Altern - IPP - Universität Bremen

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Altern - IPP - Universität Bremen

3. Jahrgang · Winter 2003/04 · Ausgabe 05

zph-info

IM FOKUS

Altern

Zentrum für Public Health

Universität Bremen · Fachbereich 11

Human- und Gesundheitswissenschaften

INHALT

Schwerpunktthema Altern | Seite 2 – 10

Magisterarbeiten | Seite 11, 12

Neues aus dem Studiengang | Seite 12

Personalia | Seite 13

Publikationen | Seite 15, 16

Tagungsberichte | Seite 14

Veranstaltungen | Seite 4, 16

ALTERN UND PUBLIC HEALTH

Die Auseinandersetzung mit Alter und Altern ist

erneut in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses

gerückt. Verantwortlich dafür ist u.a., dass in

Deutschland schon jetzt nahezu jede vierte Person

älter als 60 Jahre ist; im Jahre 2025 wird es fast

jede dritte Person sein. Die daraus resultierenden

Konsequenzen sind für WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen

und PolitikerInnen inzwischen zu einem

zentralen Zukunftsthema geworden, auch aus

Sicht von Public Health. Schon ist die Rede vom

Generationenkrieg und längst scheint die Rente

nicht mehr das einzig Sichere zu sein, so wie Blüm

es einmal formulierte. Des Weiteren ist Empörung

zu vernehmen angesichts der drohenden Rationierung

gesundheitlicher Versorgungsleistungen bei

älteren Menschen. »Ein Achtzigjähriger braucht

kein neues Hüftgelenk mehr« lautete ein parlamentarischer

Vorstoß aus der jüngeren Abgeordnetenfraktion.

Dabei geht es zum einen um die Auswirkungen

der demographischen Entwicklung auf die

sozialen Sicherungssysteme. Dieser Trend berührt

nicht nur das Problem der finanziellen Lastenverteilung,

sondern auch die Fragen nach angemessenen

gesundheitlichen Versorgungsstrukturen für

ältere Menschen sowie nach der Effizienz von

Behandlungsformen für ältere PatientInnen angesichts

einer Zunahme von chronischen Krankheiten,

Multimorbidität und insbesondere die mit

höherem Lebensalter assoziierte Demenz. Die Notwendigkeit,

auf die demographische Entwicklung

zu reagieren, wird u.a. eindrucksvoll dadurch

dokumentiert, dass nach dem heutigen Wissensstand

die Leistungsempfänger der Pflegeversicherung

in der Anzahl von heute etwa 2 Mio. auf

knapp 4 Mio. im Jahre 2050 steigen werden.

Die Finanzierung und Rationierung der

gesundheitlichen Versorgung sowie die Frage der

Verteilungsgerechtigkeit sind allerdings nur ein

Teilaspekt, der das Thema Alter und Altern nicht

nur für Praxis und Politik, sondern auch für Public

Health äußerst interessant macht. Immer häufiger

werden ältere Menschen als eine gesellschaftliche

Gruppe gesehen, die nicht mehr allein über ihre

vermeintlichen Defizite definiert wird. Vielmehr

lässt der demographische Wandel ältere Menschen

als die »neuen Alten« mit einem neuen Selbstbewusstsein

erscheinen, die aktiv und unabhängig

sind und als kaufkräftige KonsumentInnen (etwa 2

Billionen € Nettovermögen) in Zukunft einen

bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen werden.

Diese Trends veranlassen zu der Schlussfolgerung,

dass Lebensqualität und -zufriedenheit auch

der künftigen älteren Generation nicht notwendigerweise

Einbußen erleiden müssen, vorausgesetzt,

dass bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt

sind. Dies hat zu neuen Anforderungen an die

Lebensverhältnisse und gesundheitliche Versorgung

und gleichzeitig zu der Frage geführt, ob deren

Finanzierbarkeit, Erreichbarkeit, Quantität und Qualität

den Bedürfnissen sowohl gesunder als auch

kranker und pflegebedürftiger älterer Menschen

auch in Zukunft noch gerecht werden können.

Die Bearbeitung dieser Fragen wird eine zentrale

Aufgabe des Bremer Zentrums für Public

Health sein.

Prof. Dr. Stefan Görres, Institut für angewandte Pflegeforschung

(iap), Universität Bremen, FB 11, Grazer Str. 6,

28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7247 (Sekretariat),

Fax: 0421/ 218-4973, Mail: sgoerres@uni-bremen.de


zph-info Ausgabe 05/03

SCHWERPUNKTTHEMA ALTERN

Seniorenmarkt als wirtschaftliche Größe – Dienstleistungen

und Produkte für ältere Menschen

Alt ist nicht gleich krank und: am Alter stirbt man

nicht. Ältere Menschen werden immer häufiger als

eine gesellschaftliche Gruppe gesehen, die nicht

über ihre vermeintlichen Defizite, sondern über

ihre Kaufkraft definiert wird. Ältere Menschen

haben heute Zeit für Hobbys und Reisen und wollen

sich etwas gönnen – vorausgesetzt Qualität

und Service stimmen. Über 60-Jährige verfügen in

Deutschland über etwa 2 Billionen Euro Nettovermögen.

Nach einer Studie in Nordrhein-Westfalen

von über 5.000 Seniorenhaushalten verfügt ein

Seniorenhaushalt im Durchschnitt über ein Nettoeinkommen

von € 2.550,- im Monat, wovon

€ 1.492,- zur freien Verfügung stehen (Landesinitiative

Seniorenwirtschaft NRW). Länger leben ist

also auch eine wirtschaftliche Herausforderung,

eine Chance für Politik und Unternehmen. In der

Zusammenführung unternehmerischer Interessen

und sozialpolitischer Erfordernisse wird neuerdings

eine große Zukunftschance gesehen.

Gegenwärtig zeigt das Angebot für ältere

Menschen in elementaren Lebensbereichen allerdings

noch große Defizite auf. Nach wie vor orientieren

sich Produktentwicklung, Produktdesign

und die Vermarktung überwiegend an Bedürfnissen,

an Lebensgefühlen und am Geschmack von

Jugendlichen. Die wachsende Zahl älterer Menschen

macht es erforderlich, verstärkt Produkt und

Dienstleistungen zu entwickeln und zu vermarkten,

die von älteren Menschen genutzt werden.

Gerontologie und Marktforschung haben in den

letzten Jahren herausgearbeitet, dass es besonders

drei Bereiche sind, die für ältere Menschen in

Zukunft an Bedeutung gewinnen und in denen sie

zu zusätzlichen Ausgaben bereit sein werden:

Gesundheit und Freizeit, Tourismus, Sport und

Wellness sowie Wohnen, Kommunikation und

neue Medien.

Größter Profiteur der zukünftigen Altersentwicklung

sind der Gesundheitssektor und der Freizeitmarkt.

Die Industrie sieht in Dienstleistungen

und Produkten für ältere Menschen neben dem

medizinisch-technischen Fortschritt und einem sich

um Faktoren wie »Lebensqualität« und »Wohlfühlen«

ausweitenden Gesundheitsbegriff den dritten

wichtigsten Wachstumsfaktor. Medikamente sind

der Wachstumsmarkt schlechthin, insbesondere

dort, wo es um die Behandlung der älteren Menschen

geht: Neben Arzneimitteln geht es u. a. auch

um Lifestyle-Präparate zur Verbesserung der

Lebensqualität, um Potenzmittel sowie Präparate

gegen Fettleibigkeit und Alterung der Haut. Anti-

Aging ist das Stichwort. Beiträge zur Gesunderhaltung

im und für das Alter kommen sowohl von der

traditionellen Medizin als auch von Newcomer-

Bereichen wie der Biomedizin und der plastischen

Chirurgie sowie der Gesundheitstechnologie.

Ebenso werden ZahnärztInnen und die Zahntechnik

von der Alterung der Bevölkerung profitieren.

Als klassischer Wachstumsbereich gilt auch

der Homecare-Bereich. Dabei geht es um die qualitativ

hochstehende Betreuung und therapeutische

Versorgung von älteren Menschen im häuslichen

Umfeld. Der Verbleib in der häuslichen

Umgebung wird u.a. gesichert über moderne Technologien,

wie etwa ein Senioren-Online-Angebot,

intelligente Hausnotrufdienste oder die Gesundheitsüberwachung

via Telemedizin/Healthmonitoring.

Dazu gehören aber auch Fragen des Wohnens,

des Handwerks und der Dienstleistungen, die

es ermöglichen, im Sinne eines altersgerechten

Wohnens und einer seniorengerechten Wohnungsumgestaltung

länger in der eigenen Wohnung bei

einer hohen Lebensqualität zu verbleiben.

Im Freizeit- und Konsumsektor werden sich

nicht nur Hotels, Freizeitparks und Kaufhäuser den

älteren Menschen widmen müssen, sondern die

ganze Tourismusbranche wird sich hier auf ein

neues Klientel einstellen müssen, wie heutzutage

vielfach schon an den Seniorenreisen auf Kreuzfahrtschiffen

zu spüren ist. Deutsche SeniorInnen

geben ca. 10 Milliarden Euro jährlich für ihren

Haupturlaub aus und eine weitere Milliarde Euro

für Zweit- oder Kurzurlaube. Hinzu kommt der

expandierende Sport- und Wellnessbereich, der

neben der Tourismusbranche einen immer höheren

Stellenwert einnimmt.

Ältere Menschen sind auch den neuen Medien

gegenüber aufgeschlossen: Ca. 45 Prozent der

befragten Haushalte besitzen einen Computer und

30 Prozent einen Internetzugang. Immerhin nutzen

27 Prozent der 55–80-Jährigen zumindest gelegentlich

den heimischen Computer. Ältere nutzen

heute das Internet bei bürgerschaftlichem Engagement,

bei der Organisation von Reisen, für Behördenkontakte

und Weiterbildung. Schließlich hat

inzwischen längst auch die Werbebranche die

SeniorInnen als ein wichtiges Klientel entdeckt.

Immerhin steigen die Ausgaben für Wohnung einschließlich

Energie und Gesundheitspflege deutlich

mit dem Alter an, und auch die Ausgaben für Nahrungs-

und Genussmittel, Freizeit, Unterhaltung

sowie Möbel und Haushaltsgeräte nehmen mit


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dem Alter nicht etwa ab, sondern bleiben konstant.

Abfallende Ausgaben mit dem Alter sind in nennenswertem

Maße lediglich im Bereich Verkehr zu

verzeichnen. Insgesamt werden ältere Menschen

wesentlich stärker als bisher an den Wachstumsschwerpunkten

der Zukunft partizipieren: Nachrichtenübermittlung,

Unterhaltungs- und Informationselektronik,

Finanzdienstleistungen, Freizeit,

Kultur und Gesundheitspflege sowie privatem Konsum

wird zwischen 2001 und 2020 ein jährliches

Wachstum von 1,7 bis 4 Prozent zugeschrieben.

Die Wirtschaft sollte diese Riesenchance

erkennen und bei Produkten und Dienstleistungen

ältere Menschen als Kunden ernst nehmen. Die

heutige Seniorengeneration verfügt über so viel

finanzielle Ressourcen wie keine andere bisher.

Bundesweit verfügt sie über ein monatliches Kaufkraftpotential

von ca. 12, 5 Milliarden Euro und der

Großteil des Geld- und Grundvermögens der privaten

Haushalte befindet sich in der Hand der über

60-Jährigen. Damit gehören die SeniorInnen zu

den wirtschaftlich potentesten Bevölkerungsgruppen

– noch weit vor der von der Wirtschaft am

stärksten umworbenen Gruppe der 14–29-Jährigen.

Darüber hinaus rechnet das Land Nordrhein-

Westfalen in Bereichen der Seniorenwirtschaft wie

Freizeit, Medien, Bildung, Kultur und Wohnen bis

zum Jahr 2015 mit ca. 100.000 neuen Arbeitsplätzen.

Ebenfalls bis 2015 wird mit einem Zuwachs in

der Beschäftigungsentwicklung zwischen 70.700

(unterstes Szenario) und 196.200 (oberstes Szenario)

Arbeitsplätzen gerechnet, wobei jeweils ca. die

Hälfte auf Zuwächse in den Bereich der Altenhilfe

und -pflege zurückgehen wird.

