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Teil Tausch – Praxis

Diplomarbeit von Isabell Thoma Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Studiengang Industrial Design Sommersemester 2013

Diplomarbeit von Isabell Thoma
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Studiengang Industrial Design
Sommersemester 2013

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<strong>Teil</strong><br />

tausch<br />

<strong>–</strong><br />

<strong>Praxis</strong>


INHALT<br />

Theorie<br />

<strong>Praxis</strong><br />

<strong>Teil</strong><br />

tausch<br />

Einleitung<br />

Theoretische Grundlagen<br />

Kollaborative Ökonomien<br />

heute<br />

Kollaborative Ökonomien<br />

und Design<br />

Quellenverzeichnis<br />

Zusammenfassung<br />

3<br />

6<br />

20<br />

24<br />

26<br />

29<br />

Einleitung<br />

Ansätze aus der<br />

Recherche<br />

Erste Ideen<br />

Zielformulierung<br />

Entwicklung Entwurf<br />

Technische Ausarbeitung<br />

Prototypenbau<br />

Modellbau<br />

Farbauswahl<br />

Bilder / Konzept<br />

Bilder / Variationen<br />

Danksagung<br />

3<br />

6<br />

8<br />

20<br />

26<br />

44<br />

48<br />

56<br />

66<br />

72<br />

80<br />

102<br />

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart / Industrial Design<br />

