Vortrag zum Download (PDF, 115KB) - IPP

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Abteilung 1: Versorgungsforschung

Exklusion von Leistungen der

Gesundheitsversorgung in Deutschland

- Ist eine Systematik erkennbar?

Tagung „Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge – Universelles

Menschenrecht oder Privileg?

BAfF und XENION, Berlin 28.10.2012

Prof. Dr. Norbert Schmacke


Das Verhältnis zur Migration

• Politisches Klima („ Gastarbeiter“ und „Kein“

Einwanderungsland“)

• Tradition des Versorgungssystems (von

„Bismarck“ zum Leistungsspektrum der

heutigen GKV)

• Staatsverständnis (Deregulierung, Subsidiarität)

• Selbstverständnis der Key-Player (BMG, KGV,

DKG, Kassen)

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Heutiger Fokus: Die Routinen

der medizinischen Versorgung

• Frage 1: was kann das System besonders

gut?

• Frage 2: was kommt im System chronisch

zu kurz?

• Frage 3: ist eine Systematik erkennbar,

die auch für das Tagungsthema relevant

ist?

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Das Gesamtbudget ist stattlich

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Stärken und Schwächen der

gemeinsamen Selbstverwaltung der GKV

• Kompromisse

finden

• Budgets

verhandeln

• „Innovationen“

finanzieren

• Prioritäten setzen

• Versorgungs-

qualität evaluieren

• Leistungsmengen

begrenzen

• Versorgungslücken

identifizieren

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Kernthemen

• Hohe

Kontaktdichte im

ambulanten Sektor

• Hohe Bettenzahl

• Primat der Kuration

• Transparente

Dokumentation

• Facharztdoppelschiene

• Strukturierung von

Versorgungsabläufen

• Umgang mit

Multimorbidität

• Vernachlässigung

von Palliation

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Ambulante Versorgung

• Medikamente (viel

und teuer)

• Überweisungen

und Einweisungen

• Labor und

Bildgebende

Verfahren

• Stufendiagnostik

• Nicht-

medikamentöse

Verfahren

• Gesprächsführung

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Stationäre Versorgung

• Verbotsvorbehalt

• DRG-Artistik

• Privatisierungstrend

• Mengenausweitung

• Aufnahme- und

Entlassungs-

management

• Aufklärung und

Beratung

• Psychosoziale

Begleitung

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Beispiel Prostatakrebs

• Drängen auf

„Screening“

• Radikale

Interventionen

• Literaturkenntnis

• Gesundenberatung

• Patienten- und

Angehörigenberatung

• Watchful Waiting

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Beispiel Arthroskopie

• Mengenexplosion

• Schmerztherapie

• Kenntnis der

Studienlage

• Patientenberatung

• Qualitätssicherung

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Beispiel Gefäßkrankheiten

• Risikofaktorenbestimmung

(incl.

Eigenbestimmung)

• Polymedikation

• Literaturkenntnis

(Gesamtrisiko/ BZ-

Senkung/ RR-

Senkung)

• Patientenberatung

• Patientenschulung

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Beispiel Depression

• Drängen auf

Screening

• Vorwurf an Hausärzte

• Mengenausweitung

Antidepressiva

• Langzeitpsychotherapie

• Längsschnittstudien

• Behandlungsstudien

• Rollenverteilung

zwischen primärem

und sekundärem

Sektor

• Krisenintervention

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Zwischenbilanz

Das Gesundheitssystem in Deutschland

• ist relativ teuer

• Ist besonders arztzentriert

• weist eine Spezialistenlastigkeit auf

• Verzichtet (weitgehend) auf Indikationsprüfung

• Lässt dem Krankenhaussektor ungewöhnlichen

Spielraum

• Verzichtet auf Priorisierung und Public Health

Orientierung

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Politik und Selbstverwaltung

• Eingespielte Rollenverteilung

• Zögerliche Bewertung von Innovationen

• Starkes Setzen auf Wirtschaftsförderung

• Starke Rolle der Ärzteschaft mit

Orientierung auf Besitzstandwahrung

• Klagen über Rationierung bei Verzicht auf

substantielle Stärken-Schwächen-Analyse

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Systematik?

• Abstecken von Claims

• Unbeirrter Medikalisierungskurs

• Addition statt Substitution von Leistungen

• Fremdeln mit systemischem Denken und

Kooperationsformen

• Ein mächtiger Tanker unbeirrtem Kurs

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Migration…

• Ist trotz beachtlicher Fortschritte in öffentlichen

und politischen Diskursen noch immer ein

verdrängtes Thema

• Auch das vereinte Europa ist – bis auf das

Thema „Fachkräftemangel“ - weiter auf

Abgrenzungskurs

• Und das deutsche Gesundheitssystem ist eher

in der Nachhut vertreten: viel lokales

Engagement, wenig systematische Ansätze im

„Global Village“

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