Projekt „IMPULS“ 2012/2013 - Jugendberufshilfe Thüringen e.V.

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Projekt „IMPULS“ 2012/2013 - Jugendberufshilfe Thüringen e.V.

Projekt „IMPULS“ 2012/2013

(Interessieren – Motivieren – Produzieren – Umsehen – Lernen – Starten)

zur Ausbildungsvorbereitung benachteiligter Jugendlicher

des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Zusammenarbeit

mit dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie, dem Jugendberufshilfe

Thüringen e. V. und den zuständigen Stellen für die Berufsbildung (Industrie-

und Handelskammern, Handwerkskammern bzw. Thüringer Landesverwaltungsamt

/ Abteilung Landwirtschaft)

1. Ziele

Das Projekt „IMPULS“ zur Ausbildungsvorbereitung benachteiligter Jugendlicher

setzt auf eine stärkere Akzentuierung des Lernortes Betrieb und eine Umwandlung

von vollzeitschulischer in teilzeitschulische Berufsvorbereitung. Es basiert auf der

Nutzung dreier Lernorte – Berufsschule, Maßnahmeträger und Betrieb – und

schließt in Vorbereitung auf eine Berufsausbildung die notwendige Dualität zwischen

Theorie und Praxis ein.

Ziel dieser Maßnahme ist das Erlangen der Ausbildungsreife (respektive Beschäftigungsfähigkeit)

entsprechend des Kriterienkatalogs zur Ausbildungsreife und die

Vorbereitung der Jugendlichen auf den Eintritt in eine Berufsausbildung, um präventiv

soziale und ökonomische Ausgrenzung zu vermeiden.

2. Zielgruppe

Zielgruppe sind Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, die aufgrund ihrer persönlichen

und sozialen Voraussetzungen in einem vollzeitschulischen Berufsvorbereitungsjahr

nicht ausreichend praktisch und sozialpädagogisch gefördert werden können.

2.1 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, die nach mindestens neun Schulbesuchsjahren

mindestens die Klassenstufe 8 der Regelschule oder die Klassenstufe 9

der Förderschule mit Bildungsgang zur Lernförderung erfolgreich beendet haben

(nachfolgend BVJ 1-Klasse bzw. -Schüler genannt).

2.2 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, die nach mindestens neun Schulbesuchsjahren

ein Zeugnis oder einen Abschluss nach Nummer 2.1 nicht besitzen

(nachfolgend BVJ 2-Klasse bzw. -Schüler genannt).

Dabei kann das BVJ-IMPULS entweder als eine BVJ 1-, eine BVJ 2-, oder eine gemischte

Klasse durchgeführt werden. Bei einer Mischung der Organisationsformen

(gemischte Klasse) gilt zu beachten, dass für die einzelnen Schülerinnen und Schüler

die Zuordnung zu Organisationsformen beibehalten und ihnen auch entsprechend

kommuniziert wird. BVJ2-Schülerinnen und Schüler können keinen dem Hauptschulabschluss

gleichwertigen Abschluss erlangen.


Als Kriterien für die Klassenbildung sollen die individuellen Voraussetzungen der

Schülerinnen und Schüler herangezogen werden (z.B. Grad der Berufsorientierung,

Berufsfeldwunsch, Lernvoraussetzungen, Förderbedarfe, kognitive Leistungsfähigkeit

u.a.).

3. Zuständigkeit

Für die Durchführung des Projekts ist die jeweilige staatliche berufsbildende Schule

(nachfolgend Berufsschule) verantwortlich. Sie hat dafür Sorge zu tragen, dass in

enger Kooperation mit einem Maßnahmeträger das Projekt inhaltlich vorbereitet und

umgesetzt wird.

Die Maßnahmeträger werden in Absprache zwischen dem Thüringer Ministerium für

Bildung, Wissenschaft und Kultur, dem Jugendberufshilfe Thüringen e.V. und den

jeweiligen zuständigen Stellen für die Berufsbildung – den Industrie- und Handelskammern,

den Handwerkskammern, dem Thüringer Landesverwaltungsamt / Abteilung

Landwirtschaft – festgelegt, um einen möglichst hohen Erfolg der Maßnahme

zu garantieren. Die zuständigen Stellen für die Berufsbildung unterstützen die Maßnahmeträger

zudem bei der Auswahl der ausbildungsberechtigten Betriebe für das

Hauptpraktikum.

