Orkus! Diary of Dreams (Vorschau)

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NEUES + GUTES FÜR DIE SZENE

O rkus

O rkus

Nr. 03 · März 2014

!

Neues Wagnis:

Intim & ehrlich:

Aesthetic Perfection + Butcher Babies + Alcest + Crematory + Laibach

Alfahanne + Gabi Delgado + Clan Of Xymox + Lyronian + THYX

Eisenstein und Der Zar + Enter & Fall + Mantus + Lay Down Rotten

State of the Union + Metsatöll + Spiritual Front + Vanishing Point

Nachtmahr + Terrolokaust + Ignis Fatuu + SEA + AIR

Night Nurse + Fear Of Domination + Paulina Cassidy

Maerzfeld + Seabound + The Beauty of Gemina

Incura + Diodati + Die KAMMER + Thyrien + God Module

Frequency Drift + Elysion + Harpyie + Welle: Erdball

Tuomas Holopainen


+

NEUES + GUTES + FÜR DIE SZENE

O Nr.

Nr.

02

03

·

·

Februar

März 2014

2014

rkus

!

Neues Wagnis:

Diary of Dreams + Butcher Babies + Alcest + Crematory + Laibach

Alfahanne + Gabi Delgado + Clan Of Xymox + Lyronian + THYX

Eisenstein und Der Zar + Enter & Fall + Mantus + Lay Down Rotten

State of the Union + Metsatöll + Spiritual Front + Vanishing Point

Nachtmahr + Terrolokaust + Ignis Fatuu + SEA + AIR

Night Nurse + Fear Of Domination + Paulina Cassidy

Maerzfeld + Seabound + The Beauty of Gemina

Incura + Diodati + Die KAMMER + Thyrien + God Module

Frequency Drift + Elysion + Harpyie + Welle: Erdball

Tuomas Holopainen


Titelstorys

Diary of Dreams 104

Welle: Erdball 28

Aesthetic Perfection 48

Orkus!-Newcomer des Monats

Butcher Babies 20

Orkus!-Act des Monats

Subway to Sally 68

Interviews & Storys

Alcest 90

Alfahanne 26

Beata Beatrix 65

Black Ferry 34

Blaudzun 74

Paulina Cassidy 71

Clan Of Xymox 76

Crematory 80

Gabi Delgado 32

Diodati 109

Eisenstein und Der Zar 44

Elysion 102

Enter & Fall 88

Fear Of Domination 96

Frequency Drift 31

God Module 45

Harpyie 72

Tuomas Holopainen 84

Ignis Fatuu 92

Incura 98

Jovian Spin 73

Kuolemanlaakso 94

Laibach 36

Lay Down Rotten 35

Lyronian 22

Maerzfeld 95

Mantus 46

Metsatöll 89

Nachtmahr 52

Nahtaivel 34

Night Nurse 75

Profane Omen 99

SEA + AIR 41

Seabound 42

Spiritual Front 66

State of the Union 100

Terrolokaust 23

The Beauty of Gemina 24

Thyrien 38

THYX 86

Vanishing Point 101

Specials

Soundtrack of my life

Paradise Lost: Greg Mackintosh 40

Was wäre, wenn...

Luci van Org 40

Wortschatz

Mantus: Chiara Amberia 40

Labelportrait

30 Jahre ZTT 54

In eigenen Worten

Die KAMMER: Marcus Testory & Matthias Ambré 78

Orkus! Compilation 96 82

Service

short cut 8

Album des Monats & Top 5 56

Plattentipps 57

Buchtipps 64

Jahrestage 65

Kleinanzeigen 110

Abo 111

Tourdates 112

Impressum 114


DROP - Ab 28.02.2014 im Handel.

Tying Tiffany gehört die Nacht. Sie verkörpert auf „Drop“

mit ihren treibenden Rhythmen, ihrem gefühlvoll-lasziven Gesang

und jener unerreicht verloren-nächtlichen Atmosphäre all das,

was ein jeder von uns mit der perfekten Nacht verbindet:

Sex, Spaß, Sinnlichkeit. In Ewigkeit.


Debut Album ‘Waiting for Harpies’

Hallo liebe Leserin, lieber Leser,

so langsam kehrt bei mir nach meiner Herz-OP immer

mehr und mehr Alltag wieder ein.

Vielen Dank noch mal für all das herzliche Feedback

Eurerseits. Ja, ich gehe alles etwas ruhiger an... Auch, weil

es gar nicht anders geht. Obwohl die Ursache für den

Eingriff nicht Stress oder Ähnliches gewesen ist, sondern

ein angeborener Herzfehler. Jahrelang hat er mich nicht

gekümmert, da er zwar vorhanden war, aber keinerlei

Auswirkungen hatte. Doch plötzlich ging es recht schnell.

Erst sah es noch so aus, als würde mich in zehn bis 15

Jahren eine Operation erwarten, dann verschlechterte

sich mein Zustand so rasant, dass aus zehn bis 15 Jahren

sieben Monate wurden. Während der OP wurde dann auch

sichtbar, dass das Ganze mit mir nur noch wenige Wochen

gedauert hätte... Wie heißt es manchmal: „So schnell kann

es gehen...“

orkus 04.02.2014 19:24 Uhr Seite 1

OUT

NOW!

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Tja, dadurch wird einem natürlich noch mal ganz besonders

klar, wie intensiv und bewusst man jeden Tag (er-) leben

sollte. Klar, in gewisser Weise habe ich ja schon so eine

Art Traumberuf beim Orkus! Magazin und darf mich jeden

Tag mit schönen Dingen beschäftigen. Dafür bin ich sehr

dankbar! Und Schönes haben wir auch wieder in unserer

März-Ausgabe 2014. Genieße sie einfach. Und: genieße

Dich! Atme! Lächle...

Beste Grüße,

Claus Müller

out 7th of March on CD,

LP plus CD and digital

Eindringlich. Von tief drinnen. Zerbrechlich und sanft, kämpferisch und

wehmütig. So klingen die Songs von Johannes Sigmond und seiner

sieben-köpfigen Band alias Blaudzun. Die Musik Blaudzuns geht unter

die Haut: die Melodien berühren, die Instrumentierung überrascht

und dann immer wieder diese unglaubliche Stimme…ein absolutes

Highlight im Bereich Indie-Folk/Indie-Pop!

On Tour: 21.03.2014 DE - Köln - Stadtgarten • 22.03.2014 CH - Düdingen - Bad Bon

23.03.2014 CH - Zürich - Papiersaal 24.03.2014 DE - München - Kranhalle

25.03.2014 AT - Wien - Chelsea • 26.03.2014 DE - Berlin - Privat Club

27.03.2014 DE - Hamburg - Prinzenbar 11.04.2014 DE - Osnabrück - Popsalon

GLITTERHOUSE RECORDS • Grüner Weg 25 • D-37688 Beverungen

E-mail: info@glitterhouse.com • www.glitterhouse.com

Follow us on Facebook: www.facebook.com/GlitterhouseRecords


Das neue Album erscheint am 14.03.2014

An Autumn For

Crippled Children

Shoegaze und Black Metal

kollidieren und werden zu

etwas Neuem. Die Formation,

die sich weder auf Photos noch

auf Bühnen zeigen möchte,

macht momentan mehr und

mehr als Tipp unter Freunden

die Runde. Kein Wunder, ist

ihr Album Try Not To Destroy

Everything You Love ja auch wirklich außergewöhnlich. Ein klein

wenig konnten wir die Band in unserer Februar-Ausgabe schon

vorstellen.

Equatronic

The Imperial – so der Titel des Comebackalbums dieses Electro

Pop-Duos – hat inzwischen bereits mancher Kenner in seinem

Besitz. Im Rahmen einer Depeche Mode-Party werden in

der Koblenzer Druckluftkammer am 21.03.2014 neue Stücke wie

auch alte Klassiker zum Besten gegeben. Natürlich hoffen wir auf

weitere Konzerttermine!

EHRENGAST

APRIL

3. HAMBURG DOCKS // 4. MAGDEBURG ALTES THEATER

5. LEIPZIG WERK 2 10. FRANKFURT NEUE BATSCHKAPP

11. MÜNCHEN MUFFATHALLE // 12. WIEN ARENA

24. BERLIN HUXLEYS // 25. HANNOVER CAPITOL

26. ROSTOCK MOYA // 27. OSNABRÜCK HALLE GARTLAGE

29. KÖLN E-WERK // 30. WÜRZBURG POSTHALLE

MAI

02. LOSHEIM AM SEE HEXENTANZ-FESTIVAL

03. ERFURT STADTGARTEN

Tickets unter www.extratix.de

WWW. SUBWAYTOSALLY.COM

DAS SHIRT ZUR TOUR

AB JETZT IM SHOP!

PRÄSENTIERT VON

Aeons Confer

Der Planet Saturn übt seit jeher eine besondere Faszination auf

die Menschheit aus. Das Hamburger Sextett hat mit Symphonies

Of Saturnus ein Werk veröffentlicht, das jenem Planeten gewidmet

ist. Moderner, symphonischer Dark Metal für Liebhaber des

Saturn und von gewaltiger, düsterer Musik... Derzeit besteht große

Hoffnung, die Formation auch live erleben zu dürfen.

Franky Demon

Kürzlich erschien ein Promoclip als

Vorbote zur Maxisingle Träne aus Blut

des Shock Rockers Franky Demon. Die

Erlöse gehen komplett an die Opfer

des Lagerhallenbrandes in Hamburg-

Hamm. Betroffene sind unter anderem

diverse lokale Bands und die Hammer

Studios. Erhältlich sein wird die Single

ausschließlich digital via iTunes, Google

Play, amazon et cetera. Dieses Release ist

aufgrund der Spendenaktion von einer

Veröffentlichung bei Spotify, Deezer,

simfy & Co. ausgenommen.


Bloodsucking Zombies From Outer Space

Die österreichische Schockformation präsentierte mit

Radio Active soeben ein Video, das die Welt und Musik

des neuen Albums Toxic Terror Trax herrlich visualisiert!

Im April hat man außerdem Gelegenheit, das Gespann

bei Konzerten zu hören und sehen – sicherlich ein

Erlebnis!

MEIN TICKETPORTAL

INGRIMM

Ohne Frage sollte man bei einer Band vorsichtig sein, die ihr Album Henkt Ihn! betitelt. Wer sich

trotzdem daran wagt, wird bestimmt große Freude mit dem neuen Werk haben. Und vereinzelt

kann man die Truppe auch live antreffen. So beispielsweise in nächster Zeit in Gießen, Köln,

München, Bad Salzungen, Gera, Dortmund...

19.03. Wiesbaden, Schlachthof

20.03. Losheim, Alte Eisenbahnhalle

21.03. Bielefeld, Ringlokschuppen

22.03. Leipzig, Haus Auensee

26.03. Ludwigsburg, Forum am Schlosspark

27.03. Wuppertal, Historische Stadthalle

28.03. Berlin, Huxleys-Neue-Welt

29.03. München, Backstage

Welle: Erdball-Kassette!

Der Sender Welle: Erdball und die Plattenfirma Synthetic Symphony/SPV machen allen Orkus!-

AbonnentInnen in Form einer Welle: Erdball-Kassette ein Geschenk. Orkus! wünscht viel Spaß

damit, auch wenn uns kurzfristig noch folgende Nachricht erreichte:

Leider hat sich im C=64-Datassetten-Spiel im Rahmen der Musikkassette Die Liebe der 3. Art ein

Fehler eingeschlichen. Das Spiel ist in vorliegender Form NICHT spielbar!

VOR dem Start des Programms durch RUN (+ RETURN) muss aber einfach nur eine

Programmzeile eingegeben werden, um das Spiel „spielbar“ zu machen.

Allgemeines:

Laden:

Spulen Sie die zweite Seite der Kassette an den Anfang des C=64-Datensegmentes (genau nach

dem Ende des ersten Liedes).

Legen Sie die Kassette in die Datassette Ihres Commodore 64, schalten Sie Ihren Rechner an und

geben Sie LOAD ein.

Nach der Meldung PRESS PLAY ON TAPE drücken Sie die PLAY-Taste der Datassette.

Nach einigen Sekunden erscheint die Meldung „FOUND DIELB3RT- I/X-_I’“ (die sinnlosen

Zeichen spielen keine Rolle). Drücken Sie nun SPACE (Leertaste), nach circa einer Minute

meldet sich der Rechner mit LOADING READY. (Sollte dies nicht der Fall sein, wiederholen

Sie den Vorgang.)

WICHTIG – FEHLERKORREKTUR:

Bevor Sie nun das Programm mit RUN starten, geben Sie bitte Folgendes ein (exakte Schreibweise

beachten!):

40 IF PEEK(V+30)=239 AND ET>=3 THEN 80

Drücken Sie nach der Eingabe die RETURN-Taste. Starten Sie nun das Programm mit RUN (+

RETURN-Taste).

Falls Sie diesen Vorgang nicht wiederholen wollen, speichern Sie vor dem Start das Programm auf

eine andere Kassette mit SAVE„DIE LIEBE DER 3 ART“ ab.

IGNIS FATUU

28.02. Bochum, Matrix

07.03. Nürnberg, Hirsch

21.03. München, Spectaculum Mundi

29.03. Hameln, Sumpfblume

04.04. Bad Salzungen, KW 70

05.04. Gera, Sächsischer Bahnhof

12.04. Pratteln, Z7 Konzertfabrik

23.05. Frankfurt, Das Bett

24.05. Hamburg, Markthalle

DIARY OF DREAMS &

IN STRICT CONFIDENCE

02.04.

03.04.

04.04.

05.04.

06.04.

08.04.

09.04.

10.04.

11.04.

12.04.

Nürnberg, Hirsch

Reutlingen, Franz.K

Leipzig, Werk 2

Erfurt, Gewerkschaftshaus

München, Backstage

Frankfurt, Batschkapp

Bochum, Zeche

Hannover, MusikZentrum

Berlin, C-Club

Hamburg, Markthalle

GABI DELGADO

28.02. Krefeld, Kulturfabrik

01.03. Berlin, K17

06.03. Hannover, Engel 07

07.03. Bremen, Lila Eule

08.03. Dresden, Strasse E

...und 40.000 weitere Veranstaltungen!

Tickets auf www.ADticket.de


Gelangweilt vom Musikfernsehen? Dann nichts wie ab zu !

Der digitale Musik-TV-Sender iM1 hat sein Programm um eine

überaus dunkle Facette erweitert: In Kooperation mit unserem

Magazin präsentiert er

– wöchentlich eine volle Stunde

Musikvideos für die düstere Generation. Klassiker, aktuelle Clips,

Weltpremieren und mehr – immer mittwochs um 23.00 Uhr, in der

beliebten und ganz besonderen „Stunde vor Mitternacht“...

Empfangbar über:

ASTRA – 19,2 Grad Ost

DVB-T Berlin – Kanal 56

DVB-T Hessen – Kanal 52

Unitymedia – Kanal 29

Kabel BW – Kanal 57

primacom – Kanal 65

T-Entertain – Kanal 96

Vodafone TV – Kanal 50

Tele Columbus – DigitalTV Basic

www.iM1.tv

Mooncry

Dark Melodic Metal der besonderen Art hält das neue Werk A Mirror’s Diary parat!

Das Album konnte mancherorts sogar die maximale Punktzahl erreichen. Was jetzt

noch fehlt, ist ein besonderer Videoclip... Doch auch an diesem wird bereits fieberhaft

gearbeitet!

Parralox

Mit dem YouTube-Hit Eye In The Sky wurde eindrucksvoll gezeigt, dass eine Cover-

Version tatsächlich auch mal besser sein kann als das Original! Wer den Song bisher

noch nicht kennt, sollte dies rasch nachholen...

Der Höllenbote von Edward Lee

Ein neues Werk aus dem Festa Verlag: Es ist kein Geist.

Kein Dämon. Es ist etwas Schlimmeres.

Möchtest Du manchmal jemand anderes sein? Nun, jemand

anderes ist dabei, Du zu werden. Er wird in Dein Herz und

Deinen Verstand eindringen, wird Dich in Verzückung

versetzen – und Dich auf ein Schlachtfest mitnehmen. So,

wie Gott seinen Boten hat, so hat auch der Teufel seinen.

Und dieser Bote ist hier, jetzt, in Deiner Stadt..


Sündenklang

Selten schlug ein Debut so ein wie Tränenreich von Sündenklang.

Wie die Review in der Orkus!-Februar-Ausgabe verkündete: „Dieses

Album hat unserer Szene wirklich gefehlt!“ Im März kann man die

Lieder nun auch live erleben. Termine findest Du bei den Tourdaten

auf Seite 113!

r.evolver – Pol Pot Polka

Der Wiener Independentverlag

EVOLVER BOOKS wurde im

Frühjahr 2010 gegründet – als

„Fachverlag für Pulp-Thriller,

Horror & Science Fiction“ und

Liebeserklärung an die Pop-

Kultur. Ein ganz besonderer

Tipp ist Pol Pot Polka. Es beginnt

dort, wo The Nazi Island Mystery

aufhörte. Die sexy Agentin Kay

Blanchard sieht sich wieder

einmal mit einem mörderischen

Setting mitten im Feindesland

konfrontiert... und dabei

pflastern nicht nur Leichen

ihren Weg. Ohne Beischlaf,

Drogen und Rock’n’Roll geht

bei Kay nämlich gar nichts –

so viel Zeit muss sein, genauso wie für hardboiled Action. In der

dekadenten Lifestylehölle Kambodschas lauern hinter jeder Ecke

sadistische Nazis, mörderische Mutanten, brutale Killernonnen und

natürlich die berüchtigten Roten Khmer. Sie alle machen der mit

Abstand ungewöhnlichsten Mitarbeiterin des britischen MI6 – sehr

zum Vergnügen des Publikums – das Leben schwer...

The Veil

Retrofuturistischer Alternative Dark Rock wurde mit dem Werk

An Electrical Sun veröffentlicht. Zurzeit wird geprüft, ob die Band

nicht ein paar Festivals in Deutschland spielen kann. In Frankreich

hat das Ensemble gerade eine große Tour absolviert.


Mit Zähnen und Klauen von Craig DiLouie

Ein neuer Horrorthriller aus dem LUZIFER-Verlag möchte entdeckt

werden. Wie die Welt enden wird? Nicht mit einem Knall, nicht mit

einem Wimmern, sondern in einem

Gemetzel.

Als eine neue Pest in Form eines

Tollwutvirus Millionen Menschen

infiziert, holt Amerika seine

Streitkräfte aus der ganzen Welt

zurück, um Krankenhäuser und

andere wichtige Gebäude zu

schützen. Die Opfer werden extrem

gewalttätig, sind aber relativ leicht

in Schach zu halten – jedenfalls

so lange, bis sich Krankheit und

Gewalt unkontrollierbar ausweiten.

Lieutenant Todd Bowman führte

seine Einheit durch die Schrecken

des Krieges im Irak. Jetzt muss er

seine Männer in New York durch

einen Sturm der Gewalt führen, um eine Forschungseinrichtung zu

sichern, die ein Heilmittel verspricht. Um zu retten, was zu retten

ist, sehen sich die Männer der Charlie Company einer schrecklichen

Schlacht mit einer furchtlosen und endlosen Horde gegenüber... einer

Horde Untoter, bewaffnet mit Zähnen und Klauen. „WAR IS HELL“ –

dieses Sprichwort bekommt für die Jungs der Charlie Company in dieser

Zombieapokalypse eine ganz neue Bedeutung!

Lacuna Coil

Am 28.03.2014 erscheint unter dem Titel Broken Crown Halo ein

neues Lacuna Coil-Album. Dem ersten Vernehmen nach dürfte

es auch all jenen wieder gefallen, die mit den Songs aus den

Anfangstagen der Band glücklich waren. Wir gehen der Sache nach...

Dark Dance Treffen

Am 15.03.2014 findet das inzwischen schon 46. Süddeutsche Dark

Dance Treffen statt: mit Tuxedomoon, Leæther Strip,

Whispers in the Shadow, Felix Marc und anderen. Wer

vor allem in letzter Zeit mal bei dieser Veranstaltung mitgefeiert hat,

weiß, dass sie immer ein ganz besonderes Erlebnis bietet!


LIGHTS

Mediadaten

Auflage: 5.000

Format:

DIN A6

Seiten: mind. 12

Farbe:

4c

Preise

1/2 Seite quer 105mm x 74mm + 1mm Beschnitt an allen Seiten = 107mm x 76mm

1/2 Seite längs 148mm x 52,5mm + 1mm Beschnitt an allen Seiten= 150mm x 53,5mm

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Umschlagseite: 180,00€ zzgl. gesetzlicher MwSt.

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Stopper quer 90mm x 30mm ACHTUNG Endformat, ganze Fläche kann genutzt werden

25,00€ zzgl. gesetzlicher MwSt.

Druckunterlagen per Mail an j.chudzinski@noise-connection.de

Formate: PDF/ X-3:2002

TIF

Auflösung:

Farbprofil:

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ohne

Bereits gebuchte Anzeigen die nicht fristgerecht eintreffen, werden trotzdem wie gebucht

berechnet.

Auf Innenseiten besteht kein Anspruch auf Platzierungswünsche.

Falls Anzeigen nicht den angegebenen Maßen entsprechen werden sie soweit wie möglich

abgeändert.

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Mediadaten

Auflage: 5. 0

Format: DIN A6

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Umschlagseite: 180, I nenseite: 150, 0€ zgl. gesetzlicher MwSt.

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Formate: PDF/ X-3:2 02

Auflösung: 3 0 dpi

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Mediadaten

Auflage: 5. 0

Format: DIN A6

Seiten: mind. 12

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1/2 Seite quer 105 m x 74 m + 1 m Beschni t an a len Seiten = 107 m x 76 m

80, 0€ zgl. gesetztlicher MwSt.

Umschlagseite: 180, I nenseite: 150, 0€ zgl. gesetzlicher MwSt.

25, 0€ zgl. gesetzlicher MwSt.

1/1 Seite 105 m x 148 m + 1 m Beschni t an a len Seiten = 107 m x 150 m

Druckunterlagen per Mail an j.chudzinski@noise-co nection.de

Formate: PDF/ X-3:2 02

Auflösung: 3 0 dpi

Farbprofil: ohne

TIF

berechnet.

Auf I nenseiten besteht kein Anspruch auf Platzierungswünsche.

abgeändert.

WWW.HELTER-SKELTER.DE

46. süddeutsches

Dark dance

ance

treffen

WWW.HELTER-SKELTER.DE

SA. 01.03.2014

EINLASS 19.00

BEGINN 20.00

TICKETS: WWW.ALTESEILEREI-MANNHEIM.DE, BEI IHRER TAGESZEITUNG,

TEL.: 0180/ 50 40 300* (7 TAGE/24 H) & ALLEN BEKANNTEN VVK STELLEN!

*(14CT./MIN AUS DEM DT. FESTNETZ | MAXIMAL 42CT./MIN AUS DEM MOBILFUNKNETZ)

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>>> WIR SIND DIE MACHT DER NACHT > WIR SIND DIE MACHT DER NACHT > WIR SIND DIE MACHT DER NACHT >>> WIR SIND DIE MACHT DER NACHT


Tanzwut

Reisen und umherziehen, das Volk unterhalten, der Tradition der Spielleute treu

bleiben und das finstere Mittelalter für uns klanglich lebendig halten. Das ist das Ziel

der Musiker von Tanzwut. Kaum ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung ihrer Rock-

CD Höllenfahrt sitzen sie wieder gemeinsam im Studio, um zwölf Stücke einzuspielen,

welche auf der nächsten, rein mittelalterlichen CD am 06.06.2014 erscheinen sollen.

Anette Olzon

Am 28.03.2014 wird Shine veröffentlicht, das Solo-Debut der früheren Nightwish-

Sängerin. Unsere Februar-Ausgabe bot ja bereits ein großes Interview mit ihr, in

welchem sie auch viel Persönliches preisgab: „So geht es nun mal zu, wenn man sich

scheiden lässt.“ Doch jetzt spricht erst mal ihre Musik...

Weltenesche Eschenwelten von Voenix

Was für ein Werk! 608 Seiten,

natürlich gebunden, im praktischen

17x24-Format. Außerdem über

90 Abbildungen! Ein detaillierter

Einblick in das mythische

Pantheon der Germanen. Mit

zahlreichen Entsprechungen

wie beispielsweise Bäume und

Pflanzen, Götter anderer Kulturen,

Runen oder Tarot.

Neuentdeckung: Stoneman

Am 25.04.2014 erscheint eine neue CD. Das wäre an sich nichts Besonderes. Aber

dieses kommende Album ist etwas Besonderes. Das Quartett unter dem Namen

Stoneman werden wir von nun an ausführlich begleiten. Für den Track Mord ist Kunst

wurde schon ein Video gedreht, das es bald auch bei Orkus! TV sowie auf www.orkus.

de zu sehen gibt. Sei gespannt und lass Dich überraschen...

16 - Orkus!


Clan Of XymoX

Matters of Mind, Body and Soul

Das brandneue Studioalbum. Eine Verbeugung vor all dem, was klassischen Gothic

so besonders macht: Der mystische Zauber, die ausladende Melodieführung,

die neblige Atmosphäre und jener Sinn für düster-tragische Romantik.

Ein zeitloses, spirituelles, zutiefst gefühlvolles Gothic-Album, welches jetzt schon

zu den ganz großen Meilensteine des Genres gezählt werden kann und eines verdeutlicht:

Clan Of Xymox sind noch immer die großen Gothic-Ideengeber.

Ab sofort erhältlich!


FEINDBILD. das neue album.

limitierte erstausgabe im comic-sonderformat.

„leidenschaft und Vision beugen sich nicht

den unwissenden und neidvollen stimmen

weniger, sondern erblühen erst

vollends im Gegenwind.“

- Thomas rainer -

Jetzt erhältlich!

aKTuelle liVe TerMiNe 2014

22.02. sursee (ch) - Kulturwerk 118

28.02. Nürnberg - rockfabrik

15.03. München - Garage (dJ set)

09.05. dresden - reithalle

10.05. berlin - K17

26.07. Köln - amphi Festival

www.NachTMahr.aT


Neues MerchaNdise zuM albuM „FeiNdbild“!

T-shirt „Feindbild“

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T-shirt „alptraumkrieger“

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army-hemd „Nachtmahr“

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WELTMACHT ODER NIEDERGANG

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„Ein gehöriges FUCK YOU...“

Dass diese zwei Granaten deftigen Metal produzieren, würde man beim ersten Anblick gar nicht erwarten. Doch sie haben es faustdick

hinter den Ohren! Ihr Debut Goliath steht frisch in den Läden und wird garantiert viele vom Hocker blasen... Wir haben mit Heidi

Shepherd und Carla Harvey über ihre Musik, Erfahrungen beim amerikanischen „Playboy“ und das Entfernen von Nippeltapes

gesprochen.

Orkus: Warum habt ihr euch entschieden, Metal zu spielen?

Heidi Shepherd: Ich hegte schon immer eine Leidenschaft für

Metal. Als ich ein kleines Mädchen war, haben sie mir verboten, Hard

Rock zu hören. Oft hab’ ich mir von Freunden Metal-Platten geborgt

und sie heimlich in meinem Schrank gehört. KoRn waren die erste

Band, die mich wirklich angesprochen hat. Sie haben mich als Mensch

geformt. So was gibt mir einfach keine Pop-Musik.

Carla Harvey: Ich kann mich an einen ganz bestimmten Moment

erinnern: Früher hörte ich mir eigentlich alles an, was so im Radio lief

– bis ich begonnen habe, Guns N’ Roses zu hören. Diese Band und das

Gefühl, das ich hatte, wenn ich mir ihre Musik als gerade mal Elfjährige

reinzog, legten den Grundstein für meine Rock’n’Roll-Liebe. Über die

Jahre hörte ich immer härtere Bands. Phil Anselmos Schreie gaben

meinen Teenagerängsten eine Stimme.

O: Wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen?

HS: Der Name ist eine Ode an Wendy O. Williams und ihre Plasmatics.

Sie hatten mal eine Butcher Baby betitelte Single. Sie hat den Weg für

uns Frauen in der Metal-Szene geebnet. Sie gab Mädchen wie uns eine

Stimme. Sie hat uns gelehrt, zu tun, was wir wollen, ohne darauf zu

20 - Orkus!


achten, was andere sagen. Auszusehen, zu klingen und zu

machen, was wir wollen, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche

Normen.

O: Ihr habt auch bereits Erfahrungen mit dem „Playboy“

gesammelt. Erzählt ihr uns etwas darüber?

HS: Ich war eine Weile lang DJane für die Morgenshow beim

Playboy Radio auf Sirius Satellite. Ich würde sagen, das war die

unprofessionellste und schrecklichste Joberfahrung, die ich je

gemacht habe. Furchtbarer Verein!

CH: Und ich war TV-Moderatorin beim Playboy Channel.

Dort war ich Entertainmentreporterin für eine Newssendung.

Und ich hatte eine Interviewreihe namens e-Rotic. Seit ich ein

kleines Mädchen war, ist es ein Traum von mir gewesen, mal

für den „Playboy“ zu arbeiten. Aber um ehrlich zu sein, blicke

ich nicht gerne auf jene Zeit zurück. Es war eine sehr armselige,

nichtswürdige Phase in meinem Leben. Ich habe diese Branche

dann verlassen.

O: Und vom „Playboy“ hieß es gleich ab in die Leichenhalle?

CH: (lacht) Ja, so ungefähr. Nachdem ich für den „Playboy“

gearbeitet hatte – in einem Bereich, wo das einzig Wichtige dein

Aussehen ist –, war es toll, wieder etwas zu machen, bei dem man

sich selbst wichtig fühlen kann. Im Bestattungsunternehmen

habe ich direkt mit betroffenen Familien gearbeitet und ihnen

durch die dunkelsten Zeiten ihres Lebens geholfen. Das sind

die wichtigen Dinge im Leben. Nicht, mit den Wimpern zu

klimpern für den „Playboy“. Fuck that!

O: Eure Konzerte sind sehr heiß und spektakulär. Wie seid ihr

auf die Idee mit den Nippeltapes gekommen?

HS: Auch das hat mit Wendy O. Williams zu tun. Sie trug

während ihrer Hochphase ebenfalls welche, und wir wollten ihr

dadurch Respekt erweisen.

O: Das dürfte besonders den männlichen Gästen im Publikum

gut gefallen...

HS: Jeder, der eine Show von uns gesehen hat, kann sehr gut

bestätigen, dass unsere Auftritte im Grunde gar nicht sexy sind.

Es ist pure Kraft. Eher ein gehöriges „FUCK YOU“ an die

Musikindustrie.

O: Mal ehrlich: wie schmerzhaft ist das Entfernen?

HS: Oh, nicht wirklich angenehm. Deshalb haben wir auch

aufgehört, sie zu tragen.

O: Merkt ihr bei den Reaktionen Unterschiede zwischen

Männern und Frauen?

HS: Da gibt es kaum Unterschiede. Um genau zu sein, stehen

bei unseren Konzerten eigentlich mehr Frauen in den ersten

Reihen als Männer.

CH: Es ist echt verrückt, wie viele junge Mädchen wir als Fans

haben. Ich hätte mir in meiner Jugend eine solche Band wie

unsere gewünscht, zu der ich hätte aufschauen können. Mädchen

brauchen starke Frauen als Vorbilder.

www.facebook.com/ButcherBabiesMusic

Manuela Ausserhofer

Line-Up:

Heidi Shepherd – Gesang

Carla Harvey – Gesang

Henry Flury – Gitarre

Jason Klein – Bass

Chris Warner – Schlagzeug

DAS NEUE ALBUM INCL. DER

SINGLE „SHADOWMAKER“.

AB 21.02.2014.!

DELUXE BOX - DIGIPAK - 2LP

CD - DOWNLOAD

CREMATORY Live 2014:

22.02. Forst - Manitu

01.03. Karlsruhe - Substage

04.04. Siegburg - Kubana

26.04. Geiselwind - Music Hall Strohofer

16.05. Glauchau - Alte Spinnerei

05.07. Mühlheim - Castle Rock

02.08. Wacken - Wacken Open Air

20.09. Cham - LA

24.10. Bad Salzungen - KW 70

25.10. Alsfeld - Feuer & Eis Festival

www.crematory.de

/steamhammeroffi cial

/SPV


„Aber wenn man weiß,

wie ich bin und wie man mich nehmen muss...“

Vor wenigen Tagen erschien die Vorabauskopplung Silver Arrow des kreativen Alex Warwick Kern, der schon seit etwas über zehn

Jahren unter dem Namen Lyronian Musik veröffentlicht. Die Anzahl der Veröffentlichungen ist eher rar, aber dafür umso gehaltvoller.

Orkus: Als Vorbote zum Album CRISIS erschien die Single Silver Arrow.

Wie ist die Wahl auf dieses Stück gefallen?

Alex Warwick Kern: Wir wollten einen Track nehmen, der sich

recht gut an das Vorgängeralbum anfügt. Da CRISIS ja partiell doch

etwas „rockiger“ ist, ist dies ein guter Übergang zu dem düsteren Synth

Pop mit wenig(er) Gitarren und CRISIS. Außerdem dachten wir, einen

repräsentativen Track zu nehmen, der tanzbar und gleichzeitig eingängig

ist und zu dem man auch ein Video drehen kann. Die ganze Katze aus dem

Sack lassen wollten wir auch noch nicht...

O: Dazu wurde ja auch ein hübsches Video gedreht...

AWK: Jap, wir haben zwischen drei Songs geschwankt. Silver Arrow,

denke ich, war hier der beste Kompromiss für alle.

O: Ach, noch zum Thema „hübsch“: Viele fragen sich, wer deine hübsche

Mitspielerin in dem Clip ist... Kannst du dies nun verraten?

AWK: Na klar, das Fräulein heißt Sarka. Sie ist eine gute Bekannte

von mir. Musikalisch ist sie nicht Teil des Projekts, aber die Gute

moderiert eine Spielshow auf einem TV-Sender, ähnlich wie 9Live. Sie


ist kameraerfahren und hatte Lust, mitzumachen. Die

besten Voraussetzungen also für ein Video, das innerhalb

von zwei Tagen gedreht sein muss.

O: Was kannst du noch zum textlichen Inhalt von Silver

Arrow verraten?

AWK: Es geht um eine Zwischenwelt. Oder, besser

gesagt: um mehrere Parallelwelten. Zumindest ist das

das Storyboard zum Video. Es geht um Beständigkeit

von Gefühlen und wie sie sich verändern. Also, wie man

zum Beispiel einen Umstand oder eine Situation mal

wahrgenommen hat. Und wie man heute darüber denkt.

Aber auch, was man vergisst, wie die Vergangenheit in

den Erinnerungen „verblassen“ kann. Aber auch die

persönliche Auffassung zu Dingen ändert sich im Laufe

der Zeit („Perception changes over time“ im Songtext).

Wenn man in der Lage ist, sich dieses wieder 100 Prozent

vor Augen zu führen und im Idealfall auch genau so zu

fühlen, kann man aus Vergangenem deutlich Positives

ziehen. Etwas metaphorischer und doch konkreter

gesprochen: Du spürst es erst, wenn du den Pfeil bereits

in dir hast, oder du bist schnell genug und kannst den

Angriff noch abwenden. Da wären wir wieder beim

Inhalt: Man kann lernen, sehen und SPÜREN, bevor

jemand zusticht. Und dafür Sorge tragen, dass es

nicht noch mal so weit kommt oder du einfach anders

damit umgehst! Vergangene Ereignisse und wie sie

sich in deinen Gedanken manifestieren, werden dich

in deinem zukünftigen Handeln, Denken und Fühlen

beeinflussen. Du hast die Wahl, ob zu deinen Gunsten

oder gegen dich.

O: Würdest du dich als sensibel bezeichnen?

AWK: Ja. Leider kann dir das manchmal zum Verhängnis

werden, und man muss genau darauf achten, mit wem

man das teilt. Aber es hat neben den Schattenseiten auch

Positives, was man sich daraus zunutze machen kann.

Zum Beispiel einen Song schreiben. Manchmal fühle

ich mich absolut nicht sensibel; wenn ich dann aber

anfange, Musik zu machen, werde ich es automatisch.

Es ist ein Wechselspiel. Die Musik macht etwas mit

dir, oder du machst die Musik – so, wie es unter deiner

„Fassade“ aus dir spricht. Ein Grund, wieso ich nie

geplant einen „massenkompatiblen“ Song machen

könnte. So, wie es im „bewussten“ oder, besser gesagt:

„geplanten“ Mainstream sehr oft der Fall ist.

O: Was, denkst du, sagt man dir generell nach?

AWK: Ich bin sehr gastfreundlich. (strahlt) Wenn mich

Freunde nach Rat fragen, höre ich sehr oft, dass sie meine

Tipps und Einschätzung von Situationen sehr schätzen

und ich im Nachhinein vieles richtig erkannt habe, was

ich vielleicht gar nicht so genau wissen konnte. Also

den Blick „über den Tellerrand“... Aber auch, dass ich

manchmal extrem direkt bin. Fast schon zu sehr... Das,

gepaart mit meinem Zynismus, macht es für viele nicht

immer einfach... Aber wenn man weiß, wie ich bin und

wie man mich nehmen muss, bin ich sehr umgänglich

und einfühlsam. (lächelt)

Warum das am 28. März erscheinende Album den Titel

CRISIS trägt, was Lyronian und das Orkus! Magazin

schon früher verbunden hat, wobei Alex immer wieder

niederknien muss und noch so einiges mehr kannst Du

in unserer kommenden Ausgabe lesen!

www.lyronian.com

Marc Frei

Discographie (Alben):

Side Scan (2009)

CRISIS (2014)

„Nein zu den Heuchlern...“

Nur selten kommt heutzutage eine Band, die sich dem düsteren Electro

verschrieben hat, mit frischem Wind um die Ecke. Terrolokaust aus Spanien

haben allerdings durch ihr Hammeralbum Spit The Poison Out genügend

Wind im Rücken, um einige prestigeträchtige Supportgigs an Land zu ziehen

und mit dem electrorockigen Scars That Never Heal die zweite Single zu

präsentieren. „2013 war wahrlich ein tolles Jahr für uns. Zunächst spielten

wir im Vorprogramm von Icon of Coil, dann waren wir auf diversen Festivals

in Deutschland, Frankreich oder auch Russland unterwegs, und bald

steht die Tour mit Aesthetic Perfection und Faderhead vor der Tür. Diese

Tour wird sicher eine der besten Erfahrungen unserer Karriere und Grund

genug, weiterhin gute Musik abzuliefern, denn die Show muss schließlich

weitergehen“, erzählt Javi Ssagittar begeistert.

Trotz eines nach Erfolg klingenden Jahres scheint ihm dieses Pflänzchen

noch zu zart zu sein, um es hochleben zu lassen: „Es ist doch immer ein

wenig riskant, von Erfolg zu sprechen. Einerseits kann es ganz schnell wieder

vorbei sein, andererseits ist Erfolg etwas Subjektives, sieht man von den

Verkaufszahlen ab. Unser Ziel ist es einfach, bestmögliche Arbeit abzuliefern,

und wir haben auch bereits ein paar grundlegende Ideen für das nächste Werk

gesammelt. Mal schauen, welche Erfahrungen wir nach der Tour noch in den

Songs unterbringen... die ganze Zeit im Bus aufeinanderzuhocken, ist gut für

den kreativen Output.“

Zunächst sollte man aber auch mit der aktuellen Single zufrieden sein – neben

dem an sich schon grandiosen Titeltrack findet man mit dem Tanzflächenfeger

Two-Faced Leader und dem eher orchestralen Condemned To Be Free gleich

noch zwei weitere, bisher unveröffentlichte Kracher. „Two-Faced Leader ist

unsere Art, Nein zu sagen. Nein zu den Heuchlern, die im Fernsehen jeden

Tag aufs Neue versuchen, ihre zerstörerischen Krallen in die Demokratie und

die Regierung zu schlagen. Im alltäglichen Familienprogramm wird so lange

manipuliert, bis man vor lauter Aggressivität das eigentliche Ziel aus den

Augen verliert. Wir sind der Meinung, dass der Kampf um soziale Absicherung

ohne politische Untertöne auskommen sollte und man seine Seele dafür ganz

bestimmt nicht an globale und kapitalistische Mächte verkaufen muss“, redet

sich Javi in Rage. Hoffen wir, dass wenigstens Terrolokaust ihre eigenen Ziele

nicht aus den Augen verlieren, denn die wären laut Javi: „Dem Dubstep

fernbleiben und einige andere, explosive Ideen umsetzen.“

www.terrolokaust.com

Lars Schubert

Photo: Inga Nomada

Discographie (Alben):

Gas (2006)

God Loves The Violence (2011)

Spit The Poison Out (2013)

Line-Up:

Javi Ssagittar – Gesang, Texte

Indio – Synthesizer, Programmierung

Orkus! - 23


„Hochzeitslieder,

welche auch ideal zu Beerdigungen passen würden.“

Wahrhaftigkeit und Individualität, Selbstbestimmtheit und Aufrichtigkeit. Mit diesen Lebensüberzeugungen und einer gehörigen Portion

Kreativität haben sich The Beauty of Gemina weit über die Grenzen ihrer schweizerischen Heimat hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad

erspielt. Auf Ghost Prayers thematisieren sie Fragen nach Ewigkeit und Vergänglichkeit sowie Gedanken des Einzelnen abseits institutioneller

Vorgaben. Zusammen mit Michael Sele, dem Kopf der Band, haben wir einige der neuen Lieder näher beleuchtet.

Orkus: Es scheint, inmitten eurer Rockigkeit

hat jetzt auch der Folk zu euch gefunden. Und

mit Down By The Horses macht ihr ja keinen Hehl

daraus. Gab es dafür einen besonderen Anlass,

oder war der Folk eigentlich schon immer da?

Michael Sele: Der war schon immer da. Es

ist tatsächlich so, dass mich die großen Singer/

Songwriter Bob Dylan, Neil Young oder auch

Leonard Cohen mein ganzes Leben begleitet

und dadurch sicher auch inspiriert haben. Mit

der Akustikversion von Dark Rain haben wir seit

Längerem einen Song im Live-Setup, welcher fast

immer zu den Höhepunkten der Konzerte zählt.

Darauf zu verzichten, ist im Moment undenkbar.

O: Die aktuelle Auskopplung heißt Hundred

Lies. Um welche Art von Lügen geht es darin?

MS: Es geht um die Tatsache, dass man im

Herzen oft etwas ganz genau weiß oder fühlt,

aber es manchmal sehr lange dauern kann, bis

man es sich auch wirklich zugesteht. Während

dieser oft schmerzhaften Zeit lässt es sich meist

nicht vermeiden, dass man sich selbst betrügt und

dadurch auch seinen Partner oder nahestehende

Menschen im Umfeld ebenso belügt... sei es

bewusst oder aus schlechtem Gewissen oder aus

Angst, die möglichen Konsequenzen zu tragen.

O: Die wenigsten Menschen wollen belogen

werden. Würde denn aber deiner Meinung nach

eine Welt funktionieren, in der jeder immer

jedem die Wahrheit sagt?

MS: Mir persönlich ist Ehrlichkeit wirklich

sehr wichtig. Ich würde sie sogar als zentralen

Nährboden bezeichnen, aus dem sich Vertrauen,

Wertschätzung und Respekt und letztlich wahre

Zuneigung und Liebe entwickeln können. Ich

bin mir ziemlich sicher, dass unsere Welt besser

funktionieren würde, wenn die Menschen

im Grundsatz ehrlicher und somit auch

verantwortungsvoller handeln würden.

O: Welche Art von Lügen kannst du selbst

überhaupt nicht ausstehen, und welche findest

du vielleicht gar nicht so schlimm?

MS: Ich sehe für mich keine großen Unterschiede.

Damit Menschen frei entscheiden können,

müssen sie die dazu nötigen Informationen

bekommen. Was nutzt es mir zum Beispiel,

wenn mir der Arzt eine schlechte Diagnose

verheimlicht? Nichts! Im Gegenteil, er raubt mir

die Wahl meiner frei bestimmten Reaktion oder

Antwort. Leider bauen viele politische Konzepte

auf der Basis von Unwahrheiten auf, mit oft

widerwärtigen Konsequenzen für die Menschen.

O: In welchem Bezug zu den Stücken oder dem

Albumtitel steht das doch recht romantisch

anmutende Coverbild des – obwohl gesichtslosen

– Hochzeitspaars?

MS: Einfach zusammengefasst, handelt es sich

bei den Liedern auf Ghost Prayers eigentlich um

einen kleinen Songreigen mit Hochzeitsliedern,

welche gleichzeitig auch ideal zu Beerdigungen

passen würden. Im Zusammenhang mit dem

Cover und der ganzen Photowelt im Booklet hat

das Album also einen sehr stark konzeptionellen

Charakter. Die Braut Mariannah ist eine wichtige

Protagonistin, sie gibt dem Thema des Albums

Gesicht und Identität.

O: Für manche Paare ist eine Heirat der

folgerichtige Schritt, wenn sie sich lieben und

zusammenbleiben möchten, andere finden diesen

Weg altmodisch. Wie denkst du darüber?

MS: Ich finde das ganz und gar nicht

altmodisch, aber ich bin sicherlich im Kern auch

ein hoffnungsloser Romantiker.

O: Songs wie All Those Days machen musikalisch

einen gelösteren, weniger schwermütigen

Eindruck, als euch gemeinhin zugeschrieben

wird. Stehen Musik und Lyrics auf Ghost

Prayers etwas konträr zueinander, oder siehst du

mittlerweile die Welt ein bisschen abgeklärter

und tatsächlich mit weniger Schwermut?

MS: Das Aufbauende in der Musik hat sicher mit

den treibenden Rhythmen und diesem gewissen

Drive zu tun. Ich wollte hier auch neue Wege

gehen und Beats einbauen, welche es so noch

nie von uns zu hören gab. Generell hat dadurch

das Schlagzeug eine etwas andere Gewichtung

bekommen. Ich habe während der Aufnahmen

meinen Jungs immer wieder gesagt, dass sie

spielen sollen, als wenn sie irgendwo in einem

überfüllten englischen Pub an einer steinigen

Küste sitzen würden, laut und roh. Ich wollte

die Songs in einem gewissen Sinne ungeschliffen

haben. Die Texte sind wahrscheinlich die

emotionalsten und persönlichsten, welche ich je

geschrieben habe, aber dennoch, im Gesamten

betrachtet, weniger schwermütig als in der

Vergangenheit. Sie sind versöhnlicher und auch

zuversichtlicher.

O: Ein weiterer neuer Track heißt Dancer

On A Frozen Lake – was ich erst einmal, ganz

unabhängig vom Text, ein sehr schönes Bild

finde. Wem aus eurem Bandgefüge wäre das am

ehesten zuzutrauen: einfach das Hier und Jetzt zu

genießen, alles Drumherum zu vergessen und auf

einem gefrorenen See zu tanzen?

MS: Lass mich zuerst ein paar Worte zum Song

sagen, da er eine Art Schlüsselsong des Albums

ist. Im Text nehme ich auch bewusst Bezug auf

den Albumtitel: „I pray and praise ghost prayers.“

Musikalisch vereint er eine gewisse Intimität,

Melancholie, aber auch Aufbruch, er hat diese

gewisse Leichtigkeit und diese treibende Energie,

dass es, egal was auch immer passiert, immer

weitergehen wird, dass es niemals aufhören

wird. Das ist die Kernaussage des Albums. Ich

denke, dass wir uns alle recht gut mit diesem Bild

identifizieren können.

O: Das letzte Stück heißt Darkness, und ihr

räumt diesem Thema mit dem Lied einen großen

Platz auf dem Werk ein. Wie empfindet ihr

persönlich Dunkelheit? Als beschützend? Als eher

furchteinflößend...?

MS: Die Dunkelheit ist im lyrischen Kontext

natürlich eine wunderbare Metapher für so

viele Dinge. Sie kann alles sein, das macht das

Wort auch so inspirierend. Ich verwende auf

dem Album das Wort in verschiedenen Formen.

Beim Song Dragon beispielsweise kommt die

Dunkelheit als schützender Begleiter vor, beim

finalen zwölfminütigen Epos ist es aber im

negativen, bedrohlichen oder eben auch Dinge

beendenden Sinn gemeint.

www.thebeautyofgemina.com

Axel Schön

Discographie (Alben):

Diary of a Lost (2006)

A Stranger to Tears (2008)

At the End of the Sea (2010)

Iscariot Blues (2012)

The Myrrh Sessions (2013)

Ghost Prayers (2014)

Line-Up:

Michael Sele – Gesang, Gitarre, Keyboard

Marco Gassner – Gitarre

Dave Meier – Bass

Mac Vinzens – Schlagzeug

24 - Orkus!


Orkus! - 25


Hart, brutal ...

Wenn Lesen zur

Mutprobe wird …

„Wir hassen einfach nur die Menschheit.“

Literarische

Körperverletzung ...

Das Haus

des Horrors

www.Festa-Verlag.de

(Leseproben, Infos und mehr)

Ohne Rücksicht auf Verluste. Treffender

lässt sich das Motto dieser Kapelle nicht

zusammenfassen. „Alfahanne“ bedeutet

„Alphatier“ – und diese Stellung wissen die

erfahrenen Schweden rund um Fronter Pehr

Skjoldhammer perfekt zu nutzen. „Alfahanne

ist eine Art, unsere Gedanken über die

menschliche Dummheit und den Verfall der

Welt auszudrücken. Versteht mich nicht falsch.

Alfahanne ist keine politische Band, und

Menschenrechte sind uns komplett egal. Wir

hassen einfach nur die Menschheit. Alles, was

Alfahanne macht, bildet ein eigenes Konzept,

und dieses lautet: Fuck the world! Alfahanne tut,

was Alfahanne tun will. Ohne Rücksicht auf

Trends oder die Meinung anderer“, berichtet

Schlagzeuger Niklas Åström.

Auch stilistisch lassen sie sich keine Grenzen

weisen: „Wir sind große Fans von Achtziger-

Synth Rock. Es gibt einfach keine Black

Metal-Band, die jene Dunkelheit erreichen

kann, welche man dort in einigen Stücken

noch findet. Doch natürlich lieben wir auch

Transilvanian Hunger von Darkthrone. Warum

also nicht beide Einflüsse verbinden? Wir teilen

alle dieselben Visionen und Ideen, wenn es

darum geht, gute Musik zu schreiben. Da gibt

es keine Ausnahmen. Bei Alfahanne führt nur

ein Weg hinein, aber keiner mehr heraus!“

Gerade wurde Alfapokalyps veröffentlicht.

Das Debut bietet auch Kollaborationen mit

spannenden Gästen. Hier sollte jeder Fan

deftigen Schwarzmetalls näher hinhören. So

erklingen gemeinsame Nummern mit dem

schmerzverliebten Shining-Sänger Niklas

Kvarforth, dem in der Szene legendären Hoest

(Taake) sowie mit Vgandr von Helheim.

„Alfapokalyps aufzunehmen, fiel wirklich leicht.