In der Konsequenz ist ein Dialog zwischen

Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden, Kammern,

Kommunen, Seniorenvertretungen und Wissenschaft

gefordert, wenn es darum geht, in ökonomischen

und technischen Bereichen Neues zu

entwickeln, das Wirtschaftswachstum und Unternehmergeist

fördert und gleichzeitig ältere Menschen

in ihrer Rolle als Verbraucherinnen und Verbraucher

stärkt und ihre Lebensqualität verbessert.

Prof. Dr. Stefan Görres, Universität Bremen, FB 11,

Institut für angewandte Pflegeforschung (iap),

Grazer Str. 6, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7247,

Fax: 0421 / 218-4973, Mail: sgoerres@uni-bremen.de

Sterben und Tod haben kein Alter

Palliative Care und Public Health

Geburt und Tod sind die beiden Seiten der Medaille,

die Leben heißt. Der Tod ist gewiss, seine Zeit

nicht vorhersehbar. Auch wenn die durchschnittliche

Lebenserwartung höher geworden ist und die

Erfolge der Medizin immer wieder auch die Illusion

nähren, wir könnten die Krankheiten besiegen,

bleibt der Tod die einzige Gewissheit unseres

Lebens. Wenn es so weit ist, erhoffen sich die meisten

Menschen ein friedvolles Sterben ohne Leiden,

am liebsten einen Sekundentod mitten aus einem

möglichst langen Leben.

Sterben und Tod sind radikal »subjektiv« und

eingebettet in die Biografie eines Lebens. Der Zeitpunkt,

die Orte, die Situationen wie Bedingungen

des Sterbens und vor allem die Persönlichkeit des

Menschen, der Hilfe und Begleitung braucht: All

das stellt die Rahmenbedingungen für die Aufgabe

und das Verständnis der Begleitung von Menschen

dar, die sich der Zumutung stellen müssen, im Sterben

dem Tod gegenüberzutreten.

Wer schwer kranken und sterbenden Menschen

unvoreingenommen und im Wissen um die

eigene Unwissenheit und Ohnmacht vor dem

Unausweichlichen begegnet und sie zu begleiten

versucht, wird erfahren, welch unterschiedliche

Kräfte den Leidensprozess bestimmen und wie leidenschaftlich

der Schmerz und die Trauer über den

Verlust des eigenen Lebens die Suche nach der

Essenz und dem Sinn des menschlichen Lebens bis

zum letzten Atemzug herausfordert.

Krankheit und ihre Begleitung verlangen die

Bereitschaft, auch den letzten Teil der Lebensreise

mit ihren neuen Erfahrungen und Erkenntnissen

als eine spezifische Lernaufgabe zu begreifen und

sich dem Dialog mit den Sterbenden zu stellen.

Kranke und sterbende Menschen brauchen

Voraussetzungen, um ihrem Sterben Würde und

Bedeutung zu geben. Offenheit und Vertrauen sind

essentielle Komponenten physischen, psychischen,

sozialen und spirituellen Beistands und gleichzeitig

Voraussetzung für eine Patientenorientierung, die

mit der Forderung nach Patientensouveränität,

Selbstbestimmung und Autonomie auch und gerade

dann ernst macht, wenn die Kräfte schwinden.

In der Palliative Care geht es um die Kernbedürfnisse

sterbender Menschen:

an einem vertrauten Ort zu sterben;

nicht allein gelassen zu werden und vertraute

Menschen um sich zu haben;

im Sterben nicht unter starken körperlichen

Beschwerden leiden zu müssen;

letzte Dinge regeln zu können;

nach dem Sinn des Lebens oder Sterbens fragen

und darüber sprechen zu können.

Palliative Care und Palliativmedizin stehen nicht

unter der Losung: »Mehr können wir nicht mehr

tun«, betonen nicht das Ende der professionellen

Hilfe, sehen sich nicht als Niederlage der Medizin,

sondern konzentrieren sich genau auf das viele,

was noch zu tun ist und getan werden muss, wenn

die Todesbegegnung als Teil der Lebenserfahrung

verstanden werden will.

Palliative Care wirft ethische Fragen auf, die

im Zusammenhang mit ihrer spezifischen Arbeit

stehen: einerseits alles zu tun, um den Kranken

und Sterbenden von den vernichtenden Schmerzen

und anderen seelischen und sozialen Nöten zu

befreien, die einen Menschen aus der Selbstkontrolle

und Selbstbestimmung seines Lebens ins

Chaos und in die Abhängigkeit stürzen. Und andererseits

die Fähigkeit zu entwickeln, zwischen den

Zeilen einer Biografie zu lesen und zu erkennen,

welchen Raum und welches Angebot dieser einzigartige

Mensch benötigt. Es geht um die Entwicklung

von Angeboten der Begleitung, in denen Alter,

Geschlecht, sozialer Status, ethnische Herkunft und

Religionszugehörigkeit als wesentliche Aspekte

der Qualitätssicherung Berücksichtigung finden.

Die Versorgung unheilbar kranker und sterbender

Menschen stellt die Gesundheits- und


zph-info Ausgabe 05/03

Sozialpolitik vor neue Herausforderungen. Mehr

als 70 Prozent der jährlich sterbenden 900.000

Menschen beenden ihr Leben außerhalb ihrer

häuslichen Umgebung, meistens in Krankenhäusern

und Pflegeheimen. Diese Einrichtungen sind

jedoch aufgrund ihrer derzeitigen räumlichen,

VERANSTALTUNGEN

WEITERBILDUNGSPROGRAMM

PALLIATIVE CARE

Palliative Care bezeichnet die ganzheitliche

Betreuung schwerstkranker, sterbender Menschen.

Der einzelne Mensch mit seinen Bedürfnissen,

Ängsten und Fragen soll dabei im Mittelpunkt

stehen. Die Umsetzung eines solchen interdisziplinären

Behandlungskonzeptes erfordert die

Zusammenarbeit eines interprofessionellen Teams.

Das Weiterbildungsprogramm Palliative Care

hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die beteiligten

Berufsgruppen bereits in der Qualifizierungsphase

zusammenzuführen.

Geboten werden umfassende Fortbildungsmöglichkeiten,

die medizinische und pflegerische

Aspekte wie Schmerztherapie und Umgang mit

Symptomen, Pflege unter Wahrung der Selbstbestimmung

und Würde des Menschen, Hilfe

bei psychischen und sozialen Problemen der Betroffenen

und ihrer Angehörigen und nicht zuletzt

den Umgang mit religiösen, ethischen oder

weltanschaulichen Fragestellungen beinhalten.

Zielgruppe:

ÄrztInnen, Pflegepersonal, PhysiotherapeutInnen,

SozialarbeiterInnen, PsychologInnen,

SeelsorgerInnen.

Angebot:

Angeboten werden ein Weiterbildungskurs mit

einem Umfang von 100 Stunden sowie ein

Weiterbildendes Studium mit einem Umfang von

320 Unterrichtsstunden. Ein darauf aufbauender

Masterstudiengang ist in Planung.

Veranstalter:

Die Veranstalter sind der Fachbereich Humanund

Gesundheitswissenschaften und das Zentrum

für Weiterbildung der Universität Bremen.

Weitere Informationen zum Programm Palliative Care

erhalten Sie bei: Katrin Heins,

Zentrum für Weiterbildung, Tel: 0421 / 218-2726,

Mail: zwb12@uni-bremen.de,

Internet: www.weiterbildung.uni-bremen.de/

weiterbi/kurse/pac.html

organisatorischen und kommunikativen Strukturen

nur unzureichend in der Lage, den sterbenden

Menschen einen angemessenen Ort des Sterbens

anzubieten. ÄrztInnen, Pflegekräfte, aber auch die

anderen Dienstleistungskräfte im Gesundheitsbereich

sind nicht ausreichend auf die Notwendigkeit

einer guten Begleitung vorbereitet und erleben das

oftmals leidvolle Sterben der PatientInnen als eigenes

Versagen. Die Tatsache, dass immer mehr

schwerkranke und sterbende Menschen keine

nahen Angehörigen haben, die die häusliche Pflege

und Betreuung übernehmen könnten, verschärft

das Problem. Und wenn Angehörige und

Freunde die Aufgabe übernehmen, fühlen sich viele

angesichts der Belastungen physisch und psychisch

überfordert.

In den letzten Jahren hat sich ein spürbarer

Wandel vollzogen und viele Menschen haben verstanden,

dass der Grad der Humanität einer

Gesellschaft sich nicht zuletzt auch daran erweist,

wie wir unsere Mitmenschen, unsere Mütter, Väter,

Geschwister, Freunde und Freundinnen am Ende

ihres Lebens begleiten. Eine Vielzahl von ehrenamtlichen

Hospizinitiativen zur Begleitung Schwerkranker

und Sterbender wurde ins Leben gerufen

und auch die professionelle Versorgungslandschaft

beginnt sich endlich zu verändern. Pflegerische

und soziale Hausbetreuungsdienste, Hospize, Palliativstationen,

Konsiliardienste, engagierte HausärztInnen

und andere Einrichtungen machen nicht

nur auf die Notwendigkeit dieser Arbeit aufmerksam,

sondern zeigen die Chancen und die Möglichkeit

interprofessioneller Teamarbeit und der

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Angehörigen

auf.

Die politisch Verantwortlichen müssen die

Anstöße aus der Gesellschaft aufnehmen und versuchen,

einen Konsens über die Prämissen der

Begleitung von schwer kranken und sterbenden

Menschen und ihre institutionelle, rechtliche und

finanzielle Absicherung herbeizuführen. Darüberhinaus

aber brauchen wir weiter einen Diskurs der

Zivilgesellschaft und ihrer Bürgerinnen und Bürger

über den Zusammenhang von Palliative Care und

öffentlicher Verantwortung im Sinne von Public

Health.

Prof. Dr. Annelie Keil, Universität Bremen,

Grazer Str. 2, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-3163,

Mail: keil@uni-bremen.de

Anti-Aging – eine aussichtslose

Therapie?

Alter selbst ist keine Krankheit, auch wenn es uns

der Jugend- und Leistungskult unserer Gesellschaft

beinahe glauben macht. Die zahlreichen Medikamente

gegen Altersbeschwerden (»Geriatrika«,

von griechisch »geron«, der Greis) haben in der

Mehrzahl keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren

Nutzen und keine klaren Anwendungsgebiete.

Es gibt keine empfehlenswerten Arzneimittel

gegen das Altern, weder zur Vorbeugung (Geroprophylaktika)

noch zur Behandlung (Gerotherapeutika).

Wertvolle Verpackungen (oft goldfarben),

hohe Preise oder phantasievolle Namen und

Zusammensetzungen suggerieren häufig eine

Wirksamkeit, die keinem der angepriesenen Mittel

zukommt. Ein »Klassiker« ist der Wirkstoff Procain,

dem seit den ersten Veröffentlichungen der rumänischen

Ärztin Ana Aslan positive Wirkungen auf

nahezu alle Alterserscheinungen nachgesagt werden.

Bislang fehlen aber ausreichende Ergebnisse

für einen wirklichen Nutzen. Procain in Arzneimitteln

wird auch als Dimethylaminoäthanol bezeichnet,

dadurch wird es weder anders noch in der Wirkung

besser!

Empfohlen werden auch Stärkungsmittel zum

Jung bleiben beim Alt werden. Allerdings: Wenn

ältere Menschen eine »belebende, stärkende« Wirkung

verspüren, liegt dies häufig z.B. am Alkohol

oder am Koffein – die »Kraft der zwei Herzen«, wie

die Werbung verspricht, werden Sie nicht erwarten

können. Und ob 79 Vol.-%ige »Alkoholika« wie

Melissengeiste wirklich so »wertvoll sind wie nie«,

darf bezweifelt werden. Möglich sind natürlich

sogenannte Placebo-Effekte, also positive Wirkungen,

die auf einer psychologischen Wirkung beruhen:

Sie tun etwas für sich, daher glauben Sie auch

an eine Wirksamkeit und fühlen sich besser.

Altern ist auch keine Vitamin-Mangel-Erkrankung.