Der Maßnahmeträger legt mit Projektantrag eine, mit der Berufsschule abgestimmte,

sozialpädagogische Konzeption vor, die auf Basis des Kompetenzansatzes, vor allem

die individuelle Förderung der Jugendlichen auf Basis von Förderplänen berücksichtigt.

Grundlagen der Förderplanung bilden u. a. die Sonderpädagogischen Gutachten

einschließlich Informationsbogen zur beruflichen Eingliederung, der Thüringer

Berufswahlpass und der Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife. Aufgrund des überdurchschnittlich

hohen Förder- und Unterstützungsbedarfs der Jugendlichen im Bereich

der Sozialkompetenzen und des Arbeitsverhaltens sowie aufgrund ihrer oft manifestierten

und multiplen Problemlagen muss die Maßnahmekonzeption ebenfalls

einzel- und gruppenpädagogische Angebote zur Förderung des Arbeits- und Sozialverhaltens

der Jugendlichen beinhalten, welche in Abstimmung bzw. in Kooperation

mit der Berufsschule umgesetzt werden.

Des Weiteren erarbeitet der Maßnahmeträger in Abstimmung mit der Berufsschule

einen zeitlich strukturierten Ausbildungs- bzw. Turnusplan.

4. Organisation

a) Allgemeines

Der Standort der Berufsschule und des Maßnahmeträgers sollte möglichst identisch

sein, dies erleichtert nicht nur logistische Fragen der Kooperation, sondern fördert

auch die Eingliederung des Projekts in den Sozialraum und in die vorhandenen Jugendhilfestrukturen.

Die Berufsvorbereitung erfolgt in zwei von den Jugendlichen ausgewählten Berufsfeldern

entsprechend den an der jeweiligen Berufsschule bzw. beim Träger vorhandenen

Möglichkeiten sowie unter Beachtung der jeweiligen Arbeitsmarktgegebenhei-

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ten. Bei der Auswahl der Berufsfelder sind die individuellen Ergebnisse des, im Berufswahlpass

bzw. im Informationsbogen zur beruflichen Eingliederung dokumentierten,

Berufswahlvorbereitungsprozesses zu Grunde zu legen.

Im Projekt sind u.a. folgende Berufsfelder vorgesehen:

- Wirtschaft und Verwaltung

- Metalltechnik

- Elektrotechnik

- Fahrzeugtechnik

- Bautechnik

- Holztechnik

- Farbtechnik und Raumgestaltung

- Ernährung/ Hauswirtschaft

- Agrarwirtschaft

- Gartenbau

- Gesundheit/ Soziales/ Pflege

- Textiltechnik und Bekleidung

- Chemie / Physik / Biologie

- Keramik

- Glastechnik

- Drucktechnik

- Kunststofftechnik

- Körperpflege.

Auf Grundlage des Thüringer Lehrplans für das BVJ sowie in Anlehnung an die allgemein

fachlichen Standards für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur

für Arbeit ist die Vermittlung von PC- und Internetkompetenz als berufsübergreifende

Schlüsselkompetenz im BVJ-Impuls verpflichtend. Die im Rahmen der

Testphase (Impuls 2004/2005) vereinbarten Grundbausteine „Computergrundlagen“,

„Information und Kommunikation“ und „Textverarbeitung und Grafik“ sind Pflichtbausteine.

Die Bausteine „Medienkunde“, „Multimediaanwendungen“ und „Tabellenkalkulation“

können interessierten Jugendlichen ergänzend angeboten werden. Die Vermittlung

der Bausteine umfasst mindestens 30 Stunden. Am Ende des Projekts erhalten

die Jugendlichen einen Nachweis mit Angabe der erlernten Grundbausteine. Die

Verantwortung für die methodische Umsetzung liegt beim Träger.

b) Stundentafel

Ausgehend von der Rahmenstundentafel für das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ 1 und

2) wird in diesem Projekt folgende Stundenverteilung festgelegt:

Fächer / Lernfelder

Wochenstunden

3

Für BVJ 1-Schüler

Für BVJ 2-Schüler

Pflichtfächer

Allgemeiner Unterricht*

Deutsch 3 3

Religionslehre /Ethik 1 1

Mathematik 3 3

Sozialkunde /Verhaltenskunde 2 2

Wirtschaftslehre 2 2

Sport 2 2

Fachtheoretischer Unterricht** 6 6

Fachpraktischer Unterricht*** 16 14

(inklusive Praktikum)

Ergänzungs- und /oder Förderunterricht* 1 3

Pflichtstundenzahl 36


*Allgemeiner Unterricht / Ergänzungs- und Förderunterricht

Die Berufsschule sichert grundsätzlich den allgemeinen Unterricht sowie 1 Wochenstunde

Ergänzungs- und Förderunterricht ab (insgesamt 14 Wochenstunden).