Fast alles, was Du hören kannst, sind erste

Takes. Wir kümmern uns nicht darum, perfekte

Musik zu machen. Es geht ums Gefühl. Wir

haben das Album in unserem eigenen Studio

eingespielt. Und es war toll, mit den dreien

zu arbeiten; mit Niklas sind wir schon länger

befreundet. Wir sind sehr zufrieden mit dem

Ergebnis.“

Selbiges liefert eine Kombination aus Black

Metal, Hard Rock, Punk, ein bisschen

New Wave und einer Prise Goth Rock.

Alle Beteiligten sind keine Neulinge im

Musikbereich. Ein paar Mitglieder kennt man

unter anderem bereits von Vinterland oder den

frühen Maze of Torment. Doch versuchen sie

mit Alfahanne, gegründet 2010, nicht alten

Projekten nachzueifern, sondern etwas völlig

Neues zu entwerfen. Und um ihren Stücken

die gewisse Authentizität zu verleihen, sind

alle Texte in ihrer Muttersprache geschrieben.

Nur so können sie der Menschheit einen

Spiegel vorhalten, um darin die wachsende

Dummheit unserer verdorbenen Gesellschaft

zu manifestieren.

Alfahanne sind direkt, brutal, energisch und

gnadenlos. Aber genau das ist es, was dieses

Ausnahmeprojekt ausmacht. Unbedingt mal

ein Ohr riskieren, es lohnt sich!

www.facebook.com/alfahanneofficial

Manuela Ausserhofer


Orkus! - 123


Welle: Erdball sind aus dem musikalischen Kosmos nicht mehr wegzudenken. Zu schade wäre es, wären sie nicht

gewesen. Wie viele schöne Stunden haben wir zu Hause und bei Konzerten mit dieser besonderen Formation

schon verbracht. Nun endlich: ein neues Album! Und zu diesem gibt es einiges zu fragen und zu erzählen...

Orkus: Eine neue Sendung – mit dem Titel Tanzmusik für Roboter – ist

bei Erscheinen unseres Interviews soeben erstmalig ausgestrahlt worden.

Was erhoffen Sie sich von dieser Sendung?

Honey: Na ja, die Arbeit des Senders ist genau mit dem Verlassen der

Sendung aus dem Funkhaus getan, das Kind ist geboren und geht nun

seine eigenen Wege. Unser Erhofftes ist somit erfüllt, das Kind ist wohlauf,

taugt (!) (lacht) und ist eine vollwertige, qualitätsgeprüfte Sendung mit

Litern an Herzblut des Senders. Nun liegt das Erhoffen eher bei der

Plattenfirma, die mindestens auf eine Goldene Schallplatte, Milliarden

verkaufter Exemplare, Füllhörner mit sprudelndem Geld und das ewige

Leben hofft... und damit haben dann alle, inklusive des Hörers, was sie

wollen!

O: Was ist an dieser Sendung ganz besonders?

H: Das klingt jetzt vielleicht etwas anmaßend, entspricht aber der

Wahrheit, wenn ich sage: ALLES! Die erste wirkliche und absolute

Welle: Erdball-Sendung nach sieben Jahren, ohne Wenn und Aber. Neue

Moderatorin, neues Konzept, neue Klangerzeuger, neue Ideen. Jedes

Stück ist mit einem ganz speziellen Tongenerator erschaffen (MB Senso,

Game Boy, Nintendo DS... natürlich auch der C=64), dieses Mal hat

der Commodore 64 sogar einen Text geschrieben. Zu einem Viertel der

Stücke haben wir Videoclips gedreht, die auch in der Sendung enthalten

sind. Bei einem Lied singen circa 14.000 Menschen, das Publikum des

Amphi Festivals 2013, mit. Die Sendung erscheint in vier verschiedenen

Versionen, darunter sogar 12“-Vinyl, eine spezielle Sammlerbox mit

T-Shirt und eine Musikkompaktkassette mit einem C=64-Spiel für Ihre

Datassette. Wie Sie sehen, haben wir uns diesmal ganz BESONDERS den

Arsch aufgerissen.

O: Welche Teile der Sendung sind aufgrund des textlichen Inhalts ganz

besonders hervorzuheben?

H: Dass ein 30 Jahre alter Heimcomputer mal einen Text schreibt, ist

wohl schon „besonders“. Ich weiß zwar nicht ganz genau, was er mir

mit diesem Text sagen will, bin mir aber sicher, dass genügend Hörer

hier konform gehen werden. Ihre Frage ist aber sehr am Puls der Zeit,

da wir bei Tanzmusik für Roboter sehr viel Fokus auf die Texte gelegt und

Floskeln, Gesülze und Dekoration fast total ausradiert haben... hier gibt

es ganz klare Ansagen.

O: Gesellschaftskritik wird nicht immer kleingeschrieben bei Welle:

Erdball. Was haben die Moderatoren letztes Jahr selbst erkannt oder

gelernt?

H: Erkanntes und Erlerntes bezieht sich bei uns wohl eher auf andere

Gebiete als auf Gesellschaftskritisches. Von was für einer Gesellschaft

sprechen wir denn? Wenn ich sage, dass Sie sich Ihr Umfeld nach dessen

Fernsehkonsum aussuchen sollen, ist das dann „Gesellschaftskritik“?

Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass man für gute Arbeit auch gute Zeit

benötigt. Zeit, die einem nach jeder Sekunde In-die-Glotze-Schauen

doppelt fehlt.

O: Was ist für die Moderatoren stets das Aufregendste und Spannendste,

eine neue Sendung zu erstellen?

H: Die folgenden Interviews mit dem Orkus! sind schon recht spannend.

(zwinkert) Ganz oben steht natürlich die Resonanz des Hörers, denn

genau für ihn prostituieren wir unsere Sendungen. Aufregend ist definitiv

die angeschlossene Tournee, die zeitgleich mit dem Erscheinen der

neuen Sendung beginnt und sich bis in den Sommer durch ganz Europa

hinziehen wird. Wir haben viel vor und sind gespannt, wie unser Vorhaben

und unsere Ideen beim Publikum ankommen werden.

O: Welches bisherige Geheimnis kann an dieser Stelle über beide oder

wenigstens eine der beiden Moderatorinnen gelüftet werden?

H: Nach Ausschreibung, vielen Bewerbungen, vielen sogenannten

Castings und einem „Voting“ mit circa 4.000 Teilnehmern hat Welle:

Erdball nun endlich wieder eine neue, gute und vollwertige Moderatorin,

die in der Tanzmusik für Roboter auch gleich in Bild und Ton zu vollem

Einsatz kommt. Die Dame wird sich natürlich auch bei jedem Konzert

dem Hörer vorstellen.

O: Welche Anforderungen stellt der Sender an eine Moderatorin/einen

Moderator?

H: Das ist schon recht viel, was Welle: Erdball voraussetzt. Und die

erforderten Kenntnisse erstrecken sich weit über musikalische Gebiete.

Jede der Bewerberinnen musste sogar, neben Ton- und Bildaufnahmen,

eine Art IQ-Test auf dem C=64 absolvieren. Weiteres fragen Sie am besten

direkt die neue Moderatorin, eventuell in einem folgenden Interview. Ich

glaube, die Dame hat jetzt schon reichlich zu erzählen.

O: Tanzmusik für Roboter... Was war die Tanzmusik, zu der die

Moderatoren selbst erstmalig Schritte auf der Tanzfläche vollführten?

H: Der aktuelle Grundstab des Senders, sprich: A.L.F. und ich haben

unsere musikalischen Wurzeln ganz klar in den Achtziger Jahren, wir

haben uns sogar durch den Tausch beziehungsweise das Ausleihen von

Depeche Mode-Schallplatten kennengelernt und sind dann durch die

Discotheken in ganz Deutschland, zusammen mit einem silbernen Käfer

(Gruß an Malte und seine „Silver Machine“), gepilgert. Auf der Tanzfläche,

zum Beispiel im Zwischenfall, bewegten wir immer gerne unsere Beine

zu „Zwischenfall-Flucht“, Grauzone oder allen anderen „Indie-NDW“-

Klängen.

O: Die zehnte Sendung ist nun erschienen („Best Of“-Zusammenschnitte

mal ausgenommen). Gratulation! Was soll unter dem Namen Welle:

Erdball noch alles geschehen? Gibt es noch besondere Träume?

H: Vor 20 Jahren ist ein recht großer Plan von Welle: Erdball erschaffen

worden, die Sendung Tanzmusik für Roboter stand da natürlich, wie auch

alle anderen Sendungen und viele der Texte und Ideen, fest. Auf diesem

Plan stehen noch einige Dinge aus, die wir noch abfrühstücken müssen.

Das Thema „Film“ ist erst recht spät für den Sender interessant geworden,

aber genau hier haben wir auch noch einige Aufgaben zu erfüllen.

O: Wer sollte die Sendung Tanzmusik für Roboter nun auf keinen Fall

verpassen?

H: Die Sendung ist, wie der Name schon sagt, ein absolutes MUSS für

jeden Roboter, Computer und jede Maschine. Ob der profane, poplige

Mensch dem etwas abgewinnen kann, wird wohl eher ein Indikator seines

Gehirnes sein. (grinst)

28 - Orkus!


Vorsingen einen Intelligenztest bestehen musste, welcher natürlich

mit dem Commodore 64 durchgeführt wurde. (lacht) Und ich war

völlig beeindruckt vom Funkhaus-Studio... Dort werden wirklich alle

Kindheitserinnerungen und -träume erfüllt.

O: Wenn Sie an die kommenden Reisen und Auftritte denken..., was

fühlen Sie?

LL: Herzklopfen! Ich freue mich enorm auf die vielen Städte und endlich

auf der Bühne zu stehen, um die neue Sendung vorzustellen. Ich bin aber

natürlich auch sehr nervös, da dies meine erste Konzerttournee ist, und

bin total auf die Reaktionen der Hörer gespannt.

O: Wir wissen eigentlich noch gar nichts über Sie. Erzählen Sie bitte

mal... Was sind drei positive Eigenschaften von Ihnen?

LL: Wenn ich nach dem Urteil meiner Mitmenschen gehe, bin ich

ehrgeizig und kämpfe für meine Träume. Wenn’s irgendwo brennt, kann

man sich in jedem Fall auf mich verlassen, und ich habe ein riesengroßes

Herz für Tiere.

O: Und zum Ausgleich bitte noch drei negative Eigenschaften...

LL: Ich habe einen großen Hang zum Perfektionismus, was für mich

selbst, aber auch für andere Situationen oft kompliziert macht. Und ich

kann wirklich sehr ungeduldig sein, wenn ich auf etwas warte. Jetzt kann

sich jeder mal eben kurz vorstellen, wie die Zeit, bis die Entscheidung

über die neue Moderatorin fiel, ausgesehen hat. (lacht) Was ich auch als

negative Eigenschaft werte, ist meine Tollpatschigkeit, die ich einfach

nicht loswerde.

O: Wenn Sie groß sind, wollten Sie schon immer mal...?

LL: ... zum Mond fliegen! Mich fasziniert das Universum, seit ich

denken kann, und da ich erst knapp 165 Zentimeter bin, habe ich ja

noch ein bisschen Zeit, um großzuwerden und mir diesen Wunsch zu

erfüllen. (grinst)

O: Hat ein Commodore 64 etwas Erotisches?

LL: Die Klänge des C=64 können einen schon mal in Wallung bringen.

Wir beide hatten während der Produktionsphase für die neue Sendung

schöne Stunden miteinander.

Sehr verehrte Damen und Herren, sehr verehrtes Publikum:

bitte heißen Sie Lady Lila, die neue Welle: Erdball-Moderatorin,

herzlich willkommen...

Orkus: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe als

Moderatorin bei Welle: Erdball! Wie kam es dazu, dass Sie sich dafür

beworben haben?

Lady Lila: Vielen lieben Dank! Ich habe mich schon als kleines

Mädchen stundenlang mit meinem Kassettenrekorder beschäftigt und

aufgenommen. Als ich dann erfahren habe, dass mein Lieblingssender

Welle: Erdball eine neue Moderatorin sucht, habe ich die Chance

genutzt und gehofft, dass ich mich im Funkhaus vorstellen darf.

O: Ganz ehrlich: haben Sie damit gerechnet, die Stelle zu bekommen?

LL: Also, ganz ehrlich: NEIN. Es gab ja unzählige Bewerbungen, und

ich hatte mich überhaupt schon riesig gefreut, als ich die Einladung ins

Funkhaus bekommen habe.

O: Wann sind Sie in Ihrem Leben das erste Mal mit Welle: Erdball in

Kontakt gekommen?

LL: In meiner damaligen Stammdisco lief Starfighter F-104G rauf

und runter, wozu ich jedes Mal getanzt habe. Nachdem ich dann vom

DJ erfahren habe, welche Band dahintersteckt, wurde ich zur treuen

Hörerin.

O: Und wie war das allererste Treffen mit Honey und A.L.F.?

LL: Das war auf jeden Fall sehr aufregend und lustig. Ich wurde

sozusagen auf Stimme und Köpfchen getestet, da ich zusätzlich zum

O: Nun dürften bald noch mehr Männer auf Sie aufmerksam werden.

Wie möchten Sie sich gerne verführen lassen?

LL: Fragen Sie dazu doch einmal den Commodore 64. (zwinkert)

O: Was möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern gerne noch

mitteilen?

LL: Erst einmal möchte ich ein riesen „Danke schön“ an alle sagen, die

mir ihre Stimme gegeben haben!! Frl. Plastique hat einmalige Fußstapfen

hinterlassen, die keinesfalls ersetzt werden sollen. Ich wünsche mir, dass

die Hörer Welle: Erdball treu bleiben, und freue mich auf zahlreiches

Erscheinen und Kennenlernen bei den kommenden Konzerten.

www.welle-erdball.info

Claus Müller

Photos: Alex Hein

Discographie (Alben):

Frontalaufprall (1994)

Alles ist möglich (1995)

Tanzpalast 2000 (1996)

Der Sinn des Lebens (1998)

Die Wunderwelt der Technik (2002)

Chaos Total (2006)

Die Abenteuer von Commander Laserstrahl (2009)

Operation: Zeitsturm (2010)

Der Kalte Krieg (2011)

Tanzmusik für Roboter (2014)

Line-Up:

Honey – Musik, Texte, Sprache

A.L.F. – Planung, Konzept, Recherche

Frl. Venus – Stimme, Weiblichkeit, Design

Lady Lila – Stimme, Weiblichkeit

C=64 – Klänge, Sprache, Motivation, Texte

30 - Orkus!


THE

BALTIC

SEA IS

BOILING

„Surreal, traurig

und gleichzeitig sehr schön...“

14-03

PROFANE OMEN:

RESET

Grooving like a bloody

maniac! Thrashing like

there’s no tomorrow. As

the volume goes up, your

IQ goes down! Yes, they are

from Lahti, Finland...

Auch auf ihrem fünften Studioalbum ist es Frequency

Drift wieder gelungen, einen eigenen Klangkosmos

zu kreieren. Bandgründer Andreas Hack erklärt, wie

der Sound entsteht: „Bei uns stehen Instrumente

im Vordergrund, die für Rockmusik oder selbst

Art Rock sehr außergewöhnlich sind, zum Beispiel

Harfe, Cello, Flöte, Duclar oder Wavedrum.

Damit lassen sich neue Klangfarben in die Musik

integrieren. Gleichzeitig ist es uns wichtig,

dass auch diese Instrumente nicht in Klischees

verharren, die man vielleicht mit ihnen verbindet.

Beim ersten Track Run kannst du ein Gemshorn

hören, das aber so bearbeitet wurde, dass es nicht

mehr mittelalterlich klingt, sondern modern. Und

neben warm klingenden, folkig angehauchten

Cello- und Harfenparts gibt es auch einige sehr

spacige E-Harfen-Teile. Die Möglichkeiten dieser

Instrumente auszuloten, ist wesentlicher Bestandteil

unseres Sounds.“

Lyrische Konzepte im Sinne einer

zusammenhängenden Geschichte gibt es derweil

nicht. „Bei uns haben die Melodien und Sounds

Priorität; außerdem legen wir großen Wert auf

ein interessantes und originelles Artwork. Die

Texte dienen dazu, die Atmosphäre der Musik

zu unterstreichen, beispielsweise über bestimmte

Schlüsselwörter.“ Wobei auffällt, dass alle Liednamen

aus nur einem Wort bestehen. Zumindest hier

ließe sich ein Hintergedanke vermuten... „Na ja,

Sagittarius A* sind fast zwei Wörter“, lacht Hack.

„Wir mögen es, wenn unsere Songtitel mehrdeutig

sind und Freiraum zum Assoziieren lassen. Das

funktioniert mit Ein-Wort-Titeln besser als mit

kompletten Phrasen.“

Insgesamt hat Over einen traurigen, fast

pessimistischen Touch. Doch Andreas will sich nicht

in die Ecke der Schwarzmaler drängen lassen. „Auch

für den Titel gilt: Over kann viele Bedeutungen

haben. So viel darf ich verraten – der Titel bedeutet

nicht, dass unsere Band sich auflöst! Das Album

ist auch nicht pessimistisch im Sinne von Der

Weltuntergang steht bevor, aber die Musik und

Stimmung sind schon sehr melancholisch.“ Das von

der Photographin Alina Rudya stammende Cover

strahlt ebenfalls eine ungeheure Traurigkeit aus. Laut

Hack eine Zufallsbegegnung. „Wir sind über einen

Zeitschriftenartikel auf Alina aufmerksam geworden.

In dem Artikel wurde über ihr Projekt Prypyat mon

Amour berichtet, also Photos, die sie in ihrer seit der

Tschernobyl-Katastrophe verlassenen Geburtsstadt

Prypjat aufgenommen hat. Wir fanden, dass die

Bilder das perfekte visuelle Gegenstück zu unserer

Musik sind, weil sie surreal, traurig und gleichzeitig

sehr schön sind.“ Womit Over ein rundes Bild ergibt

und den Bayreuthern Glück bringen sollte. Selbst

wenn – inklusive Gästen – genau 13 KünstlerInnen

an dem Werk beteiligt waren. Andreas lacht.

„Ist dem so? Das würde erklären, warum unser

komplettes Equipment plötzlich versucht hat, sich

aus dem Fenster zu stürzen, und ständig dieser Rabe

vor der Studiotür stand.“

www.frequencydrift.com

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

Personal Effects (part one) (2008)

Personal Effects (part two) (2010)

ghosts... (2011)

... laid to rest (2012)

Over (2014)

Line-Up:

Isa Fallenbacher – Gesang

Christian Hack – Gitarre, Flöte, Duclar, Wavedrum

Tino Schmidt – Bass

Andreas Hack – Keyboard

Ulrike Reichel – Geige, Bratsche

Sibylle Friz – Cello

Nerissa Schwarz – Harfe

Jasper Jöris – Gemshorn, Marimba

07-03

METSATÖLL:

KARJAJUHT

The Estonia’s finest are

back. The unique sound of

this pagan horde scythes

through all your defenses.

28-03

DYNAZTY:

RENATUS

The Swedes shed their skin,

resulting extremely catchy,

melodic & hard rocking

metal. The steel bar is now

raised to new heights!

www.spinefarm.fi


„Donner und Blitzen

war mein erster Zugang zur deutschen Sprache...“

Ohne die Deutsch Amerikanische Freundschaft, ihre epochalen drei Alben Alles ist Gut, Gold und Liebe und Für immer und darauf

enthaltene Sequenzertracks wie Der Mussolini hätte es Bands wie Nitzer Ebb, Front 242, And One und Hunderte andere Epigonen

in ihrer jetzigen Form nicht gegeben. DAF – als Duo aus Robert Görl und Gabi Delgado – waren bereits Anfang der Achtziger ein

Blueprint des EBM; ihr radikaler Minimalismus, Gabi Delgados unvergleichlich knappe, dabei provokante und philosophische Lyrics

sind bis heute ohne Parallelen.

Kurz nach dem ersten Split von DAF veröffentlichte Gabi Delgado 1983 sein durch ungewöhnlich farbige und multikulturelle Klänge

geprägtes Solo-Debut Mistress, welchem 1986 das ähnlich orientierte DAF-Album (der zweiten Phase) 1 st Step to Heaven folgte. In den

Neunzigern übernahm der heute als Schauspieler bekannte Wotan Wilke Möhring kurzfristig die Rolle Görls für das Projekt DAF/

DOS. Erst 2003 erfolgte die zweite DAF-Reunion mit Fünfzehn neue DAF Lieder und einer bis heute andauernden Spielfreude auf

den Bühnen dieser Welt. Ehe ein neues DAF-Album erscheint, gehen Delgado und Görl nach Jahren wieder Solo-Aktivitäten nach.

Schon vor der Veröffentlichung des neuen Oeuvres 1 kündigte Delgado an: „Es ist das Beste, was ich seit Alles ist Gut gemacht habe.“

Ein Statement, das er zu Beginn unseres Gesprächs noch mal unterstreicht...

Gabi Delgado: 1 ist weitaus besser als zum Beispiel Für immer, mein erstes

Solo-Album oder die DAF/DOS-Geschichten. Ich würde es auch als mein erstes

richtiges Solo-Album bezeichnen, denn mit Mistress hat es musikalisch nichts zu

tun. Doch 1 steht auch für die Vereinigung, für die Einheit. Und es wird damit

bereits angedeutet, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Orkus: Im Grunde führt 1 die DAF-Tradition weiter: Sequenzertracks, kurze,

treffende und stechende Texte, die Themen „Sex“, „Tanzen“, „Liebe“, „Rebellion“.

Was ist der Unterschied?

GD: Rein musikalisch bin ich hier weniger puristisch. Ich weiß, dass es einen

großen Hype um die alten analogen Synthesizer gibt, aber ich bin ein Freund der

neuen modularen Systeme. Die Beats sind moderne House- und Electro-Beats;

es ist mehr aus der aktuellen Clubwelt eingeflossen.

O: Ohne Zweifel ist 1 eine absolut gelungene Mischung aus den vertrauten

Elementen und Zitaten, die aber so komprimiert und clever platziert wurden,

dass das runde Gesamtbild erhalten bleibt. Wie zum Beispiel die unterschwelligen

Italo-Disco-Flächen in der Single Nebelmaschine.

GD: Die beiden Platten, die mich am meisten beeinflusst haben, waren I Feel

Love von Donna Summer und God Save The Queen von den Sex Pistols. Am

Punk mochte ich die Energie und das Freche. Gleichzeitig war ich großer Disco-

Fan. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wenn ich heute privat Musik höre,

32 - Orkus!


dann meist Old School-Disco und House. Und ich bin immer

neugierig geblieben und immer noch auf der Suche nach

neuen, aufregenden Klängen.

O: Die Texte von 1 gehören zu den besten, die du je geschrieben

hast. Oft bestehen sie nur aus einzelnen Sätzen wie: „Die

Arroganz von Bach liegt in der Sucht nach Harmonie.“ Wie

ein guter Cartoonist, benötigst du nur wenige Striche, um

Wesen und Charakter auf den Punkt zu bringen und in

knappen Zeilen ein Universum einzufangen.

GD: Dichtung ist letztendlich Verdichtung. Es bringt nichts,

die Dinge zu verschnörkeln und damit Wasser in den Wein zu

gießen. Je weniger Worte man braucht, etwas auszudrücken,

umso größer ist die Leistung.

O: In Die Zukunft singst du: „Der Nutzen der Historie war

niemals wirklich klar. Vergangenheit ist einfach, was früher

einmal war...“

GD: Das ist ein Nietzsche-Zitat über das unhistorische

Bewusstsein, das ich, sagen wir mal: populärwissenschaftlich in

einen Text gefasst habe. Alle Berichte über die Vergangenheit

sind letztendlich immer nur eine Interpretation dessen,

was es nicht mehr gibt. Wenn man zum Beispiel 2014 eine

Eighties-Party feiert, ist es eben keine Party wie damals, allein

weil der gesellschaftliche Kontext nicht stimmt und alle ein

Smartphone dabeihaben.

O: Obwohl du Spanier bist und auch wieder in Spanien lebst,

gehst du intelligenter mit der deutschen Sprache um als viele

Muttersprachler.

GD: Gerade weil ich so viel gereist bin und mir die

Außenperspektive bewahrt habe, gehe ich anders mit der

Sprache um. Als kleines Kind habe ich in Spanien Kriegscomics

gelesen, in denen den Deutschen nur Wörter wie „Donner

und Blitzen“ in den Mund gelegt wurden. Das war mein erster

Zugang zur deutschen Sprache und hat mich offensichtlich

sehr geprägt.

O: DAF haben seit den frühen Achtzigern Generationen von

Musikern beeinflusst. Mit welchem Blick schaust du heute auf

deine Kinder und Enkel?

GD: Mit großem Wohlwollen. Meine Lieblingskinder sind

nach wie vor Nitzer Ebb. Doch das Schöne ist, dass uns sehr

unterschiedliche Musiker, auch aus der Dark Wave- oder

House-Szene, als Einfluss nennen.

www.gabidelgado.com

Ecki Stieg

Discographie (Alben):

Mistress (1983)

1 (2014)


„Ein unglaublicher Affront...“

Der Dark Electro Industrial Horror-Meister kehrt

nach Midnight Sessions (2011) nun mit Pon Farr

zurück. Wem der Titel kein Begriff sein sollte, der

möge jetzt die Chance nutzen, sich Star Trek und

den besonderen Eigenschaften der Vulkanier näher

zu widmen. Wer „Pon Farr“ genau definieren kann, wird

wissen, dass man es hier mit den tiefsten Abgründen der Seele

zu tun bekommt, die einem das Blut durch den Leib peitschen. Emotionales

und körperliches Befinden im Ausnahmezustand. Dem muss man sich erst

mal gewachsen fühlen!

Oder befreien Nahtaivels Klänge vielleicht selbst vom psychischen und

somatischen Leid? Jedenfalls setzt der brasilianische Künstler hämmernde

Beats, wirren, düster-atmosphärischen Sound und Vokaltöne ein, die für

Gänsehaut sorgen. Das gleicht dem Effekt von Fingernägeln auf einer Tafel,

welcher einen aus der eigenen Versunkenheit erlöst. Doch es geht nicht

nur brachial daher... und das ist gut so. Fernando Nahtaivel ist seit dem

Erscheinen von Opus 93 (2006) oder auch Killer Speaks (2008) in dieser

Musikkategorie anzutreffen. Er überzeugt mit seinem Stil, Black Metal, Dark

Electro sowie EBM/Industrial unter einen Hut zu bringen und etwas Neues

entstehen zu lassen, das sich abhebt und immer wieder überrascht.

www.nahtaivel.com

Elena Winter

AntI-PoP!

Der Neustart

der legendären

Reihe!

edItIon

„Wer die Schwarze Fähre ist, tja?! Eine düstere Vision vielleicht... Das

Gefährt, was Dich eines Tages ins Totenreich bringt, wie schon so viele

andere zuvor“, erklärt Gerald Munier (Gitarre) den Bandnamen, und

Sängerin Sarina Haun fügt humorvoll hinzu: „Ich denke an Charon,

den Fährmann aus der griechischen Mythologie, der die Seelen der

Toten über den Styx bringt. Zwar verschiffen wir keine Leichen und

haben das in nächster Zeit auch nicht vor, aber in gewisser Weise

kann man wohl sagen, dass wir zumindest Botschaften überbringen

wollen.“ Doch nicht nur grenzüberschreitende Botschaften soll ihr

Debut vermitteln. Nein, auch einen Traum gilt es zu erfüllen.

Das erste Stück des Konzeptalbums Waiting for Harpies heißt Pico’s

Dream. Genau jener, unter vollem Namen Giovanni Pico della

Mirandola, träumte nun nicht davon, als Musikkünstler auf der

Bühne zu stehen, aber er wollte bereits als junger Mensch Dinge

bewegen und verändern. Die Bielefelder Düsterrocker erwecken den

Philosophen aus dem 15. Jahrhundert jetzt ein klein wenig wieder zum

Leben. Wie wird man auf solch eine beeindruckende Persönlichkeit

aufmerksam? „Das ist vermutlich Geralds reichhaltigem Wissen als

Historiker“ – Einwurf Gerald: „Im Zweitberuf!“ – „zu verdanken.

Seine Story ist wirklich ziemlich interessant“, erzählt Vokalist

Alexander Burgdorf und gibt das Wort weiter an Gerald: „Dieser

Pico war ein toller Bursche... stellt sich mit 24 Jahren hin und lädt

alle Philosophen und geistigen Größen seiner Zeit nach Italien ein,

um mit ihnen die Weltlage zu diskutieren. Er billigte als einer der

ersten Denker des ausgehenden Mittelalters dem Menschen so etwas

wie einen freien Willen zu – ein unglaublicher Affront gegen die

katholische Kirche, die ihn dann ja auch verfolgen und vermutlich

sogar vergiften ließ.“

Doch nicht nur über diesen geschichtlichen Aspekt soll gesprochen

werden, sondern auch von den eigenen Anfängen der Gruppe und

den Umständen ihres Zusammentreffens. „Ich erinnere mich an

eine Situation in einer alten Wohngemeinschaft von mir. Gerald war

zu Besuch, und ich habe ihm einige meiner Songs vorgespielt. Sie

schienen ihm zu gefallen, denn er hat dann vorgeschlagen, dass ich

mal bei einer Probe vorbeikommen könnte. So bin ich eingestiegen.

Thomas Lingner, der schon in der Formation spielte, hat irgendwann

seinen Bruder Andreas mitgebracht. Sarina kannte Gerald und mich

zwar bereits länger, ist aber erst 2011 dazugestoßen. Seitdem ist die

Black Ferry mit vollständiger Mannschaft auf Kurs“, blickt Alex laut

zurück. Sarina war eine Schulfreundin von Geralds Nichte. „Die

beiden Mädels habe ich schon als 14-Jährige mitgeschleppt auf ein

Konzert von Paradise Lost. Das kam irgendwie einer Initialzündung

gleich“, führt Gerald schmunzelnd aus, und Sarina ergänzt: „Ich

habe noch eine Schlüsselerfahrung in Bezug aufs Musikmachen... als

ich 14 war, bei einem Spaziergang mit meinem Bruder. Er legte mir

nahe, dass es spätestens mit 15 höchste Zeit ist, eine Schülerband zu

gründen. Ich hatte vorher nie darüber nachgedacht – aber er hatte

recht!“

www.black-ferry.com

Kerstin Müller

mit teils exklusiven Geschichten von

Ramona Ambs, Ina Brinkmann, Stiff

Chainey, Oliver Flesch, Markolf Hoffmann,

Alexander Kaschte, Andreas

Kurz, Boris Koch, Christoph Straßer,

Luci van Org und Christian von Aster

Infos unter www.ulIne-store.de

122 - Orkus!


„Selbst ein Rollstuhlfahrer

drehte seine Runden im Pit...“

Mehr als 15 Jahre Bestehen, sieben Studioalben und

unzählige Gigs zeichnen Lay Down Rotten aus.

Das aus Hessen stammende Quintett gehört zu den

Meilensteinen des Death Metal und darf sich ohne

Zweifel in die Reihe der ganz Großen einordnen. 2012

erschien Mask of Malice, nun folgt Album Nummer

sieben, diesmal über eine neue Plattenfirma. „Unser

Vertrag bei Metal Blade ist ausgelaufen, Apostasy

Records haben Interesse signalisiert, und da mussten

wir nicht lange überlegen. Wir kannten Tomasz

Wisniewski vom Label schon länger durch gemeinsame

Konzerte und Partys. Er ist einfach eine coole Sau,

der sich sehr für seine Bands einsetzt. Uns hat die

persönliche, aufgeschlossene Art und der Enthusiasmus

sehr gefallen“, erklärt Frontmann Jost Kleinert.

Ein besonderes Charakteristikum sind ihre

energiegeladenen Live-Auftritte. Seit der Gründung

(1999) tourten Lay Down Rotten bereits mit vielen

Szene-Größen, darunter Dismember, Hatesphere,

Disbelief, Legion of the Damned – ein Highlight war

natürlich die Reise mit Cannibal Corpse und Aborted.

Jost kann sich noch an eine spezielle Show erinnern:

„Wir spielten vor ein paar Jahren in Portugal bei einem

Open Air. Während des Konzerts fragte ich die Leute,

ob sie auch einen Circlepit kennen, und dann brach

die Hölle los. Ich durfte ja schon einige Pits betrachten,

aber das war ein Hurrikan... da wurde alles mitgerissen.

Selbst ein Rollstuhlfahrer drehte seine Runden im Pit...

pure Gänsehaut!“

Deathspell Catharsis bietet garantiert neues Material,

das sich perfekt auf der Bühne umsetzen lässt.

„Mein Bruder Elmar und ich haben die Texte für

die letzten fünf Alben geschrieben. Sie basieren auf

unserer antichristlichen Einstellung und behandeln

hauptsächlich Themenschwerpunkte wie Anarchie,

Kriegstreiberei, Korruption, Umweltzerstörung und

die Macht der Politik im Kontext der Auswirkungen

auf die Erfahrungen jedes einzelnen Individuums“,

erläutert Jost. Deathspell Catharsis soll ihre Leidenschaft

für den Death Metal zum Ausdruck bringen; jene

Passion durchzieht als roter Faden das gesamte Werk.

„Wir haben eine gute Balance zwischen melodischen

Parts und kompromisslosem Riffing gefunden. Und

auch die gezielten Tempowechsel innerhalb der Songs

schlagen gut in die Magengrube. Auf der Platte kann

man uns in allen Facetten und Stimmungen erleben.

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“ Dieses

Mal ist noch etwas ganz Besonderes enthalten – das

erste deutschsprachige Stück! Schädelberg erzählt vom

Berg Golgatha, dem Bestattungskult im Monotheismus

sowie der Angst vor dem Tod.

Im Mai werden Lay Down Rotten die legendäre

Death Metal-Band Massacre als Support bei einigen

Gigs unterstützen. Genauere Infos hierzu und mehr

natürlich immer auf ihrer Homepage.

www.laydownrotten.com

Manuela Ausserhofer

Orkus! - 123


„Wir gründen eine internationale Geisterpartei...“

Ein neues Laibach-Album ist immer etwas ganz Besonderes. Man weiß vorher nie so recht, wohin die Reise dieses Mal gehen wird.

Überraschend geradlinig, mit faszinierendem – Entschuldigung für das hier eher unpassende Wort – „Hitpotenzial“ und absolut auf

der Höhe der Zeit präsentiert sich Spectre. In der Regel spricht ein Künstler davon, dass das neue Werk sein bestes ist. Hier möchte

dies der Autor sagen. Laibach beantworten Interviewfragen stets nur schriftlich. Umso mehr waren wir auf ihre Antworten gespannt...

Orkus: Was ist aus der Sicht der Erschaffer des Werkes Spectre das ganz

Besondere, das andere?

Laibach: Jede Zeugung eines Kindes ist ein Wunder, egal wie oft wir

miteinander Sex haben und welche verschiedenen Stellungen wir nutzen.

Das Leben auf der Erde ist ein Wunder. Das Universum ist ein Wunder. Ob

Spectre auch für alle anderen etwas Besonderes ist und nicht nur für seine

Schöpfer, liegt im Auge des Betrachters.

O: Wie kam es zur Idee, das Albumcover so zu gestalten, wie es nun final ist?

L: Das war ebenfalls ein Wunder; wir suchten nach etwas „Geisterhaftem“,

das ein Gespenst, ein Phantom oder Phantasma darstellen könnte, ein

mentales Bild von einem körperlosen, entkörperten Geist, welches für

Menschen sichtbar (und hörbar) werden kann.

O: In der Presseinfo steht: „Das Album handelt von Politik und der Bildung

politischen Bewusstseins, sagen Laibach. Die Menschen haben genug vom

politischen und ökonomischen Establishment und wollen die Macht in die

eigenen Hände nehmen, um Würde und Solidarität in ihr tägliches Leben zu

bringen.“ Ist dies in allen europäischen Ländern der Fall?

L: Wir glauben, das gilt für 99 Prozent der Menschen auf der ganzen Welt.

O: Welche zwei Dinge würden wohl als Erstes verändert? Wären es die

richtigen für eine friedliche Zukunft?

L: Radikal gesprochen, würden wir sagen, dass zuerst die Menschheit

ausgelöscht und neu erschaffen werden sollte, mit sorgfältig konstruiertem

Genom. Aber das wäre – obwohl durchaus möglich – ein unpopuläres

Vorgehen. Also müssen wir den schwierigen Weg wählen – Respekt und

Solidarität für jedes menschliche Wesen verbreiten, einschließlich Tieren

und Pflanzen. Allgemeiner Respekt und Solidarität würden zum Ende aller

Kriege führen, Hunger, Sklaverei und Ausbeutung beenden, und dann sind

wir nicht mehr allzu weit vom irdischen Paradies entfernt.

O: Ebenso steht im Pressetext: „Die Menschen in Europa brauchen eine neue

Identität, die für sie Bedeutung hat und sie Begeisterung für die Zukunft spüren

lässt. Die Revolution muss von den Straßen in Hamburg und Berlin, Paris und

Athen, Istanbul, Kiew, Barcelona oder Ljubljana kommen. Die Antwort auf die

Krise muss internationalistischer und universeller sein als die Universalität des

globalen Kapitals.“ In der Tat, absolut! Gibt es dazu einen konkreten Vorschlag,

der an dieser Stelle präsentiert werden kann? Denn die Tagespolitik versagt

hier wohl vollkommen. Zumindest in Deutschland.

L: Wir sind ziemlich sicher, dass die Mehrheit aller Länder auf der Welt

liebend gern ihre Probleme gegen die von Deutschland tauschen würde...

Zuallererst müssen sich die Leute auf lokaler Mikroebene organisieren

und dann mit anderen Communitys und international zusammentun. In

Zeiten des Internets und effektiver Kommunikationsnetzwerke sollte es

heutzutage kein Problem sein, auf internationaler Ebene zu operieren, alle

möglichen Quellen und Medien auszuschöpfen, inklusive der Pop-Kultur.

Darum hat Laibach beschlossen, eine Partei zu gründen, eine internationale

„Geisterpartei“, die dabei hilft, weltweit Menschen mit ähnlichen Ideen,

Problemen und Lösungen zu verbinden und vereinen. Wir können sie aktiv

unterstützen und diverse lokale und internationale Aktionen und Kämpfe für

die bessere Zukunft koordinieren. Es wird ein langer Marsch, aber irgendwo

müssen wir beginnen.

O: Warum ist wohl die Theorie oftmals so weit entfernt von der Praxis?

L: Weil Perfektion langweilig ist und weil wir im Leben die treibende Kraft

brauchen, das utopische Ziel, das wir praktisch nie wirklich erreichen

können, obwohl es theoretisch durchaus möglich ist. Doch wir alle wissen,

dass nur theoretisch kein Unterschied zwischen Theorie und Praxis besteht.

Der Kampf zwischen Theorie und Praxis ist schlicht die Kraft des Lebens.

O: Was wünscht sich Laibach für Europa im Jahr 2020?

L: Wir wollen Europa vom Atlantik zum Pazifik. Falls das ein „No-Go“ ist,

36 - Orkus!


wollen wir Europa wenigstens in Europa. Und Nordwesteuropa sollte

sich aktiver und radikaler mit dem südöstlichen Teil des Kontinents

vermischen, um ihre Säfte auszutauschen und ihre Gene anzureichern,

um ein gutes Gleichgewicht herzustellen.

O: Wann ist Vergangenheit heilend?

L: Wenn wir anfangen, „unsere Symptome zu genießen“, können wir

auch das historische Trauma in ein Heilmittel verkehren.

O: Was ist Kunst? Gibt es dafür einen Anfang, ein Ende, eine Grenze?

L: Kunst ist Ausdruck menschlicher kreativer Fähigkeiten und

Vorstellungskräfte, die nach Bedeutung streben und sich zugleich

jeglicher sinnvollen Definition entziehen. Eine beliebte solche

Definition lautet, dass Kunst der uneingeschränkte Ausdruck von

Freiheit ist (und Freiheit für Künstler die ultimative Sklaverei).

Aber künstlerische Freiheit ist eine Illusion. Kunst wird einem

System von Werten und Autoritäten unterworfen, und die erste und

stärkste Autorität ist der persönliche Geschmack. Jede Kunst ist auch

Gegenstand politischer Manipulation, außer sie spricht selbst die

Sprache jener Manipulation.

O: Angenommen, Laibach würde für eine Jahreszeit stehen – welche?

L: Die Weihnachtszeit?

O: Was war bisher das originellste Gerücht, das Sie über Laibach

gehört oder gelesen haben?

L: Dass wir nicht wirklich existieren und nur ein Konstrukt sind, eine

Illusion, ein „Gespinst“ sozusagen. Wer weiß – vielleicht stimmt das

sogar.

O: Welches bisherige Geheimnis über Laibach können Sie heute für

uns lüften?

L: Wir können das Geheimnis lüften, dass wir nie irgendwelche

Geheimnisse hatten.

O: Ist es stets eine große Herausforderung, ein neues Werk auf die

Bühne zu bringen? Inwiefern – und wie sehen die Vorbereitungen aus?

L: Das ist es; ein Album aufzunehmen, ist gewöhnlich bloß die

Startphase, um es auf der Bühne zu performen. Die Arrangements

sind live anders, und wir proben sehr intensiv dafür. Doch Konzerte

und Touren sind eigentlich die beste Übung.

O: Laibach konnte bereits viele besondere Projekte und Auftritte

Realität werden lassen. Was sind noch Träume für Laibach, die

ausgesprochen werden dürfen?

L: Wir haben viele Pläne und Ideen, zu viele, um sie hier aufzuzählen.

Wir können nur verraten, dass wir schon jetzt an den nächsten drei

oder vier Alben arbeiten.

O: Wem möchten Sie Spectre nun ganz besonders ans Herz legen?

L: Den Blinden, den Tauben, den Armen und Hungrigen, Dummen

und Reichen, jenen, die denken, sie seien klug... mit anderen Worten:

dem gesamten Spektrum verlorener Seelen im Universum.

www.laibach.org

Claus Müller

Discographie (Alben):

Laibach (1985)

Rekapitulacija 1980–84 (1985)

Nova Akropola (1985)

The Occupied Europe Tour 1985 (live, 1986)

Opus Dei (1987)

Slovenska akropola (1987)

Krst pod Triglavom–Baptism (1987)

Let it be (1988)

MacBeth (1990)

Kapital (1992)

Ljubljana–Zagreb–Beograd (live, 1993)

NATO (1994)

Occupied Europe NATO Tour 1994–95 (live, 1996)

Jesus Christ Superstars (1996)

WAT (2003)

Volk (2006)

LAIBACHKUNSTDERFUGE (2008)

Monumental Retro-Avant-Garde (live, 2012)

Spectre (2014)

Orkus! - 123


„Es besteht kein Zweifel,

wer der Stärkere von beiden ist.“

Denkt man an Finnland, denkt man

gezwungenermaßen an Winter, Kälte und

Schnee. Doch Skandinavien sticht auch durch

wunderschöne Landschaften und seine teils noch

sehr unberührte Natur hervor. Und musikalisch

ist es unumstritten auf einem ganz hohen Level!

Mit Hymns of the Mortals – Songs from the North

präsentieren die Jungs um Fronter und Gitarrist

Oskari Koivisto jetzt ihr Debutalbum, welches

sich irgendwo zwischen Black, Death und Folk

Metal ansiedelt. Inhaltlich geht es (wie könnte

es anders sein?) um die Rauheit und Kälte

des Nordens. „Unsere Lieder handeln vom

fortwährenden Kampf der Menschheit gegen

die Natur, und es besteht kein Zweifel, wer

der Stärkere von beiden ist“, erklärt Drummer

Sakari Martikainen. Ausschlaggebend für diese

Themenwahl war wohl nicht zuletzt ihre Heimat.

„Im Winter wird es hier sehr kalt und auch sehr

dunkel“, berichtet Sakari weiter, „das ist aber

kein Nachteil. Ich glaube, das ist wahrscheinlich

der Grund, warum es hier so viele gute Metal-

Bands gibt.“

Fast alle Texte schrieb Bassist Jere Sjögren; für das

Artwork – eine kunstvolle Darstellung der Natur

im Wechsel der Jahreszeiten – zeichnet kein

Geringerer verantwortlich als Kris Verwimp,

der schon unzählige Cover entworfen hat. Seine

Kreationen konnte man unter anderem bei

Arch Enemy, Debauchery, Enthroned, Fejd,

Marduk oder SuidAkrA bewundern, um nur

einige wenige zu nennen. „Wir hatten ein paar

Ideen für ein Artwork, haben uns dann jedoch

entschieden, Kris bloß die Lyrics zu geben. Er

folgte bei der Gestaltung also keinerlei Vorgaben.

Das Resultat hat niemanden enttäuscht...“, freut

sich Sakari. Wer nun glaubt, dass hinter Thyrien

eine typisch nordische Geschichte steckt, täuscht

sich allerdings. Jener Name wurde seitens der

Gruppe gewählt, weil als „passend und cool“

empfunden.

Außerdem haben Thyrien bereits mit Emmi

Silvennoinen, der Keyboarderin von Ensiferum,

kooperiert: „Als wir das Album aufnahmen,

hatten wir keinen, der für die Synthelemente

zuständig war, darum mussten Oskari und

unser Produzent Olli das übernehmen. Letzterer

hat früher mit Emmi zusammen in einer Band

gespielt und fragte sie einfach, ob sie nicht mal

vorbeikommen und den beiden ein bisschen

helfen möchte. Sie sagte zu und hat ihren eigenen,

persönlichen Touch in die Stücke gebracht. Mit

ihr zu arbeiten, fiel sehr leicht“, plaudert Sakari.

Die Produktion besorgten übrigens Olli Mattila

und Jarno Hänninen gemeinsam.

In den nächsten Monaten will das Gespann

weiter an seiner Musik feilen, viel proben und

erste Gigs organisieren. Noch sind die Finnen

ganz am Anfang. Wir wünschen ihnen einen

guten Start und hoffen, dass sie bald auch

unsere Gebiete mit ihrem bombastischen Sound

überrollen.

www.facebook.com/Thyrien

Manuela Ausserhofer


Zum 15-jährigen Jubiläum von ASP endlich erhältlich:

Die lang überfällige Vinyl-Edition des ASP Album-Klassikers

„Zaubererbruder - Der Krabat Liederzyklus“

• Edles, schwarzes 3x12“ Vinyl (180gr audiophiles Vinyl)

• Vier rare Bonus Tracks aus „Von Zaubererbrüdern Live“ u.a.

„Mein Herz erkennt Dich immer“ feat. Lisa Pawelke

• Spezielles und sehr massives Gatefold mit eigens entwickelter Falttechnik

• 24-seitiges Booklet im 12“ Format

• Booklet inklusive allen Texten

• Bedruckte Innenhüllen

• Doppelseitig bedrucktes Fold-Out Poster (ca. 60 x 90 cm)

• Streng limitiert auf 666 Exemplare weltweit

21.03.2014

Endlich ist Es so wEit! Asps Von ZAubErErbrüdErn

kommEn in Acht dEutschE städtE!

19. März 2014 Wiesbaden, Schlachthof

20. März 2014 Losheim, Alte Eisenbahnhalle

21. März 2014 Bielefeld, Ringlokschuppen

22. März 2014 Leipzig, Haus Auensee

AUSVERKAUFT

AUSVERKAUFT

26. März 2014 Ludwigsburg, Forum

27. März 2014 Wuppertal, Historische Stadthalle

28. März 2014 Berlin, Huxleys Neue Welt

29. März 2014 München, Backstage AUSVERKAUFT

AUSVERKAUFT

Tickets unter www.AspsWeltEn.de/shop oder www.adticket.de

Weitere Infos unter www.vonzaubererbrüdern.com


Soundtrack of my life

Was wäre, wenn...

Luci van Org

Stell’ dir vor, du wärst...

Greg Mackintosh (Paradise Lost)

Candlemass

Epicus Doomicus Metallicus

(1986)

Ohne dieses Werk würden

Paradise Lost nicht existieren.

Großartiger Doom Metal. Das

Solo von Crystal Ball ist seither

mein allerliebstes Einzelspiel.

Celtic Frost

Morbid Tales (1984)

Ton und Stil dieses Albums sind

ein ziemlich genaues Abbild

meiner Generation.

... eine Farbe? Rouge Noir... wäre ich gern. Aber ich glaube, ich bin in Wirklichkeit

eher so straßenköter-schlammfarben – aber mit Glitzerdingern drin...

... ein Tier? Ein Bär. Kurzsichtig, verfressen und sehr dickfellig – solange man mich

nicht reizt.

... ein Planet? Erde. Ich mag’s hier...

... ein Lied? Dmitri Schostakowitschs Walzer Nr. 2 – es lebe das Pathos!

... eine Blume? Eine Stockrose. Weil ich es rührend und nachahmenswert finde, dass

die Dinger auch auf Sperrmüllhalden und vollgekackten Baumscheiben noch die

schönsten aller Blüten zeigen.

... ein Edelstein? Ein Kiesel unten am Fluss (in dem die Leichen meiner Feinde an

mir vorüberziehen... har har!).

... eine mythologische Figur? Ein Galsterweib – also eine Frau, die zaubern kann

mithilfe von Gesang. Versuche ich zumindest täglich...

... ein Buch? Der Greif und der jüngste der Domherren, ein Kinderbuch von Frank R.

Stockton mit Zeichnungen von Maurice Sendak. Weil es beweist, dass sich ganz

viel Liebe und ganz viel menschenfressendes Monster ganz wunderbar miteinander

vertragen, wenn man nur will.

... ein Film? Braindead! Ganz viel Blut, noch mehr Gemetzel, aber mindestens

genauso viel Lachen und sogar ein bisschen Rührung... schnüff... Ich LIEBE diesen

Film! (Und für alle, die ihn noch nicht kennen: bitte NIE... wirklich NIE und auf

KEINEN Fall die FSK 16-Fassung gucken!!!!)

... eine Jahreszeit? Spätherbst mit Sturmwind – aber in warmer Jacke.

... eine Stadt? Berlin! Für immer! Womit wir wieder beim Straßenköter-

Schlammfarbenen wären... aber in Kombination mit ganz viel Herz und Lachen!

Carnivore

Retaliation (1987)

Die Platte habe ich immer

gehört, bevor ich samstagabends

ausgegangen bin. Wütender

Hardcore mit amüsanten Lyrics.

Ich fühle mich geehrt, Pete

gekannt zu haben. RIP.

Wortschatz

Dead Can Dance

Within the Realm of a Dying Sun

(1987)

Dieses Album enthält zutiefst

epische, traurige Musik. Lisa

Gerrards Stimme jagt einem

Schauer über den Rücken.

Jesus Christ Superstar

(Filmsoundtrack, 1973)

Ich hasse Musicals, doch dieses

hier ist einfach überwältigend.

Ted Neeley, der Jesus spielt,

hat eine unglaubliche Stimme.

Mir war sogar mal das Glück

vergönnt, mit ihm zu sprechen.

Chiara Amberia (Mantus)

Lieblingsbücher sind ein weites Feld, zumal es so viele wundervolle Bücher gibt...