Sommersemester 2013<br />

Prof. Uwe Fischer / Prof. Winfried Scheuer<br />

AM Manuel Messmer / AM Susanne Hoffmann<br />

Diplomarbeit Isabel Thoma


getauscht, geteilt, geliehen<br />

motivation und ziele des projekts<br />

Carsharing oder Leihfahrrad, Mitfahrgelegenheit<br />

oder Couchsurfing, Kleidertauschparty<br />

oder Internettauschbörse: Eine<br />

wachsende Zahl Menschen möchten nicht<br />

mehr besitzen und kaufen, sondern benutzen<br />

- dann, wenn etwas gerade gebraucht<br />

wird. Das Internet als nötiger Organisationsrahmen<br />

ist Wegbereiter und Antrieb der<br />

Entwicklung. Laut der Studie „Deutschland<br />

teilt“ hat immerhin schon jeder zweite Erfahrung<br />

mit alternativen Konsumformen gesammelt,<br />

etwa zwölf Prozent nutzen die Angebote<br />

regelmäßig.<br />

Dauerhaftes Eigentum scheint demnach ein<br />

Konzept von gestern zu sein, beinahe eine<br />

Belastung und Einschränkung. <strong>Tausch</strong>en,<br />

Leihen und <strong>Teil</strong>en erscheint dagegen zeitgemäßer,<br />

offener und nachhaltiger. Was zählt,<br />

ist nicht mehr das Eigentum, sondern der<br />

Zugang. Was als „Collaborative Consumption“<br />

oder „Sharing Economy“ umschrieben<br />

wird, kann unterschiedlichen Systemen folgen:<br />

Zum einen tauschen oder verleihen<br />

Privatpersonen Gegenstände untereinander.<br />

Zum anderen testen auch Firmen alternative<br />

Konsumformen und bieten ihre Produkte zur<br />

temporären oder gemeinschaftlichen Nutzung<br />

an.<br />

Interessant ist dabei insgesamt, dass die<br />

Bereitschaft, Dinge mit anderen zu teilen,<br />

Produkte umfasst, die eigentlich seit jeher<br />

als Statussysbole oder zumindest als sehr<br />

persönlich gelten: Die eigene Wohnung, das<br />

eigene Auto, Kleider, sogar Lebensmittel<br />

werden weitergegeben oder gemeinsam genutzt.<br />

Die Grenzen scheinen sich hier stetig<br />

zu verschieben - und werden sich vermutlich<br />

weiter verschieben. Die zukünftig effektivere<br />

Nutzung eines gemeinsamen Bestandes<br />

an Dingen und die damit einhergehende<br />

Ressourcenschonung gilt als eine der Chancen<br />

der Entwicklung.<br />

Von Seiten der Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften<br />

gibt es einige sehr<br />

interessante Arbeiten und Denkansätze zu<br />

dem Thema. Auch in der Öffentlichkeit und in<br />

den Medien wird es seit kurzem ausführlich<br />

diskutiert. Da es sich im Kern ganz konkret<br />

um die dingliche Welt, um Nutzgegenstände<br />

handelt, liegt die Vermutung nahe, dass<br />

es auch eine Relevanz für Design hat oder<br />

haben wird. Folgt man der aktuell gängige<br />

These, dass sich die Entwicklung in Zukunft<br />

verstärkt, stellt sich die Frage: Wie müssen<br />

Produkte der Zukunft aussehen, die - in variierender<br />

Form und Abfolge - nicht mehr nur<br />

von einem, sondern von mehreren Menschen<br />

benutzt werden? Wenn der Schwerpunkt<br />

nicht mehr auf dem Haben-Wollen, sondern<br />

auf dem Nutzen-Wollen liegt? In welcher<br />

Balance stehen realer Nutzwert und symbolischer,<br />

identitätsstiftender Wert, und welche<br />

Rolle spielt der temporäre Aspekt?<br />

Die Herausforderung des Projekts besteht<br />

darin, die durch gründliche Recherche erarbeiteten<br />

Inhalte in einem Entwurfsprojekt<br />

umzusetzen.<br />

2<br />

3


praxis:<br />

Produkte, gestaltet für<br />

alternative, kollaborative<br />

ökonomien<br />

Statt die umfangreiche Recherche in einer<br />

Theoriearbeit auszuführen, soll sie als Ausgangspunkt<br />

für ein exemplarisches Entwurfsprojekt<br />

dienen. Dbei war es on Beginn<br />

an das Ziel, das Thema der kollaborativen<br />

Ökonomien gestalterisch umzusetzen. In<br />

welchen Produktbereichen könnten kollaborative<br />

Ökonomien in Zukunft Anwendung<br />

finden? Wie sehen diese Produkte,die spezifisch<br />

für kollaborative Ökonomien gestaltet<br />

werden? Zu diesen Fragen soll in einem exemplarischen<br />

Entwurfsprojekt eine gestalterische<br />

Antwort entwickelt werden. Welcher<br />

Art dieses Projekt sein soll, um welches<br />

Produkt es sich dabei handeln soll, wurde<br />

während der Theoriephase bewusst ganz offen<br />

gehalten.<br />

Der Schritt der Konkretisierung und Übertragung<br />

der Inhalte in ein Entwurfsprojekt<br />

wird sich im folgenden Prozess als ungeahnt<br />

schwierig erweisen, denn die Recherche hat<br />

ein sehr differenziertes Bild des Themenbereichs<br />

ergeben. Statt einer einfachen Formel,<br />

die es nur zu verdinglichen gilt, zeigte das<br />

Thema der kollaborativen Ökonomien viele<br />

Facetten und Ansatzpunkte, die sich zudem<br />

jeweils unterschiedlich interpretieren lassen.<br />

Abseits der klassischen Leihprodukte Auto-<br />

Bohrmaschine-Schwangerschaftskleidung<br />

Produkte zu definieren, die auf die Idee von<br />

Getauschtem, Geteiltem und Geliehenem mt<br />

einer neuen gestalterischen Sprache antworten,<br />

stellt eine besondere Herausforderung<br />

dar.<br />

Um dennoch den Sprung von der Theorie<br />

in die <strong>Praxis</strong> zu bewältigen, wird eine klare<br />

Zäsur vorgenommen: Statt wie in der Theoriephase<br />

das Gesamte System der kollaborativen<br />

Ökonomien zu betrachten, wird der<br />

Blick in der <strong>Praxis</strong>phase ganz konkret auf<br />

die Produkte gelenkt. Das Hauptinteresse<br />

gilt nun deren Sprache, ihrer Ausgestaltung<br />

und ihrer Konzeption.<br />

Das Umfeld - die Frage nach den Plattformen<br />

und Geschäftsmodellen, den sozialen<br />

Vorgängen und wirtschaftlichen Auswirkungen,<br />

fließt erst in einem nächsten Schritt mit<br />

ein.<br />

4<br />

5


Produkte, gestaltet zum<br />

<strong>Teil</strong>en, tauschen oder leihen<br />

motive<br />

Öffentlichkeit<br />

geselligkeit<br />

Spontanität<br />

mehrWert<br />

Gemeinschaft<br />

zusammenarbeit<br />

Kreislaufsysteme<br />

mehrfache benutzung<br />

Nutzwert<br />

Mobilität<br />

Flexible anpassung an<br />

temporären bedarf<br />

Welche Dinge werden tatsächlch gemeinsam<br />

und gleichzeitig von einer Gruppe genutzt?<br />

Worurch kann spontane Geselligkeit entstehen?<br />

Welche Objekte ermöglichen <strong>Teil</strong>habe,<br />

welche schaffen Gruppenzugehörigkeit,<br />

Austausch und Vertrauen?<br />

Welche Dinge gewinnen an Wert und Qualität<br />

, wenn sie nicht einem einzelnen gehören,<br />

sondern durch die Hände vieler Nutzer<br />

gehen? Was können wir uns nur gemeinsam<br />

leisten, was kann nur in Zusammenarbeit<br />

entstehen?<br />

Welche Dinge können in einem gemeinsam<br />

genutzten materiellen Fundus für viele Nutzer<br />

gleichermaßen bereitstehen? Sodass jeder<br />

flexibel je nach seinem aktuellen Bedarf<br />

darauf Zugriff hat, und befreit ist von den<br />

Lasten des Eigentumsverhältnisses?<br />

Welche Dinge belasten und beschweren uns<br />

mit ihrer Anwesenheit, obwohl wir sie nur<br />

temporär benötigen? Was müsste mobiler<br />

