Universität Ostrava (WS12/13)

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Universität Ostrava (WS12/13)

Erfahrungsbericht: Universität Ostrava

Vorbereitung

Ich habe mich sehr früh aufgrund eigenen Interesses sowie der preiswerten Lebensbedingungen für

Ostrava entschieden. Wie bei Auslandsaufenthalten üblich, sollte rechtzeitig mit der Planung

begonnen werden. Dies beinhaltet insbesondere, sich über das Studienangebot vor Ort und die

Bewerbungsfristen zu informieren. Einen sogenannten EILC-Kurs habe ich aufgrund zeitlicher Mängel

nicht besucht, was sich jedoch, aufgrund der Erfahrungen meiner ausländischen Kommilitonen, als

Fehler herausstellte. Ein Großteil der tschechischen Bevölkerung außerhalb Prags besitzt kaum

Englischkenntnisse. Daher sind Grundkenntnisse im Tschechischen sehr vorteilhaft. Meine

sprachliche Vorbereitung bestand daher aus dem Studieren tschechischer Wörterbücher.

Die Bewerbung auf einen Studienplatz in Ostrava gestaltete sich relativ unkompliziert. Alle wichtigen

Dokumente sowie Informationen waren auf der Homepage der Universität zusammengestellt. Einige

Tage nach Bewerbungsschluss ging schon die Zusage der ausländischen Universität ein.

Ich reiste mit der Bahn nach Ostrava, was sich aus Hannover als günstigste Alternative im Bereich

ÖPNV erweist. Jedoch empfehle ich, die Bahntickets relativ früh zu buchen und somit viel Geld zu

sparen. Meine Anreise habe ich einen Tag vor Beginn der Orientierungswoche terminiert. Am

Bahnhof wurde ich von meinem Buddy empfangen, welcher mich zur Unterkunft brachte. Denn nach

einer erfolgreichen Bewerbung wird man vom International Student Club kontaktiert, welche den

Bedarf von sogenannten Buddies ermitteln und jedem Austauschstudierenden einen Buddy zuteilen.

Der Buddy dient für den Austauschstudenten als erster Ansprechpartner für verschiedene Dinge und

hilft einem besonders bei der Anreise und an den ersten Tagen in der neuen Stadt.

Unterkunft

Gemeinsam mit dem Erhalt der Zusage für die Universität Ostrava erhielt ich auch ein Dokument zur

Bewerbung um einen Platz im Studentenwohnheim Slezska Ostrava. Je nach Studienfach wird man

einem der vier Studentenwohnheime von Ostrava zugewiesen, sofern Interesse besteht in einem

Wohnheim zu wohnen. Das Slezska Wohnheim brachte im Vergleich zu anderen Wohnheimen der

Stadt verschiedene Vor- und Nachteile. Negativ zu bewerten wäre der relativ hohe Preis. Ich bezahlte

monatlich umgerechnet 160 Euro für ein Zweibettzimmer, was ich mit einem weiteren Erasmus-

Studenten bezogen habe. Es spielte bezüglich des Preises keine Rolle, wenn das Zimmer alleine oder

von zwei Personen bezogen war. Kleinere Zweibettzimmer im gleichen Wohnheim waren jedoch

schon für 120 Euro zu haben, was jedoch immer noch teurer als in den anderen Wohnheimen war.

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Noch günstiger waren die Dreibettzimmer. Im Vergleich zu den anderen Wohnheimen war es im

Slezska-Wohnheim meistens sehr leer und ruhig. Größtenteils traf man keine anderen Personen im

Flur an. Für alle, die wie ich, es lieber geselliger mögen, ist ein Zimmer in den anderen Wohnheimen

zu empfehlen. Diese Ruhe ist jedoch bestens für die Prüfungsvorbereitung geeignet. Ein

Gemeinschaftsraum, Trainingsräume oder ähnliches waren am Wohnheim nicht vorhanden. Den

Großteil meiner freien Zeit verbrachte ich daher oftmals an anderen Orten. Weiterhin gestaltete sich

die Kommunikation mit dem Wohnheimpersonal schwierig, da das gesamte Personal über keine

Englischkenntnisse verfügte. Aufgrund dessen nutzte ich oft die freundliche Hilfe meines

tschechischen Zimmernachbarn. Auch die Ausstattung innerhalb des Wohnheims war sehr dürftig.

Küchenutensilien besorgte ich gemeinsam mit meinem Mitbewohner sowie Dinge wie Bügeleisen,

Wäscheständer etc.

Positiv anzumerken ist vor allem die räumliche Nähe zu meiner Fakultät, welche bei den meisten

anderen Wohnheimen nicht gegeben war. Es waren ab der Haltestelle am Wohnheim mit der Tram

nur 5 Minuten zu den Lehrveranstaltungen und weitere 5-10 Minuten Fahrtzeit zur Innenstadt.