Eins meiner liebsten Bücher seit Jugendzeiten ist Fool on the Hill von Matt Ruff: ein

phantastisches Epos, welches die Geschichte des Jungschriftstellers S.T. George erzählt,

der einen Drachen steigen lässt, sich in die schönste Frau der Welt verliebt und schließlich

sich selbst und die wahre Liebe findet. Nebenbei rettet er die Welt vor dem Bösen, das

der Büchse der Pandora entschlüpfte und beispielsweise eine beseelte Gummipuppe in

seinen Diensten hat. Er erhält dabei kompetente Hilfe der auf dem College-Campus

ansässigen Elfen (die alle Namen aus Shakespeares Mittsommernachtstraum tragen), der

abgefahren-coolen Studentenverbindung „Bohemier“ und des kleinen Hunds Luther,

der dem Geruch des Himmels von New York bis nach Cornell folgt. Das Buch ist

eine genreübergreifende Mischung aus Coming of Age, Fantasy, Horrorsplatter und

Liebesgeschichte und gefällt mir jetzt immer noch so gut wie beim ersten Lesen mit 15.

Stark beeinflusst hat mich auch das Buch Kassandra von Christa Wolf, die die

Geschichte Trojas aus der Sicht der großen Seherin erzählt, die in ihrem inneren

Monolog eine Haltung zum repressiven und patriarchal geprägten Herrschaftssystem

Trojas und damit letztlich eine sehr kluge Form des Feminismus entwickelt.

40 - Orkus!


„Kannst du singen? – Höchstens schreien.“

SEA + AIR sind ein überaus vielfältiges, graziles und vollkommen harmonisches Musikprojekt, welches mit einfühlsamen und

multifacettenreichen Klangelementen unter die Haut geht und das Herz berührt. Wie tiefgründig dieses Stuttgarter Ehepaar Herz

und Seele erobert, erklärt schon der Titel des Debutwerks My Heart’s Sick Chord. Ein Interview über eine deutsch-griechische

Zusammenkunft – ehrlich, herzlich und ganz persönlich.

Orkus: Daniel, was war das Erste, was dir an Eleni aufgefallen ist, als

du sie zum ersten Mal gesehen hast?

Daniel Benjamin: Sie war wie keine Person, die ich vorher oder

seither getroffen habe. Ich habe an der Art, wie sie sich durch die

Menschen bewegt hat, sofort gewusst, dass sie rhythmisch begabt ist.

Und singen kann. Man trifft nur wenige Male im Leben jemanden, bei

dem man sofort das Gefühl hat, man kennt den Geist, der in der Hülle

steckt. Und in ihrem Fall hatte ich recht.

O: Eleni, was hast du gedacht, als du Daniel zum ersten Mal begegnet

bist?

Eleni Benjamin: Mein Blick blieb direkt an ihm haften: „Groß,

gefällt mir.“ Ich hab’ mich sofort zu ihm hingezogen gefühlt, weil er

Ruhe ausgestrahlt hat. Auch heute noch kann ich ihn innerhalb von

Sekunden aus einer Menschenmasse ausfindig machen. Und das liegt

nicht nur an seiner Größe.

O: Wann habt ihr gemerkt, dass es Zeit ist,

musikalisch etwas gemeinsam zu machen?

EB: Bevor wir ein Paar wurden, gründeten

wir unsere erste Band: Jumbo Jet. Wir

kannten uns kaum; ich glaube, es war

bei unserem zweiten Treffen, als er mich

fragte: „Kannst du singen?“ Ich verneinte

und meinte noch im Scherz: „Höchstens

schreien.“ Es folgte die erste Bandprobe. Das

war vor 15 Jahren. Es war ein Experiment,

bei dem wir beide nicht wussten, was

herauskommen würde. Es wurde Punk.

Wir hatten Glück, dass wir uns schon in

jungen Jahren gefunden hatten und uns

gemeinsam entwickeln konnten.

O: Und wie verband sich letztlich deutscher

und griechischer Charme, um SEA + AIR

entstehen zu lassen?

DB: Gibt es deutschen Charme? (lacht)

Ich würde behaupten, es ist einerseits eine

explosive Mischung aus Extremen, die

uns Energie gibt. SEA + AIR eben. Frau/

Mann. Meer/Luft. Heiß/kalt. Rhythmus/

Melodie... Zum anderen kommen wir

besonders gut miteinander aus, weil jeder

auch genug Merkmale des anderen in sich trägt. Je nachdem, wie uns

Leute charakterisieren, die uns nicht kennen: Hätten sie einen anderen

Tag erwischt, würden sie das Bild zu 100 Prozent umkehren. Und genau

das, in Musik gepackt, ergibt SEA + AIR. Der Soundtrack zu unseren

multiplen Persönlichkeiten.

O: Welche Erinnerung aus Kindheitstagen hast du, Daniel, in SEA +

AIR einfließen lassen?

DB: Meine ersten Erinnerungen haben alle mit Musik und Geräuschen

zu tun. Und obwohl man sich mit der Zeit natürlich weiterentwickelt,

geht es immer noch um dieselben Gefühle. Meine erste Erinnerung an

ein Freiheitsgefühl beispielsweise ist der Mittwochnachmittag im Juli,

als nach dem ersten Schuljahr die Sommerferien begannen. Ich nahm

nach dem Essen eine Wolldecke mit nach draußen, legte mich ins Gras

und schaute nach oben. Plötzlich spürte ich ein Gefühl von Weite, das

ich bisher nicht gekannt hatte. Der Geruch der Decke, der Klang des

kleinen Flugzeugs über mir, die Aussicht auf damals unvorstellbar lange

sechseinhalb Wochen Ferien mit all den

Plänen, die ich hatte. Freiheit! Genau das

Gefühl, das gute Musik seither täglich in mir

ausgelöst hat.

O: Jeder Mensch besitzt eine Gabe. Welche

ist deine, Eleni, die SEA + AIR als ein

Standbein des Projektes fest damit verbindet?

EB: Musik erfahre ich am intensivsten

durch Bewegung. Das gehört für mich

zusammen. Wir Griechen tanzen sehr viel

und leidenschaftlich. Deswegen haben wir

ein natürliches Rhythmusgefühl. Das fließt

in unsere Musik ein. Natürlich bin ich mir

dessen bewusst, dass jeder eine andere Art

hat, Musik zu erfahren. Während Musik

für mich sehr körperlich ist, ist sie für viele

sehr visuell. Ich kann unsere Musik in diese

visuelle Sprache übersetzen, indem ich mir

Gedanken um die Hülle mache: den Look,

die Graphik. So können auch diejenigen

vielleicht unsere Musik verstehen, die nicht

sofort in die Klänge eintauchen können,

sondern andere Reize benötigen.

www.seaandair.net

Kerstin Müller

Orkus! - 41


„Wahrscheinlich ist das unserer guten

deutschen Erziehung geschuldet...“

Sonderlich gute Einzelhändler werden Martin Vorbrodt und Frank M. Spinath wohl nicht mehr. Nicht nur, dass

ihre Lieferfrist mit über sieben Jahren fast schon an sozialistische Zeiten erinnert, in denen man mindestens ebenso

lange auf ein Auto warten musste. Nein: selbst wenn die Ware in Form von Speak In Storms endlich eintrifft, ist

man beinahe geneigt, den einen oder anderen Track zu reklamieren. Doch bereits während man sich überlegt,

auf welchem Wege man das Gehörte beanstanden will, ist es um einen geschehen – spätestens nach dem dritten

Durchgang nisten sich die Stücke unweigerlich im Ohr ein.

Frank M. Spinath: Man braucht tatsächlich ein wenig

Anlaufzeit, um das Album in seiner Gänze zu erfassen. Es ist,

als ob wir das Album in ein Schaufenster legen, und der Hörer

möchte gern in das Geschäft, um es zu kaufen, denn die Lieder

wollen unbedingt gehört werden. Leider aber hat der Laden

geschlossen. Es ist immer ein wenig, als ob man Seabound

zunächst nur durch eine Scheibe hören würde, während man

darauf wartet, dass endlich Einlass gewährt wird.

Orkus: Eine sehr schöne und passende Metapher, doch

du hattest ja auch sieben Jahre Zeit, dir etwas zu überlegen.

Warum hat es bis zum Release von Speak In Storms so lange

gedauert?

FMS: Da kamen eine Menge Gründe und Ereignisse

zusammen, aber der Hauptgrund ist wohl, dass Martin in die

Staaten ausgewandert ist. Sein komplettes Leben umzutopfen

und sich zunächst in Los Angeles eine Existenz als Anwalt

aufzubauen, dauert einfach seine Zeit. Darüber hinaus hat

es später auch noch eine Menge zusätzliche Zeit in Anspruch

genommen, bis Martin sein ganzes Equipment über den

Großen Teich geschippert hatte.

O: Es war also zum Glück nie die Rede davon, das Kapitel

„Seabound“ zuzuschlagen?

FMS: Nein, überhaupt nicht, denn instinktiv wussten wir

beide, dass es irgendwann weitergehen wird. Und es war ja

auch nicht so, dass wir gar nicht aktiv gewesen wären. Wir

haben seit Double-Crosser einige Shows mit Iris oder auch De/

Vision gespielt, haben ein Live-Album veröffentlicht, und

ich hatte darüber hinaus noch meine Alternativspielplätze

mit Edge Of Dawn und Ghost & Writer. Und auch wenn

von Martin hin und wieder ein neuer Track oder eine neue

Idee kam, so nahmen die Arbeiten zu Speak In Storms doch

vor allem im letzten Jahr richtig an Fahrt auf, denn man kann

einfach kein homogenes Album veröffentlichen, für welches

man gerade mal zwei Songs pro Jahr geschrieben hat.

O: Dank Internet heutzutage zwar kein Problem mehr,

aber trotzdem interessant: Wie managt ihr den Prozess des

Songwritings bei der großen Distanz?

FMS: Das ist natürlich eine ganz andere Vorgehensweise als

beispielsweise bei Edge Of Dawn, denn Mario (Schumacher

– Anm.d.Verf.) und ich sitzen oft zusammen und daddeln

so lange, bis etwas Ansprechendes dabei herauskommt. Das

funktioniert bei Seabound nun naturgemäß nicht mehr, aber

da hat auch jeder sein Feld – mein Feld sind die Texte und

der Gesang, Martin ist für die Musik verantwortlich. Natürlich

mischen wir uns auch gegenseitig ein, aber dem Grunde nach

hat jeder seinen Freiraum. Ich denke, das ist eines der Rezepte,

warum es mit Seabound so gut funktioniert und warum unsere

Zusammenarbeit auch noch nie so entspannt und respektvoll

wie bei Speak In Storms war. Das Interessante ist, dass wir beide

so perfektionistisch veranlagt sind, dass wir eigentlich keinerlei

Ausschuss produzieren. Wahrscheinlich ist das unserer guten

deutschen Erziehung geschuldet: Das Werkstück muss zu Ende

bearbeitet werden! Wenn also etwas Ausschuss werden könnte,

dann wird es gleich in die Tonne geschmissen, und ansonsten

wird so lange herumgefeilt, bis es passt.

O: Wie man an Speak In Storms hören kann, scheint ihr den

richtigen Weg gefunden zu haben, und der erwähnte Freiraum

hat der Qualität der Lieder absolut nicht geschadet.

FMS: Also, wenn ich Martin zu 100 Prozent Freiraum

gewähren würde, hätten wir jetzt ein Album voller getragener

und elegischer Songs und Balladen. (lacht) Aber hin und

wieder tut Martin mir den Gefallen und bastelt auch was

für die Tanzfläche, denn auch wenn Seabound wohl eher der

introvertierte Bruder von Edge Of Dawn sein mag, sollte die

Mischung doch stimmen.

O: Neben der Musik gibt es wieder viele kleine, fiese und böse

Geschichten. Welche ist dir besonders ans Herz gewachsen?

FMS: Ich glaube, das ist wohl Black Feathers. Die Grundbilder

zu diesem Song sind mir nach einem Interview mit Clive Barker

gekommen. Man kennt ihn als Autor und Regisseur, aber seine

eigentliche Berufung ist das Malen. Wenn man sich seine

Gemälde und Bilder so anschaut, ist man durchaus geneigt,

dem zuzustimmen, auch wenn er schon eine Menge grandioser

Filme gedreht und Bücher geschrieben hat. So richtig ist mir

der Song dann aber durch den Remix, den HECQ für uns

42 - Orkus!


angefertigt hat, wieder aufgefallen. Der ist zwar überaus traurig geraten,

aber auf der anderen Seite auch extrem kraftvoll, und zusammen mit

dem Opener For Life bilden diese beiden Songs eine überaus passende

Klammer für dieses erwachsene Album.

O: „Erwachsen“ ist ein gutes Stichwort. Ein wenig ruhiger sind Seabound

schon geworden, oder?

FMS: Mit den ersten Sachen kann man Speak In Storms sicher nicht

vergleichen, denn da war ich noch am Songwriting beteiligt und hatte

die irrwitzige Idee, die neuen Camouflage werden zu wollen. Aber auch

wenn man im Herzen noch immer der 16-Jährige sein mag, hat man

doch als Familienmensch inzwischen eine ganz andere Sicht der Dinge

und muss sich mit andersgearteten Konflikten herumplagen. Die allzu

düstere Grundstimmung mag zwar inzwischen verflogen sein, aber an

ihrer Stelle steht nun eine subtilere, weniger greifbare Atmosphäre, bei

welcher auch ich nicht immer weiß, was am Ende herauskommen wird.

O: Und manchmal kann man solch einen Konflikt nicht so einfach lösen

und muss vielleicht lauter reden, um gehört zu werden...

FMS: ... oder man frisst es in sich hinein, und wenn es irgendwann

rausmuss, dann aber richtig. Das ist in etwa der Grundtenor von Speak

In Storms, aber allzu hoffnungsfroh ist er leider nicht geworden, denn es

gibt ein Bild im Booklet, von welchem ich glaube, dass es alles aussagt.

Auf diesem Bild steht ein Lautsprecher direkt am Meer und kämpft

sozusagen gegen die Brandung an. Aber gegen die Gewalt des Meeres

hat ein Lautsprecher, ganz gleich auf welche Lautstärke er aufgedreht ist,

natürlich keine Chance.

www.seabound.de

Lars Schubert

Photo: Claudia Schöne

Discographie (Alben):

No Sleep Demon (2001/2004)

Beyond Flatline (2004)

Double-Crosser (2006)

Come Forward (live, 2008)

Speak In Storms (2014)

Line-Up:

Frank M. Spinath – Gesang, Texte

Martin Vorbrodt – Musik

Daniel Wehmeier – Live-Schlagzeug

Orkus! - 43


„Auch tot geglaubte Träume

können sich wieder erheben...“

Eisenstein und Der Zar, das sind Uwe Schnelle und Thorsten

Mönch, die sich in einem Wiesbadener Gothic-Laden über den Weg

liefen. „Kennengelernt haben wir uns wohl 2009/2010, und dass

wir menschlich gut miteinander können, haben wir recht schnell

herausgefunden. Zeitweise sprach der eine die Gedanken des anderen

aus. Dies war teilweise schon erschreckend. Das Musikalische kam erst

wesentlich später zur Sprache“, dokumentiert die Bandstimme und fährt

fort: „Eines Morgens erhielt ich einen Anruf von Uwe, ob wir nicht

zusammen ins Tonstudio wollen, um Probeaufnahmen zu machen. So

entstand unser erster Titel Ein anderer Mensch. Wir haben dann schnell

festgestellt, dass da noch mehr Potenzial ist. Also begannen wir, unser

Album aufzunehmen. Es folgte der Song Herzpanzer. Und als wir zuletzt

Wir tragen Schwarz aufnahmen und somit unser Debut Aufgewacht zum

Abschluss brachten, sind doch eineinhalb Jahre ins Land gegangen.“

Doch wer glaubt, dass das alles ist, was dieses Gespann in Sachen Liebe

zur Musik zu sagen hat, der täuscht sich. Bereits von 1999 bis 2001

war Thorsten aktiv. „Dieses Projekt zerbrach aber aufgrund persönlicher

Differenzen. Ich begrub den Traum des Musikers erst einmal“, erklärt

der Sänger nachdenklich und fügt an: „Nun, auch tot geglaubte Träume

können sich wieder erheben, wie man sieht – und hört. Es war ein

wirkliches Erwachen. Eine echte Chance, das zu tun, wovon ich seit

Jahren träume.“ So ist Aufgewacht mehr als nur ein Versuchsobjekt. Um

Eisenstein und Der Zar der Schwarzen Szene zu präsentieren, braucht es

mehr als nur Verbundenheit zu ihr. Man muss dabei sein, um das Gefühl

leben, aufnehmen und weitergeben zu können: „In der Schwarzen

Szene bewege ich mich schon seit über zwei Jahrzehnten. Ich habe vieles

gesehen und erlebt in dieser Zeit. So bin ich mir und meiner Schwarzen

Community treu geblieben und denke, jetzt all dies in Form der Musik

weiterzugeben. Klingt wahrscheinlich ein wenig nach Testament... das

stimmt vielleicht auch. Denn wer macht sich nicht gern ein Stück weit

unsterblich? Ich denke, Uwe sieht das ähnlich. Auch er hat ein Leben

gelebt, das wir auf unsere Art gerne erzählen möchten. Ich glaube nicht,

dass ich etwas zurückgeben möchte, aber ich möchte etwas weitergeben

von dem, was ich erfahren habe. In dieser Szene fand und finde ich

immer noch jene Menschen, die immer ein bisschen anders sind als die

anderen. Dies war auch der Hintergrund für Wir tragen Schwarz. Es ist

absolut ernst gemeint und keinesfalls ironisch“, beschreibt Thorsten die

Herzensessenz, welche allen Mitgliedern von Eisenstein und Der Zar,

egal ob im Studio oder live, sowie ihrem Debut selbstredend zugrunde

liegt. „Es gab viel positive Resonanz auf unseren Erstling. Es macht mich

ein Stück weit stolz darauf, was wir bis hierher geleistet haben, und gibt

mir den Mut, für Euch alle weiterzumachen. Somit bleibt das schönste

Kompliment Eure Aufmerksamkeit, die jeder Einzelne mir und unserem

Projekt entgegenbringt.“

www.facebook.com/EisensteinDerZar

Kerstin Müller

Photos: Daniela Vorndran (www.black-cat-net.de)

Line-Up:

Thorsten Mönch – Gesang, Arrangements

Uwe Schnelle – Arrangements

Hansi Boer – Live-Schlagzeug

44 - Orkus!


album – 24.01.

„Lieder über Menschen,

die Wasser predigen und Wein trinken.“

album – out now

Vor nicht allzu langer Zeit schnappten sich God

Module ihr Ouija-Brett und hielten eine angenehm

spukige, dunkel-elektronische Séance ab. Wer aber

glaubt, dass Jasyn Bangert jetzt wieder in die gleiche

Kerbe haut, wird überrascht, kommt doch False Face

mit einer Menge straighter Beats daher, welche näher

am Eurodance der Neunziger als an den Horror

Disco-Sounds des letzten Albums liegen. Empfiehlt es

sich denn, das Publikum so zu verwirren? „Inzwischen

ist es doch gerade für Bands in der Schwarzen Szene

traurige Normalität geworden, Platten abzuliefern,

die dem Vorgänger ziemlich ähneln. Auch einige

meiner Lieblingsbands sind in diese Falle getappt,

und die Folge war, dass ich das Interesse an ihrer

Musik verloren habe. Für mich muss jedes meiner

Alben sein eigenes Wesen haben. Sollte dem nicht

so sein, sähe ich keinen Grund, weiterzumachen.

Lieber nehme ich in Kauf, die Hörer ein wenig zu

verwirren, als dass ich sie zu Tode langweile, wie es

manche Künstler heutzutage gerne tun“, erklärt Jasyn

den abermaligen Kurswechsel.

Obwohl das neue Werk beim ersten Eindruck

positiver anmutet, tun sich unter der Oberfläche

weiterhin Abgründe auf: „Die Stücke bleiben auf

einer persönlicheren Ebene noch immer sehr düster.

Die Texte stehen für mich zwar nicht über der

Tanzbarkeit, nehmen aber doch einen ähnlichen

Stellenwert ein. Als ich anfing, das Material zu

erarbeiten, habe ich mir keine Grenzen gesetzt. Weder

wollte ich spukige Nummern schreiben, noch sollten

die Tracks eingängiger werden. Mir war nur wichtig,

jene Dinge musikalisch auszudrücken, welche mich

im Moment beschäftigten, darum sind ein paar

echt intensive und emotionale Songs entstanden.

Natürlich ist False Face immer noch God Module,

denn das bin immer noch ich.“ Den Anstoß für

die Geschichten hat Jasyn durch seine Großmutter

erhalten. „Sie stammt aus einem ländlichen Gebiet in

den Appalachen von North Carolina. Früher hat sie

mir oft erzählt, dass man Kinder, die zu Halloween

Masken trugen, false faces nannte. Für mich war das

Anlass genug, Lieder über Menschen zu schreiben,

die Wasser predigen und Wein trinken. Leute, die aus

den seltsamsten Gründen lediglich eine bestimmte

Rolle spielen, anstatt einfach sie selbst zu sein. Man

trifft speziell in der Musikindustrie jeden Tag eine

Menge solcher Typen“, führt Jasyn aus.

Bei aller Überraschung ob des geänderten Kurses ist

er sicher, dass False Face endlich auch Europa erobern

kann. Abgesehen von einer Handvoll Clubhits,

scheinen God Module in hiesigen Playern bislang

ein wenig unterrepräsentiert... „Traurigerweise gibt

es genügend Menschen, die dem verrückten Trend

zum Opfer fallen und sich erst für eine Band zu

interessieren beginnen, wenn sie jemanden in einem

Shirt herumlaufen sehen, anstatt sich vorab eine

eigene Meinung zu bilden. Ich denke, mit unserer

neuen Scheibe werden wir mehr Aufmerksamkeit auf

dem europäischen und vor allem deutschen Markt

bekommen als mit den letzten zweien. Je mehr Leute

uns live sehen und hören, desto mehr werden merken,

dass es noch andere Musik gibt als den alten Mist, den

sie fast schon aus Gewohnheit immer wieder hören.“

Da mag Jasyn durchaus recht haben, und natürlich

spielt die Qualität eine wichtige Rolle, wobei von

False Face besonders jener Track im Gedächtnis

bleibt, der am ehesten aus dem Rahmen fällt – bei

Through The Noise steht Bühnenmitstreiter und

System Syn-Mastermind Clint Carney hinterm

Mikrophon. „Es war das erste Mal, dass Clint den

Gesang übernommen hat, ohne dass Courtney oder

ich mit von der Partie waren. Das Resultat ist wirklich

fabelhaft, und wer mich kennt, weiß, dass ich gern

ein Gegenstück zu meinen Vocals auf jedem Album

habe, um etwaiger Monotonie vorzubeugen. Through

The Noise gibt False Face noch mal eine ganz andere,

bessere Balance.“

www.godmodule.org

Lars Schubert

Discographie (Alben):

Artificial (1999/2004)

Empath (2003)

Viscera (2005)

Let’s Go Dark (2007)

Séance (2011)

False Face (2014)

Line-Up:

Jasyn Bangert – Gesang, Synthesizer, Programmierung

Courtney Bangert – Gesang, Live-Keyboard

Clint Carney – Gesang, Live-Keyboard

album – 28.02.

VANGUARD

album – out now

jetzt bestellen auf

conzoomrecords.de


„Das auf sich selbst zurückgeworfene

Individuum in einem absurden Kontext.“

Über gewohnte Routinen hinausdenken, sich dabei an die Grenzen des eigenen Geistes herantasten

und noch den einen gedanklichen Schritt weiter wagen. Eine Herausforderung, ein Experiment mit

interessantem Ausgang. In der Fortsetzung unseres Februar-Gesprächs mit Chiara und Martin soll es

neben ihrem Portrait aus Wut und Trauer betitelten aktuellen Album um die für Mantus vielleicht etwas

ungewöhnlichere, aber zu einer über Oberflächlichkeiten hinausdenkenden Szene gut passende Bonus-

CD Grenzland gehen.


Orkus: Stellen Wut und Trauer für euch

grundsätzlich negative Empfindungen dar, oder seht

ihr im Wütendsein und im Traurigsein auch positive

Aspekte?

Martin Schindler: Aber sicher sehe ich darin

positive Aspekte, allein schon, weil diese Gefühle

Ausdruck eines Lebens sind, welches teilhaben möchte

an der Welt und ihren Gestaltungsmöglichkeiten.

Ich finde es wichtig, sich selbst und sein Umfeld

sensibel betrachten zu können und die Fähigkeit

nicht zu verlieren, seine Gefühle zuzulassen, danach

zu handeln und sich zu behaupten. Jemand, der nicht

wütend ist, wird an den Dingen auch nichts ändern

können, und jemand, der nicht traurig ist, kann den

Wert der Dinge nicht als etwas Wertvolles betrachten.

Für mich persönlich haben Gefühle wie Wut und

Trauer zudem die Bedeutung, dass sie mir Kraft

spenden, mich sozusagen von innen reinigen, um

der Welt in der Art gegenübertreten zu können, wie

ich es für nötig erachte. Sie belasten mich also nicht

so sehr, wie man annehmen könnte, weil selten ein

konkreter Anlass dahintersteckt. Ich versuche die Welt

als Ganzes zu betrachten.

Chiara Amberia: Ich sehe gerade in Wut einen

wichtigen Handlungskatalysator. Und auch Trauer hat

ihre wichtige Berechtigung als Kehrseite der Medaille

„Liebe“. Es gibt kein echtes Glück ohne die Fähigkeit

zu wahrer Trauer.

O: Eines eurer neuen Stücke heißt Tränenpalast,

was zu Zeiten der DDR die Bezeichnung für die

Ausreisehalle an der Grenzübergangsstelle im Berliner

Bahnhof Friedrichstraße war. Hat euer Lied hierzu

einen Bezug, oder geht es ausschließlich um den

individuellen, inneren Tränenpalast?

MS: Nein, mit dieser Verbindung hat es rein gar

nichts zu tun. Aber jetzt habe ich auch noch etwas

dazugelernt. (lächelt)

O: Martin, die musikalische Ausrichtung des neuen

Materials hat in puncto Härte und Metal-Elementen

meines Erachtens noch einmal zugenommen. Ist

das der Thematik „Wut“ geschuldet, oder entspricht

es mehr und mehr dir persönlich, deiner Art, dich

ausdrücken zu wollen – oder, mehr noch: dem Gefühl,

wie es einfach aus dir rausmuss?

MS: Ja, es ist eine Mischung aus all diesen Gründen.

Im Laufe der letzten Veröffentlichungen hat sich die

Musik von Mantus mehr in diese Richtung entwickelt,

dass sie kraftvoller und manchmal auch wütender

daherkommt. Speziell bei diesem Album sind einige

schnellere Songs hinzugekommen, was bei Mantus ja

nicht so häufig passiert. Das ist dem Konzept und den

textlichen Inhalten geschuldet. Nach wie vor versuche

ich mir allerdings alle Türen offen zu halten, und so

kann es durchaus sein, dass ein nächstes Album wieder

sehr ruhig und bedächtig ausfällt. Aber grundsätzlich

stimmt es, dass mein Interesse an anspruchsvolleren

Songstrukturen zugenommen hat, und diese drücke

ich am liebsten durch harte Metal-Passagen im

Zusammenspiel mit sehr ruhigen, traurigen Parts aus.

O: Wir haben im ersten Teil unseres Interviews bereits

ein wenig über die Bonus-CD Grenzland geredet, die

ja von dir, Martin, alleine stammt. Siehst du denn

einen Zusammenhang zwischen Grenzland und der

auf dem regulären Album verarbeiteten „Wut und

Trauer“-Thematik? Ich finde beides thematisch wie

stilistisch sehr unterschiedlich.

MS: Nein, da ist kein Zusammenhang. Jedes der

beiden Werke steht für sich. Grenzland ist übrigens

schon 2008 entstanden. Ich hatte bisher nur keinen

passenden Rahmen für eine Veröffentlichung

gefunden.

O: Und wie kam dir damals die Idee zu Grenzland?

Gab es einen konkreten Auslöser, ein Erlebnis oder eine

Erfahrung?

MS: Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Ich

beschäftige mich generell und viel mit dem Thema

„Existenz“ – also das auf sich selbst zurückgeworfene

Individuum in einem großen, undurchsichtigen und

absurden Kontext. Grenzland ist der musikalische

Versuch, an die eigenen einsamen und gottverlassenen

Grenzen des Denkens vorzustoßen, um das Leben

und den vermeintlichen (Un-) Sinn des Lebens

herauszufordern, damit sich Einsichten herausbilden,

die einem sonst vielleicht verschlossen bleiben. Das

alles habe ich verbunden mit einem künstlerischen,

also erschaffenden Menschen, um so persönlich wie

möglich bleiben zu können.

O: Inwiefern musstest du für Grenzland auch deine

sonstige Arbeitsweise ändern? Was war eventuell eine

besondere Herausforderung bei der Umsetzung der

künstlerischen Ideen dahinter?

MS: Die unterschiedliche Herangehensweise lag darin,

dass ich mich vom grundsätzlichen Mantus-Sound

befreit habe, um dieses Album zu machen. Es finden sich

sehr viele ungewöhnliche Klänge von ungewöhnlichen

Instrumenten auf dieser CD, weil die Atmosphäre im

Vordergrund steht, und nicht die einzelnen Songs.

Dann gibt es eine Reihe von elektronischen Klängen,

die bei Mantus sonst nie zum Einsatz kommen würden

und eher an Black Heaven erinnern. Ungewöhnlich

war für mich auch die Einbindung von ausschließlich

gesprochenem Text, der im Vorfeld nicht auf die Musik

abgestimmt war. Das heißt, die einzelnen Stücke

sind erst im Nachhinein zu einer Form gekommen.

Ich wollte keine reinen Gedichtvertonungen

aufnehmen, aber auch kein Hörspiel. Grenzland ist

also ein Experiment, weil ich diese Art vorher noch nie

gemacht habe. Vor knapp 15 Jahren war Mantus ein

kopflastiges Studioprojekt, und die Lyrics standen klar

im Vordergrund. Bei diesem Hörstück komme ich auf

den ursprünglichen Charakter zurück.

O: Warum wird dem Käufer von Portrait aus Wut und

Trauer auch die Grenzland-CD gefallen?

MS: Ehrlich gesagt, ich weiß wirklich nicht, ob

dieses Album Anklang findet. Es ist für mich also sehr

spannend. Ich glaube, manche werden es sehr mögen,

und manche werden damit wenig anfangen können,

weil sie keinen Zugang dazu finden. Daher war für

mich die Form einer Bonus-CD auch sehr passend,

da es einen weiteren, sehr persönlichen Einblick in

den Mantus-Kosmos liefert, der aber bestimmt nicht

jedermanns Sache ist.

www.mantus.de

Axel Schön

Discographie (Alben):

Liebe und Tod (2000)

Abschied (2001)

Fremde Welten (2002)

Weg ins Paradies (2003)

Ein Hauch von Wirklichkeit (2004)

Zeit muss enden (2005)

Requiem (2009)

Demut (2010)

Die Hochzeit von Himmel und Hölle (2010)

Zeichen (2011)

Wölfe (2012)

Portrait aus Wut und Trauer (2014)

Line-Up:

Martin Schindler – Texte, Musik, Gesang, Instrumente

Chiara Amberia – Gesang


„Flughäfen und leere Flaschen, das ist meine Existenz.“

Daniel Graves meldet sich nach rund drei Jahren mit seinem vierten Studioalbum ’Til Death zurück: dem ersten, das er ohne fremde

Hilfe geschaffen hat. Momentan ist der sympathische, aus Hollywood stammende Musiker mit Faderhead auf Tour und wird auch in

Deutschland Halt machen. Wir sprachen mit ihm ausführlich über die Konzertreise und seine wiederkehrende Nervosität, über sein

neues Werk und vieles mehr.

Orkus: Hallo Daniel! Wie waren die letzten Monate für dich?

Daniel Graves: Einfach verrückt. Ich kann mich gar nicht mehr an

alles erinnern, was passiert ist. Aber es war in den letzten fünf Jahren

kaum anders. Mein gesamtes Leben war so irre. Musik schreiben, auf

Tour gehen, eine Flasche Wodka trinken, heimgehen, Musik schreiben,

die Presse belügen, auf Tour gehen, Wodka trinken. Flughäfen und leere

Flaschen, das ist meine Existenz.

O: Aktuell ist ja auch eine sehr spannende Zeit. Die Tour mit Faderhead

hat gerade begonnen.

DG: Genau, wir sind im typischen Vor-der-Tour-Wahnsinn. Packen.

Entscheiden, welche Songs wir spielen. Trinken. Sich von Familie und

Freunden verabschieden. Noch mehr packen. Dann noch mehr trinken.

Ich fliege morgen los, um mich bei der Tourparty in Hamburg einzufinden.

Und dann geht es ab nach Antwerpen.

O: Bist du bei bevorstehenden Tourneen noch aufgeregt?

DG: Nein, ich habe Angst. Ich war seit so vielen Monaten nicht mehr auf

Tour. Wenn ich daran denke, fangen meine Handflächen an zu schwitzen,

und mein Herz beginnt zu rasen. Ich fühle mich immer so, wenn ich

lange nicht auf der Bühne gestanden bin. Es wird auch immer schlimmer,

besonders wenn die ersten Termine näher rücken. Beim ersten Auftritt,

wenn das Intro erklingt, fühle ich mich richtig benommen, fast so, als

müsste ich in Ohnmacht fallen. Aber wenn ich dann den ersten Schritt

auf die Bühne setze und das Publikum sehe, den Rauch riechen und das

Mikrophon in meiner Hand spüren kann, schmilzt all diese Angst dahin,

und ich fühle mich, als wäre ich nach Hause gekommen.

O: Hat es für dich mal einen ganz besonderen Moment bei einem Auftritt

gegeben?

DG: Mein Lieblingsgig war vor einigen Jahren auf dem Amphi Festival.

Wir hatten bereits um 13 Uhr einen einstündigen Slot und Sorge, dass

niemand kommen würde. Ich wachte auf, völlig fertig und gestresst. Ich

kümmerte mich nicht mal darum, die Bühne zu checken. Ich hab’ mir

nur eine Flasche Wodka geschnappt, um meinen Kater zu vertreiben.

Als man uns aufrief, nahmen wir noch unseren traditionellen Wodka

Shot. Wir wurden von mehr als 5.000 Fans begrüßt, und da wurde mir

schlagartig klar, dass wir komplett falschgelegen hatten. Meines Erachtens

spielten wir dort eine unserer besten Shows. Die Verbundenheit zwischen

dem Publikum und mir war schier unglaublich. Dieser Moment hat sich

für immer in mein Hirn eingebrannt. Davon werde ich bestimmt noch

erzählen, wenn ich 80 bin.

O: Bei der Produktion von ’Til Death gab es eine völlige Neuerung...

DG: Ja, das ist das erste Album, an dem ich vollkommen alleine gearbeitet

habe. Früher habe ich Profis und auch Freunde in meine Arbeit integriert,

war jedoch nie ganz zufrieden. Ich will nicht behaupten, dass sie keinen

guten Job geleistet hätten, aber ich musste immer Kompromisse schließen.

Dieses Mal gab es keinen Kompromiss. Ich hab’ mich entschieden – ob das

nun gut oder schlecht war, ist egal –, dass ich es selber mache und es meine

Erfahrung werden lasse. Genauso trage ich allein die Konsequenzen. Und

ich darf sagen: das Album ist zwar nicht perfekt – nichts kann das je sein

–, aber in meinem Kopf doch so nah dran, wie es nur geht.

O: Mach uns ein wenig neugierig: Was darf der Hörer erwarten?

DG: Ich denke, wer Aesthetic Perfection kennt, weiß, dass er das

Unerwartete erwarten muss. Wenn jemand eines meiner Alben zum ersten

Mal hört, dann möchte ich, dass es sich anfühlt, wie wenn man in einen

Pool voller Eiswasser springt. Es soll ein Schock sein, der ohne Vorwarnung

überrascht. ’Til Death ist definitiv ein Werk, wie ich es noch nie zuvor

gemacht habe. Es ist melancholisch und melodisch. Mein Markenzeichen,

die Wut, schlägt Dir diesmal nicht direkt ins Gesicht, sie blubbert unter

der Oberfläche.

O: Versuch das Album bitte mit einem Satz zu beschreiben.

DG: „Diese heftigen Entzückungen nehmen gemeiniglich ein plötzliches

Ende, und sterben in ihrem Triumph; wie Feuer und Pulver, die sich,

indem sie sich begegnen, verzehren.“ (William Shakespeare, Romeo und

Julia)

O: Erzähl’ uns etwas über die Titelwahl. Wie bist du darauf gekommen?

DG: Im Jahr 2010 besuchte ich Mexico City. Als ich durch die Straßen

lief, kam ich zu einem Basar, der jeden erdenklichen Krimskrams anbot.

Eine Sache erregte meine Aufmerksamkeit: ein kleines Kästchen mit den

Skelettfiguren eines Hochzeitspaares. Das fand ich romantisch und sehr

schön. Ich hab’ die Schachtel als Geschenk für meine Frau gekauft. Sie

stellte sie in unserer Wohnung auf, und während ich das neue Material

schrieb, hatte ich das Pärchen immer im Blick. Das hat mich inspiriert

und letztlich zum Namen ’Til Death geführt. Das Cover ist ein Bild von

meiner Frau und mir. Wir haben diese Szene der heiratenden Skelette

nachgespielt.

O: Bist du privat eher der traditionelle Typ, oder könntest du dir eine

etwas andere Hochzeit auch gut vorstellen?

DG: Meine eigene Hochzeit war nicht traditionell. Ich bin kein

traditioneller Typ. Ich schätze das Einzigartige. Vielleicht können meine

Frau und ich unser Gelübde ja eines Tages erneuern, mit Schminke und

Kostümen in einer riesigen Kiste. Da hast du mich auf was gebracht. Das

ist wirklich keine schlechte Idee!

O: Was kannst du über die Songinhalte verraten?

DG: Mir scheint, es ist besser, die Musik für sich selber sprechen zu lassen.

Lass die Stücke ihre eigene Geschichte erzählen. Oder, besser: lass sie die

Geschichte erzählen, die Dein Geist kreiert, wenn er die Lieder hört. Bei

Kunst gibt es keine eindeutige Erklärung, nur subjektive Interpretationen.

Wie könnte ich sagen, dass Deine Interpretation falsch ist? Das ist gerade

das Schöne... es kann sein, was immer Du willst.

O: Die Texte stammen also alle von dir?

DG: Ja. Ich würde aber nie behaupten, dass ich „Konzeptwerke“ schreibe.

48 - Orkus!


„Das ist gerade

das Schöne...

es kann sein,

was immer

Du willst.“

Ich bin ja nicht Pink Floyd oder David Bowie. Jedes

Album ist ein Schnappschuss von dem Mann, der ich

gerade in dem Moment war, als ich das Album gemacht

habe. Ich arbeite genauso lange an den Lyrics wie an der

Musik. Mir ist beides gleich wichtig. Ich hab’ versucht,

über Phantasien oder Blödsinn zu schreiben, aber das

funktionierte für mich nicht. Meine Inspiration ist mein

Leben.

O: Zu drei Tracks wurden bereits Videos gedreht. Triffst

du die Entscheidungen?

DG: Ja, für The Dark Half, Antibody und Big Bad Wolf.

Ich möchte gerne behaupten, dass ich die Singles danach

auswähle, wie ich sie empfinde. Doch das ist nicht wahr.

Ich habe Antibody als erste Auskopplung erkoren, weil

ich es zu jener Zeit für das „szenefreundlichste“ Stück

von ’Til Death hielt. Ich wähle solche Lieder, von

denen ich glaube, dass die Leute sie am meisten mögen

werden. Die Ironie dabei ist, dass der Song auch mit

viel Feindseligkeit aufgenommen wurde. Ich dachte,

den Leuten würde der Track gefallen, weil er... na ja, in

meinen Ohren... sehr „Industrial“ geklungen hat. Doch

da lag ich wohl falsch. Aber ich denke trotzdem, dass

es die richtige Wahl war. Denn etwas Kontroverses ist

immer noch besser als Nummer sicher.

O: Wir haben gehört, dass es noch ein zweites

musikalisches Projekt von dir gibt?

DG: Ich schreibe Musik unter einem Pseudonym,

welches ich niemals jemandem verraten werde. Ich

will mich in einer Art Vakuum entwickeln und keinen

Erwartungsdruck aufkommen lassen. Ich habe ganz

am Anfang begonnen. Ich genieße es, Shows vor einem

Publikum zu spielen, das mich nicht kennt. Gut getarnt,

sodass es jedem unmöglich ist, mich zu erkennen, selbst

wenn er es sonst könnte.

O: Jetzt wünschen wir dir alles Gute für die Reise und

freuen uns auf die Konzerte in Deutschland.

DG: Danke! Wir sind noch nie durch Europa getourt,

ohne Deutschland zu besuchen. Das wäre schon fast ein

Ding der Unmöglichkeit. Also werden wir auch dieses

Mal zurückkehren!

www.aesthetic-perfection.net

Manuela Ausserhofer

Photos: Michelle Star

Discographie (Alben):

Close to Human (2005)

A Violent Emotion (2008)

All Beauty Destroyed (2011)

’Til Death (2014)

Line-Up:

Daniel Graves – Musik, Gesang

Elliot Berlin – Live-Keyboard

Tim Van Horn – Live-Schlagzeug

50 - Orkus!


Das germanische

Götterorakel

ab April 2014 im Handel!

Voenix

Weltenesche Eschenwelten

Das germanische Götterorakel und Nachschlagewerk

608 Seiten, 90 Abb., 17 x 24 cm, Gebunden, 25.00 €

Ein ausführlicher Einblick in den mythischen Götterpantheon

der Germanen. Mit zahlreichen Entsprechungen

wie z.B. Runen, Tarot, Pflanzen, Götter anderer

Kulturen etc.

Edition Roter Drache, Haufeld 1, 07407 Remda-Teichel

www.roterdrache.org


Immer wieder ein Thema für heiße Diskussionen ist Nachtmahr. Bei

Erscheinen eines neuen Albums noch mehr. Das neue Album heißt Feindbild.

Thomas Rainer stellte sich unseren Fragen. Darunter auch ein paar kritische

und unbequeme...

Orkus: Was ist aus Ihrer Sicht an dem neuen Werk Feindbild

anders als bei den Vorgängerwerken?

Thomas Rainer: Der Weg von einem Projekt, dessen Maxime

es ist, die Leute tanzen zu sehen, zu einer ernst zu nehmenden

Band mit wichtigen Inhalten, der mit Veni Vidi Vici begonnen

wurde, findet mit Feindbild seinen Abschluss. Nachtmahr ist

quasi „erwachsen“ geworden und aus dem Schatten der reinen

Tanzflächenorientierung herausgetreten. Bei diesem Album lag

ein noch deutlich stärkerer Fokus auf klassischem Songwriting,

großer Abwechslung in der Harmonik sowie einem möglichst

facettenreichen Gesang und Sounddesign, ohne natürlich die

bandeigenen Attribute und Stärken zu vernachlässigen. Die „Härte“

dieses Albums ist wesentlich subtiler als

bei seinen Vorgängern.

O: Das Stück Die Fahnen unserer Väter...

ist dies etwa ein Antikriegslied?

TR: Es beschäftigt sich konkret mit

dem österreichischen Widerstand gegen

die deutsche Besatzungsmacht im

Zweiten Weltkrieg und ist sowohl ein

flammendes patriotisches Bekenntnis

für meine Heimat als auch ein Statement

gegen die Gräuel dieses Krieges.

O: In welchem Zusammenhang

oder Gegensatz stehen die Bilder im

Artwork, da diese ja doch gewaltvoller,

gewaltverherrlichend sind...?

TR: Das Artwork ist im Kontext

des Titels zu sehen. Ich wollte eine

dystopische Vision dessen zeichnen

(lassen), was geschehen würde, wären

wir tatsächlich so durchtrieben

böse, wie uns zugeschrieben wird.

Es ist also eine durchaus ironische

Selbstdämonifizierung, die auf den

Bildern im Artwork stattfindet. Die bis

zur Groteske überzeichnete Gewalt und

Härte des Artworks ist mit einem Augenzwinkern zu sehen, ähnlich

den Stilmitteln, die in Splatterfilmen verwendet werden.

O: Welche zwei Stücke sind Ihrer Meinung nach inhaltlich die

beiden tragendsten – und warum?

TR: Natürlich wäre hier das Titelstück zu erwähnen, da in diesem

textlich die wahren Motive derer, die uns in die Verdammnis

wünschen, entlarvt werden, und Feindbild einen Erklärungsversuch

liefert, wie Feindbilder an sich entstehen. Weiters möchte ich The

Torch erwähnen, welches ein Bekenntnis zu unseren Fans darstellt

und auf zahlreichen Zuschriften basiert, die auf eindrucksvolle

Weise geschildert haben, wie ihnen die Musik von Nachtmahr in

dunklen Stunden Kraft und Antrieb gegeben hat.

O: Äußern Sie sich in Stehend sterben etwa konsumkritisch?

TR: Nicht nur konsum-, sondern auch gesellschaftskritisch! Ich

war immer jemand, der seinen eigenen Weg gegangen ist, obwohl

es in vielen Lebenslagen wesentlich einfacher gewesen wäre, dem

Herdentrieb zu folgen und blind dem nachzueifern, was einem

vorgepredigt wird, was gut und richtig ist. In dieser Szene ist es

leider mittlerweile nicht anders. Wer nicht dem Schema entspricht,

das erwartet wird, der wird ausgegrenzt und angefeindet – genau

das, was uns als Band auch passiert.

O: In Feindbild singen Sie ja davon, dass Sie jemandes Feindbild

sind. Wer ist Ihr Feindbild?

TR: Ein Feindbild zu haben, ist definitiv nichts Erstrebenswertes,

da die Erschaffung eines solchen auf Zuschreibungen basiert, die

aus eigenen Unzulänglichkeiten entstehen. Es ist ein Zeichen

davon, dass man die Schuld für die eigene unangenehme Situation

oder das eigene Scheitern jemand anderem zuschreibt, anstatt die

Gründe dafür in sich selbst zu suchen. Da

ich ein sehr selbstkritischer Mensch bin, der

immer zuerst die Schuld an Problemen bei

sich selbst sucht, widerspricht dies in allen

Maßen meinem Naturell.

O: Werden Sie zukünftig noch Gastspiele

in Berlin geben? Oder haben Sie einen Plan,

wie Sie dank Ihrer Cover-Version von I

Hate Berlin unversehrt aus der Konzerthalle

wieder rauskommen wollen?

TR: Wir spielen am 10. Mai in Berlin. Wer

sich genau mit dem Text beschäftigt, wird

schnell feststellen, dass sich hinter dem

zugegebenermaßen provokanten Titel gar

kein „Anti-Berlin“-Lied versteckt. Wäre

dem so, hätte ich bestimmt auch meine

Probleme gehabt, Frl. Plastique, die ja

Wahlberlinerin ist, zu einem Duett zu

überzeugen.

O: Ihre Facebook-Seite ging kürzlich „off“?

TR: Leider gibt es da draußen einige Bands

und deren Fans, die uns den Erfolg aus

verschiedensten Gründen nicht gönnen

und es nicht wahrhaben wollen, dass wir

ohne ihren Segen so weit gekommen sind.

Das führte dazu, dass unsere Seite exzessiv bei Facebook gemeldet

wurde, was zu einer routinemäßigen Sperrung – ohne vorherige

Prüfung der Sachverhalte – führte. Gott sei Dank ließ sich das

Problem aufgrund unserer hervorragenden Kontakte nach Silicon

Valley schnell und unbürokratisch wieder beheben.

O: Warum sollte man sich mit Feindbild beschäftigen?

TR: Ich denke, dieses Album kann bei denen, die uns kritisch

gegenüberstehen, für ein Umdenken sorgen, wenn sie sich näher

damit beschäftigen. Für unsere Fans ist es eine bedeutende

Weiterentwicklung der Band, die Facetten zeigt, die man selbst als

interessierter Liebhaber von Nachtmahr so nicht erwartet hätte.

www.nachtmahr.at

Marc Frei

Discographie (Alben):

Feuer frei! (2008)

Alle Lust will Ewigkeit (2009)

Semper Fidelis (2010)

Veni Vidi Vici (2012)

Feindbild (2013)

Orkus! - 53


„Da ist viel Glamour und Sex verloren gegangen.“

Es gab in den Achtzigern nur wenige Independentlabels, die das popmusikalische Geschehen so dominierten wie Zang Tuum Tumb

(benannt nach einem Geräuschgedicht des Künstlers Filippo Tommaso Marinetti). 1983 gegründet von dem Produzenten Trevor

Horn und dem Journalisten Paul Morley, wurde ZTT bald zum Synonym für perfekten Pop – seine Acts, wie Frankie Goes To

Hollywood oder Propaganda, dominierten die Charts. Für das Bild und die Strategien des Labels war hauptsächlich Paul Morley

verantwortlich. Zeit, zum 30-jährigen Jubiläum einen Blick zurück zu werfen.

Orkus: Zu Beginn schien es so, als sei das Konzept wichtiger als die

Künstler...

Paul Morley: Ohne Zweifel ist da was dran. Es war anfangs eine

Kombination aus dem Produzenten Trevor Horn, auf den ich vor allem

wegen seines Albums für Malcolm McLaren aufmerksam wurde, und mir,

dem kulturbeflissenen Journalisten und Theoretiker. Für mich war es eine

einmalige Gelegenheit, meine Konzepte und Phantasien über Pop-Musik

konsequent auszuleben. So hatten wir schon ziemlich genaue Vorstellungen,

wie wir das Label gestalten, ehe auch nur eine einzige Band unter Vertrag

genommen war.

O: ZTT besaß von Anbeginn eine unverwechselbare Identität, zu der auch

das perfekte Marketing (man erinnere sich an die diversen „Frankie“-T-

Shirts) und ein philosophischer Überbau gehörten. Neben British Electric

Foundation, 4AD oder Factory Records war es in den Achtzigern eines der

wenigen streng konzipierten Labels, die Maßstäbe setzten.

PM: Das Konzept war der Leitfaden. Ich habe von einem Label geträumt,

das, ähnlich wie zum Beispiel Factory, als eine Multimediakooperation

funktioniert. Zugleich war ich von der Idee begeistert, Pop-Musik als

massentaugliches Transportmedium für ausgefallene, subversive Ideen

zu benutzen. Mir gefiel der Mechanismus, wie Pop-Musik funktioniert.

Und obwohl Trevor und ich sehr unterschiedliche Typen mit einem völlig

verschiedenen Background sind, glaubten wir beide an die Kraft und

Wirkung des Pop. Zugleich hatten wir das große Glück, dass zu jener Zeit

gerade die ersten Sampler – etwa der Fairlight – auf den Markt kamen und

wir die Möglichkeit hatten, dieses Instrument einzusetzen. Es war geradezu

ideal, um meinen Phantasien Leben zu geben. Das Label hat sehr schnell eine

eigene Identität bekommen, die Leute liebten oder hassten es.

