Altern - IPP - Universität Bremen

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Altern - IPP - Universität Bremen

zph-info Ausgabe 05/03

Sozialpolitik vor neue Herausforderungen. Mehr

als 70 Prozent der jährlich sterbenden 900.000

Menschen beenden ihr Leben außerhalb ihrer

häuslichen Umgebung, meistens in Krankenhäusern

und Pflegeheimen. Diese Einrichtungen sind

jedoch aufgrund ihrer derzeitigen räumlichen,

VERANSTALTUNGEN

WEITERBILDUNGSPROGRAMM

PALLIATIVE CARE

Palliative Care bezeichnet die ganzheitliche

Betreuung schwerstkranker, sterbender Menschen.

Der einzelne Mensch mit seinen Bedürfnissen,

Ängsten und Fragen soll dabei im Mittelpunkt

stehen. Die Umsetzung eines solchen interdisziplinären

Behandlungskonzeptes erfordert die

Zusammenarbeit eines interprofessionellen Teams.

Das Weiterbildungsprogramm Palliative Care

hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die beteiligten

Berufsgruppen bereits in der Qualifizierungsphase

zusammenzuführen.

Geboten werden umfassende Fortbildungsmöglichkeiten,

die medizinische und pflegerische

Aspekte wie Schmerztherapie und Umgang mit

Symptomen, Pflege unter Wahrung der Selbstbestimmung

und Würde des Menschen, Hilfe

bei psychischen und sozialen Problemen der Betroffenen

und ihrer Angehörigen und nicht zuletzt

den Umgang mit religiösen, ethischen oder

weltanschaulichen Fragestellungen beinhalten.

Zielgruppe:

ÄrztInnen, Pflegepersonal, PhysiotherapeutInnen,

SozialarbeiterInnen, PsychologInnen,

SeelsorgerInnen.

Angebot:

Angeboten werden ein Weiterbildungskurs mit

einem Umfang von 100 Stunden sowie ein

Weiterbildendes Studium mit einem Umfang von

320 Unterrichtsstunden. Ein darauf aufbauender

Masterstudiengang ist in Planung.

Veranstalter:

Die Veranstalter sind der Fachbereich Humanund

Gesundheitswissenschaften und das Zentrum

für Weiterbildung der Universität Bremen.

Weitere Informationen zum Programm Palliative Care

erhalten Sie bei: Katrin Heins,

Zentrum für Weiterbildung, Tel: 0421 / 218-2726,

Mail: zwb12@uni-bremen.de,

Internet: www.weiterbildung.uni-bremen.de/

weiterbi/kurse/pac.html

organisatorischen und kommunikativen Strukturen

nur unzureichend in der Lage, den sterbenden

Menschen einen angemessenen Ort des Sterbens

anzubieten. ÄrztInnen, Pflegekräfte, aber auch die

anderen Dienstleistungskräfte im Gesundheitsbereich

sind nicht ausreichend auf die Notwendigkeit

einer guten Begleitung vorbereitet und erleben das

oftmals leidvolle Sterben der PatientInnen als eigenes

Versagen. Die Tatsache, dass immer mehr

schwerkranke und sterbende Menschen keine

nahen Angehörigen haben, die die häusliche Pflege

und Betreuung übernehmen könnten, verschärft

das Problem. Und wenn Angehörige und

Freunde die Aufgabe übernehmen, fühlen sich viele

angesichts der Belastungen physisch und psychisch

überfordert.

In den letzten Jahren hat sich ein spürbarer

Wandel vollzogen und viele Menschen haben verstanden,

dass der Grad der Humanität einer

Gesellschaft sich nicht zuletzt auch daran erweist,

wie wir unsere Mitmenschen, unsere Mütter, Väter,

Geschwister, Freunde und Freundinnen am Ende

ihres Lebens begleiten. Eine Vielzahl von ehrenamtlichen

Hospizinitiativen zur Begleitung Schwerkranker

und Sterbender wurde ins Leben gerufen

und auch die professionelle Versorgungslandschaft

beginnt sich endlich zu verändern. Pflegerische

und soziale Hausbetreuungsdienste, Hospize, Palliativstationen,

Konsiliardienste, engagierte HausärztInnen

und andere Einrichtungen machen nicht

nur auf die Notwendigkeit dieser Arbeit aufmerksam,

sondern zeigen die Chancen und die Möglichkeit

interprofessioneller Teamarbeit und der

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und Angehörigen

auf.

