LOK Magazin Bebra - Blütezeit und Niedergang (Vorschau)

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FAHRZEUGE: Altbau-Elloks der DB,

01 in Nürnberg, Reihe 1012 der ÖBB

GESCHICHTE: DR-Dampf im Erzgebirge,

175 Jahre Fernbahn Leipzig – Dresden

LOKMagazin

4LOKMagazin

April 2014 | EUR 7,90 A: EUR 8,90 | CH: CHF 15,80 | BeNeLux: EUR 9,30

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AKTUELLES | FAHRZEUGE | GESCHICHTE

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Vergessener

Bahnknoten

04

Bebra

Blütezeit und

Niedergang

4 194091 607906

Die 03.10 beim Bw Stralsund Limburger Zigarren: ETA 176


EDITORIAL

Rudolf Heym

Verantwortlicher Redakteur

Vor 30 Jahren dachte ich, …

… dass der Abschied von der Dampflok ein unvergleichlich tiefer

Einschnitt in der Welt der Eisenbahn ist und dass es so etwas nie

wieder geben wird. Aber ich habe mich geirrt. Es gibt täglich

Abschiede, die den daran Beteiligten oft sehr zu Herzen gehen.

Ein Beispiel: Am 1 4. Dezember 201 3 um 23.46 Uhr verließ der

letzte Zug von DB-Regio als RB 31 752 den Hauptbahnhof Remscheid

nach Wuppertal. Seitdem hat abellio den Betrieb übernommen.

Viele Lokführer, Zugbegleiter, ehemalige Eisenbahner, etliche

Eisenbahnfreunde und auch langjährige Fahrgäste waren zu später

Stunde gekommen, um „ihren Müngstener“ würdig zu verabschieden.

Bei der Gelegenheit drückte einer auf den Auslöser.

Es war der selbe Tag, als in Leipzig mit viel Bahn- und Politprominenz

der City-Tunnel eröffnet wurde. So ist das. Wir werden

weiter für Sie unterwegs bleiben. Wir werden schauen, wo Neues

entsteht, und wir werden das Alte gebührend verabschieden. Ihnen

wie stets Genuss und Freude beim Blättern, Lesen und Schauen im

LOK MAGAZIN. Herzlich Ihr

„Tschüß Berg!“

hieß es am

14. Dezember

2013 in

Remscheid.

Die anwesenden

„Berglokführer“

haben

teilweise über

Jahrzehnte

hinweg für die

DB Züge durch

das Bergische

Land gefahren

und sich nun

vor dem

letzten 628

zum Foto

versammelt

Foto: privat

LOKMagazin 04/2014

3


INHALT

Leipzig – Dresden:

175 Jahre erste

deutsche Fernbahn

2006 wird das S-Bahn-Bw

Friedrichsfelde DB AG: Neues geschlossen Konzept für die 90Gäubahn 8

Museumsbahnen:

Doppeltes Jubiläum im Harz 20

AKTUELL

DB

DB AG: Neues Gäubahn-Konzept 8

DB Regio: Werk in Ulm eröffnet 9

Bahnindustrie

Siemens:

Erfolge in Österreich und den USA 1 4

Privatbahnen

Railpool: Baureihe 1 87 wird erprobt 1 6

RBH: Weniger Kohlezüge 1 8

TITEL

Stadt am Abstellgleis?

Der Eisenbahnknoten Bebra verliert immer

mehr an Bedeutung: Wir schauen zurück

auf großartige Jahre, als tausende Eisenbahner

dort arbeiteten, und wagen

den Blick in die nahe Zukunft 32

Zum Titelbild

Mit einem IC fuhr 1 03 1 84 am 7. Mai 1 988 in

den Bahnhof Bebra ein

Museum

Harzer Schmalspurbahnen:

Zwei Dampfloks werden 1 00 Jahre alt 20

Österreich

ÖBB: Schneechaos in vielen Gebieten 24

Schweiz

RhB: Neues vom Fahrzeugpark 28

Weltweit

Tschechien: Railjet auf Probefahrt 31

Rubriken

Leserbriefe, Händler, Impressum 1 1 3

Vorschau 1 1 4

Josef Mauerer

4


HEFT 04 | 2014

72 LOKMagazin

www.lok-magazin.de

44

Das große Porträt: ETA 176

Winterdampf im Ergebirge

Heft

April

2014

4

104

FAHRZEUGE

Elegant und innovativ

Porträt der Akku-Triebwagen der Baureihe

ETA 1 76: Leider wurden nur acht Exemplare

der „Limburger Zigarren“ in Dienst gestellt.

Es waren sehr leistungsfähige und auch

vornehme Fahrzeuge 44

Ihr Ende naht

Die Baureihe E 1 200 bezeichnet elektrische

Werkbahnlokomotiven mit Mittelführerstand,

die nur im Ruhrgebiet unterwegs sind 54

Die ist eh Schrott!

Das ungewöhnliche Ende der 50 1 443,

die nach einem Unfall doch noch einmal

hauptuntersucht wurde 58

Teures Trio

Markus Inderst stellt uns seine Lieblings -

baureihe vor: Es sind die drei Exemplare

der ÖBB-Reihe 1 01 2 60

Freifahrt an die Küste

Am 1 7. Juni 1 973 – 20 Jahre nach dem

Aufstand in der DDR – besuchte Hans-

Joachim Lange das Bw Stralsund. Es war die

Hochburg der Baureihe 03.1 0 der DR,

und es durfte fotografiert werden … 66

LOKMagazin 04/2014

GESCHICHTE

Respekt, Respekt!

1 839 wurde die erste deutsche Fernbahn

Leipzig – Dresden eröffnet 72

In Remscheid „an der Blume“

Die liebste Fotostelle von Ralf Händeler 84

Neustart im Jahr 2001

Die Geschichte der Osthavelländischen

Kreisbahn bis in unsere Tage 86

Aus einer anderen Zeit

Letzte 01 -Leistungen nach Nürnberg 92

Das historische Bild

Bei Krauss-Maffei in Allach 96

Grün, blau, grau oder rot

Altbau-Elektroloks in Deutschland 98

Die „Trapo“ war weit weg

Erinnerungen an die Winter mit Dampf -

lokomotiven im Westerzgebirge 1 04

„Rheinischer Esel“

Spurensuche Bochum – Dortmund 1 1 0

Schlusspunkt

1 991 : Plandampf im Thüringer Wald 1 1 5

5


AKTUELL

ZUG DER ZEIT

richten-Ticker Haft für Laserattacke Risikofotografie +++ Nachric

Ein 16-Jähriger hatte zusammen mit seinem Ein Finne ist am Morgen des 26. Januar 2014

achrichten

23-jährigen Freund am 13. Februar 2013 mit ei - im Bahnhof Bredstedt (Strecke Hamburg –

nem Laserpointer minutenlang einem Trieb fahr - Westerland) beim Fotografieren von einem Zug

cker zeugführer beim +++ Halt seines Zuges Nachrichten-Ticke

im Bahn hof erfasst worden. Wie die Bundespolizei mitteilte,

Farchant (bei Garmisch-Partenkirchen) in die hatte sich der Mann in das Gleis gestellt, um den

Augen gestrahlt. Nun wurde der 16-jährige einfahrenden Zug von Westerland nach Hamburg

hten-Ticker Haupt täter zu zwei Wochen Haft in einer Jugend +++ - aufzunehmen. Nachrichte

Der aus dem Gleisbett eilende

strafanstalt verurteilt, sein Freund erhielt eine Mann wurde trotz Vollbremsung vom Zug am

Bewährungsstrafe.

AWA

Bein verletzt.

AWA

6


ZUG DER ZEIT

Velaro D und LINT

Am 14. Februar standen 407 017 der DB und der

VT 266 von vectus nebeneinander im Wiesbadener

Hauptbahnhof – schöne Triebwagen gab es

dort aber auch schon 1981 zu sehen (siehe S. 44

in diesem Heft)

M. Henschel

hten-Ticker +++

Toilettengebühr

Am 1. April 2014 wird die ÖBB in allen

Regionalzügen eine Toilettennutzungsgebühr

einführen.Nur Besitzer der ÖBB-Österreichcard 1.

Klasse können in Zukunft die Toiletten noch

r +++ Nacrric+ kostenfrei benutzen. Die neuen Desiro ML-Züge

haben sogar einen Sitzplatz für die mitreisende

n-Ticker +++ Reinigungskraft Nachrichten

(siehe Bild links), die die WC-Anlage

während der Fahrt pflegt und die Gebühren

Spirit Design

kassiert…

LM

LOKMagazin 04 | 2014 7


AKTUELL

Die für „80 Jahre Auto im Zug“ werbende 115 509 bespannte am 31. Januar den IC 186 von Singen nach

Stuttgart. Als sie Herrenberg-Haslach passierte, hatte sie noch eine halbe Stunde bis zum Ziel F. Kauffeld

DB AG

Ab 2017: Neues Gäubahn-Konzept

Seit dem Abzug der dort eingesetzten Neigetechnik-ICE im Frühjahr 2010 ist das Fernverkehrsangebot

auf der Gäubahn Stuttgart – Singen (– Zürich) nicht sonderlich attraktiv. Ende 2017 sollen

Doppelstock-IC die heute verkehrenden IC- und RE-Züge ersetzen

Gemeinsam mit dem Baden-

Württembergischen Verkehrsminister

Winfried Hermann hat

Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr

der Deutschen

Bahn, Anfang Februar ein neues

Fahrplankonzept für die Gäu -

bahn vorgestellt. Die Planung

sieht ab Dezember 201 7 stünd -

liche, umsteigefreie IC-Verbin -

dungen zwischen Stuttgart und

Zürich und damit eine Verdopplung

des heutigen Fernverkehrsangebots

vor.

IC auch als RE-Ersatz

Auch für Kunden des Regionalverkehrs

wird sich die Anzahl an

schnellen Verbindungen zwi -

schen Stuttgart und Singen zukünftig

verdoppeln: Sie können

dann auf diesem Abschnitt die

IC-Züge mit Fahrkarten des Nah-

8

verkehrs ohne Aufpreis nutzen.

Dieses Angebotskonzept wurde

gemeinsam mit der Nahverkehrsgesellschaft

Baden-Wür -

ttemberg entwickelt. Zum Einsatz

sollen fabrikneue IC-Dop -

pelstock-Züge mit Fernverkehrsausstattung

kommen.

Ermöglicht wird dies über eine

Takt- und Tarifintegration der

Fernverkehrsleistungen in das

Nahverkehrsangebot. Dabei ist

geplant, dass zwischen Stuttgart

und Singen der stündliche Fernverkehr

die alle zwei Stunden

verkehrenden RE-Züge ersetzt.

Für die Freigabe der Fernver -

kehrszüge für Nahverkehrskun -

den wird das Land der DB einen

Ausgleich für die Mindereinnahmen

zahlen, die sich aus der

Anerkennung der Nahverkehrstarife

ergeben. Dafür muss das

Land keine RE-Leistungen auf

dem Abschnitt Stuttgart–Singen

bestellen. Dieses Konzept wird

bereits seit Dezember 201 3 auf

der Strecke Bremen – Emden/

Norddeich Mole gemeinsam mit

den Ländern Niedersachsen und

Bremen umgesetzt.

Öfter, aber nicht schneller

Die Fahrzeit der IC-Züge zwi -

schen Stuttgart und Zürich wird

bei etwa drei Stunden bleiben.

Die Züge werden jedoch in einer

anderen Zeitlage verkehren und

daher in Stuttgart künftig deut -

lich bessere Anschlüsse, z. B. in

Richtung Köln, Frankfurt (Main),

Berlin, Nürnberg und München

haben. Die Detailplanungen für

die Realisierung des neuen Zug -

angebots werden bis Jahresmitte

abgeschlossen sein. LM


DEUTSCHE BAHN

DB | NEWS

Letzte Tage des Gbf Horka im Januar 2014: 232 567 hat in ihrem

Güterzug auch neue Vectron-Loks für Rail Polska im Schlepp U. Möckel

DB NETZ

Bahnhof Horka wird modernisiert

Am 1 . Februar 201 4 ging der Güterbahnhof Horka außer Betrieb.

Im Rahmen des Ausbaus der Strecke von Hoyerswerda nach

Wegliniec (Kohlfurt) erfolgt in den nächsten Monaten die Verlegung

des zweiten Gleises, die Spurplanoptimierung (Abbau sämtlicher

nicht unbedingt notwendiger Gleise) in Horka Gbf sowie die

Elektrifizierung. Auf polnischer Seite reicht der Fahrdraht mit

3.000 V bereits bis an die Lausitzer Neisse. Die Güterzüge von und

nach Polen werden bis zu Fertigstellung der neuen Gütertrasse in

voraussichtlich zwei Jahren über Görlitz umgeleitet.

UM

ULM

Neue Werkstatt eröffnet

Auf dem Gelände des ehemaligen Rbf Ulm hat die DB am 1 . Febru -

ar 201 4 eine neue Werkstatt zur Wartung und Instandhaltung von

DB-Regio-Fahrzeugen errichtet. Zur 1 25 Millionen Euro teuren

Anlage gehören neben der Werkstatt für über 1 50 Elloks, Diesel -

triebwagen und 1 80 Reisezugwagen eine Außen- und Innenreinigungsanlage

sowie umfangreiche Gleisanlagen.

LM

Optimale Arbeitsbedingungen bietet die neue Werkstatt in Ulm, in

der Elloks, VT und Reisezugwagen unterhalten werden M. Robold

CNL ohne Speisewagen

Ab dem 1. April 2014 werden alle City

Night Line ohne Speisewagen ver -

kehren. Begründet wird dies mit den

anstehenden, kostenintensiven Revi -

sionen der Wagen und steigenden

laufenden Kosten. Anstelle der

Speise wagen sollen zusätzliche

Liegewagen mitgeführt werden, um

weitere Plätze anbieten zu können.

Trotz der Einstellung der Speise -

wagens werden in allen Zügen

weiterhin Speisen und Getränken im

Abeilverkauf angeboten. AWA

AutoZug vor dem Aus

Bis spätestens 2017 sollen alle Ver -

bindungen von DB AutoZug, ausge -

nommen der SyltShuttle zwischen

Niebüll und Westerland (Sylt), einge -

stellt werden. Gründe hierfür sind

zum einen, dass der Verkehr der

Auto züge wirtschaftlich sehr schwer

zu gestalten ist, da es bei der Nach -

frage extreme saisonale Schwankun -

gen gibt. Zudem ist das Ende der

Lebensdauer vieler Autotransport -

wagen bereits heute erreicht. Die

notwendigen Investitionen in neue

Fahrzeuge sind aufgrund der schlech -

ten Wirtschaftlichkeit nicht sinnvoll.

DB Fernverkehr prüft deshalb zur Zeit

eine wirtschaftlichere Beförderung

von Fahrgästen und deren Autos mit

separaten Transportmitteln. Die

Fahrgäste reisen dabei in Regelzügen,

der Pkw wird hingegen in einem

Güterzug von DB Schenker befördert

bzw. auf Strecken, auf denen der

Transport in Güterzügen nicht möglich

ist, per Lkw. Dieses Projekt soll auf

den Strecken Dortmund/Berlin – Mün -

chen getestet wer den. AWA

DB AG: Weniger Gewinn

Bahn-Chef Rüdiger Grube gab sich

äußerst bescheiden auf der Sitzung

des Aufsichtsrats, als er den Plan für

2014 präsentierte: Die Bahn muss

sich von ihren bisherigen Wachstums -

plänen verabschieden. Hoffte Grube

vor Jahresfrist noch, 2014 rund 45,4

Milliarden Euro einzunehmen, gibt er

sich nun mit 41,5 Milliarden Euro

zufrieden. Die erwartete Stagnation

zwingt Grube, die Gewinnprognose

für 2014 fast zu halbieren: von 2,4

Milliarden Euro vor Jahresfrist auf

jetzt nur noch 1,4 Milliarden Euro

nach Abzug der Zinsen und vor

Steuern.

LM

LOKMagazin 04 | 2014 9


AKTUELL

DB | NEWS

Güterzug im Müglitztal

Montags bis freitags verkehrt ein

Güterzugpaar von Dresden-Friedrich -

stadt über Heidenau zum Güterbahnhof

Köttewitz, wo ein Chemieunternehmen

mit Kesselwagen bedient wird. Vom

Bahnhof Heidenau bis zum Abzweig

Köttewitz Gbf wird die Müglitztalbahn

befahren. Das Teilstück vom Abzweig

bis zum Güterbahnhof Köttewitz

Mit einer Regionalbahn nach Rheine stand 110 469 am 17. Januar

2014 abfahrbereit im Bahnhof Münster A. Witzke

(Aufnahme mit 294 634 am 28. Januar

2014 in Köttewitz, W. Nitzsche) weist

eine Neigung von 40 Promille auf und

ist somit das steilste Streckenstück der

Müglitztalbahn.

WN

DB-Bahnhöfe: Nutzung zu teuer

Nach einer Entscheidung des Bundes -

gerichtshofs rechnet das Land Branden -

burg mit Rückzahlungen der Deutschen

Bahn von mindes tens 1,6 Millionen

Euro. Grund seien zu hohe Preise für

die Nutzung von Bahnhöfen, so

Brandenburgs Infrastruktur minister

Jörg Vogelsänger (SPD) in Potsdam.

Laut Vogelsänger wird nun geprüft, ob

sich auch eine Klage gegen die

aktuellen Nutzungspreise lohnt. Die

Prignitzer Eisenbahngesellschaft, die

Ostdeutsche Eisenbahn GmbH und

andere Unternehmen hatten gegen das

von 2005 bis 2008 geltende Preis -

system mit Erfolg geklagt.

LM

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Ihre Prämie

BAUREIHE E 10

Abstellungen und Untersuchungen

Am 1 3. Januar 201 4 ist die ehemalige Fernverkehrslok 1 1 0 469 zu

Regio NRW Dortmund umbeheimatet worden und half dort im 111-

Umlauf auf der RB 68 Münster – Rheine mit einem n-Wagenpark

aus. Mit Fristablauf wurde die letzte im Regelzugdienst eingesetzte

1 1 0 am 1 2. Februar abgestellt. Nunmehr ist 1 1 0 1 69 vom FTZ

Minden die letzte betriebsfähige Lok dieser Baureihe. Daneben wird

noch die abgestellte Düsseldorfer Heizlok 1 1 0 491 im Bestand

geführt. Besser sieht es für drei 1 1 3 und die letzten 1 4 Loks der

Baureihe 1 1 5 aus: Mit verschiedenen Schäden stehen die 1 1 3 267,

268 und 309 weiterhin im Werk Dessau, sollen aber wieder

hergerichtet werden, da sie betrieblich dringend benötigt werden.

Ebenfalls in Dessau warten 1 1 5 205, 261 , 346 und 383 auf

Ausbesserungen. In den Betriebsdienst zurückgekehrt sind in den

ersten beiden Monaten des Jahres 201 4 bereits fünf Loks:

1 1 5 1 1 4, 1 1 5 1 98 und 1 1 5 293 haben das Werk mit frischem

Revisionen im Januar verlassen, und seit dem 1 8. Februar sind auch

1 1 5 278 und 1 1 5 459 wieder im Rennen. AW

1957 wurde sie als E 10 114 an die DB abgeliefert, am 31. Januar 2014

bespannte die betagte, aber frisch ausgebesserte und neu lackierte

Lok als 115 114 den IC 2238 von Leipzig nach Magdeburg U. Möckel

10

Noch mehr Auswahl unter

www.lokmagazin.de/abo


DEUTSCHE BAHN

481/482 434 war am 2. Dezember 2013 als führender Viertelzug einer

S2 am Berliner Nordkreuz unterwegs

S. Schrader

S-BAHN BERLIN

Deutsche Bahn bewirbt sich

Anders als geplant wird sich die Deutsche Bahn nun doch allein um

den Verkehrsvertrag für die Berliner S-Bahn bewerben. Der

Aufsichtsrat stimmte Ende Januar einem entsprechenden Vorschlag

des Vorstands zu. Ursprünglich hatte der Vorstand beabsichtigt,

dass sich die Bahn bei der Ausschreibung erstmals gemeinsam mit

den Zugherstellern Siemens und Stadler als Konsortium bewirbt.

Doch wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören war, gab es in dem

Kontrollgremium Bedenken wegen eventueller Haftungsrisiken.

Der Vorstand habe diese letztlich geteilt und seinen ersten

Vorschlag zurückgezogen.

LM

LEIPZIG

Bald längere Bahnsteige

Auf 400 Meter verlängerte Bahnsteige und schnellere Zufahrtsgleise:

Damit soll der Leipziger Hauptbahnhof bis Ende 201 5 fit für

den Anschluss an die HGV-Strecke Nürnberg – Berlin gemacht

werden. Die Arbeiten an den Bahnsteigen 1 0 bis 1 5 sollen unter

einem Staubschutzgerüst erledigt werden. Ziel ist die Reduzierung

der Fahrzeit von Leipzig nach Erfurt auf eine dreiviertel Stunde, von

Leipzig nach Nürnberg auf unter zwei Stunden. Dazu ist im Haupt -

bahnhof eine schnellere Ein- und Ausfahrt nötig. Für den ersten

Bauabschnitt werden allein 1 20 Millionen Euro veranschlagt. LM

Ab 2017 sollen die neuen Dosto-IC zwischen Stuttgart und Singen auch

mit Nahverkehrsfahrkarten nutzbar sein. Was halten Sie davon?

Gar nichts, Fern- und Nahverkehr sollten sich weiterhin unterscheiden

Das ist eine gute und kundenfreundliche Lösung

Wenn dadurch die Züge nicht überfüllt werden, ist das akzeptabel

LOK-MAGAZIN INTERNET-UMFRAGE

Abstimmen und Ergebnisse unter: www.eisenbahnwelt.de

Umfrage aus LM 3: Wir fragten nach Ihrer Meinung zu den Problemen mit den

Talent 2 im Werdenfelsnetz. 10,6 % unserer Leser halten die Probleme für zu

kurierende Kinderkrankheiten, 85,1 % plädieren für konventionelle, lokbespannte

Züge und 4,2 % benötigen für eine fundierte Antwort mehr Details.

LOKMagazin 04 | 2014

11


AKTUELL

DB | NEWS

Tour de Ländle: Ohne Sonderzüge

Durch den Wegfall des 3-Löwen-Takts

als bisherigen Partner der Tour de

Ländle werden 2014 im Gegensatz zu

den vergangenen Jahren keine Son -

derzüge mehr zum Start- und Zielort

der mehrtägigen Fahrradtour durch

Baden-Württemberg, die jährlich Ende

Juli/Anfang August stattfindet, ein -

gesetzt. Die Besonderheit dieser vom

3-Löwen-Takt gestellten Züge waren

zum einen das Wagenmaterial – es

wurden jeweils mehrere Fahr radwagen

eingereiht – und zum anderen der

Laufweg. So fuhr 2013 ein von 218 427

bespannter Wendezug inklusive

Fahrradwagen der Bauart Dduu über

die sonst nur von Güter zügen

befahrene Ablachtalbahn. Zudem

wurde das Konzept der Fahrradtour

verändert: Anstatt einer zusammen -

hängenden Tour gibt es nun an vier

aufeinanderfolgenden Tagen je zwei

Tagestouren mit dem gleichen Start

und Ziel in verschiedenen Regionen

Baden-Württembergs. Dies macht einen

Sonderzug für die Tourteilnehmer aus

den anderen Regionen Baden-Württem -

bergs überflüssig.

AWA

Nürnberg: Kinding im VGN

Seit dem Fahrplanwechsel am 15. De -

zem ber 2013 kann der Bahnhof Kinding

(Altmühltal) an der Schnellfahrstrecke

Nürnberg – Ingolstadt zum VGN-Tarif

erreicht werden. Möglich wurde dies

durch den neuen Verkehrsvertrag

zwischen dem Freistaat Bayern und DB

Regio sowie die Zusage des Bayeri -

schen Verkehrsministeriums und der

Bayerischen Eisenbahngesellschaft

(BEG), den finanziellen Ausgleich zu

übernehmen. Nürnberg-Pendler aus

den Landkreisen Eichstätt, Neumarkt

und Roth können damit den günstigen

VGN-Tarif nützen.

LBH

Außerplanmäßig mit nur einer Maschine passierte ein Containerzug

nach Maschen am 30. Dezember 2013 Lindau-Aeschach G. Dillinger

BAUREIHE 232

Neuordnung der Einsätze in Ulm

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 201 3 wurde das Einsatzspektrum

der Ulmer Loks neu geordnet. Anstelle der bisherigen fünf Maschinen

sind nun sogar sieben Loks im Einsatz. Fast vollständig entfallen

sind die Zugleistungen auf der Brenzbahn. Weiterhin auf dem

Plan stehen Sonderleistungen nach Aichstetten und die Bedienung

des Blaubeurer Kaltsteinbruchs Merkle. Völlig neu sind hingegen

werktäglich verkehrende Planleistungen mit Containerzügen von

Bremerhafen/Hamburg nach Vorarlberg. Die stattlichen Züge verlassen

dabei den Ulmer Rangierbahnhof am frühen Morgen und erreichen

Lindau-Reutin gegen 1 0 Uhr. Zur Mittagszeit fährt der Gegenzug

aus Wolfurt wieder zurück nach Ulm, lediglich am Dienstag

verkehrt dieser Zug erst gegen 20 Uhr ab Reutin. Außergewöhnlich

ist der planmäßige Einsatz einer 232-Doppeltraktion, deren Bildung

relativ kompliziert ist. Grundsätzlich verfügen nicht alle Maschinen

über die Mehrfachtraktionssteuerung. Das Kuppeln einer Doppeltraktion

erfolgte bisher immer im Werk Nürnberg, da hierfür besonders

geschultes Werkstattpersonal benötigt wird und beide Loks aufwändig

synchronisiert werden müssen. In der Regel wird in Ulm nur

ein einsatzfähiges Lok-Pärchen vorgehalten, sodass die schweren

Züge teilweise mit nur einer Lok bespannt werden.

GD

Am milden 17. Dezember 2013 sonnten sich 232 280, 388 und 703 auf

den Freigleisen am Schuppen 3 des Werkes Ulm

G. Dillinger

Hansa-Rostock-Fans gegen Talent 2

Nach Klagen von Pendlern und Lok -

führern über den Talent 2 protestieren

jetzt auch Fußballfans gegen den

Elektrotriebzug. Bei der S-Bahn Rostock

soll die Umstellung von den von einer

Lok der Baureihe 143 und Doppelstock -

wagen gebildeten Zügen auf den Talent

2 bis Frühjahr 2014 abgeschlossen sein.

Vor dem Drittligaspiel Hansa Rostock

gegen VFL Osnabrück am 3. Februar

2014 gestalteten die Rostocker Fans

deshalb eine Choreografie auf der

Tribüne, bei der u. a. das S-Bahn-Logo

und die alten Doppelstockzüge zu

sehen waren. Darunter war der Spruch

„Der Doppelstocker gehört zu Rostock,

wie das Ostseestadion zu Hansa“ zu

lesen.

AWA

12


DEUTSCHE BAHN

BAUREIHEN | TICKER

Am 29. Januar 2014 wurde der RE 3589 Nürnberg – Furth

im Wald noch als 610-Doppeleinheit gefahren L. Bergsteiner

BAUREIHE 610

Gnadenbrot für Pendolino

DB Regio Nordostbayern setzt letztmals im Fahrplan -

jahr 201 4 die Pendolinos der Baureihe 61 0 mit Fiat-

Neigetechnik ein. 1 5 Triebzüge sind aktuell betriebs -

fähig. Ihr Einsatz erfolgt in einem sechs- sowie einem

zweitägigen Umlauf überwiegend im morgentlichen

und nachmittäglichen Berufsverkehr nach und von

Nürnberg, wobei einzelne Garnituren in Pegnitz bzw.

Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg ver einigt bzw.

getrennt werden. Die meisten Leistungen werden im

RB/RE-Verkehr auf der KBS 870/875 erbracht,

Wendebahnhöfe sind Schwandorf, Furth im Wald,

Neustadt /Waldnaab und Amberg. Auf der Strecke 855

pendelt ein 61 0 als RB 5931 8 Regensburg – Weiden

(Mo-Do), auf der KBS 860 werden drei Leistungen

erbracht: RE 3436 Neuenmarkt-W. – Nürnberg (Mo-Fr),

RE 3450 Bayreuth – Nürnberg (Mo-Fr) und täglich

RE 3429/3469 Nürnberg – Bayreuth/Hof. LBI

Baureihe 140

Neben den Loks, die von DB Fernverkehr eingesetzt

werden, gibt es eine Gruppe von Loks der Baureihe

139/140, die fest an DB Schenker Hannover

gebunden sind. Sie erbingen ausschließlich

Regionalleistungen der Niederlassung Hannover, so

zwischen Osnabrück, Seelze und Braunschweig. Am

Wochenende können mit etwas Glück bis zu sieben

Loks im Werk Osnabrück angetroffen werden. Zwei

weitere Loks sind durchgängig als Schiebeloks an

der Rampe Altenhundem – Welschen-Ennest auf der

Ruhr-Sieg-Strecke anzutreffen.

