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Bundeswehrsoldaten –

Jäger auf Zeit

Viele Bundeswehrsoldaten sind

Jäger, doch sie haben es schwer,

eine jagdliche Heimat zu finden.

Wir haben einen Student der

Bundeswehrhochschule gefragt,

wie schwierig es ist, Jagd und

Dienst unter einen Hut zu bringen.

Zwei bis maximal drei Jahre bleibt

ein Bundeswehrsoldat an seinem

Dienstort, erzählt Arne Haupt, Student

an der Bundeswehrhochschule in

München. Dann geht es woanders hin.

„Es gibt in der Bundeswehr zwar den

Begriff ‚heimatnahe Versetzung‘, doch

unter dem Begriff Heimat versteht die

Bundeswehr die ganze Bundesrepublik.“

Arne Haupt ist Leutnant und hat

gerade seinen Bachelor im Studiengang

Pädagogik an der Bundeswehrhochschule

München abgeschlossen. Jetzt

will er noch den Master dranhängen.

Während der Studienzeit hat er die

Gelegenheit genutzt und seinen Jagdschein

gemacht. „Die Jagd hat mich

eigentlich schon immer interessiert. Ich

habe mit 14 angefangen, Jagdmagazine

zu lesen, hatte aber von der Familie

oder der Verwandtschaft her keinen

Bezug zur Jagd. Als Jugendlicher hatte

ich kein Geld für den Jagdschein, dann

fing ich an zu arbeiten, da hatte ich

zwar Geld aber keine Zeit. An der Uni

hat es dann perfekt gepasst.“

Arne Haupt hat von Anfang an gewusst,

dass die Jagd seine große Leidenschaft

wird. „Das Schöne ist einfach,

dass man draußen in der Natur

ist. Mir ist halt wichtig, ein gutes Ver-

Arne Haupt (r.) ist Bundeswehrsoldat und Jäger. Auch wenn er öfter mal ausfällt,

weil er ins Ausland abkommandiert wird, ist er im Revier von Rainer Braun (l.)

willkommen.

hältnis zur Natur zu haben, ein ehrliches

Verhältnis. Ich bin auch der Meinung,

wenn man Fleisch ist, sollte man

sich dafür interessieren, wo es herkommt.

Und ich finde, die Jagd ist der

ehrlichste Umgang mit der Natur.“

Der Bundeswehrsoldat wusste aber

auch, dass es schwierig werden würde,

irgendwo jagdlich unterzukommen.

„Ich möchte ja auch mitarbeiten,

mich einarbeiten, kann das aber

schlecht, wenn ich bloß zwei oder drei

Jahre irgendwo bin. Das ist natürlich

auch schwer, einen Pächter zu finden,

der sich auf sowas einlässt. Denn immer

dann, wenn alles passt, muss man

schon wieder weg an den nächsten

Standort.“

Für Arne Haupt hat es geklappt. Er

hat einen Begehungsschein im Lehrrevier

des Münchner Jägervereins bekommen.

Revierinhaber Rainer Braun

nimmt von jedem Jagdkurs zwei Jungjäger

für zunächst ein Jahr mit ins Revier.

Im letzten Jahr war es auch Arne

Haupt, obwohl der frisch gebackene

Jungjäger schon nach drei Monaten

für ein halbes Jahr in die USA abkommandiert

wurde. Revierpächter

Rainer Braun ist diese Entscheidung

nicht schwer gefallen, im Gegenteil:

„Arne ist absolut zuverlässig, macht

immer mit, passt super in unser Team

und ist einfach ein netter Kerl. Deshalb

bekam er auch heuer wieder einen

Begehungsschein, auch wenn er aus

beruflichen Gründen nicht immer da

sein kann. Warum soll ich einem guten

Mann keine Chance geben?“ G. Helm

Siehe hierzu auch Interview

mit Bundestagsabgeordneten

Florian Hahn auf S. 13

12 5/2013


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Zeigen wir Wertschätzung!