Die politisch Verantwortlichen müssen die

Anstöße aus der Gesellschaft aufnehmen und versuchen,

einen Konsens über die Prämissen der

Begleitung von schwer kranken und sterbenden

Menschen und ihre institutionelle, rechtliche und

finanzielle Absicherung herbeizuführen. Darüberhinaus

aber brauchen wir weiter einen Diskurs der

Zivilgesellschaft und ihrer Bürgerinnen und Bürger

über den Zusammenhang von Palliative Care und

öffentlicher Verantwortung im Sinne von Public

Health.

Prof. Dr. Annelie Keil, Universität Bremen,

Grazer Str. 2, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-3163,

Mail: keil@uni-bremen.de

Anti-Aging – eine aussichtslose

Therapie?

Alter selbst ist keine Krankheit, auch wenn es uns

der Jugend- und Leistungskult unserer Gesellschaft

beinahe glauben macht. Die zahlreichen Medikamente

gegen Altersbeschwerden (»Geriatrika«,

von griechisch »geron«, der Greis) haben in der

Mehrzahl keinen wissenschaftlich nachvollziehbaren

Nutzen und keine klaren Anwendungsgebiete.

Es gibt keine empfehlenswerten Arzneimittel

gegen das Altern, weder zur Vorbeugung (Geroprophylaktika)

noch zur Behandlung (Gerotherapeutika).

Wertvolle Verpackungen (oft goldfarben),

hohe Preise oder phantasievolle Namen und

Zusammensetzungen suggerieren häufig eine

Wirksamkeit, die keinem der angepriesenen Mittel

zukommt. Ein »Klassiker« ist der Wirkstoff Procain,

dem seit den ersten Veröffentlichungen der rumänischen

Ärztin Ana Aslan positive Wirkungen auf

nahezu alle Alterserscheinungen nachgesagt werden.

Bislang fehlen aber ausreichende Ergebnisse

für einen wirklichen Nutzen. Procain in Arzneimitteln

wird auch als Dimethylaminoäthanol bezeichnet,

dadurch wird es weder anders noch in der Wirkung

besser!

Empfohlen werden auch Stärkungsmittel zum

Jung bleiben beim Alt werden. Allerdings: Wenn

ältere Menschen eine »belebende, stärkende« Wirkung

verspüren, liegt dies häufig z.B. am Alkohol

oder am Koffein – die »Kraft der zwei Herzen«, wie

die Werbung verspricht, werden Sie nicht erwarten

können. Und ob 79 Vol.-%ige »Alkoholika« wie

Melissengeiste wirklich so »wertvoll sind wie nie«,

darf bezweifelt werden. Möglich sind natürlich

sogenannte Placebo-Effekte, also positive Wirkungen,

die auf einer psychologischen Wirkung beruhen:

Sie tun etwas für sich, daher glauben Sie auch

an eine Wirksamkeit und fühlen sich besser.

Altern ist auch keine Vitamin-Mangel-Erkrankung.

Dennoch enthalten viele Geriatrika Vitamine

und Spurenelemente, allerdings in ungezielter

Zusammenstellung der Auswahl und Menge. Von

einigen Vitaminen (Vitamin C, Vitamin E und

ß-Carotin als Vorstufe von Vitamin A) wissen wir

heute, dass sie Freie Radikale im Körper neutralisieren

können. Sie werden daher als »Antioxidantien«

bezeichnet. Auch das Spurenelement Selen

hat eine solche Wirkung. Radikale sind aggressive

chemische Verbindungen, die im Körper unter der

Einwirkung von Schadstoffen wie Zigarettenrauch,

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