AW

Baureihe 218

Die rot-beige 218 105 erhält in Frankfurt einen

Tauschmotor, soll wieder in den Einsatzbestand

übergehen und als Triebwagenersatz bei der

Westfrankenbahn dienen. Auch die altrote 218 387

der Kurhessenbahn weilt schadhaft in Frankfurt und

wartet auf Instandsetzung. Sie war beim

Sonderzugeinsatz anlässlich des Skispringens in

Willingen am ersten Februar-Wochenende

ausgefallen.

AW

Baureihe 407

Obwohl schon seit Weihnachten 2013 im Plandienst,

wurde am 18. Februar der Velaro D, alias Baureihe

407, offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Derzeit

werden vier Züge zwischen Köln, Frankfurt (Main)

und Stuttgart eingesetzt, vier weitere sollen Ende

März folgen. In Absprache mit der DB führt Siemens

mit weiteren acht Zügen Testfahrten in Belgien und

Frankreich durch, um die Zulassung für den

grenzüberschreitenden Verkehr vorzubereiten.

Insgesamt wird Siemens 17 Züge der Baureihe 407

an die Deutsche Bahn liefern.

LM

BAUREIHEN-NEWS

Baureihe 101

Die 101 037, die am 29. November 2012 bei einer Entgleisung

in Stuttgart Hbf beschädigt wurde, ist nach einer Unfallin -

standsetzung im Werk Dessau seit Mitte Januar 2014 wieder

im Einsatz. In ihrer Heimatdienststelle Hamburg-Eidelstedt

wurde die 101 037 anschließend mit einer Seitenwerbung für

die Initiative „Eisenbahner mit Herz“ (Aufnahme: 26. Januar,

Berlin-Friedrichstraße, S. Schrader) ausgestattet. SSB

LOKMagazin 04 | 2014

Baureihe 420

Die beiden „420 plus“, 420 400 und 416, hatten Ende Januar

2014 nach acht Jahren Fristablauf. Mit den beiden moderni -

sierten Zügen wollte sich die DB um das Stuttgarter S-Bahn

Netz bewerben. Da sie aber nicht genau den Ausschreibungs -

vorgaben entsprachen, blieb es bei nur zwei Exemplaren

(Aufnahme: 12. Januar, F. Kauffeld). Eine Woche später rollte

der Zug nach Horb zur „Eisenbahn Erlebniswelt“. FK

13


AKTUELL

INDUSTRIE | NEWS

Waggonwerke zu verkaufen

Die russische Staatsbahn RZD hat die

Mehrheitsanteile am Waggonreparaturunternehmen

VagonRemMash (VRM)

zum Verkauf ausgeschrieben. VRM

vereint Werke in Voronezh, Tambov und

Novorossijsk, die vor allem auf die

umfassende Modernisierung von

Personenwaggons spezialisiert sind.

Die Entscheidung über den Zuschlag

soll bis zum 11. April 2014 fallen. LM

So werden ab 2016 die Desiro ML der GySEV aussehen

SIEMENS

Erfolge in Österreich und den USA

Siemens

Der österreichische Betriebsteil der Privatbahn Raab-Oedenburg-

Ebenfurter Eisenbahn AG (GySEV) bestellt – vorbehaltlich einer

erfolgreichen Finanzierungsausschreibung – bei Siemens fünf

Regionaltriebzüge vom Typ Desiro ML. Die Raaberbahn ist die

einzige grenzüberschreitend tätige Privatbahn Österreichs und

operiert vorwiegend in Westungarn und im Osten Österreichs, dem

Burgenland und im Großraum Wien. Die dreiteiligen, elektrischen

Regionaltriebwagen sollen in Zweisystemausführung (AC 1 5 kV/

AC 25 kV) gebaut und ab Mitte 201 6 ausgeliefert werden. Die

Fertigung der Züge erfolgt im Siemens-Werk Krefeld. Die

Drehgestelle kommen aus dem Siemens-Werk in Graz.

Im Beisein des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden sowie

des US-Verkehrsministers Anthony Foxx nahm am 6. Februar 201 4

in Philadelphia die erste elektrische Lokomotive von Siemens für

den staatlichen Bahnbetreiber Amtrak den Betrieb auf. Im Oktober

201 0 hatte Amtrak insgesamt 70 Elektrolokomotiven im Wert von

338 Millionen Euro bei Siemens bestellt, die in Sacramento

montiert werden. Für Siemens bedeutete diese Order den Einstieg

in den wichtigen amerikanischen Lokomotivmarkt.

LM

Blick in den Führerstand der neuen Amtrak-Ellok

Siemens

Qualitätspartnerschaft

Die Deutsche Bahn AG und die Bahn -

industrie in Deutschland wollen auf

technischem Gebiet weitaus enger

zusammenarbeiten als bisher. Durch

die Qualitätspartnerschaft soll die

Entwicklung von Neufahrzeugen nun zu

Beginn des gesamten Herstellungs -

prozesses noch weiter verbessert

werden. Dazu unterzeichneten DB-

Vorstandsvorsitzender Dr. Rüdiger

Grube und DB-Technikvorständin Dr.

Heike Hanagarth sowie der Präsident

des Verbandes der Bahnindustrie in

Deutschland (VDB) Michael Clausecker

und der Vizepräsident Fahrzeuge Dr.

Jürgen Wilder am 28. Janauar 2014 in

Berlin eine entsprechende Erklärung.

Beide Seiten sehen in der Qualitäts -

partnerschaft einen wichtigen Impuls -

geber für die Bahn technik her steller in

Deutschland, der richtungs weisend für

den Sektor Bahn ist. Erste konkrete

Schritte zur Ausge staltung der

Qualitätspartnerschaft sollen Ende des

Frühjahres vorliegen.

LM

Knorr-Bremse übernimmt Zulieferer

Knorr-Bremse kann zukünftig für seine

Schienenfahrzeugkunden maß -

geschneiderte Lösungen für deren

Bordnetzversorgung anbieten. Die

Knorr-Bremse Systeme für Schienen -

fahrzeuge GmbH, München, hat die

Unternehmen Transtechnik GmbH & Co.

KG aus dem bayerischen Holzkirchen

sowie die PCS Power Converter

Solutions GmbH, Berlin, gekauft. Mit

diesen beiden Spezialis- ten für

Hilfsbetriebeumrichter erweitert Knorr-

Bremse sein Portfolio um elek trische

Systeme, die für die Bordnetz -

versorgung moderner Schienenfahrzeuge

eine zentrale Rolle spielen. Durch

die Akquisen von Transtechnik und PCS

Power Converter Solutions kombi niert

Knorr-Bremse deren Kompetenzen für

Hilfsbetriebeumrichter verschiede ner

Technologien und Leistungsklassen.

Darüber hinaus wird die lokale Präsenz

der beiden Unternehmen durch das

starke internationale Vertriebs-,

Produktions- und Service-Netzwerk von

Knorr-Bremse gestärkt.

LM

14


Die spannendsten

Seiten der Bahn

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AKTUELL

Am 11. Februar 2014 waren die 187 005 und 004 von Railpool in Bayern zu Gast. Bei Versuchsfahrten

unweit Herbertshofen wurden bei beiden Loks die Stromabnehmerstellungen variiert

F. Martinoff

RAILPOOL

Last-mile-187 auf Probefahrt

Auf DB-Gleisen werden derzeit zwei Loks der Baureihe 187 des Lokvermieters Railpool intensiv

erprobt. Im LM 02/14 hatten wir die revolutionären Elloks mit ihrem zusätzlich installierten

Dieselmotor für die Bedienung nicht elektrifizierter Anschlussgleise ausführlich porträtiert

Der Lokvermieter Railpool besitzt

derzeit rund 70 Lokomotiven

verschiedener elektrischer

TRAXX-Varianten, die für diverse

EVU bundesweit und international

zum Einsatz kommen.

Auch vier Exemplare der neuen

TRACC F1 60 AC3 LM, besser

bekannt als Baureihe 1 87, zählen

zum Bestand des Unternehmens.

Vier weitere befinden sich

im Bau bzw. stehen vor der Abnahme.

Die 1 87 zeichnet sich

unter anderem durch einen zusätzlichen

Dieselmotor mit einer

Leistung von 230 kW aus, der

zusammen mit einer Batterie für

Zugkraft auf nicht elektrifizierten

Anschlussgleisen sorgt.

Im Februar 201 4 wurden die

201 3 bei Bombardier gebauten

1 87 004 und 005 auf verschiedenen

DB-Strecken erprobt. So fanden

in der ersten Februarwochen

Versuchsfahrten zwischen Gen -

thin und Wusterwitz statt, wobei

die richtige Stromabnehmer-Einstellung

bei Geschwindigkeiten

bis 1 60 km/h ermittelt werden

sollte. Dem gleichen Zweck dienten

eine Woche später Fahrten

zwischen Donauwörth und

Augsburg, wobei vier Reisezugwagen

als simulierte Last mitgeführt

wurden. Die Zulassung des

neuen Loktyps wird seitens

Bombardier für Mitte 201 4 angestrebt.

LM

187 005 und 004 am 5. Februar bei Wusterwitz auf Versuchsfahrt, die

Seitenwände der Loks werden einmal Werbeflächen tragen B. Schulz

16


PRIVATBAHNEN

PRIVATBAHNEN | NEWS

Mit einer Regionalbahn nach Meyenburg steht der VT 670.4 der

Eisenbahngesellschaft Potsdam im Bahnhof Pritzwalk

Ch. Much

PRIGNITZER NEBENBAHNEN

Weiterbetrieb gesichert

In der Prignitz werden auch nach 201 5 weiterhin Personenzüge

zwischen Neustadt/Dosse, Kyritz, Pritzwalk und Meyenburg fahren.

Ein entsprechender Vertrag wurde im Februar von Brandenburgs

Verkehrs- und Finanzminister sowie den Landräten der betroffenen

Kreise unterzeichnet. Die Beschlüsse sichern den Zugverkehr bis

2025. Jährlich stehen bis zu 2,5 Millionen Euro bereit, woran sich

die Landkreise mit 25 % beteiligen. Derzeit fährt hier die Eisen -

bahngesellschaft Potsdam (EGP). Für die Zeit ab 201 5 wird mittels

Ausschreibung ein neuer Betreiber gesucht.

Der Fortbestand der Strecken war nach Kürzung der Bundesmittel

für den SPNV lange Zeit unsicher. Nun soll auch in die Infrastruk -

tur investiert werden. Neben der Modernisierung von Bahnübergängen

soll in Kyritz-Nord ein neuer Haltepunkt mit Verknüpfung

zum Busverkehr entstehen. Durch ein neues Fahrplankonzept

sollen die Umsteigezeiten in Neustadt/Dosse von und nach Berlin

verkürzt und die Bahnstrecke insgesamt attraktiver werden. CM

NWB beklagt Verzögerungen

Die Nordwestbahn (NWB) hat erneut

mit sehr deutlichen Worten Verzöge -

rungen beim Ausbau der Strecke

Wilhelmshaven – Oldenburg (KBS 392)

beklagt. Es könne keine Rede davon

sein, dass den Fahrgästen nach um -

fang reichen Schienenersatzverkehren

im vergangenen Jahr neue Belastungen

zugemutet würden, hieß es in einer

Mitteilung. So habe ein Messzug am

8. Januar auf der Strecke nach Esens

gravierende Mängel festgestellt. Seit

24. Januar sei die Höchst geschwin -

digkeit bei Sande auf vier Kilometern

auf 50 km/h halbiert wor den, was zu

fünf Minuten Verspä tung und engen

Anschlüssen in Oldenburg führe. Die DB

habe überdies verspro chen, auf nach

dem Ausbau fertig ge stellten Ab -

schnitten die Höchst ge schwindigkeit

von 100 auf bis zu 120 km/h zu

erhöhen. Auch dieses Versprechen

werde gebrochen, erst zum Plan -

wechsel im Dezember werde dieses

Tempo kommen. Die DB argumen tiert

ihrerseits, für die Erhöhung der

Streckenhöchstgeschwindigkeit sei ein

umfangreiches Prozedere erforderlich.

Die Einrichtung der Langsamfahrstelle

im Bereich von Sande bis zur

Überleitstelle „Schwarzer Raabe“

bestätigte die DB, man arbeite an

einem Instandsetzungskonzept. FBT

HKX ändert Fahrplan

Seit dem 5. März fährt der HKX nach

neuen Fahrplänen. Während an Werk -

tagen das Zugangebot ausgedünnt

wurde, wird es an Wochenenden

deutlich längere Züge geben. Das

wöchentliche Sitzplatzangebot wird

sich insgesamt nicht ändern. LM

Metrans erprobt derzeit in Hamburg eine Vossloh-G18, dahinter steht die 295 095 von Railsystems, die

wieder die klassische ozeanblau-beige Bundesbahn-Lackierung trägt

E. Körschenhauen

LOKMagazin 04 | 2014

17


AKTUELL

Ruhrgebiets-Romantik: Am 31. Januar 2014 hat die RBH-Lok 811 einen Kohlezug in Marl-Sinsen übernommen,

um ihn zum nächsten Kraftwerk oder zur Kokerei zu bringen

M. Henschel

PRIVATBAHNEN | NEWS

Seehafen Kiel/Kombiverkehr

Am 3. Februar wurde eine Direkt zug -

verbindung Kiel – Duisburg im kombi -

nierten Ladungsverkehr aufgenom men.

Seitdem verkehrt ein Zug der Kombi -

verkehr KG drei Mal wöchentlich je

Richtung zwischen dem Kieler Hafen

(Foto mit rangierender DB-Gravita, See -

hafen Kiel) und Duisburg- Ruhrort. In Kiel

werden der Ostufer hafen sowie das

Terminal am Schweden kai bedient,

während in Duisburg das DUSS-Termi -

nal Ruhrort-Hafen das Ziel ist. LM

Monheim: Aus für Güterverkehr

Die Bahnen der Stadt Monheim (BSM)

werden sich künftig nur noch auf den

Öffentlichen Nahverkehr konzentrieren

und sich zum 31. Dezember 2014 von

ihrer Güterschiene trennen. Das

Schienennetz werden die BSM weiter

instand halten und an Trassennutzer

vermieten. Die drei eigenen Loks sollen

verkauft werden. Sechs der neun

Lokführer haben bereits den Bus -

führerschein gemacht.

LM

RBH LOGISTICS

Immer weniger Kohlezüge

Derzeit sind im Ruhrgebiet noch zwei Kohlezechen im Betrieb. Mit

dem Ausstieg aus der Steinkohle-Subventionierung wird spätestens

201 8 die letzte Kohlezeche ihre Tore schließen. Dies wird die Zeche

Prosper-Haniel in Bottrop sein. Schon 201 5 stellt das Bergwerk

Auguste-Viktoria in Marl am Nordrand des Ruhrge biets seine För -

derung ein. Auch der Bahnverkehr, der durch die RBH (inzwi schen

eine Tochter von DB-Schenker) abgewickelt wird, ist be troffen. Im

Laufe des Jahres 201 4 schließt die Hauptwerkstatt in Gladbeck-

West an der Talstraße ihre Tore und die Wartung der Streckenloks

wird von anderen Schenker-Werken übernommen.

MH

ILZTALBAHN

Bald mit Desiro und Güterverkehr

Mit Beginn der neuen Saison am 1 . Mai 201 4 werden auf der im

Tourismusverkehr betriebenen Ilztalbahn Passau – Freyung zwei

Triebzüge der Baureihe 642 (Desiro Classic) der Vogtlandbahn zum

Einsatz kommen. Diese ersetzen die bisherigen RS 1 der Waldbahn.

Befahren wird die knapp 50 Kilometer lange Strecke an Samstagen,

Sonn- und Feiertagen mit je sechs Zugpaaren bis zum Saisonende

am 26. Oktober 201 4. An den 59 Fahrtagen im Jahr 201 3 nutzten

trotz flutbedingter Ausfälle im Juni 38.000 Fahrgäste die Züge.

Geplant ist die Einführung eines ganzjährigen ÖPNV. Der Kreis -

ausschuss des Landkreises Freyung-Grafenau hat am 27. Januar

201 4 dafür gestimmt, den Freistaat Bayern aufzu fordern, einen

dreijährigen Probebetrieb auf der Strecke einzurichten. In den

nächsten Monaten wird die Ilztalbahn GmbH Zahlen zum

Fahrgastpotenzial für einen Ein-Stunden- und einen Zwei-Stunden-

Takt sowie die mit einem Probebetrieb verbundenen Kosten

ermitteln. Güterverkehr wird auf der Ilztalbahn aber wohl schon

201 4 stattfinden. Es gibt bereits Anfragen für Langholztransporte,

wofür der Bahnhof Waldkirchen genutzt werden soll. AWA

18


PRIVATBAHNEN

Mit einem langen Zug voller Betonschwellen passierte die 110 043 der PRESS am 8. Februar 2014 den

Bahnübergang von Dahlewitz auf dem Weg von Möllenhagen nach Pirna

B. Schulz

PRESS

110 wirbt für National Express

Für das demnächst in Nordrhein-Westfalen tätig werdende EVU

National Express wirbt die neue 1 1 0 043 der PRESS, die einen

interessanten Lebenslauf vorweisen kann: Zuletzt in weißer Lackie -

rung als 1 1 0 51 1 des Werkes Dessau aktiv, trug die 1 959 bei Krauss-

Maffei gebaute Lok bis 1 968 die Betriebsnummer E 40 1 1 34, dann

1 39 1 34. Um eine Unfall-1 1 0 zu ersetzen, wurde die Lok im Jahre

1 985 als 1 1 0 51 1 wieder aufgebaut und in Dienst gestellt. BS

CENTRALBAHN

Eishockey-Sonderzüge

Die seit Februar 201 0 als GeraMond-Werbelok beklebte 1 042.520

der Centralbahn kam am 2. Februar vor einem Sonderzug für Fans

des Eishockeyclubs „Kölner Haie“ zum Einsatz, der ein Auswärts -

spiel bei den „Schwenninger Wild Wings“ zu absolvieren hatte. In

Villingen kam es zu einem Treffen mit einem weiteren, Taurusbespannten

Sonderzug, in dem die VIPs befördert wurden. TB

Begegnung in Villingen am 2. Februar: Der Taurus ES 64 U2-1 und die

GeraMond-Lok 1042.520 mit Eishockey-Sonderzügen

T. Böhme

PRIVATBAHNEN | TICKER

NEG mit PmGs

Seit Jahresbeginn werden im Bahnhof

Dagebüll Mole insgesamt 9.000 Ton -

nen Sturmholz auf Rungenwagen der

Gattung Snps verladen. Das Holz

stammt von den Inseln Amrum

(7.000 Tonnen) und Föhr (2.000 Ton -

nen) und war Folge der Orkane

Christian (Ende Oktober 2013) und

Xaver (Anfang Dezember 2013).

Wegen des geringen Tiefganges

werden die Baum stämme aus Amrum

mit kleinen Frachtschiffen abtrans -

por tiert. In Dagebüll Mole erfolgt die

Verladung mit Greif baggern, teils

sogar direkt vom Schiff aus. Zu

Rangierzwecken kommt der zwischen

Niebüll und Dagebüll Mole pendelnde

Triebwagen der Nord deutschen

Eisenbahngesellschaft (neg) zum

Einsatz. Die Holzwagen werden mit

den Planzügen hinter der Triebwagen

mitgeführt und in Niebüll gesammelt.

Ziel der Holztransporte sind süd -

deutsche und öster reichische

Sägewerke.

AWA

EBM-140 in Firmenfarben

Seit Ende Januar 2014 ist 140 070 in

den Firmenfarben ihres Eigentümers

EBM-Cargo im Einsatz. Der Lokrah -

men wurde im Werk Dessau schwarz

und der Lokkasten dunkelrot lackiert.

Zudem erhielt die Lok eine gelbe Zier -

leiste. Loknummer, EBM-Cargo-Logo

und diverse Seitenanschriften wurden

ebenfalls in Gelb angebracht. AWA

LOKMagazin 04 | 2014

19


AKTUELL

Die HSB-Dampflok 99 6101, liebevoll auch „Pfiffi“ genannt, wird am 17. und 18. Mai mit dem Traditionszug

der Bahn zum Brocken und nach Nordhausen dampfen

D. Bahnsen/HSB

HARZER SCHMALSPURBAHNEN

100 Jahre alt: „Pfiffi“ und „Fiffi“

Die Dampfloks 99 6101 „Pfiffi“ und 99 6102 „Fiffi“ feiern in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die

beiden 1914 gebauten C-Kuppler blicken einer gesicherten Zukunft bei der HSB entgegen

Ursprünglich wurden beide Maschinen

im Jahre 1 91 4 von der

Firma Henschel als Versuchslokomotiven

für die Heerestechnische

Prüfungskommission der

Heeresfeldbahnen gebaut und

im Harz erprobt. Dieser Einsatz

währte jedoch nur kurz, beide

Loks verblieben für die nachfolgenden

Kriegsjahre bei der Heeresfeldbahn.

Im Jahre 1 91 7 kehrte

die heutige 99 61 01 dann in

den Harz zurück. Sie wurde von

der Nordhausen-Wernigeroder

Eisenbahn (NWE) erworben und

als „NWE 6“ in den Fahrzeugpark

eingestellt. Drei Jahre später

folgte ihr die 99 61 02, die

nach einem Umweg über die

Nassauische Kleinbahn als

„NWE 7“ fortan über Harzer

Schmalspurgleise dampfte.

Ihre heutigen Betriebsnummern

erhielten die Loks dann 1 949 im

Zuge der Übernahme der NWE

durch die DR. Es folgten weitere

Jahrzehnte des Einsatzes im

Harz, vor allem im Rangierdienst

und Rollbockverkehr in

Nordhausen und Wernigerode,

bis 99 61 02 im Jahre 1 986 und

die 61 01 sechs Jahre später abgestellt

wurden. Nach Betriebs -

übernahme durch die HSB wurden

beide Loks betriebsfähig aufgearbeitet.

Derzeit ist nur die

99 61 01 einsatzbereit, die am 1 7.

und 1 8. Mai mit Foto-Sonderfahrten

zum Brocken und nach

Nordhausen fahren wird. Infos

und Fahrkarten sind auch unter

www.hsb.wr erhältlich. LM

Im Werk Meiningen werden derzeit mehrere HSB-Wagen aufgearbeitet,

um in der Sommersaison wieder betriebsbereit zu sein Grimm/DLW

20


MUSEUM

TERMINE

Bleibt im Bahnpark Augsburg: die Ae 4/7 10949 der SBB

BAHNPARK AUGSBURG

Ae 4/7-Verbleib langfristig gesichert

Die „Stiftung Historisches Erbe der Schweizerischen Bundesbahnen“

(SBB Historic) in Bern und der Bahnpark Augsburg haben am

1 0. Februar 201 4 einen Leihvertrag unterzeichnet, der den Verbleib

der historischen Elektrolokomotive Ae 4/7 1 0949 für weitere 20

Jahre im Bahnpark Augsburg sichert. Das außergewöhnliche

Exponat konnte somit in den Kernbestand des Museumsprojektes

integriert werden.

LM

DAMPFLOK 99 651

Denkmal wechselt Standort

Am 27. Januar 201 4 wechselte die Schmalspurlok 99 651 im schwä -

bischen Steinheim an der Murr ihren Standort, aber nur proviso -

risch innerhalb des einstigen Bahnhofsgeländes. Sie stand dem Bau

eines Verkehrskreisels im Weg. Die Stadt ist seit 1 984 Eigentümerin

der Lok und hat bislang alle Eisenbahnfreunde-Vereinigungen

abblitzen lassen, die Interesse an der Lok zeigten.

HJK

Mittels Kran wurde 99 651 in Steinheim/Murr umgesetzt

M. Hehl

H.-J. Knupfer

05.04.2014

Erzgebirgsrundfahrt

Dampfsonderzug von Dresden mit

01 0509 und 35 1097 ins deutsche und

tschechische Erzgebirge.

Info: www.dampflok-glauchau.de

06.04.2014

Westerwaldexpress

Mit 52 4867 von Frankfurt-Süd zur

Erlebnisbrauerei Hachenburg.

Info: www.frankfurt-historischeeisenbahn.de

06.04.2014

Dampfzug rund um Trier

Anlässlich des 10. Trierer Ostermarktes

bietet der Verein 5519 a.s.b.l. einen mit

einer Lok der Baureihe 42 (CFL-5519)

bespannten Sonderzug rund um Trier

an. Info: info@5519.lu

12.04.2014

Schienenbusfahrt

Mit dem Roten Flitzer in den Pfälzer

Frühling: Sonderfahrt von Stuttgart

nach Bad Dürkheim.

Info: www.roter-flitzer.de

12.+13.04.2014

Museumstage

Zwei Tage Volldampf im Eisenbahn -

museum Bochum. Zahlreiche

Fahrzeuge anderer Museumsbahnen

sind zu Gast und unterstützen die

Lokomotiven des Eisenbahnmuseums

bei Sonderfahrten und Vorführungen.

Info: www.eisenbahnmuseumbochum.de

18.–21.04.2014

Osterdampf im Preßnitztal

Dampffahrbetrieb im Stundentakt,

Omnibusverkehr der „Ausflugslinie

Preßnitztal“ zwischen Wolkenstein und

Bahnhof Steinbach mit Anschluss an

die DB-Erzgebirgsbahn.

Info: www.pressnitztalbahn.de

18.–21.04.2014

Osterdampf in Schönheide

Museumszüge zwischen Schönheide

und Stützengrün. Info: www.museumsbahn-schoenheide.de

18.–21.04.2014

Osterhasenexpress

Museumszüge zwischen Radeburg und

Radebeul mit Osterüberraschungen.

Info: www.traditionsbahn-radebeul.de

21.04.2014

Schienenbusfahrten

Mit dem Uerdinger 796 901 über die

Strecke Rinteln – Stadthagen.

Info: www.der-schaumburger-ferst.de

27.04.2014

Dampfzug nach Heidelberg

Sonderfahrt von Würzburg und

Tauberbischofsheim über Osterburken.

Info: www.liebliches-taubertal.de,

www.eisenbahnmuseumwuerzburg.de.

LOKMagazin 04 | 2014

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AKTUELL

Der TW 215 der Gothaer Straßenbahn und 772 345 am Gleisdreieck Walthershausen

K. Breier

MUSEUMSBAHN | NEWS

1.435 mm trifft 1.000 mm

Unter diesem Motto stand am 25. Janu -

ar eine Sonderfahrt zur Thüringer -

waldbahn. Der eingesetzte LVT konnte

mehrfach neben oder auch unter

elektrischen Triebwagen der Waldbahn

und der Gothaer Straßenbahn

abgelichtet werden.

LM

Heideexpress lokbespannt

Nach dem letztjährigen Erfolg wird

auch 2014 der Bispinger Heideexpress

zwischen Bispingen und Lüneburg

jeden Mittwoch vom 16. Juli bis zum

20. August verkehren. Im ersten Jahr

des zweijährigen Probe betriebs wurden

insgesamt 632 Fahr gäste gezählt. Zum

Einsatz kam 2013 der MaK-Großraum-

Dieseltrieb wagen GDT 0518 der

Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde

Lüneburg (AVL). Wegen der Fristablaufs

im Oktober 2013 und einer noch nicht

durchgeführten Hauptuntersuchung

kann dieser 2014 jedoch nicht genutzt

werden. Als Ersatz fährt eine Diesellok

mit zwei, bei Bedarf drei, Personen -

wagen, in denen maximal 200 Fahr -

gäste Platz finden, und einem

Fahrradtransportwagen. An jedem

Verkehrs tag befahren zwei Zugpaare

die etwa 40 Kilometer lange Strecke in

etwas mehr als einer Stunde. AWA

HANOMAG-DAMPFLOK 3

Lok mit interessanter Vergangenheit

Zum Bestand der 800-mm-Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau

zählt auch die 1 928 von Hanomag für die Klöckner-Werke in Georgsmarienhütte

gebaute Lok 3 mit 830 mm Spurweite. Während ihres

Einsatzes als Werklok mit acht weiteren gleicher Bauart erhielt

sie 1 963 einen geschweißten Neubaukessel. 1 970 wurde sie abgestellt

und ging über einen Metallverwerter zur NSS Stichting Stoomcentrum/Niederlande.

Von dort erwarb die Firma Hanomag die Lok

zurück und stellte sie 1 981 als Denkmal vor der Hauptverwaltung in

Hannover-Linden auf. 1 986 wurde sie an eine Privatperson verkauft.

Da sich deren Vorstellungen der Leihgabe an ein Industriemuseum

in Hannover nicht umsetzen ließen, konnten die Leipziger Museumsbahner

die Lok im Jahr 1 993 erwerben. Leider konnte eine geplante

Umspurung noch nicht realisiert werden.

RB

830 mm Spurweite: Hanomag-Lok 3 in Leipzig-Lindenau R. Bäzold

DB Museum Nürnberg

Am 31. März wird DB-Chef Dr. Rüdiger

Grube einen weiteren Teil der

Dauerausstellung des Nürnberger

Museums eröffnen, der sich der

Entwicklung der Bahn im Zeitraum von

1989 bis heute widmet. LM

22


MUSEUM

Mit ihrem Foto-Güterzug passierte die 50 3708 am 2. Februar 2014 die Muldebrücke in Bernburg M. Behrla (2)

FOTOZÜGE

Erinnerungen an Reichsbahn-Zeiten

Mit Fotozügen wurde in diesem

Winter an die letzten Jahre des

DR-Dampfbetriebs erinnert. So

kam am 26. und 27. Januar 201 4

die 52 81 54 zusammen mit zwei

1 72 auf Nebenstrecken rund um

Leipzig zum Einsatz, so auch auf

der alten Stammstrecke nach

Trebsen.