und leichter sein, sodass wir es gemeinsam<br />

nutzen können und nicht alleine besitzen<br />

müssen?<br />

6<br />

7


Öffentlichkeit<br />

geselligkeit<br />

Spontanität<br />

Die Idee der «Movable Chairs» wurde erstmals<br />

im Jahr 1979 von dem amerikanischen<br />

Soziologen William H. Whyte im «Street Life<br />

Project» formuliert. Sie beruht auf der Beobachtung,<br />

dass Menschen in öffentlichen<br />

Räumen an Stelle der meistens fest verankerten<br />

Sitzgelegenheiten bewegliche Stühle<br />

bevorzugen. In einigen Großstadtparks, beispielsweise<br />

in Paris und New York, sind seither<br />

und bis heute Movable Chairs im Einsatz.<br />

Das Konzept erscheint passend zum Thema<br />

der gemeinsam benutzten Objekte, und wird<br />

als mögliches Entwurfsprojekt angedacht.<br />

«Movable Chairs» werden spontan und kurzfristig<br />

benutzt und müssen daher problemlos<br />

zugänglich sein. Eine unverwechselbare<br />

Gestaltung soll für einen hohen Wiedererkennungswert<br />

sorgen, und damit die Hemmschwelle<br />

für Diebstahl und Vandalismu erhöhen.<br />

Nachteilig an der Idee, einen neuen «Movable<br />

Chair» zu entwerfen ist die starke Eingrenzung<br />

des Themas auf ein einziges Produkt.<br />

So wird die Idee wieder verworfen.<br />

8<br />

9


mehrWert<br />

Gemeinschaft<br />

zusammenarbeit<br />

Was für jeden einzelnen als Eigentum unerreichbar<br />

wäre, könnte als Leih- oder <strong>Teil</strong>objekt<br />

plötzlich für alle zugänglich werden. Dabei<br />

soll der Aspekt des geteilten Eigentums<br />

nicht versteckt werden, sondern offen nach<br />

außen getragen werden: Jeder einzelne Nutzer<br />

soll sichtbar in das Objekt eingeschrieben<br />

werden, die Gemeinschaft der Nutzer<br />

wird somit <strong>Teil</strong> des Objekts. So sollen die<br />

Objekte gerade dadurch, dass sie buchstäblich<br />

durch viele Hände gehen, einzigartig,<br />

wertvoll und attraktiv werden.<br />

10<br />

11


Kreislaufsystem<br />

mehrfache benutzung<br />

Nutzwert<br />

Eine einfaches, universelles Kistenmodul<br />

soll als Leihobjekt viefältg zur Anwendung<br />

kommen: Als Transportkiste, Regalelement,<br />

Hocker, Lagertruhe, ... Das Objekt soll robust<br />

und beständig sein und dabei trotzdem<br />

so elegant, dass es sich auch in den Wohnraum<br />

integrieren lässt. Verschiedene Farben<br />

sollen dem Objekt einen spielerischen Charakter<br />

geben.<br />

12<br />

13


14<br />

15


Mobilität<br />

Flexible anpassung an<br />

temporären bedarf<br />

Geliehene Objekte sind nur temporär anwesend,<br />

zirkulieren zwischen Nutzern und Orten<br />

und sind dem Wesen nach in Bewegung.<br />

Die Idee ist, ein Möbelprojekt zu entwickeln,<br />

welches diese Eigenschaften aufgreift. Die<br />

Transportgeschichte und die Mobilität des<br />

Möbels soll dabei das Hauptmotiv darstellen.<br />

Die Objekte sollen für Transport, Versand<br />

sowie mehrfaches Auf- und Abbauen<br />

optimiert sein, flexibel einsetzbar sein und<br />

Leichtigkeit ausstrahlen.<br />

16<br />

17


18<br />

19


Schritt zurück zur<br />

Essenz der motive<br />

Nach einer ersten Phase der Ideensammlung<br />

wird eine erneute Zäsur im Prozess vollzogen.<br />

Die ersten Entwurfsideen erweisen sich<br />

insgesamt als zu konkret, zu sehr auf den<br />

Entwurf eines einzelnen Objekts konzentriert,<br />

sodass eine allgemeinere Rückführung<br />

auf das Thema der Kollaborativen Ökonomien<br />

schwierig scheint.<br />

Das Ziel des Entwurfsprojekts, das umfangreiche<br />

Thema der <strong>Tausch</strong>- <strong>Teil</strong> und Leihwirt-<br />

Kreislaufsystem<br />

mehrfache benutzung<br />

praktischer Nutzwert<br />

statt eigentumswert<br />

mehrWert<br />

Gemeinschaft<br />

zusammenarbeit<br />

ObjektE für<br />

kollaborative ökonomien<br />

schaft aus gestalterischer Sicht zu beleuchten<br />

und dabei eine Sprache zu entwickeln,<br />

die einen allgemeineren Charakter hat, muss<br />

also erneut ins Auge gefasst werden.<br />

Um zu einer universelleren, abstrakteren<br />

Umsetzung des Themas zu gelangen, wird<br />

die Essenz der konzeptionellen Ansätze - sowohl<br />

aus der Theorie als auch aus den ersten<br />

Entwurfsideen - zusammengetragen:<br />

Mobilität<br />

Flexible anpassung an<br />

temporären bedarf<br />

Vielfalt<br />

Individualität<br />

der nutzer<br />

Der Bereich des Wohnumfelds scheint zunächst<br />

eine ungewöhnliche Wahl. Aber gerade<br />

weil Möbeln nicht als klassische Leihprodukte<br />

erscheinen - Transportmittel, Werkzeug, Gartengeräte,<br />

Kinderkleidung etc - ist das Gedankenspiel<br />

spannend.<br />

Möbel strukturieren in ganz essenzieller Weise<br />

unser Umfeld und unser tägliches Leben.<br />

Auch wenn man seine vier Wände nur mit dem<br />

Nötigsten ausstattet: Ein Mindestmaß an Objekten<br />

brauchet jeder, um sein tägliches Leben<br />

zu strukturieren. Selbst wenn es nur dieses<br />

Mindestmaß ist - Möbel sind im Normalfall<br />

sperrig und kostspielig in der Anschaffung.<br />

Sie belasten und schränken sowohl die Mobilität<br />

als auch die Flexibilität ihres Eigentümers<br />

ein. Gerade in der heutigen Zeit möchten oder<br />

müssen allerdings mehr und mehr Menschen<br />

flexibler und ungebundener sein, sei es aus<br />

privaten oder beruflichen Gründen. Nicht nur<br />

häufige Umzüge, auch der Wandel persönlicher<br />

Lebensumstände kann dazu führen, dass der<br />

herkömmliche Besitz einer umfangreichen Heimausstattung<br />

zur sperrigen Belastung wird.<br />

Welche Alternativen bieten sich dem flexiblen<br />

Stadtnomaden der heutigen Zeit? Demjenigen,<br />

der sich nicht mit der enormen Materialmenge<br />

einer Wohnausstattung belasten möchte, sich<br />

nicht für alle Zeiten an bestimmte Objekte binden<br />

möchte?<br />

Wohnausstattung<br />

und möbel<br />

Billige Discountmöbel verleiten zu einer gängigen<br />

<strong>Praxis</strong>: Temporärer, kurzfristiger Bedarf<br />

passt zu kurzlebigen Objekten. Bei jedem<br />

Umzug Neues zu kaufen, um es aufgrund der<br />

mangelnden Qualität von Material und Gestaltung<br />

beim nächsten Mal wieder entsorgen zu<br />

müssen, ist mindestens ökologisch fraglich.<br />

Eine weitere Alternative sind Vintagemöbel<br />

und Flohmarktausstattung. Diese Alternative<br />

erfreut sich großer Beliebtheit. Second Hand<br />

<strong>Teil</strong>e sind im Trend und ein Muss in jeder zeitgemäßen<br />

Ausstattung, sie verleihen einem liebevoll<br />

gestalteten Interior Zeitlosigkeit, Emotionalität<br />

und Individualität. Alte Möbel müssen<br />

allerdings aufwändig gesucht, transportiert<br />

und aufgearbeitet werden. Was für viele Liebhaber<br />

und Sammler ein Vergnügen ist, ist für<br />

andere lästig und unangenehm.<br />

An dieser Stelle, an der Stelle einer dritten<br />

Alternative, soll nun das Projekt einsetzen:<br />

<strong>Tausch</strong>en, <strong>Teil</strong>en oder Leihen scheint eine<br />