Ansonsten waren die Zimmer recht komfortabel ausgestattet und boten genug Stauraum. Küche und

Bad musste man sich außerdem nur mit einem weiteren Zimmer teilen.

Studium an der Gasthochschule

Dank unseres Erasmus-Koordinators gestaltete sich die Information und Anmeldung zu den

jeweiligen belegten Kursen sehr unkompliziert. Speziell für Erasmusstudenten werden

englischsprachige Seminare und Vorlesungen angeboten, welche meistens aus nur wenigen

Studenten bestehen. Dies hat den Vorteil, dass sich die Dozenten individueller um die jeweiligen

Studenten kümmern können. Sechs bis acht thematisch durchaus unterschiedliche englischsprachige

Seminare wurden angeboten. Jedoch war es auch möglich, individuelle Kurse zu belegen. In meinem

Fall fertigte ich, gemeinsam mit einem weiteren Austauschstudenten, eine Projektarbeit bei einem

Dozenten an. Diese eben genannte Lehrperson bot ansonsten keine weiteren Erasmus-Seminare an.

Die Anforderungen schwankten je nach Lehrperson von leicht bis anspruchsvoll. Es bestand in allen

Kursen eine Anwesenheitspflicht. Das Fernbleiben ging negativ in die Endnote ein. Die

Prüfungsleistungen beinhalteten meistens eine Präsentation, eine mündliches Examen oder das

regelmäßige Anfertigen von Hausarbeiten. Nur in Ausnahmen gibt es schriftliche Tests. In meinem

Fall konnte ich, gemäß gewisser Anforderungen der heimischen Universität, unter anderem auch

eine längere Hausarbeit sowie die vorhin genannte Projektarbeit anfertigen, welche unter anderem

als Prüfungsleistungen herangezogen wurden.

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Alltag und Freizeit

Auf den ersten Blick wirkte Ostrava sehr trist und wenig lebhaft. Nach einer kurzen

Eingewöhnungszeit stellte ich jedoch fest, dass die Stadt einiges zu bieten hatte hinsichtlich Freizeitund

Abendaktivitäten. Gerade für Austauschstudenten bietet der International Student Club günstige

Trips und diverse Unternehmungen an. Außerdem werden viele Partys organisiert. Spezielle

Sportanlagen für Studenten finden sich an den anderen Wohnheimen. Im Winter ist es nicht weit zu

den Skigebieten. Es gibt Kinos, Theater und Museen sowie ein Zoo. Eine Vielzahl an Bars und

Restaurants sind insbesondere innerhalb des Zentrums lokalisiert. Viele Geheimtipps sind relativ gut

versteckt, aber überzeugen durch ihr stilvolles Ambiente. Hierbei ist zu sagen, dass die Preise für

Essen und Trinken in den Lokalen viel günstiger als in Deutschland sind. An der Stodolni-Street

pulsiert das Nachtleben von Ostrava. Sie ist eines der längsten Partystraßen Europas. Alles ist relativ

bequem per Tram oder Straßenbahn zu erreichen. Der Nahverkehr ist gut ausgebaut.

Studententickets sind außerdem sehr günstig. Da das Fahren mit der Bahn innerhalb Tschechiens und

Osteuropas sehr günstig ist, kann ich jedem nur empfehlen, diverse Trips zu den benachbarten

Städten zu unternehmen. Insbesondere Krakau und Prag sind immer einen Besuch wert.

Fazit

Weniger gut in Erinnerung geblieben ist das Erscheinungsbild der Stadt. Ostrava ist das Zentrum der

tschechischen Schwerindustrie. Damit ist es eine sehr graue und verschmutzte Stadt. Insbesondere

der starke Wintersmog birgt gesundheitliche Gefahren und ist mit meinen schlechtesten Erfahrungen

bezüglich dieser Stadt verbunden. Dieser graue Schleier hielt sich manchmal über mehrere Wochen,

sodass ich gerade Asthmatikern davon abraten würde, Ostrava als Studienort zu wählen.

Der Studienaufenthalt in Ostrava hat sich jedoch insgesamt gesehen als sehr angenehm und

erfahrungsreich erwiesen. Positiv in Erinnerung geblieben ist vor allem die Orientierungswoche.

Gerade das Kennenlern-wochenende war eine sehr schöne Erfahrung. Darüber hinaus waren die

meisten Tschechen sehr hilfsbereit und freundlich. Im Besonderen sind hier die tschechischen

Studenten des International Student Club zu nennen. Sie haben wirklich viel dafür getan, dass wir

Auswärtige eine schöne Zeit in Ostrava hatten.

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