Die Halberstädter 50 3708 hatte

am 2. Februar Auslauf: Mit zahlreichen

Güterwagen im Schlepp

war die Lok zwischen Aschersleben,

Bernburg und Köthen unterwegs.

Die Lok hat im September

201 4 Fristablauf, Infos zur

„IG 50 3708“ gibt es unter:

www.dampflok-halberstadt.de LM

Foto-Nacht in Trebsen mit LVT und der einst in Engelsdorf beheimateten und hier eingesetzten 52 8154

LOKMagazin 04 | 2014

23


AKTUELL

Mit modernem Gerät versucht die ÖBB, der Schneemassen Herr zu werden

Ch. Posch/ÖBB

ÖBB

Schneechaos in Österreich

Der deutsche Winter ist in diesem Jahr ein besserer Frühling – in Österreich hingegen sorgten enorme

Schneefälle für erhebliche Beeinträchtigungen des Eisenbahnverkehrs

24

de. Schneefälle von mehr als einem

halben Meter innerhalb

kurzer Zeit stellen keine Seltenheit

dar und wurden, wie die

Vergangenheit zeigte, von den

Bahnverwaltungen auch mühelos

bewältigt.

Es fehlt an Personal

Zum Freihalten der Strecken stehen

dem Infrastrukturbetreiber

zahlreiche Geräte wie Schneepflüge,

Schneeschleudern, Weichenheizungen

zum Fernhalten

von Schnee in den Weichenzungen

und -herzen zur Verfügung.

Ein wichtiger Faktor ist nach

dem ersten Räumen des Schnees

eine entsprechende Zugfrequenz,

die den zwischenzeitlich

gefallenen Schnee mittels der

Bahn- bzw. Schneeräumer aus

dem Gleisbereich wirft. Die

Hauptarbeit haben aber die

Schneeflugmannschaften mit

gezielten Räumfahrten zu lei-

Einsetzende Schneefälle in der

Nacht vom 30. auf den 31 . Januar

201 4 setzten vor allem den Süden

Österreichs außer Gefecht.

Dies bedeutete die Einstellung

des Bahnverkehrs auf der Drau -

talbahn von Spittal-Millstättersee

über Lienz nach San Candido,

der Tauernbahn, der Gailtalbahn,

der Bahnstrecke nach Italien

und der Karawankenbahn (verbunden

mit heftigem Eisregen

in Slowenien samt gebrochener

Fahrleitungsmasten). Auch Teile

der Südbahn waren noch bis

Ende Februar von Sperrungen

betroffen, hier stürzten mangels

vorsorglichem Freischnitt mehrere

Nadelbäume infolge der

Schneelast auf die Oberleitungen.

Nicht betrieben wurde auch

die Nebenbahn nach Bad Radkersburg,

weil aufgrund der Aufräumarbeiten

die Zuführung der

Dieseltriebwagen bzw. eine Betankung

vor Ort unmöglich wursten.

Problematisch haben sich

hier die Personal einspa rungen

erwiesen, denn für eine Vielzahl

von Strecken stehen nur noch

ganz wenige erfahrene und ausgebildete

Mitarbeiter zur Verfügung,

die bei einer solchen Wetterlage

und einem Einsatz rund

um die Uhr rasch überfordert

sind und an körperliche Grenzen

stoßen. Die Folgen des Wintereinbruches

waren tagelange

Strecken sperrungen. Trotz des

Be mühens, einen Notbetrieb

auf recht zu erhalten, blieb die

Bahnlinie Lienz – San Candido

bis zum 5. Februar 201 4 gesperrt.

Die Gailtalbahn wurde in

zwei Etappen vom Schnee befreit

und stand am 7. Februar bis

Hermagor bzw. eine Woche später

für den Gesamtverkehr wieder

zur Verfügung, wofür 250

Mann notwendig waren! Bereits

am 1 1 . Februar war die Karawankenbahn

wieder befahrbar. MI


ÖSTERREICH

ÖSTERREICH | NEWS

Am 12. Februar wurde die 1144.281 mittels Autokran bei der Haltestelle

Brennersee geborgen

Ch. Posch

BRENNERBAHN

Unglück im Bahnhof Brennersee

Ein spektakulärer Unfall ereignete sich am 1 0. Februar, bei dem

drei Leichtverletzte zu beklagen waren: Eine 1 89-Doppeltraktion

von Lokomotion machte sich beim Umsetzen im nördlichen

Bahnhofsteil des Grenzbahnhofes Brenner selbständig und rollte

talwärts. Nach 700 Metern prallten beide frontal auf eine kurz

zuvor abgestellte Teilgarnitur der „Rollenden Landstraße“. Die

Maschinen bohrten sich durch die Wucht des Aufpralls in den Rola-

Begleitwagen hinein und schoben diesen sowie die abgestellte

1 1 44.281 über den Prellbock hinaus in das denkmalgeschützte

Bahnhofsgebäude Brennersee.

MI

ÖBB

Sonderzüge zum Skifliegen

Zum Skiflugwettbewerb am 1 2. Januar verkehrten mehrere

Sonderzüge zur nahe Bad Mitterndorf gelegenen Kulm-Schanze.

Vor den aus Wagen der ÖBB, der MAV und privaten EVU

gebildeten Zügen aus Graz, Wien-Meidling sowie Wien FJB kamen

mit 1010003, 1010.10, 1110.522 und 1 1 44 005 sowie 1 1 44 1 06

interessante Triebfahrzeuge zum Einsatz.

DZ

Mit dem Sonderzug aus Wien FJB zum Skispringen am Kulm ist am

12. Januar die 1010.10 nahe Selzthal unterwegs. Hinter der Lok sind

angemietete MAV- Wagen zu erkennen

D. Zehetner

1144 ohne Antennen

Beim Umbau der ÖBB-Reihe 1044.2 zur

Reihe 1144 mit Typenvereinheitlichung

wurden die ersten 20 Loks (1144.200 –

219) mit einer Funkfernsteuerung für

den Brenner-Verkehr ausgerüstet. Diese

20 Triebfahrzeuge waren deutlich an

den im Dachbereich montierten

Funkantennen zu erkennen. Da das

gesamte Projekt der Funkfernsteuerung

aus verschiedenen Gründen

seitens der ÖBB Traktion bzw.

Produktion GmbH nicht mehr weiter

verfolgt wurde, begann man ab dem

Jahreswechsel 2013/14 damit, die

überflüssigen Antennen (Aufnahme:

1144.214 am 15. Februar ohne

Antenne, M. Inderst) von den Dächern

abzubauen und die zurückbleibenden

Löcher zu verschließen.

MI

KAT-Bau geht weiter

Am 17. Januar 2014 wurde im Beisein

zahlreicher, politischer Prominenz das

dritte Hauptbaulos der Koralmbahn

(KAT) übergeben. Seit Mitte Januar 2014

werden vom Lavanttal ausgehend die

zwei Tunnelröhren durch den Berg in

Richtung Steiermark getrieben. Die

bereits vorhandene, 8,2 Kilometer lange

Südröhre wird auf das Vollprofil

ausgebrochen. Dazu kommen noch

weitere 2,7 Tunnelkilometer. Der

Tunneldurchstich wird für 2016

erwartet. Die Fertigstellung der

Gesamtstrecke ist für 2020 geplant und

wird ca. 300 Mio. Euro kosten. MI

Strecken zu verkaufen

Die ÖBB beabsichtigen, zwei Strecken

in Niederösterreich zu veräußern, und

zwar den Abschnitt zwischen Mistel -

bach und Hohenau an der March, auf

dem der Verein Landesbahn aktiv ist.

Dort finden noch vereinzelt Ver -

schubfahrten statt. Auch das Teilstück

Pernhofen-Wulzenhofen – Zellerndorf,

auf dem kein planmäßiger Betrieb mehr

stattfindet, steht zum Verkauf. MI

LOKMagazin 04 | 2014

25


AKTUELL

ÖSTERREICH | NEWS

Kammerer Bahn wird verkürzt

Der Bahnhof Kammer-Schörfling wur -

de im Zuge des Bahnbaues der 8,7 km

langen Strecke Abzw. Vöcklabruck –

Kammer-Schörfling im Jahr 1881/82

errichtet. Nach 132 Jahren wird dort

am 21. April 2014 der letzte Zug

einfahren. Von 22. April bis 27. Juni

2014 wird zwischen Siebenmühlen-

Rosenau und Kammer-Schörfling ein

Schienenersatzverkehr mit Bussen

eingeführt. Der direkt am Attersee

gelegene Bahnhof (Aufnahme am

6. Februar mit 4855.002+001, M.

Leitner) wird stillgelegt und muss

einem Hotelprojekt weichen. Im

Ortszentrum wird eine neue End -

haltestelle mit Busterminal und Park &

Ride errichtet. Die übrige 640 m lange

Strecke sowie der alte Bahnhof

werden bis etwa Mitte 2015 entfernt.

Im Zuge des Neubaus soll ab Ende Juni

2014 auch der Fahrplan der

sogenannten Kammererbahn wieder

etwas verdichtet werden. ML

298.56 mit Rollbock- Fotozug auf der Stainzerbahn Preding-Wieselsdorf

– Stainz bei Neudorf am 25. September

A.Stettner

WESTBAHN

Mehr Bedeutung im Güterverkehr

Die alte Westbahn dient seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke

durch das Tullnerfeld vermehrt dem Güterverkehr. Durch den

Wegfall des Fernverkehrs steht eine Vielzahl an Trassen für den

Zugverkehr zur Verfügung. Zudem kann man über die Westbahn

wesentlich schneller von Wien nach St. Pölten gelangen als über

den Umweg über die Franz-Josefs-Bahn und Herzogenburg. MI

ÖBB/FS

Verkehr nach Italien aufgewertet

Seit dem 1 4. Dezember 201 3 gibt es wieder eine durchgehende

Tagesverbindung zwischen Wien und Venedig über Tarvisio. Die

Verbindung wurde in Österreich wegen des fehlenden Speise -

wagens als InterCity eingestuft, in Italien wird das Zugpaar als

EuroCity geführt. Zum Einsatz kommen auf der gesamten Strecke

stets die 1 21 6.005, 006 oder 007, die beim eingestellten Korridor -

verkehr zwischen Lienz und Innsbruck frei geworden sind. ML

Die 1216.005 mit dem Italien-IC 31 bei der Durchfahrt in Thörl-Maglern am 25. Januar

M. Leitner

26


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AKTUELL

Schneeschleudereinsatz auf der Bernina-Bahn mit einer Zweikraftlok Gem 4/4

H.-B. Schönborn

RHÄTISCHE BAHN

Neues vom Fahrzeugpark

Zufrieden ist man bei der RhB mit den Allegra-Triebzügen, Probleme gibt es hingegen mit den Groß-

Dieselloks aus deutscher Produktion. Zum Alltag der großen Privatbahn zählen aber auch

Modernisierungen älterer Fahrzeuge sowie die Verschrottung nicht mehr benötigten Rollmaterials

Nachdem die Strecke Chur –

Arosa seit dem 20. Dezember

201 3 wieder durchgehend befahrbar

ist und die beiden Allegra,

die auf dem oberen

Streckenabschnitt im Inselbetrieb

fuhren, wieder frei verfügbar

(ABe 8/1 2 3506) bzw. repariert

(ABe 8/1 2 3503) sind,

können zeitweise alle 1 4 Allegra

eingesetzt werden, was zu einer

entspannten Lage beim Rollmaterial

führte.

Von den alten Vorortpendeln waren

in letzter Zeit der Triebwagen

Be 4/4 51 4 und der Steuerwagen

ABDt 1 71 6 im Allegra-

Look lackiert worden. Nun steht

auch ein Zwischenwagen in neuer

Lackierung zur Verfügung, sodass

ein dreiteiliger Zug gebildet

wurde, der zusammen mit einem

zweiten Vorortpendel die

Sportzüge Davos Platz – Klosters

Dorf bedient. Für diese Züge, die

von Dezember bis Mitte März

28

täglich im Stundentakt verkehren,

wird seit jeher älteres Rollmaterial

eingesetzt.

Problematische Dieselloks

Probleme gibt es offensichtlich

mit den neuen Groß-Diesellokomotiven

Gmf 4/4 28701 –04, die

von der Schalker Eisenhütte in

Gelsenkirchen gebaut wurden

und von denen sich eine bereits

seit einiger Zeit im Engadin befindet.

Geplant war, diese Maschine

möglichst rasch in Betrieb

nehmen und im harten

Wintereinsatz zusammen mit einer

Schneefräse oder einer

Schneeschleuder ausführlich

tes ten zu können, doch scheint

es Probleme mit der Kühlung zu

geben, so dass es nach 1 5 bis 20

Minuten Betrieb zu einer

Schnellabschaltung kommt und

die nicht ausreichend dimensionierten

Geräte ausgetauscht werden

müssen.

Zerlegt wurde die 1 967 beschaffte

Schneeschleuder Xrot et 921 8,

da seit dem Winter 201 2/1 3 zwei

moderne Zaugg-Schneefräsen

für die Bernina-Strecke zur Verfügung

stehen. Das Schwester-

Fahrzeug Xrot et 921 9 wirdnoch

als Reserve vorgehalten.

Neue Pendelzüge kommen

Nachdem die nötigen Nachweise,

dass ein Pendelzug-Betrieb

auf der Albula-Strecke möglich

ist, erbracht worden sind, können

die von der RhB bei Stadler

bestellten, siebenteiligen Albula-

Gliederzüge gebaut werden. Die

Lieferung ist für 201 6/1 7 vorgesehen.

201 7/1 8 sollen dann 1 3

Universalsteuerwagen folgen,

die die Bildung von weiteren

Pendelzügen mit vorhandenem

Rollmaterial ermöglichen. Frü -

hestens ab 201 9 will die RhB

dann 1 9 neue Triebzüge in Betrieb

nehmen.

SÖN


SCHWEIZ

Vorwiegend mit modernen Stadler-Triebzügen wird die Brünig-Strecke

der Zentralbahn bedient, hier ein Idyll am Brienzer See

ZB

ZENTRALBAHN

Ausbau der Brünig-Linie

Die meterspurige Zentralbahn (zb) hat am 1 7. Januar 201 4 den

neuen Doppelspurabschnitt „Zollhaus“ zwischen Sachseln und

Giswil auf der Strecke Luzern – Meiringen – Interlaken Ost (einst

SBB-Brünigbahn) in Betrieb genommen. Die Kosten beliefen sich

auf 1 2,5 Millionen Franken. Planmäßige Kreuzungen wird es auf

diesem Streckenabschnitt wahrscheinlich erst 201 6 geben, wenn

die S55, Luzern – Sachseln, mit je zwei Zugpaaren morgens und

abends bis Giswil verlängert wird.

SÖN

RALPIN

Die „Rollende Landstraße“ floriert

RAlpin, die Betreiberin der RoLa zwischen Italien und Deutsch -

land, konnte 201 3 ein Rekordergebnis einfahren, da es im Gegen -

satz zu 201 2 keine nennenswerten Streckensperrungen gab: Es ver -

kehr ten fast 5.500 Züge, die zu durchschnittlich 87 Prozent ausge -

lastet waren, sodass 1 09.000 Lastwagen transportiert wurden. Da

die Radsatz-Aufarbeitung in der eigenen Werkstätte erfolgt, können

die Züge fast immer mit 21 Niederflurwagen geführt werden, der

größten Länge, welche die Infrastruktur zulässt.

SÖN

Praktizierter Umweltschutz: Ein voll ausgelasteter RAlpin-Zug durch -

fährt die Schweiz auf dem Weg von Freiburg nach Novara RAlpin

LOKMagazin 04 | 2014

SCHWEIZ | NEWS

TGV Bern – Basel

Seit dem Fahrplanwechsel 2013 fährt

der TGV Bern – Paris nicht mehr über

Neuchâtel – Pontarlier, sondern über

Olten – Basel, was die Fahrzeit um 15

Minuten verkürzt. In Basel wird der Zug

mit einem TGV Zürich – Paris vereinigt.

Von Paris nach Bern beträgt der Zeit -

gewinn lediglich sechs Minuten. Als

einziger Zug hat der TGV keinen

planmäßigen Halt zwischen Bern und

Basel, trotzdem benötigt er für die

Strecke 73 Minuten, während die Takt-

IC sie mit einem Halt in Olten in 55

Minuten zurücklegen. Der Grund für die

lange Fahrzeit ist die Tatsache, dass die

TGV wegen des Fehlens einer

funktionierenden ETCS-Ausrüstung die

Neubaustrecke Mattstetten – Rothrist

nicht befahren dürfen, sondern die

kurvenreiche Bestandsstrecke über

Burgdorf benutzen müssen. SÖN

Alle Eem 923 ausgeliefert

Im Dezember 2013 hat der Schweizer

Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler die

letzten beiden Zweikraft-Lokomotiven

des Typs Eem 923 an SBB Cargo

abgeliefert (Aufnahme: SBB). Und so

sind die zwei achsigen Lokomotiven nun

in der gesamten Schweiz bei der Fein -

ver teilung des Wagenladungsverkehrs

anzutreffen.

SÖN

Neue Emmentalbahn

Die Konzessionen für den Betrieb der

beiden Strecken von Sumiswald-

Grünen nach Huttwil und Wasen im

Emmental hat der Bund von der BLS

Netz AG auf die neu gegründete

Emmentalbahn GmbH (ETB) übertragen,

die auf diesen Strecken einen

Museumsbetrieb durchführen möchte.

Die Konzession verpflichtet jedoch die

ETB, dafür Sorge zu tragen, dass der

Güterverkehr im heutigen Umfang

weitergeführt werden kann. Für die

dazu notwendige Instandhaltung der

Infrastruktur wird eine Leistungsvereinbarung

zwischen Bund, Kanton Bern

und ETB geschlossen.

SÖN

29


AKTUELL

Typisch englisch: Auch die neuen Desiro-City von Siemens für den S-Bahn-ähnlichen Verkehr auf der Thameslink-Linie

entsprechen dem britischen Lichtraumprofil und sind schmal und niedrig

R. Whynal

GROSSBRITANNIEN

Modernisierung bei Thameslink

Über 1.100 Fahrzeuge des Typs Desiro-City wird Siemens in den kommenden drei Jahren nach

Grossbritannien liefern. Die Erprobung der ersten Exemplare ist bereits angelaufen

Die Thameslink-Linie ist eine

225 km lange Strecke, die von

Bedford durch London nach

Brighton führt und auch die Londoner

Flughäfen Gatwick und

Luton bedient. Aktuell zeichnet

die Gesellschaft First Capital

Connect für den Betrieb der mit

zwei Stromsystemen ausgestatteten

Strecke verantwortlich. Um

die Fahrzeugflotte einerseits zu

vergrößern bzw. ebenso zu modernisieren,

beauftragte man

Siemens im Juni 201 3 mit der

Lieferung von acht- und zwölfteiligen

Mehrsystem-Garnituren

(25 kV Wechsel-/750 V Gleich -

strom). Aus den insgesamt 1 .1 40

bestellten Einzelfahrzeugen werden

1 1 5 Triebzüge gebildet..

Die auf der Desiro-Plattform beruhenden

und bis zu 1 60 km/h

schnellen Fahrzeuge werden im

Werk Krefeld gefertigt und sollen

201 6 den kommerziellen Betrieb

aufnehmen. Nachdem die

Fertigung der ersten Exemplare

bereits begonnen hat, laufen derzeit

die notwendigen Abnahmeprüfungen.

Zwei Elemente eines

zwölfteiligen Triebwagens kamen

daher in den Wiener Klima-

Windkanal der RailTec Arsenal.

Wie heute leider weitgehend üblich,

erreichten die zwei Prüfobjekte

den Zielort nicht auf der

Schiene, sondern wurden aus

Kostengründen per Lastkraftwagen

angeliefert.

RW

Auch betagte Elloks finden noch einen Käufer, wenn der Preis

stimmt: Die 1957 von Skoda gebaute 140 059 der slowakischen Eisenbahn

wurde in Vrutky hauptuntersucht und an das polnische EVU

Rail Polska verkauft, das sie als 150 579 einsetzt

T. Böhme

30


WELTWEIT

WELTWEIT | NEWS

Die „Brotbüchsen“ 810 602 und 659 erreichten am 25. Januar 2014 das

verschneite Szklarska Poreba

J. Dietrich

POLEN/TSCHECHIEN

Isergebirgsbahn fährt wieder

Bereits seit Ende Oktober 201 3 ist die Strecke von Jelenia Gora

(Hirschberg) nach Szklarska Poreba Gorna (Oberschreiberhau) wieder

in Betrieb. Die anderthalbjährige Sperrung wurde dazu genutzt,

die Strecke mit Millionenaufwand zu sanieren, u.a. wurden neue

Bahnübergangssicherungsanlagen eingebaut. Das Zugangebot ist

beachtlich: So erreicht den Bahnhof Oberschreiberhau neben mehreren

Regionalzügen aus Hirschberg und Breslau auch ein saisonaler

IC aus Warschau. Der Bahnhof wurde mit neuen Bahnsteigen und

neuem Zugang zum Inselbahnsteig – gesichert durch Schranken –

ausgestattet. Die Verbindung nach Tschechien betreibt GW TRAIN

mit Triebwagen der Reihe 81 0.

JD

TSCHECHIEN

Railjet auf Probefahrt

Anfang Februar 201 4 haben in Österreich die Testfahrten mit dem

ersten Railjet der Tschechischen Eisenbahn (CD) begonnen. Die CD

haben 201 2 sieben Railjet-Züge bei Siemens bestellt, die ab Dezember

201 4 zusammen mit drei ÖBB-Railjets die Strecke Prag – Wien -

Graz im Zweistundentakt bedienen werden. Die Garnituren sind im

weiß-blauen CD- Farbschema lackiert und haben auch eine etwas

veränderte Innenausstattung gegenüber dem ÖBB-Vorbild. AS

USA: KM-Lok-Comeback

Zwischen 1961 und 1964 lieferte

Krauss-Maffei in zwei Serien insge -

samt 21 dieselhydraulische Großdie -

selloks des Typs ML4000 C´C´mit

4.000 PS an die ameri kanischen

Bahngesellschaften Denver & Rio

Grande Western und Southern Pacific.

Leistungsmäßig den in den USA

gebauten dieselelektrischen Loks

weit überlegen, wurden die letzten

Exemplare aber schon 1968 ausge -

mustert, da sie als zu wartungs inten -

siv galten. Die Lok SP-9010 wurde

anschließend zu einem „camera car“

umgebaut. 2008 kauften Eisenbahn -

freunde der „Pacific Locomotive

Association“ die Lok und begannen

mit der aufwen digen inneren und

äußerlichen Restaurierung. Mittler -

weile ist die Elektrik der Lok wieder

komplett hergerichtet, sodass von

ihrem Führerstand andere Die selloks

gesteuert werden können. Nach Ein -

bau beider Dieselmotoren soll die Lok

wieder in Betrieb genom men werden.

Info: http://sp9010.ncry.org LM

Frankreich: Zugunglück

Zwei Menschen starben und neun

wurden verletzt, als am 8. Fe bruar ein

Felsbrocken auf einen Zug des Train

des Pignes zwischen Annot und Saint-

Benoit im Departement Alpes-de-

Haute-Provence stürzte. Der rund

20 t schwere Felsbrocken traf den

ersten Wagen der zweitteiligen

AMP 800 etwa in Höhe des ersten

Drehgestells. Während dieser Wagen

nach dem Aufprall den Hang hinunter

rutschte, bis er von Bäumen aufge -

halten wurde, blieb der andere Wagen

entgleist auf der Trasse liegen. LM

Am 5. Februar 2014 befand sich der erste CD-Railjet, für Testzwecke vorerst noch als Fünfteiler, im Stromsystemwechsel-Bahnhof

Ebenfurth

A. Stettner

LOKMagazin 04 | 2014

31


TITELTHEMA

EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Stadt am Abstellgleis?

DENKMAL WASSERTURM 4.000 Menschen waren noch 1970 in

Bebra Beschäftigte der Bundesbahn. Beschäftigte? Nein: Ihr Herz schlug

für die Eisenbahn! Was ist davon geblieben? Eine eher traurige Bilanz

32


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Mit einem Messzug der Versuchsanstalt Minden rollt die 45 019 am

20. September 1965 in den Bahnhof Bebra ein Dr. Rolf Brüning

LOKMagazin 04/2014

33


TITELTHEMA

D

er hessische Eisenbahnknotenpunkt war vielen

bekannt. Hier stiegen bis 1 989 die Rentner

aus und nach der DDR um, hier hielten

die Intercitys von und nach München zum Personalwechsel,

hierher wendeten bis 1 973 die Lokomotiven

der Baureihe 01 .5 vom Bahnbetriebswerk

Erfurt P, hier begann eine vor der Elektrifizierung

schwierige und dicht belegte Strecke mit einem nahezu

90°-Bogen in Richtung Göttingen, hierher

kamen berühmten Leute von Kaiser Wilhelm I. bis

Willy Brandt. Auch Lenin war in Bebra, als er im

plombierten Wagen von der Schweiz nach Sassnitz

reisen durfte. Die beste Zeit hat der Bahnhof wohl

bis zum Ersten Weltkrieg erlebt.

Die Entwicklung zum Drehkreuz

Die Kurfürst-Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn baute

die erste Strecke bis 1 848 nach Guxhagen und weiter

nach Kassel. Im Jahr darauf wurde der Anschluss

zur Thüringer Bahn in Gerstungen erreicht.

Als 1 866 der Verkehr nach Hersfeld und

1 875 nach Eschwege 1 875 eröffnet wurde, war Bebra

ein Knotenpunkt mit mächtigem Bahnhofsgebäude

geworden.

1 869 und 1 870 wurde er wiederum erweitert. Es

erhielt keine großartige Empfangshalle, denn hier

wurde vorwiegend umgestiegen. Den Wartenden

standen Räume aller Klassen zur Verfügung, auch

ein prächtiger Speisesaal; es gab ein Fürstenzimmer.

Mit der 1 880 gebauten Güterabfertigung und

Umladehalle für Stückgut (1 91 9 abgebrannt, 1 924

bei Lispenhausen als „Bebra U“ neu in Betrieb), einer

1 890 gebauten Lokomotivstation mit vier

Schuppen – die Beheimatung und Behandlung der

Personen- und Güterzuglokomotiven war aufgeteilt

worden – und dem von 1 902 bis 1 906 errichteten

Verschiebebahnhof wurden in Bebra Eisenbahner

aller Fachrichtungen benötigt. Die Stadt

der Eisenbahnerfamilien gedieh.

Über eine neue 3,9 km lange Strecke, die sogenannte

„Berliner Kurve“, zwischen Faßdorf und

Blankenheim am 1 . November 1 91 4 mit dem dritten

Gleis bis Hönebach eröffnet, konnten die

Schnellzüge, ohne in Bebra wenden zu müssen,

und auch Güterzüge von und nach Erfurt in den

Verschiebebahnhof ein- bzw. ausfahren.

Im Jahr zuvor war das erste elektromechanische

Stellwerk in Betrieb gegangen. Die Reisezeitersparnis

lag bei 20 Minuten. Nur wer direkt nach

Bebra wollte, hatte das Nachsehen. Er konnte nicht

mehr alle Züge benutzen. Heute ist es wieder so.

Fast nichts durch Bomben zerstört

1 935, zum Hundertjährigen der deutschen Eisenbahnen,

hatte auch die Eisenbahnerstadt Bebra gefeiert.

Zu den Veranstaltungen kamen die neues -

ten Schnelltriebwagen.

1 937 ging im Güterbahnhof das Stellwerk „Bsb“

(später „Bsf“) in Betrieb, das am 1 3. Februar 1 966

aufgegeben wurde. Der Bahnhof erlebte am 4. Dezember

1 944 den ersten und einzigen Bombenangriff,

bei dem aber kaum etwas zerstört wurde.

Veränderungen durch die Elektrifizierung

Eine Ansichtskarte aus den 1950er-Jahren mit dem Blick in Richung Süden über die Gleisanlagen des

Personenbahnhofs Bebra. Im Vordergrund eine Doppelkreuzweiche mit äußeren Zungen Slg. Martin Weltner

34


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Bald danach waren die Bahnsteige schwarz von

Menschen und die Gleise voll von Heimkehrerund

Umsiedlertransporten.

Einer der Hauptknoten der Bundesbahn

Diese Blütezeit lebte fort trotz der Demarkations -

linie, Zonen- und Staatsgrenze im Osten, weil Bebra

nun erst recht mitten im Reise- und Güterzugstrom

der Nord-Süd-Verbindungen lag und ein

Grenzbahnhof geworden war. Bebra wurde zum

stark belasteten Knoten bei der Deutschen Bundesbahn.

Um ihn und auch die Strecke in Richtung

Eschwege zu entlasten, nahm die Bundesbahn

1 951 auf dem stark belegten, 1 2,2 km langen

Abschnitt bis Cornberg die erste Fernsteueranlage

mit Gleiswechselbetrieb in Betrieb. Dort sollten

„fliegende Überholungen“ möglich sein, aber die

Fernsteueranlage brachte nicht das erhoffte Ergebnis,

weil Überholungen nur unter ganz bestimmten

Voraussetzungen zustande kamen. Trotzdem

diente die Neuerung dem Bahnhof Bebra, weil

Kreuzungen und Überholungen auf die freie

Strecke verlegt werden konnten.