zeitgemäßere und leichtere Alternative zum beschwerlichen<br />

und belastenden Eigentum. Das<br />

Ergebnis sollen Möbel sein, die dezidiert für<br />

alternative Wirtschaftsformen gestaltet sind,<br />

darauf aufmerksam machen und dafür werben.<br />

Inspirationen für die zentralen Aspekte des<br />

Konzepts werden auf den folgenden Seiten gezeigt.<br />

20<br />

21


Mobilität<br />

Flexible anpassung an<br />

temporären bedarf<br />

Die Idee des mobilen und flexiblen Lebens wurde<br />

in der Gestaltung sowie in der Architektur<br />

schon mehrfach aufgeriffen und auf verschiedene<br />

Weise bearbeitet.<br />

Rechts: Richard Buckminster<br />

Fuller «Wichita<br />

House», 1944<br />

Rechts: Eduard Böthlingk «Markies», 1986-<br />

1995. Wohnwagen mit ausklappbaren Räumen<br />

Unten: OPENOffice/cOPENhagenOffice:<br />

«NhEW-PAD», 2000<br />

Links: Richard<br />

Buckminster Fuller<br />

«Mechanical Wing»<br />

Eine mobile Versorgungseinheit<br />

mit Bad, Küche und<br />

Generator (1943)<br />

22<br />

23


Modulare konstruktion<br />

systemgedanke<br />

Oben: 36 Thonet No.14 Stühle in1m³<br />

praktischer Nutzwert<br />

statt eigentumswert<br />

Individualität der nutzer<br />

Die Möbelentwürfe von Ferdinand Kramer<br />

antworten auf allgemeine, universelle Bedürfnisse.<br />

Durch einfach gestaltete, in kleinem<br />

Rahmen produzierte und funktional nützliche<br />

Objekte sieht Kramer das Wohlbefinden aller<br />

gesteigert.<br />

Dass seine Entwürfe durchweg in Grautönen<br />

oder gedeckten Farben gehalten sind, erscheint<br />

aus heutiger Sicht streng und nüchtern.<br />

Dies mag der Grund sein, warum die Objekte<br />

in aktuellen Neuauflagen in einer großen<br />

Farbvielfalt angeboten werden. Mit dieser Farbvielfalt<br />

wird versucht, der Individualität der<br />

Nutzer Rechnung zu tragen.<br />

Oben: Konrad Wachsmann, Hangar, 1945<br />

Rechts: Fritz Haller; Raster für das Möbelsystem<br />

USM Haller<br />

24<br />

25


praktischer<br />

Nutzwert statt<br />

eigentumswert<br />

flexible anpassung<br />

an temporäre<br />

bedürfnisse<br />

Statt spezifischer Einzelprodukte zeigt diese<br />

Skizze eine universelle Grundstruktur, in der<br />

verschiedene Nutzungsmöglichkeiten stecken.<br />

Ganz reduziert auf ihre Funktionalität<br />

und ihren Nutzwert, passt diese Struktur zum<br />

pragmatischen Gedanken des kollaborativen<br />

Konsums: Hier geht es vor allem um den Zugang<br />

zum praktischen Nutzen von Dingen,<br />

weniger um das Eigentum einer Vielzahl von<br />

Dingen, die ihren Zweck als Konsumgüter<br />

ohnehin nur für kurze Zeit erfüllen.<br />

26<br />

27


Vielfalt<br />

Individualität der<br />

nutzer<br />

Aus einer rein funktionalen, auf den Nutzwert<br />

reduzierten Struktur entstehen durch den<br />

Einsatz verschiedener Farben und Materialitäten<br />

individuelle Objekte. In dieser Skizze<br />

entsteht die Idee der vielfältigen Farben<br />

oder Materialitäten, aus denen die funktionale<br />

Struktur zusammengesetzt sein soll.<br />

28<br />

29


Modulare konstruktion<br />

systemgedanke<br />

mobilität<br />

leichtigkeit<br />

Die Frage nach dem Aufbau, der Konstruktion<br />

der Struktur stellt sich unmittelbar. Das<br />

Ziel ist eine hohe Mobilität und ein geringes<br />

Transportvolumen, also muss das System in<br />

Einzelteile zerlegbar sein.<br />

Zunächst wird ein System aus Rohren und<br />

Eckverbindern ins Auge gefasst. Hier gibt<br />

es schon eine große Anzahl gebräuchlicher<br />

Umsetzungen, vom System USM Haller über<br />

Ladenbau und Gerüstbau bis hin zu hochkomplexen<br />

Leichtbauprinzipien. Insgesamt<br />

erscheinen die vorgefundenen Lösungen<br />

technisch zu komplex, außerdem sind sie<br />

meist schon mit einer gewissen Anwendung<br />

assoziiert. Also soll eine neue konstruktive<br />

Idee für das System entwickelt werden.<br />

30<br />

31


Statt wie zuvor Rohre und Eckverbinder zu<br />

trennen, verschmelzen die Elemente in diesem<br />

Entwurf zu einem Eckteil, welches Verbinder<br />

und Rohr in einem ist. Diese Eckteile<br />

werden stumpf aneinandergesetzt und bilden<br />

so dreidimesionale, geschlossene Objekte.<br />

Die eigentliche Verbindung soll unsichtbar<br />

sein. Die Eckeile also solche sind aus Stahl<br />

Vierkantrohr gedacht, welches an den Knotenpunkten<br />

verschweißt ist.<br />

32<br />

33


34<br />

35


aster<br />

und dimensionen<br />

höhenmaß e<br />

in mm<br />

2320<br />

2080<br />

Regalhöhe<br />

1620<br />

220<br />

1820<br />

1400<br />

1160<br />

Aus den Dimensionen der einzelnen Eckteile<br />

ergibt sich ein unendlich erweiterbares geometrisches<br />

Raster. Um die richtigen Maße zu<br />

ermitteln, sodass möglichst viele funktionierende<br />