Dennoch enthalten viele Geriatrika Vitamine

und Spurenelemente, allerdings in ungezielter

Zusammenstellung der Auswahl und Menge. Von

einigen Vitaminen (Vitamin C, Vitamin E und

ß-Carotin als Vorstufe von Vitamin A) wissen wir

heute, dass sie Freie Radikale im Körper neutralisieren

können. Sie werden daher als »Antioxidantien«

bezeichnet. Auch das Spurenelement Selen

hat eine solche Wirkung. Radikale sind aggressive

chemische Verbindungen, die im Körper unter der

Einwirkung von Schadstoffen wie Zigarettenrauch,


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Abgasen und Ozon, aber auch durch UV-Strahlen

oder den Abbau von Fetten entstehen. Sie können

durch ihre Reaktion mit Eiweißstoffen und Zellwänden

Schäden im Organismus anrichten. Krankheiten,

die mit Radikalwirkungen in Zusammenhang

gebracht werden, sind Atheriosklerose, Krebs

und die Alzheimersche Krankheit. Ob allerdings

eine erhöhte Zufuhr von Antioxidantien diesen

Krankheiten vorbeugen kann, ist bisher nicht eindeutig

geklärt, bekannt sind aber durchaus unerwünschte

Wirkungen nach zu hohen Dosierungen.

Das Wachstumshormon (Somatropin) wird gar als

königliches Anti-Aging-Hormon beschrieben, weil

es angeblich dem Alterungsprozess ein Schnippchen

schlagen kann. Es soll die Lust und Lebensqualität

steigern, die Sexualität und Libido sowie

die körperliche Fitness verbessern, es reguliert die

Fettverbrennung und soll die Muskelmasse aufbauen

sowie die Stoffwechselprozesse unterstützen.

Das Ergebnis: Schon nach wenigen Wochen

der Therapie verbessern sich angeblich Konzentration,

Sex und Libido eines 70-jährigen Mannes auf

die Werte eines 50-jährigen. Das Mittel ist teuer

und außerdem nicht ohne problematische Begleiterscheinungen:

Somatropin kann alle Zellen zum

Wachstum anregen, auch solche, bei denen dies

nun gar nicht wünschenswert ist wie z.B. Krebszellen.

Das Risiko für die Ausbildung eines Tumors ist

Neues Fortbildungsprogramm

Pflege erschienen

Die im aktuellen Fortbildungsprogramm angebotenen

Veranstaltungen setzen ihren Schwerpunkt

auf die Umsetzbarkeit der Inhalte in den

Pflegealltag vor Ort. Ziel ist es, die TeilnehmerInnen

so weiter zu qualifizieren, dass sie als MultiplikatorInnen

in ihren Einrichtungen fungieren

können und z.B. die Verantwortung für die Weiterentwicklung

bestimmter Bereiche wie die Pflegedokumentation

übernehmen können.

Angeboten werden Seminare zu Themen aus

dem Berufsalltag wie »Stürze«, »Dekubitusprophylaxe

und -therapie« oder »Pflegevisite«, Fortbildungen

zu Themen wie »Erstellen von Qualitätsberichten«

oder »Kunden und Mitarbeiterbefragungen«

sowie Veranstaltungen zu »Projektmanagement«

und »Moderation«.

also hoch, damit wird dieses königliche Hormon

durchaus zu einem Risiko. Dass Männern Testosteron

als Anti-Aging-Mittel empfohlen wird, kann

nicht erstaunen – es ist schließlich das bekannteste

Männlichkeitshormon. Testosteron »wirkt nicht

nur im Mann, sondern auch auf Frauen. Testosteron

macht sexy – und bildet alle sekundären

Geschlechtsmerkmale aus, auf die Frauen fliegen.

Je mehr Testosteron, desto tiefer die Stimme, desto

üppiger der Bartwuchs, desto breiter die Schultern

und desto kräftiger das Kinn« (Metka M, Haromy

TP 2001, Der neue Mann. Das revolutionäre Anti-

Aging-Programm, S. 69). Testosteron unterstützt

damit den sogenannten Schulter-Bauch-Koeffizienten,

der in einer Studie als besonders wichtig in

seiner Wirksamkeit auf Frauen gilt: Je breiter die

Schultern und je schmaler der Bauch, um so attraktiver

werden Männer gesehen. Aber Männern wird

auch das Östrogen empfohlen: Es sorgt angeblich

für straffe Haut und dichten Haarwuchs, macht

Spermien beweglich und soll die sexuelle Ausdauer

stärken, es soll die psychische Belastbarkeit und

Zähigkeit fördern, es stärkt die Knochen und

schützt vor Osteoporose. Über Langzeitwirkungen

ist wenig bekannt, die Krebsgefahr ist weder bei

Männern noch bei Frauen auszuschließen – dazu

kommen Leberschäden, Schlaganfall oder Embolien.

Von vielen Ärztinnen und Ärzten werden

daher bei einer solchen Hormontherapie Kontrollen

der Blutspiegel für unerlässlich gehalten. Und

nur auf Hormone zu setzen, gilt ohnehin als sehr

eingeschränkte Anti-Aging-Therapie. Viel Schlafen,

richtige Ernährung, Bewegung und Stressvermeidung

– dies sind die Empfehlungen, die Jugendlichkeit

noch im Alter versprechen.

Prof. Dr. Gerd Glaeske, Zentrum für Public Health,

Universität Bremen, Tel: 0421 / 218-4401,

Mail gglaeske@zes.uni-bremen.de

Das Fortbildungsprogramm ist Teil der Angebote

von PQS – ein im Institut für angewandte

Pflegeforschung (iap) angesiedeltes Projekt mit

dem Ziel, innovative Angebote zur Beratung und

Begutachtung von Pflegeeinrichtungen in Sachen

Pflegequalität zu entwickeln.

Auskünfte und weitere Informationen:

Silvia Klün, Grazer Str. 2b, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 218-4990, Mail: pqsystem@uni-bremen.de,

Internet: www.pqsystem.uni-bremen.de


noch ca. 5 mg im Körper. Man kann sich vorstellen,

was passiert, wenn PatientInnen nicht darauf hingewiesen

werden und jeden Abend 1 Tablette mit

diesem Wirkstoff einnehmen. Das Mittel reichert

sich im Körper an, Wirkungen und Nebenwirkungen

verstärken sich. In diesem Zusammenhang

kommt es dann zu einem sogenannten »hang over

effect«, die Gangsicherheit der älteren Menschen

ist beeinträchtigt, es kommt unter Umständen zu

Stürzen mit komplizierten Knochenbrüchen. Vor

allem langwirksame Schlafmittel sind in diesem

Zusammenhang gefährlich, wie z.B. Rohypnol, Dalmadorm,

Radedorm u.a. Rund ein Drittel aller

Schlafmittel entfallen auf solche lang wirkenden

Mittel, obwohl längst auch kürzer wirkende angeboten

werden. Ärztinnen und Ärzte müssen auf

diese Zusammenhänge immer wieder hingewiesen

werden, die Ausbildung in geriatrischer Medizin ist

leider noch immer defizitär.

Hinzu kommt, dass die Konzentrationsfähigkeit

älterer Menschen nachlassen kann. Dadurch

wird die Einnahme wichtiger Arzneimittel vergessen

oder sie werden zu häufig eingenommen –

eine besondere Gefahr für ältere PatientInnen.

Das Zentrum für Sozialpolitik an der Universität

Bremen und die Betriebskrankenkassen der

Region Bremen-Niedersachen haben sich zum Ziel

gesetzt, solche Probleme zu verringern und die

Qualität insgesamt zu verbessern. Im Jahre 2001

wurde daher ein Projekt gestartet, in dem alle Arzneiverordnungen

analysiert und Vorschläge entzph-info

Ausgabe 05/03

Arzneimitteleinnahme im Alter

Die Arzneimitteleinnahme im Alter verdient besondere

Aufmerksamkeit, denn gerade ältere Menschen

konsultieren häufig verschiedene Ärztinnen

und Ärzte und nehmen mehrere Arzneimittel

nebeneinander ein. Statistiken weisen darauf hin,

dass ältere Menschen dadurch im Schnitt 3 bis 4

Arzneimittel in Dauertherapie bekommen, bei vielen

sind auch über 10 Arzneimittel keine Seltenheit.

Viele dieser Medikamente beeinflussen sich

gegenseitig und nicht selten kommt es zu gefährlichen

Interaktionen. Man geht davon aus, dass

etwa 300.000 Krankenhauseinweisungen durch

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und eine

nicht sachgerechte Medikamenteneinnahme verursacht

werden. Dabei kommt es nach Schätzungen

von ExpertInnen zu 15.000 bis 30.000 Todesfällen

pro Jahr, die durch gute Informationen verhindert

werden könnten.

Oft wissen die ÄrztInnen nicht, dass die

Patientin bzw. der Patient noch bei weiteren ÄrztInnen

in Behandlung ist. Wenn man dann noch

berücksichtigt, dass im Rahmen der Selbstmedikation

weitere Arzneimittel eingenommen werden,

wundert man sich manchmal über die Robustheit

des menschlichen Organismus. Arzneimittel sollen

den Körper aber nicht belasten, sondern unterstützen.

Besondere Beachtung verdienen physiologische

Veränderungen im Alter, denn die Abbauprozesse

von Arzneimitteln verlaufen im Alter anders

und dauern in der Regel länger als bei jungen

Menschen. So kann die Verteilung von Arzneistoffen

im System der Blutgefäße wegen der verminderten

Herzleistung verzögert sein. Im Fettgewebe,

dessen Anteil im Alter ansteigt, werden bestimmte

Arzneistoffe länger gespeichert und die Ausscheidungsgeschwindigkeit

lässt nach, wenn die Nieren

nicht mehr so gut funktionieren wie in jungen Jahren.

Allerdings ist eine genaue Vorhersage dieser

Veränderungen nicht immer möglich. Bei vielen

Arzneimitteln wird nach einer Faustregel vorgeschlagen,

die Dosis für ältere Menschen um 10%

niedriger anzusetzen, als bei Erwachsenen im mittleren

Lebensalter.

Weil die Abbauprozesse von vielen Arzneistoffen

bei älteren Menschen langsamer ablaufen,

kann es auch zu Gefährdungen kommen: So ist z.B.

die Halbwertszeit des Beruhigungsmittels Diazepam

(z.B. Valium oder Diazepam Generika) bei

älteren Menschen von 20 auf bis zu 90 Stunden

verlängert. Wenn also ein solches Mittel zum Einschlafen

am Abend mit 10 mg dieses Wirkstoffs

eingenommen wird, sind davon nach vier Tagen

»Die hohen präventiven Potenziale bei älteren

Menschen werden traditionell erheblich unterschätzt.

(...) Um diese Potenziale zu realisieren,

sollten sich Maßnahmen und Strategien nicht

allein auf die Verhütung von Krankheiten beziehen,

sondern vielmehr den gesamten Alterungsprozess

mit seinen funktionellen Einschränkungen

und dem drohenden oder tatsächlichen Verlust an

körperlicher oder mentaler Fitness sowie den daraus

resultierenden Problemen der sozialen Integration

berücksichtigen. Gesellschaftliches und

professionelles Leitbild sollte die Ermöglichung

»erfolgreichen Alterns« sein…«

Mit dieser Einschätzung werden vom Sachverständigenrat

für die Konzertierte Aktion im

Gesundheitswesen in seinem Gutachten 2000/

wickelt werden, um die Arzneimittelversorgung zu

optimieren. Das Angebot richtet sich an beide, an

Versicherte wie an Ärztinnen und Ärzte. Auf diese

Weise wird die Information zur Arzneimittelversorgung

verbessert und die Arzneimittelsicherheit

erhöht – insgesamt also ein Projekt, in dem der

PatientInnenschutz im Mittelpunkt steht.

Edda Würdemann, BKK Arzneimittelberatung,

Postfach 107273, 28072 Bremen, Tel: 0800 / 2557-4276,

Mail: wuerdem@bips.uni-bremen.de

Gesundheitsförderung im Alter –

ein blinder Fleck?