O: Als ZTT gegründet wurde, war „Pop-Musik“ nach Jahren wieder dabei,

zu einem wertigen Begriff zu werden. Bands wie ABC, Soft Cell oder The

Human League hatten bereits erfolgreiche Vorarbeit geleistet. Heute erinnern

die Charts leider fatal an die Zeit vor der großen Pop-Revolution in den

Achtzigern. Glaubst du, dass ein Konzept und Label wie ZTT heute noch

funktionieren würde?

PM: Ich war immer an Pop-Musik interessiert, die einerseits großspurig,

auffallend ist, aber zugleich auch einen subtilen, intellektuellen Charakter

besitzt. Es gibt heute viele Bands, die ich mir gut hätte auf ZTT vorstellen

können. Daft Punk zum Beispiel besitzen diese Elemente. Sie sind clever,

haben ein gutes Konzept und präsentieren sich auf ungewöhnliche Weise.

Der Geist, Pop-Musik groß, aber surreal zu präsentieren, existiert nach wie

vor, es gibt also eine Weiterentwicklung. Wenn wir damals das Internet

gehabt hätten, wären wir noch effektiver gewesen; andererseits war unser

Coverartwork wie eine akustische Website. Wir haben schon damals sehr viel

mit Branding, Kommunikation und Style gespielt. Das Fatale ist, dass, als das

Internet kam, die Vinyl-Platte fast völlig verschwand. Man kann nie beides

haben. Ein anderer Punkt ist, dass für uns die Charts damals der Heilige

Gral waren. Heute sind die Charts völlig irrelevant, es hat der Musikindustrie

bloß noch niemand gesagt. Früher haben die Leute Platten gekauft und nicht

heruntergeladen und auf ihrem Computer abgespeichert. Dadurch ist auch

viel Glamour und Sex verloren gegangen.

O: Dabei repräsentierte ZTT nie allein den puren Pop, sondern besaß mit

seiner Hausband Art of Noise oder Andrew Poppy Künstler, welche durchaus

der Avantgarde zugerechnet werden dürfen.

PM: Es gab mehrere Aspekte, die wir verfolgten. Vom dreiminütigen Pop-

Stück bis zur obskuren Avantgarde sollte alles abgedeckt sein, was sich

54 - Orkus!


unter dem Begriff „Pop“ vereinen lässt. Durch den großen Erfolg von

Frankie Goes To Hollywood bekam ZTT schnell den Ruf, eine reine

Hitmaschine zu sein, doch das war nie unsere Intention. So gesehen,

waren wir froh über den Erfolg und das Renommee von Art of Noise,

denn das war die Richtung, die wir wirklich verfolgten. Dank der

neuen Technologie hatten wir die Chance, einen völlig neuen Typus

von Band zu kreieren. Der massive Erfolg hat komischerweise auch

verhindert, dass einige Künstler zu uns gekommen sind. Yello, Bronski

Beat, DEVO, Front 242 oder Billy Mackenzie hätte ich gern auf ZTT

gesehen.

O: Die Hochphase von ZTT war spätestens mit der Veröffentlichung

von Grace Jones’ Slave To The Rhythm (1985) vorbei. Zwar hatte das

Label mit Seal, Tom Jones oder Lisa Stansfield auch danach noch große

Hits, doch der Pioniergeist und das Konzept verschwanden mit dir...

PM: Ich war nur bis circa 1985 an dem Label interessiert. Danach war es

immer schwieriger, in meiner Rolle als Theoretiker den ursprünglichen

Geist aufrechtzuerhalten. Die Essenz wurde in den ersten drei Jahren

geliefert. So ist das beim Pop auch üblich. Während einer sehr kurzen

Spanne brennt man vor Ideen und verwirklicht Konzepte, die schnell

ihr Eigenleben entwickeln. Und dann ist die Luft raus. Ich wollte weg,

bevor die Luft raus ist.

www.ztt.com

Ecki Stieg

Discographie (Auswahl):

Art of Noise Into Battle with the Art of Noise (1983)

Frankie Goes To Hollywood Welcome To The Pleasure Dome (1984)

Art of Noise (Who’s Afraid of?) The Art of Noise! (1984)

Propaganda A Secret Wish (1985)

Propaganda Wishful Thinking (1985)

Frankie Goes To Hollywood Liverpool (1986)

808 State ex:el (1991)

808 State Gorgeous (1993)

The Frames D.C. Fitzcarraldo (1995)

808 State Don Solaris (1996)

The Frames Dance the Devil... (1999)

Claudia Brücken Combined (2011)

The Art of the 12“ (2011)

The Art of the 12“, Volume Two (2012)

The Art of the 12“, Volume Three (2014)

The Organisation of Pop (2014)

Orkus! - 123


Plattentipps

Top 5

... das Orkus!-Album

des Monats

Björn Springorum

1. Sólstafir

Runaway Train (Track)

2. Alela Diane

The Pirate’s Gospel

Isabell Köster

1. Villieläin

Julma Satu

2. Avatarium

Avatarium

3. Agnes Obel

Aventine

3. Kuolemanlaakso

Tulijoutsen

4. City and Colour

The Hurry and the Harm

4. Grand Magus

Triumph and Power

5. hundreds

AFTERMATH

5. Lumsk

Det Vilde Kor

Axel Schön

1. Mantus

Portrait aus Wut und Trauer

Doreen Krase

1. Die KAMMER

Be Careful (Track)

2. The Beauty of Gemina

Ghost Prayers

2. Birdy

Wings (Track)

3. Merciful Nuns

Exosphere VI

3. Diary of Dreams

Elegies in Darkness

4. Joy Shannon & the Beauty Marks

The Oracle

4. Lana Del Rey

Summer Wine (Track)

5. The Dresden Dolls

Yes, Virginia...

5. Cat Stevens

If You Want To Sing Out, Sing Out (Track)

Tuomas Holopainen

The Life And Times Of Scrooge

CD (Nuclear Blast/Warner)

vorauss. 11.04.2014

Anrührendes Soundtrackmeisterwerk

Er ist mehr als nur ein bisschen zu beneiden: Tuomas Holopainen ist der wahre Peter Pan. Der

Junge, der nie erwachsen werden muss und sich all die Wünsche erfüllen kann, welche er schon

so lange in seiner Brust trägt. Der Nightwish-Kinofilm war solch ein Wunsch, dieses Projekt ist es

noch viel mehr. Als einem der größten Disney-Fans auf diesem Planeten schwebte Holopainen

bereits zum Ende des 20. Jahrhunderts die Vertonung eines ganz besonderen Comics vor: The Life

and Times of Scrooge McDuck, ein Abenteuer rund um unser aller reichen Erpel Dagobert Duck. Für

Tuomas das Buch, das er auf eine einsame Insel mitnehmen würde – und das dank seiner

meisterhaften Hand jetzt auch einen umwerfenden Soundtrack erhält. In ausladenden, epischen

Melodien präsentiert Holopainen die Geschichte, erweist sich als begnadeter Scoreschreiber und

erschafft ein Werk, das mühelos jeden Hollywoodblockbuster untermalen könnte. So zahlreich die

Instrumente, so zahlreich die Stimmungen auf dem Album. Schottische Dudelsäcke, Wildwestfeeling,

düstere Chöre, Wälle von Streichern, markige Percussions, eine wettergegerbte Erzählstimme und

jener spezielle Zauber, der seit jeher auch das Nightwish-Oeuvre umweht. The Life And Times Of

Scrooge ist aber alles andere als ein rein orchestrales Nightwish-Album. Es ist ein Abenteuer für

sich, ein Vorstoß in neue Welten, der Tuomas Holopainens wahres Genie zeigt.

Björn Springorum

Claus Müller

1. Laibach

Spectre

2. Aesthetic Perfection

’Til Death

3. Alfahanne

Alfapokalyps

4. SEA + AIR

My Heart’s Sick Chord

5. Frequency Drift

Over

Lars Schubert

1. Oomph!

Wunschkind

2. Nils Frahm

Spaces

3. Aesthetic Perfection

’Til Death

4. THYX

Super Vision

5. Moonspell

Wolfheart

Nadine Ahlig

1. Within Temptation

Hydra

2. Sonata Arctica

Pariah’s Child

3. Subway to Sally

Mitgift

4. Welle: Erdball

Tanzmusik für Roboter

5. Savatage

Edge Of Thorns

Manuela Ausserhofer

1. Lisa Morgenstern

Amphibian

2. Alcest

Shelter

3. The Unguided

Fragile Immortality

4. Placebo

Loud Like Love

5. Butcher Babies

Goliath


Mitsing- und Ohrwurmcharakter. Day to Die, das

schlichtweg unter die Haut geht und ein Liebling der

„Repeat“-Taste wird. Aber auch Why oder No Good

Place, die einem fast das Herz zerreißen. Lass Dich von

der „Schwarzen Fähre“ in düstere Gefilde entführen.

Es warten Spannung, Leidenschaft, Ausgelassenheit

und ein wenig Melancholie! Die CD kann bei shop@

black-ferry.com bestellt werden.

Kerstin Müller

Alfahanne

Alfapokalyps

CD (Plastic Head/Soulfood)

vorauss. 28.02.2014

Ein gnadenloser Schlag aus

Schweden

Alfahanne könnte man als das lang ersehnte Baby der

skandinavischen Metal-Szene bezeichnen. Oder

vielleicht doch als die Geburt des befürchteten

Antichristen? Sie sind gnadenlos, energisch und setzen

sich keinerlei Grenzen. Sie vermischen Old School-Black

Metal im Stil von Darkthrone mit Elementen aus dem

Dark Wave, Gothic, Punk und auch Hard Rock

beziehungsweise Heavy Metal. Dafür holen sie sich

Unterstützung bei diversen Szene-Größen. So

bereichert Hoest (Taake) Såld På Mörkret gekonnt durch

seine Vocals. Auch Vgandr (Helheim) ist mit von der

Partie und verleiht Indiehora seinen eigenen Esprit.

Besonders spannend ist der Opener Bättre Dar, der

Verstärkung durch Niklas Kvarforth von Shining genießt,

mit denen Alfahanne bereits eine Split veröffentlicht

haben. Alles in allem erwartet den Hörer originelles

Material, welches eine perfekte Einführung in das

Schaffen dieser Ausnahmetruppe um Fronter Pehr

Skjoldhammer bietet. Wir wollen mehr! Sehr genial!

Manuela Ausserhofer

Beata Beatrix

The New Gothic Generation

CD (Wave/Audioglobe)

bereits erschienen

Die ganze Bandbreite des Gothic

Was als eine Idee im Jahr 2000 anfing, führte – nach

einigen Umbesetzungen – 2010 zur Veröffentlichung

des Debuts In the Garden of Ecstasy. Bandgründer

Crowley werkelte mit Sängerin Hatria sowie Ricy Trix,

der neben den Gitarren auch für die Arrangements

zuständig ist, am Nachfolger The New Gothic

Generation. Der Hörer wird hier auf eine Zeitreise

mitgenommen, denn das Album beinhaltet die

vergangenen 30 Jahre der Schwarzen Musik. Mal

kommen zarte Gitarren und Glocken melancholisch zum

Tragen, mal finden sich Electro-Beats oder schrammige

Achtziger-Sounds. Durch den Gesang und die

Kompositionen ist man bei einem Track im Gestern und

beim nächsten schon wieder im Heute. Mit

Tanzflächenstürmern und nachdenklichen Elementen

ist The New Gothic Generation alles in allem eine

wirklich runde Sache!

Kerstin Müller

Black Ferry

Waiting for Harpies

CD (Eigenproduktion)

bereits erschienen

Düsterrock mit Tiefgang

Die sechs Bielefelder – fünf Herren und eine Dame –

präsentieren hier ihr Debut. Das Konzeptalbum besitzt

nicht nur einen historischen Hintergrund (das Leben

des Giovanni Pico della Mirandola, der vor über 500

Jahren als junger Philosoph Italien aufrüttelte), sondern

auch viel emotionale Kraft sowie Schlagzeug- und

Gitarrenpower. Sarina Hauns rockiger Gesang ergänzt

vorzüglich die maskuline, eingängige Stimme von Alex

Burgdorf und die Vokalparts von Dr. Gerald Munier. Die

Band klingt eingespielt, reagiert und agiert sehr gut

miteinander. Anspieltipps: Your Time, mit sofortigem

Blaudzun

Promises of No Man’s Land

CD (Glitterhouse/Indigo)

vorauss. 07.03.2014

Poppige Kriegsklagen

Als „Kriegsklagen“ beschreibt Blaudzun die Songs auf

Promises of No Man’s Land, und er hat damit nicht

unrecht. Mal poppig, mal orchestral, schuf der

niederländische Musiker eine Klangwelt, die ohne

Zweifel auf einem Schlachtfeld vor oder nach dem

großen Kampf die (bevorstehenden) Wunden und

Verluste in Töne verwandelt. Ob mit lauten Waffen oder

mit den leisen, die den Verlust eines geliebten

Menschen herbeiführen, das spielt keine Rolle.

Krankheit, Beziehung, Ungewissheit, das

Niemandsland. Alternative Rock, irgendwo zwischen

Indie und Folk, überzogen mit der leichten Schwere

von Blaudzuns geübter Stimme. Euphoria, der

sehnsüchtig suchende Opener, der Titeltrack mit

poppiger Hook oder das orchestrale Halcyon sind

Schlüsselpunkte und Essenz des Albums. Sie vermitteln

zwischen dem Sensiblen, dem Bunten, dem Lauten und

Plakativen. Der Longplayer erzählt eine Geschichte –

eine mit vielen Rückschlägen, geprägt von Verlust und

Flucht. Und doch schafft er es, anzukommen, die

Veränderung anzunehmen und seinen Platz zu finden.

Das ist nicht immer leicht, aber sehr befreiend.

David Skrinjar

Butcher Babies

Goliath

CD (Century Media)

bereits erschienen

Ein hemmungsloses,

explosives Debut

Das erste Album der aus Los Angeles stammenden

Butcher Babies ist wohl eines der aufregendsten

Releases des Jahres. Heidi Shepherd und Carla Harvey,

zwei Frauen, die ihre weiblichen Vorzüge in keiner

Weise verbergen, sondern diese auch auf der Bühne

offenkundig zeigen, können noch viel mehr, als pure

Sexbomben zu sein. Sie können guten Metal machen:

Goliath ist ein Geniestreich, der nur so staunen lässt.

Das Stimmvolumen der beiden Grazien ist gigantisch,

und manche Screams von Heidi brauchen sich nicht im

Geringsten vor der Königin der weiblichen Schreihälse

– Angela Gossow (Arch Enemy) – zu verstecken. Schon

beim Opener I Smell a Massacre brettern Heidi und

Carla mit ihrem starken Gesang los, untermalt durch

griffige Gitarrenriffs, welche mit teils cleanen

Textpassagen und melodischen Rhythmen ideal

zusammen spielen. Das folgende Magnolia Blvd. ist eine

der fetzigsten Nummern von Goliath und schöpft

komplett aus dem Vollen. Ein Stück der Extraklasse.

Alle elf Tracks ergänzen sich perfekt! Diese beiden

Eyecatcher haben’s drauf... Mehr davon!

Manuela Ausserhofer

Paulina Cassidy

Sugar Wingshiver

CD (Projekt/Cargo)

bereits erschienen

Mystische Welten und Geschöpfe,

musikalisch erlebt

Die künstlerische Welt Paulina Cassidys wird von Elfen

bevölkert, von Hexchen, spacigen Katzen, Werwölfen,

Geistern, außerirdischen Schmetterlingen und


Mischwesen aus allen diesen Arten. Viele ihrer Ideen

setzt sie textlich und optisch in Büchern, Kalendern,

Tarotkarten um. Doch auch den musikalischen Weg

beschreitet Paulina dafür. Mit Sugar Wingshiver ist nun

ein Album erschienen, das zwar erneut von

elektronischen Kompositionen lebt, im Gegensatz zum

lebendigen, eher tanzgetriebenen Vorgänger Lost in Oz

aber öfter ruhig und verträumt wirkt, den Hörer sanft

zu den beschriebenen Geschöpfen und in die

Geschichten leitet. Pianomelodien, Percussions,

Harfenklänge und Paulinas vorwiegend ätherischer,

sanfter Gesang schaffen hier eine zumeist

hypnotisierende, entspannte Stimmung. Manche Stücke

aber weisen, fast unbemerkt zunächst, den leichten

Hauch eines mystischen Schauers auf, unterbrechen die

Wohlfühlatmosphäre, lassen den Hörer unruhig werden.

So bleibt das Album trotz seines stetigen musikalischen

Flusses abwechslungsreich und spannend, scheinbar

voller Leichtig keit, jedoch gleichzeitig anspruchsvoll.

Axel Schön

Gabi Delgado

1

CD (GoldenCore/ZYX)

vorauss. 28.02.2014

Die pure Essenz

Er kann es immer noch! Mehr als 30 Jahre nach seinem

Debut Mistress ist 1 das zweite Solo-Album des DAF-

Frontmanns Gabi Delgado-López. Dazwischen liegen

zwei DAF-Reunions, das Projekt DAF/DOS und unzählige

Auftritte. 1 ist eine Rückbesinnung auf die DAFtypischen

Komponenten, zugleich ein sehr modernes

Werk, das geschickt aktuelle Trends zitiert, komprimiert

und minimalisiert, sodass die pure Essenz erhalten

bleibt. Konform damit gehen die großartigen, oft nur

einzeiligen Texte, wie gewohnt hedonistisch, sexgeladen

und gezeichnet von gerechter Wut, aber auch Frische

und Kraft. Trotz seines mittlerweile gesetzten Alters

war Gabi nie authentischer, direkter, treffender; allein

durch seine Persönlichkeit vermeidet er jegliche

Anhaftung von Nostalgie oder Retroflair. Für Delgado

ein locker ausgeübter Spagat, den Kollegen wie Die

Krupps (der Vergleich sei erlaubt!) so sauber nicht

hinbekommen haben. Die große Kunst zeichnet sich

dadurch aus, dass das Schema der insgesamt 18 neuen

Tracks nahezu identisch und vertraut ist, die

minimalistischen Facetten jedoch derart subtil ausgefeilt

wurden, dass 1 dennoch zu einem variationsreichen,

vielschichtigen und mit etlichen Spannungs bögen

versehenen Album geraten ist. So markiert 1 in der Tat

einen Neuanfang, der – wie immer bei Delgado – von

Neugier und Drang geprägt ist. Dieses Werk bildet

zudem bloß das erste Kapitel: Bereits im April soll es

einen nur online erhältlichen Nachfolger geben, der auf

www.gabidelgado.com kostenlos herunter geladen

werden kann.

Ecki Stieg

der größten deutschen Dichter zu vergleichen, doch

haben sie eines mit ihnen gemein: auch sie verstehen

sich vorzüglich auf Klagegedichte. Moderner interpretiert

und jenseits literarischer Normen, und doch nicht minder

berührend. „Sag, dass es irgendwann besser wird! Lass

es vorbei gehen! Lass mich vergessen, neu anfangen!“

Gedanken, die beinahe jeder schon einmal hatte und

die hier immer wieder mal mit zart, geradezu vorsichtig

einleitenden Klavierklängen in Erinnerung gebracht

werden, um dann förmlich zu explodieren. Da sind sie

wieder – die Verzweiflung, der Schmerz, die Traurigkeit

und die schier unermessliche Wut, die so vielen Stücken

der Formation zu eigen sind. Bei a day in December,

Dream of a Ghost oder a dark embrace noch

vergleichsweise sanft oder doch zumindest auf

irgendwie vertraute Art; bei anderen Stücken dagegen

fast schon übermächtig. Allem voran die

deutschsprachigen Stücke, die bewusst und mit einem

gewissen Zusammenhang stilistisch ausbrechen und

– hier darf Mastermind Adrian Hates einmal zitiert

werden – nicht streicheln, sondern ohrfeigen. Recht

gesprochen, denn Malum, die Gassen der Stadt oder

auch Daemon zielen direkt auf das Emotionszentrum.

Und sie verfehlen ihr Ziel nicht. Zurück bleibt schließlich

ein nachdenklicher, von einer durchaus angenehmen

Schwermut gepackter Hörer, der ob der Vielseitigkeit

des Albums und der immer wieder überraschenden

Momente irgendwie nicht anders kann, als Elegies in

Darkness noch einmal durchlaufen zu lassen.

Doreen Krase

Diodati

Susurrus Lake

CD (Körperschall)

bereits erschienen

Einmalige Avantgarde-Neo-Klassik

Diodati, das sind Gwydion Enbarr, Max „Svyati“

Sellmeier und Dr. Elias Wonka. Die drei verbindet ihre

Leidenschaft für Musikkunst, und bei dieser

Veröffentlichung verhält es sich genauso. Ausgewogene,

harmonische Kompositionen, gespickt mit Feingefühl,

aufbrausendem Temperament, Herz und Melancholie.

Literatur von Georg Trakl und Michael Ende verschmilzt

mit klassischer Musik wie der des Klaviers, Cellos und

Kontrabasses. Im Reifeprozess fanden zudem noch

Schlagzeug, Gitarre oder auch Synthesizer Zugang und

bieten dem Hörer ein Werk, das gleichfalls im Heute

präsent ist. 13 Titel gilt es hier zu entdecken und zu

erforschen. Gwydions Stimme weist dem Geist den Weg,

die eingesetzten Instrumente führen das Herz in

ungeahnte Tiefe. Um Susurrus Lake in all seinen

Facetten erfassen zu können, heißt es weg vom

stressigen Alltag, hinein in eine Welt der Emotionen und

körperlichen Ruhe. Was dabei die eigene Seele

empfängt, das darf selbst herausgefunden werden! Und

als besonderes Bonbon: Die Hurenkönigin, unterstützt

durch Sonja Kraushofer (L’âme Immortelle, Persephone,

Coma Divine).

Kerstin Müller

und dramatischen Keyboardflächen, während Nils

Molins klare, hohe Stimme weitere Highlights setzt.

Fans von Pink Cream 69, den Pretty Maids oder

Nocturnal Rites sollten hier unbedingt mal reinhören,

es lohnt sich!

Marc Halupczok

Eisenstein und Der Zar

Aufgewacht

CD (E.Z. Digital)

bereits erschienen

Electro mit Herz, Hand und Fuß

Aufgewacht heißt das Debutalbum der nahe und in

Hessens Hauptstadt lebenden Electro-Musiker. Ihre elf

Lieder kommen klar strukturiert, absolut aufrichtig und

deutlich beim Hörer an und werden ganz und gar auf

Deutsch erzählt. Die Lyrics sprechen für sich! Komm

Heraus, Wir tragen Schwarz oder Nachtflug sind nur ein

paar Beispiele der Titel, die Aufgewacht so stark

machen. Ein kraftvolles, tanzbares, absolut club- und

heimtaugliches Werk, mit jener Schwermut bepackt,

welche so charakteristisch für die Schwarze Szene ist.

Vom Tempo her schwingt Aufgewacht genau dort mit,

wie sich auch das Herz gerade fühlt. Harmonische,

schnelle und Midtempo nummern sorgen dafür, dass

man nie den Boden unter den Füßen verliert, weil der

Takt einfach stimmt. Höre es Dir an. Aber mal kurz

reinzappen is’ nicht. Das geht gar nicht, da man viel zu

neugierig gemacht wird, wohin einen ein jeder Song

führt.

Kerstin Müller

Enter & Fall

ISOLATION

CD (emmo.biz)

bereits erschienen

Ein Gefühl des Geborgenseins

Am Valentinstag erschien das thematisch zu jenem

Ereignis mehr als passende zweite Album von Enter &

Fall. Der Titel mag zwar etwas anderes als zwischenmenschliche

Gefühle verheißen, aber schon beim ersten

Anspielen wird man eines Besseren belehrt. Wer einen

eingehenden Blick auf die Orkus! Compilation 95

geworfen hat, entdeckte bereits das Stück Shattered

auf der Tracklist und konnte sich schon mal einen

Eindruck verschaffen. War das Debut Push Enter And

Fall Down noch stark von treibender Kraft nach vorne

geprägt, begibt sich ISOLATION mit Nummern wie I need

you here, Believe oder Hold on to you auf Seitenwege,

die düster-poppig und sphärisch-elektronisch, getragen

von männlichem und weiblichem Gesang, zum wahren

Seelenschmeichler werden. Ein Album für alle

Lebenslagen.

Marie-Luise Henke

Dictator), die ein schauriges Horrorszenario kreieren.

Fetzige Drums, elektronische Rhythmen und zerrende,

gekonnt gesetzte Riffs sowie perfekt ausbalancierter

Gesang von Saku Solin – zwischen Screams und

cleanen Passagen. Die zwölf Tracks dauern insgesamt

rund eine Stunde. Besonders intensiv und spannend ist

Parasite, welches sich durch ruhige Töne ankündigt und

mit einer viel ruhigeren, beklemmenderen Atmosphäre

aufwartet. Meisterhaft inszeniert mit fein gehauchten

weiblichen Elementen, fühlt man sich hier beinahe in

eine völlig fremde Welt entführt. Ein schönes Highlight,

das sich vom Rest abhebt. Ein sehr abwechslungsreiches

und gelungenes Album! Fetzt!

Manuela Ausserhofer

Frankie Goes To Hollywood

Frankie Said

CD + DVD (Union Square/Soulfood)

bereits erschienen

Alter Wein in neuen Schläuchen

Die Zahl der Frankie Goes To Hollywood-„Best Of“s ist

kaum mehr überschaubar... Nach nur zwei regulären

Alben (das erste epochal, das zweite durchwachsen)

wurde jeder Ton der Band zigfach ausgewertet, remixt

und recyclet. Frankie Said erschien schon 2012 als

einfache CD, die „Deluxe Edition“ ist jetzt – passend

zum 30. Geburtstag des Labels ZTT – um eine DVD

erweitert worden. Auch retrospektiv betrachtet, sind

FGTH ein Phänomen, dessen Erfolg von diversen,

perfekt harmonierenden Komponenten geprägt war:

Eine gute, provokante Band mit einem charismatischen

Frontmann, ein geniales Marketing (verantwortlich

dafür: Paul Morley, siehe Interview in dieser Ausgabe)

und einer der innovativsten Produzenten der Achtziger,

nämlich Trevor Horn. FGTH waren dabei nie eine

Albumband, sondern eine der ersten Formationen,

welche die Medien Video und 12“-Singles clever und

einzigartig nutzten: Die „Extended Versions“ von Relax

und Two Tribes waren eben keine willkürlich und bemüht

gestreckten Varianten oder Remixe der kompakten

Versionen, sondern in sich stimmige, facettenreiche,

überbordende Symphonien. Vor allem der annihilation-

Mix von Two Tribes ist auch nach Jahrzehnten zeitlos,

modern und beispielhaft. Daneben finden sich

Fassungen von Relax, The Power of Love, Warriors of

the Wasteland oder Welcome to the Pleasuredome, wie

sie einst auf den Singles veröffentlicht wurden. Für all

jene, die bereits im Besitz der regulären Alben und der

Reload!-Compilation sind, ist Frankie Said somit keine

zwingende Anschaffung, wäre nicht die DVD: Hier

vertreten sind sämtliche Clips in allen Versionen, zudem

Ausschnitte aus Fernsehsendungen wie Top of the Pops.

Letztere sind wohl nur für den beinharten Sammler

interessant, das seinerzeit politisch brisante Video von

Two Tribes hingegen führt noch einmal vor Augen, wie

sehr sich die Welt inzwischen verändert hat...

Ecki Stieg

Diary of Dreams

Elegies in Darkness

CD (Accession/Indigo)

vorauss. 14.03.2014

Eine musikalische Klage

auf höchstem Niveau

Goethe konnte es, Schiller konnte es, ebenso Brecht

und Rilke. Vielleicht, nein: sehr wahrscheinlich ist es

etwas zu hoch gegriffen, Diary of Dreams mit einigen

Dynazty

Renatus

CD (Spinefarm/Universal)

vorauss. 28.03.2014

Melodische Qualitätsware

aus Schweden

„Melodischer Metal aus Skandinavien“ ist ein

Gütesiegel, dem die Jungs von Dynazty auch auf ihrem

vierten Album mehr als gerecht werden. Schon der

Einstieg mit Cross the Line fällt leicht, denn die Nummer

sägt sich sofort ins Ohr, ohne dabei in kitschige Gefilde

abzudriften. Gleiches gilt für die Hymne Dawn of your

Creation, das von der Melodieführung an Magnum

erinnernde The Northern End, das dramatische Salvation

oder den Rausschmeißer und gleichzeitigen

Albumhöhepunkt A Divine Comedy. Dynazty wahren

geschickt die Balance zwischen knackigen Gitarrenriffs

Fear Of Domination

Distorted Delusions

CD (Inverse)

bereits erschienen

Shock Industrial Metal aus Finnland

Der Inhalt dieser CD wird definitiv überraschen, und das

auf positive Weise. Denn schon der Opener PaperDoll

macht klar, dass die Finnen ihr Handwerk beherrschen

und mit diversen Musikgenres spielen. Das Endergebnis

nennen sie selbst „Shock Industrial Metal“. Grund für

diese Bezeichnung sind nicht zuletzt äußerst makabre

und blutige Texte (siehe Organ Grinder oder The Great

Frequency Drift

Over

CD (Gentle Art Of Music/Soulfood)

bereits erschienen

Ein Ritt durch diverse Genres

Selbst für Prog-Verhältnisse ist das fünfte Album von

Frequency Drift ein harter Brocken. Die Bayreuther

mixen hier Rock und Metal mit klassischen Ansätzen

sowie melancholische Passagen, Welt- und Filmmusik

zu einem Gesamtkunstwerk, das nicht immer leicht zu

verdauen ist. Die manchen Tracks innewohnende

dezente Sperrigkeit hat weniger mit den klaren Stimmen

von Isa Fallenbacher und Gastsängerin Agathe Labus

zu tun. Es sind vielmehr die krassen Breaks, welche

Bandboss Andreas Hack immer wieder einbaut. Dabei

wechselt er nicht nur Rhythmus und Geschwindigkeit,

sondern häufig genug auch das Genre. Das verwirrt

zuerst, gibt den Stücken aber gleichzeitig eine

unglaubliche Tiefe. Wer sich einmal in Lieder wie das

58 - Orkus!


fast fröhlich tönende Wander oder das zehnminütige

Highlight Memory reingehört hat, wird so schnell nicht

davon loskommen. Kopfhörer sind in diesem Fall

allerdings Pflicht, um die vielfältige Instrumentierung

genießen zu können.

Marc Halupczok

God Module

False Face

CD (Metropolis/Soulfood)

vorauss. 14.03.2014

God Module lassen die

Eurodance-Puppen tanzen

Jasyn Bangert scheint sich mit seinem neuen Album

musikalisch eng an dessen Titel zu orientieren, denn

den Dark Electro-Tracks der letzten Jahre hält er

kurzerhand eine eingängige und mitunter auch etwas

eintönige Eurodance-Maske vors Gesicht. Und so

benötigt das Werk vor lauter Tanzbarkeit einige

Durchläufe, bis man erkennt, wohin God Module wollen.

Die initiale Zündung ist wohl Through The Noise. Hier

überlässt Bangert seinem Live-Mitstreiter Clint Carney

das Mikrophon, und die cleanen Vocals stehen dem

Ohrwurm erstaunlich gut. Auf Songs wie Black And Blue,

welcher zunächst an 2 Unlim!ted gemahnt, oder Nothing

But Mine mit seinen Hardfloor-Anleihen muss man sich

erst einlassen, um sie gut zu finden, aber gibt man False

Face eine Chance, entdeckt man die Substanz hinter

den Stücken und begrüßt einen neuen Begleiter auf

seiner Playlist. Der straight ballernde Titeltrack wird uns

bald ebenso sicher auf der Tanzfläche begegnen, wie

auch The Mark seinen Weg zu den DJs finden dürfte.

Obschon diese Kurskorrektur ihren ganz eigenen Charme

hat, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Faith Is Fragile

oder Destroy The Day recht monoton aus den Boxen

blubbern und lediglich Jasyns Gesang ein wenig

Dynamik in die Lieder bringt.

Lars Schubert

Spiel mit dem Feuer, wenn ausgerechnet Sänger oder

Sängerin wechseln. Dies kann nach hinten losgehen,

den Charme einer Band ändern – oder aber frischen

Wind hineinbringen und der Musik neuen Aufschwung

geben. Ignis Fatuu haben sich mit P.G. als neuem

Frontmann nicht die Finger verbrannt, und mit

Gitarrist Peter Pathos (Ex-Fiddler’s Green, Ex-Ski’s

Country Trash) als sechstem Mitglied holte die Band

einen erfahrenen Künstler an Bord, der den Songs

mehr Schwung verleiht und Platz zum

Experimentieren lässt. Diese Entwicklung macht sich

sofort beim Opener Glaube bemerkbar. Schon hier

wird klar: Da hat sich einiges getan! Unendlich viele

Wege ist kein Vergleich zu den früheren Alben Es

werde Licht und Neue Ufer. Die mittelalterlichen

Instrumente sind etwas in den Hintergrund gerückt,

dennoch verlieren Drehleier, Flöte und Dudelsack nicht

ihre gewichtigen Positionen und schmücken

zwischendurch gekonnt die Kompositionen aus. Die

Songs sind rockiger geworden, verspielter, und die

druckvollen Gitarrenriffs harmonieren sehr gut mit

den folkigen Elementen. Auch P.G.s Stimme trägt

dazu bei, dass die Lieder abwechslungsreich klingen.

Er singt heller und weicher als sein Vorgänger und

verleiht den Stücken somit mehr Gefühl. Der Band ist

in neuer Besetzung eine ausgereifte Produktion

gelungen, die den Fans des Genres ein authentisches

Hörvergnügen bereiten wird. Mit ihrem dritten Werk

haben sich Ignis Fatuu nun einen musikalischen Weg

geebnet, von dem man hoffen darf, dass sie ihn so

weitergehen.

Bettina Pudmensky

Incura

Incura

CD (Inside Out/Universal)

bereits erschienen

Progressiver Rock ohne Kitsch

Hypnotisch, intensiv, süchtig machend. So lässt sich

die Musik dieser jungen kanadischen Band

umschreiben, ohne dabei auch nur im Ansatz in Worte

kleiden zu können, wie genau sich die Truppe anhört.

Knackiger Metal trifft auf progressiven, alternativen

und klassischen Rock, wobei Sänger Kyle Gruninger

mit seiner dezent quäkigen Stimme manchmal auch

Harmonien verwendet, die an alte Hits von Michael

Jackson oder Queen erinnern. Klingt verwirrend, passt

aber hervorragend zusammen, zumal die Jungs ein

unglaubliches Händchen für Arrangements beweisen.

Stücke wie das heftige Get The Gun, das

melancholische I’m Here Waiting, die theatralische

Hymne Who You Are oder das brutale Here To Blame

springen den Hörer regelrecht an und transportieren

großartige Melodien, die meilenweit von Banalitäten

oder Kitsch einiger Kollegen entfernt sind. Wer zum

Harpyie

Willkommen im Licht

CD (Metalville/Rough Trade)

bereits erschienen

Mittelalter Rock

der etwas anderen Art

Das zweite Album der siebenköpfigen deutschen Kapelle

geht völlig eigen ständige Wege und kennt dabei keine

Grenzen. Die Truppe kreiert ihre eigene Mischung aus

mittelalterlichen Elementen und vielen modernen,

neuen Details. Keine in dieser Szene heimische Band

lässt sich mit Harpyie vergleichen. Denn ihr Sound ist

einzigartig, humorvoll, spannend, und die Texte sind

bestens zum Mitsingen und Feiern geeignet. Ein

Highlight stellt auch das epische, prächtige Booklet mit

Hochglanzbildern dar, die alle Liedtexte perfekt

untermalen. Ein kleines Bilderbuch der Extraklasse, das

außerhalb jeglicher Konkurrenz steht. Musikalisch

erwarten den Hörer 14 Tracks, welche sämtlich

überzeugen können. Aus den Schatten leitet die

Geschichte instrumental ein, bevor mit Der letzte Held

– eine Zusammenarbeit mit Hauptmann Feuerschwanz

– alles wirklich beginnt. Weitere Anspieltipps sind

Ausgebrannt, Mädchen im Wasser oder Sturmvögel. Wer

offen für Neues ist, ist hier richtig!

Manuela Ausserhofer

Ignis Fatuu

Unendlich viele Wege

CD (Trollzorn/Soulfood)

vorauss. 07.03.2014

Aller guten Dinge sind sechs

Es war sehr ruhig in den letzten Jahren, sodass die

Gerüchteküche um Ignis Fatuu immer mehr brodelte.

Man munkelte sogar von Auflösung. Doch weit

gefehlt. Im Gegenteil bekam die Familie Zuwachs;

zudem wurde der Gesangsstab weiter gereicht und

fleißig am neuen Album gebastelt. Es ist immer ein


www.kulturfabrik-krefeld.de

Dießemer Str. 13, 47799 Krefeld

Beispiel auf den Ausnahmesound von Joey Eppards

Band 3 steht, die vor Jahren mit All that Remains

einen kleinen Hit hatte, wird Incura lieben.

Marc Halupczok

Kuolemanlaakso

Tulijoutsen

CD (Svart/Cargo)

vorauss. 28.02.2014

Finnische Brachialromantik

Ursprünglich von Bandkopf und Gitarrist Markus Laakso

als Solo-Projekt geplant, präsentieren die Death Doomer

mit dem klingenden Namen Kuolemanlaakso jetzt ihr

tiefgründiges Zweitwerk. Tulijoutsen enthält acht

vielschichtige Lieder voller atmosphärischer Dunkelheit,

berührendem Klargesang, fiesen Growls und brachialer

Gitarrenwucht. Dabei machen Kuolemanlaakso keine

Kompromisse, in ihrem Sound gibt es nur Extreme: Die

Gitarrenwände klingen tatsächlich tonnenschwer und

die Vocals entweder tief melancholisch oder voll

abgrundtief böser Schwärze. Stücke wie das epischdüstere

Me vaellamme yössä oder das vor

phantastischen Melodiebögen und expressivem Gesang

nur so strotzende Tuonen tähtivyö faszinieren schon

beim ersten Hören und ziehen unaufhaltsam in ihren

Bann. Zwischendurch bemerkt man punktuell eine

starke Ähnlichkeit mit den Kompositionen von Swallow

the Sun, was natürlich einerseits am ähnlichen Stil und

andererseits daran liegt, dass der talentierte Mikko

Kotamäki für beide Bands als Sänger agiert. Mit

Tulijoutsen haben die Finnen auf jeden Fall ein starkes

Album mit extrem viel Biss und voller Originalität

geschaffen.

Isabell Köster

Lay Down Rotten

Deathspell Catharsis

CD (Apostasy/Edel)

bereits erschienen

Das siebte Album

der Death Metal-Heroen

Die aus Hessen stammenden Death Metal-Granaten sind

aus dieser Szene einfach nicht mehr wegzudenken. Ihr

2012 veröffentlichtes Album Mask of Malice konnte

nicht ganz an die vorigen Erfolge anschließen, Grund

dafür war sicherlich der damalige Line-Up-Wechsel.

Umso gespannter war man nun. Was erwartet den

Hörer? Noch dazu beim neuen Label? Das Ergebnis ist

ein ordentlicher Schlag in die Magengrube, ein Tritt in

die Weichteile und damit ein Death Metal-Werk, wie

man es sich nur wünschen kann. Kein unnötiger

Schnickschnack, keine experimentellen

KuFa Programm

Einziges Konzert in NRW

28.02. GABI DELGADO (DAF)

„eins“ Dates 2014

06.03. SALTATIO MORTIS + special guest

- ausverkauft -

22.03. Dr. MARK BENECKE

22.03. DEPECHE MODE-PARTY Ice Machine

Besucher von Mark Benecke

haben freien Eintritt!!!




Neuorientierungen, sondern einfach das, wofür man sie

liebt: leidenschaftliche Musik, die keinen stillsitzen

lässt. Eine Neuerung muss trotzdem erwähnt werden

– mit Schädelberg findet sich hier nach rund 15 Jahren

der erste deutschsprachige Track der Jungs. Spannend

ist auch Blood on wooden crosses, doch fällt es bei

diesem Album schwer, einzelne Songs herauszupicken.

Ein Gesamtkonzept, durchzogen von musikalischer

Leidenschaft. Sehr gut!

Manuela Ausserhofer

Special-Tipp des Monats

Lyronian

CRISIS

CD (Deep Symmetry/AL!VE)

vorauss. 28.03.2014

Gemeisterte Krisen

faszinierend vertont

Alex Warwick Kern und Mike Kennedy schufen elf

Stücke, die voller Gefühl stecken. Das Erleben und

Verarbeiten von unterschiedlichsten Krisen, die das

Leben so parat hält, ist so authentisch vertont, dass man

als Hörer noch mehr erlebt als lediglich besonderen

Musikgenuss – wobei dieser, wenn er so wie hier

ausfällt, völlig ausreichend wäre. Die im Klangbild

eingeflochtenen Gitarrensounds stehen den in erster

Linie elektronisch aufgenommenen Kompositionen sehr

gut, und Alex’ angenehme Stimme zieht einen magisch

an. Vom wachrüttelnden Tanzflächenbrenner bis hin zur

zarten Ballade reicht die Spannweite dieses Klangfluges.

Immer wieder faszinierend ist auch die Single Silver

Arrow, zu der ein wunderschönes Video gedreht wurde.

Dennoch fällt es schwer, auf CRISIS (s)ein Lieblingslied

zu finden, da jeder Song ein ganz besonderes Juwel ist.

Ein Album, ganz nach dem Motto: „Wo sind sie, die

Krisen des Lebens? Lasst sie uns meistern!“

Marc Frei

Maerzfeld

Fremdkörper

CD (südpolrecords/Rough Trade)

bereits erschienen

Deutschrock mit Substanz

Fremdkörper nennt sich das zweite Werk von Maerzfeld,

die der Neuen Deutschen Härte huldigen. Zwar lässt sich

nicht leugnen, dass ihr Sound und Gesang öfter mal

wieder stark an Rammstein erinnern. Aber daraus

machen sie gar keinen Hehl, hat doch Fronter Heli

Reißenweber mit StahlZeit seine eigene Rammstein-

Tribute-Band. Auf Fremdkörper erwarten den Hörer elf

Tracks mit einer Spieldauer von je rund vier Minuten.

Eingängig, fetzig und simpel gehalten. Das perfekte

Rezept für den Ohrwurm zwischendurch! Besonders

spannend sind die Nummern La Petite Mort, Kopfschuss

und Fleisch im Fleisch. Das Booklet ist mehr als nur einen

kurzen Blick wert... Kunstvoll gestaltete Photographien

der Musiker, die unter anderem einen Heli Reißenweber

zeigen – dargestellt als halb Mann, halb Frau: gefangen

in seinem „Fremdkörper“. Natürlich sind auch alle Texte

zu finden, und dank des gut verständlichen Gesangs

gehen die Worte sofort ins Blut. Sehr gelungen.

Manuela Ausserhofer

Metsatöll

Karjajuht

CD (Spinefarm/Universal)

vorauss. 07.03.2014

Folk Metal aus Estland

Mit ihrem sechsten Album melden sich die vier Tallinner

nach dem 2011 erschienenen Ulg zurück. Schon jenes

Werk beschritt neue Wege – schneller, energischer und

kraftvoller als seine Vorgänger. Diese Richtung schlägt

auch Karjajuht ein: aufgenommen im Proberaum ohne

viel Schnickschnack, entstand ein wunderbar roher

Sound. Auch inhaltlich erweitern Metsatöll ihren

Horizont. Haben sie sich früher eher altertümlichen,

epischen Themen gewidmet, ist nun etwas mehr Platz

für moderne, gegenwärtige Erfahrungen. Das Album

umfasst zwölf Tracks von rund 45 Minuten

Gesamtdauer. Alle Texte wurden in ihrer Muttersprache

geschrieben; im Booklet findet man jedoch die

englischen Lyrics, sodass man den fremden Worten gut

folgen kann. Gleich der Opener Külmking legt mit

traditionellen Instrumenten, bretternden Gitarren,

eingängigen Melodien und kräftigem Gesang los.

Besonders spannend sind Nummern wie Terasest taotud

tee oder Surmamüür. Alles in allem ein sehr schönes

Werk. Nicht schlecht!

Manuela Ausserhofer

Nahtaivel

Pon Farr

CD (Wave/CD Baby)

bereits erschienen

Dark Electro Industrial,

der vom Schmerz befreit

2006 Opus 93. 2008 Killer Speaks. 2011 Midnight

Sessions, und nun Pon Farr. Der Brasilianer Fernando

Nahtaivel hat sich ganz und gar einer Mixtur aus Black

Metal, Dark Electro sowie EBM/Industrial verschrieben

und kehrt jetzt mit einer Sammlung von bizarr düsteren,

kraftvollen, sphärischen, angst- und leiderfüllten Songs

zurück. Hate, Amok Time, Little Pleasures of Life oder

Be Productive zeigen, dass Energie durch diese

Veröffentlichung strömt. Das Cover wurde übrigens von

Hernan Rojas handgemalt und später digital bearbeitet.

Das passt wie die Faust aufs Auge! Handarbeit im

digitalen Gewand, genutzt für Ton- als auch Bildkunst.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass der physische

Tonträger neben den neun regulären Tracks mit drei

weiteren Bonustiteln angefüllt ist.

Elena Winter

Night Nurse

Night Nurse

CD (Wolverine/Soulfood)

bereits erschienen

„Female fronted“

Psychobilly aus Finnland

Leute, macht Euch gefasst, Night Nurse gehen ordentlich

in die Vollen! Das sehnsüchtig erwartete Debut der

Finnen um die charismatische Sängerin Nurse Camy

steht bereit. Ein Volksfest für alle Liebhaber von gutem

Rockabilly und Psychobilly; auch Horror Punk-Fans

sollten mal vorbeischauen. Camys Stimme ist kräftig,

energiegeladen und brettert Dir englische Lyrics

entgegen, welche mit szenetypischen Instrumenten –

der Kontrabass darf natürlich nicht fehlen – spannend

untermalt sind. Die perfekte Mucke für einen

Feierabend, der wohl so manche zu einem feinen

kleinen Pogo hinreißen wird. Die Stücke dauern nicht

gerade lang. Zwölf Tracks über rund 30 Minuten

Spielzeit donnern ohne Vorwarnung gleich mit Where

Shadows Go los. Und sie unterstreichen allesamt Camys

Einstellung: „Nimm Dich selber nicht zu ernst!“ Diese

Motivation ist in Nummern wie Nude Girls Live Shows

Take Away Babes hörbar, denn hier stehen Spaß, Party

und einfach nur Freude an der Musik im Vordergrund.

Rockig, fetzig, energiegeladen... Reinhören lohnt sich!

Manuela Ausserhofer

Opera Multi Steel

Mélancolie en prose

CD (Wave)

bereits erschienen

Minimalistischer New Wave Synth

Pop, der sich endlich Gehör

verschafft

Die Franzosen, welche aus einer Stadt mit ungefähr

66.500 Einwohnern stammen, die den schönen

Namen Bourges trägt, kreieren ihren minimalistischen

New Wave/Synth Pop/Dark Wave-Sound schon seit

dem Jahr 1983! Wenngleich die Band von 2002 bis

2010 eine Pause einlegte, ist das jetzt vorliegende

Werk das neunte Album dieser Formation. Es erschien

im Digipak sowie als limitierte CD mit einer 10“ und

als „Collector’s Box“. Was Mélancolie en prose so

besonders macht, sind nicht nur die beiden

Osterhasen, die darauf warten, dass etwas aus den

Eiern schlüpft (wohlgemerkt: vier Eier und vier

Bandmitglieder...). Sondern auch die Tatsache, dass

es sich um Tracks handelt, die aus vergangenen Tagen

datieren, es aber noch auf keinen Tonträger geschafft

haben, sowie andererseits um neue, bislang

unveröffent lichte Songs. Während jener Zeitspanne

ist die Gruppe ihrem Stil treu geblieben. Man kann

nicht genau sagen, welches der zwölf Stücke nun von

heute oder von damals stammt. Beeindruckend!

Elena Winter

Profane Omen

Reset

CD (Spinefarm/Universal)

vorauss. 14.03.2014

Experimentierfreudige Finnen

Finnlands Gemischtwarenladen ist wieder auf Mission!

Profane Omen gehören zu jenen Bands, welche

verschiedene Genres durch den Fleischwolf drehen und

dabei ihren eigenen Stilmix kreieren. Auf Reset

dominieren thrashige, alternative, progressive und

modern-groovige Sounds, doch es gibt auch immer

wieder melodische Passagen, wie in The Instigator, Trails

oder The Ego, wo die Truppe aus dem hohen Norden

fast schon US-amerikanisch klingt. Jules Näveri, unter

anderem bekannt von seiner Zusammen arbeit mit

Enemy Of The Sun oder Moonsorrow, zieht hier alle

Register. Er singt eben noch einschmeichelnd, nur um

im nächsten Moment zu grunzen, zu brüllen oder zu

schreien, als wäre er ein verletztes Tier. Das kann

bisweilen etwas anstrengend werden, zumal die Herren

aus Lahti auch nichts von durchgehender Rhythmik

halten, sondern lieber diverse Tempowechsel einbauen.

Hat man sich aber erst mal darauf eingelassen, offeriert

Reset seine ganz eigene Klasse.

Marc Halupczok

60 - Orkus!


ALCEST SHELTER

Das neue Album !

ALCEST SHELTER

SHELTER ist erhältlich als:

Digisleeve-CD, Gatefold-LP mit Poster

2CD-Buch-Edition Hardcover-Buch (48 Seiten), Bonus-CD

Deluxe LP-Box Gatefold-LP mit Poster, Bonus-7“, Hardcover-Fotobuch (48 Seiten)

Komplett-Box Digisleeve-CD, Gatefold-LP mit Poster, Bonus-CD, Bonus-7“, Bonus-DVD,

Hardcover-Fotobuch (48 Seiten), Softcover-Buch im LP-Format (24 Seiten), signierter Kunstdruck

Ebenfalls erhältlich:

OPALE Vinyl-Single

(inkl. Ätzung auf der B-Seite; lim. 1.000)

Weitere Informationen zu SHELTER

und den verschiedenen Formaten auf

www.prophecy.de

Falkenbach

Asa

Digipak-CD, 2CD-Buch-Edition

Picture-Disc-Vinyl

Finnr’s Cane

A Portrait Painted

By The Sun

Digipak-CD

Duncan Evans

Lodestone

Digipak-CD, Gatefold-LP

CD-Box inkl. Bonus-DVD


SEA + air

My Heart’s Sick Chord

CD (Motor/Rough Trade)

bereits erschienen

Geheimnisvoller Gitarren-Pop

aus dem Herzen direkt ins Ohr

Die Stuttgarter Eleni und Daniel Benjamin, die nicht

nur in Musik und Geist vereint sind, präsentieren hier

ihr Debutwerk. Allein schon bei dessen klangvollem

Titel ertönt wohl in jedem ein eigenes Lied, welches

das Herz – je nach Verfassung – anstimmen möchte.