Möbelstücke aus dem Raster gebaut<br />

werden können, werden die Modulgrößen zunächst<br />

an den Höhenmaßen orientiert:<br />

240<br />

Stehtischhöhe<br />

Tischhöhe<br />

Sitzhöhe bzw<br />

Beistelltischhöhe<br />

940<br />

700<br />

480<br />

Kleinstes<br />

Modul<br />

Beim kleinsten Modul soll eine Sitzhöhe zwischen<br />

420 und 500mm erreicht werden. Außerdem<br />

soll eine Tischhöhe zwischen 700<br />

und 750 mm enthalten sein. Längen- und<br />

Tiefenmaße folgen derselben Maßreihe, da<br />

die Eckteile zu allen Seiten hin gleich dimensioniert<br />

sind.<br />

460<br />

480<br />

700<br />

940<br />

1160<br />

1820<br />

1400<br />

2080<br />

1620<br />

Längen -/ Tiefenmaß e<br />

in mm<br />

2320<br />

Nach vielem Ausprobieren erweist sich eine<br />

Modulgröße von 240 mm mit einem 20x20mm<br />

Vierkantrohr als der optimale Kompromiss..<br />

Mit diesen Maßen werden die entscheidenden<br />

Dimensionen für Beistelltisch, Sitzgelegenheit,<br />

Arbeitstisch, Stehtisch und Regal<br />

gut erfüllt. Zudem ergeben sich harmonische<br />

Proportionen.<br />

36<br />

37


Kreislaufsystem Aus Einzelteilen<br />

Gemeinsam genutzter Fundus<br />

an materiellen objekten<br />

Ein Rohrstück bildet das einfachste <strong>Teil</strong> des<br />

Systems, für jedes weitere <strong>Teil</strong> fügt sich in<br />

den verschiedenen Dimensionen des Raumes<br />

ein Rohr im 90° Winkel an. So bilden<br />

sich bis zu neun verschiedene Grundelemente.<br />

Zusammengesetzt bilden die Eckteile<br />

geschlossene dreidimensionale Objekte:<br />

die Rahmen für veschiedene Möbelstücke.<br />

Sobald eine Platte hinzukommt, erlangt das<br />

Möbel seine volle Funktionalität. Die Idee,<br />

sowohl Eckteile als auch Platten in verschiedenen<br />

Farben bzw. Materialien anzubieten,<br />

und diese auch im einzelnen Objekt miteinander<br />

zu kombinieren, verleiht dem System<br />

etwas Spielerisches und Charakteristisches.<br />

Trotz der einfachen Grundstruktur haben die<br />

Objekte durch die teils farbig hervorgehobenen<br />

Eckteile einen hohen Wiedererkennungswert.<br />

Die Idee wird in ersten Renderings überprüft.<br />

Daraufhin werden Papiermodelle einiger<br />

Objelte erstellt, um einen Eindruck der<br />

Wirkung im realen Raum zu bekommen.<br />

38<br />

39


40<br />

41


In Pappmodellen werden Wirkung und Proportionen<br />

im realen Raum getestet. Pappmodelle<br />

des Hockers, des Arbeitstisches und<br />

des Stehtisches werden angefertigt, dabei<br />

werden erneut unterschiedliche Dimensionen<br />

der Module erprobt. Die Dimensionen,<br />

die die Rasterberechnungen ergeben haben,<br />

erweisen sich auch in der Realität als praktikabel.<br />

Die Objekte wirken in ihren Proportion<br />

harmonisch zueinander.<br />

Auch die Wirkung der farbig hervorgehobenen<br />

Ecke ist überzeugend: Sie verleiht dem<br />

Objekt auf subtile Weise einen sehr interessanten,<br />

markanten und unkonventionellen<br />

Charakter.<br />

42<br />

43


technische ausarbeitung:<br />

verbindung<br />

Die Verbindung, mit der die Eckteile zusammengefügt<br />

werden, muss vielfältige Anforderungen<br />

erfüllen: Sie muss problemlos und<br />

einfach lösbar sein, darf weder verschleißen<br />

noch falsch montiert werden können. Sie<br />

muss die beiden Rohrenden zugfest sowie<br />

längs und quer spielfrei verbinden. Außerdem<br />

muss sie die minimalen Ungenauigkeiten<br />

der Rohre sowie der verschweißten Eckteile<br />

tolerieren. Nicht zuletzt soll sie praktisch<br />

unsichtbar sein. Eine einfache Steckverbindung<br />

aus Kunststoff wird bald ausgeschlossen:<br />

Passen die <strong>Teil</strong>e zu genau, würden sie<br />

bei der Montage verkanten, ist das Spiel zu<br />

groß, würden die Objekte wackeln.<br />

Ein Verbinder, der im Rohr innenliegt und<br />

dort mit Hilfe einer Madenschraube diagonal<br />

gegen die Innenwände gepresst wird,<br />

ist schließlich die erste vielversprechende<br />

Idee. Erste Funktionsmodelle mit Winkelstahl<br />

zeigen, dass die Verbindung sehr stabil<br />

ist. Zudem wirkt die Bohrung diagonal in die<br />

Kante im Modell überraschend dezent und<br />

ungewöhnlich. Der «Punkt», den die Madenschraube<br />

bildet, sitzt nicht störend in der<br />

Fläche, sondern wird optisch von der Kante<br />

des Rohrs gehalten und aufgegriffen.<br />

44<br />

45


Gewindestift<br />

M5 spitz<br />

vormontiert<br />

Gewindestift<br />

anziehen<br />

Flowdrill<br />

Gewinde<br />

Verbinder<br />

Erhöhung<br />

> Verbinder schlägt an<br />

Gewindestift an und<br />

kann nicht zu tief ins<br />

Rohr fallen<br />

Verbindung<br />

Mulde<br />

> Formschluss<br />

> Spalt wird minimiert<br />

Lose<br />

fixiert<br />

Der Verbinder ist entweder ein seperates<br />