1 952 wurden das dritte Gleis Bebra – Hönebach

und das zweite Gleis der Berliner Kurve zurückgebaut

– man brauchte sie nicht mehr, da wegen der

Kontrollstelle sämtliche Züge von und nach Gers -

tungen in Bebra Aufenthalt haben mussten.

Der Verschiebebahnhof passte nicht mehr zu

dem Nord-Süd-Verkehr, weil jeder Zug gegen den

Ablaufberg in die Zerlegegleise geschleppt werden

BEBRA IM DB-KURSBUCH 1965

Am 21. Februar 1963 waren die Arbeiten zur Elektrifizierung im Gang. Für diese war der Gleisplan leicht

verändert worden. Die V 200 046 hat Ausfahrt mit dem D 383

Carl Bellingrodt/Slg. Helmut Brinker

LOKMagazin 04/2014

35


TITELTHEMA

Rampen aus Bebra heraus …

Die Erfurter 01 0526 arbeitet schwer vor einem langen Schnellzug auf der Steigung nach Hönebach 1971.

Rechts ist die Brücke der „Berliner Kurve“ zu sehen, die damals aber außer Betrieb war Hans van Engelen

Mindestens ebenso hart klingt der Drillingstakt der 01 1085 vom Bw Kassel vor dem F 211 am 7. Juli

1957. Sie meistert die Cornberger Steigung mit ihren langen Bögen Carl Bellingrodt/Slg. Helmut Brinker

36


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Zu Pfingsten im Juni 1965 war der Schuppen im Bahnbetriebswerk Bebra noch voll mit Dampflokomotiven.

Etliche DB-44er rahmen die Erfurter 22 044 ein, rechts rangiert eine 01.10 aus Kassel Ludwig Rotthowe

LOKMagazin 04/2014

musste. Außerdem waren die Einfahr- und Richtungsgleise

viel zu kurz. Anstoß für die Erweiterung

der Gleisanlagen gab die 1 962 bevorstehende

Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke, zumal Platz

für die Mastfundamente gerade dort gefunden werden

musste, wo die Gleise lagen. Der Wagenausgang

sollte von täglich 2.1 00 Wagen auf 3.000 angehoben

werden, wozu:

1. eine neue Einfahrgruppe oberhalb des Ablaufberges

mit direkten Einfahrten von Nord und

Süd,

2. längere Umspann-, Richtungs- und Ausfahrgleise,

3. eine leistungsfähige Ablaufanlage,

4. ein Nebenablaufberg für die Bildung von Nahgüterzügen

notwendig wurden.

1 961 begann der erste Bauabschnitt, zu dem der

Bau der neuen Einfahrgruppe und des Stellwerks

„Brf“ gehörte. Er wurde 1 965 abgeschlossen.

Gleichzeitig erhielt der Personenbahnhof 400 Meter

lange Bahnsteiggleise. Das Bahnbetriebswerk

P, die beiden Bahnmeistereien und die Signalmeis

terei erhielten neue Dienstgebäude.

Danach musste der Dienstort immer wieder Federn

lassen. „Bebra bleibt links liegen“, titelten die

Zeitungen, als die Details vom Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke

bekannt wurden. 1 977 erfuhren

die Einwohner Bebras von der einschneidenden

Entscheidung, dass die Neubaustrecke

nicht über Bebra geführt wird. Die Großstadt Kassel

hatte gegen die Kleinstadt Bebra gewonnen.

Der Fernreiseverkehr rollt seit 1 991 westlich an

Bebra vorbei. Nicht nur die Hochgeschwindigkeitsstrecke

brachte den Dienstort ins Abseits, sondern

die vielen, zum Teil unbedeutend erscheinenden

internen Entscheidungen, vom Streben nach

Wirtschaftlichkeit diktiert.

Bebras Stern sinkt

Jeder spürte gleich nach dem Aussteigen aus dem

Zug, dass die Bundesbahn nicht mehr als das Allernotwendigste

investierte. Die Stadt, die über

hundert Jahre lang mit, vor allem aber von der Eisenbahn

gelebt hatte, musste Abschied nehmen

von ihrer Monostruktur. Das Fluidum von Rauch

und Lärm, das jeden in diesem Bahnhofskomplex

packte, war bereits durch die Elektrifizierung mit

den neuen Loklangläufen und dem „Strukturwandel“

verloren.

1 20 Dampflokomotiven vom Betriebswerk Bebra

P wurden für die Schnellzugleistungen nicht

mehr benötigt, seit vom 8. März 1 963 an die Züge

nach Fulda und vom 24. Mai 1 963 an nach Hannover

mit elektrischen Lokomotiven fuhren.

Für den zweiten Bauabschnitt des Rangierbahnhofs

bis 1 974 gingen die beiden Ringschuppen des

37


TITELTHEMA

Bahnhof Bebra im Juni 1965: Die 22 008 vom Bw Erfurt P setzt den D 7 von Frankfurt (Main) nach

Warschau in Gang. Links auf dem Schild steht: „Interzonenreisende herzlich willkommen!“ Ludwig Rotthowe

Betriebswerks Bebra G verloren. Der Bedeutungsschwund

setzte sich fort.

Zum 1 . Januar 1 988 wurden die Nachrichtenmeistereien

Bebra und Fulda mit Sitz in Fulda zusammengelegt,

im Sommer die Lokomotiven der

Baureihe 1 50 nach Nürnberg verlegt, in der Werkstatt

fielen 22 Arbeitsplätze weg. Der Einsatz funkferngesteuerter

Rangierlokomotiven der Baureihe

365 seit dem 1 3. Februar 1 989 führte ebenfalls zu

weniger Personal.

38


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Die Bebraer E 40 1559 im März 1967 in einer Umgebung, die noch nach Dampflok riecht

Rolf Hahmann

1989 ist das Verwaltungsgebäude des alten Bahnbetriebswerkes verputzt. Die 111 106 vom Bw München

Hbf setzt um. Hinter ihr hat eine 110 aus Dortmund einen Zug aus der DDR übernommen Rolf Hahmann

Die Fernsteuerung von den Zentralstellwerken

tat ein Übriges. 1 970 waren noch 4.000 Eisenbahner

in Bebra tätig, 1 989 ganze 1 .400. Man

sprach in der Stadt schon von einem „Rheinhausen

der Bahn“.

LOKMagazin 04/2014

Für kurze Zeit flackerte der Reiseverkehr nach

und von Bebra wieder auf, als am 1 1 . November

1 989 die Neugierigen aus dem Osten in den Wagen

des Städte-Expresszuges „Rennsteig“ kamen.

Niemand war auf solch einen Massenverkehr vor-

39


TITELTHEMA

Ein Zug von TX-Logistik kommt vom Güterbahnhof und ist auf dem Weg nach Süden. Über die Brücke

verläuft das Gleis der „Berliner Kurve“ in Richtung Frankfurt. Der Schenker-Autozug verlässt ebenfalls

den Güterbahnhof und wird später an der Südausfahrt hinter dem TX-Zug einsortiert André Regenspurger

bereitet. Bereits im Frühjahr 1 990 hatte sich die Situation

normalisiert; der Fahrplan sah mehr Regelzüge

im Ost-West-Verkehr vor, ansonsten bevorzugten

„die von drüben“ den Pkw. Der

Bundesgrenzschutz rückte ab, im Jahr 2000 zog

das Zollamt nach Bad Hersfeld um.

Keine ICEs in Bebra

Seit dem 2. Juni 1 991 fuhren die ICE-Züge mit

Tempo 250 über die Neubaustrecke; dem Bahnhof

blieben lediglich wenige IC- und EC zwischen

Dresden/Leipzig und Saarbrücken/Paris sowie einige

Schnellzüge, die hier Kopf machten, eine

neue IR-Linie Flensburg – Fulda sowie Aachen –

Fulda. Vom großen Verkehrsstrom war Bebra noch

nicht ganz abgehängt.

Das erledigte das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit

Nummer 7 mit dem Ausbau der Strecke Bebra

– Erfurt. Denn die „Berliner Kurve“ ging wieder in

Betrieb, und die Fernzüge fuhren seit dem 28. Mai

1 995 östlich am Bahnhof vorbei. Das letzte Interregio-Zugpaar

auf der Nord-Süd-Strecke entfiel im

Mai 1 999.

Die halbherzig aufgebaute Mitte-Deutschland-

Verbindung Aachen – Bebra – Chemnitz ersetzte

den früheren Fernverkehr nicht. Von Ende 2002

bis 2007 verkehrten die ICE mit Neigetechnik, danach

mit Lokomotiven bespannte Intercitys, 201 3

nur noch ein Zugpaar. Immerhin besteht, zumindest

werktags, auf allen Strecken Stundentakt der

Nahverkehrszüge mit den Triebzügen des Eisenbahnunternehmens

Cantus, wenn auch nur über

kurze Entfernungen bis Eisenach, Fulda, Göttingen

und Kassel.

Güterverkehr? Unsicheres Geschäft

Der Rangierbahnhof sollte erweitert werden, weil

der Hauptgüterbahnhof Frankfurt (Main) aufgegeben

worden war. 2005 war nur noch von einem

„zentralen Knoten für das Wagenmanagement Au-

40


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Das Rangierstellwerk „Brf“

André Regenspurger

tomobilverkehre“ die Rede, wegen seiner zentralen

Lage, sollte der Rangierbahnhof „eine Flexibilitätsreserve

im Railion-Kernnetz“ sein, „Ausgleichskapazitäten“

im Einzelwagenverkehr bieten, wenn es

in Mannheim und Nürnberg zu Engpässen

kommt. Doch jede Krise im Güterverkehr schlägt

hart auf Bebra, wo Kurzarbeit angeordnet und die

Rangieraufgaben nach Kassel Rbf verlegt werden,

wie 2009.

Unbedacht war es, die Güterzugein- und Güterzugausfahrt

von und nach Osten abzureißen. Nun

müssen die Kali- und Güterzüge für den Rangier-

Das ist der Blick aus dem Stellwerk „Brf“ über Teile

des Güterbahnhofs

André Regenspurger

LOKMagazin 04/2014

41


TITELTHEMA

Ein Bild aus dem Januar 2014 zeigt die Südausfahrt des Bahnhofes Bebra. Über die Stahlfachwerkbrücke

führt das Gleis in den Güterbahnhof, dessen Anlagen westlich angesiedelt sind

André Regenspurger

Die Einfahrt in den Hönebacher Tunnel von Bebra aus bedeutet, dass man den Anstieg geschafft hat. Für

den Triebwagenführer der Erfurter Bahn kein Problem, für die Heizer früher schon … André Regenspurger

42


EISENBAHNKNOTEN BEBRA

Der Abzweig Faßdorf an der Hönebacher Rampe, die so genannte „Berliner Kurve“: Der ICE fährt in

Richtung Frankfurt und an Bebra vorbei. Der Cantus-Zug fährt nach Eisenach

André Regenspurger

bahnhof bis Bebra U durch den Personenbahnhof

fahren, dort umgespannt werden und zurück

durch den Personenbahnhof fahren.

Traurig ist es um das ehemalige Bw bestellt. Der

Lokschuppen 1 mit Drehscheibe ist noch in Betrieb,

die Scheibe wurde kürzlich modernisiert und

die Werkstatt renoviert. Sämtliche Weichen sind

auf Ortsbedienung umgebaut worden. Die Drehscheibe

wird von der Lokomotive aus bedient.

Wer die Chronik Bebras Revue passieren lässt,

kann den Stolz derer verstehen, die sich nie nur als

„Mitarbeiter“ der DB gefühlt haben, sondern denen

das Eisenbahnerblut in den Adern pulste. Sie

erleben wehmütig, wie Bebra zum rostenden

Stand ort wird. Seit 2000 berichten die Zeitungen

nur noch von der „Stadt am Abstellgleis“. Hier

scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: sonntags

und in der Woche stundenweise ein toter Bahnhof,

kurze Nahverkehrszüge, lange Güterzüge nur im

Durchlauf, die Zukunft ist völlig ungewiss. Schon

gibt es Pläne, an die Stelle der einst belebten Gleise

ein Freizeit- und Badeparadies zu setzen. Und

dann horcht man auf, wenn man nach der Fahrdienstleitermisere

von Mainz erfährt, dass nun

auch in Bebra wegen fehlender Fahrdienstleiter

stundenweise kein Zug fahren kann. Erich Preuß

SEHENSWERT: BEBRA UND SEIN WASSERTURM

Wahrzeichen und Museum

Der Wasserturm mit der Kugel nach

Schaefer auf dem Solzer Berg ist das

Wahrzeichen der Stadt geworden. Sie

kaufte ihn und die Parzelle 1985 für

eine symbolische Mark, weil die

Deutsche Bundesbahn an diesem

Bauwerk nicht mehr interessiert war.

Die Königlich Preußischen Staats -

eisenbahnen nutzten seit 1910 diesen

500 m 3 Wasser fassenden Behälter

auf dem Turm und den unter dem

Solzer Berg liegenden Rasenbehälter

von 1.200 m 3 als Reservebehälter.

Vom Wasserturm aus wurden 15

Wasserkrane, drei dampfbetriebene

Feuerlöschhydranten, zwei ober -

irdische Feuerlöschteiche, ein unter -

irdischer Feuerlöschteich, die

WC-Anlagen des Bahnhofs, eine Wasch -

küche und die Heiz- und Gasanstalt

versorgt. 1952 wurden elektrische

Pumpen installiert, die das Wasser aus

der Fulda in den Turmbehälter

förderten. Mit der Traktionsumstellung

verlor der Wasserturm seine Aufgabe

und wurde 1984 stillgelegt. 1987

begann die Sanierung, das Bauwerk

wurde renoviert, ausgebaut und am

4. Juni 1988 als Industriedenkmal

eröffnet.

Zwei Etagen enthalten ein kleines

Eisenbahnmuseum, das vom April bis

Oktober sonntags geöffnet ist. Von der

zweiten Etage aus hat man einen

schönen Blick auf den Bahnhof und das

Fuldatal. Um den Turm herum fährt

während der Öffnungszeiten eine

600-mm-Bahn.

LOKMagazin 04/2014

43


FAHRZEUGPORTRÄT

BAUREIHE ETA/ESA 176

legant und innovativ

DIE „LIMBURGER ZIGARREN“ Heute, wo der Elektroantrieb

bei Autos, Motor- und Fahrrädern salonfähig wird, ist fast

vergessen, dass die Bahn hier einmal sehr fortschrittlich war

517 002 und 007 verlassen am 29. Mai 1981

den Wiesbadener Hauptbahnhof, um über die

Aartalbahn nach Diez zu fahren Martin Weltner

44


BAUREIHE ETA/ESA 176

LOKMagazin 04/2014

45


FAHRZEUGPORTRÄT

Das Bild von der Rohbaufertigung der Steuerwagen ESA 176 aus der Maschinenfabrik Esslingen zeigt, wie

anspruchsvoll die Herstellung der sphärisch gekrümmten Frontpartien war

Esslingen/Slg. Helmut Brinker

D

er Bau und Betrieb von Elektrotriebwagen

mit Stromversorgung durch wiederaufladbare

Batterien, sogenannten Akkumulatoren,

hat in Deutschland eine lange Tradition.

Schon 1 887 wurden in Bayern die ersten – auch

Speichertriebwagen – genannten Fahrzeuge in

Dienst gestellt. Populärer wurden sie aber in

Preußen, wo Gustav Wittfeld sich des Konzeptes

annahm und es zur Serienreife entwickelte. Zwischen

1 907 und 1 91 6 entstanden insgesamt 1 63

zwei- und dreiteilige Wittfeld-Triebzüge, die bei der

Deutschen Bundesbahn als ETA 1 77, 1 78 und 1 80

teilweise noch bis 1 962 im Einsatz standen. Auch

die Deutsche Reichsbahn war von den Vorzügen

des Akkubetriebs angetan und beschaffte zwischen

1 925 und 1 927 insgesamt 1 8 Zweiteiler der Baureihe

ETA 1 79, die ebenfalls noch bis in die 1 960er-

Jahre eingesetzt wurden.

Der ETA 176 entsteht

Auch bei der jungen Bundesbahn stand der Akkubetrieb

hoch im Kurs, während sich kaum eine

andere Bahnverwaltung der Welt für diese Traktionsart

interessierte. Schon 1 950 begannen die Planungen

für einen neuen Akku-Triebwagen, der auf

zwei Drehgestellen laufen und hohen Fahrkomfort

Die Übersichtszeichnung des ETA 176 mit den allerwichtigsten Abmessungen

Slg. Oliver Strüber

46


BAUREIHE ETA/ESA 176

Der fertige ETA 176 005 auf dem Werksgleis bei Wegmann in Kassel. Das rechte Ende läuft auf dem

Triebdrehgestell mit den Fahrmotoren, darüber ist der Gepäckraum angeordnet Wegmann/Slg. Helmut Brinker

bieten sollte. Vorgesehen war der Einsatz der Fahrzeuge

auf Haupt- und Nebenbahnen, gefordert

waren neben einer hohen Anfahrbeschleunigung

auch eine Reichweite von rund 400 Kilometern bis

zur nächsten Batterieladung sowie eine Ausrüs -

tung mit Vielfachsteuerung, um den Fahrzeugeinsatz

dem Bedarf anpassen zu können.

Dem Zeitgeist folgend, wurden die Stirnseiten

der Fahrzeuge im modischen „Eierkopf-Design“

ausgeführt, das auch die neuen Fahrzeuge der Baureihen

VT 08, VT 1 2.5, ET 30 und ET 56 tragen

sollten. Der mit genau 27 Metern (über Kupplung)

extrem lange Wagenkasten selbst entstand aus

Innenraum im Rohbau

Wegmann/Slg. Helmut Brinker

Rohrstahl in kombinierter Spanten- und Schalenbauweise.

In die geschlossene Bodenwanne wurden

die Batterieschächte integriert.

Das Triebdrehgestell mit zwei durch Tatzlagermotoren

angetriebenen Radsätzen entsprach der

Bauart Wegmann, das Laufdrehgestell wurde in

der neuen Bauform München-Kassel ausgeführt.

Im Frühjahr 1 952 wurden die beiden von Wegmann

gelieferten Versuchsfahrzeuge ETA 1 76 001

und 002 in Dienst gestellt und erprobt. Die elektrische

Ausrüstung hatten beim ETA 1 76 001 SSW

bzw. die AEG beim 002 beigesteuert.

Es werden nur acht Stück

In den Jahren 1 953 und 1 954 lieferten Wegmann

die ETA 1 76 003 bis 005 und WMD in Donauwörth

die ETA 1 76 006 bis 008 an die Bundesbahn

ETA 176: TECHNISCHE HAUPTDATEN

Achsfolge

Höchstgeschwindigkeit

Raddurchmesser

Länge über Kupplung

Nennleistung

Dienstgewicht

Achslast

Batteriekapazität

Bo’2’

90/100 km/h

930 mm

27.000 mm

200 kW

55,6 Mp

16,0 Mp

398 kWh

LOKMagazin 04/2014

47


FAHRZEUGPORTRÄT

So prächtig war die 2. Klasse zuerst, und sie wurde

völlig zurecht 1956 zur ersten aufgewertet

Inneneinrichtung im Großraumabteil der 3. Klasse,

ab 1956 dann der zweiten Wegmann/Slg. H. Brinker (2)

ab. Die Firma Schaltbau steuerte den elektrischen

Teil bei, während die Fahrmotoren von SSW kamen.

Passend zu den ETA wurden auch acht Steuerwagen

ESA 1 76 geliefert, die mittels Scharfenberg-Kupplungen

mit den Triebwagen verbunden

werden konnten – Reisezug- oder Güterwagen

konnten folglich nicht mitgeführt werden.

Trotz guter Bewährung sollten es bereits die

letzten „Zigarren“ sein: Schon 1 953 war der erste

ETA 1 50 in Dienst gestellt worden: Ebenso leis -

tungsfähig wie der ETA 1 76, nicht ganz so komfortabel

– dazu unten mehr –, war er wegen seiner

einfacheren Form in Anlehnung an den Uerdinger

Am 4. Mai 1967 fahren ETA/ESA 176 007 als P 2267 am Bw in Wiesbaden vorüber

E. Fischer/Slg. GeraMond

48


BAUREIHE ETA/ESA 176

Der Arbeitsplatz des Triebwagenführers wirkt äußerst einfach und übersichtlich

Slg. Helmut Brinker

Schienenbus deutlich preiswerter in der Herstellung.

Das zählte! Nach ein paar Jahren standen den

nur acht ETA 1 76 über 200 ETA 1 50 entgegen!

Ungewohnt hoher Fahrkomfort

In einer Zeit, als in Personenzügen noch zwei- und

dreiachsige Plattform- oder Abteilwagen mit Holzlattensitzen

vorherrschten, boten die neuen Triebwagen

ungeahnten Fahrkomfort. Sanft und vergleichsweise

geräuscharm rollen die ETA 1 76 über

die Strecke. Bestiegen wurden die Fahrzeuge durch

breite, manuell zu bedienende Falttüren, und auch

die Innenausstattung hielt das, was man 1 953 unter

„neuer Bahn“ versprach: Neben einem kleinen

Gepäckraum gab es zwei Abteile mit insgesamt 60

Sitzplätzen der 3. Klasse (ab 1 956 2. Klasse) in 2+2-

Teilung. Sie waren sämtlich komfortabel gepolstert

und mit Kunstleder bezogen. Das 2.-Klasse-Abteil

(später 1 . Klasse) verfügte über zwölf mit dickem

Plüsch bezogene, verstellbare Sitze ähnlich denen,

die auch in den seinerzeit neuen Schnellzugwagen

eingebaut wurden.

Für eine witterungsgemäße Klimatisierung

sorgte einerseits eine ölgefeuerte Webasto-Heizung

(die Kapazität der Akkus brauchte man für

den Fahrbetrieb), zum anderen konnte das obere

Drittel der ungewöhnlichen breiten Fenster mittels

LOKMagazin 04/2014

einer Kurbel geöffnet und geschlossen werden. Die

neuen Fahrzeuge waren also durchaus tauglich für

längere Strecken.

Wo waren sie unterwegs?

Die neuen Triebwagen wurden natürlich Bahnbetriebswerken

zugeteilt, die schon Erfahrung beim

Betrieb von Akku-Triebwagen hatten und auch die

notwendige Infrastruktur (Ladestationen) aufwie-

Für den Hersteller der Akkus waren die ETA 176

natürlich eine erstklassige Werbung Slg. O. Strüber

49


FAHRZEUGPORTRÄT

Zugkreuzung in Wiesbaden-Dotzheim am 13. Januar 1982: Rechts steht der 517 008 als N 5659, links der

515 136 als N 5658. Der 517 ist deutlich höher als sein Nachfolger Joachim Seyferth

sen. Nach ihrer Erprobung wurden die 90 km/h

schnellen Erstlinge ETA 1 76 001 und 002 der BD

München zugewiesen, wo sie unter anderem nach

Schliersee eingesetzt wurden. Wenig später kamen

sie zum Bw Limburg, das auch den werksneuen

ETA 1 76 003 erhielt, der wie die nachfolgenden

Fahrzeuge 1 00 km/h schnell fahren konnte.

ETA 1 76 004, 005 und 008 gingen an das Bww

Kassel, das sie im Eilzug- und Personenzugdienst

unter anderen nach Bebra, Göttingen, Hann. Münden,

Karlshafen und im Langlauf bis ins niedersächsische

Bad Lauterberg einsetzte. Bemerkenswert

ist hier auch ein Zugpaar bis/ab Obersuhl, das

seinerzeit noch ein Haltepunkt ohne Weichen war.

Zum Umsetzen auf das andere Richtungsgleis

musste der ETA bis Gerstungen fahren. Ob es wohl

Bilder vom ETA 1 76 in der DDR gibt?

ETA 1 76 006 und 007 wurden im Mai 1 954 neu

der ETA-Hochburg Hameln zugeteilt. Das dortige

Bw setzte die beiden Fahrzeuge im Hauptbahndienst

nach Bielefeld, Hannover und Bad Pyrmont

sowie auf der Nebenbahn über Lage nach Bielefeld

Am 22. Februar 1982 steht der 517 003 im Bw

Wiesbaden an der Ladestation – nicht für Heizöl!

Und so wurde „getankt“: Ladekabel am 517 008 im

Bw Wiesbaden im April 1982 Joachim Seyferth (2)

50


BAUREIHE ETA/ESA 176

Der Rundschuppen im Bw Limburg atmet selbst 1981 noch deutlich Dampflokatmosphäre mit seinen

Rauchabzügen. Wie zur Parade sind etliche Steuerwagen beider ESA-Bauarten aufgereiht Joachim Seyferth

In Diez, nur wenige Kilometer vom Heimat-Bw entfernt, war am 31. Mai 1981 der Limburger 517 005 auf

seiner Fahrt über die Aartalbahn nach Wiesbaden gestartet

Martin Weltner

LOKMagazin 04/2014

51


FAHRZEUGPORTRÄT

517 007 und 002 im Mai 1981 in der Halle des

Wiesbadener Hauptbahnhofes

Martin Weltner

ein. Sechs Personenzügen standen im Sommerfahrplan

1 958 zehn Eilzüge gegenüber. In der Rattenfängerstadt

wusste man die neuen Fahrzeuge

sehr zu schätzen.

ETA 176: IHR ENDE

Betriebs-Nr. z-gestellt ausgemustert

517 001 25.06.1982 26.08.1982

517 002 26.04.1983 28.07.1983

517 003 28.04.1983 26.05.1983

517 004 12.10.1982 30.11.1982

517 005 23.08.1982 14.09.1982

517 006 20.08.1982 01.12.1982

517 007 29.09.1981 28.01.1982

517 008 10.09.1983 26.01.1984

Limburg und die „Zigarren“

Im Zuge von Konzentrationsmaßnahmen im Betriebsmaschinendienst

wurden 1 959 sämtliche

ETA 1 76 beim Bw Limburg (Lahn) zusammengezogen.

Von dort aus rollten sie – mit und ohne

Steuerwagen – nach Koblenz, Oberlahnstein,

Gießen, Mainz und in den Westerwald nach Wes -

terburg. Elektrifizierungen nahmen den „Limburger

Zigarren“ – dieser Name bürgerte sich kurz

nach der Zusammenfassung der Fahrzeuge in

Limburg ein – nach und nach Hauptbahnleistungen.

Ihre letzten Dienste leisteten sie vornehmlich

auf der krümmungs- und steigungsreichen Aartalbahn

Limburg – Diez – Bad Schwalbach – Wiesbaden.

1980: Das Ende naht...

Da die Abstellung der letzten 51 7, wie sie seit 1 968

nun hießen, längst beschlossene Sache war, fiel

keiner mehr in den ozeanblau-beigen Farbtopf:

52


BAUREIHE ETA/ESA 176

Harmonie pur: 517 008 im Wald bei Wiesbaden-Dotzheim am 22. April 1983. Im Herbst des Jahres wurde

er abgestellt. Wer es nicht erlebt hat: Es ist schwer, sich das Fahrgeräusch vorzustellen … Joachim Seyferth

LOKMagazin 04/2014

Alle behielten bis zur Ausmusterung ihre rote

Lackierung mit beigen, später weißen Zierstreifen

und Beschriftungen. Mitte der 1 970er-Jahre hatten

die 51 7 im zuständigen AW Limburg ihre letzte

Hauptuntersuchung erhalten.

Als erster wurde 51 7 007 im Jahr 1 981 nach einem

Unfall abgestellt, in den Folgejahren wanderten

die anderen 51 7 und 81 7 auf das Abstellgleis.

Als letzter wurde der 51 7 008 im Jahr 1 984 ausgemustert,

81 7 003 war der letzte betriebsfähige

Steuerwagen. 51 7 001 wurde als zuerst gelieferter

Vertreter der Baureihe 1 983 in den Ursprungszustand

zurückversetzt und blieb rollfähig erhalten.

Er trägt für diesen Zweck seine ursprüngliche Bezeichnung

ETA 1 76 001 .

Auf der Bochumer Ausstellung anlässlich „1 50

Jahre Eisenbahn in Deutschland“ konnte er 1 985

noch in Hochglanzlack bewundert werden. Danach

werde er an verschiedenen Orten – und nicht immer

in einer geschützten Halle – abgestellt und

verkam mehr und mehr. Heute steht er witterungsgeschützt

in einer Halle der Außenstelle

Lichtenfels des DB-Museums und bedarf dringend

einer erneuten Aufarbeitung. Martin Weltner

53


FAHRZEUGE

BAUREIHE E 1200

Ihr Ende naht

KOHLENTRANSPORTEURE Die Loks

mit den großen Zahlen an der

Frontpartie sind in vielerlei Hinsicht

bemerkenswert: So fahren sie sogar

auf Staatsbahngleisen!

E

lektroloks mit Mittelführerstand hat die DB

nicht im Bestand. Die einzige Region, wo

man sie – außer im Braunkohlenbergbau –

noch finden kann, ist das Ruhrgebiet. Dort verkehren

sie seit 1 997 sogar auf Staatsbahngleisen.