Genau das ist der Grund, warum Du My Heart’s Sick

Chord gleich lauschen solltest... Wer Mann und Frau

gern singen hört, wer Gitarren, Schlagzeug und

Cembalo mag, melancholische und phantasiereiche

Kompositionen mit zart schwingenden Pop-Elementen

schätzt und wissen will, wie sich griechischer

Rhythmus mit deutschem Charme verbindet, der liegt

bei SEA + AIR genau richtig. Man hat Musik so frisch,

harmonisch, rhythmisch, zart, wehmütig, liebevoll,

schmerzlich und eindringlich noch nicht gehört!

Anspieltipps: The Sea After A Storm, Do Animals Cry?

und Yeah I Know. Aber eigentlich alle Stücke!

Kerstin Müller

Spiritual Front

Black Hearts In Black Suits

CD (Rustblade/BROKEN SILENCE)

bereits erschienen

Suicide Pop als Oper

Spiritual Front und die italienische Oper, das passte

immer schon zusammen wie Rotwein und Pasta. Wie

Salbei und Butter. Wie Laken und nackte Haut. Für

Simone Salvatori muss es eine Erlösung gewesen

sein, endlich wieder mit Stefano Puri zu arbeiten,

ebenjenem Soundtrackhexer, der neben Salvatori

auch an der sinnlichen Dekadenz von Armageddon

Gigolò beteiligt war. Nun sind sie erneut vereint, mit

ihren schwarzen Herzen in den schwarzen Anzügen,

mit ihrem Willen zu schwülem Nihilismus, zum

roman tisierenden Nachtlied, zum pathetischen

Overkill. Überbordend klingt Black Hearts In Black

Suits zu jeder Sekunde, ein von Pianostücken

aufgebrochenes Opernwerk, welches viel von der

Dramatik klassischer Komponisten herübernimmt in

eine verkommene Welt, die sich in den dunklen

Seitengassen rund um das Opernhaus abspielt. Dort,

wo sich Nick Cave und Yann Tiersen gemeinsam einen

Schuss setzen, wo Liebe, Lust, Schmerz und Hass

verschwimmen. Suicide Pop ist das nicht mehr, nein.

Aber so viel mehr. Italienischer Opernbombast trifft

sündigen Pop trifft elegischen Klaviertitel. Es ist die

endgültige Kitschwerdung eines kongenialen

Künstlers – im allerbesten Sinne des Wortes. Zu

Tränen rührend, aufreizend, leidenschaft lich und stets

der bedeutsamen, choralen, traurigen,

beeindruckenden Musik ergeben. Gedankt sei es den

römischen Göttern, dass diese beiden Herren wieder

zusammengefunden haben.

Björn Springorum

State of the Union

My Time Away

CD (Infacted/Soulfood)

vorauss. 28.02.2014

In den Player und dann

durchtanzen!

Das Warten hat sich gelohnt! Mit gewohnt

eingängigen, sofort auf die Tanzfläche ziehenden

Rhythmen melden sich State of the Union zurück.

Ihre zwischen breiten, stampfenden Beats und

klaren Synth sequenzen pendelnden Stücke gehen

direkt ins Ohr und setzen sich dort fest. Die Tracks

auf dem nunmehr vierten Album wechseln zwischen

poppigen und Trance-Elementen; hier und da scheint

auch die eine oder andere EBM-Passage durch. Dass

State of the Union zu den Größen des Future Pop

zählen, verdeutlichen Nummern wie Miracle,

Dancing in the Dark, Eternally oder My Time Away.

Die lange Durststrecke nimmt ein Ende, und die

Clubs bekommen neues Futter für das hungrige

Tanzvolk!

Marie-Luise Henke

Subway to Sally

Mitgift

CD (StS/Universal)

vorauss. 14.03.2014

Progressiv, hart und düster

Der Untertitel Mördergeschichten deutet es an:

Subway to Sally haben sich mal wieder für ein

Konzeptalbum entschieden. Die Spanne der textlich

verarbeiteten Taten reicht vom 17. Jahrhundert bis

ins Heute. Manchmal geht es um Eifersucht, dann

wieder um Neid oder einfach um kranke Menschen,

die ihre Gewaltphantasien in der Realität ausleben.

Harter Stoff! Auch musikalisch lehnen sich die

Potsdamer weit aus dem Fenster, verwenden viele

elektronische Elemente und setzen auf die moderne

Metal-Karte. Mehr Riffs gab es wohl noch auf

keinem Album des Septetts. Die Songs sind

vielschichtiger und regelrecht progressiv ausgefallen,

was den Zugang anfänglich erschwert. Wer dem

Werk jedoch einige Runden in der Anlage gönnt, wird

mit musikalischer Brillanz und makabren

Geschichten belohnt. Als Anspieltipps seien das

verstörende Schwarze Seide, Grausame Schwester

(hier treffen liebliche Chöre, harter Metal und

Electro-Elemente aufeinander), das brutale, aber

mitreißende Warte, warte und das hymnische In

kaltem Eisen genannt.

Marc Halupczok

Terrolokaust

Scars That Never Heal

MCD (Vendetta/Deathwatch Asia)

vorauss. 08.03.2014

Nachschub

aus der Dark Electro-Hitschmiede

Nach The Way It Must Be flattert nun bereits die

zweite Single aus dem Überflieger Spit The Poison

Out (2013) ins Haus. Angesichts der Hitdichte jenes

Albums haben sich die Spanier letztlich für den Song

entschieden, der mit seinen Electro Rock-Elementen

am ehesten aus dem Rahmen fällt. Hier haben

Terrolokaust dann gleich noch zwei Titel in der

Hinterhand, welche andere Bands wohl für das

nächste Album zurückgehalten hätten. Two-Faced

Leader spricht Tanzbein und Nackenmuskeln

gleichermaßen an und kennt nur eine Richtung:

vorwärts! Condemned To Be Free ist das ganze

Gegenteil, überrascht der Track doch mit einem

orchestralen Aufbau, den man in dieser Form von

den beiden Iberern noch nicht gehört hat. Getragen

von Javi Ssagittars Stimme, benötigt das Stück

gerade einmal Zeit bis zum Refrain, um sich

unwiderruflich einzunisten. Durch diese neue Facette

belegen Terrolokaust, dass sie zu den innovativeren

Zeitgenossen im dunklen Kosmos des elektronischen

Einheitsbreis zählen – und eine Tour mit Aesthetic

Perfection kommt ja auch nicht aus dem Nichts.

Lars Schubert

The Beauty of Gemina

Ghost Prayers

CD (NoCut/SPV)

bereits erschienen

Gotische Schwermut

und rockige Zuversicht

aufs Trefflichste miteinander

versöhnt

The Beauty of Gemina sind eine der wenigen Bands,

die so viele Ideen und Einflüsse so geschickt

miteinander verknüpfen, dass sie immer wieder

vollkommen neu klingen und doch einen hohen

Wiedererkennungswert haben. Sicher ist das auch

dem charakteristischen Gesang und der Stimme von

Frontmann Michael Sele zu verdanken, dies bildet

aber nur eine der Zutaten für das nun bereits seit

2006 erfolgreiche Konzept. Den aktuellen Beweis

liefert Ghost Prayers, das sehr songorientiert

ausgefallen ist, melancholisch, intim fast, und

gleichzeitig Energie ausstrahlt, Tempo hat.

Zerbrechliche, leise Lieder bestehen mühelos neben

rohen, treibenden Tracks. Aus Rock und Wave,

Alternative, Gothic und sogar Folk haben The Beauty

of Gemina ein sehr intensives, tiefschichtiges,

emotionales und berührendes Album geschaffen,

haben den weiten Raum zwischen Schwermut und

Zuversicht mit einem ganzen Dutzend wunderschöner

Lieder gefüllt.

Axel Schön

Thyrien

Hymns of the Mortals –

Songs from the North

CD (Massacre/Soulfood)

bereits erschienen

Folk Metal aus Skandinavien

Thyrien präsentieren auf ihrem Debutalbum in zehn

Tracks mit einer Spielzeit von rund 45 Minuten ihren

eigenen Folk Metal, der viele Elemente aus dem Black

und auch Death Metal einfließen lässt. Schon beim

Opener Far Beyond Midgard versuchen uns die Finnen

in ihre melancholisch-schöne und stets mythologisch

angehauchte Natur zu entführen. Schwelgt man

anfänglich in diesen Klängen, die ein wenig an Bands

wie Falkenbach oder Summoning erinnern, wird man

mit der folgenden Nummer Vengeance Through My

Soul definitiv wieder aufgeweckt. Denn nun beginnt

die Reise erst! Perfekt inszenierte Gitarrensoli, sauber

performter, grimmiger Gesang und eine äußerst

angenehme Mischung aus Melodie und knüppelnden

Passagen. Genau das, was guten Folk Metal

ausmacht. Thyrien erfinden das Rad nicht neu, doch

bieten sie allen Liebhabern des Genres ein sehr

ansprechendes Album, das sich absolut nicht

verstecken muss. Anspieltipp: My Victory, My Defeat.

Manuela Ausserhofer

THyx

Super Vision

CD (THYX)

vorauss. 25.03.2014

Elektronischer

Weltraumspaziergang,

der Laune macht

Mal schauen, ob es klappt. Was? Am Ende mehr

dazu... nun zu Super Vision: Kein Jahr ist es her, als

uns Stefan Poiss mit Below The City auf die Suche

nach einem bestimmten Sound in seinem

Klangkosmos mitnahm. Jetzt wartet bereits die

nächste Soundrakete in den musikalischen Cyberspace

vor der Tür, und nur zu gern steigt man ein, hat sich

doch einiges an der Inneneinrichtung geändert.

Wärmer ist es geworden – eine Menge der alten

Plastikkonsolen mussten natürlichen Materialien und

progressiveren Tönen weichen, und man freut sich,

Piano und Gitarre gleich in mehreren Liedern

vorzufinden. Für Immer überrascht sogar mit einem

Weltraumspaziergang Richtung elektronischen Rocks.

Vom lieb gewonnenen Verzerrer hat sich Stefan

allerdings nicht verabschieden wollen, auch wenn er

seine Singstimme immer öfter durch den Bordfunk

klingen lässt. Insgesamt ist Super Vision ein ganzes

Stück abwechslungsreicher und macht aufgrund seiner

hohen Qualität ein Hervorheben einzelner Titel fast

unmöglich. Exemplarisch könnte man aber Waiting

For You oder Every Time nennen. Und was hat nun

geklappt? Ein THYX-Album zu besprechen, ohne zu

erwähnen, dass Stefan der mind.in.a.box-Mastermind

ist, denn inzwischen ist THYX zu einer eigenständigen

Marke herangewachsen und braucht derlei

Querverweise nicht mehr.

Lars Schubert

Vanishing Point

Distant is the Sun

CD (AFM/Soulfood)

bereits erschienen

Melancholischer Power Metal

vom anderen Ende der Welt

Mit genau der richtigen Mischung aus Härte und

Dramatik steigen die Australier in ihr fünftes

Studioalbum ein, das wieder mal feinsten Power

Metal verspricht. Der melancholische Touch, welchen

die Band schon immer latent verströmt hat, ist auf

Distant is the Sun – der Titel deutet es an – vielleicht

noch eine Spur präsenter, weshalb einige Nummern

von der Atmosphäre her an Evergrey zu Zeiten von

Recreation Day oder Monday Morning Apocalypse

erinnern. Granaten wie das schnelle When Truth Lies,

der Ohrwurm Let the River Run, die grandiose

Halbballade Story of Misery oder das tieftraurige As

December Fades brauchen sich im internationalen

Vergleich sowieso nicht zu verstecken. Fakt ist aber

auch, dass Vanishing Point, nach über sechs Jahren

Pause, ihr eigenes Highlight Tangled in Dream (2000)

nicht vom Thron stoßen konnten. Doch das ist

Meckern auf sehr hohem Niveau.

Marc Halupczok

Welle: Erdball

Tanzmusik für Roboter

CD, LP (Synthetic Symphony/SPV)

bereits erschienen

Aller guten Dinge sind zehn

Das zehnte Album ließ lange auf sich warten. Klingt

es denn so, wie man es von Welle: Erdball kennt und

liebt? Ja! Es hat sich zwar vieles getan, vieles

verändert, doch irgendwie klingt es glücklicherweise

immer noch so, wie man es auch gar nicht anders

möchte! Titel wie Der Flipperkönig, Gib mir meine

Zukunft wieder, Die Liebe der 3. Art, Computersex,

Herzschlag-Alarm, Des Wahnsinns fette Beute machen

neugierig, sind originell und machen glücklich. Einfach

beachtlich ist auch, dass kein Titel irgendwie einem

anderen hinterherhinkt. Alle sind ein Original! Alle

sind echt Welle: Erdball! Und Welle: Erdball steht für

gute Unterhaltung. Und natürlich für schöne

Tanzmusik! Frage ist nun noch: Welche Edition soll

es denn sein? Die große Wunderbox mit Kassette und

einigem anderen, die Langspielplatte mit Compact

Disc, die Compact Disc mit Bonus? Alle? Alle!

Claus Müller

62 - Orkus!


Sampler

The Art of the 12“,

Volume Three

A Soundtrack for Living

DCD (Union Square/Soulfood)

bereits erschienen

Die hohe Kunst der Maxisingle

Von allen Veröffentlichungen zum 30. Geburtstag der

Plattenfirma ZTT ist diese mit Abstand am

interessantesten. Letztendlich deshalb, weil sie –

bereits in der dritten Folge – über den Tellerrand des

eigenen Labels hinwegschaut und genau das

präsentiert, was ihr Titel verspricht: die hohe Kunst

der 12“-Single, beziehungsweise die Kunst, jenes

heute seltene Format kreativ auszufüllen. Nun waren

die Köpfe hinter ZTT (Paul Morley und Trevor Horn)

nicht die Erfinder der 12“-Konzepte (hier reichen die

Wurzeln zurück in die Sechziger Jahre und sind unter

anderem in den jamaikanischen Dub-Experimenten

von Lee Perry zu finden), doch keiner entwickelte

ausgefeiltere Mixe als Produzent Horn. Anfang der

Achtziger war die Ära der 7“ endgültig passé; statt

fünf Minuten hatte man jetzt bis zu 20 Minuten „Zeit“

für einen Track. Viele Musiker und Labels streckten

lediglich die vorhandene Kurzversion, Trevor Horn

dagegen produzierte seine Stücke immer mit dem

12“-Resultat im Hinterkopf. Versammelt auf dieser

hervorragenden Doppel-CD sind denn auch

Paradebeispiele aus ebenjener Phase, als das

inzwischen nur noch in der Dance- und DJ-Szene

anzutreffende Format seine Blüte hatte: Neben dem

Video Mix von Sigue Sigue Sputniks Love Missile F1-11,

raren Kleinoden wie Something Special von Stephen

Duffy & Sandii oder Propagandas Complete Machinery

sind hier erstmals alle vier Parts von The Look of Love

von ABC in einem Track vereint! Alles abgerundet

durch fundierte und hochinteressante Linernotes von

Paul Morley. Ohne Abstriche empfehlenswert!

Ecki Stieg

MacGowan & Sinéad O’Connor – sowie viele Kleinode

und Raritäten auf der „Incidental“-CD, wobei das aus

den Achtzigern stammende Hé Stranger von Anne

Pigalle und Piccadilly Circus von Adamski’s Things zu

den Highlights gehören. Für Neueinsteiger und

Spätgeborene ist diese Zusammenstellung eine

gelungene, anschauliche Geschichtsstunde über den

perfektesten Pop, der in den Achtziger und Neunziger

Jahren kreiert wurde.

Ecki Stieg

DVD

Letzte Instanz

15 Jahre Brachialromantik

DVD (Drakkar/Sony)

bereits erschienen

Beeindruckende Geburtstagssause

im opulenten Rahmen

Im Oktober 2013 feierten Letzte Instanz eine

ausufernde Jubiläumsparty – natürlich in ihrer

Heimatstadt Dresden. Jetzt sind alle eingeladen... Wer

einmal eine Show der Jungs erleben durfte, weiß,

welche Energie von Holly Loose & Co. ausgeht, und

kann selbige auch auf dem über dreistündigen

Mammutkonzert (Sitzfleisch mitbringen!) erwarten.

Bereits der Opener Kalter Glanz kündigt die Richtung

an: Hier wird die komplette Bandgeschichte

abgefeiert. Mit Liedern wie Kopfkino, Jeden Morgen

oder neueren Krachern Marke Nur für uns. Doch die

Instanzler begrüßen nicht nur mehrere Tausend Fans

vor der Bühne, sondern auch etliche prominente Gäste

auf der Bühne. So springt Eric Fish (Subway to Sally)

bei Das Stimmlein mit Holly um die Wette, und Felix

Räuber von Polarkreis 18 unterstützt unsere

Geburtstagskinder bei Sonne. Wer die restlichen Gäste

sind, fragst Du Dich? Anschauen, überraschen und

verzaubern lassen. 15 Jahre Brachialromantik ist das

ultimative Geschenk für alle Fans der Letzten Instanz.

Auf die nächsten 15 Jahre!

Nadine Ahlig

Hörbuch

The Organisation of Pop

30 Years of Zang Tuum Tumb

DCD (Union Square/Soulfood)

bereits erschienen

Ein Stück Geschichte

The Organisation of Pop ist einer der zahlreichen

Sampler, welche zum 30-jährigen Jubiläum von ZTT

Records erscheinen. Ebenso wichtig wie die Künstler

dieses Labels waren die Masterminds dahinter,

nämlich Paul Morley, verantwortlich für den

konzeptionellen Überbau, sowie Produzent Trevor

Horn. In den wie immer sehr tief gehenden und

ausführlichen Linernotes verrät Morley, dass es

innerhalb des ZTT-Universums diverse Stränge und

Ansätze gab: Die Veröffentlichungen der „Action“-

Serie sollten das „Home of Hits“ werden (und taten

es auch!), jene der „Incidental“-Serie sollten die eher

abstrakten Ambitionen repräsentieren. Diese Grenzen

waren aber schon beim interessantesten aller ZTT-

Projekte – Art of Noise – mehr als fließend, boten

Tracks wie Close (to the Edit) doch die perfekte

Melange aus Avantgarde und Pop. Somit scheint die

Unterteilung beider Reihen auf zwei CDs ein

zweifelhaftes Unterfangen. Sinnvoller wäre eine

Gliederung nach zeitlichen Epochen gewesen, denn

dies hätte auch deutlich gemacht, dass der ZTT-

Kosmos in den Achtzigern ein en détail ausgefeiltes,

trotz aller Facetten in sich geschlossenes Konstrukt

war, wohingegen in den Neunzigern zwar mit Tom

Jones oder Seal einige große Hits gelandet werden

konnten, der Labelkontext aber kaum noch existent

und ersichtlich war. Was bleibt, sind etliche grandiose

Klassiker auf der „Action“-CD – neben den Hits von

Frankie Goes To Hollywood, Grace Jones (Slave To The

Rhythm) oder Propaganda (Dr Mabuse) auch weniger

offenkundige Perlen, etwa Haunted von Shane

Luci van Org

Frau Hölle

CD (Augenscheinverlag)

bereits erschienen

Elf Stunden

voller Mystik und Humor

Wer es bevorzugt, den Worten zu lauschen, anstatt

sie geschrieben zu lesen, ist hier vollkommen richtig.

Aber auch jeder, der Lust hat auf ein ordentlich mit

Humor, Spannung, Parodie und Phantasie gefülltes

Paket, sollte einen Blick oder, genauer: ein Ohr

riskieren. Das Besondere an diesem Hörbuch zum

2013 erschienenen Roman Frau Hölle ist, dass keine

fremde Sprecherin den Text vorträgt, sondern Luci

van Org selbst. Und wer kennt eine Geschichte besser

als die Person, die sie verfasst hat? Natürlich

niemand. Entsprechend fesselnd und spannend ist

diese CD. Die Autorin liest langsam und deutlich. Ihre

Worte sind verständlich und ermöglichen

problemloses Folgen. Bei einer Gesamtdauer von

knapp elf Stunden lohnt sich die Investition allemal!

Inhaltlich präsentiert uns die sympathische

Künstlerin eine Geschichte, in welcher die Grenzen

zwischen alten Zeiten und dem Heute verschmelzen.

So lebt auch die Totengöttin Hel – oder nennen wir

sie doch gleich Frau Hölle – mitten in Berlin. Das

unter der Regie von Berthold Heiland (!)

entstandene Hörbuch ist mehr als nur gelungen. Sehr

schön!

Manuela Ausserhofer


Sie ist wieder da!

Band 3 jetzt überall,

wo es Comics

oder Bücher gibt!

Thomas Elbel

Megapolis

(Selbstverlag)

Mit Asylon und Elysion hat Thomas

Elbel in kurzer Zeit viele Leser

dystopischer und phantastischer

Literatur begeistert. Mit Megapolis

liefert der Autor nun einen waschechten,

absolut spannenden Dark

Future-Thriller. Um der nuklear

verseuchten Erde zu entfliehen,

haben die letzten verbliebenen

Menschen künstliche Wesen – die

Novaten – geschaffen, sie

Dominik Steiner

Angstgegner

(Unsichtbar)

Dominik Steiner schreibt nicht erst

seit gestern. Schon in früher

Jugend verfasste er Gedichte, und

obwohl die Resonanz damals nicht

überwältigend war, konnte er den

Stift nie aus der Hand legen. Gut

so! Denn 2010 fand der 1981 im

Chiemgau geborene Autor die

Möglichkeit, sein Debut Leben und

Infos unter www.ulIne-store.de

versklavt und von ihnen in einem

Marskrater eine riesige Stadt als

neuen Zufluchtsort erbauen

lassen. Doch die Novaten erheben

sich gegen die Menschen. Diese

fliehen in den Untergrund, werden

jedoch weiter gejagt und

vernichtet. Seth ist Novat und

Topjäger. Eines Tages trifft er auf

Tessa, die meistgesuchte

Anführerin des menschlichen

Widerstandes. Und alles wird

anders! Wer ist gut, wer ist böse?

Ist jeder im eigenen Umfeld, der

er vorgibt zu sein? Wer ist man

selbst? Kann man seinen eigenen

Erinnerungen trauen? Schließlich

müssen harte, gefährliche Entscheidungen

gefällt werden!

Megapolis überzeugt mit einer

durchdachten Geschichte, Intrigen

und Freundschaft, detailreicher,

bildhafter Erzählweise, gut

gezeich neten, verschiedenartigsten

Charakteren und lässt

auf hohem Spannungsniveau bis

zum Ende atemlos mitbangen,

mitjagen, mithoffen.

Axel Schön

LEBEN hassen bei UBooks zu

veröffentlichen. Nun folgt sein

zweiter Roman, der die Geschichte

des jungen Jona erzählt, welcher

die hübsche Studentin Nora

kennenlernt. Doch schnell muss

er merken, dass mit Nora etwas

nicht stimmt. Alltägliche Situationen,

Banalitäten bringen sie

komplett aus der Fassung und

steigern ihren Panikpegel bis ins

Unermessliche. Nora hat Angst.

Angst vor dem U-Bahn-Fahren,

Angst vor der Stadt, Angst vorm

Badezimmer... und am meisten

davor, allein zu sein. In Jona hat

sie ihren schützenden Halt gefunden

– aber dieser weiß zu Beginn

noch nicht, wie schwer es ist,

jemandes Angst zu schultern,

wenn man selber nicht voll und

ganz im Leben steht. Angstgegner

ist ein sehr gefühlvoller Roman.

Gut verständlich, sachlich und

authentisch geschrieben. In einer

Art Tagebuchform erzählt uns der

Protagonist (dessen Name kein

einziges Mal fällt) vom gemeinsamen

Weg mit Nora, der viele

Stolpersteine beinhaltet. Sehr

gelungen!

Manuela Ausserhofer


März

Eine Band, die mit ihrem Namen den Künstler Dante Gabriel Rossetti zitiert,

welcher um 1870 das Portrait Beata Beatrix schuf. Hinter jenem Bildnis steckt

eine traurige, romantische und den Tod überdauernde Geschichte. Ob in einer

Beziehung zwischen zwei Menschen, in der Malerei oder in der Musik... die

Liebe – für Dinge oder eine Person – trägt immer eine bedeutende Rolle, um

Einzigartiges kreieren zu können. Dies versinnbildlichen Beata Beatrix durch

den Titel ihres neuen Albums: The New Gothic Generation. Musikalisch spielt

es mit den Anfängen unserer Szene, geht bis in die gegenwärtige Zeit und

spiegelt genau das wider, was der heutigen Schwarzen Szene innewohnt.

Nach ihrem Debut von 2010 (In the Garden of Ecstasy) schlägt die italienische

Formation nun ein weiteres Kapitel in Sachen Gothic Rock/Dark Wave

auf. Sängerin Hatria, Ricy Trix an der Gitarre sowie Bassist und Gründer

Crowley liefern hier ein ausgereiftes, gitarrenlastiges, teils elektronisches,

mal schwungvoll düsteres oder aber lustig-gespenstisches, zugleich jedoch

melancholisch-herzzerreißendes Statement über und für diesen Kulturkreis.

Sie bedienen sich dabei Figuren wie Elizabeth Siddal, Dracula oder auch Jack

the Ripper und lassen solchermaßen etwas ganz Besonderes auferstehen.

www.beatabeatrix.com

Kerstin Müller

Alexander Kaschte (Samsas Traum) – 01.03.1978 in Wetzlar

Daniel Craig – 02.03.1968 in Chester, UK

Simon Levko (Subway to Sally) – 05.03.1966 in Potsdam

Nina Hagen – 11.03.1955 in Berlin

Matthias Richter (Schandmaul) – 11.03.1980 in Dachau

Claudia Uhle (Angelzoom) – 15.03.1976 in Berlin

Billy Corgan (The Smashing Pumpkins) – 17.03.1967

in Elk Grove Village, Illinois, USA

Mana (Moi dix Mois) – 19.03. in Hiroshima, Japan

Asp (ASP) – 19.03.1972 in Künzelsau

Hubert Kah – 22.03.1961 in Reutlingen

Holly Loose (Letzte Instanz) – 22.03.1977 in Berlin

Jochen Seibert alias Noel Pix (Eisbrecher) – 25.03.1972

in München

Keira Knightley – 26.03.1985 in London, UK

Das Orkus!-Team gratuliert

allen Jubilarinnen und Jubilaren!


„Ich fühlte mich sehr instabil...“

Nihilistisch und suizidal sind sie noch immer.

Black Hearts In Black Suits zeigt Spiritual Front

jedoch abermals gewandelt. Es ist ein Werk

von schwindelnder Tiefe, von opernartiger

Opulenz, von einer seltsam schwülen

Heiligkeit, die vom Hauch des Morbiden

durchweht wird. Statt „Suicide Pop“ gibt

es diesmal ein Spiritual Front-Album von

sakraler, kammermusikalischer Dramatik,

musikalisch umgesetzt durch Simone Salvatoris

zurückgekehrten Weggefährten Stefano Puri

und gesanglich dargeboten von ihm selbst,

dem Prediger des Nihilismus, dem Papst der

Dekadenz. „Das Schicksal entscheidet, wann

etwas endet oder seinen Anfang nimmt“, ist

von Salvatori zu hören. „Es war die richtige

Zeit für eine neuerliche Zusammenarbeit. Wir

müssen den natürlichen Lauf der Dinge nicht

beschleunigen. Wenn dieser Fluss dorthin

fließt, dann lasse ich ihn fließen.“ Puri ist

Spiritual Front-Fans vor allem als Kollaborateur

auf dem wegweisenden Armageddon Gigolò

bekannt. Nun lenkt er Spiritual Front abermals

in eine neue, einzigartige Richtung. Puri

ex Machina? „Vielleicht ging in den letzten

Jahren tatsächlich etwas schief“, überlegt der

Römer. „Ich fühlte mich sehr instabil, und

das merkte man meiner Musik an. Wieder

mit ihm gemeinsam zu arbeiten, hat mich

immens gestärkt.“ Es hat sich aber auch

wirklich gelohnt. Die Stücke sind von einer

unglaublichen Dichte, strahlen italienische

Wollust ebenso aus wie Nick Cave-Zynismus,

geben sich verloren, melancholisch und

entrückt. „Uns schwebte ein nacktes, ein

ehrliches Album vor, das sich nicht versteckt.

All unser Herz floss in diese Lieder.“

Vertont wird Salvatoris und Puris Bewunderung

für Rainer Werner Fassbinder, den großen

Maestro des deutschen Kinos. „Ein Tribut

an seine Kunst und seine Filme“ soll es sein,

sagt der Sänger, „eine Verbeugung vor seiner

Fähigkeit, das menschliche Elend auf Zelluloid

zu bannen – die gebrochenen Versprechen,

das tiefste Verlangen, die Parodie des Lebens,

den Schmerz der Liebe, die Sklaverei sexueller

Beziehungen.“ Fassbinder gibt Salvatori die

Möglichkeit, das Leben wieder zu schätzen,

zu wissen, was Liebe ist, und seinen Ängsten

und Lüsten gegenüberzutreten. Auch sein

„Suicide Chamber Pop“, wie er es jetzt nennt,

enttarnt die menschliche Natur: „Fassbinders

Filme zeigen unser wahres Gesicht. Hinter

der scheinbaren Ruhe des Mittelstands lauert

immer die Gier nach Eroberungen. Ein

sozialisierter Hass, der sich hinter formalen

Beziehungen verbirgt. Dabei wollen wir

doch alle nur geliebt werden.“ Da passt die

Vertonung eines Oscar Wilde-Gedichts im

abschließenden Each Man Kills The Thing He

Loves natürlich besonders gut...

www.spiritualfront.com

Björn Springorum

Discographie (Alben):

Song for the Will (1999)

nihilist cocktails for calypso inferno (2001)

Armageddon Gigolò (2006)

Rotten Roma Casinò (2010)

Open Wounds (2013)

Black Hearts In Black Suits (2013)

Line-Up:

Simone Salvatori – Gesang

Stefano Puri – Musik

66 - Orkus!


Portrait aus Wut

und Trauer

Das lang erwartete neue Album. Inklusive dem Bonus-Album Grenzland.

Ab sofort erhЂltlich!

• Opulente Doppel-CD (Album plus Bonus-Album)

• 8-seitiges Digipak veredelt mit Spotlackierung

..

• Bonus-CD mit zwolf Liedern

• Zwei umfangreiche Booklets

• Booklets inklusive aller Texte

• Streng auf 3.000 Exemplare limitiert

MANTUS sehen nicht lЂnger zu, wie die Welt in Scherben zerbricht,

sondern schwingen sich zu FederfŠhrern des klassischen, gitarrenbetonten Gothic auf,

die aus dem Bekenntnis zur eigenen Verzweiflung die wirksamste Waffe schmieden:

Starke, gefŠhlvolle Songs, die einen, verbinden und stЂrken.

„Portrait aus Wut und Trauer“ ist ein 14 Song starkes Manifest,

das wie eine Fackel in der Dunkelheit auflodert.


„Wir haben den Drang,

hinter die Kulissen zu schauen.“

Simon Michael Schmitt ist nicht nur seit 2005 Schlagzeuger von Subway to Sally, Produzent und Texter, sondern auch Franke aus

Leidenschaft, großer The Simpsons-Fan und extrem sympathisch. Gut so, denn bei düsteren Themen wie dem neuen Album Mitgift

schadet die eine oder andere Lachpause nicht...

Orkus: Mitgift trägt den Untertitel

Mördergeschichten, was die Stoßrichtung

ziemlich genau umschreibt. Alle Lieder handeln

von gewaltsamen Todesfällen oder zumindest

schweren Verbrechen. Wie bist du auf dieses

Konzept gekommen?

Simon Michael Schmitt: Als Künstler

kann ich mir nicht aussuchen, was mich

inspiriert. In diesem Fall hat mich das Thema

einfach angesprungen. Schon lange vor meiner

Zeit bei Subway to Sally komponierte ich

bereits einen Song, der sich mit diesem Thema

beschäftigt. Und auch Subway to Sally haben

ja bereits mehrere Mörderballaden vertont.

Als ich dann für das letzte Album Schwarz in

Schwarz das Stück Mir allein schrieb, war mir

klar, dass ich gerne ein ganzes Werk mit solchen

Geschichten füllen würde.

O: Und deine Kollegen waren gleich Feuer und

Flamme?

SMS: Nein, Bodenski war sogar ziemlich

skeptisch. Also entschied ich mich, die Idee für

meine andere Band Silverlane zu verwenden.

Aber eines Abends saßen wir bei Bodenski zu

Hause bei einer Flasche Rotwein und gingen

gemeinsam Das große Verbrecher-Lexikon durch.

Das hat uns beide gefangen. Anschließend

begann ich mit ernsthaften Recherchen und

konnte die anderen schließlich überzeugen,

ein „Mörderalbum“ umzusetzen. Wenn du die

Bibliothek in meinem Studio anschaust, glaubst

du wahrscheinlich, du hättest es mit einem

Verrückten zu tun. (lacht)

O: Wie habt ihr die zu vertonenden Verbrechen

ausgewählt? Die Spanne reicht ja von Mythen aus

fernen Jahrhunderten bis hin zu relativ aktuellen

Fällen wie jenem des Entführungsopfers

Natascha Kampusch.

SMS: Das war ein relativ schweres Thema,

das stimmt. Grundsätzlich haben wir fast

alles zugelassen. Ausgeschlossen waren Fälle

jüngeren Datums über Kindesmissbrauch

oder Verbrechen, die nicht so stark in der

Öffentlichkeit standen. Wir wollten unbedingt

vermeiden, jemanden mit unserer Musik zu

verletzen oder zu beleidigen. Das Stück Dein

Kapitän, das wir dem Fall Kampusch zugeordnet

haben, lässt sich zum Beispiel allgemein auf

Entführungen anwenden. Aber die Geschichte

ging ja auch ausführlich durch die Presse, und

das Opfer selbst zeigte sich oft im Fernsehen.

O: Du musst dich während deiner Arbeit doch

auch gefragt haben, was Menschen generell an

solchen Geschichten fasziniert, oder?

SMS: Natürlich. Im Zuge meiner Recherchen

hatte ich das große Glück, die bekannte

Kriminalpsychologin und Autorin Lydia

Benecke (unter anderem Auf dünnem Eis. Die

Psychologie des Bösen – Anm.d.Verf.) und ihren

Mann Mark kennenzulernen, die mir viele

Informationen geben konnten. Es ist wie bei

einem Zaubertrick. Die Leute wollen wissen, wie

er funktioniert. Und bei einem Mörder wollen

sie wissen, was ihn zu dieser Tat getrieben hat.

Wir haben den Drang, hinter die Kulissen zu

schauen. Das liegt in der Natur des Menschen.

Es ist kein Zufall, dass Fernsehserien wie Autopsie

– Mysteriöse Todesfälle so erfolgreich sind. Aber

ich habe gelernt, dass es dabei nicht nur um

bloßen Voyeurismus geht. Viele interessiert

tatsächlich der Hintergrund der Geschichte.

O: Bist du selber denn auch Fan von Krimis und

fiktionalen Erzählungen zum Thema?

SMS: Nein, überhaupt nicht. Mich interessieren

nur echte Fälle, besonders ungelöste Mordfälle.

Vor Jahren habe ich sogar eine Zeit lang mit dem

Gedanken gespielt, Richtstättenarchäologe zu

werden. Das ist eine Welt, die mich unglaublich

fasziniert.

O: Andererseits muss es doch sehr belasten,

sich rund um die Uhr durch den Dreck der

menschlichen Geschichte zu wühlen. Als

Beispiel sei der Serienkiller Fritz Haarmann aus

Hannover genannt, der für euer Stück Warte,

warte Pate stand.

SMS: Natürlich ist das anstrengend. Ich bin

für dieses Album an meine Grenzen gegangen

und musste immer mal wieder Abstand zum

Thema gewinnen. Wobei Fritz Haarmann gar

nicht der schlimmste Fall war. Was mich an der

Geschichte gereizt hat, ist die Tatsache, dass er

sich als erster deutscher Medienstar inszenierte.

Er sagte einmal selbst, dass sich die Menschen

noch in tausend Jahren an ihn erinnern werden,

und hat damit gespielt. Allerdings misslang

sein Versuch, sich als geisteskrank darzustellen,

er wurde schließlich hingerichtet. Und es gibt

noch einen anderen interessanten Aspekt: Schon

68 - Orkus!


„Alles drum herum ist Bonus.“

zu seinen Lebzeiten sprachen die Menschen in

seiner Stadt davon, dass ein Werwolf oder ein

Vampir umgehe, der die jungen Opfer töte.

All diese Mythenwesen basieren auf frühen

Verbrechen von Menschen. Einfach, weil wir uns

nicht vorstellen können, dass einer von uns zu so

etwas fähig ist.

O: Widmen wir uns den musikalischen

Aspekten von Mitgift. Du hast hier nicht nur

als Komponist und Texter Schwerstarbeit

geleistet, sondern auch als Produzent. War

es nicht kompliziert, diese Mischung aus

mittelalterlichen Instrumenten, Metal-Riffs und

elektronischen Parts zu vereinen?

SMS: Es war zumindest eine große

Herausforderung. Wir hatten rund 280 Spuren

pro Song, die bereits von über 300 Spuren

zusammengefasst waren. Aber uns schwebte ein

gutes Maß zwischen all den von dir genannten

Elementen vor. Ich bin selbstbewusst an die

Arbeit gegangen und im Nachhinein sehr

zufrieden. Alle Instrumente haben genügend

Raum. Grundsätzlich ist es eh so, dass die

Stimme von Eric und die Gitarre von Ingo den

Sound von Subway to Sally ausmachen. Alles

drum herum ist Bonus.

O: Du bist nun zwar bereits neun Jahre dabei,

aber trotzdem das „frischeste“ Mitglied. Dein

Einfluss scheint in den letzten Jahren rapide

gewachsen zu sein... oder täuscht das?

SMS: Das war eigentlich vom ersten Tag an so.

Ich habe schon beim Vorspielen gespürt, dass

wir künstlerisch verwandt sind. Das ist meine

Band. Nicht dass sie mir gehören würde! Aber

ich gehöre in diese Band. Kompositorisch und

als Texter konnte ich früh meinen Beitrag leisten.

Seitdem ich das Tonstudio besitze, ist es nur

logisch, dass wir auch diese Möglichkeit nutzen.

O: Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass

ihr euch ein wenig aus der Mittelalter-Szene

lösen wollt. Das lässt sich sowohl an den Lyrics

als auch am Sound ablesen, welche sich immer

weiter von den „Standards“ entfernen.

SMS: Ich persönlich habe schon länger das

Gefühl, dass die Szene stagniert. Es passiert

nichts Neues, es gibt keine Inspirationen mehr.

Das Metal-Riff mit der darübergelegten Folk-

Melodie habe ich jetzt tausend Mal gehört. Für

Mitgift benutzten wir viel moderne, elektronische

Musik, weil wir einfach Lust drauf hatten. Das

kann sich mit dem nächsten Album wieder

ändern, muss es aber nicht. Ich weiß, dass viele

Fans auf die frühen Werke – wie Bannkreis oder

Foppt den Dämon! – stehen. Aber diese Alben

gibt es schon. Wir werden nie wieder so klingen.

O: Ihr habt euch auch in Sachen Coverartwork

weiterentwickelt. Wenn man die Bilder von

früheren Veröffentlichungen mit Mitgift

vergleicht, ist das ein riesiger Unterschied.

Die lebensgroßen Scherenschnitte wirken

unglaublich intensiv.

SMS: Die Idee entwickelten wir gemeinsam

mit der Firma angst-im-wald. Unser Ziel war es,

das Thema „Mord“ anspruchsvoll darzustellen.

So kam uns die Idee mit dem Schattenspiel.

Die Firma entwickelte einige Beispiele, die uns

sofort gefielen. Wir hatten übrigens vor Jahren

schon mal überlegt, ein Schattenspiel in unsere

Bühnenshow zu integrieren.

O: Womit du die letzte Frage vorwegnimmst:

Mitgift würde sich dafür anbieten, theatralische

Elemente jedweder Art einfließen zu lassen...

SMS: Darüber haben wir uns auch Gedanken

gemacht. Es werden definitiv keine normalen

Shows, das ist klar. Wir haben zum ersten Mal

seit 20 Jahren einen neuen Bühnenaufbau,

außerdem experimentieren wir gerade mit

einigen spielerischen Elementen. Es muss

natürlich immer umsetzbar bleiben. Aber nach

momentanem Stand werden die Gigs auf der

Tour aus zwei Blöcken bestehen. Im ersten

kommen unsere Mörderballaden zum Zug,

anschließend soll es etwas lebensbejahender

zugehen. Die Leute sollen ja mit einem guten

Gefühl nach Hause gehen.

www.subwaytosally.com

Marc Halupczok

Photos: angst-im-wald

Discographie (Alben):

Album 1994 (1994)

MCMXCV (1995)

Foppt den Dämon! (1996)

Bannkreis (1997)

Hochzeit (1999)

Schrei! (live, 2000)

Herzblut (2001)

Engelskrieger (2003)

Nord Nord Ost (2005)

Nackt (live, 2006)

Bastard (2007)

Schlachthof (live, 2008)

Kreuzfeuer (2009)

Nackt II (live, 2010)

Schwarz in Schwarz (2011)

Mitgift (2014)

Line-Up:

Eric „Fish“ Hecht – Gesang, Dudelsack, Barockoboe,

Schalmei, Flöten

Ingo Hampf – Gitarre, Renaissancelaute, Mandoline

Michael „Bodenski“ Boden – Gitarre, Drehleier, Gesang

Silke „Frau Schmitt“ Volland – Geige, Bratsche

Simon Levko – Gitarre, E-Trumscheit, Gesang

Silvio „Sugar Ray“ Runge – Bass

Simon Michael Schmitt – Schlagzeug, Percussion

Jetzt auch als Abo-Prämie:

70 - Orkus!


„Eine Reise durch die Augen eines

außerirdischen Nachtfalters...“

Eine Welt aus Geistern, Feen, Hexen, spacigen

Kätzchen und anderen magischen Wesen

erweckt Paulina Cassidy mit ihren Werken zum

Leben. Dabei beschränkt sie sich nicht auf eine

Kunstform. Paulina schreibt und illustriert Bücher

sowie Kalender, zeichnet Einzelbilder und Serien,

hat zwei Tarotkartensätze gestaltet und setzt ihre

Ideen auch klanglich um. „Meine Musik ist so,

wie meine Kunst sich anhört. Bildende Kunst

und Musik sind eng verknüpft – sie verbindet

eine kreative Welle, die sich vom Visuellen zum

Hören und wieder zurück bewegt“, erläutert die

gebürtige Kanadierin, die heute in den USA lebt.

„Ich sehe das oft bei Künstlern passieren, und es

ist faszinierend, denn wir wissen nicht wirklich,

woher das kommt, aber es ist da.“

Die Sängerin und Komponistin will ihre Figuren

als keine reinen Erfindungen verstanden wissen,

sondern ist der Überzeugung, dass wir uns Zeit

und Raum mit zahllosen anderen Dimensionen

teilen: „So viele verschiedene Welten dort draußen

warten darauf, entdeckt zu werden. Ich glaube

an anderweltliche Dinge aller Art, die in jenen

anderen Dimensionen wohnen. Manche dieser

Existenzen leben auch bei und unter uns, etwa die

Elfen. Es ist die Magie des Geheimnisvollen, das

Unbekannte, die Esoterik, warum Künstler aller

Sparten darüber malen, schreiben, Lieder singen.

Das hilft uns wohl, diesem Mysterium ein wenig

näherzukommen.“

Aus vielfältigen Quellen speist sich Paulinas dunkelbunt-märchenhafter

Kosmos: von Lewis Carroll

oder Tim Burton zu Kay Nielsen und Edward

Gorey, von Cocteau Twins oder The Cure über

Tangerine Dream und Radiohead bis zu keltischer

Musik und Ambient. Ihr neues Album trägt den

Titel Sugar Wingshiver. Was das sein soll? Natürlich

ebenfalls ein Wesen, welches der künstlerischen

Phantasie entsprungen ist. „Wenn je ein

Nachtfalter aus einer fremden Welt zu uns käme,

würde ich ihn Sugar Wingshiver nennen. Und so

ist dieses Album letztendlich eine Reise durch die

Augen eines außerirdischen Nachtfalterweibchens,

das unseren Planeten besucht; seine Beobachtung

der anderen mysteriösen Geschöpfe auf Erden und

der Einfluss, den es hinterlässt, nachdem es wieder

fortgeflogen ist“, erklärt Paulina, die alle Tracks

allein und mit elektronischen Mitteln einspielt.

Die Stücke auf Sugar Wingshiver wirken zumeist

atmosphärisch, verträumt, relaxed, obschon

auch spukige Gestalten wie ein Werwolf darin

vorkommen. „Meine Kunst berührt durchaus das

Schauderhafte, obwohl sie normalerweise nicht so

unheimlich erscheint, sogar dann nicht, wenn es

beabsichtigt ist. Ich schätze, das ist meine Natur“,

sagt die Veganerin hierzu.

Bei so vielen mystischen Kreaturen in ihrem

Schaffen stellt sich die Frage, ob Paulina

Cassidy selbst gern eine davon wäre, wenn sie

ihr menschliches Dasein eintauschen könnte?

Das Nachdenken währt nur kurz. „Ich hätte

nichts dagegen, für eine Weile das Feenleben

auszuprobieren. Doch ich liebe auch den Ozean

– vielleicht wäre es ganz schön, eine Meerjungfrau

zu sein; dort, wo es tropisch warm ist...“

www.paulina.ws

Axel Schön

Discographie (Alben):

Bloodroots (2011)

Time Traveler (2012)

Girl in a Moonbeam Cloak (2012)

Lost in Oz (2012)

Sugar Wingshiver (2014)

AB

28.03.!

DAS ERSTE SOLOALBUM DER EHEMALIGEN NIGHTWISH-FRONTFRAU!

ERHÄLTLICH ALS CD DIGIPAK UND DOWNLOAD.

www.anette-olzon.com · www.facebook.com/anetteolzonofficial

S H I N E

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Twitter @earmusicedel


„Ein Bilderbuch!“

Im Oktober 2013 erschien das Zweitwerk der siebenköpfigen Mittelalter-Truppe. Nun folgt ihre „Willkommen

im Licht“-Tour. Die erste Tournee, bei der Harpyie nicht als Support, sondern als Headliner auftreten dürfen.

Etwas ganz Besonderes für die humorvollen Musiker. Wir haben mit Fronter Andre alias Aello die Windböe über

die Konzertreise, die Resonanz auf das Album und mehr gesprochen.

Orkus: Eure Tour hat gerade begonnen. Seid ihr aufgeregt?

Aello die Windböe: Natürlich sind wir aufgeregt.

So wie immer! Aber diesmal ist es schon besonders – da

wir in der Vergangenheit immer Support waren, sind wir

eine eigene Tour nicht gewöhnt und schauen mit Respekt

auf das, was uns erwarten mag. Aber wir haben einiges

in Planung. Natürlich werden wir hauptsächlich die

Lieder unseres neuen Albums spielen, aber auch ein paar

„Klassiker“ werden zu hören sein.

O: Willkommen im Licht wurde im Herbst veröffentlicht.

Wie waren die ersten Reaktionen?

AdW: Ihr hört das bestimmt oft, aber ich glaube, so

richtig zu 100 Prozent ist man nie zufrieden. Man weiß

immer hinterher, was man hätte besser machen können,

aber grundsätzlich sind wir sehr stolz. Willkommen im Licht

klingt definitiv so, wie wir es uns im Vorfeld gewünscht

haben. Die Reaktionen sind, wie bei uns immer, von hoch

gelobt bis zerrissen. Wir sind damit zufrieden, dass wir

so polarisieren. So finden wir statt und geraten nicht in

Vergessenheit.

O: Besonders spektakulär ist das illustrierte Booklet. Erzähl’

uns bitte mehr darüber.

AdW: Ja, das ist ein Nerv der Band. Wir wollen nicht

einfach nur Musik machen, sondern eine ganze Welt

erschaffen. Dementsprechend ist uns die Gestaltung auch

immer total wichtig. Es ist ein Gesamtkunstwerk. Wir


finden aussagekräftige Szenen wichtig, und vor allem

bringen sie dem Leser das Thema des Songs näher. Ihr

werdet sehen, dass jedes Bild zum jeweiligen Song passt

und teilweise den Inhalt sehr klar wiedergibt. Es ist

unser kleines Geschenk an die Fans. Ein Bilderbuch!

O: Wie seid ihr auf den Namen Harpyie gekommen?

Ich musste gleich an Das letzte Einhorn denken...

AdW: Yep, Das letzte Einhorn. (lacht) Da kommen

viele drauf. Man kennt sie, glaub’ ich, auch aus Ronja

Räubertochter und aber vor allem aus der griechischen

Mythologie. Die Racheengel von Zeus. Aber es gibt sie

auch in der realen Fauna. Die größten Raubadler der

Welt. Ich denke, identifizieren können wir uns mit allen

Beispielen. Gekommen sind wir auf Harpyie wie die

Jungfrau zum Kind. Wir hatten uns mehrere Wochen

den Kopf zerbrochen, wie wir heißen könnten, und es

kam nichts Ordentliches dabei rum. Irgendwann kam

Mechthild aus Kreta zurück und sagte: „HARPYIE!“

Manchmal kann es so einfach sein. (lacht)

O: Gibt es so etwas wie einen ganz besonderen Moment

in eurer Bandgeschichte?

AdW: Oh ja, da gibt es viele. Aber ich denke, dass die

Konzerte auf dem Wacken Open Air die spektakulärsten

Tage in unserem Musikerleben waren. Reizüberflutung

pur. Tolle Konzerte. Wir leben und kosten jeden

Moment aus und freuen uns, solange es Bestand hat.

O: Euer neues Album beinhaltet einige spannende

Zusammenarbeiten. Wie sind sie zustande gekommen?

AdW: Da sind dieses Mal ein paar ganz tolle Leute

dabei. Dem Hauptmann von Feuerschwanz bin ich

besonders dankbar, weil er der Story des letzten Helden

erst richtig Leben eingehaucht hat. Ihm ist es zu

verdanken, dass aus einem überheblichen Monolog ein

lustiger Dialog wurde. Ich finde, das wertet den Song

ungemein auf. Für Samson und Delilah brauchten wir

natürlich eine Delilah, und die sollte tough, energisch

und kraftvoll klingen. In Sina (Niklas, Ex-Orphan Hate

– Anm.d.Red.) haben wir eine wunderbare Stimme

gefunden. Ich könnte mir keine bessere Wahl für den

Song vorstellen.

O: Und das Ergebnis ist ein eigenes Genre, das sich in

keine Schublade stecken lässt...