2001 nicht nur die auch im Alter vorhandenen

gesundheitlichen Kompetenzen und Ressourcen,

sondern zugleich die Potenziale auf sozialer und

mentaler Ebene angesprochen. Dennoch dominieren

bei den ohnehin nur wenigen Modellprojekten

zur Prävention und Gesundheitsförderung für ältere

Menschen krankheitsätiologisch ausgerichtete

Ansätze. Wie für andere Altersgruppen fokussieren

diese insbesondere auf risikovermeidende Aspekte,

bewusste Ernährung und Gewichtskontrolle sowie

Verzicht auf Nikotin und mäßigen Alkoholkonsum.

Dies betrifft auch Projekte, die programmatisch

dem Gesundheitsförderungsdiskurs zuzurechnen

sind (Walter, 1996). Sollen in der Zukunft verstärkt

Angebote zur Gesundheitsförderung entwickelt

werden, die auf das Wohlbefinden und die Lebens-


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qualität in dieser Lebensspanne abzielen, so greifen

etablierte Präventionsansätze in der Regel zu

kurz (Wipplinger und Amman, 1998). Vielmehr

müssen Gesundheitsförderungsangebote für ältere

Menschen nach Niemeyer (2000) bereits auf folgenden

Ebenen ansetzen:

Älteren Menschen ein hohes Maß an Kontrolle

und Prognostizierbarkeit der Wandlungen im

Lebenslauf ermöglichen (z.B. Vorbereitung auf

den Ruhestand);

Die Potenziale älterer Menschen abfragen,

nutzen und aktivieren;

Älteren Menschen Partizipationsmöglichkeiten

auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bieten;

Möglichkeiten sinnvoller Beschäftigung im Alter

gewährleisten;

Die Förderung sozialer Kontakte und sozialer

Unterstützung gewährleisten;

Eine Unterstützung bei der Bewältigung von

Belastungssituationen im Alter gewährleisten;

Ein integriertes Angebot an Gesundheitsdienstleitungen

vorhalten.

Diese Ansätze sind durchaus vergleichbar mit der

seit den 60er-Jahren im Sozialbereich entwickelten

bürgernahen Sozialpolitik (Stichworte: Gemeindenähe,

Netzwerkförderung, Partizipation). Auch die

von Backes und Clemens bereits 1989 vorgestellten

Orientierungen einer zeitgemäßen Altenarbeit

(Stichworte: Autonomie-, Lebenswelt-, Biografieund

Kompetenzorientierung sowie Produktivitätsund

Integrationsstrategie) sind mit zentralen

Begriffen der Gesundheitsförderung wie Aktivierung,

Teilhabe und Empowerment gut in Übereinstimmung

zu bringen. Insofern scheint es nicht nur

sinnvoll, sondern auch praktisch gut umsetzbar,

Angebote zur unspezifischen Gesundheitsförderung

für ältere Menschen mit bereits institutionalisierten

Angeboten sozialer Seniorenarbeit zu verknüpfen.

Diesem Ansatz der Integration von Gesundheitsförderung

in bestehende Angebote für Seniorinnen

und Senioren, der auch den – aufgrund der

finanziellen Lage – stark eingeschränkten Möglichkeiten

zur Schaffung neuer Angebote Rechnung

trägt, wurde im Rahmen einer empirischen

Überprüfung der Angebote der offenen Altenhilfe

in Bremen nachgegangen. (Durchgeführt wurde

diese Untersuchung im Rahmen einer Magisterarbeit

im Studiengang »Öffentliche Gesundheit/

Gesundheitswissenschaften« der Universität Bremen,

2002): Mittels einer Vorstudie wurde das

Angebot der regional verorteten Seniorenbegegnungsstätten

in Bremen als mögliches setting für

Gesundheitsförderung analysiert. Diese Begegnungsstätten

sind zudem ein Angebot, das für

sozial schlechter gestellte Personen leicht zugänglich

ist.

Auf Basis von Interviews wurde die Eignung

der Begegnungsstätten zur Unterstützung und Förderung

psychischer Kompetenzen und personaler

Ressourcen älterer Menschen einerseits, sowie zur

Unterstützung sozialer Netzwerke anderseits herausgearbeitet.

Als abschließendes Ergebnis wurden

verschiedene Handlungsempfehlungen –

differenziert für die strategische und operative

Ebene – entwickelt. Für die strategische Ebene

wurde insbesondere Folgendes empfohlen:

Erarbeitung gemeinsamer, verbindlicher Standards

für alle Begegnungsstätten u.a. betreffend

der Qualifikation der Leitung und den Aufgaben

von Leitung und Ehrenamtlichen;

Entwicklung von Angebotskonzepten zur unspezifischen

Gesundheitsförderung (z.B. Förde-

GESUNDHEITSFÖRDERUNG VON

FRAUEN UND MÄNNERN IM

ALTER – EIN DOPPELTER BLINDER

FLECK?

Alter hat kein Geschlecht. Auf diese verkürzte Formel

lässt sich das Ergebnis einer ersten Sichtung

einschlägiger Literatur und Veranstaltungen im

Bereich Public Health bringen. Im Blick auf das

Alter gibt es damit nicht nur einen, sondern eher

einen doppelten blinden Fleck:

Während das Thema Gesundheitsförderung im

Alter zunehmend in die Diskussion kommt, wird

die Genderperspektive gegenwärtig nicht in diesem

Diskurs aufgegriffen.

Der Arbeitsbereich Frauen- und Geschlechterperspektiven

im Zentrum für Public Health möchte

sich daher in einem Arbeitsschwerpunkt mit der

Umsetzung der Genderperspektive in Ansätzen zur

Gesundheitsförderung im Alter beschäftigen und

überlegt, einen Workshop dazu zu organisieren.

Wer Interesse hat daran mitzuarbeiten, ist

herzlich willkommen!

Kontakt: Prof. Dr. Petra Kolip, Zentrum für Public Health,

Tel. 0421 / 5959-640 oder 0421 / 218-9726,

Mail: kolip@bips.uni-bremen.de

rung personaler Ressourcen) bei älteren Menschen;

Entwicklung trägerübergreifender Fortbildungsangebote

für Ehrenamtliche und Leitungen zu

Fragen der Aufgabenabgrenzung, Gestaltung

von Veranstaltungen sowie zu Aspekten der

Gesundheitsförderung;

Initiierung trägerübergreifender, stadtteilbezogener

Kommunikationsstrukturen sowie einer

gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit.

Für eine Optimierung der Ansätze zur Gesundheitsförderung

in Seniorenbegegnungsstätten sind

darüber hinaus folgende Bedingungen erforderlich:

Die Bereitschaft zur praktischen Kooperation

zwischen dem Gesundheits- und Sozialbereich.

Außerdem die Entwicklung zielgruppenspezifischer

Angebotskonzepte, die stärker die unterschiedlichen

Bedürfnisse von Frauen und Männern

oder die sich aus unterschiedlichen Lebenslagen

oder kulturellem Hintergrund ergebenden Bedürfnisse

berücksichtigen.

Literatur bei der Verfasserin:

Ina Schaefer, Paschenburgstr. 43, 28211 Bremen,

Mail: ischaef@uni-bremen.de


Jährigen um die Hälfte zunimmt.

Die Zunahme psychischer Diagnosen bei Älteren

muss im Kontext der Pathologisierung normaler

Alterungsprozesse durch die Medizin gesehen

werden. Bessere Kenntnisse über den Zusammenhang

zwischen körperlichen, psychischen und sozialen

Einflussfaktoren für das individuelle Wohlbefinden

führen in einer primär somatisch ausgerichteten

Medizin zu einer vermehrten Akzeptanz von

mentalen Veränderungen als Krankheitswert.

Auch sozialstaatliche Vorgaben zur Bestimmung des

Versorgungsbedarfs bei demenziellen Krankheiten

und der Finanzierung von Versorgungsleistungen

führen zu einer veränderten Wahrnehmung und

bewirken eine häufigere Diagnosestellung.

Betrachtet man anhand der GEK-Krankenkassendaten

das Risiko für psychische Erkrankungen

(ICD9 290 – 319) wird deutlich, wie es mit zunehmendem

Lebensalter ansteigt. Die höchsten Krankheitswerte

für psychische Krankheiten zeigen sich

bei den Hochbetagten, die zwischen 1911 und

1914 geboren sind. Bei den jüngsten Geburtsjahrgängen

1929–32 weisen 60-Jährige eine deutlich

höhere Prävalenz auf als etwa 67-Jährige. Dieses

Phänomen kann aus Arbeitsbelastungen resultieren,

die mentale Erkrankungen nach sich ziehen

und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben

bewirken. In der nach-beruflichen Lebensphase

klingen diese Symptome häufig ab. Bei den

Geburtsjahrgängen 1929–32 und 1920–23 weisen

Frauen eine höhere Prävalenz für psychische

Krankheiten auf. Diese geschlechtsspezifischen

Unterschiede verschwinden jedoch bei den Jahrzph-info

Ausgabe 05/03

Zum Dilemma der Erfassung psychischer

Erkrankungen bei Älteren

Mit der Tendenz zur Langlebigkeit steigt auch das

Risiko, von bestimmten funktionalen Störungen

und psychischen Erkrankungen betroffen zu sein.

In der Gerontopsychiatrie werden mentale Veränderungen

meist als Begleiterscheinungen alterskorrelierter

organischer Abbauprozesse angesehen.

So wird etwa rund ein Drittel aller psychischen

Krankheiten auf zerebrale Gefäßveränderungen

zurückgeführt. Die häufigsten Erkrankungen

sind neben Depressionen vor allem Demenzerkrankungen.

Schätzungen gehen davon aus, dass

gegenwärtig jede Zweite über 85-Jährige an

irgendeiner Form mentaler Erkrankungen leidet.

Die Alzheimer-Krankheit erweist sich dabei als

häufigste Form demenzieller Störungen. Die Zahl

der daran erkrankten Älteren wird auf 900.000

geschätzt. Daneben können auch andere degenerative

Entwicklungen des Hirns wie etwa Huntington-Erkrankungen,

Gehirninfarkte oder Störungen

des Stoffwechsels zu demenziellen Erkrankungen

führen, ebenso wie nicht erkannte Schlaganfälle.

Die größere Prävalenz von psychischen

Erkrankungen im höheren Lebensalter resultiert

jedoch nicht aus einer zunehmenden Verschlechterung

des Gesundheitszustands der Bevölkerung,

sondern ist das Ergebnis der größeren Überlebenschancen

im Lebensverlauf auf Grund des Fortschritts

in der gesundheitlichen Versorgung. Die

Zunahme der mittleren Lebensspanne bewirkt,

dass bereits in den nächsten Jahren der Anteil

mental Beeinträchtigter ansteigt. Schätzungen

gehen davon aus, dass die Prävalenzrate in den

nächsten zehn bis zwanzig Jahren bei den über 65-

PRÄVALENZ VON PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN AUSGEWÄHLTER GEBURTSJAHRGÄNGE

Krankheitsrate

6000

5000

4000

3000

2000

1000

1929 – 32

1920 – 23

1911 – 14

0

60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88

Männer

Frauen

gängen 1911–14. Die Krankheitswerte der

Geburtsjahrgänge steigen in den letzten drei Jahren

des Beobachtungszeitraumes drastisch an. Dieser

Sachverhalt resultiert nicht aus einer erhöhten

Sensibilität gegenüber psychischen Erkrankungen,

sondern aus deren vermehrter Dokumentation.

Mit der Einführung von DRGs für die stationäre

Behandlung somatischer Krankheiten werden

bei Krankenhausaufenthalten älterer PatientInnen

psychische Krankheiten häufig als Nebendiagnose

erfasst, da sie sich auf die weitere stationäre

Behandlung auswirken können. Da sie den Schweregrad

der als Hauptdiagnose ausgewiesenen

Erkrankung erhöhen, lassen sich dadurch höhere

Entgelten erzielen. Psychische Krankheiten bei

Älteren zählen unter dem Aspekt der Vergütung

von Krankenhausleistungen zu den »attraktiven«

Nebendiagnosen. Daher nimmt nach dem Jahr

2000 die Zahl von mentalen Erkrankungen als

Nebendiagnose deutlich zu.

Durch den veränderten Umgang mit Nebendiagnosen

könnte man zunächst annehmen, dass

das Risiko für psychische Erkrankungen im höheren

Lebensalter in der Vergangenheit unterschätzt

wurde. Umgekehrt könnte das Entgeltsystem nach

den DRGs Anreize geschaffen haben, häufiger

geringe mentale Normabweichungen bei Älteren

als vergütungserhöhende psychische Nebendiagnosen

auszuweisen. Dadurch wird der Umfang

psychischer Erkrankungen möglicherweise überschätzt.