Es handelt sich um die E 1 200 der in Gladbeck ansässigen

RBH Logistics GmbH, die aus dem früheren

Zechenbahnbetrieb der Ruhrkohle AG hervor-

In Lünen befährt die Lok 012 am 21. April 2010 die

Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal

ging. Insgesamt 1 3 Lokomotiven sind in zwei Baulosen

für den Kohlenverkehr gefertigt worden. Inzwischen

hat der Stern der Reihe aber zu sinken

begonnen, die Mehrzahl der Maschinen ist bereits

abgestellt und teilweise verschrottet worden.

Zusammenfassung der Werkbahnbetriebe

Mitte der 1 960er-Jahre war der Ruhrbergbau mit

seinen weit über 1 00 Schachtanlagen in eine große

Absatzkrise geraten, die zuerst zur kurzfristigen

und überraschenden Stilllegung einiger großer

Schachtanlagen führte. Da ein Ende der Krise nicht

absehbar war und die Schließungen vor allem für

die Belegschaften der betroffenen Betriebe schlimme

soziale Folgen nach sich ziehen konnten, kam

es schließlich am 27. November 1 968 zur Gründung

der Ruhrkohle AG (RAG). Diese hatte die

Aufgabe, den Kohlenbergbau zu konsolidieren, die

bis dahin eher unkontrollierten Stilllegungen zu

steuern und Betriebseinstellungen stattdessen sozialverträglich

zu gestalten.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden nun alle

Bergbaubetriebe an Rhein und Ruhr in die neue

Auffanggesellschaft eingebracht und damit auch

ein fast unüberschaubares Netz an Zechenbahnen,

das auch Kokereien, Kohlelager, Häfen und andere

Nebenbetriebe erschloss. Eine der größten Werkbahnen

war die „Zechenbahn- und Hafenbetriebe“

(ZuH). Diese behielt die RAG bei und führte allmählich

die anderen Bahnen unter dem Dach der

regional gegliederten ZuH zusammen.

Die letzten beiden Anschlussbahnen kamen allerdings

erst 1 993 (Zeche Westfalen des Eschweiler

Bergwerks-Vereins in Ahlen) und 1 996 (Bergwerk

Gewerkschaft Auguste Victoria in Marl)

hinzu. Doch auch die neue RAG konnte die deutsche

Steinkohle auf dem Weltmarkt nicht mehr

wettbewerbsfähig machen. Neben der schrittweisen

Schließung der Zechen, die bis heute anhält

und bis 201 8 zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus

führen wird, gab es von nun an stetige

Veränderungen im Werkbahnnetz. So wurden einerseits

Lücken zwischen Netzen geschlossen und

andere Teilstrecken wiederum aufgegeben.

Elektrischer Zechenbahnbetrieb

Bereits Mitte der 1 960er-Jahre hatten mit der Hibernia

AG, der Rheinstahl Bergbau AG und der

Ewald-Kohle AG drei größere Altbetriebe Teile ihres

Netzes mit Fahrdraht überspannt. Entsprechend

bunt war der Fahrzeugpark, welcher nun in

die ZuH eingebracht wurde, denn nur die Hibernia

verwendete Bahnstrom (1 5 kV, 1 6 2/3 Hz), die

anderen beiden Gesellschaften wiederum nutzten

den günstig in den zecheneigenen Kraftwerken erzeugbaren

Industriestrom von 1 5 kV, 50 Hz.

Die Loks der Rheinstahl AG waren aber auch

wiederum zusätzlich bahnstromfähig. Manche Typen

konnten zusätzlich im Batteriebetrieb fahren,

das war beispielsweise unter den Beladebunkern

der Zechen nötig. Andere konnten sogar alles, die

von Henschel/AEG stammende ED 1 600, von der

sich bis in diese Tage sogar ein betriebsfähiges Exemplar

im Zechenbahnrestbetrieb halten konnte.

Entscheidung für den Mittelführerstand

Mitte der 1 970er-Jahre waren die drei elektrischen

Teilnetze zu einem Netz zusammengefasst worden,

welches fast das gesamte mittlere Ruhrgebiet

erschloss. Durch zusätzliche Elektrifizierungen anderer

Betriebsteile entstand bald der Bedarf nach

neuen Lokomotiven. Da man mit den Mittelführerstandsloks

der Bauart EA 1 000 recht gute Erfahrungen

gemacht hatte, planten die ZuH, ähnliche,

aber noch leistungsfähigere Maschinen zu

beschaffen. Da die Loks im Zechenbahndienst

häufig mit Rangierarbeiten beschäftigt sind, war

vor allem der Mittelführerstand und die Funkfern-

54


BAUREIHE E 1200

Regelmäßig waren bis vor wenigen Jahren Leistungen auf der Hamm-Osterfelder-Bahn. Dort entstand am

18. Juni 2009 dieses Bild mit der ersten Lok der Serie im Wald bei Pelkum Alle Fotos Stefan Högemann

steuerung von großer Wichtigkeit. Oftmals legten

Züge zwischen Versender und Empfänger zu jener

Zeit im Ruhrgebiet nur wenige Kilometer zurück.

Neue Loks mit neuer Technologie

Die Leistungssteigerung ließ sich durch die Verwendung

von Drehstrom-Asynchronmotoren und

elektronische Leistungsübertragung erreichen. Im

dieselelektrischen Bereich hatten Henschel und

BBC bereits mit ihrer Versuchslok DE 2500 Erfahrung

sammeln können.

Nach erfolgreichen Versuchsfahrten auf dem

Zechenbahnnetz – ein mit einem Stromabnehmer

ausgestatteter „Silberling“ zur Überbrückung des

Dieselaggregats wurde mitgeführt –, ging schließlich

im März 1 975 die Bestellung über sechs Elektroloks

mit der damals völlig neuartigen Technologie

für eine Dauerleistung von 1 .500 kW raus.

LOKMagazin 04/2014

Am 23. November 1 976 wurden die bis heute

als Lok 001 – 006 bezeichneten Maschinen ausgeliefert.

Sie bewährten sich sehr gut. 1 979 testeten

die ÖBB die Lok 006. Sie wurde zur Ideenbasis für

ihre späteren Reihen 1 063 und 1 064.

Zur weiteren Modernisierung des eigenen Fahrzeugparks

bestellte ZuH weitere sieben Maschinen

des Typs E 1 200, die 1 984 ausgeliefert wurden und

die Nummern 01 1 – 01 7 bekamen. Lediglich die

Leistungselektronik war nun etwas moderner, das

äußerliche Erscheinungsbild blieb identisch.

Eine optische Veränderung erhielten die Loks

nur durch zusätzliche Schalldämpfer an den Fronten

und an den Seiten, denn beim Rangierbetrieb

erwiesen sich die Lüfter als zu laut. Auch konnte ab

1 984 der Industriestromkreis ungenutzt bleiben,

denn ab diesem Zeitpunkt war das komplette ZuH-

Netz auf 1 5 kV, 1 6 2/3 Hz umgestellt worden.

55


FAHRZEUGE

Eines der letzten Refugien der E 1200 ist der Bahnhof Bottrop Süd: Lok 013 am 22. März 2013

1 989 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens

in „Bahn- und Hafenbetriebe“ (BuH). Von

1 994 bis 1 997 wurden die Loks 001 – 004 der ers -

ten Lieferserie modernisiert und technisch an die

Maschinen der zweiten Serie angeglichen.

Einsätze auf DB-Gleisen

Die ersten Einsätze der E 1 200 auf Gleisen der

Deutschen Bahn erfolgten ab 1 997 auf zuerst nur

einer Relation: Von der in Wanne-Eickel gelegenen

Schachtanlage General Blumenthal 1 1 und der in

Dortmund-Derne gelegenen Tettenbach-Bergehalde

mussten Abraumzüge gefahren werden. Dafür

wurden die Loks 001 , 002, 003, 004 und 01 1 mit

Indusi, DB-Zugbahnfunk und dem elektronischen

Buchfahrplan ausgerüstet. Dabei wurde auch die

zwischenzeitlich auf 60 km/h herabgesetzte

Höchstgeschwindigkeit wieder auf 80 km/h angehoben.

Bis auf zwei Loks wurden in der Folgezeit

alle Maschinen DB-fähig gemacht. Lok 01 6 wurde

erst während einer Hauptuntersuchung 2007/

2008 umgerüstet, die Loks 005 und die 006 wurden

nie für den Einsatz auf Gleisen der DB hergerichtet.

Sie blieben stets auf dem RBH-Netz und

waren auch die ersten, die abgestellt und ausgeschlachtet

wurden. 006 ging 2007 außer Betrieb,

005 folgte zwei Jahre später.

Seitdem die meisten Loks auf DB-Strecken eingesetzt

werden, erreichen sie eine ungefähre Jahreslaufleistung

von 60.000 Kilometer.

Nach einigen einzelnen Vorläuferverkehren

übernahm BuH Endes des Jahres 2000 die Versorgung

aller Kraftwerksstandorte im zentralen Ruhrgebiet

und alle anderen zum Kohleprogrammverkehr

gehörenden Leistungen. Etwa zur selben Zeit

hatten sich die Verkehre auf dem eigenen elektrifizierten

Netz mit der Stilllegung zweier Schachtanlagen

im Raum Herten/Wanne-Eickel deutlich verringert.

Diesmal traf es einen Streckenteil, der

verhältnismäßig oft von den Elloks befahren wurde:

Der Abschnitt vom Wanne-Westhafen (mit Anschluss

an die Wanne-Herner-Eisenbahn) führte

bis zum Bergwerk Lippe (einstmals Bergwerk Westerholt)

nahe des Güterbahnhofs Westerholt an

der Hamm-Osterfelder Güterbahn. Nur ein kurzes

Stück zwischen dem Westhafen und eine Bergeentladung

an der Halde Hohewart an der Stadtgrenze

von Herten und Recklinghausen blieb erhalten.

Sofern nun Start- und Zielbahnhöfe der neu gewonnen

Verkehre auf DB-Gleisen unter Fahrdraht

lagen, konnten die Loks ein neues Aufgabenfeld

finden. Fahrten zu weiter entfernten Zielen waren

von 2001 bis 2005 die Bespannungen der Kohlenzüge

von Recklinghausen Süd nach Werdohl zum

Kraftwerk Mark Elverlingsen in Doppeltraktion. Einige

Male wurde sogar das VW-Kraftwerk in Fallersleben

erreicht.

Geänderte Eigentumsverhältnisse

Im Jahr 2000 wurde als Schwesterunternehmen

der BuH die „RAG Bahn- und Hafenbetriebe“

(RBH) gegründet. RBH sollte zuerst nur für die

Bedienung externer Kunden zuständig sein und

56


BAUREIHE E 1200

Die Lok 012 auf der Hamm-Osterfelder-Bahn bei Becklem neben einem blühenden Rapsfeld

auf Material und Personal der BuH zurückgreifen.

2004 wurden die BuH schließlich auf die RBH

verschmolzen. Seit Anfang 2005 befindet sich

RBH nun im Eigentum des DB-Konzerns und hört

seit dem 1 . Dezember 2006 auf den Namen „RBH

Logistics GmbH“.

Doch viel hatte sich an dem Einsatzgebiet der

Loks nicht geändert. Lediglich das Zechensterben

im Revier ging weiter und damit entfielen Tätigkeitsfelder,

was wiederum zur Abstellung einzelner

Maschinen führte.

LOKMagazin 04/2014

Konkurrenten sind 140, 143 und 151

Neue Aufgaben kamen wiederum durch den Transport

von Importkohle hinzu. Wie viele Jahre der E

1 200 noch bleiben, ist ungewiss aber absehbar. Mit

dem Eintreffen einer größeren Anzahl Loks der bei

der DB überzähligen Baureihen 1 40, 1 43 und 1 51

bei RBH werden sie zunehmend überflüssig und

können abgestellt werden.

Als zum Jahreswechsel 201 2/201 3 die Nieder -

rheinischen Verkehrsbetriebe AG (NIAG) die Kohlenversorgung

der STEAG-Kraftwerke (bis 201 5

rund 6,5 Millionen Tonnen) nach einer Ausschreibung

übernahmen und damit einen großen Teil

des Kohleprogrammverkehrs an der Ruhr für sich

gewinnen konnte, entfielen weitere Leistungen.

Gerade mal fünf Maschinen (004, 01 1 , 01 3, 01 6

und 01 7) waren Anfang 201 3 noch im Einsatz.

Mit Glück erwischt man sie dennoch auf DB-

Strecken oder auf dem letzten Rest des Zechenbahnnetzes

rund um Bergwerk und Kokerei Prosper

in Bottrop. Dort rangieren sie dann am Hafen

oder in der Kokerei. Spätestens, wenn das Bergwerk

201 8 geschlossen wird, hat das letzte Stündlein

der Loks geschlagen. So stirbt die E 1 200 mitsamt

der Industrie, für die sie einst geschaffen

wurde.

Das Ende könnte aber auch noch viel früher

kommen. Jüngst hat RBH nicht zuletzt aufgrund

der verringerten Transportmengen angekündigt,

den zentralen Werkstattstandort an der Talstraße

in Gladbeck am 30. September 201 4 zu schließen.

Damit wird auch die Unterhaltung der Einzelgänger

beendet sein, schon jetzt werden keine Hauptuntersuchungen

mehr durchgeführt. Die Loks 01 1

und 01 3 haben immerhin noch das neue blau-silberne

Farbkleid der RBH erhalten. Lok 001 hingegen

wird der Nachwelt erhalten bleiben, sie wurde

inzwischen in das DB-Museum Koblenz-Lützel

überführt.

Stefan Högemann

E 1200: HAUPTDATEN

Betriebsnummern 001 – 006, 011 – 017

Baujahre 1976 und 1984

Achsformel

Bo’Bo’

Länge über Puffer

15.000 mm

Drehzapfenabstand

7.800 mm

Achsstand im Drehgestell 2.800 mm

Treibraddurchmesser 1.100 mm

Dienstmasse

88 t

Dauerleistung

1.500 kW

57


FAHRZEUGE

50 1443 steht im März 1969 auf dem Schrottplatz, wird aber wieder aufgearbeitet C. Fuhr/Slg. Th. Feldmann

UNFALL DER 50 1443

Die ist eh Schrott!

KEIN SCHLECHTES OMEN Weil Übeltäter eine

Weiche heimlich umstellten, rollte ein Güterzug im

März 1969 direkt zum Schrotthändler

J

äh zu Ende war die Fahrt – so betitelte die Rheinische

Post in ihrer Ausgabe vom 8. März 1 969

den Unfall im Bahnhof Flandersbach. In den

frühen Morgenstunden des 7. März hatten offenbar

„böse Buben“ – so die Zeitung – die unmittelbar

am Stellwerk liegende, handbetriebene Weiche

im Durchfahrgleis 1 unbemerkt umgelegt. Für

den erst wenige Minuten zuvor aus dem Kalkwerk

in Wülfrath-Rodenhaus mit der 50 1 443 abgefahrenen

Kalkzug 8033 endete somit die Fahrt nicht erst

in einem Hüttenwerk im Ruhrgebiet, sondern sehr

abrupt auf dem Ladegleis des ansässigen Schrott -

händlers.

58

Aber weit gefehlt: Die 50 1443

(Henschel, Fabrik nummer 26253/

1942) wurde wieder hergerichtet.

Das 21 2 Meter lange Gleis, in

dem sich glücklicherweise keine

Güterwagen zur Beladung befanden,

reichte aber nicht ganz für

den natürlich sofort eingeleiteten

Bremsvorgang aus, und die

Lok lief auf den Prellbock auf

und begrub ihn.

Nachdem die Wagen des Zuges

problemlos abgezogen werden

konnten – keiner war ent-

gleist – blieb die Lok noch einige Tage bis zur fachlichen

Begutachtung „im Dreck“ stehen.

Laut Zeitungsbericht beurteilte die Bundesbahn-Direktion

Wuppertal, zu der die Angertalbahn

früher gehörte, den Vorfall zwar als recht ärgerlich

aber als nicht besonders tragisch: „Die alte

Lok sollte sowieso verschrottet werden!“

Aber weit gefehlt: Die 50 1 443 (Henschel,

Fabrik nummer 26253/abgeliefert 1 942) wurde wieder

hergerichtet. Erst fünf Jahre später, am 22. Februar

1 974, wurde sie als 051 443 beim Bw Oberhausen-Osterfeld

ausgemustert und im Dezember

1 974 verschrottet.

Nicht minder interessant ist auch der wohl bekannteste

Bagger der Nachkriegszeit, der „Fuchs

301 “. Ob der Seilbagger des Schrotthändlers bei der

Bergung der Lok half, ist allerdings nicht bekannt.

Thomas Feldmann


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FAHRZEUGE

MEINE LIEBLINGSBAUREIHE

Teures Trio

1012 DER ÖBB Tolle Lokomotiven, mit ausgesprochen

schönen Formen, aber mit viel Pech im Einsatz:

Markus Inderst mag sie trotzdem ganz besonders

60


MEINE LIEBLINGSBAUREIHE

Am 3. April 2002 waren die 1012.003

und 002 als Ro-La 42880 zwischen Steinach

am Brenner und Matrei talwärts nach

Wörgl unterwegs Markus Inderst

LOKMagazin 04/2014

61


FAHRZEUGE

Im Dezember 1996 gab es die Personalschulungsfahrten auf der Giselabahn: Die 1012.001 fungierte am

8. Januar 1997 als Vorspannlok vor dem Regionalzug 5009 und der 1042.025 in Grieswirt Markus Inderst

D

ie ÖBB-Reihe 1 01 2 war als „die“ Schnellfahrlok

speziell für die Erfordernisse der Alpenrepublik

konzipiert. Der begonnene

Ausbau der viergleisigen Westbahn mit HGV-Verkehren

von über 200 km/h erforderte rechtzeitig

die Indienststellung dafür geeigneter und leis -

tungsfähiger Lokomotiven, welche im Stande sein

sollten, Schnellzüge bei 220 km/h mit 660 Tonnen

im Flachland über fünf Promille bzw. 600

Tonnen schwere Reise- und Güterzüge bei maximal

28 Promille Steigung mit 1 00 km/h über die

Rampen zu bringen.

Die Planung und Konzeption wurde 1 985 noch

während der Beschaffungszeit der Reihe 1 044.2

ÖBB-1012: HAUPTDATEN

Radsatzanordnung

Bo’Bo’

Stromsystem

15 kV/16,7 Hz AC

Höchstgeschwindigkeit (km/h) 230

Anfahrzugkraft (kN) 280

Dauerleistung (kW) 6.400

Dienstmasse (t) 82,6

Größte Radsatzfahrmasse (t) 20,65

Länge über Puffer (mm) 19.300

Treibraddurchmesser (mm) 1.150

Indienststellung 1997

Außerdienststellung 2007 – 2010

62

eingeläutet. Allerdings erwies sich das damalige

„Steppenpferd“ als wenig geeignet, sodass im Rahmen

eines Letter of Intend die neue Reihe 1 01 2 zur

Planung gelangte und auch ihr Bau begann.

Allerdings gestaltete sich die Übernahme infolge

geänderter Rahmenbedingungen nach dem Beitritt

Österreichs zur EU zur regelrechten Farce,

weshalb die ÖBB erst nach längeren Streitigkeiten

mit dem Herstellerwerk und unter Reduzierung

des Kaufpreises einwilligten, die drei Prototypen

von der österreichischen Industrie zu übernehmen.

Kein gutes Omen: Ihre weitere Existenz war

von einem Schattendasein geprägt.

1997 gehen sie ins Rennen

Das Werk Simmering-Graz-Pauker in Graz lieferte

die ersten beiden Maschinen am 6. März 1 996, die

1 01 2.003 eine Woche später in die Zfl. Graz ab.

Dort fanden letzte Adaptierungsarbeiten statt, zugleich

wurde die Inbetriebnahme eingeleitet. Das

Verwiegen der Maschinen erfolgte im TS-Werk

Linz, wozu die drei am 28. April 1 997 dorthin

überstellt wurden.

Sie kamen danach zur Zfl. Wien Süd, um einerseits

weitere Herstellerarbeiten durchzuführen

und andererseits ein umfangreiches Messfahrtenprogramm

(Bremsversuche, Störstrommessungen

und verschiedene Traktionsmessungen usw.) zu

absolvieren. Die ersten Polizeifahrten – vergleich-


MEINE LIEBLINGSBAUREIHE

Ein seltener Anblick: Überstellungsfahrt der 1012.001, 002 und 003 von Linz nach Wien zur Zfl. Wien Süd

am 28. April 1997 bei einem Zwischenhalt im Bahnhof Enns

Karl Weigl/Slg. Markus Inderst

bar den Abnahmefahrten in Deutschland – im November

1 997 verliefen wenig zufriedenstellend, sodass

am 5. Dezember 1 997 eine Wiederholung anberaumt

wurde und mit diesem Datum eine

Übernahme in den Betriebsbestand erfolgte.

Ihr Einsatzgebiet

Da eine Serienbeschaffung ausgeschlossen war,

suchten die ÖBB für die drei Einzelgänger nach einem

geeigneten Einsatzgebiet. Dieses war rasch

gefunden, indem ihnen die Bespannung der Züge

der Rollenden Landstraße zwischen Wörgl und

Brennersee bzw. Brennero/Brenner in Tandemtraktion

übertragen wurde, was

sich letztendlich als Segen herausstellte.

Die drei Schnellfahrloks

wurden daher der Zfl. Innsbruck

zugewiesen und konnten mit einer installierten

Leistung von 6,4 MW dem offenen Geheimnis der

„überladenen“ RoLa-Züge infolge zu schwerer

Lastwagen wirksam entgegentreten.

Die Personalschulungen fanden mit Lokomotiv -

führern der Zfst. Wörgl statt. Die 1 01 2 waren

während dieser Zeit als Vorspannlokomotive vor

Reise- und Güterzügen zwischen Wörgl und Saalfelden

zu sehen.

Weitere Einsätze auf der Giselabahn kamen

dafür eher selten vor und betrafen die Bespannung

saisonierter Schnellzüge zwischen Wörgl und Zell

am See und gelegentlich auch das Führen von Skisonderzügen

an Samstagen.

Das Fahrplanjahr 2003 sah noch

einen eintägigen Umlauftag mit

Regionalzügen auf der Giselabahn

AUTOR UND FOTOGRAF

Markus Inderst, geboren 1974,

wohnt im Tiroler Außerfern. Er

studierte Volkswirtschaftslehre und

Rechtswissenschaften an der

Universität Innsbruck.

Seine Liebe zur Eisenbahn und auch

zur Modellbahn wurde bereits im

frühen Kindesalter geweckt. So begann

er während der Schulzeit, mit kleineren

Beiträgen und Artikeln in Erscheinung

zu treten. Heute gilt er als einer der

rührigsten Autoren und Fotografen der

Alpenrepublik und verfasste bereits

zahllose Publikationen zu allen

möglichen Themen um die Bahn.

LOKMagazin 04/2014

63


FAHRZEUGE

Abwechslung: 1012.002 vor dem Leerpersonenzug

13900 am 14. Februar 2000 in Saalfelden M. Inderst

vor, jedoch wurde diese Leistung infolge der Abstellung

der Reihe nie gefahren.

Sorgenkind als Splittergattung

Der Einsatz als Splittergattung machte sich besonders

bei der Instandhaltung negativ bemerkbar. Bereits

nach wenigen Jahren im Betriebsdienst kam

es zu Engpässen bei der Ersatzteilbeschaffung,

weshalb die 1 01 2.001 aufgrund einer anderen

Bremsanlage ab 2002 die Funktion als Ersatzteilspender

übernahm und somit das weitere Existieren

der Schwesterloks ermöglichte. Doch auch für

diese beiden kam Ende 2003 das vorläufige Aus,

nachdem verschiedene Schäden mangels Wirtschaftlichkeit

nicht mehr repariert wurden.

Verkauf an Hector-Rail

Die taugliche 1 01 2.002 wurde in Wörgl hinterstellt,

bei der defekten 1 01 2.003 wurde die Komplettierung

samt anschließender Abstellung angeordnet.

An eine Wiederinbetriebnahme war in Anbetracht

der forcierten Taurus-Indienststellung nicht mehr

zu denken, allerdings waren die ÖBB bereit, die

Fahrzeuge bei „entsprechenden Bedingungen“ abzugeben.

Im August 2004 kamen Vertreter von Hector-

Rail aus Schweden nach Innsbruck, um dort die

zwischenzeitlich abgestellten Schnellfahrloks zu

besichtigen. Ziel war es festzustellen, ob eine Zulassung

der Loks in Schweden überhaupt möglich

ist und ob die Maschinen in Tandembespannung

einen 2.000-Tonnen-Zug bei einer Maximalsteigung

von zwölf Promille fördern können, wobei

Im August 2004 kamen Vertreter

von Hector-Rail aus Schweden

nach Innsbruck, um dort

die zwischenzeitlich abgestellten

Schnellfahrloks zu besichtigen.

Hector-Rail die Übernahme aller drei Loks im betriebsfähigen

Zustand postulierte.

Zur weiteren Überprüfung der Eignung wurden

im Oktober 2005 die 1 01 2.002 und die 1 1 42.588

nach Schweden überstellt, um dort Probefahrten

zu absolvieren und die Modalitäten für eine Zulassung

vor Ort zu klären. Während der Einsatz der

1 1 42 überzeugte und zum Kauf führte, wurde die

Entscheidung zum Erwerb der drei 1 01 2 wegen

Feuchtigkeitsproblemen bei den Fahrmotoren vorerst

aufgeschoben. Die weiteren Reaktivierungsarbeiten

an den Maschinen deuteten jedoch auf einen

baldigen Kauf der Schweden hin, sodass nach

ersten Inbetriebnahmearbeiten in Innsbruck alle

drei 1 01 2 nach Linz überstellt wurden.

Im Frühjahr 2007 wurde der Verkauf finalisiert,

gleichzeitig wurde die 1 01 2.003 als erste Lok für

Hector-Rail als 1 41 .003-4 im neuen Design fertiggestellt.

Ihr folgte die ehemalige 1 01 2.002 als

1 41 .002-6. Beide Loks schieden mit 1 . August 2007

aus dem ÖBB-Bestand.

Die letzte Maschine (1 01 2.001 als 1 41 .001 -8) befand

sich noch in Innsbruck und wartete dort auf

ihre Drehgestelle. Sie wurde dann im März 2009

zum Lackieren und zur Rekonstruktion der fehlenden

Teile ins TS-Werk Linz überstellt und nach

Fertigstellung erfolgte am 9. Oktober 2009 die

Überstellung in die neue Heimat. Die Kassierung

der 1 01 2.001 bei den ÖBB erfolgte ein Jahr später,

nachdem die formschönen Schnellfahrloks vollständig

in Schweden zugelassen waren.

Conclusio – der versagte Erfolg

Gerade die geänderten Beschaffungsmodalitäten

bedeuteten für die 1 01 2 letztendlich bei ihrer Indienststellung

schon das Aus für die künftige ÖBB-

Neubautype. Die ÖBB waren unter dem damaligen

Generaldirektor Helmut Draxler gefordert, sich bei

der Beschaffung der künftigen Hochgeschwindigkeitslokomotive

an die neuen gesetzlichen Erfordernisse

zu halten. Als Sieger der Ausschreibung

ging zwar der Siemens-Konzern hervor, welcher

mit zwei Produkten teilnahm: Mit dem aus der Eu-

ÖBB-1012: IHR VERBLEIB

Baudaten Betriebsnummer Kassierung Verbleib

SGP G 1996/81290 + Siemens ÖBB 1012.001-2 + 01.11.10 2007 Hector-Rail 141.001 RIPLEY

SGP G 1996/81291 + Adtranz ÖBB 1012.002-0 + 01.08.07 2007 Hector-Rail 141.002 KIDDO

SGP G 1996/81292 + ELIN ÖBB 1012.003-8 + 01.08.07 2007 Hector-Rail 141.003 STARLING

64


MEINE LIEBLINGSBAUREIHE

Alltagsgeschäft vor Rola-Zügen am Brenner: Die 1012.001 durchfährt am 26. März 1998 mit der Ro-La

42145 den Steinbogen bei Wolf entlang der Brenner-Nordrampe unterhalb von St. Jodok Markus Inderst

rosprinter-Familie weiterentwickelten ÖBB-Taurus

(Reihen 1 01 6 und 1 1 1 6) aus München (ehemals

Krauss-Maffei) und – quasi als neues Anhängsel –

mit der Eigenkonstruktion der 1 01 2 der früheren

Simmering-Graz-Pauker.

Obwohl der gezahlte Stückpreis der drei Prototypen

samt aller Entwicklungskosten gegenüber

dem geforderten Preis von je 6,4 Mio. Euro sich

bei ca. fünf Millionen Euro einpendelte – jener der

Taurus-Familie betrug ca. 2,55 (1 01 6) bzw. 2,65

(1 1 1 6) Mio. Euro – konnte sich diese wohl letzte

österreichische Entwicklung bei der Ausschreibung

nicht mehr durchsetzen.

War das Ja zum Taurus richtig?

Diese Entscheidung mag vielleicht im Nachhinein

und unter Berücksichtigung der vielen Nachbesserungen

beim Taurus als zu kurzsichtig erscheinen,

hat die 1 01 2 doch dank ihrer windschnittigen Ausführung

leis tungsmäßig sogar die später entwickelten

Taurus-Maschinen weitaus überflügelt.