AdW: Ja, das ist bei uns nicht einfach. Um es den

Hörern einfacher zu machen, würde ich sagen, es ist

Mittelalter Rock. Wer sich näher damit beschäftigen

will und uns da nicht sieht, dem sage ich „Folk Pop

Metalcore“. (lacht) Also, ich würde uns da wirklich in

keiner mir bekannten Nische der Szene sehen, weil ich

auch keine zweite Band kenne, die so klingt.

www.harpyien.de

Manuela Ausserhofer

Discographie (Alben):

Blindflug (2012)

Willkommen im Licht (2013)

Line-Up:

Aello die Windböe – Gesang, Schalmeien

Podargo der Schnellfliegende – Gitarre, Laute

Gyronimus Basstard – Bass

Mechthild Hexengeige – Geige, Gesang

Garik Sturmbringer – Sackpfeifen, Flöten

Michael von Ullrichstein – Sackpfeifen, Flöten

Kelaino der Dunkle – Schlagzeug, Percussion, Gesang

„In Zukunft

mehr Anreiz...“

„Wir spielen eingängigen Electronic Rock, kurz: Electrock. Moderne

Beats, kombiniert mit kraftvollen Gitarrenriffs und melodiösem

Gesang, in einem Klanggewand aus Synthiesounds. Das Ganze

arrangiert als kompakte, zielstrebige Songs mit Ohrwurmgarantie.

Jedoch sind wir auch experimentierfreudig – gerade das Spielen

mit elektronischen Elementen macht einen großen Teil unserer

Musik aus“, umreißt Fronter Gerrit Wolf seine Band für jene, die

sie bisher nicht kennen. Neben ihrem Debut Shapes of Perception

schufen Jovian Spin auch einige spannende Remixe, etwa von Neuer

Wind (van Canto) oder Ich sehe die Sterne bei Tag (Samsas Traum).

Letztere Verbindung geht aber noch tiefer: „Wir haben bereits

2013 für Samsas Traum im Vorprogramm in der Bochumer Matrix

gespielt. Der Kontakt zu Alexander Kaschte kam erfreulicherweise

über Orkus! zustande. Wir hatten den Track scream & shout auf der

Orkus! Compilation 72 veröffentlicht. Alex wurde dadurch wohl auf

unseren Sound aufmerksam und schrieb mich an, ob ich für ihn

einen weiteren Remix machen würde.“ 2014 kann man Jovian Spin

erneut als Support des Käferkönigs bewundern.

Da sie eine wirklich große Leidenschaft für gute Bearbeitungen

hegen, bieten sie auf ihrer Homepage eine ganz besondere

Möglichkeit – die Chance, eigene Versionen ihrer Stücke

anzufertigen. „Wir freuen uns über jeden Besuch und über jeden

Remix, den wir zugeschickt bekommen“, sagt der kreative Kopf

der Truppe. Gerrit schreibt die Lieder sowie Texte. „Musikalisch

lasse ich mich gerne von aktuellen Produktionen vieler Künstler

beeinflussen. Auch Live-Konzerte anderer Acts geben mir einen

starken Drang, selbst Musik zu machen und damit auf der Bühne

zu stehen. Sehr interessant finde ich momentan Bands wie The

Knife, VETO oder Die Antwoord.“

Derzeit stellen die Mainzer ihr zweites Album fertig. Alle Titel

sind schon arrangiert und im Aufnahmeprozess. Gerrit verrät,

dass das Werk (vermutlich) im Sommer erscheinen soll. „Für das

Release haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen. Wir haben

beschlossen, dem Fan beziehungsweise Käufer in Zukunft mehr

Anreiz zu geben, wie und wann er sich Musik von uns anhören und

kaufen kann. Mehr Infos dazu später!“, grinst er. Na, da sind wir

natürlich gespannt...

www.jovianspin.com

Manuela Ausserhofer

Orkus! - 123 73


„Das Einzige, was zählt, ist das Hier und Jetzt.“

„Meine Stimme ist mein wichtigstes Instrument“, sagt Johannes

Sigmond. Klar und aufgeräumt klingt sie durchs Telefon. Bei einem

Sänger, als der er vorrangig gesehen werden möchte, ist das nichts

Besonderes. Weder sein Statement noch dessen wohliger Klang. Das

Besondere ist, dass er gleichzeitig davon spricht, Lyrics würden einer

Melodie selten guttun. Und dass er trotzdem bei jedem Stück seines

neuen Albums Promises of No Man’s Land Text und Stimme einsetzt. Mal

wild, mal sehr zurückgenommen, mal plakativ, mal sehr verschachtelt.

Den Ton gibt sie immer an.

Er erzählt von Plätzen und Städten, die essenziell für ihn und sein

Schaffen sind: Berlin, Barcelona, Utrecht, Südfrankreich. Er ist ein

hipper, hauptsächlich in den Beneluxstaaten erfolgreicher Künstler,

Weltreisender und Fan von Radrennen. Blaudzun ist ein interessanter

Mann, und das nicht nur wegen der Ambivalenz, mit der er über seine

Stimme redet. Seinen Namen hat er dem dänischen Radrennfahrer aus

den Sechzigern entliehen, sein aktuelles Coverbild zeigt ein androgyn

wirkendes Kind, das der tschechische Photograph Jan Saudek 1978

aufgenommen hat. „Auch wenn ich gern Bowie oder Springsteen höre,

bin ich nicht in den Siebzigern gefangen“, erklärt Blaudzun und schiebt

nach: „Ich liebe es, im Jahr 2014 zu leben. Das Einzige, was zählt, ist das

Hier und Jetzt.“

Oft streift er mit seinen Sätzen und Überlegungen eine universelle

Wahrheit und behält trotzdem seinen Humor. Er lacht in den Hörer,

seine Stimme sei mit seinem Gehirn, seinen Gefühlen, vor allem aber

mit seinen Eiern verknüpft. Und er sagt, dass Musik ihn reinige und

befreie: „Musizieren ist Katharsis.“

Um die Entwicklung des neuen Materials hat er ein mittelschweres

Geheimnis gemacht und beteiligte Gäste gebeten, kein Wort über die

Produktion zu verlieren, welche er im Juni 2013 begonnen hatte. Er

vergleicht den Prozess mit dem Kochen eines Eintopfs. Auch da dürfe

der Deckel nicht immer wieder angehoben werden. Das schadet dem

Geschmack. Ist musizieren also wie kochen? Blaudzun antwortet einfach,

dass er in jene Zone gelangen wollte, ein Debutwerk zu produzieren. Es

ist sein viertes.

Das titelgebende Niemandsland beschreibt der Künstler als

„unerforschtes Terrain“, als eine Stadt mit Millionen Einwohnern und

Millionen einsamer Seelen. „Du hast eine Entscheidung getroffen,

von der du nicht weißt, was sie mit sich bringt. Doch zurück kannst

du auch nicht.“ Gefangen in der Spur. Aber er redet eben auch davon,

dass ein solcher Prozess wichtig ist und prägend. „Manchmal muss man

eine Grenze überschreiten, das kann wunderschön sein. Nichts, was du

kanntest, bleibt gleich.“ Darum „promises“ – Versprechungen.

Womöglich, sagt Blaudzun, verändert auch er sich bis zu seinem

nächsten Album... sein Sound, seine Stimme. Kategorien interessieren

ihn nicht: „Ob es Folk Rock oder Alternative Rock genannt wird, ist egal.

Ich unterscheide bloß zwischen guter oder schlechter Musik.“ Nichts

also ist sicher, nur vielleicht, dass sein Album in Blaudzuns Kategorien

passt. In die gute.

www.blaudzun.com

David Skrinjar

Discographie (Alben):

Blaudzun (2008)

Seadrift Soundmachine (2010)

Heavy Flowers (2012)

Promises of No Man’s Land (2014)

74 - Orkus!


„Ich bin

sozusagen

eine gezielte

Träumerin.“

Besonders in den letzten Jahren hat so manche Powerfrau bewiesen, dass die Psychobilly/

Rockabilly/Horror Punk-Szene nicht unbedingt eine Männerdomäne sein muss. Man

denke bloß an Kitty in a Casket oder The Hellfreaks. Doch die aus Finnland stammenden

Night Nurse setzen noch einen obendrauf. Sängerin Nurse Camy bringt eine solche Ladung

Aggression, Energie und Leidenschaft mit auf die Bühne, wie man sie selten erlebt: rotes

Haar, unzählige Tattoos, sexy Lack und Leder und natürlich eine kraftvolle Stimme.

Camy ist, wie sie selber findet, kein kleines Mädchen mehr, und diese Lebenserfahrung und

Reife kann man hören. „Mit unserer Musik will ich jedem zeigen, dass er einfach nur er selbst

sein soll. Man soll die Sachen anpacken, die das Herz einem sagt. So mache ich auch Musik“,

erzählt die charismatische Vokalistin. „Ich bin sozusagen eine gezielte Träumerin. Ich male

mir aus, dass ich mich in allen möglichen Situationen befinde. Vielleicht ist das meine Art,

mich für die Zukunft zu wappnen, ohne dabei zu viel Stress zu haben. Ich glaube, man kann

alle Bestrebungen wahr machen, wenn man sie nicht allzu ernst nimmt. Ich gehe meinen

eigenen Weg, habe aber auch keine Angst, jemanden um Hilfe zu bitten.“

Jetzt steht das heiß ersehnte Debut bereit. Band und Album sind nach der kessen Fronterin

benannt, die auf dem Cover keine Furcht vor Spritzen zeigt und als verführerische

Krankenschwester in knappem Lack posiert. Sie ist auch für das gesamte Artwork

verantwortlich. Inhaltlich erwartet uns „Psychobilly mit fesselnden Melodien und gruseligen

Vibes... Night Nurse deckt ganz verschiedene Seiten und Atmosphären von Horror ab“,

erklärt Camy.

Tom Bones, Kontrabassspieler der Truppe, berichtet über die Produktion: „Wir haben so eine

Do It Yourself-Einstellung, und ich sorge für die Aufnahmen und den Mix. Glücklicherweise

sind wir alle schon sehr lange befreundet, und jeder teilte dieselbe Vision. Das macht die

Sache einfacher. Ich musste bloß alles irgendwie zusammensetzen. Natürlich gab es auch ein

paar Dinge, die wir lieber Profis überlassen. Virtalähde Mastering und Wolverine Records

haben den Rest erledigt.“ So entstand ein sauber produziertes Album, das definitiv viel

Aufmerksamkeit erregen wird.

Die letzten Monate waren für Camy und ihre Jungs extrem spannend. Night Nurse wurde

fertiggestellt, und sie bastelten fleißig an einer Releasetour. „Wir freuen uns sehr, nach

Deutschland, Tschechien oder Österreich zu kommen. Das wird super!“, lacht Tom. Schön,

dass die Finnen die Grenzen ihrer Heimat überschreiten und auch hiesige Gebiete unsicher

machen. Der blanke Horror steht also vor der Tür – Du musst ihn nur noch hereinlassen.

www.nightnurse.fi

Manuela Ausserhofer

INCURA · OUT NOW!

Wilde, knirschende Metal-Grooves gehen in technisches

Prog-Rock-Können über, während es sich Classic-Rock-

Arrangements neben operesquem Drama gemütlich machen.

Für Fans von MY CHEMICAL ROMANCE,

BILLY TALENT, AFI und FALLOUT BOY!

GOLIATH · OUT NOW!

Das monströse Debüt einer der aufregendsten Bands, die

aus der Metal-Szene von Los Angeles hervorgegangen ist.

Erhältlich als: CD und DIGITAL ALBUM

www.CENTURYMEDIA.com


„Sich selber kennenzulernen, ist ein fortwährender Prozess...“


Zeit hat die Bedeutung, die man ihr gibt. Wenn eine Band aber seit 30 Jahren in einer Underground-Szene nicht nur besteht,

sondern über jene lange Spanne erfolgreich bleibt, ist das mehr als eine Randnotiz wert. Clan Of Xymox gehören nicht ohne Grund

seit nun tatsächlich drei Jahrzehnten zu den großen Namen im Gothic/Wave.

Orkus: Vor eurem aktuellen Release

Matters of Mind Body and Soul habt ihr 2012

Kindred Spirits veröffentlicht – ein Werk mit

Interpretationen einiger Gothic- respektive

Wave-Kultstücke. Mögen eure Fans deine

Fassungen dieser im Original ja sehr berühmten

Titel? Hat sich eventuell sogar ein Song als

Favorit entpuppt?

Ronny Moorings: Das Cover-Album

wurde sehr gut aufgenommen. Die Lieder

gefielen unseren Fans, die auch die ausgewählten

Bands mochten. Ich kann nicht sagen, welches

am meisten gefiel, aber Fangruppen von

The Cure und Depeche Mode haben unsere

Varianten in ihre Websites eingebaut. Das ist

eine Ehre und ein Zeichen, dass es die richtigen

Cover-Versionen waren. Es war aber vor allem

auch meine persönliche Hommage an diese

Bands, deswegen bin ich natürlich mit dem

Resultat zufrieden.

O: Seit 1984 gibt es Xymox/Clan Of Xymox.

Magst du persönlich immer noch dieselbe

Musik wie Mitte und Ende der Achtziger, oder

haben sich deine Vorlieben seitdem komplett

geändert?

RM: Mein Geschmack wechselt laufend. Das

hilft, wenn man selbst Musik schreibt. Man

darf nicht einfach in der Vergangenheit stecken

bleiben. Die Zeit, verschiedene Menschen,

eigene Erlebnisse und Erfahrungen, vielleicht

auch die Umgebung beeinflussen meinen

Musikgeschmack – ich lasse das ganz auf mich

zukommen. Das Einzige, was ich weiß, ist,

was ich nicht mag. Um Mainstream nämlich

werde ich definitiv immer einen großen Bogen

schlagen. Ich schätze, man kann meinen

Geschmack als „alternativ“, aber nicht „total

alternativ“ bezeichnen. Die Nummern, die

ich auf Kindred Spirits gecovert habe, sind der

Background, aus dem ich stamme. Von dort

hat sich mein musikalischer Horizont ständig

erweitert.

O: 1984 war die Welt noch eine andere. Oder?

Wie sind deine Erfahrungen? Und ist deiner

Meinung nach die Welt anno 2014 besser oder

schlechter als drei Dekaden zuvor?

RM: Ach... unterschiedliche Zeiten,

unterschiedliche Einstellungen und

Erfahrungen. Ich kann nicht behaupten, dass

das eine besser ist als das andere. Ohne die Welt

von 1984 – wenn du einen so genauen Stempel

aufdrücken willst – wären wir schlicht nicht

da, wo wir jetzt sind. Doch ich vermisse die

Vergangenheit bestimmt nicht. Es ist irgendwie

albern, wenn Leute auf die Vergangenheit

zurückblicken als etwas, wonach man sich

sehnt. Man muss in der Gegenwart leben

und das Beste aus dem Leben machen, wie es

momentan ist. Das verbietet einem ja nicht,

Früheres, das man selbst als gut empfindet, in

seinen aktuellen Lebensstil zu integrieren.

O: Und was, denkst du, ist heutzutage

grundsätzlich wirklich besser oder schlechter?

RM: Der heutige Zugang zu Information, die

technischen Innovationen und die Art, wie

wir global kommunizieren können, ohne ein

Vermögen auszugeben, sind enorme Schritte

vorwärts. Flatscreens machen es zu einem

wahren Vergnügen, Filme zu schauen. In den

Achtzigern wurden wir allerdings nicht so mit

Werbung bombardiert wie jetzt. Als nahezu

einziger Musikkanal war MTV damals wichtig.

Und wir waren drin... wie cool ist das bitte?!

Mittlerweile ist Musik überall erhältlich, und

bei YouTube muss man nur den Namen seiner

Band eintippen und kann fast alle Clips sehen.

Um noch mal über „cool“ zu reden – hier in

Bezug auf heute: In den Achtzigern sprach man

nicht von Erderwärmung. Eher im Gegenteil:

dass eine neue Eiszeit eintreten würde. Die

Veränderungen durch die Einführung der CD

kennen wir alle. Ich war sehr aufgeregt, als

man unser erstes Album auch auf CD brannte.

Wir waren eine der ersten Bands auf CD! Pac-

Man war eines der wenigen Videospiele, die

es so gab. Stell’ dir das mal vor. Das Leben

war früher wohl einfacher. Eine Welt, in die

zurückzukehren ich mir nicht vorstellen kann.

Nostalgische Menschen wird es immer geben,

und nach dem Comeback von Vinyl scheint es

verständlich, Albumcover in Händen halten zu

wollen. Jedoch sind sie weniger handlich, wenn

man beim Autofahren oder Joggen Musik hören

möchte. (lächelt) Hm, was sonst? Ich hatte in

den Achtzigern nie so viele Freunde wie heute,

dank Facebook. (lacht laut) Meine Bücher lese

ich immer noch so wie damals. Ich starre schon

genug auf Bildschirme, da will ich in meiner

Freizeit das Buch gerne auch fühlen. Außerdem

mag ich es, richtige Bücher im Regal stehen zu

haben. Alles in allem gefällt es mir ganz gut so,

wie es jetzt ist.

O: 30 Jahre – so viele Alben und so viele

Konzerte. Genießt du es immer noch täglich,

Musik zu machen, neue Melodien zu ersinnen

und über neue Lyrics nachzudenken, ohne dich

dauernd wiederholen zu wollen?

RM: Ich nehme Pausen von der Musik, mit

absoluter Stille im Haus. Wenn ich ein Album

vollendet habe, suche ich erst einmal Abstand

vom Komponieren und Texten. Es braucht

dann eine Weile, bis ich wieder das Bedürfnis

danach verspüre. Mit den Live-Shows ist es

ähnlich. Wir überbuchen uns nicht, genießen

dafür jeden Auftritt, den wir haben. Wir haben

für uns das richtige Maß gefunden, und darum

kann ich auch nach den vielen Jahren noch

weitermachen, Energie und Leidenschaft als

Komponist und Musiker empfinden.

O: Was für eine Art von Musik dürfen wir denn

in weiteren 30 Jahren von dir erwarten?

RM: Mein Requiem vielleicht?

O: Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse

aus den letzten drei Dekaden – einerseits als

Bandleader, aber auch als Privatperson?

RM: Weiter neue Dinge lernen und nicht

glauben, alles zu wissen oder nichts mehr

wissen zu müssen. Sich selber kennenzulernen,

ist ein fortwährender Prozess und vielleicht

der Grund, warum ich Musik mache und

Texte schreibe: damit ich tief in mir graben

und etwas herausholen kann, von dem ich gar

nicht wusste, dass es dort, im hintersten Winkel

meines Geistes, war.

O: Wird es anlässlich dieses großen

Bandjubiläums etwas Spezielles von euch für

eure Anhängerschaft geben?

RM: Sollte es nicht andersherum sein? Welches

Geschenk bekommen wir von unseren Fans

zum Geburtstag? Nein, ich mache natürlich

nur Spaß. Aber wie im ersten Teil unseres

Gespräches bereits gesagt (siehe Orkus!-

Februar-Ausgabe – Anm.d.Verf.), hebe ich

solche Punkte ungern besonders hervor.

Wir hoffen einfach, dass wir unsere Fans in

naher Zukunft bei einem Konzert treffen und

kennenlernen, und in der Zwischenzeit hoffe

ich, dass jedem, der Matters of Mind Body and

Soul hört, das Album auch gefällt.

www.clanofxymox.com

Axel Schön

Discographie (Alben):

Clan Of Xymox (1985)

Medusa (1986)

Twist Of Shadows (1989)

Phoenix (1991)

Metamorphosis (1992)

Headclouds (1993)

Hidden Faces (1997)

Creatures (1999)

Live (live, 2000)

Notes From The Underground (2001)

Farewell (2003)

Breaking Point (2006)

In Love We Trust (2009)

Darkest Hour (2011)

live at Castle Party (live, 2011)

Matters of Mind Body and Soul (2014)

Line-Up:

Ronny Moorings – Gesang, Gitarre, Programmierung

Mario Usai – Gitarre

Mojca Zugna – Bass, Gesang

Sean Göbel – Keyboard

Orkus! - 77


Be Careful

Marcus Testory: Ein klassischer Neunziger-Teenage-College-

Movie. Der Hauptdarsteller ist üblicherweise der pickelgesichtige

Underdog, der sich nach Anerkennung sehnt. In seiner Verzweiflung

lässt er sich mit dem Teufel ein und wird ein Held. Ein langweiliger,

besessener Held.

Endangered Memories

Matthias Ambré: Ein kleiner tragischer Liebesfilm. Über den

Wunsch, nach einem – wie auch immer vom Schicksal herbeigeführten

– Ende wenigstens in seinen Erinnerungen die schönsten Momente

festhalten zu können. Und über die Tragik, dass diese Erinnerungen

bloß immer weiter verblassen und man nichts, aber auch wirklich gar

nichts dagegen tun kann.

The Line of Last Resistance

MT: Eindeutig ein very britischer Film. Heute gemacht, spielt er doch

in einer Achtziger-Kulisse. Es ist ein Psycho-Mystic-Thriller, der den

Hauptdarsteller (vielleicht Simon Pegg?) an die Grenzen seiner Existenz

führt und ihn auf den Kern seiner selbst reduziert. Was ist nun dieser

Kern, diese letzte Verteidigungslinie, die ihn am Leben hält?

Lest We Forget

MT: Boy meets girl, meets boy, meets girl und lässt die Kette an

gebrochenen Herzen und eigenen Herzbrüchen Revue passieren. Er

erkennt, dass er sich an viele, die einst so wichtig für ihn waren, nicht

einmal mehr erinnern kann. Und so begibt er sich auf eine Reise...

Sophie’s Circus

MA: Die Geschichte der tapferen kleinen Sophie geht weiter. Ihr

Wanderzirkus zieht durch die Lande, begleitet von der leisen Hoffnung,

dass man ihn genießt und sich später noch lange an ihn erinnern wird.

Wir konnten uns musikalisch hier wirklich austoben, filmmusikalisch

sozusagen. Irgendwo zwischen Tim Burton und Jean-Pierre Jeunet

eventuell.

Praying Mantis

MT: Szenenwechsel. Eine verrauchte, schummrige Bar. Etwas puffig,

roter Samt und Tapete. Auf der Tanzfläche eine Femme fatale, die ihr

Gegenüber um einen Kopf überragt. Eine Zwei-Meter-Marlene Dietrich

tanzt mit John Travolta wie in Pulp Fiction. Er ist ihr vollkommen

verfallen, und kurz vor dem Höhepunkt fährt sie ihre Scherenarme aus

und...

Slipping around the Corner

MT: Eine Tragikomödie. Unser Hauptdarsteller fühlt sich vom

Schicksal gegängelt. Immer wenn er denkt, das Glück sei zum Greifen

nahe, zerfließt es zwischen den Fingern; wenn er denkt, das rettende

Ufer sei nahe, wird er auf See zurückgespült. Warum immer ich? Was

habe ich getan? Womit habe ich das verdient?

Mirror

MT: Der Protagonist sitzt irgendwo in den Dünen am Strand. Eher

nördlich, vielleicht die Kanalküste. Es weht ein harter Wind. Er hat viel

zu verarbeiten, hat Freunde verloren, seine Vergänglichkeit am eigenen

Leib erfahren. Und er begreift, beginnt das Leben zu schätzen und zu

feiern. Jeden Tag zu erleben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sinister Sister

MA: Ein Gruselfilm im Kopf. Eine schaurig-schöne Moritat oder

auch „murder ballad“. Mit ganz viel (natürlich blutunterlaufenem)

Augenzwinkern. Muahahaha – die Rächerin der Geschändeten und

Entehrten geht um. And you know: we’re all the same!

The Invitation

MA: Ein Epos. Eine Hymne an Freundschaft, Liebe und Partnerschaft

schreiben. Eine Hommage an das „Aneinander-Denken“. Ein Loblied

auf alle, die verstanden haben, wie wichtig es ist, dass man dem anderen

einen Platz – vor allem im eigenen Herzen – frei hält.

Views from the Inside: A Midsummer Night’s Dream

MT: Shakespeare. Allerlei Fabelwesen tanzen auf der Lichtung. Und wir

mittendrin. Sie führen und geleiten uns durch die Nacht, durch den

Traum, durch die KAMMER.

Views from the Inside: New Day Rising

MT: Wir erwachen nach der Reise mit und durch die KAMMER und

treten unser Tagwerk an: The spirit lingers on!

78 - Orkus!


„Unser EBM bedeutet

Electronic Blast Metal.“

Wenn eines der Gothic Metal-Urgesteine an einem derart weit vorangeschrittenen Punkt seiner Karriere jenem Genre den Rücken

kehrt, welches es selbst entscheidend mitgeprägt hat, mag das wenig Gutes verheißen. Antiserum jedenfalls zeigt Crematory

noch elektronischer als einst auf Revolution. Das ist übrigens auch schon wieder zehn Jahre her; eine Frischzellenkur in Form der

Zusammenarbeit mit den EBM-Haudegen Centhron kann darum gewiss nicht schaden. Die Einstiegsfrage liegt trotzdem auf der

Hand...

Orkus: Ist Gothic Metal tot?

Markus Jüllich: Keinesfalls. Aber es hat sich einiges geändert.

Gothic Metal wird heutzutage anders gedeutet, als es ursprünglich

war. Heutzutage werden Bands als „Gothic Metal“ bezeichnet, die eine

opernhafte Sängerin haben und orchestral arrangierte Musik spielen, wie

etwa Nightwish, Within Temptation, Leaves’ Eyes oder Epica. Das sind

aber nicht die Wurzeln des Gothic Metal – und deshalb schien es uns

mit Antiserum auch an der Zeit, eine eigene Schublade zu öffnen: „EBM

Metal“! Unser „EBM“ bedeutet allerdings „Electronic Blast Metal“.

O: Klingt nicht, als wäre es schwer für euch, den Motor eurer Band nach

23 Jahren noch am Laufen zu halten.

MJ: Überhaupt nicht. Frisches Öl rein, und der Motor läuft wie

geschmiert! Wir verfügen über ausreichende Selbstmotivation und

machen Musik, weil es uns Spaß macht. Wir suchen bei jedem neuen

Album neue Herausforderungen, die es dann umzusetzen gilt.

O: Wie früh in der Planungsphase war klar, dass ihr die EBM-Bastion

Centhron mit ins Boot holen werdet?

MJ: Wir hatten die Idee, eine Weiterentwicklung unseres

Comebackalbums Revolution zu schreiben. Auf dem verarbeiteten wir

erstmals Klänge aus dem elektronischen Bereich. Diesmal wollten wir

das Ganze aber noch düsterer gestalten... daher die Idee, sich bei der

EBM-Szene zu bedienen. Weil Elmar Schmidt von Centhron ein alter

Kumpel von Felix und Harald und nebenbei ein großer Crematory-

Fan ist, war es natürlich naheliegend, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Das stellte sich übrigens als absolut genial heraus: Elmar lieferte geile

Sounds und Samples, die dann von Katrin weiterverarbeitet wurden und

letztendlich von der Band den Crematory-Stempel verpasst bekamen.

O: Hört sich so an, als wärt ihr schon lange eng mit der EBM-Szene

verbandelt.

MJ: Unser Bassist Harald kennt sich in der Szene bestens aus. Jeder

Einzelne innerhalb der Band hat seinen eigenen Musikgeschmack. Pop,

Rock, Metal, aber auch EBM oder Wave der guten alten Achtziger.

O: Standen die Themen der Lieder bereits fest, als ihr den Entschluss

fasstet, in der EBM-Welt zu wildern?

MJ: Bevor wir mit dem Schreiben neuer Stücke für ein Album beginnen,

setzen wir uns immer zusammen und legen einen roten Leitfaden als

80 - Orkus!


Arbeitstitel fest. Diesmal war die Devise „Gothic EBM Metal“;

auf Antiserum sind traditionelle Stücke deswegen ebenso zu finden

wie EBM-orientierte Songs. Eins musste aber gegeben sein: Wo

„Crematory“ draufsteht, ist auch Crematory drin.

O: Was habt ihr euch eigentlich genau davon erhofft?

MJ: Wir wollten neue Wege gehen. Wir hätten alle keine Lust,

so wie AC/DC oder die Rolling Stones 30 Jahre lang immer die

gleichen Songs zu schreiben. Das wäre uns zu langweilig.

O: Gerade in der Metal-Szene könntet ihr euch damit auch einige

Feinde machen.

MJ: No risk, no fun! Wir machen, was wir wollen und wohinter

wir zu 100 Prozent stehen. Sicherlich kann es sein, dass einige

Fans der alten Tage verloren gehen, aber darauf können wir keine

Rücksicht nehmen. Das ist die Musik, die wir machen wollen, und

ich glaube auch, dass der elektronische Schritt nicht zu groß ist,

um Fans zu verlieren. Crematory klingen aktuell, zeitgemäß und

modern – ohne ihre Roots zu verlieren. Eigentlich sollte das neue

Album also jedem Fan gefallen.

O: Und warum genau ist diese EBM-Schlagseite im Jahre 2014 der

richtige Weg für Crematory?

MJ: Ob das der richtige Weg ist, weiß auch ich nicht. Das muss

jeder für sich entscheiden. Es ist aber das, was wir als Band zurzeit

machen wollen und womit wir uns sauwohl fühlen. Ich glaube

auch, dass sich mittlerweile zahlreiche Fans, die auf Bands wie

Rammstein und Eisbrecher oder BlutEngel und Unheilig stehen,

im Hause Crematory gut aufgehoben fühlen. Für mich ist der EBM

Metal eine neue Richtung, die es weiter auszubauen gilt.

O: Klingt, als wolltet ihr noch mal voll angreifen.

MJ: Auf jeden Fall. Wir haben all unser Herzblut in das Album

gesteckt und lange genug daran rumgeschraubt, bis es endlich so

fett geworden ist, wie es jetzt ist. Fest steht: Wir geben alles!

www.crematory.de

Annabelle Reiter

Discographie (Alben):

Transmigration (1993)

... Just Dreaming (1994)

Illusions (1995)

Crematory (1996)

LIVE... at the Out of the Dark Festivals (live, 1997)

Awake (1997)

Act Seven (1999)

Believe (2000)

Remind (live, 2001)

Revolution (2004)

LiveRevolution (live, 2005)

Klagebilder (2006)

Pray (2008)

Infinity (2010)

Antiserum (2014)

Line-Up:

Felix Stass – Gesang

Matthias Hechler – Gitarre, Gesang

Harald Heine – Bass

Katrin Jüllich – Keyboard, Samples

Markus Jüllich – Schlagzeug, Programmierung

IGNIS FATUU

Unendlich viele Wege

Mittelalter Rock/Metal

CD + Download | VÖ 07. 03. 2014

Für das neueste Langspielwerk„Unendlich viele Wege“ beschreitet

die 2004 gegründete Dynamiker-Vereinigung aufrecht

ihren Weg, der sie einmal mehr von Selbstwertgefühl

durchzogen zeigt. Elf neue Kompositionen wurden mit hörbar

verschwenderischer Liebe erarbeitet und eingespielt.

www.trollzorn.de/store

CDs, T-Shirts und mehr, aus den Bereichen des

Folk, Black, Viking und Pagan Metals.

INGRIMM

Henkt ihn!

Mittelalter Rock/Metal

CD + Download | VÖ 07. 02. 2014

Das Warten hat nun ein Ende. Der lang ersehnte vierte Silberling

der deutschen Mittelalter-Metaller INGRIMM wird am 07.

02. 2014 über Trollzorn Records erscheinen. Die sechs Regensburger

wollen es erneut wissen und haben sich eingeschworen,

auf „Henkt ihn!“ ihren Sitl treu zu bleiben.

Tourdates 2014 Tourdates 2014

28.02.2014 D-Bochum, Matrix (+ Remember Twilight)

07.03.2014 D-Nürnberg, Der Hirsch (CD-Release-Konzert mit Party)

21.03.2014 D-München, Spectaculum Mundi

29.03.2014 D-Hameln, Sumpfblume

04.04.2014 D-Bad Salzungen, KW70 (+ Ingrimm, Remember Twilight)

05.04.2014 D-Gera, Sächsischer Bahnhof (+ Ingrimm)

12.04.2014 CH-Pratteln, Z7 (instead 22.03.2014 @ Galery)

23.05.2014 D-Frankfurt, Das Bett

24.05.2014 D-Hamburg, Markthalle (@ MarX) –

07.06.2014 D-Bremen, Tivoli (@ Veitstanz-Party)

28.06.2014 D-Brande-Hörnerkirchen, Hörnerfest 2014

10.01.2014 D-Landau/Isar, Haus 111

15.02.2014 D-Waldsassen, Pauli‘s Blue Oyster

14.03.2014 D-Gießen, Jokus (+ Narrator, Remember Twilight)

15.03.2014 D-Köln, MTC (+ Remember Twilight)

22.03.2014 D-München, Spectaculum Mundi

04.04.2014 D-Bad Salzungen, KW70 (+ Ignis Fatuu, Remember T.)

05.04.2014 D-Gera, Sächsischer Bahnhof (+ Ignis Fatuu)

25.04.2014 D-Lichtenfels, Ragnaroek

Orkus!

2014*

- 123

26.04.2014 D-Lichtenfels, Ragnaroek 2014*

02.05.2014 D-Dortmund, MPS 2014


Orkus! COMPILATION 96

Liebe Leserin, lieber Leser, wir wünschen Dir viel Vergnügen mit der 96. Ausgabe unserer Samplerreihe!

Sei der Talentscout! Entdecke Du die beste Band. Hier anhören und dann voten auf www.orkus.de!

01. CREMATORY

Shadowmaker

Mit dem auch als Single veröffentlichten

Shadowmaker starten wir dieses Mal unsere

Compilation. Seit über 20 Jahren sind

Crematory aus der Schwarzen Szene nicht

mehr wegzudenken. Zwischen dem Debut Transmigration und ihrem

aktuellen Werk Antiserum liegt eine außergewöhnliche Bandgeschichte.

Und genau deshalb werden die Gothic Metaller mit Sicherheit noch viele

weitere Meilensteine und Hits abliefern...

02. AEONS CONFER

Descent (Video-Edit)

Als Eigenproduktion präsentieren

Aeons Confer ihr 14 Tracks starkes

Album Symphonies Of Saturnus. Die

sechs Jungs haben sich zum Ziel gesetzt,

verschiedene Metal-Genres innovativ

und komplex mit musikalischen Fertigkeiten, klassischen Arrangements,

elektronischen Samples sowie Sci Fi-Atmosphäre zu verbinden. Descent

spiegelt all das wider, was die Modern Symphonic Dark Metaller bieten:

Tiefe, Kraft, Schwere, Finsternis und etwas Gigantisches!

03. EIGENSINN

Raus

Mit der EP Endorphine melden sich

EIGENSINN nach ihrem ersten Album Die

Wahrheit (2009) eindrucksvoll zurück. Das

neue Material zeigt sie in Bestform sowie

mit jenem Drive und der Härte, welche schon ihr Debut auszeichneten.

Einmal mehr demonstriert die Gruppe musikalische Flexibilität – von

knackigen Uptemponummern über eingängige Rocksongs bis zu düsteren

Stampfern à la Raus. In den kommenden Monaten soll das zweite Album

aufgenommen werden. Man darf gespannt sein!

04. JOVIAN SPIN

Into Deep

Jovian Spin heißt einer der Gewinner

von ASPs Mäzenatentumult. Into

Deep entstammt dem Album Shapes of

Perception und vermittelt das kraftvolle

Industrial-, Rock-, Pop- und Electro-

Gemisch, welches diese Band zu bieten

hat. Wer gern ein wenig mehr über Gerrit Wolf & Co. erfahren möchte,

nimmt schnell noch mal die Orkus!-Ausgabe vom Juni 2013 zur Hand. Im

Interview mit Asp wird viel Wissenswertes verraten.

05. STILL PATIENT?

Impact

Nach langer Ruhe kehrt der Sturm

zurück... Zum 25-jährigen Jubiläum

sind Still Patient? endlich wieder im

Studio und auf der Bühne. Dabei

erschafft sich die Band neu, ohne ihre Vergangenheit aus den Augen zu

verlieren. Traditioneller, energetischer, zeitgemäßer und atmosphärischer

Gothic Rock mit elektronischen Elementen und melancholischen Melodien

wird hier gespielt. Vor Kurzem erschien die EP Selective Perception: vier ganz

frische Stücke sowie eine Bearbeitung ihres Klassikers Anavryn. Reinhören!

06. MUNDTOT

Schwarz Weiss

Letzten Oktober konnten Mundtot unter

dem Stichwort „Mäzenatentumult“ live als

Support für ASP bewundert werden. Mit ihrer

ehrlichen und offenen Art laden die jungen

Herren aus München ein, den tristen Alltag zu

vergessen und das Herz sprechen zu lassen. Fans von Post Punk – Marke

Joy Division – dürfen sich genauso wie Liebhaber moderner Elemente im

Stil von Placebo einfach freuen. Rebellion! Schließ Dich an.

07. XTR HUMAN

Dysfunction

Mit ihrer Mischung aus Post Punk, Cold

und New Wave beschreiten drei Stuttgarter

Wege fernab ausgetretener Pfade. Seit 2012

feilen die Künstler an XTR HUMAN,

wobei weder Synthesizer noch Bass zu kurz

kommen. Nebst Gitarren und gedankenaufreibendem Gesang entsteht so

ein Werk, in dem all jene menschlichen Gefühle eine Hauptrolle spielen,

welche auf Melancholie, Zweifeln und der Frage „Was folgt nun?“ gründen.

08. EPINEPHRIN

Glühend Heiß

Pascal Beniesch ([x]-Rx) formierte das

elektronische Projekt Epinephrin im

Jahr 2004, um pures Adrenalin unter

die Tanzbegeisterten zu bringen. Sein

Studiodebut trägt den Titel Alles auf Anfang,

und jetzt heißt es: Vorhang auf! Hier eine

Kostprobe dessen, was Dich erwartet... Noch

eine kleine Zugabe? Dann sind die Remixe

von Nachtmahr und Aesthetic Perfection als Bonustracks des Albums

bestimmt das Richtige.

09. NO:CARRIER

Last Scene

Derzeit sind no:carrier sehr aktiv. 2013 erschienen

die hoch gelobten Singles Last Scene und The

Nine Days’ Queen als Vorboten für das im Mai

kommende Album Wisdom & Failure, gerade

folgte auch noch die Confession EP. Ihr „Electro

Noire Pop“ bezaubert durch verspielte Elektronik,

akustische Klänge und dunkle Lieder abseits

ausgetretener Pfade. Hier ist der Corrosive Mix ihrer nachdenklich-bitteren

Rückschau zu hören...

10. INDUSTRIEZONE

Acid

Industriezone nennt sich ein

österreichisches Industrial-Projekt

rund um Mastermind Christof Hall.

Gemeinsam mit zwei Kollegen lieferte

er schon viele Live-Gigs, etwa als

Support für Größen wie KMFDM; ein

selbstbetiteltes Album wurde ebenfalls

bereits veröffentlicht. Nun arbeitet das Gespann an einem weiteren Werk.

Welch kreativer Sound wohl dieses Mal die Hallen erbeben lässt?

Mit Deiner Band auf der nächsten Orkus! Compilation sein? Bewirb Dich einfach unter cd@orkus.de!

82 - Orkus!


„Meine größten Helden waren

Dagobert Duck oder Indiana Jones.“

Mit Nightwish hat Tuomas Holopainen alles erreicht. Bevor die finnischen Rekordjäger 2015 mit einem neuen Album zurückkehren,

tauchen wir mit dem Mastermind tief ein in die Welt von Walt Disney, direkt hinein in ein gewaltiges Abenteuer. Zu Don Rosas

Graphic Novel The Life and Times of Scrooge McDuck hat Holopainen jetzt einen Soundtrack geschrieben – und damit nicht weniger

als musikalischen Eskapismus in seiner reinsten Form vorgelegt.

Orkus: Es ist kein Geheimnis, dass du ein riesiger Disney-Fan bist.

Warum eigentlich?

Tuomas Holopainen: Ich bin mit Disney aufgewachsen. Als Kind

liebte ich einfach alles von Disney, später filterte ich natürlich ein wenig.

Selbst von Disney ist nicht alles gut. (lächelt) Dieses Buch von Don Rosa

ist jedoch meine ultimative Disney-Bibel. Mein Buch für die einsame Insel.

Die inspirierendste Story, die je geschrieben wurde. Sie bringt mich jedes

Mal aufs Neue zum Lachen, zum Weinen, transportiert eine wundervolle

Moral und zeigt mir, wie kostbar jede Sekunde meines Lebens ist. Also

sollten wir alle zusehen, ein unvergessliches Abenteuer daraus zu machen!

O: Kannst du dich noch an deinen ersten Kontakt mit The Life and Times

of Scrooge McDuck erinnern?

TH: Das muss in den frühen Neunzigern gewesen sein. Zu jenem

Zeitpunkt hatte ich alles von Disney verschlungen, was es gab, hatte auch

zahlreiche Parks besucht. Aus dem Nichts kam dann dieser neue Künstler

namens Don Rosa, der mich völlig überwältigte. Seine Geschichten

wurden sofort zu meinen absoluten Lieblingen. Als The Life and Times

of Scrooge McDuck ungefähr 1995 erschien, war es endgültig um mich

geschehen. So etwas hatte ich nie zuvor gelesen.

O: Die Idee dieses Soundtracks trägst du bereits 15 Jahre mit dir herum.

Hattest du immer schon Musik im Kopf, wenn du die Geschichte gelesen

hast?

TH: Ich hörte jedes Mal Musik, wenn ich in dem Buch versank. Selbst

beim ersten Mal. Wenn er in Schottland war, hörte ich immer schon

Tuomas Holopainen & Skizze

Don Rosa & Tuomas Holopainen

Cover The Life And Times Of Scrooge

84 - Orkus!


Dudelsäcke, im Wilden Westen ebenfalls die passenden Klänge. So

entstand überhaupt erst die Idee, der Geschichte einen Soundtrack

zu schreiben. Die Musik zu einer Graphic Novel... so etwas wurde

meines Wissens noch nie gemacht.

O: War es nicht schwer, nach all den Alben für Nightwish

umzuschalten und eine ganz neue Welt zu erschaffen?

TH: Gar nicht, nein. Die Songs entstanden einfach im Handumdrehen.

Natürlich hatte ich Hilfe fähiger Leute, doch ich verspürte dieselbe

Freiheit, die ich auch bei Nightwish fühle. Ich wollte Don Rosas Welt

einfangen. Das war das oberste Ziel. Und das fiel mir sehr leicht,

sogar leichter als alles, was ich bisher gemacht habe – wenngleich es

trotzdem sehr viele lange Tage im Studio bedeutete.

O: Die Erzählungen über den stinkreichen Onkel Dagobert sind

geprägt durch Abenteuer, Freundschaft und Loyalität. Ist er so etwas

wie dein Held? Oder beneidest du ihn eher?

TH: Niemand sollte beneidet werden. Aber er ist zweifellos mein

Held, in dem ich mich oft wiedererkenne. Er ist sehr kontrovers und

trägt eine Menge Gewalt in sich. Das finde ich bei mir zwar nicht,

aber auch ihm geht es um das Abenteuer, um die Familie, um das

Sammeln von Erinnerungen. Er ist reich, doch Geld kümmert ihn

nicht... er gibt es ja nie aus. Seine Münzen sind für ihn Erinnerungen.

Und das ist ein schöner Gedanke.

O: Wolltest du als Kind auch ein Abenteurer werden wie er?

TH: Ich wollte tatsächlich Abenteurer sein, ja. Meine größten Helden

waren Dagobert Duck oder Indiana Jones. Mit sechs wollte ich

Archäologe werden und ein gefährliches Leben an allen Enden der

Welt führen. Und obwohl ich kein Archäologe geworden bin, mache

ich das heutzutage wirklich. Das ist ein gewaltiges Privileg.

O: Gib’s zu, nur deshalb bist du Musiker geworden!

TH: Nein, das war natürlich alles Zufall. (lacht) Ich fand alles,

wonach ich mich sehnte, als ich längst unterwegs war. Aber das ist

vielleicht bei allen Abenteurern so.

O: Wie fühlt es sich eigentlich an, einen Traum in Erfüllung gehen

zu lassen?

TH: Phantastisch. Für mich dreht sich das Leben darum, meine

Träume zu erfüllen. Dies mag zwar ein sehr sonderbarer Traum

gewesen sein, aber einer, der unbedingt erfüllt werden musste!

O: Und dann noch unter Mitwirkung von Don Rosa selbst.

TH: Klar erhoffte ich mir seine Mitarbeit, immerhin schrie alles an

diesem Projekt geradezu nach ihm. Natürlich hätte ich das Album

auch ohne sein Coverartwork realisiert, doch seine Zusage war

zweifellos eine große Freude. Anfangs war er zwar zögerlich, aber ich

glaube, das hing bloß damit zusammen, dass er seit 2006 nichts mehr

gezeichnet hatte und mir ernsthaft riet, einen „richtigen Künstler“ zu

engagieren. Er! Gleich sein erster Entwurf haute mich vom Hocker,

und als er dann noch mit circa 100 Seiten alter Skizzen um die Ecke

kam, die ich verwenden durfte, war ich nur noch sprachlos.

O: Hat sich die Bedeutung dieser Geschichte geändert, seit du sie das

erste Mal gelesen hast?

TH: Überhaupt nicht. Sie steht für dasselbe, wofür sie bereits vor 20

Jahren stand. Wie jede gute Geschichte, ist sie zeitlos.

O: Welche Bedeutung misst du Geschichten bei?

TH: Das Leben ist nichts als eine Ansammlung von Geschichten. Je

besser die Geschichten, desto besser das Leben. Eine gute Geschichte

ängstigt dich, bringt dich zum Weinen, zum Lachen und lehrt dich

etwas.

O: Man erzählt sich, dass Dagobert im Alter von 100 Jahren nach

einem „Leben voller Abenteuer“ gestorben ist. Ist dieses Projekt so

etwas wie ein musikgewordener Wunsch, es möge bei dir genauso

sein?

TH: Das trifft es gut. Ich möchte mindestens 100 Jahre alt werden

und das Gefühl haben, das größte Abenteuer aller Zeiten erlebt zu

haben. Dass ich liebte und geliebt wurde.

www.tuomas-holopainen.com

Björn Springorum

Out 10.02.14!

Alfahanne

Alfapokalyps

Debut album from Alfahanne (S).

A great mix of Black Metal, Punk,

Classic Rock and New Wave.

Guest vocals by Hoest (Taake),

Kvarforth (Shining) and V’gandr

(Helheim). With Alfahanne, there is

one way in and no way out!

Karisma records / darK essence records

PostboKs 472, 5805 bergen - norWaY

WWW.Karismarecords.no

WWW.darKessencerecords.no


„Reich wird

hierbei niemand,

aber glücklich

sehr wohl.“

Noch kein ganzes Jahr ist es her, dass Stefan Poiss

mit seinem Projekt THYX in Form des Albums

Below The City unsere Ohren verwöhnte. Jetzt

steht seine nächste Super Vision vor der Tür, und so

langsam scheut man sich doch, vom mind.in.a.box-

Mastermind zu sprechen, denn um seine eigentliche

Hauptband ist es ein wenig ruhig geworden.

Stefan Poiss: Seitdem ich nichts anderes mehr als

Musik mache, habe ich nun deutlich mehr Zeit dafür.

Früher bin ich nach der Arbeit nach Hause gekommen

und habe bis in die Nacht Musik gemacht, wenig

geschlafen und wieder gearbeitet. Heute mache ich zwar

noch immer bis in die Nacht Musik, aber schlafe dann

dafür länger. (lacht) Natürlich arbeite ich in meinem

Tonstudio nicht nur an meiner Musik, aber der Output ist

durch meine Selbstständigkeit definitiv höher geworden.

Wahrscheinlich werde ich von der Anzahl der Alben

mind.in.a.box mit THYX irgendwann überholen, und

die Frage nach dem Hauptprojekt würde sich tatsächlich

stellen, aber deswegen wird keines der Projekte sterben,

und nach der Veröffentlichung von Super Vision steht

nun endlich auch wieder ein mind.in.a.box-Album auf

der Tagesordnung.

Orkus: Zuvor kannst du uns vielleicht verraten, wieso

es bei Super Vision plötzlich ein übergeordnetes Konzept

gibt?

SP: Das Album hat mit den Themen „Spionage“ und

„Überwachung“ ein Hauptthema, welches sich durch das

ganze Album zieht, und im Gegensatz zu mind.in.a.box

ist das tatsächlich das erste Mal. Aber die Geschichte rund

um Edward Snowden ist einfach zu groß, um sie in einem

einzigen Song abhandeln zu können. Dieses Thema wird

uns sicher noch eine ganze Weile beschäftigen, und ich

werde nicht der letzte Künstler sein, der darüber erzählt.

O: Wie schaut denn deine persönliche „super Vision“

aus?

86 - Orkus!


SP: Wer das Album hört, wird merken, dass meine Vision

der Welt eher düster ausschaut, aber dafür klingt meine

Super Vision so, dass ich wirklich stolz auf sie bin. Ich habe

diesmal wieder versucht, Songs als unfertig zu betrachten,

die in meinem Kopf eigentlich als „fertig“ abgestempelt

wurden. Egal ob ich der Meinung war, dass es gut klingt, und

ich zufrieden war – ich habe mich noch einmal hingesetzt

und an den Tracks geschraubt. Man schärft dadurch seine

Fähigkeiten und hebt sich sozusagen auf ein neues Level. Der

schöne Nebeneffekt daran: Dieses Level ist beim nächsten

Mal der neue Standard. Letztlich geht es auch bei der Musik

darum, sein Können ständig zu verbessern, denn das kann dir

keiner mehr wegnehmen.

O: Auch Super Vision überrascht wieder durch genrefremde,

natürliche Instrumente und hält mit Für Immer fast schon

einen elektronischen Rocksong parat. Wie wäre es mit einem

ganzen Album in dieser Richtung?

SP: Ich denke, dafür bräuchte ich ein anderes Projekt mit

Personen, die mich in diese Richtung treiben. Theoretisch

wäre es möglich, aber im Endeffekt zieht es mich immer

wieder in Richtung der Synthesizer und Vocoder. Das hat

nach wie vor etwas Magisches für mich. Ich möchte also

nichts verneinen, aber meine Musik wird immer nach mir

und dem, was ich mag, klingen, und wenn man sich zu sehr

verbiegt, landet man schließlich auf der dunklen Seite der

Musik. (lacht)

O: Ist der Vocoder einfach nur dein Markenzeichen, magst

du ihn zu gern, oder hast du Angst vor der eigenen Stimme?

Die muss sich wirklich nicht hinter Tonmodulationen

verstecken...