Kunststoff Spritzgussteil oder ein Metall<br />

Druckgussteil. Er wird im losen Zustand<br />

eingeschoben. Die im Rohr vormontierten<br />

Gewindestifte sind gerade so weit ausgedreht,<br />

dass der Verbinder Platz hat. Sobald<br />

alle <strong>Teil</strong>e in Position sind, kann der Gewin-<br />

40<br />

destift von außen mit einem Innensechskant<br />

Schlüssel mit wenigen Umdrehungen festgezogen<br />

werden. der Gewindestift greift in<br />

eine kleine Mulde im Verbinder, so entsteht<br />

eine formschlüssige und zugfeste Fixierung<br />

beider <strong>Teil</strong>e am Verbinder. Außerdem werden<br />

die <strong>Teil</strong>e so zueinander gezogen.<br />

Das Gewinde wird im Fließbohrverfahren,<br />

beispielsweise mit Werkzeugen der Firma<br />

Flowdrill, eingebracht. Dabei wird das Material<br />

des Rohres beim Bohren nicht zerspant,<br />

sondern nach innen gedrückt. Der Überstand<br />

nach innen bietet nun genug Material, um<br />

das Gewinde hinein zu schneiden.<br />

Leider steht das Flowdrill Verfahren in den<br />

Werkstätten der Akademie nicht zur Verfügung.<br />

Gespräche mit einem Anwendungstechniker<br />

der Firma ergeben, dass die Fließbohrung<br />

diagonal in die Kante problemlos<br />

möglich sein müsste - Fotos von einem Test,<br />

den die Firma selbst gemacht hat, rechts.<br />

80<br />

Topansicht<br />

Fixiert<br />

S CHNITT<br />

46<br />

47


prototypenbau<br />

48<br />

49


Da die Werkzeuge für das Flowdrill Verfahren<br />

an der Akademie leider nicht zur Verfügung<br />

stehen, wird das Gewinde im Modellbau<br />

ersatzweise mit einem innenliegenden<br />

Quergewindebolzen eingebracht.<br />

Die Montage des ersten Prototypen funktioniert<br />

gut, auch der Verbinder - mit abgelängtem<br />

Winkelstahl simuliert - hält sehr<br />

gut.<br />

50<br />

51


Nachdem sowohl die Wirkung der Verbindung<br />

als auch deren Stabilität überprüft wurde,<br />

kann mit der Planung des Endmodellbaus<br />

begonnen werden.<br />

52<br />

53


Katalog auswahl<br />

Um die Variabilität des Systems zu zeigen,<br />

soll im Endmodellbau eine große Anzahl der<br />

Eckteile entstehen. Für die Präsentation sollen<br />

möglichst viele Möbelobjekte aufgebaut<br />

werden können. Ein Katalog mit vielen möglichen<br />

Objekten wird am Computer simuliert,<br />

aus diesem Bild wird dann eine erste Auswahl<br />

an Objekten getroffen. Wichtig war,<br />

dass grob aus jedem Anwendungsbereich<br />

ein Objekt gezeigt werden.<br />

54<br />

55


ÜBERSICHT<br />

<strong>Teil</strong>e A | B | C | D | E<br />

Technische Zeichnung<br />

240<br />

240<br />

220<br />

240<br />

240<br />

240<br />

240<br />

460<br />

460<br />

240<br />

240<br />

A<br />

B<br />

C<br />

30 Stück 24 Stück 3640 Stück<br />

D<br />

6 Stück<br />

E<br />

14 Stück<br />

TEIL A<br />

240<br />

240<br />

240<br />

240<br />

B<br />

Stück<br />

240<br />

240<br />

C<br />

40 Stück<br />

240<br />

240<br />

C<br />

240<br />

40 Stück<br />

20<br />

240<br />

D<br />

Schnitt<br />

460<br />

20<br />

220<br />

240<br />

20<br />

240<br />

6 Stück 20 14 Stück<br />

D<br />

6 Stück<br />

20<br />

460<br />

E<br />

240<br />

460<br />

460<br />

ISABEL THOMA | DIPLOM PROJEKT<br />

E INDUSTRIAL DESIGN | ADBK STUTTGART<br />

thoma.isabel@googlemail.com | tel 0178 1480777<br />

14 Stück<br />

Übersicht<br />

<strong>Teil</strong>e A | B | C | D | E<br />

Material: Stahlrohr 20x20x2mm,<br />

pulverbeschichtet / verkupfert<br />

Maßangaben in mm<br />

ohne Maßstab<br />

Stand: 28/05/2013<br />

Vorläufige Version<br />

5<br />

20<br />

Übersicht<br />

<strong>Teil</strong>e A | B | C | D | E<br />

20<br />

Übersicht<br />

Material: Stahlrohr 20x20x2mm,<br />

<strong>Teil</strong>e A | B | C | D | E<br />

pulverbeschichtet / verkupfert<br />

Schnitt<br />

Maßangaben in mm<br />

ohne Maßstab<br />

ISABEL THOMA | DIPLOM PROJEKT<br />

INDUSTRIAL DESIGN | ADBK STUTTGART Stand: 28/05/2013<br />

thoma.isabel@googlemail.com | tel 0178 1480777 Vorläufige Version<br />

ISABEL THOMA | DIPLOM PROJEKT<br />

INDUSTRIAL DESIGN | ADBK STUTTGART<br />

thoma.isabel@googlemail.com | tel 0178 1480777<br />

Material: Stahlrohr 20x20x2mm,<br />

pulverbeschichtet / verkupfert<br />

Maßangaben in mm<br />

ohne Maßstab<br />

Stand: 28/05/2013<br />

Vorläufige Version<br />

ISABEL THOMA | DIPLOM PROJEKT<br />

INDUSTRIAL DESIGN | ADBK STUTTGART<br />

thoma.isabel@googlemail.com | tel 0178 1480777<br />

<strong>Teil</strong> A<br />

Anzahl: 30 Stück<br />

Material: Stahlrohr 20x20x2mm,<br />

pulverbeschichtet / verkupfert<br />

Maßangaben in mm<br />

Maßstab 1:5<br />

Stand: 28/05/2013<br />

Vorläufige Version<br />

56<br />

57


MODELLBAU<br />