JiB: Herr Hahn, Sie setzen sich vor allem

für unsere Bundeswehrsoldaten

ein, weil die für unsere Gesellschaft

den Frieden sichern, bei uns hier in

Deutschland und immer öfter auch in

der ganzen Welt. Verdienen unsere

Soldaten nicht deshalb auch eine besondere

Wertschätzung?

Hahn: Das ist absolut richtig, zumal die

deutschen Soldaten besonders im Auslandseinsatz

teilweise Tag für Tag unter

erheblicher Gefahr für Leib und Leben

ihren Dienst tun. Eben dies wurde und

wird mir bei regelmäßigen Besuchen

der Truppe beispielsweise in Afghanistan

immer wieder bewusst. Vor diesem

Hintergrund muss der Einsatz unserer

Streitkräfte meiner Meinung nach auch

besonders honoriert werden.

JiB: Viele Soldaten sind auch Jäger,

sie haben aber oft keine richtige jagdliche

Heimat, weil sie häufig ihren

Einsatzort wechseln müssen. Warum

ist es wichtig, „unsere Jungs“ in der

Bundes wehr aktiv ins Vereinsleben vor

Ort mit einzubinden?

Hahn: Dazu versetzt man sich am besten

einmal in die Lage des Soldaten,

der an einen neuen Standort versetzt

wird. Dieser wird in den meisten Fällen

Anschluss bei örtlichen Vereinen

suchen, und als Jäger auch weiterhin

dieser Passion nachgehen wollen. Entscheidend

ist deshalb eine offenherzige

Haltung gegenüber diesen Personen.

Dadurch wird die Identifikation mit

dem Dienstort gestärkt und in gewisser

Weise auch Wertschätzung für den

Dienst der Soldatinnen und Soldaten

geäußert.

JiB: Wie können die bayerischen Jäger

dazu beitragen, dass sich unsere Bundeswehrler

rundherum wohl fühlen?

Hahn: Aufgeschlossenheit gegenüber

neu zugezogenen Jägern ist hierbei

meiner Ansicht nach ein wichtiger

Florian Hahn, CSU

Bundestagsabgeordneter

Punkt. Unsere bayerischen Jäger sollten

daher versuchen, Soldaten mit Jagdschein

so gut es – in relativ kurzer Zeit

eben – geht, in ihre Jägerkameradschaft

zu integrieren. Auch durch gezieltes Engagement

an Bundeswehrstand orten,

beispielsweise durch Informationsveranstaltungen

und das Angebot von

Jungjägerausbildung wird der Wohlfühlfaktor

von Jagdscheininhabern und

Interessenten am jeweiligen Standort

erheblich gefördert. Interview: G. Helm

DER PRÄSIDENT IM GESPRÄCH MIT...

Alexander Süßmair, Bundestagsabgeordneter (Die Linke)

Bundestagsabgeordneter Alexander

Süß mair ist Sprecher für den ländlichen

Raum sowie Beauftragter für Tierschutz

der Fraktion Die Linke. Im Gespräch mit

BJV-Präsident Prof. Dr. Vocke bezog

Süßmair im „Haus der bayerischen Jäger“

zu zahlreichen jagdpolitischen

Themen Stellung. So müsse etwa die

ethisch motivierte Untersagung der

Jagd auf einzelnen Grundstücken, wie

es das Urteil des Europäischen Gerichtshofes

für Menschenrechte vorsieht, die

Ausnahme bleiben, da sonst das Jagdsystem

in Deutschland grundsätzlich in

Frage gestellt sei. Ein besonderes Problem

des ländlichen

Raums sieht er in

den zunehmenden

landwirtschaftlichen

Großaktiengesellschaften,

die ohne

Rücksicht auf ökologische

Belange

ausschließlich ökonomische

Zielsetzungen

verfolgen.

Hinsichtlich der aktuellen Diskussion um

die bleifreie Büchsenmunition hält er

den Umstieg auf „bleifrei“ für wünschenswert,

empfiehlt aber vor einer

endgültigen Entscheidung, die Ergebnisse

der laufenden Untersuchungen

abzuwarten. Außerdem tritt er für ein

Wolf-Kompetenz zentrum ein.

5/2013

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