und Pilze)

3 Lösungsvorschläge

3.1 Ungünstiger Wassergehalt

• an Materialzustand und klimatische Gegebenheiten angepasste Mietengeometrie

• gezielte Erfassung und Ableitung von Niederschlagswasser

• in Abhängigkeit von der Produktanwendung eventuell Überdachung in niederschlagsreichen

Regionen

3.2 Materialverfrachtung und Staubemissionen

• Windschutz (Erdwall, Hecke)

• Beregnen der Oberfläche (mit hygienisch unbedenklichem Wasser)

3.3 Ausreichende Sauerstoffversorgung

• bedarfsgerechtes Umsetzen in Abhängigkeit von Materialzustand und Mietengeometrie

3.4 Nachträgliche Verunreinigung

• Verhindern einer Reinfektion durch organisatorische und/oder bauliche Maßnahmen. Geeignete

Maßnahmen sind beispielsweise das mechanische Reinigen von Geräten (z. B. Radlader,

Umsetzgerät) zur Vermeidung der Kontamination durch Materialverfrachtungen bzw.

Unterlassen der Verwendung von Sickerwasser aus Anlagenbereichen vor der Hygienisierungsphase

zum Befeuchten von bereits hygienisiertem Material

• Ein Eintrag von Unkrautsamen lässt sich ausschließlich durch Abdeckung oder Einhausung

verhindern. Um Kompost möglich unkrautsamenfrei abzugeben, empfiehlt es sich, nach

l ängerer Lagerung die oberste Schicht abzuziehen und dem Hauptrotteprozess zuzuführen

4 Verweise (auf direkt betroffene Richtlinien und Gesetze)

4.1 Richtlinie zum Stand der Technik der Kompostierung, Kap. 4.6. und 5.6.

4.2 Anlagenbezogene Besonderheiten (bescheidspezifische Zusatzanforderungen)

4.3 ÖNORM S 2205 – Technische Anforderungen an Kompostierungsanlagen

5 Hinweise (auf allenfalls andere mit einzubeziehende Richtlinien und Gesetze)

5.1 Wasserrechtsgesetz (WRG)

5.2 AEV Abfallbehandlung

5.3 Arbeitnehmerinnenschutzvorschriften

5.4 Brandschutzvorschriften

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 37


4.3 Maschinelle und technische Ausstattung

Bei der maschinentechnischen Ausstattung ist auf Korrosionsbeständigkeit, Wartungsfreundlichkeit

und Betriebssicherheit unter dem Gesichtspunkt einer hohen Verfügbarkeit sowie auf

die erforderliche Reinigung zu achten.

Tabelle 10: Kurzbeschreibung der maschinellen und technischen Ausstattung

Zweck

Wägen

Zerkleinern

Mischen

Transportieren

Umsetzen

Bewässern

Belüften

Prozess

über wachen

Sieben

Maschinelle und technische

Ausstattung

Brücken- bzw. Fahrzeugwaage

Wiegeschaufel

Bandwaage

Industriewaagen

Hacker

Häcksler

Schneide- bzw. Schraubenmühle

Schredder

Mischtrommel,

Schneckenmischer

Radlader

Miststreuer

Umsetzer

Schaufellader (z. B. Radlader, Teleskoplader,

Traktor mit Frontlader)

Förderband

Plattenband

Schubboden

Trogkettenförderer

Schaufellader

Umsetzer (boden- oder schienengebunden,

traktorgezogen oder

-geschoben)

Vakuumfass

Beregner (z. B. Kreis- oder Sektorenregner,

Sprinkler)