Das Problem der angemessenen Erfassung

von psychischen Krankheiten bei Älteren lässt sich

auch nicht durch eine Beschränkung auf die

Hauptdiagnose lösen. Betrachtet man ausschließlich

Hauptdiagnosen sind die Krankheitswerte in

den untersuchten Geburtsjahrgängen nur noch

halb so hoch. Bei dieser Betrachtung würde der

tatsächliche Umfang psychischer Erkrankungen im

höheren Lebensalter unterschätzt werden.

Krankenkassendaten schaffen gute Grundlagen,

um das Dilemma der angemessenen Erfassung

und detallierten Analyse von psychischen

Erkrankungen bei Älteren zu verringern. Bei prozessproduzierten

Daten müssen jedoch die Bedingungen,

unter denen die Daten entstanden sind,

stärker bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Ansonsten kann es zur Fehlinterpretation

kommen und die im Beispiel betrachteten Älteren

würden nunmehr als häufiger psychisch krank

oder zuvor als zu wenig psychisch krank erfasst

erscheinen.

Psychische Erkrankungen je 100.000 GEK-Versicherte der jeweiligen Altersgruppe,

gleitender Drei-Jahres-Mittelwert.

Quelle: GEK-Krankenkassendaten 1889 – 2002

Wolfgang Voges, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39,

28209 Bremen, Tel: 0421 / 218-4367,

Mail: wovo@zes.uni-bremen.de


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Ältere Menschen als pflegende Angehörige

Das EU Projekt EUROFAMCARE

Der demografische Wandel ist in allen europäischen

Ländern mit einer steigenden Anzahl von

Hochaltrigen verbunden, kombiniert mit einem

gestiegenen Risiko, öfter und länger pflegebedürftig

zu werden. Dies hat dazu geführt, dass die

familiale Unterstützung hochaltriger Menschen

keine Ausnahme mehr darstellt, sondern zu einem

erwartbaren Regelfall im Familienzyklus geworden

ist. Die Mehrheit der Familien muss sich damit auseinander

setzen, wie sie, oftmals über mehrere

Jahre hinweg, die individuelle Pflege und Versorgung

von Familienangehörigen bereitstellen kann.

PFLEGENDE ANGEHÖRIGE UND

PFLEGEBEDÜRFTIGE WERDEN

IMMER ÄLTER

Im Dezember 2001 waren in Deutschland 2,04

Mio. Personen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes.

Mehr als zwei Drittel

davon (1,44 Mio.) werden zu Hause versorgt.

Davon erhielten ca. 1,03 Mio. Personen Pflegegeld.

Dies bedeutet, dass diese Personen in der Regel im

häuslichen Bereich ausschließlich durch informelle

HelferInnen (Verwandte, Freunde oder andere Pflegepersonen)

versorgt werden. Die wichtigsten Helferinnen

und Helfer – insbesondere in der Versorgung

von Demenzkranken – sind aber immer noch

die EhepartnerInnen der Hochaltrigen. Dies hat zur

Folge, dass die Pflegepersonen selbst an der

Schwelle zur Hochaltrigkeit stehen oder selbst

hochaltrig sind. Auch die UnterstützerInnen aus

der Kindergeneration sind älter werdende Menschen,

in der Regel Frauen, welche die Verantwortung

für die hochaltrige Elterngeneration tragen.

Immer älter werdende Pflegepersonen müssen

immer älter werdende Angehörige versorgen. 32%

der Hauptpflegepersonen sind älter als 65 Jahre,

mit 53% ist jede 2. Hauptpflegeperson im Alter

zwischen 40-64 Jahren, nur 15% sind 39 Jahre und

jünger.

den Alter von pflegenden Angehörigen steigt auch

das Risiko, selbst vorzeitig pflegeabhängig zu werden.

Die Mehrheit der pflegenden Angehörigen ist

weder pflegerisch geschult, noch hat sie hinreichende

Strategien entwickelt, um mit belastenden

Pflegesituationen adäquat umgehen zu können.

Neben allen Berichten über die positiven Aspekte

von Pflege und Versorgung, ist die erlebte subjektive

Belastung für pflegende Angehörige außerordentlich

hoch, hat lang anhaltende negative Effekte

auf die Gesundheit und verringert die Lebensqualität

signifikant. Insbesondere Pflegepersonen

von dementiell Erkrankten sind sehr stark betroffen.

INFORMATIONSMANGEL AUF

EUROPÄISCHER EBENE

Ein Ziel europäischer Sozialpolitik besteht darin,

älteren Menschen zu ermöglichen, so lange wie

möglich in ihrer eigenen Häuslichkeit zu wohnen.

Das kann aber nur mit der Unterstützung durch

pflegende Angehörige gelingen, da keine realistischen

Möglichkeiten bestehen, den Versorgungsbedarf

nur durch andere informelle HelferInnen

oder Professionelle sicher zu stellen. Europaweit

ist die Anzahl und Variationsbreite von Dienstleistungen

zur Entlastung von pflegenden Angehörigen

sowohl im Hinblick auf ihren Erfolg als auch

ihre Ineffektivität bisher noch unbekannt. Wenn

der Lebensstandard älterer Menschen und ihrer

Pflegepersonen verbessert oder zumindest erhalten

werden soll, ist es erforderlich, europaweit

detaillierte Informationen über diese Dienstleistungsangebote

zu sammeln, auf deren Grundlage

sozialpolitische Maßnahmen umgesetzt werden

können.

EU-PROJEKT »EUROFAMCARE«

Diese Forschungslücke zu schließen, ist das Ziel des

EU-Projektes »Services for Supporting Family

Carers of Elderly People in Europe: Characteristics,

Coverage and Usage« – EUROFAMCARE. Die Koordination

dieses umfangreichen Projektes liegt in

den Händen von Dr. Hanneli Döhner, Institut für

Medizinsoziologie und Sozialgerontologie der Universität

Hamburg. Das Projekt hat zwei wesentliche

Stränge: Neben dem Hauptstrang, einer

umfangreichen Befragung von mehr als 6000 pflegenden

Angehörigen in Deutschland, Schweden,

Großbritannien, Griechenland, Polen und Italien,

werden für diese 6 »Kern-Länder« jeweils nationale

Pilot-Hintergrundberichte verfasst. Diese Berichte

beinhalten Informationen über die jeweilige

nationale Situation von pflegenden Angehörigen,

Informationen und Daten über die Allokationen

sozialer Infrastrukturen, sozialrechtliche Grundlagen

in Relevanz für die häusliche Pflege sowie

Konzepte und politische Zielsetzungen in Bezug

auf pflegende Angehörige. In einem zweiten

Schritt werden diese Berichte als Grundlage für die

Erstellung von 15 weiteren europäischen Hintergrundberichten

dienen, um dann in ein paneuropäisches

Manual zusammengefasst zu werden.

Der deutsche Hintergrundbericht wird durch das

Institut für angewandte Pflegeforschung (iap) an

der Universität Bremen erstellt.

Dr. Martha Meyer, Universität Bremen, FB 11,

Institut für angewandte Pflegeforschung (iap),

Grazer Str. 6, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7053,

Mail: mmeyer@uni-bremen.de

Der Norddeutsche Forschungsverbund

Gerontologie – Geriatrie – Pflegewissenschaft

(GGP) stellt sich vor

HOHE BELASTUNG DER

PFLEGENDEN ANGEHÖRIGEN

Der Anteil der geleisteten Hilfen verschiebt sich

umgekehrt proportional derart, dass der von den

Ehegatten geleistete Anteil an Hilfen mit dem

zunehmenden Alter des Pflegebedürftigen

abnimmt und gleichzeitig der Anteil der von der

jüngeren Generation erbrachten Hilfen steigt.

Diese Veränderung erfolgt relativ kontinuierlich

über die Altersgruppen hinweg. Mit dem steigen-

Am 20. Februar 2001 wurde im Albertinen-Haus,

Zentrum für Geriatrie, Hamburg, der »Norddeutsche

Forschungsverbund Gerontologie – Geriatrie

– Pflegewissenschaft (GGP)« gegründet, bestehend

aus Vertretern und Vertreterinnen unterschiedlichster

Forschergruppen und Institutionen

der Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern

und Schleswig-Holstein.

Hintergrund für die Gründung des Forschungsverbundes

sind die demografischen Veränderungen

und der Alter(n)sstrukturwandel der Bundesrepublik

Deutschland. Politik und Praxis werden deshalb

zunehmend mit einer Veränderung gesellschaftlicher

Bedarfe und den damit einhergehenden

Problemen konfrontiert. Für die beteiligten

Wissenschaftsdisziplinen ergibt sich daraus die

Notwendigkeit, Anregungen und Hilfestellungen

im Sinne eines interdisziplinären Austausches und

Wissenschafts-Praxistransfers zu geben. Dies setzt

voraus, dass Erkenntnisse der Gerontologie, Geria-


zph-info Ausgabe 05/03

trie und Pflegewissenschaft als zentrale Säulen

stärker in Forschung und Lehre eingebunden werden

und dass diese Disziplinen an den Universitäten

auf einer umfassenderen wissenschaftlichen

Basis im Sinne einer Querschnittsdisziplin verankert

werden.

Das zentrale Ziel des »Norddeutschen

Forschungsverbundes Gerontologie – Geriatrie –

Pflegewissenschaft« besteht darin, unter Einbezug

von Hochschulen, Versorgungseinrichtungen und

anderen einschlägigen Institutionen, gerontologisch-geriatrisch-pflegewissenschaftliche

Forschungsstrukturen

im norddeutschen Raum aufzubauen.

Damit sollen Arbeiten zu bisher defizitären bzw.

zukünftig innovativen Feldern interdisziplinärer

Forschung angestoßen werden, die einen unmittelbaren

Praxisbezug haben und die zur Verbesserung

der medizinischen und pflegerischen Versorgung

sowie der Lebensqualität im Alter beitragen können.

Sie sollen weiter Multiplikatoreffekte sowie

eine nachhaltige Langzeitwirkung für die Förderung

des wissenschaftlichen Nachwuchses und die

fachliche Fort- und Weiterbildung in Norddeutschland

auslösen.

Kontaktadresse: Norddeutscher Forschungsverbund

Gerontologie – Geriatrie – Pflegewissenschaft (GGP)

c/o Universität Bremen, FB 11, Institut für angewandte

Pflegeforschung (iap), Prof. Dr. Stefan Görres

(Vorstandsvorsitzender), Dipl.-Gerontol. Sabine Martin,

M.A. (wissenschaftliche Koordination), Grazer Str. 6,

28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7247,

Fax: 0421 / 218-4973, Mail: sgoerres@uni-bremen.de

Public Health Gerontology – Konzeption

eines Master-Studienganges an der

Universität Bremen

Fortschreitende Individualisierungsprozesse und

eine Pluralisierung der Lebensformen kennzeichnen

gewandelte Altersstrukturen und bilden den

Rahmen für veränderte Lebenslagen und -stile im

Alter. Die Ausdifferenzierung der Altersphase hat

»Teilzielgruppen« hervorgebracht, die sich auf

einer Bandbreite zwischen »betreutem oder

abhängigem Alter« auf der einen Seite sowie

»gestaltetem, aktiven Alter« auf der anderen Seite

verorten lassen. Gleichzeitig steigt die Prävalenz

psychischer und physischer Erkrankungen mit

zunehmendem Lebensalter, wobei eine pro-aktive

Prävention und medizinische Strategien die negativen

Auswirkungen auf das subjektive Befinden

älterer Menschen verringern und zu einer Verbesserung

ihrer Lebensqualität beitragen können.

Folglich wird bei der Gruppe der älteren Menschen,

welche bei guter Gesundheit sind, die Betonung

salutogenetischer Aspekte im Mittelpunkt

stehen, während bei Krankheit und Behinderung

therapeutische, pflegerisch-rehabilitative sowie

kompensatorische Aspekte in den Vordergrund

rücken. Diese Entwicklung steht in einem proportionalen

Verhältnis zur Veränderung und Differenzierung

von Lebenswelten und unterschiedlichen

Dienstleistungsbedürfnissen.

Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf sogenannte

»klassische« gerontologische Handlungsfelder

und verlangt:

eine kontinuierliche Evaluation und Weiterentwicklung

sozialer Infrastrukturen, unter stärkerer

Berücksichtigung von Prävention und

Gesundheitsförderung;

die Allokation von sozialen und gesundheitlichen

Infrastrukturen, die sich an den Lebenswelten

einer alternden Bevölkerung orientieren,

in welchen subjektive Vorstellungen von

Lebensqualität und einem »guten Leben«

umgesetzt werden können;

die Profilschärfung und Konturierung professioneller

gerontologischer Strukturen und Aufgabenstellungen

im Hinblick auf Beratung, Begleitung

und Unterstützung von älteren Menschen;

die Neuzuschneidung gerontologischer Handlungsfelder

mit Blick auf: Gesundheit, Wellness,

Mobilität, Partizipation und Teilhabe, Wohnen,

Ernährung, Technik und neue Medien usw.

Auf universitärer Ebene verlangen diese Auswirkungen

eine Analyse, Evaluation und Rekonstruktion

gerontologischer Curriculumstrukturen sowie

die Weiterentwicklung von neuen und innovativen

Ansätzen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von

Gerontologinnen und Gerontologen.

Die Konzeption eines Master Programms

Public Health Gerontology sieht vor, diesen in die

in der Neustrukturierung befindlichen Studienstrukturen

des Fachbereich 11 Human und

Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen

zu integrieren. Im Zuge der Etablierung eines

Forschungsschwerpunktes »Health Gerontology«

im Forschungsfeld 3 »Pflege, Altern und Gesundheit«

des Zentrums für Public Health, als eines Teils

des FB 11, wird damit nach der im Jahre 2001

erfolgten Gründung des »Norddeutschen Forschungsverbundes

Gerontologie – Geriatrie – Pflegewissenschaft«

ein zweiter wichtiger Entwicklungsschritt

in dieser Richtung unternommen.

Dr. Martha Meyer, Universität Bremen, FB 11, Institut für

angewandte Pflegeforschung (iap), Grazer Str. 6,

28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7053, Mail: mmeyer@

uni-bremen.de

STUDIENGANG EUROPEAN MASTER

GERONTOLOGY IN AMSTERDAM

ERÖFFNET

Nach fast 5-jähriger Entwicklungsarbeit durch ein

international besetztes

Expertenteam wurde

am 29. September

2003 der European

Master Gerontology (EUMAG) an der Vrije Universiteit

Amsterdam feierlich eröffnet.

Die wissenschaftlichen Vorarbeiten zu diesem –

in Europa einzigartigen Studienprogramm – beruhen

auf den Forschungsarbeiten von Dr. Martha

Meyer, welche die Eröffnungsansprache hielt und

für ihre Verdienste um die Entwicklung dieses

Programms in Amsterdam geehrt wurde. Im Fachbereich

11 der Universität Bremen wird nach

abgeschlossener Umstrukturierung der Studiengänge

in BA/MA- Abschlüsse eine Kooperation

mit dem European Master Gerontology angestrebt.

Weitere Informationen zu Studienvoraussetzungen,

Zielgruppen, Inhalten und Strukturen

des Programms finden Interessierte unter:

www.eumag.org.

Der Studiengang veranstaltet auch 2004 wieder

eine Summer School. Sie schliesst das erste

Master-Jahr für die Studierenden ab und ist

gleichzeitig für alle Interessierten (Professionelle,

Studierende und Wissenschaftler/innen) aus

gerontologischen Handlungs- und Forschungsfeldern

sowie Public Health geöffnet. Veranstaltungsort

und -termin ist voraussichtlich der 25.6.

bis 5.7. 2004 in Dublin. Das Motto der Summer

School steht noch nicht fest; im Frühjahr 2004

werden weitere Informationen auf der Web-Seite

des Master-Programms: www.eumag.org abzurufen

sein.

Dr. Martha Meyer, Universität Bremen, FB 11, Institut für

angewandte Pflegeforschung (iap), Grazer Str. 6,

28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-7053, Mail: mmeyer@

uni-bremen.de


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MAGISTERARBEITEN

Analyse von geriatrischen Patientendaten

vor dem Hintergrund des

DRG-Entgeltsystems

HINTERGRUND

Das Vergütungssystem der Krankenhäuser war bisher

größtenteils abhängig von der Verweildauer

der PatientInnen, ab 2004 erfolgt eine Umstellung

auf das sogenannte DRG-System (Diagnosis Related

Groups). Die Vergütung aller Leistungen erfolgt

zukünftig ausschließlich über diagnosebezogene

Fallpauschalen. Der tatsächlich erbrachte Leistungsumfang

bleibt dabei unberücksichtigt. Das

Ziel der Arbeit war zu untersuchen, ob es bei

PatientInnen der geriatrischen Abteilung bestimmte

Aufnahmeparameter bzw. reproduzierbare

Strukturen gibt, die Rückschlüsse auf den weiteren

Verlauf der Behandlung unter DRG-Gesichtspunkten

zulassen. Für die beiden häufigsten Diagnosen

des Datensatzes – Schlaganfall und Femurfraktur –

sollte versucht werden, die Daten hinsichtlich der

zuvor festgelegten Indikatoren abzubilden und in

Zusammenhang zu bringen.

METHODE

Der verwendete Datensatz stammt aus der geriatrischen

Abteilung des Zentralkrankenhauses Bremen-Nord.

Im Zeitraum vom 1.1.2000 bis

31.12.2000 wurden bei insgesamt 736 Patientinnen

und Patienten Daten mit 187 Variablen erhoben.

Die Dokumentation der Daten erfolgte bei

Aufnahme und Entlassung der Patientinnen und

Patienten mit einem standardisierten Erhebungsbogen.

Aus dem oben genannten Datensatz wurden

folgende Variablen als Indikatoren bzw.

Kategorien definiert:

Alter;

Geschlecht;

Summe des Barthel-Index (Instrument zur

Erfassung grundlegender Alltagsfunktionen,

das den Selbsthilfegrad der PatientInnen misst)

bei Aufnahme und Entlassung;

Hauptdiagnose nach ICD 9 und 10;

Gesamtzahl der Nebendiagnosen nach

ICD 9 und 10;

Verweildauer;

Behandlungsaufwand (Summe aus Ergotherapie,

Physiotherapie, Logopädie, Psychotherapie).

ZENTRALE ERGEBNISSE

Zunächst wurde die Streuung der oben angegebenen

Parameter ermittelt. Bei einem besseren Barthel-Index

(BI) bei Aufnahme liegt sowohl beim

Schlaganfall als auch bei der Femurfraktur eine

geringere Streuung in der Gruppe vor. In beiden

Gruppen ist jedoch eine erhebliche Streuung der

Therapieeinheiten und der Verweildauer erkennbar.

Bezüglich der Therapieeinheiten lässt sich beim

Schlaganfall ein überdurchschnittlicher und bei der

Femurfraktur ein unterdurchschnittlicher Therapieverbrauch

feststellen (bezogen auf den Gesamtdatensatz).

Dabei scheint es keinen klaren Zusammenhang

zwischen Therapieaufwand, klinischem

Zustand bei Aufnahme und Verbesserung des klinischen

Zustandes durch die Therapie zu geben.

Die durchschnittliche Verweildauer beim Schlaganfall

ist mit 29 Tagen gegenüber 27 Tagen bei

einer Oberschenkelfraktur etwas länger. Ein besserer

BI bei Aufnahme ist beim Schlaganfall mit einer

kürzeren Liegezeit verbunden, bei der Femurfrak-

tur zeigt sich kein Unterschied. Bei der Femurfraktur

zeigen ältere PatientInnen ein höheres Verbesserungspotenzial

(Differenz Barthel-Index bei Entlassung

und Aufnahme) als jüngere. Beim Schlaganfall

trifft dies nur für die bis 60-jährigen zu.

Bezogen auf das kommende DRG-Entgeltsystem

zeigen die Ergebnisse, dass es schwierig ist,

die Behandlungen und Abläufe in der Geriatrie zu

standardisieren.

Die Ergebnisse aus dem Datensatz lassen

erkennen, dass in der Geriatrie bisher keine Standardisierung

der Behandlungsabläufe aufgrund

bestimmter Kriterien erfolgt. Als Konsequenz könnte

dies für die Kliniken bedeuten, dass in der Geriatrie

zukünftig versucht werden könnte, ein Konzept

zu entwickeln, welches nach dem Assessment

bei Aufnahme Aussagen zu der Behandlung und

deren prognostischen Erfolg aufgrund bestimmter

Indikatoren ermöglicht.

Gemeinschaftliche Magisterarbeit von Ursula

Rettenmaier und Christiane Dölker.

Dr. med. Ursula Rettenmaier, MPH;

Mail: urettenmaier@web.de

Christiane Dölker, Dipl.-Pflegewirtin, MPH;

Mail: cdoelker@freenet.de


zph-info Ausgabe 04/03

Opioide in der ambulanten Tumorschmerztherapie

in Bremen und

Bremerhaven – Bestandsaufnahme,

Probleme, Perspektiven

NEUES AUS DEM STUDIENGANG

ABSOLVENTINNENTAG UND

GEK-HANSE-PREIS

Am 23. Oktober 2003 fand bereits zum zweiten

Mal der AbsolventInnentag des Studiengangs

»Öffentliche Gesundheit / Gesundheitswissenschaften«

statt. Nach einem Eröffnungsvortrag

von der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit,

Jugend und Soziales, Karin Röpke, zum Thema

»Gesundheitswissenschaften unter dem Aspekt

der zukünftigen Sozialen Sicherung« stand die

Verleihung des GEK-Hanse-Preises für herausragende

Magisterarbeiten im Zentrum der Veranstaltung.

Die mit je 500 Euro prämierten Arbeiten

wurden auf Vorschlag einer Jury ausgewählt. Aus-

Die hier dargestellte Untersuchung entstand – im

Rahmen einer Magisterarbeit im Studiengang

»Öffentliche Gesundheit / Gesundheitswissenschaften«

– auf der Basis der Ergebnisse des versorgungsepidemiologischen

Forschungsprojektes

OpiaT (E. Horstkotte, H. Munzinger-Mohsenzadeh,

W. Hoffmann: Opioide in der ambulanten Tumorschmerztherapie).

Dieses, zwischen 1998/1999

vom BIPS in Kooperation mit der Ärztekammer, der

Apothekerkammer, der Kassenärztlichen Vereinigung

und der Bremer Krebsgesellschaft durchgeführte

Projekt dokumentierte eine Unterversorgung

von Tumorschmerzpatienten mit stark wirksamen

Opioiden in Bremen. Als Konsequenz wurde

unter Mitwirkung der Ärztekammer Bremen ein

Fragebogen erstellt, der an alle hausärztlich tätigen

AllgemeinmedizinerInnen und InternistInnen

in Bremen (N=391) und Bremerhaven (N=71) verschickt

wurde; insgesamt 238 Fragebögen

(Response 51,5%) wurden ausgefüllt zurückgesandt.

Themenbereiche waren die Versorgungssituation

von Tumorschmerzpatienten mit Opioiden,

gezeichnet wurden die Arbeiten von: Jens Bucksch,

Christiane Dölker und Ursula Rettenmaier, Renate

Nagel sowie Cornelia Heitmann und Christel

Schicktanz.

In der anschließenden Pause war Gelegenheit

sich – neben Kaffee und Butterkuchen – in einer

Posterausstellung über die vielfältigen Abschlussarbeiten

der Studierenden zu informieren. Den

Abschluss der rundum gelungenen Veranstaltung

bildete ein von Herrn Prof. Dr. Gerd Glaeske

moderiertes Gespräch mit Arbeitgebern aus dem

Gesundheitsbereich über potentielle Berufsfelder

für zukünftige AbsolventInnen des Studiengangs

Gesundheitswissenschaften.

der Informationsstand bzgl. der WHO-Leitlinien zur

Tumorschmerztherapie sowie der Informationsund

Kooperationsbedarf innerhalb der Ärzteschaft.