SP: Diese Furcht hatte ich tatsächlich, aber seit den Konzerten

ist sie zum Glück verschwunden. Ich mag Vocoder einfach,

denn es klingt futuristisch, hat aber mit meiner Stimme auch

einen menschlichen Anteil und erweitert den stimmlichen

Einsatzbereich. Manchmal können Vocoderstimmen

auch Melodien „singen“, die einfach besser passen, und

ab und an ist es thematisch angebracht, wenn du dir zum

Beispiel Robots Don’t Lie anhörst. Schlecht ist nur, wenn die

Vocodermöglichkeit bei einem Konzert ausfällt, denn dann

muss man diese Parts mit seiner eigenen Stimme singen. Das

ist mir bereits zwei Mal passiert, und ich war wahrlich nicht

gut darin.

O: Eine abschließende Frage abseits der Musik:

Warum vertreibst du THYX in Europa selbst? Mit dem

entsprechenden Vertrieb wäre doch sicher ein Mehr an

Resonanz zu erwarten.

SP: Wahrscheinlich wäre es das, aber würde ich dadurch

mehr verdienen? Eher sogar weniger, denn natürlich

möchte der Vertrieb auch etwas verdienen. Auch die Labels

an sich verdienen heute durch die geringeren Verkäufe

weniger als früher und wollen im Gegenzug beispielsweise

mehr Merchandisingrechte. Das geht mir aber zu weit.

Wir verkaufen von THYX in Europa derzeit etwa 500

Exemplare selbst, und obwohl es mit mind.in.a.box das

Vierfache ist, bleibt nicht mehr über. Hinzu kommt, dass

mir der Eigenvertrieb mehr Spaß macht, als irgendwelchen

Schecks nachzulaufen, und das direkte Feedback der Fans,

wenn sie die Lieferung erhalten haben, ist großartig. Über

Zahlen spricht man zwar bekanntlich ungern, aber vielleicht

konnte ich etwas Licht in die Dunkelheit der Musikindustrie

bringen. Reich wird hierbei niemand, aber glücklich sehr

wohl.

www.thyxmusic.com

Lars Schubert

Discographie (Alben):

The Way Home (2012)

Below The City (2013)

Super Vision (2014)

Orkus! - 123


„Ich habe mich buchstäblich

zu Hause eingeschlossen...“

ISOLATION heißt das jüngste Werk von

Enter & Fall, welches schon beim ersten

Hören die Veränderungen innerhalb der

Formation aufzeigt. War Push Enter And

Fall Down noch eine Zwei-Mann-Sache,

ist die Gruppe inzwischen zum Quartett

angewachsen. „Die Konstellation, wie

Enter & Fall jetzt aufgestellt ist, hat

sich während der Tour zusammen mit

Project Pitchfork entwickelt. Ich bin so

froh darüber, Jenna, Toni und Markus in

der Band zu haben. Jeder der drei bringt

seinen eigenen Charakter ein, und das

merkt man natürlich auf der Bühne und

auch im gesamten Erscheinungsbild. Ich

glaube nicht, dass wir dort stehen würden,

wo wir jetzt sind, wenn ich das alles alleine

durchgezogen hätte“, bekennt David

Goldammer.

Wirkte das Debut nach vorne preschend

und hart, so erzeugen die neuen

Nummern beim Hörer Sehnsucht nach

Geborgenheit, sie sprechen von Stärke

und Zuversicht, rufen gar Wärme hervor,

und es entsteht ein aufmunternder Effekt.

„Das ist genau der Punkt. Das war einfach

der Stimmung geschuldet, in der ich

mich nach der Veröffentlichung von Push

Enter And Fall Down befand. Zu dieser

Zeit hat sich in meinem Leben sehr viel

verändert. Ob in meinem privaten Umfeld

oder auch beruflich. Lange konnte ich

kaum einen klaren Gedanken fassen, um

wirklich an neuen Sachen zu arbeiten. Ich

hatte einfach das Gefühl, dass mein ganzes

Leben in den letzten zwei Jahren etwas aus

den Fugen geraten ist. Ich habe mich dann

buchstäblich mit meinen vielen Gedanken

und Gefühlen zu Hause eingeschlossen

und mich im wahrsten Sinne des Wortes in

eine Art Isolation begeben.“ Ein Rückzug

in gesundem Maß mag also durchaus

Vorzüge haben, um sich wieder auf die

essenziellen Dinge zu besinnen. Die Lieder

auf ISOLATION stellen pointiert dar, wie

unerlässlich das in den Tracks I need you

here und I will geschilderte Füreinanderda-Sein

im Leben eines jeden ist. Dieses

Bedürfnis nach gegenseitigem Halt: etwas,

das mit der Zeit und gewiss auch dem

Alter für Dave an Bedeutung gewonnen

hat. „Ich beschreibe so ein Album für

mich persönlich immer gern als eine Art

Selbsttherapie. Es ist so verdammt wichtig,

jemanden zu haben, mit dem man Gefühle

und Gedanken teilen kann. Das ist mir in

der letzten Zeit viel, viel klarer geworden.“

Auch abseits des Songwritings sucht

Dave menschliche Nähe. So konnte man

ihn 2013 auf dem WGT zum munteren

Plausch treffen – oder im Rahmen des

Erscheinens von ISOLATION im Dresdner

BUNKER. „Was ich gerade bei der

Releaseparty extrem positiv bemerkt habe,

ist, dass die Leute in Clubs mittlerweile viel

offener mit neuer Musik umgehen! Ich mag

es, wenn ich auflege, den Leuten auch viel

neue Musik zu präsentieren. Ich war echt

begeistert, wie toll die Leute unser neues

Material aufgenommen haben. Was unsere

Verfassung in Hinsicht auf die anstehenden

Live-Termine angeht, sind wir, wie Toni

immer so schön sagt, heiß wie Frittenfett!“

www.enterandfall.de

Marie-Luise Henke

Discographie (Alben):

Push Enter And Fall Down (2012)

ISOLATION (2014)

Line-Up:

David Goldammer – Gesang, Texte, Programmierung

Jenna Rot – Gesang, Texte

Toni Tzschoppe – Gesang, Live-Keyboard

Markus Otto – Live-Keyboard

88 - Orkus!


„Schulter an Schulter,

Rücken an Rücken!“

„Metsatöll“ ist ein altertümlicher estnischer

Euphemismus, der „Wolf“ bedeutet. Nach diesem

Begriff haben sich die vier Tallinner benannt.

Da wundert es kaum, dass auch ihr brandneues,

mittlerweile sechstes Studioalbum Karjajuht eine

entsprechende Verbindung aufweist. Vokalist und

Gitarrist Markus Teeäär sowie Lauri Õunapuu

(neben dem Gesang noch für traditionelle

Instrumente verantwortlich) erläutern, was hinter

dem Titel steckt...

„Karjajuht heißt Führer des Rudels. Eine Leitfigur

darf niemals schwach oder traurig sein. Deshalb

haben wir ein Album geschrieben, das nur Stücke

mit einer positiven und kraftvollen Aussage

enthält. Es drückt Folgendes aus: Das Leben wird

uns nicht gegeben, um zu leiden und zu jammern.

Das Leben wird uns gegeben, um aufrecht auf

beiden Füßen zu stehen. Um die zu unterstützen,

die schwächer sind als du, und Hilfe anzunehmen

von jenen, welche stärker sind als du. Erst wenn aus

dem Ich ein Wir wird, können wir gemeinsam stark

sein. Schulter an Schulter, Rücken an Rücken!“,

so Markus. „Der Rudelführer hat seine positiven

und negativen Seiten. Aber als Anführer muss er

immer an das Beste für sein Rudel denken. Ich

sehe da auch einige Ähnlichkeiten hinsichtlich der

Musikszene“, ergänzt Lauri.

In ihrer Heimat findet man Metal-Formationen

nicht gerade wie Sand am Meer. Doch genau jenes

Land und seine Kultur prägen den Sound dieser

Folk Metal-Truppe. „Metsatöll ist für die Esten

nicht einfach nur eine Metal-Band. Es ist ein

bisschen mehr. Es geht nicht um das Metal-Spielen

oder das Auf-der-Bühne-Herumschreien. Die

Themen und Fragen, die wir aufwerfen, sind für die

meisten unserer Landsleute grundlegende Fragen,

wenn es darum geht, ein wahrer Este zu sein oder

nicht“, erklärt Lauri, der selber sehr stolz auf seine

Herkunft ist und froh, dass er hier Musik machen

darf – „inmitten von Wald und Moor“.

Karjajuht ist kein Konzeptwerk. Jedes Lied steht

für sich selbst. Inhaltlich bedienen sich Metsatöll

alter sowie aktueller Themen. „Unsere Texte sind

zeitlos. Kriege, Schwerter, Wölfe, Liebe, Natur...“,

zählt Markus auf. „Vieles entstammt der Historie

unserer Nation, aber es können auch Geschichten

aus der Gegenwart dabei sein. Auf Karjajuht

sind die Texte zum ersten Mal etwas weniger

episch. Die Lyrik steht im Vordergrund. Mehr

Emotionen, geradlinige Worte und Gedanken über

Freundschaft, Verantwortung, Party, Krieg, jedes

kleine Ding, das uns in unserem Leben begegnet“,

fügt Lauri hinzu.

2011 erschien ihr schon deutlich schnelleres letztes

Werk Ulg. Das neue Material wurde in ihren

eigenen Proberäumen aufgenommen und dadurch

ein besonders roher Klang erzeugt. Ein Album,

gewidmet ihren Fans. Ein Album, das alle Wünsche

erfüllen soll.

www.metsatoll.ee

Manuela Ausserhofer

Photo: Kristjan Lepp


„Dort war ich immer am glücklichsten.“

An eine Anekdote rund um die Shelter-Produktion erinnert sich Neige besonders gern: Nach

Abschluss der Aufnahmen in Island feierten die Franzosen diesen Anlass in einem Restaurant in

Reykjavík, wo zwei Tische weiter gerade Björk zu Abend aß. Ja, Island hat seine Spuren bei dem

Bandkopf hinterlassen. Und nicht nur bei ihm... Das sphärische Wunderwerk Shelter hat stark von

der endlosen Weite, der verwunschenen Freiheit profitiert, welche jene magische Insel ausstrahlt.

Wenig erstaunlich also, dass Neige den Black Metal keineswegs vermisst.

Orkus: Wie stehst du heute zum Black Metal? Bist

du damit durch?

Neige: Nicht unbedingt durch, doch ich

beschäftige mich nicht mehr so intensiv mit ihm. Ein

paar meiner Freunde spielen Black Metal, und von

Zeit zu Zeit zeigen sie mir ihren neuen Kram. Das ist

alles schön und gut, zu Hause würde ich aber keinen

Black Metal mehr hören – abgesehen von dem einen

oder anderen Nostalgietrip, wenn ich mal wieder alte

Platten ausgrabe. Es gibt jedoch einfach zu viel gute

Musik zu entdecken, als dass ich mich bei einem

Genre aufhalten könnte.

O: Eine deiner Lieblingsgruppen sind bekanntlich

Slowdive. Nun ist deren Sänger Neil Halstead in

eurer Nummer Away zu hören. Was bedeutet dir

diese Kollaboration?

N: Sie bedeutet mir die Welt! Slowdive haben

Alcest seit Jahren geprägt und mich als Person und

Musikfan maßgeblich beeinflusst. Ich habe mit

Alcest zwar nie versucht, ein „Slowdive-Album“

aufzunehmen, konnte mich diesmal aber viel

stärker in den Atmosphären jener Band verlieren.

Ich wollte ein leichteres, cineastisches Werk, das ein

spirituelles Feeling transportiert. In dieser Hinsicht

sind Slowdive die Großmeister. Jetzt zu hören,

dass sie eine Reunion planen, ist ein entsprechend

unglaubliches Gefühl.

O: Shelter ist in vielfacher Weise ein Werk der

neuen Wege. Das zeigen die ungewöhnlichen

Kollaborationen, der englische Titel, aber auch die

Tatsache, dass es in Island aufgenommen wurde...

N: Das war eine jener Entscheidungen, die ich

unbedingt für das Album fällen wollte. Und es

hat sich echt gelohnt, denn die Zeit in Island war

äußerst denkwürdig. In Island fühlst du dich weit

entfernt vom Rest der Welt, versinkst komplett in

einer Stimmung, die auf diesem Planeten wohl

einzigartig ist. Ein tiefes Gefühl von Freiheit, von

Euphorie und Glückseligkeit durchströmte mich

während der zwei Monate, die ich dort verbrachte.

Ich gehe also fest davon aus, dass die Natur, die Stille

und die Menschen dort einen starken Einfluss auf

Shelter hatten. Ganz zu schweigen vom legendären

Ruf des Sundlaugin-Studios, in dem ja auch Sigur

Rós aufnehmen.

O: Zumal du in Island praktisch immer vom

Meer umgeben bist – und die See zu deinen

Haupteinflüssen zählt, wie du bei unserem letzten

Gespräch verraten hast. Wann entdecktest du die

Bedeutung des Meeres für dich und deine Band?

N: Das reicht weiter zurück, als ich denken

kann. Schon immer war das Meer da. In meinen

Gedanken, meiner Phantasie. Einige meiner

frühesten Erinnerungen handeln vom Meer, dort

war ich immer am glücklichsten. Was Alcest betrifft,

so kann ich zumindest den Punkt nennen, als diese

Bedeutung zum ersten Mal in ihrer Gänze offenbar

wurde. Unser zweites Album Écailles De Lune

widmete sich dem mächtigen Ozean, allerdings von

seiner nächtlichen Seite. Shelter nun vertont das

Meer bei Sonnenschein, seine ruhige Endlosigkeit.

O: Ist Shelter demnach mehr Frühling als Herbst,

mehr Sonnenaufgang als Sonnenuntergang?

N: Das trifft es sehr genau. Es ist ein lebensbejahendes,

euphorisierendes Album. Es ist nicht ohne Wolken,

kontrastiert die Melancholie und die bittersüßen

Momente jedoch mit sehr viel Freude. Es ist das erste

Album, das ich mir noch immer gern anhöre. Und

ich bin eigentlich chronisch unzufrieden mit meiner

Arbeit. Vielleicht lag es ja an Island? (grinst)

O: Und wie soll die Reise weitergehen?

N: Zumindest kann ich sagen, dass sie definitiv

weitergehen wird. Shelter war ein wichtiger

Meilenstein auf diesem Weg, und ich glaube,

dass unsere Entwicklung künftig schneller

vonstattengeht. Ich weiß inzwischen viel besser, was

ich ausdrücken möchte, und habe auch bereits die

ersten neuen Stücke vollendet. Weil mein größter

Wunsch ist, irgendwann mal einen Film musikalisch

zu unterlegen, werden sie voraussichtlich noch

soundtrackmäßiger. Und wer weiß, eventuell klappt

das mit dem Filmscore ja eines Tages...

www.alcest-music.com

Björn Springorum

Discographie (Alben):

Souvenirs d’un autre monde (2007)

Écailles De Lune (2010)

Les voyages de l’âme (2012)

Shelter (2014)

Line-Up:

Neige – Gitarre, Bass, Synthesizer, Gesang

Winterhalter – Schlagzeug

Orkus! - 91


„Mittlerweile

darf sich

auch P.G. Herrchen

eines Chihuahua

nennen...“

Wenn es um eine Band ruhig wird, kann das nur zwei Dinge bedeuten:

entweder stehen große Veränderungen an, oder es wird an neuem

Material gebastelt. Für Ignis Fatuu trifft beides zu. Einerseits erhielten

sie Zuwachs durch Peter Pathos – genau, DER Peter von Fiddler’s Green

–, zum anderen gab es einen Wechsel an der Gesangsfront. Alexander

Trappe reichte das Mikro an P.G. weiter, den einige bestimmt noch von

Merlons Lichter kennen. Es wartete jede Menge Arbeit: Ihr Programm

musste mit den neuen Musikern einstudiert werden, die Single Wenn

alle Worte schweigen stand in den Startlöchern, es wurde geprobt bis

zum Umfallen, und nicht immer läuft alles nach Plan. Kein Wunder,

dass sich das Erscheinen von Unendlich viele Wege verzögert hat. „Kurz

vor den Open Airs wurde Peter krank. Da er Gitarrist, Produzent und

Mischer ist, kamen auch die Arbeiten am neuen Album zum Erliegen“,

erklärt P.G. alias Andreas Haensel. „Im Herbst mussten wir dann die

Veröffentlichung und die ganze Tour verschieben, wir hatten uns einfach

zu viel vorgenommen. Im Moment freuen wir uns darauf, die neuen

Songs live vorzustellen und wieder loszurocken.“

Einmal kurz durchschnaufen und das frische Werk genießen, frei nach

dem Motto: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Doch oft braucht es

auch einen kleinen Stups von außen, um einer Produktion den letzten

Schliff zu verleihen. Was Mathilde Wesendonck für Richard Wagner

(1813–1883) war, nämlich seine Muse, war Gibson während der

Aufnahmen für Ignis Fatuu... „Einen nicht unerheblichen Einfluss auf

die Stimmung hatte mit Sicherheit Peters Studiochihuahua. Er schaffte

es unter anderem, in einem unbemerkten Augenblick den neuen weißen

Moltonvorhang, den Peter als Schallschlucker installiert hatte, zu

markieren. Gibson war so überzeugend, dass sich mittlerweile auch P.G.

Herrchen eines Chihuahua nennen darf.“ Doch keine Bange! Den Hörer

erwartet auf dem dritten Album kein Hundejaulen oder -bellen. Stolz

erzählt Andreas: „Die neue Scheibe ist sehr abwechslungsreich. Es finden

sich sowohl härtere Elemente mit richtigem Gitarrengewitter als auch

ganz Ruhiges, sogar ein Song (Die Pforte) ohne Schlagzeug. Der Titelsong

ist eine folkrockige Midtemponummer, Blut geleckt ein stampfiges,

lärmendes Stück zum Mitgrölen.“

Langweilig soll es auch auf der baldigen Konzertreise nicht werden. Die

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und die Nürnberger Formation

ist schon sehr gespannt auf die direkte Begegnung mit ihren Fans – und,

wie jene die großen Veränderungen aufnehmen. Zudem haben Ignis

Fatuu eine Ausschreibung gestartet, dank welcher sich Bands anmelden

können, um sie bei ihrer Frühjahrstour zu unterstützen: „Wir haben eine

überraschend gute Resonanz bekommen. Vor allem dachten wir bei dieser

Idee daran, lokalen, unbekannten Bands eine Chance zu geben, es haben

sich aber nun einige gar nicht so unbekannte Gruppen aus unserem

Genre gemeldet, sodass es bestimmt ein paar tolle Doppelkonzerte geben

dürfte. Die Entscheidungen stehen noch aus, werden aber natürlich auf

unserer Internetseite bekannt gegeben.“ Wir lassen uns überraschen und

wünschen den Spielleuten viel Erfolg.

www.ignisfatuu.de

Bettina Pudmensky

Discographie (Alben):

Es werde Licht (2009)

Neue Ufer (2011)

Unendlich viele Wege (2014)

Line-Up:

Andreas Haensel – Gesang

Irene Gawlik – Gesang, Flöten, Dudelsack,

Schalmeien

Alexander Zwingmann – Geige, Drehleier,

Dudelsack, Nyckelharpa

Peter Müller – Gitarre

Volker Semmelmann – Bass

Robert Herold – Schlagzeug

92 - Orkus!


„Die Gefühle waren einfach zu schmerzhaft.“

Das kalifornische Death Valley – eine der heißesten Gegenden Amerikas

und kein Ort, an dem man stranden möchte. Von jenem gefährlichen

Flecken Erde leiten die finnischen Death Doomster Kuolemanlaakso

ihren Namen ab. Mastermind Markus Laakso weiß hierzu einiges zu

erzählen: „Als Kind habe ich längere Zeit in Kalifornien gelebt und bin

dort zur Grundschule gegangen. Unseren Besuch im Death Valley werde

ich niemals vergessen. Es war um die 50 Grad heiß, und wir fuhren

gemächlich mit dem Auto dahin, als meine Mutter plötzlich wild nach

Luft schnappte. Mein Bruder und ich haben erst gar nicht kapiert, was

geschehen war, bis wir merkten, dass mein Vater eine zwei Meter lange

rote Schlange überfahren hatte. Dieses bizarre Erlebnis ist mir bis heute

deutlich im Gedächtnis geblieben.“ Schmunzelnd ergänzt er: „Außerdem

beschreibt der Name unsere Musik ziemlich gut, denn im Death Valley

kriegt man schnell Bedrückungen, weil es so wahnsinnig heiß ist. Für

mich fühlt sich unser Gitarrensound immer so an, als käme er direkt aus

dem Death Valley.“

Der Inhalt von Kuolemanlaaksos neuem Werk bringt uns zurück in

die kühle Heimat des Künstlers. „Tulijoutsen lässt sich mit Feuerschwan

übersetzen“, erklärt der talentierte Finne. „Der Titel ist einem Gedicht

von Aarni Kouta aus dem frühen 19. Jahrhundert entlehnt, und da

der Großteil der Lyrics durch sein Schaffen inspiriert ist, fand ich ihn

sehr passend. Thematisch gibt es zwei

Grundelemente – Feuer und Wasser. Der

Feuerschwan fasziniert mich, da er beide

verkörpert; er ist ein Wasservogel, steht

jedoch zugleich in Flammen.“

Für die Aufnahmen hat sich die Gruppe

einige Zeit vollkommen von ihrer Umwelt

abgeschottet. „Sie sind in einer Hütte in

den Wäldern Mittelfinnlands entstanden“,

erläutert Markus. „Unsere nächsten Nachbarn

waren kilometerweit entfernt, es gab nur den

Wald und die Seen um uns herum. Wir haben dort gemeinsam mit

unserem Produzenten V Santura drei Wochen verbracht und hatten eine

super Zeit. Es war sehr stimulierend, sich genau in der Umgebung zu

befinden, über die man schreibt, und keinerlei andere Verpflichtungen

zu haben. Wenn wir freihatten, sind wir rudern und fischen gegangen,

haben Pilze und Beeren gesammelt, gegrillt oder irgendwelche Kuchen

gebacken. Natürlich waren wir auch viel in der Sauna und haben das

eine oder andere Bier genossen“, fügt er grinsend hinzu. So entspannt

die Studiosession auch war, entpuppte sie sich dennoch stellenweise als

Tortur für den Bandkopf. „Die Nummer vier auf dem Album, Arpeni,

basiert auf der Legende von Näkki, einem Dämon, der die Menschen in

tiefe Gewässer lockt. Im Kern geht es aber um meinen besten Freund,

der vor ein paar Jahren ertrunken ist. Als Mikko den Text eingesungen

hat, musste ich den Raum verlassen, weil die Gefühle, die dabei in mir

hochkamen, einfach zu schmerzhaft waren.“

Der Zukunft sieht der Musiker trotzdem positiv entgegen. „Mit der Band

wollen wir 2014 endlich eine Europatour spielen, und ich persönlich

möchte das Buch, an dem ich gerade schreibe, beenden. Ich kann noch

nicht groß die Werbetrommel rühren, doch ich bin dabei, die offizielle

Biographie von Amorphis zu verfassen“, verrät Markus begeistert. Das

finnische Quintett sollte man also nicht nur wegen seiner musikalischen

Fähigkeiten im Auge behalten...

www.kuolemanlaakso.net

Isabell Köster

Discographie (Alben):

Uljas Uusi Maailma (2012)

Tulijoutsen (2014)

Line-Up:

Mikko Kotamäki – Gesang

Petteri „Kouta“ Ruotsalainen – Gitarre

Markus Laakso – Gitarre, Keyboard

Tuomo „Usva“ Räisänen – Bass

Toni „Tiera“ Ronkainen – Schlagzeug

94 - Orkus!

Orkus! - 123


„Viele zwängen sich in ein Leben,

wie sie es niemals leben wollten.“

Ehrliche Texte, eine brachiale Stimme und Musik,

die vor keinen Grenzen haltmacht. Solchermaßen

ausgestattet, melden sich die Deutschrocker um

Heli Reißenweber zurück. Tief hieß ihr 2012

veröffentlichtes Debut. Der Fronter fasst in wenigen

Worten zusammen, was uns auf dem Nachfolger

erwartet: „Fremdkörper ist sehr gereift. Die Band

ist musikalisch gewachsen. Das Album geht noch

etwas mehr nach vorne. Es rockt einfach von der

ersten Minute an!“ Aufgenommen haben sie das

Werk erneut bei Simon Michael Schmitt (Subway

to Sally), dieses Mal war auch Fabio Trentini am

Start, der schon als Produzent für Guano Apes

fungierte und als Bassist mit den H-Blockx auf der

Bühne stand.

Spannend ist die Geschichte hinter dem

Albumtitel sowie dem dazugehörenden Track...

„Der Song Fremdkörper handelt vom Leben

im falschen Körper. Inspiriert wurde ich durch

einen Bekannten von mir, der sich zurzeit in der

Phase einer Geschlechtsumwandlung befindet.

Grundsätzlich kann man den Titel aber auch auf

die Gesellschaft beziehen. Gewollt oder ungewollt

zwängen sich viele Menschen in ein Leben, wie sie

es eigentlich niemals leben wollten. Deshalb finden

wir den Titel sehr passend“, erklärt Heli.

Der Name Maerzfeld fällt meistens im selben

Atemzug mit Rammstein, und eine gewisse

Ähnlichkeit streiten sie gar nicht ab. „Maerzfeld

wird wohl nie nach Michael Jackson klingen“, lacht

Heli. „Wir liegen zwar – wie auch andere Bands –

im gleichen Genre wie Rammstein, aber wenn man

sich unsere Alben nicht nur oberflächlich anhört,

stellt man doch fest, dass sich Maerzfeld von

Rammstein unterscheidet. Eigentlich kann man

aber auch ein bisschen stolz sein, mit der weltweit

erfolgreichsten deutschsprachigen Rockband

verglichen zu werden.“ Genau aus diesem Grund

hat Heli vor fast zehn Jahren die Rammstein-

Tribute-Band StahlZeit formiert, mit welcher er

knapp 100 Konzerte jährlich spielt.

Ihr Name hat Maerzfeld leider nicht nur gute

Resonanzen verschafft. Manch einer übersieht

den wahren Sinn dahinter und stellt eine

Verbindung zu dem 1938 für das Nürnberger

Reichsparteitagsgelände geplanten „Märzfeld“ her

– ein Platz, auf dem Schaumanöver der Wehrmacht

durchgeführt werden sollten. Doch damit hat das

Sextett absolut nichts am Hut: „Für uns steht der

Name Maerzfeld sinnbildlich für alles, was man tut,

und das ganze Leben. Wir sehen das Leben wie ein

Brachland, ein Feld im Frühjahr (März). Du musst

es immer aufs Neue, auch wenn es manchmal nicht

leicht und mit vielen Tiefschlägen verbunden ist,

bearbeiten und pflegen, damit du später die Früchte

ernten kannst, die du gesät hast. Es liegt nur zu oft

in deiner eigenen Hand. Im Märzen der Bauer das

Rösslein einspannt...“, summt der charismatische

Sänger, der sein gesamtes Herzblut in seine Musik

steckt.

Die nächsten Monate dürften umtriebig bleiben.

Man werkelt bereits am dritten Album, und es

wird auch eine kleine Tour geben sowie einige

Festivalgigs im Sommer.

www.maerzfeld.de

Manuela Ausserhofer


„Wir

spielen

keine Gigs,

wir bieten

Shows!“

Fear Of Domination kreieren ihre völlig

eigene Freakshow! Ihr Stil wird häufig

als „Shock Industrial Metal“ bezeichnet,

und dieser Formel bleiben sie treu.

Sie geben nicht nur alles, sie geben

120 Prozent – dafür stehen die sechs

Finnen mit ihrem gesamten Herzblut.

Jetzt präsentieren sie bereits das dritte

Studioalbum. Wir haben mit Fronter

Saku und Keyboarder Lasse gesprochen.

Orkus: Wie ist der Titel Distorted Delusions

entstanden?

Saku Solin: Unser neues Werk handelt

von verschiedenen tiefen und arg verdrehten

Täuschungen, die es sich im menschlichen

Verstand wohnlich gemacht haben. Dazu

passt der Titel doch recht gut, oder? Dieses

Mal darf der Hörer deutlich härtere Riffs und

eine viel energiegeladenere, dynamischere

Musik von uns erwarten. Mit ein paar neu

eingebauten kleinen Tricks.

O: Ihr mischt ganz unterschiedliche Genres

und scheint dabei keine Grenzen zu kennen...

SS: Stimmt, deshalb kann man den Stil von

FOD auch nicht beschreiben... woah... das

ist schwer. Viele Medien nennen unseren

Sound „Shock Industrial Metal“. Und ich

denke, dass sie das „Shock“ wohl aus einem

Grund angehängt haben – wegen der für uns

wichtigsten Sache: der Show! Wir spielen

keine Gigs, wir bieten Shows! Uns kann man

nicht in Worte fassen. Man muss uns live

sehen, um uns zu begreifen.

96 - Orkus!


O: Hat es seit Create.Control.Exterminate. Wechsel im

Line-Up gegeben?

SS: Ja, kurz nach dem letzten Release mussten wir uns

leider von Niina Telén trennen. Zum Glück haben wir

nach einer Weile Lasse Raelahti kennengelernt; einen

Meister, was Synth- und andere Effekte betrifft. Er hat

bei der Produktion des neuen Albums auch schon einen

sehr großen Part eingenommen. Ich glaube, das Resultat

kann jeder hören.

O: Verratet uns bitte die Geschichte hinter einem eurer

neuen Lieder!

Lasse Raelahti: Dann wähle ich PaperDoll. Es

erzählt von einem Mann, der verrückt geworden ist.

Er hat seine Frau umgebracht. Vielleicht mit Absicht,

vielleicht war es ein Unfall. Das hat ihn so weit

getrieben, dass er versucht, einen Ersatz für seine wahre

Liebe zu finden. Doch nichts kann seine Frau ersetzen.

Er wird zum sozialen Wrack. Er folgt Leuten, fängt sie

ein, zerschneidet oder verstümmelt sie.

O: Nicht unbedingt ein Thema für schwache Nerven...

Könnt ihr euch noch an euren allerersten Auftritt

erinnern?

SS: Na klar! (lacht) Beim Peräkorpirock! Wir haben

dermaßen abgelost... Wir waren damals nicht viel mehr

als eine Handvoll Teenies, die Rockstars sein wollten.

Aber wir hatten die beste Zeit unseres Lebens, und das

war in dem Moment alles, was zählte.

O: Sind bereits Konzerte für die nächsten Monate

geplant?

SS: Ja, in den kommenden Monaten werden wir

Finnlands Bühnen unsicher machen. Gott, ich habe

unsere Shows schon so vermisst! Hoffentlich haben

wir auch Gelegenheit, die Grenzen zu überschreiten

und nach Zentraleuropa zu kommen. Das würden wir

jedenfalls sehr gerne tun.

O: Gibt es so etwas wie einen ganz besonderen Moment

seit eurer Bandgründung?

SS: Der beste Moment... (denkt nach) Das ist echt

schwierig. Es gab so viele gute. Vielleicht unser Auftritt

beim Myötätuulirock. Wir hatten eine wahnsinnige

Zirkustruppe dabei, die mit Feuer hantierte, und es war

eine sehr theatralische Performance. Wir haben vorher

sogar gemeinsam ein Trainingscamp besucht. Riesige

Shows zu veranstalten, ist klasse. Natürlich gastieren

wir auch gerne mal in kleinen Clubs; dort herrscht eine

intimere Atmosphäre – aber dann können wir halt kein

Pyrospielzeug mitnehmen. (lacht)

www.fod.fi

Manuela Ausserhofer

Discographie (Alben):

Call Of Schizophrenia (2009)

Create.Control.Exterminate. (2011)

Distorted Delusions (2014)

Line-Up:

Saku Solin – Gesang

Johannes Niemi – Gitarre

Jan-Erik Kari – Gitarre

Lauri Ojanen – Bass

Lasse Raelahti – Keyboard

Vesa Ahlroth – Schlagzeug

Orkus! - 123


„Ich liebe das Feeling, das ein

wirklich altes Gebäude ausstrahlt.“

Das selbstbetitelte Debut der kanadischen

Prog Rocker hat es in sich. Es lässt sich in keine

Schublade pressen, zitiert Queen ebenso wie

moderne Metal-Bands und überrascht mit

grandiosen Melodien. Die Jungs um Kyle

Gruninger ließen sich satte zwei Jahre Zeit, um

Incura fertigzustellen. „Wir wollten echt alles in

dieses Album packen. All unsere Emotionalität,

Kreativität und unser Geld“, lacht der Fronter.

„Die vier EPs, die wir vorher veröffentlicht haben,

waren mehr oder weniger bloß Demos. Sie gaben

uns die Möglichkeit, durch Kanada zu touren und

Erfahrungen zu sammeln.“ Dabei entwickelte das

Quintett einen sehr eigenen Stil, der für Gruninger

allerdings nichts Besonderes ist: „Jeder von uns hat

einen anderen Musikgeschmack, deshalb kommt

am Ende Incura heraus. Wir alle können uns auf

Prog-Größen wie Yes, King Crimson oder King’s

X einigen, mehr aber auch nicht. Ich zum Beispiel

habe mir für meinen Gesang einiges von Jonathan

Davis abgeschaut, obwohl ich KoRn nicht mag.

Und bei I Breathe This habe ich mich sogar durch

Michael Jackson inspirieren lassen.“

Inhaltlich beschäftigen sich Incura weder mit

fliegenden Einhörnern noch mit den großen Fragen

dieser Welt, sondern behandeln Alltagsthemen.

„Ich habe auf diesem Werk persönliche Dinge

verarbeitet. Manches hätte ich nie aussprechen

können, das ging nur über die Lieder. Ich verrate

also eine Menge von mir. Gefühle sind ein ganz

wichtiger Aspekt unserer Musik. Leider geht das

heute ein bisschen verloren. Viele Bands achten

bloß noch auf Technik, nicht aber auf Gefühl. Ich

denke, es gibt einige Menschen, die das vermissen.

Ich erinnere mich, dass ich mich als Jugendlicher

nur dann richtig in ein Album vertiefen konnte,

wenn ich den Eindruck hatte, die Band spricht mich

direkt an. Das versuchen wir auch. Zumal es der

beste Weg ist, sich eine treue Fanbasis aufzubauen.

Ich muss keine Million CDs verkaufen, wenn die

Band ein paar Monate später komplett vergessen

ist. Obwohl... frag’ mich in fünf Jahren noch mal,

wenn wir lediglich 500 CDs verkauft haben, haha.“

Diese Gefahr besteht wahrscheinlich nicht, dafür

ist Incura einfach zu stark. Das beginnt schon mit

dem simplen, aber eindrucksvollen Cover. Ein

roter Baum auf schwarzem Grund. „Die Idee zu

dem Motiv stammt von uns. Die vorhin erwähnten

EPs waren die Saat, die wir gesetzt haben – unsere

Wurzeln. Jetzt sind wir bereit, aufzublühen.“

Was vornehmlich in Europa geschehen soll.

Denn die Kanadier haben ein Faible für die Alte

Welt: „Ich liebe das Feeling, das ein wirklich altes

Gebäude ausstrahlt. Hier bei uns sind die ältesten

Häuser vielleicht 100 Jahre alt. Die europäische

Geschichte ist aufregend. Da bin ich auch auf Tour

ein echter Tourist! Außerdem darf man bei Euch

in der Öffentlichkeit Bier trinken. Als wir zum

ersten Mal in Deutschland waren, kamen wir uns

richtig komisch vor, mit Flaschen in der Hand

herumzulaufen.“

www.incura.net

Marc Halupczok

Line-Up:

Kyle Gruninger – Gesang

Royce Whittaker – Gitarre

Jono Olson – Bass

Jim McLaren – Keyboard

Phil Gardner – Schlagzeug


Das neue Album der finnischen Groove Thrasher trägt den Titel Reset, auf

dem Cover ist ein stilisierter Phönix zu sehen. Nachdem der Vorgänger

Destroy! hieß, scheint ein Zusammenhang zwischen den Werken zu

bestehen. Gitarrist Williami Kurki zerstört diese am PC erstellte These

aber sogleich. „Die einzige Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass wir

wieder mit Mikko Herranen aufgenommen haben. Musikalisch und

textlich haben die Alben nichts gemein. Bei Reset geht es um die zwei

Seiten, die jeder Mensch in sich trägt. Eine kraftvolle und gerechte – auf

der anderen sind wir fähig, schlimme Dinge anzurichten. Wir befassen

uns damit, wie es wäre, wenn man diese beiden Seiten trennen und

dadurch ein neues Bewusstsein schaffen könnte.“ Klanglich ist Reset

wieder eine echte Wundertüte. Groovige Parts wechseln mit progressiven

Elementen und melodischen Zwischenspielen. Als erstes (Lyric-) Video

wurde der Track Sonic Wings ausgewählt, der noch am ehesten ins Ohr

geht. „Ja, die Nummer zählt sicher zu den griffigsten“, sagt Kurki. „Doch

das liegt immer auch am Hörer selbst. Wir sind gerade dabei, einen

richtigen Clip für Trails zu drehen, das etwas komplizierter aufgebaut

ist. Sonic Wings schien uns für den Anfang einfach eine passende Wahl.“

Grundsätzlich gibt es im Universum von Profane Omen wohl keine

Grenzen. Von klassischen Hard Rock-Melodien bis hin zu Thrashcore-

Attacken ist alles möglich. Für Kurki ein wichtiger Bestandteil seiner

Band: „Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwelche Schranken zu

akzeptieren, denn ich mache Musik mit dem Herzen. Okay, es gibt

natürlich technische Grenzen, aber dafür können wir ja alle an unseren

Instrumenten üben.“ Jenes Üben hat sich speziell in ihrer Heimat

ausgezahlt. Die letzten zwei Alben schafften es in die Top 15 der

Charts, sogar eine Top 5-Single haben Profane Omen im Gepäck. Nur

im Ausland läuft die Karriere der schon 1999 formierten Truppe eher

schleppend an... „Das stimmt, irgendwie klappt es noch nicht so ganz

mit Europa. 2012 spielten wir eine großartige Tour mit Amoral und

Ensiferum; ich erinnere mich auch an einige starke Gigs in Berlin oder

Bochum. Doch es liegt was in der Luft, die Planungen laufen. Wir sind

jedenfalls bereit, Euch in den Hintern zu treten!“

www.profaneomen.net

Marc Halupczok


„Das Zuviel

zerstört den eigentlichen Wert.“

Endlich ist es so weit... mit bereits vor Vorfreude zuckenden Tanzbeinen dürfen wir das neue State of the

Union-Werk willkommen heißen. Nach einer fünfjährigen Pause seitens Johann Sebastian bringt My Time

Away jedes Future Pop-Herz auf Hochtouren. „Die letzten Jahre waren eine echt harte Zeit für mich. Neben

familiären Sorgen und Problemen kamen gesundheitliche hinzu. Die Finanzkrise 2008 tat ihr Übriges, um

einer depressiven Stimmung zu verfallen“, resümiert Johann die Periode nach Evol Love Industry. „Ich

habe mich dann ein wenig von elektronischen Klängen entfernt und mit unserem Live-Schlagzeuger sowie

einem Freund aus Highschooltagen ein spanischsprachiges Rockprojekt gestartet, welches sich Estados de

Union nannte – also States of the Union. Dies half mir, wieder Fuß zu fassen im Leben. Die Freude an der

Musik ist noch immer ungebrochen, und ich bin mächtig stolz auf unser neues Album.“

Als kleinen Appetizer konnte man bei YouTube einen Trailer ansehen. Auf den ersten Blick scheint er

in völligem Gegensatz zu dem impulsiven, Partylaune weckenden My Time Away zu stehen. „Das Video

handelt vom modernen Kapitalismus in seiner reinsten Form. Es ist einprägsam und in seiner Wirkung

fast schon unangenehm, führt die Grausamkeit der Menschheit direkt vor Augen.“ Dieser Kontrast zum

Sound ist für Johann ein wichtiges Kriterium. „Es wäre einfach nicht logisch, das Gesamtkonzept zu etwas

Fröhlich-Exzentrischem verkommen zu lassen. Die Bilder sollen zum Nachdenken anregen.“

Trotz aller Ernsthaftigkeit hinter der Arbeit von State of the Union steht der positive Effekt auf das Publikum

an erster Stelle: „Leider scheint die Musik heutzutage ihre einstige Bedeutung verloren zu haben... in

Anbetracht des Überangebots jedoch nicht groß verwunderlich. Wie auch in anderen Bereichen, hat das

Zuviel den eigentlichen Wert zerstört.“ Umso erfreulicher, wenn einem Tracks wie Stupid Song gleich

beim ersten Hören andere Gedanken bescheren und einem sofort der Fuß zu wippen beginnt. „Diese

Nummer ist einfach nur supergroovy. Die wabernden Bässe und das orchestrale Opening packen einen

immer wieder. Der Text erzählt von in die Brüche gegangenen Beziehungen und davon, wie einem ein

dummes Lied manchmal Trost und Ablenkung schenken kann.“ Für weitere Zerstreuung sorgen Stücke

wie Dancing in the Dark (ursprünglich 2010 erschienen) oder Five Minutes to Midnight, zu welchem jüngst

ein Clip gedreht wurde. „Five Minutes to Midnight zeigt einen Mann unmittelbar vor der Exekution. Der

gesamte Songaufbau nimmt einen gefangen, und dies haben wir auch im Video umgesetzt.“

Bleibt letztlich bloß zu hoffen, dass wir in Zukunft wieder mehr von State of the Union zu sehen und vor

allen Dingen zu hören bekommen. Für einige Festivals sind sie bereits gebucht, und wie Johann verlauten

ließ, ist auch schon neues Material in der Pipeline. Wir dürfen gespannt sein!

www.state-of-the-union.info

Marie-Luise Henke

Discographie (Alben):

Black City Lights (2002)

Inpendum (2004)

Evol Love Industry (2008)

My Time Away (2014)

Line-Up:

Johann Sebastian – Gesang, Texte,

Programmierung

Jimmy Nimra – Live-Schlagzeug


„Das Leben stellte uns auf eine Probe...“

Vanishing Point stehen seit über 15 Jahren für

anspruchsvollen, melodischen Progressive Metal,

was sich auch mit ihrem neuesten Werk nicht ändert.

Gitarrist Chris Porcianko, der zum ersten Mal in der

Bandgeschichte ein Album komplett im Alleingang

geschrieben hat, erläutert, warum Vanishing Point

plötzlich eine Spur melancholischer unterwegs sind:

„Ja, das lässt sich nicht bestreiten und hat damit zu

tun, dass wir vor ein paar Jahren kurz davor waren, uns

aufzulösen. Das Leben stellte uns auf eine Probe, einige

von uns verloren ihren Job, Beziehungen zerbrachen. Ich

selbst verlor meinen Vater und brauchte ein bisschen

Zeit für mich. Das Material schrieb ich während jener

dunklen Phase und ließ Musik und Texte einfach für

sich sprechen. Wir sind sehr froh, dass wir diese Phase

überstanden haben.“ Was auch erklären dürfte, warum

zwischen Distant is the Sun und seinem Vorgänger The

Fourth Season sieben Jahre liegen. Wobei Chris betont,

dass die Formation nicht die ganze Zeit pausierte. „Für

Außenstehende scheint es manchmal so, als würde

eine Band, die lange nichts veröffentlicht, nur auf der

faulen Haut liegen. Das ist aber meist falsch. Wir waren

bis 2010 sehr gut beschäftigt, haben Sonata Arctica in

Europa und Helloween und Iron Maiden in Australien

supportet. Erst danach fingen die Probleme an, die

uns auch zwei Mitglieder und unseren Plattenvertrag

gekostet haben, weil unser Label Pleite machte. Das hilft

in solch einer Situation natürlich nicht gerade weiter...“

Ein Lied heißt As December Fades, in unseren Breiten

mit Kälte und Finsternis assoziiert. Die Musiker

wohnen jedoch in Melbourne, wo der Dezember den

Hochsommer markiert. Ein klarer Fall von – kulturell

bedingt – unterschiedlicher Sichtweise. „So habe ich das

noch nie betrachtet“, lacht Chris zum ersten und einzigen

Mal laut los. „Wir leben in der südlichen Hemisphäre,

und zu dieser Zeit ist es tatsächlich verdammt heiß. Der

Titel soll darauf anspielen, dass ein Jahr endet und man

eine neue Seite im Buch des Lebens aufschlägt. Doch

wenn ich mich recht entsinne, herrschten über 40 Grad,

als ich den Song schrieb. Deshalb verkroch ich mich in

mein Heimstudio, wo diverse Klimaanlagen laufen. Es

wird auch das Iglu genannt, haha.“

Wir bleiben dem Kalender treu und wenden uns dem

ziemlich traurig klingenden Instrumental April zu,

welches das Album beschließt. „Hier geht es weniger

um eine Jahreszeit. Im April 2012 starb mein Vater.

Das Stück entstand direkt nach diesem Ereignis und

soll ausdrücken, wie ich mich damals fühlte. Es gibt

fröhliche Parts, weil ich daran denken musste, wie wir als

Vater und Sohn zusammengelebt haben. Aber eben auch

sehr dunkle Momente, die seinen Tod symbolisieren.

Am Tag, als er von uns ging, regnete es in Strömen. Mehr

möchte ich dazu gar nicht sagen, denn für mich fühlt es

sich an, als wäre es erst gestern passiert.“

www.vanishing-point.com.au

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

In Thought (1997)

Tangled in Dream (2000)

Embrace The Silence (2005)

The Fourth Season (2007)

Distant is the Sun (2014)


„Die Kraft, alles im Leben mit Würde zu bewältigen.“

Griechenland – ein Land mit großer Geschichte,

leckerem Essen und reichlich Sonne – war

lange ein beliebtes Urlaubsziel. Dann kam die

Wirtschaftskrise, die viele hart getroffen hat

und bis heute andauert. In jenem angespannten

Klima entstand Elysions Zweitwerk Someplace

Better, das laut Bandmanager Aleksandros einen

Lichtstrahl im Dunkel symbolisiert. „Den Titel

haben wir aus mehrerlei Gründen gewählt.

Zuallererst sollte er unser Vertrauen reflektieren,

mit diesem Album den nächsten Schritt gehen

und uns als Gruppe weiterentwickeln zu

können. Dieses Release wird uns hoffentlich im

Wortsinn an einen besseren Ort führen“, grinst

er. „Wir mochten außerdem die optimistische

Stimmung, die der Titel verbreitet und die

den generell positiven Blickwinkel von Elysion

widerspiegelt. Darüber hinaus sollte er als

Hoffnungsträger in diesen dunklen Zeiten

dienen, da die Seelen vieler Griechen vom

Pessimismus übermannt sind.“

Ein Konzeptalbum ist Someplace Better aber

nicht. „Es gibt kein übergreifendes Thema, nur

die geschilderte Atmosphäre, welche sich von

Lied zu Lied zieht und den Eindruck vermittelt,

eine Geschichte erzählt zu bekommen“, erklärt

der Südeuropäer. „In den Stücken befassen wir

uns mit der menschlichen Natur und ihren

endlosen unerforschten Gebieten. Besonders

gut gefällt mir an Someplace Better, dass alles

intensiver geworden ist... Die groovigen

Songs sind direkter und härter, während die

Balladen noch gefühlsstärker wirken“, fügt

er eifrig hinzu. Das Coverartwork erscheint

deutlich reduzierter als beim Debut, verströmt

jedoch nichtsdestotrotz eine zeitlose Eleganz.

„Wir haben dieses Mal mit Gustavo Sazes

zusammengearbeitet, der schon diverse Cover

im Metal-Bereich designt hat und eine eigene

Handschrift besitzt. Natürlich hatten wir eine

allgemeine Stimmung für das Bild im Kopf,

ließen ihm aber völlig freie Hand, ein Motiv zu

finden, das Melancholie und Hoffnung zugleich

verkörpert. Für die japanische Auflage gestaltete

Natalie Shau, die das Cover für Silent Scr3am

entworfen hatte, ein zweites Artwork, welches

wir genauso lieben wie Gustavos Variante“,

berichtet Aleksandros zufrieden.

Obwohl die Krise in seiner Heimat andauert,

sieht der Promoter einen positiven Trend in

der dortigen Musikszene. „Trotz des sozialen

und finanziellen Zusammenbruchs hat unsere

Szene über die letzten Jahre riesige Fortschritte

gemacht, was mich nachhaltig berührt und

beeindruckt“, konstatiert er begeistert. „Mehr

und mehr Bands schaffen es, auch jenseits

der Landesgrenzen bekannt zu werden, und

der Produktionsstandard steigt stetig, was

ich sehr vielversprechend finde. Übrigens

sind griechische Metal-Fans generell äußerst

hingebungsvoll und leidenschaftlich, das

hat sich auch in der Krise nicht geändert.“

Nach seinen persönlichen Zielen für 2014

befragt, muss er schmunzeln: „Da ich meine

Neujahrsresolutionen eh nie in die Tat umsetze,

wünsche ich mir nur, dass ich die Kraft finde,

alles, was mir im Leben widerfahren mag, mit

Würde zu bewältigen.“

www.elysionofficial.com

Isabell Köster

Discographie (Alben):

Silent Scr3am (2009)

Someplace Better (2014)

Line-Up:

Christianna – Gesang

Johnny Zero – Gitarre

Nid – Gitarre

FxF – Bass

Laitsman – Schlagzeug

102 - Orkus!


Klangfabrik Stuttgart

GOTHIC ELECTRO INDUSTRIAL

AB 07. MÄRZ

JEDEN ERSTEN

FREITAG IM MONAT

Freier Eintritt am 07.03.

07. MÄRZ 2014

ERSTER FREITAG

RE-START SPECIAL

Freier Eintritt für alle.

DJ TOM

2nd Floor: Dr. KlingKlang & DJ Val

LIVE-KONZERT

XTR HUMAN

Post-Punk/Coldwave

Konzertbeginn 22.30 Uhr

ABSINTH LOUNGE

DOUBLE TIME 22 - 23H

Welcome-Drink, Longdrink-Special

CLUB LEHMANN

Bosch-Areal Stuttgart

www.lehmannclub.de

@facebook: klangfabrik stuttgart


„Abgründe

sind die spannendsten Momente des Daseins.“

Eine merkwürdige Stille umfängt ihn. Es scheint, als wäre alles Leben von diesem kalten und kargen Ort ausgeschlossen.

Eine alles vernichtende Dunkelheit, die selbst das geöffnete Auge nicht durchdringt. Ist das das Ende? Dann ein

Geräusch, einzelne Töne nur, kleine Momente der Hoffnung, die anschwellen zu einem musikalischen Inferno am

Rande der Trostlosigkeit. Dogs of War, Malum, Daemon – wie Lichtblitze zucken die Titel vor seinem inneren Auge,

und darüber materialisiert sich ein alles umfassender Name: Elegies in Darkness...

Adrian Hates: Wenn du die Augen zumachst und ewig

lange in der Dunkelheit stehst und dann leise vor dich hin

deine Klagelieder summst, dann hat das etwas unglaublich

Erdrückendes. Ich empfinde Klagelieder auch als etwas nicht

Hoffnungsloses, aber Hoffnungsarmes, etwas Bedrückendes,

etwas Trauriges, und das ist es, was dieses Album ausmacht,

was dieses Album erzählt. Eine ganz wichtige Rolle spielt

auch das Gefühl, überwältigt zu sein, und zwar nicht im

Sinne von „beeindruckt“, sondern im Sinne von „machtlos“.