Injektor

Ventilator

Luftverteilungsrinne oder -schlauch

Belüftungsboden

Thermometer

Gasanalysator (O 2

, CO 2

, CH 4

)

pH-Meter

Manometer

Trommelsieb

Stern- bzw. Scheibensieb

Spannwellensieb

Rüttel- bzw. Vibrationssieb

Windsichter

Magnet- und Wirbelstromabscheider

Ballistischer Abscheider

Anmerkungen

regelmäßiges Eichen erforderlich

Schnittstelle zur elektronischen Dokumentation

beachten

Sicherheits- und Noteinrichtungen

erforderlich

Wartungsplan beachten

regelmäßige Kontrolle auf Verschleiß

Energieverbrauch optimieren

Sicherheits- und Noteinrichtungen

erforderlich

Wasserzugabemöglichkeit beachten

regelmäßige Reinigung mobiler Maschinen

erforderlich

regelmäßige Reinigung von Schaufellader

erforderlich

Staubemissionen minimieren

Staub- und Geruchsemissionen

minimieren

Frostschutz beachten

Düsen und Filter regelmäßig reinigen

Sicherstellen der Entwässerung und

einer regelmäßigen Reinigung aller

Belüftungseinrichtungen

Druckverhältnisse überwachen

Funktion prüfen und Wartungsplan

beachten

regelmäßige Reinigung wesentlich

Staub- und Geruchsemissionen

minimieren

Kapitel

Entwurf zur Stellungnahme

Störstoffe

abtrennen

Staub- und Geruchsemissionen

minimieren

4.1

4.2.1

3.3

4.2.2

3.3

3.6.3

4.2.2

3.3

3.6.2

4.2.1

3.4.2

3.4.3

3.6.3

4.2.3

4.2.4

3.4.2

3.4.3

3.6.5

4.2.3

4.2.4

3.4.2

3.4.3

3.6.4

4.2.3

4.2.4

3.6.1

4.2.3

4.2.4

4.4.5

3.3

4.2.2

4.2.5

3.3

4.2.2

4.2.5

38 ÖWAV-Regelblatt 518


Zweck

Abluft

behandeln

Reinigen

Fertigkompost

aufbereiten

Verpacken

Maschinelle und technische

Ausstattung

Biofilter

Befeuchter

Wäscher

Staubfilter bzw. Zyklon

Hochdruckreiniger

Kehrmaschine

Schaufellader

Industriestaubsauger

Mischer

Pelletierer

Siebanlage

Absackanlage

Palettenwickler

Anmerkungen

Wartungsplan beachten,

bei Einsatz von Säurewäschern

Sicherheitsvorschriften beachten

4.4 Qualitätssicherung, Aufzeichnung und Bilanzierung

4.4.1 Qualitätssicherung

Kapitel

3.5.1

3.5.2

3.5.10-13

4.2.3

4.2.4

4.2.1

4.2.2

4.2.5

4.4.7

4.2.5

Sicherheitsvorschriften beachten 4.2.6

Die Herstellung von Komposten aus Abfällen ist in der Kompostverordnung, BGBl. II 292/2001,

geregelt. Bei Einhaltung der Bestimmungen der Kompostverordnung verlieren die Abfälle ihre

Abfalleigenschaften und werden zum Produkt (Abfallende). Um die Anforderungen an die in

der Kompostverordnung festgelegte Qualitätssicherung zu erfüllen, ist ein Qualitätssicherungssystem

erforderlich.

Die Anforderungen an dieses System sind in folgenden ÖNORMEN festgelegt:

• ÖNORM S 2206-1:2004 04 01

Anforderungen an ein Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Komposten –

Teil 1: Grundlagen für die Qualitätssicherung eines Betriebes und der betriebsinternen

technischen Abläufe

• ÖNORM S 2206-2:2005 03 01

Anforderungen an ein Qualitätssicherungssystem für Komposte – Teil 2: Qualitätssicherungsorganisation

Die Umsetzung dieser Qualitätssicherung wird in der ON-Regel 192206 „Umsetzung der Qualitätssicherung

auf Kompostanlagen“ beschrieben und umfasst zumindest folgende Bereiche:

a) Stammdaten (z. B. Standort, Betreiber, Ausbildungsstand des Betriebspersonals)

b) Beschreibung der relevanten Anlagenteile

c) Maschinenkapazitäten

d) Beschreibung und Dokumentation des Betriebs-/Verfahrensablaufs sowie der Eigen- und

Fremdüberwachung (z. B. Mietenmanagement, Hygienisierungsnachweis, Zeitpunkt der

Probenahmen)

e) Störfälle und deren Behebung (wenn zutreffend)

f) Daten zur Stoffbilanz (z. B. Menge und Qualität der Eingangsmaterialien, Störstoffe)

g) Beschreibung des/der Endprodukte(s) (Menge und Qualität)

h) Kompostabgabe und Kennzeichnung

i) Umwelt-/Dienstnehmerschutz, Beschwerdemanagement

j) Allgemeine Beurteilung (Mängelbeschreibung wenn zutreffend), Anmerkungen.