Die Antworten zeigten, dass 1999 in Bremen und

Bremerhaven insgesamt 6519 KrebspatientInnen

behandelt wurden, davon litten 3217 (49,4%) an

mäßig starken oder starken Schmerzen. Diese

Patientengruppe wurde als opioidpflichtig im

Sinne der WHO-Empfehlungen (Stufe III) definiert.

Bei diesen opoidpflichtigen KrebspatientInnen

wurden in Bremen und Bremerhaven nur für gut

die Hälfte der PatientInnen (56,4%) Rezepte über

Opioide nach dem Betäubungsmittelgesetz ausgestellt.

Nach der WHO-Definition sind demnach

43,6% der Patienten nicht ausreichend versorgt.

Nach Selbsteinschätzung der Ärztinnen und Ärzte

erhielten in 95% aller beteiligten Praxen TumorschmerzpatientInnen

Opioide. Defizite gibt es

allerdings in der Intensität der Opioidversorgung.

In etwa der Hälfte der Praxen wurde für jeden

Tumorschmerzpatienten mindestens ein Betäubungsmittel-Rezept

ausgestellt, in den übrigen

Praxen blieb etwa die Hälfte der opioidpflichtigen

Krebskranken ohne BtM-Rezept. Obwohl sich dieser

Anteil gegenüber 1995 deutlich verbessert darstellt,

existiert noch immer ein recht hoher Anteil

nicht ausreichend versorgter PatientInnen.

Bei der Frage nach dem Informations- und

Kooperationsbedarf der befragten ÄrztInnen wurden

insbesondere Kooperationen mit SchmerztherapeutInnen

und niederschwellige Beratungsangebote

positiv eingeschätzt. In Bremerhaven arbeiten

viele Praxen erfolgreich mit der am St. Josef Hospital

eingerichteten Palliativstation zusammen. In

Bremen wünschte man sich ein vergleichbares

Angebot, dem mit der Eröffnung der Palliativstation

im Zentralkrankenhaus Links der Weser im

Mai 2002 entsprochen werden konnte. Hier wird

auch eine telefonische Beratung zur Schmerztherapie

für niedergelassene KollegInnen angeboten.

Es ist davon auszugehen, dass sich die positive

Entwicklung, die die vorliegende Erhebung aufzeigen

konnte, fortsetzt, wenn aktuell vorhandene

Angebote und bedarfsgerechte Fortbildungsveranstaltungen

zunehmend genutzt werden.

Gemeinschaftliche Magisterarbeit von

Konstanze Voigt und Stefanie Heidelbach; Projektleitung:

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann

Kontakt: Konstanze Voigt, MPH, Diakoniekrankenhaus

Rotenburg, Tel: 04261 / 776021


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PERSONALIA

Ingrid Darmann

Elke Anna Eberhard

Edda Würdemann

Ingrid Darmann hat im März 2003 am Fachbereich

11 der Universität Bremen eine Professur »Pflegewissenschaft

mit dem Schwerpunkt pflegetherapeutische

Grundlagen und ihre didaktische Vermittlung«

im Studiengang Lehramt Pflegewissenschaft

angetreten. Nach der Krankenpflegeausbildung

in Geesthacht bei Hamburg war die gebürtige

Bremerin noch 6 Jahre als Krankenschwester in

verschiedenen Krankenhäusern tätig und studierte

an der Universität Hamburg Gesundheit und

Deutsch für das Lehramt Oberstufe/Berufliche

Schulen. 1999 promovierte sie zum Thema »Förderung

der kommunikativen Kompetenz in der Krankenpflegeausbildung«.

Von 1995 bis 2003 war

Ingrid Darmann zunächst als Wissenschaftliche

Mitarbeiterin, dann als Wissenschaftliche Assistentin

und schließlich als Vertretungsprofessorin am

Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik der

Universität Hamburg mit dem Arbeitsschwerpunkt

der »Didaktik der beruflichen Fachrichtungen

Gesundheit und Pflege« beschäftigt.

Sie veröffentlicht zu vielfältigen pflegedidaktischen

Fragen (z. B. Curriculumentwicklung, Prüfungsgestaltung),

außerdem führt sie ein Forschungsprojekt

zur »Interaktion im Pflegeunterricht«

durch und leitet die Evaluation eines curricularen

Reformprojektes in Hamburg. Weitere pflegewissenschaftliche

Arbeits- und Interessenschwerpunkte

liegen in den Bereichen Kommunikation,

Ethik und Bewegung. Forschungsmethodisch

arbeitet Ingrid Darmann vorwiegend mit

qualitativen Verfahren (grounded theory, qualitative

Inhaltsanalyse).

Prof. Dr. Ingrid Darmann, Studiengang Lehramt Pflegewissenschaft,

Universität Bremen, FB 11, Grazer Str. 6,

Tel. 0421 / 218-2016, Mail: darmann@uni-bremen.de

Elke Anna Eberhard übernahm am 1. Juli 2003 die

wissenschaftliche Koordination des Forschungsbereichs

Arzneimittelversorgung des Zentrums für

Sozialpolitik, Leitung Prof. Dr. Gerd Glaeske. Sie

studierte Germanistik, Pädagogik und Ev. Theologie

in Marburg und Berlin, ist Heilpraktikerin und

Gestalttherapeutin.

Elke Anna Eberhard arbeitete in Berlin in eigener

Praxis und als freie Referentin in der Mädchenund

Suchtarbeit. Ihre Arbeitsschwerpunkte lagen

auf der therapeutischen Begleitung schwer traumatisierter

Frauen, der Psychosomatik und der

Behandlung des Bewegungsapparates. 1995

wechselte Frau Eberhard nach Bremen und arbeitete

für das FrauenGesundheitsZentrum. Während

dieser Zeit war sie für die Bereiche Frauengesundheitspolitik,

Gesundheitsförderung und Prävention,

Mammographie-Screening, »alternative«

Behandlungsverfahren, Selbsthilfe sowie Projektund

Vereinsmanagement verantwortlich. Seit 2000

studiert sie Gesundheitswissenschaften.

Ihre Interessenschwerpunkte sind: Frauengesundheit,

Gesundheitskommunikation, Prävention,

»alternative« Therapieangebote.

Edda Würdemann ist seit 1. Juli 2003 wissenschaftliche

Mitarbeiterin im Zentrum für Sozialpolitik

der Universität Bremen. Unter der wissenschaftlichen

Leitung von Prof. Dr. Gerd Glaeske

arbeitet sie als Beratungsapothekerin im Kooperationsprojekt

BKK Arzneimittelberatung. Arbeitsschwerpunkt

ist die wissenschaftliche Betrachtung

von Qualitätsdefiziten in der Arzneimittelversorgung

der Bevölkerung auf der Basis von Krankenkassendaten.

Edda Würdemann ist seit 1981 approbierte

Apothekerin und arbeitete bis 1997 in einer öffentlichen

Apotheke. Besonderer Schwerpunkt ihrer

Arbeit war die Information der PatientInnen über

erwünschte und unerwünschte Wirkungen von

Arzneimitteln. Danach war sie als Dozentin an der

PTA Schule tätig, um den pharmazeutischen Nachwuchs

für den Umgang mit Medikamenten zu

schulen und zu sensibilisieren.

Edda Würdemann, BKK Arzneimittelberatung,

Postfach 107273, 28072 Bremen, Tel: 0800 / 2557-4276,

Mail: wuerdem@bips.uni-bremen.de

Elke Anna Eberhard, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39, Tel: 0421 / 218-7269,

Mail: eberhard@zes.uni-bremen.de


zph-info Ausgabe 04/03

TAGUNGSBERICHTE

IDEENWETTBEWERB »PFLEGE

NEU DENKEN – ZUKUNFTSFÄHIGE

AUSBILDUNGSKONZEPTE«

Die Robert Bosch Stiftung schrieb zum ersten Mal

den Ideenwettbewerb »Pflege neu denken –

zukunftsfähige Ausbildungskonzepte« aus. Ziel des

Wettbewerbes war es, innovative Ideen und Konzepte

für eine zukunftsweisende Pflegeausbildung

zu sammeln, auszuwerten und zu veröffentlichen.

Bestehende und zukünftige Ausbildungskonzepte

sollen durch die Anregungen aus der Praxis inhaltlich,

methodisch-didaktisch und strukturell weiterentwickelt

werden. Aufgerufen zur Teilnahme

waren Pflegeschulen, Träger von Ausbildungsstätten,

Fachhochschulen, Berufsakademien, Universitäten

und Pflegefachleute.

Das Institut für angewandte Pflegeforschung

(iap) von Prof. Dr. Stefan Görres im Zentrum für

Public Health übernahm die Organisation des

Ideenwettbewerbs. Am 20. September 2003 wurden

im Maternushaus in Köln die fünf PreisträgerInnen

und ihre prämierten Konzepte vorgestellt.

Die Preise überreichte Helga Solinger, Ministerin a.

D. und Kuratoriumsmitglied der Robert Bosch Stiftung.

Folgende Konzepte wurden prämiert:

»Berufsausbildung in der Altenpflege«;

»Präcurepa – Kooperation im Bildungsbereich:

Generalistische Ausbildung in der Pflege mit

anschließendem Fachhochschulstudium«;

»Konzeption, Erprobung und Evaluation einer

generalistischen Pflegeausbildung«;

»Pflegeausbildungszentrum – Modellprojekt«;

»AuBiKo.futuri – zukunftsfähiges Ausbildungskonzept

für die Pflegeberufe in Deutschland«.

Den einführenden Vortrag zur »Zukunftsaufgabe

Pflege« hielt Angelika Gemkow, MdL aus Nordrhein-Westfalen,

Seniorenbeauftragte der Landtagsfraktion

und Vorsitzende der Enquête-Kommission

zur »Situation und Zukunft der Pflege in

Nordrhein-Westfalen«. Die Konsequenzen des

bundeseinheitlichen Altenpflegegesetzes stellte

Christiane Viere, Referatsleiterin im Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

dar. Die Veranstaltung bot unter anderem im Rahmen

einer begleitenden Ausstellung die Gelegenheit,

mit PreisträgerInnen und ExpertInnen ins

Gespräch zu kommen. Die Kurzfassungen der prämierten

Konzepte werden in Kürze auf der Homepage

des Instituts für angewandte Pflegeforschung

(iap) und der Robert Bosch Stiftung abrufbar sein.

DISSEMINATIONSKONFERENZ

DES EU-PROJEKTES »SOCOSE«

Am 27./28. Juni 2003 fand in Brüssel unter der Leitung

von Prof. Dr. Thomas Kieselbach und Dr. Sabine

Mader, Universität Bremen, die Konferenz »A

Model Framework on Guidance in Occupational

Transitions in the EU« statt. Die zentralen Ergebnisse

des EU-Projektes »Sozialer Geleitschutz und

Nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit: Innovative

Konzepte für Outplacement/Replacement-Beratung«

sowie eine Liste mit zehn Empfehlungen für

die Begleitung beruflicher Transitionen wurden

dort vorgestellt und mit Vertretern aus Politik und

Arbeitsverwaltung, mit Unternehmensvertretern,

Beratern und Gewerkschaftsvertretern diskutiert.

Prof. Dr. Thomas Kieselbach, Universität Bremen,

Institut für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und

Gesundheit (IPG), Grazer Str. 2, 28359 Bremen,

Tel.: 0421 / 218-2825, Mail: kieselbach@ipg.uni-bremen.de,

Internet: www.ipg.uni-bremen.de

ARZNEIMITTEL – FLUCH ODER RETTUNG?

WIE GESUND WOLLEN, SOLLEN, DÜRFEN

WIR SEIN?