Ich habe festgestellt, dass ich wieder sehr stark zu Themen

vorgedrungen bin, mit denen ich auch damals begonnen habe.

Also Einsamkeit, Isolation, die ganze Dunkelheit, die damit

einhergeht. Ein wahnsinnig spannender Themenbereich und

ein schier unerschöpflicher Quell an Inspiration. Ich meine, sich

selbst zu beobachten, wenn man Angst hat oder sich unwohl

fühlt... Ich sage ja immer: Abgründe sind die spannendsten

Momente des Daseins.

Orkus: Das sind dann aber auch wirklich allgemeine Themen,

die ihr da verarbeitet habt, oder? Anderenfalls müsstest du ein

verdammt schlechtes Jahr gehabt haben.

AH: Tatsächlich hatte ich überhaupt kein mieses Jahr. Ich

glaube, ein besonders schlechtes Jahr würde die Thematik

auch sehr eindimensional machen, das Spektrum wäre sehr

eng gesteckt. Wenn ich aber ein ganz normales, schönes und

ausgeglichenes Jahr habe, brodeln im Untergrund diverse

Themen, die dann einfach rausmüssen. Balance stellt man her,

indem man herauslässt, was diese Balance beeinträchtigt, und

das habe ich getan.

O: Diese Gedanken und Gefühle sind also gewissermaßen ein

ständiger Teil von dir?

AH: Schon. Ich habe ja immer schon meine zwei Seiten

psychisch gehabt, auch emotional geprägt, und die muss ich

beide ausleben. Zum einen die, die man als halbwegs normal

oder unauffällig bezeichnen würde oder, wie meine Nachbarn

sagen: „Ist doch ein ganz Netter.“ Und dann eben auch diese

düstere, schwarze Seite. Wenn man die als Jugendlicher auslebt,

sagen Eltern ja gern, dass das wieder vorbeigeht und zur

Pubertät gehört. Ich kann das allerdings faktisch bis in meine

Kindheit zurückverfolgen. Ich habe Bilder vor Augen, wo ich

Musik gehört habe, wo meine Mutter Musik gehört hat, die

ich mir noch heute als Moment zurückrufen kann, und ich war

da maximal sieben Jahre alt. Und ich weiß noch haargenau,

welchen Effekt das Gehörte – es war ein Stück von Mozart –

auf mich hatte, was es emotional mit mir gemacht hat. Es hat

mich damals total verwirrt. Und so etwas kann ich über meine

Lebensetappen immer wieder mal nachverfolgen. Diese Gefühle

sind immer noch in mir, sind nie weggegangen. Das ist mein

zweites Ich, das ich immer mit auf der Reise habe. Und ich lebe

das aus, weil es rausmuss, sonst tut mir das nicht gut. Und ich

lebe das eben in düsterer Musik aus. Euer werter Chefredakteur

hat nach einem Konzert mal zu mir gesagt, dass er bei keinem

der Musiker, die er auch privat ein bisschen kennt, so das Gefühl

hatte, dass der, der da auf der Bühne steht, ein komplett anderer

Mensch ist als der, den er privat kennt. Das fand ich einen ganz

interessanten Satz und kann mich da auch wiederfinden, denn

dieser Veränderungsprozess findet schon hinter der Bühne statt.

Das darf man sich jetzt nicht überspitzt vorstellen wie Dr. Jekyll

und Mr. Hyde. Du lässt einfach ein Gefühl zu, lässt dich von

etwas übermannen, was du in deinem normalen Lebensalltag

eben nicht rauslässt.

O: Was sind das für dunkle Gedanken?

AH: Ich kann dir das gar nicht so sagen. Das ist weniger ein

Gedanke als ein Grundgefühl. Etwas Schweres, Melancholisches,

was aber auch immer an dieser ganz seidenen Grenze zur Wut

und Aggression ist. Für mich liegen diese Gefühle unglaublich

nah beieinander. Eine tiefe Traurigkeit wird meist von einem

Gefühl der Wut und Ungerechtigkeit abgelöst und umgekehrt.

Finde ich unglaublich spannend. Es ist auch gut, dass ich es

ausleben kann, denn wenn ich einen ganz normalen Job hätte,

wo ich von morgens acht bis nachmittags fünf hingehen würde,

müsste ich danach eine halbe Stunde bei jemandem aufs

Sofa. Vielleicht habe ich eine Macke, ich sage das ja immer.

(schmunzelt)

O: Nur, wenn man düstere Musik und Rund-um-die-Uhr-

Arbeiten als Macke bezeichnen möchte. War es denn dieses Mal

auch wieder so?

AH: Wir haben wieder so gearbeitet wie zu Nigredo- oder (if)-

Zeiten, und ausschließlich im eigenen Studio. Es war ein sehr

intensives Arbeiten, das sich auch zwangsläufig ergibt, wenn

man an einen Ort gebunden ist. Das hat dann etwas von einem

Zufluchtsort, aber auch von einem Gefängnis. Monatelang

in einem Raum zu sitzen und sehnsüchtig nach draußen zu

schauen, ist manchmal nicht einfach. (grinst) Ganz interessant

war eine Entdeckung, als ich mir die ersten Gesangsaufnahmen

104 - Orkus!


Photo: Silke Jochum


„Nicht streicheln, sondern direkt ohrfeigen.“

von Dogs of War angehört habe. Eines der ersten Stücke, für das

ich finale Vocals eingesungen habe. Da hörte ich im Hintergrund

der Rohfassung massenhaft Vogelgezwitscher. Ich habe mitten im

Hochsommer die Aufnahmen gemacht und saß dann im Januar

hier und hörte mir die Aufnahme an und war erschüttert, wie die

Zeit vergangen ist.

O: Darüber und über das, was an dir vorbeigezogen ist, oder?

AH: Ja, den Sommer habe ich nicht mitbekommen. Mal

abgesehen davon, dass der ohnehin recht übersichtlich war, was

seine Präsenz angeht, war es dann auch so, dass ich die Zeit meist

gearbeitet habe.

O: Was machst du, wenn du es in dem kleinen Gefängnis doch

nicht mehr aushältst? Gab es Momente, wo du einfach mal

rausmusstest und dann auch gegangen bist?

AH: Konnte ich mir schwerlich leisten. Es galt schon die Devise

„Durchhalten, dranbleiben“. Ich brauche das auch. Ich muss da

diszipliniert bleiben und darf da nichts durchbrechen, sonst habe

ich Probleme, mich wieder anzunähern. Ein Tag Pause heißt

für mich, dass ich am ersten Tag einen halben Tag brauche, um

wieder reinzukommen. Als würde ich den Faden verlieren. Du

musst dich erst einmal an den emotionalen Punkt zurückleben,

um dann da wieder anknüpfen zu können, den genauen

Überblick zu haben. Genau dieses Gefühl von Sicherheit in einer

Produktion wieder zu haben. Das geht verloren. Ganz schnell.

Das ist auch ätzend. Ich mag das überhaupt nicht. Teilweise habe

ich mir sonntags den Wecker auf acht gestellt, damit ich den Tag

nutzen kann und Zeit habe, um zu arbeiten. Ich kann dann auch

nicht richtig essen. Meine Nahrungsmittelaufnahme ist dann

sehr unstrukturiert. Teilweise singe ich acht Stunden am Stück,

natürlich immer mit fünf, zehn Minuten Pause zwischendurch,

wo ich dann Audiobearbeitung mache, um die Stimme kurz zu

entspannen, und trinke in der Zeit drei Liter Tee, aber im Großen

und Ganzen sind es insgesamt etwa sechs bis acht Stunden pro

Tag.

O: Und gegessen wird alles, was kalt ist und sich nebenher essen

lässt?

AH: Und vor allem Miniportionen. Jeder, der das hört, denkt,

ich wäre magersüchtig. (grinst) Morgens vor der Arbeit sind es

zwei Scheiben Toast mit Butter, nach der Hälfte der Arbeitszeit

noch einmal zwei Scheiben Toast mit Butter, und das war es

dann. Mehr geht aber auch nicht, weil ich keine Kraft habe,

wenn ich total vollgegessen bin. Ich kann dann nicht gut singen.

Auch vor einem Konzert geht mir das so. Drei, vier, fünf Stunden

vorher kann ich nichts essen. Das Verarbeiten kostet wahnsinnig

viel Energie, und die brauche ich zu 100 Prozent für das Singen.

Das hat ja auch etwas Asketisches. Man reduziert sich.

O: Man opfert sich auf für das Werk.

AH: Genau, aber auch für die Emotion, für die Reinheit

des Gefühls. Klingt total geschwollen, aber ich meine das

ehrlich. Und wenn ich dann fertig bin für den Tag mit den

Vocalaufnahmen, mache ich natürlich erst einmal eine Pause

und esse etwas Vernünftiges und auch in einer angenehmen

Dosierung, dass es einen nicht direkt ins Bett haut und man

schlafen geht, weil man zu viel gefuttert hat. Aber es ist nicht so,

dass ich diesen psychopathischen Nahrungsmittelwahn die ganze

Zeit durchziehe, sondern nur in den Tageszeiten, zu denen ich

singen muss. Aber das kostet eben wirklich Kraft und Energie,

und ich war echt froh, als ich die letzte Gesangsspur eingesungen

Photo: Guido Fricke

106 - Orkus!


hatte und wusste: jetzt ist Schluss. Das war und ist für mich eigentlich

immer das Ende der Produktion. Alles andere kann ich mit Würde

nehmen. (grinst)

O: Weißt du zu Beginn der Arbeiten, wie ein Song und auch das Album

letztlich klingen sollen?

AH: Ja, ganz früh schon. Das habe ich für gewöhnlich schon eine

halbe Stunde/Stunde, nachdem ich angefangen habe, an dem Song zu

arbeiten. Ich finde, dass dieses Album auch wieder eine ziemlich krasse

Vielseitigkeit hat und unterschiedliche Stilistiken abdeckt und dennoch

sich selbst immer treu ist. Wir haben da ein paar recht progressive

Ansätze.

O: Allerdings. Es gibt einige sehr ungewöhnliche Momente. Ihr habt ja

sogar ein relativ fröhliches Lied auf dem Album. Zumindest der Melodie

nach hat es eine gewisse Leichtigkeit, während der Text tieftraurig ist.

AH: Da kannst du ja nur Dream of a Ghost meinen.

O: Super, sofort erkannt.

AH: Ja, weil es das einzige Stück ist, das eine gewisse Offenheit hat und

dennoch hochgradig melancholisch ist.

O: Absolut. Es beginnt mit einer für euch ungewöhnlichen Leichtigkeit,

und dann fängst du an zu singen, und es ist vorbei mit der Leichtigkeit

des Seins.

AH: (lacht) Ja, das stimmt.

O: Ihr habt einige Stücke, die extrem reduziert beginnen und fast schon

an ein klassisches Musikstück erinnern und dann erst richtig loslegen.

AH: Ja. Für mich war es wichtig, diese sehr kleinen und intimen

Momente zu haben, die dann komplett ausbrechen und in das ganz

Große und ganz Mächtige und Schwere wechseln. Dass man also

vor verschiedene Wände rennt und einfach mit diesen Emotionen in

einer Übermacht konfrontiert wird. Nicht streicheln, sondern direkt

ohrfeigen.

O: Auffällig stark sind dabei für mich die deutschsprachigen Stücke. Sie

haben eine unglaublich starke Wirkung. Liegt das wohl an den Stücken

selbst, oder würde eine englischsprachige Person es vielleicht genau

andersherum empfinden?

AH: Nein, die deutschsprachigen Stücke haben einen Zusammenhalt,

etwas besonders Garstiges. Allerdings hätten wir das nicht bei allen

Stücken durchziehen können, das wäre unverdaulich. Ich glaube, dass

Stücke wie the Game, Dream of a Ghost oder a dark embrace schon

leichter verdaulich sind, aber trotzdem die Schwere, Melancholie und

Traurigkeit in sich tragen. Die passen so eher in das Segment eines

typischen Diary of Dreams-Songs. Aber ich glaube, dass dieses Album

insgesamt schon ein klares alternatives Statement ist und eine klare

Kategorisierung jenseits des Pop-/Rock-/Mainstreamsektors zulässt.

Das Album ist für mich ein eiskaltes und kristallklares Statement für

die Musikszene und das Musikgenre, aus dem wir kommen. Und genau

da fühle ich mich wohl, und da gehören wir hin.

www.diaryofdreams.de

Doreen Krase

Discographie (Alben):

Cholymelan (1994)

End of Flowers (1996)

Bird without Wings (1997)

Psychoma? (1998)

One of 18 Angels (2000)

Freak Perfume (2002)

Nigredo (2004)

alive (live, 2005)

Nekrolog 43 (2007)

(if) (2009)

Ego:X (2011)

the Anatomy of Silence (2012)

Elegies in Darkness (2014)

108 - Orkus!

Photos: Stanislav Drozdov


Hart, brutal ...

„Gegensätze, harmonisch vereint...“

dod

Zweieinhalb Jahre war es recht

ruhig um Diodati. Jetzt kehren die

Regensburger mit Susurrus Lake

(„Flüsternder See“) zurück. Was sich

in dieser Zeit wohl alles verändert

hat? „In erster Linie haben wir alle

drei ziemlich hart an unseren Basics

und dem Umgang mit unserem

musikalischen Werkzeug gearbeitet.

Das schlägt sich natürlich auch in

unseren Kompositionen und Arrangements nieder,

die heute wesentlich komplexer, vielschichtiger

und runder sind als zu Beginn unserer Arbeit mit

Diodati. Dazu kommt noch, dass wir versuchen,

unser instrumentales Spektrum zu erweitern.

So kam zum Beispiel bei Elias das Schlagzeug in

sein Repertoire und bei Svyati die Gitarre. Und

ich glaube, man kann sagen, dass wir uns selbst

ein bisschen von unserer musikalischen Prägung

emanzipiert und mittlerweile auch Spaß dabei

haben, über gewisse Genregrenzen hinauszugehen

und Einflüsse zuzulassen, für die uns vor ein paar

Jahren noch der Mut gefehlt hätte“, erläutert

Gwydion. Genau jener Mut macht dieses Album

einzigartig und zu etwas künstlerisch Wertvollem.

„Wir machen das, was wir machen, weil es für

uns ein Kanal ist, das, was als Ideen in unseren

Köpfen herumspukt, nach außen zu lassen, sei

es nun textlich, kompositorisch oder auf das

Arrangement bezogen. Es ist nicht so, dass wir

uns zum gemeinsamen Arbeiten motivieren

oder überwinden müssten. Vielmehr werden wir

nervös und hibbelig, wenn uns unsere anderen

Verpflichtungen mal längere Zeit nicht erlauben,

zusammen zu musizieren und kreativ zu sein“,

schildert Gwydion die Essenz, welche Diodatis

Werke stets wachsen und wie eine Blume erblühen

lässt. Doch wie funktioniert diese Formel? Svyati

antwortet folgendermaßen: „Mal sind Klavier- und

Cellostimme zu einem Text im Prinzip fertig, und

wir verpassen der Musik samt Gesangsstimme nur

noch den Feinschliff von drei Seiten (zum Beispiel

beim Stück Maskenball). Mal haben wir Musik, bei

der wir später entscheiden, ob es dazu einen Text

geben wird, den Gwydion schreibt. Mal beginnt

es mit einem melodiösen, harmonischen oder

rhythmischen Fragment oder einem Gespräch über

die Stimmung, die die Musik zu einem bestimmten

Text haben könnte/sollte. Dann baut sich das Lied

im Prozess des Probens erst nach und nach auf. Elias

und ich gehen da teilweise auch unterschiedlich

ran. Ich persönlich finde es reizvoll, einen Text

tatsächlich zu vertonen, also mir die Musik Phrase

für Phrase zum Text zu überlegen. Bei Elis und Die

Hurenkönigin war das vergleichsweise so. Meist

gibt es einen Ideengeber, der die grobe Richtung

vorgibt. Am endgültigen Arrangement feilen wir

aber zu dritt so lange, bis alle zufrieden sind.“

Was beim Hören auffällt, ist, dass das Album

unglaublich komplex ist. Töne, Instrumente und

Gesang verschmelzen... treffen einen mal mit voller

Wucht wie ein Wind auf See, gegen den man sich

lehnen muss, um nicht nach hinten umzufallen.

Dann wieder kommt Susurrus Lake so fragil daher,

dass das eigene Herz schier aufhören möchte zu

schlagen, weil es den Einklang nicht stören will.

„Mir persönlich bedeutet es sehr viel, wenn unsere

Musik berührt und die Zuhörer etwas dabei spüren

und assoziieren“, erklärt Svyati und fährt fort: „Ich

mag die Vorstellung, dass Musik über die Liedtexte

hinaus Geschichten erzählt und Botschaften sendet,

die sprachungebunden beim Hörer ankommen.

Dass darin Gegensätze vorkommen, die

harmonisch vereint wirken, könnte man durchaus

in Bezug zu unseren Persönlichkeiten setzen. Wir

sind drei sehr unterschiedliche Charaktere. Die

Gegensätze und Spannungen schleichen sich daher

automatisch in die Musik – und dabei hab’ ich von

den gegensätzlichen Empfindungen im Inneren

der Schaffenden noch gar nicht gesprochen. Dass

am Schluss doch alles harmonisch wirkt, passt

wiederum zu unserem Umgang miteinander. Bei

den Aufnahmen mit Frau Kraushofer meinte diese,

sie fände es fast gruselig, wie harmonisch wir in der

Band zusammenarbeiten würden. Keiner von uns

ist professioneller Musiker, dafür sind wir es umso

leidenschaftlicher.“

www.diodati.de

Kerstin Müller

Discographie (Alben):

Souls Lament (2005)

Diem supremum obire (2011)

Susurrus Lake (2013)

Line-Up:

Gwydion Enbarr – Texte, Gesang, Arrangement

Max „Svyati“ Sellmeier – Cello, Gitarre, Komposition,

Arrangement

Dr. Elias Wonka – Bass, Klavier, Schlagzeug, Komposition,

Arrangement

Ein echter

Höllentrip …

Literarische

Körperverletzung ...

Wenn Lesen

zur Mutprobe wird ...

www.Festa-Verlag.de

(Leseproben, Infos und mehr)


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ernsthaftem Interesse an Bekanntschaft, Freundschaft...

melden.

Gedanken, die darauf warten, ausgesprochen zu

werden, doch keiner da, der sie hören mag. Musik in

meinem Kopf, die gemeinsam gehört werden mag,

doch keiner da, der sie teilen mag. Träume, die

gemeinsam gelebt werden wollen, doch an der

Umsetzung scheitert es. Unternehmungen, die geplant

werden wollen – wann fangen wir damit an? So suche

ich (w, 28) andere „chaotisch-düstere“ Seelen, die

genau das gemeinsam machen wollen (oder auch nur

Briefkontakte). Jedoch suche ich nur Freundschaften,

daher spielt Euer Alter und Geschlecht keine Rolle –

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übertrieben eifersüchtigen Menschen, die einen nur

einengen wollen? Bist du ebenso angewidert von

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Vielleicht bist du dann bei mir richtig. Ich suche

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noch wichtig sind. Welche, die einen nicht täuschen und

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ca. 100 kg, mit blauen Augen, braunen kurzen Haaren,

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zu befreien. In meiner Freizeit treffe ich mich gern mit

Freunden, gehe auf Konzerte oder Festivals. Ich höre

gern Gothic, EBM und Electro. Je nach Stimmung auch

mal Mittelalter oder Metal. Wenn du auch keine Lust

mehr auf einsame Stunden hast und du aus Leverkusen

und Umgebung (+ 100 km) kommst, würde ich mich

freuen, dich kennenzulernen. Du kannst mir schreiben

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dich telefonisch unter 01578-36 06 45 4 (mobil) oder

02171-84 75 40 7 (Festnetz). Ich würde mich freuen,

bald von dir zu hören oder zu lesen.

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Bei Abschluss eines Werbe-Abos über zwei Jahre kann sich der Werbende zwei Extra-Prämien aussuchen!

Bei Abschluss eines Werbe-Abos für ein halbes Jahr erhält der Werbende keine Extra-Prämie!

1.

Extra-Prämien

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Ideal

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Mütze

SAW VII

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Madeleine Le Roy

Kalender 2013

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Black Celebration

20 Jahre Wave-Gotik-Treffen

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Gedanken 2

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Auf den Spiralnebeln

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Newsletter-Aufnahme

Aesthetic Perfection

’Til Death

Frankie Goes To Hollywood

Frankie Said

(CD + DVD)

Rammstein

Made in Germany 1995–2011

(DCD)

Alexander Kaschte

Weisser als das Wasser

Clan Of Xymox

Matters of Mind Body and Soul

Lacuna Coil

Broken Crown Halo

Subway to Sally

Mitgift

(„Fan Edition“)

Kranke Geschichten

Diary of Dreams

Elegies in Darkness

(„Deluxe Edition“ – signiert!)

Mantus

Portrait aus Wut und Trauer

+ Grenzland (DCD)

Sündenklang

Tränenreich

(signiert!)

Lise Myhre

Nemi – Band III

Eisbrecher

Eiskalt

(„Best Of“)

Parralox

Recovery

The Cure

Disintegration

(„Deluxe Edition“)

Luci van Org

Frau Hölle

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Synth Pop

Mittelalter

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A)

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Orkus-Postkarte

(schwarz)

Orkus

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Dark Metal

Gothic

egal

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4.

Coraline-Aufkleberbogen

im A4-Format

Orkus! - 111


Aesthetic Perfection

Faderhead

Terrolokaust

28.02. Glauchau, Alte Spinnerei

02.03. Frankfurt/M., Das Bett

04.03. Hannover, ENGEL 07

05.03. Berlin, Magnet Club

08.03. Hamburg, Markthalle

A Life [Divided]

26.07. Speichersdorf, Wackel Festival V

Orkus! präsentiert:

Ally the Fiddle

28.02. Hameln, Regenbogen

01.03. Bielefeld, movie

04.10. Havetoftloit, Land-Art

Amorphis

14.03. Glauchau, Alte Spinnerei

22.03. A-Graz, Explosiv

23.03. Nürnberg, HIRSCH

25.03. CH-Solothurn, Kofmehl

26.03. Karlsruhe, SUBSTAGE

27.03. Hannover, MusikZentrum

28.03. Düsseldorf, zakk...

29.03. Lindau, Club Vaudeville

30.03. Aschaffenburg, Colos-Saal

Tori Amos

19.05. Frankfurt/M., Jahrhunderthalle

20.05. Berlin, Tempodrom

25.05. Hamburg, Laeiszhalle

26.05. NL-Rotterdam, de Doelen

28.05. B-Brüssel, Cirque Royal

29.05. NL-Amsterdam, Het Concertgebouw

31.05. CH-Zürich, Volkshaus

06.06. A-Wien, Wiener Konzerthaus

07.06. A-Linz, Brucknerhaus

09.06. Stuttgart, Liederhalle (Hegel-Saal)

10.06. München, Gasteig (Philharmonie)

And One

16.03. Köln, Live Music Hall

29.03. Magdeburg, Factory

30.03. Hannover, Capitol

05.04. München, Backstage

12.04. Leipzig, Haus Auensee

19.04. Hamburg, Grosse Freiheit 36

26.04. Dresden, Alter Schlachthof

02.05. Berlin, C-Halle

03.05. Berlin, C-Halle

Apocalyptica

& Avanti! Chamber Orchestra

17.03. Hamburg, CCH

18.03. Berlin, Tempodrom

Arcade Fire

17.06. Dresden, Junge Garde

18.06. Berlin, Kindl-Bühne Wuhlheide

Asking Alexandria

08.10. Hamburg, Grosse Freiheit 36

13.10. Berlin, Huxleys Neue Welt

17.10. München, TonHalle

18.10. Köln, E-Werk

19.10. Wiesbaden, Schlachthof

Orkus! präsentiert:

ASP

02.10. Potsdam, Waschhaus*

03.10. Potsdam, Waschhaus**

04.10. Leipzig, Haus Auensee**

05.10. Leipzig, Haus Auensee*

07.10. Stuttgart, Theaterhaus**

08.10. Stuttgart, Theaterhaus*

09.10. München, Backstage*

10.10. München, Backstage**

11.10. Oberhausen, Turbinenhalle**

12.10. Oberhausen, Turbinenhalle*

23.10. Dresden, Alter Schlachthof*

24.10. Dresden, Alter Schlachthof**

25.10. Schwabach, Markgrafensaal**

26.10. Schwabach, Markgrafensaal*

28.10. Frankfurt/M., Batschkapp**

29.10. Frankfurt/M., Batschkapp*

30.10. Hamburg, Markthalle*

31.10. Hamburg, Markthalle**

01.11. Erfurt, Stadtgarten**

02.11. Erfurt, Stadtgarten*

*„Rar und Pur“/**„Best of Rock“

Asps Von Zaubererbrüdern

19.03. Wiesbaden, Schlachthof

20.03. Losheim am See, Eisenbahnhalle

21.03. Bielefeld, Ringlokschuppen

22.03. Leipzig, Haus Auensee

26.03. Ludwigsburg, Forum am Schlosspark

27.03. Wuppertal, Historische Stadthalle

28.03. Berlin, Huxleys Neue Welt

29.03. München, Backstage

Bad Religion

29.05. Frankfurt/M., Batschkapp

30.05. Hünxe, Ruhrpott Rodeo

15.06. A-Nickelsdorf, nova rock

Black Sabbath

08.06. Berlin, Kindl-Bühne Wuhlheide*

13.06. München, Königsplatz*

25.06. Stuttgart, Schleyer-Halle*

27.06. Essen, Stadion

*mit „Special Guest“ Soundgarden

Orkus! präsentiert:

Blind Passenger

01.03. Berlin, frannz Club (Sincity Festival 2014)

14.03. Schwedt, Kosmonaut

15.03. Treuenbrietzen, Gaststätte Treffpunkt

12.04. Cottbus, Glad-House

19.04. Eberswalde, Haus Schwärzetal

30.04. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

10.05. Schwarzheide, NARRENHOF®

(Electro-Mind Festival)

Bonsai Kitten

11.04. Bamberg, Sound-n-Arts

12.04. Altenburg, Finnegan’s Irish House

17.04. Berlin, Bi Nuu

31.05. Sebnitz, Skiheim (Wonnemond-Festival 4.0)

06.09. Trier, Exzellenzhaus

Butcher Babies

28.02. Bochum, Matrix

01.03. NL-Amsterdam, The Winston

Corvus Corax

06.03. Mannheim, Alte Seilerei

07.03. Ingolstadt, eventhalle Westpark

08.03. Leipzig, Kohlrabizirkus

(Leipziger Umschlag)

13.03. Duisburg, PULP

14.03. Magdeburg, Factory

15.03. Bischofswerda, East-Club

20.03. Göttingen, musa

21.03. NL-Den Bosch, W2

22.03. Sondershausen, Klubhaus Stock’sen

Crematory

01.03. Karlsruhe, SUBSTAGE

04.04. Siegburg, KUBANA Live Club

16.05. Glauchau, Alte Spinnerei

05.07. Mülheim/Ruhr, Castle Rock

02.08. Wacken, Wacken Open Air

25.10. Alsfeld, Feuer & Eis Festival

DAF

28.03. Wiesbaden, Schlachthof

29.03. München, Feierwerk

Gabi Delgado

28.02. Krefeld, Kulturfabrik

01.03. Berlin, K17

06.03. Hannover, ENGEL 07

07.03. Bremen, Lila Eule

08.03. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

Orkus! präsentiert:

Diary of Dreams

In Strict Confidence

02.04. Nürnberg, HIRSCH

03.04. Reutlingen, franz.K

04.04. Leipzig, Werk II

05.04. Erfurt, HsD

06.04. München, Backstage

08.04. Frankfurt/M., Batschkapp

09.04. Bochum, Zeche

10.04. Hannover, MusikZentrum

11.04. Berlin, C-Club

12.04. Hamburg, Markthalle

Doomriders

Beastmilk

Herder

06.05. Köln, Underground

07.05. Berlin, Lido

09.05. Leipzig, Conne Island

10.05. München, Backstage

11.05. A-Wien, Arena

Orkus! präsentiert:

Dornenreich

Heretoir

Wassermanns Fiebertraum

30.04. Stuttgart, Club Zentral

01.05. Losheim am See, Hexentanz

02.05. Köln, Die Werkstatt

03.05. Leipzig, Theater-Fabrik-Sachsen

04.05. Hamburg, Markthalle

05.05. Berlin, K17

06.05. Frankfurt/M., Nachtleben

07.05. Nürnberg, Rockfabrik

08.05. München, Backstage

09.05. A-Wien, ((szene))

10.05. CH-Zürich, Alte Kaserne

Edenbridge

27.03. A-Graz, Explosiv

28.03. A-Salzburg, Rockhouse

02.04. A-Traun, spinnerei

03.04. A-Wien, ((szene))

04.04. A-Innsbruck, p.m.k

05.04. CH-Pratteln, Z7

(Masters of Symphonic Metal Vol. 2)

Edgedown

28.03. A-Salzburg, Rockhouse

26.04. Piding, Baamhakke

Faun

Jyoti Verhoeff

06.03. Ulm, ROXY

07.03. Mannheim, Alte Seilerei

08.03. Aschaffenburg, Colos-Saal

09.03. Köln, Live Music Hall

11.03. Osnabrück, Rosenhof

12.03. Kiel, MAX

13.03. Potsdam, Lindenpark

14.03. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

15.03. Erfurt, Stadtgarten

16.03. Bochum, Zeche

22.03. CH-Lachen, Hafenanlage (DAS ZELT)

girugamesh

27.05. A-Wien, ((szene))

30.05. München, Backstage

31.05. Aschaffenburg, Colos-Saal

06.06. Essen, Zeche Carl

07.06. Berlin, Lido

Halestorm

The Smoking Hearts

13.04. Köln, Bürgerhaus Stollwerck

17.04. Hamburg, LOGO

22.04. Berlin, Lido

23.04. Frankfurt/M., Batschkapp

24.04. München, Theaterfabrik

Morten Harket

05.05. Hamburg, Laeiszhalle

06.05. Köln, E-Werk

08.05. Berlin, C-Halle

09.05. Offenbach, CAPITOL

Harpyie

01.03. Hamburg, Bambi galore (Taverna Cerritus)

15.03. Gießen, Jokus

03.04. Bielefeld, movie

12.04. Minden, Der Bunker

30.04. Zella-Mehlis, Bürgerhaushof

(Walpurgisnacht)

02.05. Dortmund, Freizeitpark Fredenbaum (MPS)

30.05. Parsberg, Burg Parsberg

(Spectaculum Nordgavia)

20.06. Abenberg, Burg Abenberg

(Feuertanz Festival 2014)

17.10. Köln, MTC

13.11. Augsburg, Spectrum Club

14.11. Ingolstadt, BUDDHA eventclub

Billy Idol

18.06. Hamburg, Stadtpark Open R

03.07. Dresden, Junge Garde

Ignis Fatuu

28.02. Bochum, Matrix

07.03. Nürnberg, HIRSCH

21.03. München, Spectaculum Mundi

29.03. Hameln, Sumpfblume

04.04. Bad Salzungen, KW 70

05.04. Gera, Sächsischer Bahnhof

12.04. CH-Pratteln, Z7

23.05. Frankfurt/M., Das Bett

24.05. Hamburg, MarX

07.06. Bremen, Tivoli („Veitstanz“)

28.06. Brande-Hörnerkirchen, Hörnerfest

In Extremo

17.04. Dortmund, Westfalenhalle

18.04. B-Mons, Lotto Mons Expo

12.06. CH-Interlaken, Greenfield Festival 2014

13.06. Augsburg, Grenzenlos Festival

14.06. Rudolstadt, Residenzschloss

Heidecksburg

20.06. St. Goarshausen, Metalfest Loreley 2014

21.06. Abenberg, Burg Abenberg

(Feuertanz Festival 2014)

11.07. Gießen, Open Air-Kino-Gelände

12.07. Ballenstedt, Flugplatz

(Rockharz Open Air 2014)

17.07. Singen, Festungsruine Hohentwiel

18.07. Merseburg, Schlosshof

19.07. Cuxhaven,

Deichbrand Rockfestival am Meer

03.08. Ludwigsburg, Residenzschloss

10.08. Hildesheim, M’era Luna Festival 2014

30.08. Schleswig, Baltic Open Air

05.09. Meißen, Albrechtsburg

06.09. Creuzburg, Burg Creuzburg

INGRIMM

14.03. Gießen, Jokus

15.03. Köln, MTC

22.03. München, Spectaculum Mundi

04.04. Bad Salzungen, KW 70

05.04. Gera, Sächsischer Bahnhof

02.05. Dortmund, Freizeitpark Fredenbaum (MPS)

09.06. Leipzig, Wave Gotik Treffen

KoRn

04.05. NL-Eindhoven, Klokgebouw

06.05. Köln, Palladium

Orkus! präsentiert:

Lacrimas Profundere

14.03. Berlin, K17

15.03. Rostock, Alte Zuckerfabrik

16.03. Hamburg, LOGO

25.04. München, Optimolwerke

(Dark Munich Festival)

09.05. Frankfurt/M., Nachtleben

01.08. Wacken, Wacken Open Air

09.08. Hildesheim, M’era Luna Festival 2014

07.09. Leipzig, Kulturpark Deutzen

(Nocturnal Culture Night 9 )

Orkus! präsentiert:

Letzte Instanz

Ally the Fiddle

03.10. Dresden, EVENTWERK*

05.11. Köln, Live Music Hall

06.11. Bochum, Matrix

07.11. Hamburg, Markthalle

08.11. Hannover, MusikZentrum

13.11. Frankfurt/M., Batschkapp

14.11. CH-Zürich, Komplex N o 457

15.11. München, Backstage (tanzt! 2014)*

20.11. Nürnberg, HIRSCH

21.11. Leipzig, Werk II

22.11. Berlin, Kesselhaus

27.11. A-Wien, ((szene))

28.11. Karlsruhe, SUBSTAGE

29.11. Erfurt, HsD

*ohne Ally the Fiddle

TICKETS: www.orkus.de

– unter „Tourdaten“!

112 - Orkus!

112 - Orkus


Maerzfeld

20.03. Haslach, Black Station 218

27.03. Augsburg, Spectrum Club

28.03. Obertraubling, AIRPORT

31.03. Nürnberg, HIRSCH

01.04. Frankfurt/M., Nachtleben

03.04. Ottweiler, Club Schulz

04.04. Berlin, K17

05.04. Herford, X

26.04. Geiselwind, MusicHall

02.05. Osnabrück, Rosenhof

24.05. A-Steinach am Brenner, Talstation

Bergeralm (Rock im Wipptal)

28.05. Oberhausen, Kulttempel

26.07. Neuhaus an der Pegnitz,

Burg Veldenstein (Veldensteiner Festival)

27.07. Köln, Tanzbrunnen (X. Amphi Festival)

Metallica

04.06. Hamburg, Imtech Arena (Sonisphere)

06.06. Nürnberg, Zeppelinfeld (Rock im Park)

08.06. Adenau, Nürburgring (Rock am Ring)

Ennio Morricone

07.04. München, Olympiahalle

14.04. Köln, LANXESS arena

03.12. Oberhausen, König-Pilsener-ARENA

04.12. Hamburg, O 2

World

06.12. Frankfurt/M., Festhalle

07.12. Stuttgart, Schleyer-Halle

Orkus! präsentiert:

New Model Army

14.03. Augsburg, Kantine

15.03. Lindau, Club Vaudeville

16.03. Freiburg, Jazzhaus

17.03. Frankfurt/M., Batschkapp

18.03. Karlsruhe, SUBSTAGE

20.03. Saarbrücken, Garage

21.03. Coesfeld, Fabrik

22.03. Kiel, MAX

23.03. Beverungen, Stadthalle

29.03. Bremen, Aladin

Nine Inch Nails

Cold Cave

15.05. Berlin, Zitadelle Spandau

16.05. L-Esch-sur-Alzette, Rockhal

27.05. NL-Amsterdam, Heineken Music Hall

28.05. B-Antwerpen, Lotto Arena

04.06. CH-Zürich, Hallenstadion

09.06. A-Wien, Stadthalle

Panic! at the Disco

28.04. NL-Tilburg, 013

29.04. B-Antwerpen, TRIX

01.05. Berlin, Astra

02.05. Düsseldorf, Stahlwerk

Pearl Jam

16.06. NL-Amsterdam, Ziggo Dome

17.06. NL-Amsterdam, Ziggo Dome

25.06. A-Wien, Stadthalle

26.06. Berlin, Kindl-Bühne Wuhlheide

Placebo

20.08. Mönchengladbach,

Warsteiner HockeyPark

Orkus! präsentiert:

Project Pitchfork

28.02. Braunschweig, Meier Music Hall

01.03. Dresden, Alter Schlachthof

07.03. Potsdam, Waschhaus

08.03. Glauchau, Alte Spinnerei

09.03. München, Backstage

02.05. Losheim am See, Hexentanz

25.07. Köln, MS RheinEnergie

(„Call The Ship 2 Port“)

26.07. Köln, Tanzbrunnen (X. Amphi Festival)

02.08. Königstein, Festung Königstein

(Open Air 2014)

Schickt bitte alle Eure Tourdaten für

die nächste Ausgabe bis spätestens

Montag, 10.03.2014, an e-mail:

tourdates@orkus.de

Orkus! präsentiert:

Samsas Traum

Jovian Spin

19.03. Saarbrücken, Garage

20.03. Duisburg, PULP

21.03. Leipzig, Werk II*

22.03. München, Backstage

23.03. Köln, Underground

24.03. Hamburg, Markthalle

25.03. Berlin, C-Club

26.03. Frankfurt/M., Batschkapp

*exklusiv mit Weena Morloch

Schandmaul

07.03. Wiesbaden, Schlachthof*

08.03. Stuttgart, Liederhalle (Hegel-Saal)*

14.03. Bielefeld, Ringlokschuppen**

15.03. Hannover, SwissLife Hall**

27.03. Fürth, Stadthalle**

28.03. Saarbrücken, Saarlandhalle**

29.03. Köln, Palladium**

03.04. Dresden, Alter Schlachthof*

04.04. Berlin, C-Halle*

12.04. München, Circus Krone*

31.07. A-Lustenau, am Alten Rhein

(25. Szene Openair)

01.08. Magdeburg, Altes Theater

02.08. Wacken, Wacken Open Air

16.08. Hamburg, Stadtpark Open R***

22.08. Erfurt, Zitadelle Petersberg***

23.08. Hanau, Amphitheater

*mit Die KAMMER

**mit Fiddler’s Green

***mit Versengold

Seabound

10.04. Oberhausen, Zentrum Altenberg*

11.04. Leipzig, K3 Lounge*

12.04. Frankfurt/M., Nachtleben*

13.04. Braunschweig, Meier Music Hall*

14.04. Berlin, Comet Club*

16.04. Hamburg, Kaiserkeller*

25.04. Nürnberg, Rockfabrik

26.04. Saarbrücken, Kleiner Klub

*mit „Special Guest“ Iris

Skunk Anansie

Karima Francis

10.03. Berlin, Admiralspalast

11.03. NL-Amsterdam, Carré

13.03. L-Esch-sur-Alzette, Rockhal

14.03. B-Brüssel, Cirque Royal

17.03. CH-Zürich, Volkshaus

23.03. CH-Genf, Théâtre du Léman

Soilwork

08.03. L-Luxemburg, den Atelier

17.03. NL-Dordrecht, Bibelot

Solar Fake

14.03. Bremen, Schlachthof

15.03. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

21.03. Erfurt, CENTRUM

22.03. Oberhausen, Kulttempel

23.03. Berlin, K17

26.07. Köln, Tanzbrunnen (X. Amphi Festival)

Solitary Experiments

25.04. Oberhausen, Kulttempel

26.04. Altenburg, Goldener Pflug

(Dark Night Festival 4)

Orkus! präsentiert:

Songs Of Lemuria (feat. Nik Page)

27.09. Güstrow, Ernst-Barlach-Theater

03.10. Guben, Fabrik

17.10. Pirna, Q24

Spiritual Front

17./18.10. Leipzig, Theater-Fabrik-Sachsen

(Runes & Men Festival)

Subway to Sally

Darkhaus

03.04. Hamburg, DOCKS

04.04. Magdeburg, Altes Theater

05.04. Leipzig, Werk II

10.04. Frankfurt/M., Batschkapp

11.04. München, Muffathalle

12.04. A-Wien, Arena

24.04. Berlin, Huxleys Neue Welt

25.04. Hannover, Capitol

26.04. Rostock, Moya

27.04. Osnabrück, Halle Gartlage

29.04. Köln, E-Werk

30.04. Würzburg, Posthalle

02.05. Losheim am See, Hexentanz

03.05. Erfurt, Stadtgarten

Sündenklang

06.03. Nürnberg, Rockfabrik*

07.03. Berlin, Crystal*

08.03. Köln, Underground*

14.03. Göttingen, EXIL*

21.03. Oberhausen, Kulttempel*

22.03. Hückelhoven, Markt 17*

03.05. Losheim am See, Hexentanz

05.07. Mülheim/Ruhr, Castle Rock

09./10.08. Hildesheim, M’era Luna Festival 2014

*mit X-in June

Syntec

01.03. Berlin, frannz Club (Sincity Festival 2014)

14.03. Schwedt, Kosmonaut

Tanzwut

15.03. Forst, Manitu*

04.04. Dortmund, Westfalenhalle (MPS Party)*

20.04. Salzhausen, Turnierplatz Luhmühlen (MPS)**

26.04. Berlin, K17**

30.04. Wernigerode, Schierke (Die Walpurgis)*

03.05. Hildesheim,

Mittelalterliches Seespektakel**

08.06. Trebsen, Pfingst-Ritter-Turnier**

14.06. Wittenberg, Luthers Hochzeit**

20.06. Weeze, Flughafen (MPS)**

21.06. Abenberg, Burg Abenberg

(Feuertanz Festival 2014)*

27.06. Brande-Hörnerkirchen, Hörnerfest*

28.06. Delitzsch, Peter & Paul Stadtfest**

18.07. Geltendorf, Kaltenberger Gauklernacht**

19.07. Geltendorf, Kaltenberger Ritterturnier**

20.07. Geltendorf, Kaltenberger Ritterturnier**

23.08. Aach, Hirtenhof (MPS)**

30.08. Wuppertal, Waldbühne Hardt

(Feuertal Festival 2014)*

06.09. Großenhain, Tag der Sachsen**

*Rockshow/**Mittelalter-Show

The Red Paintings

Mojo Fury

28.02. Berlin, cassiopeia

01.03. Bielefeld, Forum

The Sisters Of Mercy

12.05. Berlin, C-Halle

13.05. Dresden, Alter Schlachthof

14.05. A-Linz, Posthof

18.05. A-Wien, Gasometer

20.05. München, TonHalle

21.05. CH-Zürich, X-TRA

22.05. B-Brüssel, Ancienne Belgique

24.05. L-Esch-sur-Alzette, Rockhal

25.05. NL-Amsterdam, Melkweg

26.05. Hamburg, DOCKS

Thirty Seconds to Mars

25.06. Mönchengladbach,

Warsteiner HockeyPark

01.07. A-Wien, Marx Halle

02.07. A-Klam, Burgarena Clam

Turisas

28.02. A-Graz, ppc

06.03. Berlin, Lido

07.03. Glauchau, Alte Spinnerei

Umbra et Imago

30.04. Augsburg, Spectrum Club

01.05. Nürnberg, HIRSCH

02.05. Berlin, C-Club

03.05. Magdeburg, Factory

04.05. Oberhausen, Kulttempel

Welle: Erdball

28.02. A-Wien, ((szene))

01.03. Mannheim, Alte Seilerei

07.03. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

08.03. Berlin, K17

09.03. Nürnberg, HIRSCH

14.03. Hamburg, Markthalle

15.03. Herford, X

21.03. Leipzig, der ANKER

22.03. Magdeburg, Factory

28.03. Flensburg, Roxy

29.03. Oberhausen, Kulttempel

10.04. NL-Eindhoven, Dynamo

11.04. Bremen, Tivoli

12.04. Braunschweig, Meier Music Hall

17.04. Rüsselsheim, Das Rind

18.04. CH-Zürich, X-TRA

19.04. Gießen, Jokus

20.04. Erfurt, CENTRUM

02.05. Losheim am See, Hexentanz

Within Temptation

Delain

15.03. A-Wien, Gasometer

16.03. CH-Zürich, Hallenstadion

06.04. München, Zenith

07.04. Hamburg, Sporthalle

08.04. Köln, Palladium

09.04. Ludwigsburg, MHPArena

18.04. Frankfurt/M., Jahrhunderthalle

19.04. Erfurt, Thüringenhalle

20.04. Berlin, C-Halle

29.04. B-Antwerpen, Lotto Arena

02.05. NL-Amsterdam, Heineken Music Hall

03.05. NL-Amsterdam, Heineken Music Hall

Joachim Witt

29.04. Berlin, C-Club

30.04. Hannover, MusikZentrum

01.05. Erfurt, HsD

02.05. Magdeburg, Altes Theater

03.05. Dresden, Alter Schlachthof

06.05. Hamburg, Markthalle

07.05. Mannheim, Alte Seilerei

08.05. Aschaffenburg, Colos-Saal

09.05. Leipzig, Haus Auensee

10.05. Köln, Live Music Hall

15.05. München, Backstage

16.05. Kaiserslautern, Kammgarn

17.05. Bochum, Matrix

TICKETS: www.orkus.de

– unter „Tourdaten“!

Xandria

14.03. A-Innsbruck, LiveStage

01.05. Aalen, Rock It

02.05. Memmingen, Kaminwerk

03.05. A-Graz, Explosiv

04.05. A-Wien, ((szene))

17.05. Bielefeld, movie

22.05. München, Backstage

23.05. Heidelberg, Schwimmbad Club

24.05. Schüttorf, Komplex

25.05. Hamburg, MarX

28.05. Köln, Underground

29.05. Geiselwind, EventZentrum

(Out & Loud Festival)

30.05. CZ-Pilsen, Amphitheater Lochotín

(Metalfest Open Air 2014)

Orkus! präsentiert:

Sincity Festival 2014

mit Forced To Mode, Blind Passenger,

Syntec...

01.03. Berlin, frannz Club

Sturm auf die Bastille

mit Megaherz, Vlad in Tears,

Eden Weint Im Grab...

05.04. Berlin, Lido

Dark Munich Festival

mit Alien Sex Fiend, The 69 Eyes,

Front 242, MONO INC.,

Apoptygma Berzerk...

25.–27.04. München, Optimolwerke

Electro-Mind Festival

mit Blind Passenger, Traumtanz,

Beyond Obsession

10.05. Schwarzheide, NARRENHOF®

10 Jahre POPoNAUT

mit mesh, De/Vision, mind.in.a.box,

cryo

17.05. Leipzig, Werk II

Rockharz Open Air 2014

mit Tiamat, Amorphis,

Children Of Bodom, In Extremo,

Saltatio Mortis...

10.–12.07. Ballenstedt, Flugplatz

X. Amphi Festival – Open Air 2014

mit Eisbrecher, Project Pitchfork,

MONO INC., Nachtmahr, IAM{X}...

26. & 27.07. Köln, Tanzbrunnen

M’era Luna Festival 2014

mit And One, In Extremo,

Deine Lakaien, Subway to Sally,

Asps Von Zaubererbrüdern...

09. & 10.08. Hildesheim, Flugplatz

Burgfolk MMXIV

mit Saltatio Mortis, Fiddler’s Green,

InVictus, Versengold, The Dolmen...

15. & 16.08. Mülheim/Ruhr, Schloß Broich

Alle Angaben

ohne Gewähr!

Orkus! - 113


Von NEMI gibt es bisher drei Bände mit unzähligen Strips

und Geschichten, erschienen bei U-Line und Ubooks!

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Aesthetic Perfection, Clan Of Xymox, Diary of Dreams, Eisbrecher, Frankie

Goes To Hollywood, Lacuna Coil, Mantus, Rammstein, Subway to Sally,

Sündenklang, The Cure, Alexander Kaschte, Luci van Org...

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Die nächste Ausgabe erscheint am 28.03.2014

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Zoomia Medien Gruppe Claus Müller

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Art Direction:

Claus Müller, Fabian Ritter

Design:

Fabian Ritter Artworks

DTP/Satz:

Fabian Ritter Artworks, Brigitta Settels

Lektorat/Korrektorat:

Agnes Merklein

Titelphoto Diary of Dreams:

Silke Jochum (www.silke-jochum.de)

Titelphoto Welle: Erdball:

Welle: Erdball/Alex Hein

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Ständige MitarbeiterInnen:

Nadine Ahlig, Lydia Aufschlager, Manuela

Ausserhofer, Isabell Köster, Doreen Krase,

Axel Schön, Björn Springorum

Freie MitarbeiterInnen:

Enrico Ahlig, Sarah Beilharz, Sebastian Berning,

Jessica Boucher-Rétif, Miriam Claus, Peter

Eskriba, Claudia Feger, Marc Frei, Melanie

Haack, Marc Halupczok, Marie-Luise Henke,

Michael Hertel, Christian Hesse, Richard Klasen,

Martin Kreischer, Sascha M. Kühne, Alexander

Maciol, Kerstin Müller, Dinah Nelke, Jens Pan,

Tanja Pannwitz, Giovanni Perna, Ronja Pludra,

Bettina Pudmensky, Annabelle Reiter, Jana

Rischke-Tanaka, Julian Rohrer, Gaetano

Rothenburg, Steffen Rüth, Saskia Scherf, Evelyn

Schön, Lars Schubert, David Skrinjar, André

Steinigen, Ecki Stieg, Christopher Sturm, Thomas

Thyssen, Alexander Triesch, Carsten Weirich,

Elena Winter, Silvio Wolff

Ständige PhotographInnen:

Michael Gamon, Axel Heyder, Christin Kersten,

Thomas Nattermann, Lorenz Pietzsch,

Claudia Schöne

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+NEUES NEUES + GUTES + FÜR FÜR DIE SZENE

O rkus

O rkus

Nr. Nr. 02 03 · · Februar März 2014

!

Diary of Dreams + Butcher Babies + Crematory + Laibach + subway to sally

Alfahanne + Gabi Delgado + Clan Of Xymox + Lyronian + THYX + Alcest

Aesthetic Perfection + Eisenstein und Der Zar + Enter & Fall + Mantus

Lay Down Rotten + State of the Union + Metsatöll + Spiritual Front

Vanishing Point + Nachtmahr + Terrolokaust + Ignis Fatuu + SEA + AIR

Night Nurse + Fear Of Domination + Paulina Cassidy + Maerzfeld + Seabound

The Beauty of Gemina + Incura + Diodati + Die KAMMER + Thyrien

God Module + Frequency Drift + Elysion + Harpyie + Tuomas Holopainen

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