Entwurf zur Stellungnahme

ÖWAV-Regelblatt 518 39


4.4.2 Aufzeichnung und Bilanzierung

Die Aufzeichnungspflichten auf Kompostierungsanlagen gelten seit Inkrafttreten der Kompostverordnung,

BGBl. II/292/2001, und werden im Zuge des EDM-Teilprojekts „eKompost“ hinkünftig

auf elektronischem Wege zu übermitteln sein.

Gemäß AWG 2002 i. d. g. F. (§ 22, Elektronische Register) bzw. Abfallbilanzverordnung 2008

sind die Jahresabfallmengen beginnend für das Bilanzjahr 2009 elektronisch im Rahmen der

„eBilanz“ zu melden.

Tabelle 11: Wesentliche Anforderungen hinsichtlich Qualitätssicherung, eBilanz und eKompost

Anlagenbereich Qualitätssicherung eBilanz eKompost

• Jede Anlieferung ist getrennt nach Abfallart (Schlüsselnummer gem. ÖNORM

S 2100 bzw. wenn vorhanden GTIN) als Volumen oder Masse zu erfassen, auch

wenn diese Fuhren zurückgewiesen werden

• Die Datenaufzeichnung erfolgt als Masse [kg], welche gerechnet, geschätzt oder

Anlieferung/

Zwischenlager

gewogen werden kann

• Die Personendaten (Name und Anschrift, ÖNACE bzw. – wenn vorhanden – die

Personen- oder Standort-GLN) des Abfallbesitzers sind strukturiert aufzuzeichnen

Aufzeichnung von Art und Meldung von Art, Menge,

Art, Menge, Herkunft und

Menge pro Überprüfungszeitraum

Bilanzzeitraum

Herkunft und Verbleib pro

Verbleib laufend

Aufbereitung

Beschreibung der Anlagenteile

und eingesetzten

Technik

Art, Menge, Herkunft und

Verbleib getrennt nach

Stoffströmen

Falls als bilanzrelevanter

Aufzeichnung gemäß

Aufzeichnung gemäß

Anlagenteil definiert, sind

Kompostverordnung und

Kompostverordnung und

Haupt- und

Art, Menge, Herkunft und

Richtlinie zum Stand der

Richtlinie zum Stand der

Nachrotte

Verbleib getrennt nach

Technik der Kompostierunrung

Technik der Kompostie-

Stoffströmen pro Bilanzzeitraum

zu melden

Endaufbereitung

Beschreibung der Anlagenteile

und eingesetzten

Technik

Art, Menge, Herkunft und

Verbleib getrennt nach

Stoffströmen

Nachlagerung/

Produktlager

Deklaration, Kennzeichnung

und Mengen

Interne Umbuchung aus

dem vorangegangenen bilanzrelevanten

Anlagenteil

in das Produktlager

Interne Umbuchung aus

dem vorangegangenen bilanzrelevanten

Anlagenteil

in das Produktlager

Kompostabgabe

Kennzeichnungsblatt, Eigenanwendung,

Inverkehrbringung

und Mengen

–––

Aufzeichnungen für jede

in Verkehr gebrachte

Kompostcharge und über

deren Abnehmer gemäß

Kompostverordnung

Anmerkung: Die auf der gesamten Kompostierungsanlage anfallenden Störstoffe müssen nach Art,

Menge, Herkunft und Verbleib aufgezeichnet bzw. für bilanzrelevante Anlagenteile pro Bilanzzeitraum

nach Art, Menge, Herkunft und Verbleib gemeldet werden.

Entwurf zur Stellungnahme

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Abbildung 2: Beispielhafte Darstellung einer Kompostierungsanlage mit der Mindestanzahl

an bilanzrelevanten Anlagenteilen für die Jahresabfallbilanzmeldung im Wege der

„eBilanz“

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