Dies wurde unter anderem nicht nur bei Erprobungen

evident, indem die Reihe 1 01 2 die erbrachten

Leistungswerte gegenüber dem Pflichtenheft

überbot, sondern hat sich nun im Nachhinein

durch mannigfache Nachbesserungsarbeiten der

LOKMagazin 04/2014

Taurus-Familie und durch Weglassen verschiedener

Extras (z.B. der automatischen Mittelpufferkupplung

für RJ-Einsatz, GFK-Haubentausch

usw.) bitter gerächt.

Darüber hinaus wurde bei der Beschaffung der

neuen Schnellfahrlok ein weiteres Spezifikum negiert,

und zwar die den Oberbau schonenden Laufwerke

der 1 01 2, welche maßgeblich für die sehr

unterschiedliche Topografie in den Einsatzgebieten

konzipiert wurden und hervorragende Laufeigenschaften

aufwiesen.

Markus Inderst

Das aufgeklebte „Fabrikschild“ der 1012.003 mittig

am Rahmen unterhalb des ÖBB-Signets M. Inderst

65


FAHRZEUGE

17. Juni 1973: Vom Werkstattdach im Bahnbetriebswerk Stralsund weht die rote Fahne – sicher nicht zum

Jubiläum „20 Jahre 17. Juni 1953“. Die 03 0075 steht in Höhe des Schuppens 2

Alle Fotos Hans-J. Lange

BAUREIHE 03.10 IN STRALSUND

Freifahrt an

die Küste

STRALSUND 1973 Die ölgefeuerten

Drillinge der Reichsbahn waren bis auf

die 03 1010 in Stralsund stationiert

D

ie Deutsche Reichsbahn gewährte den Arbeitsgemeinschaften

des Deutschen Modelleisenbahn-Verbandes

für Eisenbahn-Exkursionen

jährlich eine Gruppenfreifahrt. Wir, die

Eisenbahnfreunde der AG 7/37 Dessau, erhielten

diesen Fahrschein nach Antrag vom Bezirksvorstand

Magdeburg, der natürlich auch mit einer Erlaubnis

zum Fotografieren vor Ort verbunden war.

1 973 stand ein Besuch im Bahnbetriebswerk

Stralsund auf dem Programm. Bis auf die 03 1 01 0

(Bw Halle P) waren dort alle betriebsfähigen 03.1 0

konzentriert. Mit dem Bw-Vorsteher hatten wir einen

begleiteten Zutritt des Betriebswerkes für

Sonntag, dem 1 7. Juni 1 973, um acht Uhr vereinbart.

Zwei Werksschilder trägt die 03 0058 am Barrenrahmen,

das Meininger von der Rekonstruktion

Abfahrt Dessau 1:08 Uhr

Der Sonntag war noch keine Stunde alt, als wir uns

vor dem Dessauer Hauptbahnhof zusammenfanden.

Wir nutzten für unsere Fahrt nach Norden

den nur im Sommerfahrplan verkehrenden Bäderzug

D 1 81 6, der uns ohne Umsteigen an das Ziel

brachte: Dessau Hbf ab 01 :08, Stralsund an 05:50

Uhr. Sein Zuglauf war Halle (Saale) – Bitterfeld –

Dessau – Potsdam Hbf – Oranienburg – Neustrelitz

– Neubrandenburg – Demmin – Grimmen –

Stralsund – Bergen (Rügen) – Binz.

In Stralsund stand der Zug aus unerfindlichen

Gründen über eine dreiviertel Stunde und fuhr

66


BAUREIHE 03.10 IN STRALSUND

Zwischen einer P 8 (Tender ganz rechts) und einer Neubaudampflok der Baureihe 35.10 (23.10) wartet am

30. März 1968 auf dem Gleis 54 ihres Heimatbetriebswerkes die 03 0048

Am Morgen des 26. Februar 1977 – es ist neblig und ungemütlich kalt – hat sich die 03 0080 vor den D 513

nach Berlin gesetzt. Ihr Dampf sorgt nun für gemütliche Wärme in den Wagen

LOKMagazin 04/2014

67


FAHRZEUGE

Am 17. Juni 1973 stehen die 03 0089 und die 120 009 in schönster Pose im Bahnbetriebswerk Stralsund

nebeneinander. Links wartet noch die 03 0058

nach einem Lokwechsel erst

06:37 Uhr weiter. Die urlaubshungrigen

Werktätigen aus dem

Chemiedreieck waren über den

langen Aufenthalt sicher etwas

verbittert. Sie wollten möglichst

schnell ihre FDGB-Heime oder

die Zelte hinter den Dünen erreichen,

dort hieß es dann nur

noch: Klamotten runter und ab

an den Strand!

Wir dagegen hatten genügend

Zeit, um uns in der Stralsunder

MITROPA mit einer Bockwurst

plus Senf oder Boulette mit Majo

und einem Topf Kaffee zu stärken.

Um acht Uhr ging es los

Punkt acht Uhr begrüßte uns der

Tb-Gruppenleiter am Eingang

zum Bahnbetriebswerk. Im Klub

raum gab er eine kurze Einführung

zum Bw und seinen

Aufgaben. Danach waren folgende

1 5 ölgefeuerte 03.00 im Betriebsbestand:

03 001 9, 0020,

0046, 0048, 0058, 0059, 0074,

0075, 0077, 0078, 0080, 0085,

0088, 0089, 0090. Die Rost-Lok

68

1968: 03 1087 mit Kohlefeuerung

wartet auf den D 162

03 0077: Wartung am Triebwerk

03 1 057 stand auf „z“. Aus anderen

Bw’en kamen Lokomotiven

der Baureihen 50.00, 41 und

35.1 0 (23.1 0) zum Wenden nach

Stralsund.

Seit der Übernahme des Bw’s

Putbus 1 971 gehörten auch

Schmalspur-Dampf- und Diesel -

lokomotiven zum Bw Stralsund,

die alle auf der Insel Rügen eingesetzt

und unterhalten wurden.

Neben verschiedenen Rangier-

Dieselloks waren in Stralsund

für den Streckendienst neun

1 1 0er und auch etliche 1 20er stationiert.

Die Einführung schloss mit

der obligatorischen Unfallschutzbelehrung

ab, die wir auf

einem Unterschriftenblatt quittierten.

Uns wurde besonders

eingeschärft, keinesfalls die östlich

am Bw vorbeiführenden

Hauptgleise zu betreten.

Auf einer Fußgängerbrücke

überquerten wir diese Gleisanlagen

und stiegen zum Bw hinab.

Nun zeigte sich: Der Sonntag

war gut gewählt. Im Bw-Gelände

herrschte ruhiger Wochenend -


BAUREIHE 03.10 IN STRALSUND

03 0047, dahinter 03 0078 und rechts die 03 0046 vor dem Schuppen 3 im Bw Stralsund. Die 03 0074

gehörte von 1960 bis Anfang 1967 zur VES-M Halle, sie besaß wie 03 0010 einen Oberflächen-Vorwärmer

betrieb. Unsere Gruppe zog sich

auseinander. Wir Knipser konnten

die „Dreischläger“ von allen

Seiten auf die Filme bannen,

ohne dass wir uns selbst im

Wege standen. Dabei versäumten

wir nicht, die Fabrikschilder

vor der Aufnahme mit Putzwolle

zu behandeln.

Erinnerungen an 1965

Das Geschehen auf den Außen -

gleisen beanspruchte unsere begrenzte

Zeit so, dass wir die

Schuppen selbst nicht betraten.

Mich zog es ohnehin nicht so

sehr in die „Dampflokhöhlen“,

da in meiner Erinnerung noch

immer die negativen Erfahrungen

des Winters 1 956 hafteten.

Im Bw Dessau waren bei anhaltend

strengem Frost etliche

Schlosser erkrankt. In solchen

Fällen leistete das Raw Dessau

„sozialistische Hilfe“. Diesmal

traf es mich. Meinen Arbeitsplatz

in der normal temperierten

Werkhalle hatte ich zeitweilig gegen

einen im zugigen, kalten

Lokschuppen zu tauschen.

LOKMagazin 04/2014

Die 03 0077 bekommt für ihren

nächsten Einsatz Schweröl

31. März 1968: Halt des D 18 in

Pasewalk, 03 1078 fasst Wasser

Die mit Koks gefeuerten

Ringöfen zwischen den Strahlengleisen

waren die einzigen,

dürftigen Wärmequellen in dem

Schuppenrund. Wärme verbreiteten

sie nur im unmittelbaren

Nahbereich. Sie eigneten sich

am ehesten noch zum Anwärmen

des Werkzeugs.

Ab und an wurde ein Tor

geöffnet. Eine P 8 ging auf Fahrt

oder kam zurück. Ein Kälteschwall

drang augenblicklich in

das Schuppeninnere. Dampf verbreitete

dazu den bekannten

Waschkücheneffekt. Der Nebel

legte sich langsam als Reif ab

und mein Schlosseranzug fror

steif. Nach 1 4 Tagen beförderte

mich eine Erkältung ins Bett, an

der ich noch im Sommer zu kurieren

hatte. Mehr noch als den

„Schwarzen“ auf der Lok gehört

deshalb den Schuppenpersonalen

der Dampfzeit meine Hochachtung.

Die Arbeitsbedingungen

waren im Gegensatz zu

denen im Raw sehr rustikal.

Von Stralsund-Rügendamm

fuhren wir mit dem D 1 81 7 ins

69


FAHRZEUGE

Vor dem Schuppen 1 wird die 03 0074 hochgeheizt. Der Rauchpilz des Ölbrenners war nicht bestellt!

17. Dezember 1988, Stralsund unter Draht: Die Vorspannloks des Eröffnungszuges haben vorgesetzt

70


BAUREIHE 03.10 IN STRALSUND

Binnenland zurück. Es war der D 1 81 6, Gegenzug

von der Hinfahrt. Leider verkehrte er südwärts

über Berlin-Lichtenberg – Lutherstadt Wittenberg.

Nach Dessau mussten wir dort umsteigen.

Abschied

Die 03.00 waren 1 988 längst Geschichte, halt:

noch nicht ganz! Die Elektrifizierung erreichte von

Greifswald her Stralsund. Am 1 7. Dezember 1 988

verkehrte bei nebligem, regnerischen Wetter der

Eröffnungszug DstP 25586. Die von Süden kommende

03 1 01 0 vom Bw Halle P mit dem „Zwickauer

Traditionseilzug“ erhielt in Pasewalk als Vorspann

die 1 32 551 .

In Züssow setzte Hauptlokführer Busch vom

Bw Stralsund seine 243 827 als zweite Vorspannlok

vor den Zug. Der Abschnitt Züssow – Greifswald

konnte bereits ab dem 9. Dezember 1 988 vorfristig

elektrisch befahren werden. Gegen 1 0:30

Uhr erreichte der Sonderzug Stralsund.

Mich wunderte die unübliche Bespannung. Die

243 musste sein, klar! Die 03 1 01 0 verstand ich als

Verneigung vor der großen Stralsunder Vergangenheit.

Aber was sollte der Diesel im Eröffnungszug?

Ich konnte es nicht erfahren. Vielleicht bestand

die Rbd Greifswald auf einer „Angstlok“. Auf

dem Nach barbahnsteig zeigte das Bw Stralsund

noch die vor der Verschrottung gerettete 03 0090!

Hans-Joachim Lange

03 0089 im Gleis 72, im Gleis 73 lugt weiter hinten

ein LVT aus Schuppen 2 hervor

Blick von der Ölbühne auf den Kessel der 03 0077, hinter dem Kanal geht es zur Scheibe von Schuppen 3

LOKMagazin 04/2014

71


GESCHICHTE

175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Respekt, Respekt!

DEUTSCHLANDS ERSTE FERNEISENBAHN Es war eine gewaltige

unternehmerische Leistung: 115 Kilometer Eisenbahn, geplant und

fertiggestellt in nur fünf Jahren! Dabei war so gut wie alles neu.

Man war so klug, die Linie in Teilabschnitten zu eröffen, so konnte

man bereits ab 1837 testen, ob auch alles so lief wie gewünscht

72


175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Am 31. Juli 1838 hatte Wurzen von Leipzig her Bahnanschluss.

151 Jahre später, am 30. April 1989 fährt im Bahnhof Wurzen die

242 232 mit einem Personenzug nach Leipzig aus Bodo Schulz

LOKMagazin 04/2014

73


GESCHICHTE

Von Leipzig …

18. Februar 2001: Im Hauptbahnhof von Leipzig ist der Interregio 2037 „Elbflorenz“ aus Lübeck mit der

103 234 eingetroffen. Am Zugende setzt nun die Lok für den Abschnitt nach Dresden an Bodo Schulz (2)

D

ie alte Handelsstadt Leipzig, in der sich am

Anfang des 1 9.Jahrhunderts auch eine bedeutende

Industrie entwickelt hatte, lag an

keiner schiffbaren Wasserstraße, die zu dieser Zeit

den kostengünstigsten Massentransport ermöglicht

hätte. Sie suchte nun nach einer Verbesserung

der Verkehrsverhältnisse, als man von Berichten

über neuartige Eisenbahnen in England

und Amerika hörte. Dies nahm der Ökonom Friedrich

List, der in Amerika eine kleine Eisenbahn -

linie gebaut hatte, zum Anlass, eine Denkschrift zu

verfassen, die in detaillierter Form alle Probleme

der Anlage, des Baues und der Finanzierung einer

Eisenbahn von Leipzig nach Dresden darlegte. Diese

Schrift sollte auch der Vorbereitung eines sächsischen

und deutschen Eisenbahnsystems dienen

und erschien 1 833 in Leipzig.

Leipziger Bankiers und Handelsmänner gründeten

am 1 7. März 1 834 nach Sondierungen mit

der sächsischen Regierung ein Komitee zur Vorbereitung

des Baues einer Eisenbahn von Leipzig

nach Dresden. Das Ziel Dresden wurde gewählt,

weil die eigentlich von Leipzig favorisierte Verbindung

zu den Elbhäfen nach Magdeburg oder Dessau

vorerst an den politischen Verhältnissen scheitern

würde. Diese Bahnen hätten nach kurzem

Weg das sächsische Staatsgebiet verlassen und

benötigten also die Mitwirkung der preußischen

und anhaltischen Staatsregierungen.

Der Staat lässt die Finger davon

Der Bau solch einer Eisenbahn von 1 1 5 Kilometern

Länge war zu jener Zeit in jeder Beziehung Neuland

und forderte im Vorfeld viele Grundsatzlösungen,

wie z. B. die zu wählende Trassenführung,

die Art des Unter- und Oberbaues, der Fahrzeuge,

der Betriebsführung oder der Finanzierung bis hin

zum Grundstückserwerb.

Da die sächsische Regierung Bau und Betrieb

dieser Bahn ablehnte, gründete das Komitee am

74


175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

… nach Dresden

Am 23. April 2000 überquert der EC 56 „Heinrich Heine“ die Marienbrücke in Dresden. Links die „Tabakmoschee“,

das ehemalige Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze. Zuglok ist die 103 153

1 5. Juni 1 835 in Leipzig die „Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie“

(LDE). Da war die Trassenführung

über Wurzen, Riesa und Priestewitz nach

Dresden-Neustadt bereits festgelegt.

Am 1 . Mai 1 836 begannen die Bauarbeiten auf

dem ersten Abschnitt Leipzig – Wurzen mit dem

Abtrag des Einschnittes bei Machern, der Erdmassenbewegungen

in damals nicht gekannten Ausmaßen

erforderte. Im April 1 837 wurde dazu die

zweite aus England angelieferte Lokomotive „KO-

MET“ eingesetzt. Weitere bedeutende Bauwerke

waren die Muldebrücke bei Wurzen, der Döllnitztal-Viadukt

bei Oschatz, die Elbebrücke bei Riesa

und der Tunnel bei Oberau. Ein stattdessen angelegter

Einschnitt hätte dort weitaus größere Erdarbeiten

erfordert als in Machern, sodass man sich

zu einem bergmännisch vorgetriebenen Tunnel

entschloss.

Die Beschaffung des Baumaterials in bis dato

unbekannten Mengen stellte die Gesellschaft vor

LOKMagazin 04/2014

große Schwierigkeiten. Die großen Schienen- und

Kleineisenmengen in der geforderten Qualität

konnten keine deutschen Firmen liefern, obwohl

das wegen der hohen Einfuhrzölle kostengünstiger

gewesen wäre. So war man auf Lieferungen aus

England angewiesen.

Das betraf auch die Lokomotiven, die im Inland

noch nicht hergestellt wurden. Für die erforder -

lichen Wagentypen bestellte man in England, Amerika

und Belgien einzelne Fahrzeuge, errichtete in

Leipzig eine Wagenbauanstalt und fertigte nach

diesen Mustern die Wagen selbst.

Althen: 1837 ein halbes Jahr mit Bahnhof

Um die anfängliche Begeisterung für die Eisenbahn

wachzuhalten, die wegen nicht überall sichtbarem

Baufortschritt zu erlahmen drohte, eröffnete

die Gesellschaft am 24. April 1 837 den Betrieb

von Leipzig nach Althen. Das war die zweite Eisenbahn

in deutschen Landen. Bei diesem Dorf, zehn

75


GESCHICHTE

Der Dresdner Bahnhof in Leipzig um 1840

Kilometer von Leipzig entfernt, wurde ein provisorischer

Endbahnhof mit einer „Restauration“ errichtet,

weil der spätere Bahnhof Borsdorf wegen

der fehlenden Parthebrücke noch nicht angefahren

werden konnte.

Slg. Wolfgang Müller

Dieses Provisorium entfiel bereits im November

1 837 mit der Weiterführung des Betriebes nach

dorthin. Damit war Althen wieder aus der Eisenbahngeschichte

entlassen. Ein 1 987 aufgestellter

Gedenkstein erinnert uns heute daran.

LDE: DIE ERSTE STRECKE – ERÖFFNUNGSDATEN – FAHRPLAN VON 1847

LEIPZIG

Gerichshain



Althen

Erläuterung

LEIPZIG

Wurzen

Oberau

Muldebrücke

Döllnitz

Machern


Wurzen


Muldebrücke

Einschnitt

Mulde

Brücke

über die

Chaussee

Leipzig –

Dresden

Luppa-Dahlen

Endbahnhof

Haltstation

im Text erwähnte Orte an der Strecke

wichtiges Bauwerk

Flusslauf

Oschatz

Döllnitz-Viadukt

Döllnitz

Brücke über die Elbe

Riesa

Priestewitz

Elbe

Oberauer Tunnel

Oberau ●


Niederau

Meißen

Weintraube


DRESDEN

Karte nach einer Vorlage von Wolfgang Müller

76


175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Die erste

Endstation in

Althen im April

1837. Von

einem Zweig -

gleis zum

Umfahren des

Zuges

berichten die

Quellen, eine

Drehscheibe

wird aber nie

erwähnt.

Trotzdem zeigt

der Schornstein

der Lok

BLITZ nach

Leipzig

Verkehrsmuseum

Dresden

Dieser Betrieb, für den anfangs zwei Lokomotiven

und acht Wagen zur Verfügung standen,

brachte der Gesellschaft neben dringend benötigten

Einnahmen vor allem Erfahrungen beim Betrieb

der Bahn und bei der Bewährung des Oberbaus

und des rollenden Materials. So verließ man

das System eiserner Flachschienen auf hölzernen

Langschwellen, zuerst für Leipzig – Althen angewendet,

zugunsten eiserner Profilschienen auf hölzernen

Querschwellen.

Eröffnung am 7. April 1839

Mit der Fertigstellung der Elbbrücke Riesa, damals

noch in Holzbauweise, und des Tunnels bei Oberau

wurde am 9. April 1 839 der regelmäßige Gesamtbetrieb

Leipzig – Dresden eröffnet.

Bereits am 7. April 1 839 fuhren drei Eröffnungszüge

mit geladenen Gästen von Leipzig nach

Dresden. Am Folgetag fuhren sie wieder zurück

nach Leipzig, nun auch mit dem sächsischen König

Friedrich August II. und seiner Familie.

Diesen Zügen durfte Professor Andreas Schubert

mit seiner in den Werkstätten Übigau bei

Dresden gebauten „SAXONIA“ folgen, um die

Tüchtigkeit dieser ersten in Deutschland gebauten

Dampflokomotive zu beweisen. Diese Fahrten

wurden zu einer Triumph für den Professor, der

auch sonst viel zum Gelingen der ersten deutschen

Ferneisenbahn beigetragen hat.

Abschnitt

Eröffnung

Leipzig – Althen 24. April 1837

Althen – Gerichshain 12. November 1837

Gerichshain – Machern 11. Mai 1838

Machern – Wurzen 31. Juli 1838

Wurzen – Dahlen 16. September 1838

Dahlen – Oschatz 3. November 1838

Oschatz – Riesa 21. November 1838

Dresden – Weintraube 19. Juli 1838

Weintraube – Oberau 16. September 1838

Lückenschluss und Eröffnung Gesamtstrecke

Riesa – Oberau 7. April 1839

mit Elbebrücke und Tunnel bei Oberau

Rechts der Fahrplan von 1847

Slg. W. Müller

LOKMagazin 04/2014

77


GESCHICHTE

Personenzuglok „FRAUENSTEIN“ (Baujahr 1874) von der Maschinenfabrik Esslingen. Trotz Linksfahrbetrieb

stand der Lokführer auf allen von deutschen Fabriken gelieferten Loks der LDE rechts! Slg. Ingo Hütter

Der Verkehr auf der neuen Bahn entwickelte

sich zur Freude der Aktionäre prächtig. Das hatte

zur Folge, dass das bei den Planungen bereits weitsichtig

vorgesehene zweite Gleis ab 1 840 schrittweise

aufgebaut wurde.

Die Strecke wurde nach englischem Vorbild im

Linksbetrieb befahren. Am Anfang überwog der

Personenverkehr, während der Güterverkehr sich

langsamer entwickelte und erst nach Tariferleichterungen

für bestimmte Güter zunahm. Der Hafenanschluss

in Riesa und Dresden trug dazu bei,

mehr noch aber der Anschluss an neue Bahnlinien

in Leipzig (1 840 nach Magdeburg) und 1 847 (in

Dresden nach Görlitz). Im Jahr 1 848 schloss sich

Eine Ansichtskarte

zeigt

einen Ausschnitt

der

Riesaer

Elbbrücke im

Zustand um

1900. Der Blick

geht flussaufwärts

in

Richtung

Dresden,

rechts sind

Wagen auf den

Gleisen der

Hafenbahn zu

sehen

Slg. Rudolf Heym

78


175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Diese 1A1-Lok war 1858 von Borsig an die LDE geliefert worden. 1901 wurde sie ausgemustert. Sie war

für ein sächsisches Eisenbahnmuseum vorgesehen, doch daraus wurde leider nichts Contius/Slg. Rudolf Heym

bei Riesa die Berlin-Anhaltische Eisenbahn an und

1 852 kam mit einer Verbindungsbahn über die Marienbrücke

in Dresden der Anschluss nach Prag

zustande.

Bis 1 847 wurden ausschließlich Lokomotiven

aus England bezogen, ab 1 848 kamen mit Lieferungen

von Borsig aus Berlin und Hartmann aus

Chemnitz, später auch von Kessler aus Esslingen

ausschließlich deutsche Dampfloks dazu. Wegen

ihrer günstigen Neigungsverhältnisse beschaffte

die LDE noch bis 1 868 mehrere 1 A1 -Schnellzuglokomotiven.

Eine davon war 1 925 noch vorhanden

und für ein Eisenbahnmuseum reserviert worden,

die Weltwirtschaftskrise hat dies aber verhindert.

Zwischen 1 857 und 1 866 wurden die beiden

Endbahnhöfe in Dresden-Neustadt und in Leipzig

für den gestiegenen Verkehr durch Neubauten ersetzt.

Die maschinentechnischen Anlagen in Leipzig

und Riesa wurden erweitert, der Dresdner

Bahnhof erhielt in Pieschen einen neuen Maschinenbahnhof.

Die alten Anlagen in Dahlen, Oschatz

und Priestewitz wurden dagegen aufgegeben.

LOKMagazin 04/2014

Teilung des sächsischen Bahnnetzes

Die LDE erbaute 1 860 die Zweigbahn Coswig –

Meißen, die bis 1 868 zu einer Parallelstrecke über

Nossen – Döbeln – Grimma bis Borsdorf verlängert

wurde, wo sie wieder auf die Stammstrecke

traf. Seit 1 862 betrieb die LDE die Zweigbahn Priestewitz

– Großenhain, die sie 1 869 auch in ihr Eigentum

übernahm. Die geplante Verbindung Riesa

– Nossen – Freiberg – Moldau zum Anschluss an

das böhmische Braunkohlenrevier wurde bis Ende

1 875 nur im Abschnitt Nossen – Freiberg – Mulda

durch die LDE fertiggestellt, die Staatsbahn brachte

dann die Gesamtstrecke zur Vollendung. Die

letzte Netzerweiterung brachte die Zweigstrecke

Zwischen 1857 und 1866

wurden die beiden Endbahnhöfe in

Dresden-Neustadt und in Leipzig

für den gestiegenen Verkehr durch

Neubauten ersetzt.

Riesa – Elsterwerda am 1 5. Oktober 1 875 zum Anschluss

an die Berlin-Dresdner Eisenbahn.

Die LDE als Privatbahn teilte das sächsische

Staatseisenbahnnetz bis zur Fertigstellung der Linie

Dresden – Freiberg – Chemnitz im Jahr 1 869

in zwei Teile. Die sächsische Regierung wollte diesen

Zustand durch Übernahme der LDE in Staatsbesitz

beenden, was aber an den Entschädigungsforderungen

der Aktionäre lange Zeit scheiterte.

Erst zum 1 . Januar 1 876 war eine Einigung erreicht

und die LDE wurde in die Sächsischen Staatseisenbahn

eingegliedert, u. a. gingen auch 1 01 Lokomotiven

über.

Die Betriebsordnung wurde nach und nach angeglichen.

Der Linksfahrbetrieb, zu dieser Zeit der

79


GESCHICHTE

Die erste richtig große Schnellzuglok der Sächsischen Staatsbahn war die Gattung X V. Lok Nr. 185 kam

Ende 1902 sofort auf der LD-Linie zum Einsatz. 1926 schied sie als 14 206 aus

Slg. Wolfgang Müller

letzte in Deutschland, konnte aber erst nach 1 884

auf Rechtsfahrbetrieb umgestellt werden.

Der noch von der LDE begonnene Ersatz der

hölzernen Elbebrücke Riesa durch eine neue eiserne

Brücke war im Februar 1 876 zwar beendet, aber

ein Winterhochwasser führte durch unglückliche

Umstände zum Einsturz derselben. Die Beseitigung

dreier im Strom liegender eisernen Brücken -

überbauten führte zu einer Streckenunterbrechung

bis Oktober 1 876.

Eine eingleisige Interimsbrücke musste dann

bis Februar 1 878 den Verkehr aufnehmen, da war

die dritte Elbebrücke etwas weiter stromaufwärts

fertiggestellt.

Schnellste Züge in Sachsen

Die Strecke Leipzig – Dresden, nun als „LD-Linie“

bezeichnet, wurde zur wichtigsten Strecke im Netz

der Sächsischen Staatseisenbahnen, hier fuhren

die schnellsten Züge in Sachsen. Für Schnellzüge

1914: DIE STRECKE IM NETZ DER SÄCHSISCHEN STAATSBAHN

Karte Slg. R. Heym

80


auf der LD-Linie, die bereits seit 1 905 mit einer Geschwindigkeit

von 1 00 km/h gefahren wurden, kamen

stets die neuesten Lokomotiven der Sächsischen

Staatsbahnen zum Einsatz.

Die Atlantic-Bauarten (2’B1 ’) Gattung X HV von

1 902 und die Gattung X H 1 von 1 909 gehörten

dazu, wie auch ab 1 906 die verschiedenen 2’C-

Bauarten der Gattung XII H, XII H 1 und XII HV.

Von 1 91 7 bis 1 960 leisteten letztendlich die Pacific-

Drillingsloks der Gattung XVIII H, spätere DR-

Baureihe 1 8 0 , auf unserer Strecke Dienst.

175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Europas

Urkatastrophe

Neue Bahnhöfe in Leipzig und Dresden

Von 1 898 bis 1 901 wurde der jetzige Bahnhof

Dresden-Neustadt erbaut, er nahm über eine neue

Streckenführung ab Pieschen auch die Leipziger

Bahn auf. Diese war bereits ab Coswig viergleisig

ausgebaut worden. Von nun an fuhren alle Reisezüge

bis zum ebenfalls neuen Dresdener Hauptbahnhof

durch. Der alte Leipziger Bahnhof in

Dresden diente noch bis 1 994 als Güterbahnhof

Dresden-Neustadt.

1 906 war der neuangelegte Rangierbahnhof Engelsdorf

vor den Toren Leipzigs für den Güterverkehr

nutzbar, letzterer konnte nun um die Stadt

Obwohl es ab 1913 über Leipzig

hinaus durchgehende Schnellzüge

gab, blieben die Lokläufe wegen

der beidseitigen Kopfbahnhöfe stets

auf die Stammlinie begrenzt.

herumgeleitet werden. Die alte Hauptwerkstatt der

Bahn in Leipzig, am Dresdner Bahnhof gelegen,

wurde ebenfalls durch einen Neubau in Engelsdorf

ersetzt, es war das spätere Reichsbahnausbesserungswerk

Leipzig.