Zunächst werden die 2m langen Stahlrohre<br />

in drei verschiedenen Längen abgelängt. Die<br />

<strong>Teil</strong>e werden sortiert abgelegt, um bei der<br />

großen Anzahl nicht den Überblich zu verlieren.<br />

Für die Bohrung, duch die später der<br />

Gewindestift läuft, werden die Stücke in ein<br />

Prisma eingelegt.<br />

58<br />

59


60<br />

61


MODELLBAU<br />

Mit Hilfe einer Winkelspannzange werden<br />

die <strong>Teil</strong>e schrittweise im Winkel verschweißt.<br />

Die Außennähte werden selbst an der Akademie<br />

mit dem Schutzgasgerät geschweißt -<br />

dies geht zwar sehr schnell, wird aber nicht<br />

besonders schön. Die Außennähte müssen<br />

aber später ohnehin verschliffen werden.<br />

Die Kehlnähte, an denen keine Nacharbeit<br />

stattfinden kann, werden in der Schlosserei<br />

Metallbau Rupprecht in Filderstadt von einer<br />

Fachfrau präzise und schön im WIG Verfahren<br />

vollendet.<br />

62<br />

63


64<br />

65


Farben und Materialien I<br />

Erbstücke mit geschichte<br />

wertvolle antiquitäten<br />

Farben und Materialien II<br />

Beständigkeit<br />

Unverwüstliche Objekte<br />

Holz Leder Messing / Bronze / Kupfer<br />

Metall Pulverbeschichtet<br />

Das funktionale, geometrische System aus<br />

Eckteilen und Platten soll durch den Einsatz<br />

verschiedener Farben und Materialien lebendig<br />

und indiviualisierbar werden. Die <strong>Teil</strong>e<br />

des Systems sollen eine möglichst lange<br />

Lebensdauer haben. Sie sollen so lange wie<br />

möglich im Kreislauf der Nutzung bleiben,<br />

dabei werden sie durch viele Hände gehen<br />

und vielerorts zum Einsatz kommen.<br />

Um diesem Aspekt gerecht zu werden, sollen<br />

die Farben und Materialien so gewählt werden,<br />

dass sie in Würde altern.<br />

Für die Auswahl der Farben und Materialien<br />

greife ich auf eine Bilderrecherche zum<br />

Thema «gebrauchte, mehrfach verwendete<br />

Objekte» zurück. Diese Recherche zeigt<br />

zwei verschiedene Themenbereiche: den der<br />

Erbstücke und Antiquitäten, sowie den der<br />

beständigen, unverwüstlichen Gebrauchsobjekte.<br />

Aus diesen beiden Bereichen werden<br />

mögliche Materialien und Farben, die für<br />

Eckteile und Platten in Frage kommen, herausgegenommen.<br />

66<br />

67


1<br />

2<br />

3<br />

3<br />

4<br />

2<br />

1<br />

5<br />

Materialauswahl<br />

Gestellteile<br />

Materialauswahl<br />

Platten<br />

1 <strong>–</strong> Stahlrohr Pulverbeschichtet in<br />

RAL 5007 Brilliantblau, Feinstruktur Matt<br />

2 <strong>–</strong> Stahlrohr Pulverbeschichtet in<br />

RAL 7021 Schwarzgrau, Feinstruktur Matt<br />

3 <strong>–</strong> Messingrohr oder Stahlrohr Vermessingt<br />

1 <strong>–</strong> MDF Schwarz<br />

2 <strong>–</strong> Multiplex Birke<br />

3 <strong>–</strong> Messingblech<br />

4 <strong>–</strong> Leder Schwarz<br />

5 <strong>–</strong> Blech Pulverbeschichtet in RAL 5007<br />

Brilliantblau Feinstruktur Matt<br />

68<br />

69


70<br />

71


Konzept Fundus<br />

Zentrales Motiv des Entwurfs ist der Gedanke<br />

eines gemeinsam genutzten Fundus aus<br />

<strong>Teil</strong>en. Dieser Fundus ist der Knotenpunkt<br />

eines geschlossenes Kreislaufsystems, in<br />

dem die Materie der <strong>Teil</strong>e permanent zirkuliert:<br />

Bei Bedarf hat jeder Nutzer Zugriff auf<br />

den Fundus und nimmt sich die <strong>Teil</strong>e heraus,<br />

die er für seine Objekte benötigt. Eckteile<br />

und Platten werden so zu funktionalen Objekten,<br />

die in ihren Dimenionen und Funktionen<br />

je nach Bedarf zusammengestellt werden<br />

können.<br />

Die Anpassbarkeit des Systems an funktionale<br />

Anforderungen ist nur der erste Schritt:<br />

Durch die Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten<br />

verschiedener Farben und Materialien<br />

ist auch der Charakter der Objekte wandelbar.<br />

Je nachdem, welche in welchen Materialien<br />

und Farben Eckteile und Platten zusammengebracht<br />

werden, ergibt sich eine sehr<br />

spezifische Wirkung des Objekts. Diese Vielfalt<br />

findet ihre Entsprechung in der heterogenen<br />

Gruppe der Nutzer, ihren unterschiedlichen<br />

Persönlichkeiten und Geschmäckern,<br />

sowie im immer wieder neuen Kontext und<br />

Umfeld, in dem die <strong>Teil</strong>e zum Einsatz kommen.<br />

Ob dieser Vorgang des <strong>Tausch</strong>ens und<br />

Mischens absichtlich oder zufällig abläuft,<br />

soll offen bleiben.<br />

Sobald die Objekte nicht mehr gebraucht<br />

werden, wird der Verbund aufgelöst und die<br />

<strong>Teil</strong>e werden wieder in den Fundus zurückgeführt.<br />

Dort warten sie auf einen neuen Nutzer,<br />

einen neuen Einsatz an anderer Stelle.<br />

Auf ihrer ständigen Reise von einem Nutzer<br />