Für BVJ 2-Schüler finden zusätzlich 2 Wochenstunden Ergänzungs- und Förderunterricht

in Verantwortung des Maßnahmeträgers statt.

**Fachtheoretischer Unterricht

Der fachtheoretische Unterricht (6 Wochenstunden) wird in Abstimmung mit dem

Maßnahmeträger an dessen Lernort verlagert.

***Fachpraktischer Unterricht

Der fachpraktische Unterricht (BVJ 1-Schüler: 16 Wochenstunden, BVJ 2-Schüler: 14

Wochenstunden) findet in Form von Unterweisungen und fachpraktischer Ausbildung

beim Maßnahmeträger und in Unternehmen statt. Der Einsatz des Jugendlichen im

Unternehmen (Praktika) wird zwischen Maßnahmeträger und Unternehmen zielgerichtet

abgestimmt.

Dem Hauptpraktikum (höchstens sieben Wochen) ist ein Orientierungspraktikum

(mindestens zwei Wochen) voranzustellen. Das Orientierungspraktikum ist in der

Regel in zwei Berufsfeldern und nach Möglichkeit in zwei verschiedenen Betrieben

zu absolvieren. Im Ergebnis des Orientierungspraktikums wird die Entscheidung für

einen Betrieb getroffen, der nach Einschätzung der Projektpartner (Berufschule,

Maßnahmeträger und zuständige Stellen für die Berufsbildung) das größte Potential

für einen denkbaren Ausbildungsbeginn nach Absolvieren der Maßnahme vorhält.

Der Praktikumsbetrieb des Hauptpraktikums muss ausbildungsberechtigt sein.

Zwischen dem Jugendlichen, dem Praktikumsbetrieb und dem Maßnahmeträger ist

ein Praktikumsvertrag zu unterzeichnen, der Fragen des Praktikumszeitraums, des

Einsatzbereiches und Rechte und Pflichten der Beteiligten eindeutig regelt.

Die vom Jugendlichen während des Praktikums erbrachten Leistungen werden durch

regelmäßige Berichte gegenüber den Maßnahmeverantwortlichen des Trägers festgehalten.

Nach Abschluss der Maßnahme erhalten die Jugendlichen ein Praktikumszeugnis

des Betriebes i. S. eines Arbeitszeugnisses unter Angabe der nachgewiesenen

berufsbezogenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Ebenfalls werden die Praktikaleistungen

im Pflichtfach „fachpraktischer Unterricht“ benotet. Weiterhin wird die (erfolgreiche)

Teilnahme am Praktikum auf dem Zeugnis unter Bemerkungen dokumentiert.

Um die Motivation der Jugendlichen im berufspraktischen und berufstheoretischen

Unterricht zu erhöhen, ist eine handlungsorientierte Verbindung von Theorie und

Praxis zu gewährleisten. In Erweiterung der sogenannten Projektmethode ist die

Herstellung eines oder mehrerer Produkte bzw. die Erledigung berufsfeldtypischer

Aufgaben in Projektarbeit vorgesehen. Die Auswahl der Produkte/ Aufgaben sollte

sich gegebenenfalls am Vorbild industriell gefertigter Erzeugnisse bzw. marktüblicher

Arbeitsaufträge orientieren und unter Beteiligung der Jugendlichen erfolgen. Darüber

hinaus gilt das Kriterium der Machbarkeit in den Werkstätten der Maßnahmeträger.

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Wünschenswert ist dass die Jugendlichen in Arbeitsteams Produkte oder Aufgaben

für die kooperierende Berufsschule, andere gemeinnützige Einrichtungen oder für

das regionale Gemeinwesen herstellen bzw. erledigen. Dies hat den Vorteil, dass die

Jugendlichen mit ihren Arbeitsergebnissen in der Berufsschule bzw. in anderen Einrichtungen

oder im Gemeinwesen eine entsprechende Anerkennung erfahren.