Am 1 . Februar 1 91 3 wurde in Leipzig der Dresdner

Bahnhof geschlossen und abgerissen. Die

Dresdner Züge, die vorerst den preußischen Teil

des neuen Hauptbahnhofes mitbenutzten, fanden

ihr Ziel ab Mai 1 91 5 nun in seinem fertiggestellten

Ostteil.

Obwohl es ab 1 91 3 über Leipzig hinaus durchgehende

Schnellzüge gab, z. B. nach Hannover

oder Köln, blieben die Lokläufe wegen der beidseitigen

Kopfbahnhöfe stets auf die Stammlinie begrenzt.

Bis 1 945 teilten sich zwei Heizhäuser, nämlich

Dresden Altstadt II und Leipzig Hbf Nord, die

Bespannung der Schnellzüge. Personenzugdienst

leisteten auch die Heizhäuser Leipzig Hbf Süd und

Riesa. Für Güterzüge waren die Heizhäuser Dresden-Friedrichstadt,

Riesa und Engelsdorf zuständig.

Das blieb auch so, als nach dem Übergang der

Sächsischen Staatsbahn auf die Deutsche Reichsbahn

die Heizhäuser zu Bahnbetriebswerken (Bw)

geworden waren.

Die Sächsische Staatsbahn hatte bei Kriegsende

1 91 8 einen teilweise sehr veralteten Lokpark, es

LOKMagazin 04/2014

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GESCHICHTE

fanden sich sogar noch Loks der ehemaligen LDE

im Einsatz. Auf Verlangen des Militärs wurden bereits

1 91 8/1 9 preußische Lokomotiven nach Sachsen

umgesetzt, um den Verkehr aufrecht zu erhalten.

Dies waren die preußischen Gattungen G 5,

G 7, G 8 sowie T 8 und T 9. Aus dem preußischen

Neubauprogramm kamen nach 1 91 9 die Gattungen

P 8, G 1 0, G 1 2 sowie T 1 4 und T 1 6 nach Sachsen.

Die bekannte Personenzuglokomotive P 1 0,

spätere Baureihe 39, übernahm nach 1 924 fast den

gesamten Schnellzugdienst auf der Strecke Leipzig

– Dresden, beheimatet wurden sie in Dresden-Altstadt

und Leipzig Hbf Nord.

Bemerkenswert war auch der Einsatz von Dieseltriebwagenzügen

als Eilzüge durch das Bw

Dresden-Pieschen ab 1 934.

Oberauer Tunnel aufgeschlitzt

Der Oberauer Tunnel wurde 1 933/1 934 durch einen

Einschnitt ersetzt, weil wegen seines veralteten

Querschnittes keine Zugbegegnungen möglich

waren. Eine Säule des östlichen Tunnelportales

steht seitdem an gleicher Stelle am oberen Rand

des Einschnittes und kündet vom ersten deutschen

Eisenbahntunnel.

Noch kurz vor Kriegsende im April 1 945 wurde

der Rangierbahnhof Engelsdorf von amerikanischen

Bomben schwer getroffen. Ende April 1 945

Die Brücke über die Leipzig-Dresdner Chaussee bei

Wurzen, die heutige B 6, ist die älteste noch

benutzte Eisenbahnbrücke in Deutschland!

Letztmalig wurde sie 1996 saniert

Lutz Ufer

82


175 JAHRE LEIPZIG – DRESDEN

Die Brücke über die Mulde in Wurzen ist natürlich nicht mehr das Bauwerk aus der Zeit der Eröffnung. Am

4. Februar 1989 fährt die 243 863 mit Halberstädter Mitteleinstiegswagen darüber Bodo Schulz

sprengten deutsche Truppen sowohl die Muldebrücke

bei Wurzen als auch die Elbebrücke bei Riesa.

Damit war der durchgehende Zugverkehr auf

der LD-Linie unterbrochen.

Zeugen ganz früher Eisenbahngeschichte

Was blieb heute, im Jahr 201 4, von der alten LDE

übrig? Das Empfangsgebäude des Leipziger Bahnhofes

in Dresden an der Großenhainer Straße ist

noch in Teilen zu sehen. Die Empfangsgebäude in

Wurzen, Riesa und Priestewitz gehen in ihrer Bausubstanz

ebenfalls auf die LDE zurück, erkennbar

an den Rundbogenfenstern im Erdgeschoss. Am

Ostende des Bahnhofes Riesa findet man noch ein

Gebäude der ehemaligen LDE-Koksanstalt. Sehr

gut erhalten, wenn auch anderweitig genutzt, ist

LOKMagazin 04/2014

das Empfangsgebäude des Bahnhofes Niederau,

das im damals modernen Schweizer Baustil errichtet

wurde. In Coswig steht noch ein ehemaliges

Wasserstationsgebäude und der 1 875 errichtete

Rechtecklokschuppen in Leipzig-Volkmarsdorf

dient derzeit noch der Unterhaltung der Dieseltriebwagen

von DB Regio. Die ICE-Züge befahren

mit 200 km/h die baulich fast unveränderte

Brücke über die Leipzig-Dresdner Chaussee, die

heutige B 6, zwischen Wurzen und Kühren. Diese

ist damit eine der ältesten heute noch genutzten Eisenbahnbrücken

in Deutschland. Wolfgang Müller

Die weitere Entwicklung der Strecke in den Jahren

nach 1 945 beleuchtet ein Folgebeitrag im nächsten

LOK MAGAZIN.

83


GESCHICHTE

In Remscheid

„an der Blume“

DER AUTOR UND FOTOGRAF

Ralf Händeler, geboren 1967, hier mit Sohn Jan, lebt in

Remscheid und arbeitet seit 25 Jahren als Lokführer in

Wuppertal. Seit Mitte der 1980er-Jahre fotografiert er

Eisenbahnen, zuerst in schwarz und weiß, wobei er die

Filme auch selbst entwickelte und die Fotos abzog. Später

wurden Diafilme belichtet und seit 2008 kam der langsame

Umstieg zur Digitalfotografie.

M

eine Lieblingsfotostelle liegt auf Remscheider

Stadtgebiet zwischen den Bahnhöfen

Lennep und Lüttringhausen. Westlich

gelegen und etwas oberhalb dieser Stelle

befindet sich das Örtchen Blume und östlich, etwas

weiter unterhalb des Schienenstranges, eingebettet

zwischen Wiesen und Feldern liegt die Hofschaft

Obergarschagen, mit einem schönen Blick über

die Weiten und Höhen des Bergischen Landes.

Es sieht dort sehr idyllisch und ländlich aus,

aber eingekeilt zwischen der Autobahn und einer

84


MEINE LIEBSTE FOTOSTELLE

Auf dem Weg von Wuppertal nach Solingen passiert der 628 509 als RB 47 die Stelle „an der Blume“

viel befahrenen Straße ist der Lärmpegel nicht

dem optischen Eindruck entsprechend. Das Schöne

an dieser Stelle war, dass sie fast zu jeder Tageszeit

Motive bot.

Aber östlich der Gleise ist der Bewuchs derzeit

ziemlich fortgeschritten und die Sträucher am

Lärmschutzdamm der Autobahn lassen kaum

mehr einen Blick aufs Gleis zu.

Gerade dieser Damm bot am frühen Abend einen

guten Ansitz auf die letzten mit V 1 00 verkehrenden

Reise- und Güterzüge. Und meistens habe

LOKMagazin 04/2014

ich nicht allein dort gewartet, oft verabredete ich

mich mit gleichgesinnten Freunden zum Stückgutzug

und das Warten gestaltete sich sehr kurzweilig.

Auch seit die V 1 00 „vom Berg“ verschwunden

ist, gibt es ausreichend Gelegenheiten, diese Stelle

in Szene zu setzen: Sonderfahrten mit Dampfloks,

Schienenbussen und Bauzügen. Vorbei ist es allerdings

mit den 628 im schönsten Licht, denn seit

Dezember 201 3 fährt abellio mit seinen neuen

Triebwagen hier …

Ralf Händeler

85


GESCHICHTE

DIE HAVELLÄNDISCHE EISENBAHN AG

Neustart im Jahr 2001

KEIMZELLE IN WEST-BERLIN Der Status von West-Berlin als Insel in der DDR

ließ eine Aktiengesellschaft mit nur wenigen Loks und sehr kurzen Strecken

überleben. 2001 schien ihr Ende nah, doch man wagte einen großen Schritt …

D

ie Havelländische Eisenbahn AG hat ihren

Ursprung in der im August 1 892 gegründeten

Aktiengesellschaft Osthavelländische

Kreisbahnen (OHKB). Sie betrieb die Strecken

Nauen – Ketzin, Nauen – Bötzow – Velten und Bötzow

– Spandau. Während die Stammstrecke Nauen

– Ketzin von Anfang an Eigentum der AG Osthavelländische

Kreisbahnen war, gehörten die

86

beiden anderen Strecken zunächst dem Kreis Osthavelland.

Sie wurden zwar von der AG betrieben,

aber erst 1 925 käuflich erworben. Eine Besonderheit

war auch der Betrieb von Benzoltriebwagen

und später der elektrische Straßenbahnbetrieb auf

einem Teil der Strecke Bötzow – Spandau. In den

1 920er-Jahren war das Streckennetz der OHKB auf

rund 1 05 Kilometer angewachsen.


DIE HAVELLÄNDISCHE EISENBAHN AG

Moderne Loks der HVLE, zur Parade in Wustermark aufgestellt, von links: TRAXX F 140 ACZ 185 583,

Maxima 40 V 490.3, DE-AC33C „Tiger“ V 330.3 und V 160.3 (modernisiert aus 202 433)

Jörg Schulze

Durch das im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges

geteilte Berlin entstand dort aus den Resten der ab

1 941 als Osthavelländische Eisenbahn AG (OHE)

agierenden Kleinbahn in Berlin-Spandau Johan -

nes stift 1 972 die Osthavelländische Eisenbahn Berlin-Spandau

AG (OHE-Sp).

Existenzgrundlage Kohlenverkehr

Der OHE blieb im Britischen Sektor Berlins nach

der Einstellung des Personenverkehrs 1 950 lediglich

der Güterverkehr auf rund acht Kilometern

Stammstrecke von der Stadtgrenze bis zum DR-

Übergabebahnhof Spandau West. Außerdem versorgte

die Bahn auf dem rund sieben Kilometer

langen Netz der Städtischen Industriebahn Hakenfelde

die dortigen Anschließer. Der Kohlenverkehr

zum Kraftwerk Oberhavel wurde das wichtigste

LOKMagazin 04/2014

Standbein der Bahn und zugleich auch ihre Exis -

tenzgrundlage.

Nachdem im Berliner Stadtbezirk Spandau Entscheidungen

für den Aufbau einer „Wasserstadt an

der Havel“ gefallen waren und im Zuge einer geänderten

Energiepolitik des Senats von Berlin das gerade

modernisierte Kraftwerk Oberhavel 2001 stillgelegt

wurde, fielen sämtliche Anschließer der

Osthavelländischen Eisenbahn AG (ab 2000 ohne

dem Zusatz „Berlin-Spandau“) weg. Die Folge war,

dass nur zwei Optionen zur Verfügung standen:

Entweder den Betrieb einzustellen oder in neue

Lokomotiven und Wagen zu investieren und Verkehrsleistungen

außerhalb der bestehenden

Stammstrecke zu übernehmen.

Als Hauptanteilseigner der Bahn entschieden

sich die Vertreter des Kreises Westhavelland für die

87


GESCHICHTE

gekauft. Es handelte sich um die ST 44-1 61 der

PKP, eine „Taigatrommel“.

Weitere Diesellokomotiven des Typs G 2000

von Vossloh wurden angemietet, um Container -

leis tungen in Norddeutschland zu übernehmen.

2002/2003 wurden weiter Loks der ehemaligen

DR-Typen V 22, V 60 und V 1 00 (modernisierte

Type) erworben. Auch der Personalbestand musste

aufgestockt werden.

Schnappschuss aus einem „Tiger“ auf die Anlagen

der Fels Werke in Rübeland mit einem Kalkstein-

Zug nach Blankenburg, aufgenommen 2007 J. Schulze

zweite Option. Begonnen wurde mit der Zusammenarbeit

mit anderen NE-Bahnen in Berlin im

Baulogistikverkehr.

Ein nächster Meilenstein war die Teilnahme der

OHE an der Kooperationskette für den Transport

Berliner Hausmülls zu den Kippen. Dafür investierte

die OHE erstmals in Anlagen außerhalb

Berlins auf der Mülldeponie Vorketzin. Dort wurden

der Gleisanschluss völlig neu gebaut und ein

Zweiwegefahrzeug sowie ein Mobilkran beschafft.

Die Eröffnung fand am 1 . August 1 997 statt.

Weiterhin begann die OHE, sich im Bereich

Baulogistik mit Lokomotivleistungen zu betätigen.

Dafür wurde in Polen eine dieselelektrische Lok

Hennigsdorf, Südharz und Rübeland

Auf der Suche nach neuen Geschäftsgebieten stieß

man auf den Baustoffmarkt Mitteldeutschlands.

Dort führte die OHE Zugleistungen durch. 2004

übernahm die OHE die Anschlussbahn von Bombardier

Transportation Hennigsdorf (ehemals

LEW) und begann gleichzeitig mit Düngemitteltransporten

im Südharz.

Parallel mit den Vorbereitungen weiterer Mülltransporte

im Raum Berlin begannen Verhandlungen

für einen recht spektakulären Verkehr: Die

Fels Werke GmbH betreiben im Harz mehrere

Kalksteinbrüche. Dieser Kalkstein verlässt den

Harz nach verschiedenen Verarbeitungsstufen

hauptsächlich über die Rübelandbahn nach Blankenburg

und weiter zu den Endverbrauchern. Die

Rübelandbahn besitzt eine Steilstrecke mit über 63

Promille Neigung.

Die Fels Werke suchten für ihre Transporte Kalkulationssicherheit

und einen zuverlässigen Partner.

Die OHE erhielt schließlich den Zuschlag und

einen langfristigen Vertrag. Um den Verkehr zu

bewältigen, beschaffte die OHE drei „Blue Tiger“

des Typs AC33C von Adtranz. Eine Niederlassung

in Blankenburg wurde eingerichtet.

Noch teilte sich die OHE den Verkehr mit der

Bahn AG auf der Rübelandbahn. Die DB fuhr mit

DIE „HAVELLÄNDISCHE“ FRÜHER

Dampflok B.-Sp. 3 um 1951 mit einem Güterzug auf

den Bahnhof Spandau-Johannesstift. Links am

Rand das Stationsgebäude

Slg. Jörg Schulze

Als dritte Lok der OHE-Sp. wurde 1955 von Jung

diese Maschine des Typs R42C geliefert und als

DL 3 in Betrieb genommen Slg. Bernd Neddermeyer

88


DIE HAVELLÄNDISCHE EISENBAHN AG

In Spandau-Johannesstift befinden sich Verwaltung und Werkstatt der HVLE. Rechts sind Lok 5 und die

Bauzuglok E-DE 110 (ex. S-Bahn Berlin 478 602) abgestellt, links „Tiger“ 1 – 3 DE-AC33C

Jörg Schulze

Das gesamte Streckennetz der Ost- und Westhavelländischen Kreisbahnen

Slg. Jörg Schulze

LOKMagazin 04/2014

89


GESCHICHTE

Zur Eröffnung der neu erbauten Westanbindung des Bahnhofs Wustermark zieht am 21. September 2011

eine Voith Maxima 40 CC den Eröffnungszug mit neu konstruierten Schüttgutwagen der HVLE Jörg Schulze

Lokomotiven der Baureihe 232, von denen die nahen

Anwohner auf Grund der Lärm- und Abgasbelästigung

wenig begeistert waren. Das bewegte

die Fels Werke dazu, der OHE den gesamten Verkehr

zu übergeben. Die Folge war, dass die „Blue

Tiger“ in Zusammenarbeit mit der TU Berlin mit

lärmmindernden Bauteilen ausgerüstet wurden.

Auch weiterführende Transporte nach Peitz,

Schwarze Pumpe, Chemnitz und Salzgitter wurden

übernommen.

Endlich wieder mit Strom statt Diesel

Nachdem die Landes-Denkmalbehörde Sachsen-

Anhalts die elektrische 50-Hertz-Ausrüstung der

Rübelandbahn unter Denkmalschutz gestellt hatte,

wurde diese von den Fels Werken übernommen

und umfangreich modernisiert. Am 1 7. Januar

2009 rollte der erste Zug mit zwei TRAXX-Lokomotiven

der OHE auf der Strecke.

Durch ihre erfolgreichen Aktivitäten war die

OHE aus dem „Berliner Schatten“ heraus getreten.

Auf vielen Strecken sind die Lokomotiven heute

unterwegs.

Verwechslung mit Osthannoverscher?

Die selbe Bezeichnung OHE verwendete jedoch

auch die Osthannoversche Eisenbahn, wodurch es

recht oft zu Irrläufern kam. Eine neue Lösung

musste her: Dem neuen Marktauftritt sollten auch

der Firmenname und das Erscheinungsbild angepasst

werden. Schließlich beschloss die Aktionärsversammlung

ab 1 . Januar 2006 den Namen der

Gesellschaft in „Havelländische Eisenbahn AG“

(hvle) zu ändern. Die Lokomotiven erhielten ein

völlig neues Farbschema in orange und weiß.

2002 hatte die OHE die Anschlussbedienung

des ehemaligen Chemiefaserwerkes Premnitz

übernommen. Dreimal wöchentlich fahren seither

90


DIE HAVELLÄNDISCHE EISENBAHN AG

HVLE: MODERNER LOKOMOTIVPARK

Nummern

Bemerkung

V 22.1 ex 312 103 DR

V 27.1 ex Lok 1, KHD Fabr.-Nr. 58216

V 60.1 – 7 ex V 60 D; V 60.2 bereits 2007

ausgemustert

V 160.1 – 8 ex V 100 DR, modernisiert bei Alstom

V 246.1 – 2 TRAXX P 160 DE

V 285.1 – 2 TRAXX F 140 DE

V 330.1 – 8 DE-AC33C

V 490.1 – 3 Maxima 40

eine V 60 D als Ersatzteilspender

Drei Elloks

E 185.1 – 3

TRAXX F 140 AC2

offen halten. So wurde unter Beteiligung der BUG

Vermietungsgesellschaft mbH die HVLE-Tochter

„Rail & Logistic Center Wustermark GmbH“ (RLC)

gegründet und sieben Tage später der 22 Hektar

große Rangierbahnhof einschließlich der Stellwerke

gekauft. Ausgeschlossen vom Kauf waren nur

Gebäude und einige wenige Durchgangsgleise der

Deutschen Bahn. 201 0 erwarb die HVLE auch die

Anschlussbahn des Güterverkehrszentrum Wustermark

und gründete die Tochterfirma BLTW.

Um die industrielle Entwicklung in Brandenburg-Kirchmöser

zu fördern, beteiligte sich die

HVLE im Verlauf des Jahres 201 1 an einer eigens

dafür gegründeten Gesellschaft (KNRBB) und

übergab der Stadt Brandenburg die Lok 52 801 7,

die auf dem Gelände des ehemaligen Eisenbahnwerkes

Brandenburg West aufgestellt wurde.

Züge von und nach Wustermark. Auch der Betrieb

für Bombardier in Hennigsdorf nahm stetig zu.

Test- und Prüffahrten werden regelmäßig mit Hilfe

von HVLE-Lokomotiven durchgeführt.

Im Jahr 2005 war V 60.3 sogar in Malmö im

Rangiereinsatz. Im selben Jahr konnte ein Zehn-

Jahres-Vertrag mit Vattenfall zum Transport von

Kohlenstaub abgeschlossen werden. Der erste

Holzzug vom Südharz über Travemünde nach

Nymöller (Schweden) setzte sich im Juli 2005 in

Bewegung.

Rangierbahnhof Wustermark gekauft

Mutig und spektakulär war der Kauf des Güterbahnhofs

Wustermark im Jahr 2008. Die Deutsche

Bahn wollte den Bahnhof unmittelbar vor den Toren

Berlins stilllegen. Da es im Umkreis von 1 50

Kilometern kaum noch freie Gleise in diesem Umfang

gab, auf denen neue Verkehrsprojekte generiert

werden konnten, wollte die HVLE diesen einst

hochfrequentierten Bahnhof für den Zugbetrieb

LOKMagazin 04/2014

Den Osten im Blick

In den Jahren zuvor hatte die HVLE ihre Fühler

auch in Richtung Osteuropa ausgestreckt, um

neue Geschäftsfelder in Russland, Weißrussland

und Polen zu erschließen. So erarbeitete die HVLE

zusammen mit ihrem polnischen Partner Transportlösungen

mit TRAXX-Mehrsystemlokomotiven,

bei denen an der Grenze nur noch Personalund

Systemwechsel notwendig sind. Auch Dänemark,

Schweden, die Niederlande und Österreich

werden inzwischen angefahren.

Ein ganz großer Wurf war der HVLE mit der

Entwicklung eines eigenen Schüttgutwagens mit

einer Länge über Puffer von 1 2,68 Meter und 70

Tonnen Lademasse gelungen. Mit einer „Maxima“

und einem Mann Besatzung können so 3.200 Netto-Tonnen

befördert werden.

Aus der Havelländischen Eisenbahn ist inzwischen

ein Güterverkehrsunternehmen geworden,

das eine führende Rolle in der Privatbahnszene

spielt. Moderne Fahrzeuge werden mit optimaler

Technologie eingesetzt. Die gesamte Transportleis -

tung erreichte 201 2 erstmals mehr als eine Milliarde

Nettotonnenkilometer.

Jörg Schulze

91


GESCHICHTE

31. Januar 1970: 01 150 wartet auf den D 147 aus Richtung Stuttgart, um die 221 für den restlichen Weg

nach Hof abzulösen. Im Hintergrund eine 50er vor dem Personenzug nach Amberg Alle Fotos Erhard Ditz

HOFER 01 IN NÜRNBERG

Aus einer anderen Zeit

518 KILOMETER AM TAG Im Frühjahr 1970 sollte Schluss sein mit den

Leistungen von Hofer 01 nach Nürnberg. Doch dann gab es völlig unerwartet ein

ganzes Jahr Zugabe – sehr zur Freude von Erhard Ditz, damals noch Schüler …

T

atsächlich gab es noch einen 01 -Umlauf. Ich

brauchte damals etwas Zeit, um Näheres in

Erfahrung zu bringen, weil ich mich nicht

den ganzen Tag am Bahnhof herumdrücken konnte.

Meine Informationen stützten sich hauptsächlich

auf Sichtmeldungen. Immerhin hat sich mir

bis heute, sicher auch wegen der Fähigkeit, im jugendlichen

Alter wesentliche Ereignisse intensiver

wahrzunehmen, die allabendliche Abfahrt der 01

in Nürnberg Hauptbahnhof fest eingeprägt.

Das Bw Hof wurde Ende der 1 960er-Jahre zum

Auslauf-Bw der letzten 01 .0-2 der Bundesbahn.

Die Maschinen wurden dort aus allen Teilen der

Republik zusammengezogen. Entsprechend vielfältig

waren die Betriebsnummern und die Lebensläufe

der einzelnen Exemplare. Technisch und

optisch verschieden, in gutem oder schlechtem Erhaltungszustand,

präsentierten sich die Loks dann

auch vor dem D 1 47/1 48 (später D 750/751 ) Straßburg

– Hof auf dem Abschnitt Nürnberg – Hof.

92

Dies war ab etwa 1 968 der letzte tägliche 01 -

Umlauf, der Nürnberg noch berührte. So ging ich,

wenn es mir die Zeit erlaubte, mal mit und mal

ohne Kamera (es war ohnehin nicht einfach, die

Maschine von den engen Bahnsteigen aus zu fotografieren)

abends gegen sechs zum Gleis 1 4/1 5, um

das Procédere zu genießen, wenn die 01 den

Schnellzug während seines viertelstündigen Aufenthaltes

übernahm und dann in Bewegung setzte.

Werktags fuhr zur gleichen Zeit ein mit einer

Lok der Baureihe 50 bespannter Personenzug nach

Amberg ab, und die synchronen Abfahrten waren

an manchen Tagen ein Ohren- und Augenschmaus

erster Qualität!

Wunderbare Vielfalt

Zunächst gab es noch einen zwölftägigen, später

einen sechstägigen Umlaufplan. Immer wieder

tauchten Loks auf, die ich noch nicht kannte. Es

gab noch fast alle Varianten: 01 .0 mit kleinen Vor-


HOFER 01 IN NÜRNBERG

laufrädern, ergänzt durch die aus 02 003 umgebaute

01 234, 01 .1 -2 mit großen Vorlaufrädern, mit

Altbau- und mit Reko-Kessel.

Bei den Altbauloks gab es einige Maschinen

ohne vordere Schürzen, wie die erhalten gebliebenen

01 1 50 und die 01 202. Das Spektrum reichte

über die komplette Beschaffungszeit von 1 925 bis

1 937. Viele der Betriebsnummern kann ich heute

noch auswendig hersagen und sehe die Maschinen

vor meinem geistigen Auge. Da war 01 008 von

1 926, die nach längerer Abstellzeit 1 970 noch einmal

eine Untersuchung L2 erhielt, und sich in

äußerlich gutem Zustand befand. Die Loks mit Altbaukessel,

wie 01 088, 111, 168 und 173, die nach

der Umzeichnung in 001 alle die Kontrollziffer 4

hatten. Oder die zahlreichen Maschinen mit Neubau-Kessel,

01 1 64, die mir vor der Stationierung

nach Hof schon einmal in Dortmund begegnet

war, die baugleichen 01 1 31 , 1 81 , 1 87, 1 92, 21 0, 229

und 230, um nur einige zu nennen.

So hatte ich zu jeder der Maschinen ein persönliches

Verhältnis. Und meinem Jäger- und Sammlertrieb

folgend, hakte ich in einer Stationierungsliste,

die in einer Ausgabe des LOK MAGAZIN von

1 966 erschienen war, jede Maschine ab, von der

ich noch mindestens ein halbwegs gutes Foto zustande

brachte. Um die 30 verschiedene 01 sollten

es insgesamt werden, allerdings nicht nur von

dort, hier sind die späteren Aufnahmen von der

Deutschen Reichsbahn und bereits abgestellter

Maschinen mitgerechnet.

29. November 1969, kurz vor der Abfahrt in die

kalte Nacht: 01 173 hat den D 147 übernommen

Alles aus. Oder doch nicht?

Mit Ende des Winterfahrplans 1 970 war es dann

mit der Herrlichkeit vorbei. 01 202 setzte sich am

30. Mai vor den Zug, mit den entsprechenden Girlanden

behangen, wie damals bei letzten Fahrten

mit Dampf so üblich. Oberstaatsanwalt Hans

Sachs, der damals durch eine Rateshow im Fernsehen

bekannt war, überreichte pressewirksam zwei

HO-Modelle der 01 an die Maschinenmänner. Das

wär’s dann also – dachte ich. Doch es sollte anders

kommen und dafür umso üppiger.

Morgens um 9:1 5 Uhr kam der D 750 aus Hof

(in Pegnitz vereinigt mit einem Flügelzug aus Bayreuth)

an. Die 01 wurde gegen eine V 200 oder

V 200.1 für die Weiterfahrt in Richtung Stuttgart

getauscht, während die Dampflok zur Restaurierung

ins Bw Nürnberg Rbf fuhr. Kurz vor sechs

DOPPELBESPANNUNG

W

enn der saisonale D 1046 das letzte Mal verkehrte,

wie hier zum Ende der Osterzeit, setzte sich die Hofer

01 wegen mangelnder Rückleistung als Vorspannlok vor

den D 751 (D 147). Hier sind es 01 187 und 01 202 am

6. April 1970, die eben vom Bw Nürnberg Rbf gekommen

sind und auf die Übernahme ihres Schnellzuges warten. Die

Personale nutzen die Zeit für eine angeregte Unterhaltung.

LOKMagazin 04/2014

93


GESCHICHTE

kam sie zurück und übernahm um 1 8:1 5 Uhr den

Gegenzug nach Hof. Im Sommerfahrplan 1 970

fuhr der sonst nur saisonale Schnellzug D-

1 045/1 046 Nürnberg – Hof – Dresden täglich.

Die für die Dieseltraktion ausreichenden Wendezeiten

in Nürnberg (Abfahrt um 1 0:1 5 Uhr, Ankunft

um 1 4:00 Uhr) ermöglichten einen Umlauf

mit Regensburger 21 7 oder 21 8 für beide Schnellzugpaare,

der wegen der erforderlichen Restaurierung

im zu weit entfernten Bw Nürnberg Rbf für

die 01 nicht in Frage gekommen wäre (einen Diesel-Durchlauf

Stuttgart – Hof gab es hier nicht).