Unter diesem Motto stand die 8. Summer School of

Public Health vom 25. September bis 2. Oktober

2003 in Delmenhorst. Die vom Zentrum für Public

Health, Universität Bremen und der Stadt Delmenhorst

getragene Veranstaltungswoche begann mit

einem öffentlichen Vortrag von Herrn Prof. Dr. Gerd

Glaeske zum Thema »Mehr Pillen – mehr Gesundheit?«

Im Laufe der Veranstaltung referierten und diskutierten

WissenschaftlerInnen und GesundheitspraktikerInnen

aus verschiedenen Fachrichtungen

zu so unterschiedlichen Schwerpunktthemen wie

»Selbstmedikation am Arbeitsplatz« oder »Alternativen

zur Arzneimittelverordnungspraxis bei

Demenzerkrankungen«. Zu Beginn der Seminarreihe

stellten zum Beispiel Jugendliche ihre Lebensweltsicht

in Bezug auf Gesundheit und Arzneimittelkonsum

sowie Suchtverhalten vor und diskutierten

darüber mit ExpertInnen. Ein weiteres Thema

war der Einsatz von Ritalin bei »unaufmerksamen

Kindern«. Hierbei wurde ein differenziertes Bild

von der Wirksamkeit dargestellt, aber auch auf das

Dilemma vom frühen »Drogenkonsum« statt therapeutischer

Zuwendung hingewiesen. Der Bericht

von Prof. Dr. Eberhard Greiser über Nebenwirkungen

der Hormonbehandlung von Frauen wurde am

dritten Seminartag mit großem Interesse verfolgt

und diskutiert. Nach einer interessanten und vielseitigen

Veranstaltungswoche mit regem Publikumsinteresse

wurde die Abschlussveranstaltung

mit Prof. Dr. Gerald Hüther zum Thema »Nutzen

und Fluch von Psychopharmaka« und der abschließenden

Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr.

Annelie Keil, zu Grundfragen des kritischen

Umgangs mit Medikamenten ein besonderes Highlight.

Über den regen Austausch von WissenschaftlerInnen

und GesundheitspraktikerInnen der unterschiedlichen

Professionen waren ReferentInnen

und TeilnehmerInnen gleichermaßen begeistert.

Hildegard Jansen-Bitter, Zentrum für Public Health,

Universität Bremen, Grazer Str. 2a, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 218-3059, Mail: health@uni-bremen.de

Ilka Wicha, Institut für angewandte Pflegeforschung

(iap), Universität Bremen, Grazer Str. 6, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 218-9686, Mail: wicha@uni-bremen.de


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PUBLIKATIONEN

KOKAIN UND CRACK – PHARMA-

KODYNAMIKEN, VERBREITUNG

UND HILFEANGEBOTE

Das Buch liefert neben pharmakologischen Informationen

eine Übersicht über die Verbreitung, die

Gebrauchs- und die Handelsformen von Kokain

und Crack. Darüber hinaus werden die Konsequenzen

für das Suchtkrankenhilfesystem in Form adäquater

Hilfeangebote diskutiert, denn Kokain- und

Crackkonsum führt zu Beratungs-, Behandlungsund

Ordnungsproblemen in der Drogenhilfe. Jenseits

der oftmals sensationsorientierten massenmedialen

Aufbereitung des Crack-Themas wird

eine sachliche Einschätzung der zunehmenden

Verbreitung des Crack-Konsums vorgenommen.

Das Buch setzt Schwerpunkte in den Bereichen

Pharmakologie, »Crack und Prostitution«, Entwicklung

neuer Hilfeangebote und notwendige Weiterentwicklung

der Drogenhilfeangebote.

INTERNATIONALE GERONTOLOGIE

Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für sozialund

verhaltenswissenschaftliche Gerontologie im

April 2001 an der Universität Kassel stellte Martha

Meyer die Ausbildungssituation in der »Gerontologie

in Europa« und erste Module des European

Master Gerontology vor. In ihrem Beitrag für dieses

Buch präsentiert sie nunmehr den aktuellen Stand

dieses europäischen Curriculums und Studienangebots.

(vgl. dazu auch den Bericht in diesem Heft

über die Eröffnung des European Master Gerontologie

in Amsterdam, S. 10).

Auch auf der Forschungsebene und jener des Konzepttransfers

nimmt die internationale Zusammenarbeit

zu. In diesem Band der »Kasseler Gerontologischen

Schriften« werden die Ergebnisse eines

aktuellen Forschungsprojektes zur Erkundung von

Wohnbedürfnissen spanischer Senioren veröffentlicht.

Des Weiteren sind zwei Beiträge zur Konzeption

und Umsetzung eines transnationalen Transferprojektes

in der Altenpflege aufgenommen. Sie

dokumentieren mit einem deutschen und bulgarischen

Beitrag die Kooperation zwischen einer Kasseler

Arbeitsgruppe und Lehrkräften der Thrakischen

Universität Stara Zagora zur Umsetzung

einer Weiterbildung in der Altenpflege.

Die je kulturellen Bedingungen des Alterns und

Alters in verschiedenen Ländern werfen ein Licht

auf die Konstitution der Gerontologie. Jan Baars,

Niederlande, hinterfragt die oft nicht explizierten

wissenschaftstheoretischen Axiome des Mainstreams

in der internationalen Gerontologie und

zeigt Ansätze einer Kritischen Gerontologie auf.

PFLEGE ALTER MENSCHEN

ALS BERUF

Dieses Buch ist als Einführung in die Berufssoziologie

für einen größeren sozial- und gesundheitswissenschaftlich

interessierten Kreis angelegt.

Der Autor erläutert den Zusammenhang zwischen

Verberuflichung der »primären Pflege«, verstanden

als »körpernahe« personenbezogene Dienstleistungsarbeit,

und der Professionalisierung der

»körperfernen« personenbezogenen Dienstleistungsarbeit

zur »sekundären Pflege«, im Sinne von

Pflegemanagement und Pflegewissenschaft. Am

Altenpflegeberuf lässt sich der Prozess der Institutionalisierung

eines Fähigkeitsprofils von einem

»Ersatzberuf« der 60er Jahre zu einem »geschützten«

Fachberuf der 90er Jahre in geeigneter Weise

verdeutlichen. Das Buch ermöglicht den LeserInnen

den Einstieg in die Diskussion um das Berufsbild,

um die Vereinheitlichung der Ausbildung und

um die Öffnung weiterführender Bildungsgänge.

Es bietet aber auch Anregungen, die Möglichkeiten

von Erwerbstätigkeit im Pflegebereich als »Lebensberuf«

realistisch einzuschätzen. Damit das Studienbuch

auch als berufsspezifisches Nachschlagewerk

genutzt werden kann, wurde neben einem

Glossar ein Sachregister eingefügt.

Wolfgang Voges, Westdeutscher Verlag,

Wiesbaden 2002, 378 Seiten, ISBN 3-531-13492-2

Fred Karl, Martha Meyer

(Hrsg.), Kasseler Gerontologische

Schriften,

Band 32, kassel university

press GmbH,

Universität Kassel 2003

Heino Stöver (Hrsg.), Lambertus Verlag, Freiburg 2003,

180 Seiten, ISBN 3-7841-1494-6

IMPRESSUM

Herausgeber: Direktorium des Zentrums für Public Health

Redaktion: Stefan Görres, Martha Meyer, Maike Weerts

Kontakt: Maike Weerts, Zentrum für Public Health, Universität Bremen, Fachbereich 11,

Human- und Gesundheitswissenschaften, Grazer Straße 2a, 28359 Bremen

Tel: 0421 / 218-3059, Fax: 0421 / 218-2084, Mail: mweerts@uni-bremen.de

Gestaltung: Patel Grafik Design, Bremen, Druck: Girzig+Gottschalk, Bremen

Bildnachweis: S. 1: Mark Patel, S. 1, 2, 3, 5, 6, 7: Photodisc, S. 11: VarioPress, S. 12: Elke Anna Eberhard,

S. 14: Ingo Möllers

Redaktionsschluss: 15.10.2003


zph-info Ausgabe 05/03

VERANSTALTUNGEN

INFORMATIONSTAG DEMENZ

Im Frühjahr 2004 plant das Netzwerk Demenz

des Landes Bremen einen Informationstag zum

Thema Demenz für die breite Öffentlichkeit.

Es ist geplant, dass sich Institutionen aus Bremen

vorstellen, die besondere Konzepte in der

Betreuung von Demenzkranken umsetzen.

Weitere Informationen: Hans-Heinrich Schmidt, Senator

für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales,

Referat Altenhilfe; Tel: 0421 / 361-2766,

Mail: Hans-Heinrich.Schmidt@soziales.bremen.de

3RD INTERNATIONAL EXPERT CONFERENCE

ON UNEMPLOYMENT AND HEALTH

PUBLIKATIONEN

AUSWIRKUNGEN VON

VERGÜTUNGSFORMEN AUF DIE

QUALITÄT DER STATIONÄREN

VERSORGUNG

Ab 2004 wird für die Abrechnung der akutstationären

Behandlung in deutschen Krankenhäusern

mit Ausnahme der Psychiatrie das sogenannte

DRG-System (Diagnosis Related Groups) verpflichtend

eingeführt. Jeder Krankenhausfall wird dann

von den Kassen nicht mehr nach der Länge des

Aufenthalts, sondern nach einer für die jeweilige

Krankheit festgelegten Pauschale bezahlt. Eine

Längsschnittanalyse von über 160.000 bei der GEK

anonym dokumentierten Krankenhausfällen des

Jahres 1995 und 270.000 Krankenhausfällen aus

GESUNDHEITSMONITOR 2003

Die ambulante Versorgung aus Sicht von Bevölkerung

und Ärzteschaft

Vom 23. bis 25. September 2004 findet in

Bremen die dritte Expertenkonferenz des Wissenschaftskomitees

»Arbeitslosigkeit und Gesundheit«

der International Commission on Occupational

Health (ICOH) statt. Geleitet wird diese von

Prof. Dr. Thomas Kieselbach, Universität Bremen,

und Dr. Simo Mannila, Helsinki. Als Schwerpunktthemen

sind vorgesehen: Gesundheitliche

Situation Arbeitsloser; Prekarisierung der Arbeitsmärkte;

Unternehmensverantwortung bei

Personalentlassungen. Der Call for Papers sowie

weitere Informationen finden sich unter

www.ipg.uni-bremen.de.

Prof. Dr. Thomas Kieselbach, Universität Bremen,

Institut für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und

Gesundheit (IPG), Grazer Str. 2, 28359 Bremen,

Tel.: 0421 / 218-2825, Mail: icoh@ipg.uni-bremen.de

SURVEYS IN DER VERSORGUNGS-

FORSCHUNG UND POLITIKBERATUNG DES

GESUNDHEITSWESENS

Ziel der Tagung am 18. und 19. März 2004 im

Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen

ist die Entwicklung einer Perspektive für eine

wissenschaftlich begleitete empirische Praxis, die

Versorgungsforschung und die Abbildung gesundheitspolitischer

Positionen in der Bevölkerung

verbindet.

dem Jahr 2002 sowie eine schriftliche Befragung

von fast 6.000 30–80-jährigen Ende 2002 stationär

behandelten GEK-Versicherten liefern Einblicke

in die Auswirkungen des heutigen Fallpauschalensystems

und wichtige Hinweise für eine prozessbegleitende

Wirkungsanalyse der ab 2004 eingeführten

DRGs.

Bernard Braun, Rolf Müller, Asgard Verlag,

St. Augustin 2003, GEK-Edition Band 26, 269 Seiten,

ISBN 3-537-44026-X

Viermal wurde seit 2001 eine jeweils repräsentative

Stichprobe von 1500 BürgerInnen zu ihren

Erfahrungen in der ambulanten Gesundheitsversorgung

und zu ihren Bewertungen ausgewählter

gesundheitspolitischer Themen befragt. Zweimal

gaben jeweils 500 niedergelassene ÄrztInnen Auskunft

über ihre Vorstellungen und Erwartungen.

Was halten die PatientInnen vom »Hausarzt als

Lotsen«, was erwarten sie von ihren Krankenkassen,

welches Vertrauen haben deutsche im Vergleich

zu niederländischen und englischen BürgerInnen

in Akteure und Eigenschaften des Gesundheitswesen

und welche Rolle spielen Prävention

oder »shared decision making« aus Sicht der ÄrztInnen?

Antworten auf diese und zahlreiche andere

Fragen finden sich in dem nun zum zweiten Mal

erscheinenden Ergebnisband des von der Bertelsmann

Stiftung getragenen und vom Zentrum für

Sozialpolitik wissenschaftlich betreuten »Gesundheitsmonitor«.

Jan Böcken, Bernard Braun, Melanie Schnee (Hrsg.),

Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2003, 150 Seiten

Dr. Bernard Braun, Zentrum für Sozialpolitik,

Universität Bremen, Mail: bbraun@zes.uni-bremen.de,

Internet: www.zes.uni-bremen.de

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