Denkbare Varianten (Produkt- bzw. Aufgabenspektrum, Projekte) sind im Projektantrag

aufzuführen und den Ausbildungsinhalten der einzelnen Berufsfelder beizufügen.

c) Organisation des Schuljahres

Ferien / Urlaub

30 Tage

(+ unterrichtsfreie Tage) 3 Tage

Praktikum im Betrieb

Berufsschultage/ Trägertage

Gesamtdauer des Projekts

45 Tage (360 Std. = 9 Wochen)

werden zwischen Berufsschule und Träger

im Turnusplan vereinbart, die Verteilung erfolgt

entsprechend der Wochenstundentafel

182 Tage

Beginn des Projekts: 03.September 2012

Ende des Projekts: 12.Juli 2013

5. Abschlüsse / Bescheinigungen

Die Jugendlichen erhalten bei erfolgreichem Abschluss des Bildungsganges das Abschlusszeugnis

über das Berufsvorbereitungsjahr. Der Bildungsgang ist erfolgreich

abgeschlossen, wenn der/die Jugendliche in den einzelnen Fächern / Lernfeldern der

Rahmenstundentafel zumindest ausreichende Leistungen erreicht hat.

BVJ 1-Schüler erwerben mit dem Abschlusszeugnis gemäß § 9 Abs. 1 ThürBSO in

der Fassung vom 29. Dezember 2008 einen, dem Hauptschulabschluss gleichwertigen,

Abschluss.

Die Jugendlichen erhalten ein Abgangszeugnis über das Berufsvorbereitungsjahr,

wenn der Bildungsgang nicht erfolgreich abgeschlossen wurde.

Das Zeugnis stellt die jeweilige Berufsschule aus.

Der Maßnahmeträger erteilt eine Bescheinigung über die fachpraktischen Qualifikationen.

Sie enthält sowohl eine Differenzierung zwischen Teilnahme und erfolgreicher

Teilnahme sowie eine detaillierte Darstellung der tatsächlich erworbenen beruflichen

Qualifikationen.

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6. Umfang des Projekts

Die Anzahl der zu bildenden Lerngruppen (Klassen) richtet sich nach dem, von den

regionalen Berufsschulen gemeldeten Bedarf. Die Lerngruppen (Klassen) sollen entsprechend

der Verwaltungsvorschrift für das Schuljahr 2012/13 gebildet werden.

7. Finanzierung und Personal

a) Personaleinsatz

Für die Betreuung der Maßnahme ist folgender Personaleinsatz vorgesehen:

Ausbildungspersonal: 1:8 (Einsatz Trägertage)

Sozialpädagogisches Personal: 1 Sozialpädagoge/-in pro Klasse, Betreuung von

mindestens 8 SchülerInnen (Einsatz Trägertage, Praktika und mgl. Berufsschultage)

Lehrpersonal: entsprechend der Verwaltungsvorschrift für das Schuljahr 2012/13

(Einsatz Berufsschultage)

b) Finanzierung

• Lehrpersonal Berufsschule einschließlich Sachkosten:

Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Schulträger

• Sozialpädagogisches Personal/ Ausbildungspersonal Bildungsträger einschließlich

Sachkosten: Landes- und ESF-Mittel

• Ausbildungspersonal am Lernort Betrieb:

Betrieb (Vergütungen der Jugendlichen entfallen)

Der Maßnahmeträger reicht in Abstimmung mit der jeweiligen Berufsschule nach Aufforderung

seinen Antrag auf finanzielle Förderung bei der GFAW mbH ein. Der Jugendberufshilfe

Thüringen e.V. übernimmt die zentrale Leitung und inhaltliche Begleitung

des Gesamtprojektes im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft

und Kultur.

8. Vorbereitung und Meldungen der Klassenstärke

Die Klassenbildung soll in Verantwortung der jeweiligen Berufsschule in Abstimmung

mit dem zuständigen Staatlichen Schulamt, der jeweils zuständigen Agentur für Arbeit,

Abteilung Berufsberatung bzw. den Trägern für Grundsicherung erfolgen. Sie

richtet sich nach dem tatsächlichen regionalen Bedarf.

Die Klassen- bzw. Gruppenstärke ist dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft

und Kultur bzw. der Jugendberufshilfe Thüringen e.V. auf Anforderung anzuzeigen.

9. Vorbehalt

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Die Konzeption gilt unter dem Vorbehalt der aktuell gültigen ThürBSO in der Fassung

vom 29. Dezember 2008. Im Falle von Änderungen der ThürBSO werden diese

durch entsprechende Änderungen im Konzept umgesetzt.

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