Abbildung 1 - Institut der deutschen Wirtschaft

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Abbildung 1 - Institut der deutschen Wirtschaft

Studie – Die Bedeutung von Nearsourcing in Bayern

vbw – Dezember 2013

Auswirkungen des Nearsourcings auf die

bayerischen Unternehmen

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Die Beschaffungsaktivitäten in Mittel- und Osteuropa führen bislang eher zu negativen

Beschäftigungseffekten. Gleichwohl gibt die große Mehrheit der Unternehmen (über

90 Prozent) an, dass sich die Beschaffungsaktivitäten gar nicht auf die Beschäftigung

auswirken. Die negativen Wirkungen sind in den lohnkostensensiblen Branchen in der

Industrie stärker ausgeprägt, aber auch in der Industrie als Ganzes im Vergleich zu

den Dienstleistern. Die Beschäftigungsverluste sind zudem in den grenznahen Regionen

ausgeprägter als in den grenzfernen Regionen. Dies hat zwei Gründe: Erstens

sind dort in höherem Maße lohnkostensensible Unternehmen ansässig. Zweitens ist

die Industrie stärker dort vertreten als der Dienstleistungssektor.

Das Phänomen Nearsourcing gilt als ein Beleg dafür, dass „distance matters“ (siehe

Kapitel 1). Damit ist nicht nur die geografische, sondern auch die kulturelle oder administrative

Distanz gemeint. Die Option des Nearsourcings erlaubt es Unternehmen, die

Beschaffung (Produktion oder Einkauf) aus fernen Weltregionen mit großer Distanz in

das nahe Ausland zurück zu verlagern.

Die Option des Nearsourcings wirkt sich nicht nur auf Bayern, sondern auch auf die

globalen Wertschöpfungsketten aus. Steigende Lohnkosten in Fernost, eine weitere

Risikostreuung innerhalb der Wertschöpfungsketten sowie vorhandene Distanzen verschiedener

Art gelten als mögliche Ursachen für die Verlagerung vom Far zum Nearsourcing,

auch Backshoring genannt. Ist vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung

ein erheblicher Wandel in den globalen Wertschöpfungsketten zu erwarten? Tatsächlich

geben über zwölf Prozent der Industrieunternehmen und knapp 17 Prozent der

Dienstleistungsunternehmen an, zumindest teilweise die Produktion von fernen Standorten

ins nahe Mittel- und Osteuropa verlagert zu haben oder dies zu planen. Aus Sicht

der Dienstleister dürften IT-Dienstleistungen dabei eine Rolle spielen, die beispielsweise

von Indien in die baltischen Staaten verlagert werden. Bei den Einkäufen geben

mehr als ein Viertel der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen an, diese von

Fernost nach Mittel- und Osteuropa verlagert zu haben oder dies zu planen. Damit

weist das Backshoring eine gewisse Bedeutung auf. Allerdings bedeutet das Backshoring

nicht, dass es zu einer Rückverlagerung an den heimischen Standort kommt.

Vielmehr wird ein Standort mit günstigeren Lohnstückkosten in Mittel- und Osteuropa

angestrebt.

4.2 Kundenperspektive

Durch die EU-Osterweiterung haben die Kunden der Unternehmen nun die Möglichkeit,

ihre benötigten Waren und Dienstleistungen einfacher direkt im lohnkostengünstigeren

EU-Ausland zu beschaffen. Daher wurden die Unternehmen gefragt, inwieweit sie

selbst oder ihre Konkurrenten in Deutschland von einer Abwanderung von Nachfrage

nach Mittel- und Osteuropa betroffen sind. Es zeigt sich, dass im Wesentlichen die

Industrie betroffen ist. Während von den Industrieunternehmen 8,5 Prozent eine (sehr)

starke Betroffenheit angeben, sind es von den Dienstleistungsunternehmen lediglich

1,2 Prozent. Wird die mittlere Betroffenheit hinzugenommen, sind gut ein Viertel der

Industrieunternehmen und knapp zehn Prozent der Dienstleistungsunternehmen betroffen

(siehe Abbildung 9).

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