zun nächsten finden die Einzelteile in immer<br />

wieder in neuen funktionalen Einheiten und<br />

Farbkonstellationen zusammen.<br />

72<br />

73


2. Redistribution<br />

Zugang: Leihen, tauschen, teilen...?<br />

Hier findet ein direkter Austausch der <strong>Teil</strong>e<br />

zwischen den Nutzern statt. Das Weitergeben<br />

der <strong>Teil</strong>e an den nächsten Nutzer kann<br />

entweder endgültig erfolgen (Weiterver-<br />

kauf), oder temporär (Ausleihen von Privat<br />

an Privat). Die jeweilige Gegenleitung kann<br />

Geld oder eine alternative Leistung sein, zum<br />

Beispiel der <strong>Tausch</strong> gegen andersfarbige <strong>Teil</strong>e.<br />

Auf welche Art und Weise ist der Zugang der<br />

Nutzer zum Fundus der <strong>Teil</strong>e denkbar? Hier<br />

sind verschiedene Modelle vorstellbar. Zusätzlich<br />

zur großen Bandbreite der verschiedenen<br />

bewährten Leih-, <strong>Teil</strong>- und <strong>Tausch</strong>modelle<br />

entwickeln sich aktuell ständig neue<br />

Plattformen und experimentelle Projekte.<br />

Drei Zugangarten sollen hier kurz beschrieben<br />

werden. Die verschiedenen Optionen<br />

auf ihre wirtschaftliche Machbarkeit hin zu<br />

prüfen und entsprechende Plattformen und<br />

Geschäftsmodelle zu entwickeln wäre ein<br />

nächster Schritt, der über das eigentliche<br />

Entwurfsprojekt hinausgehen würde. Aus<br />

diesem Grund soll die Art des Zugangs letztendlich<br />

nicht festgelegt, sondern offengehalten<br />

werden.<br />

1. kollaborativer lebensstil<br />

Gemeinschaftliches eigentum<br />

Diese Zugangsart entspricht am deutlichsten<br />

den neuen Entwicklungen, die die Recherche<br />

zu Tage gebracht hat: Verleih und Austausch<br />

sind keine kommerziellen Vorgänge,<br />

bei denen finanzieller Gewinn erwirtschaftet<br />

wird. Statt einer Firma liegt das Eigentum<br />

der <strong>Teil</strong>e bei einer Community und wird gemeinschaftlich<br />

verwaltet. Im optimalen Fall<br />

geschieht der Austausch an einem realen<br />

Treffpunkt, wo der Fundus der <strong>Teil</strong>e bereitsteht<br />

und die Mitgleider der Gemeinschaft<br />

zusammen kommen. Dort findet nicht nur ein<br />

Austausch der <strong>Teil</strong>e, sondern auch ein persönlicher<br />

Austausch statt. So wie auch die<br />

<strong>Teil</strong>e zu einem Verbund zusammengefügt<br />

werden, bewirkt deren geteilte Nutzung und<br />

ihr Austausch, dass persönliche Verbindungen<br />

geschaffen und verstärkt werden.<br />

Ein klassisches Leih- oder Leasingmodell:<br />

Eigentümer der <strong>Teil</strong>e ist eine Firma. Diese<br />

stellt die <strong>Teil</strong>e den Nutzern gegen eine Leihgebühr<br />

temporär zur Verfügung. Denkbar ist<br />

auch ein Leasingmodell, bei dem die <strong>Teil</strong>e<br />

nach einer gewissen Zeit ins Eigentum der<br />

3. Produkt-service-system<br />

Nutzer übergehen können. Eine weitere Möglichkeit<br />

ist ein reines Servicemodell, bei dem<br />

die <strong>Teil</strong>e zwar käuflich erworben werden, die<br />

Firma aber eine lebenslange Servicegarantie<br />

dafür anbietet - inklusive Upgrade, Wartung<br />

und Rücknahme.<br />

74<br />

75


76<br />

77


78<br />

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Die Einzelteile können in unendlich vielen<br />

verschiedenen funktionalen Einheiten zusammengefügt<br />

werden. Für jede dieser Einheiten<br />

kann durch einen Austausch der Farben<br />

und Materialien eine erneute Bandbreite<br />

geschaffen werden.<br />

Diese Vielfalt findet ihre Entsprechung in<br />

der heterogenen Gruppe der Nutzer, ihren<br />

unterschiedlichen Persönlichkeiten und Geschmäckern,<br />

sowie im immer wieder neuen<br />

Kontext und Umfeld, in dem die <strong>Teil</strong>e zum<br />

Einsatz kommen.<br />

80<br />

81


ENDMODELL<br />

82<br />

83


ENDMODELL<br />

84<br />

85


variationen<br />

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90<br />

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ENDMODELL<br />

100<br />

101


Danke<br />

Danke<br />

Prof. Uwe Fischer<br />

Prof. Peter Litzlbauer<br />

AM Manuel Messmer<br />

AM Julia Wolf<br />

AM Susanne Hoffmann<br />

Den Werkstattleitern<br />

Jost Schmidt<br />

Edgar Konrad<br />

Hannes Nokel<br />

Armin Hartmann<br />

Norbert Kull<br />

meiner Familie<br />

Konstantin Lannert<br />

Natalie Weinmann<br />

Laura Hillebrandt<br />

Jennifer Hiller<br />

Philip Kottlorz<br />

Sabrina Karl<br />

Sarah Brodbeck<br />

Catrin Steck<br />

Ricarda Kiel<br />

Nico Zupfer<br />

Gerhardt Kellermann<br />

Felix Ensslin<br />

Firma Rupprecht<br />

edelstahltechnik<br />

in Filderstadt<br />

firma Rische<br />

Pulverbeschichtungen<br />

in Eberdingen

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