Eine spannende Vermutung

Zum Winterfahrplan 1 970/71 , der D 1 045/1 046

fuhr dann wieder nur zur Weihnachts- und Osterzeit,

hatte ich den Verdacht, dass „mein“ D 750/751

wieder mit 01 bespannt werden könnte. Ich teilte

meine Vermutung einem ebenfalls vom Dampfbazillus

gepackten Klassenkameraden mit. Sein Grin-

DAS BW NÜRNBERG HBF

as Bw Nürnberg Hbf (später auch

DNürnberg 1 und Nürnberg West) liegt

etwa vier Kilometer entfernt vom

Hauptbahnhof an der Strecke nach

Fürth und kann auf eigenen

Maschinengleisen erreicht werden. Die

Dampflok unterhaltung endete 1967, die

verbliebenen 01 wurden nach Hof

umstationiert oder ausgemustert. Der

noch erhebliche dampfgeführte

Personenverkehr – vor allem zur

Berufsverkehrszeit – wurde dann vom

Bw Nürnberg Rbf aus mit den Baureihen

50, 64 und 86 betrieben. Nachteil dieses

Betriebswerks war dessen große

Entfernung von fast neun Kilometern.

Dafür mussten bis Nürnberg-

Dutzendteich die Gleise der zu den

Stoßzeiten dicht befahrenen Strecke

nach Regensburg benutzt werden. Die

Bereitstellung der Maschinen war

entsprechend zeitaufwändig.

as Bw Nürnberg Hbf wurde im

DJubiläumsjahr 1985 zum Museums-

Bw der wieder auferstandenen Dampf -

traktion auserkoren und beherbergte in

späteren Jahren dann viele der DBeigenen

Museumslokomotiven. Traurige

Berühmtheit erlangte der Großbrand des

Rundschuppens am 17. Oktober 2005,

bei dem viele wertvolle Exponate ein

Raub der Flammen wurden. Die

Bedeutung beider Werke ist auch

heute noch groß. Am Rangierbahnhof

werden Elektro- und Dieselloks für

den Güterverkehr und

Verschiebedienst gewartet. Das

ehemalige Bw Nürnberg Hbf wurde

nach der Verlagerung des

Containerbahnhofs in den Hafen

erweitert und ausgebaut und ist für

die Unterhaltung hauptsächlich der

modernen Triebwagenflotte für

Nahverkehr und S-Bahn zuständig.

Wie die Auszüge aus dem Buchfahrplan zeigen, musste auf einigen Abschnitten 110 und 115 km/h

gefahren werden musste, bei Schnabelwaid sogar 120 km/h. Die Fahrzeiten für die Schnellzüge waren

dabei weitgehend gleich, egal, ob mit der 01 oder V 200 bzw. V 200.1 gefahren wurde

94


HOFER 01 IN NÜRNBERG

sen am nächsten Tag lag natürlich nicht am gleich

beginnenden Unterricht, sondern daran, dass er

zum Bahnhof gegangen war und meine Vermutung

als richtig bestätigen konnte.

Im November des selben Jahres war es wieder

eine Sichtmeldung, die mich in Aufregung versetzte.

Mein Bruder kam eines Abends nach Hause

und erzählte, er hätte eine 01 auf den Maschinengleisen

in Richtung Bw Nürnberg Hbf gesehen,

wo sich normalerweise keine Dampflok mehr

hin verirrte. Nun, Sonderzüge und Ersatzleistungen

gibt es ja, und ich dachte mir zunächst nicht

viel dabei. Trotzdem musste man dem schließlich

nachgehen.

Zwischenleistung mit Eilzugpaar

Tatsächlich: Dem damaligen Lokmangel geschuldet,

kam es von November bis Anfang Februar

tagsüber zu einer zusätzlichen Eilzug-Leistung.

Die 01 kam also bereits mittags vom Bw Nürnberg

Rbf zurück und setzte sich vor den aus München

gekommenen E 1 939 nach Bayreuth (Abfahrt 1 2:32

Uhr). Nach der Rückkehr des Gegenzuges E 1 938

von Bayreuth um 1 6:29 Uhr fuhr die 01 dann ins

nahe Bw Nürnberg Hbf zum Drehen, um rechtzeitig

für die abendliche Schnellzugleistung wieder

zur Verfügung zu stehen. Angeblich wegen der

Proteste der Lokpersonale wurde diese zusätzliche

Leistung zum Leidwesen von uns Fans bald wieder

aufgegeben und wieder mittels V 1 00 bewältigt.

51 8 Kilometer Tagesleistung, die Fahrten ins Bw

nicht eingerechnet, waren für die Personale der abgefahrenen

01 kein Pappenstil! Wie mir jemand erklärte,

wurden zum Schluss die Kohlen langsam

knapp, das heißt, der Heizer musste diese weit hinten

vom Tender vorholen, bestimmt ein Knochenjob

zum Ende des langen Dienstes. Ob dies wirklich

der Grund war, oder ob einfach wieder

genügend V 1 00 für den Eilzug zur Verfügung

standen, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Vielleicht gibt es ja unter den Lesern noch einen

Lokführer oder Heizer von damals, der Näheres

dazu aussagen kann. Logisch, dass auch diese Bespannung

nur ein letztes Intermezzo war, und so

endete sang- und klanglos der 01 -Einsatz vor dem

D 750/751 am 22. Mai 1 971 zum Fahrplanwechsel.

Wie schon ein Jahr zuvor war auch der allerletzte

Zug mit der 01 202 bespannt.

In der darauf folgenden Weihnachtszeit 1 971 /72

kam es nochmals zum Einsatz der Baureihe 01 vor

dem saisonalen D 1 045/1 046 nach Nürnberg, eineinhalb

Jahre, bevor das Feuer der letzten planmäßig

eingesetzten 01 bei der DB im Herbst 1 973

erlosch.

Erhard Ditz

Die mittägliche Leistung mit den E 1938/1939 während einiger Wochen im Winter 1970/71 war den Fans

aus Nürnberg hochwillkommen: 01 111 bei Rupprechtstegen am Hufstättetunnel am 5. Januar 1971

LOKMagazin 04/2014

95


GESCHICHTE

D

a fragt man sich, warum auf dem Umlauf

dieser werksneuen Schnellzuglok für die

Meterspur all diese Flaschen stehen? Und

wenn man einmal nachzählt, kommt man auf 45

Stück, 36 oben und noch einmal neun auf der Pufferbohle.

Wenn man annimmt, dass man zu Ehren

der 50. und letzten Lok dieser Bauserie von Pacific-

Maschinen der Baureihe YP für die Indische

Staatsbahn, gebaut von Krauss-Maffei, 50 Flaschen

Bier spendierte, dann ist klar, dass fünf davon

schon ihre Bestimmung gefunden haben …

Weitere Loks dieser Baureihe wurden dann

nach einem Abkommen zwischen Krauss-Maffei

und Tata Engineering noch bis in die 1 970er-Jahre

96


DAS HISTORISCHE BILD

DAS HISTORISCHE BILD

Krauss-Maffei, München-Allach

Slg. Edgar Fischer/GeraMond

LOKMagazin 04/2014

in Indien nachgebaut. Der Einsatz der Maschinen

dauerte bis etwa zur Jahrtausendwende. Mehr als

ein Dutzend sind erhalten geblieben.

Mit dabei sind auch zwei Loks aus den Krauss-

Maffei-Lieferungen der 1 950er-Jahre: YP 2204

(KM 1 8024/1 954), geliefert am 1 1 . Februar 1 955, sie

war zuerst Denkmal in Guntakal und soll inzwischen

betriebsfähig sein. Die andere Maschine ist

die YP 2257 (KM 1 8077/1 954), die am 8. August

1 955 in Indien in Betrieb ging. Bei ihr vermeldet

das Internet einen zwischenzeitlichen Verkauf in

die USA. So oder so: Beide Loks feiern in diesem

Jahr ihren 60. Geburtstag. Das Bier ist niemals so

alt geworden …

Redaktion

97


GESCHICHTE

ALTBAU-ELLOKS

Grün, grau, blau oder rot

FARBEN- UND FORMENVIELFALT Manch eingefleischter Dampfliebhaber

wandte sich den alten Elloks erst zu, als seine schwarzen Lieblinge

alle verschrottet waren. Und staunte, was er da zuvor alles verpasst hatte!

Bis 1976 gab es diese parallele Aufstellung im Hbf München: Der eine

Zug fuhr nach Rosenheim, der andere nach Kufstein, und beide

hatten die schönen Buchli-116 als Zuglok

Dr. Florian Hofmeister

98


ALTBAU-ELLOKS

LOKMagazin 04/2014

99


GESCHICHTE

Juni 1964: Die E 04 22 rollt nach einer Leistung zurück in ihr Heimat-Bw München Hbf

Es gibt ein neues Buch, und darin

geht es um die alten Elloks. Die

meisten Fotos darin sind farbig, und

das hat mit den Lokomotiven zu tun,

mit der Technik der Fotografie und

mit den Rolling Stones …

Auch wenn die Rolling Stones 1967

bei ihrem Song ganz sicher nicht die

damals noch in großer Fülle aktiven

Slg. Andreas Knipping

souverän die Grenze zwischen dem

Deutschland mit den schwarzen

Ellokfahrgestellen (West) und dem

Deutschland mit den roten

Ellokfahrgestellen (Ost).

Noch ein Wort zu den Lackierungen

der alten Elloks: Ihr authentischer

Nachweis aus Zeiten ohne Farbfoto -

„She comes in colors everywhere“

deutschen Altbau-Elloks gemeint

haben, mag der Titel einer ihrer ganz

großen Hits als Motto für diesen kleinen

Rückblick in die selbe Epoche taugen.

In unserem „rainbow“ genießt

aber Gastrecht auch das edle Grau der

Schwarz-Weiß-Fotografie. Wir schreiten

im Sinne der Übersichtlichkeit nach

Reihennummern vor und wir über -

queren innerhalb der Baureihen blätter

grafie gestaltet sich schwierig.

Als gesichert für die Länderbahn -

konstruktionen kann ein Erscheinungs -

bild in Grüntönen gelten, die je nach

Farbzusammensetzung und Alterungs -

grad freilich wie bei den Dampf -

lokomotiven recht unterschiedlich

ausfallen konnten. Ausnahme war

Bayern in den 1920er-Jahren mit einer

kastanienbraunen Lackierung.

100


ALTBAU-ELLOKS

Schöne Bahnsteigszene aus Lauda aus den späten 1979ern: 193 004, erstklassig geputzt

Burkhard Wollny

Auch gut im Lack steht die 244 132, eine Maschine aus Leipzig, aufgenommen im Juli 1978

LOKMagazin 04/2014

Dr. Fl. Hofmeister

101


GESCHICHTE

Am 28. September 1978 surrt die 169 002 in Murnau mit ihrem Zug nach Oberammergau los Dr. Fl. Hofmeister

In der Reichsbahnzeit wurde eine

stahlgraue Außenhaut mit schwarzen

Zierlinien genormt. Waren es

Spiegelungen der Umgebung im glänzenden

Lack, die immer wieder

Erinnerungen an vermeintlich grüne

oder blaue Lokomotiven vermelden?

Einrücken ins Bw: Unter der Donnersberger Brücke

begegnen sich 118 020 und 117 116 Dr. Fl. Hofmeister

Die grüne Lackierung wurde erst nach

dem II. Weltkrieg eingeführt. Beginnend

mit den E 10 001 – 005 erhielten

Schnellzugloks der DB dann eine blaue

Farbgebung. Für Altbau-Elloks

beschränkte sich diese Umlackierung

auf die E 18 und E 19. Rangierloks

fuhren im roten Warnanstrich. Bei der

DR trugen alle Altbau-Elloks grün.

102


ALTBAU-ELLOKS

Rot mit Warnanstrich kommt die E 60 08 neben der E 94 083 in Freilassing 1965 daher

Dr. Walter Abriel

DAS BUCH ZUM THEMA:

Andreas Knipping

DIE DEUTSCHEN

ALTBAU-ELLOKS

Endstation Abstellgleis: In Freimann steht im

Sommer 1971 die 175 052

Dr. Florian Hofmeister

LOKMagazin 04/2014

Sie gelten als die

„Dinosaurier“ unter

den Lokomotiven

und waren bis in

die späten 1980er-

Jahre bei beiden

deutschen

Eisenbahnen im

täglichen Einsatz:

Altbau-Elloks.

Eisenbahnnostalgiker

und Technik -

fans erfreuen die

frühen Elektro -

lokomotiven

gleichermaßen, in

der Eisenbahn -

szene sind sie absoluter Kult! Andreas Knipping präsentiert

Ihnen die beliebten Maschinen mit kompakten Texten und

stimmungsvollen, vorwiegend farbigen Bildern.

160 Seiten mit ca. 150 Abbildungen, 22,3 x 26,5 cm

ISBN: 978-3-86245-161-6, 32,99 Euro

103


GESCHICHTE

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WINTERDAMPF IM WESTERZGEBIRGE

WINTERDAMPF IM WESTERZGEBIRGE

Die „Trapo“ war weit weg

KAFFEE BEI DER AUFSICHT Im Erzgebirge gingen die

Uhren anders: Freundliche Eisenbahner, Dampfbetrieb bis

weit in die 1980er-Jahre und wunderbare Fotomotive …

Im Dezember 1991 gelang diese Aufnahme vom letzten Stück des Thumer Schmalspurnetzes in

Wilischthal mit einem Foto-Güterzug und der 99 1586 auf der Zschopau-Brücke Alle Fotos Stefan Becher

LOKMagazin 04/2014

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GESCHICHTE

Schmalzgrube im Preßnitztal: Trotz der Schneemassen

läuft der Betrieb reibungslos …

I

m südwestlichen Teil Sachsens erstreckt sich

das Erzgebirge. Schon Anfang Dezember hält

dort gewöhnlich der Winter Einzug. Meistens

in den Flusstälern versteckt dampften dort bis

Ende der 1 980er-Jahre viele der letzen Regel- und

Schmalspurlokomotiven der Reichsbahn im planmäßigen

Personen- und Güterzugdienst durch die

verschneite Landschaft.

In den oberen Lagen des Gebirges versank die

Eisenbahn im Winterschlaf. Die Zeit schien stehengeblieben

zu sein. Idyllische Bahnhöfe gab es

an den Strecken, jeder davon mit Aufsicht bzw.

Fahrdienstleitern besetzt, dazu mollig warme Warteräume

und abends eine anheimelnde Beleuchtung.

Von Schlettau bis Crottendorf bekam auch

der Fremde beim Fahrdienstleiter oder im Güterboden

einen Kaffee gebrüht. Die Transportpolizei,

die „Trapo“, war dort nicht zu sehen …

Umläufe werden Makulatur

Der Winterdienst hatte damals wie heute seine

Tücken. Schnee und Eis behinderten den reibungslosen

Eisenbahnbetrieb. Häufig gerieten die

Umlaufpläne der Dampflokomotiven durcheinander.

Wegen Lokmangels wurden dann Heizlokomotiven

oder sogar Museumsloks kurzfristig in

den Zugdienst versetzt oder es konnte passieren,

Bei großer Kälte kämpft sich am 28. Januar 1987 die 50 3145 vor dem Dg 54307 von Zwickau nach

Schwarzenberg bergan. Hier passiert sie die Ortslage Hartenstein,im Hintergrund das Schloss Stein

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WINTERDAMPF IM WESTERZGEBIRGE

Plötzlich kam die Sonne durch: Außerplanmäßig fuhr die 50 3694 einen Personenzug von Aue nach

Zwickau. Beim Umsetzen im Hauptbahnhof Zwickau enstand dieses Foto

86 1001 hat gerade den Haltepunkt Walthersdorf verlassen und zwängt sich nun zwischen Landstraße,

Wohnhaus und kleiner Dorfkirche bergauf in Richtung Crottendorf

LOKMagazin 04/2014

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GESCHICHTE

Der Güterzug 61971 nach Annaberg mit der 50 3704 hatte am 12. März 1987 Verspätung, sodass die

Kreuzung mit dem PmG aus Crottendorf und der 86 1001 in Schlettau abgewartet werden musste

Zünftige Schneeballschlacht in Schlössel …

dass aus zwei aufeinander folgenden Güterzügen

nur einer wurde, und der kam natürlich in diesem

Fall mit 60 Minuten und mehr Verspätung.

Für den Fotografen an der Strecke hieß es dann

unweigerlich, am Motiv bei minus 20 Grad auszuharren.

Aufwärmen war wegen der eingeschränkten

Bewegungsfreiheit auf einer Stützmauer oder

einem Felsvorsprung nicht möglich. So spürte

man die Füße nach einer Stunde kaum noch, die

eisige Kälte kletterte am Körper hoch.

Da – war da nicht in der Ferne der langgezogene

Pfiff einer Dampflok? Das sich verstärkende

gleichmäßige Stampfen ließ die Lebensgeister wieder

erwachen. Plötzlich fror man nicht mehr – eigenartig!

Die Auspuffschläge wurden lauter, die

Lok tobte vorüber, das Bild war geglückt, die Tortur

war nicht umsonst!

Und heute? Stilvoller Museumsbetrieb!

So oder ählich kann es einem auch noch heute gehen,

wenn man bei Eiseskälte auf einen Zug irgendwo

in der Landschaft wartet. Es war ja 1 988

mit den Dampfloks vor den Zügen nicht abrupt zu

Ende. Es gab und gibt noch die Schmalspurbahnen

und auch heute noch verschiedene Leistungen, bei

denen Züge extra mit Dampfloks bespannt werden.

Die Schmalspurstrecken haben ihre romantische

Eigenart kaum verloren und der Winter zeigt

dort besonders, wie sehr die Technik doch mit der

Landschaft verschmelzen kann.

Mit den Bildern soll ein kleiner Eindruck vom

stimmungsvollen Winterbetrieb auf den Strecken

des Westerzgebirges vermittelt werden, ohne dabei

zu vergessen, dass die harte Arbeit auf den Lokomotiven

und in den Bahnbetriebswerken keine romantische

Träumerei, sondern harte Arbeit ist.

Stefan Becher

108


GESCHICHTE

Über diese Brücke in der Nähe des Hp Sonnenschein (!) fahren heute nur noch Radfahrer

Dietmar Beckmann

SPURENSUCHE

„Rheinischer Esel“

B.-LANGENDREER – D.-LÖTTRINGHAUSEN Sieben

Planeten, ein Sputnik und urige Ortsnamen – diesen

schönen Radweg sollte sich keiner entgehen lassen

I

n Bochum gibt es das Planetarium und die

Sternwarte, wo einst Prof. Kaminski das Funksignal

des Sputniks empfangen konnte, aber

Siebenplaneten? Dies war der Name eines Haltepunktes

im Bochumer Stadtteil Langendreer an

der Bahnstrecke über Witten Ost nach Dortmund-

Löttringhausen. Der Haltepunkt erhielt seinen Namen,

da in der Nähe die Zeche Siebenplaneten lag.

Um Dortmunds Innenstadt zu umgehen, wo

sich schon mehrere Strecken konzentrierten, eröffnete

am 1 5. Dezember 1 880 die Rheinische Bahn-

Gesellschaft eine Linie, um eine schnelle Verbindung

ihrer Strecken Osterrath – Dortmund Süd

und Dortmund Süd – Düsseldorf-Derendorf zu

schaffen. Die Strecke wurde mit einer maximalen

Steigung von zehn Promille primär für den Güterverkehr

ausgelegt. Da im Personenverkehr die

Züge häufig von Arbeitern und von Marktfrauen,

110

die reichlich bepackt ihre Waren

zum nächsten Wochenmarkt

brachten, benutzt wurden, kam

die Bahn schnell zu dem Spitznamen

„Rheinischer Esel“.

Dieser Personenverkehr, zuletzt

waren Akku-Triebwagen der

Reihe 51 5 im Einsatz, wurde am

30. November 1 979 eingestellt.

Unsere Spurensuche begin-

nen wir am alten Bahnhof Bochum-Langendreer,

der an der Hauptstrecke Bochum – Dortmund

liegt. Seitdem Anfang der 1 980er-Jahre die S-Bahn

von Bochum Hbf nach Dortmund verlängert wurde,

halten dort keine Züge mehr und das Bahnhofsgebäude

dient als Kulturzentrum.

Nach etwa einem Kilometer zweigte der „Rheinische

Esel“ nach links von der heutigen KBS 427

ab. Dort, in Höhe der Oberstraße, beginnt der Radund

Fußweg. Nach wenigen Metern ist schon die

Bahnsteigkante des früheren Haltepunktes Siebenplaneten

zu erkennen. Es geht vorbei an Wald,

Wiesen und Feldern und wenn die Stadtgrenze

nicht markiert wäre, würde man es nicht merken,

dass man schon nach wenigen Kilometern Wittener

Gebiet erreicht hat .

Nun wird die Bebauung bald wieder dichter. Bei

Kilometer 4 wird die A 44 auf einer Kastenbrücke


SPURENSUCHE

Kilometerstein bei Witten Ost Marcus Henschel (4) Unten tobt der Autoverkehr: Brücke über die A 44

Hier grenzen Bochum und Witten aneinander

Radfahrer-Skulptur bei Witten-Annen Süd

überquert. Wir erreichen den Hp Witten-Sonnenschein.

Wenige Meter weiter wird die KBS 450.5

auf einem Steinbogen-Viadukt überquert. Die

Strecke macht jetzt einen weiten Bogen und wir

erreichen Witten Ost, wo noch der alte Stückgutschuppen

erhalten geblieben ist.

Bei Kilometer 7,1 stoßen wir auf die Bahnsteigkante

des Haltepunktes Witten Stadion. Dann folgt

der Bahnhof Witten-Annen Süd. Die Bahnsteigkante

und ein Fachwerk-Bahnhofsgebäude sind

dort noch zu sehen. Einen Kilometer weiter erreichen

wir schon Dortmunder Stadtgebiet und den

Haltepunkt Silberknapp. Die Landschaft ist nun

wieder ländlich geprägt. Bei Kilometer 1 1 wird bei

Großholthausen ein gemauerter Einschnitt erreicht.

Etwa 1 .500 Meter vor dem Hp Dortmund-

Löttringhausen wird die A 45 überquert. Wir passieren

ein Waldgebiet. An der Hellerstraße endet

der Rad- und Fußweg wenige Meter vor dem Hp

Löttringhausen.

Wer weiter mit der Bahn fahren will, kann dies

vom Haltepunkt Löttringhausen aus, welcher heute

zur RB-Linie 52 (Dortmund – Herdecke – Hagen

– Brügge – Lüdenscheid) gehört.

Wer sich aber über die sieben Planeten informieren

will, der findet ab dem Stadtgebiet Witten

entlang der Strecke gute Hinweistafeln über Erde,

Saturn, Venus und Co. Marcus Henschel

LOKMagazin 04/2014

LAGE, DATEN, FAKTEN

B.-Langendreer – D.–Löttringhausen

Spurweite

1.435 mm

Streckenlänge

13,3 km

Eröffnung 15. Dezember 1880

Einstellung

Personenverkehr 30. November 1979

Güterverkehr

Witten Ost – Witten-Stockum 31. Dezember 2001

Witten Ost – Bochum-Langendreer 31. Dezember 2004

Wanderung/Radtour: Man kann die ganze alte Strecke

gut mit dem Rad erfahren oder zu Fuß ablaufen.

111

Karte Slg. M. Henschel


AKTUELL

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Zum Beitrag „Die Alleskönnerin“

im Heft 3/14:

In der Tat sind die Lokomotiven

der Reihe 1 01 wohl die am häufigsten

mit Werbebotschaften beklebten

Maschinen. Man sollte

diese Dinge aber nicht übertreiben.

Wie seriös und gut sah z. B.

eine grüne 1 51 aus oder eine

blaue 1 1 0! Jeder Aufkleber hätte

die Schönheit dieser Lokomotiven

nur beeinträchtigt.

Herbert Gutjahr, Bad Eilsen

Man bekommt den Eindruck,

dass all die neuen Fahrzeuge nur

noch aus einem Grund glatt

sind: Damit man sie schnell bekleben

kann. Mir gefällt das

nicht. Johannes Herz, Potsdam

Zum Beitrag „Höchster Punkt“

im Heft 2/14:

In der Ausgabe stellen Sie die

Vogelsbergbahn unter dem erst

nach ihrem Abbau entstandenen

Namen „Oberwaldbahn“ vor. Ich

20. Juni 1997: Die noch fast fabrikneue 101 005 überquert mit einem

Intercity Berlin – München die Regnitzbrücke bei Vach Erhard Ditz

kenne die Bahn aus meiner

Kindheit sehr gut, habe 1 969

eine der letzten Dampffahrten

mit den zwei Aschaffenburger

Loks 64 504 und 297 (gibt es als

Roco-HO-Modell) bis Hartmannshain

mitgemacht. Damals

habe ich einen Normal-8-Film

gedreht mit Kodak-Farbfilm, der

allerdings wegen des winterlich

trüben Wetters sehr dunkel geraten

ist.

Die Bahn hieß jedenfalls immer

„Vogelsbergbahn“. Der Begriff

„Oberwaldbahn“ ist mir erst

in ihren Beiträgen begegnet. Die

DB hat allerdings nach Stilllegung

der Strecke den Namen

„Vogelsbergbahn“ übertragen auf

die Strecke Fulda – Gießen, die

jedoch eher am Rande dieses

Mittelgebirges liegt. W. Krech

Zum Beitrag „Erinnerungen an

die 01.10 der DB“ im Heft 12/13:

In Osnabrück herrschte damals

ein faszinierender Betrieb mit

Dampf lokomotiven! Wer jemals

eine 01 .1 0 mit einem 600-Tonnen-Schnellzug

über Teutoburger

Wald und Wiehengebirge hat

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112


LESERBRIEFE / HÄNDLERVERZEICHNIS / IMPRESSUM

stürmen sehen, der vergisst ganz

schnell jede Sonderfahrt.

Christian Klink, Alfeld

Zum „Historischen Bild“ im

Heft 2/14:

Ich habe das neueste Heft mit

viel Vergnügen gelesen. Dabei ist

mir allerdings ein Fehler aufgefallen:

Ich bin die Strecke zwischen

Rottenbach und Stadtilm

in meiner Jugend häufig gefahren

und habe später mit dem

Auto die parallel führende

Straße mindestens genau so oft

benutzt. Die Brücke auf dem

Foto befindet sich nicht zwischen

Rottenbach und Quittelsdorf,

sondern einige Kilometer

weiter hinter Paulinzella kurz

vor dem damaligen Kreuzungsbahnhof

Singen.

Allerdings befand sich diese

Brücke damals schon in einem

erbarmungswürdigen Zustand,

heute erinnert nur noch ein einsamer

Pfeiler an sie.

Die entspannte Haltung des

Heizers dürfte dem Umstand zu

verdanken sein, dass die lange

Rampe bezwungen ist und es ab

Singen erstmal für einige Kilometer

bis Stadtilm bergab geht …

Michael Soller

Korrektur zu Heft 3/14:

Das doppelseitige Foto der 1 01

auf den Seiten 42/43 ist nicht

von Thomas Feldmann, sondern

von Marcus Henschel. Red.

Osnabrück Hbf am 4. Juli 1965: 01 1058 mit dem F 192 „Skandinavien-Express“,

daneben 01 193 mit dem Eilzug 754

Christian Klink

Nr. 391 | 04/14 | April | 53. Jahrgang

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ISSN 0458-1822 | 10813

LOKMagazin 04/2014

113


VORSCHAU

TITELTHEMA

Die Schwarzwaldbahn

FAHRZEUGPORTRÄT

ÖBB-Reihe 4024/4124

Die Schwarzwaldbahn ist 1 50 Kilometer lang, überwindet

650 Höhenmeter und führt durch 39 Tunnel.

Baulich und landschaftlich beachtenswert ist

besonders der 40 Kilometer lange Aufstieg von

Hausach nach Sankt Georgen. Unser Streckenporträt

zeigt die interessantesten Seiten der Bahn.

GESCHICHTE

Tempojagd

Rafel Pascual

Markus Inderst

Der ÖBB-Personenverkehr beschaffte in den Jahren

2004 bis 2009 insgesamt 1 88 Triebzüge der

Bauart „Talent“ in drei unterschiedlichen Ausführungen.

Diese Fahrzeuge sind heute bundesweit

anzutreffen und stellen mit das Rückgrat im

österreichischen Regionalverkehr dar.

GESCHICHTE

Dampf in Lehrte

Dietmar Falk

Frank-D. Paßlick

Es ist ein langer Weg zwischen den 35 km/h, die

der Lokomotive DER ADLER von 1 835 zugeschrieben

werden, und den 574,79 km/h des TGV Est

von 2007. War das Tempo immer sinnvoll? Oder

nur Prestige? Wir schauen zurück auf die Entwicklung

des Hochgeschwindigkeitsverkehrs weltweit.

7

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5/2014 ERSCHEINT AM 11. APRIL 2014!

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben Freunde oder Bekannte, die sich ebenso für die

Eisenbahn mit all ihren Facetten begeistern wie Sie? Dann empfehlen

Sie uns doch weiter! Ich freue mich über jeden neuen Leser.

Ihr

Aus dem unbekannten Bauerndorf Lehrte bei Hannover

wurde im 1 9. Jahrhundert einer der wichtigsten

Eisenbahnknoten Deutschlands, so bedeutend,

dass es in Berlin einen Lehrter Bahnhof gab.

Dietmar Falk war oft in Lehrte und fotografierte

dort Dampfloks, bis 1 976 – dann war Schluss.

Verantwortlicher Redakteur LOK MAGAZIN

114


SCHLUSSPUNKT

Plandampf: Die 52 6666

durchfährt am 21. Februar

1991 mit dem P 9015 von

Erfurt nach Meiningen den

Tunnel am Zwang Udo Kandler


Nächster Halt!

Messe für Modellbau und Modellsport

09. -13. April 2014

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